The Project Gutenberg EBook of Zu Guter Letzt, by Wilhelm Busch

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Title: Zu Guter Letzt

Author: Wilhelm Busch

Release Date: June 27, 2010 [EBook #32989]

Language: German

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Zu guter Letzt

[Illustration: Wilh. Busch.]




Zu guter Letzt

von

Wilhelm Busch.


Mit dem Portrait des Verfassers.



31stes bis 35stes Tausend.



Mnchen.
Verlag von Fr. Bassermann.
1905.

Alle Rechte vorbehalten.




  Halt dein Rsslein nur im Zgel,
    Kommst ja doch nicht allzuweit.
  Hinter jedem neuen Hgel
    Dehnt sich die Unendlichkeit.

  Nenne Niemand dumm und sumig,
    Der das Nchste recht bedenkt.
  Ach, die Welt ist so gerumig,
    Und der Kopf ist so beschrnkt.

       *       *       *       *       *




  Dies fr Den und Das fr Jenen.
    Viele Tische sind gedeckt.
  Keine Zunge soll verhhnen,
    Was der andern Zunge schmeckt.

  Lasse Jedem seine Freuden,
    Gnn ihm, da er sich erquickt,
  Wenn er sittsam und bescheiden
    Auf den eignen Teller blickt.

  Wenn jedoch bei deinem Tisch er
    Unverschmt dich neckt und strt,
  Dann so gieb ihm einen Wischer,
    Da er merkt, was sich gehrt.

       *       *       *       *       *




  Nirgend sitzen todte Gste.
    Allerorten lebt die Kraft.
  Ist nicht selbst der Fels, der feste,
    Eine Kraftgenossenschaft?

  Durch und durch aus Eigenheiten,
    So und so zu sein bestrebt,
  Die sich lieben, die sich streiten,
    Wird die bunte Welt gewebt.

  Hier gelingt es, da miglckt es.
    Wnsche finden keine Rast.
  Unterdrcker, Unterdrcktes,
    Jedes Ding hat seine Last.

       *       *       *       *       *




  Der Fhrmann lag in seinem Schiff
    Beim Schein des Mondenlichts,
  Als etwas kam und rief und pfiff
    Doch sehen that er nichts.

  Ihm war, als stiegen hundert ein.
    Das Schifflein wurde schwer.
  Flink, Fhrmann, fahr uns bern Rhein,
    Die Zahlung folgt nachher.

  Und als er seine Pflicht gethan,
    Da ging es klinglingling,
  Da warf ein Goldstck in den Kahn
    Jedwedes Geisterding.

  Husch, weg und weiter zog die Schar.
    Verwundert steht der Mann:
  So Seelen sind zwar unsichtbar
    Und doch ist etwas dran.

       *       *       *       *       *




  Ob er gleich von hinnen schied,
    Ist er doch geblieben,
  Der so manches schne Lied
    Einst fr uns geschrieben.

  Unser Mund wird ihn entzckt
    Lange noch erwhnen,
  Und so lebt er hochbeglckt
    Zwischen hohlen Zhnen.

       *       *       *       *       *




    Ein Knstler auf dem hohen Seil,
  Der alt geworden mittlerweil,
  Stieg eines Tages vom Gerst
  Und sprach: Nun will ich unten bleiben
  Und nur noch Hausgymnastik treiben,
  Was zur Verdauung nthig ist.
    Da riefen alle: Oh, wie schad!
  Der Meister scheint doch allnachgrad
  Zu schwach und steif zum Seilbesteigen!
    Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen!
  Und richtig, eh der Markt geschlossen,
  Treibt er auf's neu die alten Possen
  Hoch in der Luft und zwar mit Glck,
  Bis auf ein kleines Migeschick.
    Er fiel herab in groer Eile
  Und knickte sich die Wirbelsule.
    Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm
  So uert sich das Publikum.

       *       *       *       *       *




  Wenn die Tante Adelheide
    Als Logierbesuch erschien,
  Fhlte Fritzchen groe Freude,
    Denn dann gab es was fr ihn.

  Immer hat die liebe Gute
    Tief im Reisekorb versteckt
  Eine angenehme Tute,
    Deren Inhalt kstlich schmeckt.

  Tglich wird dem braven Knaben
    Draus ein hbsches Stck beschert,
  Bis wir schlielich nichts mehr haben
    Und die Tante weiter fhrt.

  Mit der Post fuhr sie von hinnen.
    Fritzchens Trauer ist nur schwach.
  Einer Tute, wo nichts drinnen,
    Weint man keine Thrne nach.

       *       *       *       *       *




    Gesttzt auf seine beiden Krcken,
  Die alte Kiepe auf dem Rcken,
  Ging durch das Dorf ein Bettelmann
  Und klopfte stets vergeblich an.
    Erst aus dem allerletzten Haus
  Kam eine gute Frau heraus,
  Die grad den dritten Mann begraben,
  Daher geneigt zu milden Gaben,
  Und legt in seines Korbes Grund
  Ein Brod von mehr als sieben Pfund.
    Ein schmaler Steg fhrt gleich danach
  Ihn ber einen Rauschebach.
    Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glcklich!
  So rief er froh, und augenblicklich
  Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut,
  Sein Brod hinunter in die Fluth.
    Das kommt von solchem bermuth.

       *       *       *       *       *




  In der ersten Nacht des Maien
    Lt's den Hexen keine Ruh.
  Sich gesellig zu erfreuen,
    Eilen sie dem Brocken zu.

  Dorten haben sie ihr Krnzchen.
    Man verleumdet, man verfhrt,
  Macht ein lasterhaftes Tnzchen,
    Und der Teufel prsidiert.

       *       *       *       *       *




  Willst du gelobt sein, so verzichte
    Auf kindlich bldes Wesen.
  Entschlie dich, deine himmlischen Gedichte
    Den Leuten vorzulesen.

  Die Welt ist hflich und gesellig,
    Und eh man dich beleidigt,
  Sagt wohl ein jeder leicht, was dir gefllig,
    Denn keiner ist beeidigt.

       *       *       *       *       *




  Sie ist ein reizendes Geschpfchen,
    Mit allen Wassern wohl gewaschen;
  Sie kennt die sen Sndentpfchen
    Und liebt es, hufig draus zu naschen.

  Da bleibt den sittlich Hochgestellten
    Nichts weiter brig, als mit Freuden
  Auf diese Schandperson zu schelten
    Und sie mit Schmerzen zu beneiden.

       *       *       *       *       *




    Ganz unverhofft, an einem Hgel,
  Sind sich begegnet Fuchs und Igel.
    Halt, rief der Fuchs, du Bsewicht.
  Kennst du des Knigs Ordre nicht?
  Ist nicht der Friede lngst verkndigt,
  Und weit du nicht, da jeder sndigt,
  Der immer noch gerstet geht?
  Im Namen seiner Majestt,
  Geh her und bergieb dein Fell.
    Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
  Lass' dir erst deine Zhne brechen,
  Dann wollen wir uns weiter sprechen.
    Und allsogleich macht er sich rund,
  Schliet seinen dichten Stachelbund
  Und trotzt getrost der ganzen Welt,
  Bewaffnet, doch als Friedensheld.

       *       *       *       *       *




      Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
  Heut in der Stadt da wirst du gaffen.
  Wir fahren hin und seh'n die Affen.
    Es ist gelungen
  Und um sich schief zu lachen,
  Was die fr Streiche machen
  Und fr Gesichter,
  Wie rechte Bsewichter.
  Sie krauen sich,
  Sie zausen sich,
  Sie hauen sich,
  Sie lausen sich,
  Beschnuppern dies, beknuppern das,
  Und Keiner gnnt dem Andern was,
  Und essen thun sie mit der Hand,
  Und alles thun sie mit Verstand,
  Und Jeder stiehlt als wie ein Rabe.
  Pa auf, das siehst du heute.
    Oh Vater, rief der Knabe,
  Sind Affen denn auch Leute?
    Der Vater sprach: Nun ja,
  Nicht ganz, doch so beinah.

       *       *       *       *       *




  Zwiefach sind die Phantasieen,
    Sind ein Zauberschwesternpaar,
  Sie erscheinen, singen, fliehen
    Wesenlos und wunderbar.

  Eine ist die himmelblaue,
    Die uns froh entgegen lacht,
  Doch die andre ist die graue,
    Welche angst und bange macht.

  Jene singt von lauter Rosen,
    Singt von Liebe und Genu;
  Diese strzt den Hoffnungslosen
    Von der Brcke in den Flu.

       *       *       *       *       *




  Rtlich dmmert es im Westen
    Und der laute Tag verklingt,
  Nur da auf den hchsten sten
    Lieblich noch die Drossel singt.

  Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
    Wo es still verborgen blieb,
  Rstet sich das Volk der Schnecken
    Fr den nchtlichen Betrieb.

  Tastend streckt sich ihr Gehrne.
    Schwach nur ist das Augenlicht.
  Dennoch schon aus weiter Ferne
    Wittern sie ihr Leibgericht.

  Schleimig, sumig, aber stete,
    Immer auf dem nchsten Pfad,
  Finden sie die Gartenbeete
    Mit dem schnsten Kopfsalat.

  Hier vereint zu ernsten Dingen,
    Bis zum Morgensonnenschein,
  Nagen sie geheim und dringen
    Tief ins grne Herz hinein.

  Darum braucht die Kchin Jettchen
    Dieses Kraut nie ohne Arg.
  Sorgsam prft sie jedes Blttchen,
    Ob sich nichts darin verbarg.

  Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
    Ihres lieben gndgen Herrn.
  Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,
    Mag der alte Kerl nicht gern.

       *       *       *       *       *




      Schon viel zu lang
  Hab ich der Bosheit mich ergeben.
  Ich lasse tdten, um zu leben,
    Und bs macht bang.

    Denn niemals ruht
  Die Stimme in des Herzens Tiefe,
  Als ob es zrtlich klagend riefe:
    Sei wieder gut.

    Und frisch vom Baum
  Den allerschnsten Apfel brach ich.
  Ich biss hinein, und seufzend sprach ich,
    Wie halb im Traum:

    Du erstes Glck,
  Du alter Paradiesesfrieden,
  Da noch kein Lamm den Wolf gemieden,
    Oh komm zurck.

       *       *       *       *       *




  Wohl tausendmal schon ist er hier
    Gestorben und wiedergeboren,
  Sowohl als Mensch, wie auch als Thier,
    Mit kurzen und langen Ohren.

  Jetzt ist er ein armer blinder Mann,
    Es zittern ihm alle Glieder,
  Und dennoch, wenn er nur irgend kann,
    Kommt er noch tausendmal wieder.

       *       *       *       *       *




  Es giebt ja leider Sachen und Geschichten,
    Die reizend und pikant,
  Nur werden sie von Tanten und von Nichten
    Niemals genannt.

  Verehrter Freund, so sei denn nicht vermessen,
    Sei zart und schweig auch du.
  Bedenk: Man liebt den Kse wohl, indessen
    Man deckt ihn zu.

       *       *       *       *       *




    Auguste, wie fast jede Nichte,
  Wei wenig von Naturgeschichte.
  Zu bilden sie in diesem Fache,
  Ist fr den Onkel Ehrensache.
    Auguste, sprach er, glaub es mir,
  Die Meise ist ein nettes Thier.
  Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
  Auch ist sie schwarz wei gelb und blau.
  Hell fltet sie und klettert munter
  Am Strauch kopfber und kopfunter.
  Das hrtste Korn verschmht sie nicht,
  Sie hmmert, bis die Schale bricht.
  Mohnkpfen bohrt sie mit Verstand
  Ein Lchlein in den Unterrand,
  Weil dann die Smerei gelind
  Von selbst in ihren Schnabel rinnt.
  Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
  Der Grundsatz gilt auch fr die Meisen.
  Sie gucken scharf in alle Ritzen,
  Wo fette Kferlarven sitzen,
  Und fangen sonst noch Myriaden
  Insekten, die dem Menschen schaden,
  Und hieran siehst du auerdem,
  Wie weise das Natursystem. --
  So zeigt er, wie die Sache lag.
    Es war kurz vor Martinitag.
  Wer dann vernnftig ist und kann's
  Sich leisten, kauft sich eine Gans.
    Auch an des Onkels Auengiebel
  Hing eine solche, die nicht bel,
  Um, nackt im Freien aufgehangen,
  Die rechte Reife zu erlangen.
  Auf diesen Braten freute sich
  Der Onkel sehr und namentlich
  Vor allem auf die braune Haut,
  Obgleich er sie nur schwer verdaut.
    Martini kam, doch kein Arom
  Von Braten sprt der gute Ohm.
  Statt dessen trat voll Ungestm
  Die Nichte ein und zeigte ihm
  Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen,
  Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen,
  Zernagt beinah bis auf die Knochen.
  Kein Zweifel war, wer dies verbrochen,
  Denn deutlich lehrt der Augenschein,
  Es konnten nur die Meisen sein.
  Also ade! du braune Kruste.
    Ja, lieber Onkel, sprach Auguste,
  Die gern, nach weiblicher Manier,
  Bei einem Irrthum ihn ertappt:
  Die Meise ist ein nettes Thier.
  Da hast du wieder recht gehabt.

       *       *       *       *       *




      Von Fruchtomletts da mag berichten
  Ein Dichter aus den hhern Schichten.
    Wir aber, ohne Neid nach oben,
  Mit brgerlicher Zunge loben
  Uns Pfannekuchen und Salat.
    Wie unsre Liese delikat
  So etwas backt und zubereitet,
  Sei hier in Worten angedeutet.
    Drei Eier, frisch und ohne Fehl,
  Und Milch und einen Lffel Mehl,
  Die quirlt sie fleiig durcheinand
  Zu einem innigen Verband.
    Sodann, wenn Thrnen auch ein bel,
  Zerstckelt sie und mengt die Zwiebel
  Mit l und Salz zu einer Brhe,
  Da der Salat sie an sich ziehe.
    Um diesen ferner herzustellen,
  Hat sie Kartoffeln abzupellen.
  Da heit es, fix die Finger brauchen,
  Den Mund zu spitzen und zu hauchen,
  Denn hei geschnitten nur allein
  Kann der Salat geschmeidig sein.
    Hierauf so geht es wieder heiter
  Mit unserm Pfannekuchen weiter.
    Nachdem das Feuer leicht geschrt,
  Die Pfanne sorgsam auspoliert,
  Der Wrfelspeck hinein geschttelt,
  So da es lustig brt und brittelt,
  Pisch, kommt darber mit Gezisch
  Das ersterwhnte Kunstgemisch.
    Nun zeigt besonders und apart
  Sich Lieschens Geistesgegenwart,
  Denn nur zu bald, wie allbekannt,
  Ist solch ein Kuchen angebrannt.
    Sie prickelt ihn, sie stockert ihn,
  Sie rttelt, schttelt, lockert ihn
  Und lftet ihn, bis augenscheinlich
  Die Unterseite eben brunlich,
  Die umgekehrt geschickt und prompt
  Jetzt ihrerseits nach oben kommt.
    Geduld, es whrt nur noch ein bissel,
  Dann liegt der Kuchen auf der Schssel.
    Doch spterhin die Einverleibung,
  Wie die zu Mund und Herzen spricht,
  Das spottet jeglicher Beschreibung,
  Und darum endet das Gedicht.

       *       *       *       *       *




  Stark in Glauben und Vertrauen,
    Von der Burg mit festen Thrmen
  Kannst du dreist herniederschauen,
    Keiner wird sie je erstrmen.

    Lass sie graben, lass sie schanzen,
  Stolze Ritter, grobe Bauern,
    Ihre Flegel, ihre Lanzen
  Prallen ab von deinen Mauern.

  Aber hte dich vor Zgen
    In die Herrschaft des Verstandes,
  Denn sogleich sollst du dich fgen
    Den Gesetzen seines Landes.

  Bald umringen dich die Haufen,
    Und sie ziehen dich vom Rosse,
  Und du mut zu Fue laufen
    Schleunig heim nach deinem Schlosse.

       *       *       *       *       *




  Wie es scheint, ist die Moral
    Nicht so bald beleidigt,
  Whrend Schlauheit allemal
    Wthend sich vertheidigt.

  Nenn den Schlingel liederlich,
    Leicht wird er's verdauen;
  Nenn ihn dumm, so wird er dich,
    Wenn er kann, verhauen.

       *       *       *       *       *




    Ich bin mal so, sprach Frster Knast,
  Die Flunkerei ist mir verhasst,
  Doch sieht man oft was Sonderbares.
    Im Frhling vor fnf Jahren war es,
  Als ich stockstill, den Hahn gespannt,
  Bei Mondschein vor dem Walde stand.
  Da lt sich pltzlich flgelsausend
  Ein Kranichheer, wohl an die tausend,
  Ganz dicht zu meinen Fen nieder.
  Sie kamen aus Egypten wieder
  Und dachten auf der Reise nun
  Sich hier ein Stndchen auszuruhn.
    Ich selbstverstndlich, schlau und sacht,
  Gab sehr genau auf alles acht.
    Du, Hans, so rief der Oberkranich,
  Hast heut die Wache, drum ermahn ich
  Dich ernstlich, halt dich stramm und pass
  Gehrig auf, sonst giebt es was.
    Bald schlief ein Jeder ein und sgte.
  Hans aber stand und berlegte.
    Er nahm sich einen Kieselstein,
  Erhob ihn mit dem rechten Bein
  Und hielt sich auf dem linken nur
  In Gleichgewicht und Positur.
    Der arme Kerl war schrecklich md,
  Erst fiel das linke Augenlid,
  Das rechte blinzelt zwar noch schwach,
  Dann aber folgt's dem andern nach.
  Er schnarcht sogar. Ich denke schon:
  Wie wird es dir ergehn, mein Sohn?
  So denk ich, doch im Augenblick,
  Als ich es dachte, geht es klick!
  Der Stein fiel Hnschen auf die Zeh,
  Das weckt ihn auf, er schreit auweh!
  Er schaut sich um, hat mich gewittert,
  Pfeift, da es Mark und Bein erschttert,
  Und allsogleich im Winkelflug
  Entschwebt der ganze Heereszug
    Ich rief hurrah! und schwang den Hut.
  Der Vogel der gefiel mir gut.
  Er lebt auch noch. Schon oft seither
  Sah man ihn fern am schwarzen Meer
  Auf einem Bein auf Posten stehn.
    Dies schreibt mein Freund, der Kapitn,
  Und was er sagt, ist ohne Frage
  So wahr, als was ich selber sage.

       *       *       *       *       *




    Auf leichten Schwingen frei und flink
  Zum Lindenwipfel flog der Fink
  Und sang an dieser hohen Stelle
  Sein Morgenlied so glockenhelle.
    Ein Frosch, ein dicker, der im Grase
  Am Boden hockt, erhob die Nase,
  Strich selbstgefllig seinen Bauch
  Und denkt: Die Knste kann ich auch.
    Alsbald am rauhen Stamm der Linde
  Begann er, wenn auch nicht geschwinde,
  Doch mit Erfolg, empor zu steigen,
  Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen,
  Wobei er freilich etwas keucht,
  Den hchsten Wipfelpunkt erreicht
  Und hier sein allerschnstes Quacken
  Ertnen lt aus vollen Backen.
    Der Fink, dem dieser Wettgesang
  Nicht recht gefllt, entfloh und schwang
  Sich auf das steile Kirchendach.
    Wart, rief der Frosch, ich komme nach.
  Und richtig ist er fortgeflogen,
  Das heit, nach unten hin im Bogen,
  So da er schnell und ohne Sumen
  Nach mehr als zwanzig Purzelbumen,
  Zur Erde kam mit lautem Quack,
  Nicht ohne groes Unbehagen.
    Er fiel zum Glck auf seinen Magen,
  Den dicken weichen Futtersack,
  Sonst htt er sicher sich verletzt.
    Heil ihm! Er hat es durchgesetzt.

       *       *       *       *       *




  Geld gehrt zum Ehestande,
  Hsslichkeit ist keine Schande,
    Liebe ist beinah absurd.
  Drum, du nimmst den Junker Jochen
  Innerhalb der nchsten Wochen.
    Also sprach der Ritter Kurt.

  Vater, flehte Kunigunde.
  Schone meine Herzenswunde,
    Ganz umsonst ist dein Bemhn.
  Ja, ich schwr's bei Erd und Himmel,
  Niemals nehm ich diesen Lmmel,
    Ewig, ewig hass ich ihn.

  Nun, wenn Worte nicht mehr ntzen,
  Dann so bleibe ewig sitzen,
    Marsch mit dir in's Burgverlie.
  Zornig sagte dies der Alte,
  Als er in die feuchte kalte
    Kammer sie hinunterstie.

  Jahre kamen, Jahre schwanden,
  Nichts im Schlosse blieb vorhanden
    Auer Kunigundens Geist.
  Dort, wo graue Ratten rasseln,
  Sitzt sie zwischen Kellerasseln,
    Von dem Feuermolch umkreist.

  Heut noch ist es nicht geheuer
  In dem alten Burggemuer
    Um die Mitternacht herum.
  Wehe, ruft ein weies Wesen,
  Will denn Niemand mich erlsen?
    Doch die Wnde bleiben stumm.

       *       *       *       *       *




  Sei es freundlich, sei es bse,
    Meist gengend klar und scharf
  Klingt des Mundes Wortgetse
    Fr den tglichen Bedarf.

  Doch die Hchstgefhle heischen
    Ihren ganz besondern Klang;
  Dann sagt grunzen oder kreischen
    Mehr als Rede und Gesang.

       *       *       *       *       *




  Wie hat sich sonst so schn der Hahn
    Auf unserm Thurm gedreht
  Und damit Jedem kund gethan,
    Woher der Wind geweht.

  Doch seit dem letzten Sturme hat
    Er keinen rechten Lauf;
  Er hngt so schief, er ist so matt,
    Und Keiner schaut mehr drauf.

  Jetzt leckt man an den Finger halt
    Und hlt ihn hoch geschwind.
  Die Seite, wo der Finger kalt,
    Von daher weht der Wind.

       *       *       *       *       *




  Er liebte sie in aller Stille.
    Bescheiden, schchtern und von fern
  Schielt er nach ihr durch seine Brille
    Und hat sie doch so schrecklich gern.

  Ein Mcklein, welches an der Nase
    Des schnen Kindes saugend sa,
  Ertrnkte sich in seinem Glase.
    Es schmeckt ihm fast wie Ananas.

  Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe,
    So unvergleichlich blond und kraus.
  Einst fand er eines in der Suppe
    Und zog es hochbeglckt heraus.

  Er rollt es auf zu einem Lckchen,
    Hat's in ein Medaillon gelegt.
  Nun hngt es unter seinem Rckchen
    Da, wo sein treues Herze schlgt.

       *       *       *       *       *




    Ein eigner Kerl war Krischan Bolte.
  Er that nicht gerne, was er sollte.
  Als Kind schon ist er so gewesen.
  Religion, Rechtschreiben und Lesen
  Fielen fr ihn nicht ins Gewicht:
    Er sollte zur Schule und wollte nicht.
  Spter kam er zu Meister Pfriem.
  Der zeigte ihm redlich und sagte ihm,
  Jedoch umsonst, was seine Pflicht:
    Er sollte schustern und wollte nicht.
  Er wollte sich nun mal nicht qulen,
  Dehalb verfiel er auf das Stehlen.
  Man fasst ihn, stellt ihn vor Gericht:
    Er sollte bekennen und wollte nicht.
  Trotzdem verdammt man ihn zum Tode.
  Er aber blieb, nach seiner Mode,
  Ein widerspnstiger Bsewicht:
    Er sollte hngen und wollte nicht.

       *       *       *       *       *




  Durch das Feld ging die Familie,
    Als mit glckbegabter Hand
  Sanft errthend Frau Ottilie
    Eine Doppelhre fand.

  Was die alte Sage kndet,
    Hat sich fter schon bewhrt:
  Dem, der solche hren findet,
    Wird ein Doppelglck beschert.

  Vater Franz blickt scheu zur Seite.
    Zwei zu fnf, das wre viel.
  Kinder, sprach er, aber heute
    Ist es ungewhnlich schwl.

       *       *       *       *       *




  Suche nicht apart zu scheinen,
    Wandle auf betretnen Wegen.
  Meinst du, was die andern meinen,
    Kommt man freundlich dir entgegen.

  Mancher, auf dem Seitensteige,
    Hat sich im Gebsch verloren,
  Und da schlugen ihm die Zweige
    Links und rechts um seine Ohren.

       *       *       *       *       *




    Es hat einmal, so wird gesagt,
  Der Lwe mit dem Wolf gejagt.
  Da haben sie vereint erlegt
  Ein Wildschwein stark und gut gepflegt.
    Doch als es an's Vertheilen ging,
  Dnkt das dem Wolf ein misslich Ding.
    Der Lwe sprach: Was grbelst du?
  Glaubst du, es geht nicht redlich zu?
  Dort kommt der Fuchs, er mag entscheiden,
  Was jedem zukommt von uns beiden.
    Gut, sagt der Wolf, dem solch ein Freund
  Als Richter gar nicht bel scheint.
    Der Lwe winkt dem Fuchs sogleich:
  Herr Doctor, das ist was fr Euch.
  Hier dieses jngst erlegte Schwein,
  Bedenkt es wohl, ist mein und sein.
  Ich fasst es vorn, er griff es hinten;
  Jetzt theilt es uns, doch ohne Finten.
    Der Fuchs war ein Jurist von Fach.
  Sehr einfach, spricht er, liegt die Sach.
  Das Vordertheil, ob viel ob wenig,
  Erhlt mit Fug und Recht der Knig.
  Dir aber, Vetter Isegrimm,
  Gebhrt das Hintertheil. Da nimm!
    Bei diesem Wort trennt er genau
  Das Schwnzlein hinten von der Sau.
  Indess der Wolf verschmht die Beute.
  Verneigt sich kurz und geht beiseite.
    Fuchs, sprach der Lwe, bleibt bei mir.
  Von heut an seid Ihr Grovezier.

       *       *       *       *       *




  Mein Sohn, hast du allhier auf Erden
  Dir vorgenommen, was zu werden,
        Sei nicht zu keck;
  Und denkst du, sei ein stiller Denker.
  Nicht leicht befrdert wird der Stnker.
  Mit Demuth salbe deinen Rcken,
  Voll Ehrfurcht hast du dich zu bcken,
  Mut heucheln, schmeicheln, mut dich fgen,
  Denn selbstverstndlich nur durch Lgen
        Kommst du vom Fleck.
  Oh, thu's mit Eifer, thu's geduldig,
  Bedenk, was du dir selber schuldig.
  Das Gnnerherz wird sich erweichen,
  Und wohl verdient wirst du erreichen
        Den guten Zweck.

       *       *       *       *       *




  Wie standen ehedem die Sachen
    So neckisch da in ihrem Raum,
  Schwer war's, ein Bild davon zu machen,
    Und selbst der Beste konnt es kaum.

  Jetzt, ohne sich zu berhasten,
    Stellt man die Guckmaschine fest
  Und zieht die Bilder aus dem Kasten,
    Wie junge Spatzen aus dem Nest.

       *       *       *       *       *




    Er sa beim Frhstck uerst grmlich,
  Da sprach ein Krmchen Brot vernehmlich:
    Aha, so ist es mit dem Orden
  Fr diesmal wieder nichts geworden.
  Ja Freund, wer seinen Blick erweitert
  Und schaut nach hinten und nach vorn,
  Der preist den Kummer, denn er lutert.
  Ich selber war ein Weizenkorn.
  Mit vielen, die mir anverwandt,
  Lag ich im rauhen Ackerland.
  Bedrckt von einem Erdenklo,
  Macht ich mich muthig strebend los.
  Gleich kam ein alter Has gehupft
  Und hat mich an der Nas gezupft,
  Und als es Winter ward, verfror,
  Was peinlich ist, mein linkes Ohr,
  Und als ich reif mit meiner Sippe,
  O weh, da hat mit seiner Hippe
  Der Hans uns rutschweg abgesbelt,
  Und zum Ersticken festgeknebelt
  Und auf die Tenne fortgeschafft,
  Wo ihrer vier mit voller Kraft
  In regelrechtem Flegeltakte
  Uns klopften, da die Schwarte knackte.
  Ein Esel trug uns nach der Mhle.
  Ich sage dir, das sind Gefhle,
  Wenn man, zerrieben und gedrillt
  Zum allerfeinsten Staubgebild,
  Sich kaum besinnt und fast vergisst,
  Ob Sonntag oder Montag ist.
  Und schlielich schob der Bckermeister,
  Nachdem wir erst als zher Kleister
  In seinem Troge ba gehudelt,
  Vermengt, geknetet und vernudelt,
  Uns in des Ofens hchste Gluth.
  Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
  Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
  Greif zu und schneide nicht zu knapp
  Und streiche tchtig Butter drber
  Und gieb den Andern auch was ab.

       *       *       *       *       *




  Man ist ja von Natur kein Engel,
   Vielmehr ein Welt- und Menschenkind,
  Und rings umher ist ein Gedrngel
    Von Solchen, die dasselbe sind.

  In diesem Reich geborner Flegel,
    Wer knnte sich des Lebens freun,
  Wrd es versumt, schon frh die Regel
    Der Rcksicht krftig einzublun.

  Es saust der Stock, es schwirrt die Ruthe.
    Du darfst nicht zeigen, was du bist.
  Wie schad, o Mensch, da dir das Gute
    Im Grunde so zuwider ist.

       *       *       *       *       *




  Der Stoffel wankte frohbewegt
    Spt in der Nacht nach Haus.
  Da ging, wie das zu kommen pflegt,
    Ihm seine Pfeife aus.

  Wer raucht, der raucht nicht gerne kalt.
    Wie freut sich Stoffel da,
  Als er ganz dicht vor sich im Wald
    Ein Kohlenfeuer sah.

  Die Kohlen glhn in einem Topf.
    Der frohe Stoffel drckt
  Gleich eine in den Pfeifenkopf
    Und zieht als wie verrckt.

  Wohl sieht er, wie die Kohle glht,
    Nur da sie gar nicht brennt.
  Da berluft es sein Gemth,
    Er flucht Potzzapperment.

  Das Wort war hier nicht recht am Platz.
    Es folgt ein Donnerschlag.
  Versunken ist der Zauberschatz
    Bis an den jngsten Tag.

  Die Pfeife fllt vor Schreck und Graus
    Auf einen harten Stein.
  Ein Golddukaten rollt heraus
    Blitzblank im Mondenschein.

  Von nun an, denkt der Stoffel schlau,
    Schweig ich am rechten Ort.
  Er kehrte heim zu seiner Frau
    Und sprach kein einzig Wort.

       *       *       *       *       *




  Wie dunkel ist der Lebenspfad,
    Den wir zu wandeln pflegen.
  Wie gut ist da ein Apparat
    Zum Denken und Erwgen.

  Der Menschenkopf ist voller List
    Und voll der schnsten Kniffe;
  Er wei, wo was zu kriegen ist
    Und lehrt die rechten Griffe.

  Und weil er sich so ntzlich macht,
    Behlt ihn jeder gerne.
  Wer stehlen will, und zwar bei Nacht,
    Braucht eine Diebslaterne.

       *       *       *       *       *




  Unter all den hbschen Dingen
    In der warmen Sommerzeit
  Ist ein Corps von Schmetterlingen
    Recht ergtzlich insoweit.

  Bist du dann zu deinem Wohle
    In den Garten hinspaziert,
  Siehst du ber deinem Kohle
    Muntre Tnze aufgefhrt.

  Wei gekleidet und behende
    Flattert die vergngte Schar,
  Bis da Lieb und Lust zu Ende
    Wieder mal fr dieses Jahr.

  Zum getreuen Angedenken,
    Auf den Blttern kreuz und quer,
  Lassen sie zurck und schenken
    Dir ein schnes Raupenheer.

  Leidest du, da diese Sippe
    Weiter frisst, wie sie begehrt,
  Kriegst du, nebst dem Blattgerippe,
    Nur noch Proben ohne Werth.

  Also ist es zu empfehlen,
    Lieber Freund, da du dich bckst
  Und sehr viele Raupenseelen,
    Pitsch, aus ihren Huten drckst.

  Denn nur der ist wirklich weise,
    Der auch in die Zukunft schaut.
  Denk an deine Lieblingsspeise:
    Schweinekopf mit Sauerkraut.

       *       *       *       *       *




    Fing man vorzeiten einen Dieb,
  Hing man ihn auf mit Schnellbetrieb,
  Und meinte man, er sei verschieden,
  Ging man nachhaus und war zufrieden.
    Ein Wandrer von der weichen Sorte
  Kam einst zu solchem Galgenorte
  Und sah, da oben Einer hngt,
  Dem krzlich man den Hals verlngt.
    Sogleich, als er ihn baumeln sieht,
  Zerfliet in Thrnen sein Gemth.
    Ich will den armen Schelm begraben,
  Denkt er, sonst fressen ihn die Raben.
    Nicht ohne Mh, doch mit Geschick,
  Klimmt er hinauf und lst den Strick;
  Und Jener, der im Wind geschwebt,
  Liegt unten, scheinbar unbelebt.
    Siehda, nach nderung der Lage
  Tritt neu die Lebenskraft zutage,
  So da der gute Delinquent
  Die Welt ganz deutlich wiederkennt.
    Zrtlich, als wr's der eigne Vetter,
  Umarmt er seinen Lebensretter,
  Nicht ein Mal, sondern noch ein Mal,
  Vor Freude nach so groer Qual.
    Mein lieber Mitmensch, sprach der Wandrer,
  Geh in dich, sei hinfr ein Andrer.
  Zum Anfang fr dein neues Leben
  Werd ich dir jetzt zwei Gulden geben.
    Das Geben that ihm immer wohl.
  Rasch griff er in sein Kamisol,
  Wo er zur langen Pilgerfahrt
  Den vollen Sckel aufbewahrt.
  Er sucht und sucht und fand ihn nicht,
  Und lnger wurde sein Gesicht.
  Er sucht und suchte, wie ein Narr,
  Weit wird der Mund, das Auge starr,
  Bald ist ihm hei, bald ist ihm kalt.
    Der Dieb verschwand im Tannenwald.

       *       *       *       *       *




  Die Tugend will nicht immer passen,
    Im ganzen lt sie etwas kalt,
  Und da man eine unterlassen,
    Vergit man bald.

  Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,
    Der von vergangnen Zeiten trumt,
  An die Gelegenheit zum Laster,
    Die er versumt.

       *       *       *       *       *




    Ein Fuchs voll flchtiger Moral
  Und unbedenklich, wenn er stahl,
  Schlich sich beinacht zum Hhnerstalle
  Von einem namens Jochen Dralle,
  Der, weil die Mhe ihn verdross,
  Die Thr mal wieder nicht verschloss.
    Er hat sich, wie er immer pflegt,
  So wie er war zubett gelegt.
  Er schlief und schnarchte auch bereits.
    Frau Dralle, welche ihrerseits
  Noch wachte, denn sie hat die Grippe,
  Stie Jochen an die kurze Rippe.
  Du, rief sie flsternd, hr doch blo,
  Im Hhnerstall da ist was los;
  Das ist der Fuchs der alte Racker.
    Und schon ergriff sie khn und wacker
  Obgleich sie nur im Nachtgewand,
  Den Besen, der am Ofen stand,
  Inde der Jochen leise flucht
  Und erst mal Licht zu machen sucht.
    Sie ging voran, er hinterdrein.
  Es pfeift der Wind, die Hhner schrein.
    Nur zu, mahnt Jochen, sei nur dreist
  Und sag Bescheid, wenn er dich beit.
    Umsonst sucht sich der Dieb zu drcken
  Vor Madam Dralles Geierblicken.
  Sie schlgt ihm unaussprechlich schnelle
  Zwei drei mal an derselben Stelle
  Mit ihres Besens hartem Stiel
  Auf's Nasenbein. Das war zuviel. --
    Ein Jeder kriegt, ein Jeder nimmt
  In dieser Welt, was ihm bestimmt.
    Der Fuchs, nachdem der Balg herab,
  Bekommt ein Armesndergrab.
    Frau Dralle, weil sie leichtgesinnt
  Sich ausgesetzt dem Winterwind
  Zum Trotz der Selbsterhaltungspflicht,
  Kriegt zu der Grippe noch die Gicht.
    Doch Jochen kriegte hocherfreut
  Infolge der Gelegenheit
  Von Pelzwerk eine warme Kappe
  Mit Vorder- und mit Hinterklappe.
    Stets hie es dann, wenn er sie trug:
  Der ist es, der den Fuchs erschlug.

       *       *       *       *       *




      Ein gutes Thier
      Ist das Klavier,
  Still, friedlich und bescheiden,
      Und mu dabei
      Doch vielerlei
  Erdulden und erleiden.

      Der Virtuos
      Strzt darauf los
  Mit hochgestrubter Mhne.
      Er ffnet ihm
      Voll Ungestm
  Den Leib, gleich der Hyne.

      Und rasend wild,
      Das Herz erfllt
  Von mrderlicher Freude,
      Durchwhlt er dann,
      Soweit er kann,
  Des Opfers Eingeweide.

      Wie es da schrie,
      Das arme Vieh,
  Und unter Angstgewimmer
      Bald hoch, bald tief
      Um Hlfe rief,
  Vergess ich nie und nimmer.

       *       *       *       *       *




  Dich freut die warme Sonne.
    Du lebst im Monat Mai.
  In deiner Regentonne
    Da rhrt sich allerlei.

  Viel kleine Thierlein steigen
    Bald auf- bald niederwrts,
  Und, was besonders eigen,
    Sie atmen mit dem Sterz.

  Noch sind sie ohne Tcken,
    Rein kindlich ist ihr Sinn.
  Bald aber sind sie Mcken
    Und fliegen frei dahin.

  Sie fliegen auf und nieder
    Im Abendsonnenglanz
  Und singen feine Lieder
    Bei ihrem Hochzeitstanz.

  Du gehst zu Bett um zehne,
    Du hast zu schlafen vor,
  Dann hrst du jene Tne
    Ganz dicht an deinem Ohr.

  Drckst du auch in die Kissen
    Dein werthes Angesicht,
  Dich wird zu finden wissen
    Der Rssel, welcher sticht.

  Merkst du, da er dich impfe,
    So reib mit Salmiak
  Und dreh dich um und schimpfe
    Auf dieses Mckenpack.

       *       *       *       *       *




    Es geht ja leider nur soso
  Hier auf der Welt, sprach Salomo.
  Dies war verzeihlich. Das Geschnatter
  Von tausend Frauen, denn die hatt er,
  Macht auch den Besten ungerecht.
    Uns aber geht es nicht so schlecht.
  Wer, wie es Brauch in unsern Tagen,
  Nur Eine hat, der soll nicht sagen
  Und klagen, was doch mancher thut:
  Ich bin fr diese Welt zu gut.
    Selbst, wem es fehlt an dieser Einen,
  Der braucht darob nicht gleich zu weinen
  Und sich kopfber zu ertrnken.
  Er hat, das mag er wohl bedenken,
  Am Weltgebude mitgezimmert
  Und allerlei daran verschlimmert.
  Und wenn er so in sich gegangen,
  Gewissenhaft und unbefangen,
  Dann kusch er sich und denke froh:
  Gottlob, ich bin kein Salomo;
  Die Welt, obgleich sie wunderlich,
  Ist mehr als gut genug fr mich.

       *       *       *       *       *




    Wer Bildung hat, der ist emprt,
  Wenn er so schrecklich fluchen hrt.
    Dies Nasowolltich, dies Parbl,
  Dies ewige Ojemineh,
  Dies Eipotztausendnocheinmal,
  Ist das nicht eine Ohrenqual?
  Und gar Dadichdasmusleinbei߫,
  Da wird mir's immer kalt und hei.
    Wie oft wohl sag ich: Es ist hlich,
  Ist unanstndig, roh und grlich.
  Ich bitt und flehe: Lasst es sein,
  Denn es ist sndlich. Aber nein,
  Vergebens ring ich meine Hnde,
  Die Flucherei nimmt doch kein Ende.

       *       *       *       *       *




    Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand,
  Die gingen immer Hand in Hand,
  Und selbst in einer Herzensfrage
  Trat ihre Einigkeit zutage.
    Sie liebten beide Nachbars Kthchen,
  Ein blondgelocktes kleines Mdchen.
    Einst sagte die verschmitzte Dirne:
  Wer holt mir eine Sommerbirne,
  Recht saftig, aber nicht zu klein?
  Hernach soll er der Beste sein.
    Der Fritz nahm seinen Freund beiseit
  Und sprach: Das machen wir zu zweit;
  Da drben wohnt der alte Schramm,
  Der hat den schnsten Birnenstamm;
  Du steigst hinauf und schttelst sacht,
  Ich lese auf und gebe acht.
    Gesagt gethan. Sie sind am Ziel.
  Schon als die erste Birne fiel,
  Macht Fritz damit sich aus dem Staube,
  Denn eben schlich aus dunkler Laube,
  In fester Faust ein spanisch Rohr,
  Der aufmerksame Schramm hervor.
    Auch Ferdinand sah ihn beizeiten
  Und tht am Stamm herunter gleiten
  In ngstlichkeit und groer Hast,
  Doch eh er unten Fu gefasst,
  Begrt ihn Schramm bereits mit Streichen,
  Als wollt er einen Stein erweichen.
    Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze,
  Entfloh und suchte seinen Fritze.
    Wie angewurzelt blieb er stehn.
  Ach htt er es doch nie gesehn:
    Die Kthe hat den Fritz geksst,
  Worauf sie eine Birne isst.
    Seit dies geschah, ist Ferdinand
  Mit Fritz nicht mehr so gut bekannt.

       *       *       *       *       *




      Wem's in der Unterwelt zu still,
  Wer oberhalb erscheinen will,
  Der baut sich, je nach seiner Weise,
  Ein sichtbarliches Wohngehuse.
    Er ist ein blinder Architekt,
  Der selbst nicht wei, was er bezweckt.
  Dennoch verfertigt er genau
  Sich kunstvoll seinen Leibesbau,
  Und sollte mal was dran passieren,
  Kann er's verputzen und verschmieren,
  Und ist er etwa gar ein solch
  Geschicktes Thierlein, wie der Molch,
  Dann ist ihm alles einerlei,
  Und wr's ein Bein, er macht es neu.
    Nur schad, da, was so froh begrndet,
  So traurig mit der Zeit verschwindet,
  Wie schlielich jeder Bau hienieden,
  Sogar die stolzen Pyramiden.

       *       *       *       *       *




  Es ist ein recht beliebter Bau.
    Wer wollte ihn nicht loben?
  Drin wohnt ein Mann mit seiner Frau,
    Sie unten und er oben.

  Er, als ein schlaugewiegter Mann,
    Hlt viel auf weise Lehren,
  Sie, ungestm und drauf und dran,
    Thut das, was ihr Begehren.

  Sie lt ihn reden und begeht,
    Blind, wie sie ist, viel Wstes,
  Und bringt sie das in Schwulitt,
    Na, sagt er khl, da siehst es.

  Vereinen sich jedoch die zwei
    Zu traulichem Verbande,
  Dann kommt die schnste Lumperei
    Hbsch regelrecht zustande.

  So geht's in diesem Hause her.
    Man mchte fast erschrecken.
  Auch ist's beweglich, aber mehr
    Noch als das Haus der Schnecken.

       *       *       *       *       *




  In einem Huschen, sozusagen --
  (Den ersten Stock bewohnt der Magen)
  In einem Huschen war's nicht richtig.
  Darinnen spukt und tobte tchtig
  Ein Kobold, wie ein wildes Bbchen,
  Vom Keller bis zum Oberstbchen.
  Frwahr, es war ein bs Gets.
  Der Hausherr wird zuletzt nervs,
  Und als ein desperater Mann
  Steckt er kurzweg sein Huschen an
  Und baut ein Haus sich anderswo
  Und meint, da ging es ihm nicht so.
  Allein, da sieht er sich betrogen.
  Der Kobold ist mit umgezogen
  Und macht Spektakel und Rumor
  Viel rger noch, als wie zuvor.
  Ha, rief der Mann, wer bist du, sprich.
  Der Kobold lacht: Ich bin dein Ich.

       *       *       *       *       *




  Zu Olims Zeit, auf der Oase,
    Am Quell, wo schlanke Palmen stehen,
  Sa einst das Vterchen im Grase
    Und hatte allerlei Ideeen.

  Gern sprach davon der Hochverehrte
    Zu seinen Shnen, seinen Tchtern,
  Und das Gelehrte, oft Gehrte
    Ging von Geschlechte zu Geschlechtern.

  Auch wir, in mancher Abendstunde,
    Wenn treue Liebe uns bewachte,
  Vernahmen froh die gute Kunde
    Von dem, was Vterchen erdachte.

  Und sicher klingt das frh Gewusste
    So lang in wohlgeneigte Ohren,
  Bis auf der kalten Erdenkruste
    Das letzte Menschenherz erfroren.

       *       *       *       *       *




  Gehorchen wird jeder mit Genuss
    Den Frauen, den hochgeschtzten,
  Hingegen machen uns meist Verdruss
    Die sonstigen Vorgesetzten.

  Nur wenn ein kleines Missgeschick
    Betrifft den Treiber und Leiter,
  Dann fhlt man fr den Augenblick
    Sich sehr befriedigt und heiter.

  Als neulich am Sonntag der Herr Pastor
    Eine peinliche Pause machte,
  Weil er den Faden der Rede verlor,
    Da duckt sich der Kster und lachte.

       *       *       *       *       *




  Abends, wenn die Heimchen singen,
    Wenn die Lampe dster schwehlt,
  Hr ich gern von Spukedingen,
    Was die Tante mir erzhlt.

  Wie es klopfte in den Wnden,
    Wie der alte Schrank geknackt,
  Wie es einst mit kalten Hnden
    Mutter Urschel angepackt,

  Wie man oft ein leises Jammern
    Grad um Mitternacht gehrt,
  Oben in den Bodenkammern,
    Scheint mir hchst bemerkenswerth.

  Doch erzhlt sie gar das Mrchen
    Von dem Geiste ohne Kopf,
  Dann erhebt sich jedes Hrchen
    Schaudervoll in meinem Schopf.

  Und ich kann es nicht verneinen,
    Da es bse Geister giebt,
  Denn ich habe selber einen,
    Der schon manchen Streich verbt.

       *       *       *       *       *




  Frau Welt, was ist das nur mit euch?
    Herr Walter sprach's, der alte.
  Ihr werdet grau und faltenreich
    Und traurig von Gestalte.

  Frau Welt darauf erwidert schnippsch:
    Mein Herr, seid lieber stille.
  Ihr scheint mir auch nicht mehr so hbsch
    Mit eurer schwarzen Brille.

       *       *       *       *       *




  Lache nicht, wenn mit den Jahren
    Lieb und Freundlichkeit vergehen,
  Was Paulinchen ist geschehen,
    Kann auch dir mal widerfahren.

  Sieh nur, wie verndert hat sich
    Unser guter Kchenbesen.
  Er, der sonst so weich gewesen,
    Ist jetzunder stumpf und kratzig.

       *       *       *       *       *




      Hans, der soeben in der Stadt
  Sein fettes Schwein verwerthet hat,
  Ging spt nachhaus bei Mondenschein.
  Ein Fremder folgt und holt ihn ein.
    Grgott, rief Hans, das trifft sich gut,
  Zuzweit verdoppelt sich der Muth.
    Der Fremde denkt: Ha zapperlot,
  Der Kerl hat Geld, ich schlag ihn todt,
  Nur nicht von vorn, da er es sieht,
  Dagegen strubt sich mein Gemth.
    Und weiter gehn sie allgemach,
  Der Hans zuvor, der Fremde nach.
    Jetzt, denkt sich dieser, mach ich's ab,
  Er hob bereits den Knotenstab.
    Was gilt die Butter denn bei euch?
  Fragt Hans und dreht sich um zugleich.
    Der Fremde schweigt, der Fremde stutzt,
  Der Knittel senkt sich unbenutzt.
    Und weiter gehn sie allgemach,
  Der eine vor, der andre nach.
    Hier, wo die dunklen Tannen stehn,
  Hier, denkt der Fremde, soll's geschehn.
    Spielt man auch Skat bei euch zuland?
  Fragt Hans und hat sich umgewandt.
    Der Fremde nickt und steht verdutzt,
  Der Knittel senkt sich unbenutzt.
    Und weiter gehn sie allgemach,
  Der eine vor, der andre nach.
    Hier, denkt der Fremde, wo das Moor,
  Hier hau ich fest ihm hinter's Ohr.
    Und wieder dreht der Hans sich um.
  Prost, rief er frhlich, mgt ihr Rum?
  Und zog ein Flschlein aus dem Rock.
    Der Fremde senkt den Knotenstock,
  Tht einen Zug, der war nicht schwach,
  Und weiter gehn sie allgemach.
    Schon sind sie aus dem Wald heraus,
  Und schau, da steht das erste Haus.
  Es krht der Hahn, es bellt der Spitz.
    Dies rief der Hans, ist mein Besitz.
  Tritt ein du ehrlicher Gesell
  Und nimm den Dank fr dein Geleit.
    Doch der Gesell entfernt sich schnell,
  Vermuthlich aus Bescheidenheit.

       *       *       *       *       *




  Ein weies Ktzchen voller Schliche,
    Ging heimlich, weil es gerne schleckt,
  Des abends in die Nachbarkche.
    Wo man es leider bald entdeckt.

  Mit Besen und mit Feuerzangen
    Gejagt in alle Ecken ward's.
  Es fuhr zuletzt voll Todesbangen
    Zum Schlot hinaus und wurde schwarz.

  Ja, siehst du wohl, mein liebes Herze?
    Wer schlecken will, was ihm gefllt,
  Der kommt nicht ohne Schmutz und Schwrze
    Hinaus aus dieser bsen Welt.

       *       *       *       *       *




  Es wchst wohl auf der Haide
    Und in des Waldes Raum
  Ein Baum zu Nutz und Freude,
    Genannt der Birkenbaum.

  Die Schuh, daraus geschnitzet,
    Sind freundlich von Gestalt.
  Wohl dem, der sie besitzet,
    Ihm wird der Fu nicht kalt.

  Es ist die weie Rinde
    Zu Tabaksdosen gut,
  Als theures Angebinde
    Fr den, der schnupfen thut.

  Man zapfet aus der Birke
    Sehr angenehmen Wein,
  Man reibt sich, da es wirke,
    Die Glatze damit ein.

  Dem Birkenreiserbesen
    Gebhret Preis und Ehr;
  Das strkste Kehrichtwesen
    Das treibt er vor sich her.

  Von Birken eine Ruthe,
    Gebraucht am rechten Ort,
  Befrdert oft das Gute
    Mehr, als das beste Wort.

  Und kommt das Fest der Pfingsten,
    Dann schmckt mir fein das Haus,
  Ihr, meine liebsten Jngsten,
    Mit Birkenzweigen aus.

       *       *       *       *       *




     Der Ruhm, wie alle Schwindelware,
  Hlt selten ber tausend Jahre.
  Zumeist vergeht schon etwas ehr
  Die Haltbarkeit und die Kulr.
     Ein Schmetterling voll Eleganz,
  Genannt der Ritter Schwalbenschwanz,
  Ein Exemplar von erster Gte,
  Begrte jede Doldenblthe
  Und holte hier und holte da
  Sich Nektar und Ambrosia.
     Mitunter macht er sich auch breit
  In seiner ganzen Herrlichkeit
  Und zeigt den Leuten seine Orden
  Und ist mit recht berhmt geworden.
     Die jungen Mdchen fanden dies
  Entzckend, goldig, reizend, s.
     Vergeblich schwenkten ihre Mtzen
  Die Knaben, um ihn zu besitzen.
     Sogar der Spatz hat zugeschnappt
  Und htt ihn um ein Haar gehabt.
     Jetzt aber naht sich ein Student,
  Der seine Winkelzge kennt.
     In einem Netz mit engen Maschen
  Tht er den Flchtigen erhaschen,
  Und da derselbe ohne Tadel,
  Spiet er ihn auf die heie Nadel.
     So kam er unter Glas und Rahmen
  Mit Datum, Jahreszahl und Namen
  Und bleibt berhmt und unvergessen,
  Bis ihn zuletzt die Motten fressen.
     Man mchte weinen, wenn man sieht,
  Da dies das Ende von dem Lied.

       *       *       *       *       *




  Der schne Sommer ging von hinnen,
    Der Herbst, der reiche zog in's Land.
  Nun weben all die guten Spinnen
    So manches feine Festgewand.

  Sie weben zu des Tages Feier
    Mit kunstgebtem Hinterbein
  Ganz allerliebste Elfenschleier
    Als Schmuck fr Wiese, Flur und Hain.

  Ja, tausend Silberfden geben
    Dem Winde sie zum leichten Spiel,
  Die ziehen sanft dahin und schweben
    An's unbewusst bestimmte Ziel.

  Sie ziehen in das Wunderlndchen,
    Wo Liebe scheu im Anbeginn,
  Und leis verknpft ein zartes Bndchen
    Den Schfer mit der Schferin.

       *       *       *       *       *




  Habt ihr denn wirklich keinen Schimmer
    Von Angst, da ihr noch ruhig schlaft?
  Wird denn in dieser Welt nicht immer
    Das Leben mit dem Tod bestraft?

  Ihr lebt vergngt trotz dem Verhngni,
    Das nher stets und nher zieht.
  So stiehlt der Dieb, dem das Gefngni
    Und spter gar der Galgen blht.

  Hr auf, entgegnet frech die Jugend,
    Du altes Jammerinstrument.
  Man merkt es gleich: du bist die Tugend,
    Die Keinem sein Vergngen gnnt.

       *       *       *       *       *




     Ein Philosoph von ernster Art
  Der sprach und strich sich seinen Bart:
     Ich lache nie. Ich lieb es nicht,
  Mein ehrenwerthes Angesicht
  Durch Zhnefletschen zu entstellen
  Und nrrisch wie ein Hund zu bellen;
  Ich lieb es nicht durch ein Gemecker
  Zu zeigen, da ich Witzentdecker;
  Ich brauche nicht durch Werthvergleichen
  Mit Andern mich herauszustreichen,
  Um zu ermessen, was ich bin,
  Denn dieses wei ich ohnehin.
     Das Lachen will ich berlassen
  Den minder hochbegabten Klassen.
     Ist einer ohne Selbstvertraun
  In Gegenwart von schnen Fraun,
  So da sie ihn als faden Gecken
  Abfahren lassen oder necken,
  Und fhlt er drob geheimen Groll
  Und wei nicht, was er sagen soll,
  Dann schwebt mit Recht auf seinen Zgen
  Ein unaussprechliches Vergngen.
     Und hat er Kursverlust erlitten,
  Ist er moralisch ausgeglitten,
  So giebt es Leute, die doch immer
  Noch dmmer sind als er und schlimmer.
  Und hat er etwa krumme Beine,
  So giebt's noch krmmere als seine.
  Er trstet sich und lacht darber
  Und denkt: Da bin ich mir doch lieber.
     Den Teufel lass ich aus dem Spiele.
  Auch sonst noch lachen ihrer Viele,
  Besonders jene ewig Heitern,
  Die unbewusst den Mund erweitern.
  Die so zu sagen, auserkoren
  Zum Lachen bis an beide Ohren.
     Sie freuen sich mit Weib und Kind
  Schon blo, weil sie vorhanden sind.
     Ich dahingegen, der ich sitze
  Auf der Betrachtung hchster Spitze,
  Weit ber allem Was und Wie,
  Ich bin fr mich und lache nie.

       *       *       *       *       *




  Was er liebt, ist Keinem fraglich;
  Triumphirend und behaglich
     Nimmt es seine Seele ein
     Und befiehlt: So soll es sein.

  Suche nie, wo dies geschehen,
  Widersprechend vorzugehen,
     Sintemalen im Gemth
     Schon die hchste Macht entschied.

  Ungestrt in ihren Lauben
  Lass die Liebe, lass den Glauben,
     Der, wenn man es recht ermisst,
     Auch nur lauter Liebe ist.

       *       *       *       *       *




  Du liebes Plappermulchen,
  Bedenk dich erst ein Weilchen,
     Und sprich nicht so geschwind.
  Du bist wie unsre Mhle
  Mit ihrem Flgelspiele
     Im frischen Sausewind.

  So lang der Mller thtig
  Und schttet auf was nthig,
     Geht alles richtig zu;
  Doch ist kein Korn darinnen,
  Dann kommt das Werk von Sinnen,
     Und klappert so wie du.

       *       *       *       *       *




  Des morgens frh, sobald ich mir
    Mein Pfeifchen angezndet,
  Geh ich hinaus zur Hinterthr,
    Die in den Garten mndet.

  Besonders gern betracht ich dann
    Die Rosen, die so niedlich;
  Die Blattlaus sitzt und saugt daran
    So grn, so still, so friedlich.

  Und doch wird sie, so still sie ist,
    Der Grausamkeit zur Beute;
  Der Schwebefliegen Larve frit
    Sie auf bis auf die Hute.

  Schluppwespchen flink und klimperklein,
    So sehr die Laus sich strube,
  Sie legen doch ihr Ei hinein
    Noch bei lebendgem Leibe.

  Sie aber sorgt nicht nur mit Flei
    Durch Eier fr Vermehrung;
  Sie kriegt auch Junge hundertweis
    Als weitere Bescherung.

  Sie nhrt sich an dem jungen Schaft
    Der Rosen, eh sie welken;
  Ameisen kommen, ihr den Saft
    Sanft streichelnd abzumelken.

  So seh ich in Betriebsamkeit
    Das hbsche Ungeziefer
  Und rauche whrend dieser Zeit
    Mein Pfeifchen tief und tiefer.

  Da keine Rose ohne Dorn,
    Bringt mich nicht aus dem Huschen.
  Auch sag ich ohne jeden Zorn:
    Kein Rslein ohne Luschen!

       *       *       *       *       *




  Stoffel hackte mit dem Beile.
    Dabei that er sich sehr wehe,
  Denn er traf in aller Eile
    Ganz genau die groe Zehe.

  Ohne jedes Schmerzgewimmer,
    Nur mit Ruh, mit einer festen,
  Sprach er: Ja, ich sag es immer,
    Nebenzu trifft man am besten.

       *       *       *       *       *




      Die Mutter plagte ein Gedanke.
  Sie kramt im alten Kleiderschranke,
  Wo Kurz und Lang, obschon gedrngt,
  Doch friedlich, bei einander hngt.
     Auf einmal ruft sie: Ei sieh da,
  Der Schwalbenschwanz, da ist er ja!
    Den blauen, lngst nicht mehr bentzten,
  Den hinten zwiefach zugespitzten,
  Mit blanken Knpfen schn geschmckt,
  Der einst so manches Herz berckt,
  Ihn trgt sie klug und berlegt
  Dahin, wo sie zu schneidern pflegt,
  Und trennt und wendet, nht und misst,
  Bis da das Werk vollendet ist.
     Auf die Art aus des Vaters Fracke
  Kriegt Fritzchen eine neue Jacke.
     Grad so behilft sich der Poet.
  Du liebe Zeit, was soll er machen?
  Gebraucht sind die Gedankensachen
  Schon alle, seit die Welt besteht.

       *       *       *       *       *




  Als ich in Jugendtagen
     Noch ohne Grbelei,
  Da meint ich mit Behagen,
     Mein Denken wre frei.

  Seitdem hab ich die Stirne
     Oft auf die Hand gesttzt
  Und fand, da im Gehirne
     Ein harter Knoten sitzt.

  Mein Stolz der wurde kleiner.
     Ich merkte mit Verdruss:
  Es kann doch Unsereiner
     Nur denken, wie er muss.

       *       *       *       *       *




    Im Hochgebirg vor seiner Hhle
  Sa der Asket;
  Nur noch ein Rest von Leib und Seele
  Infolge uerster Dit.
    Demthig ihm zu Fen kniet
  Ein Jngling, der sich lngst bemht,
  Des strengen Bers strenge Lehren
  Nachdenklich prfend anzuhren.
    Grad schliet der Klausner den Sermon
  Und spricht: Bekehre dich, mein Sohn.
  Verlass das bse Weltgetriebe.
  Vor allem unterlass die Liebe,
  Denn grade sie erweckt auf's Neue
  Das Leben und mit ihm die Reue.
  Da schau mich an. Ich bin so leicht,
  Fast hab ich schon das Nichts erreicht,
  Und bald verschwind ich in das reine
  Zeit- raum- und traumlos Allundeine.
    Als so der Meister in Ekstase,
  Sticht ihn ein Bienchen in die Nase.
    Oh, welch ein Schrei!
  Und dann das Mienenspiel dabei.
    Der Jngling stutzt und ruft: Was seh ich?
  Wer solchermaen leidensfhig,
  Wer so gefhlvoll und empfindlich,
  Der, frcht ich, lebt noch viel zu grndlich
  Und stirbt noch nicht zum letzten Mal.
    Mit diesem khlen Wort empfahl
  Der Jngling sich und stieg hernieder
  Ins tiefe Thal und kam nicht wieder.

       *       *       *       *       *




  Nachbar Nickel ist verdrielich,
    Und er darf sich wohl beklagen,
  Weil ihm seine Plne schlielich
    Alle gnzlich fehl geschlagen.

  Unsre Ziege starb heut Morgen.
    Geh und sag's ihm, lieber Knabe!
  Da er nach so vielen Sorgen
    Auch mal eine Freude habe.

       *       *       *       *       *




    Er war nicht unbegabt. Die Geisteskrfte
  Gengten fr die laufenden Geschfte.
  Nur hatt er die Marotte,
  Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gern,
  Fr jedermann zum rgerniss und Spotte,
  Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn.
     Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte,
  Fand ihn hchst aufgeregt. Er fluchte:
  Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm.
  Ich soll ein Narr sein und wei nicht warum.
     Ja, sprach der Freund, so sind die Leute.
  Man hat an einem Papst genug.
  Du bist der zweite.
  Das eben kann man nicht vertragen.
  Hr zu, ich will dir mal was sagen:
  Wer schweigt, ist klug.
     Der Narr verstummt, als ob er berlege.
  Der gute Freund ging leise seiner Wege.
     Und schau, nach vierzehn Tagen grade
  Da traf er ihn schon auf der Promenade.
     Ei, rief der Freund, wo kommst du her?
  Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr?
     Freund, sprach der Narr und lchelt schlau,
  Du scheinst zur Neugier sehr geneigt.
  Das, was wir sind, wei ich genau.
  Wir alle haben unsern Sparren,
  Doch sagen thun es nur die Narren.
  Der Weise schweigt.

       *       *       *       *       *




  Als Kind von angenehmen Zgen
     War Rschen ein gar lustig Ding.
  Gern zupfte sie das Bein der Fliegen,
     Die sie geschickt mit Spucke fing.

  Sie wuchs, und grere Objekte
     Lockt sie von nun an in ihr Garn,
  Nicht nur die jungen, nein, sie neckte
     Und rupft auch manchen alten Narrn.

  Inzwischen that in stillem Walten
     Die Zeit getreulich ihre Pflicht.
  Durch wundersame Bgelfalten
     Verziert sie Rschens Angesicht.

  Und locker wurden Rschens Zhne.
     Kein Freier stellte sich mehr ein.
  Und schlielich kriegt sie gar Migrne,
     Und die pflegt dauerhaft zu sein.

  Dies fhrte sie zum Aberglauben,
     Obwohl sie sonst nicht glubig schien.
  Sie meinte fest, da Turteltauben
     Den Schmerz der Menschen an sich ziehn.

  Zwei Stck davon hat sie im Bauer,
     Ein Prchen, welches zrtlich girrt;
  Jetzt liegt sie tglich auf der Lauer,
     Ob ihnen noch nicht bel wird.

       *       *       *       *       *




     Ein Dornstrauch stand im Wiesenthal,
  An einer Stiege, welche schmal,
  Und ging vorber irgend wer,
  Den griff er an und kratzte er.
     Ein Lmmlein kam daher gehupft.
  Das hat er ebenfalls gerupft.
     Es sieht ihn traurig an und spricht:
  Du brauchst doch meine Wolle nicht,
  Und niemals that ich dir ein Leid.
  Wehalb zerrupfst du denn mein Kleid?
  Es thut mir weh und ist auch schad.
     Ei, rief der Freche, darum grad.

       *       *       *       *       *




  Miezel, eine schlaue Katze,
    Molly, ein begabter Hund,
  Wohnhaft an demselben Platze,
    Hassten sich aus Herzensgrund.

  Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
    Bei gestrubter Haarfrisur,
  Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
    Ist von Liebe keine Spur.

  Doch wenn Miezel in dem Baume,
    Wo sie meistens hin entwich,
  Friedlich dasitzt, wie im Traume,
    Dann ist Molly auer sich.

  Beide lebten in der Scheune,
    Die gefllt mit frischem Heu.
  Alle beide hatten Kleine,
    Molly zwei und Miezel drei.

  Einst zur Jagd ging Miezel wieder
    Auf das Feld. Da geht es bumm.
  Der Herr Frster scho sie nieder.
    Ihre Lebenszeit ist um.

  Oh, wie jmmerlich miauen
    Die drei Kinderchen daheim.
  Molly eilt, sie zu beschauen,
    Und ihr Herz geht aus dem Leim.

  Und sie trgt sie kurz entschlossen
    Zu der eignen Lagerstatt,
  Wo sie nunmehr fnf Genossen
    An der Brust zu Gaste hat.

  Mensch, mit traurigem Gesichte,
    Sprich nicht nur von Leid und Streit,
  Selbst in Brehms Naturgeschichte
    Findet sich Barmherzigkeit.

       *       *       *       *       *




  Nachdem er am Sonntagmorgen
    Vor seinem Spiegel gestanden,
  Verschwanden die letzten Sorgen
    Und Zweifel, die noch vorhanden.

  Er wurde so verwegen,
    Da er nicht lnger schwankte.
  Er schrieb ihr. Sie dagegen
    Erwidert: Nein, sie dankte.

  Der Schreck, den er da hatte,
    Htt ihn fast umgeschmissen,
  Als htt ihn eine Ratte
    Pltzlich ins Herz gebissen.

       *       *       *       *       *




  Ach, wie eilte so geschwinde
     Dieser Sommer durch die Welt.
  Herbstlich rauscht es in der Linde,
  Ihre Bltter mit dem Winde
     Wehen ber's Stoppelfeld.

  Hrst du in den Lften klingend
     Sehnlich klagend das Kuru?
  Wandervgel, flgelschwingend,
  Lebewohl der Heimath singend,
     Ziehn dem fremden Lande zu.

  Morgen mu ich in die Ferne.
     Liebes Mdchen, bleib mir gut.
  Morgen lebt in der Kaserne,
  Da er exerziren lerne,
     Dein dich liebender Rekrut.

       *       *       *       *       *




     Es war die erste Maiennacht.
  Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht.
  Da hielten, wie es stets der Fall,
  Die Thiere ihren Frhlingsball.
     Die Gans, die gute Adelheid,
  Fehlt nie bei solcher Festlichkeit,
  Obgleich man sie nach altem Brauch
  Zu necken pflegt. So heute auch.
     Frau Schnabel, nannte sie der Kater,
  Frau Plattfu, rief der Ziegenvater;
  Doch sie, zwar lchelnd, aber khl,
  Hllt sich in sanftes Selbstgefhl.
     So sa sie denn in dem Schweigen
  Allein fr sich bei Spiel und Reigen,
  Bei Freudenlrm und Jubeljux.
     Sieh da, zum Schlu hat auch der Fuchs
  Sich ungeladen eingedrngelt.
  Schlau hat er sich herangeschlngelt.
     Ihr Diener, suselt er galant,
  Wie geht's der Schnsten in Brabant?
  Ich kss der gnd'gen Frau den Fittig.
  Ist noch ein Tnzchen frei, so bitt ich.
     Sie nickt verschmt: O Herr Baron!
  Indem so walzen sie auch schon.
  Wie trippeln die Fe, wie wippeln die Schwnze
  Im lustigen Kehraus, dem letzten der Tnze.
     Da tnt es vier mit lautem Schlag.
  Das Fest ist aus. Es naht der Tag, --
     Bald drauf, im frhsten Morgenschimmer,
  Ging Mutter Urschel aus, wie immer,
  Mit Korb und Sichel, um verstohlen
  Sich etwas fremden Klee zu holen.
  An einer Hecke bleibt sie stehn:
  Herrjeh, was ist denn hier geschehn?
  Die Fchse, sag ich, soll man rdern.
  Das sind wahrhaftig Gnsefedern.
  Ein frisches Ei liegt dicht daneben.
  Ich bin so frei es aufzuheben.
  Ach, armes Thier, sprach sie bewegt.
  Dies Ei hast du vor Angst gelegt.

       *       *       *       *       *




  Ach, wie vieles mu man rgen,
    Weil es sndlich und gemein,
  So, zum Beispiel, das Vergngen,
    Zuzusehn bei Prgelein.

  Noch vor kurzem hab ich selber
    Mir zwei Gockel angesehn,
  Hier ein schwarzer, da ein gelber,
    Die nicht gut zusammen stehn.

  Pltzlich kam es zum Skandale,
    Denn der schwarze macht die Kur,
  Was dem gelben alle Male
    Peinlich durch die Seele fuhr.

  Mit den Krallen, mit den Sporen,
    Mit dem Schnabel, scharf gewetzt,
  Mit den Flgeln um die Ohren
    Hat es Hieb auf Hieb gesetzt.

  Manche Feder aus dem Leder
    Reien und zerschleien sie,
  Und zum Schlusse ruft ein jeder
    Triumphirend Kickriki!

  Voller Freude und mit wahrem
    Eifer sah ich diesen Zwist,
  Whrend jedes Huhn im Harem
    Hchst gelassen weiter frisst.

  Solch ein Weibervolk mit Flgeln
    Meint, wenn Gockel frh und spt
  Seinetwegen sich verprgeln,
    Da sich das vonselbst versteht.

       *       *       *       *       *




  Ich ging zur Bahn. Der Abendzug
     Kam erst um halber zehn.
  Wer zeitig geht, der handelt klug,
     Er kann gemthlich gehn.

  Der Frhling war so warm und mild,
     Ich ging wie neubelebt,
  Zumal ein werthes Frauenbild
     Mir vor der Seele schwebt.

  Da ich sie heut noch sehen soll,
     Da sie gewi noch wach,
  Davon ist mir das Herz so voll,
     Ich steh und denke nach.

  Ein Hslein, das vorber stiebt,
     Ermahnt ich: Lass dir Zeit,
  Ein guter Mensch, der glcklich liebt,
     Thut keinem was zu leid.

  Von ferne aus dem Wiesenteich
     Erklang der Frsche Chor,
  Und berm Walde stieg zugleich
     Der goldne Mond empor.

  Da bist du ja, ich gre dich,
     Du traulicher Kumpan.
  Bedchtig wandelst du wie ich
     Dahin auf deiner Bahn.

  Dies lenkte meinen Denkersinn
     Auf den Geschftsverlauf;
  Ich berschlug mir den Gewinn.
     Das hielt mich etwas auf.

  Doch horch, da ist die Nachtigall,
     Sie fltet wunderschn.
  Ich flte selbst mit sanftem Schall
     Und bleib ein wenig stehn.

  Und fltend kam ich zur Station,
     Wie das bei mir Gebrauch.
  O weh, was ist das fr ein Ton?
     Der Zug der fltet auch.

  Dort saust er hin. Ich stand versteint.
     Dann sah ich nach der Uhr,
  Wie jeder, der zu spt erscheint.
     So will es die Natur.

       *       *       *       *       *




    Fritz, der mal wieder schrecklich trge,
  Vermuthet, heute giebt es Schlge,
  Und knpft zur Abwehr der Attacke
  Ein Buch sich unter seine Jacke,
  Weil er sich in dem Glauben wiegt,
  Da er was auf den Buckel kriegt.
    Die Schlge trafen richtig ein.
  Der Lehrer meint es gut. Allein
  Die Gabe wird fr heut gespendet
  Mehr unten, wo die Jacke endet,
  Wo Fritz nur uerst leicht bekleidet
  Und darum ganz besonders leidet.
    Ach, da der Mensch so hufig irrt
  Und nie recht wei, was kommen wird!

       *       *       *       *       *




     Ein Mensch, der etwas auf sich hlt,
  Bewegt sich gern in feiner Welt,
  Denn erst in weltgewandten Kreisen
  Lernt man die rechten Redeweisen,
  Verbindlich, aber zugespitzt,
  Und treffend, wo die Schwre sitzt.
     Es ist so wie mit Rector Knaut,
  Der immer lchelt, wenn er haut.
  Auch ist bei Knaben weit berchtigt
  Das Instrument, womit er zchtigt.
  Zu diesem Zweck bedient er nmlich,
  Als fr den Snder gut bekmmlich,
  Sich einer schlanken Haselgerte,
  Zwar biegsam, doch nicht ohne Hrte,
  Die sich, von rascher Hand bewegt,
  Geschmeidig um die Hfte legt.
     Nur wer es fhlte, der begreift es:
  Vorn schlgt er zu und hinten kneift es.

       *       *       *       *       *




  Sag Atome, sage Stubchen.
    Sind sie auch unendlich klein,
  Haben sie doch ihre Leibchen
    Und die Neigung da zu sein.

  Haben sie auch keine Kpfchen,
    Sind sie doch voll Eigensinn.
  Trotzig spricht das Zwerggeschpfchen:
    Ich will sein so wie ich bin.

  Suche nur, sie zu bezwingen,
    Stark und findig, wie du bist.
  Solch ein Ding hat seine Schwingen,
    Seine Kraft und seine List.

  Kannst du auch aus ihnen schmieden
    Deine Rstung als Despot,
  Schlielich wirst du doch ermden,
    Und dann heit es: Er ist todt.

       *       *       *       *       *




  Lange warst du im Gedrngel,
    Aller Dinge tief versteckt,
  Bis als einen kleinen Bengel
    Unser Auge dich entdeckt.

  Schreiend hast du Platz genommen,
    Zum Genu sofort bereit,
  Und wir hieen dich willkommen,
    Pflegten dich mit Zrtlichkeit.

  Aber eh du recht empfunden,
    Was daheim fr Freuden blhn,
  Hast dein Bndel du gebunden,
    Um in fremdes Land zu ziehn.

  Leichte lustige Gesellen
    Finden sich an jedem Ort.
  Weiber schelten, Hunde bellen,
    Lachend zogst du weiter fort.

  Sahst die Welt an beiden Enden,
    Hast genippt und hast genascht.
  Endlich fest mit Klammerhnden
    Hat die Liebe dich erhascht.

  Und du zogst den Kinderwagen,
    Und du trugst, was dir bestimmt,
  Seelenlast und Leibesplagen,
    Bis der Rcken sich gekrmmt

  Nur Geduld. Es steht ein Flieder
    An der Kirche grau und alt.
  Dort fr deine mden Glieder
    Ist ein khler Aufenthalt.

       *       *       *       *       *




    Wahrlich, sagte meine Tante,
  Die fast alle Geister kannte,
  Keine Tuschung ist die Trud.
    Weit du nicht, da bse Seelen
  Nchtlich aus dem Leibe rcken,
  Um den Menschen zu bedrcken
  Und zu treten und zu qulen,
  Wenn er auf dem Rcken ruht?
    Lautlos durch verschlossne Thren
  Immer nher siehst du's kommen,
  Zauberhaft und wunderlich.
  Und dir graust es vor dem Dinge,
  Und du kannst dich doch nicht rhren,
  Und du fhlst dich so beklommen,
  Mchtest rufen, wenn's nur ginge,
  Und auf einmal hat es dich.
    Doch wer klug, wei sich zu schtzen:
  Abends beim Zurruhegehn
  Brauchst du blo darauf zu sehn,
  Da die Schuhe mit den Spitzen
  Abgewandt vom Bette stehn.
    Auerdem hab ich gehrt:
  Leichtes Herz und leichter Magen,
  Wie in andern Lebenslagen,
  Sind auch hier empfehlenswerth.

       *       *       *       *       *




  Um acht, als seine werthe Sippe
    Noch in den Federn schlummernd lag,
  Begrt er von der Felsenklippe
    Bereits den neuen Frhlingstag.

  Und wie die angenehme Sonne
    Liebreich zu ihm hernieder schaut,
  Da ist in ser Rieselwonne
    Sein ganzes Wesen aufgethaut.

  Es schmilzt die schwere Auenhlle.
    Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht.
  Er schwebt im Geist als freier Wille
    Hinaus, so weit das Auge reicht.

  Fort berthal, zu fernen Hgeln,
    Den Strom entlang, bis an das Meer,
  Windeilig, wie auf Mwenflgeln,
    Zieht er in hoher Luft einher.

  Hier traf er eine Wetterwolke.
    Die whlt er sich zum Herrschersitz.
  Erhaben ber allem Volke
    Thront er in Regen, Sturm und Blitz.

  Oweh, der Zauber ist zuende.
    Durchweicht vom Hut bis in die Schuh,
  Der Buckel steif und lahm die Lende,
    So schleicht er still der Heimat zu.

  Zum Trost fr seine kalten Glieder
    Empfngt ihn gleich ein warmer Gru.
  Na, hie es, jetzt bekommst du wieder
    Dein Reien in den Hinterfu.

       *       *       *       *       *




  Es war ein Mgdlein froh und keck,
    Stets lacht ihr Rosenmund,
  Ihr schien die Liebe Lebenszweck
    Und alles andre Schund.

  Sie denkt an nichts, als an Plsir,
    Seitdem die Mutter todt,
  Sie lacht und liebt, obgleich es ihr
    Der Vater oft verbot.

  Einst hat sie frech und unbedacht
    Den Schatz, der ihr gefllt,
  Sich fr die Zeit um Mitternacht
    Zum Kirchhof hinbestellt.

  Und als sie kam zum Stelldichein,
    O hrt, was sich begab.
  Da stand ein Geist im Mondenschein
    Auf ihrer Mutter Grab.

  Er steht so starr, er steht so stumm,
    Er blickt so kummervoll.
  Das Mgdlein dreht sich schaudernd um
    Und rennt nach Haus wie toll.

  Es wird, wer einen Geist gesehn,
    Nie mehr des Lebens froh,
  Er fhlt, es ist um ihn geschehn.
    Dem Mgdlein ging es so.

  Sie welkt dahin, sie will und mag
    Nicht mehr zu Spiel und Tanz.
  Man flocht ihr um Johannistag
    Bereits den Todtenkranz.

       *       *       *       *       *




    Das Pffflein sa beim Frhstckschmaus.
  Er schaut und zieht die Stirne kraus.
  Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht?
  Die Kchin sprach: Es war die Liese,
  Die Alte von der Gnsewiese.
  Drum, rief er, sah ich in letzter Nacht,
  Wie durch die Luft in feurigem Bogen
  Der Bse in ihren Schlot geflogen.
  Verdammte Hex,
  Ich riech, ich schmeck's,
  Der Teufel hat die Wurst gemacht.
  Spitz, da geh her! -- Der Hund, nicht faul,
  Verzehrt die Wurst und leckt das Maul.
  Er nimmt das Gute, ohne zu fragen,
  Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen.

       *       *       *       *       *




  Es fand der geizige Bauer Kniep
    Im Grabe keine Ruhe.
  Die Sehnsucht nach dem Gelde trieb
    Ihn wieder zu seiner Truhe.

  Die Erben wollten diesen Gast
    Im Haus durchaus nicht haben,
  Weil ihnen der Verkehr verhasst
    Mit Einem, der schon begraben.

  Sie dachten, vor Drudenfu und Kreuz
    Ergebenst verschwinden sollt er.
  Er aber vollfhrte seinerseits
    Nur um so mehr Gepolter.

  Zum Glck kam gerade zugereist
    Ein Meister, der vieles erkundet.
  Der hat gar schlau den bsen Geist
    In einem Fass verspundet.

  Man fuhr es bequem, als wr es leer,
    Bis an ein flieend Gewsser.
  Da pltzlich machte sich Kniep so schwer,
    Wie zehn gefllte Fsser.

  Gottlieb, der Kutscher, wundert sich.
    Nach rckwrts blickt er schnelle.
  Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwich
    Und spukt an der alten Stelle.

  Wie sonst, besucht er jede Nacht
    Die eisenbeschlagene Kiste
  Und rumpelt, hustet, niest und lacht,
    Als ob er von nichts was wsste.

  Kein Mittel erwies sich als probat.
    Der Geist ward nur erboster.
  Man trug, es blieb kein andrer Rath,
    Den Kasten zum nchsten Kloster.

  Der Pfrtner sprach: Willkommen im Stift
    Und herzlich guten Morgen!
  Was Geld und bse Geister betrifft,
    Das wollen wir schon besorgen.

       *       *       *       *       *




  Ich bin ein armer Schreiber nur,
     Hab weder Haus noch Acker,
  Doch freut mich jede Kreatur,
     Sogar der Spatz, der Racker.

  Er baut von Federn, Haar und Stroh
     Sein Nest geschwind und flchtig,
  Er denkt, die Sache geht schon so,
     Die Schnheit ist nicht wichtig.

  Wenn man den Hhnern Futter streut,
     Gleich mengt er sich dazwischen,
  Um schlau und voller Rhrigkeit
     Sein Krnlein zu erwischen.

  Maikfer liebt er ungemein,
     Er wei sie zu behandeln;
  Er hackt die Flgel, zwackt das Bein
     Und knackt sie auf wie Mandeln.

  Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt
     Das Fleisch der Beeren gerne;
  Dann hat, wer diesen Baum besitzt,
     Nachher die schnsten Kerne.

  Es fallt ein Schu. Der Spatz entfleucht
     Und ordnet sein Gefieder.
  Fr heute bleibt er weg vielleicht,
     Doch morgen kommt er wieder.

  Und ist es Winterzeit und hat's
     Geschneit auf alle Dcher,
  Verhungern thut kein rechter Spatz,
     Er kennt im Dach die Lcher.

  Ich rief: Spatz komm, ich fttre dich!
     Er fasst mich scharf in's Auge.
  Er scheint zu glauben, da auch ich
     Im Grunde nicht viel tauge.

       *       *       *       *       *




     Frau Grete hatt ein braves Huhn,
  Das wusste seine Pflicht zu thun.
  Es kratzte hinten, pickte vorn,
  Fand hier ein Wrmchen, da ein Korn,
  Erhaschte Kfer, schnappte Fliegen
  Und eilte dann mit viel Vergngen
  Zum stillen Nest, um hier geduldig
  Das zu entrichten, was es schuldig.
  Fast tglich tnte sein Geschrei:
  Victoria, ein Ei, ein Ei!
     Frau Grete denkt: Oh, welch ein Segen,
  Doch knnt es wohl noch besser legen.
  Drum reicht sie ihm, es zu verlocken,
  Oft extra noch die schnsten Brocken.
     Dem Hhnchen war das angenehm.
  Es putzt sich, macht es sich bequem,
  Wird wohlbeleibt, ist nicht mehr rhrig
  Und sein Geschft erscheint ihm schwierig.
  Kaum da ihm noch mit Drang und Zwang
  Mal hie und da ein Ei gelang.
  Dies hat Frau Greten schwer bedrckt,
  Besonders, wenn sie weiter blickt;
  Denn wo kein Ei, da ist's vorbei
  Mit Rhrei und mit Kandisei.
     Ein fettes Huhn legt wenig Eier.
  Ganz hnlich geht's dem Dichter Meier,
  Der auch nicht viel mehr dichten kann,
  Seit er das groe Loos gewann.

       *       *       *       *       *




     Wer einsam ist, der hat es gut,
  Weil Keiner da, der ihm was thut.
     Ihn strt in seinem Lustrevier
  Kein Thier, kein Mensch und kein Klavier,
  Und Niemand giebt ihm weise Lehren,
  Die gut gemeint und bs zu hren.
     Der Welt entronnen, geht er still
  In Filzpantoffeln, wann er will.
     Sogar im Schlafrock wandelt er
  Bequem den ganzen Tag umher.
     Er kennt kein weibliches Verbot,
  Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
     Geschtzt vor fremden Spherblicken,
  Kann er sich selbst die Hose flicken.
     Liebt er Musik, so darf er flten,
  Um angenehm die Zeit zu tdten,
  Und laut und krftig darf er prusten,
  Und ohne Rcksicht darf er husten,
  Und allgemach vergisst man seiner.
  Nur allerhchstens fragt mal Einer:
  Was, lebt er noch? Ei schwerenoth,
  Ich dachte lngst, er wre todt.
     Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
  Lt sich das Glck nicht schner malen.
     Worauf denn auch der Satz beruht:
  Wer einsam ist, der hat es gut.

       *       *       *       *       *




     Man sagt, ein Schnpschen, insofern
  Es krftig ist, hat jeder gern.
     Ganz anders denkt das Volk der Bienen,
  Der Sffel ist verhasst bei ihnen,
  Sein Wohlgeruch thut ihnen weh.
  Sie trinken nichts wie Blthenthee,
  Und wenn wer kommt, der Schnpse trank,
  Gleich ziehen sie den Stachel blank.
     Letzthin hat einem Bienenstckel
  Der brave alte Schneider Bckel,
  Der nicht mehr nchtern in der That,
  Aus Neubegierde sich genaht.
     Sofort von einem regen Leben
  Sieht Meister Bckel sich umgeben.
  Es dringen giftgetrnkte Pfeile
  In seine nackten Krpertheile,
  Ja manche selbst durch die nur lose
  Und leichtgewirkte Sommerhose,
  Besonders, weil sie stramm gespannt.
     Zum Glck ist Bckel kriegsgewandt.
  Er zieht sich kmpfend wie ein Held
  Zurck in's hohe Erbsenfeld.
     Hier hat er Zeit, an vielen Stellen
  Des Leibes merklich anzuschwellen,
  Und als er wiederum erscheint,
  Erkennt ihn kaum sein bester Freund.
     Natrlich, denn bei solchem Streit
  Verliert man seine hnlichkeit.

       *       *       *       *       *




  Es grnte allenthalben.
    Der Frhling wurde wach.
  Bald flogen auch die Schwalben
    Hell zwitschernd um das Dach.

  Sie sangen unermdlich
    Und bauten auerdem
  Am Giebel rund und niedlich
    Ihr Nest aus feuchtem Lehm.

  Und als sie eine Woche
    Sich redlich abgeqult,
  Hat nur am Eingangsloche
    Ein Stckchen noch gefehlt.

  Da nahm der Spatz, der Schlingel,
    Die Wohnung in Besitz.
  Jetzt hngt ein Strohgeklngel
    Hervor aus ihrem Schlitz.

  Nicht schn ist dies Gebahren
    Und wenig ehrenwerth
  Von Einem, der seit Jahren
    Mit Menschen viel verkehrt.

       *       *       *       *       *




  Tugend will, man soll sie holen,
    Ungern ist sie gegenwrtig;
  Laster ist auch unbefohlen
    Dienstbereit und fix und fertig.

  Gute Thiere, spricht der Weise,
    Mut du zchten, mut du kaufen,
  Doch die Ratten und die Muse
    Kommen ganz von selbst gelaufen.

       *       *       *       *       *




  Frau Urschel theilte Freud und Leid
    Mit ihrer lieben Kuh,
  Sie lebten in Herzeinigkeit
    Ganz wie auf Du und Du.

  Wie war der Winter doch so lang,
    Wie knapp ward da das Heu,
  Frau Urschel rief und seufzte bang:
    O komm, du schner Mai!

  Komm schnell und lindre unsre Noth,
    Der du die Krippe fllst;
  Wenn ich und meine Kuh erst todt,
    Dann komme, wann du willst.

       *       *       *       *       *




  Da der Kopf die Welt beherrsche,
    Wr zu wnschen und zu loben,
  Lngst vor Grnden wr die nrrsche
    Gaukelei in Nichts zerstoben.

  Aber wurzelhaft natrlich
    Herrscht der Magen nebst Genossen,
  Und so treibt, was unwillkrlich,
    Tglich tausend neue Sprossen.

       *       *       *       *       *




     Die laute Welt und ihr Ergtzen,
  Als eine strende Erscheinung,
  Vermag der Weise nicht zu schtzen.
     Ein Maulwurf war der gleichen Meinung.
  Er fand an Lrm kein Wohlgefallen,
  Zog sich zurck in khle Hallen
  Und ging daselbst in seinem Fach
  Stillfleiig den Geschften nach.
     Zwar sehen konnt er da kein Bissel,
  Indessen sein getreuer Rssel,
  Ein Nervensitz voll Zartgefhl,
  Fhrt sicher zum erwnschten Ziel.
     Als Nahrung hat er sich erlesen
  Die Leckerbissen der Chinesen,
  Den Regenwurm und Engerling,
  Wovon er vielfach fette fing.
     Die Folge war, was ja kein Wunder,
  Sein Buchlein wurde tglich runder,
  Und wie das hufig so der Brauch,
  Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch.
     Wohl ist er stattlich von Person
  Und kleidet sich wie ein Baron,
  Nur schad, ihn und sein Sammetkleid
  Sah Niemand in der Dunkelheit.
     So trieb ihn denn der Hhensinn,
  Von unten her nach oben hin,
  Zehn Zoll hoch, oder gar noch mehr,
  Zu seines Namens Ruhm und Ehr
  Gewlbte Tempel zu entwerfen,
  Um denen drauen einzuschrfen,
  Da innerhalb noch einer wohne,
  Der etwas kann, was nicht so ohne.
     Mit Baulichkeiten ist es misslich.
  Ob man sie schatzt, ist ungewisslich.
     Ein Mensch von andrem Kunstgeschmacke,
  Ein Grtner, kam mit einer Hacke.
     Durch kurzen Hieb nach langer Lauer
  Zieht er an's Licht den Tempelbauer
  Und haut so derb ihn bers Ohr,
  Da er den Lebensgeist verlor.
     Da liegt er nun der stolze Mann.
  Wer thut die letzte Ehr ihm an?
     Drei Kfer, schwarz und gelb gefleckt,
  Die haben ihn mit Sand bedeckt.

       *       *       *       *       *




     Ich schlief. Da hatt ich einen Traum.
  Mein Ich verlie den Seelenraum.
     Frei vom gemeinen Tagesleben,
  Vermocht ich leicht dahin zu schweben.
     So, angenehm mich fortbewegend,
  Erreicht ich eine schne Gegend.
     Wohin ich schwebte, wuchs empor
  Alsbald ein bunter Blumenflor,
  Und lustig schwrmten um die Dolden
  Viel tausend Falter, roth und golden.
     Ganz nah auf einem Lilienstengel,
  Einsam und sinnend, sa ein Engel,
  Und weil das Land mir unbekannt,
  Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land?
     Hier, sprach er, ndern sich die Dinge.
  Du bist im Reich der Schmetterlinge.
     Ich aber, wohlgemuth und heiter,
  Zog achtlos meines Weges weiter.
     Da kam, wie ich so weiter glitt,
  Ein Frauenbild und schwebte mit,
  Als ein willkommenes Geleite,
  Anmuthig lchelnd mir zur Seite,
  Und um sie nie mehr loszulassen,
  Dacht ich die Holde zu umfassen;
  Doch eh ich Zeit dazu gefunden,
  Schlpft sie hinweg und ist verschwunden.
     Mir war so schwl. Ich mute trinken.
  Nicht fern sah ich ein Bchlein blinken.
  Ich bckte mich hinab zum Wasser.
  Gleich fat ein Arm, ein kalter blasser,
  Vom Grund herauf mich beim Genick.
     Zwar zog ich eilig mich zurck,
  Allein der Hals war steif und krumm,
  Nur mhsam dreht ich ihn herum,
  Und ach, wie war es rings umher
  Auf einmal traurig, d und leer.
     Von Schmetterlingen nichts zu sehn,
  Die Blumen, eben noch so schn,
  Smtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt.
  So bin ich seufzend fortgehumpelt,
  Denn mit dem Fliegen, leicht und frei,
  War es nun leider auch vorbei.
     Urpltzlich springt aus einem Graben,
  Begleitet vom Geschrei der Raben,
  Mir eine Hexe auf den Nacken
  Und spornt mich an mit ihren Hacken,
  Und macht sich schwer, wie Bleigewichte,
  Und drckt und zwickt mich fast zunichte,
  Bis da ich matt und lendenlahm
  Zu einem finstern Walde kam.
     Ein Jgersmann, drr von Gestalt,
  Trat vor und rief ein dumpfes Halt.
     Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen,
  Schon ist die Sehne straff gezogen.
  Jetzt trifft er dich in's Herz, so dacht ich,
  Und von dem Todesschreck erwacht ich
  Und sprang vom Lager ungesumt,
  Sonst htt ich wohl noch mehr getrumt.

       *       *       *       *       *




  Der Winter ging, der Sommer kam.
    Er bringt auf's neue wieder
  Den vielbeliebten Wunderkram
    Der Blumen und der Lieder.

  Wie das so wechselt Jahr um Jahr,
    Betracht ich fast mit Sorgen.
  Was lebte, starb, was ist, es war,
    Und heute wird zu morgen.

  Stets mu die Bildnerin Natur
    Den alten Thon bentzen,
  In Haus und Garten, Wald und Flur,
    Zu ihren neuen Skizzen.

       *       *       *       *       *




  Ich schnrte meinen Ranzen
    Und kam zu einer Stadt,
  Allwo es mir im ganzen
    Recht gut gefallen hat.

  Nur eines macht beklommen,
    So freundlich sonst der Ort:
  Wer heute angekommen,
    Geht morgen wieder fort.

  Bekrnzt mit Trauerweiden,
    Vorber zieht der Flu,
  Den jeder beim Verscheiden
    Zuletzt passiren mu.

  Wohl dem, der ohne Grauen,
    In Liebe treu bewhrt,
  Zu jenen dunklen Auen
    Getrost hinber fhrt.

  Zwei Blinde, md vom Wandern,
    Sah ich am Ufer stehn,
  Der eine sprach zum andern:
    Leb wohl, auf Wiedersehn.

       *       *       *       *       *




Mnchen.
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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

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effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
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or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.net

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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