The Project Gutenberg EBook of Rostem und Suhrab, by Friedrich Rckert

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.net


Title: Rostem und Suhrab
       Eine Heldengeschichte in zwlf Bchern

Author: Friedrich Rckert

Release Date: May 22, 2010 [EBook #32481]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ROSTEM UND SUHRAB ***




Produced by Karl Eichwalder, Wolfgang Menges and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net









  Rostem und Suhrab.

  Eine Heldengeschichte
  in zwlf Bchern

  von

  Friedrich Rckert.


  Zweite Auflage.


  [Illustration: Verlags-Signet]


  Stuttgart.
  Verlag von S. G. Liesching.
  1846.

  Druck von J. Kreuzer in Stuttgart.




    Erstes Buch.


    1.

      La aus dem Knigsbuch der Perser dir berichten
    Von Rostem und Suhrab die schnste der Geschichten,
      Von Heldenruhm, wie leicht er Frauenlieb erwarb,
    Und wie der eigne Sohn, erlegt vom Vater, starb!
      Held Rostem sprach, als er am Morgen war erwacht:
    Auch heute hab ich nicht zu reiten in die Schlacht.
      Afrasiab, der Frst von Turan, let ruhn
    Die Waffen, friedlich blht das Reich von Iran nun;
    Doch in der Friedensruh was soll ich selber thun?
      Da rstet' er sich schnell zur Jagd, er band in Eile
    Den Grtel fest, und hieng den Kcher um voll Pfeile.
      Den Bogen prft' er, ob er nicht die Kraft verlor;
    Dann zog er aus dem Stall den edlen Hengst hervor.
      Dem war die Weile dort wie seinem Herren lang;
    Er wieherte vor Lust, als er ihn setzt' in Gang.
      Er schwang sich auf den Rachs, und sagte nicht ein Wort
    Den Seinigen im Haus, in Eile ritt er fort.
      Der Mark von Turan zu wandt er sein lockig Haupt,
    Alswie ein Lwe, der nach seiner Beute schnaubt.
      Wie zu der Turanmark er hingekommen war,
    Die Haide nam er da voll wilder Elke war.
      Wie eine Rose war erblht des Helden Wange
    Vor Lust, er tummelte den Rachs mit raschem Gange.
      Mit Pfeil und Bogen bald, mit Keul und Fangeschnur,
    Ein Dutzend Stcke warf er nieder auf die Flur.
      Aus Dornen und Gestruch und manchem Baumesast
    Entzndet' er darauf ein Feur von starkem Glast.
      Und als zu Kolenglut war eingebrant die Flamm,
    Erkor der Recke sich zum Bratspie einen Stamm.
      Der Elke feistesten steckt' er an diesen Baum,
    Der wog in seiner Hand nicht eines Vogels Flaum.
      Er drehte wohl den Spie, da fein der Braten briete
    Auf allen Seiten gleich, und nirgend ihm misriete.
      Und als er gaar nun war, nam er ihn vor, und sa
    Am grnen Boden hin mit guter Lust und a,
    Wobei er auch das Mark im Knochen nicht verga.
      Gesttigt, schritt er nun hin wo ein Waer lief,
    Zur Gnge trank er auch, dann legt' er sich und schlief.
      Am Rand des Baches lag der Held, den heien Tag
    Ausschlafend, und sein Ross gieng weidend frei im Hag.


    2.

      Als Rostem lag und schlief, und an sein Ross nicht dachte,
    Da kamen Trken her, ein sieben oder achte.
      Die sahn ein edles Ross frei weiden in dem Bann
    Von Turan, und zu sehn zum Rosse war kein Mann.
      Worauf sie sich alsbald das Ross zu fangen schickten:
    Sie httens nicht gewagt, wo sie den Mann erblickten!
      Da kamen sie dem Rachs mit ihrer Fangschnur nah;
    Aufschnaubt' er wie ein Leu, da er die Fangschnur sah.
      Nicht wollte sich der Rachs geduldig laen fangen,
    Es wre schlimm zuvor erst einigen ergangen.
      Den Kopf vom Rumpfe ri dem einen sein Gebi;
    Derweil ein Hufschlag zwei zu Boden hinten schmi.
      Der khnen Trken so getdtet lagen drei,
    Das kriegerische Ross war noch von Banden frei.
      Doch unverdroen strmt herbei der andre Tross,
    Und warfen bers Haupt mit Mh die Schnur dem Ross.
      Gebndigt fhren sies zur nahen Stadt in Eil,
    Es wr um vieles Gold ihr Fang nicht ihnen feil.
      Es sei von hoher Art, ersahn sie an den Zeichen;
    Jedweder wollte Teil am edlen Hengst erreichen.
      Sie frchteten, der Raub werd ihnen bald entfhrt,
    Nicht lange bliebe solch ein Schatz unaufgesprt.
      Da brachten sie geschwind ihn zu der Stuterei,
    Da seines Samens doch teilhaftig jeder sei.
      Ich hrte, da er dort auf zwanzig Stuten sprang,
    Die alle seiner Wucht erlagen beim Empfang.
      Und nur von einer ward getragen Leibesfrucht;
    Zu Groem war bestimmt das Folen edler Zucht.


    3.

      Doch Rostem, wie er dort von seinem Schlaf erwachte,
    Das erste war sein Ross, an das er wieder dachte.
      Er blickt' umher, und sah sein Ross nichtmer im Hag;
    Verlaufen hatt es ihm sich nie vor diesem Tag.
      Laut rief er ihm; sonst kams auf leisen Ruf herbei;
    Nun kam es nicht; da sprang er auf mit lautem Schrei.
      Er suchte rings im Hag, er sphte durch die Flur,
    Von seinem Rosse fand er hier und dort die Spur,
      Es selber fand er nicht, und rief: O weh! verloren
    Hab ich, derweil ich schlief, mein Ross gleich einem Toren.
      Was soll ich ohne Ross mit dieser Rstung thun?
    Des Rittes lang gewohnt, geh ich zu Fue nun?
      Was werden Trken, wenn sie mir begegnen, sagen,
    Da ich den Sattel mu, statt mich der Sattel, tragen?
      Verlaufen hat sichs nicht, das ist nicht seine Art;
    Nun desto schlimmer, wenn es mir gestolen ward!
      Doch lang bleibt nicht der Rachs des Rostem unbekant;
    Auffinden werd ich ihn, der mir den Rachs entwandt!
      Kam wol, derweil ich schlief, ein ganzes Trkenheer?
    Denn einem einzgen ist der Rachs zu fangen schwer.
      Doch den Gedanken ist vergebens nachzuhangen;
    Auf, rste dich zum Gang, weil dir dein Ross entgangen!
      So sprach er unmutsvoll, und schwieg, und schaute stumm
    Noch eine Weile sich nach seinem Rsslein um;
      Denn immer dacht er noch, es mte wieder kommen:
    Wer auf der Welt sollt ihm haben den Rachs genommen?
      Als aber doch der Rachs nicht wiederkommen wollte,
    Macht' er sich endlich an den sauren Gang, und grollte.
      Mit Waffen und Geschirr belud er sich, und sprach
    Noch viel mit sich, indem er gieng den Spuren nach.
      Die Spuren leiteten zur Stadt Semengan ihn,
    Die dort im Abendstral zu ihm herber schien.


    4.

      Er sprach: Das ist die Stadt, in der ein Knig sitzt,
    Der es mit Turan jetzt und hlt mit Iran itzt,
      Der wie die Wage schwank sich nach der Seite neigt,
    Wo sich ein Perser hier und dort ein Trke zeigt.
    Den Rostem kennen sie, wenn er zu Pferde steigt!
      Doch fehlt mir ja der Rachs, da ich zu Pferde steige!
    Ob ich zu Fue denn mich in Semengan zeige?
      Ich geh in ihre Stadt zu Fu mit meinen Waffen,
    Und seh, ob meinen Rachs sie dort mir wieder schaffen!
      Ich sag es ihnen gleich, da sie ihn schaffen sollen,
    Und denke nicht, da sie ihn vorenthalten wollen!
      Ich werb um Gastherberg in dieser Stadt der Grenzen,
    Und sehe, was beim Schmaus dem Rostem sie kredenzen!
      So sprach er unterm Gehn, doch aus den Augen lie
    Er nie dabei die Spur, die sich am Boden wies;
      Bis die in Schilf und Rohr am Flue sich verlor;
    Da lie er sie, und gieng grad auf Semengans Tor.
      Nun in Semengan ward dem Knig angesagt:
    Held Rostem kommt, er hat im Trkenforst gejagt.
      Zu Fue geht einher die lichte Kronenzier,
    Weil ihm entlaufen ist der Rachs im Jagdrevier.
      Der Knig, wie er die vernam, war er geschrzt,
    Danicht ein solcher Gast an Ehren sei verkrzt.
      Da zogen aufs Gebot des Knigs alle Degen,
    Die Edlen all des Hofs, dem Edelsten entgegen.
      Entgegen zog ihm, wer aufs Haupt nur einen Helm
    Zu setzen hatt, und wer zurckblieb, war ein Schelm.
      Sie reihten feierlich sich um den Heldenglanz,
    Wie um der Sonne Haupt der Abendwolke Kranz.
      So fhrten sie zur Stadt das Licht der Ehren ein,
    Als eben ber ihr erlosch des Tages Schein.


    5.

      Der Knig trat zu Fu hervor aus dem Palast,
    Der Hofstaat um ihn her, entgegen seinem Gast.
      Er grt' und neigte sich: Woher durch Wald und Feld,
    Und kein Begleiter ist mit dir, o Kampfesheld?
      Hast du den Tag vollbracht mit Jagd im Jagdrevier,
    Und suchest nun zur Nacht bei Freunden Nachtquartier?
      Wir alle sind hier nur auf deinen Wunsch bedacht,
    Und zu Befehle steht Semengan deiner Macht.
      Die Leben stehen dir und Gter zu Befehle;
    Die Edeln, Edelster, sind dein mit Leib und Seele.
      Was wnschest du? es soll geschehen, o Pehlewan!
    Gebeut, was wir dir thun, und denk, es sei gethan!
      Held Rostem hrte gern die Rede sanft und zahm,
    Wol merkt' er, ihnen sei die Hand zum Bsen lahm.
      Er sprach: Abhanden kam der Rachs mir auf der Flur,
    Und hier bis an die Stadt geht seiner Tritte Spur.
      Wenn du mir diese Nacht ihn wieder schaffen kannst,
    So wie, da du Dank von mir und Preis gewannst.
      Doch wenn ihr mir den Rachs nicht werdet wieder schaffen,
    So sollen durch mein Schwert hier breite Wunden klaffen.
      Der Knig sprach erschreckt: Held ohne Furcht und Zagen,
    Wer drfte wol den Rachs dir zu entwenden wagen?
      Sei du mein Gast, la dir den Ehrenbecher spenden
    In Frieden, und nach Wunsch wird sich die Sache wenden.
      Von Rostems Rosse bleibt die Fhrte nicht verborgen;
    Wir schaffen dir den Rachs; gedulde dich bis morgen!
      Mit ungestmer Hast gelangt man nicht zum Fange;
    Mit sanften Worten lockt man aus dem Loch die Schlange.
      Drum snfte deinen Zorn, kehr ein, und la beim Wein
    Mit Herzen sorgenfrei die Nacht uns frhlich sein!
      Wir bringen dir den Rachs, o tapfrer Kampfgesell,
    Wir bringen ihn, bevor der Morgen tagt, zur Stell;
    Uns sei die Hall indes vom Licht des Weines hell!


    6.

      Der Lwenmutige ward dieser Rede froh,
    Davon aus seiner Brust so Groll als Unmut floh.
      Es dnkt' ihm gut, da er zum Knigshause gienge,
    Als wolgemuter Gast zu Fest und Schmause gienge.
      Ihm gab den Ehrensitz der Knig im Palast,
    Auf Fen dienstbereit stand er vor seinem Gast.
      Die Hupter aus der Stadt, die Hupter aus dem Heer,
    Berief und pflanzt' er beim Gelag um Rostem her.
      Den Kchen er befal, von allen guten Dingen
    Gerichte zu der Wal des Helden herzubringen.
      Da ward hereingebracht ein ausgesuchtes Mal,
    Der Silberscheln Pracht und goldner Schaalen Zal;
    Aus China war beim Fest chinesischer Pokal.
      In diesem ward kredenzt Wein unter Lautentnen
    Von rosenwangigen gasellenaugigen Schnen.
      Sie mengten Saitenspiel und Wein mit Schmeichelei,
    Damit nicht ungemut der Hochgemute sei.
      Er hrte seine Lust, und schaute sein Vergngen,
    Und trank den frohen Mut dazu in langen Zgen.
      Mit allen Sinnen so schpft' er des Festes Wonne,
    Ihm stralte sein Gesicht bei Nacht wie eine Sonne.
      Und allen, welche da das helle Angesicht
    Des Helden leuchten sahn, wards in der Seele licht.
      Die Becher lie er nicht die ungetrunknen sumen;
    Und als er trunken war, dacht er den Sitz zu rumen.
      Da war bereit fr ihn, gewlbet khl und luftig,
    Ein Schlafgemach, von Musk und Rosenwaer duftig.
      Im khlen Schlafgemach verschlief auf seidnen Decken
    So Mdigkeit als Rausch Rostem, der Feinde Schrecken.


    7.

      Um Mitternacht, wenn sich des Poles Wagen drehn,
    Ward leises Wort gesagt bei leiser Tritte Gehn.
      Geruschlos aufgetan ward Rostems Ruhgemach,
    Mit Staunen ward der Held beim Glanz von Fackeln wach.
      Tehmina stand vor ihm, bestralt von Stein und Gold,
    Die Knigstochter von Semengan wunderhold.
      Ihr standen beiderseits mit Fackeln Dienerinnen;
    Sie stralte hell vom Glanz der Fackeln und der Minnen.
      Der Reiz der Jugend war in den der Scham getaucht,
    Der Wangen Lilien von Rosen berhaucht.
      Doch im Rubinenschlo des Mundes lag bewart
    Geheimnis liebliches, fr diese Nacht gespart.
      Er richtete sich auf, und staunte lang und tief,
    Indem er Preis ob ihr und ihrem Schpfer rief.
      Er fragte sie und sprach: Wie, Holde, nennst du dich?
    Und was in finstrer Nacht zu suchen kommst du, sprich!
      Zur Antwort gab sie ihm: Tehmina ist mein Name,
    Gespalten ist mein Herz von einem tiefen Grame.
      Ich bin des Schahes von Semengan einzig Kind,
    Von Kindheit auf, im Lauf, der Neid von Hirsch und Hind;
    Sie holen mich nicht ein, mich holt nicht ein der Wind.
      Allein die Sehnsucht kam mich heimlich einzuholen,
    Die fhrt mit diesem Gram mich her zu dir verstolen.
      Wie eine Wundersag hab ich aus jedem Munde
    Gehrt zu jeder Stund, an jedem Ort die Kunde,
      Wie du so tapfer bist, und trgest keine Scheu
    Vor Tiger, Elefant und Krokodil und Leu.
      Du schirmest ganz allein Iran mit deiner Kraft,
    Und Turan zittert, wenn sich rhrt dein Lanzenschaft.
      Du reitest ganz allein bei Nacht in Turan ein,
    Und streifest dort umher, und schlfest dort allein.
      Dergleichen Kunde ward mir vom Gercht vertraut;
    Lang wnscht ich dich zu sehn, heut hab ich dich geschaut.
      Wenn du zu Weibe mich begehrst, bin ich dein Weib;
    Nie Mond- noch Sonnestral berhrte diesen Leib.
      Vom Schleier meiner Zucht erwuchs ich tief umfangen;
    Den Zgel der Vernunft entzog mir die Verlangen:
      Ich bitte Gott, von dir zu tragen einen Spro,
    Der einst, an Kraft dir gleich, beherrsche dieses Schlo.
      Zur Mitgift will ich jetzt, o Held, die Schlo dir bringen,
    Zur Morgengab alsdann, Rostem, dein Ross dir bringen!


    8.

      So endet' ihren Gru das Mondglanzangesicht;
    Der Lwenkhne hrt' aufmerksam den Bericht.
      Wie sie der Held so schn, so perlgleich sie sah,
    An Sinn so hoch und an Verstand so reich sie sah,
      Und da sie noch dazu vom Rachs ihm gab die Kunde;
    Von lauter Frlichkeit sah er erfllt die Stunde.
      Er rief die wandelnde Zipress' an sich heran;
    Hold tauschte Blick und Wort mit ihr der Pehlewan.
      Er rief ins Vorgemach, da einen der Mobeden
    Sie brchten ihm herbei, der wte wol zu reden.
      Den sendet' er alsbald, den Weisen tugendvoll,
    Da er die Tochter ihm vom Vater fordern soll.
      Der Wolverstndige, dahin zum Schahe schritt er,
    Und that die Werbung kund von Irans edlem Ritter.
      Der Schah ward freudenvoll, da dieser Gru erscholl;
    Er fhlte, wie sein Herz von hohem Mute schwoll.
      Er richtete sich stolz, der Zeder gleich, empor;
    Das Band mit Rostem kam ihm wert und theuer vor.
      Dem Ritter in der Nacht gab er der Tochter Hand;
    Und wie die Kund erscholl, war Freud in Stadt und Land.
      Von Freuden war erwacht ein Aufruhr in der Nacht,
    Zu Rostem sei als Braut des Knigs Kind gebracht.
      Da war der Jubel laut die ganze Nacht ums Schlo,
    Wo seine holde Braut der starke Held umschlo.
      Still tauschte drin das Paar die Lust der Seelen aus,
    Und drauen lie die Schaar die Kraft der Kehlen aus:
      Da dieser neue Mond lang dein Behagen sei!
    Da deiner Feinde Haupt ewig geschlagen sei!
      Aus diesem Bunde m ein Heldenspro entspringen,
    Der mg an Tapferkeit mit seinem Vater ringen!
      Sie meinten ihr Gebet zum Segen und zum Heil,
    Der Himmel aber nam es an zum Gegenteil.


    9.

      Nach kurzer Freudennacht als an der Morgen brach,
    Wand aus Tehminas Arm sich Rostem los, und sprach,
      Indem vom Arm er nam ein goldenes Gespang,
    Von dem erschollen war der Ruhm die Welt entlang;
      Sie glaubten, da daran sei Rostems Heil gebunden,
    Und unverletzlich sei, wen dieses Band umwunden:
      Das gab er ihr und sprach: Liebtraute! die bewar!
    Wenn eine Tochter dir nun bringen wird das Jahr,
    So nimm die Goldgespang, und schling es ihr ins Haar!
      Als welterleuchtenden Glckstern soll sie es tragen,
    Der ihr soll und der Welt von ihrem Vater sagen.
      Wenn aber einen Sohn dir die Gestirne reichen,
    So bind ihm um den Arm, wie ich es trug, das Zeichen.
      Des Vaters Zeichen sei an seinem Arm bewart,
    Und wachsen wird er selbst nach seines Vaters Art.
      Gleich seiner Ahnen Stamm wird der aus Heldensamen
    Erzeugte sein, es bleibt nicht ungenant sein Namen.
      Ist er erwachsen, send ihn mir nach Iran zu!
    Nun aber naht der Tag, ich geh, wol lebe du!
      Zum Abschied fat' er sie an seine starke Brust,
    Auf Aug und Haupt gab er ihr manchen Kuss voll Lust.
      Mit Weinen wandte sich von ihm die zarte Braut;
    Sie ward nach kurzer Lust mit langem Weh vertraut.
      Zu Rostem aber kam der Knig hochgemut,
    Den Eidam fragt' er da, wie er die Nacht geruht?
      Ihm gab er Kunde dann vom Rachs, er sei gefunden;
    Und aller Sorgen war das Heldenherz entbunden,
      Er gieng, und streichelt' ihn und sattelt' ihn sogleich,
    Dann von Semengan ritt er froh und freudenreich.
      Gen Sistan auf dem Rachs als wie ein Wind er flog,
    Indem er die Geschicht in seinem Sinn erwog.
      Von Sistan ritt er heim nach Sabulistan gar,
    Und keinem sagt' er dort, was ihm begegnet war.




    Zweites Buch.


    10.

      Neun Monde waren schon Tehminen hingegangen,
    Als sie gebar den Sohn wie eines Mondes Prangen.
      Die Mutter sah ihn an mit Lust und schmerzenreich,
    Er war in jedem Zug wol seinem Vater gleich.
      Sie nannte Suhrab ihn, und nam ihn an die Brust;
    Das Kind war auf der Welt nun ihre einzge Lust.
      So zrtlich pflegte sein die Mutter, die ihn nhrte,
    Da keines Dinges er zu keiner Stund entbehrte.
      Der Knabe weinte nie; er hatte neugeboren
    Gelchelt schon, als sei er nicht zum Weh geboren.
      Er wuchs so wunderbar: als er ein Monat war,
    Da war er anzusehn, alsob er wr ein Jahr.
      Drei Jahr alt, lie er schon zur Rennbahn sich gelsten,
    Im fnften sah man ihn zum Lwenkampf sich rsten.
      Wie er zehn Jahr alt war, da war im ganzen Land
    Nun kein gestandner Mann, der ihm zum Kampfe stand.
      Von Leib ein Elefant, von Wangen Milch und Blut,
    Rasch wie ein Hirsch gewandt, im Auge dunkle Glut,
    Von Wuchse schlank, die Brust gewlbt von hohem Mut.
      Zwei Arme schwang er um sich her den Keulen gleich,
    Und unten standen fest zwei Fe Seulen gleich.
      Wo er im Ringspiel rang, wo er den Schlgel schlug,
    War keiner der davon den Ball des Sieges trug.
      Er gieng zur Lwenjagd, da ward der Lw ein Fuchs;
    Die Zeder rttelt' er, sie bog sich wie ein Buchs.
      Windfigem Renner rannt er sturmgeflgelt nach,
    Beim Schweif ergriff er ihn, der Renner stand gemach.
      Es war alsob zum Kampf die Welt er fordern wollte,
    Alsob er selbst bestehn den eignen Vater sollte.


    11.

      Zu seiner Mutter kam der Knabe, sie zu fragen:
    Verwegen sprach er da: Mutter, du sollst mir sagen!
      Denn unter meinen Spielgenoen rag ich hoch
    Hervor, mein Haupt empor zum Himmel trag ich hoch.
      Wes Samens, welches Stamms ich bin, will ich erkennen;
    Wenn nach dem Vater man mich fragt, wen soll ich nennen?
      Wirst du mir Antwort nicht auf diese Frage geben,
    Am Leben bleib ich nicht, und du bleibst nicht am Leben!
      Die Mutter, da sie die vom jungen Pehlewan
    Vernommen, sah zugleich mit Stolz und Furcht ihn an:
    Er war entwachsen ihr, und nicht mehr untertan.
      Sie fate sich und sprach begtigend: Vernimm
    Ein Wort, des freue dich, und lae deinen Grimm!
      Du bist des Rostem Kind, des Perserpehlewanen,
    Und seine Ahnen sind in Iran deine Ahnen.
      Drum bern Himmel trgst du hoch dein Haupt hinaus,
    Weil du entsproen bist aus solchem Heldenhaus.
      Denn was an Heldentum nun in der Welt erscheint,
    Das ist in Rostems Stamm, in Rostem selbst vereint.
      Sieh dieses Goldgespang, nimm hin und halt es fein!
    Zum Abschied gab mir das fr dich dein Vterlein.
      Erfhrt er, da sein Sohn erwuchs zum tugendreichen,
    Nach Iran ruft er dich, und kennt dich an dem Zeichen;
    Dann bricht mein Herz vor Leid, wann ich dich seh entweichen!
      O Sohn! Afrasiab, der Schah von Turan, soll
    Nicht wien dein Geschlecht; das brcht uns seinen Groll.
      Denn Niemand auf der Welt ist ihm wie Rostem feind,
    Rostem, um welchen Blut in Turan wird geweint.
      Witwen in Turan macht sein Schwert in jeder Schlacht;
    Und ohne Schwertstreich hat er mich dazu gemacht.
      Drum vor Afrasiab beware die im Stillen!
    Den Sohn verderben mcht er um des Vaters willen.
      Den Vater hab ich schon verloren, liebes Kind,
    Verlr ich auch den Sohn, so wr ich snfter blind.
    Sei stolz, doch sag es nicht, wer deine Ahnen sind!


    12.

      Doch Suhrab sprach: Wer birgt die Sonn im Weltenring?
    Unmglich wird geheim gehalten solches Ding.
      Von einer Heldenabkunft, Mutter, dieser gleich,
    Zu schweigen, wre dir und mir nicht ehrenreich.
      Was, Mutter, hast du selbst gehalten lange Zeit
    Geheim die Abkunft mir von solcher Herrlichkeit?
      Denn alle Kmpen jetzt, die jungen und die alten,
    Nur Rostem ists von dem sie Kampfgesprche halten.
      Von allen Namen ward zuerst mir seiner kund,
    Ich hrte seinen Ruhm aus seiner Feinde Mund.
      Wer jenen Riesen schlug? die Zauberschlo zerstrte?
    Nur Rostem, was ich frug, Rostem war, was ich hrte,
      Stets mit Bewunderung, und oft mit Neide gar,
    Mit Aerger! wut ich denn, da er mein Vater war?
      Nun aus Semengan hier, und dort aus Turans Marken,
    Versamml' ich all ein Heer der Mutigen und Starken.
      Nach Iran will ich ziehn und von dem dunkeln Staube
    Der Schlacht dem lichten Mond aufsetzen eine Haube.
      Aufrtteln von dem Thron will ich den Keikawus,
    Und schlagen aus dem Feld den alten Feldherrn Tus.
      Wenn Rostem will, geb ich ihm Thron und Kron und Schatz,
    Und la ihn sitzen auf Keikawus' Frstenplatz.
      Von Iran zieh ich dann nach Turan kampfbereit,
    Und fordere den Schah Afrasiab zum Streit.
      Vom Throne strz ich ihn alswie ein Blitz herab;
    Die Sonne lang' ich mit der Lanzenspitz herab.
      O Mutter, aber dich, du hre meinen Schwur an,
    Mach ich zur Knigin von Iran und von Turan.
      Denn da, wo Rostem ist der Vater, ich der Sohn,
    O Mutter, bleibt kein Frst der Welt auf seinem Thron.
      Wo Mond und Sonne selbst im Glanzvereine stralen,
    Was wollen Sterne da mit ihrem Schimmer pralen!
      So rief er, und erstaunt lie er die Mutter dort;
    Mit hherm Haupt, als er gekommen, gieng er fort.
    Von seinem Vater sagt' er keinem doch ein Wort,
      Im Herzen macht' er ganz den Vater sich zu eigen,
    Doch wenn den Mund er aufthun wollte, mut er schweigen.
      Ihm wars alsob er erst zu Rosse steigen sollte,
    Wenn er als Rostems Sohn der Welt sich zeigen wollte.


    13.

      Zu seiner Mutter sprach Suhrab, der junge Held:
    Den Vater nun zu schaun, Mutter, zieh ich ins Feld.
      Dazu brauch ich ein Ross, mit meinem Mut schritthaltend,
    Ein Ross mit einem Huf von Eisen kieselspaltend:
      Von Strk ein Elefant, und vogelgleich an Schwung,
    Im Waer wie ein Fisch, und wie ein Reh im Sprung,
      Ein Ross, das meine Wucht und meine Waffen trage,
    Und nicht von meiner Faust erlieg an einem Schlage.
      Denn nicht zu Fue ziemt zum Kampfe mir zu gehn;
    Vom hohen Ross will ich dem Feind ins Antlitz sehn.
      Da so die Mutter hrt' ihr junges Heldenblut,
    Zum Himmel hob sie stolz ihr Haupt in hohem Mut.
      Sogleich befolen ward von ihr dem Hirtenvolke,
    Zu bringen aus der Trift von Pferden eine Wolke,
      Damit dem Suhrab km ein Rsslein fein zur Hand,
    Auf dem er se, wann er ritt in Feindesland.
      Und alles was sich fand von Pferden alzumal,
    Was aufzutreiben war da zwischen Berg und Thal,
      Das trieben sie zur Stadt, und Suhrab nam, der Leu,
    Die Fangschnur nun, und trat zum nchsten ohne Scheu.
      Welch Ross vor allen stark er sah von Bug und Backen,
    Des Riemens Schlinge warf er gleich ihm bern Nacken.
      Er zog es her und legt' ihm auf den Rcken auch
    Die Hand, da lags gestreckt am Boden auf dem Bauch.
      Es konte nicht den Druck der flachen Hand ertragen,
    Er braucht' es mit der Faust zu Boden nicht zu schlagen.
      Schon war durch seine Hand manch schmuckes Ross geknickt,
    Und keines kam ihm noch zur Hand, fr ihn geschickt.
      Es schien, es war kein Ross fr seine Kraft gerecht,
    Und traurig ward der Spro vom Pehlewangeschlecht.


    14.

      Da stellte sich zuletzt ein alter Recke dar,
    Und sprach: Ich hab ein Ross, wie keines ist, noch war.
      Im Gange wie ein Pfeil, im Laufe wie ein Wind;
    Es ist von Rostems Hengst, vom Rachs, ein einzig Kind.
      Kein Ross von gleicher Kraft ist auf der Welt zu sehn;
    Ein Blitz im Rennen ists, und ein Gebirg im Stehn.
      Die Hitze noch der Frost macht ihm nicht kalt noch hei,
    Mit Nstern voller Dampf, und Poren ohne Schwei.
      Ein Wolkenschatten schwebt es ber Thal und Hgel,
    Und segelt durch die Luft, ein Vogel ohne Flgel.
      Der Pfau zieht ein vor Scham des Rads gespannten Reif,
    Wenn es die Mhnen hebt, und hoch trgt seinen Schweif.
      Am Berge klimmend, ist es einem Lwen gleich;
    Im Waer schwimmend, ist es einer Mwen gleich.
      Sein Reiter, wenn im Ritt er schnellt den Pfeil vom Bogen,
    Kommt schneller als der Pfeil dem Feinde nachgeflogen.
      So flchtig ists zur Flucht: auch der von seinen Solen
    Erregte Staub versucht umsonst es einzuholen.
      Bei allen Tugenden, die diesem Rsslein eigen,
    Hats einen Fehler nur: es lt sich schwer besteigen.
      Doch wers bestiegen hat, den wirds zum Siege tragen,
    Der mag darauf den Kampf mit Rostem selber wagen.
      Froh wurde Rostems Sohn von dieses Wortes Klange,
    Er lacht' und rosengleich erblhte seine Wange.
      Laut rief er: Ei so bringt mir gleich das schmucke Ross!
    Sie brachtens ungesumt zum jungen Heldenspro.
      Er machte gleich an ihm mit seiner Hand die Probe,
    Das Thier war stark genug, und es bestand die Probe.
      Da schmeichel-streichelt' ers, und sattelt' es geschwind,
    Aufs starke Ross schwang sich das starke Heldenkind.
      Im Sattel sa er fest alswie ein Bild von Erz,
    Und hielt mit leichter Hand die Zgel wie zum Scherz.
      Er tummelte das Ross, da es begann zu schumen,
    Zu schnauben mit Gebraus, doch durft es ihm nicht bumen.
      Da sprach vom Ross Suhrab, indem ers anhielt leise:
    So hab ich nun ein Ross gewonnen zu der Reise.
      Nun acht ich mein die Welt, da ich das Ross gewann,
    Auf dem ich Rostem selbst mit Ruhm bestehen kann.


    15.

      Er sprachs, und stieg vom Ross, und gieng ins Haus zurck:
    Da rstet' er zum Krieg mit Iran Stck um Stck.
      Wies kund im Lande ward, da er kriegslustig sei,
    Strmten von da und dort Kriegslustige herbei
      Wie eine Sonne war er ihrem Wunsch erschienen;
    Sie alle wollten Ruhm und wollten Gold verdienen.
      Die Waffen hatten lang in diesem Land geruht,
    Und aus der Asche brach nun die verhaltne Glut.
      Suhrab, gerstet, trat zu seiner Mutter Vater,
    Um Urlaub und Geleit und Reisebeistand bat er.
      Grovater! sprach er: jetzt sollst du mir Spielzeug schaffen;
    Die Leute hab ich schon, gib mir dazu die Waffen!
      Denn ohne Waffen ist ein Heerzug mangelhaft;
    Ein Rsslein hat mir schon die Mutter angeschafft.
      Doch alles, was mir folgt, soll auch auf Rossen reiten;
    Kamele sollen dann mit Zehrung uns begleiten.
    Denn schmausen wollen wir, so oft als wir nicht streiten.
      Tu deinen Marstall auf, das Vorratshaus mit Kost,
    Das Zeughaus auch, worin die Waffen frit der Rost!
      Dem alten Knig klang anmutig diese Post,
    Mit Lachen sah er an den jungen Augentrost;
    Durchwrmet war sein Frost von diesem feurigen Most.
      Er sprach bei sich: was ists mit dieser Waffenfart?
    Ist die den Vater aufzusuchen eine Art?
      Doch sei es wie es sei! es ist das Heldenfeuer
    Rostems in seinem Blut, und fordert Abenteuer.
      Da stellt' er, was er hatt', ihm alles zu Befele,
    Vorrt in Land und Stadt, die Ross' und die Kamele,
      Futter fr Ross und Mann, die Gerste samt dem Weizen;
    Mit Silber auch und Gold wollt er dazu nicht geizen.
      Und als er tat darauf das alte Zeughaus auf,
    Da stand ein Waffenhauf wolfeil der Lust zu Kauf:
      Schwerter und Wehrgehng, Leibrcke, Helm und Panzer,
    Fr Schtzen Bogen auch, und Spie und Sper fr Lanzer.
      Suhrab, wie ers empfieng, so teilt' er Wehr und Sold,
    Es stob ihm von der Hand das Eisen und das Gold.
      Er sprach: da nemet hin! soviel vermag ich heute;
    Und wenn ihr mehr begehrt, so helft da ichs erbeute!
      Eroberten wir erst des Persers Knigreich,
    So mach ich jeden Mann wie einen Knig reich.


    16.

      Dem Schah Afrasiab in Turan ward gesagt,
    Da seinen Flug vom Nest ein junger Adler wagt,
      Der altershalben zwar nichts weniger als flck,
    Doch seinem guten Mut vertraut und gutem Glck.
      Ihn hat die Friedensruh, die Turan schlft, verdroen,
    Er rstet sich zu Kampf, und sammelt Schwertgenoen.
      Von allen Orten strmt ein Heer zu ihm herbei,
    Darob hebt er sein Haupt wie eine Zeder frei.
      Es sprot der erste Flaum auf seiner Wange kaum,
    Und schon ist seinem Traum zu eng der Welten Raum;
    In alle Himmel hoch wchst seiner Hoffnung Baum.
      Aus seinem Odem weht ein ser Milchgeruch,
    Doch eitel Schwert und Dolch ist seiner Lippen Spruch.
      Mit seinem Dolch will er die Brust der Erde ritzen,
    Und an die Abendwolk ihr rotes Herzblut spritzen;
    Keikawus soll vom Thron, dort will er selber sitzen!
      Den Beutelustigen, die ihm mit leeren Hnden
    Und vollem Mute nahn, hat er viel Gut zu spenden,
    Und mehr Verheiungen, die denkt er zu vollenden!
      Sie drngen sich um ihn wie Stralen um die Achse
    Der Sonn, alsob ein Heer ihm aus dem Boden wachse;
    Als sei er Rostems Kind, und reit ein Kind vom Rachse!
      In Wahrheit, wer ihn sieht, der glaubt wol dem Gerchte,
    Weil von den Stamme weit nicht fallen dessen Frchte;
    Er scheint, mit solcher Zucht, von Rostem ein Gezchte.
      Wenigstens mutterhalb ist Suhrab edel schon,
    Des alten Knigs von Semengan Tochtersohn!
      So ward dem Trkenschah geredet und geraunt
    Von Suhrab, und er war darber nicht erstaunt.
      Er lachte still, es war vom Anbeginn ihm kund
    Tehminas und Rostems geheimer Liebesbund.


    17.

      Afrasiab, der Schah, nachdem er den Bericht
    Erwogen, lachte noch, und er misfiel ihm nicht.
      Der Hupter seines Heers, des nun lang ausgeruhten,
    Berief er einen gleich, Barman, den hochgemuten.
      Zwlftausend Recken, frisch von Kraft und scharf von Schneide,
    Las er dazu, und gab sie ihm mit dem Bescheide:
      Bewhrter Baruman, auf! nach Semengan lenke
    Den Schritt mit diesem Heer, mit Brief und mit Geschenke.
      Ermutige mir dort des Mutes jungen Keim!
    Doch die Geschichte bleibt still zwischen uns geheim.
      Sag ihm, Afrasiab send ihm Hilfsmannschaft zu,
    Damit nach Iran er kampflustig zieh im Nu.
      Dort aber darf den Sohn der Vater nicht erkennen,
    Und Niemand soll dem Sohn des Vaters Namen nennen.
      Was wei ich, ob ein Sohn des Rostem Suhrab sei?
    Ich frage nicht darnach; mir feind sind alle zwei.
      Wenn so den einen Feind wir auf den andern hetzen,
    Knnen sie doch gegen uns sich nicht zur Wehre setzen.
      Und wenn die beiden dort einander setzen zu,
    So sehen wir dem Spiel hier mit Ergetzen zu.
      Villeicht gelingt es uns: der grimme Kampfleu alt
    Erliegt im Kampfe vor des jungen Leun Gewalt.
      Wenn Rostem gegen uns nicht ferner Iran hlt,
    Im Spiele jagen wir den Kawus aus der Welt.
      Dann aber wollen wir den Suhrab auch beschicken,
    Mit Schlummer eines Nachts sein Auge so bestricken,
    Da ihm die Lust vergeht, nach Kronen aufzublicken!
      Denn mir ist wolbekannt, da dieser tolle Knab
    Erst an Keikawus will, dann an Afrasiab.
      Doch wenn dem greisen Wolf erliegt das zarte Lamm --
    Wenn Suhrab wirklich ist ein Reis von Rostems Stamm --
    So wird der zhe Stamm von diesem Gram sich biegen,
      Und in des Kummers Schlamm der stolze Brunn versiegen.
    Doch liee mich mein Glck auch soviel nicht erwerben
      Da ich sie alle zwei sh aneinander sterben;
    So hoff ich, da uns Gott von einem mindstens helfe,
      Es sei vom alten Wolf, es sei vom jungen Welfe.


    18.

      Da schrieb Afrasiab an Suhrab einen Brief,
    Darin er Gottes Heil ob ihm zum Eingang rief:
      Das Glck geleite dich, beherzter Heldenknabe,
    Zum khnen Werk, das ich mit Lust vernommen habe.
      Dir send ich frstliche Geschenke meiner Gnaden,
    Ross' und Kamele mit Kleinodien beladen;
      Trkis' aus Turkistan, aus Badachschan Rubinen,
    Smaragdne Strue drei mit Perlentau auf ihnen.
      Ich habe dir erwhlt zwei Kronen edelsteinern,
    Und ihnen beigezhlt zwei Thronen elfenbeinern.
      Froh mgest du zu Thron auf Elfenbeine sitzen,
    Und ber dir die Kron aus Edelsteine blitzen!
      Wirst du erst Irans Kron im Streit gewonnen haben,
    Dann wird Ruh auf dem Thron die Zeit gewonnen haben.
      Denn ewig ist entzweit, wie Tag und Nacht im Streit,
    Iran und Turan; du sollst stiften Einigkeit.
      Von dieser Mark ist weit zu jener nicht der Weg;
    Semengan, Turan und Iran ist Ein Geheg.
      Deswegen ist gestellt Semengan auf der Scheide
    Von Iran und Turan, um zu beherrschen beide.
      Nun send ich Truppen dir, soviel ich ntig glaube;
    Khn setze dich aufs Ross, und auf dein Haupt die Haube!
      Von meinen Feldherrn send ich dir den Baruman,
    So tapfer als getreu; der sei dir untertan!
      Er sei dir untertan mit allen, die er fhrt;
    Von ihnen sei die Welt dem Feinde zugeschnrt!
      Zeuch aus zu Kampf und Sieg! dich soll im Laufe stren
    Kein Graben und kein Wall, und keine List betren!
    Bald lae das Gercht uns deine Taten hren!
      Von meinen Shnen all soll keiner meinem Thron
    So nah stehn als Suhrab, den ich begr als Sohn.
      Er schriebs und siegelte, und gabs dem Baruman;
    Der trat nicht leichten Muts die schwere Sendung an.
      In diesem Kriege war kein Ruhm ihm zu erwerben,
    Als einen Helden durch den andern zu verderben.


    19.

      Da hrte vom Gercht Suhrab, da Baruman
    Vom Schah Afrasiab mit Truppen zieh heran,
      Mit Ross und mit Kamel und groem Heergedrnge,
    Ehrengeschenk und Brief und festlichem Geprnge.
      Der junge Mann, wie er die Kund erfur, schnell tat er
    Den Grtel um, und zog mit seiner Mutter Vater.
      Entgegen zum Empfang zog er schnell wie ein Wind;
    Wie soviel Volks er sah, froh staunete das Kind.
      Mehr staunte Baruman, als er die stolzen Glieder,
    Die edle Bildung sah, das Staunen schlug ihn nieder.
      Im Staunen war gemischt Furcht und Bewunderung,
    Und Mitleid, wie er sah den Helden schn und jung.
      Der greise Feldherr sprach bei sich: Auf Ruhmespfaden
    Gehn sollte solch ein Schmuck der Jugend ohne Schaden.
      Verdienen mcht er wol, ihm wre, statt Verrat,
    Zum ungestmen Mut beschieden weiser Rat.
      Wenn ihn der Doppelrausch der Jugend und des Ruhms
    Zu Falle bringt, o weh dem Stolz des Rittertums!
      Zu Suhrab sprach er drauf: O edler junger Leue,
    Den Brief schickt dir der Schah, da er dein Herz erfreue.
      Lies mit Bedacht den Brief des Schahs von Turanland,
    Und was du dann befilst, das steht in deiner Hand.
      Die Ehrengaben nimm, die dir gesendet sind;
    Ich selbst steh und die Heer dir zu Gebot, o Kind!
      Suhrab, der junge Mann, nachdem er las den Brief,
    Das erste war, da er sein Heer zum Aufbruch rief;
      Das Heer der Seinigen; dem Barman, seinem Gast
    Und dessen Leuten gab er auf drei Tage Rast.
      Der Mutter Vater soll bewirten euch mit Schmause,
    Die Mutter selbst dazu; ich geh nicht mehr nach Hause.
      Es leidet lnger nicht mich in der Mutter Haus;
    Lebt wol, und kommt uns nach! wir reiten euch voraus.
      Die Pauke ward gerhrt, zusammen strmten Krieger,
    Und sprangen mit Geklirr, auf Rosse rasch wie Tieger.
      Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten,
    Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten.
      Aus Turan brach der Sturm hervor auf Irans Flur;
    Zerstrung, Flucht und Raub bezeichnete die Spur,
    Und wste ward gelegt das Land, soweit er fur.




    Drittes Buch.


    20.

      Da war ein Schlo, das hie das Weie Schlo im Land,
    Darauf die Zuversicht des Reiches Iran stand,
      Da es verteidigen den Pass der Grenze sollte,
    Wenn da hervor ein Feind aus Turan brechen wollte.
      Drum waren auf die Schlo gesetzt, zu Schirm und Halter,
    Statt eines Wrtels zwei, ein junger und ein alter;
      Der alte, da er es behtete mit Rat,
    Der junge, da er es verteidigte mit Tat.
      Hedschir, der junge Vogt, lie, weil die Waffen schwiegen,
    Vom Kinde Gesdehems, des alten, sich besiegen.
      Die hie Gurdaferid, das heit ein Held geschaffen,
    Weil sie, die zarte Maid, war wie ein Held in Waffen.
      Hedschir mit Rennen und mit Schieen nach dem Ziele
    Versuchte da er ihr durch Mnnlichkeit gefiele;
      Vergebens! weil ihm selbst in diesen Knsten sie
    Zuvor es tat, kam er mit ihr zum Ziele nie.
      Er wnschte, da einmal ein Feind vorm Schlo erschiene,
    Da ihren Beifall er im ernstern Kampf verdiene.
      Und als er eines Tags ein Heer von Trken sah
    Anrcken, glaubt' er sich zwiefachem Siege nah,
      Dem einen, den er wollt erringen im Gefild,
    Dem andern in der Burg am schnen Frauenbild.
      Da wappnete sich schnell der mutige Hedschir,
    Und stieg aufs Ross, gespornt von Lieb und Kampfbegier.
      Des Tores Hter lie er weit auftun das Tor
    Der alten Burg, und ritt zum Einzelkampf hervor.
      Er ritt den Berg hinab, dem Feind entgegen jach,
    Und von der Mauer sah Gurdaferid ihm nach.


    21.

      Mit scharfem Ritte kam der khne Reck herbei,
    Und tat ans Trkenheer von weitem einen Schrei:
      Von wannen sind geschaart die Ritter und die Knechte?
    Wer unter ihnen ist der Tapferst im Gefechte?
      Ich habe lange schon auf eure Gegenwart,
    Alswie ein Brutigam auf seine Braut, geharrt.
      Wer wagt es, gegen mich mit eingelegter Lanzen
    Zu rennen, da wir hier den Hochzeitreigen tanzen?
    Desselben Haupt will ich dort auf die Zinne pflanzen!
      Er hatte seinen Ruf gerufen laut genug,
    Doch keiner war im Heer, der Lust zur Antwort trug.
      Zu heben wagte sich nicht eines Trken Hand,
    Die erste Waffentat zu thun im Perserland.
      Doch Suhrab, als er all die Tapfern schweigen sah,
    Ergrimmt' er, und das Schwert zog er fr alle da.
      Alswie ein Tieger bricht am Strom aus Schilf und Rohr,
    So drang er aus dem Chor der Seinigen hervor.
      Laut rief er zu dem kampfgersteten Hedschir:
    Was treibt allein dich her mit solcher Kampfbegier?
      Du meinst wol, da wir uns vor starken Worten scheuen?
    Du kamest nicht zur Jagd des Fuchses, sondern Leuen.
      Aus Turan brach ich auf, ganz Iran will ich zwingen,
    Und auf dein Haupt soll mir der erste Streich gelingen.
      Suhrab, den Namen gab mir meine Mutter bei,
    Und Rostem sagte sie, da er mein Vater sei.
      Den Vater eben aufzusuchen zog ich aus;
    Und wessen Sohn ich sei, zeig ich in Kampf und Strau.
      Doch sag auch deinem Stamm, den Namen, und die Deinen!
    Denn heut mu ber dich Braut oder Mutter weinen.


    22.

      Zur Antwort gab Hedschir: Verwegner, schweige still!
    Kein Trk ists den ich zum Vertrauten haben will.
      Der Heldenfnger ich, der Ritter ohne Scheu,
    Ich bin der Schtze, dem zum Fuchse wird der Leu.
      Hedschir im Kampfrevier der Helden Zier geheien
    Bin ich, gleich will ich dir dein Haupt vom Rumpfe reien.
      Zwei Geier kreischen dort sich in den Lften heischer,
    Es wittern ihren Raub die ungestmen Kreischer;
      Den beiden wirst du nun zum Gastmahl aufgetischt,
    Da ihre Heischerkeit dein junges Blut erfrischt.
      Dann fliegen sie nach Nord und Sd, und fr das Futter
    Dankt deinem Vater der, und jener deiner Mutter.
      Die Mutter weint gewis ums Kindlein, ihr entrien,
    Der Vater aber wird villeicht von dir nicht wien.
      Doch jauchzen ber mich, nicht weinen soll die Braut,
    Die schne, die auf uns dort von der Mauer schaut!
      So rief er aus, und sah zur Jungfrau an der Zinne;
    Zu lcheln schien sie ihm, so tuschten ihn die Sinne:
    Ihn blendete der Glanz der Sonn und Kraft der Minne.
      Auf einen Augenblick hatt' er des Kampfs vergeen,
    Und nach der Zinne sah sein Gegner auch indessen.
      Da sah er einen Stral, wie er noch nie geschaut,
    Und doppelt zrnt' er nun dem, der sie nannte Braut.
      Er sprach: die Perser sind vor mir wie Spreu im Wind,
    Doch lieblich anzusehn ist solch ein Perserkind.
      Wol ists der Mhe werth, zu strmen solche Zinnen,
    Wenn solche Schtze sind darinnen zu gewinnen.
      Doch wenn ich dchte, da sie diesem zugelacht,
    Ich htte zweimal ihn, nicht einmal, umgebracht!
      So in Gedanken war Suhrab mit ihr beschftigt,
    Hedschir durch einen Blick auf sie war neu gekrftigt.


    23.

      Doch von der Zinn hinweg und von der Jungfrau warf
    Den Blick nun der und der auf seinen Gegner scharf.
      Im Sattel jeder sich gleich einem Feuer schwang,
    Und setzte seinen Hengst wie einen Berg in Gang.
      So schnell da Schaft mit Schaft sich durcheinander flocht,
    Da man den einen nicht vom andern kennen mocht.
      Nach Suhrabs Mitte stie Hedschir den blanken Schaft;
    Am festen Gurte fand die Spitze keinen Haft.
      Doch Suhrab bog zurck den eignen Sper behende,
    Und an den Gegenmann legt' er das untre Ende.
      Recht zwischen Mann und Gaul schob er den Hebebaum,
    Und aus dem Sattel flog Hedschir und merkt' es kaum.
      Zur Erde warf er ihn alswie ein Felsenstck;
    Da lag er, und es blieb kein Sinn an ihm zurck.
      Vergangen war die Welt vor seinem Augenlid,
    Der Himmel und das Feld, die Burg und Gurdafrid.
      Vom Pferde Suhrab sprang und sa ihm auf die Brust;
    Er hatte nun den Kopf ihm abzuschneiden Lust.
      Da drehte sich Hedschir, und sttzt' auf einen Arm
    Sich schwach, den andern streckt' er vor, und rief: Erbarm!
      La gnug sein an der Schmach, da so mein Stolz zerbrach,
    Und mich im Angesicht der Burg dein Sper abstach!
      Wie wird die Stolze sich an meinem Sturze weiden!
    Das ttet mich; du brauchst die Haupt nicht abzuschneiden.
      Nun ist sie frei von mir; du nim mich hier gefangen!
    Du kanst im fremden Land Kundschaft durch mich erlangen.
      Wer, da ich dir erlag, wird dir noch widerstehn?
    La mich gefangen mit zu deinen Siegen gehn!


    24.

      Er schwieg, und harrte stumm auf Tod nun oder Leben;
    Und sich entschlo der Held ihm nicht den Tod zu geben.
      Er dachte: Wenn ich ihn gefangen mit mir fhre,
    Lock ich manch andren Fang villeicht in meine Schnre.
      Er kann einmal im Feld mir meinen Vater zeigen,
    Auch hier die Stelle wol, die Mauer zu ersteigen.
      Wenn er die Burg mir will, und was darin ist, geben,
    Als schlechten Preis dafr la ich ihm gern das Leben.
      So sprach er und begann zu binden ihn mit Stricken,
    Und den gefeelten dem Lager zuzuschicken.
      Im Lager kam er an zugleich mit Baruman,
    Der in Semengan kurz die Rast hatt' abgethan.
      Er war in Eile dem ihm von Afrasiab
    Zur Hut empfolnen nachgeeilt mit Heerestrab;
      Und war nur eben recht gekommen um zu sehn
    Die Frucht des ersten Kampfs, der durch Suhrab geschehn.
      Wie er gefeelt sah die stolzen Heldenglieder,
    Die jener schlug in Band, schlug er die Augen nieder.
      Er staunt' und freute sich, und fhlte Scham und Reu,
    Da er nicht gegen ihn sein durft aufrichtig treu.
      Im Lager aber war von Trken alt und jung
    In jedem Munde laut Suhrabs Bewunderung.
      Es priesen seinen Sieg, die den Besiegten sahn,
    Und jetzo sahn sie selbst den Sieger schweigend nahn.
      Ins Lager langsam ritt er auf dem Ro zurck,
    Und hrte kaum, wie sie ihm riefen Heil und Glck.
      Er dacht an viel, was ihm der Himmel nicht beschied,
    An seinen Vater bald, bald an Gurdaferid.


    25.

      Von Siegesfreude war das Trkenlager voll,
    Derweil im weien Schlo ein Wehgeschrei erscholl.
      Ein Wehgeschrei erscholl darin von Mann und Weib
    Um den mit Schmach im Kampf verlornen Heldenleib.
      Ein Wehgeschrei erscholl im ganzen Schloe drinnen,
    Allein Gurdaferid stand schweigend an den Zinnen.
      Sie schaute schweigend nach der Stelle noch, wo brach
    Den Perserstolz ein Trk, der ihn vom Sattel stach;
      Und rief: O Scham, o Schmach! Weh um Hedschir, den Degen!
    Du rhmtest dich ein Mann, und bist dem Kind erlegen.
      Wie hast du ungeschickt um meine Gunst gebuhlt!
    Dein Sper war stumpf gespitzt, dein Gaul war schlecht geschult.
      Verlachen knnt ich dich; da aber dich verlache
    Der Feind, das krnket mich, und fordert Freundesrache.
      Wie? rhmen sollte sich ein blonder Trkenknabe,
    Da er so leicht erlegt den ersten Perser habe?
      Wenn er die Mnner hier fr Weiber halten kann,
    Soll er an einem Weib nun finden seinen Mann!
      Vom Kampfplatz ritt er weg gleich einem lichten Sterne,
    Sah sich noch einmal um, dann schwand er in der Ferne.
      So zierlich tummelt' er sein Ro, man sahs nur gern;
    La sehn, ob er von nah so schn ist als von fern!
      Halbscherzend rief sies aus, und schritt vom Wall nach Haus;
    Dort las sie sich zum Schmuck die schnsten Waffen aus.
      In einem Drathelm barg sie ihrer Locken Zier,
    Und nam vors Angesicht ein indisches Visier.
      In voller Rstung sprang sie auf ein Ross im Lauf,
    Und flog der Pforte zu, die that der Pfrtner auf.
      Ihr Vater Gesdehem sah ihren Ausritt nicht,
    Sonst htt er sie gehemmt in ihrer Zuversicht.


    26.

      Sie kam alswie ein Mann den Berg herab vom Schlo,
    Ein Gurt um ihre Mitt und unter ihr ein Ross.
      Sie flog den Berg vom Schlo herab gleich einem Falken,
    Und schwang in ihrer Hand erztrmmernd einen Balken.
      Ans Trkenlager kam sie wie ein Sturm herbei,
    Da that sie einen durchs Visier verstrkten Schrei:
      Wer sind die Recken hier? und wer ist der sie fhrt?
    Wer ist es, dem der Tod von meiner Hand gebhrt?
      Ein guter Freund ward mir vom Rosse hier gestochen;
    Wer fllte den Hedschir? dem sei hier zugesprochen!
      Und wenn derselbe selbst hervorzutreten zagt,
    So komm ein andrer, der mit mir die Probe wagt.
      Ihr sollt nicht glauben, weils an einem euch gelang,
    Da Turans Trotz den Stolz von Iran schon bezwang!
      Was einer schlecht gemacht, das macht ein andrer gut;
    Die blae Schmach Hedschirs rt ich mit wessen Blut?
    Wer hat sein Leben feil? wer hat zum Kampfe Mut?
      Vom stolzen Lager war gehrt die Forderung,
    Und ihr zu folgen stand schon mancher auf dem Sprung.
      Doch allen kam zuvor Suhrab mit einem Sprunge
    Aufs Ross, indem er rief: Ihr wartet, alt' und junge!
      Den Handel, den ich angefangen, mu ich enden;
    Wegnemen soll mir keins die Arbeit untern Hnden.
      Das ist zum einen Stck das andre, wie ich merk,
    Und beide Stcke sind zusammen erst ein Werk.
      Sagt dem Hedschir: Zum Trost schaff ich in seiner Not
    Einen Genoen ihm, lebendig oder tot!
      So rief der junge Held, und ritt von dannen jach;
    Das Trkenlager rief ihm lauten Beifall nach.


    27.

      Auf einen Bogenschu ritt er zu ihr hinan;
    Er lachte leis' und kniff die Lippe mit dem Zahn.
      So sprach er froh bei sich: ein andres edles Thier
    Ist hergekommen in des Jagdherrn Jagdrevier.
      Wie in dem Dickicht, wo ein Leu sein Lager hat,
    Wo ihm verfallen ist zu Raube, was da naht;
      Die strkste Hirschkuh hat er eben dort bezwungen,
    Da kommt das zarte Kalb der Mutter nachgesprungen.
      Lautblckend suchet es die Mutter in der Not,
    Und fand an Mutter Statt den Lwen und den Tod.
      Des Lwen Mittagstisch war mit der Kuh beraten,
    Und nun zur Abendkost dient ihm des Klbchens Braten.
      Wer sendet Beut auf Beut hernieder zum Gewinne
    Mir von der alten Burg, da keine mir entrinne?
    Das thut die Zauberin dort oben an der Zinne!
      Die nam durch Zauber hin nur erst des Einen Sinn,
    Und schon durch Minne reit sie auch den andern hin.
      So mge sie, wo sie den ersten fallen sah,
    Den zweiten liegen sehn, wann ich ihm komme nah!
      Er sprachs, und wendete vom Platz des Kampfes fort
    Den Blick zur Burg hinauf, und suchte jene dort:
    Es wundert' ihn, da sie nicht stand am vorgen Ort.
      Er dachte, da sie dort noch immer an der Zinne
    So mte stehn alswie sie stand vor seinem Sinne.
      Er wute nicht, da sie, anstatt ihm zuzusenden
    Frohnkmpfer, selbst zum Kampf sich liefre seinen Hnden.


    28.

      Doch Gurdafrid besann sich auch, als sie den Mann
    Zu Rosse halten sah, dem nicht Hedschir entrann.
      Zu schwenken sie begann ihr mutges Rsslein leise,
    Da sie erst ihren Feind im weitern Krei umkreie.
      Reizend die Kampfbegier Suhrabs, und spottend ihr,
    War sie nicht hier noch dort, war sie bald dort bald hier.
      So wie ein Krhenschwarm den Adler, wo er schwebt,
    Umschwrmt, und ein Geschrei von jeder Seit erhebt;
      Sie sind ihm, wo er fliegt, nah berall vom weiten,
    Und ihrer Zungen Pfeil trifft ihn von allen Seiten:
      So kam dort von der Hand Gurdaferids, vom Bogen,
    Den sie hielt unverwandt, Pfeil ber Pfeil geflogen.
      Ihr Kcher war ein Meer, und schpfte nie sich leer,
    Er war ein Lagerwall, der ausspie Heer auf Heer;
    Und Suhrabs Rstung ward von leichten Spitzen schwer.
      Sie hafteten an ihm, und konten nicht ihn ritzen,
    Sie dienten nur das Blut des Helden zu erhitzen.
      Erst achtet' er ein Spiel der Tropfen Sprheregen,
    Den er abschttelte, dann wards ihm ungelegen,
    Und mit erhobnem Schild im Zorne rief der Degen:
      Wielange treiben willst du dieses Knabenspiel?
    Du triffst mit jedem Pfeil, und jeder fehlt das Ziel.
      Wir Trken lieen euch solang in Ruhe sitzen,
    Ihr Perser, um den Pfeil mit Zierlichkeit zu schnitzen;
    Am groben Erze nun stumpft ihr die feinen Spitzen.
      In deinem Bienenkorb, wieviel hast du noch Bienen?
    Hier eingetragen wird kein Honig dir von ihnen.
      Du magst im Frhlingshain ein kleines Vglein schieen,
    Den groen Vogel Greif wirst du damit nicht spieen.
      Nun aber la einmal den eitlen Zeitvertreib,
    Und, bist du nicht ein Weib, geh mir als Mann zu Leib!


    29.

      Er riefs, und bern Arm warf sie des Bogens Sennen,
    Und gegen Suhrab nun lie sie den Schlachtgaul rennen.
      Anlegte sie den Schaft der Lanze so mit Kraft,
    Es wre nicht der Sto zu nennen mdchenhaft,
      Htt er getroffen nur; doch Suhrab bog geschwind
    Zur Seite Leib und Ross, der Sto gieng in den Wind.
      Nun schwang er hinter sich den eignen Sper behende,
    Und an den Gegenmann legt' er das untre Ende;
      Daran ein Haken war, der nicht so leicht sich bog,
    Wenn einen Gegner er damit vom Sattel zog.
      Vom Sattel lpft' er sie wie einen Federball;
    Es fehlte noch ein Ruck, so kam ihr Stolz zu Fall.
      Doch Gurdafrid nam war, wie sie gefhrlich schwankte,
    Und zog ein kurzes Schwert, dem sie die Rettung dankte.
      Sie hieb den Schaft entzwei, der sie vom Sitze schob,
    Und wieder sa sie fest, da Staub vom Sattel stob.
      Zwar die Besinnung nicht, und nicht das Gleichgewicht,
    Verloren hatte sie jedoch die Zuversicht.
      Sie sah, da sie nicht war fr diesen Kampf der Mann;
    Die Zgel zuckte sie dem Rsslein, und entrann.
      Auch Suhrab gab den Zaum dem schngemhnten Drachen,
    Und wollte nun den Tag dem Feinde finster machen.
      Er kam auf seinem Hengst ihr zornig nachgeschnaubt;
    Da wandte sie sich schnell, und nahm den Helm vom Haupt.
      Sie glaubte beer als durch mnnliches Gefecht
    Sich zu verteidigen durch Schnheit und Geschlecht.


    30.

      Von ihrem Haupte quoll die Flle dunkler Locken,
    Und Suhrab sah ein Weib statt eines Manns erschrocken.
      Er rief: Wenn solchen Kampf beginnen Perserinnen,
    Ei welchen werden dann die Perser erst beginnen!
      Aus Wolken Staub, und Blut aus Felsen werden haun
    Im Krieg die Mnner, wenn so kriegrisch sind die Fraun!
      Fhrt, Holde, dich zu mir hernieder die Begier
    Des Kampfes, oder ein Verlangen nach Hedschir?
      Nun wei ich wol, warum du droben an der Zinne
    Nicht stehst, weil Kampflust dich herabfhrt oder Minne!
      Als ich dich droben sah, dacht ich: wie schn sie ist!
    Nun aber seh ich, da du noch viel schner bist.
      Ein schner Reh als du fiel nie in Jgerstricke;
    Nie hoffe frei von mir zu machen dein Genicke!
      Er riefs, und nam vom Gurt die Fangschnur weitgeringelt,
    Warf sie, und Gurdafrid war um die Mitt umzingelt.
      Gefangen sah sie sich, und wre gern entgangen;
    Sie sann auf schnellen Rat, den Fnger selbst zu fangen.
      Die Nacht der Locken hob sie weg vom Angesicht,
    Die halb es barg, und gab dem Monde volles Licht,
      Indem sie lchelte, und sprach: Held ohne Scheu,
    In Mnnermitte wie im Thierechor der Leu!
      Mich zog so sehr zu dir nicht her die Kampfbegier,
    Noch auch Sorg um Hedschir; wer ist Hedschir vor dir!
      Nur weil von droben fern ich dich so mannhaft sah,
    So edel von Gestalt, wollt ich dich sehn auch nah.
      Nun hab ich dich gesehn; ich htte nie gedacht,
    Da solchen Heldenschmuck Turan hervorgebracht!
      Ei! mgen ihren Krieg mit dir die Perser fren!
    Du wirst die Mnner all, nicht nur die Fraun, umschnren.
      Doch wnschest du, wie ich, da ein Verstndnis sei
    Des Friedens zwischen uns, so gib zuerst mich frei!


    31.

      So sprach die Schmeichlerin, als sei sie seine Schwester;
    Doch Suhrab zog die Schnur um seine Beute fester,
      Und sprach: Wenn ich nun gleich die Stricke nme fort,
    Woran dann hielt ich dich? Sie sprach: An meinem Wort.
      Ich gebe dir mein Wort, da, wenn es dir geliebt,
    Sich dir zugleich ein Schlo und eine Braut ergibt.
      Ich gebe dir das Schlo, und, ist es dir genem,
    Mich selber, wenn nur will mein Vater Gesdehem.
      Mein Vater ist gewis bereit da er mich lse;
    Erfrt er, wo ich bin, so wird er auf mich bse.
      Ihm hinterm Rcken ritt ich aus dem Schloe fort,
    Und meiner harrend steht er wol im Tore dort.
      Komm! eh von oben hier mich sehn die Meinigen,
    Und dich vom Lager dort herauf die Deinigen,
    Und beide sich im Spott ob uns vereinigen!
      Denn spotten werden sie und sagen, da ein Mann
    Wie du nie solchen Kampf mit einem Weib begann.
      Was haben sie solang einander zu berichten?
    So fragen sie; drum la den Handel schnell uns schlichten.
      Du reit hinan mit mir den Berg! ich gebe dir
    Die Schlel zu dem Schlo, doch erst gib Freiheit mir!
      Sie sprachs, und sah dazu ihn an mit einem Blicke,
    Mit dem sie bertrug von sich auf ihn die Stricke;
    Betret nam er ihr die Fangschnur vom Genicke.
      Wie fhlte sie mit Lust den schnen Nacken frei,
    Und wie mit Stolz! sie sah nun erst, wie stark sie sei,
    Da solche Haft sie brach mit einer Schmeichelei.
      Froh spornte sie ihr Ross, und ritt im Abendschein
    Voraus den Schloberg an, Suhrab ritt hinterdrein.




    Viertes Buch.


    32.

      Im Schlowall hinterm Tor, mit Sorgen und mit Trauer,
    Nach seinem Kinde stand der Vater auf der Lauer,
      Den Ungehorsam bald, bald ihren Uebermut
    Laut schalt er, doch geheim lobt' er sein Heldenblut.
      Wenn sie nur unversehrt vom Abenteuer kehrt,
    So sei nichts auf der Welt dem Tchterchen verwehrt;
    Nur solch ein zweiter Ritt sei nicht von ihr begehrt!
      Doch weniger mit ihr zrn ich, als auf Hedschir;
    Sein Unfall ri mein Kind so hin mit Kampfbegier.
      Wer aber rettet mir mein Tublein aus den Krallen
    Des Habichts, dem zum Raub der Kampfhahn selbst gefallen?
      Thu ich die Pfort hier auf, da ich zur Hilf ihr eile,
    Damit der alte Vogt des jungen Torheit teile?
      Wart ich geduldig, bis der Himmel und ihr Glck,
    Ihr Mut und kluger Rat mir bringt mein Kind zurck?
      Er sprachs, und lauscht' hinaus, und hrt' ihr Rsslein traben;
    Schnell tat er auf, um schnell sein Kind herein zu haben.
      Gurdaferid ersah der Rettung offnes Tor,
    Doch ihr Begleiter klomm hart hinter ihr empor;
    Da kam sie ihm geschwind mit einem Sprung zuvor.
      Sie huscht' hinein alsob sie flg auf Taubenschwinge,
    Und rief: Nun warte, Freund, bis ich die Schlel bringe!
      Der Schlovogt schlo geschwind das Tor nach seinem Kinde
    Gehbe, da kein Wind den Weg durchs Spltchen finde.
      Sie war hinein, Suhrab war drauen auf dem Ross,
    Des Schlels wartet' er zu dem verschlonen Schlo.


    33.

      Da neigte Gurdafrid sich von der Zinne droben,
    Und rief: Kehr um, o Held, umsonst sind deine Proben.
      Kehr heim, der Abend naht, von deiner Waffentat
    Zum Trkenlager, dort halt in der Nacht Kriegsrat!
      Da dir der Handstreich heut aufs weie Schlo mislang,
    So rst auf morgen dich zu einem neuen Gang!
      Er blickt' empor und sprach: o schne Persermaid,
    Da du treuloser noch als schn bist, thut mir laid.
      Da mir solch eine Braut, solch eine Burg entflogen,
    Das reut mich nicht sosehr, als da ich ward betrogen.
      Nun, diese Burg ist doch nicht wie der Himmel hoch;
    Und wr sie hher noch, herunter mut du doch.
      Herunter bringen werd ich dich, im Sturm erringen
    Das Schlo, du brauchest mir die Schlel nicht zu bringen.
      Sie sprach: Ereifre nicht, o schner Trkenknabe,
    So sehr dich, da ich nicht gebracht die Schlel habe.
      Der Vater hat sie selbst heut in Verschlu genommen;
    Ich knnte, wollt ich auch, nicht zu den Schleln kommen.
      Auch deine Werbung hab ich heimlich ihm vertraut;
    Er sprach: Ein Trke find in Iran keine Braut.
      Ich rate dir, kehr um, und nim, die dein begehrt,
    Die schnst in Turan nim! du bist der schnsten wert.
      Kehr um, ich rate dir, la guten Rat dir frommen,
    Eh Kawus es erfrt, und seine Helden kommen.
      Wenn Rostem kommt heran, der Perser-Pehlewan,
    O Schmuck aus Turkistan, dann ists um dich getan.
      Kehr um in deiner Kraft! du stehst hier an der Grenze;
    Schad um die Blume, wenn sie bricht ein Sturm im Lenze.
      Ich weinte selbst um dich, wenn ich dich she fallen;
    Denn beer hat als du mir noch kein Mann gefallen.


    34.

      Sie sprachs, und schwieg, und stieg hinab vom Mauerkranz;
    Noch lang sah Rostems Sohn empor im Abendglanz,
      Als sh er noch ihr Bild, als hrt er noch ihr Wort;
    Zum Lager langsam dann ritt er im Unmut fort.
      Dem Schlo zur Seite lag am Berggehng herab
    Ein reicher Anbau, der dem Schloe Nahrung gab.
      Da waren Grten, Bum und manches Saatenfeld;
    Daran lie seinen Zorn nun aus der junge Held.
      Ins Lager rief er laut: Ihr Trken, kommt heraus!
    Verbreitet um euch her schnell der Zerstrung Graus!
      Uns bietet Trotz die Burg, die dort im Sptrot lodert;
    Vergebens hab ich heut die Schlel abgefodert.
      Sie sei zu Fall gebracht, sobald der Tag erwacht;
    Und vor der Nacht sei jetzt ein Anfang schon gemacht.
      Zerschmettert die Geblk, zertrmmert diese Planken,
    Brecht die Gezun entzwei, werft nieder diese Schranken!
      Haut diese Fruchtbum um, entwurzelt diese Reben,
    Und mhet diese Saat! sie soll nicht Krner geben.
      Die ist der Boden, wo sie ihren Vorrat pflanzen,
    Womit sie droben dann sich halten in den Schanzen.
      Nun steige Staub und Rauch und Dampf und Qualm empor,
    Und kndig ihnen an, was ihnen steht bevor!
      Des Burgvogts Tochter liebt vom hohen Wall zu schauen;
    Nun schaue sie, wie hier wir ihr den Garten bauen!
      Whlt diese Beeten um, wo ihre Rosen blhn,
    Und stopft die Quelle, die ihr macht den Rasen grn!
      So rief er, und sein Heer fiel wie ein Hagelschlag
    Aufs angebaute Land, bis alles wste lag.
      Stillschweigend sah er zu, und als der letzte Keim
    Zerstrt war, ritt er abgekhltes Zornes heim.


    35.

      Zum heimgekehrten trat Baruman in der Nacht,
    Und sprach: Du hast nicht gut das Werk des Tags vollbracht.
      Den Feinden ist es recht die Nahrung abzuschneiden,
    Doch so nicht da wir selbst darunter Mangel leiden.
      Nun ihren Vorrat zwar hast du der Burg entzogen,
    Allein dein eignes Heer hast du darum betrogen.
      Viel Holzwerk und Geblk ist unntz mitverbrant,
    Das nutzbar konte sein zum Leiterbau verwandt.
      Denn ohne Leitern wirst du nicht das Schlo erringen;
    Die Mauern dort wird nicht dein Rsslein berspringen!
      Und dann, was spornte dich zu dieser Rache scharf?
    Weil dir ein Kind die Tr zu vor der Nase warf!
      Viel beer war dir das, als liee sie dich ein;
    Drin unter Hunderten was wolltest du allein?
      Du bist der Mann wol es mit jedem aufzunemen,
    Doch viele Hunde sinds, die einen Lwen lhmen.
      Bist du des Heeres Arm, und bist des Heeres Haupt,
    Nicht sei durch Torheit ihm so Haupt als Arm geraubt!
      Was sollt ich schreiben nun dem Schah Afrasiab,
    Der deiner Jugend bei zum Rat mein Alter gab?
      Dein strmscher Ritter hat das Grenzschlo eingenommen,
    Er ist mit Glck hinein, doch nicht heraus gekommen!
      Nun aber wollen wir mit beerem Vertraun
    Es nemen, und dazu vor allem Leitern baun.
    Du hast das Holz verbrant, wir wollen andres haun.
      Er sprachs, und lchelnd hin nam jener den Verweis;
    Er sprach verschmt und keck: Ein Jngling ist kein Greis;
      Doch hab ich nie gehrt, da Rostem auch, der alte,
    Beim Mauerbrechen sich mit Leiterbau aufhalte.
      Bau Leitern! eines nur beding ich mir dabei,
    Da, wenn sie fertig sind, ich drauf der erste sei.
      Nur seis in dieser Nacht! denn morgen, seids gewrtig,
    Da werd ich mit der Burg auch ohne Leitern fertig.


    36.

      Weil die der weien Burg im Lager ward gedroht,
    Sa droben Gesdehem, und dachte nach der Not.
      Er setzte sich und schrieb an Kawus einen Brief,
    Darin er Gottes Heil dem Schah zum Eingang rief,
      Und von der Herrlichkeit des Throns nach Wrden sprach,
    Dann von den mislichen Zeitluften trug er nach:
      Die Grenzburg Irans ist gekommen ins Gedrnge
    Von einem Trkenheer in ungezlter Menge.
      Doch all den andern geht ein junger Fant voran,
    Der ber zweimal sieben Jahr nicht alt sein kann.
      Von seiner Schlankheit ist die Zeder berragt,
    Von seinem Glanz die Sonn im Aufgang bertagt.
      Wenn er zu Rosse sitzt mit Lanze, Keul und Schwerde,
    So achtet er gering Himmel und Meer und Erde.
      In Turan weder ist noch Iran ein Verwegner
    Von gleicher Art, fr ihn ist auf der Welt kein Gegner,
      Als Rostem nur allein; ihm gleicht er an Gestalt,
    An unverzagtem Mut und furchtbarer Gewalt.
      Suhrab, so ist genant die junge Kriegesflamme,
    Entsproen, wie man sagt, Semengans Knigsstamme.
      Sobald er kam, hat sich der mutige Hedschir
    Gegrtet, und gesetzt auf ein schnellfig Thier.
      Ihn trugs den Berg hinab, doch nicht zum Schlo zurck;
    Dem Strmer sperrt ich selbst die Vestung noch zum Glck.
      Doch wenig fehlte nur, so wre mutentbrant
    Der junge Elefant allein ins Tor gerant.
      Darauf hat er verbrant den Anbau rings ums Schlo,
    Und lnger widersteht die Burg nicht seinem Sto.
      Am Leben ist Hedschir, doch in Gefangenschaft;
    Verloren ist an ihm des Schloes Halt und Kraft.
      Ich hab umsonst bei mir nach beerm Rath gesucht:
    Mit meinem Huflein nem ich diese Nacht die Flucht.
      Schnell sende nun der Schah ein groes Heer herbei,
    Damit ein Damm gesetzt der Ueberschwemmung sei.
      Doch Rostem sei dabei! Nur Rostem ist der Mann,
    Der diesem Trkenknaben ins Gesicht sehn kann.


    37.

      Er schriebs und siegelte, und gab geschwind den Brief
    Dem Boten, der damit die Nacht durch eilig lief.
      Aufstand der alte Vogt sodann vom Schreibeplatz,
    Und raffte sein Gesind zusammen und den Schatz,
      Gurdaferid voran, um diese war ihm bange,
    Mit allen wandt er sich zum unterirdschen Gange,
      Der, ihm allein bekant, zur Burg hinaus weit frte,
    Und Niemand ward gewar, wie er den Bndel schnrte.
      Er zog mit seiner Schaar bei Nacht ein gutes Stck,
    Und nur wehrloses Volk lie er im Schlo zurck.
      Als nun der Tag brach aus der Nacht zerrinem Flor,
    Strmte mit seinem Heer Suhrab den Berg empor.
      Sie drangen bis ans Tor der Burg ohn Aufenthalt,
    Niemand trat in den Weg der strmenden Gewalt.
      Da hielten sie vorm Tor, kein Atem war darinnen,
    Und sahn zur Zinn empor, kein Leben auf den Zinnen!
      Suhrab in Ungeduld fat' einen Felsenstein,
    Schleudert' ihn gegens Tor, und brach den Eingang drein.
      Zu Ross sprengt' er hinein, alswie der lichte Tag,
    Ins Torgewlb, in dem noch Nacht und Schweigen lag;
    Das Schweigen ward geweckt von seinem Rosshufschlag.
      Der Widerhall nur ward vom Waffengrue wach,
    Kein andrer Widerpart schuf ihnen Ungemach.
      Sie wunderten sich selbst, wie leicht sie eingenommen
    Die Burg, und fragten sich, wohin der Feind gekommen?
      Doch Suhrab hatte statt des Feindes an dem Ort
    Die Freundin auch gesucht, und fand: sie war nicht dort.


    38.

      Wie sich ein Knabe mht, da er den Baum ersteige,
    Wo er ein Vogelnest wei auf dem hchsten Zweige;
      Am Abende zuvor hat er sich vorgenommen:
    Bei frhstem Morgen wird der hohe Baum erklommen.
      Heut ist es nun zu spt, bis morgen seis verschoben;
    Die Vgel sind im Nest bei Nacht wol aufgehoben.
      Er hat die ganze Nacht von seinem Fang getrumt,
    Und, mit der Sonn erwacht, das Bette schnell gerumt;
      Dann ist er ungesumt auf seinen Baum geklommen,
    Und droben findet er das Nest nun ausgenommen.
      Er wei nicht, ob zuvor ein andrer Dieb ihm kam,
    Oder die flcke Brut den Flug vom Neste nam.
      Eischalen findet er und ein zerstreut Gefieder,
    Und traurig klettert er vom hohen Stamme wieder:
    So traurig kletterte dort Suhrab auf und nieder
      Durchs de Mauerwerk der ausgestorbnen Veste,
    Und fand den Vogel, den er suchte, nicht im Neste.
      Er fand nicht Gurdafrid, wo er sie sucht' im Schlo,
    Er fand den wehrlos nur zurckgelanen Tro.
      So traurig sank er nun herab vom hohen Baume
    Der Hoffnung, den er khn erflogen hatt im Traume;
    Er suchte, die er liebt', im weiten leeren Raume.
      Er rief: Knnt ihr mir nicht, ihr stummen Wnde, sagen,
    Wohin ein Sturm sie hat, ein Flgel sie getragen?
      Ist sie verschwunden, wie ein Traumbild ohne Spur?
    Erscheinung glnzende, die mir vorber fur!
    Wo bist du? wer bist du? wie, sprich, nenn ich dich nur?
      Das macht den Unmut mir im Herzen doppelt hei,
    Da ich auch nicht einmal von ihr den Namen wei.
      Mich duchte, khlen wrd es schon der Sehnsucht Brennen,
    Wenn ich dem Winde nur drft ihren Namen nennen! --
      Er dachte nicht daran, den Tro der Burg zu fragen;
    Was, dacht er, knnen die von meiner Liebe sagen?


    39.

      Da rief er seiner Schaar: Geschwind, und holet mir
    Herauf aus seiner Haft vom Lager den Hedschir!
      Er ist ja gestern noch hier oben Herr gewesen;
    Wen beer knnten wir zur Auskunft uns erlesen?
      Er soll des leeren Nests Gelegenheit uns deuten;
    Verborgne Schtze sind gewis hier zu erbeuten.
      Er riefs, und jene trieb nach Schtzen die Begier
    Geschwind den Berg hinab, sie holten den Hedschir.
      Er kam, und Feeldruck beschwerte seine Glieder,
    Doch schwerer noch drckt' ihn Gefhl der Scham danieder;
    Denn frei hier war er einst, und kam gefangen wieder.
      Doch auf die Seite nam ihn alsobald Suhrab,
    Mit sanften Worten nam er ihm die Feeln ab:
      Du bist, so frei du hier gewesen, wieder jetzt,
    Sogleich auf diese Burg von mir als Vogt gesetzt,
      Wenn ohne Hinterhalt du mir den Namen nennest
    Von einer, die du nur zu gut, ich wei es, kennest,
      Und sagst du mir, wo sie ist, wo ich sie finden mag?
    Denn ohne sie will ich nicht bleiben einen Tag!
    Er sprach es, und das Wort war fr Hedschir ein Schlag.
      Zur Antwort gab er ihm: Wenn dir sie Gott beschied,
    Den Namen nenn ich wol, sie heit Gurdaferid.
      Ich staune, wie du selbst, sie nicht zu sehn hier oben;
    Wer wei, wo seinen Schatz der Vater aufgehoben!
      Gern wrd ich dir den Platz, wenn ich ihn wte, sagen.
    Sie hat ein Geist entfrt, ein Sturmwind fortgetragen;
    Du mut die Zauberin dir aus dem Sinne schlagen.
      Er schwieg, und wute wohl, auf welchem Weg den Schatz
    Der alte Drach entfrt, an welchen sichern Platz.
      Doch sein Geheimnis war des Nebenbulers Heil;
    Es war ihm um die Burg und um die Welt nicht feil.
      Fr Persien diese Burg zu halten wre schn,
    Dacht er, und frei als Herr zu walten auf den Hhn;
      Doch bel ist der Preis und schlimm die Gegengabe:
    Nicht kommen soll durch mich auf ihre Spur der Knabe! --
      Vom Vorteil seines Lands und seinem ungerrt,
    Vom Wunsch der Freiheit selbst, blieb er von Lieb umschnrt,
    Und ward in Feeln, wie er kam, hinweg gefrt.


    40.

      Doch Suhrab gieng nunmehr im weiten Schlo umher,
    Und fand den Raum von dem, wornach er suchte, leer.
      Da sprachen, die es sahn: Nach Schtzen suchet er.
    Und suchen gieng im Schlo nach Schtzen auch das Heer.
      Er aber suchte fort und fort sie hier und dort;
    Am einen fand er nichts, und sucht' am andern Ort.
      Er dachte, da sie doch sich me wo verstecken,
    Und immer hoffte noch sein Herz, sie zu entdecken.
      Wie ein verlegt Gert man sucht an jedem Flecke,
    Wo man es schon gesucht, und suchts in jeder Ecke,
    Wo mans nicht fand, und denkt, da es doch wo noch stecke.
      Er gieng zur Zinn hinaus, wo er von unten hoch
    Sie gestern stehen sah; stehn wird sie da heute noch!
      Er freute sich, zu stehn, wo sie zuvor gestanden,
    Und lie den Blick hinaus umschweifen in den Landen.
      Er sah darauf die Berg' und jede Thalschlucht an,
    Ob sie hindurch villeicht genommen ihre Bahn.
      Er fragt' um sie, von der er wute nun den Namen,
    Die Wolken und die Lft, ob sie von ihr nicht kamen.
      Mit Wind und Sonnenschein sprach er, mit Pflanz und Stein
    Sprach er von ihr, nur mit den Leuten nicht allein.
      Die Leute plnderten, zerhieben und zerstachen,
    Zerschmien, rien ein, zerwlten und zerbrachen.
      Sie suchten einen Schatz, und weil sie keinen Schatz
    Am Platze fanden, ward zerstrt dafr der Platz.
      Doch Suhrab, dessen Herz ein andres kmmerte,
    Sah unbekmmert drein, wie alles trmmerte.
      Er sah, und sah es nicht, wie man die Burg zerstrte,
    Alsob sie noch dem Feind, nicht schon ihm selbst gehrte.


    41.

      Zu dem in Liebeslust gefangnen jungen Mann
    Mit Mahnung und Verweis trat Barman und begann:
      Wie? um ein dunkles Haar und helles Angesicht
    Vergiest du die Welt, dich selbst und deine Pflicht!
      Die Helden, so die Welt noch jetzt am hchsten hlt,
    Sie hielten hher als sich selbst nichts auf der Welt.
      Sie gaben aus der Hand nicht achtlos und bedachtlos
    Das Herz und den Verstand, vom Rausch der Liebe machtlos.
      Wol manches Moschusreh fiengen sie ein im Scherz,
    Doch binden lieen sie im Ernste nicht ihr Herz.
      Denn, wer dem Adler gleich will um die Sonne werben,
    Darf wie die Nachtigall nicht um die Rose sterben.
      Nicht mit Eroberung von einer Welt vereint
    Sich dieses, da in Gram um einen Mond man weint.
      Sohn hat zum Ruhme dich genant Afrasiab,
    Und ber Land und Meer schwingst du der Herrschaft Stab.
      Aus Turan kamen wir hieher zu einem Werke,
    Begonnen wards mit Kraft, und sei vollfrt mit Strke!
      Dir fiel ohn einen Streich des Schwertes in die Hand
    Solch eine Burg, und frei steht dir nun Irans Land.
      Doch ob wir so im Spiel erreichten dieses Ziel
    Des Wunsches, doch bevor steht uns noch Arbeit viel.
      Der Knig Kawus wird mit seinen Helden nahn;
    Willst du entgegengehn? willst du sie hier empfahn?
      Willst du entgegengehn? kleb hier nicht an den Hallen!
    Willst du sie hier empfahn? la nicht die Burg zerfallen!
      Was berlieferst du in Blindheit und Betrung
    Das erste Pfand des Glcks den Hnden der Zerstrung?
      Mach, es ist dir zu schwl, dein Herz im Busen khl
    Von Liebe, willst du stehn ein Mann im Schlachtgewhl!
    Und willst du sein ein Kind, so ruh auf weichem Pfhl!
      So mahnte Baruman; Suhrab hatt ihm verraten
    Sein Herzgeheimnis nicht: er hatt es selbst erraten.


    42.

      So mahnte Baruman, und als darauf kein Wort
    Suhrab erwiderte, fur er zu mahnen fort:
      Du hast aus eignem Mut, o Jngling, unternommen
    Ein groes Werk, und wirst mit Glck zum Ziele kommen,
      Wenn eins mit dir du bist! Mit dir eins, wirst du siegen;
    Uneins mit dir, wirst du dir selber unterliegen:
    Der Kopf besinnungslos wird unters Herz sich biegen.
      Nur wer mit Festigkeit und mit Verstand ausfrt
    Das Unternommne, wei da ihm der Ruhm gebrt.
      Den Leun zu fangen, bist du auf die Jagd gegangen;
    La dich nicht unterwegs vom bunten Panther fangen!
      Bist du ein Held, ein Mann, die Welt zum Raube nim!
    Die Hand streck aus! dem Schah vom Haupt die Haube nim!
      Wenn diese Lnder all erst deiner Herrschaft frhnen,
    Werden dir allerwerts auch huldigen die Schnen.
      Die Schnheit ist die Blum, o Sohn, auf dem Gefild
    Des Lebens, und die Lieb ein Thau auf Blumen mild.
      Nie fehlen mge dir, o Jngling, auf der Au
    Der Jugend und des Glcks die Blume noch der Thau!
      Befestige die Schlo zu Ehren der darinn
    Erblhten, ihr zum Ruhm befestge deinen Sinn!
      Wenn dir von hier der Sieg ganz Persien beschied,
    In Persien ist mit inbegriffen Gurdafrid.
      Wenn du den Rostem wirst vom Ross zu Boden ringen,
    La ihn als Lsepreis Gurdaferid dir bringen!
      So Baruman, und wie ein Stral durch Nebel brach
    Die Red in Suhrabs Seel, er ward vom Traume wach.
      Ja, rief er, von dem Ross will ich den Rostem bringen,
    Und will als Lsepreis Gurdaferid bedingen!
      Dem Heer gebot er: Reit nicht, was wir haben, ein!
    Und baut es wieder, da es mg unnembar sein!
      Dann setzt' er sich und schrieb Brief' an Afrasiab,
    Worin er ihm Bericht vom ersten Siege gab.




    Fnftes Buch.


    43.

      Doch zu Keikawus kam nach Istachar der Brief
    Des Gesdehem, womit in Eil der Bote lief.
      Der Knig, als er nun den Brief las, und vernam
    Die ble Zeitung, ward sein Herz voll dunklem Gram.
      Darauf er seines Heers Gewaltige berief,
    Und viel verhandelt' er mit ihnen ob dem Brief.
      Sie saen um den Schah von Iran alle her,
    Und allen ward das Herz wie ihm von Sorgen schwer.
      Die Groen seines Reichs und Starken saen alle
    Ratschlagend mit dem Schah in der Chosroenhalle:
      Ferabors, Guders, Tus, Keschwad, Schedosch, Roham,
    Gurase, Gurgin, Gew, Milad, Ferhad, Behram.
      Denselben allen gab der Schah den Brief zu lesen,
    Und sprach mit ihnen dann von Suhrabs Art und Wesen:
      So ist aus Turans Schoo ein neuer Kriegessturm
    Gebrochen! seinem Sto wankt Irans Friedensturm.
      Schon ist in seiner Hand die weie Veste jetzt,
    Auf welche wir umsonst der Hter zwei gesetzt.
      Der alte gieng davon, der junge lie sich fangen.
    Guders! mit deinem Sohn Hedschir darfst du nicht prangen!
      Du hast der Shne viel; warum gerade gaben
    Die Burg wir dem, der sie nicht hielt vor einem Knaben?
      Doch, wie der Alte schreibt, so ist kein Mann der Welt,
    Der diesem Ungetm von Kind die Stange hlt,
      Als Rostem, Sabuls Held. Ihr, denen ist empfolen
    Die Wolfart Irans, sprecht: soll man den Rostem holen?
      Da sprachen Gro und Klein, und riefen insgemein:
    Rostem ist Irans Held, geholt soll Rostem sein.
      Im Kampf mit Turan war stets Rostem Irans Hort;
    Aus Sabulistan sei er eingeholt sofort!
      Der Schah schreib einen Brief, worin ihm werd empfolen
    Zu eilen; aber Gew, sein Eidam, geh ihn holen.


    44.

      Da sa der Schah und schrieb an Rostem einen Brief,
    Worin er Gottes Preis ob ihm zum Eingang rief:
      Hort der Iranier, Frst von Sabulistan!
    Stets sei vom Ruhm genant des Reiches Pehlewan!
      Von Turan ist ein Sturm und Friedensbruch gekommen,
    Die weie Burg hat er den Htern abgenommen.
      Suhrab, so ist genant die junge Kriegesflamme,
    Entsproen, wie man sagt, Semengans Knigsstamme;
      Ein Wetterstral, ein Brand, ein Recke sonder Scheu,
    Von Leib ein Elefant, von Herz und Mut ein Leu.
      Wie Gesdehem uns schreibt, so ist kein Mann der Welt,
    Der diesem Wagehals von Kind die Wage hlt,
      Als du nur, Irans Held! All meine Ritter saen
    Zu Rate, wo mit mir sie diese Fahr ermaen,
      Und einig sind sie, da mit ihm den Kampf kann ben
    Kein anderer, nur du magst ihm das Waer trben.
      Denn du bist unser Hort und Schmuck und Putz allein,
    Du Irans Rettungsport und Turans Trutz allein,
    Die Sttze fort und fort des Throns und Schutz allein.
      Nun gilt es, der Gefahr mit Kraft Entgegenstemmung,
    Die Brust von Iran frei zu machen von Beklemmung;
    Hemmung und Dmmung gilts von Turans Ueberschwemmung!
      Sobald du diesen Brief erbrochen hast, brich auf!
    Im Augenblick brich auf, und halte dich nicht auf!
      Stehst du, wo dieser Brief ankommt, nicht sitze nieder
    Zu lesen! sitzest du, erheb im Sprung die Glieder!
      Wenn in der Hand den Strau du hltst, zu riechen, reuch nicht
    Daran! wirf hin den Strau, zeuch aus, zeuch! und verzeuch nicht!
      Bist du vor deiner Tr, so geh nicht erst ins Schlo!
    La holen Schwert und Helm, und hol im Stall dein Ross!
      Sitz auf dein Ross! den Rachs la rennen! flieg herbei
    Aus Sabul wie ein Sturm! erheb ein Feldgeschrei!


    45.

      Er schrieb und siegelte den Brief mit buntem Wachse,
    Gab ihn dem Gew, und sprach: Nun renne gleich dem Rachse;
      Nach Sabul renn und flieg, alsob du httest Flgel!
    Nun gilts am Rsslein abzunutzen Zaum und Zgel.
      Wenn du nach Sabul kommst zu Rostem, hei ihn eilen!
    Verweilen la ihn nicht, und la dich nicht verweilen!
      Kommst du an spt des Nachts, so kehr um frh des Tags!
    Sags ihm, da nah der Kampf herandrngt, sags ihm, sags!
      Da nam den Brief zur Hand und eilte hin der Bote;
    An Waer dacht er nicht, und fragte nicht nach Brote;
      Er fragt' auf seinem Weg nach Staub nicht oder Kot,
    Und auch am Himmel nicht nach Frh- und Abendrot.
      Er flog auf seinem Ross in ungestmer Hast,
    Und gnnte weder ihm noch sich Schlaf oder Rast.
      Der Reuter und sein Ross, sie fhlten ihre Krfte
    Verdoppelt vom Beruf der wichtigen Geschfte;
      Als dienete zu Sporn des Reiches scharfe Not,
    Zu Geielhieb des Schachs eindringliches Gebot.
      Als er zur Mark hinan ritt von Sabulistan,
    Ward vom Wachpostenruf dem Rostem kund getan;
    Aus Iran fliegt ein Bot alswie ein Sturm heran.
      Doch Rostem zu Sewar, zu seinem Bruder, sprach:
    Reit ihm entgegen, sieh, warum ihm ist so jach!
      Dem Knigsboten ritt Sewar auf hohem Ross
    Entgegen, Rostem blieb in Ruh auf seinem Schlo.
      Doch als der Bruder nun kam mit dem Boten nher,
    Wie er den Eidam sah, da freute sich der Schwher.
      Er grt' ihn schn und sprach: Was bringst du, Tochtermann?
    Ein Schreiben von dem Schah! gibs, ob ichs lesen kann!
      Er nam den Brief, den er mit Augen berlief,
    Dann schwieg er lange Zeit, und dachte nach dem Brief.


    46.

      Ich denk an alte Zeit, vergeen manches Jahr,
    Und jetzt erinnr' ich mich, alsob es gestern war.
      Wie lange kann es sein? unmglich ist der Knabe
    Mein Sohn, wenn einen Sohn ich in Semengan habe.
      Unmglich, wenn mir dort ein Herz- und Seelerfreuer
    Erwchst, ist er bereits ein Mann und Heerzerstreuer.
      Jetzt trinket er noch mit milchduftiger Lippe Wein;
    Doch ohne Zweifel bald wird er ein Kmpe sein.
      Wann seine Zeit kommt, wird sein Arm die Keule schwingen,
    An Tapferkeit wird er mit seinem Vater ringen.
      Aufblhen neu in ihm wird Rostems Heldenfeuer,
    Der Jngling wird dem Greis der Jugendkraft Erneuer;
    Jetzt ist er noch kein Mann der Schlacht und Heerzerstreuer.
      Wann er erwachsen ist, wird ihn die Mutter schicken,
    Und um den Arm das ihm bestimmte Zeichen stricken.
      Erkennen werd ich ihn, und er wird mich erkennen,
    Denn meine Zeichen wird ihm auch die Mutter nennen;
    Nicht feindlich werden wir uns dann im Kampf anrennen.
      Zusprechen wird er mir mit sittigem Zuspruch,
    Nicht kommen mit gewaltttigem Gastbesuch,
      Nicht mit der Tr ins Haus, ins Land mit Waffen fallen,
    Anklopfen wird er erst an seines Vaters Hallen,
    Und diese sind ihm aufgetan mit Wolgefallen!
      Ich habe keinen Sohn in Persien, um ihn
    Als Erben meines Ruhms und Namens zu erziehn,
      Als Erben meines Guts und Reichs Sabulistan.
    Ein Trkenknabe taugt nicht zum Reichspehlewan
      Wird Kawus sagen; doch nach Kawus frag ich nicht.
    Doch gerne mcht ich sehn dem Jungen ins Gesicht,
      Der Suhrab ist genannt, die junge Kriegesflamme,
    Entsproen, wie man sagt, Semengans Knigsstamme!
      Ich knnt ihn nach dem Kind und seiner Mutter fragen,
    Und einen Gru an sie nach Turan ihm auftragen,
    Den trg er hin, wenn ich ihn hier nicht htt erschlagen!


    47.

      So sprach der alte Held in tiefbewegtem Sinn,
    Und all sein Denken schuf ihm lauter Ungewinn.
      Dann blickt' er auf, und sprach zum Boten, den er fast
    Vergeen hatte: Komm! fr heut bist du mein Gast.
      Es ist nicht Eilens Not mit Krieg und Kriegsgebot:
    Ich seh nicht, was dem Reich von Iran Groes droht!
      Nun machte wol mich scheu ein reckenhafter Knabe,
    Da ich nicht Furcht vor Leu und Elefanten habe?
      Es sollt ein blinder Schreck mich gleich in Harnisch bringen,
    Und stehndes Fues sollt ich auf den Rachs mich schwingen?
      Weil gegen ihn ein Tropf die weie Burg verlor,
    Ist drum der Brausekopf schon vor der Hauptstadt Tor?
      Ein knabenhafter Mann, wieviel er Kraft gewann,
    Wenn sich zu rhren erst fr ihn mein Schaft begann,
    Sehn werdet ihr, wielang er seiner Haft entrann!
      Ich wurde fertig sonst mit Riesen und Dmonen,
    Ich frchte mich vor nichts, was hinterm Berg mag wohnen.
      Er wird sich hten uns ins Garn herein zu springen;
    Wir werden zeitig ihm den Tod entgegen bringen.
      Soll in Bewegung erst sich setzen Meeres Braus?
    Das Glimmen geht von selbst des Aschenhufchens aus.
      Wir werden bald genug auch diesen Weltbrand dmpfen;
    Heut hab ich keine Lust fr Keikawus zu kmpfen.
      Kommt! eh auf seinen Wink wir morgen Trken hetzen,
    Will ich mich heute noch mit lieben Freunden letzen.
      Wir schlagen aus dem Sinn die Schlacht uns beim Gelag,
    Bei hellem Becherklang und frohem Lautenschlag,
    Und machen vor der Nacht uns einen guten Tag.
      Du, Eidam, sollst mir was von meiner Tochter sagen,
    Vom jungen Recken auch, den ich euch todt soll schlagen!
      Die Herrlichkeit der Welt wird all am Ende Staub;
    Begieen wir mit Wein des Lebens grnes Laub!
      Seware! geh ins Haus, bestell uns einen Schmaus!
    Wir leeren vor der Nacht noch manchen Becher aus.


    48.

      So rief der alte Held aus aufgeregter Seele;
    Sein Bruder tat, wie er gewohnt war, die Befele.
      Und auch der Eidam wagte nicht zu widersprechen;
    Er wute, da mit ihm nicht gut sei Lanzen brechen.
      Der alte Recke lie sich durch den Sinn nicht faren;
    Starr war sein Kopf und hart, besetzt mit struppigen Haaren.
      Dem Schwher folgte Gew vergngt ins Haus zum Schmaus,
    Und dachte: Mach er mit dem Schah es selber aus!
      Wir wollen heut mit Wein die staubgen Lippen netzen,
    Und morgen knnen wirs durch schrfern Ritt ersetzen.
      Sie saen beim Gelag, und hatten guten Tag,
    Das Fest geschmckt war wie ein Frhlingsrosenhag.
      Alswie ein Rosenhag, geschmckt mit Duft und Glanze,
    Mit Nachtigallenschlag und blhndem Rosenkranze;
    So blhte das Gelag von Sang und Klang und Tanze;
      So mhte sich die Kunst gebter Tnzerinnen,
    Vom Wirte Gold, und Gunst vom Gaste zu gewinnen.
      Sie dachten an den Feind und an den Knig nicht,
    Und sahn nur Rosenwang und Mondenangesicht.
      Vom Schenken lieen sie den roten Wein sich schenken,
    Und durften nicht dabei an Blutvergieen denken.
      Sie schpften Wonn auf Wonn aus unerschpfter Tonne;
    Froh war hinunter schon getrunken Tag und Sonne.
      Zum Trunke leuchteten noch ihnen Sternefunken,
    Bis alle vom Gelag zum Lager giengen trunken.


    49.

      Am andern Morgen trat der Eidam reisefertig
    Zu Rostem ein, und war des Aufbruchs nun gewrtig.
      Doch Rostem sprach vergngt: Du schliefest zeitig aus;
    Gut, da zu kurz der Tag uns werde nicht zum Schmaus!
      Nun heute wollen wir erst recht behaglich schmausen;
    Wer wei, wie bald herein des Unheils Wogen brausen!
      Wir wollen aus dem Sinn uns schlagen Graun und Grausen;
    Gut Obdach haben wir, der Sturm mag drauen sausen!
    Villeicht wird nie so froh uns mehr die Haus behausen.
      Mir ist, als sollt ich mich zum letztenmal der meinen,
    Der guten Freunde freun, die sich um mich vereinen!
      Ihr beiden, kommt, und setzt zur Rechten und zur Linken
    Euch um den Rostem her, und helft dem Rostem trinken!
      Sewar, mein Bruder, hier! hier Gew, mein Tochtermann!
    Mir trumte Nachts da ich auch einen Sohn gewann.
      Das kam mir in den Sinn durch jenen Trkenknaben,
    Mit welchem sie vom Hof den Kopf betubt mir haben.
      Nachbringen sollst du heut beim Weine, Gew, mir dessen
    Beschreibung, weil beim Wein sie gestern ward vergeen.
      Kommt, setzet euch, und lat uns hren vom Suhrab,
    Was Gew zu sagen wei, ob dieser Wunderknab
    Ist wirklich einzig auf der Welt der weie Rab!
      So sprach er, und zuerst hinpflanzt' er seine Glieder;
    Der Bruder durfte nichts, der Eidam nichts dawider
    Ihm sagen; wie er sa, setzten sich beide nieder.
      Sewar, der Bruder, rechts, der Eidam Gew zur Linken,
    Bei Rostem saen sie, und er begann zu trinken.
      Sie saen beim Gelag, und hatten guten Tag;
    Das Fest geschmckt war wie ein Himmelsrosenhag,
    Mit Glanz und Tanz und Sang und Klang und Lautenschlag.
      Beim Trinken sprachen sie, bis sie den Tag hinab
    Getrunken und herbei den Schlummer, von Suhrab.


    50.

      Des andern Morgens trat der Bote reisefertig
    Zum Pehlewan, und war des Aufbruchs nun gewrtig.
      Er wartete, und sah da nicht von selbst aufbrach
    Rostem, da fate Gew sich nun ein Herz und sprach.
      Bedachtsam sprach er: Held! vernimm ein Wort in Huld!
    Nun reize lnger nicht des Schahes Ungeduld!
      Kawus, das weit du ja, ist jh in jedem Ding;
    Und diese Sache wiegt ihm keineswegs gering.
      Drum sandt er Botschaft dir durch keinen andern Boten
    Als deinen Tochtermann, und Eil hat er geboten.
      Denn dieser junge Trk ist ihm ein groer Kummer,
    Der E- und Trinkens-Lust und Ruh ihm raubt und Schlummer.
      Und wenn wir lnger noch in Sabulistan sumen,
    Wird ihm das weite Reich zu eng in allen Rumen.
    Sprich, lieber Schwher, soll ich dir den Rachs nicht zumen?
      Im ungefgen Zorn mcht er sich uns erbosen;
    Zorn des Gebietenden bringt Boten keine Rosen.
      Zu ihm sprach Rostem: La dir das nicht Sorge werden!
    Niemand darf zrnen mir und meinem Tun auf Erden.
      Keikawus wei das wol, da er zu dieser Frist
    Durch Rostems Macht allein in Iran Knig ist.
      Er wei auch, da mein Schwert ihn nie im Stiche lie,
    Wo oft in Ungemach sein toller Mut ihn stie.
      Doch heute dnkt es selbst mir Zeit nun aufzubrechen;
    Nun wollen wir es erst beim Morgentrunk besprechen.
      So sprach er, und alsbald mit Prachtgeprng und Prunk
    Lie er bestellen dort im Saal den Morgentrunk.
      Die Flasche neigt' er tief, und hob den Becher hoch,
    Mit seinem Eidam sprach er die und jenes noch.
      Den Sattel nun gebot er auf den Rachs zu heben,
    Und lie dem ehrnen Mund der Zinken Atem geben.
      Die Krieger Sabuls, wie sie hrten Rostems Zinke,
    Rings strmten sie herbei, willfrig seinem Winke.
      Er bersah mit einem Blick die starke Schar,
    Und merkte, da kein Ding der Welt zu schwer ihm war.
      Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten,
    Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten.
      Rostem ritt im Gesprch mit Gew voraus, es war
    Hauptmann bei Sabuls Heer an seiner Statt Sewar.


    51.

      Die Kunde kam zur Stadt, Rostem sei auf den Wegen;
    Die Frsten zogen ihm eine Tagreis' entgegen:
      Ferabors, Guders, Tus, Keschwad, Schedosch, Roham,
    Gurase, Gurgin, Milad, Fehrhad und Behram.
      Ferabors, Sohn des Schachs, und der Kronfeldherr Tus,
    Samt allen brigen, mit ehrerbietigem Gru,
    Entgegen traten sie dem reitenden zu Fu.
      Zu Fu hernieder trat auch Rostem von dem Ross,
    Grend, und im Geleit hinwandelt' er zum Schlo.
      Hinwandelten zum Schlo vergngt und unbeklommen
    Alle, sie waren froh, da Rostem nur gekommen.
      So traten sie im Chor dort in die offne Halle
    Des Throns, mit offnem Blick und offnem Herzen alle.
      Doch wie sie grend sich dem goldnen Thron geneigt,
    Sa droben Keikawus finster und ungeneigt.
      Dem Ruf der Huldigung gab er die Antwort nicht,
    Und schweigend wendet' er von ihnen sein Gesicht;
      Worauf er gegen Gew erst einen Schrei ausstie,
    Und gegen Rostem dann den Unmut frei auslie:
      Wer ist Rostem, da er ein Wort aus meinem Munde
    Mit Fen tritt, und sich entziehet meinem Bunde?
      Htt ich ein Schwert zur Hand, ich wollte laen tanzen
    Vom stolzen Rumpf sein Haupt gleich einer Pomeranzen.
      Tus, greife mir das Paar, und fhre sie davon,
    Bring an den Galgen mir Schwher und Schwiegersohn!
      Er riefs, und sprang vor Zorn auf seinem Thron empor,
    Auflodernd ungestm alswie ein Feur im Rohr.
      Der ganze Krei umher der Frsten war betroffen,
    Da seinen Zorn der Schah so durft auslaen offen.
      Tus zauderte und wagt' an Rostem nicht die Hand
    Zu legen, da geriet Keikawus erst in Brand.
      Er brllte durch den Saal alswie ein Leu im Forste,
    Und schrie vom Throne wie ein Adler kreischt vom Horste:
      Verrter, wer die Hand nicht legt an den Verrter!
    Ein Uebertreter, wer nicht greift den Uebertreter!
      Fort mit ihm auf der Stell, aus meinen Augen fort!
    Und sagt dagegen mir kein unverstndig Wort!


    52.

      So schnaubt' er, und vor Leid dem Tus das Herz zerbrach,
    Da er an Rostem sollt anlegen Hand mit Schmach.
      Er fat' ihn, nur damit er ihn aus dem Gesichte
    Dem Kawus brchte, bis man dessen Zorn beschwichte.
      Die Frsten staunten, wie er fate Rostems Hand,
    Und Rostem wars allein, der nichts davon empfand.
      Denn Rostems Seele schwoll von Groll und Unmut voll,
    Da vor den Frsten ihm der Schah das bieten soll!
      Er richtet' um ein Haupt noch hher sich empor,
    Und um die Schultern schien er breiter als zuvor.
      Dann tat er seinen Mund zu khnen Reden auf,
    Frei gegen Kawus lie er seinem Zorn den Lauf:
      Wer bist du, und wer ich, da du so gegen mich
    Darfst schnauben? auf der Welt bist du ein Schah durch mich.
      Droh mit dem Galgen doch dem Suhrab, der dich schreckt,
    Dem Ritter nicht, der dir den Feind zu Boden streckt!
      Bin ich dein Untertan? Ich bin der Pehlewan
    Des Reiches Iran und Frst in Sabulistan.
      Ich bin Tehemten, der, wenn er den Fu im Grimm
    Stampft auf den Grund, der Grund erzittert unter ihm.
      Von meines Rosses Huf erhallt des Himmels Dom,
    Und staunend still, wo es vorbeirennt, steht der Strom.
      Ich bin der Rostem, sieggekrnt und ruhmgeschmckt,
    Der wol um einen Schah wie du den Kopf nicht bckt!
      Der Sattel ist mein Thron, der Helm ist meine Krone;
    Ich spotte deiner Kron, und trotze deinem Throne.
      Wer ist Kawus, da er an mir den Zorn auslae!
    Und wer ist Tus, da er mich bei der Hand erfae!
      Er riefs, und auf die Hand gab er solch einen Schlag
    Dem Tus, da er davon betubt am Boden lag.
      Hin ber ihn und durch die andern schritt er stracks
    Zu Hall und Hof hinaus, und schwang sich auf den Rachs.


    53.

      Die Frsten drngten aus dem Saal ihm hinterdrein,
    Den Kawus lieen sie mit seinem Zorn allein.
      Sie eilten in den Hof, da sa der Rostem hoch
    Auf seinem Sattel schon, und sprach vom Sattel noch:
      Heim reit ich nun sogleich nach Sabul, in mein Reich;
    Dort bin ich Knig selbst, dem Knig Kawus gleich.
      Mag ohne Widerstand ganz Iran in die Hand
    Von Turan fallen! ich behaupte wol mein Land.
      Mag euch wie den Hedschir Suhrab vom Rosse stechen,
    Und wie das weie Schlo die Knigsburg hier brechen!
      Ich wehr ihm nicht, und wer wird ohne mich ihm wehren?
    Euch allen rat ich, da ihr mgt nach Hause kehren!
    Kein edler Ritter dient solch einem Herrn mit Ehren.
      Ein Hitzkopf sollte doch die Herrschaft nie erwerben!
    Er strzt das Land und strzt sich selber ins Verderben.
      O mcht ein Frstenspro doch aus der Art nie schlagen,
    Kein toller Sohn den Reif nach weisem Vater tragen!
      Hab ich den Keikobad vom Berg Albors gebracht
    Dazu, ihn auf den Thron gesetzt durch meine Macht,
    Da Keikawus, sein Sohn, sich nun mir unntz macht?
      Die Frsten wien, da sie selbst zum Knig mich
    Begerten! damals setzt ich ein als Knig dich!
      Und htt ich dort gewollt annemen Kron und Reif,
    So trgest du nicht jetzt den Nacken hoch und steif.
      Darum mishandle nur mit schnden Worten mich!
    Ich habs um dich verdient! warum erhht ich dich?
      Doch dchten so wie ich die Frsten, auf dem Thron
    Lieen sie dich allein, und giengen auch davon.
      Lebt wol! in euerm Land seht ihr mich nimmer wieder;
    Eur Land und euch kauf ich nicht um ein Krhengefieder!
      So rief er, und im Zorn gab er dem Rachs die Sporen,
    Spornstreichs ritt er hinaus zum Hof und zu den Toren.
      Wol eine Meile Wegs ritt er auf Sabul zu,
    Dann sucht' er gegen Nacht in einer Herberg Ruh.
      Sein Zorn khlt' in der Nacht; er harrte, bis Sewar,
    Sein Bruder, kme nach mit Sabulistans Schar.




    Sechstes Buch.


    54.

      Die Frsten sahn ihm nach, verstreter Geberde;
    Denn Rostem war der Hirt, sie alle seine Herde.
      Zu Guders sprachen sie: Guders! die ist dein Teil;
    Durch deine Hand nur kann der Bruch uns werden heil.
      Der Knig hrt von dir am ersten noch ein Wort,
    Und deiner Shne Heer sind ihm ein werter Hort.
      Geh hin zum Schah, und auf die Flamme seines Zornes
    Spreng einen khlen Thau aus Fllen deines Bornes!
      Sprich Worte lind und stark, ihm zur Beschwichtigung,
    Zu dieser mislichen Ergangs Berichtigung!
      Gew, aber du sitz auf, und reit dem Schwher nach,
    Hol ihn uns ein, eh er nach Sabul heimfrt jach!
      Der Gew sa auf und ritt, zusammen sa der Rat
    Der Frsten, weil den Gang Guders zum Schlo antrat.
      Sie sprachen unter sich voll Kummer und Verdru,
    Da heute nicht der Schah that, wie ein Knig mu;
      Da er mit raschem Wort solch einen Mann gekrnkt,
    Den zu beleidigen ein Kluger sich bedenkt.
      Der Edlen Freundschaft m ihm wol nicht nahe gehn,
    Da er so rcksichtlos beschimpft den Edelsten!
      Der auf den Thron ihn hob, und der in jeder Far
    Die Sttze seines Throns und Irans Zuflucht war!
      Wenn an den Galgen er dafr will Rostem henken:
    An was dann sollen wir, als schnelle Flucht nur, denken?
      Denn ohne Rostem ist in Iran uns kein Halt,
    Erliegen werden wir vor Turans Kampfgewalt;
      Wenn nicht noch diese Nacht der Schah sich lt erbitten,
    Ihn zu besnftigen, eh er nach Haus geritten.
      So ratlos hielten dort die Frsten ihren Rat,
    Indess Guders hinan zum zorngen Knig trat.


    55.

      Er sah ihn auf dem Thron in dsterm Unmut sitzen,
    Gleich einer Wolke, die sich hat erschpft mit Blitzen,
      Geneigt, nachdem sie ausgewettert hat, zu regnen;
    So wagte Guders ihm mit Worten zu begegnen:
      O Frst, ein Knig ist Haupt ber Volk und Land;
    Der Kopf soll haben fr den ganzen Leib Verstand.
      Wer guten Rat nicht hat, soll guten Rat annemen,
    Und schlimmgemachtes gut zu machen sich nicht schmen.
      Du hast ein harsches Wort zum Schaden und zur Schmach
    Entsendet, send ihm auf dem Fu ein sanftes nach!
      Du hast mit raschem Wort solch einen Mann gekrnkt,
    Den zu beleidigen ein Kluger sich bedenkt.
      Nicht gegen Rostem hast du deinen Zorn bezmt;
    Die Edlen, weil sie ihn beschimpft sehn, sind beschmt:
    Gestumpft ist Irans Schwert, des Mutes Arm gelmt.
      Wenn jener Trke nun mit seiner Heermacht Wellen
    Daherbraust, welchen Damm willst du entgegen stellen?
      Der Gesdehem, der all die Deinen gro und klein
    Von Hrensagen kennt, und kennt von Augenschein,
      Sagt, da dem Suhrab gleich in Iran kein Verwegner
    Noch Turan sei, fr ihn sei auf der Welt kein Gegner,
      Als Rostem, den du nun durch ungestme Hast
    Des Herzens dir, dem Land und uns entwendet hast!
      Warum? weil einen Tag zulang er ausgeblieben,
    Hast du ihn lieber gar auf immer fortgetrieben!
      Weil er drei Tage lang zu Haus uns hat gesumt,
    Sehn wir das Feld der Schlacht nun ganz von ihm gerumt!
      Die Frsten alle, die Heil wnschen deinem Thron,
    Die Frsten all, o Frst! Ferabors auch, dein Sohn,
      Einmtig haben sie zu deines Thrones Stufen
    Mich hergesandt, zu flehn, Rostem zurck zu rufen!
      Ferabors schtzt dich nicht, dein Sohn, o Keikawus,
    Wie stark er sei, dich schtzt nicht dein Kronfeldherr Tus,
      Noch all die andern sonst, die deinem Zepter frhnen;
    Ich schtze selbst dich nicht mit meinen achtzig Shnen.
      Sie werden alle nicht schnell wie Hedschir erliegen,
    Doch ohne Rostem sind wir nicht im Stand zu siegen.


    56.

      So sprach der edle Greis und schwieg, doch Kawus nam
    Zu Herzen, da der Rat aus gutem Sinne kam.
      Zu Guders sprach er: Wolgesprochen ist das Wort
    Der Alten: Greisenmund voll Rates ist ein Hort.
      Mich reuts, es reuete mich schon, was ich im Kochen
    Des ungestmen Bluts Verletzendes gesprochen.
      Geht schnell dem Rostem nach, den Ritter zu beschwichtigen,
    Und bringt ihn her, damit wir das Versehn berichtigen!
      Mit groer Freude nam Guders das gute Wort;
    Heil, rief er, sei dem Schah! und gieng in Freude fort
      Zur Ratsversammlung dort, die harrten ungeduldig
    Ob huldig jetzt der Schah sei oder noch unhuldig.
      Denn unstet immerhin ist eines Frsten Sinn;
    Da stiftet Schaden bald ein Wort und bald Gewinn.
      Das Wort ist gleich dem Oel, doch eines Knigs Mut
    Ist bald wie Meeresflut, und bald wie Feuerglut.
      Das Oel, gegoen in die Flamm, erneut ihr Leben;
    Gegoen auf die Flut, macht es die Wogen eben.
      Drum waren hocherfreut die Frsten allzusammen,
    Da dort auf Wogen traf das Oel, und nicht auf Flammen.
      Sie fhlten ihre Brust von einem Band entkettet,
    Und von dem Dornenpfl auf Rosen sich gebettet,
      Als Guders Kunde gab, wie sich die Flut geglttet,
    Und riefen eines Munds: Nun ist Iran gerettet!
      Zurckgewonnen ist dem Reich sein Pehlewan,
    Der ihm des Sieges Bahn vorangeht auf Turan.
      Nun lat den Ritter uns nur unterwegs einholen,
    Eh noch in Sabul er vom Fue schnallt die Solen!


    57.

      Zu Rosse stiegen sie, und ritten bei der Nacht
    Hinaus, wo Botschaft schon dem Rostem Gew gebracht.
      Er hrte den Bericht vom Eidam an verdroen,
    Und blieb zur Heimkehr nach Sabulistan entschloen,
      Sobald nur mit der Schar ihm kme nach Sewar;
    Statt dessen stellten sich ihm jetzt die Frsten dar.
      Zu bitten traten sie hinan zum Pehlewan,
    Der, wie er nahn sie sah, aufstand sie zu empfahn;
    Doch Guders trat voran, und hub zu bitten an:
      Wir bitten dich vom Schah, ich komm in seinem Namen;
    Sieh alle Frsten hier, die dich zu bitten kamen!
      Fr Iran bitten wir, dess Pehlewan du bist,
    Fr Irans Volk, das dir zum Schutz empfolen ist;
      Fr seine Jnglinge, die kmpfen lernen sollen,
    Fr seine Mnner, die im Kampf dir folgen wollen;
      Fr seine Greise, die sich selber nicht mehr ntzen,
    Fr seine Kinder, die sich noch nicht knnen sttzen,
    Fr seine Fraun, die du versprochen hast zu schtzen!
      Warum willst du zum Raub der Trken hin uns werfen,
    Weil dich ein Knigswort verletzt mit bittern Schrfen?
      Du weit ja, da Kawus hat wenig Hirn im Haupt,
    Und heftger Zorn ihn oft des Sinnes gar beraubt;
    Dann ist sein Wort nicht fein, wenn er im Unmut schnaubt.
      Er spricht geschwind ein Wort, das er geschwind bereut,
    Worauf er schnell die Hand auch zur Vershnung beut;
    Er bietet sie durch uns, weis' uns zurck nicht heut!
      Ist doch kein giftges Schwert das Wort, das dich gestochen!
    Und zrnest du dem Schah um das, was er gesprochen;
    Doch die Iranier, was haben sie verbrochen,
      Da du sie strafen willst fr seinen Unverstand,
    Dein Angesicht in Nacht abwenden ihrem Land?
    Doch auch der Schah streckt dir entgegen seine Hand.
      Er ist der Schah, und hat zu lohnen und zu spenden;
    Vergelten wird er dir mit voller Gnade Hnden
    Den Zorn und den Verdru; Verdru und Zorn la enden!
      Und folg uns mit dem Rachs zu dem, der uns geschickt,
    Dem Schah, der schon vom Thron nach dir erwartend blickt.


    58.

      Doch Rostem sprach: Er mag nach mir nur lange blicken!
    Solch edle Boten hat er nun nicht mehr zu schicken.
      Wenn diese nicht an mir verdienten Botenbrot,
    Wer tuts ihm dann? Er ist mir ganz und gar nicht Not;
    Ich will nicht sein Geschenk, und will nicht sein Gebot.
      Nach Sabul kehr ich heim, wo ich ein Knig bin
    Wie Kawus, walten kann ich dort nach meinem Sinn.
      Hier sind ja Ritter gnug, die Marken zu verteidigen!
    Er soll nur alle wie den einen nicht beleidigen!
      Ich aber zieh nach Haus, die Waffen leg ich nieder
    In Frieden, und erheb im Leben sie nicht wieder
      Zu Kampf und Schlachten, Blutvergieen, Mord und Wut;
    Dem allem sag ich ab und hege Friedensmut.
      Ich hab in Ehren lang genug das Schwert gefrt,
    Und habe nun vom Schah den Lohn, der mir gebrt.
      Warum half aus der Not ich ihm sooft, und bot
    Die Hand, wenn Unverstand den Fu ihm bracht in Kot?
    Dafr hat er mir mit dem Galgen nun gedroht;
      Weil ich ihm aufgetan einst in Masenderan
    Den Kerker, wohinein sein Unsinn ihn getan;
      Als von den Zauberern, Schwarzknstlern und Dmonen
    Er sich hinlocken lie, die dort im Lande wohnen.
      Des Landes Frhlingsglanz und goldner Schtze Reiz
    Verlockte seine Lust, verlockte seinen Geiz,
      Bis er mit seinem Heer und euch, ihr Frsten, allen
    Dort war in die Gewalt der bsen Macht gefallen:
    Wer mut euch da befrein, als ich, aus Teufelskrallen?
      Doch was ich sonst getan fr ihn und sein Iran
    Und euch, ihr wit es noch: was gehts mich ferner an?
      Ich eile nun im Nu zur langen Waffenruh,
    Und meine wol, ich bin nicht mehr zu jung dazu.
      Ein Adler, der sich schwang wol ein Jahrhundert lang
    Zur Sonn, am Ende wird ermatten auch sein Drang.
      Als ich aus Sabul ritt, da war mir schwer zu Mut,
    Als wr mir diemal in den Krieg zu ziehn nicht gut.
      Auch stolperte mein Rachs, dem nie ein Tritt misglckt,
    Und Helm und Schien hat mich zum erstenmal gedrckt.
      Jetzt auf dem Heimweg ist mir leichter in der Nacht,
    Und freudewiehernd hat den Rckritt Rachs gemacht.
    Geht heim zum Schah, sagt, da ihr mich nicht mitgebracht!


    59.

      Doch Guders sprach: Ist das, Rostem, dein letztes Wort?
    Und also sendest du mich und die Frsten fort?
      Was wird der Schah von dir, was werden Edle denken?
    Unedle gar, worauf wird sich ihr Denken lenken?
      Vor jenem Trken ist der Held von Iran scheu;
    Den alten Lwen schreckt vom Berg der junge Leu.
    Held Rostem frchtet sich! das ist an Rostem neu.
      Wer, wenn er flieht, soll stehn? wer, wenn er wankt, soll dauern?
    Wer, wenn er zagt, soll gehn zum Kampfplatz ohne Schauern?
      Denn, wie ihn Gesdehem beschreibt, ist kein Verwegner
    Dem Suhrab gleich, fr ihn ist auf der Welt kein Gegner,
      Als Rostem, Sabuls Held; und wenn nun Rostem flieht,
    Wer soll verteidigen vor Suhrab das Gebiet?
      So mu dem Adler, der sich ein Jahrhundert lang
    Zur Sonne schwang, am End ermatten auch sein Drang!
      Drum war ihm, als er ritt aus Sabul, schwer zu Mut,
    Als wr ihm diemal in den Krieg zu ziehn nicht gut!
      Drum stolperte sein Rachs, dem nie ein Tritt misglckt,
    Und Helm und Schien hat ihn zum erstenmal gedrckt!
      Jetzt auf dem Heimweg ist ihm leichter in der Nacht,
    Und freudewiehernd hat den Rckritt Rachs gemacht!
      Am Hofe hr ich schon von Rostem die Gerede
    Und in der Stadt; wo bleibt dein Ruhm in dieser Fehde?
      Willst du nicht unsern Wunsch und deines Schahes stillen,
    Tu's nur um deines Ruhms, um deines Namens willen!
      Doch Rostem sprach: da Furcht nie Rostems Herz empfand,
    Und nie empfinden wird, das wei wol dieses Land.
      Wie aber kann ich hier mit gutem Willen bleiben,
    Da mich von hinnen selbst des Schachs Scheltworte treiben?
      Guders mit Nachdruck sprach: Wenn dich sein Wort vertrieb,
    Sein Wort ruft dich zurck; so folg ihm, uns zu lieb!
      Rostem mit Zgern sprach zu seinem Tochtermann:
    Gew, sattle mir den Rachs, weil ichs nicht weigern kann.
      Nach Hause kann ich nun allein nicht, weil Sewar,
    Mein Bruder, wie es scheint, nicht nachkommt mit der Schar.
      Gew sattelte geschwind, und alle saen auf,
    Den Rostem fhrten sie zur Stadt im Siegeslauf.


    60.

      Zu Hofe fhrten sie im Zug den Pehlewan,
    Die Pforten fanden sie weit offen aufgetan.
      Als er ihn kommen sah, der Schah eilt' aufzustehn,
    Und mit Entschuldigung entgegen ihm zu gehn.
      Er sprach: Die Heftigkeit ist mir zur Art gegeben;
    Und wie uns Gott gepflanzt, so wachsen wir im Leben.
      Von diesem neuen Feind, der uns so pltzlich kam,
    Stieg Unmut mir ins Haupt, der mir den Sinn benam.
      Du aber bist der Hort des Reichs, des Heeres Rcken;
    Auf dich nur sind gelegt die Sorgen, die mich drcken.
      Du bist der Edelstein, dem Glanz die Krone dankt;
    Du bist der Fels, auf den gebaut der Thron nicht wankt.
      Dein Wolsein ists, worauf ich frh den Becher leere,
    Und dein Wolwollen, was ich in der Nacht begere.
      Mit deiner starken Hand halt ich den Herrschaftstab;
    Wir beide stammen ja gerad von Dschemschid ab.
      Kein andrer steht so nah dem Herzen und dem Thron;
    Mein Leben und mein Reich dank ich dir vielmal schon;
    Und nur mein Dank allein ist deiner Taten Lohn.
      Stehst du bei mir, so mag die Welt entgegenstehn;
    Statt aller wnsch ich nur als Helfer dich zu sehn.
      In dieser Kampfnot auch begert ich dein vor allen;
    Und wie du zgertest, hat mich der Zorn befallen.
      Doch als beleidiget du giengst, o Pehlewan,
    Hat mir die Reu sogleich den Staub aufs Haupt getan.
      So sprach der Schah und schwieg; doch Rostem sprach: die Welt
    Ist dein, ich bin darin zu deinem Dienst bestellt.
      Gehorchen meine Pflicht, Befelen ist dein Recht;
    Ich beuge mich, du bist der Herr, ich bin der Knecht,
      Bereit, wohin du rufst, auf deinen Ton zu gehn,
    Der Diener niedrigster an deinem Thron zu stehn.
      Verpflichtet deinem Hof bin ich zu Dienstentrichtung,
    Dafern ich wrdig bin so ehrender Verpflichtung.
      Und wre Leben mir noch tausend Jahr verliehn,
    So werd ich nie vor dir des Dienstes Gurt ausziehn.


    61.

      Zu Rostem wieder sprach der Schah: O Pehlewan!
    Die Seele bleibe dir hell ewig aufgetan!
      Nie werde dir die Hand, das Schwert zu fren, schwcher,
    Und nie miss' Irans Land den Ritter und den Rcher!
      Die neuen Dienste, die du wirst im Kampfe tun,
    Wie lohn ich sie? noch unbelohnt sind alte nun.
      Was biet ich heute dir als Gast- und Ehrengabe?
    Was hab ich, das ich nicht durch deinen Beistand habe?
      Was hab ich, das, o Held, du nicht schon selber hast?
    In Sabul ist dein Reich und frstlicher Palast.
      Du hast das beste Ross, das schnste Sturmgewand,
    Du hast das strkste Schwert, dazu die strkste Hand.
      Du bist mit allem ausgerstet unvergleichlich,
    Im Felde wie zu Haus versehn mit Schtzen reichlich.
      Rostem, was schenk ich dir an diesem Freudentag?
    Whl ein Geschenk dir selbst, was ich dir bieten mag!
      Rostem verneigte sich und sprach: Ich wills bedenken;
    Inzwischen mag der Schah mir seine Gnade schenken!
      Er sprachs, da freuten sich die Frsten gro und klein,
    Da sie gestiftet sahn so gtlichen Verein.
      Zu Guders sprach der Schah: Dir dank ich es, da du
    Mir noch vor Schlafengehn ins Haus gebracht die Ruh.
      Doch Rostem trat zu Tus, dem tat er nun genug
    Dafr da unsanft erst er auf die Hand ihm schlug.
      Der Schah rief: bringet Wein und Saitenspiel herein!
    Denn ohne Sang und Klang soll diese Nacht nicht sein.
      Zum Kampf mit Suhrab ziehn wir morgen mit dem Tage,
    Und feiern im Gelag heut seine Niederlage.
      So rief er; und zum Fest ward Wein hereingebracht
    Und Saitenspiel, und hell und klangvoll ward die Nacht.
      Wie Frhlingsgartenpracht war aufgeschmckt das Maal,
    Und Lust war wie ein Bach ergoen durch den Saal.


    62.

      So saen sie im Haus des Knigs nun beim Schmaus;
    Da gieng ein froh Gercht vom Hof zur Stadt hinaus,
      Das durch die Straen lief, und durch die Huser rief,
    Grte, was wach noch war, und weckte, was schon schlief.
      Jeder, zu dem es kam, und der den Gru vernam,
    Dem schwand davon alsbald der Kummer und der Gram,
      Und wuchs die Freudigkeit. Nun aber war beim Wandern
    Das frhliche Gercht begegnet einem andern,
      Das war so traurig anzusehn als jenes froh;
    Das frohe hielt es an, eh es ins Dunkel floh.
      Da tat das frhliche Gerchte seinen Mund
    Mit Lachen auf und sprach: wer bist du? tu mir kund!
      Und jenes sprach: Ich bin das traurige Gerchte,
    Da Rostem, von Kawus gekrnkt, aus Iran flchte.
      Das ist die Botschaft, die durch Stadt und Land ich trage,
    Und jeder wird betrbt, dem ich die Zeitung sage.
      Da sprach das frhliche: Nun streue keinen Frost
    Der Furcht umher! sei still! denn falsch ist deine Post.
      Die Wahrheit sag ich dir: Held Rostem sitzt beim Schmaus
    Mit Kawus heut, und zieht zum Kampfe morgen aus.
      Unglaubig schttelte das traurige Gercht
    Sein Haupt, es glaubte nicht den frhlichen Bericht.
      Aber das frhliche geriet in Zorn, und rang
    So mit dem traurigen, bis es den Feind bezwang.
      Das traurige Gercht vom frhlichen danieder
    Geschlagen lag, und stand die Nacht durch auf nicht wieder.
      Froh seines Sieges gieng das frhliche vondann,
    Und wo es gieng und stand, ward frhlich Weib und Mann.
      Abwechselnd sprach es ein in Husern gro und klein,
    Willkommen berall, beliebt wars allgemein.
      Und jeder, dem es noch vor Schlafengehn gebracht
    Ins Haus die Kunde, schlief dann beer in der Nacht.


    63.

      Sie aber saen noch beim frohen Maal und tranken,
    Bis sie, vom Wein bekmpft, dem Schlaf zur Beute sanken.
      Doch morgens, als die Sonn ihr goldenes Panier
    Aus Purpurvorhang hob zur Decke von Safier;
      Als auf der stillen Flur der Hirt in seinem Pferche
    Mit seiner Herd erwacht' am Morgenlied der Lerche:
      Da ward die Stadt erweckt von drnendem Metall,
    Von rauhen Erzes Mund und von Heerpaukenschall.
      Da drangen mit Geschrei Kriegsvlker rings herbei,
    Siegsmutig, da nunmehr bei ihnen Rostem sei.
      Vom eignen Frer ward gefrt jedwede Schar
    Aus Iran, und es frt' aus Sabul die Sewar.
      Rostem, der Pehlewan, ritt auf dem Rachs allein;
    Nicht einer Schar, dem Heer gehrt' er allgemein.
      Doch jeder Schar den Platz wies an der Feldherr Tus,
    Und Sold aus seinem Schatz der Knig Keikawus.
      Mit Lust sah Keikawus vorbeiziehn jede Schar,
    Die vom Feldherren Tus ins Feld entboten war.
      Er freute sich des unzhlbaren Heergedrnges,
    Der kaiserlichen Macht, des frstlichen Geprnges.
      Da freut' er sich sosehr an keiner tapfern Schar,
    Als da der tapferste beim Heere, Rostem, war.
      Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten,
    Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten.
      Gleich einem Meere kam die Menschenflut in Gang,
    Dem festen Lande ward vor Ueberschwemmung bang.
      Die Berge zitterten, gestampft von ihrem Hufe,
    Und Wolken splitterten, gesprengt von ihrem Wufe.
      Die Sonne sah ihr Bild verhunderttausendfacht
    In jedem blanken Schild, in jeder Rstung Pracht.
      So stieg der Waffen Glanz und so ihr Schall empor,
    Da jedes Auge blind, und taub ward jedes Ohr.
      So nickte Helm an Helm, und schwankte Busch und Feder,
    Alswie, vom Sturm bewegt, auf Bergen Tann und Zeder.
      So ragten, Reih an Reih, die dichtgedrngten Speere,
    Alswie auf gutem Feld sich drnget Aehr an Aehre.
      Geschmckt schien, wo das Heer im Schmuck der Waffen fur,
    Mit einem wandelnden Glanzfrhlinge die Flur.
      So blhte, wo es zog, die Au; doch wo vorbei
    Es war gezogen, blieb dahinter Wstenei;
      Denn abgeweidet ward manch Saatenfeld, und leer
    Getrunken mancher Bach vom Ross- und Menschenheer.
      So zog das Heer zur Grenz in ungehemmtem Lauf,
    Und nah der weien Burg schlug man das Lager auf.




    Siebentes Buch.


    64.

      Dem Suhrab sagtens an Wachtposten, da nun kam
    Das Heer, und er vernam die Meldung ohne Gram,
      Vielmehr mit Freude, weil es ihn verdro, so lange
    Hier oben auf den Gast zu warten zum Empfange.
      Denn alles hatt er lngst fr solchen Gast bereit,
    Die feste Burg, sein Heer, und seine Tapferkeit.
      Er nam den Baruman, der an den Wllen baute,
    Und frt' ihn schnell hinauf, wo man ins Freie schaute.
      Dort mit dem Finger zeigt' er deutend, Schar um Schar,
    Dem Baruman das Heer, an dem kein Ende war.
      Wie sich ein Habicht freut, den groen Flug der Tauben
    Zu sehn, von dem er sich nach Lust will eine rauben;
      Es schreckt ihn nicht zumal die Meng, ihn freut die Zal,
    Da von so vielen er soll haben freie Wal:
      So freute Suhrab sich, das junge Heldenblut,
    Der gegen ihn zum Kampf gezognen Menschenflut.
      Doch Barman, wie er sah das groe Heer, ward klein
    Das Herz ihm, und vor Furcht zog er den Atem ein.
      Zu dem erblaten sprach der junge Held mit Scherz:
    Bring Farb auf deine Wang, und an sein Fleck dein Herz!
      Sieh, wie im Waffenglanz das Lager ist entglommen!
    Soviele sind um Ruhm zu bringen mir gekommen!
      Der Ruhm ist ewig mein, und wrd ich auch erliegen
    So groem Heer; doch hab ich Mut es zu besiegen.
      Solch eine Menschenflut, wie eines Weltmeers Wogen,
    Ist gegen einen Fels im Sturm heran gezogen!
      Aus seiner Ruhe ward Keikawus aufgestrt,
    Als meinen Namen er in Istachar gehrt.
      In Schreck und Hast hat er um seinen Thron gerafft
    Zusammen jeden Schaft und jedes Armes Kraft;
      Und hergezogen kommt er nun mit allen Helden
    Von Iran, deren Preis in Turan Lieder melden.
      O sage, siehst du nicht dort im Gedrnge dicht
    Solch einen Mann, mit dem am liebsten Suhrab ficht!
      Solch einen, der nie bricht die Lanz an einem Wicht,
    Und der vom Sattel gern nur seines gleichen sticht!
      Wovon der Ehre Licht hinfort mein Angesicht
    Bestralt, wenn ich vor ihm bestanden mit Gewicht!
    O siehst du, gib Bericht, solch einen Mann mir nicht?
      So fragt' er ungestm, doch nicht beim Namen wollte
    Er nennen jenen, der sobald ihn fllen sollte.


    65.

      Darauf sprach Baruman: Ich sehe mehr als einen,
    Der Ehre bringen kann; doch welchen magst du meinen?
      Dir lodert hoch der Mut wie eine Feuerglut;
    O falle nicht dein Brand in kalte Waerflut!
      Der Feuerbrand, wenn er ins Waer fllt, so zischt
    Er ungestm und braust, qualmt unmutvoll und lischt.
      Nie fhle Furcht ein Mann, jedoch Feind und Gefar
    Acht er niemals gering; das Glck ist wandelbar.
      Soweit es will, fhrt dichs ohn Ansto; willst du weiter
    Um einen Schritt, so stockt das Ross und strzt der Reiter.
      In Frieden schlief der Krieg, du hast ihn aufgeweckt;
    Weit du, nach welcher Beut er seine Krallen streckt?
      Darum, wenn du mich siehst erzittern: nicht fr mich,
    Fr alle, die das Lo kann treffen, zitter' ich;
      Ich zitter' auch fr dich, weil dich es treffen kann;
    Denn wo das Unglck wlt, wlts nicht den schlechtsten Mann.
      Geh mannhaft in den Kampf, und dem Afrasiab
    Trag ab dafr den Dank, der dir die Heermacht gab!
      Halt, von der Burg gedeckt, und an die Burg gelehnt,
    In Schirm das Heer; und wenn dein Herz nach Ruhm sich sehnt,
      So ruf zum Einzelkampf solch einen Mann fr alle,
    Mit welchem, wenn er fllt, der Stolz von Iran falle!
      Ruf einen nur, den du vor allen siehest ragen,
    Und fll ihn ohne viel zu sagen und zu fragen.
      Sag ihm nicht, wer du bist; frag ihn nicht, wie er heit;
    Bis das Geheimnis ihm dein blutig Schwert entreit. --
      So sprach er wolbedacht, mit Wahrem Falsches mischend,
    In Rates Honigseim Verrates Gift auftischend.
      Den Rostem nannt er nicht, vor Rostem zittert' er,
    Noch von Masenderan kannt er den Rostem her.
      Den Rostem wollt er nun und Rostems Sohn verderben,
    Zwei solche Helden! das zwang ihn sich zu verfrben.
      Doch Suhrabs Seele war von reinem Mut erglht,
    Darum der Rose gleich war seine Wang erblht.
      Vom Walle stieg er froh hinab, vom Schenken nam
    Er einen Becher Wein und leert' ihn ohne Gram.
      Dann rstet' er ein Maal mit Lauten und mit Leiern,
    Um in der Freunde Krei des Feinds Ankunft zu feiern.


    66.

      In Irans Lager war inzwischen Zelt an Zelt
    Gepflanzt, und drein gedrngt das Leben einer Welt.
      Es war als mte Raum den Rossen und Kamelen
    Und Elefanten all, geschweige Futter, felen.
      Doch wie der Lagerwald begann nach allen Seiten
    Zu wachsen und im Krei den Umfang auszubreiten,
      Schlo Reih an Reihe sich geschickt, und sie vergaen
    In ihrer Zeltstadt auch Marktpltze nicht und Straen.
      Da wogte bald Verkehr geschftig hin und her,
    Und die Verwirrung ward zur Ordnung immer mehr.
      Die Sonne gieng hinab am abendlichen Himmel,
    Und sah mit Staunen noch auf Erden das Gewimmel.
      Da fanden Dach und Fach nun alle nach und nach,
    Und ber allen war des Himmels dunkles Dach.
      Doch als an seinem Ort sich jeder eingetan,
    Da trat zum Schah sofort des Reiches Pehlewan,
      Und Rostem sprach: ich will nicht hier im Lager rasten,
    Dort oben auf der Burg will ich bei Suhrab gasten.
      Mein Herz hat keine Ruh, bis meine Augen haben
    Gesehn von Angesicht zu Angesicht den Knaben.
      Den Trkenknaben, den uns mit soviel Geschrei
    Der Ruf genannt hat, will ich ansehn, wer er sei,
      Ob wert der Mhe, da ich auf den Rachs mich schwang,
    Und eine Ehre mir, wann ich ihn niederrang.
      Gewesen bin ich selbst vordem in Trkenland,
    Anlegen will ich nun ein trkisches Gewand.
      Darunter soll nicht, wer mich nicht beim Lichte nher
    Besieht, so leicht ersphn, da Rostem sei der Spher.
      Kawus! dein Lager ist von deinem Volk verwart;
    Gib, ich bin mig hier, Urlaub zur Nachtausfart!
      Mit Lachen sprach der Schah: Stets wird das Krongeschmeide
    Von Iran Rostem sein, auch unterm Trkenkleide.
      Am Tage nicht der Schlacht des Heeres Arm allein,
    Du willst auch in der Nacht desselben Auge sein.
      Geh unter Gottes Schutz! in welchem Waffenputz
    Du gehn magst, unserm Reich und dir gereichs zu Nutz!


    67.

      Um seine Schultern nam ein Kleid nach Trkenart
    Tehemten, und begab sich heimlich auf die Fart.
      Den Panzer und den Helm und jedes Waffenstck
    Lie er im Zelt, sogar sein Schwert lie er zurck.
      Deswegen fhlte sich der Held zu Hieb und Streich
    Nicht wehrlos; denn sein Arm war einer Keule gleich.
      Er gieng bis er hinan zum weien Schloe kam,
    Und drinnen das Geschrei der Trken schon vernam.
      Durchs Tor stracks in den Hof gieng Rostem ohne Scheu,
    Wie in den offnen Stall der Rinder Nachts ein Leu,
      Beim lndlichen Gehft im Felde, wo die Hirten
    An einem Feiertag sich in der Nacht bewirten,
      Und denken nicht bei Saus und Braus und Schmaus daran,
    Da sie dem Feinde nicht die Stalltr zugetan.
      Da geht er in den Stall, wo ihre Rinder sind,
    Hinein, und trgt davon das schnste strkste Rind.
      Es brllt, im Rachen schon des Lwen, voll Verzagen,
    Und alle springen auf, den Raub ihm abzujagen;
    Er aber hat den Raub in Sicherheit getragen.
      Sie kehren leer zurck und traurig, fr den Rest
    Der Nacht ist nun gestrt der Hirten Freudenfest.
      So gieng durchs offne Tor, geffnet durch Betren,
    Rostem hinein, das Fest der Trken drin zu stren.
      Er sah den weiten Hof erfllt von Fackelglanz,
    Von lrmendem Gelag, Gesang und Spiel und Tanz.
      Denn Suhrab hatte dort das nchtge Fest bestellt,
    Und all die Edelsten des Heeres sich gesellt.
      Doch Rostem wich dem Glanz der Lichter aus, und sah
    Vom dunklen Winkel fern im Hellen alles nah.


    68.

      Da sa beim frohen Fest, in Mitte Fackelscheins
    Und Lautenklangs, Suhrab, und trank die Becher Weins.
      Auf seinem Haupte trug er, statt den Helm, den Kranz;
    Er war ein Glanz, und war bestralt vom hellen Glanz.
      Er blhte wie ein Reis von Schnheit und von Lust,
    Von Jugend und von Kraft geschwellt war seine Brust.
      Hoch hob er stolz das Haupt, und seiner Augen Stral,
    Umgehend in die Rund, erleuchtete das Mal;
    Da berzlt' er froh die unzlbare Zal
      Der Kriegsgefrten, die um ihn im Kreie saen
    Als Trinkgenoen nun, und ihren Wein vergaen
    Vor Staunen, wie sie ihn sahn prangen solchermaen.
      Da riefen sie laut einmal bers andre Preis
    Und Heil, Lobpreis und Heil dem blhnden Ehrenreis!
      Die Sterne selber sahn vom hohen Himmel nieder
    Mit Wolgefallen auf die hohen Heldenglieder;
      Allein sie schienen ihn mitleidig anzusehn,
    Weil er ein Stern war, der so frh sollt untergehn.
      Da sprach ein Himmelsstern zum andern mitleidvoll:
    Schad um die Blte, die im Lenz hinwelken soll!
      Soviel des Schnen schon auf Erden sahn wir prangen,
    Und eh wir einen Blick verwendet, wars vergangen.
      Doch keine Knospe sahn wir glnzender und heller
    Aufgehn, um trauriger dahinzugehn und schneller.
      Wenn seine Mutter doch, die ihn, ihr einzig Glck,
    Entsendet hat, und nie daheim empfngt zurck,
      Wenn seine Mutter ihn mit unsrer Augen Stral
    Noch einmal knnte sehn bei diesem Freudenmal,
      In seiner Lust und und Kraft, den Baum im frischen Saft,
    Den morgen schon villeicht dahin sein Schicksal rafft!


    69.

      So sprachen von dem Stern des Festes dort die Sterne
    Des Himmels; eine Gunst erzeigten sie ihm gerne.
      Da namen sie von Duft und Glanze, was im Raum
    Von Erd und Himmel war, und woben einen Traum.
      Wie einen Teppich bunt, mit reichem Gold gestickt,
    Der Braut ein Brutigam aus fernem Lande schickt,
      Auf welchem sie erblickt mit staunendem Gefallen
    Die Bilder abgeprgt von jenen Dingen allen,
      Die ihr Geliebter selbst nun sieht in fremden Rumen,
    Die Vgel unbekant auf unbekanten Bumen;
      Und so wie sie den Schmuck betrachtet, ist es ihr,
    Sie reise dort mit ihm, er ruhe bei ihr hier:
      Ein solcher Abdruck war vor allem eingewoben
    Dem Traumgewebe, das die Sterne dort erhoben.
      Leis hoben sie empor das glnzende Gewebe,
    Und gaben es der Luft zu tragen, da es schwebe
      Nach Turan, wo im Schlaf die Mutter Suhrabs lag,
    Da sah sie einen Traum so hell als wr es Tag.
      Beim nchtlichen Gelag sah sie den Sohn da sitzen,
    Den Becher in der Hand von Edelsteinen blitzen,
      Sah seine Wangen blhn, und seine Lippen glhn,
    Und seine Augen sprhn; ganz war er stolz und khn;
    Wie freut' es sie zu sehn ihr Reis der Hoffnung grn!
      Gewachsen schien er ihr selbst in der kurzen Zeit,
    Da sie ihn ausgesandt, an Kraft und Herrlichkeit.
      Sie sah auf ihren Sohn umher im Krei der Lichter
    Gekehrt bekante viel und unbekante Gesichter;
      Die alle sah sie hell in heitrer Freude funkeln,
    Doch seinen Vater sah sie nebenaus im Dunkeln.
      Sie war betrbt, es nam sie Wunder, warum nicht
    Rostem zu seinem Sohn vortreten wollt ans Licht.
      Doch wie ein Wolkenschaur so flog ihr Gram vorbei;
    Sie freute sich, da nah dem Sohn der Vater sei:
      Er wrde, wenn er nur sh das Erkennungszeichen,
    Dem Sohne freudig nahn und ihm die Hnde reichen.


    70.

      Von Suhrabs Mutter ward inzwischen so getrumt,
    Er aber sa beim Fest vergngt und aufgerumt.
      Er trank, und hie im Krei die Trinkgenoen trinken;
    Zwei aber saen ihm zur Rechten und zur Linken.
      Zur Linken Baruman, den ihm Afrasiab
    Aus Turan nicht aus Lieb und nicht zum Heil mitgab;
      Zur Rechten aber Send, den hatte mitgegeben
    Dem Sohn die Mutter, die ihn liebte wie ihr Leben.
      Der war vom Knigshaus Semengans ihm ein Vetter,
    Und werden sollt er ihm im fremden Land ein Retter.
      An allen Gliedern stark war er und hoch von Wuchs,
    An allen Sinnen scharf, von Augen wie ein Luchs.
      Er sah bei Nacht alswie bei Tag; und zu dem End
    Entsendete sie auch mit ihrem Sohn den Send,
      Damit, wenn Suhrab nun gekommen in die Nhe
    Von Rostem wre, Send den Vater ihm ersphe.
      Er hatte Rostem selbst gesehn an jenem Tag,
    Wo in Semengans Schlo er sa beim Gastgelag,
      An jenem Abende, wo in der Nacht ihm kam
    Tehmina, die als Weib er in die Arme nam.
      Den Suhrab zeugt' er ihr, und als der Morgen graute,
    Ritt er von dannen, den nie mehr die Gattin schaute.
      Nun sandte sie den Sohn, den Vater dort zu schaun,
    Und alles sagte sie dem Vetter im Vertraun.
      An Suhrabs Seite nun trank er den Wein mit Schweigen,
    Und dachte, morgen woll er ihm den Vater zeigen!


    71.

      Send aber sendete den Blick umher des Luchses,
    Und nam im Dunkeln war die Lauer eines Fuchses.
      Er sah dort einen Mann, der ihm verdchtig schien,
    Stand auf vom Sitz und gieng, um zu besehen ihn.
      Da fand er einen Mann, von Ansehn ganz gewaltig
    Und riesenmig, elefantenleibgestaltig.
      Niemals erinnert' er sich einen solcher Art
    Mit Augen je gesehn zu haben und gewart;
      Es wre denn allein Rostem, an jenem Tag,
    Wo in Semengan er ihn sah beim Gastgelag.
      Doch dieser trug am Leib ein trkisches Gewand;
    Wiewol sein Blick an ihm nicht Trkensitte fand.
      Send rief ihn an: He da! warum hier also schleichst du
    Im Finstern, guter Freund, und aus der Hell entweichst du?
      Kehr einmal dein Gesicht her gegen mich ans Licht!
    Gib Antwort! -- Aber Antwort gab ihm Rostem nicht.
      Da streckte khn, um ihn zu greifen, Send die Hand,
    Und fortziehn wollt er ihn am trkischen Gewand.
      Tehemten aber zuckt' empor des Armes Keule,
    Womit er schon im Kampf geschlagen manche Beule;
      Damit gab er dem Send solch einen Schlag aufs Haupt,
    Da Send am Boden lag leblos des Sinns beraubt.
      Suhrab indessen sa beim Mal, und Wunder nam
    Es ihn, wo Send hingieng und noch nicht wieder kam.
      Deswegen vom Gesind entsendete behend
    Er einen, nachzusehn, wohin gekommen Send.
      Der abgesendete lief eilig hin, und fand
    Dort leblos sinnberaubt den Send gestreckt im Sand.
      Der Diener lief bestrzt zum Herrn zurckgewendet,
    Laut rief er aus: Der Send ist in den Tod gesendet;
    Fr Send ist aus der Schmaus, und das Gelag geendet.
      Entsetzt vom Sitze sprang Suhrab, und eilte jach
    Dahin, ihm eilten all des Festes Fackeln nach.
      Bei aller Lichter Glanz sah da Suhrab erschlagen
    Den lieben Freund; von wem? das kont ihm niemand sagen.


    72.

      Doch Suhrab rief: O weh! gebrochen ist ins Rund
    Der Herde Nachts ein Wolf, weil Hirte schlief und Hund;
      Der Widder stolzesten hat er zu seinem Raub
    Erkoren, nieder ihn geworfen in den Staub!
      Verschlafne Hirten, auf! und unwachsame Hunde!
    Nun nach dem Ruber macht mir im Geheg die Runde!
      Da sprten sie mit Macht umher rings in der Nacht;
    Es hatte sich der Wolf lngst aus dem Staub gemacht.
      Doch Suhrab kam zurck zu seinem Platz beim Feste;
    Da sa er traurig nun, und traurig alle Gste.
      Er sprach: Es freuet mich nun hier der Sitz nicht mehr;
    Denn mir zur rechten Hand der Platz ist traurig leer,
      Wo der geseen, den zum Freund mir mitgegeben
    Die Mutter selber, die mich lieb hat wie ihr Leben.
      In Iran sollt er hier den Vater kund mir tun;
    Er kont es ganz allein; wer tut nach ihm es nun?
      Er sprachs, und aus der Hand lie er den Becher sinken;
    Da schmte jener sich, der sa zu seiner Linken.
      Sich schmte Baruman, den dort Afrasiab
    Dem Suhrab nicht aus Lieb und nicht zum Heil mitgab.
      Er htt ihm auch wie Send den Vater knnen zeigen;
    Er kant ihn ja! doch mut und wollt ers ihm verschweigen.
      Doch Suhrab rief, und hob den vollen Becher hoch:
    Ich trink in dieser Nacht den letzten Becher noch,
      Mit blutigem Gelbd erfllt, anstatt mit Wein,
    Da Sends Ermordung nicht soll ungerochen sein!
      Den Mrder Sends will ich erforschen, wer er sei,
    Ihn morden fr den Mord, wohnt soviel Kraft mir bei!
      Wonicht, so werde Gift der Wein mir in den Adern,
    Und jeder Tropfe Blut soll mit dem andern hadern!
      Doch nicht mit Einem sei die Schuld ihm abgetragen;
    Zur Shne Sends will ich ein ganzes Heer erschlagen.
      Allein vor allen soll erfahren meinen Groll,
    Wer Send erschlug, versehrt hat er mich schmerzensvoll.
      Er riefs, und wute nicht, auf wen er also grollte,
    Und da er nicht den Schwur an ihm erfllen sollte.
      Dann brach er auf vom Fest, um in den nchtigen Schatten
    Bei Fackelglanz den Send mit Ehren zu bestatten.


    73.

      Doch Rostem kam, als er vom weien Schlo entrann,
    Ans Lager, wo die Wacht hielt Gew, sein Tochtermann.
      Der wute nicht, da in der Nacht sein edler Schwher
    Im Trkenkleid hinaus gegangen war als Spher.
      Als nun ein Mann herbei im Dunkeln kam, tat er
    Vom Posten einen Schrei, und unter Wehr trat er.
    Als Rostem merkt', es sei sein Eidam, froh naht' er.
      Im Laufe tat er ihm entgegen einen Wuf,
    Und Gew erkante gleich den Rostem an dem Ruf.
      Erstaunt sprang er hinzu, und grt' ihn: Alter Held,
    Wo bist umher gerannt zu dieser Stund im Feld?
      Hast du mit Geistern deinen Bund gemacht bei Nacht,
    Mit Zauberweihungen dich vorgestrkt zur Schlacht?
      Denn mit Dmonen hast du kmpfend viel verkehrt;
    Die haben wol ein Stck von Schwarzkunst dich gelehrt,
      Da, ohne Furcht und Leid, du ohne Heergeschmeid,
    Dich aus dem Lager stilst in einem Trkenkleid!
      Doch Rostem sprach: So ist die Sach! in dieses Tuch
    Gewickelt, macht ich auf der Burg den Nachtbesuch.
      Ich wollte mir daselbst den jungen Mann besehn,
    Um dessen willen die Heeraufgebot geschehn.
      Fern sah ich ihn, und gern wollt ich ihn sehen nher;
    Doch mich den Spher hat erspht ein andrer Spher.
      Der wollte mit Gewalt ans Licht mich ziehn am Kragen;
    Im Dunkeln hab ich ihn mit dieser Faust erschlagen.
      Ich kam nicht sanfter los von ihm, es tat mir leid;
    Doch nun verdriet am Leib mich dieses Trkenkleid.
      Schaff mir ein persisches, damit mich nicht die Hunde
    Anbellen, wenn ein Trk im Lager macht die Runde!
      So sprach er, und geschwind bracht ihm der Tochtermann
    Ein persisches Gewand, das legt' er eilig an.
      Er warf das Trkenkleid von sich mit Unbehagen;
    Fast wollt er lieber, da ers nicht bei Nacht getragen,
      Als ahnet' er den Lohn, den diese Tat ihm trug:
    Denn sich tat ers zu Leid, da er den Send erschlug.
      Zu Kawus gieng er nicht, um ihm, was er vollbracht,
    Zu sagen; in sein Zelt gieng er, und schlief die Nacht.




    Achtes Buch.


    74.

      Doch als vom Morgen ward der Himmel aufgetan,
    Stieg Suhrab auf der Burg zur hchsten Wart hinan,
      Zur vordersten, wo ganz sich Irans Lager zeigte,
    Auf das er sich hinaus begierig sphend neigte.
      Dann rief er: Bringet hier herauf mir den Hedschir!
    Befragen will ich ihn ums Feindeslager hier.
      Weil Send gestorben ist, der heut mir Rostems Zeichen
    Kund sollte tun, villeicht tut mir Hedschir desgleichen.
      Und als ihm ward Hedschir gefeelt vorgefrt,
    Sprach er, nachdem er ihn mit eigner Hand entschnrt:
      Hedschir, ich neme dir die schweren Feeln ab,
    Um das dir zu vertraun, was mir das Herz eingab.
      Statt ehrner Feel wenn der Freiheit goldnen Tag
    Du wnschest, sage mir, was ich dich fragen mag!
      Die Freiheit nicht allein, auch reicher Lohn ist dein,
    Wenn ich erfinde wahr dein Wort und Truges rein.
      Doch wenn unlautern Wein du willst im Kruge mischen,
    So wirst du nicht der Haft und nicht der Straf entwischen!
      Zur Antwort gab Hedschir: Was du willst fragen, frage,
    Und traue, da ich dir die volle Wahrheit sage.
      Nicht lgen werd ich jetzt; ich habe nie gelogen.
    Warum in deiner Hand wr ich ein krummer Bogen?
      Gerade sollst du mich erfinden wie den Pfeil;
    Nicht um das Leben selbst ist mir die Wahrheit feil.
      Zu ihm sprach Suhrab: Dort im Lager Zelt um Zelt
    Werd ich dich fragen um den Helden, der es hlt.
      Sagst du mir das, so geb ich dir gehuften Schatz;
    Dir wird ein Ehrenkleid von mir und Ehrenplatz.
      Und sagst du das mir nicht, so bleibt auf deinem Rumpf
    Dein Haupt nicht, oder mir wird ehr die Klinge stumpf!
      Zur Antwort gab Hedschir: Was sumst du lange? frage!
    Wi, da ich weder lge, noch vorm Tode zage.


    75.

      Da hob zu fragen an Suhrab: Dort in der Mitte
    Wes ist das Prachtgezelt von lauter Gold? ich bitte!
      Fest steht es hingepflanzt recht in des Heeres Herz;
    Von ihm durchs Lager gehn die Straen allerwerts.
      Auf allen Straen nahn wie grende mit Bitten,
    Und gehn wie dankende davon mit leichten Schritten.
      Ganz Goldglanz ist das Zelt vom Fu zum Knauf hinan,
    Und weit wie ein Palast allseitig aufgetan.
      Vor jedem Eingang liegt, wie Hndlein zahm und treu,
    Im goldnen Band geschmiegt, ein Tiger und ein Leu.
      Doch oben sitzt ein Aar, aus dessen Krallen steigt
    Die Fahn empor, in der der Sonne Bild sich zeigt.
      In solcher Wohnung kann kein kleiner und gemeiner
    Wirt wohnen, wie mir dnkt; was wohnt darin fr einer?
      Da hob Hedschir sein Haupt, voll Stolz auf Irans Macht,
    Und sprach: Dort wohnt der Schah in seiner Gr und Pracht.
      Sein Thron ist Tag und Nacht von seinen treuen Leuen
    Umhtet und umwacht, und darf nicht Feinde scheuen.
      Doch fort zu fragen fuhr Suhrab: Zur linken Hand
    Vom Goldgezelt, wes ist des Zeltes Silberwand?
      Mit offnem Eingang steht gewandt zum goldnen Zelt
    Sein Tor, wo Leopard und Panther Wache hlt.
      Doch oben trgt ein Greif in Silberklaun empor
    Die Fahn, in der ein Mond; wer ist, der das erkor?
      Zur Antwort gab Hedschir: Das ist des Schahes Sohn,
    Ferabors, ihm der nchst am Herzen und am Thron.
      So recht! rief Suhrab aus: wo so zusammen hlt
    Ein Vater und ein Sohn, verteilen sie die Welt.


    76.

      Zu fragen fuhr er fort: Dort aber rechter Hand
    Vom Goldzelt, wessen ist die schwarze Zeltflorwand?
      Feldposten eilen her und hin auf Rossen brausend,
    Schildwachen aber stehn umher zu Fue tausend.
      Am Haupteingange ragt ein Elefant, ihn schmcken
    Prachtdecken, und er trgt die Heerpauk auf dem Rcken.
      Doch oben steigt die Fahn aus eines Drachen Rachen,
    Mit Sternen berst, die sie zum Himmel machen.
      Wer herrscht zur Seite so dem Knig Keikawus?
    Hedschir antwortete: Sein Kronfeldhauptmann Tus.
      Das ist sein Stammesrecht, da er im Heergefecht
    Den Schah vertrete, dem verwandt ist sein Geschlecht.
      Auf seinen Wink bereit, vereint auf sein Gebot,
    Ist jenes Heer, das dir den Tod von ferne droht.
      Und jener Himmel dort, reich an Juwelenzier,
    Die Gawejani-Fahn ist es, das Reichspanier;
      Das einst Feridun schwang, als er den Sohak schlug,
    Der an den Schultern angewachsne Drachen trug.
      Geheftet ist der Sieg an dieses heilige Zeichen,
    Das ohne Mut kein Freund, kein Feind sieht ohn Erbleichen.
      Doch Suhrab lchelte, und gieng mit Fragen weiter:
    Im roten Florpalast, wer, sprich, ist dort der Streiter?
      Er sitzt im offnen Zelt, und scheint an seinem Haar
    Ein Greis bereits, um ihn steht eine Mnnerschaar;
      Sie alle halten ihm ihr Antlitz zugekehrt,
    Und jeder ehrt ihn, wie man einen Vater ehrt.
      So fragt' er, und Hedschir zog aus der Brust ein Ach
    Wie einen Dolch hervor, weil er zu Suhrab sprach:
      Das ist Guders, der Greis, von Worte weis' und lind,
    Von Schwerte stark und scharf, wie wenig Mnner sind;
      Ein Vater, der entbehrt frs Alter nicht der Sttzen;
    Mit seinem Haus allein kann er ein Reich beschtzen.
      Denn neunundsiebzig sind der Shne, die er zlt;
    Der achtzigste bin ich, der heut im Lager fehlt.
      Doch Suhrab sprach: Warum hast du dich laen fangen?
    Sprich Wahrheit! und noch heut kanst du hinab gelangen.


    77.

      Wes ist das grne Zelt, aus Duft und Glanz gewebt,
    Das wie ein Waldgebirg sich ber Hgeln hebt?
      Alswie ein Waldgebirg, das fest steht und nicht wankt,
    Wenn, von des Sturmes Hauch bewegt, sein Baumwuchs schwankt.
      In diesem Zelte wol ist Irans Hoffnung grn,
    Und meine Hoffnung wird bei seinem Anblick khn.
      Vorm Zelt in Waffen sitzt ein Mann, und steht ein Ross,
    Er einem Riesen gleich, und es wie ein Koloss.
      Er sitzt, und hoch nicht scheint der Sitz, den er erkor;
    Aus allen doch, die ihn umstehn, ragt er hervor:
    Er blickt auf sie hinab, sie schaun zu ihm empor.
      Allein zur Seite blickt er stets nach seinem Ross;
    Es ist wol auf der Welt sein liebster Kampfgeno.
      Es steht das Ross mit ungeduldigem Gestampf,
    Und ihn erhebt im Sitz die Ungeduld nach Kampf.
      Entgegen streckt er ihm die Hand, es reckt sein Haupt
    Erwartungsvoll und lauscht, es spitzt ein Ohr und schnaubt.
      Die Mhne streicht er ihm, da fngt es an zu brausen;
    Das freuet seinen Herrn, die andern macht es grausen.
      An seiner Seite hngt ein Schwert, an seinem Knie
    Lehnt eine Keule schwer, kein andrer hbe sie.
      Er schwingt die Keule bald hoch bers Ross empor,
    Bald aus der Scheide zieht er halb das Schwert hervor.
      Die Keule sausen hrts und sieht die Schneide blitzen,
    Und tost; was wird es erst, wenn er wird droben sitzen!
      Ich habe nie gesehn solch einen Mann wie den,
    So hab ich niemals auch ein Ross wie das gesehn;
      Ein Ross, das solch ein Mann allein bezwingen kann,
    Und solch ein Mann, den solch ein Ross nur tragen kann.
      Gewis, von diesem Ross und diesem Manne sind
    Die Namen kund im Land; verknde sie geschwind!
      So sprach er und hielt ein; es war alsob er wte,
    Da Ross und Ritter Rachs und Rostem heien mte;
      Doch wollt er, da der Mund Hedschirs es tte kund,
    Still aber schwieg Hedschir, und sprach im Herzensgrund:


    78.

      Was fragt der Trke nach des Reiches Pehlewan?
    Und tu ich recht, wenn ich ihm Rostem kund getan?
      Und tu ich Unrecht, wenn ich ihm den Feind verschweige?
    Was will der Knabe, da ich ihm den Helden zeige?
      Ist er sein Sohn, wie er im Zweikampf rhmte laut?
    Den Vater schaff ich ihm so wenig, als die Braut!
      Der Mann von Iran kann des Trkenkinds entraten;
    Ich will den Perserhort dem Erbfeind nicht verraten.
      Zwar Rostem braucht ihn nicht zu frchten in der Tat,
    Allein der Trke knnt ihn angehn mit Verrat.
      Drum wirds am besten sein, den Namen nicht zu melden,
    Und ihn zu streichen ganz heut aus der Zahl der Helden.
      Als so zur Lge sich bereitete Hedschir,
    Rief Suhrab: Sprich zu mir! was redest du mit dir?
      Warum machst dus solang, bis Aufschlu ich gewinne?
    Er sprach: Weil ich umsonst mich auf den Mann besinne.
      Von Zeichen unbekant ist er mir ganz und gar;
    Er kam wol fremd ins Land, weil ich im Schlo hier war.
      Ich hrte, da heran vom fernen Hindostan
    Dem Schah zu Hilfe zog ein starker Pehlewan.
      Das wird der Recke sein, entsprot aus fremdem Samen;
    Denn fremde scheint er mir, und die, so mit ihm kamen.
      Doch Suhrab sprach: Wie heit der Recke? sage mir!
    Den Namen wei ich nicht; antwortete Hedschir.
      Suhrab noch einmal sprach: wie heit er? gib Bericht!
    Hedschir antwortete: den Namen wei ich nicht.
      Voll Unmut ward Suhrab; des Vaters Namen wollte
    Er hren da durchaus, den er nicht hren sollte.
      Die ihm die Mutter gab vom Vater, alle Zeichen
    Sah er, und konnte nur Gewisheit nicht erreichen.
      Des Vaters Name fehlt' ihm zur Gewisheit nur,
    Den er da von Hedschirs Verstockung nicht erfur.


    79.

      Doch ungeduldig fuhr Suhrab zu fragen fort:
    Im violetten Zelt, wie heit der Ritter dort?
      Zur Antwort gab Hedschir: Den kann ich wol dir nennen;
    Gurase heit der Held, wie sollt ich ihn nicht kennen?
    Ein mutger Ritter, wie zu Ross nicht viele rennen.
      Doch ungeduldig gieng mit Fragen Suhrab weiter:
    Im gelben Zelte dort, sag an, wie heit der Streiter?
      Zur Antwort wieder gab Hedschir: Ich kann auch ihn
    Dir nennen, wenn du willst: der Kmpfer heit Gurgin;
    Ein Tapfrer, welchem gleich nicht viel zum Kampf ausziehn.
      Noch einmal frug Suhrab mit ungeduldiger Hast:
    Im blauen Zeltpalast, wie heit darin der Gast?
      Und wieder gab Hedschir zur Antwort: Nennen kann
    Ich dir auch diesen wol: Gew, Rostems Tochtermann.
      Da wendet' auf Hedschir Suhrab den Blick unhuldig,
    Und sprach: Nun offenbar bist du der Lge schuldig.
      Du nennest alle mir, und nur den Rostem nicht,
    Den Rostem, ohne den kein Heergefecht sich ficht!
      Von all den Zelten wenn in keinem Rostem ist,
    Wo wre Rostem denn, wenn du kein Lgner bist?
    Verlugnen willst du mir ihn nur aus Hinterlist.
      Im grnen Zelte dort der Recke khn und frei,
    Gewis ist Rostem der, o sag mir, da ers sei!
      Denn alle, die von ihm mir kund sind, alle Zeichen
    Seh ich, und kann allein Gewisheit nicht erreichen.
      Von allen, die ich sah im Lager fern und nah,
    Wnsch ich, da keiner sei Rostem, als dieser da.
      O sag mir, da ers sei! und sei belohnt und frei!
    Der vor dem grnen Zelt, sag, da es Rostem sei!


    80.

      Hedschir sprach: Ei, was forscht so deine Ungeduld
    Nach ihm! nicht gern wr ich an deinem Tode schuld.
      Wo Rostem wr im Feld, nicht wrdest du es halten;
    Denn Rostem ist ein Held von furchtbaren Gewalten.
      Wo Rostem auf dem Rachs sich hebt zum Werk der Rache,
    Da kann nicht stehn vor ihm der Lwe noch der Drache.
      Ein jeder Blick von ihm ist Tod, ein jeder Hauch
    Von ihm ist Sturm, ihm sinkt entwurzelt Baum und Strauch.
      Ich wnsche keinem, da er mg ein Gegner sein
    Von Rostem, wr er auch ein Berg von Kieselstein;
      Er wrde dich, alswie die Mhl ein Korn, zermalmen,
    Zertreten, wie ein Tritt von Elefanten, Halmen.
      Fest schnren mchtest du am Leib dein Grtelband;
    Es wrde locker, wenns erblickte Rostems Hand.
      Allein zu deinem Glck ist nah nicht das Gewitter;
    Denn mit Schah Keikawus hat sich entzweit der Ritter.
      Erzrnt ist er vom Hof nach Sabul heimgeritten,
    Dort sitzt er nun beim Schmaus in seines Schloes Mitten.
      Dort trinkt er frhlich Wein beim Fest im Rosengarten,
    Und will den Ausgang dieses Kriegs in Ruh erwarten.
      So sprach er; ob ers nur erlog, ob ers erfur
    Vom lgenden Gercht, das kam von Irans Flur?
      Das traurige Gercht, das dort bei Nacht dem frohen
    Erlag, war aus der Stadt villeicht zur Grenz entflohen.


    81.

      Doch Suhrab rief voll Zorn: So willst du mich verhhnen?
    Schweig, allerschlechtester von Guders achtzig Shnen!
      Willst du, ich glaube dir die knabenhafte Rede,
    Rostem, der Herr der Schlacht, enthielte sich der Fehde!
      Er hielte sich zu Haus, und hielte Fest und Schmaus!
    Da lachten billig ihn die Mgd und Kinder aus!
      Wol mglich, da er mit Keikawus sich gezankt,
    Wenn der undankbar ist, der ihm den Thron verdankt!
      Doch, denk ich, Kawus wird geschwind mit reichen Gaben
    Und guten Worten ihn zurckbeschworen haben,
      Wenn er nicht unklug ist, und seinen besten Ritter
    Nicht missen will am Ort, wo ihn ersetzt kein Dritter.
    Denn was ist ohne Blitz und Donner ein Gewitter?
      Was dieser Heerleib, unbeseelt von Rostems Mut?
    Nicht in Bewegung ist die Heer und Rostem ruht!
      Drum sag im Augenblick, wo ist der Pehlewan?
    Von Guders Shnen ists um einen sonst getan!
      Da schauderte Hedschir und sprach im Herzensgrund:
    Aufschlieen mit Gewalt will mir der Trk den Mund.
      Verschlieen aber will ich ihn nun ihm zum Trutz,
    Sowahr ich jemals selbst getragen Ritterputz,
      Und je noch tragen will! und fall ich seiner Wut,
    So wird nicht schwarz der Tag, und nicht das Waer Blut.
      So ist um einen Sohn von achtzig Guders schwcher,
    Und neunundsiebenzig sind meines Todes Rcher.
      Er sprach: Was wtest du? was strmest du und tobest?
    Denkst du, da du dich so dem Rostem gleich erprobest?
      Weil einen Namen ich nicht nennen will und kann,
    Willst du dafr den Tod mir geben, gib ihn dann!
      Den Namen nenn ich nicht, wt ich ihn zehnmal auch;
    Entreien ehr als ihn kannst du mir diesen Hauch!
      Ich trotze dir! es mag mein Blut die Schmach vershnen,
    Der schlechteste zu sein von Guders achtzig Shnen!
      Er sprachs; da wendete Suhrab sich unmutvoll,
    Nachdenkend, ob er auf der Stell ihn tten soll.
      Doch er besann sich, gab ihm einen Backenschlag,
    Da er besinnungslos davon am Boden lag;
      Und rief: Will hier durchaus mir meinen Vater sagen
    Niemand, so will ich gehn und selber ihn erfragen!


    82.

      Er stieg, von Zorn bewegt, hinab vom hohen Turm;
    Gewaffnet schwang er sich aufs Ross, und ritt im Sturm.
      Er ritt, sein frstlich Haupt bedeckt mit goldnem Dache,
    In ihm des Lwen Mut, und unter ihm ein Drache.
      Und wie der scharfe Zorn ihm selbst die Sporen gab,
    Gab er dem Ross den Sporn, und flog den Berg herab.
      Der Kampflust heies Blut in seinen Adern sott,
    Ihm flog des Pulses Glut wie seines Rosses Trott;
    Da kont in seinem Mut aufhalten ihn kein Gott.
      Er ritt im Ungestm dem Lager Irans zu;
    Und alle, die ihn sahn anreiten, flohn im Nu.
      Die alle flohn im Nu, die aus des Lagers Mitten
    Dort waren auf den Plan zur Lust hervorgeritten.
      Wie aus dem Waidehag, wo sie der Hut empfolen
    Des Hirten sind, hervor sich wagen junge Folen,
      Sich auerhalb des Hags neugierig umzutun;
    Doch pltzlich einen Leun herkommen sehn sie nun;
      Die Mhn am Nacken, die er strubt, erregt ihr Graun,
    Und eilig flchten sie zurck in ihren Zaun:
      So aus dem Lagerwall die sich hervorgewagt,
    Wie sie den Suhrab sahn, umwandten sie verzagt.
      Sie wendeten zur Flucht vor ihm ihr stolz Genick,
    Und wagten nicht auf ihn zu richten einen Blick.
      So furchtbar fanden sie den Trken anzuschaun,
    Da auf die Flucht allein sie setzten ihr Vertraun.
      Er aber achtete der leichten Feinde nicht;
    Es ward von ihm gesucht ein Gegner von Gewicht.
      Er ritt vom hohen Wall des Lagers hart hinan,
    Den tapfersten zum Kampf zu fordern auf den Plan.


    83.

      Suhrab vom Walle rief hinab ins Lager tief,
    So laut, ihn hrte wol, wer nicht im Grabe schlief:
      O Schah von hoher Macht, du rhmst dich groer Pracht
    Im Lager, doch wie steht dein Ding im Feld der Schlacht?
      Mut du dein starkes Heer in einen Pferch einsperren?
    Schtzt keiner deiner Knecht' im freien Feld den Herren?
      Dein Volk von Schafen fleucht in seinen Stall, verkreucht
    Sich hinterm Wall, und keucht vor Angst, vom Wolf gescheucht.
      Hier komm ich zu dir her geritten mit dem Speer,
    Den zuck ich, so durchzuckt der Tod dein ganzes Heer.
      Ich habe gestern laut um Send den Schwur beim Wein
    Getan: Wer ihn erschlug, der soll nicht lebend sein!
      Der heimlich in der Nacht den Send mir umgebracht,
    Umbringen will ich ihn am Tag in offner Schlacht.
      Wenn du den Recken kennst, der ihn erschlug, so send
    Ihn her, da ich erschlag ihn, der mir schlug den Send!
      Und ists nicht der, so seis ein anderer, der scharf
    Von Mut und Waffen ist, und mir begegnen darf!
      Doch wenn aus deinem Pferch hervor, mit mir zu streiten,
    Gar keiner will, so will ich in den Pferch einreiten,
      Das Lager mitten durch, bis an das goldne Zelt,
    Vor dessen Eingang Lw und Tiger Wache hlt.
      Vor den Trhtern soll mir nicht beim Eintritt bangen,
    Und mit dem Speer will ich die Sonn herunter langen.
      Den Geierkrallen soll die goldne Sonn entfallen,
    Und vor der Hndlein Maul will ich den Maulkorb schnallen.
      Ich will dir berm Haupt alswie ein Sturmwind rtteln
    Das goldne Dach, und wenn du drunter schlfst, dich schtteln!
      So rief er; Keikawus sprang auf und rief erschreckt:
    Wer hat dem Wtenden das Knigszelt entdeckt?
      Ihr Edlen all! eilt mir zu Rostem hin! der Mann
    Ist er allein, der diesen Knaben bndigen kann.


    84.

      Zu Rostem, wo er sa im Zelte, kam der Bot:
    Keikawus ist in Not, der Trke Suhrab droht.
      Er droht ins Knigszelt durchs Lager einzureiten,
    Und Niemand ist als du im Stand mit ihm zu streiten.
      Von seinem Sitz erhob sich Rostem nicht, und sprach:
    Der Dienst des Kniges ist lauter Ungemach.
      Nicht Ruh bei Tag und Nacht, viel Arbeit, wenig Schmaus;
    Ich war die Nacht erst aus, und bleib am Tag zu Haus,
      Dem ersten Boten kam ein zweiter nachgeflogen,
    Ein dritter, vierter auch, wie Pfeil auf Pfeil vom Bogen;
      Und alle meldeten: Der Suhrab ist im Feld;
    Da kann ihm keiner stehn, nur Rostem kanns, der Held.
      Doch Rostem, wie er sah das wachsende Getmmel,
    Den Lrmen um ihn her, rief: Fllt denn ein der Himmel?
      Um einen Knaben, welch ein Ahrimansaufstand!
    Um einen einzeln Mann welch ein Weltendebrand!
      Nun aber kamen, hergesandt von Keikawus,
    Die Frsten, auch sein Sohn, auch sein Kronfeldherr Tus.
      Die Waffen wurden ihm schnell von den Frsten allen
    Gebracht; er sagte nichts, und lie es sich gefallen.
      Den Panzer legt' ihm Tus, Gurgin die Schienen an,
    Doch von Ferabors ward der Helm aufs Haupt getan.
      Gurase reicht' ihm Pfeil und Bogen; Schwert und Sper
    Und Keule trugen ihm drei Shne Guders her.
      Von seinem Eidam ward zuletzt ihm vorgefrt,
    Gesattelt und gezumt, der Rachs, wie sichs gebrt.
      Doch wie Rostem den Rachs kampffertig sah, da rrte
    In seiner Brust sich auch die Kampflust, und er sprte,
    Da er, ins Feld zu gehn, die volle Rstung frte.
      Er gieng, und im Vorbeigehn nam er noch den Schild,
    Indem er sprach: den braucht man auch im Kampfgefild.
      In voller Rstung sprang er auf den Rachs, und jach
    Ritt er davon, ihm sahn mit Staunen alle nach.




    Neuntes Buch.


    85.

      Er ritt hinaus, wo ihn der gleichgeartete,
    Ein Kmpe seines Bluts, sein Sohn erwartete.
      Auf Bogenschu hinan ritt er, da hielt er an,
    Da wieherten sich laut die beiden Kampfross' an:
      Rachs, der den Rostem trug, und jener, der Suhrab,
    Den Sohn des Rostem, jetzt entgegen trug dem Grab.
      Der trug des Rostem Sohn, war selbst vom Rachs ein Sohn;
    Und doppelt kam zum Kampf ein Vater und ein Sohn.
      Doch eh zum Tode nun die Reiter sich anranten,
    Wieherten erst sich an die Rosse, die sich kanten:
    Das Wiehern war der Gru der beiden Blutsverwandten.
      So in den Thieren dort, o Wunder, sprach die Stimme
    Des Blutes, die erstickt ward von der Mnner Grimme.
      Soviel ist blinder, als das blindgeborne Thier,
    Der Mensch, der sehende, geblendet von Begier.
      Die Reiter sahen an das Wiehern fr ein Zeichen,
    Da ihre Rosse selbst an Kampflust ihnen gleichen;
    Und selber wollten sie nun nicht den Rossen weichen.
      Doch riefen sie sich nicht mit lautem Schlachtgru an,
    Entgegen hielten sie stillschweigend auf dem Plan,
    Und Sohn und Vater sahn sich stumm todblickend an.
      Nun kamen auch heran die Zeugen ihrer Schlacht,
    Von beiden Seiten die und jene Heeresmacht:
      Die Heermacht Irans hier, gewaffnet und geschmckt,
    Vom Feldherrn Tus gefrt, vom Lager ausgerckt;
      Die Heermacht Turans dort, den Berg herabgedehnt,
    Von Barman aufgestellt, und an die Burg gelehnt.
      Entgegen standen sich die beiden Heere schweigend,
    Die Kampfbegier vereint nur in zwei Kmpfern zeigend.
      Wie auf dem weiten Hof ein zahlreich Volk von Hennen
    Unttig zusieht, wie zum Kampf zwei Hhne rennen,
      Die, fr ihr ganz Geschlecht von Kampfbegier entbrant,
    Wenn sie erst zum Gefecht zusammen sind gerant,
      Lebendig alle zwei nicht mehr zu trennen sind;
    Sosehr macht Eifersucht und heies Blut sie blind:
      Die Hennen sehen zu, wie sie zusammen rennen,
    Und warten, welchen sie als Herrn des Hofs erkennen;
      So dort erwarteten die beiden Heere nun,
    Wer als des Schlachtfelds Herr hervor sich wrde tun,
      Und sahen zu, bewehrt, alsob sie wehrlos wren:
    Fr alle lieen sie das eine Paar gewren.


    86.

      Doch nher kamen an die beiden Helden licht
    Geritten nun, und sahn einander ins Gesicht.
      Suhrab, den Ungeduld hinan zum Vater trieb,
    Sprach, whrend eine Hand er in der andern rieb:
      Komm, alter Held, wie ich gesehn noch keinen habe,
    Nicht bel nim es mir! dich will bestehn ein Knabe.
      Von Iran brauchen wir und Turan hier dazu
    Sonst keinen auer uns, genug sind ich und du.
      An Wuchse bist du hoch, an Schultern bist du stark;
    Die Jahre haben doch versehrt bereits dein Mark.
      Du wirst mich nicht bestehn in diesem Waffengange!
    Er sprachs, und Rostem blickt' auf seine Rosenwange,
      Und sprach zu ihm: Gemach, feuriges Heldenkind!
    Die Erd ist kalt und hart, die Luft ist lau und lind.
    Schon manche glichen dir, die nun gleich Staube sind.
      Wol altershalb hab ich gesehn genug Walsttten,
    Und half manch stolzes Heer im kalten Lager betten.
      Die schlafen tief genug, die meinem Streich erlagen;
    Und wo ich selber schlug, da ward ich nie geschlagen.
      Nun komm heran, blick her, wie ich dich morden will;
    Entkommst du mir, so frcht hinfort kein Krokodill!
      Allein es fhlt mein Herz mit dir, Kind, ein Mitleiden,
    Vom schnen Leib will ich nicht deine Seele scheiden.
      Gar einem Trken gleichst du nicht, o schlanker Baum!
    Deinsgleichen viele wt ich auch in Iran kaum.
      Wie Suhrab hrte, da so sanfter Rede pflegte
    Der Recke, fhlt' er auch, wie sich sein Herz bewegte,
      Und sprach: O alter Held, ich will ein Wort dich fragen,
    Du aber mut nun auch mir alle Wahrheit sagen.
      Vermelde mir, eh wir uns schlagen, dein Geschlecht!
    So, hr ich, hielten es die Alten im Gefecht.
      Ich glaube wirklich, da du Niemand auf der Welt
    Als Rostem bist, der Frst im grnen Heergezelt.
      So sprach er, und so nah daran wars, da gewendet
    Wrd alles Weh in Lust, und aller Streit geendet.
      Da kam ein finstrer Geist auf Rostem, und er sprach:
    Ich bin nicht Rostem! was fragst du dem Rostem nach?
      Er ist ein Ritter, ist ein Frst, ich bin ein Knecht;
    Mit ihm nicht, nur mit mir ist dir der Kampf gerecht.
      Ich bin der Spher, der dir auf der Burg erschlug
    Den Mann, der thricht Lust mich auszusphen trug.
    Nun komm zum Kampf, mein Sohn, des Schwatzens ist genug.


    87.

      Da schwenkte sich im Zorn zur Linken ab Suhrab
    Von Rostem, Rostem lenkte rechts von Suhrab ab.
      Doch als auf Bogenschu sie auseinander waren,
    Da wendeten sie schnell, und kamen hergefaren.
      Entgegen stoben sich zu Ross die beiden Ritter,
    Entgegen schoben sich die beiden Ungewitter;
      Entgegen schnoben sich ein Sohn und Vater bitter:
    Die Schlge hoben sich, und jeder Schlag gab Splitter.
      Zuerst versuchten sich in diesem Waffentanze
    Der Vater und der Sohn mit fernentsandter Lanze.
      Sodann erprobten sich der alte und der junge
    Anrckend mit der nahgezckten Schwerter Schwunge.
      Und endlich giengen sich die beiden Heeressulen
    Hart auf den ehrnen Leib mit ihren ehrnen Keulen.
      Was von der Lanze da verschont blieb, schlug das Schwert;
    Die Keule schmetterte, was jenes nicht versehrt.
    Laut sthnten beid', es war des andern jeder wert.
      Am Helme blieb kein Glanz, am Helmbusch kein Gefieder,
    Kein Ring am Panzer ganz, keins ungequetscht der Glieder;
    In Strmen flo der Schwei vom Mann aufs Ross danieder.
      Wie sich entgegen zwei Gewitterwolken wettern,
    Mit Blitz und Gegenblitz einander zu zerschmettern;
      Sie selber knnen sich mit Streichen nicht verletzen,
    Doch unter ihrem Kampf ergreift die Welt Entsetzen:
      Der Hagel braust herab und schlgt der Erde Saat;
    Das Land ist wie ein Feld, das eine Schlacht zertrat:
      Dann, wenn sie sich erschpft, zieht jede ihre Bahn,
    Und aus der Ferne noch sehn sie sich finster an:
      So standen jetzt vom Kampf die beiden ab ermattet,
    Und eine Lebensfrist war noch dem Sohn gestattet.


    88.

      Sie schieden sich, voll Weh der Vater, und das Kind
    Voll Schmerz: sie hatten sich begegnet ungelind.
      Die Rosse langsam lieen sie bei Seite laufen,
    Um von der strmischen Begrung zu verschnaufen.
      Suhrab im Herzen sprach: Der da so grimmig drein
    Auf mich geschlagen hat, kann nicht mein Vater sein.
      Zwar alle treffen ein die Zeichen, die von ihm
    Die Mutter gab, nur sprach sie nichts von solchem Grimm.
      Zum Gatten htte nie genommen ihn Tehmine,
    Wr er gekommen ihr mit solcher Lwenmiene.
      Er sagt es selbst: er ist der Mann, der mir erschlagen
    Den Vetter hat, der mir den Vater sollte sagen.
      Den Vetter wollt ich ja an seinem Mrder rchen;
    Und was nun hindert mich, zu lsen mein Versprechen?
      Doch Rostem sprach bei sich: Ei, wre der mein Sohn;
    Von ihm zerbleut, htt ich nun meiner Thaten Lohn!
      Den hat kein menschliches, ein Riesenweib getragen;
    Wie ich so alt erst war, konnt ich noch so nicht schlagen.
      Nim dich zusammen nun und wehr dich, alter Held!
    Denn zu Zuschauern hast du beide Heer im Feld.
      Es wr ein Spuck, wenn mirs mit diesem Trken fehlte,
    Und in Semengan ers einst meinem Sohn erzhlte!
      Denn, wer ich bin, wird er am Ende doch erfaren,
    Wielang ich auch vor ihm mag das Geheimnis waren.
      So sprachen sie, indem sie sich erholten jetzt
    Von Streichen, welche Sohn und Vater sich versetzt;
    Die Rosse hatten so einander nicht verletzt.
      Sie hatten sich geschont, und waren nur benetzt
    Vom Schaume, weil zum Kampf die Reiter sie gehetzt.
      Die hatten nun beiseit ein wenig ihren Streit
    Gelegt und waren schon zu neuem Weh bereit.


    89.

      Nunmehr begannen sie, wie um sich zu erholen,
    Ihr Schtzenkampfgert gemach hervor zu holen.
      Zum Kcher langten sie, und zogen ihre Bogen,
    Und von der Senne kam Pfeil gegen Pfeil geflogen.
      Im Fluge trafen sich die zwei, und sanken nieder;
    Doch andre rsteten schon Sohn und Vater wieder.
      Die Pfeile regneten, dicht, wie bei rauhem Wetter
    Des Herbstes unterm Baum hernieder rieseln Bltter;
      Wie wenn am Frhlingstag des Landmanns Bienen schwrmen,
    Wann rings das Bienenhaus des Mittags Stralen wrmen;
      Wann sich die Einigkeit des Brudervolks zerschlug,
    Die Honig mit gemeinschaftlichem Flei eintrug,
      Sich nun vom alten Stock der junge Stamm lossagt,
    Und auf gut Glck den Flug mit eignem Weisel wagt:
      So nun mit einem Schwarm geschrfter Stacheln wandten
    Zum Kampfe sich die mutentbranten Blutverwandten.
      Sie spannten, legten an und schoen ab, und spannten,
    Indem mit jedem Pfeil sie sich Zornblicke sandten.
      Sowenig aber als ein Blick, sowenig leid
    Tat ihnen auch ein Pfeil am festen Wehrgeschmeid;
    Sie schttelten mit Scherz den Staub vom Waffenkleid,
      Die Kcher raelten, und ihre Schtze klirrten;
    Die Sennen winselten, und ihre Bogen schwirrten,
    Die laut im Fluge gleich blutgierigen Vgeln girrten.
    Nicht kamen sie zum Zweck, die doch vom Ziel nicht irrten.
      Alswie der Sonne Pfeil prallt ab vom Felsgestein,
    Ihm dringen kann er nicht ins feste Fleisch und Bein,
    Und an der obern Haut erhitzt er ihn allein:
      So drangen dort nicht ein die Pfeil, und prallten ab,
    Und mehr in Hitze nur kam Rostem und Suhrab.
      Mit goldnen Spitzen war, gleich Stralen, jeder Schild
    Besetzt, und leuchtete recht wie der Sonne Bild.
      Doch als es sie verdro, vergebens nur die Scheibe
    Zu treffen, lieen sie nunmehr vom Zeitvertreibe,
    Und giengen, Ross und Mann, ernsthafter sich zu Leibe.


    90.

      Sie ritten nah sich auf den Leib, und legten Hand,
    Zu ringen, einer an des andern Grtelband.
      Wann sonst im Rossringkampf Rostem sa auf dem Rachs,
    War er wie Erz, und, was zur Hand ihm kam, wie Wachs.
      Doch nun legt' er die Hand an Suhrabs Grtelband,
    Und staunte, da er fand solch einen Widerstand.
      Wie nicht ein Bergfels wankt, den eine Schlang umflicht,
    In Rostems Armgeflecht so wankte Suhrab nicht.
      Wo Rostem matt lie ab, fieng mutig an Suhrab;
    Doch auch vergeben war die Mh, die er sich gab.
      Wie nicht der Erdleib schwankt, weil ihn der Arm umflicht
    Der Luft, so schwankte nicht Rostem im Gleichgewicht.
      Da lie der Sohn erzrnt den starken Vater faren
    Am Grtel, und ergriff ihn an dem Schopf von Haaren,
      Der, halbergraut, doch straff drang unterm Helm hervor;
    Daran vom Sattel hofft' er ihn zu ziehn empor.
      Doch Rostem sa wie Blei im Sattel, wie ein Stck
    Von Erzgu; nur das Haar blieb in der Hand zurck.
      Suhrab fand in der Hand das Haar, und rief erschrocken:
    Du unbezwinglicher mit schon ergrauten Locken!
      Du spannst die Glieder unnatrlich an mit Krampf;
    Was suchest du, o Greis, mit einem Jngling Kampf?
      Ein alter Mann, wennauch sein Wuchs wr eichbaumschftig,
    Mit einem jungen ist er doch zum Streit unkrftig.
      Dein Thier auch unter dir hat seinen Mut verloren,
    Und wie ein Esel lt es hangen seine Ohren.
      Vor meinem Hengste sucht' es gern das Heil in Flucht,
    Und ihm verbietet es nur seines Reiters Wucht;
    Doch mir verbeut den Kampf mit dir nun Scham und Zucht.
      Als ich das graue Haar in meiner Hand gewart,
    War mirs als legt ich Hand an meines Vaters Bart.
      Sind denn um uns im Feld nicht andre Kriegerhaufen?
    Was men wir allein uns mit einander raufen!
      So sprach der junge; doch der alte sagte nichts,
    Er wendete sich ab ergrimmten Angesichts.


    91.

      Da strzt' er sich, wie sich ein Wolf strzt auf die Herde
    Der Schaf', aufs Turanheer, zu wrgen mit dem Schwerde.
      Und Suhrab, als ers sah, da warf er, wie ein Tieger
    Sich auf die Rinder wirft, sich auf die Iranskrieger.
      Den ersten, den er traf, streckt' er in Todesschlaf,
    Den zweiten, dritten auch, und jeden, den er traf.
      Doch Rostem, als er dort ans Heer von Turan kam,
    Hielt pltzlich an den Rachs, zurck hielt ihn die Scham
      Und Ueberlegung, wie es nun dem Kawus gienge,
    Wenn jener Trk im Heer erst an zu morden fienge?
      Dem selber Rostem kaum im Kampfe konte stehn;
    Wie sollten seiner Wut die andern dort entgehn!
      Drum, ohn ein Trpflein Blut von Trken zu versprtzen,
    Umwandt er mit dem Rachs, die Perser zu beschtzen.
      Den Suhrab im Gewhl sucht er und fand, und schaute,
    Wie auf der Flur Smaragd er Blutrubinen thaute.
      Ihn rief er zrnend an: Was khlst du deine Hitze
    Am schwachen Volk, das dir nicht bieten darf die Spitze?
      Was haben, tobender, die Leute dir getan,
    Die du mit unversehnem Kampf hier rennest an?
      Doch Suhrab sprach erstaunt: Ei, alter Held unhuldig,
    Sind nicht am Kampfe dort die Trken auch unschuldig?
      Warum hast du auf sie geworfen deine Wucht?
    Wer hat von ihnen Streit an dich zuerst gesucht?
      Doch willst du wieder nun zu mir zurck dich wenden,
    So komm, la uns das Werk erneuen und vollenden!
      Doch Rostem sprach: der Tag hat sich geneigt zur Nacht;
    Die ist zur Ruh gemacht, und nicht zum Werk der Schlacht.
      Gehorchen wir der Nacht! doch wann im Osten lacht
    Das goldne Schwert, von dessen Glanz die Welt erwacht,
      Erneuern wir die Schlacht! sei mir hieher bestellt!
    Hier stell ich morgen mich; jetzt geh, wohins gefllt!
      Hier soll zu Fu ein Faust- und Ringkampf uns vereinen,
    Und als Zuschauer mag die Heer und jen's erscheinen;
    Dann sehn wir, welches wird um seinen Kmpfer weinen!


    92.

      Sie giengen; finster ward das Angesicht der Luft;
    Der Himmel hllte sich in einen trben Duft:
    Vorzubereiten schien er Suhrabs Totengruft.
      Doch Suhrab ritt vergngt mit seinem Heer nach Haus,
    Und unterm Reiten noch fragt' er den Barman aus:
      Von jenem Lwenmann, von dessen Kraft die Spangen
    Mir krachten heut am Tag, wie ist es euch ergangen?
      Da er die Heer, wie ein berauschter Elefant
    Anrante, wieviel hat er nieder da gerant?
      Nie ward von mir erprobt, in jedem Kampf belobt,
    Solch einer; wie hat er hier seinen Grimm vertobt?
      Doch Barman sprach: Es war dein eigner Frstenwille,
    Da diesen Tag das Heer sich hielt' in Waffen stille.
      Gerstet aber war all unser Ding zum Streit,
    In jedem Nu ins Feld zu treten kampfbereit.
      Da kam ein einzelner daher, ein unbekanter,
    Und blindlings tollkhn vor die Heeresmitte rant er.
      Er kam alswie im Rausch, oder vom Rausch erwacht,
    Im Taumel, um allein zu liefern eine Schlacht.
      Ich aber ordnete die Reihen, dem verwegnen,
    Wo er sich wagt' heran, mit Nachdruck zu begegnen.
      Da ward er pltzlich andern Sinns; die Zgel wandt er,
    Und spornstreichs, wie er hergekommen war, entrant er.
      Froh lachend sprach Suhrab: Also von diesem Heer
    Erlegte keinen er, und ritt vergebens her!
      Ich hab Iranier indessen viel gettet,
    Mit Blut wie Rosen dort den Rasengrund gertet.
      Er hat den migen Beschauer hier gemacht!
    Nun heute hat die Nacht geschieden unsre Schlacht.
      Doch morgen, wann der Welt der hehre Tag aufgeht,
    Dann wird sich zeigen, wer von beiden fllt und steht.
      Denn so bedangen wir: dort wieder zu erscheinen,
    Wie heut mit Heergeleit, ein jeder mit den Seinen.
      Dort soll zu Fu ein Faust- und Ringkampf uns vereinen;
    Dann seht ihr, welches Heer um seinen Mann mu weinen!
      Jetzt aber ziemt es uns, die Sorgen wegzuwischen,
    Die sprden Lippen nach dem Kampfstaub anzufrischen
    Mit Weinthau; Baruman, la einen Schmaus auftischen!


    93.

      Indess im Lager lag schon Rostem beim Gelag,
    Der noch beim khlen Wein dacht an den heien Tag.
      Nur Suhrab wars, von dem er da erzlen mute,
    Suhrab, von dem man auch ihm zu erzlen wute.
      Keikawus sprach: Warum hast du den Wterich
    Uns auf den Hals geschickt, da du ihn namst auf dich?
      Und httest du nicht bald auf seine Bahn gerichtet
    Dein Augenmerk; wer wei, was er htt angerichtet!
      Wir haben hier ein Teil von seiner Art empfunden;
    Doch selber sag uns nun, wie du ihn hast gefunden!
      Er sprachs; doch Eifersucht und Aerger schwemmt' hinab
    Rostem mit Wein, und tat den Mund auf von Suhrab:
      Ich habe nie gesehn die gleichen Heldengaben,
    Die Lwenmannheit nie, an so unreifem Knaben.
      Ich htte nicht gedacht, da solchen Mann der Schlacht
    Die Welt hervorgebracht, der mir so warm gemacht.
      Er hat in jedem Kampf, in jedem Waffenwerke,
    Mit mir die gleiche Kunst, mit mir die gleiche Strke;
      Und nur die Jugend die hat er vor mir voraus:
    Mit ihm mu ich bestehn noch einen schweren Strau.
      Erst mit dem Sper hab ichs, dann mit dem Schwert versucht,
    Mit meiner Keule dann, und er bestand die Wucht.
      Zuletzt da dacht ich noch: Vor diesem rang ich doch
    Schon manchen Helden hoch herab vom Satteljoch!
      Da streckt' ich meine Hand nach seinem Grtelband,
    Und zerrte wacker; doch ich fand: er widerstand!
      Ich dacht, er sollte nur sogleich vom Sattel fliegen,
    Wie soviel andre schon ich sah im Staube liegen.
      Doch wenn ein Berg im Grund wird wanken von dem Wind,
    So wird vom Sattel nicht wanken das edle Kind.
      Fr heute hat die Nacht nun unsern Kampf geschieden;
    Ich wei nicht, ob ers war, ich war es wol zufrieden.
      Und wenn er morgen mir wird zum Kampfplatze kehren,
    Hab ich fr Irans Ruhm und meinen mich zu wehren.
      Denn so bedangen wir: dort wieder zu erscheinen,
    Wie heut mit Heergeleit, ein jeder mit den Seinen.
      Dort soll zu Fu ein Faust- und Ringkampf uns vereinen;
    Dann seht ihr, welches Heer mu seinen Mann beweinen!
      Heut aber ziemt es uns, die Sorgen wegzuwischen,
    Fr morgen auf den Kampf die Herzen anzufrischen;
    O Knig Keikawus, la neuen Wein auftischen!


    94.

      So sprach er, und sein Wort macht' alle Gste staunen;
    Dann tranken sie mit ihm, und wurden froher Launen.
      Sie tranken ihm auf Glck und Sieg die Becher zu,
    Und suchten, wohlbezecht, in Zelten Schlaf und Ruh.
      Doch Rostem, als er in sein Zelt gekommen war,
    Sprach er noch in der Nacht zum Bruder: O Sewar!
      Heut haben wir im Feld des Kampfes die gesehn;
    Und Niemand sieht voraus, was morgen wird geschehn.
      Sobald am Himmel dort der Sonne goldner Schild
    Hervortritt, tret ich an den Gang ins Schlachtgefild.
      Du la in Gottes Hut, allein mit meinem Mut,
    Mich gehn, und halte du mein Sabulheer in Hut.
      Wenn ich den Feind erleg in diesem Waffengange,
    Nicht auf der Walstatt werd ich dann dir sumen lange.
      Doch anders wenn ergeht der himmlische Bescheid,
    Vollfhre du kein Weh, und mache du kein Leid!
      Einbrechen sollt ihr nicht, um meinen Tod zu rchen,
    Ins Feindesheer; ihr sollt nach Sabul gleich aufbrechen;
    So sollt ihr unterwegs, und so zu Hause sprechen:
      So war es ihm verhngt an seines Alters Rand,
    Da seinen Tod er fand von eines Jnglings Hand.
      Zur Mutter dort im Ton der Trstung sollst du sagen:
    Um Rostem, deinen Sohn, sollst du zusehr nicht klagen!
    Soviel erschlug er schon, und ward nun auch erschlagen.
      Du wurdest alt, und sahst alt werden deinen Sohn;
    Nun lebe lnger noch, wenn er gestorben schon!
    Er hat sein Werk getan, und hat nun seinen Lohn.
      So manches Abenteur im Heldenungestm
    Bestand er, Ungeheur und Riesenungetm.
      So manches feste Schlo mit Mauerkranze brach er,
    So manchen Mann vom Ross mit seiner Lanze stach er.
      Doch an des Todes Schlo am Ende pochen mu,
    Wer immer auf ein Ross gehoben seinen Fu.
      In diesem Jagdrevier ist ungejagt geblieben
    Kein Jger, ewig hier kein Treiber unvertrieben;
    Ein Freibrief ward auch mir vom Himmel nicht geschrieben.
      Sewar! zum Schlaftrunk gib mir noch den Becher Wein,
    Und la das Uebrige dem Glck empfolen sein!
      So sprach er, und die Nacht ward mit Gesprch von Schlacht
    Und Suhrab halb, und halb mit Ruh und Schlaf verbracht.




    Zehntes Buch.


    95.

      Wie nun des Tages Pfau sein farbiges Gefieder
    Entfaltet', und der Rab der Nacht den Kopf bog nieder;
      Umgrtete der Held den Stahl, den lebenraubenden,
    Und seinen Drachen schirrt' er an, den feuerschnaubenden.
      Zum Kampfplatz wie ein Sturm kam er hinan geschnaubt,
    Hell glnzt' im Morgenstral der Helm auf seinem Haubt.
      Im Felde sah er dort sich um, es nam ihn Wunder,
    Da noch nicht war am Ort der junge Feuerzunder.
      Der trank noch Morgenwein vergngt bei Lautenton,
    Und seiner wartete der Tod, der Vater, schon.
      Er sprach zu Baruman: Der grimmige Lwengreis,
    Mit dem ich heute nun mich tummeln soll im Krei;
      Er ist nicht unter mir an ragender Gestalt,
    Und steht nicht hinter mir zurck an Kampfgewalt.
      Wenn ich ihn seh an Brust, Arm, Schulter und Genicke,
    Ist mirs alsob ich selbst im Spiegel mich erblicke;
      Alsob ich selber so mt anzusehen sein,
    Wenn soviel Jahr als ihm die Sterne mir verleihn!
      Des Helden Anblick treibt die Scham auf meine Wangen,
    Und regt im Busen mir ein liebendes Verlangen.
      O sag mir, ob er ist der Vater, den ich suche!
    Damit die Welt mir nicht als Vatermrder fluche!
      Was sollt ich, kehrt ich heim, der armen Mutter sagen?
    Da ich den Gatten ihr, den Vater mir, erschlagen!
      Der Gatte zwar ist schon der Mutter lang entflohn;
    Und desto mehr verlangt sie nun zurck den Sohn.
      Zu ihr mcht ich zurck, htt ich den Vater nur
    Gefunden erst, den ich hieher zu suchen fur!
      Die Zeichen treffen ein, die mir die Mutter gab;
    Nicht tten will ich ihn fr den Afrasiab!
      Zwar gestern ist mir der Gedanke, den ich trug,
    Vergangen, als der Mann so lieblos auf mich schlug.
      Doch in der Nacht ist es mir wieder aufgestiegen,
    Im Traume fand ich mich in seinen Armen liegen:
    Da lag ich gut und sanft! ich will mit ihm nicht kriegen!


    96.

      Zu ihm sprach Baruman, nachdem er still bedacht,
    Wozu Afrasiab verbindlich ihn gemacht:
      Ich dcht, es htte doch dir men nun verfliegen
    Der Traum, im Arme sei sanft diesem Mann zu liegen!
      Denn warlich mu, nach dem was du von ihm gesprochen,
    Kein Herz, ein menschliches, in seinem Busen pochen.
      Dein Mut hat einmal mit den mrderischen Hnden
    Den Kampf begonnen; mag den Kampf dein Mut vollenden!
      Willst du nicht lsen dein verpfndetes Versprechen?
    Du gabst dein Wort zurckzukehren; willst dus brechen?
      Er wartet drauen schon, und wird dich mrrisch fragen:
    Wo bleibst du, lieber Sohn? du scheinst vor mir zu zagen!
      Ein Feigling bist du ihm, und bist du dir, erschienen;
    Mit diesem Mut wirst du den Vater nicht verdienen!
      Von deinem Vater ist mir Sichres nicht bekant;
    Doch dich hat seinen Sohn Afrasiab genant.
      Des Namens machest du dich wert, wann mutentbrant
    Du jenen, der dir trotzt, hast in den Staub gerant.
      Ich kenne nicht den Mann, und frage nicht, warum
    Er seinen Namen birgt; befrag ihn selbst darum!
      Doch lieber, wenn du mir gehorchest, frag ihn nicht!
    Schlag ihn, eh er dich schlgt! brich ihn, eh er dich bricht!
    So warst du deinen Ruhm, und best deine Pflicht.
      So sprach er, und sein Rat klang Suhrabs Ohren hohl;
    Dem Redner selber war dabei ums Herz nicht wol.
      Doch Sorg und Zweifel nun schlug Suhrab in den Wind,
    Legt' an sein Heergeschmeid, und sprang aufs Ross geschwind;
    Entgegen flog in Eil dem Vater nun sein Kind.


    97.

      Als beide Kmpfer nun erschienen auf dem Plan,
    Da kamen ihres Kampfs Zuschauer auch heran;
      Die Heermacht Irans hier, gewaffnet und geschmckt,
    Vom Feldherrn Tus gefrt, vom Lager ausgerckt;
      Die Heermacht Turans dort, den Berg herabgedehnt,
    Von Barman aufgestellt, und an die Burg gelehnt.
      Vor diesen Zeugen ritt zu seinem Gegner hin
    Suhrab, und mit dem Mund anlchelnd grt' er ihn:
      Wie hast du in der Nacht geruht, und bist erwacht
    Am Morgen? Frh, o Greis, hast du dich aufgemacht.
      Das Aug und jeden Sinn erlabend ist der Morgen;
    Doch welchen Abend er uns bringt, das ist verborgen.
      Der Berge Hupter sind vom Stral der Frhe golden,
    Mit Morgenwein gefllt sind alle Blumendolden.
      Die Morgenlfte gehn, die Schlfer einzuladen,
    Schnell aufzustehn, und sich im Maienthau zu baden.
      Die Vgel singen laut, die klaren Bche flieen,
    Die Anger sonnen sich, und alle Blumen sprieen;
      Das ist durchaus kein Tag zu Mord und Blutvergieen,
    Ein Tag, das kurze Glck des Lebens zu genieen.
      Komm, lieber Alter, steig herab von deinem Drachen
    Ins grne Gras, und la uns Waffenstillstand machen!
      Im Angesichte des und jenes Heeres la,
    Da froh sie staunen, uns ablegen Groll und Ha!
      Des Krieges Schauplatz sei in eine Friedensbhne
    Verwandelt, und ein Fest erblh uns auf dem Grne.
      Ich wink, und Saitenspiel und Wein kommt zum Gelag;
    Ich feir im Rosenhag mit dir den Frlingstag.
      Vom Haupte legest du des schweren Helmes Glanz,
    Und um dein Haar leg ich von Rosen einen Kranz.
      Dann sitzen wir beim Wein, und plaudern vom Gefecht;
    Und alles, was ich wei von mir, sag ich dir recht:
    Du selber sagest auch mir Stammbaum und Geschlecht.
      Nach deinem Namen hab ich ohne Rast und Ruh
    Gefragt, und Niemand sagt ihn mir, o sag ihn du!
      Nicht ziemt es zwischen uns, so Herz und Mund verschloen
    Zu halten, denn wir sind von gestern Kampfgenoen.


    98.

      So sprach das Kind; ihm hatt aus Waer, Luft und Flur
    Gesprochen sanft ans Herz die Sprache der Natur.
      Wie eine Knospe war das Herz ihm aufgegangen,
    Und das Verlangen blht' auf seinen Rosenwangen.
      Doch wie die Knosp am Strauch, vom Frlingsstral geweckt,
    Zurck vom kalten Hauch des Nordwinds wird geschreckt;
      Und wie die Blume, die den Kelch geffnet hlt
    Dem Frthau, wenn auf sie der giftge Melthau fllt:
      So schrumpfte Suhrabs Herz zusammen, und es brach
    Der Hoffnung grner Stiel ihm ab, als Rostem sprach:
      Nicht also haben wir, o liebes Kind, gewettet,
    Zu ruhn in Friedensruh auf Frlingsgrn gebettet.
      Wir haben uns bestellt, im Ringkampf uns zu tummeln,
    Nicht stachellos umher zu schwrmen wie die Hummeln.
      Wenn du ein Jngling bist, so bin ich doch kein Knabe;
    Du siehst, da ich den Gurt geschnallt zum Ringen habe.
      Du hast mich lang genug aufs Tagwerk laen warten,
    Rosen zu brechen, wie sie blhn in unserm Garten.
      Der Hauch des Morgens ist belobt zu jedem Werke,
    Und mir erneuet er der alten Glieder Strke.
      Drum, eh des Mittags Glut der Sehnen Kraft abspannt,
    Zeig, ob du bist ein Mann, wann ich dich bermannt!
      Ich habe nicht gehrt, da auf dem Kampfplatz plaudern
    Kampflustige, wenn froh die Hengst im Frhwind schaudern.
      Ich habe mich versucht mit Mnnern hier und dort;
    Ich bin ein Mann der Tat, kein Mann von vielem Wort.
      Drum meinen Namen nenn ich ehr nicht, sei verbrgt!
    Als bis du liegst; dann sollst du wien, wer dich wrgt!


    99.

      Da rief Suhrab erzrnt: Wolan denn, alter Mann,
    Wenn dich mein gutgemeinter Rat nicht beugen kann!
      Mein Wunsch war, da du einst auf einem sanften Pfhl
    Den Geist aushauchtest, nicht im heien Kampfgewhl,
      Wer nach dir blieb, die Gruft dir ehrenvoll bedchte,
    In Trkisschrein den Leib Sohn oder Enkel brchte.
      Doch nun, mit Gott! wenn ist in meiner Hand dein Hauch,
    Mit meiner Hand hier will ich ihn entbinden auch!
      So rief er, und vom Ross sprang er gewaffnet nieder;
    Der Helm klang auf dem Haupt, der Panzer um die Glieder.
      Und ihm genber schwang sich Rostem ab, ihm klang
    Laut an der Hft ein Schwert, das halb der Scheid entsprang.
      Mit Schweigen giengen beid und freten mit Schweigen
    Die Ross' an ihrer Hand zum Bach hin unter Zweigen;
      Wo an des Baches Rand ein einzler Felsen stand,
    Der tauglich schien, ein Ross zu halten fest am Band:
      Um den schlang Rostems Hand den Zaum des Rachs im Nu,
    Und Suhrab eilig band sein Ross dort an dazu.
      So standen dort in Ruh, das eine bei dem andern,
    Die Rosse, da zum Kampf die Mnner muten wandern.
      Friedfertig schnaubten sie sich an, und legten, als
    Umarmeten sie sich, vertraulich Hals an Hals.
      Sie unterredeten sich schweigend: ach, sie brchen
    Ihr Schweigen gern auch, da sie ihren Herrn zusprchen!
      Doch diese lieen stehn mit seinem Sohn den Rachs,
    Und schritten auf den Plan zum Faust- und Ringkampf stracks.


    100.

      Sie grteten sich fest die Mitte, stlpten dicht
    Die Aermel um den Arm, und furchten das Gesicht.
      Zwei Lwen gleich an Wut, herschoen sie zumal;
    Vom Leibe Schwei und Blut vergoen sie zumal.
      Zwei Leiber wurden da Ein Leib, indem sie rangen,
    Um den vier Arm' im Knul wie Schlangen sich verschlangen.
      Wie eine Goldspang eng den Frauenarm umschmiegt,
    Und wie fest an dem Leib ein naes Kleid anliegt:
      So mit den Armen eng umschmiegten sich die beiden;
    Anstrengten hin und her und wiegten sich die beiden:
    An Kraft nicht, noch an Kunst besiegten sich die beiden.
      Sie htten Stein und Erz zerdrckt in ihren Armen;
    Sie drckten sich umsonst, und drckten ohn Erbarmen.
      Angst fhlte Brust an Brust, und Glied um Glieder Schmerz,
    Als Vater dort und Sohn sich drckten so ans Herz.
      Indessen oben sie sich mit den Armen klemmten,
    Den Odem in der Brust, das Blut im Herzen hemmten;
      Indessen hielten sie am Boden die gestemmten
    F' eingewurzelt. So rang Suhrab mit Tehemten
      Mit mchtigem Umfahn, gewaltigem Umschlingen,
    Vermochten sie sich doch zu Boden nicht zu ringen,
      Vermochten sie sich nicht vom Grund empor zu bringen,
    Vermochten sie sich auch vom Platz nicht wegzudringen.
      Umsonst umschlangen sie, umsonst umflochten sie;
    Vergebens rangen sie, vergebens fochten sie.
      Voll Wut andrangen sie, voll Wut aufkochten sie;
    Sich nicht bezwangen sie, noch bermochten sie.
      Nun wollten sies, anstatt mit Ringen und mit Dringen,
    Mit Schwingen in die Luft vollbringen und erzwingen.
      Los lieen Vater sich und Sohn, und seine Hand
    Ausstreckte jeder nach des andern Grtelband.
      Und Rostem schwang den Sohn empor mit einem Schwunge
    Am Grtel: fast erlag dem Alten da der Junge.
      Doch dieser fiel, vom Glck geschleudert, auf die Brust
    Des Gegners schwer, und warf ihn nieder in den Dust.
      Da kniet' er auf der Brust des Vaters, und besann
    Sich selber nicht, wie er die Oberhand gewann.
      Da zuckt' er rasch den Dolch, und, ohne dran zu denken,
    Wollt er den kalten Stahl ins Herz des Vaters senken.


    101.

      Rostem, aufblickend, sah das nahe Ungemach
    Schweben ob seinem Haupt, und rief: Gemach, gemach!
      Gemach! was willst du tun? Bist du aus Heldensamen,
    So schnde deinen Ruhm nicht jetzt und deinen Namen!
      Du kommest her und stammst aus wilder Trken Mitte:
    Nach Iran kommst du, kmpfst, und kennst nicht Irans Sitte.
      Die Sitt ist hier zu Land, da, wer den Kampf mit Ringen
    Beginnen mag, und in den Staub den Gegner bringen;
      Das erstemal, da er ihn an den Boden legt,
    Umbringet er ihn nicht, wie sehr ihn Zorn bewegt.
      Ihn schelten wrde man und seinem Namen fluchen!
    Mit einem zweiten Gang lt ers den Feind versuchen.
      Vermag er dann zu Fall ihn wiederum zu bringen;
    Dann ists erlaubt, ist Sitt und Recht, ihn umzubringen.
      So sprach er, ob villeicht er sei durch List errettet
    Vom Gegner, unter dem er unsanft lag gebettet.
      Suhrab hielt zweifelnd inn, und sprach: Ich habe nicht
    Von dieser Sitt im Land vernommen den Bericht.
      Sag an, ob wirklich so es alle Helden halten,
    Obs so gehalten wird von Rostem auch, dem alten?
      Doch Rostem sprach: Was geht dichs an, wies Rostem macht?
    Nun ja doch! diesen Brauch hat Rostem aufgebracht. --
      Wie Rostems Sohn aus Rostems Mund die Wort gehrt,
    Das Schwert zog er zurck, und lie ihn los, betrt:
      Einmal, von Selbstvertraun, sodann von Schicksalsfug,
    Am meisten aber, weil sein Herz von Gromut schlug;
    Sonst htt ihn nicht allein betrt des Vaters Trug.
      Rostem sah froh erstaunt sich los vom Feind gekettet,
    Doch war er unmutsvoll, da ihn nur List gerettet.
      Vom Boden sprang er auf, und schttelte die Glieder
    Vom Staub, und ein die ausgerenkten renkt' er wieder.
      Doch Suhrab wendete von ihm sich ins Gefild,
    Und jagte vor sich her ein aufgesprungnes Wild.
      Auf dieses macht' er Jagd zur Kurzweil, und verga
    Des Mannes ganz, mit dem er erst im Kampf sich ma.


    102.

      Doch Rostem, als er war entbunden seiner Qual,
    Gieng an den Bach hinauf, dort in ein Felsental,
      Wo er vor langer Zeit einmal mit einem Geiste
    Zusammentraf, als er des Wegs aus Turan reiste,
      Als er dort aus dem Krieg mit Beute schwer beladen
    Zurckkam, mhsam gieng er da auf seinen Pfaden.
      Dem Rostem damals war solch eine Kraft verliehn,
    Die nicht nur seinen Feind, die drckte selber ihn.
      Denn wo er auf dem Grund mit seines Leibs Gewicht
    Auftrat, gab nach der Grund, und widerstand ihm nicht.
      Den Futritt drckt' er tief auch hrterem Gestein,
    Nicht lockerm Sande nur und weichem Boden ein:
      So wehrlos schon, vielmehr wann er die Waffen trug,
    Und nun trug er dazu noch schweren Raubs genug.
      Im Melme sank ihm ein der Fu bis an den Knchel;
    Da lachte neben ihm der Berggeist mit Gerchel.
      Wer, fragte Rostem, lacht? Dumpf sprach der Berggeist: Ich!
    Worber? Weil ich seh im Grund einsinken dich.
      Die dir die Mutter gab, die Kraft ist lstig dir,
    Du bist zu schwach fr sie, gib sie zu tragen mir!
      Und brauchst du sie einmal, wann matt sind deine Glieder,
    So komm und ruf! so geb ich deine Kraft dir wieder.
      Da gab der Pehlewan dem Berggeist in Verwar
    Den Ueberschu der Kraft, die ihm beschwerlich war.
      Jetzt aber kam er her, um, ehr im Berge modern
    Er liee seine Kraft, sie nun zurck zu fodern.
      Denn gegen Suhrab war der Sieg ihm zweifelhaft,
    Wenn er nicht nme ganz zusammen seine Kraft.




    Elftes Buch.


    103.

      Zu Suhrab aber, der froh seiner Jagd nachgieng,
    Kam Barman, als der Tag sich an zu neigen fieng.
      Er kam, von bangem Mut und Ungeduld getrieben,
    Was in den Sternen nun ob Suhrab sei geschrieben,
      Und welchen Wunsch erfllt sehn sollt Afrasiab,
    Von beiden wen im Grab, ob Rostem ob Suhrab?
      Er wute nicht, warum sie ihren Kampf geschieden,
    Und frchtete, da Sohn und Vater machten Frieden.
      Doch als er wolgemut herwandeln jenen sah,
    Rief er ihn an, indem er trat mit Staunen nah:
      Was ist es? was geschah? wo ist dir hingekommen
    Der Gegner, den du dir zu wrgen vorgenommen?
      Doch Suhrab lchelnd sprach: Er ist mir nicht entwischt;
    Auf einen neuen Gang hab ich mich angefrischt.
      Ihn fragte Baruman: Warum ward aufgehoben
    Der Kampf? Doch Suhrab sprach: Er ward nur aufgeschoben.
      Im Ringen hatt ich ihn geworfen auf den Plan,
    Schon zuckt ich meinen Dolch, da wars um ihn getan;
    Doch er mit lautem Ruf rief mich um Schonung an:
      Gemach! was willst du tun? Bist du aus Heldensamen,
    So schnde deinen Ruhm nicht jetzt und deinen Namen!
      Die Sitt ist hier zu Land, da, wer den Kampf mit Ringen
    Beginnen mag, und in den Staub den Gegner bringen;
      Das erstemal, da er ihn an den Boden legt,
    Umbringet er ihn nicht, wie sehr ihn Zorn bewegt.
      Ihn schelten wrde man und seinem Namen fluchen!
    Mit einem zweiten Gang lt ers den Feind versuchen.
      Vermag er dann zu Fall ihn wiederum zu bringen;
    Dann ists erlaubt, ist Sitt und Recht, ihn umzubringen.
      So sprach er, und ich gab auf dieses Wort ihn frei,
    Da er mir erst erlegt im zweiten Gange sei!
      So sprach Suhrab vergngt; doch Barman sah das Walten
    Des Himmels, da Rostem fr Iran sei behalten.
      Zu Suhrab sprach er: Weh! du bist des Lebens satt:
    Ein Glck begegnet nie zweimal an Einer Statt.
      Den Pardel lieest du entspringen aus den Schlingen,
    Darein ihn Gott dir gab: nun wird er dich verschlingen!
      So sprach er misvergngt, und wendete sich ab
    Vom Knaben rasch, den er nunmehr verloren gab.
      Er gieng hinweg, und sprach: Das Schicksal mag es lenken
    Mit ihm, wies ihm gefllt! ich will das Heer bedenken.


    104.

      Auf einem Felsenthron sa dort der Geist und sah,
    Das Tal herauf ein Mann kam seinem Sitze nah.
      Voll Muts und unmutsvoll umschauend kam er bei;
    Da merkte wol der Geist, da er gesuchet sei.
      Ein Abendnebel lag als Helm auf seinem Haubte;
    Den hob er weg, indem er mit dem Atem schnaubte.
      Auf seinem Throne sa der Geist nun unverhllt,
    Doch finster, von des Bergs verborgner Kraft erfllt.
      Den Rostem rief er an: Wen und was suchst du? sprich!
    Darauf sprach Rostem: Dich und meine Kraft such ich.
      Ich seh und kenne dich, wie ich dich schon geschaut;
    Du bist nicht seit der Zeit gealtert noch ergraut;
    Doch kennst du mich? und weit, was ich dir anvertraut?
      Mit dsterm Lcheln gab zur Antwort ihm der Geist:
    Ich kenne dich nicht mehr, Rostem! du bist ergreist.
      Doch was bemhest du die alten Heldenglieder
    Zu mir? Tehemten sprach: Gib meine Kraft mir wieder!
      Bis heute kam ich aus mit dem, was ich gespart;
    Das Ganze brauch ich heut; gib her, was du bewart!
      Da sprach der Geist: Die Kraft des Menschenkinds, wann sie
    Von ihm gewichen ist, kehrt ihm zurcke nie.
      Denn keinem kann er sie zur Wiedergabe geben;
    Du aber gabest mir die deine aufzuheben.
      Wol aufgehoben hier ist sie und aufbehalten;
    Viel beer als bei dir ruht sie in Bergesspalten.
      Warum willst du mit ihr dein alterndes Genick
    Beladen? Held, du nimmst auf dich ein Misgeschick.
    Doch weigern werd ich sie dir keinen Augenblick,
      Wenn du sie ernstlich willst, und dreimal sie verlangest;
    Allein bedenk es recht, wozu du sie empfangest!
      Ich gebe, Stck fr Stck, dir deine Kraft zurck,
    Ich gebe sie dir, doch zum Unglck, nicht zum Glck.
      La deine Kraft hier ruhn! du hast der Taten nun
    Genug getan: zum Leid wirst du dir eine tun!
      Tehemten, ja, ein Leid, ich frchte, wirst du finden
    Durch deine Kraft, davon dir selbst die Kraft wird schwinden.


    105.

      So unterhandelten sie dort um Rostems Kraft;
    Doch Rostems Sohn sah sich im Feld um zweifelhaft,
      Und wute nicht, was er vom Gegner denken sollte,
    Der nicht erschien; und ob er heimwerts lenken sollte,
      Ob warten noch, bis doch villeicht er wiederkme,
    Damit er heute noch das Leben hier ihm nme!
      Am Ende dnkt' es doch das Beste seiner Meinung,
    Im Feld zu warten noch auf seines Feinds Erscheinung.
      Denn, sprach er, heute frh hat er auf mich gewartet,
    Nun wart ich spt auf ihn, so ist es wolgeartet.
      Der Abend ist so schn nicht, als es uns versprach
    Der Morgen; in der Welt kommt Herbes Frohem nach.
      Die Sonne sinkt, und lt ein blutges Abendrot
    Zurck als Abschiedsgru, den sie dem Leben bot.
      Wo aber bleibt der Mann, den ich nicht missen kann?
    Ich tt ihn in der Nacht, weil er am Tag entrann!
      So sprechend, blickt' er auf, und sah den Rostem kommen,
    Alswie ein Meteor trbrtlich angeglommen.
      Dem Suhrab schien er ganz verwandelt zauberhaft,
    Von wunderbarem Glanz, in voller Jugendkraft.
      Mit Staunen grt' er ihn, mit Zittern und Verzagen;
    Wo er gewesen sei, hatt er nicht Mut zu fragen.
      Er fragt': Und ringen wir noch heute vor der Nacht?
    Und Rostem sprach: Ei ja! es ist geschwind vollbracht.
      Da traten an zum Kampf der Vater und der Sohn;
    Der angetan mit Kraft, die diesem war entflohn.
      Wie, wann die Sonne sinkt, die Nacht siegjauchzen mag,
    Und wann die Nacht erliegt, so triumfirt der Tag:
      So mochte Rostem leicht ob Suhrab triumfiren,
    Der nicht gewinnen konnt, und jener nicht verlieren.
      Da zog die Dmmerung aus Abendwolkenflor
    Dem Schauplatz dieses Wehs den dichten Vorhang vor;
      Da von dem Doppelheer, das als Zuschauer nah
    Dem Schauspiel war, was da geschah, kein Auge sah.
      Da griffen an die zwei, da war es schon getan;
    Vom Vater war es ab-, und um den Sohn getan.
      Rostem tat einen Ruck, und Suhrab lag im Dust;
    Rostem tat einen Zuck, sein Dolch traf Suhrabs Brust.


    106.

      Suhrab sprach todeswund: O ungetreuer Mann!
    Das ist der Schonung Lohn, den ich von dir gewann.
      Von Rostem hast du mir ein Mrchen vorgelogen,
    In Rostems Namen um mein Leben mich betrogen.
      Doch sei ein Fisch im Meer, ein Vogel in der Luft,
    Die Rach ereilet dich, wo ich lieg in der Gruft.
      Wenn Rostem das erfrt, und er wird es erfaren;
    Nicht wird ihm das Gercht die Trauerkund ersparen --
      Wenn Rostem es erfrt, so gibt er dir den Lohn
    Dafr, da du erschlugst sein und Tehminas Sohn.
      Er sprachs und von dem Wort getroffen, Rostem schrak
    Zusammen, alsob ihm der Dolch im Busen stak.
      Er rief: O Unglckskind, was sagst du? sags geschwind,
    Sags recht, wer deine unglckseligen Eltern sind!
      Doch Suhrab sprach mit Stolz und Trauer in der Miene:
    Ich bin Suhrab, der Sohn von Rostem und Tehmine;
      Er Irans Hort, und sie Semengans Frauenzier.
    Die Mutter hat mich hergesandt, den Vater hier
    Zu suchen, weil er dort solang nicht kam zu ihr.
      Die Spange gab sie mir mit als Erkennungszeichen;
    Die Spange, die er ihr einst gab, sollt ich ihm reichen.
      Die Spange trug ich nicht am Arme; vor Verlust
    Sie zu bewaren, trag ich hier sie auf der Brust.
      Rei das Gewand hier auf am Busen, das mich drckt,
    Und sieh das Zeichen, das den Sohn von Rostem schmckt!
      So sprach er, und vor Weh dem Vater wollt entweichen
    Die Seel, und harrte nur noch aufs Erkennungszeichen.
      Wegri er das Gewand, und sah, wie einen Molch
    In Rosen, in der Brust dort sitzen seinen Dolch;
      Der stak noch in der Wund, als Scheide, die er schlo;
    Nun zog ihn Rostem aus, und Suhrabs Leben flo.
      In Purpurwellen flo das Leben hin, und trnkte
    Das Gold der Spange, die Tehminen Rostem schenkte.
      Er zog der Spange Gold, besetzt mit den Rubinen
    Vom Blut des Sohns, hervor, selbst mit blutlosen Mienen,
    Und rief: Suhrab, mein Sohn! Weh Rostem und Tehminen!


    107.

      Dumpf einen Augenblick in seines Jammers Fllen
    Hinstarrte Rostem noch, dann hub er an zu brllen.
      Alswie ein Tiger brllt, wann er, im Busch verhllt,
    Gelaurt auf einen Raub, von heier Gier erfllt:
      Er lauert auf ein Rind, das von der Rinderherde
    Dem grnen Busche nahn, und ihm verfallen werde.
      Inzwischen geht einher des Tigers einzges Junges,
    Das er im Neste glaubt, untchtig noch des Sprunges.
      Das kommt dem Busche nah, worin sein Vater lauert;
    Der hrt den Tritt im Gras, und ist von Lust durchschauert.
      Er denkt: Da ist das Rind! und strzt, vor Gierde blind,
    So denkt er, auf das Rind, und strzt aufs eigne Kind.
      Dann siehet er, was ihm die blutgen Branken fllet;
    Da bricht sein Tigerherz; und wie er nie gebrllet,
      So brllt er: wie er nie gebrllt in Wut um Blut,
    Brllt er nun um des Sohns vergones Blut in Wut.
      So brllte Rostem jetzt, bis, sein nicht mehr bewut,
    Er hinsank atemlos an seines Sohnes Brust.
      Ohnmchtig sank er hin, in Ohnmacht lag er da;
    Das erstemal, da die im Leben ihm geschah!
      Erschpft war seine Macht, und seine Kraft gebrochen,
    Die Kraft, die er solang im Mark der alten Knochen
      Getragen, samt der Kraft, die ihm aufs neu geworden
    Recht eigentlich dazu, den eignen Sohn zu morden.
      So lag er bei dem Sohn, selbst einem Toten gleich,
    Und bei ihm lag der Sohn, im Antlitz todesbleich,
      Im Antlitz todesbleich, am Herzen todeswund,
    Mit Rosen seines Bluts blmend den grnen Grund.
      Noch flo das Blut, noch stand der Odem nicht, noch sah
    Und fhlt' er, sterbend freut' er sich dem Vater nah.
    Den Vater, ob ihm schon von ihm die Leid geschah,
      Den er allein gesucht, den hatt er doch gefunden,
    Und lag, wie er getrumt, von seinem Arm umwunden.


    108.

      Dort das Zuschauerheer, nichts schauend in der Hlle
    Der Nacht, nachdem es erst vernommen ein Gebrlle
    Vom Kampfplatz, nam es war jetzt eine Totenstille.
      Sie ahneten, da dort ein Unglck sei geschehn,
    Und hatten nicht den Mut, mit Augen es zu sehn.
      Da machten aus dem Heer von Iran einige Khnen
    Sich auf, und naheten zuletzt des Todes Bhnen.
      Am Bache fanden sie, am Felsen, unter schaurig
    Gesenkten Zweigen stehn die beiden Rosse traurig.
      Wie sie da sahn den Rachs, den Thron des Rostem, leer
    Von Rostem, eilten sie mit Klaggeschrei zum Heer,
      Mit lautem Klaggeschrei: Tehemten ist nicht mehr!
    Dahin ist Irans Hort! Rachs ist von Rostem leer!
      Da kam ein Schreck aufs Heer, und wie ein Sturm das Meer
    Bewegt, bewegte sie die Botschaft, dumpf und schwer.
    In Aufruhr kam das Heer, und Alles trat in Wehr.
      Die Pauke ward gerrt, und die Trommete klang;
    Wie Wogen setzte sich das ganze Heer in Gang.
      Vor ihrem Nahen drang den Kommenden voraus
    Zur stillen Walstatt dort das wachsende Gebraus.
      Rostem bei seinem Sohn aus seinem Todesschlummer
    Erwachend, neu empfand er seinen Todeskummer.
      In neuen Jammerton ausbrechen wollte schon
    Sein Schmerz, da snftigt' ihn mit sanftem Wort der Sohn,
      Der seinen letzten Geist und letzten Hauch gewann,
    Und sammelt' ihn, womit hinsterbend er begann
    Die Rede, die ihm leis', alswie sein Blut, hinrann:


    109.

      O Vater! eh mir fort das Leben rinnt, und dort
    Die Fremden nahn, vernim des Sohnes letztes Wort!
      Sein erstes, welches dich nicht zweifelnd Vater grt!
    Von diesem Gru ist mir der bittre Tod verst.
    Ich habe nicht zu teur des Herzens Stolz gebt,
      Tehemtens Sohn zu sein! mit dem vereint ich wollte
    Die Welt bezwingen, die mich so bezwingen sollte!
      Was klagest du und weinst? nicht du hast mich erschlagen;
    Dazu bestimmt hat mich der Mutter Leib getragen.
      Darum hat sie umsonst dem Sohne nachgesandt
    Den Vetter, dem allein der Vater war bekant.
      Erschlagen hast du ihn, Nachts auf die Burg gerant,
    Damit von Niemand mir der Vater sei genant!
      Wenn es die Mutter nun erfrt, was wird sie sagen?
    Beklagen soll sie mich, und Rostem nicht verklagen.
      Schick heim zu ihr von hier all meine Waffenzier,
    Und auch die Spange, die von ihr ich brachte dir!
      La auch den Baruman mit seinen Trken gehn
    Unangefochten, die durch mich in Waffen stehn!
      Nicht fechten werden sie, weil sie mich liegen sehn;
    Denn dieser Aufbruch ist allein durch mich geschehn.
      Auch den Hedschir, den ich im Schlo gefangen habe,
    Mit Bitt und Drohungen ihn angegangen habe,
      Dich mir zu zeigen, was hartnckig er verschwieg,
    Bis ich mein Ross, dich aufzusuchen, selbst bestieg;
      Bestraf ihn nicht darum, da er mir nicht gesagt
    Den Namen! hab ich doch dich selbst umsonst gefragt!
      Da Guders nicht durch mich um einen rmer werde
    Der achtzig Shne, weil durch ihn an kalter Erde
      Tehemtens einer liegt! Weils ihm das Glck beschied,
    La ich ihm gern das Schlo, und selber Gurdafrid.
      Gurdaferid, so ist ein schnes Weib genant,
    Die hat unlngst mich hier mit Waffen angerant,
      Und mir verheien, da um mich sie wollte weinen,
    Wann Rostem mich erlegt; das mag sie nun bescheinen!
      O da nicht bitterer die Mutter weinen mte,
    Wenn sie nun statt des Sohns die goldne Spange ksste!
      Die Spange send ihr nur, mein Ross und meine Waffen;
    Doch meinen Leib sollst du von hier nach Sabul schaffen
      In deine Frstengruft! und hier dein grnes Zelt
    Spann ber mir! so nem ich Abschied von der Welt.
      Ich kam alswie ein Blitz, und gieng alswie ein Wind;
    Nun, Rostem, sieh mit einem Blick noch an dein Kind!
      Und mit gelindem Ton, eh mir die Kraft entflohn
    Zu hren, nenne mich Suhrab, Tehemtens Sohn!


    110.

      Er sprachs, und Rostem schwieg; er ffnete den Mund
    Zu reden, aber zugeschnrt war ihm der Schlund.
      Hinstarrt' er schweigend auf des jungen Dochts Verglhn.
    So sieht ein Wanderer das Abendrot verblhn,
      Das seinem Wege noch als letzte Fackel lacht;
    Die Fackel lischt, und um ihn her ist finstre Nacht:
      So war fr Rostem bald nun ganz hinweggenommen
    Des Lebens Lust, sobald das Leben dort verglommen.
      Doch nher kam der Klang und Waffengang der Schar,
    Und Rostem sprang empor, zerrttet wie er war.
      Von seinem Sohn hinweg entgegen trat er ihnen,
    Mit Staub auf seinem Haupt, und Jammer in den Mienen;
    Nie den Iraniern war Rostem so erschienen.
      Allein sie sahen, da am Leben Rostem sei,
    Und bers ganze Heer erscholl ein Freudenschrei.
      Wie eine Reiterschaar, die ber ihrem Haubte
    Die Fahne wieder sieht, die sie verloren glaubte,
      Jauchzt, da gerettet ist die Fahn, obgleich zerfetzt;
    So jauchzten sie dem tiefgebeugten Helden jetzt.
      Doch als er nher kam, sprach er, von Grimm und Gram
    Zugleich bewegt, zugleich erregt von Stolz und Scham:
      Ihr Frsten Irans all und Edlen, kommt heran,
    Und seht, was Rostem hier fr Irans Ruhm getan!
      Den Helden Turans, der sein Haupt im Himmel trug,
    Den Schrecken Irans schlug Tehemten schwer genug.
      Ich hab in Tag und Nacht geschlagen manche Schlacht,
    Doch meinem Ruhm nie solch ein Opfer dargebracht.
      Iranier, fr euch hat Rostem hier geschlachtet
    Den Suhrab, seinen Sohn, damit ihr ihn betrachtet!
      Er sprachs, da war verstummt ihr Jauchzen in Entsetzen;
    Er sprachs, ohn eine Wang, ein Auge nur zu netzen.
      Sie sahn in seinem Blut den jungen Helden liegen,
    Den Adler, dessen Mut zur Sonne war gestiegen;
      So schn, so gro, so frei, so edel, khn und stark,
    Ob schwach auch, todesmatt, der Kern von Rostems Mark.
      Sie riefen: Weh, da solch ein Schmuck der Welt verdorben!
    Er sah ihn an und sprach: Er ist noch nicht gestorben,
      Und soll nicht sterben! Geh, Guders, zu Keikawus,
    Und bring dem Knige von Rostem Bitt und Gru.
      Den Lebensbalsam, der des Todes Wunden stillt,
    Der tropfenweis der Hl im Kaukasus entquillt,
      Hat er in seinem Schatz; davon soll er mir geben
    Drei Tropfen, da Suhrab, mein Sohn, mir bleib am Leben!




    Zwlftes Buch.


    111.

      Hilfeile flgelte des greisen Boten Fu,
    Schnell bracht er an Kawus von Rostem Bitt und Gru:
      Von Rostem ist Suhrab, der Sohn Rostems, erschlagen;
    Der Sieg am Feinde hat dem Vater Weh getragen;
    Er wehklagt laut, und alle, die ihn sehn, wehklagen.
      Er bittet dich durch mich, und all wir andern bitten:
    Wenn Rostem je fr dich gekmpft hat und gestritten,
    Komm ihm zu Hilfe jetzt im Weh, das er erlitten!
      Vom Lebensbalsam, der dem Kaukasus entquillt,
    Den du im Schatze hast, der Todeswunden stillt,
    Gib ihm drei Tropfen schnell, so du ihn retten willt!
      Doch langsam sprach der Schah: Gottlob, der Sorg entkettet
    Bin ich und aller Furcht, da Rostem ist gerettet;
    Im Staube liegt sein Feind, da ist ihm wol gebettet.
      All meinen Balsam gb ich ja fr Rostems Leben;
    Doch keinen Tropfen werd ich einem Trken geben.
      Rostem fr Iran ist schon stark genug allein;
    Mit solchem Sohn vereint, mcht er zu stark uns sein.
      Der stolze Mann, soll ich ihm diesen Dienst erzeigen,
    So mu er selber nahn und mir zu Fue neigen!
      Er sprachs, und jener sah des Knigs harten Sinn,
    Von seinem Flehen sei zu hoffen kein Gewinn;
    Die ble Antwort trug er schnell zu Rostem hin:
      Der Schah ist herbgelaunt; er will fr Rostems Leben
    All seinen Balsam, doch nicht einen Tropfen geben
      Fr Rostems Sohn. Soll er dir diesen Dienst erzeigen,
    So mut du selber gehn, und ihm zu Fue neigen.
      Da kmpfte Stolz und Schmerz in Rostem einen Kampf,
    So hei, da sichtbar ihm vom Haupte stieg der Dampf:
    Er hob und hielt den Schritt, und zuckte wie im Krampf.
      Dann beugt' er sein Genick demtig dem Geschick;
    Ertragen wollt er des feindselgen Knigs Blick.
      Drei schwere Schritte hatt er schon im Weg gemacht;
    Da ward die Botschaft ihm in Eile nachgebracht:
      Die Sonne, deren Ruhm der Welt geleuchtet, barg
    Sich in die Nacht; dein Sohn braucht nichts als einen Sarg.


    112.

      Tehemten gieng zurck zu seinem toten Sohn;
    Sie hatten zugedeckt des Toten Antlitz schon.
      Der Vater aber hob mit seiner Hand die Hllen
    Hinweg, um neu sein Herz mit Jammer zu erfllen.
      Rings war dreifache Nacht: am Himmel Nacht, im Herzen
    Tehemtens Nacht, und Nacht verlschte Suhrabs Kerzen.
      Ihn sah beim Sternenlicht der Vater, und erschreckt
    Stand er, dann rief er aus, als er ihn zugedeckt:
      Oft hab ich wol dem Tod ins Angesicht geschaut
    In mancher Schlacht, und nie hat mir vor ihm gegraut.
      Und schner hab ich ihn, als hier im Angesicht
    Des Jnglings nie gesehn, doch ohne Grauen nicht!
      Weh, Rostem, dir! weh dir! mit deinem Heldenruhme
    Kaufst du vom Tod zurck nicht diese Liebesblume.
      Zl in Gedanken auf nur alle deine Taten!
    Durch diese letzte hier sind alle schlecht geraten.
      O unglckseliger geliebter Jngling du,
    So ruhest du durch mich, und raubest mir die Ruh!
      Dich hat von Kindheit an ein falscher Glanz entzndet;
    Das, was von Rostems Ruhm dir das Gercht verkndet,
      Das trieb zum Vater dich; dein Stolz und deine Lust,
    Dein Leben wars, dein Tod, zu ruhn an seiner Brust.
      Du hast mit Ungestm dich an mein Herz gedrngt;
    Dafr mit deinem Blut hab ich mein Erz getrnkt!
      Ich habe dich als Feind bewundert und beneidet,
    Und finde dich als Sohn, da mirs das Herz durchschneidet.
      Dazu ward meinem Leib die Jugendkraft erneut!
    Doch unerneubar nun brach sie mit dir mir heut.
      Durch dich den grten Schmerz, durch dich hab ich erlitten
    Die grte Schmach: erniedrigt hab ich mich zu bitten!
      Zu bitten einen Schah, von dem ich war gewohnt,
    Gebeten selbst zu sein, seitdem durch mich er thront.
      Um dich demtigt ich die stolze Haubt in Staub,
    Und habe nicht dadurch dem Tod geraubt den Raub!
      Das la die Shnung sein, o Sohn, fr alle Krnkung,
    Die dir der Vater tat, nach unsrer Sterne Lenkung!
      So wars verhngt, da, der sein Haupt im Himmel trug,
    Es brcht in Staub dadurch, da er sein Kind erschlug.


    113.

      So klagt' er in der Nacht, und um ihn klagend saen
    Die Frsten her, die heut den Schmaus der Nacht vergaen.
      Voll war von Trstungen der weisen Freunde Mund,
    Vergebens, Rostem war um seinen Sohn herzwund.
      Er hielt in seiner Hand die blutgenetzte Spange,
    Und sprach zu ihr: Du kalte, glatte, gelbe Schlange!
      Du hast mit deiner giftgen Heimlichkeit gestochen
    Das Herz des Sohnes, und des Vaters Herz gebrochen.
      Du selber brachest nicht; was hast du nicht gebrochen
    Dein ttlich Schweigen, und der Rettung Wort gesprochen?
      Dem Vater kontest du, da der sein Sohn sei, sagen!
    Warum hat er versteckt im Busen dich getragen?
      Warum antwortet ich nicht seinen Liebesfragen?
    Nun mu des Unglcks Schuld die arme Spange tragen!
      Die Schuld trgt mir der Rachs, der Rachs, der, als ich schlief
    Dort mde von der Jagd, sich im Geheg verlief,
      Der von den Trken dort sich fangen lie und fren
    Zur Stadt, wohin ich dann nachgieng, ihn aufzuspren.
      O beer wr ich nach Semengan nie gekommen!
    Kein Leben htt ich dir gegeben, noch genommen.
      Nicht htt ich in der Nacht mir dort antrauen laen
    Das blhnde Weib, um frh am Tag sie zu verlaen.
      Warum von einem Sohn gab sie mir Nachricht nie?
    Warum erkundigt ich mich nie um ihn und sie?
      O Rachs, geritten sind wir damals nicht mit Glck
    Auf jene Jagd: die Weh bracht ich als Fang zurck.
      Drum wirst du niemehr auch mit frlichem Behagen
    Deinen Reiter wie sonst zu Jagd und Schlachten tragen!


    114.

      So klagt' er in der Nacht, da stieg der Tag empor;
    Und Kawus selber kam mit seines Hofes Chor.
      Dem Helden bracht er dar Entschuldigung und Trost;
    Khl aber war sein Wort, alswie des Morgens Frost:
      Des Reiches Pehlewan! was sitzest du im Staub,
    Dem Kummer untertan, und deines Leides Raub?
      Ob auf der Erde Grund des Himmels Zelt du wrfest,
    Ob Feuer in den Mund der weiten Welt du wrfest;
      Du brchtest nicht vom Gang zurck einen Gegangnen,
    Und kauftest von dem Fang nicht los einen Gefangnen.
      Das Leben ist ein Wild, vom Tode stets gehetzt;
    Schnell ist das Leben, doch schneller der Tod zuletzt.
      Kein Starker ist so stark, so rasch ist nicht der Rasche,
    Den berwltigend sein Tag nicht berrasche.
      Von ferne hab ich angestaunet diese Seule
    Des Heeres, diese Brust und Schulter, diese Keule.
      Ich sprach zu mir: An Art den Trken gleicht er nicht;
    Von Sabuls Heldenstamm den Frsten weicht er nicht.
      Was wut ich, da er, Held, so nah dir sei verwandt,
    Durch dich zu fallen hier, vom Schicksal hergesandt!
      Mein Lebensbalsam nun vermag ihn nicht zu heilen;
    Doch edle Spezerein will ich der Leich erteilen.
      Ich ordne selbst die Pracht der Totenfeier an,
    Zu ehren ihn und dich, des Reiches Pehlewan!
      Sein Grab will ich aus Gold und schwarzem Marmor baun;
    Nun la das Antlitz mich des toten Helden schaun!


    115.

      Er sprachs, und rhrete der Totendecke Rand;
    Doch Rostem deckte schwer auf seinen Sohn die Hand,
      Und sprach, zum Knig nicht erhebend sein Gesicht:
    Der Knig Keikawus sieht Rostems Jammer nicht!
      Herr Knig, geht nach Haus! aus ist hier Kampf und Schmaus;
    Des Sohnes Leichenfeir richt ich nun selber aus.
      Geschlichtet mit dem Heer der Trken ist mein Streit;
    Ich gebe bis zur Grenz ihm sicheres Geleit,
      Auf Suhrabs Bitte, der darum mich sterbend bat,
    Weil nur das ganze Heer fr ihn die Fart antrat.
      Von diesem Geiste war allein das Heer beseelt,
    Und ist ein toter Leib, da dieser Geist ihm fehlt.
      Genommen hab ich ihm den Geist mit dieser Hand;
    Nun geb ich alle frei, der eine bleibt mein Pfand.
      Keikawus, geh nach Haus, in Istachar zu sagen,
    Wie leichten groen Sieg du hier davongetragen:
      Geschlagen sei ein Heer, weil ich den Sohn erschlagen!
    Geht alle heim, und lat mich meinen Sohn beklagen!
      Er sprachs, und schwieg, und nicht erhob er sein Gesicht;
    Er blickt' auf seine Leich, und hielt die Decke dicht.
      Keikawus sprach: Was er verordnet, sei getan;
    Mich schmerzt in seinem Schmerz des Reiches Pehlewan.
      Ihr alle folget mir, Heerfrsten gro und klein!
    Den Rostem laen wir mit seinem Schmerz allein.
      Der Knig sprachs, und gieng, und alle folgten nach,
    Und Rostem blieb allein mit seinem Weh und Ach.


    116.

      Ins Lager zog das Heer, und ab ward Zelt um Zelt
    Gebrochen schnell, als gieng in Trmmer eine Welt.
      Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten,
    Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten.
      Sie furen heimwrts nun, doch traurig, ihre Bahn,
    Denn ihnen fehlete des Reiches Pehlewan.
      Doch Rostem richtete sich auf von seinem Sohn,
    Und sah das Heer im Zug, und leer das Lager schon.
      Von allen Zelten stand nur noch sein grnes da,
    Hochragend, und umher die niedrigern ihm nah
      Von seiner Sabulschar; die ordnete Sewar,
    Sein Bruder, dort, dann stellt' er selber ihm sich dar.
      Tehemten sprach zu ihm: So ist der Kampf geschieden!
    Geh hin ans Trkenheer, Sewar, und bring ihm Frieden!
      Zuerst rum ein die Burg dort oben dem Hedschir;
    Sag ihm: Die schenkt Suhrab fr treue Dienste dir!
      Dann sprich zu Baruman: Auch dich zum Lohn der Treue
    Entlt Suhrab, damit Afrasiab sich freue!
      Du selbst, o Bruder, gibst dem Trken das Geleit,
    Bis er die Grenz erreicht, sie ist von da nicht weit.
      Dann wende dich von ihm links auf Semengan zu,
    Und an Tehmina dort die Spang hier bringe du!
      Verwische nicht daran von Suhrabs Blut die Spur!
    Es ist das einzige, was von ihm heimwerts fur.
      Nim auch sein Waffenkleid, sein Ross und Kriegsgeschmeid,
    Und gib ihrs, da sie sich ersttige am Leid!
      Sie wird des Rosses Huf an ihren Busen drcken,
    Das Schwert (entwind es ihr!) nach ihrem Herzen zcken.
      Die Hnde ringen wird sie und das Haar zerraufen,
    Blut weinen, und das Blut des Sohnes nicht erkaufen.
      Vom Vater ihren Sohn wird sie zurckverlangen,
    Und klagen, da sie nicht einmal die Leich empfangen.
      Zu Boden wird sie sich, ins Waer, auf das Feuer
    Sich werfen, und es dient nicht ihrem Weh zum Steuer.
      Dann sag ihr das zum Trost, wie du mich hast gesehn:
    Da sie nicht mein', ihr sei das Leid allein geschehn!
      Dann kehre schnell! hier wart ich dein bei Tag und Nacht;
    Damit uns dieser dann nach Sabul sei gebracht!


    117.

      So sprach er, und Sewar gieng an die Sendung schnell;
    Doch Rostem rief: Schafft mir das grne Zelt zur Stell!
      Ich geh nicht hier vom Ort, wo ich den Sohn erschlagen;
    Doch ber ihn im Tod soll auch mein Heerzelt ragen.
      So rief er, und geschwind ward von der Sabulschar
    Das grne Heerzelt aufgespannt, wo Suhrab war.
      Der Vater lie sodann in edle Spezereien
    Ihn legen, da bewart die schnen Glieder seien.
      Wie eine Rose, die den ganzen Stock geschmckt,
    Im Morgenthau am Stiel vom Grtner abgepflckt,
      Damit sie bleibe frisch, ins Waer wird gesteckt;
    So blhend lebensgleich lag er vom Tod gestreckt.
      Auf Purpur und Brokat lag er in Gold und Seide;
    So schmckt' ihn sich zur Lust der Vater und zum Leide.
      Dann aber ordnet' er die Totenfeier an,
    Und feierlich im Zug zog Sabuls Heer heran.
      Sie zogen, Ross und Mann, am grnen Zelt vorbei,
    Im Krei umher, mit Feldmusik und Feldgeschrei.
      Den Rossen aber war geschoren Mhn und Schweif,
    Und an den Pauken abgespannt der ehrne Reif;
      Die Bogen ohne Senn, und alle Spitzen stumpf:
    So zogen sie, und all die Pauken schollen dumpf.
      Dreimal an jedem Tag, am Morgen, um die Mitte
    Des Tags, und vor der Nacht, pflogen sie dieser Sitte.
      Rostem auf seinem Rachs ritt nicht dem Zug voran;
    Bei seinem Sohne sa im Zelt der Pehlewan.
      Doch jeden Morgen sprach er da: Suhrab, mein Sohn!
    Hrst du den Kriegsheerton, und wachst nicht auf davon?
      Und jeden Abend dann sprach er: Mein Sohn Suhrab!
    Die Sonne geht hinab, und du gehst in dein Grab.
      Als er zum neuntenmal um sein erloschnes Glck
    Am Abend trauerte, kehrt' ihm Sewar zurck.


    118.

      Und als vom Schlaf der Nacht war neu das Heer erwacht,
    Sprach Rostem, der verwacht bei seinem Sohn die Nacht:
      Sewar, mein Bruder! jetzt brecht berm Haupt mir ab
    Das grne Zelt, und nehmt von mir hinweg Suhrab!
      Bringt ihn nach Sabul in die Gruft, in der ich wollte
    Gern schlafen, wenn ich ihn damit erwecken sollte.
      Sag unsrer Mutter dort, der alternden Rudabe,
    Die oft gewnscht, von mir wrd ihr ein Enkelknabe:
      Hier schick ich einen ihr, so schn, wie sie ihn nur
    Gewnscht; von einem Fehl an ihm ist keine Spur,
      Nur da des Vaters Dolch fehl gieng in seine Brust:
    Verdorben hat der Sohn am Enkel ihr die Lust.
      Ihr geht! ich bleibe hier; fragt nicht warum! was mir
    Begegne, fragt nur nicht! doch lat den Rachs mir hier!
      Gr alle Mannen dort, das ganze Volk und Land;
    Sewar, das alles geb ich nun in deine Hand.
      Der Mutter wag ich nicht zu sehn ins Angesicht,
    Und keinem Menschen dort; nach Sabul kann ich nicht.
      Umtummeln mu ich hier mich etwas in der Oede,
    Da ich den Schmerz in mir, den grimmen Drachen, tde.
      Das ist das kleinste nicht der Rostemsabenteuer,
    Denn grimmig ist der Drach, und speiet Gift und Feuer.
      Nun Glck zur Fart nach Haus! und lats euch nicht beschweren,
    Da ich euch frt' heraus, und la euch so rckkehren!
      Lebt alle wol! wenn man daheim von Rostem spricht,
    Und fragt, wohin er kam? so sagt, ihr wit es nicht.




Anmerkungen zur Transkription:

Die Rechtschreibung des Vorlagentextes wurde beibehalten, ebenso
unterschiedliche Schreibweisen, wie Speer/Sper, thun/tun, wohl/wol etc.

nderungen:
  S. 36: nach "der glaubt wol dem Gerchte" wurde ein Komma ergnzt
  S. 71: nach "bringt mein Kind zurck?" wurde ein  ergnzt
  S. 87: nach "umschweifen in den Landen" wurde ein Punkt ergnzt
  S. 116: nach "und giengen auch davon" wurde ein Punkt ergnzt
  S. 155: "einen solchen Art" wurde gendert in "einen solcher Art"
  S. 206: nach "Nun lebe lnger noch" wurde ein Komma ergnzt
  S. 241: nach "Wie eine Reiterschaar" wurde ein Komma ergnzt





End of the Project Gutenberg EBook of Rostem und Suhrab, by Friedrich Rckert

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ROSTEM UND SUHRAB ***

***** This file should be named 32481-8.txt or 32481-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/3/2/4/8/32481/

Produced by Karl Eichwalder, Wolfgang Menges and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.net/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.net

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.net),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.net

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
