The Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wrterbuch der deutschen
Seemannssprache, by Gustav Goedel

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Title: Etymologisches Wrterbuch der deutschen Seemannssprache

Author: Gustav Goedel

Release Date: May 22, 2012 [EBook #39762]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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Etymologisches Wrterbuch

der

deutschen Seemannssprache.

Von

Gustav Goedel.

Kiel und Leipzig.

Verlag von Lipsius & Tischer.

1902.




A.


*A.*

Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur
Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschtzung
seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach
deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschtzung zu
wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefgt ([Symbol]), deuten also
schon den hheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch
nher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen
kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je hher die Nummer,
desto grer der Wert. Im brigen s. Schiffsregister.


*a. m.*

heit ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist dem
Seemann diese Bezeichnung so gelufig, da er sie auch am Lande gerne
als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem zugleich,
die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die Zeit von
mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) nher zu
bestimmen. Es heit dann a. m. nicht blo vormittags, sondern auch
morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heit
nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p.
m. nachts 10 Minuten vor zwlf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und
kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her.


*abandonniren*,

von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein verunglcktes oder vom
Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen Prozentsatz der
Versicherungssumme _berlassen_ und sich aller Ansprche darauf
begeben. Ein Wort, das wir zwar in franzsischer Form gebrauchen, das
auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem franzsischen Seerecht zu
uns herbergekommen ist, das aber seinerseits doch wieder von dem echt
deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein Gebot oder Verbot unter
richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit und deren Gebiet bedeutet,
entsprechend dem angelschsischen bann, englisch bann, Bann, Acht,
Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon frh entlehnten die Franzosen
das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der Merowingerzeit, und
machten das altfranzsische bandon, Befehl, Jurisdiction, ffentliche
Verkndigung daraus; in Verbindung mit dem Prfix a und der Endung er
ward es zu dem neufranzsischen Zeitwort abandonner ausgestaltet, mit
seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen aber der Begriff verlassen,
aufgeben gemein ist.


*abgewinnen.*

Es gilt fr ein Zeichen besonderer seemnnischer Tchtigkeit, wenn es
dem Kapitn eines Schiffes gelingt, einem anderen die Luv oder den Wind
abzugewinnen, d. h. sein Schiff so geschickt zu fhren, da es nher,
hher, dichter an den Wind kommt als das andere. Zu Zeiten der
Herrschaft des Segels konnte dies fr Kriegsschiffe in der Seeschlacht
von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als einmal geworden;
jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemnnischen Ehrenpunkt. Das
andere Schiff ist dann unter dem Winde und hat die Luv verloren. Man
sagt auch: einem den Wind _abkneifen_.


*abdichten* s. kalfatern.


*Abendwache* s. Wache.


*abentern* s. entern.


*abfallen* s. abhalten.


*Abfahrtssignal* s. Blauer Peter.


*abflauen* s. flau.


*abfieren* s. fieren.


*abhalten*

1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren (s. d.)
Wind erhlt, also die Richtung des Schiffes dergestalt ndern, da der
Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben
gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fllt (Roeding). Natrlich
kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von
achtern kommt; wrde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann wrde
Anluven daraus (s. d. und Halsen).

2. berhaupt eine Kursvernderung vornehmen, ohne Rcksicht auf die
Windrichtung, auch auf Dampfschiffen, wenn es gilt auf ein Ziel, das
auerhalb der bisher gesteuerten Richtung lag, loszusteuern, z. B.
abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein treibendes Boot. Das Wort
abhalten fhrt uns in die ltesten Zeiten germanischer Schiffahrt
zurck, in denen man mit einem Riemen steuerte, den man frei in der Hand
hatte und hielt; daher steuern im Althochdeutschen auch haban, halten
hie; abhalten also wrtlich: das Schiff von seiner alten Richtung ab in
eine neue steuern.

Die Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst
*abfallen*, das Schiff fllt ab; was freilich auch manchmal ohne
Abhalten, d. h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern
geschehen kann.

Abfallen ist flschlich mit Abtreiben (s. d.) fr eins gehalten worden.

Die Friesen gebrauchen affalle in bertragenem Sinne. Wie tusche ich
mich: Ho falt my dat af (Halbertsma).


*abkleiden* s. kleiden.


*abkneifen* s. abgewinnen.


*ablandig*,

von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort wird schon
im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung fr die franzsische
Kste: Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe Kenninge; dat
Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt. Item wille gy tusschen den
sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen wint, so mote gy
tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln uppe 6 offte 7
vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode. (Eine Kenning war in
jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders eine gute
Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges gemeint, drei
oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote Kenning gemeint
war. leyden heit vorbeifahren).


*Ablenkung* s. Variation.


*ablegen*,

gleichbedeutend mit *absetzen* im Sinne von: ein Boot mit einem
Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe
entfernen, da man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und
anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die
allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklrung
gem, mit dem Boot, nie mit dem Schiff. Das Boot legt um 6 Uhr von
der Mole ab. Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab; dabei ist die
fr das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede
umgewandelt. Absetzen ist etwas gebruchlicher als ablegen.


*abmallen*,

auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stck Holz in eine
bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen sie
sich erst aus dnnen Brettern ein *Mall*, d. h. eine Art Modell. Nach
diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz
vor: das heit ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das
Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck,
Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen.

Mit dem weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl
kaum etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig,
unklug, tricht, verliebt, toll, verrckt, schlimm, schlecht u. s. w.

Eine viel grere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen
Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten
und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist.
*Mallkante* der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem
Schnrboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst fr die Bauausfhrung in
natrlicher Gre aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes
der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der
Spantenkanten wird das Mall angefertigt.

*Gemallte Tiefe* ist die Tiefe eines Schiffes, welche gemessen, bezw.
berechnet wird um den Freibord (s. d.) festzustellen, oder die
Tieflade-Wasserlinie. Hier heit mallen einfach messen.

Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe lge, mte man sich versucht
fhlen an das lateinische Wort fr Ma modus zu denken, modulus, im
Altfranzsischen contrahirt zu molle; englisch mould.


*abmoien.*

Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, Tante,
auch nicht mit moie, Mhe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu bringende
Adjectiv *moi* scheint -- auer im seemnnischen Gebrauch -- nicht ber
Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es aber ganz
allgemein verbreitet und im Sinne von *schn* im Gebrauch; en moie meid
(holl: een mooie meisje) ein hbsches Mdchen, moi weer, schnes Wetter.
Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem Sprachgebiet durch frisches
Maiengrn auf dem Rade. Da begegnete ihm ein Bauer, der mhsam etliche
Schweine vor sich her trieb. Dat is moier dan Swindriven, meinte er
vom Radeln.

Wenn das Wetter sehr trbe und strmisch war und der Himmel wird klarer
(klart auf, siehe aufklaren 1.) und der Sturm nimmt ab, dann sagt der
Seemann es moit ab. Beide Begriffe, das Schnerwerden des Wetters und
das Abnehmen des Sturmes sind in abmoien sehr treffend vereinigt;
offenbar hat auf die Zusammensetzung der Prposition ab mit dem von moi
gebildeten Zeitwort moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.)
des Windes eingewirkt.

Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebrgerte Wort nach den
Niederlanden gebracht zu haben. Sie fhrten wohl als Kenner weiblicher
Schnheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, geschmckt, viel im Munde.

Da es mit dem Mai, als dem Monat der die Natur schmckt, zusammenhngt,
mu bezweifelt werden. Das hat sich ein Dichter so zurechtgelegt; die
Sprache verfhrt nchterner. Hat doch Wonnemonat nicht einmal etwas
mit Wonne zu tun. Bleibt also fr majo nur die Herkunft aus dem
lateinischen majus, gro, hehr, ansehnlich, stattlich, brig.


*abmustern* s. mustern.


*abreiten*,

einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem Pferde zu
denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den hochgehenden
Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig stampfenden
und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses reiten
damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal sagt man
nicht blo: Das Schiff reitet einen Sturm ab, sondern es reitet auch
bei schnem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker liegt. Sodann
mte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten anginge,
niederdeutsch riden heien, es heit aber reiden, weil es von dem
niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein Schiff
liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um besseres
Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im Mittelniederdeutschen
gleich vor Anker liegen; wir wrden also gut tun, grerer
Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu schreiben.
Althochdeutsch ritan. Das heit brigens nicht reiten in unserem
modernen Sinne, sondern berhaupt sich von einem Orte zum anderen
bewegen, fahren zu Wagen oder *zu Schiff*, von einem Stamme rid mit dem
Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmigen Bewegung. Und so kommen
(wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das Reiten
auf einem Pferde schlielich doch auf einen und denselben Ursprung
hinaus. Das Nhere unter Reede.


*abschaken* s. schaken.


*abschlagen.*

1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben,
da die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute
wegtreten knnen.

2. Allgemein seemnnisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im
Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein
Segel vllig von der Rahe loslsen und an Deck nehmen; das Gegenteil von
ein Segel unterschlagen. Der Gebrauch beider Wrter, wie auch von
Beschlag und beschlagen, erklrt sich aus dem unter *Schlag* Gesagten.

3. = Abschnren (s. d.)


*abschleppen* s. schleppen.


*abschlingern.*

Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), da von der Gewalt der
Schlingerbewegung ein Mast bricht und ber Bord geht, so hat sich das
Schiff diesen Mast abgeschlingert.


*abschnren.*

(Vergl. abmallen und Schnrboden). Mit einer Meschnur die Form und
Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im natrlichen
Mastabe aufzeichnen.


*absegeln.*

1. In See gehen. Ursprnglich von Segelschiffen gebraucht, erhielt es
die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird heutzutage in
diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine Segel fhren.

2. Einen Mast, gewhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn
fr die betreffende Windstrke zu viel Segel gefhrt werden oder wenn
bei pltzlich aufkommender B die Segel nicht schnell genug verkleinert
bezw. geborgen werden knnen.

3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel
zurcklegen.


*abschricken* s. schricken.


*absetzen.*

1. ein Boot s. *ablegen*.

2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des Schiffes, an dem es sich nach der
Mittags- oder einer sonstigen Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.)
zur Zeit befindet, auf der Karte durch ein kleines Kreuz mit einem
Kreis darum ([Symbol: crosshairs]) bezeichnen. Setzen (Factitiv von
sitzen, urgermanisch aus der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch
sedere) verbunden mit ab, letzteres aus der Vorstellung heraus, da das
Etmal, (s. d.) das abgesetzt wird, ein von der ganzen zurckzulegenden
Strecke abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist.

3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber hnliches
Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser
nicht nur oberflchlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun lt, aus
den Decksplanken herausgedrckt und gepret wird, damit sie desto
rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf
Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht
unhnliches Stck Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war,
jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer
heit. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberhnlichen
Gummiabsetzer.

4. *Absetzdock* nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s.
d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend
konstruierte Helling abladen (absetzen) knnen, worauf sie dann sofort
ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch
depositing dock.

5. Auf dem Schnrboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden
Schiffes in natrlicher Gre aufzeichnen.


*abstoppen*, Abstopper s. stoppen.


*abtakeln* s. takeln.


*Abtrift.*

Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heit: 1. Viehweide, weil
man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben wird. 3.
Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestm. 4. Das Antreiben von Schiffen und
Gtern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre 1565 sagt,
dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und guider der
hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines Schiffes an ein
anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man den anderen
anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift scal men
tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem Wasser
treibend, von Schiffen und Gtern; Bremische Urkunde von 1564: Jacob R.
sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se
beide thosamende drifftich gewurden unde inn grundt gedreuen weren.

Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit Abfallen) ist zwar nicht so
schlimm, wie denn berhaupt das Wort drift seiner schlimmsten Bedeutung
nach und nach verlustig gegangen ist und jetzt eigentlich nur noch den
Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch etwas Unangenehmes, weil nicht
genau Berechenbares dabei. Abtrift entsteht nmlich wenn ein Schiff beim
Winde segelt; dann kann die Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich
der Richtung des Kieles sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.),
nmlich nach der Seite hin abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher
bei Notierung des gesteuerten Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines
Kompastriches nach mutmalicher Schtzung als Abtrift in Rechnung
gebracht werden mu.

Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).


*abwracken*, s. Wrack.


*Ache*, die.

Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die Ache, oft auch
der Achen, niederdeutsch ak und aak, franzsisch aque, acque.

Frher hieen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so, in denen
der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am Rhein jedes
beliebige Ruderboot Ache nennen hren. In Ostfriesland heit but-ak
ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von Lastschiffen
mit plattem Boden, eine Klnische aak. Es ist unser allbekanntes
Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in seiner
Abstammung noch zweifelhaft. Kluge lt die Verwandtschaft mit dem
lateinischen Worte navis, bezw. den bergang des indogermanischen nav --
in das germanische naq -- dahin gestellt. Doornkaat steht nicht an,
nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch vor
dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden sei.
Dann bte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen, eilen,
flieen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es wren
zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke und
der Schiffsname Schmacke erklrt, (ostfriesisch smak, hollndisch smakk,
englisch, schwedisch smack) wovon franzsisch semaque, italienisch
semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, ein Seeschiff oder
Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten sehr voll und
rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stck) hinten auf dem
Heck noch einen kleinen Besahn-Mast hat. Dann wre das Wort auch mit
dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch snake verwandt,
entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung.


*Achtknoten*,

Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknpft werden, ist
einem, der nicht in die Geheimnisse des Splissens und Knotens
eingeweiht ist, schwer verstndlich zu machen.


*achter*, *achtern*

steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des Hochdeutschen after,
*hinter*, *hinten*. Im Altniederdeutschen, z. B. noch im Heliand, hie
es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach sich die
Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft und
Kracht, Graft mit gracht.

Als Prposition, als Adjektiv, als Adverbium, stets bezieht sich achter
oder achtern auf das Hinterteil des Schiffes, allein oder in
Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten. *Achterebbe*, die letzte
Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit der Flut, kommen an der
Nordseekste nachweislich schon um das Jahr 1400 vor. *Achtersteven* (s.
Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Dufflus zu finden, der puppis bald
mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald mit achtersteven
wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rckwrts bewegt weil die Segel back
(s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt: wir segeln ber
den Achtersteven; wofr man auch sagen kann, over str, oder noch
krzer aber weniger fein achterrs, welcher Bezeichnung die alte
franzsische Redewendung culer ziemlich genau entspricht, um 1700 bei
Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt chteraers fr rckwrts
im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: dat get chteraers as de hane
krasset, wie denn daselbst auch von einem, der zwei Fliegen mit einer
Klappe schlgt, gesagt wird: vr bitt h, chter schitt h, von einem
Bauer hergenommen, der Birnenessen und seinen Behuf verrichten zu
vereinigen wute.

Die hintere Last (s. d.) im Schiffe heit *Achterlast*; ist es hinten zu
schwer beladen, so ist es *achterlastig* (welches Wort man in der Gegend
von Groningen zur Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet).
Bekanntes Kommando: Alle Mann *achteraus*! wenn die Mannschaft eines
Kriegsschiffes sich auf dem *Achterdeck*, das sie nur dienstlich
betreten darf, versammeln soll.

Auf greren Schiffen hat der Kommandant auer einer mehr offiziellen
Vor- noch eine mehr private *Achterkajte*.

Edda: aptr, rckwrts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Bewulf: fter,
darauf, nachher, zurck, in Folge; im Angelschsischen blieb das f
unverschoben und ist so ins Englische bergegangen.


*Admiral*, der.

Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den man auff dem
Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen, schreibt 1565 Leonhart
Frohnsperger, Brger zu Ulm, in seinem Buch Von Kayserlichen
Kriegrechten etc. etc.: Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem
frgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt
sein, ein frtrefflichen, erfahrnen, gebten, dergleichen der dazu von
hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem
Obersten ber alle Schiff und Hauffen, zu Ro und Fu, Geschtz,
Munition und was dern notturft mehr erheit, haben, ordnen und dem
Kriegsvolck frsetzen etc. etc. Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein
bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See;
titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden:
Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit
dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors;
zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie
das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu
hissen.

Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen
ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es blo aus amir oder aus
amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heit Befehlshaber zur See,
ersteres blo Befehlshaber. Insofern wre die Abstammung von
amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die lteste Form
des Wortes im Spanischen, das es uns bermittelt hat, almiraje *de la
mar* hiee, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus
amir-al-bahr entstanden wren, dann hieen sie ja schon allein fr sich,
ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlat
sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar
hinzuzufgen, so folgt daraus, da almiraje oder almirante fr sich
allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus
amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch
annehmen kann, da in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um
zu wissen, da al-bahr = de la mar war.

Zwar spricht wegen der Endung al in Admiral der erste Eindruck fr die
Ableitung aus amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt
sich aber bei nherem Zusehen heraus, da das al in der Endung mit der
arabischen Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten
Zeit der bernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es
ist also nicht mit bernommen worden. Die Endung des Wortes hie
vielmehr zunchst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich
hernach, offenbar in Anlehnung an die gelufigen Endungen von
commandante und imperante, ebenfalls in ante (almirante). Da ein l
zwischen a und m gelangt ist, so da zuerst der Anfang des Wortes so
lautete wie jetzt der Schlu, al, hat vielleicht in einer unbewuten
Huldigung an die arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber
kein allgemeines Brgerrecht zu erwerben gewut, nicht einmal im
Spanischen selbst, wo neben almirante sich immer wieder auch amirante
findet.

In diesen beiden Formen ging das Wort auf die Wanderschaft. In der
Provence machte man amirat, dann amirant, daraus; im Altfranzsischen
amirant. In Italien nahm es zuerst die Form almiraglio an, assimiliert
in ammiraglio, ausgesprochen ammiralio. Nun ward es ins
Mittellateinische bersetzt: amiratus. Von hier aus erklrt sich die
Entstehung der Anfangssilbe ad. Man brachte amiratus mit admiror in
Verbindung, etwa mit dem Gedankengang, da ein Admiral ein -- nicht etwa
wunderlicher, sondern bewundernswerter Mann sei, wie denn wirklich im
Jahre 1508 Admiral mit ein wunderer des Meeres Oceani, 1534 mit
verwunderer des Meeres bersetzt ward. Aus admiratus, wie das Wort nun
hie, bildete man in Erinnerung an ammiraglio die weitere Form
admiralius, welche sich bequem an bekannte Wrter wie general und
official anpate; daraus ist endlich durch Wegfallen der Endung ius
unser heutiges Wort Admiral entstanden.

Fr die Abstammung aus dem bloen amir spricht auch der Umstand, da in
der Tat das Wort Admiral in seinen verschiedenen Durch- und
bergangsformen nur im Allgemeinen zur Bezeichnung eines Befehlshabers,
ohne Bezugnahme auf die See, im Gebrauch war; der Frst der Sarazenen
hie so; der Emir von Babylon wird im 13. Jahrhundert in dem nach einer
altfranzsischen Quelle bearbeiteten Gedichte Flore und Blancheflur so
genannt; sogar der deutsche Kaiser zur Zeit der Troubadoure. Es wird
behauptet, durch die Sicilianer und Genuesen sei das Wort zu seiner
jetzigen Bedeutung gekommen, wie auch, da es durch die Kreuzzge aus
der Levante gekommen sei. Sicher ist, da in Spanien 1246 Ramon Bonifaz
aus Burgos vom Knig Ferdinand dem Heiligen zuerst mit der Wrde eines
almirante im Sinne von Seebefehlshaber bekleidet wurde. Er war also der
erste *Admiral*. Lange blieb daselbst die Admiralswrde bei dem Hause
Enriquez; spter wurde der Infant Don Felipe damit bekleidet.

In Frankreich wurde das Amt dem Florent de Varenne 1270 beigelegt. Bis
dahin hie auch der Befehlshaber einer Flotte capitaine. La Charge
d'Amiral supprime en France l'anne 1626 fut rtablie en faveur de M.
le comte de Vermandois l'an 1669, aiant t supple pendant cet
intervalle, par la charge de Grand-matre, chef et Surintendant de la
navigation et commerce de France qui demeura teinte, par la mort de M.
le duc de Beaufort, arive la mme anne 1669. (Aubin). Im 18.
Jahrhundert war die hchste Admiralswrde bei dem Hause der Herzge von
Penthivre erblich unter dem Titel Amiral de France, das ist
Generalissimus der Flotten und Vorsteher des ganzen Seewesens.

In den Vereinigten Niederlanden war der Erbstatthalter Admiraal
Generaal, die Wrde war im Hause der Prinzen von Oranien erblich und
konnte selbst auf den weiblichen Stamm fallen.

In England kommt admiral schon 1300 in Robert of Gloucester's chronicle
vor. 1632 ward der Posten eines Lord high admiral mit der
Kommandobefugnis ber die ganze britische Marine geschaffen. Der Herzog
von York, der sptere Knig Jakob II., bekleidete ihn eine Zeit lang.
Sonst ist er selten besetzt gewesen.

Im Mittelniederdeutschen hie das Wort amiral, ammiral, ammeral, war
aber so wenig titelhaft, da in den Tagen der Hansa ein und derselbe
Mann bald ammeral bald scypper = Schiffer genannt wurde. Bei Kilianus
(1548) sehen wir zwei Versuche, das Wort ameral zu erklren, neben
einander her laufen. Er bersetzt es einmal mit praefectus, dominus,
patronus, ohne von der See zu reden, und leitet es von dem uralten
deutschen Worte ambaht, ambacht = Amt ab, indem er Ammann, Amtmann als
bergangsglied in Anspruch nimmt. Sodann aber bersetzt er es auch mit
archithalassus, praefectus maris, praefectus classis, und kommt richtig
darauf: arabice amir, rex, sive imperator.

Beinahe sieht es so aus als ob dem Verfasser der Durchluchtigsten
Seehelden noch etwas davon vorgeschwebt htte, da Admiral
ursprnglich, dem Arabischen entsprechend, nur einen Befehlshaber
berhaupt bedeutete, denn er berichtet, Sultan Soliman habe den
Chaireddin Barbarossa zum See-Admiral ernannt. Er hatte zwar zur See
keine Seide gesponnen, der Gro-Herr hat ihn dennoch mit einem sehr
guten Gesichte empfangen (wol wissend, da alles mehr dem abwechselnden
Glck, als seinem Versaumnu, oder dem Mangel seiner Tapferkeit und
Anfhrung zuzuschreiben) und hat ihn in Vergeltung seines guten Willens,
und in Erkndtnis seiner Tapferkeit und Anfhrung, zum See-Admiral
gemacht ... ber die Aufnahme des Wortes ins Hochdeutsche sagt Kluge:
Erasmus Alberus und Dasypodius 1540 und Frisius 1541 kennen es noch
nicht; Amiral findet sich 1561 bei Maaler, 1570 bei Hadr. Junius
Nomencl., 1582 bei Golius Onomast., Admiral 1562 bei Crusius Gramm.
Schon Henisch 1616 bevorzugt die Form Admiral.

Der Merkwrdigkeit halber sei angefhrt, wie weit man mit Erklrungen
vorbeihauen kann. Das Groot Nederduitsch Taalkundig Woordenboek von
Weiland schreibt, Admiral komme van het oude ital. miraglio dat den
spiegel van het schip beteekent; dewyl hier vorheen de plaats des
bevelhebbers was, en hy zyn bevelen al miraglio gaf.

Der Admiral wird auch oft kurzweg gesagt, wenn man das Admiralsschiff,
das Flaggschiff meint. Wir folgen im Kielwasser des Admirals.
Durchluchtigste Seehelden: Die Schiffe waren: Amsterdam gro 400
Last als Admiral, und hatte 237 Mann auf, 20 Metalline und eiserne
Stcken Geschtz. Delft der Vice-Admiral war gleichfalls 400 Last gro,
mit 242 Kpffen bemannt ...

Auch ist Admiral eine nicht nur im Scherze, sondern in vollem Ernste
dienstlich gebrauchte Bezeichnung fr Ptze (s. d.) = Eimer. Sie stammt
offenbar noch aus der Zeit wo man statt Admiral noch Ammeral sagte und
statt Eimer Ammer. Wie leicht konnte ein scherzhafter Matrose darauf
verfallen, einmal statt ammer ammeral zu sagen, und das brgerte sich
hernach so ein, da niemand mehr etwas dabei fand; Eimer, Emmer, Ammer,
Ambar, amphora.


*Admiralitt*

hie bis etwa vor zehn Jahren die oberste kaiserliche Marine-Behrde,
als Oberkommando und Verwaltung noch in einer Hand lagen, in der Hand
des Chefs der Admiralitt. Die Behrde ist aufgehoben, nur der Titel
*Admiralittsrat* ist geblieben. *Admiralittsanker* s. Anker.


*Ahoi!*

Der Ruf mit dem ein Schiff oder ein Boot angerufen wird, Schiff ahoi!
Boot ahoi! Man mu sich hten tiefere Bedeutungen suchen zu wollen wo
keine sind. Das Wort ist eine einfache Interjektion, weiter nichts,
gebildet und gewhlt von dem Bedrfnis weithin gehrt zu werden. Im
Englischen heit es to hail a ship. Das hat man wohl bersetzt: einem
Schiffe Heil zurufen; ist aber auch nur eine Interjektion und hat mit
Heil nichts zu schaffen. Niederdeutsch halen, anhalen; es ist im Grunde
dasselbe Wort wie das im Hochdeutschen so hufig gebrauchte holen. Das
heit niederdeutsch auch halen. Die Bedeutung der zu Grunde liegenden
Wurzel ist: einen Ton oder Laut von sich geben; tnen, rauschen, lauten,
schreien, rufen, hallen, Hallo machen, durch Halloschreien jemanden
herbeirufen, nher kommen machen, also herbeiholen, man knnte sagen:
einen herbeihalloen.

Auch der Ruf Gut Heil! oder All Heil! hat mit Heil nichts zu tun,
sondern ist eben nur ein Ruf, ein Zuruf, ein Gru, eine Interjektion.
Ebenso der alte Schlachtruf der freien Friesen: Eala fria Fresena!
Auch hier hat man eala mit Heil bersetzen wollen, da es doch nur eine
Interjektion ist, wie die angelschsische bersetzung von Luc. VII. 14:
Jngling, ich sage dir, stehe auf! mit eala geonge aris! beweist.

Wird bei Dunkelheit ein auf ein Kriegsschiff zukommendes Boot mit ahoi!
angerufen und die Antwort lautet nein! nein! so ist kein Offizier im
Boot; ja! ja! so ist ein Offizier oder im Offizierrang Stehender
darinnen; wird der Name des Schiffes geantwortet, so ist der Kommandant
im Boot; heit es: Flagge! so kommt ein Flaggoffizier (Admiral).


*Ahming*, die.

Auch kurzweg die Ahm genannt, bedeutet dieses Wort das vorn und hinten
am Schiff angemalte Ma, welches den Tiefgang desselben anzeigt; beruht
nach Kluge auf mittellateinischem Worte ama, Gef, Weinma, griechisch
ame, lat. ama, Feuereimer. Im Mittelhochdeutschen wurde, wie in Mond,
das a zu o, daher das neuhochdeutsche Ohm. Im Mittelniederdeutschen hie
es ame und bedeutete das bei der Obrigkeit aufbewahrte (gewhnlich
kupferne) Richtma, nach welchem die im Verkehr zu gebrauchenden
Megefe geprft und alsdann mit einem Zeichen ihrer Richtigkeit vom
Eichmeister versehen wurden. Auch dieses Zeichen hie ame; die
Thtigkeit des Eichmeisters amen; hochdeutsch ahmen; daher das Wort
*nachahmen*, das einzige von der Sippe, das uns in der Umgangssprache
geblieben ist und alle Tage gebraucht wird: nach Magabe eines Musters
sich hnlich ausdrcken oder betragen. Dieses Nachahmen hie lange Zeit
einfach ahmen.

Das Wort Ahming ist in Gefahr durch *Tiefgangsmarke* verdrngt zu
werden; es wre schade, man knnte dann auch ebenso gut
Ausschlammungs-Maschine anstatt Bagger oder Holzglttungsinstrument
anstatt Hobel sagen.


*Alle Mann!*

Das Kommando demzufolge jeder an Bord, der an Manvern mit Alle Mann
oder an der Alle Mann-Musterung teilzunehmen verpflichtet ist, an
Deck, beziehungsweise an der ihm angewiesenen Stelle anzutreten hat, sei
es, da das Manver zur bung geschehe, sei es, da eine B so stark
einsetzt, da ihr die Wache nicht gewachsen ist, da ein Mann ber
Bord fiel oder sonst eine Arbeit zu tun sei, die alle Hnde (engl. all
hands!) erfordert, z. B. wenn ein Schiff auf einem Korallenriff
auffhrt und nun alsbald die Bemhungen beginnen, wieder loszukommen; da
heit es dann abwechselnd Alle Mann an Steuerbord und Alle Mann
Backbord, Alle Mann voraus, Alle Mann achteraus.

Im Binnenlande rednerisch und dichterisch sehr oft, aber selten
seemnnisch ganz richtig gebrauchte Wendung; oft hrt man Alle Mann auf
Deck! sagen, was an Bord nicht gesagt wird, wo es blo Alle Mann!
heit, allenfalls noch: Alle Mann auf!, dann wird aber jedesmal
hinzugefgt: Klar zum Manver!


*am Winde*

segeln heit so viel wie beim Winde segeln. Richtig am Winde liegen
oder beim Winde segeln heit so steuern, da bei richtiger
Segelstellung, bei welcher die unteren Segel etwas weiter angebrat
werden als die oberen, der Wind so weit von vorne einkommt, da das
Vorliek des Grooberbramsegels sich eben bewegt, oder, wie der Seemann
sagt, killt (s. d.), dann stehen die brigen, niedrigeren und greren
Segel alle voll Wind, weshalb auch beim Kreuzen das Kommando gegeben
wird: Voll Segel halten oder voll und bei. Wird zu hoch am Winde
gesteuert, so besteht die Gefahr, da man eine Eule fngt, da das
Schiff durchdreht.


*An Bord.*

In dieser Wendung zeigt sichs besonders deutlich wie pars pro toto,
Bord fr Schiff gebraucht wird. An Bord gehen, an Bord sein, sich an
Bord befinden, Bordkommando, Bordaufenthalt, Bordleben, Bordessen,
Bordkleidung u. s. w. Bei diesen und unzhligen anderen
Zusammensetzungen kann man fr Bord Schiff einsetzen ohne den Sinn zu
ndern. Das Signal fr diejenigen, die an Bord gehren, da sie an Bord
kommen sollen, weil das Schiff in See zu gehen beabsichtigt, ist eine
blaue Flagge, genannt *der blaue Peter*.


*Anholen.*

Wenn beim Bootssegeln beim Winde gesteuert werden soll, so mu der zu
Luvart sitzende Bootssteurer das Grosegelsschothrn (s. Schothrn)
mglichst nahe, oder wie der Seemann sagt mglichst hart, an sich
heranbringen; was geschieht, indem er die Grosegelsschot *anholt*.

Bei Rahesegeln mssen, wenn vor dem Winde gefahren wird, beide Schoten
angeholt werden, damit das Segel mglichst steif steht und seine ganze
Flche in mglichster Ausdehnung dem Winde darbietet. Schon Kilianus
(1547) hat das Wort, und zwar gebraucht er die Wendung: anhaelen het
seyl; aber er bersetzt das falsch mit stringere vela, es mu heien
pandere vela.


*Anbrassen* s. brassen.


*Anker*, der.

Lehnwort aus dem Lateinischen, ancora. Plinius schreibt die Erfindung
des Ankers den Tyrrheniern zu. Aber schon die Griechen hatten
vervollkommnete Anker mit Armen und Zhnen daran, die in den Grund
fassen konnten, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zhne genannt
wurden. Sehr frh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist
das Wort ins Deutsche bernommen worden, denn schon im Bowulf finden
wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ltere, einheimische Wort fr
die Sache hie im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die
Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der
Magellanstrae die Pescherh-Frauen (die da alle Arbeit tun mssen) ein
Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines verankern
sah. Nach dem Bericht der ltesten Schriftsteller gebrauchten die ersten
Vlker anstatt der Anker nur Krbe voller Steine und Scke voller Sand,
die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die
Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke
gebundene Steine ins Meer, um sich damit festliegend zu machen, solcher
simplen Anker bedienen sich auch noch heutzutage manche Vlker, bei
denen die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit ist. brigens geschieht
solches auch bei anderen Vlkern, man kann es selbst bei deutschen
Bootsfhrern oft genug sehen.

Die althochdeutsche Form war ancher. Indessen scheint das Wort im
Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein,
wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000
geschriebenen bersetzung des Bothius de consolatione philosophiae:
anchorae daz sint suarin isen. Das htte nicht gesagt zu werden
brauchen, wenn man es als allgemein bekannt htte voraussetzen knnen.

Merkwrdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Lateinischen ist das
Wort weiblich, im Hochdeutschen mnnlich, der Seemann aber gebraucht es
gerne schlich.

Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Hnden,
Spaten, Schaufeln oder Pflgen, der Ankerstock, durch das obere dnnere
Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schckel d. h. der Rring.
(s. d.)

Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren
Konstrukteuren: Admiralitts- oder Normalanker, Inglefieldanker,
Hallanker, Martinsanker, Trotmannsanker, Smithanker, Porteranker,
Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schild- oder Minenanker, Dregganker. (s.
d.)

Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker,
Warpanker, Rst- oder Reserveanker, Not- oder Pflichtanker, (s. Pflicht)
Bootsanker.

Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrcken, Baxterlagerung.


*Ankerboje*, die.

Da das vor Anker liegende Schiff schwoit (s. schwoien), d. h. sich unter
dem Einflu des Windes oder Stromes um seinen Anker herumbewegt, also
seinen Ort des fteren wechselt; da es aber ntig ist, stets zu wissen,
wo der Anker liegt, so wird ehe derselbe zu Wasser gelassen wird eine
Boje (s. d.) an ihm befestigt; die schwimmt dann ber ihm auf dem
Wasser, zeigt seine Lage an und heit Ankerboje.


*Ankerdobber*, der.


*Ankerflott*, das.


*Ankerkogert*, der.

Alle drei Wrter bezeichnen einfachere Vorrichtungen mit demselben
Zwecke, der heutzutage hauptschlich der Ankerboje zugewiesen ist, die
Stelle wo der Anker liegt kenntlich zu machen.

*Dobber* ist ein schwimmendes Stck Holz, das seinen Namen daher hat,
da es im bewegten Wasser stets in Bewegung ist, immer mit den Wellen
hin und her, auf und nieder geht. Im Ostfriesischen kommt das Wort in
der Form Dubber = Ster vor, im niederlndischen heit das Zeitwort
dazu dobbern, ostfriesisch dubbern, Frequentativum zu dubben, zur Wurzel
dhu, sich heftig bewegen, gehrig.

*Flotten* kommen gewhnlich und hauptschlich bei Fischernetzen vor. So
heien die runden Holz- oder Korkstcke rings um das Netz herum, die es
flott (s. d.) d. h. schwimmend erhalten.

*Kogert* drfte mit Kogge (s. d.) zusammenhngen, sei es, da etwa die
Kriegskoggen der Hansa zuerst solche Vorrichtung fhrten, sei es, da
das Zeichen in Gestalt einer Kogge aus Holz oder Kork geschnitten war,
sei es, da das Wort mit Kogge zusammen auf die Muschelgestalt
zurckgeht. Jedenfalls ist das Wort alt und stammt aus der Zeit der
Koggen, denn in dem ltesten Stadt-, Schiff- und Landrecht Hamburgs
steht die gesetzliche Verordnung: unde licht enich anker sunder douwer
efte kogert, unde schade aff queme, den schall he half beteren. (307,5,
herausgeg. v. Lappenberg, vergl. Schiller und Lbben, II, 513.)


*Ankergrund*, der.

Die Stelle wo man zu Anker gehen kann. Wenn der Grund daselbst die
geeignete Tiefe hat, nicht zu weich (schliekig, s. d.) zum Festhalten
des Ankers ist, wenn er rein, d. h. ohne Klippen ist, so heit er guter
Ankergrund.

Es liegt auf der Hand, da alles, was auf das wichtige Geschft des
Ankerns Bezug hat, in der Gedankenwelt und demgem auch in der
gewhnlichen Umgangssprache des tglichen Lebens der Seeleute und
Kstenbewohner auch am Lande eine groe Rolle spielt. So ist der Anker
das Sinnbild der Hoffnung geworden, auch bei Binnenlndern, so spricht
ein alter Seemann auch am Wall, da er irgendwo vor Anker gehe, so
heit es von einem ungeschickten Menschen, er sei wie ein Anker, der
immer ins Wasser komme und doch nicht schwimmen lerne und im Friesischen
(vergl. Halbertsma, Lex. Fris.) wird das Wort Ankergrund bildlich so
gebraucht: Lien him nat; daer is nin ankergroun, borg ihm nicht, er
kanns nicht wiedergeben.

Im Mittelalter (Seebuch, 1400) sagte man: dar is gud anckerholt; ein
Grund, der den Anker gut hlt.


*Ankern*,

zu Anker gehen. Das ganze seemnnische Ankermanver wird damit
bezeichnet, von dem Kommando an: Klar zum Ankern bis zum Ausbringen
der Fallreepstreppe. Im Jahre 1400 ist im Niederdeutschen ancker setten
bezeugt, auch wohl kurzweg setten. Besonders auch Waghenaer, 1588, und
die Beschriving van der Kunst der Zeevaerdt, 1673, gebrauchen setten
oder setzen fr ankern.


*Anlaufen* s. Anlegen.


*Anlegen.*

Ein *Boot* legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute nicht, da
sie anlegen im Sinne von irgendwo ankommen. Es wird im Gegenteil als
unseemnnisch belchelt und hchstens einer Dame verziehen, wenn sie
fragt: Legen Sie auch in Montevideo an? schon weil man daselbst gar
nicht anlegen, sondern nur ankern kann. Wird ein Hafen vorbergehend
besucht, so heit es ihn anlaufen; wir laufen Singapore an. Wenn man
den Bestimmungshafen nennen will, sagt man: Das Schiff geht nach Rio
... ist unterwegs nach Newyork, ist bestimmt nach Kalkutta, segelt
(auch von Dampfern) nach, oder besser noch: *auf* Valpareiso, fhrt auf
Yokohama. Englisch: bound for ... und das kommt nicht etwa von to bind,
binden, so da das Schiff mit gebundener Segelordre fhre, sondern heit
eigentlich boun. Das d ist angehngt entsprechend dem d in sound, von
sonus; islndisch buinn, von bua, bearbeiten, vorbereiten, fertig
machen, verwandt mit Bauer.

      Willing wie sought your shores, and hither bound
      The port so long desired at length we found.

      Dryden.

Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich
lngsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder macht fest an einem
Bollwerk, einem Dkdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen
gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: Das Schiff legt an *das*
Bollwerk an, whrend ein Boot an *dem* Bollwerk, an der Treppe, an dem
Fallreep anlegt.


*Anliegen.*

Was liegt an? Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe wie:
Welcher Kurs wird gesteuert? Nur wird erstere mit grerer Genauigkeit
und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne der
Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene Kurs
auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde segelt,
nicht immer mglich ist. Das Wort erklrt sich aus der Einrichtung des
Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und der an seinem
festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird. Der dem zu
steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen Kompascheibe mu
anliegen d. h. an dem Strich liegen, genau dem Strich gegenber
liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff verbundenen Kompadose
angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt.

Franzsisch: ou as-tu le cap?; wohin ist der Bug, der Schnabel, oder
wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet?


*Anluven* s. luv.


*Anmustern* s. mustern.


*Anracken* s. Rack.


*Anschlagen.*

Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines allgemeinen
Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu Klar Schiff, zum
Gottesdienst.


*Ansegeln.*

1. Das Ansegeln, die Erffnung der Segeljahreszeit beim K. Yachtklub
zu Kiel.

2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm
segelnd nahen. Frher sagte man antun, sich dem Lande nhern, in Sicht
von Land kommen, soviel wie:


*Ansteuern.*

Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen da die Karten ungenau sind
oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im Ansegeln einer
Kste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem Schiffe voraus,
das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man, weil dabei die
Wassertiefe festgestellt wird: *Antiefen*.


*Arbeiten.*

Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darber hat sich der
Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem Etatsvorschlag
fr die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: Das Schlimmste aber
ist, da auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein vollendeter
Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur Nebenkraft
und selbst bei voller Bemastung und Takelung lt sich die feinere
Segelfhrung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand steuert, da
es, wie das Pferd der bloen Fhrung am Halse, dem leisesten Winke
gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten Dampfschiff niemals
grndlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann ein toter, uerlich
bewegter Krper, dem nicht er, sondern der stets mit scheelen Augen
angesehene Maschinist und der miachtete Heizer gebieten, whrend ihm
sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit dem er bald durch eine
geistige Zuneigung verwchst. Und dies in jeder Schilderung des
Seelebens als sein innerster Kern, als sein hchster Reiz hervortretende
eigene Verhltnis, das es dem Matrosen notwendig macht, sein Fahrzeug
als Femininum zu denken und benennen, ist keineswegs blo ein schner
Flitter des Seeberufs: es ist von der hchsten praktischen Bedeutung, es
bildet ein Hauptfundament der Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der
Gehorsam und die Pflichttreue bis zur Wagnis des Lebens fr die
Erhaltung des Schiffes blo ein abstraktes Gebot. So seltsam sich eine
solche Hinweisung auf ein so feines und phantastisches psychologisches
Moment in Gesellschaft der trockenen Zahlen einer Budgetvorlage
ausnehmen mu, kann ich doch nicht umhin, es als einen Hauptgrund mit
geltend zu machen fr die Notwendigkeit, baldmglichst auch einige
Segelschiffe auf den Stapel zu stellen.

Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: das Schiff
arbeitet, d. h. es bewegt sich schwer in strmischer See. Es liegt dann
auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Gerusche als
Seufzen, chzen und Sthnen zu bezeichnen.

Da Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem
althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht
einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed
heit, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e,
(angelschsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu
starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflge, liegende
Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht (im
Schweie deines Angesichts sollst du dein Brot essen), allein ein
anderer Gedanke liegt nher: In uralten Tagen berlie der freie
Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das
mit altslovenisch rabu = Knecht, mit bhmisch rabota = Arbeit,
Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhngt,
leider nicht der Begriff freier, frhlicher Mannesarbeit, sondern der
der seufzenden Knechtesarbeit, der Mhe, der Beschwerde, der Not, und
der ist auch in der Redewendung das Schiff arbeitet vorhanden.


*Armada*, die.

Das spanische Wort fr Kriegsflotte kommt meines Wissens im Deutschen
zum ersten Male vor in dem 1565 zu Frankfurt am Mayn erschienenen
Buche von Leonhart Frohnsperger: Von Kayerlichen Kriegrechten
Malefitz und Schuldhndeln, Ordnung und Regiment x. x., aus welchem ein
Abdruck der die Kriegsfhrung zur See betreffenden Abschnitte in der
Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemnnischen Anmerkungen erschienen
ist.


*Arsenal*, das,

aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und durch den
damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und Spanien zu uns
gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere Mittelmeerwrter. Werkhaus
erinnert an die eigentliche Bedeutung von Werft (s. d.). Nach Roeding
(1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem Namen Arsenal nicht allein
die Gebude, in welchen alle zur Ausrstung einer Flotte erforderlichen
Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die Werftstellen, wo solche
verfertigt werden, als Reepschlgereien, Segelmachereien,
Stckgieereien, Ankerschmieden, Bckereien, Schiffszimmerwerfte u. s.
w. Er schreibt: Die ltesten Arsenle, wovon wir Nachricht haben, sind
diejenigen, welche der Knig Salomo anlegen lie. Eins derselben befand
sich zu Joppe fr seine Schiffe auf der mittellndischen See, und das
andere zu Eziongeber, welches fr seine Schiffe auf dem Roten Meer
bestimmt war. Die Griechen und Rmer hatten ebenfalls Arsenle, wovon
der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und Frejus, am Pontus Euxinus,
am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid. lib VII. Sueton in August.
c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berhmteste von allen See-Arsenlen ist
jetzt das Venezianische, wo sogar Linienschiffe unter Dach liegen.


*Auf und nieder*,

ein der Seemannssprache -- auch im Hollndischen (op en neer), Dnischen
(op og ned) und Schwedischen (up och ned) eigentmlicher, aber die Sache
sehr deutlich und anschaulich treffender Ausdruck fr die Richtung in
der sich ein Gegenstand befindet, die wir senkrecht oder lotrecht
nennen, die Rahe ist auf und nieder (zum Aufhissen), der Anker ist
auf und nieder, d. h. er hngt frei am Krahnbalken, bereit entweder
fallen gelassen oder gekattet zu werden. (s. Katten).


*Auf Riemen!*

Kommando beim Bootsrudern, veranlat die Bootsruderer, ihre Riemen mit
dem Blatt so hoch aus dem Wasser zu nehmen, da sie in der Richtung der
Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen, und sie in dieser Lage,
genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das Kommando Ruder an!
kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt, teils als
Ehrenbezeugung fr Offiziere, whrend fr Kommandanten und
Flagg-Offiziere Riemen hoch! kommandiert wird, worauf die Riemen
senkrecht auf und nieder gehalten werden.


*Aufbnken.*

Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf gebraucht wird,
die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder in Gebrauch zu
treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebnkt, d. h. klein
gemacht, dadurch da man sie nicht ber den ganzen Rost ausgebreitet
brennen lt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank aufhuft, doch so,
da sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum vollen Brennen
gebracht werden knnen.


*Aufbrassen*, s. brassen.


*Aufduven*, s. lenzen.


*Aufentern*, s. entern.


*Auffangen*,

greifen, fassen, festmachen (skr. pa, Strick, weil dieser fat!).
Die seemnnische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose ist, aber
nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist das Wort
in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im Winde oder
von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau, das man zu
fangen, zu erhaschen suchen mu; das ist die erste Bedeutung von
auffangen. Aber zur Ttigkeit des Fassens gehrt die des Haltens, da
das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch
Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich
dann dahin erweitert, da man auch nichtschlagendes Tauwerk auffngt;
wenn z. B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk
nicht im Wege sein und nicht na werden soll, wird es aufgefangen, d. h.
zusammengebunden und hoch gehngt. Von hier aus ist der Begriff noch
weiter und zwar so ausgedehnt worden, da auffangen ganz allgemein fr
aufhangen gebraucht wird, so da man, wenn die niederdeutsche Form
opvangen dem nicht entgegen wre, auf den Schlu kommen knnte, es mte
auffangen dasselbe wie aufhangen sein.


*Auffrischen*

ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht, wenn es sagt:
Der Maler frischt das Bild auf, nur da es hier transitiv gebraucht
wird, whrend es im Seemnnischen intransitiv ist: Der Wind frischt
auf. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist, frisches Obst,
frisches Gemse. Es frischt auf heit also: es kommt ein neuer und
zwar strkerer Wind auf, es fngt strker an zu wehen.


*Aufgeien.*

Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die Segel unter
die Rahen holen, damit sie festgemacht werden knnen. Das Wort kommt nur
in der Seemannssprache vor, niederlndisch opgyen, schwedisch giga up,
dnisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien gegeben.


*Aufhissen*, s. hissen.


*Aufholen.*

Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird schwerlich ganz
genau festgehalten werden knnen. Sie bedeuten beide dasselbe, nur der
seemnnische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine, wo das andere Wort
anzuwenden ist. Im Allgemeinen mu jedoch gesagt werden, da aufholen
sich -- von den Fllen, in denen es sich um einen *Aufholer* handelt,
abgesehen -- auf die allereinfachste Ttigkeit mittels eines
allereinfachsten Werkzeuges, nmlich eines schlichten Taues bezieht.
Wenn z. B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben werden soll,
so lt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und dann *holt*
er ihn Hand ber Hand *hinauf*; hier knnte man nicht von aufhissen
sprechen. Doch darf man darum nicht denken, da einer immer oben ist,
wenn er aufholt; wenn z. B. irgendwo ein Aufholer geschoren ist, der
durch einen oben befestigten Block an Deck luft oder eine Talje
darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafr kann
man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines
Stagsegels, Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim
Stckpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach
nur von aufholen, nicht von hissen sprechen.


*Aufklaren.*

1. Gleich sich aufklren, hell werden, besser Wetter werden. Es klart
auf, es wird schn. 2., Klar Deck machen d. h. nach einem Manver
wieder alles aufrumen, wegbringen was im Wege ist, und alles so in
Stand setzen, da es zu einem neuen Manver gebrauchsfhig ist. Das
Kommando heit Deck aufklaren. 3., berhaupt: Ordnung machen,
aufrumen. Siehe klar.


*Aufkommen*,

eigentlich in die Hhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einflu, Stellung und
Geltung kommen; neu auf der Bildflche erscheinen und nher kommen;
seemnnisch: Das eine Schiff kommt dem anderen auf, es fhrt
schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte
Ruderlage kommen, berhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut
gehorcht: es kommt vor seinem Ruder auf.


*aufmachen*,

in der Verbindung Dampf aufmachen, heit Dampf erzeugen und bereit
halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen knne. Dampf
aufmachen kommt nicht etwa daher, da ein Absperrventil aufgemacht,
geffnet wrde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem der
verlorene Sohn sagte: ich will mich aufmachen und zu meinem Vater
gehen; auch nicht wie man sagt eine Ware hbsch aufmachen, zurichten,
zurechtmachen, sondern Dampf aufmachen ist falsch geschrieben, es mu
heien Dampf auf! machen, so wie man sagt Alle Mann! machen
oder: wir machen Anker auf! Das Kommando heit: Dampf auf. Wenn
das ausgefhrt ist, dann hat das Schiff Dampf auf. Man kann aber eben
so gut sagen das Schiff liegt *unter* Dampf. Die Prposition auf
ist also nicht so genau zu nehmen; man knnte sonst an das Aufsteigen
des Dampfes beim Sieden des Wassers denken.


*Aufkreuzen*, s. kreuzen.


*Aufkrimpen*, s. krimpen.


*Aufscheeren*,

vergl. *scheeren*. Wenn ein seemnnisches Manver zu Ende ist und klar
Deck gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk aufgeschoren, d. h.
zu neuem Manver in Ordnung gebracht (s. aufschieen). Aufscheeren ist
also der Teil des Deckaufklarens, der sich auf das Tauwerk bezieht. Das
letzte Kommando z. B. beim Wenden war frher nicht Klar Deck, sondern
Scheert auf die Taue.

Aufscheeren bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff
einholen, ihm lngsseit kommen.


*Aufschiessen*,

im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht gebruchlich, kommt
vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend bewegen. Eine solche
Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei Klar Deck das laufende Gut
aufklaren, aufscheeren oder aufschieen. Man unterscheidet: mit der
Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in Scheiben, in Buchten aufschieen.


*Aufpentern.*

Das was jetzt Krahnbalken heit (und auf Kriegsschiffen auch bereits im
Verschwinden gepeilt wird) hie frher Penterbalken: der vorn am
Schiffe auenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei auf und
nieder hngen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet, aber das
Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder vielmehr
Krahnbalken hngenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem
Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und
festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederlndisch penn, ostfriesisch
penne, niederdeutsch penn heit Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum
Festhalten, zum Festmachen. Davon drfte das Zeitwort, das ja festmachen
bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t
vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje
gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein.


*Aufschricken*, s. schricken.


*Aufstoppen*, s. stoppen.


*Auftakeln.*

Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemnnisch zursten. Auch
in bertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der Seeleute,
Immermann im Mnchhausen spricht von einem ganz blmerant
aufgetakelten Frulein. Man erzhlt sich einen Scherz, der von keiner
geringeren Stelle als von der allerhchsten stammen soll. Warum ist im
Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein mnnlicher
Schiffsname weiblich gebraucht (die Moltke)? Weil es so viel kostet
es aufzutakeln.


*Auftun.*

Die Kste tut sich auf heit sie kommt in Sicht, bildlich gesprochen
wegen des allmhlichen Hherkommens, Heraufkommens des angesteuerten
Landes; wohl auch im Gedanken daran, da sich irgendwo eine vorerst dem
Auge noch nicht sichtbare Einfahrt ffnen, auftun wird.


*Auftoppen*, s. toppen.


*Auftuchen*,

ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge
zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht
aufgetucht ist, so kann sie aufgetucht vorgehit werden, um erst auf
ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort
auszuwehen.


*Aufziehen.*

Segel aufziehen ist in der heutigen Seemannssprache nicht mehr
gelufig, man sagt dafr Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc., es
scheint aber frher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein, da
dieselbe in bertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet ist:
Alle Segel aufziehen um etwas zu erreichen, alle Minen springen
lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings:
etwas mit Volldampf betreiben.


*Auge*, das.

Jede in ein Tau gemachte knstliche Schlinge, auch eine runde ffnung in
einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher Augbolzen;
eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des Mastes liegt.
Immer ist die Erklrung aus der bildlichen Redeweise gegeben. Auch sonst
gebruchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem Auge hnlich sieht:
Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Wrfel, Loch im Hammer fr den
Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung; seemnnisch bezeichnet es
eine kleine, runde Fensterffnung; gastronomisch das was man gewhnlich
Spiegeleier nennt.

Augplatte und Augsplissung erklren sich hiernach von selbst.


*Aus dem Ruder laufen*

ist eine in engem Fahrwasser, in Kanlen und Flulufen sehr
gefhrliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz aufgeklrte Erscheinung.
Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft)
sowohl bei Schraubendampfern als auch bei Raddampfern und Schleppzgen
und charakterisiert sich dadurch, da ein seitlich der tiefen Fahrrinne
fahrendes Schiff pltzlich scharf nach der tieferen Seite des
Fahrwassers hinberscheert und in dieser Bewegung auch durch Ruderlegen
hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort aufgehalten werden kann.
Fllt in diesem Fall nicht sofort ein Anker oder kann man der
Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen Schraubengang wirksam
entgegentreten, so luft das Schiff in der Regel auf dem gegenber
liegenden Ufer auf. Auch knnen unter solchen Umstnden leicht
Kollisionen stattfinden.


*ausfahren.*

1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich Ausreise, ein
Gegensatz zu Heimreise.

2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an
Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend
eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill
festzumachen. Wird dasselbe dann weiter an einem andern Poller
festgemacht, so heit diese Ttigkeit verholen. ber das Verholen eines
Schiffes s. verholen.


*Ausfracht*, s. Fracht.


*Ausguck*, der,

nicht blo seemnnisch sondern auch sonst im Reich gebraucht fr den
Ort, von wo aus einer Ausschau hlt, fr die Ttigkeit des Ausguckens
und fr den Mann der ausguckt, (letzteres hnlich wie der Posten, die
Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist das
Ausgucken nicht auf den Ausguck beschrnkt, sie hat sich schier die
Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten. Die Gucke heit in
Sddeutschland das Tuch, das die Mdchen und Frauen bei Feldarbeit so
weit ber den Kopf gezogen haben, da sie nur eben noch herausgucken
knnen. Der Ort hie in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch
letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms).
Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heit gucken lugen
und in der sterreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg,
(s. Dabovich, nautisch. techn. Wrterbuch).


*Ausholer*, der,

ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr mit dem etwas
ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so geholt, da es
sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des Besansbaums ausdehnt,
ausbreitet, ausspannt. Auch der Klver hat seinen Ausholer, das
Gegenteil des Klverniederholers. Sogar der Klverbaum kann einen
Ausholer haben, durch den er nach auen geschoben wird; hier vertritt
dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stngen Windreep heit.


*ausklarieren*, s. verklaren und klar.


*auslegen.*

Auf das Kommando leg aus! laufen die vorher aufgeenterten und bereit
stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die Rahe hinaus
und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Fe in die Pferde (s.
d.) stellend, den Rcken nach hinten, den Kopf und den Oberkrper nach
vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Hnden festzuhalten, das
Gleichgewicht zu behalten.


*Ausleger*

heit ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum Ein- und
Ausholen; auf Wangerog utliger.


*Auslieger.*

1. ein Schiff das drauen liegt oder fhrt als Kstenwachtschiff.

2. die eigenartige Vorrichtung der Sdseeinsulaner bei ihren Booten, die
sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot
darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhtung des Kenterns. Durch
zahlreiche aus der Sdsee mitgebrachte, von dortigen Fischern
verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt
geworden.


*auslothen* s. lothen.


*aussen* s. sen.


*ausscheiden*,

aufhren mit einer Arbeit, aufhren zu reden u. s. w., ein sonst im
Deutschen in diesem Sinne ungewhnliches Wort. Man sagt wohl aus einer
Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden, einen Fall aus der
Verhandlung ausscheiden u. s. w. Ausscheiden mit Zeugflicken,
ausscheiden mit Deckwaschen, ausscheiden mit Unterricht u. s. w. im
Sinne von aufhren ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache
gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, da etwa ein Einzelner aus der
Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern da das ganze
Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff
*trennen* der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen
trennen, so bedeutet das eben das Aufhren des Deckwaschens. Vergl.
*scheitern*.


*ausscheeren* s. scheeren.


*aussegeln.*

1. in See gehen.

2. ein Schiff aussegeln heit schneller fahren als es, es ein- und
berholen (also mehr wie ihm aufkommen). Man kann auch den Wind
aussegeln, das mte aber eigentlich ausdampfen heien, denn es wird
gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel
Fahrt macht, da der Wind nicht zu spren ist, weil man vor ihm
herluft.


*Aussenhaupt* s. Schleuse.


*Aussenschot* s. Schot.


*auswehen* s. auftuchen.


*Aviso*, der,

engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca d'avviso, span. und
portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen, altital. viso,
provenalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht, Anzeige; also ein
Nachrichtenschiff.


*Axiometer*, der.

Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitns oder wachhabenden
Offiziers, ohne da das Ruder sichtbar ist, doch ersehen werden kann,
wie dasselbe liegt, d. h. ob es *richtig* liegt, vom griech. axioo, ich
halte fr wahr, fr richtig.


*Azimuth*, der.

Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem Mittagspunkt und dem
Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch as-semuta, die Wege.




B.


*Baas*, der.

Seemnnisch wird das Wort hauptschlich in der Verbindung Heuerbaas
gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschft betreibt,
unbeschftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch Schlafbaas kommt
im seemnnischen Sprachgebrauch vor fr Quartiergeber oder Logiswirt.
Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen, was man im
Hochdeutschen einen Kerl nennt. Althochdeutsch faths, Herr,
Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schtzen,
erhalten, wovon unser Vater. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn
Meister, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Fluschiffer,
Bootsmann. Bei Kilianus heit das Wort baes, er sagt: Sicambri regem
suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius,
ante Christum natum 284. Dieffenbach: mittellat. vassus = Diener;
daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener;
Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elev, excellent. Daher
basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol.


*Back*, die.

1. Der vorderste, erhhte Teil des Schiffes.

2. Ein Gef, rund, flach, aus hlzernen Dauben, von hlzernen oder
eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend;
als Eback, Splback, Speiback im seemnnischen Gebrauch; sonst auch
noch Regenback, Wasserback.

3. Adverbium. Das Segel steht back, d. h. der Wind fllt es von der
verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten.

4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und
gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne,
nicht etwa nur wie Weigand zuerst flschlich gemeint hat, die linke
hintere Seite des Schiffes. So genau der treffliche Mann in seiner
geliebten Wetterau Bescheid wute, so fern lag ihm die See. Lebte er
doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift ber eine zu grndende
preussische Kriegsflotte die denkwrdigen Worte gelassen aussprechen
konnte: Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist. ... Es ist
auch leicht zu verstehen und demgem zu verzeihen, da dieser Irrtum
entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt:
Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen und daraus konnte ein
Fernstehender leicht linke hintere Seite machen.

5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer
Eback natrlich, gehren; besonders heit aber auch noch Backschaft
derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambse herbeischafft.

6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwrts, sondern
rckwrts, backwrts luft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der frs
Segeln der allergnstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags,
also etwa in einem Winkel von 45 die Lngsachse des Schiffes treffend.

Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen
bedeutet, und zwar sich biegend, krmmend bewegen. Die gemeinsame
Bedeutung der genannten sechs Wrter ist also: etwas Gebogenes,
Gekrmmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, da hieraus sich
ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mute. Nach Dieffenbach
kommt daher das kymrische bach, glisch bac = Haken. Nach Kluge kommt
das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als
biegsame Stelle, sondern eher als gebogene, runde Stelle). Im
Niederdeutschen heit Back der (gekrmmte, gebogene) Rcken. Von der
Rundung drfte auch althochdeutsch bacho, altfranzsisch bacon, englisch
bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche)
wilde Schwein). Da Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in
Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte,
die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu
Wien erzhlt. In einer Urkunde des Knigs Jaroslav Jaroslawitsch von
Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, da der lodienman, der
Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, fhrt, fr eine Fahrt die Newa
auf und ab enen baken zur Bekstigung haben solle.

Im Angelschsischen finden wir die Form bc = dorsum und bcling =
retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rckwrtsfallen, die
Rckwrtsbewegung des Oberkrpers beim angestrengten Rudern. Im
Einzelnen ist zu den genannten sechs Wrtern zu bemerken:

Zu 1. Die Bezeichnung Back fr den vordersten Teil des Schiffes ist
vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflut, wegen der
Nhe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch gengt zur Erklrung ein
Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes.
Die Wurzel bleibt berall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem
Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier
fhlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; hier bin ich
Mensch, hier darf ichs sein, wenigstens in der Freizeit.

Zu 2. Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken, soll, als
seiner Zeit der neue Chef der Admiralitt General von Caprivi zum ersten
Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er
soll diese Meldung mit einem liebenswrdigen Lcheln des
Unverstndnisses entgegengenommen haben. Backen und Banken ist das
Kommando, da man am Krzesten mit Tischdecken und Auftragen
bersetzen knnte, wenn der Tisch fr die Mannschaften an Bord berhaupt
gedeckt wrde. Es bedeutet, da die (Tische und) Bnke, die bis dahin
der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren,
heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und da die
Backschaft mit der Back zur Kambse gehn und das Essen holen soll.
In frheren Zeiten gab es keine Tische, da muten sich die Leute so gut
sie konnten zum Essen um ihre Back gruppieren. Als die Tische
aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewhnt, da er diesen Namen
ohne Weiteres auf den Tisch bertragen hat. So nennt man ja auch, durch
einen hnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stcke Glas in unsern
Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes
bedeutet. Back heit nun sowohl das runde Gef als auch der viereckige
Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum bersetzt
das eine Mal ganz richtig bak mit alveus, linter in qua coquus cibum
nautis offert, und das andere Mal bersetzt er das Kommando: Kom oan'e
bak mit: accedite ad mensam! Auch sonst wohl wird im Hollndischen in
Anlehnung an die Seemannssprache bak fr Tisch gebraucht. Van de bak
noa't gemak is's menschen gerak. (Bedarf, Bedrfnis, Notdurft sagt man
im Groningen'schen.) Doch wute man wenigstens vor zweihundert Jahren
daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es
franzsisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, ceux qui
mangent  mme plat, und zwar natrlich plat de bois. Zu dem Kommando
Banken ist brigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen
Sprachen zu vergleichen. Bank heit italienisch, spanisch und
portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr blo Bank, sondern
auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier
und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfhigen ffentlich entzwei
gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom franzsischen banc, ist
deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bnkchen und Gasterei,
banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprnglich Bnke zum
Gelage zursten; mittelhochdeutsch benken: Hie ward gebenket schone,
tuoch unde brot uf geleit.

Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was brigens nicht immer
auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigefhrt wird,
wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne
da es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rckwrts
gerundet, und der Rcken heit, wie gesagt, niederdeutsch bak.

Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort,
namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Lngsrichtung in zwei
groe Hlften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord
bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich
doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord
oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand,
Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter,
Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar
Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der
rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando fr den
Mann am Ruder: Backbord! Wir mssen daher fragen, was das Wort
bedeutet und wie es aufgekommen ist.

Ein hollndischer Sprachforscher hat behauptet: De stuurman heeft de
roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert, heeft hy dus hes
linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord. Darauf
antwortet aber ein anderer treffend: Neen, de sturman heft de roerpen,
nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen
of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord
en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord. So weit ist das richtig. Aber
im Weiteren irrt auch er. Volgens eene vry algemeene overlevering is de
vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De
stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van
het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te
schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.
Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: Een stuurman met de
regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de
hand te kunnen eten. Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die
Erklrung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung
zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkrlich und die Behauptung,
jene htten in Htten an Steuerbord, diese htten ohne Htten in
Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist vllig unhaltbar; als ob
die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wren!
Nein, -- sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen
und mit einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterlndischer
Altertmer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes
nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann sa in alten Tagen hinten im
Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in
beiden Hnden hielt, also da beide Arme ber das Dollbord hinausragten.
Dabei mute sich der Leib, -- nicht der Kopf, denn der war mit dem
Gesicht auf den Bug gerichtet, -- ganz dem Bord, ber den gesteuert
ward, zudrehen und demgem war der Back, der Rcken des Steuernden, dem
entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklrung kommt auch die
zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die
Bordwand angelehnt.

Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400)
vor. Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben
an backbort van eme.

Der 1475 in Cleve erschienene Teuthonista hat nur bak im Sinne von
Gef, capisterium, eyn muede oder eyn trog, do die pherde +uss
essent.

Cornelius Kilianus Dufflus im Dictionarium teutonico-latinum von 1548
hat backbord zwar, gibt aber eine kindliche Erklrung: navigii sinistra
pars, pars navigii quae furnum et focum continet, also am Backbord sei
der Backofen und der Herd gewesen.

Nicht unbemerkt soll bleiben, da eine alte pommersche bersetzung des
23. Psalms den fnften Vers (Luther: Du schenkest mir voll ein)
wiedergibt mit: Du givst mi een ganz bak vul.


*Backen und Fllen*,

ist ein seemnnisches Manver, das zwar in unserer Zeit des Dampfes und
der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das aber doch dem
Kapitn oder Lootsen, der es versteht, groen Nutzen bringt, indem er
sich durch Backen und Fllen seiner Segel durch einen Revier oder ein
sonstiges enges und gekrmmtes Fahrwasser hindurchbringen kann,
vorausgesetzt, da er die Gezeiten, die Wassertiefe, die
Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht darin, da man die
Segel abwechselnd back (s. d.) kommen lt und dann wieder so brat,
da sie voll Wind werden.


*Backstag*, das,

ist beim Klverbaum das, was bei den Untermasten die Wanttaue sind,
dient also dazu, dem Klverbaum nach den Seiten zu Festigkeit zu geben.
Es fhrt vom Kopfe des Klverbaums nach beiden Seiten durch die Nocken
der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es befestigt wird. Da Klverbaum
und Rahe einen rechten Winkel bilden, so sind sie die beiden Katheten
des rechtwinkligen Dreiecks und das Backstag ist die entsprechende
Hypotenuse, die in einer Richtung verluft, die auch da, wo sie mit dem
Backstag garnichts zu tun hat, doch *backstags* genannt wird, z. B.
sagt man: es weht eine *Backstagsbrise* d. h., der Wind kommt in
derselben Richtung auf die Segel zu, wie das Backstag von der Nock der
blinden Rahe auf den Kopf des Klverbaumes; also in der
vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben kann.


*Badegast*, der.

So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse genannt, welche weder
Seeleute noch Kombattanten sind: rzte, Auditeure, Pfarrer, Zahlmeister
etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen beizulegen? Es ist vermutet
worden, weil sie ein bequemes, bademiges Leben fhren. Es mag ja sein,
da wohl ein Offizier, der nachts auf die strmische Wache mu, denkt
und sagt: ja, diese Herren, die haben es gut, die brauchen nicht vier
Stunden auf der Kommandobrcke zu stehn, die fhren das reine Badeleben.
Aber der Ursprung des Wortes ist doch ein ganz anderer. Das Wort hie
frher nicht Badegast, sondern Badequast, und dieses diente als
Bezeichnung von Leuten, die nicht gern kmpfen wollten, und von diesen
ist es bertragen auf solche, die berhaupt zu kmpfen nicht bestimmt
und berufen sind.

Das Wort mu sprachlich und geschichtlich erklrt werden.

Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast
oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden,
wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat
solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der
Ble. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte
oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und
Anregung ihrer Ttigkeit. Diese Ttigkeit nannte man qusten oder
questen. Gustav Freitag erzhlt eine Geschichte aus der Selbstbiographie
des 1520 geborenen Stralsunder Brgermeisters Bartholomus Sastrow. Der
hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da
sprach dieser: Habt ihr gebadet, so mu ich euch *qusten*; dabei
ergriff er die Rute, warf dem Shnlein die Kleider ber den Kopf und
lohnte ihm nach Verdienst.

Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch queste, Bschel von Reisig,
Laubbschel, Wedel zum Fegen und Kehren, also unser heutiges Besen;
badequeste, badekoste, Badewedel, Badeschrze. Die das Questen
besorgende Bademagd, die auch riberin, die Reiberin, hie, war nicht
immer die allertugendhafteste, so da das Wort bald einen zweideutigen
Sinn erhielt.

Questenbinder = Besenbinder. Irrtmlicherweise wird das Wort Quast
heutzutage sogar fr Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars
Volkssagen von einem alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe
Questenberg am Harz erzhlt.

Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen fr Tannenzweige vor.
Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu
fr balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel,
Kleiderbrste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig.
Dnisch Kost, Laubbschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches
Wrterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum
Scheuern. Quast heit heutzutage in der Seemannssprache jedweder Pinsel,
insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort aber auch
am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in Gebrauch ist.
Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stck Land das Theerquast heit,
weil der frhere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit dem Theerquast ins
Gesicht geschlagen hat und fr diesen Frevel das Stck Land zur Strafe
hergeben mute.

Geschichtlich. Das Wort ist ursprnglich ein Schimpfwort gewesen; es lag
der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in
zahlreichen Urkunden, da besonders die Lbecker mit diesem Worte
verhhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung
eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen
wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes Waschlappen denken,
welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der bertragenen
Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die
Lbecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen
Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427
hatten sich die Hamburger und Lbecker verabredet, da ihre Schiffe sich
zum Kampfe wider die Dnen im Belt versammeln sollten. Es war ein
bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit
nun die befreundeten Hamburger und Lbecker sich auch im Gewhl einer zu
erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen knnten, verabredeten sie
ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein achter up de
compannien steckender *Badequast*, also ein Besen, wie sie ja auch zur
Bezeichnung des Fahrwassers an den Ksten ausgesteckt werden.

Aber die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lbecker.
Und da die Dnen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da
diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lbecker zu warten.
Als es zwischen Dnen und Hamburgern bereits hei herging, erschienen
endlich auch die Lbecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand,
dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schu, und machten, anstatt
tapfer in den Kampf mit einzugreifen, da sie wieder in ihre Trave
kamen; do se auerst segen, dat de sake so stunt, *steken se den
badequast hynder* und leden dragen na der Trauen; und worden de
Hamborger gefangen und ore schepe genamen. Wer will es ihnen da
verdenken, da sie auf die Lbecker wtend waren, und sie nicht grade
sehr liebenswrdig und schmeichelhaft an jene Badequste erinnerten? Und
obwohl bald darauf, 1431, die Lbecker durch die Einnahme von Flensburg
jene Scharte glnzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname
leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre
1511 stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat
lubsche wapent, mit roden. Ein anderer schipper kerede den lubschen
arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit
questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lbschen tho hone
undt tho spotte.

Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen fr einen, der sich um die
aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drckte, oder berhaupt an einer
Schlacht. In einem alten Spottverse heit es:

      Vord an bist ein wundderlich gast,
      Du sleist hinder na mit Philippes badequast,
      Nener logen deistu di schemen,
      Du segst, do id scholde an ein drepend gan
      Do fund man de heren hinder dem busche stan,
      Dat mag di wol hebben gedromed.

  In einem anderen:

      Ok Bokelen fast
      Du den badequast
      Nu forest in dinem schilde,
      Dar na bestan
      Du woldest han
      Den vor Marien bilde.

Von hier bis zu Leuten, deren Beruf die Fhrung der Waffen berhaupt
nicht ist, war, wahrscheinlich im Anfang scherzhafterweise, kein weiter
Weg. Und bald konnte man die Nichtkmpfer an Bord der Kriegsschiffe um
so eher und harmloser und ohne sie zu beleidigen Badequste nennen als
nach und nach die Lbecker Geschichte in Vergessenheit geraten und die
ursprngliche Bedeutung des Wortes dem Sprachbewutsein entschwunden
war. Man hatte Badequste an Bord ohne zu wissen was Badequste waren.
Da kam denn das Neuhochdeutsche und gewann, gerade auf den
Kriegsschiffen, immer mehr Einflu. Offenbar wurde nun Badequast als
eine mundartliche, plattdeutsche Verschlechterung von Badegast
angesehen, sie haben ja auch ein so bequemes Leben, diese Badegste,
und so hat sich das Wort Badegast eingebrgert. Um den Vorgang ganz zu
verstehen braucht man nur an jene hhere Tochter zu denken, der
Klopstock nicht fein genug war, sie schrieb Klopfstock.

Im Andenken an die Lbecker Quastgeschichte mag hernach in Hamburg und
anderen niederdeutschen Gegenden das Schimpfwort Hans Quast
aufgekommen sein. In dem niederdeutschen aus dem Jahre 1618 stammenden,
von J. Bolte und W. Seelmann herausgegebenen Schauspiel Hanenreyerey
schimpft einer einen anderen neben den schnen Ehrennamen Hans
Schubberug, Hans Hasenkihl, Hans Kladdehack, Hans Rustefihl auch Hans
Quast, und die Herausgeber bemerken hierzu: Vgl. ndl. Kwast, Pinsel,
bildlich Narr. Hans Quast kommt als Schimpfwort im Hannverschen (s.
Schambach) besonders aber auch in Hamburg vor, vgl. Schtze 2, 102 Hans
Quast, alberner, nrrischer Mensch. Hans Quast vom Steendoor Settet sie
Mtz up een Oor. Nach einem mir zugegangenen Schreiben eines
Seeoffiziers ist das Schimpfwort auch in der Mark Brandenburg verbreitet
und hat sogar noch heute in seiner Bedeutung einen Anklang an den
ursprnglichen Sinn, indem ein Knabe einen anderen, den er vergeblich
zum Kampfe herausgefordert hat, Hans Quast nennt.

Da aber Quast anstatt Gast gesagt wurde, und zwar nicht hie und da
einmal, sondern oft, so da es dem Munde des Volkes durchaus gelufig
war, wird dadurch bewiesen, da Quast in ein vielgebrauchtes Sprichwort
bergegangen ist, mittelniederdeutsch: darna man darna quast d. h. wie
der Mann ist, so wird er als Gast behandelt.


*Bagger*, der.

Eine in neuerer Zeit zu immer grerer Bedeutung gelangte Vorrichtung
zum Ausschpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wasser. Ursprnglich ein
hchst einfaches Werkzeug, hnlich einem Obstpflcker oder einem
Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem Sckchen daran.
Dieses Sckchen hie im Niederdeutschen bag, wie noch heute im
Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack bedeutet. Man
hat sogar heute noch in England die alte einfache Vorrichtung: bag and
spoon, an arrangement used in dredging for river sand, and consisting
of a bag attached by the mouth to an iron hoop which is fastened to a
long pole, by means of which it is sunk to the bottom of the river and
dragged along so that the bag is filled. Auch in Deutschland hat man
in kleinen Verhltnissen noch immer etwas hnliches im Gebrauch. Das
Ende des 18. Jahrhunderts erschienene sogenannte Bremer Wrterbuch
bersetzt Bagger mit mudder-hamen und bemerkt dazu: Ein eiserner
Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist, mittelst dessen man den
Schlamm aus den Wasserlsen, Wetterungen und Sielgrben ziehet; wobei
die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei, ein Netz, oder ein Beutel?

Auch in Holland gebraucht man dieses einfache Werkzeug noch; Halbertsma
im Lexikon friesicum bersetzt baggern mit: reti vel sacco ex panno
cannabino extremitati gracilis conti (Stange) affixo coenum trahere e
fundo aquae, wobei sich auch wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit
reti vel sacco findet, da der Stoff doch mit ex panno cannabino deutlich
genug bestimmt ist als aus Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern
ein Sack, niederdeutsch bag; daher Bagger.

Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage gefrderte Schlamm, Mud,
Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als
Abkrzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder)
oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der
baggel-turf kurzweg baggel heit, aber darum htten sich deutsche
Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen drfen, Bagger
kme daher, da man den Bagger vom Meeresgrund herausbefrdere. Das ist
eine vllige Umkehrung der Tatsache, denn die gefrderte Masse ist nach
dem frdernden Werkzeug benannt. Das hie, wie gesagt, ursprnglich Bag.
Die damit ausgebte Ttigkeit hie baggern. Als nun spter der Ursprung
von baggern aus Bag dem Bewutsein entschwunden war, und der
niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen
Wasserbaumeistern, aber doch das Bedrfnis nach einem Namen fr das
inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so
kehrte man nicht etwa zu dem ursprnglichen Bag zurck, sondern bildete
aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein
neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch
einigermaen kurz und gut ausgefallen; was htte werden knnen, vermgen
wir zu ahnen, wenn wir lesen, da in einer wissenschaftlichen
Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen
konnte, das hollndische Wort modder-molen mit Ausschlammungsmaschine
zu bersetzen.

Das Etymon von Bag ist Balg, Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge,
Packetdampfer.


*Bagienrahe*, die.

Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser letztere Umstand, da
die Rahe kein Segel hat, scheint mir, hnlich wie bei der blinden Rahe,
den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben, die eine *Bettel*-Rahe
bedeuten drfte. Im Franzsischen heit sie, oder hie sie 1702
Pbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie hollndisch
een onnutte ree, eine unntze Rahe genannt: De begyn ree is een lose en
onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar by van
onderen uit te halen. Wir mssen auf das unter Bagger behandelte bag
zurckgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke
Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es
stark eingedrungen. Provenalisch bagua, spanisch baga = Packseil;
altfranzsisch bague, Bndel. Davon bagage = Gepck. Insofern nun die
alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplnderten (dem Plunder)
nicht haushlterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder
vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der
Plnderung reicher Stdte die Bagage eines Sldners als etwas
Verchtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle.
Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Mnnlein
zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Frulein zweifelhaften
Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack,
Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal
bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzsischen bagasse, bajasse
auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen
entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste
Ausrstungsstck eines Bettlers war entweder ein Scherben fr die
Bettelsuppen oder ein Sack fr das Bettelbrot. Von diesem bag haben
Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag -- zuerst
scherzhaft -- die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt
worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hrner bagyn
genannt, und in Westfalen heit heute noch Begine nicht nur ein
verschnittenes Schwein, sondern auch ein trichtes, unntzes
Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hie beghyne ein aschfarbener Ochse,
weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und nennt
man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil diese
Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: Adelung acht dezen
naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen, dewyl
de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden, kann sich aber,
trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten
von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635
ermordet worden sein soll.

Im Teuthonista ist das Wort Baghyne geschrieben. Die Nonnen des Namens
waren in niederdeutschen Seestdten sehr weit verbreitet, die Anwendung
des Namens in bertragener Bedeutung lag daher nahe. Es heit, nach
Waghenaer, Spiegel der Zeewaerdt, 1573, sogar ein Felsen in der
Hafeneinfahrt von Brest Bagiene.


*Bai*, die,

ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort fr
Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie.
Derselbe gibt fr das Niederlndische die Form baai an. Italienisch
baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederlndischen ins Niederdeutsche
und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche
gedrungen.


*Bake*, die.

Signum secundum quod navis regitur, diese Erklrung Halbertsma's
drfte in ihrer Krze am treffendsten die verschiedenartigen Bedeutungen
des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie eine Bake auch aussehen und wo
sie auch angebracht sein mge, ihr Zweck ist fr den Seemann doch immer
der, seinem Schiff weisend und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein
sehr altes deutsches Wort, das ursprnglich noch keineswegs ein
Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz
allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bcken verwandt, und dieses mit
biegen. Die einfachsten und ursprnglichsten Zeichen sind ja die, da
man mit dem Kopfe nickt, den Oberkrper nach vorn biegt, sich bckt oder
eine hnliche Krperbewegung macht. Jeder der auf eine grere
Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkrlich dabei
seinen Oberkrper vornber beugen, und eben diese Bewegung ist das was
die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon frh auf
eine Stange bertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder
die man als ein Zeichen fr irgend etwas in den Boden steckte. Damit
man diese Stange auf grere Entfernung desto besser sehe, wurde an
ihrer Spitze ein Bndel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken
unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen wrde,
eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder wei was das
bedeutet.

Solche Baken, also Pfhle mit Reisigbndeln, haben in alten Tagen fr
das Signal- und Nachrichtenwesen eine groe Rolle gespielt. Wenn in
Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die
Gemeinde zusammengerufen durch tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha
bekena of to stekene. Oder die Gefahr wurde mith boeda iefte bakena
den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbndel auf der Stange
angesteckt und hie dann Feuerbake, vierbaeck. Es war den Wchtern
genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabstnden sie ihr
Feuerzeichen zu entznden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten
der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, da
auch das Luten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV.
Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur
Erinnerung an einen verwstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form
eines Kreuzes. Im Angelschsischen ward becen sogar vom Kreuze Christi
gebraucht, als Siegeszeichen, sige-becen. Im Bewulf (VIII. Jahrh.)
steht becn schlechthin als Zeichen; becen heit Feldzeichen,
Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast
aufgehite Schild des Hchstkommandierenden war; auch kommt
heofones-becen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersule.

Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge.

In dem oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach
dem Mnsterlndischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen
erhalten haben (gesammelt von J. U. Minen und in Ehrentrauts
friesischen Archiv verffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert
den Dienstag Abend der Fastnacht als Bekenseivend. Darber berichtet
Strackerjan (Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg): Wer
noch beinhaft (gehfhig, also noch einigermaen nchtern) war, machte
sich ein langes Strohbndel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12
Fu Lnge, das dicht und straff mit Bndern umwickelt war. Diese Beken
(plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezndet, und die Leute
schwrmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild
schreiend.

Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als
Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen
finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg
aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter
herausgegebenen Seebuch, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist
und zahlreiche Segeldirektionen enthlt, mit Bercksichtigung der Tiden,
Stromlufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: also gy wilt segelen int
Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.

Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen
in hnlichem Sinne: Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches
allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ...
pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.
Kilian aber erklrt Bake schon nur mehr mit seemerk und nennt auch
Bake das was heutzutage im seemnnischen Gebrauche Boje heit.
Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschlielich Seemannseigentum. Kluge
erklrt es mit Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor
Untiefen, und berichtet, da es im Hochdeutschen zuerst von Sperander
1727 als Leuchtturm verzeichnet worden ist.

Ins Englische ist das Wort schon zu der angelschsischen Zeit
bergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgem spielt es in dieser
Sprache eine groe Rolle: a mark or object of some kind placed
conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance
of vessels. Various hills in England got the name of Beacon from the
fact of signal-fires having been formerly lighted on them. berhaupt
scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von
beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heit to
afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal,
welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was
uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, to make a sign to
another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger.

Von beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der
Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort
beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wrterbuches uns
berichten, ist zum Glck aber wieder auer Gebrauch gekommen. Die Bake
selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit
und des groen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz
anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen
Strohwisches htte trumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in
denen Nahrungsmittel, Betten, Decken fr Schiffbrchige enthalten
sind, also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer,
Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und
Winkbaken gibt.

Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu vergleichen. Das
Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, da es beinahe
ausschlielich herrscht, und da alle anderen Bezeichnungen fr dieselbe
Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, Wethe kaum mehr bekannt und
hchstens noch auf beschrnktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde
der Leute sind.

Das lteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon
Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berhmten Buche: Spiegel
der Zeevaerdt, das in Leyden gedruckt, in Amsteeredam in eben dem
Jahre 1588 erschienen ist, in dem die unberwindliche Armada
berwunden ward. Da heit es -- vergl. Tonne --: ende aen de ander
zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven
bouen op in deser manieren, und ist dann eine Stange abgebildet mit
einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch
als Sturmball etc. etc. gebraucht.


*Balje*, die.

1. Ein Wasserbehlter = Btte.

2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die
blaue Balje bei Wangeroog.

Franzsisch 1702: baille; hollndisch 1702: baalie; Groningen: boalie,
boalje, melkboalie, Melkeimer.

Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das Seebuch
balge fr Wasserlauf hat und der Teuthonista baly fr vas, Fa. Das
Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff Wasserbehlter. Die
Balje im Watt behlt ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet
also gleichsam eine Balje im Sinne von Btte. Es ist auf das unter
Bagger Gesagte zu verweisen. Das heute noch in England gebruchliche
bag hie altenglisch bagge, a beggars bagge, ein Bettelsack; glisch
bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last, Bndel. Der Dudelsack oder
die Sackpfeife heit im englischen bekanntlich bagpipe. The bagpipe
consists of a leathern bag, which receives the air from the mouth, or
from bellows; and of pipes, into which the air is pressed from the bag
by the performers elbow. Was heute a leathern bag ist, das war, wie
bekannt, frher ein Balg, Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun
bedenken, da im Lombardischen der Weinschlauch baga heit, und da
Weinschluche nichts anderes waren und sind als Blge, so kommen wir auf
Balg als Etymon zu Bag. In der Tat sind berall die ersten Scke der
Menschen abgebalgte Tierhute gewesen. Bag ist aus Balg durch Schwund
des unbequemen l entstanden. Hie doch im angelschsischen bag noch
baelg, und im glischen kommt neben bag auch balg vor. Natrlich wurde
solch ein Balg nicht blo zum Weintransport bentzt, er diente,
namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als Wasserbehlter und
Wasserbehlter ist die Balje. Das Wort wird oft auch Balge geschrieben
und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine Abstammung von
Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack, Reisetasche,
Esack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga bergegangen
ist; Festus: bulgas Galli sacculos scorteos vocant. Mittelhochdeutsch:
balc = Hlse (gleichsam das abgezogene Fell des Korns), Schlauch, groes
Trinkgefss.

Um zu verstehen, wie aus Balge Balje geworden ist gengt es, an die
Schreibweise im Seebuch ballighe, oder noch einfacher und nher
liegend an die weitverbreitete Aussprache des g wie j zu denken.


*Ballast*, der.

Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um dem Schiffe
den ntigen Tiefgang zu verleihen.

ber die Bedeutung diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte
von Bale = Bole = Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen
liegt. Aber dann wre jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu
liegen kommen als auf Bohlen?

Es sollte Back-Last, Rcklast, sein; allein, nicht jede Rcklast ist
Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an das
keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand.
Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben: Bar-lest = saburra,
ex bara, unda, et lest, onus; saburra enim impedit quo minus vacua
navis vi undae et venti in latus prosternatur.

Und doch ist die Erklrung, auf die meines Wissens noch niemand
verfallen ist, sehr einfach. Man mu zunchst von Kriegsschiffen ganz
absehen und an Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt,
gewinnreiche Ladung zu bekommen fr Hin- und Rckfahrt. Wenn ihm das
nicht gelingt, so mu es freilich des ntigen Tiefganges wegen irgend
eine Ladung einnehmen, auch solche, die hernach einfach wieder
ausgeladen und als unntz beiseite geworfen werden mu. Das ist dann
eine schlechte, bse, ble, nicht lohnende Last. Und eben darum heit
sie Ballast. Bal hie in allen germanischen Sprachen, heit teilweise
sogar heute noch schlecht. Gotisch balvjan, einem Bses tun, ihn plagen;
althochdeutsch bale, malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo
und bale, Verderben, Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den
Schiffer Qual und Pein genug); altschsisch balu, bel, baluwerk,
beltat, baluspraka, verderbliche, schlechte Rede; angelschsisch balu,
bealu, perniciosus, malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael,
bse, bael mond, baelmond, schlechter Vormund. Im spteren Friesisch
finden wir baldedich, gewalt-bel-ttig, balstiurrich, schlecht zu
steuern, von einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln
ist; bal-arich ist einer der schlecht hrt. Auch im Nordfriesischen
(Outsen) kommt balstrig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor.
Desgleichen in Bremen fr frevelhaft, gewaltttig. In Groningen sagt
man: doar is't bal, da ist es verkehrt, da steht es bse, da ist's
nicht in Ordnung. Ein unntzes Kind heit da geradezu ballast. Ein
Junge, der nicht hren will, ist ein Schlechtohr, 'n baloorn van 'n
jong. hnlich heit in Westfalen balhaerig, schlecht hrend, und zwar
nicht taub, sondern schwerhrig von einem der aus Bosheit und Unart
nicht hren will.

Also unntze Last. Das Richtige scheint schon der Teuthonista geahnt
zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt.

Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed
malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile
onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit.

Im brigen ist die lteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe,
ein Hansa-Rece vom Jahre 1442.


*Banjerdeck*, das,

eigentlich blo Banjer, heit auf kleinem Schiff mit nur einem Deck der
kleine Platz vor der Kajte wo die Leute ihre Logis haben. Banje ist
Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht nur wie im Hochdeutschen
Bahn einen freien Weg, sondern berhaupt eine freie Strecke, einen
freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der fr die Mannschaft freie
Raum.


*Bank*, die.

1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und Banken;
Ruderbank, s. ducht. 2. bertragen: Austernbank, Felsenbank,
Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank
(mit den Koveinngeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back,
Rcken, rundliche Erhhung angesehen, was mit den Wrtern, bezw.
Zusammensetzungen in bertragener Bedeutung nicht bel stimmt, besonders
mit Sandbank, wofr man auch Sandrcken sagt. Kluge gibt einen
vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back
widersprechen wrde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung
der Wurzel von Back -- bhag -- wre.


*Baratterie*, die.

Dieses in der deutschen Marine ungebruchliche, von Dabovich,
Nautisch-technisches Wrterbuch der Marine fr die sterreichische
Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding in Hamburg vor
hundert Jahren kein fremdes. Hierunter versteht man alle Betrgereien,
die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter, gemacht werden
knnen. Z. E. Verflschung und Bestehlung der Gter, oder Nebenwege, die
mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden. Hollndisch,
dnisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery, franzsisch
baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria. Diese
Einmtigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl
bereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub,
wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf
dieses hnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort.


*Barbetteschiff*, das,

ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten Barbettetrmen, die wegen der darin
aufgestellten Geschtze besonders starke Panzer tragen, whrend der
brige Teil des Schiffes leichter gepanzert ist. Der Name kommt von der
heiligen Barbara, bei den Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie;
ihr zu Ehren heit auf franzsischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St.
Barbe. Die heilige Barbara war eine rmische Jungfrau, die um ihres
christlichen Glaubens willen den Mrtyrertod erlitt, ihre Henker aber
wurden vom Blitz erschlagen.


*Barbican.*

Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses Namens an der
Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehrt dieses Wort hierher. Im
Mittelhochdeutschen hie barbigan der Teil der uersten Festungswerke,
aus dem Ausflle gemacht wurden. Altfranzsisch barbacane, Brustwehr mit
Schiescharten. Soll aus dem Arabischen bab-kanah, a gateway, kommen.


*Bardse*, s. Bark.


*Bark*, die.

Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden vordersten Rahen,
der dritte nur Schratsegel fhrt. In der Form Barke bedeutet es
berhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so ziemlich
ausschlielich, in dichterischer Rede. Die Erklrung bietet zwei
Mglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift auf
die Wurzel bhar, tragen, zurck. Fnde sich das Wort nur in den
germanischen Sprachen, so knnte man mit Wackernagel das altnordische
barkr, Bark, mit brkr, Borke, Rinde, fr nahe verwandt halten. Wie
manche Naturvlker heute noch tun, so mgen in uralten Zeiten auch
unsere Vter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es
uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe
gesehen hat, der wei, da die Verdrngung des altdeutschen Einbaums
durch kunstvoll zusammengefgte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden
gezhlt werden kann. berdies haben auch alle romanischen Sprachen das
Wort, und es kommt als barca bereits im frhesten Mittellatein vor; dann
italienisch, spanisch, portugiesisch barca, franzsisch barque,
(kymrisch, Breizonek und glisch barc) wovon barge, Boot, baril und
barique, Fa.

Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer Name baris fr
einen Kahn, besonders ein gyptisches Nilschiff, bezeugt ist, an
griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen niederdeutschen
Sprachgebiet heute noch bren, zu denken, ein Wort das in sehr
verschiedener Bedeutung vorkommt: gebhren, gebahren, Gebhren, Bahre,
Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens ausdrckt. Bei
einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt ist, liegt also
bren nher als Borke.

Schon frh im Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im
Seebuch 1400 bartze, bardzee vor. Htte man damals das Bewutsein
gehabt, einem einheimischen Worte gegenber zu stehen und an Borke
gedacht, man htte solche sonderbare Vernderungen davon nicht
vorgenommen; dies ist wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt,
da ein Lehnwort mundgerecht gemacht werden sollte.


*Barkasse*, die.

Das grte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln eingerichtet,
manchmal auch Dampfbarkasse.

Einige Erklrungen haben es sich leicht gemacht und einfach gesagt:
Barkasse von Bark, aber wie oder wo sich diese ja an sich nicht
undenkbare Weiterbildung vollzogen hat, das sagen sie nicht. Das Wort
hat anderen Ursprung. Vom lateinischen arca ward ein italienisches
arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet, franzsisch arcasse =
Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser arcasse war ein groer
Balken, grande barre, angebracht, der (grande) barre d'arcasse hie und
als Davit diente (s. d.), nmlich zum Aufhngen, Hissen und Fieren des
grten Schiffsbeibootes. Und das empfing von dem Balken an dem es hing
den Namen Barkasse.


*Barkun*, der.

Barkuns sind hlzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafr aber
auslegbare Krhne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum Fieren
aufgehngt werden knnen. Nach dieser von Dick und Kretschmer, Handbuch
der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklrung und nach dem, was
unter Barkasse nachzulesen ist, drfte es klar sein, da Barkun im
Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nmlich abgekrzt und mit einer
neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und
andere Wrter hnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet,
versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich
dieselbe von barre d'arcasse.


*Barring*, die.

Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter Deckshhe ber dem
Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die hufig, namentlich
bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem Barringsdeck, belegt
sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und Reservehlzern etc.
Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar = tragen abstammend, sei
es da dabei unmittelbar antragen, sei es da an barre, Tragbalken,
gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so da wir also das hochdeutsche
Barre mit niederdeutscher Endung vor uns haben.


*Bare* = Welle, s. Barre.


*Brme* s. Berme.


*Barre*, die,

seichte Stelle vor einer Flumndung, durch Ablagerung des vom Flusse
mit sich gefhrten Sandes, ein Hindernis, eine Beschrnkung des Aus- und
Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung. Von der unter
Bark erwhnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch bara, para,
Balken, zunchst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann aber auch etwas
Beschrnkendes, Schranke, eingehegtes Stck Land, abgeteiltes Stck
Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun, Gehege; verbarren durch
Schranken versperren; englisch bar; franzsisch barrire, besonders aber
barre, Stange, Balken, Rost, Klampe, Ruderpinne, barres de hune =
Salingshlzer; und das unter Barkasse nachzulesende barre d'arcasse;
barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch bar, Ast. Spanisch barrera,
davon embarazo, franzsisch embarras, Sperrung, Hindernis, und barricade
(barricata).

Von gleicher, tragen bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche
bar, bare, mittelniederlndisch baere, niederlndisch baar, Woge, Welle,
Sturzwelle, Brandung; vergl. Lpkes Seemannssprche: barra waegen,
barra streamen, Wellen wogen, Wellen strmen; sei es da die Wellen
tragen, sei es da sie getragen (gehoben bewegt) werden.


*Bauchgording*, die,

gewhnlich Bukgording, oft auch noch krzer Buggerding lautend, wie
Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde geflltes Segel sieht in
der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die Taue die dazu dienen
beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels aufzugeien heien
Bauchgordinge. Gording, Grde, Grdel ist ein Gurt, Grtel, Band,
Riemen, irgend etwas zum Binden und Grten, besonders Beinkleider. Die
altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida, einer Weide, auf;
da ist es nicht zu verwundern wenn die Mnner fr Befestigung ihres
Anzuges eine (schwanke, biegsame) *Gerte* verwandten; gothisch gairda,
angelschsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt, altnordisch
gjrdh, islndisch gjrd, norwegisch gjord und gyrda. Gording im
seemnnischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau bersetzen;
also Bauchgurttau.


*Batterie*, die.

Der Standort der Geschtze; ist ein eigenes Deck fr die Geschtze da,
so heit dieses das Batteriedeck, oder auch kurzweg die Batterie.
Besonders aber heit, wie am Lande, eine unter sich zu einem bestimmten
Verbande gehrige Anzahl von Geschtzen Batterie; Steuerbordbatterie,
Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller Geschtze, vergl. das
Kommando beim Geschtzexerzieren: Batterie halt!

Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre schlagen;
wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jhrigen Krieges und
von der Landarmee an Bord bertragen.


*Baxterlagerung*, s. Baxterspill.


*Baxterspill*, das,

eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und vereinfachte neue Art
von Spill (s. d.). Durch Trennung der Kettentrommel vom Spillkrper ist
erreicht worden, da die mhsame Arbeit, welche frher das Legen der
Kette um das Spill und das Abnehmen derselben vom Spill verursachte
erspart wird. Das Spill ist im Moment klar zum Hieven, und auch das
Abstoppen der laufenden Kette vollzieht sich in erheblich sicherer und
einfacherer Weise.

In Verbindung mit dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei
Kriegsschiffen fr die Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker,
seltener fr die Hecklagerung die sogenannnte *Baxterlagerung* zur
Anwendung. Diese Lagerung charakterisiert sich dadurch, da die Anker
in die Klsen hineingehievt werden. Frher hingen die Anker lngsseits.
Das kommt auch jetzt noch vor, ist aber veraltet; ebenso wie das
Gang-Spill.


*Bedaren*,

zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten Menschen, daher
bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedchtigkeit. Doornkaat meint,
das Wort komme nur im Niederdeutschen und Niederlndischen und sonst
nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist aber auerdem noch ein
dnisches (bedare) und schwedisches (bedara) Seemannswort, und zwar
dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen gebraucht. Roeding:
Wenn das Wetter anfngt still und ruhig zu werden, und der Wind aufhrt
zu wehen, so sagt man: es bedaart. Es ist allerdings ein Wort mit
auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel dhar, halten, haften,
bleiben, abstammend.


*Befahren.*

Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine Strae, das
Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel zur See
gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat. Ist
einer so befahren, da er das Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung
umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen Kstenpltzen in
seemnnischer Gesellschaft -- beide Beine auf den Tisch legen. Einen
nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt Aristophanes, wie
Roeding behauptet, einen Asalaminrium, also einen, der nicht ist wie
die von Salamis.


*Befluten*,

unter Wasser setzen. Alle Munitionskammern an Bord S. M. Schiffe sind
zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei einem
Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt
natrliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar
durch Bodenventile beflutet werden knnen; knstliche Beflutung bei
hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden
mssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklrung
ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.)


*Bei.*

Das Kommando fr die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am Winde (s.
d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde gesegelt, also
nicht gekniffen werden soll, dann heit das Kommando: voll und bei!


*Beiboote*, die,

auch Schiffsboote; jedes Schiff ist mit einer Anzahl von Booten
ausgerstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu erfllen
im Stande sein sollen. Dieselben dienen nmlich zum Verkehr der
Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von
Material, Wasser, Proviant u. s. w., zum Ausfahren von Ankern und
Trossen, zum Auffischen ber Bord gefallener Menschen oder Gegenstnde,
zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel
fr die Besatzung bei Schiffsunfllen, bei Landungszwecken zum Aus- und
Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraen, zur
Herstellung von Sperren. Da zur Erfllung dieser verschiedenen Zwecke
teilweise ganz verschiedenartige Rcksichten und Anforderungen magebend
sein mssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit
verschiedener Bootsklassen oder Gattungen. (Dick u. Kr.) Als da sind
(in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen,
Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote fr
Torpedoboote.


*Beidrehen*

heit an den Wind gehen (s. am Winde) oder auch das segelnde Schiff
sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptschlich durch
Backbrassen der in Betracht kommenden Segel. Vor allen Dingen ist aber
wichtig das seemnnische Manver des Beidrehens, des an den Wind Gehens,
im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile gelenzt hat, d. h. vor dem Sturm
gelaufen ist, und der Kapitn kann wegen zu hohen Seeganges oder will,
weil ihm die Richtung nicht pat, das Lenzen nicht fortsetzen, so dreht
er bei. Das mu mit Geschick und Umsicht gemacht werden, damit
Sturzseeen dem Schiff nicht gefhrlich werden. Die Folge des Beidrehens
ist das *Beiliegen*. Das Schiff liegt bei (dem Winde) bis besser
Wetter eintritt, und es handelt sich hauptschlich darum, da es mit dem
Kopfe auf der See liegt, nicht abfllt (s. d.), weil es dann die See
besser hlt, weniger Sturzseeen bernimmt.


*Beibuchten.*

Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht ist, mit der
Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen so viele
Buchten -- von biegen -- so viele Kreise das Tau beim Aufschieen
bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz einnehmen
oder aus irgend einem Grunde, z. B. beim Deckwaschen aufgehngt werden
sollen, so werden sie mit einem Band oder Bndsel zusammengebunden,
damit sie nicht unklar werden und leicht wieder gebrauchsfhig gemacht
werden knnen. Dieses Zusammenbinden heit beibuchten. Im bertragenen
Sinne heit einen beibuchten ihn einsperren, in Arrest schicken.


*Beilbrief*, der,

frher Bielbrief, niederlndisch bylbrief, dnisch bl-brev, schwedisch
bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale heit, so knnte vermutet
werden, diese bill htte dem Beilbrief den Namen gegeben, er wrde also
eine Tautologie darstellen. Das wrde nun an sich nichts ausmachen, weil
es fters vorkommt, aber ich sehe doch nicht an, bei dem Worte an Beil,
Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es bedeutet ja einen Kontrakt zur
Erbauung eines Schiffes, der zwischen einem Zimmermann und Demjenigen,
der ein Schiff bauen lt, gemacht, schriftlich abgeschlossen wird; das
Beil aber ist und bleibt doch immer des Zimmermanns Hauptwerkzeug.
Bestrkt wurde ich in diesen Gedanken durch das Eigenschaftswort
beilfertig, bielfertig, niederlndisch bylvaardig, dnisch bilfaerdig,
schwedisch bilfardigt, welches das Schiff als fertig im Holzwerk
bezeichnet ohne Takelage und Zubehr, also in dem Stande, bis zu welchem
das Beil die Hauptarbeit an ihm getan hat.


*Bekaier*, der,

heit dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hie aber frher
auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das oberste Ende
der Besansrute aufgetoppt wurde, beim berstaggehen, und heit auf
Schmacken, Jachten und Kuffen die Bra der Bagienrahe, die nach vorne
fhrt.


*Bekleiden*, das,

Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem Schamvielen, ausgesetzt
ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting, Schiemannsgarn, Sarving,
Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder dazu genommen; die
wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die, nachdem sie mit
einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Lnge mit Schiemannsgarn
fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann bekleidet
werden, s. Kleid.


*Belauf*, der,

die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z. B. ein Lieger,
Bauchstck oder eine Wrange, Bodenwrange verluft; dementsprechend auch
die uere Gestalt des Schiffsbodens, oder die Verengung desselben,
vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, da es einen feinen Belauf
hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt und spitz zuluft.
(Roeding, Datovich).


*belegen*,

ein laufendes Tau mehrmals um ein Belegholz, z. B. eine Klanpe oder
einen Koveinnagel, kreuzfrmig ber einander schlagen, um es fest zu
machen. Die Koveinngel heien darum auch Belegngel und die Bank an der
sie befestigt sind, Belegbank, so wie die Klanpe auch Belegklanpe
genannt wird. Man spricht auch vom Belegen eines Befehls, wenn einem
gegebenen Auftrage nicht weitere Folge gegeben werden soll, oder wenn er
zurckgenommen wird; das ist bildlich: das belegte Tau bewegt sich nicht
mehr und der belegte Befehl gilt nicht mehr.


*belemmern.*

Wo es, wie auf einem Schiffe, auf Ausntzung des Raumes ankommt, da mu
dafr gesorgt werden, da keiner der vielen Gegenstnde, die an Bord
gebraucht werden, dem anderen im Wege stehe und seinen Gebrauch
verhindere oder erschwere, d. h. belemmere. Auch ein Mensch kann den
andern belemmern, wenn er ihm Wege steht oder zu nahe auf der Pelle
sitzt. Es bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, *lhmen*. Es ist
verwandt mit lahm, ein Frequentativum des mittelniederdeutschen belemen,
althochdeutsch bilemjan, pilemmen, bilemen. Es wird auch gebraucht, wenn
ein Raum, ein Boden, eine Last zu voll gepackt ist, da man sich nicht
darinnen bewegen, rhren kann.

Da die Beschriving van der Kunst der seefahrt, das Loggen als eine
belemmering ansieht, ist unter Log nachzulesen; wie Fritz Reuter
Belemmerung anwendet, s. unter praien. Belemmertheit ward im
Mitteldeutschen aber zuweilen auch fr Beschftigung gebraucht: De
ander remedie (gegen gulsicheit, Gefrigkeit) is ... Van redelike
dinghen belemmerthede.


*benauen.*

Ein Schiff benaut das andere, wenn es ihm, die Luv (-seite)
abgewinnend, den Wind zum Segeln wegnimmt. Sodann heit benauen ein
feindliches Schiff in einem Hafen einschlieen und bewachen, da es
nicht heraus kann. Endlich sagt man, wenn die Luft von Natur schwl oder
durch Verbrauch im engen Raum mit vielen Menschen verdorben ist, es ist
benaut.

Vom niederdeutschen nau, mitteldeutsch nouwe, niederlndisch naauw,
dicht, enge, beengt, bedrngt, beschrnkt, knapp, genau; das *nau* in
genau ist die hochdeutsche Verwandtschaft.


*Bendsel*, der und das,

auch Bindsel, ein Band, ein Stck Bindfaden; nicht zu verwechseln mit
dem hochdeutschen Bndel, welches ein Diminutivum von Band ist; vielmehr
drfte Bindsel eine Verkrzung von Bindseil sein und Bendsel nur eine
Nebenform dazu.


*Bergen*.

Am hufigsten findet sich im seemnnischen Gebrauch die Wendung Segel
bergen, ein Kommando das immer ertnt, wenn die Segel eingezogen d.
h. festgemacht werden sollen. Daneben spricht man vom Bergen einer
Ladung bei gestrandetem oder sonst gefhrdetem Schiffe, man sagt auch
sich bergen. Der gemeinschaftliche Begriff ist: in Sicherheit bringen,
und zwar ist, da dem Stamme bhergh die Bedeutung hoch, Anhhe
beiwohnt, der ursprngliche Sinn ohne Weiteres klar: sich vor einer
Flut, einer berschwemmung oder sonstigen Gefahr auf einen Berg
(womglich in eine Burg) begeben und so in Sicherheit bringen. Nur bei
Segel bergen hat sich die Bedeutung so weit verflacht, da es, auch
wenn kein Sturm naht und kein Segel in Gefahr steht weggerissen zu
werden, sondern auch beim Segelmanver im Hafen und bei gutem Wetter
gesagt wird. Eigentlich nur noch bei Seeleuten brig, die andern sagen
jetzt verbergen und haben noch den Begriff des heimlichen, des
Versteckens hinzugetan. Althochdeutsch pergan (gothisch bairgan)
angelschsisch beorgan, niederlndisch bargen. Vergl. Herberge,
althochdeutsch heriberga, Ort wo ein Heer geschtzt lagern kann. Die
lteste Bedeutung des jetzt so friedlichen Wortes ist also kriegerisch;
italienisch albergo, altspanisch, neuspanisch und portugiesisch
albergue, altfranzsisch herberc, neufranzsisch auberge. In alten
Zeiten hatte man vielfach Freiberge (woher die zahlreichen
Stdtenamen), Berge wohin ein Verfolgter fliehen konnte und wo er eine
Zeit lang unverletzlich war. Es gab in Eiderstedt und Dithmarsen
Freyberge, davon 3 in Eiderstedt, einer bei jedem Gericht, wo ein
Missetter auf drei Tage sich frei und sicher bergen konnte. Daher die
Trme auf den Hfen mittelalterlicher Burgen Bergfriede, richtiger
Bergfriete, Bergfreite. Und was jetzt bei uns Friedhof heit, mte
Frithof = Freithof geschrieben werden.


*Berghlzer*, die,

sind Verstrkungen der Auenbordwand und somit des ganzen (hlzernen)
Schiffes; sie laufen der Lnge nach um das ganze Schiff herum, sind also
eigentlich Auenbordsplanken, nur strker wie diese und daher ber sie
herausragend und die glatte Flche der Bordwand unterbrechend. Das
Zeitwort bergen, ostfriesisch bargen, heit im niederdeutschen
Sprachgebrauch nicht nur verstecken, in Sicherheit bringen, sondern auch
sonst sichern, bedecken, schtzen. Da nun das groe Bergholz grade an
der breitesten Stelle des Schiffes angebracht ist, so bedeutet der Name
nicht nur eine Sicherung und Befestigung des Schiffes im Allgemeinen,
sondern auch im Besonderen einen Schutz der am meisten gefhrdeten
Stelle gegen Sto oder Anprall an ein anderes Schiff, an ein Bollwerk,
eine Kaje, eine Pier etc. etc. Ich finde das Wort (in der
niederdeutschen Form Barchholt) zum ersten Male in der Beschriving van
der Kunst der Seefahrt, 1673, in einer Segelanweisung wie man by
Harvestdagen upt sekerste dorch dat Schager Rack, offt uth den Sund na
den Schagen segelt. Truwet awerst den Schagen by Nacht nicht tho veel,
ydt wehr den Saack dat gy gut und sichtlick Wedder hadden, al men by
Dage buten de Trendel langest segelt, und dat men den upt Barchholt mit
de Foeten by dat Water steit, so kom men Les by klaren Weder even
sehen ...


*Berme*, die,

Deichberme, Deichrand; franzsisch berme, Rand eines Festungsgrabens;
spanisch berma; englisch brim, angelschsisch brymme, Rand, Saum;
niederlndisch kommen beide Formen vor; breme, Rand und berme, Deich.
Beweis, da Berme nichts weiter als eine durch Metathesis vernderte
Form von bram ist, welches (vergl. Bram und Brm) den uersten Rand
bedeutet.

Ob der Name der Stadt Bremen von breme, brim, Rand, so da Bremen also
ein Uferort wre, oder von brim, Meer, so da er einen Meerort
darstellte, oder vom angelschsischen breme, berhmt, abzuleiten ist,
haben die Bremer die Wahl.


*Besan*, der.

Das groe Gaffelsegel am Kreuzmast, der, wenn er keine Rahen hat, also
wenn das Schiff Barktakelage besitzt, eben nach dem Besan Besanmast
genannt wird. Die Erklrung des Namens wird erschwert durch das
Vorkommen anderer, hnlich lautender. So gab es im Mittelalter eine
Mnze, die italienisch bisante, spanisch und portugiesisch besante,
provenalisch bezan, altfranzsisch besant, englisch ebenfalls besant
hie. Sie hat aber, aus dem Mittelmeer stammend, mit unserm Besan nichts
zu tun, (trotzdem dieser in seiner Gestalt an ein lateinisches Segel
erinnert), denn sie hie lateinisch byzantus, griechisch byzantos; es
ist also klar, woher sie stammt (wie der Taler von Joachimstal, der
Heller aus Hall, der Batzen aus Bern seinen Ursprung an der Stirn trgt)
und was sie bedeutet.

Sodann gab es nach Kilian ein niederlndisches Wort besaen, das
Eierschale und eine Art billigen alaungegerbten Leders bezeichnete;
damit ist auch nichts gewonnen. Wichtiger fr uns ist es, da Kilianus
ein Wort besane hat, das er mit epidromus bersetzt, dessen Wichtigkeit
aber darin besteht, da er dafr auch die Form mesaene beibringt, denn
nun drfen wir auch annehmen, da unser Besan einmal mit m angelautet
hat. Er heit zwar im Hollndischen und Schwedischen auch bezaan, besan,
aber dnisch mesan, englisch mizen, italienisch mezzana, spanisch
mezana, portugiesisch mezena, franzsisch mizaine -- und alle diese
Wrter sollen aus dem Lateinischen stammen, und zwar nach Kluge aus
medius, so da also ursprnglich an einem anderen, *mittleren*, Standort
das Segel seine Verwendung gefunden haben mu. 1695 Mesansegel, 1732
Bezaansegel, jetzt kurz: der Besan.


*Besatzung*, die,

eines Schiffes heit die Gesamtheit derer die auf ihm eingeschifft sind
zu dauerndem, dienstlichen Aufenthalt; die Schiffsmannschaft, frher
Equipage, welches Wort in seiner fremden Gestalt uns kaum noch daran
erinnert, da es von dem niederdeutschen scip stammt und niederdeutsch
eskipage hie, alles zusammenfassend was zur Bemannung und Ausrstung
eines Schiffes ntig ist; bald auch die Ausrstung eines sich auf dem
Lande bewegenden Fahrzeuges, Kriegsgepck, Reisegert, Kutsche und
Pferde.


*beschlagen*, s. Beschlagseising.


*Beschlagseising*, der.

Beschlagen, althochdeutsch bislahan, mittelhochdeutsch beslahen:
schlagen auf, festschlagen, umfangen, umschlieen (s. Schlag),
verschlieen, bedecken u. s. w. Die meisten Bedeutungen sind im
seemnnischen dieselben wie im Hochdeutschen, nur beschlagen bedarf der
Erwhnung insofern es das Festbinden der aufgegeiten Segel an die Rahe
bedeutet; solches geschieht mittelst der Beschlagseisings, Bndseln, an
denen das eine Ende spitz zuluft, das andere mit einem Auge versehen
ist; s. seisen.


*Beschute*, die.

Seemnnisch nur in Verbindung mit Hartbrot, eine Beschute Hartbrot,
sei es wegen der Gestalt, sei es wegen des Hartgebackenen,
Zwiebackhnlichen. Niederlndisch bischuyt, nichts anderes denn eine
volkstmliche Form des franzsischen biscuit. Zwey-Back sagt der
bersetzer der durchluchtigsten Seehelden 1681. Er beschreibt die
Entdeckung der Magellanstrae und erzhlt von einem Patagonier, der auf
einer Mahlzeit einen ganzen Korb mit Zwey-Back aufgegessen, und in einem
Zuge soviel Wein, als ein Wasser-Eimer halten mchte, ausgesoffen. Als
ob sie auf dem Geschwader Magellans ihr Brot und ihren Wein nicht besser
htten anwenden knnen, die wahrlich knapp genug waren.


*Beschmarten*, s. Schmarting und bekleiden.


*Besetzt sein*, s. Legerwall.


*Besteck*, das.

1. Der Entwurf, der genaue Plan eines zu bauenden Schiffes; auch eines
zu bauenden Hauses. Ein hnliches Wort wie Ri von ritzen (Runen ritzen,
writan, to write, schreiben); ein Plan, der nicht umrissen, sondern mit
Stichen bezeichnet, mit Stecknadeln abgesteckt ist. 2. Das
Mittagsbesteck oder berhaupt die Bezeichnung der Stelle, wo sich nach
genauer Berechnung, wenn es aber nicht anders sein kann, auch nach
Gissung, das Schiff zu einer bestimmten Zeit befindet, der Punkt, wo
Lnge und Breite sich schneiden (s. absetzen), ein Punkt, an welchem die
Spitze des Zirkels ein kleines Loch in das Papier der Seekarte
*sticht*. In der weiteren Entwicklung des Begriffes Besteck = Plan, Ma,
ist Besteck auch schlechthin zu Ma geworden; ein Ma von Torf.
Groningen: alles noa bestek hebben, alles so haben, wie es sich
gehrt. Auch gleichbedeutend mit Regel, Ordnung, Zeiteinteilung.
Ostfriesland: wat hebben dei menschen 'n roar bestek, zy eten om vier
uur. Ein Abstecher ist demnach eine Abweichung von dem ursprnglichen
Reiseplan und -Wege.

Da Besteck in der Tat von dem Stich des Zirkels in das Papier der
Seekarte den Namen hat, geht aus einer Stelle bei Waghenaer, Spiegel
der Zeevaerdt, Amstelredam 1588, hervor: Soo sal hy alsdann nemen
twee Passers, (Zirkel) met d' een de mylen metende die hy ghist ghezeylt
te hebben. Ende met den anderen Passer lancxt Compasse stryckende de
Cours die hy ghezeylt heefd tot dat de voeten van de Passers aen den
anderen comen, daer weder een *sticke met eenen scherpen Passer oft
plompe naelde settende*, soo datment met cryt wederom wt doen cn.


*Bestroppen*,

einen Stropp (s. d.) um einen Block, der zu diesem Zwecke mit einer Keep
(s. d.) versehen ist, legen und festbndseln, damit er irgendwo, wo er
Halt hat, befestigt werden kann. Im bertragenen Sinne gebraucht der
Seemann das Wort hufig da, wo ein anderer sagen wrde: das wollen wir
schon machen, das wollen wir wohl kriegen.


*Betel* s. Kalfatern.


*Beting*,

die eine Vorrichtung zur Befestigung der Ankerketten an Bord, starkes
querschiffs laufendes, abgesttztes Gestell. Bett und Beet haben beide
die Bedeutung: Bleib-, Haft-, Sitz- oder Ruheding, von der Wurzel bhad =
binden, fesseln, festen und haften, halten, tragen. Beting ist ein
niederdeutsches Wort von derselben Herkunft, bei dem der Gedanke an das
Halten, Festhalten des Ankertaues zum Ausdruck gekommen ist.


*Beweert*

ist ein Schiff, wenn es wegen schlechten Wetters verhindert ist, in
See zu gehen. Doch kommt das Wort nicht etwa davon her, da widriger
Wind oder sonst schlechtes Wetter ihn solches wehrte, vielmehr ist
beweert eine Zusammenziehung von bewettert, oder vielmehr, da es sich um
niederdeutsches Gebiet handelt, von beweddert; das niederdeutsche wedder
ist ja durchgngig im Munde des einsilbigen Volkes zu weer, wr
geworden.


*Bilander*, der,

ein zweimastiges Schiff in Schweden, England und besonders in Holland
gebruchlich, das als besonderes Unterscheidungsmerkmal eine eigenartige
Stellung der groen Rahe und dieser entsprechende trapezfrmige Gestalt
des Grosegels hat. Die Rahe macht mit dem Mast ungefhr einen Winkel
von 45, ihre oberste Nock befindet sich ber dem Heck, die unterste
ber dem Mittelschiff. Diese Gestalt ist offenbar mit Rcksicht auf
enges Fahrwasser gewhlt, um nicht so viel Raum in Anspruch zu nehmen.
Denn fr Binnenschiffahrt und Fahrt *bi Lande* ist das Fahrzeug
bestimmt. Vier bis fnf Mann gengen zur Handhabung der Segel.

      Why choose we, then, like bilanders to creep
      Along the coast, and land in view to keep.

      Dryden.


*Bilge*, die.

Der unterste Raum des Schiffes in dem sich das eingedrungene Wasser
sammelt; auch dieses Wasser selbst. Letzteres ist die ursprngliche
Bedeutung des Wortes, welches mit Balg nahe verwandt ist. Balg aber
entstammt einer Wurzel, die anschwellen bedeutet. Offenbar hatte man,
wie ja alle Sprache ursprnglich Bildersprache war, einen aufgeblasenen
oder mit Wasser gefllten Balg vor Augen. Aus derselben Wurzel stammt
das in Ostfriesland vielfach gebrauchte Verbum belgen, niederlndisch
belghen, angelschsisch belgan, englisch to bulge. Auch im
Mittelniederdeutschen war dieses belgen gebruchlich. Es bedeutet in
Bewegung kommen, in Hitze und Zorn geraten, dick werden, anschwellen,
geschwollen sein auf jemanden, weil einem zornigen Menschen das Blut
zu Kopf steigt, das Gesicht sich rtet, die Adern aufschwellen und dick
hervortreten. Der Begriff des Anschwellens ist auf das Wasser angewandt
worden, (das Wasser rauscht, das Wasser schwoll). Eine solche
rauschende, schwellende Woge heit, entsprechend dem erwhnten belgen,
Blge; schwedisch blja, dnisch, bolge, altnordisch bylgja, wie denn
sinnreich und bedeutungsvoll eine der Tchter des Meergottes gir in der
Edda Bylgia genannt wird. Dieses Blge aber brauchen wir nur mit i
anstatt mit  zu schreiben, (im Englischen wird es sowohl bulge als auch
bilge geschrieben), dann haben wir unser urdeutsches, nur etwas
anglisiert ausgesprochenes Seemannswort Bilge. Mit einiger Phantasie
knnen wir uns leicht vorstellen, wie bei den alten deutschen
Seefahrern in ihren immerhin kleinen, oft offenen Schiffen diese im
untersten Schiffsraum hin- und herwogenden, schwellenden Blgen, deren
Anschwellen es mit aller Macht zu bekmpfen galt, eine wichtige Rolle im
Schiffsleben gespielt haben.

Im Althochdeutschen hie bulga ein Ranzen, Felleisen, lederner Sack und
belgan aufgebracht sein, zornig sein, aufschwellen; mittelhochdeutsch
bulga die aufgeschwollene Woge. Aber gegen bulga im Sinne von Bilge hat
sich das Hochdeutsche lange gestrubt, denn nicht immer ist den
Deutschen die *Bewegung* des Bilgewassers bei der Benennung das
Ausschlaggebende gewesen. Es scheint als ob der Begriff der Bewegung
erst an der im Vergleich zum Mittelmeer so viel bewegteren Nordsee in
den Vordergrund getreten und da Bilge daher lange Zeit ausschlielich
niederdeutsches Eigentum gewesen wre. Im Althochdeutschen hatte man
zwar, wie bemerkt, das Wort bulga, aber die Bilge nannte man sentine.
Dieses Wort stammt aus dem Mittelmeer, es ist das lateinische sentina
und beweist, da man in jenen sanfteren Gewssern bei der Namengebung
mehr an den blen Geruch des betreffenden Wassers als an seine Bewegung
gedacht hat, denn sentina heit Jauche, Abwasser, Auswurf, Hefe, Unflat;
daher franzsisch sentine zugleich Pfuhl und Bilge heit, englisch
sentine Senkgrube, Sammelstelle stinkenden Wassers. Wer einmal
Bilgewasser gerochen hat, der wird sich also ber die Benennung im
Althochdeutschen nicht wundern.

Als unterster Raum im Schiffe diente die sentine in Zeiten, da man auf
Hygiene wenig achtete und sich um die Gesundheit der Gefangenen nicht
viel bekmmerte, auch als Gefngnis, als Arrestlokal. Und dieser Umstand
knnte vielleicht zur Erklrung des Wortes sentinelle, englisch sentinel
dienen. Da dasselbe von sentire, wahrnehmen, direkt abgeleitet wre,
ist doch kaum anzunehmen, man mte denn einem Posten, einer
Schildwache eine ganz besondere, in der Nhe der sentine noch dazu
sehr bel angebrachte Sensibilitt zuschreiben wollen. Da aber der
Posten vor der sentine sentinelle genannt worden ist, wird den nicht
wundern, der wei, da der Mann, der bei den Schilden Wache stand,
selbst Schildwache genannt worden ist.

Hollndische Matrosen nennen die Bilge nicht unwitzig pis-bak, auch
pis-gat, kurzweg auch blo gat, Loch. Das ging ins Franzsische ber als
gatte, jatte, und die franzsischen Matrosen machte daraus scherzweise
-- Agathe.

Es gab frher noch ein drittes Wort fr Bilge, das aber meines Wissens
nur noch im Grningenschen im Gebrauch ist: durk. Halbertsma erklrt es:
spatium in navis fundo inter tabulatum interius et exterius,
receptaculum aquae stillantis per rimas, sentina. Im ostfriesischen
kommt das Wort nur noch in der Form turk vor, Bezeichnung fr den
hintersten, abgeteilten, dunklen Teil eines Mherzeltes. Aber im
schwedischen ist es erhalten, nur da da durk einen Schiffsraum
bedeutet, der als Last dient, also immerhin die der Bilge nahen Rume.
Der Teuthonista hat das Wort in der Form dorrick, dat dyepste van den
scheep den water naist; dorrick in en schip, dair sych al dat water in
den schip vergadert, sentina. Angelschsisch thurruc, auch im
englischen noch als thorruke bekannt. Mittelniederdeutsch hie es dork;
aber durk drfte die ursprngliche, auf Lautmalerei beruhende Benennung
der da unten, wo es frchterlich ist, gurgelnden Gewsser sein.

Ein viertes Wort wird heute noch gebraucht: Sod, oft in der
Zusammensetzung Pumpensod; der niedrigste Ort im Schiffe beym groen
Mast, wo die Pumpen stehen und wohin sich wegen der Krmmung oder des
Springs des Schiffes alles im Raum befindliche Wasser durch die
Nstergaten zusammenzieht (Rding II 310). Dieser Raum heit in der
Beschriving van der Kunst der Seefahrt 1673 Soet. Die Bedeutung
kommt der von Bilge sehr nahe, denn Sod ist das niederdeutsche und
niederlndische sod oder sot = Brunnen, und kommt mit sode = das Sieden,
Kochen, Brodeln, Aufkochen, Aufwallen, Aufquellen, Aufstoen, (daher
Sodbrennen) von seden = sieden, kochen, wallen.


*Bewulen* s. (wulen) Wuling.


*Billen*, die.

Die untere Rundung des Schiffes hinten, wodurch der Spiegel mit der
Seite des Schiffes vereinigt wird; auch Backen genannt; italienisch il
rotondo della poppa. Der zu Grunde liegende Begriff ist der des Runden;
heien doch die ebenfalls Rundungen bedeutenden Backen am menschlichen
Leibe, da wo der Rcken nicht mehr anstndig ist, im Niederdeutschen
billen; Kinder fan willen (die sagen ich will anstatt ich bitte)
krigen wat fr de billen. Der Stuhl ist noch billenwarm von dem eben
jemand aufgestanden ist.

Also ein ziemlich derbes Wort, aber treffend und deutlich, und darauf
kommts der Sprache vor allen Dingen an.


*binnen*,

inwendig, drinnen. Althochdeutsch binnen, mittelhochdeutsch binnen,
jetzt im Hochdeutschen so ziemlich auf Binnenland eingeschrnkt,
whrend in Niederdeutschland das Wort noch in manchen anderen
Verbindungen erhalten ist. In Holland wird so oft jemand an die Tr
klopft da wo wir herein! rufen wrden binnen! gerufen. Seemnnisch:
binnenbords, Binnengewsser, Binnenseite, Binnenhafen, binnen laufen
(fr Schutz suchen in einem Hafen, auch blo gleich einlaufen)
Binnenschoot (am Leesegel). Entstanden aus beinnen, wie boven aus
be-oben und buten aus be-uten.


*Brise*, die,

jetzt fr gewhnlich gleichbedeutend mit B ohne Rcksicht auf die
Himmelsrichtung fr einen pltzlich aufkommenden, scharfen, wo mglich
von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war frher anders. Da konnte
man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie eine
Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint htte schreiben drfen:
Boreas blies mit vollen Backen aus Sdwest, oder wie es auf dem
Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: Hier blst der Nordwind aus
allen Himmelsrichtungen. Denn da wute man noch, da Bise Nordwind
bedeutet. Althochdeutsch bsa, mittelhochdeutsch bise, boreas;
piemontesisch und provenalisch bisa, Nordwind; franzsisch bise. Ein
deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als
Bei߫-Wind erklrt.

Dazu gehrt italienisch bigio, provenalisch und franzsisch bis = grau,
schwrzlich; das hngt damit zusammen, da man in Frankreich den
Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, und da bei
Nordwind der Himmel grau und schwrzlich war. Ja man dachte sich den
Norden berhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzsischen hie bise
geradezu nrdliche Gegend, Norden.


*Blakepumpe* s. Pumpe.


*Bleilatsch*, der,

ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es auf die
Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an Deck
aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein niedergetretener
Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder; latschen heit gehen
ohne da man die Fe recht vom Boden aufhebt, mit den Sohlen auf dem
Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die durch die Luft
geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin, ehe sie an ihrem Ziele
liegen bleibt.


*Blauer Peter* s. an Bord.


*Blinde Rahe*, die,

ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck hat, demjenigen Teil
des stehenden Gutes, der den Klverbaum nach den Seiten zu rckwrts
sttzen soll, eine grere Spreizung, also mehr Halt und Festigkeit zu
geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in frheren Zeiten hatte sie
eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit Segeln, mit viereckigen
Rahsegeln. Sie ntzten zwar wenig, diese Segel, und hieen darum Blinde,
obere Blinde und untere oder groe Blinde, und eben daher hieen die
beiden Rahen Blinde-Rahen. berhaupt hie jedes Segel, wenn und solange
es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt oder benommen, ohne
Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den beiden Segeln unter dem
Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie eigentlich zwecklos und
leisteten nichts. Mit der Bezeichnung blind wird wie mit taub, etwas
benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte sein, nicht leistet wozu es
bestimmt ist, z. B. blindes Glas, blindes Fenster, blinder Passagier,
mit dem Blinden spielen. Im Friesischen und Angelschsischen heit
unsere taube Nessel blinde Nessel als eine Pflanze die blht, ohne
Frucht zu bringen; vergl. taube Nu߫, Nu die keinen (Frucht) Kern hat.
Die Wrfelseite ohne Punkte, (Augen) heit friesisch bline dobbelstien.
In Westfalen nennen sie das, was man anderwrts einen Nachtwchter am
Wege nennt, einen blinnen hasen, weil es nicht wegluft wenn man darauf
tritt. Englisch ist die schwache Seite eines Menschen seine blindside.
He is too great a lover of himself, this is one of his blindsides; the
best of men, I fear, are not without them.

Weil die Blinde genannten Segel berflssig waren, kamen sie ab, aber
die eine Blinde-Rahe ist als blinde Rahe geblieben, denn sie ist, wie
oben angegeben, nicht berflssig und zwecklos, wenn sie auch den
entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern der
eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, fhrt sie ihn
auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon
Waghenaer im Spiegel der Zeevaerdt, 1588, ist der freie Raum, den das
Meer bietet, mit Vertonungen, schn verzierten Titelkartuschen und
dergl. ausgefllt; daneben auch mit allerlei Seetieren und namentlich
mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die Blinde
gesetzt.


*Blinkfeuer*, das.

Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen Licht durch kurze
Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann pltzlich wieder
erscheint. Ein Blink ist eine klare Stelle am Himmel, die sich
zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt. Whrend im
Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z. B. in der Allitteration
blink und blank, als Zeitwort blinken und in der Wendung mit den
Augen blinkern, findet sie im Niederdeutschen um so zahlreichere
Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen werden mssen, da
blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik = Schein, Glanz,
Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem, bliksen, bliks =
Blitz.

Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes Leuchten, kurzer heller
Schein; alle dre mienuten smit dat lcht fan de furtorn 'n blink afer
't water.

Blinke, blink eine glnzende Stelle im Watt, welche namentlich beim
Sonnenschein durch ihren hellen Schein weithin sichtbar ist. Es sind
diejenigen Stellen, welche nach eingetretener Ebbe wegen ihrer
Undurchlssigkeit lnger na bleiben (Doornkaat). Es gibt auch noch ein
blinke, blink als grner Anger bei Drfern und Stdten, was wohl von
brink kommt, einen erhhten, bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu
die Zeitwrter bliken = Schein und Glanz machen, wonach aussehen,
sichtbar und offenbar werden, erhellen, sich zeigen, und blinken =
blinken, leuchten, glnzen, blitzen, funkeln; davon das Frequentativum
blinkern, zwinkern, blinzeln. Kommen alle mit Birke wegen der glnzenden
scheinenden Rinde von der Wurzel bhrag, bharg, bhark, glnzen.

Schon althochdeutsch blican, glnzen, blicfiur, Blitzfeuer.
Angelschsisch blican, leuchten; aber altenglisch blink = aspectus.

Roeding kennt Blickfeuer, gewisse Signle die man in der Nacht auf
Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers von Zeit zu Zeit macht, um sich
unter einander Nachricht zu geben, wo man sich befindet.


*Block*, der.

Dieses fr die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem jeden aus
der Physik als Teil eines Flaschenzuges bekannt ist und das
hauptschlich aus zwei Teilen, dem Gehuse und der Scheibe, besteht, hat
seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das
althochdeutsche biloh, mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stck eines
Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in Gefngnissen;
altfriesisch bloc, vppa thet bloc iefta inna thet kalde yrsen sle, in
diesem Sinne wird aber meist, schon im Mittelniederdeutschen, Stock
gesagt. Indessen ist Block die treffendere Bezeichnung, denn es kommt
vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan, angelschsisch lucan, und
das heit schlieen, verschlieen (s. Luke). Das Wort Block fhrt also
in die frhesten, einfachsten Zeiten zurck in denen man zum
Verschlieen von ffnungen weiter nichts hatte als einen Holzklotz.

Es gibt eine groe Anzahl von Blcken an Bord, mit verschiedener Gestalt
und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck verschiedene Namen
fhren. Die meisten davon erklren sich durch Zusammensetzungen wie
Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock von selbst. Sonst s.
Violinblock, Warrelblock, Steertblock, Kinnbacksblock, Dodshofd und
Spinnekopf.


*Block an Block* s. tublocks.


*Blockade*, die.

Sperrung eines Hafens, einer Kste. In diesem Worte ist die
ursprngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein gekommen:
Verschlu. Das franzsische bloc und bloquer, das italienische bloccare,
das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs. Blockieren war in
Deutschland schon vor dem 30jhrigen Kriege gebruchlich. Blockade
dagegen wird nach Kluge erst seit 1686 verzeichnet.


*blockieren* s. Blockade.


*Blse*, die.

Neben den Leuchttrmen hatten sich lange Jahrhunderte hindurch offene
Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke dienten, jetzt
aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind. Sagt doch schon
Roeding: Auf Blsen brennt gewhnlich ein Steinkohlenfeuer, da aber die
Flammen desselben, wenn frische Kohlen aufgeschttet werden, eine
Zeitlang erlscht, oder auch durch die Nachlssigkeit des Hters, der es
nicht oftmals genug auffrischt, nur ein schwaches Licht von sich wirft,
so sind die Leuchttrme, auf welchen Lampen brennen, diesen Blsen
vorzuziehen. Mit blasen verwandt, anblasen, anfachen, brennen und
flammen machen; englisch to blush, rot werden, errten.

Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine Blse oder Feuerbake
und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in seiner um die Mitte
des siebzehnten Jahrhunderts verfaten oldenburgischen Chronik davon
berichtet. Dieses Eyland ist vorzeiten viel grsser als gegenwrtig,
gewesen, solle, nach der Alten Berieht, sowohl in- als auswendig des
Hafens oder Strandes, durch hohe Wasserfluten und starke Strme, mehr
als die Helfte mit der Zeit sich verloren haben, ist itzo nur eine halbe
Meile lang, und eine halbe vierteil Meile breit, und denen auf der West-
oder Nordseefahrenden sehr ntzlich, als dahin sie sich bei Sturmzeiten
begeben und vor dem Schiffbruch retten knnen, wie sichs dann oft
begiebt, da am selbigen Ort 40, 50, 60 und mehr groe Lastschiffe
zusammenkommen und sich daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey,
aufhalten, dahero solche Stelle von den Schiffleuten pro tutissima
navium statione, vor einem sicheren Schiffhafen gerhmt wird. Auf diesem
Eylandt sind zwo Kirchen, die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit,
die andere aber ins Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken
Turm und einem Dorf gestanden. Jene ist durch die Ungestmigkeit des
Meeres in Vorjahren hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch
zur Ebbezeit die Abteilung der cker und die bei den Husern gehabte
Brunnen, man noch merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands
daselbst einige alte silberne Mnze und andere Sachen. Der Ort wird
sonsten Oldenoge genand, worber nun mehr die allergrosseste Schiffe
fahren. Der ins Westen stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre
1597 von Herrn Graf Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schrift- und
mndliches Ersuchen zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602
vollendet worden; dessen Kosten an Materialien und Handwerkslohn,
ohne die Fuhren und Frohnen der Untertanen, sich auf die
vierundzwanzigtausend Reichstaler belauft. Oben darauf hat eine groe
eiserne mit Rben-hl gefllete brennende Lampen durch 48 Fenster
geleuchtet, den Seefahrenden Leuten bey tunkelen und einfallenden
Sturmgewitters Zeiten, zu verhtung Schiffbruchs, die Gegend und den Ort
in der See zu zeigen, da man davon sagen mgen:

      Naufragus aequoreis ne Nauta periret in undis
      Hac facibus turri nocte docetur iter.

Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht weit in die See
geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lsset
Herr Graf Anthon Gnther eine Feuerbake ins Norden auf einen Sandhgel
und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das Feuer mit
Schottischen Steinkohlen von Michaelis bis gegen Christtag, und wieder
gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in die
vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird.


*B*, die.

Eine pltzlich entstehende, kurze Zeit dauernde Windsbraut, bei der man
je nach der Strke oder den Begleiterscheinungen von Sturmb, Hagelb,
Regenb, spricht. Es drfte mit Bake verwandt sein. Hrt man genauer zu,
so sagt ja der niederlndische Seemann nicht schlechthin und kurzab B,
sondern er macht das  lang und zieht es am Schlusse in ein i hinber.
Wer jemals einen Kieler Fischer den Namen des Seebades und Fischerdorfes
Laboe aussprechen hrte, der wird den Klang kennen, wenn Laboe auch eine
andere Herkunft aufweist. Im ostfriesischen heit das Wort geradezu
Bje. Und dieses i drfte der letzte Rest eines flchtig gewordenen
Gutturallautes sein, eines k oder g, wie denn im dnischen das Wort,
heute das g noch hat, byge. Zu Grund wird ein Zeitwort liegen, das
altfriesisch und saterlndisch beja, nordfriesisch boje, dnisch boje,
westfriesisch buwgjen, hollndisch buigen heit, das deutsche beugen,
biegen, bcken. Eben davon haben wir Bake abgeleitet, wegen der
biegenden, beugenden, bckenden Bewegung des Krpers. Nun erffnet sich
fr die Entstehung von B eine doppelte Mglichkeit. Entweder, was das
Nchste sein drfte, die B biegt, beugt Bume und Masten, (oder bricht
sie, wenn sie nicht biegen wollen), oder sie ist eben aufzufassen als
eine Biegung, Beugung, Ablenkung, eine pltzliche Vernderung des
Wetters.

Und wie wir in Bezug auf die Gemtsstimmung eines Menschen wohl von
schlechtem Wetter sprechen, so wird in Ostfriesland fr unbestndige,
umspringende, sich hin- und herdrehende Stimmung, fr eine
wetterwendische Gemtsart die Bezeichnung Bje gebraucht. Und gerade
dieser Gebrauch hilft die Vermutung der Verwandtschaft mit Bake sttzen,
denn fr Bje in diesem Sinne wird noch hufiger Bk oder Bke gesagt,
das Wendung, Kehr, Drehung, Wechsel, Laune bedeutet.


*Bock*, der,

ein aus zwei Stangen aufgerichtetes Gestell, mit dessen Hilfe man Lasten
aufwindet. Ungleich dem Sturmbock, der von des Ziegenbocks Neigung zum
Stoen den Namen hat, ist dieser Bock nach dem mit seinen Hrnern sich
vornber neigenden Ziegenbock genannt, whrend Sgebock einfach das
Bild eines solchen Tieres in seiner ganzen ueren Gestalt darstellt.
Wohl von einer Wurzel bhug, wegen des Sichbckens zum Sto.

s. Krahn.


*Boden*, der,

ein uraltes indogermanisches Wort mit der Bedeutung Grund und Boden;
dann auch das Untere, Unterste, Unterlage fr etwas, davon:
Aufbewahrungsort. Das Wort hie althochdeutsch bodam, mittelhochdeutsch
bodem; so heit es auch heute noch in deutschen Mundarten. Angelschsich
botm, englisch bottom. Dieses in der ursprnglichen Form ist fr die
Seemannssprache wichtig wegen Bodmerei (s. d.). Man spricht von
Auenboden, Innenboden, Doppelboden u. s. w.


*Bodenwrange*, die,

auch Bauchstck genannt, das unterste, zunchst am Kiel sitzende
Spantstck. Es hat seinen Namen von der Krmmung. Wenn auch gerade das
unterste (Bauch-) Stck des Spants noch nicht so sehr gekrmmt ist, so
beginnt doch bei ihm die Krmmung; es ist daher zweifellos, da Wrange
von wringen, biegen, drehen, kommt. Wrange heit in Ostfriesland auch
ein verdrehter Mensch; das hochdeutsche, wie gewhnlich das anlautende
w vor r abwerfend, sagt dafr Range.

Davon das franzsische varangue.


*Bodmerei*, die,

ein Darlehensgeschft, Vorschu auf die, auf dem Boden (frher Bodem)
des Schiffes, d. h. im Schiffe liegenden, zur Ausfahrt geladenen Waren.
Franzsisch la bomerie; Aubin: Comme l'argent que l'on prte, et qui
raporte quinze, vingt et jusques  trente pour cent, selon les risques,
n'est prt, pour l'ordinaire, que sur la quille du vaisseau, qui chez
les Hollandais s'apelle Bodem, d'o ils on fait Bodmerye, on a aussi
apell ce prt, Bomerie.

Kilianus Duffel.: boomerye rectius bodemrye, tax: bodmerye a bodem i.
carina navis, foenus nauticum, usura maritima.

In Holland heit verbodemt hout hout dat komt per bodem, d. h. an Bord
eines Schiffes und mit einem Flo.

Die ber das Geldgeschft aufgenommene Urkunde heit Bodmerei-Brief,
unterschieden von Beilbrief (s. d.), weshalb die Erklrung Vorschu auf
den Kiel eines Schiffes ungenau ist, weil man dabei an den Bau eines
Schiffes denken knnte, whrend doch die Ladung des Schiffes gemeint
ist.


*Boje*, die.

Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch hnlich der Bake, nur da die
Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem Meeresgrunde
befestigt ist. Nach der Gestalt unterscheidet man Bakenboje, Blockboje,
Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje, Tonnenboje, wie denn
auch Tonne (s. d.) allein hufig, ebenso wie Boje und Bake, fr
Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer Zeit immer
hufiger angewandt wird. (Lootsen- und Betonnungswesen). Nach der
Farbe unterschieden giebt es weie, schwarze, rote, gestreifte und
gewrfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje,
Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje,
Vertuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje,
Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen und bedeutete
ursprnglich nur Fessel. Bei dem lateinischen Schriftsteller Festus
kommt es mit der Erklrung vor: genus vinculorum tam ferreae quam
ligneae, ist dann in das Altitalienische bergangen, wo es noch boja
hie, ins Provenalische, wo es die Form boia annahm, und ins
Franzsische, wo es altfranzsisch als buie, Kette, Fessel vorkommt.

Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfessel anlegt, so
heit er im Italienischen boja. Boja bedeutet nicht blo Kette, sondern
irgend ein zum Fesseln geeignetes Ding, zum Beispiel einen Riemen, aus
einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der
Ochse heit, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die lteste Bedeutung.
Nun fesselte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine
Kette ein Stck Holz in der Weise, da das eine Ende am Holze fest war,
das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald
bertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte
das Stck Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich
diese Bedeutungsbertragung auf dem Durchgang durch das Franzsische
vollzogen, wo 1702 Boje in der Form boue vorkommt: une marque faite
d'un morceau de bois atach  l'orin.

Aber noch weiter ist man mit der bertragung der Bedeutung gegangen, so
weit, da von der ursprnglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese
Neugeburt kam in drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fessel. 2., Boje
= gefesseltes Stck Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stck (Ring von)
Kork ganz ohne Fessel, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins
Wasser Gefallenen zugeworfen.

Doch war im Hollndischen vor 200 Jahren die Bedeutung Fessel auch den
Seeleuten noch durchaus gelufig, denn einen in de ysers of boyen
setten, hie einen in Eisen, in Fesseln legen. Kilianus, ber 150 Jahre
frher, hat das Wort als bouye = vinculum pedis; dann aber auch =
anchoralia tabula, anchorae index in superficie aquae natans, also
Ankerboje. Diese Bedeutung im bertragenen Sinne ist also die lteste
und ist auch hauptschlich in das Bewutsein der (nichtseemnnischen)
Schriftsteller bergegangen: Schreibt doch Weiland: boei = eene ton, of
een blok hetwelk op het water dryft en de plaats aanwyst, waar het anker
ligt. Sonst kennt er auch boei noch als Band, met de stalen boei aan
't been. In der Mehrzahl heit es: Gefngni. Auch bildlich gebraucht:
met de boejen des huwelyks (der Ehe) belast.

Siehe auch Tonnenboyer.


*Bollwerk*, das,

kommt in der Seemannssprache nur im Sinne von hlzerne Brcke vor, aus
Pfhlen und Bohlen entlang einer Mauer, einem Wall oder Damm als
Liegeplatz fr Schiffe erbaut, oder auch ins Wasser hinausgebaut zum
(vorbergehenden) Anlegen von Schiffen. So leidet es keinen Zweifel, da
das Wort von Bohle kommt. Schon im Seebuch 1400 lesen wir: unde van
Nergeden to Revele achter dat bolwerk, dat sind dre weke seys. dat
Kors ist ost. (weke sees ist ein noch zweifelhaftes Wegema zur See
aus jener Zeit.) Aus dieser Segelanweisung ersehen wir, wie sehr die
Hansa auf gute Hafenanlagen bedacht war.

Das deutsche Wort drang als boulevard ins Franzsische; es war also von
den Leuten zu Mainz doppelt Unrecht, da sie anfnglich ihre schnste
neue Strae Boulevard genannt haben.

Von Bollwerk kommt ein Zeitwort bollwerken, das ein Bollwerk machen
bedeutet, figrlich aber fr schwer arbeiten, scherzweise auch als
verbollwerken fr verarbeiten, bewltigen, verprgeln gebraucht wird.


*Bolzen*, der.

Alle die verschiedenen Arten von Bolzen die es an Bord gibt, haben, wie
im ganzen deutschen Sprachgebiet, die Bedeutung eines (lngeren oder
krzeren, dickeren oder dnneren) Nagels. Man unterscheidet aber je nach
Gestalt und Bestimmung Ringbolzen, die am Kopfe einen beweglichen Ring
haben, Augbolzen, deren Kopf ein Auge, eine augenfrmige ffnung hat;
Splintbolzen, die an der Spitze ein kleines lngliches Loch zum
Durchstecken eines Splints haben usw. Klar beim Bolzen! ist ein aus
seemnnischem Munde oft zu hrendes, scherzweise auch da, wo es gar
keine Bolzen zu besetzen und zu bedienen gibt, gebrauchtes Kommando mit
der Bedeutung nun aufgepat!


*Bonnet*, das,

ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als bonnette, den
Englndern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrerung der Untersegel,
die bei gutem Wetter und bestndigem Winde angebracht wird. Also etwas
hnliches wie Leesegel, nur da ein solches *neben* dem eigentlichen
Segel, das Bonnet aber an der *Unter*kante des Segels angebracht wird.
Mittelhochdeutsch bonit, 1461: en holk, geheten Marienknecht, mit deme
segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers u. s. w. Bonnet war der Name
einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher eine aus solchem Zeug
verfertigte Mtze bonnet hie und in England heute noch so heit. Aus
gleichem oder hnlichem Zeug war auch die Verlngerung des Segels; man
gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines Lecks.

Da das Bonnet eine Verlngerung des Segels bedeutete, so nahm es auch,
den Begriff Verlngerung besonders auffassend, ganz allgemein die
Bedeutung Verlngerung an, Verlngerung eines Baumes, einer Leiter,
eines Lschbordes u. s. w.

Eine andere Erklrung ist, da obige nicht ganz berzeugend zu sein
scheint, unter Leesegel gegeben; sie drfte vielleicht eher einleuchten,
zumal im Franzsischen, vergl. Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in
obigen Sinne, sondern auch im weiteren Sinne Leesegel heit und Leesegel
ein Schnwettersegel bedeutet.


*Boot*, das.

In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum vor, dafr ist
es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitet; und was ein
richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt die Boot.

Das erste Zeugnis fr das Vorkommen des Wortes finde ich in einer
Urkunde des Knigs thelred (978-1016): Qui ad pontem venisset cum uno
bato, ubi piscis inesset. In der Edda finden wir es als batr (neben
eikja, einem aus einer Eiche ausgehhltem Boote). Kluge sagt: Der
Ursprung von angels. bat = germ. baita -- (vorgerm. bhoido --?) ist noch
nicht aufgeklrt.

Die altnordische Form beit erinnert an das Schiffszimmermannswerkzeug
Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung nicht allzu fern, es mchte
wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem Worte ein Stamm zu Grunde
liegen, der graben, stechen, hauen, spalten bedeutet, zumal es ein
mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das schlagen, stoen,
stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoen, oder bhid hauen wird also
zu denken sein, so da Boot etwas Ausgehauenes oder Ausgestochenes,
etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel Ausgehhltes wre, ein
Einbaum. Noch heute hat man in Ostfriesland das Zeitwort bten,
schlagen, stoen; althochdeutsch bozan. Und daneben in ganz
Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das Zeitwort
bten, heizen. Die beiden knnten mit einander verwandt sein, insofern
zum Heizen die menschliche Ttigkeit des Stoens, Stechens, Stocherns,
Stokens unentbehrlich ist. Da aber bten auch feuern bedeutet, so
erinnert es uns daran, da man dem Beitel mit Feuer zu Hilfe gekommen
ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehhlt hat, so da uns
also das Wort in die allerersten Culturanfnge zurckfhren knnte.

Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel, Bootskompa sind ohne
Weiteres verstndlich. *Bootspfropfen* nennt man den Korkpfropfen mit
dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes verstopft wird, ehe
man das Boot zu Wasser lt.


*Bootsmann*, der.

Der Deckoffizier dem die Aufsicht ber die gesamte Takelage und das
eigentlich Seemnnische, soweit es Arbeitsverteilung und Verwaltung des
Inventars betrifft, bertragen ist. Englisch boatswain, ein
eigentmliches Wort, denn swein bedeutet Knecht, Schweineknecht,
Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas mit der
Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Franzsisch bossemann. Im
Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch
bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so da
also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schlielich hie berhaupt
jeder Seemann bosmann. De boslde hebben Rode Clawes vorkregen, welk
ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke
tohowen. (Schiller und Lbben II. 153) s. a. Hochbootsmann.

Ein *Bootsmannsstuhl* ist eine (aus Segeltuch hergestellte)
Sitzgelegenheit die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er
wird gebraucht Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen,
seemnnische Arbeiten in der Takelage auszufhren und dergl. So nennt
man auch den Stuhl der an einem Tau fhrt, das vom Mast eines
gestrandeten Schiffes an Land gegeben ist um Schiffbrchige zu retten.


*Bootsmannshellegat*, s. Hellegat.


*Bootsmannsmaat*, siehe Maat.


*Bootsmannsstuhl*, siehe Bootsmann.


*Brtschiff*, das,

ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit regelmige Fahrten
nach einem und demselben Orte (und wieder zurck) macht; d'r is 'n
brtfard up Amsterdam inrigt. Mit bren = tragen von phero, fero, aber
nicht weil das Schiff die Lasten trgt, sondern weil es ihm *gebhrt*,
regelmig zu fahren, nachdem der brtmann oder brtschipper sich einmal
dazu verpflichtet und die Sache bernommen hat, oder auch, weil das, was
sich gebhrt in der Ordnung, in der Reihe ist: (regelmige) Reihenfahrt
betreibt. Weiterhin bedeutet brt die Reihenfolge nach der sich etwas
wechselweise zutrgt de brt is an mi; 't is nu min brt. Brem.
Wrterbuch: Brtlde sind die Schmackschiffer, die wchentlich von
Bremen nach Amsterdam und Hamburg, in einer privilegierten Anzahl,
wechselweise fahren mssen.


*Bord*, der.

Dieses im Munde des Seemannes so hufig gehrte Wort heit ursprnglich
weiternichts wie *Brett* und stammt mit bren und der ganzen
weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas
Tragendes. Frh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas
baute, einen Raum einschlo und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des
Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil fr das Ganze genommen und
*Bord fr Schiff* gesagt wurde, doch nicht ohne da die beiden
ursprnglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wren.

Ein gemeingermanisches Wort, im gothischen als ftubaurd, Fubrett,
Schemel bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch
bord, Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die
Bedeutung Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um
den Rand des Tisches herumsitzt. Und im Altschsischen hie bord nicht
nur Tisch, sondern auch Haus, aus Borden, Brdern gebaut, hnlichem
Gedankengang folgend der heute noch anstatt in meinem Hause sagt: in
meinen vier Wnden, in meinen vier Pfhlen.

Fr *Schiff* wird bord schon frh, im Angelschsischen, on borde und
im Altfriesischen gebraucht: and taegh ne weer inoer boerd, und zog
ihn wieder binnenbords.

Aus dem althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte
hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische,
Portugiesische gegangen, als bord ins Franzsische, = Rand,
Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen,
(mit einem Rande besticken) sticken; das franzsische (border) broder,
woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem
einheimischen alten Sinn. Im Altfranzsischen hie borde Baracke, davon
bordele, bordel (ital. bordelle) = Httchen, kleine, unansehnliche,
schlechte (Bretter-) Bude.

Zu vergleichen ist die Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch
dilo, dil, mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung,
Zimmerdecke, Bretterwand, (gedielter) Fuboden, Diele,
Schiffsverdeck. Vielleicht ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele fr
Deck, Schiffsverdeck gebraucht worden. In der Zollrolle der Grfin
Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 heit es: Scuta que bordum habet
debet Comiti duos dinarios; si vero bordo carent, debet Comiti unum
denarium. Sartorius und Lappenberg bemerken dazu: Die Schute mit einem
(greren, hheren) Bord ist von grerem Umfange, als die ohne oder mit
einem kleinen Bord. Durch diese Erklrung wird aber die Sache nur noch
dunkler, denn die Begriffe grer und kleiner sind hineingetragen.
Es steht da nur von einer Schute die einen Bord hat und von einer die
keinen hat. Einen Bord im Sinne von Rand mu aber jedes Schiff haben,
auch das kleinste. So darf man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint,
so da ein gedecktes Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu
zahlen hatte. Diese Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in
einer Bremer Urkunde von 1312 und 1315 liest: Si naui, que dicitur eke,
hoc commiserint, centum, si alia vocata *bortskip*, sexaginta marcis
etc. etc. debebunt emendare. Es gab also Schiffe die Bortschiffe
hieen; da aber jedes Schiff einen Bord hat, so mu etwas anderes als
Bord, Rand, gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am
nchsten. Dasselbe gilt fr das mittelniederdeutschen Urkunden eigene,
noch heute in den west- und ostpreuischen Hfen gebruchliche bordinge;
Brem. Stat. 1489: nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn
legghen oan der slacht (Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld,
Hafenabgabe) sy dann thovoren entrichtet. Oldenburgische Urkunde von
1549: Ike hadde ene burdinge dat is ein stark schepe als ein punte, dar
er siene perde mit auer furde.

S. an Bord, von Bord, ber Bord.


*borden*,

ungefhr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich an
jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord)
liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen
mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten
borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt)
wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im
Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Rece von 1440
lesen wir: ... unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do
injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so
grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden
grote Spansche schepe.


*Borg*

-- in Borgbendsel, Borgbra, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge, Borgwanttau
u. a. m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen belieben, wenn wir
uns gebildet ausdrcken wollen. Der Seemann ist aber bei seinem Borg
geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um auf alle Flle,
auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen, nimmt man eine
zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe, Borgstenge heit.
Breusing tadelt Roeding, da er nicht gesagt hat, da dieses Borg nichts
mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn einmal lag es
berhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische Untersuchungen
anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied zwischen Borg in dem
einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich beide Male um
Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer mehr ein Pfand
als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar der Begriff
Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber doch noch
vorhanden, und wre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des
Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben.


*Bottelier*, der.

Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten hat, also eine
sehr wichtige Persnlichkeit, was schon daraus zu erkennen ist, da er
sich nicht Botelir sondern Botteli nennen lt, als ob es franzsisch
wre. Und es ist doch gut deutsch. Im Althochdeutschen hie der Bottich
botacha, mittelhochdeutsch botige; davon kommt butiglaere, bttiglaere,
putigler, der Schenk, Mundschenk. Von Bottich kommt Btte, von Btte als
Verkleinerungsform Buttel (Buddel), niederdeutsch Bottel, und hiervon
kommt Bottelier, nur da im seemnnischen Gebrauch die verengte
Bedeutung wieder erweitert ist, da man nicht blo an Flaschen, sondern
vor allen Dingen an Fsser denkt, auch wenn sie gar kein Getrnk,
sondern Fleisch oder Butter oder Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der
Begriff in Westfalen erweitert, wo eine Magd, die auf greren Gtern
fr das Bier und *die Wsche* des Gesindes sorgt, Buddeliersche heit,
whrend anderseits der Kellermeister des Abtes von Werden den Titel
buttelierer fhrte.

In Holland haben sie ein Sprichwort, das lt tief blicken. Als kok en
bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is. Lpkes hat
das bersetzt: Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten,
zanken, hrt man (durch ihre wechselseitigen Vorwrfe), wo die Butter
geblieben ist. Kellermeister ist, da es selbst das vornehmste Schiff
bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr khn angewandt,
wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: Da wei kein
Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist. Es htte sehr wohl Bottelier
knnen stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der
Seemannssprche allgemein bekannt.

In seinem groen Werke ber Japan erzhlt der Deutsche Kmpfer, der aber
sein Buch hollndisch herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei
in seiner Jugend Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen.


*Brabank*, die.

Ursprnglich ein Ort wo seemnnische Arbeit getan wurde, an einer Kste
oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und Werft. Whrend
nun Lastadie -- habent sua fata verba! -- so ziemlich aus dem Mund der
Menschen gekommen ist, hat Werft ein groartiges Glck in der Welt
gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen, enger
gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer Werft
beschftigten Seeleute bedeutet. Er ist auf der Brabank, von der
Brabank, gehrt zur Brabank, das heit er gehrt dem Allgemeinen
Betriebsdept der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende
Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem
beschaulichen Geschft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hie
das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Ttigkeit die
auf der Brakbank ausgebt wurde nannte man braken. Nun hat Grimm bei
Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag stammt,
den Gedanken geuert, da vor dem t in braten ein k ausgefallen sei,
da also braten fr brakten stehe oder das k mit t einfach getauscht
habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur Gewiheit. Und
gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu erinnern, er kommt in
jeder Kinderstube tglich vor, und es gibt ganze Vlkerschaften, die die
beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne da sie sich dessen
berhaupt bewut sind, ob sie ein k, ob sie ein t sprechen. Wenn in
einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin anstatt Latin sagen
konnte, dann konnte man sicher auch braten fr braken sagen. Und man tat
es auch. Im Hochdeutschen hie das Wort und heit es braten, im
Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach niederdeutscher Art in
der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen. In dem Redentiner
Osterspiel, so genannt weil es von einem Ungenannten am 20. November
1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar vollendet wurde, geht
Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen ihrer Handwerkskniffe
und -Betrgereien ins Gericht. Dem Schneider (niederdeutsch scroder oder
schrodere, daher der weitverbreitete Familienname Schroeder) fllt er
das Urteil:

      Desseme schrodere dat syn recht
      Unde werpet ene an der helle grunt,
      Dar schal he ligghen so en hunt
      Unde an der ewighen nette braghen
      He heft so mennighen man bedraghen.

Der niederdeutsche Seemann blieb zunchst, sich auf nichts Neues
einlassend, bei dem gutturalen Laut, nur da er statt der Media die
Tenuis nahm und nicht Bragh = sondern Brakbank sagte. Als aber im Laufe
der Zeit das Hochdeutsche auf seinem Siegeszuge zu mchtig wurde, konnte
er sich doch einer nderung, einer sprachlichen Weiterentwicklung nicht
entziehen. Aber lieber als da er den beliebten Tausch von k und t
mitgemacht htte, machte er kurzen Proze, warf den unbequemen
Konsonanten vor dem b ganz hinaus und sagte in seiner kurzen, bequemen
Art kurzweg Brabank.

Es hat sich indessen auch noch ein Wort Brakbank erhalten, hochdeutsch
Brechbank, das aber mit dem unsrigen nichts zu tun hat, wiewohl es auch
nicht ganz ohne Beziehung zur Seemannschaft ist, denn so heit ja die
hlzerne Bank zum Brechen des Haufes, auf der die Schven gebrochen
werden, damit sie sich von der Hanffaser lsen. Unser Brabank aber ist
keine wirkliche Bank, sondern, wie Sandbank, bildlich, fr eine erhhte
Stelle an einer Kste oder einem Ufer angewandt, und zwar war es ein
Ort, wo besonders das Dichten und Kalfatern vorgenommen wurde. Ein
Schiff kalfatern nannte man bragen: Item wen ein schipper dichten en
bragen leht. Im Lbeckischen alten Zunftrecht heit es; Idt schall ock
kein werckmann uf der braeckbank to werkende angenahmen werden, idt sy
den hie genochsamb vor einen werckmann up der lastadien (Werft) bekandt
und darto duchtig (Befhigungsnachweis!). Der Kalfaterer hie brager.

Nun hie altnordisch bradha -- so frh schon hatte sich der t-Laut
verschoben -- theeren, verpichen, mit Theer oder Pech berziehen, bradh
das mit Ther bestrichene Holz. Wir haben dabei an braten im Sinne von
hei machen, wrmen, erhitzen, durch Hitze zum Schmelzen bringen zu
denken, wie man Speck ausbrt. Der Theer mu erst vom Feuer gleichsam
gebraten, d. h. flssig gemacht werden, ehe man mit ihm kalfatern kann.
Kalfatern (s. d.) thut, trotzdem es erst ihr Hauptgeschft war, die
Brabank aber jetzt nicht mehr, das wird von Schiffszimmerleuten, die
nicht zur Brabank gehren, besorgt. Roeding hatte also die alte Brabank
noch im Auge, da er vor 100 Jahren schrieb: Ein am Ufer befindlicher
Platz, der mit Spillen, Gienen und anderem Zubehr versehen ist, um
daselbst Schiffe zu kielholen.

Wie Lastadie als Straenbezeichnung erhalten geblieben ist, so mu es in
Danzig eine Strae oder einen Platz des Namens Brabank geben.

Eine auffallende hnlichkeit hat das bretonische rabank, es hat aber
nichts mit Brabank zu tun, sondern kommt von rap = Reep.


*Bewulen* s. Wuling.


*brack*,

salzig, bitter, trbe, schlammig, verdorben, schlecht, unbrauchbar.
Brackwasser ist Swasser mit Salzwasser gemischt, also zum Trinken
unbrauchbar. Dann bertragen auf andere unbrauchbare Dinge, verdorbene
Waren, nicht vorschriftsmige Lieferungen oder nicht verwendbare Teile
einer solchen; bracken heit dergleichen Gegenstnde als brack
bezeichnen, condemniren, ausmustern, verwerfen. Schon Kilianus hat das
Wort brack in beiden Bedeutungen: salsus, aquae marinae saporem quodam
modo referens und brack goed, merces submersae, salo sive aqua marina
corruptae. Die Bedeutung ist also ursprnglich: durch Salzwasser
verdorben, dann berhaupt verdorben. Und zwar hat der Gedanke an bei
einem hereinbrechenden Unglck hereinbrechendes Meerwasser den Ausschlag
bei der Benennung gegeben. Das Wort kommt also von brechen; an
Schiffbruch und Deichbruch ist zunchst zu denken und dann an die
dadurch verursachte Beschdigung.

Das Bremer Wrterbuch schreibt: Brack = Salzwasser mit Fluwasser
gemengt. Brakke Grund ein Boden der salziges Wasser gibt. Und daher
soll Brake an der untern Weser seinen Namen haben, weil Wasser, was auf
diese Weise vermengt ist, gebrochen pflegt genannt zu werden. Kaum,
sondern Brack, Brake ist eine Stelle wo einmal ein Deich gebrochen war.
S. a. *Wrack*. Die Bedeutung kommt nach Sinn und Form unserem
Gebrechen, gebrechlich nahe.


*Bram*

= Bramstnge, Bramrahe, Bramsegel, Bramtuch, Bramsaling, Bramtoppnanten,
Brampardunen, Bramschoten, Bramwanten, Brambulin, Bramfall, Brambra,
Bramleesegel, berhaupt: Bramgut. Alle diese Wrter -- in deren
Zusammensetzung je das zweite Wort an seiner Stelle nachzusehen --
erklren sich aus ihrer Verbindung mit der Bramstnge. Es gilt also das
*bram* in diesem Worte zu erklren. Bekanntlich ist die Bramstnge die
Fortsetzung der Marsstnge nach oben. Sie war frher, ehe die
Oberbramstnge erfunden war und ist auf Schiffen, die solche nicht
fhren, der hchste, obere Teil des Mastes.

In Holland sagt man von einem Manne, der bei uns Grohans heit, der
also den grooten heer uithangt, er sei ein heelen bram, er sei hoch
gestochen. Dies bram heit hoch. Es stammt von der Hasenheide, die hin
und her in ganz Europa an Feldrainen, auf Waldlichtungen, auf drrer
Heide wchst und, auer Hasenheide, noch Pfriemenkraut, Brmme, Brme,
Bram heit, spartium scoparium L. Die uns bekannteste Art ist die mit
den grnen, dnnen, schwanken Reisern und den gelben, weithin
leuchtenden Schmetterlingsblthen. Sie heit vielfach Ginster. In
Frankreich gent (von genista) und hat Verwandte die als Zierstrucher
dienen. Ein Reis (plant) dieses gent pflegte Gottfried von Anjou an
seinen Helm zu stecken, woher der berhmte Name Plantagenet. Wir machen
Besen aus dem Ginster und nennen es Besenginster, jedoch nur auf
hochdeutsch. Das Volk sagt Brme oder Bram, auch wohl Bremme,
(Wirtshaus zur goldenen Bremme bei Saarbrcken kriegerischen Andenkens
vom Sommer 1870), Brom in Brombeere ist damit gleicher Abstammung.
Althochdeutsch hie prama, brama, mittelhochdeutsch brame Dornstrauch,
stachligter Strauch, Brombeerstrauch. Sehr bezeichnend, denn die
Grundbedeutung von Bram ist spitz, scharf, stechend, vorstehend,
vorragend, Spitze, Hchstes, uerstes. Die Bramstnge heit also so als
Spitze, Hchstes, uerstes des Mastes und berhaupt des ganzen
Schiffes. Der Name kommt demnach nicht sowohl von der Gestalt einer
dnnen, langen, schwanken Ginster = Dornenstrauch- oder Brombeergerte,
sondern von dem Hinaufstehen, Hervorragen, Aufwrtsstreben der Reiser.
Wre jenes anzunehmen, dann wre Bramstnge eine Tautologie. Nicht als
ob solche nicht denkbar wre, es giebt ihrer genug, aber einfacher und
klarer ist doch das Bild, wenn wir die Vorstellung hinaufragen
festhalten.


*Brm*, der.

Vergl. Bram; dieses heit nicht nur das Hchste nach oben zu, sondern
auch das uerste nach auen zu, also nicht blo Anhhe, sondern auch
Ufer, Kstensaum, Saum eines Gewandes, Rand, Rand einer Mtze,
Mtzenbrm der Offiziere etc. Da dieser Mtzenbrm der Vter mit Pelz
besetzt war, so sagt man: Die Mtze war mit Pelz verbrmt, wie man auch
von einem verbrmten Kleide spricht, wenn der Saum besetzt ist. (Sogar
Augenbraue und Augenwimper kommen von Bram. Mittelhochdeutsch hieen sie
augbram und windbram, Rand ber dem Auge, Schutz des Augenrandes vor dem
Winde.)


*Brandung*, die.

Die Bewegung der an einer Kste, einem Felsen etc. etc. sich brechenden
Meereswogen. Schon im Bewulf kommt brant, bront vor fr tosend,
schumend, von Schiff und Flut gebraucht. Es ist bei der Benennung
ausgegangen von dem was das Ohr hrt, nicht von dem was das Auge sieht,
denn Brandung ist mit Brand dasselbe Wort, und man hat dabei an das
Gerusch des Brennens, das Brausen, Zischen und Gischen einer
Feuersbrunst zu denken. Das Zeitwort dazu heit *branden*, vom
niederdeutschen brannen = brennen und von Brandung beeinflut. In
Ostfriesland gebraucht das Volk das Wort Brandung selten oder nie, sagt
vielmehr See.

Da das Gerusch den Ausschlag gab, geht aus dem Altnordischen,
Angelschsischen und Altenglischen hervor, wo Brandung brim heit, von
breman, brummen, brausen, lateinisch fremere, griechisch bremein.
Indessen kommt schlielich alles auf eines hinaus, denn im Sanscrit
heit bhramas prasselnde Flamme.


*Brander*, der,

heit eigentlich Brenner. Die Form ist niederdeutsch, in Anlehnung an
Brand und brannen = brennen. In Holland heit ein Mann der irgend etwas
brennt, sei es Kaffee, Branntwein oder Backstein ein brander.
Seemnnisch, ein Schiff das anderen sich brennend naht um sie in Brand
zu stecken.


*Brass*, die.

Das Tau an der Nock der Rahe mit dem diese gebrat d. h. vorwrts oder
rckwrts bewegt wird, je nachdem die Segel nach dem Winde gerichtet
werden mssen. Die beiden vom Mast abstehenden Teile einer Rahe gleichen
zwei ausgebreiteten Armen. Daher ist anzunehmen, da das Tau an solchem
Arm mit dem lateinischen und griechischen Worte fr Arm, brachium,
brachion, verwandt und durchs Romanische zu uns gekommen ist.
Franzsisch brasse, Klafter, Schnur, Seil; provenalisch brassa,
spanisch und portugiesisch braza, Klafter (was man mit den Armen fassen,
greifen, umfassen kann); englisch brace, Tragband, Handhabe; diese
letztere Bedeutung wrde dem Gebrauche von Bra als Handhabe am Ende der
Rahe am besten entsprechen. Das seemnnische Bra heit franzsisch
bressin, weil das den Namen tragende Tau am bras (Arm) befestigt ist; es
mte daher eigentlich brassin lauten; aber brassin hie schon das
Gebru, und davon sollte es unterschieden werden.

*Anbrassen* heit so brassen, da das Segel mit der Luvseite weiter nach
vorn kommt, aufbrassen, da es weiter nach hinten kommt.

*Brassen und toppen* heit nach einem Segelmanver, im Hafen aber vor
der Morgenmusterung die gesamte Takelage einer genauen Besichtigung
unterziehen und, wenn ntig, in einen tadellosen hafenmigen Zustand
bringen; besonders jede Rahe in den rechten Winkel zur Lngsachse des
Schiffes brassen und sie in den rechten Winkel mit ihrem Maste toppen.


*Bratspill*, das.

Vorrichtung einfacher Art zum Ankerlichten. Mu eigentlich heien
Bratspitt = Bratspie, weil es wie ein solcher gedreht wird. Da aber die
Vorrichtung wie das Spill gebraucht wird, so lag die etymologisierende
Vernderung in Bratspill, als Anlehnung an den strker gewordenen
Begriff nahe. In Holland heit das Werkzeug -- eine horizontale hlzerne
Welle -- braadspit; das englische windlass und das franzsische vindas
haben das Bild einer hlzernen Welle oder Achse, die oder mit der man
windet, ebenfalls deutlich festgehalten. In der Beschriving van der
Kunst der Seefahrt, Lbeck, 1678 steht: weil die Pallen von das
Bratspie weg wahren.


*Breitfock* (Brefock), die.

Wenn Schiffe, die fr gewhnlich nur Gaffel-, Spriet- oder Gieksegel
(Schratsegel) fhren, vor dem Winde fahren, so setzen sie ein breites,
viereckiges Rahsegel -- das einzige das sie setzen knnen; -- es
befindet sich -- nach Roeding -- an der Bagienrahe, (die am Gromast
angebracht ist, weil ein Kreuzmast nicht vorhanden). Dieses Segel heit
Breitfock, da es dem achterlichen Winde eine mglichst breite
Angriffsflche darbieten soll um besser ziehen (s. Fock) zu knnen.


*Briese*, die.

Das Wehen des Windes, besonders wenn er nicht zu stark weht. Man sagt
zwar es briest auf oder es briest tchtig und spricht von einer
frischen, krftigen, strammen Briese, aber sobald der Wind zum Sturm
anwchst, wird er nicht mehr Briese genannt. Da in England breeze ein
sanfter Wind, in Italien brezza ein kalter, windiger Nebel, in Spanien
bisa der Nordostwind heit und in letzterer Sprache bisa und brisa
gleichbedeutend sind und neben einander gebraucht werden, so mag Briese
nur eine andere Form fr Biese, Bise (s. d.) sein. Wenigstens fllt es
schwer, das Wort mit dem niederdeutschen brusen, brausen, oder mit dem
niederlndischen brysen, brechen, zusammenzubringen, es mte denn sein,
da man sich eine spiegel-glatte See vorgestellt htte, deren Spiegel
von der aufkommenden Briese gebrochen und mit Katzenpftchen bedeckt
wird.


*Brigg*, die,

ein Segelschiff mit zwei mit Rahen versehenen Masten. Das Wort kommt
-- wie wohl auch die Sache -- aus dem Mittelmeer. Die Grundbedeutung ist
Unruhe, Geschftigkeit. Italienisch briga, Lrm, Getmmel, Geschft,
brigare, eifrig streben, dringend bitten, brigata, Gesellschaft, Rotte,
Heerschaar, (Brigade); brigantino Raubschiff, Seeruberfahrzeug. In
diesem Sinne ist es zuerst ins Deutsche gekommen, oft mit der Umstellung
Bergantine; so hat es schon Kilianus: bergantine = navis piratica. Es
liegt auf der Hand, da ein Seeruberschiff ein schnelles Fahrzeug sein
mute, das der ehrliche, erlaubte Handel (Nahrungszweig) sich zum
Muster nehmen konnte. Das hat er auch getan, aber das Wort war dem
niederdeutschen einsilbigen Seemann zu lang, er krzte es ab in Brigg.


*Brille*, die.

Was eine Brille im Munde des Seemanns bedeutet ergibt sich am
deutlichsten aus der Beschreibung der *Brille fr den Aussenklverbaum*
bei Dick und Kretschmer. Sie besteht aus einem vierkantigen und einem
runden Teil; beide Teile sind durch einen Steg mit einander verbunden.
Die Brille wird mit dem Vierkant so ber die Nock des Klverbaums
gestreift, da der zur Aufnahme des Auenklverbaums bestimmte runde
Teil sich am Steuerbord befindet. Also eine Art von Eselshaupt. Der
runde Teil, der Einfassung einer alten runden Brille hnlich, hat den
Namen veranlat. Brille stammt von dem Edelstein beryllus, der zuerst
als Zauber- und Wahrsageglas diente, dann als Sehglas geschliffen zur
Untersttzung schwacher Augen; zunchst fr *ein* Auge, dann fr beide.


*Brook*, die,

ein Tau oder ein Geflecht von dnner Leine, dazu bestimmt, etwas
festzuhalten und zu sichern damit es an seiner Stelle bleibe; auch ein
Stck geteertes Segeltuch vor einer ffnung befestigt, in die kein
Wasser eindringen soll. Verleihung von Festigkeit und Schutz ist also
der Zweck einer Brook. Beides wird dem menschlichen Leibe durch die --
Hose gewhrt, namentlich wenn sie nicht mit Hosentrgern getragen,
sondern durch einen Grtel oder, wie beim Seemann blich, durch einen
enganliegenden Hosenbund gehalten wird. Hose heit aber niederdeutsch
Brook; ein sehr altes Wort, das bei den Rmern braca hie, aber als
Fremdwort bekannt war, wie denn auch nicht nur die Perser, sondern auch
die Germanen und die Gallier unter dem gleichen Namen ein Kleidungsstck
trugen das nicht nur den Beinen Schutz, sondern auch den Hften Halt und
Festigkeit verlieh. (Hosen-) Gurt wird also die Hauptbedeutung des
Wortes am sinngemesten wiedergeben.


*Buchse*, die,

wird im seemnnischen Sprachgebrauch vielfach anstatt Bchse gesagt;
Beweis, wie sehr dieser am Alten auch da festhlt, wo das ihm so nahe
liegende Niederdeutsche Weiterbildung mitgemacht hat. Denn das vom
griechischen pyxis (aus puxos Buchs, Buchsbaum) stammende Wort, das
mittelhochdeutsch buhse, mittelniederdeutsch busse hie, hat sogar im
Neuniederdeutschen den Umlaut angenommen (bsse) den die Seemannssprache
bisher mit Erfolg abgelehnt hat. Das englische box wird auch in
deutsch-seemnnischen Munde oft gehrt, sogar (scherzweise) fr Kammer,
um die Enge einer solchen zu kennzeichnen.


*Bucht*, die.

1. Die Biegung eines aufgeschossenen oder sonst gebogenen Taues. 2.
Bucht im neuhochdeutschen Sinne eines kleinen Meerbusens, Ort wo die
Kste sich einbiegt. Nach Heyne ist das Wort erst im 18. Jahrhundert aus
Niederdeutschland in die hochdeutsche Schriftsprache gedrungen. So hat
also das Niederdeutsche diesen althochdeutschen Besitz vor dem Verluste
gerettet, denn von dem althochdeutschen biogan biegen gab es schon in
alten Zeiten ein Substantivum biugo = sinus.


*Bug*, der.

Der vorderste, stark gebogene Teil des Schiffes; die Biegung ist das den
Ausschlag bei der Benennung Gebende. Das hat Weigand (I. 278) zwar
geleugnet, indem er sagt, bug kme nicht von biegen wegen des uo im
althochdeutschen und mittelhochdeutschen buoc; aber ohne Erfolg, denn
woher soll das althochdeutsche buog, das obere Gelenk des Oberarms und
des Schenkels, anders kommen als von biogan? Gothisch biugan, biegen und
beugen; Sanscrit bhug, inflectum esse (gekrmmt). Es ist behauptet
worden: Die uralten Bezeichnungen von Krperteilen wie Arm, Bug, Herz,
Nase, Niere etc. etc. beruhen auf dunklen Wurzeln, von denen wir
nirgends mehr eine Spur finden; sie gehren eben zum allerltesten
Wortbestande der indogermanischen Sprache. Fr Bug liegt aber die
Annahme einer Wurzel die biegen bedeutet so nahe, da man sich ihr nicht
entziehen kann. Auch Bogen ist verwandt, altdeutsch bogo, boge =
Halbkreis, Waffe, Sattelbogen; niederlndisch boog, wozu Aubin bemerkt:
ce mot se dit de toutes les choses qui se sont en ligne courbe. Bug
heit niederlndisch allerdings nicht boog sondern boeg, aber Weiland
sagt: boeg van buigen, het voorste gedeelte van een schip, waar het
sterk gebogen is.

Kilianus gebraucht bocht und boech als vllig gleichbedeutend.

Angelschsisch bg, englisch bough. In der Edda wird fr Biegung,
Krmmung, bugr gebraucht.

ber den Steuerbord-, ber den Backbordbug anliegen oder segeln heit:
Das Schiff liegt auf der Steuerbord-, auf der Backbordseite am Winde,
segelt mit der Steuerbord-, mit der Backbordseite der Segel beim Winde.
Das sind zwei sehr verschiedene Flle; will der Seemann aber sagen: auf
alle Flle, so sagt er: ber jeden Bug, auch da wo es sich nicht um
Seemannschaft handelt; Groningen: Hy prebjerret it op alle bugen um rik
to wirden.


*Bugsieren*,

ein Schiff durch ein anderes schleppen, in dem der schleppende Dampfer
die schleppende Tro, die an seinem Heck belegt ist, am Bug des zu
schleppenden Schiffes festmacht. Wenn das s nicht wre, so knnte man
annehmen, das ieren sei einfache Endung, so aber mu an eine
Zusammensetzung gedacht werden. Diese ergibt sich aus dem Hollndischen
und Ostfriesischen, wo sjoren, festmachen, sjuren, ziehen, schleppen
bedeutet. Man hat also die Wahl, anzunehmen da bugsieren vom
hollndischen sjoren kommt und von Bug, so da also das Wort hiee: ein
Tau am Bug festmachen, oder vom ostfriesischen sjuren und Bug, so da
es hiee: ein Schiff an seinem Bug ziehen, schleppen; vielleicht haben
auch beide Bedeutungen in einander gespielt.

Eine eigenartige Form hat der bersetzer der Durchlauchtigsten
Seehelden, Sulzbach 1681, dem Worte gegeben. Er beschreibt die
Seeschlacht bei Lepanto und gibt an, da die Nachhut der Christen unter
dem Marquis de Santa Cruz Alvaro Bacciano hauptschlich aus Galeazzen
bestanden habe, von denen jedwede sechs und fnfftzig grosse
Stck-Geschtz, zwlffe in den Vordertheil, zwlffe in den Hindertheil,
und sechzehn an jedweder Seite, und sechs hundert Fu-Knechte auf
hatten, ... und weil sie so schwer waren, hat man, damit sie nicht
dahinten bleiben sollten, sie nahe an den Feind bchsiren oder
fortziehen lassen, daher sie auch die ersten waren, welche auf den Feind
ohne Verhinderung der andern Galeyen zu schieen begunten.


*Bugspriet*, das,

eine Art Mast, nur da er nicht aufrecht steht, sondern im Winkel
geneigt ber den Bug hinausragt. Spriet heit eigentlich Spie, Stange,
Spiere, Baum; auch die Stange die diagonal in das deshalb Sprietsegel
genannte Bootssegel gesteckt wird um es auszubreiten. Es ist darum
schwer zu entscheiden, ob es von spriotan = sprieen oder von spritan =
spreizen kommt; der Bedeutung nach wre beides mglich. Das franzsische
beaupr ist aus Bugspriet mundgerecht gemacht.

Im Niederdeutschen frher bochspreeth und bockspreet, bochspreth; und
syn bochspreth qwam in Klawes Wendes focken tackel to staende. Do lepen
twe boesmans (Matrosen) van den unsen int focken tackel und houven eme
dat stach und bolynen van synem bochsprete ... In einer Verklarung am
31. Oktober 1564 zu Bremen abgelegt heit es: ... erschenen F. W. und
bekennet onde getuget, dat vorleden sonnauend den 12. October sick ein
storm erhauen, ond sy datsulnige mall J. R. by A. G. sinem schepe
hengedreven, ond also he jegen gedachten A. G. schip gekamen, sy J.
bochspreeth in A. bachstaken geraket. In einer zweiten Verklarung ber
denselben Fall heit es: doch nichtes desto weniger J. R. mit synem
bockspreet in ohre hovettow gedreuen sy. (Schiller und Lbben VI. 26).


*Buhne*, die,

ein Flechtwerk von Reisig zum Schutze eines Ufers, einer Kste gegen das
Wasser. Es ist im Grunde genommen nur eine andere Form fr Bhne. Dieses
heit Bretterboden, Boden eines Hauses, Decke eines Zimmers, bretterne
Erhhung, Bretterverschlag, Bretterverkleidung, und eine Verkleidung
bildet auch die Buhne, nur da sie nicht aus Brettern sondern aus
Reisern hergestellt ist. Es bedeutet auch Fischzaun und Fischkasten, und
zwar einen solchen auch wenn er aus Brettern hergestellt ist, so wie
auch ein aus Brettern hergestellter Uferschutz noch Buhne genannt wird.


*Buk* = Bauch.


*Bulin*, die,

ein Tau das an der Seite eines Rahsegels ungefhr in der Mitte des
stehenden Lieks befestigt ist und dazu dient, das Segel steif beim Winde
zu halten und seinen Bauch mglichst weit nach vorne zu holen, damit das
beim Winde segelnde Schiff mglichst viel Wind in seine Segel bekomme
und grere Fahrt mache. Da die Bulin an einer sehr gebogenen Stelle des
Segels sitzt, so ist anzunehmen, da sie vom Biegen den Namen habe; und
wirklich hie sie frher auch Buglin; Kilianus schreibt boech-lyne.

Davon das franzsische bouline;  la bouline, beim Winde.

Die Befestigung der Bulin am stehenden Liek erfolgt durch
*Bulinsspruten*, Verbindung von zwei oder drei einfachen Stroppen,
welche den Zug der Bulin auf einen groen Teil des Lieks verteilen,
ausbreiten, aus*spreiten* sollen.


*Bumboot*, das,

ein Boot in dem Hndler allerlei Lebens- und Genumittel feilhalten oder
an Bord bringen, Obst, Gebck und dergleichen Dinge, die in der
Bordverpflegung nicht vorgesehen sind. Das Wort kommt nicht etwa von
pumpen, wiewohl Bumbootsleute leider manchmal auch borgen, sondern ist
mit Buhne verwandt, im Sinne von Fischkasten. So hie ein Boot mit einer
Buhne Bun- oder Bumboot, und zwar in Flandern und Sdholland, wo
dergleichen Fischerfahrzeuge gebruchlich sind. Sie werden aber auch als
Lootsenfahrzeuge bentzt und eignen sich, grade wegen der Buhne, dem
Fischtank in der Mitte, besonders zum Aufstapeln und Feilbieten von
Verkaufsgegenstnden. Englisch bumboat, a boat for carrying provisions
to a ship at a distance from shore. Doch ist letzteres nicht mehr ganz
zutreffend, da es jetzt auch Bumbootsleute, namentlich Bumbootsfrauen
gibt, die nicht at a distance from shore ihr Wesen treiben, die gar kein
Boot; geschweige denn ein Bumboot besitzen oder bentzen, sondern
einfach ihre Waren in einem abgelegten Kinderwagen lngsseits eines am
Bollwerk oder dem Kai liegenden Schiffes bringen. Der Name aber,
Bumbootsmann oder Bumbootsfrau, ist geblieben.


*Bullei*, das,

eine kleine, runde Scheibe von dickem Glas im Deck selbst, im
Decksfenster, besonders aber auch in der Bordwand zum Einlassen des
Lichtes. Aus dem englischen bull's-eye gebildet, = Ochsenauge. Auge wird
in den verschiedensten Bedeutungen bildlich und in bertragenem Sinne
gebraucht, soda uns die Aufnahme in die Seemannssprache nicht wundern
kann, s. Ochsenauge.


*Bullentau*, das.

Man bentzte frher besonders eingerichtete Prhme, Hulke, abgetakelte
Kriegsschiffe etc. etc. um ein Schiff das gekielholt werden sollte auf
die Seite zu legen. Sie hieen Bullen, weil sie sehr stark und steif
sein muten wie der Nacken eines Stiers. Das andere Schiff ward mit sehr
starken Tauen auf die Seite gezogen, die Bullentaue hieen. Als die
Bullen selbst schon lange nicht mehr gebraucht wurden, nannte man die
Taue, die irgendwo zur Verstrkung, zur Aushilfe, zu besonderer
Befestigung in besonderem Falle dienten, immer noch Bullentaue.


*Bund, trkischer*,

eine Takelung am Ende eines Taues, besonders eines Strecktaues, das
Besuchern des Schiffes in die Hand gegeben wird zum Festhalten und das
darum etwas eleganter getakelt ist in Gestalt eines Turbans, wofr schon
seit Jahrhunderten der Ausdruck trkischer Bund in Deutschland in
Gebrauch ist. Wenn nur das Aufdrehen des abgeschnittenen Endes vermieden
werden sollte, so wrde ein Hundspnt (s. d.) gengen; der trkische
Bund wird also aus Schnheitsrcksichten gemacht.


*Bunker*, der.

Kohlenbunker sind durch eiserne Schotte abgegrnzte Schiffsrume die
zur Unterbringung des Schiffsbedarfs an Kohlen dienen. Durch die groen
Fortschritte des Dampfes haben die Bunker eine noch vor wenig
Jahrzehnten ungeahnte Vergrerung erfahren. Etymologisch hngt das Wort
mit Buhne zusammen in der Bedeutung Brettergestell, Bretterunterlage fr
die Ladung, dann Laderaum, manchmal auch das in demselben Befindliche,
die Ladung selbst. So wurde das Wort bonik, bonk, bunk im Mittelalter
gebraucht, wie aus zahlreichen Zeugnissen erhellt. In einer
Hansa-Urkunde von 1225 heit es: Item aliquis veniens cum navi ad
portum tytulo vendicionis aperit et dividit res suas, quod sie
nominamus: ofte he sinen bonich breket, vendens aliquam partem rerum
suarum ... Eine Apenrader Skraa sagt: item, eyn schipman, de eyn
schiphere heth onde de mit em in deme schepe sin, de en open eren bonnyk
nicht, er se vornoghed hebben dat schiplon, (lat. Text: item, nauta
dictus skipher et secum in navi existentes sua bunkae non aperiant,
antequam satisfactum fuerit pro naulo.) Hansa-Urkunde von 1364: were
dat een bonk ghebroken worde in den schepen, dat gut, dat men upschepet,
unde dut in den schepen blift, schal haluen tollen gheuen. Hansa-Rece
von 1388: it., en schal men nen gud by westen der Maase utschepen umb
ostwert to vorende. Men werit, dat en schipher qweme by westen der Maase
in Zeland, de mach dar synen bonnik breken und bringen dat gud by sworen
eeden tho dem stapel. In einer dieser Formen und in der Bedeutung
Laderaum ist zur Hansazeit das Wort nach England gekommen, wo es bald
teils in eingeschrnktem teils in erweitertem Sinne mehrfache Verwendung
fand und sich einbrgerte. So heit denn nun im Englischen bunk: a
wooden box or case, serving as a seat during the day and a bed at
night; bunker aber heit: a bench or sort of chest that serves for a
seat; also eine Sitzbank die zugleich als Aufbewahrungsraum diente, so
an die Bordwand gebaut aus Brettern, da die Vorderwand und der Sitz
grade waren, die von der Bordwand selbst gebildete Rckwand wegen der
Gillung aber schief zulief, der Raum unten also nicht so breit war wie
oben. (Noch heute wird auf kleinen und kleinsten Schiffen der Raum so
ausgentzt). Diese chest diente zur Aufbewahrung, zum Verstauen von
allen mglichen Dingen, auch von Kohlen zum Kochen der Speisen. Als aber
Kohlen fr die Dampf- und mancherlei anderen Maschinen gebraucht
wurden, da war es mit der Sitzgelegenheit bald vorbei, denn die Bunker
nahmen immer greren Umfang an und wurden stattliche Rume, deren eine
Wand aber immer noch mit der Bordwand zusammenfllt, und ihre Gillung
mitmacht, da sie zwischen Maschine und Bordwand angebracht zu werden
pflegt.

In der Zeit des siegreich vordringenden Dampfes ist denn das alte
deutsche Wort in der neuen, fremd erscheinenden Gestalt Bunker und in
der beschrnkten Bedeutung Kohlenbunker wieder heimgekehrt, nicht mehr
Ladung im Allgemeinen, sondern nur Laderaum fr die zum Schiffsgebrauch
dienenden Kohlen bezeichnend.

Im Jahre 1898 tauchte pltzlich das Zeitwort bunkern auf. Irgend ein
Seemanverberichterstatter hatte sagen hren: morgen fllen wir unser
Bunker (mit Kohlen) auf, und dachte, vielleicht weil ihm flunkern so
gelufig war, diese Ttigkeit heie seemnnisch bunkern; war er aber
seemnnisch gebildet, und wute da das Wort bunkern gar kein Wort war,
so mag er den Drang in sich gefhlt haben eine groe Tat zu tun und
setzte das geschmackvolle Wort als eigene Zeugung in die Welt. So ward
denn mit einem Male in den verschiedensten Zeitungen bunkern den
Nichtseeleuten als ein seemnnisches Wort versetzt. Es scheint aber
schon wieder im Verschwinden gepeilt werden zu knnen und wird
hoffentlich bald wieder der Vergessenheit anheimgeben worden sein; man
knnte sonst ebenso gut anstatt ernten auch scheuern, anstatt dreschen
flegeln und anstatt schreiben federn sagen.


*Bunsch*, der,

= Bndel, von binden, vergl. v. Strombeck, Mar.-Rundschau 1899 p. 1127:
Nach dem Setzen (des Grosegels) die Lufer der Fallen und Taljen
aufschlieen (verdruckt fr aufschieen), die Zeisinge in kleine Bunsche
legen, die Bezge klar zum Verstauen im Segelraum zusammenlegen. Ein
Wort das nur mundartlich vorkommt, und zwar in Niederdeutschland, ein
Bunsch Garn, ein Bunsch Wolle; whrend man in Hochdeutschland Gebund
sagt, ein Gebund Flachs etc. etc. Etwas zusammengebundenes oder
wenigstens etwas das so zusammengelegt ist, da es wie zusammengebunden
aussieht.


*Bse*, die,

ein Schiff zum Heringsfang, Heringsbse, stark gebaut, frher mit zwei
Masten, jetzt nur mit einem. Mittelniederdeutsch buse, butze; de
Hollander, de do in der ze weren up den herynk vank wol mit dre hundert
bussen, vif vredeschepen (Kriegsschiffe, Fischereischutz!) darbi.
(Lb. Chronik). Bertoldus Schulenberg recognouit, quod Nicolao
Schulenberge pertineat in dimidio nauis secilicet butza de XVI lestis.
(Wismar 1329). Nach Diez kommt es aus dem Lateinischen, ist aber dann
bereits sehr frh entlehnt, da es schon im Angelschsischen bus hie (in
der Zusammensetzung bus-carlas Schiffskerle, Schiffsleute)
Niederlndisch buis; englisch buss, a small vessel, from 50 to 70 tons
burden, carrying two masts (also ungleich den Emder Heringsbsen) and
two sheds or cabins, one at each end, used in herring-fishing. Really
the same word as box fgt das Imperial Dictionary hinzu; kurz und
bndig, ob aber ganz richtig?

Mittellateinisch bucia, buza, (whrend box damals buxis und poxis hie,
aus griechisch puxos, Buchs, Buchsbaum) provenalisch bus, altspanisch
buzo, altfranzsisch busse, buse, buce.


*Buserun*, der,

eine Bramtuchjacke, vom Hals bis zu den Hften reichend, beliebtes
Kleidungsstck der Seeleute, in sterreich Bordleibel genannt. Ein
zusammengesetztes Wort. Rune, Run heit in Ostfrieland eine Jacke, die
als berwurf zum Schutze bei der Arbeit getragen wird. Buse kommt
jedenfalls von busen, welches ebenfalls in Ostfriesland im Sinne von
ungestm sein, sich stark bewegen, sich ausdehnen, schwellen blhen
gebraucht wird; sei es nun, da dabei direkt an busen gedacht ist, soda
ein sich bauschendes, vom Winde aufgeblhtes Kleidungsstck gemeint ist,
sei es da es ein den Busen bedeckendes Gewand darstellen soll, in
welchem Falle die Verwandtschaft doch dieselbe bleibt, da Busen
ebenfalls etwas Schwellendes bedeutet; etwas Sichausdehnendes,
Gerundetes. Ich mchte mich fr Ersteres entscheiden, so da das Weite,
Faltige den Ausschlag gegeben htte, zumal es im Mittelniederdeutschen
ein Wort buys gab, das schon allein fr sich weites, faltiges Obergewand
hie. In diesem Falle wre die Zusammensetzung tautologisch, aber das
teilt sie mit Pijacke und manchem anderen seemnnischen Worte. Gegen den
Gedanken an Busen knnte auch der Umstand sprechen, da dieses jetzt
meist bossem gesprochen wird und auch im Mittelniederdeutschen schon
berwiegend bosem hie, wofr leicht viele Zeugnisse beizubringen wren,
da Busen im juristischen Sinne die direkt ab- oder aufsteigende
Verwandschaft hie und in vielen Rechtsurkunden vorkommt. (Partus
sequitur ventrem, das Kind folgt dem Busen).

Zudem wird das Wort oft Buscherun ausgesprochen und das bringt es dem
Begriff bauschen noch nher. Es ist nicht nur in Friesland, sondern
bis in das ostpreuische Seegebiet hinauf in Gebrauch und heit dnisch
busserunne (nach einer schriftlichen Mitteilung eines Knigl.
Navigationslehrers, der frher Ostseekapitn war).

Hufig in der Dimitutivform Busseruntje, Busserunchen.


*Butluv*, das.

So heit eine Art starke Spier, welche vorne an beiden Seiten des
Gallions in der Richtung aus dem Schiff liegt, welche die Fockrah hat,
wenn man dicht beim Winde segelt. (Roeding.) Durch das Butluv fhrt der
Fockhals. Buten heit drauen; Butjadingen das Land buta Jada
(jenseits der Jade, von Rstringen aus gesehen); ein butenkierl ist ein
Fremder (schon im Teuthonista butenmynsch) und als solcher fr jeden
Ostfriesen verdchtig.

Luv heit in seiner ursprnglichsten Bedeutung einfach ein Stck Holz,
ein Pflock, eine Stange, ein Balken, und in diesem Sinne ist es hier
gebraucht (s. Luv.)




C.

(Vergl. K.)


*capsizen*

wird als Fremdwort manchmal fr Kentern gebraucht; englisch capsize, to
upset or overturn. Die Englnder wissen aber selbst nicht, woher dieses
ihr Wort kommt. Es drngt sich der Gedanke an das Purzelbaumschlagen
auf, das man in Niederdeutschland Kopheisterschieen, doch wohl auch
Kopsheisterschieen heit. Da dieses dieselbe Bewegung darstellt, die
ein kenterndes Boot macht, so wre es nicht unmglich, da capsize davon
herstammt, also seinen Ursprung aus dem niederdeutschen Kinderspiel
herzuleiten htte.


*Cargo*,

die Ladung eines (Handels-) Schiffes. Vom lateinischen carrus, der
Wagen, kommt zunchst carricare, (auf den Wagen) laden, davon dann das
spanische Zeitwort cargar, laden, woraus das Substantivum cargo gebildet
ist. *Supercargo*, der von der Rhederei bestellte mit an Bord
eingeschiffte kaufmnnische Verwalter der Ladung, dessen Geschft es
ist, den Verkauf der Waren zu besorgen und berhaupt die das Schiff
betreffenden kaufmnnischen Verhandlungen zu fhren. Von carrus kommt
auch Carneval (carrus navalis, der Schiffswagen; bei den alten Deutschen
wurde im Frhling zur Feier der Wiedererffnung der Schiffahrt ein
festlicher Umzug gehalten, bei dem unter allerlei Verkleidung und Scherz
ein Wagen in Gestalt eines Schiffes umhergefahren wurde). Von carrus
kommt auch Charge (s. d.)


*Certepartie*, s. Certificat.


*Certificat*, das,

ein Zeugnis, ein Schein, eine Bescheinigung ber wichtige das Schiff und
seinen Fhrer betreffende Eigenschaften und Fhigkeiten. Zu den
Schiffspapieren gehren folgende Certificate: Der Classificirungsschein,
der Mebrief, der Registerbrief, der Beilbrief, der Befhigungsschein
(Qualifications-Attest; die Certepartie, der Schiffsfrachtbrief,
Schiffsfrachtvertrag, das Connaissement, der Verladungsschein). Der
Unterschied zwischen Certepartie (eigentlich Cartepartie, bei Roeding
Chartepartie) und Connossement (Conaissement) besteht darin, da sich
letzteres nur auf einen Frachtbrief ber einen Teil der Ladung bezieht,
ersteres aber gebraucht wird, wenn ein Kaufmann ein ganzes Schiff
befrachtet, trotzdem eigentlich -- partie gerade auf einen Teil
schlieen liee.

Die Herkunft aus dem lateinischen liegt auf der Hand.


*Charge*, die,

eigentlich Ladung, wie man denn auch vom Chargieren eines Gewehres oder
einer Kanone spricht, bedeutet den Dienstgrad, den jemand in der
Rangstufe der Unter- oder Oberoffiziere einnimmt oder bekleidet. Wie
Cargo vom lateinischen carrus, der Wagen, carricare laden; also einer,
der mit etwas beladen ist, auf den eine Wrde, ein Amt, ein Dienst
gelegt ist. Es ist dabei zunchst an die Brde gedacht, hernach aber
auch mehr und mehr an die Wrde, so da es in manchen Redewendungen nur
von letzterer gebraucht wird. Neuerdings wird vorschriftsmig in der
Marine anstatt Charge Dienstgrad gesagt.


*Chasse mare*

heit ein franzsisches Kstenfahrzeug mit Fockmast, Gromast und
Treibermast, Lugger- und Topsegeln; wegen der Segel knnte man es mit
Lugger oder Logger bersetzen, am einfachsten aber wre es durch Jacht
wiedergegeben. Bateau des ctes de la Bretagne, solidement construit,
le plus souvent pont, et parfailement appropri  la navigation de ces
parages. Le Chasse-Mare navigue bien, il est trs-convenable pour la
pche et pour le petit cabotage; il porte deux mts inclins sur
l'arrire grs avec beaucoup de simplicit, et souvent un troisime --
das ist der Treibermast -- dit de Tapecul.


*Cirrocumulus*, s. Cirrus.


*Cirrostratus*, s. Cirrus.


*Cirrus.*

Federige Wolkenbildung = Federwolke, von cirrus = Haarbschel,
natrliche Haarlocke, Federbschel am Kopfe der Vgel. Cirrostratus, die
federige Schichtwolke, von sterno, stravi, stratum sternere, hinbreiten
(davon auch unsere Strae, via strata). Cirrocumulus, die federige
Haufenwolke, von cumulus, der Haufe.


*Citadellschiff*, das,

bezeichnet ein Panzerschiff, dessen Panzer nicht die ganze Lnge des
Schiffes bedeckt, sondern nur den Raum einschliet, der die wichtigsten
Anlagen, die besonderen Schutzes bedrfen, enthlt. Man knnte sagen,
die Citadelle wre ein Panzer im Panzer, wenn Panzer fr Panzerschiff
allgemein verstndliche Abkrzung wre. Die Bezeichnung Citadelle ist,
davon abgesehen, da sie ein Fremdwort darstellt, zutreffend gewhlt,
sie stammt vom franzsischen citadelle, das seinerseits vom
italienischen citta, Stadt, kommt und eine kleine Festung bei einer
greren Stadt bedeutet, in die die belagerten Bewohner der Stadt, wenn
diese nicht mehr zu halten ist, sich als uersten Zufluchtsort
zurckziehen knnen. So verhlt sich also die Citadelle an Bord zu dem
ganzen Panzerschiff wie die citta zur citadelle.


*Compartement*, das.

(Wasserdichte) Abteilung des Schiffes, aus dem englischen, vom
lateinischen compartior, ich teile ab. Die Kriegsschiffe alle werden
jetzt so gebaut, da sie in einzelne Abteilungen zerfallen, die gegen
einander wasserdicht abgeschlossen werden knnen, so da eine oder
mehrere mit Wasser (durch einen Zusammensto, durch Auflaufen auf einen
Felsen, oder auch -- bei Feuer -- durch den Willen des Kommandanten)
gefllt werden knnen, ohne da das ganze Schiff sinkt. Das Fremdwort
ist im Aussterben begriffen, seitdem unsere Schiffsbaukunst sich von
England unabhngig gemacht hat. (s. Schott.)


*Compound*

-- heit zusammengesetzt, vom lateinischen componere, und kommt im
Englischen in unzhlbaren Verwendungen vor; seemnnisch haben wir
im Deutschen deren zwei herbergenommen. 1. Compound-Maschine,
eine Maschine, bei der der Dampf nach einander in zwei Zylindern
expandiert, bei der aber die Zylinder nebeneinander liegen, so da
deren Kolben an zwei rechtwinklig zu einander versetzten Kurbeln
arbeiten, (also nicht immer gleichzeitig auf dem toten Punkte
stehen). 2. Compound = Panzerplatte (steel faced armour plate),
stahlbekleidete Walzeisenpanzerplatte; Stahlplatten und
Eisenplatten zusammengeschweit, eine Vereinigung der Hrte und
Undurchdringlichkeit des Stahles mit der Zhigkeit des Eisens, so
da die Vorzge beider Materialien, nicht aber ihre Nachteile, zur
Geltung kommen.


*Concentration*, die,

deckt sich begrifflich mit dem, was man Breitseite zu nennen gewohnt
war, und bedeutet die Richtung smtlicher Geschtze auf der einen Seite
eines Schiffes auf einen Punkt, der getroffen werden soll. Es gibt
bestimmte Zeichen auf Deck, nach denen die Kanonen gerichtet werden, um
in Concentration zu stehen, sie heien Concentrationsmarken. Smtliche
Kanonen einer Schiffsseite haben in dieser Ladestellung ein *Zentrum*
fr ihre Richtung *mit* einander gemein; daher der (dem lateinischen
entlehnte) Name.


*Contrebrass*, die,

heit die Bra der Grorahe die in *entgegen*gesetzter Richtung der
eigentlichen Bra fhrt und dieser zu wesentlicher Untersttzung dient.
Mit ihr wird vorzugsweise das Bewegen der Grorahe ausgefhrt, whrend
die Achterbra dieselbe sttzt. Die Achterbra fhrt nach achtern, nach
dem Kreuzmast; die Contrebra nach vorne, nach dem Fockmast. Gewhnlich
*Grosscontrebrass* genannt.


*Convoy*, der,

aus dem Franzsischen vom lateinischen con und via, einer der mit einem
anderen denselben Weg geht oder fhrt; seemnnisch das Kriegsschiff oder
die Kriegsschiffe, die Handelsschiffe in Kriegszeiten ber See
begleiten, damit sie nicht gekapert werden. *Convoyieren* heit also mit
einem Handelsschiff als Geleit- und Beschirmungsschiff fahren. Der
solchem Schiffe bezw. seiner Ladung zur Versendung nach dem
Bestimmungsorte mitgegebene Abfertigungs- oder Begleitschein heit
Convoybrief.


*Cordes'sches Gewehr*, das,

ist ein Gewehr zum Schieen einer Leine, wodurch eine Verbindung
zwischen Rettungsboot und Schiff hergestellt werden kann, wenn das Boot
nicht an das Schiff gelangen kann. Die Wurfweite betrgt 70 m. Aus dem
Gewehr knnen auch Leuchtkugeln geschossen werden, um bei Nacht dem in
Not befindlichen Schiff das Nahen des Rettungsbootes anzuzeigen. Die
Very'sche Pistole dient auch zum Signalgeben durch Leuchtkugeln; sie ist
Hinterlader, ihre Handhabung daher sehr einfach, weil die Zndmasse
gleich mit in der fertigen Patrone liegt. (Dick und Kretschmer, II.
315.) Cordes und Very sind die Namen der Erfinder.


*Crew*, die,

heit eine Gemeinschaft von Seeleuten, die Gesamtheit derer, die sich an
Bord eines Schiffes befinden, die zusammen die Bemannung eines Bootes
ausmachen, Schiffscrew, Bootscrew. Besonders aber wird es in der Marine
gebraucht fr die Gesamtheit derer, die mit einander in einem und
demselben Jahre als (See-) Kadetten eingetreten sind. Wir sind von der
75er Crew, er ist von meines Mannes Crew, sie sind Crew-Kameraden,
wir feiern unser Crewfest.

So unzweifelhaft englisch Form, Aussprache und nchste Herkunft sind, so
ist doch das Wort gemeingermanisch und bedeutet nichts weiter als
Wachstum, das was (in einem Jahre) gewachsen ist (Crescenz sagen sie
am Rhein), was in einem Jahre als Zuwachs zur Marine gekommen ist oder
was durch langes enges Beisammensein an Bord und Zusammentragen von
Freud, Leid und Arbeit zusammengewachsen ist. Verwandt mit dem
niederdeutschen greien, groien, grojen (s. Groden), althochdeutsch
gruoan, gruan, gruen, gren, cren, mittelhochdeutsch gren, grjen,
mittelniederdeutsch groien, altfriesisch groia, growa, angelschsich
growan, altnordisch groa, norwegisch groe, schwedisch gro: alles grnen,
wachsen bedeutend.

Vom lateinischen cresco kommt das franzsische crotre wachsen,
recrotre wieder (nach-) wachsen und davon recru (unser Rekrut), also
der Wiedernachgewachsene, der Nachwuchs. Davon dann recruter ausheben,
sich rekrutieren, seinen Nachwuchs beziehen.

Insofern crew (frher crue geschrieben, altislndisch kru) und recru
eigentlich dieselbe Bedeutung haben, treffen die getrennte Wege
gegangenen Vettern der groen Wortsippe wieder sehr nahe zusammen.

Zu bemerken ist hierbei, da es ein mittelniederdeutsches Wort krup,
krop gibt, das Vieh bedeutet, besonders Rindvieh, aber auch Pferde.
Schiller und Lbben vermochten es nicht zu deuten und bemerkten richtig
nur so viel, da es nicht von krupen = kriechen komme, da es sich ja
nicht um kriechende Tiere handle. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich,
da dieses krup gleich crew ist, d. h. das Vieh das einem Besitzer
(ursprnglich vielleicht auch blo in *einem* Jahre) gewachsen ist,
wobei noch einmal zu vergleichen altfriesisch growa, angelschsisch
growan, wachsen. In dieser Annahme werde ich durch den daneben
hergehenden, gleichbedeutenden Begriff queck bestrkt. Eine
mittelalterliche Rechtsbestimmung sagt: So die beiden oldern jeven
einem Kinde mit -- it is gelt ofte ein hovet krops ... und so dat queme,
dat dat Kind sturve, deme dat gelt unde queck bit den beiden olden
blyven. Hier wird also ein Stck (Haupt) Vieh, weil es lebendig ist
mit dem Worte bezeichnet das Leben bedeutet. So gewi man aber Vieh
Leben nennen kann, kann man es auch Gewachsenes, Wachstum, (also auch
hier Crescenz) nennen; man mu nur dabei im Auge haben wie wichtig
einem Viehzchter sein Vieh und das Wachsen (und Gedeihen) dieses seines
Hauptbesitzstandes ist. So war es fr die Betroffenen geradezu eine
Lebensfrage, wenn einmal die krup von einer Sturmflut berrascht wurde:
wie es in einer dithmarsischen Chronik heit: umme dusse tidt was ein
mechtich storme ... insonderheit averraschet dat water an etlichen orden
dat krup. Denn, so sagt ein anderer aus jener Zeit, alle volkere van
erst an hebben ehren vonehmsten rikedom im krupe gehatt. Es fragt sich
also noch sehr, ob die Angeln und Sachsen nicht schon das Wort krup mit
ber den Kanal genommen und drben zu crew umgestaltet haben, so da wir
es also auch hier, trotz der so sehr englischen Gestalt, doch mit einem
deutschen Worte zu tun htten.


*Culmination*, die,

ist der Durchgang eines Gestirns durch den Mittagskreis. Die Beobachtung
jener Hhe, die es bei diesem Durchgang hat, stellt seine Mittagshhe
fest und ist von ganz besonderer Wichtigkeit fr Feststellung des Ortes,
da sich ein Schiff befindet. Deshalb wird das Wort culminieren im Munde
der Seeleute auch in bertragener Bedeutung gebraucht. Na, endlich
culminiert? wird einer gefragt, der sehr lange geschlafen hat; culmen =
Gipfel, Hhepunkt.


*Cumulus* s. Cirrus.


*Cyclon*, der.

Das griechische Wort fr Kreis, Kyklos, hat seit Cyklops, dem
Schmiedeknecht Vulkans mit dem einen *runden* Auge auf der Stirn, die
weiteste Verwendung in allen gebildeten Sprachen gefunden: auch zur
Beziehung jener gewaltigen Drehstrme in denen, namentlich ehe das
Drehungsgesetz der Strme bekannt war (ein deutscher Gelehrter, Dove,
hat es zuerst aufgestellt), manches Schiff mit Mann und Maus
untergegangen ist. Cyclone haben einen Durchmesser von 200 bis 500
Seemeilen, der sich um einen windstillen Mittelpunkt (ein kalmes
Centrum) dreht und mit einer Geschwindigkeit bis zu 30 Seemeilen in der
Stunde fortschreiten kann. Sie drehen sich auf der nrdlichen Halbkugel
nach entgegengesetzter Richtung wie auf der sdlichen, nmlich auf
dieser mit, auf jener entgegen dem Zeiger einer Uhr. Es geht ihnen eine
eigentmliche Windstille und tiefer Barometerfall voraus. Seitdem man
das Drehungsgesetz kennt, kann man ausweichen, unter Umstnden aber
sogar die Drehung benutzen zu einer desto schnelleren Fahrt.




D.


*Davit*, das.

Vorrichtung zum Aufhissen und Aufhngen der Schiffsbeiboote. Meyers
Konversationslexikon behauptet mit einer Sicherheit die einer besseren
Sache wrdig wre, das Wort sei englisch. Gewi wird es jenseits des
Kanals in derselben Bedeutung gebraucht, aber seine Wiege hat an
deutscher Seekste gestanden. Denn weder in der englischen Form davit,
noch in der schwedischen david, noch in der dnischen davit, noch in der
hollndischen jutt gibt das Wort irgend einen Sinn, den gibt es nur im
Deutschen, und zwar in seine Bestandteile zerlegt und in seiner
ursprnglichen niederdeutschen Form: Dove Jitte, d. h. taube Jtte.
Jtte ist ein gangbarer weiblicher Vorname, Koseform von Judith. Der
Name diente einst allgemein zur allgemeinen Bezeichnung des weiblichen
Geschlechts. Man sagt noch heute vielfach mal Jitte fr albernes
Frauenzimmer. Aus dem Mittelalter ist uns der Spruch erhalten: Lange
Kleder un krten syn, dat is syne arth der leven yuten, Im Reinke de
Vos heit es, da Braun der Br beim Bauer Rustefyl in die Klemme
geraten war: De Krkher unde de koester bede. De kwemen dar ok mid erem
gerde. De papen-meiershe (Pfarrkchin), de het fru Jtte, de was de,
de de baste grtte konde bereiden un koken ... Um Bremen herum und mehr
nach Oldenburg und Ostfriesland hin sagte man Jitte. Eine dove Jitte
ist nach dem Bremer Wrterbuch ein Weibsbild das nicht gut hrt.
Jumfer Jitte mit dem holten Titte, Schimpfname fr ein junges
Frauenzimmer, deren Busen nicht sonderlich begabt ist. Es kommt auch
die Bezeichnung dumme Jitte eben so hufig vor wie dumme Trine, dumme
Liese, schlampige Suse, faule Grete, dove Greetje. Ueberhaupt spielt die
Volkssprache gern mit dergleichen Frauennamen. Man denke nur an
schnelle Kathrine. So sagt man Jumfer Kattel fr menses Gretchen
in der Kche heit ein ungeborenes Mdchen, wie Jan im Keller ein
ungeborener Knabe. Gretchen vom Deich wird das Kreuzbramsegel genannt.
Frau Johanna, dame Janne, nannten die franzsischen Matrosen eine
dickbauchige korbumflochtene Flasche, was miverstanden als Demijohn ins
englische berging und von da nach Norddeutschland kam, wo es fr
Korbflaschen, in denen Portwein, Madeira und dergleichen Getrnke
versandt werden, gebraucht wird und sich eine deutsche Aussprache mit
ungewhnlich langem i gefallen lassen mu. Liese heit ein Trinkkrug
nicht unbedeutenden Inhalts; Liese nannten die Soldaten in frheren
Zeiten das Strohbndel, auf dem sie liegen muten, wenn sie Stockprgel
bekamen. Wie gern das Volk dergleichen Namen whlt, lehren die
volkstmlichen Namen fr Nigella damascena: Braut in Haaren, Jungfer im
Grnen, Gretel im Grnen, Teufel im Busch, Gretel in der Htte, Gretchen
im Busch, Gretel in der Hecke, Gretel unter den Stauden. Und wie gern
der Seemann mit dem ewig Weiblichen zu thun hat, beweist der Name
Jungfer fr einen Block von eigenartiger Gestalt. So ist es denn nicht
zu verwundern, da wir in seinem Munde die dove Jitte finden. Was aber
bezeichnet er damit? Da der Davit frher keine so verbesserte
Vorrichtung zum Schwingen war wie heute, liegt auf der Hand. Vor hundert
Jahren begngte man sich noch mit einer recht einfachen Sache. Einfach
sogar wrtlich genommen, denn damals bestand der Davit nicht aus zwei,
sondern nur aus einem Balken, der zuerst gar nicht zum Bootaussetzen
oder Einsetzen, sondern nur zum Ankerlichten bestimmt war. Roeding, der
zu Hamburg 1794 das vortreffliche Allgemeine Wrterbuch der Marine
herausgegeben hat schreibt ber taube Jtte: Eine kurze und etwas
gekrmmte Sparre von starkem Holz, an deren einem Ende sich eine Scheibe
befindet. Sie wird gebraucht, wenn man den Anker im Boot lichtet. Man
setzt nmlich die Jtte hinten ins Boot, so da das Ende, woran die
Scheibe befindlich, etwas ber den Spiegel des Boots ragt. ber die
Scheibe legt man alsdann das Bojereep und windet mit dem Bratspill
darauf. hnliche, aber gerade Jtten gebraucht man auch in den
Marssen, die Luvpardunen auszusetzen oder zu spannen ... Man kann sich
nun leicht vorstellen, da die eine in Betracht kommende Sparre so in
die Spur eingesetzt wurde, da ein Mann sie mit beiden Armen umfate,
etwa wie einer seine Jtte umarmt; es war aber nur eine hlzerne, herz-
und gefhllose, taube, dove Jtte (wie man auch von einer tauben Nu
spricht). Einmal nun im Scherz dove Jtte oder dove Jitt genannt,
leuchtete dieser scherzende Vergleich bald allgemein ein, fand Beifall,
Nachahmung, Aufnahme und erwarb sich schlielich in der
zusammengezogenen bequeme Form davit (etwa ber Dovjit, Dowit)
Brgerrecht in der Seemannssprache. Das Wort mte demnach eigentlich
die Davit heien, wie der Seemann auch wohl sagt, die Marine schreibt
aber der Davit; das Davit kann man auch hren, so da fr jeden
Geschmack gesorgt ist. Die moderne Aussprache ist allerdings
anglisierend Dvit.


*Deck*,

Mehrzahl: die Decks, seemnnisch niemals Verdeck, ist, wie Decke, Dach,
decken verwandt mit dem lateinischen tegere, bedecken, tectum, Dach;
griechisch tegos, Dach.

Die Schiffe der Handelsmarine werden nach den Bauvorschriften des
Germanischen Lloyds gem der Anordnung ihrer Decks benannt. Es gibt: 1.
Volldeckschiffe mit drei oder vier Decks, 2. Spardeckschiffe, von etwas
leichterer Bauart, 3. Hurrikan (Orkan-) Deckschiffe, 4.
Sturmdeckschiffe, 5. Schiffe mit teilweisem Sturmdeck, 6.
Schutzdeckschiffe, 7. Schiffe mit Schattendeck oder Schirmdeck (wie auf
vielen Fludampfern), 8. Glattdeckschiffe (ohne Aufbauten), 9.
Brunnendeckschiffe (haben vorne und hinten je einen Aufbau, die
Vertiefung dazwischen heit der Brunnen), 10. Walrckendeckschiffe, bei
denen die Seiten des Schiffes bogenfrmig in das Hauptdeck bergehen,
11. Turmdeck- und Kofferdeckschiffe, bei denen der Laderaum gleichsam
einen groen Koffer bildet, zum Selbsttrimmen der Ladung eingerichtet;
darauf dann ein kleines Deck, das Turmdeck heit, 12. Tankschiffe, (s.
Tank). Bei einem der neuen groen Passagierdampfer unterscheidet man von
oben nach unten gerechnet: 1. Bootsdeck, 2. oberes Promenadendeck, 3.
Promenadendeck, 4. Brckendeck, 5. Hauptdeck, 6. Zwischendeck, 7.
Unterdeck, 8. Orlopdeck. Dieses letztere war ursprnglich das einzige
Deck, das zum Gehen fr Menschen bestimmt war. Dieses Gehen an Deck hie
mittelniederdeutsch over (deck) lopen, daraus ist overlop geworden, (bei
Kilianus overlop = boord van't schip) und das ist zu Orlop
zusammengezogen; hat also mit Urlaub nichts zu tun, die wrtliche
bersetzung wrde vielmehr etwa Lauf(-planke) sein. Insofern ein Deck
aus (Decks-) Planken, aus Brettern, Dielen besteht hie ein solches
althochdeutsch dilla, mittelhochdeutsch dille, altnordisch thilja =
Ruderbank; franzsisch tillac, spanisch tilla, portugiesisch tilha,
Deck.

Frher sagte man zuweilen auch Raum anstatt Deck, s. Raum.


*Deckoffizier*, der,

eine ziemlich unglckliche allgemeine, zusammenfassende
Bezeichnung fr Maschinisten, Feuermeister, Feuerwerker,
Bootsleute, Steuerleute, Zimmermeister, Materialienverwalter.
Welcher Gedankengang der Bildung dieses jungen Wortes zu Grunde
lag ist nicht recht erfindlich, es mte denn sein, da
ursprnglich jedem der Deckoffiziere eines der verschiedenen Decks
zur besonderen Beaufsichtigung zugedacht war. Aber auch das hat
sich schon lange gendert; hat doch z. B. ber das Zwischendeck
ein Leutnant die Aufsicht und heit dann Zwischendecksoffizier.


*Declination*, s. Variation.


*Deich*, der.

Der das Land vor der See schtzende Erdwall, im Hochdeutschen, in das
das Wort erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen
gedrungen ist, gewhnlich Damm genannt. Ein fr den ganzen Bestand
vieler Lnderstrecken unentbehrliches aber sehr kostspieliges Werk der
Menschenhand, daher in doppeltem Sinne treffend in Ostfriesland de
golden hoop, der goldene Reif genannt. Das Wort ist mit Teig und mit
Teich verwandt, sie stammen alle drei aus der Wurzel digh, bestreichen,
verkitten, dichten, tasten, tastend formen (aus einer weichen,
schlammigen Masse). Der Deich wird aus weicher, ausgegrabener Erde
geformt. Weil diese Arbeit hauptschlich mit dem Spaten geschieht, so
hie im altfriesischen dyka graben, und in dem ihm so nahe verwandten
Angelschsischen dic zugleich Deich und Graben. Altfranzsisch dik,
franzsisch digue. Die Deichgeschworenen hieen altfriesisch
dikaldermon. Die Leute die einen Deich bauen heien diker und sind bei
ihrer schweren Arbeit fr ihren guten Appetit bekannt, wie sonst wohl
die Scheunendrescher. Es konnte in frheren Tagen die Last des Deichens
einem Besitzer so schwer werden, da er lieber sein ganzes Besitztum
aufgab und in die Fremde zog. Das tat er, indem er seinen Spaten in den
Deich steckte. Wer ihn herauszog, ergriff Besitz von dem verlassenen
Lande und trat in alle Rechte und Pflichten ein. (Spatenrecht).
Naturgem spielt der Deich in den von ihm beschtzten Lndern im Denken
und im Sprachgebrauch der Leute eine groe Rolle. Das beweisen
zahlreiche Sprichwrter und geflgelte Worte, z. B. sagt drastisch aber
wirkungsvoll einer der sich nicht hnseln lassen will in Westfriesland:
Ik bin niet von Kraien an diek scheten.


*Deining*, *Dnung*, die.

Das sich Heben und Senken des Meeres in hohen glatten Wogen bei
windstillem Wetter oder wenigstens nicht zu den Wellen im Verhltni
stehender Brise. Roeding: Eine heftige Bewegung der See, die nach
schweren Winden noch etliche Tage fortdauert, und selbst, wenn der Wind
sich schon verndert hat, noch dieselbe Richtung behlt. Ein Schiff,
welches z. B. mit Ostwind durch den Kanal ins atlantische Meer segelt,
kann daselbst bey eben diesem Winde noch ein Deining aus Sden haben,
wenn es nmlich nicht lange vorher schwer aus dieser Himmelsgegend
geweht hat. Eben deswegen, weil Windrichtung und Seegang nicht immer
einander entsprechen, heit die betreffende Rubrik im Loggbuch
Windrichtung und Seegang.

Es kann aber auch umgekehrt sein, da die Dnung den Vorlufer eines
Sturms bedeutet; in diesem Sinne heit das Wort italienisch mar nuovo,
im anderen mar vecchio oder morto, tote See, wiewohl sie ein Schiff
lebendig genug schlingern macht. Ist mit Dne von gleicher Abstammung
(daher s. d.) im Sinne von sich ausdehnen, in die Hhe gehen, hochgehen,
schnellen; englisch swell, a successeon of long unbroken waves
setting in one direction, as after a storm.


*Deisen*,

achteraus gehen. Deisig oder diesig nennt der Seemann trbes, nasses,
unfreundliches, dreckiges, nebliges Wetter. Es ist anzunehmen, da das
nordische mist fr Nebel, diesiges, deisiges Wetter, wegen des
Schmutzigen, Schmierigen, Mistigen des Nebels gewhlt ist. Wenn aber
fr deisig mistig gesagt werden kann, so lag bei deisig auch der Gedanke
an Mist machen, seine Notdurft verrichten nahe. Bei diesem Geschft
gehen viele Geschpfe rckwrts, ber den Achtersteven; man denke an
einen Hund, oder auch an noch edlere Wesen. Auf diese Weise mag deisen
zu der Bedeutung achteraus gehen, ber den Achtersteven gehen gelangt
sein. Bestrkt werde ich in dieser Vermutung dadurch, da man von einem
rckwrtsgehenden Schiffe auch sagt: es deist aufs Gat, und Gat heit
nicht nur Loch im Sinne der Ehre, sondern auch der Unehre.

Im Althochdeutschen hie der Mist, der Stalldreck deisk, daisk.


*Deissel*,

Deiksel, Deksel, der, ein vielgebrauchtes Werkzeug der Zimmerleute,
einer Axt hnlich; doch steht beim Deissel die Schneide nicht parallel
zum Stiel sondern perpendiculr. Das Wort kommt von einer Wurzel die
hauen, hacken, spalten bedeutet und ist mit Deichsel zusammenzustellen,
niederdeutsch dissel, althochdeutsch dihsila, mittelhochdeutsch dichsil,
weil eine Deichsel ursprnglich nur eine abgehauene Stange war.
Deichseln oder deikseln heit etwas mit dem Deissel oder Deiksel
zurechthauen und wird an Bord oft auch auf andere als hlzerne Dinge
bertragen, etwa im Sinne von machen, fertig bringen. Das wollen wir
schon deikseln, das werden wir schon kriegen; das hast du fein
gedeikselt!


*Dempgordinge*, die,

sind die Taue mit denen der Besan gegeit wird, die Besansgeitaue, und
zwar wird mit ihnen der obere schiefe dreieckige Teil des Besans nach
der Besansgaffel zu geholt, whrend der untere Teil, der grade,
viereckige mittelst der Besansbrook nach dem Schnaumast zu gegeit wird.
Das niederdeutsche Zeitwort dempen heit (s. Doornkaat) ersticken,
lschen, niederdrcken, vermindern, stopfen, drckt also das, was in der
Tat mit dem Segel geschieht beim Segelbergen, mit aller Deutlichkeit
aus. Davon das Substantivum demper, dmpfer, dar mut ins 'n demper up
setd worden, und das Adjectivum dempig, asthmatisch. Niederlndisch
dempen, mittelniederdeutsch dampen; in einer Urkunde von 1450 kommt das
Wort vor im Sinne von de kulen dempen und towerpen. Althochdeutsch
demphan, mittelhochdeutsch dempfen, dmpfen.


*Deplacement*, das,

ist das Gesamtgewicht eines Schiffes. Man unterscheidet totes Gewicht
und ntzliche Zuladung. Zum Gewicht gehrt (Dick und Kretschmer I. 29.)

1. Das Gewicht des Schiffskrpers mit allen seinen Einrichtungen.

2. Das Gewicht der Bemastung mit Segeln, Takelage und Rundhlzern, der
Kambsen, Wasserkasten.

3. Das Gewicht der Mannschaft mit Leibesbedrfnissen, des Proviants, des
Speise-, Wasch- und Trinkwassers.

4. Das Gewicht der Ausrstung, des Inventars und Materials.

5. Das Gewicht der Maschinen, der Kessel mit darin befindlichem Wasser,
der Kondensatoren, Rohrleitungen, des Treibapparats (Schraube,
Schaufelrad und dergl.) mit Zubehr, der Reserveteile, des Materials und
Inventars fr die Maschine.

6. Das Gewicht des Heizmaterials zur Dampferzeugung in den Kesseln und
fr sonstige Betriebe.

7. Gewicht des etwa bentigten Ballastes.

Die ntzliche Zuladung oder Nutzladung umfasst:

1. Gewicht der Frachtgter.

2. Gewicht der Passagiere mit Leibesbedrfnissen (Effekten), deren
Proviant und Trinkwasser.

Hierzu tritt bei Kriegsschiffen:

3. Gewicht der Geschtze mit Munition, der Torpedoarmierung mit
Munition, des Panzers mit Holzhinterlage, des Panzer- und Schutzdecks,
des Korkdamms, der Besatzung, der sonstigen Artillerie-, Torpedo- und
Sprengdienstausrstung, der elektrischen Einrichtungen, Apparate und
Hilfsmaschinen.


*Detail*, das.

Inventar und Material an Bord stehen unter besonderer Aufsicht von
Deckoffizieren, so das jeder sein ihn angehendes besonderes Teil zu
verwalten hat. Diese Einzelnheit heit Detail, Bootsmannsdetail,
Steuermannsdetail etc. etc. Franzsisch dtailler, eigentlich
zerschneiden, von tailler, mittellateinisch taliare, zerstocken. Detail
als ein zugeteiltes Stck wrde seinen vllig ausreichenden und
bezeichnenden Ausdruck finden in dem Worte Teil.


*Deutel*, der.

Kleine viereckige spitze Keile von eichen Holz, welche in die Kpfe der
hlzernen Schiffsngel getrieben werden, damit sie durchaus fest
schlieen, und das Wasser auf keine Weise bey den Seiten der Ngel
durchdringen kann. (Rding). Das Wort heit in Holland auch dreutel und
dreutel ist offenbar auch bei uns die ursprngliche Form gewesen. Wegen
der Aussprache des Hollndischen dreutel = drtel drfen wir das Wort
von drteln ableiten, der niederdeutschen Form und Aussprache fr das
Hochdeutsche trdeln, dessen eigentliche Bedeutung drngen, pressen,
drcken ist. Trdeln in unserem gewhnlichen Sinne des Wortes heit also
sich langsam Herum*drcken*, sich um eine Arbeit drcken, oder auch wie
man kurz zu sagen pflegt: sich drcken. Die Bedeutung des Drckens,
Drngens hat unserm Dreutel oder Deutel den Namen gegeben, weil der
Holzkeil mit Gewalt in den Holznagel hineingedrngt wird. Um dies desto
leichter zu knnen schlgt man vorher mit einem Eisen welches aber
dieselbe Gestalt des Deutels hat und *Deuteleisen* heit, ein Loch in
den Kopf des Nagels.


*Deviation*, s. Variation.


*Diagonalboot*, das.

Der Name bezieht sich auf die Bauart der Bordwand des Bootes, oder der
Auenhaut. Beim Diagonalboot besteht diese aus zwei Plankenlagen die
entweder so angeordnet sind, da die einzelnen Gnge in einem Winkel von
45 zum Kiel geneigt sind und sich gegenseitig ungefhr rechtwinklig
kreuzen oder da nur die innere Lage die diagonale Richtung hat und die
uere in der Lngsrichtung des Bootes verluft. Beide Lagen werden
durch kupferne Gatngel mit einander verbunden.


*Dichten.*

Die wichtige seemnnische Arbeit die einzelnen Nhte zwischen den
hlzernen Schiffsplanken wasserdicht zu machen. Dieses Dichten hat also
mit der Dichtkunst eines Goethe oder Schiller nichts zu thun, die aus
dem lateinischen dictare herkommt, sondern ist mit Deich und deichen
verwandt. Das mittelniederdeutsche diken heit noch deichen und dichten
zugleich (deichen, dmmen, dicht machen, stopfen und graben.) Die
gemeinsame Bedeutung ist: aus einem weichen, leicht zu bearbeitenden
Stoff einen Schutz gegen eindringendes Wasser herstellen. Das Nhere
ber dichten s. u. kalfatern.


*Diesig*,

auch deisig, nennt der Seemann ein nasses, kaltes, unfreundliches,
trbes, nebliches Wetter; ein Wetter das auch mistig genannt wird.
Diesig und mistig sind sehr nahe Bedeutungsverwandte, weil beide von
Wrtern abstammen die Excremente bedeuten. Denn mistig kommt von Mist;
zwar zunchst in der bei den germanischen Sprachen so weit verbreiteten
Bedeutung von Nebel, aber die geht doch weiterhin wegen des Schmutzigen,
Schmierigen des Nebelwetters auf Mist = Kot zurck. Und diesig, deisig,
geht zurck auf das althochdeutsche deisc, daisc, dheisc, theisc = Mist,
Dnger, Unrat. Beide Eigenschaftswrter, diesig und mistig, bezeichnen
also dreckiges Wetter.


*Dingey*, *Dingi*, das.

Das kleinste der Schiffsbeiboote, gebraucht wenn ein einzelner Offizier,
ohne viele Umstnde zu machen und ohne eine grere Bootsbesatzung dem
Schiffsdienst zu entziehen, von oder an Bord gehn will. Diese Bootsart
ist erst in den letzten dreiig Jahren aufgekommen. Name und Sache
stammen aus Ostindien: dinghi, dingey, a boat varying in size in
different localities: the dinghies of Bombay are 12 to 20 feet... the
dinghies of Calcutta are small passage-boats for the poorer classes,
rarely used with a sail; they are not painted, but merely rubbed with
nut-oil, which imparts to them a sombre colour. This name is now also
applied to a ship's small-boat.


*Dippen*,

die Flagge, sie zum Grue niederholen. Das Wort mte eigentlich diepen
geschrieben werden. In Ostfriesland heit es dpen und bedeutet tiefen,
tiefer machen, niedriger hngen, herunterziehen. Die neuerdings (Herbst
1900) zwischen der Mehrzahl der deutschen Reedereien getroffene
Vereinbarung ber den Austausch des *Flaggengrusses auf See* fr die
Schiffe der deutschen Handelsmarine enthlt folgende Bestimmungen: 1.
Sobald ein in Sicht kommendes Schiff als solches erkannt wird, mit dem
Flaggengru zu wechseln ist, ist sofort die Heckflagge zu setzen, ohne
Rcksicht darauf, ob das andere Schiff dieselbe bereits fhrt, oder
welchem Schiff die Pflicht des ersten Grues obliegt. Die Flagge ist zu
setzen, so lange die Positionslaternen nicht angezndet sind. 2. Die
Pflicht des ersten Grues hat: a. wenn ein Schiff vom andern berholt
wird, das berholende Schiff, b. wenn eines der Schiffe still liegt, das
in Fahrt befindliche Schiff, c. auf den von Europa ausgehenden Linien
das auf der Ausreise befindliche Schiff, d. in allen brigen Fllen
dasjenige Schiff, das am nrdlichsten steht. Beim Ein- und Auslaufen auf
Hfen, sowie auf Revieren (d. h. Flssen s. Revier), hat immer das nach
See steuernde Schiff zuerst zu gren. Das hiernach zum Gru
verpflichtete Schiff hat seine Flagge zu dippen, sobald das andere
Schiff in der Peilung zwei Strich vorderlicher als dwars steht,
jedenfalls aber nicht spter; die Flagge bleibt dann solange gedippt,
bis von dem anderen Schiff der Gegengru erfolgt ist, und ist alsdann
wieder vorzuheien. Haben die Schiffe einander passiert, so hat das zum
ersten Gru verpflichtet gewesene Schiff die Flagge zuerst wieder
niederzuholen, sofern die Flagge nicht aus besonderen Grnden gesetzt
bleiben mu.


*Dirk*, die,

hie frher auch das Piekfall der Besansgaffel, jetzt heit so nur noch
die Besansdirk oder Besansbaumdirk, kurzweg auch Baumdirk, neuerdings
auch Besanstoppnant oder Baumtoppnant genannt, das Tau mit dem der
Besansbaum aufgetoppt, oder wie man wegen der Dirk sagt, aufgedirkt
wird. Dirk als Abkrzung von Dietrich ist ein im Gebiet der deutschen
Seemannssprache sehr verbreiteter Vorname. Auch der falsche Schlssel
Dietrich heit hier Dirk, und ein Schlo mit einen solchen ffnen nennt
man dirken. Irgend einen Zusammenhang zwischen diesem Dirk und der
seemnnischen Dirk habe ich vergeblich gesucht. Da Spitzbuben hinter
Dietrich, dem beliebten Vornamen, ihr Diebeswerkzeug in der
Gaunersprache zu verbergen suchen, beweist Kluge dadurch, da der
falsche Schlssel auch Peterchen und Klaus genannt wurde. Man findet das
begreiflich, weil sie das Ding nicht beim rechten Namen nennen durften.
Aber warum sollte dies auch bei der Baumtoppnant der Fall sein?

Wir mssen uns daher anderweitig umsehen. Die Dirk, sei es als Piekfall,
sei es als Baumdirk, dient zum Auftoppen, man *zieht* also etwas damit
in die Hhe. Es mag daher der Begriff ziehen in Betracht kommen, der
in dem niederdeutsch-niederlndischen Zeitwort trecken steckt; es hie
dieses im Gotischen trikan. Davon konnte leicht ein Substantivum trik
gebildet werden. Da aber das vorgermanische Thema zu trikan darg ist, so
mag trik auch drick gesprochen worden sein; drik aber konnte leicht,
schon in Erinnerung an darg, aber auch sonst durch Metathelis leicht zu
dirk werden, so da die Dirk also ein Ziehding wre. Das sind freilich
alle Taue, aber warum soll nicht wenigstens eins davon von Ziehen den
Namen haben?

Unter den vielen Bedeutungen die das englische trick hat ist auch eine
im Sinne von Zug.


*Dispacheur*, der,

der Mann, der Sachverstndige, der schtzt, berechnet und verteilt,
wieviel ein jeder, der an einem Schiffe Anteil hat, zahlen mu, zur
Ausgleichung des Schadens, wenn das betreffende Schiff Havarie gelitten
hat. Es mu ein vereidigter, vertrauenswrdiger, zu dem Amte staatlich
bestellter Mann sein.

Das Wort kommt von Dispache und dieses vom spanischen despachar,
abfertigen; englisch despatch; franzsisch dpcher; deutsches Fremdwort
depeschieren, Depesche. Das Zeitwort soll vom sptlateinischen dispedico
-- dis als Negation und pedica, Fessel -- kommen, wrde also einen
bedeuten, der mit ungefesseltem, eiligem Fu abgefertigt ist, eine
Botschaft zu bestellen, zu expedieren.


*Division*, die.

Dieses Wort wird in der Marine in dreierlei Bedeutung gebraucht:

1. Die gesamte Mannschaft eines Schiffes wird, wie in seemnnischer
Hinsicht in Wachen, so in militrischer Hinsicht in Divisionen
eingeteilt, also in Verbnde, die man ungefhr den Kompagnien bei der
Landarmee vergleichen knnte.

2. spricht man von Matrosendivisionen, Werftdivisionen, neuerdings auch
von einer Schiffsjungen-Division. Das sind militrische Verbnde am
Lande, von einem Stabsoffizier kommandiert, etwa den Regimentern
vergleichbar.

3. heit Division ein Verband von Kriegsschiffen, ein Teil eines
Geschwaders oder einer Flotte. Es besteht zur Zeit ber die Anzahl
dieser Schiffe noch kaum eine bestimmte Vorschrift, doch wird in Zukunft
die Vierzahl eine groe Rolle spielen. In frheren Zeiten waren ziemlich
genau bestimmte Zahlen festgelegt. Nach Brommy bestand eine *Flotte*
gewhnlich aus wenigstens siebenundzwanzig Linienschiffen, auer
Fregatten und anderen Fahrzeugen, und wurde in drei *Geschwader*, jedes
zu drei *Divisionen*, geteilt. Aubin, 1702, sagt ber Division: C'est
une certaine quantit de vaisseaux d'une arme navale, qui sont sous le
commandement d' un Ofizier Gnral. La signification de ce terme n'est
pas encore bien dtermine, car on s'en sert quelquefois pour marquer la
troisime partie d' une arme navale, qu'on apelle autrement Escadre, et
quelquefois c' en est la neuvime partie, ce qui arive lors-que l'arme
est distribue en trois escadres; car alors chaque escadre est
distribue en trois divisions, comme il se pratiqua pendant les
campagnes navales de 1672 et 1673 dans la jonction des arme de France
et d' Angleterre. Celle d' Angleterre formoit deux escadres, la rouge et
la bleue, chacune partage en trois divisions, et l'arme de France, qui
formoit l'escadre blanche, toit aussi distribue en trois divisions.
Le Duc d' York commandoit l'escadre rouge, qui formoit le corps de
bataile. Le Comte de Montaigu, ou de Sandwich, commandoit l'escadre
blee qui faisoit l'aile gauche, et le Comte d'Estre commandoit
l'escadre blanche, qui faisoit l'aile droite. II y avoit aussi trois
escadres dans l'arme de Hollande, et chaque escadre etoit pareillement
distribue en trois divisions. Sa marche toit sur une ligne droite: le
Lieutenant-amiral Gnral de Ruiter etoit an milieu avec la principule
escadre ... Was also in Zukunft die Vierzahl bedeuten wird, bedeutete
in jenen Tagen die Dreizahl.


*Dobber*, der,

ein auf dem Wasser schwimmendes Stck Holz oder Kork, das die Stelle
einer Boje versieht und die Lage eines unter Wasser befindlichen
Gegenstandes, einer Angel, eines Netzes, eines Ankers anzeigt.
Ostfriesisch dubber, vom Zeitwort dubbern, schlagen, pochen, stoen,
hin- und herschlagen, schwingen, schwanken; von der Bewegung die ein auf
Wasser schwimmender, von den Wellen auf und nieder bewegter Gegenstand
macht; auf dem Wasser tanzen nennt man sie wohl.

Kilianus kennt das Wort nur als zum Angelgert gehrig: calamus, qui
suspendit hamum, ne fundum petat; cortex subereus lineae piscatoriae.
Halbertsma hat fr Friesland die Form doaper, in genere fluitans quid,
quod suspendit hamum reteve; speciatim parallelopipedon ligneum parvum
in aqua natans et sustinens funem, qui desinit in hamum. Im Husumer
Seerecht heit es: Kombt ein schip in einen haven driven, dat schal ein
dubber up einen ancker hebben.

Im Mittelniederdeutschen heit der Dobber auch Kogert: unde licht enich
anker sunder douwer ofte kogert, onde schade off queme, den schall he
half beteren.


*Dock*, das,

ist ein ausgegrabener und mit Quadersteinen ausgemauerter Raum, in dem
ein Schiff ausgebessert wird. Wenn das zu dockende Schiff in diesen Raum
hineingefahren ist, wird das Dock hinter ihm mit einem Ponton abgesperrt
und das Wasser wird mit einer Dampfpumpe ausgepumpt. Je mehr das Schiff
dadurch trocken fllt, desto mehr wird es von beiden Seiten mit Balken
abgesttzt bis es schlielich ganz trocken dasteht. Doch heit nicht
deswegen solch ein Dock Trockendock, sondern weil es im Gegensatz zu
einem Schwimmdock (s. d.) auf dem Trockenen angelegt ist. Docken heit
ein Schiff ausbessern; das Schiff wird gedockt, man kann aber auch
sagen das Schiff dockt, wie man sagt das Schiff lscht.

Kilian hat eine niederdeutsche Form docke fr Renne, Wasserrinne. Dem
entsprechend leitet Grimm Dock vom italienischen doccia, franzsisch
douche, spanisch ducha = Wasserrhre, Wasserrinne, ab. Und diese gehen
entweder auf das lateinische (aquae) ductus oder auf das griechische
doche, dochos, docheion = Gef, Behlter zurck.

Im Englischen heit dockyard Werft, dock allein meist in der Mehrzahl
docks wird auch gebraucht fr einen Liegeplatz von Schiffen. Da wo mir
das Wort im seemnnischen Sinne zuerst begegnet ist, bei Aubin 1702,
wird es neben Dock in unserem Sinne auch als Ankerplatz oder Liegeplatz
gebraucht. Es bersetzt nmlich Aubin das niederlndische dok mit
chambre, bassin, darsine und paradis. Er bemerkt dazu: C'est la partie
d'un port de mer la plus avance dans la ville. Elle sert  retenir les
galres et autres btiments de mer, et est ferme d'une chaine. Elle est
apelle Darsine sur la Mditerrane; mais sur l'Ocan on apelle Paradis,
Bassin, Chambre, les lieux retirez du port, o les vaisseaux sont en
plus grande seuret. Vorher hat er aber auch dieselben Namen bassin,
chambre und Darsine angewandt auf un petit port particulier pratiqu
dans un plus grand, o l'on radoube les vaisseaux. Il ya de deux sortes
de bassins; les uns qu'on peut toujours tenir secs, parce qu'on les
ferme avec des portes; les autres qui sont ouverts, et dont le fond
tant toujours mou et bourbeux, se remplit d'eau quand le flot monte, et
se vuide quand la mer descend. Im Jahre 1794 scheint es in Deutschland
noch keine Docks gegeben zu haben, wenigstens wei Rding von keinen zu
berichten, da er doch schreibt: Die neuerbauten Docken zu Karlscrona
und Kronstadt, wovon die erste in einen Fels gehauen ist, sind
unstreitig die musterhaftesten, auch sind die franzsischen in den Hfen
zu Toulon, Brest und Rochefort und nicht minder die englischen
merkwrdig. In Spanien, Portugal und Dnemark sind die Docken ebenfalls
auf hnliche Weise eingerichtet.

Im Jahre 1850 mute das erste, neueingerichtete Schiffsjungenschulschiff
Mercur in Karlskrona docken.

Mehrzahl: *die Docks*.


*Dodshoft*, das,

eine besondere Art von Block oder Scheibe mit einem runden oder auch
lnglichen Loch in der Mitte; ihrer je zwei werden zum Festsetzen
stehenden Gutes verwandt. Der Name mag von dem Loch kommen, das
Dodmannsauge heit. Die Einbildungskraft des Seemanns hat offenbar diese
leere Hhlung im Block mit der leeren Augenhhle eines Totenschdels
verglichen und Dodsmannsauge genannt. Den Block der das Dodmannsauge
aufweist Dodshoft (Dodmannshoft) zu nennen lag dann nahe.
Zusammensetzungen, in denen Tod oder tot bildlich gebraucht sind, kommen
nicht selten vor. Im Seebuch (1400) kommt dodeman, Dodemanshovet als
bersetzung fr das Vorgebirge Deadmans Point vor. Sogar ein Gebck aus
Mehl, Zucker und Mandeln nennen sie in Groningen doodmansvinger.


*Dollart*, der.

Name des im 13. und 14. Jahrhundert nach und nach durch Deichbrche,
hnlich wie die Jade, entstandenen Meerbusens. Es ist behauptet worden
der Name komme von der tollen Art dieses seemnnischen Gewssers. Aber
diese Behauptung hat nicht mehr Wert als die andere, da Wangerooge das
Auge von Wangerland heie (da oog doch gleich dem hochdeutschen ach,
Wasser ist). Der Dollart hat keine tollere Art wie die anderen Busen der
Nordsee; verschiedene Fluten haben an seiner Entstehung gearbeitet
(zuerst 1277); aus kleinen Anfngen ist er entstanden; zuerst mag nur
ein Loch vorhanden gewesen sein, ein Kolk oder dergl. Nun gibt es im
Ostfriesischen ein vielgebrauchtes Wort dollerd, dollert, dullert fr
talhnliche Mulde, Vertiefung, Senkung, groes weites Loch im Boden,
Untiefe, Sumpf. Das hat zweifelsohne den Namen gegeben. Er ist in vielen
deutschen Dialekten als delle erhalten; englisch dell.


*Dollbord*, s. Dolle.


*Dolle*, die,

hlzerner (jetzt meist eiserner) Nagel in dem Dollbord des Ruderbootes
befestigt, dazu bestimmt dem Riemen (Remen) beim Rudern als Sttz- und
Drehpunkt zu dienen. Heit eigentlich nichts weiter als ein Stck Holz,
Baumstamm, Balken, Stange, Holzpflock, Bolzen. Von einem Stammverbum
dolon, das mit dem Perfektum von fero, tuli, und mit tollo, tolero,
tragen, halten (also auch mit unserem Geduld) verwandt ist.
Althochdeutsch dolon, tholon, dolen, tholen; mittelhochdeutsch dolen;
gothisch thulan; friesisch heit Dolle dol, angelschsisch thol,
englisch thole, auch thole-pin (Angli per abundantiam thole-pin, ut fit
cum propria vis vocis in oblivionem cadit, notio enim clavi (pin) jam in
thole haeret.) Nach Vilmar ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen
technischer Ausdruck der Zimmerleute fr den starken hlzernen Nagel,
welcher halb in den Durchzug und halb in den Balken befestigt wird,
damit sich die Balken nicht verschieben.

Kilianus hat schon die Form dolle: lignum teres, cui struppis
alligantur remi et obex remi.

*Dollbord* ist die oberste Planke der Bootsauenhaut, an der die Dollen
befestigt sind. Der Name Dollbord ist auch da geblieben wo, wie beinahe
durchgngig bei der Marine, die Dollen verschwunden sind und Rundseln
Platz gemacht haben. Nur das Dingey und die Gig haben keine Rundseln,
allerdings auch keine Dollen, sondern Gabeln, in denen der Riemen sich
bewegt; sie haben aber den Namen Dollen behalten.


*Domper*, der,

das Tau (aus Draht) das der blinden Rahe Halt nach unten zu gewhrt.
Ganz vorne am Bug und niedrig ber dem Wasser angebracht mu der Domper
bei Seegang notwendigerweise mit dem Wasser in Berhrung kommen und bei
jeder hheren Woge untertauchen. Davon hat er den Namen. Frher, als man
die Kanonen noch auf sehr einfache Art befestigte, kam es vor, da sie
durch das Schlingern des Schiffes vornber fielen, das nannte man die
Kanonen dompen. In Ostfriesland ist ein Zeitwort dumpen (niederlndisch
dompen) im Gebrauch: stoen, drcken, niederdrcken, unterdrcken,
ducken, tauchen, eintauchen, sinken machen, versenken; davon ist domper
gebildet. Da unser tauchen dasselbe Wort ist wie taufen, und gothisch
daupjan hie, altschsisch dopan, niederdeutsch dopen, so ist klar, da
das ostfriesische dumpen und das niederlndische dompen rhinistische
Formen (durch Nasalierung entstanden) von dopen sind, Domper also nichts
anderes ist und bedeutet als Taucher. Das Zeitwort dompen wird auch
sonst an Bord gebraucht im Sinne von etwas nach unten zu bewegen.


*Downtonspumpe* s. Pumpe.


*Draggen*

auch wohl dreggen, heit etwas auf dem Grunde des Meeres Liegendes
auffischen, aus dem Wasser ziehen. Ziehen ist die eigentliche Bedeutung
des Wortes. Es ist mit tragen verwandt, niederdeutsch dragen,
altfriesisch draga, drega, angelschsisch dragan, altnordisch draga,
schwedisch draga, dnisch drage, englisch drag, gothisch dragan,
althochdeutsch tragen, trakan -- alles heit ziehen, schleppen,
hinziehen, ausziehen. Das Werkzeug zum draggen heit *Dragge*, *Dregge*,
*Dreg*. Es ist ein ankerartiges Ding mit vier Armen, manchmal auch nur
mit dreien, die auf dem Grunde des Meeres hin und her bewegt den
gesuchten Gegenstand fassen, greifen, festhalten sollen, damit er in die
Hhe gezogen werden kann. Weil man die Arme mit den Klauen eines wilden
Tieres, etwa eines Drachen, vergleichen kann, so haben harmlose Erklrer
an dieses fabelhafte Tier gedacht um das Wort zu erklren. Nicht besser
ist die Erklrung des Bremer Wrterbuches: dragge, eine Art Anker mit 3
oder 4 Haken. Vielleicht von traag = tardus, weil er das Schiff an der
Fahrt hindert -- also trge macht (!) Noch schner ist das Wort
Dragge von dem Herausgeber des Kilianus'schen Wrterbuches, Gerhard
Hasselt aus Arnheim, 1777 gedeutet worden: dregge a drieghen, quia eo
pisces *decipiuntur*. Nicht besser ist eine vierte Deutung, nach der
dregge = dre-egge wre: tribus cuspidibus vel manibus anchora.

Franzsisch drague, Hohlschaufel um Sand, Erde, Schlick aus dem Wasser
zu ziehen; englisch drag, Zugnetz. Immer spielt der Begriff des Ziehens
in die Bedeutung hinein.

Dann ist aber freilich, weil die Dragge oder der Dreg Ankergestalt
hatte, die Zusammensetzung Dreganker aufgekommen, auch Draganker; man
hat auch wohl Anker wieder fallen lassen ohne da das Wort die Bedeutung
nderte; so kommt es, da im Wangerlndischen drag Bootsanker heit.


*Dragoman*, der,

ist ein bei auswrtigen Gesandtschaften, bei Konsulaten in See- und
Hafen- und anderen Stdten angestellter Dolmetscher. Das Wort ist
ursprnglich chaldisch und bedeutet Erklrung (targumim); davon
arabisch targana, auslegen, bersetzen, dolmetschen; arabisch targoman,
mittellateinisch dragumanus, drogamundus, italienisch dragomanno,
spanisch dragoman, franzsisch drogman. Tragemunt war im
mittelhochdeutschen ein weitgereister, sprachkundiger Pilger, nicht zu
verwechseln mit dem schnellsegelnden Schiffe tragamunt, s. Schmack.


*Drehfeuer* s. Blinkfeuer.


*Drehreep*, das.

Roeding mibilligt es, da Drehreep oft mit Fall fr ein und dasselbe
gehalten werde. Das ist aber kein Wunder, denn sie haben beide denselben
Zweck, ja es ist ursprnglich das ganze Fall der Rahsegel weiter nichts
als ein Drehreep gewesen, nmlich ein Reep das bei (beweglichen)
schweren Rahen an Deck genommen, ums Spill gelegt und gedreht wurde,
wodurch die Rahe in die Hhe ging. Um dieses weitlufige Manver nicht
immer ntig zu haben, hat man an das Drehreep eine starke Talje (ein
Takel) angebracht, mit der die Rahe bequem gehit werden kann. Sie heit
Fall. Indessen mu beim Aufbringen oder an Decknehmen der Rahe auch
heute noch die Talje ausgeschaltet und das Drehreep selbst an Deck
genommen und, wenn auch nicht immer ums Spill gedreht, so doch mit
krftiger Besetzung geholt oder gefiert werden.


*Dreidecker* s. Deck. *Dreimaster* s. Mast.


*Dreischftig*

heit das Tauwerk, das aus drei Schften, Strngen, Strhnen geschlagen
ist, die man jetzt Kardeele nennt. Fr die Abstammung drfte am ehesten
an das lateinische scapus, Schaft, Stiel, Stengel zu denken sein, und an
seine Wurzel skap, die fassen, halten, befestigen bedeutet, so da
dreischftiges Tauwerk solches wre, das von drei Teilen
zusammen*gehalten* wrde.


*Drempel*, der.

Die Bretter die in den Stckpforten liegen und die vier Seiten derselben
bilden. Sie bedecken die leeren Rume die zwischen den Inhlzern
bleiben, damit zwischen dieselben kein Wasser dringen kann. Man
unterscheidet einen Unterdrempel, zwei Seitendrempel, einen Oberdrempel,
aber eigentlich gebhrt der Name nur dem ersteren, und auch diesem nur
uneigentlich, denn Drempel bedeutet Schwelle, Thrschwelle und kommt von
trampen, trampeln, den unteren Teil des Thrrahmens, ber den man ins
Haus, in die Stube eintritt.


*Drift* s. Trift.


*Dbel*, der,

heit in der sterreichischen Marine (nach Dabovich) der Zylinderzapfen,
hat aber mit dem Teufel nichts zu thun, sondern ist eine Umbildung des
englischen dowel, welches jeden beliebigen Zapfen bezeichnet,
franzsisch douille, lateinisch ductile von duco, ich fhre; also
eigentlich Fhrung(s-Zapfen).


*Dublieren*,

um ein Vorgebirge herumsegeln. Der Begriff des doppelten ergiebt sich
leicht, wenn man bedenkt, da man das umschiffte Kap einmal von der
einen und das andere Mal von der anderen Seite, also doppelt, zu sehen
bekommt. Sailing along the coast he doubled the promontory of
Carthage.


*Duc d' Alben*, *Dukdalben*, *Dkdalben*.

Pfhle im Wasser, fest eingerammt und -- gewhnlich zu dreien -- mit
einander verbunden, zum Festmachen, Verholen u. s. w. von Schiffen
dienend. Die falsche Meinung, der Name komme von dem des Herzogs von
Alba, hat sich so festgesetzt, da sie nur sehr schwer zu beseitigen
sein wird. Allerdings heit dieser im Hollndischen Duc d'Alba, im Munde
des Volkes Duc d'Alf. Der Gedanke an ihn lag also nicht allzufern, wenn
man das Wort Dukdalben las. Ja es lag allzu nah, als da man nicht
Verdacht schpfen sollte, denn das Nchste ist in sprachlichen Dingen
nicht immer das Beste. So hat denn auch auer Onno Klopp in seiner
ostfriesischen Geschichte meines Wissens niemand direkt und bestimmt
gesagt, da das Wort von Herzog Alba komme, es ist immer nur vermutet
worden. Klopp bringt aber auch keinen Beweis fr seine Behauptung.

Nun ist freilich das Wort vor der Zeit des 30jhrigen Krieges unbezeugt.
In den vielen Hansa-Rezessen, -Skraaen und sonstigen -Urkunden, die ich
durchgesehen habe, habe ich nichts davon gefunden. Das 1400 geschriebene
Seebuch kennt nichts dergleichen; Der Teuthonista, 1475 zu Cleve
erschienen, ebenfalls nicht. Cornelius Kilianus Dufflus, 1548, kennt
das Wort auch nicht, wiewohl er in Antwerpen lebte. Insofern knnte es
also von Duc d'Alf kommen. Aber da das Wort nicht bezeugt ist, beweist
noch nicht, da es nicht vorhanden war. Matthias Kramer, der im Jahre
1719 im Alter von 79 Jahren zu Nrnberg Das knigliche
Nider-Hoch-Teutsch u. Hoch-Nider-Teutsch Dictionarium verffentlichte,
knnte es haben wenn es von Alba herkme, hat es aber nicht. Auch das um
1700 erschienene, in Amsterdam gedruckte Dictionaire de Marine von
Aubin hat es nicht. Der Hollnder Bilderdyk, ein scharfer Kopf, der vor
100 Jahren schrieb, hat es zuerst und nennt es auch gleich ganz richtig,
oder wenigstens annhernd treffend eene moedwillige verbastering von
dokdulf. Mit dem dokdulf hat er zwar nicht Recht, desto mehr aber
damit, da er die Form Duc d'Alf eine mutwillige Verschlechterung
nennt. Wenn wir genau zuhren, wie der niederdeutsche Seemann sagt, so
hren wir gar nicht Dkdalben oder Dkdalfen, sondern *Dkdallen*, und
zwar mit dem dunklen niederdeutschen a das wie o klingt. Dallen, dollen
sind aber Balken, Pfhle. In Stralsund heien die Pfhle am Bollwerk
Dallen. In Friesland heit unser Wort dykdollen; Halbertsma: stirpes
modicae arborum ad corroboranda lignea aggerum propugnacula; also genau
wie in Stralsund. Ist -dallen so klar gestellt, so fragt sich was das
Dk- bedeutet. Es ist frher an Deich = Diek gedacht worden. Aber es
liegt ein anderer Gedanke viel nher, das ist der an das niederdeutsche
Zeitwort duken. Wir bersetzen es gewhnlich mit tauchen, es bedeutet
aber vor allen Dingen ducken, beugen, neigen, wie in der Wendung de
bomen duken sik fr de wind. Und diese Bedeutung pat vortrefflich. Die
Pfhle der Dkdallen stehen nicht gerad aufrecht, sie sind schief
eingerammt, stehen im Winkel zu einander geneigt; die Dallen sind also
gedukt -- und das Gedukte ist gerade das in die Augen Fallende, das
Charakteristische an ihnen: daher Dukdallen, das zu Dkdallen geworden
ist wie Duker, der Taucher, zu Dker. So rechtfertigt sich auch der
Plural. Es heit stets Dkdallen, nie, auch wenn nur von einem einzelnen
die Rede ist, Dkdall; das wrde unverstndlich sein, wenn an den Alba
zu denken wre, versteht sich aber von selbst, sobald wir an mehrere
Dallen denken, die zu einem Dkdallen gehren.


*Ducht*, die,

Ruderbank. Manchmal auch Duft, da f und ch sehr oft in einander
bergehen. Das hollndische doft hat Aubin (1702) mit banc de Galre, de
Galasse bersetzt: c'est un sige pour asseoir ceux, qui tirent  la
rame, soit forat, bonavoglie, ou matelot. Doft oder Docht ist ein
gemeingermanisches, sehr frhes Wort, althochdeutsch dofta,
angelschsisch thofte, und kommt von einer Wurzel, die bcken,
niederbcken, sich *ducken* bedeutet, so da Ducht die Bank ist, auf der
diejenigen sitzen, die sich beim Rudern vorn ber neigen, nach vorne
bcken, das ist eine zu bezeichnende Bewegung beim Rudern, als da sie
nicht htte zur Bezeichnung verwandt werden sollen. Vielleicht auch ist
dabei gedacht an das Niederhocken der Ruderer auf der Ducht.

*Ducht* (nannte oder) nennt man auch einen aus einer Anzahl Fden
zusammengedrehten Strang; drei Duchten bilden ein Kardeel, mehrere
Kardeele werden zusammengeschlagen zu einem Tau. (s. dreischftig)
Dieses Wort hat mit dem obigen nichts zu tun, sondern ist unser
hochdeutsches Docht; mittelhochdeutsch und althochdeutsch taht,
altnordisch thattr, Faden, Docht.


*Durchdrehen*,

unabsichtlich, durch einen Fehler des Mannes am Ruder beim Segeln am
Winde so hart an den Wind gehen, da der Wind das Segel von der
verkehrten (vorderen) Seite fllt, back legt, und so das Schiff dazu
kommt, ber den Achtersteven, rckwrts zu segeln; eine, besonders bei
schwerer See nicht ungefhrliche Sache. Man nennt das auch wohl eine
Eule fangen, wohl Anklang an das Sprichwort: do ht en Uhl sten,
da ists unglcklich zugegangen. Franzsisch faire chapelle.
Durchgedreht sagt der Seemann auch von einem, der einen Sparrn zu viel
hat, oder den er im rger fr verrckt erklrt, ohne da der
Betreffende wirklich geisteskrank zu sein braucht.


*Durchholen*,

ein Tau durch einen Block holen, ohne da zugleich eine Last, die an dem
Tau befestigt wre, geholt wrde, also das lose Tau holen, die Lose
durchholen wie der seemnnische Ausdruck lautet. Da dieses kein
anstrengendes Geschft, sondern eher ein Vergngen ist, so heit die
Lose durchholen auch im Munde des Seemanns sich amsieren. Da wollen
wir einmal die Lose durchholen, sagt wohl einer zum andern nach langer
Seefahrt angesichts des winkenden Hafens.


*Drrkessel*, s. Kessel.


*Dne*, die,

Sandhgel, Sandrcken, sandige Erhhung am Meer. Es ist an
Verwandtschaft mit dem griechischen thin, Haufe, Sandhaufe am
Meeresufer, gedacht worden und an eine Sanscritform, die eilen, laufen
bedeutet, so da die Dne wegen ihrer Vernderlichkeit und Beweglichkeit
so hiee (Weigand); aber dem widerspricht doch sehr der Gebrauch des
Wortes in allen keltischen Sprachen, wo es als Endung keltischer
Stdtenamen geradezu einen festen, befestigten Ort bedeutet; gaedhelisch
dun, kymrisch din, Breizonek, kornisch dun: Anhhe, Burg, Hgel;
englisch town, Stadt und down, Dne; franzsisch dune. Vielleicht
verwandt mit der Wurzel des althochdeutschen Zeitworts thenian, dehnen,
ausdehnen, in die Hhe gehen.


*Dnung*, s. Deining.


*Dwaidel*, der,

ein Wischer, aus alten Lumpen gefertigt, die an einem Stiele befestigt
sind, womit der Matrose auf Handelsschiffen, namentlich kleineren, sein
Fahrzeug reinigt. Auch Dweil. Ist das sonst im Niederdeutschen
gebruchliche Dwele, Handdwele, altdeutsch dwahila, niederlndisch
dwaele, englisch towell, franz. touaille, wangerlndisch dweil.
Hochdeutsch Quehle und Zwehle mit groer Verwandtschaft in allen
germanischen und romanischen Sprachen. Grundbedeutung: Etwas zum Netzen,
Namachen, Waschen.

Davon Zeitwort dweilen, waschen, Deck waschen.

(Davon durch Aphresis des d und indem der Lippenlaut w zu einem
Zungenlaut f wurde: Faidel, Feidel, Feudel, Scheuertuch).


*Dwars*

bedeutet *quer* und ist nur eine andere, niederdeutsche Form eben dieses
Adverbiums. Althochdeutsch twer, dwer, angelschsisch thveores,
altnordisch thvers, altfriesisch thwers, twers, mittelniederlndisch
dwars. Im Seebuch, 1400, dweers, im Teuthonista dwerss; Kil. dwaers,
dweers. In oberdeutschen Mundarten zwerch. Das Wort wird an Bord oft
gebraucht, namentlich bei Geschwadermanvern, wo neben der Kiellinie die
*Dwarslinie* eine wichtige Formation der Schiffe ist.

In Ostfriesland wird dwars und dwas auch auerhalb der Seemannssprache
berall da gebraucht, wo man im Hochdeutschen quer gebraucht, sogar
dwaskop wird fr Querkopf gesagt; von dwas, dwass im Sinne von verdreht
kommt dann unser vulgres dwatsch.

Dwars ab von einem Turm, einer Bake heit, sich dem Turm oder der Bake
gerade gegenber befinden. Item twisschen Engelandesende unde Lizart
middes in de Montzbaye licht en hochachtich berch, dat is ene gude
kenninge, also en man kumpt dwers ut der See heit es im Seebuch
(1400); Engelandesende ist das, was wir jetzt kurz Landsend nennen; noch
bei Waghenaer, 1588, heit dieses Vorgebirge Engellandesende.




E.


*Ebbe*, die,

das Zurckflieen des Wassers nach einer Flut und der Stand des
niedrigsten Zurckgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen zusammen
bringen wollen, so da Ebbe die ausgleichende, ebnende Meeresbewegung
darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der Meeresspiegel
wieder gleich und glatt gemacht wrde. Aber das tut die Ebbe gar nicht,
sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es nicht auf den
mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter, macht also den
Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut ungleich. Auch
hat es nichts mit dem in Abend steckenden Begriff des Abnehmens, des
Sinkens zu tun, vielmehr kommt fr die Erklrung das gothische ibuks,
sich rckwrts bewegend, in Betracht, und das althochdeutsche ippihhon,
zurckrollen, und abuh, abgewendet, umgewendet, verkehrt;
mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht; noch heute in
oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: Du hast deinen
Strumpf auf die ebche Seite angezogen, der Baum steht auf der ebchen
(der Sonne abgekehrten) Seite des Berges; auch eber, aber, appa, Stelle
am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und fr das Schmelzen des
Schnees gebraucht (es ist so schn appa, sand d' Alma so grn,
schwbisch, der Schnee ist weg (und deswegen) sind die Hochweiden so
grn). Ebbe ist also das sich rckwrts bewegende, zurckflieende,
zurckkehrende Wasser im Sinne des lateinischen recessus. Altfriesisch
ebba: dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara dan mitta ebba ut ende
mit da floed op. Angelschsisch ebba, englisch ebb, hier besonders oft
im bertragenen Sinne gebraucht, I felt them slowly ebbing, name and
fame, Tennyson; auch als Adjectivum: The water there is very low and
ebb, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe, niederlndisch eb,
dnisch ebbe, schwedisch ebb, franzsisch (1702) ebe, il y a ebe.

Eine Ebbe und eine Flut zusammen heit eine Tide, (nicht englisch,
sondern deutsch auszusprechen).


*Eiland*, das,

im Munde des niederdeutschen Matrosen gebruchliches Wort fr Insel. Man
hat es mit Einland erklren wollen, allein fr sich im Meer liegendes
Land, hnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber, da in der Edda
ey fr sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy, schwedisch ,
dnisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe, ouw, auw,
althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederlndisch ooghe, oghe,
aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue, grnes,
wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Wrttemberg, die goldene Aue
und viele Zusammensetzungen mit au), und da alle diese Formen sich dem
gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen zugesellen
lassen, so kann kein Zweifel sein, da Eiland nichts weiter als
Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich bewegen,
eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) *rinnen*; erhalten in vielen
deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach,
Neckarsteinach, (dann in vielen Flunamen in denen das k zu einem h
verflchtig und dieses demnchst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch
Ehe, wohern Emden = Ehemnden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen
(Wald, wold, Karl, Korl) mute ach im Niederdeutschen, besonders im
Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog,
Schirmonnikoog, Middoge, Nordernye(oog); (die Erklrung: Auge ist schn
gedacht aber nicht sprachlich begrndet). Wir haben in dem ei von Eiland
eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im Niederdeutschen
angenommen hat; wangerlndisch eland, mittelostfriesisch oyelauhn,
mittelniederdeutsch eyland, eland, oland; altfriesisch alond; schwedisch
land (die Insel Oeland, vergl. Far oer, Far-Inseln).

Im Jahre 1286 hie der Name der Insel Neuwerk am Ausflu der Ebbe: O;
1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl. Greifswalder
Oie.


*Einbuchtung*, s. Bucht.


*Einender*, s. Kessel.


*Einfieren*, s. Fieren.


*Einholen*, s. holen.


*Einkeepen*, s. Keep.


*Eins*,

seemnnische Redensart: in Eins bringen, d. h. zwei feste Punkte am
Lande so peilen, da sie sich decken, da sie *ein* Punkt werden. Du
darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart
Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die groe Bake in Eins
gebracht hast, oder auch blo in Eins hast.


*Eisdragge*, Eisanker s. Dragge.


*Eisenkrank*,

ist ein (hlzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich die Bolzen
verrostet sind und der Ausbesserung bedrfen. Krank kann eigentlich nur
sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl. krngen), aber der
Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff, wie denn berhaupt
das Volk gerade durch Personifikation sich sehr treffend auszudrcken
vermag; die Tr schreit nach l wenn sie rankst; die Stange will ihr
Recht, sagte ein Maurer, der Lcher fr eine Eisenstange machen sollte
in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen.


*Embargo*, der,

eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch eine
feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung.
Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also
in seiner Bewegung beschrnkt. Daher ist die Form des Wortes und die
nchste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das
mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hie schon nicht mehr blo Balken,
sondern Zaun, Gehege, *Schranke*.

Frher nannte man ein Schiff mit Embargo belegen auch das, was jetzt
zu den Obliegenheiten der Schiffsbesichtigungskommission (s. d.)
gehrt. In England ist das Wort so gang und gbe, da man es bildlich
anwenden kann, to lay an embargo on free speech.


*Ende*, das.

Seemnnisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann aber auch
alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende ist der
Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhrt. Da
indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und Lnge
(dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann, ohne
da vom Anfang bis zum Schlu von Etwas eine gewisse Raum- und Zeitlnge
verfliet, so gebraucht man das Wort Ende auch in der Bedeutung von
einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung in den Raum
oder in die Zeit hinaus. (Doornkaat). So spricht man von einem krzeren
oder lngeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch ein Ende
begleiten. Zu bemerken ist, da, wenn man bei einem Tau von einem Ende
spricht, man zwar zunchst an einen Teil eines Taues denkt, da der Teil
aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im Gegenteil, nur weil er
noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau nach ihm Ende genannt
werden, pars pro toto.

Sprichwrtlich sagt der Seemann: da ist das Ende von weg, d. h. es
hrt sich alles auf, es ist gar nichts mehr zu machen, es steht
sehr schlimm.


*enkelt*

heit einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht fr ein
Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei besonderen
Teilen) ber eine Scheibe luft, berhaupt ohne technisches Hilfsmittel,
also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewhnlicher Strick, gebraucht
wird.

Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heit en enkelten daler ein
Taler in *einem* Stck; in Ostfriesland oft im Gegensatz zu doppelt
gebraucht, auch fr einfache, nicht gefllte Blumen. Verwandt mit dem
gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei Uhlenbeck auf das
altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer, hinweist.


*entern*,

ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit *Enterdreggen* (s. Dragge)
an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei wurde eine
sbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als
*Entermesser* bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare,
hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen,
hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das
englische to enter wird in den allerverschiedensten Bedeutungen auch
seemnnisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at the
custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heit board = to go
on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in combat.
Das Gleiche gilt fr das Franzsische; da kommt entrer oft genug vor,
unser entern aber heit aborder, und das Substantivum abordage, zugleich
ein bersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch nicht, er hat wohl
ein endteren, aber das bedeutet bei ihm schnattern wie eine Ente. Auch
Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht an einer Stelle, wo
er es htte gebrauchen mssen, wenn es ihm bekannt gewesen wre, und es
wre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da er unter Carl V.
gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark dem Spanischen
zuneigt; vergl. das Kapitel seines berhmten Buches Von Kayserlichen
Kriegrechten etc. etc.: Von dem Meer, See, Schiff oder Wasser krigen,
fahren und ziehen, sampt dero nottrftigen gebruch, an Kriegvolck zu
Ro und Fu, Geschtz und Munition, in lust, schimpff oder ernst, gegen
Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen. MDLXV Kluge: seit
Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei Chytrus Kap. 36
bezeugt.

In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der
neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsfhrung so gut wie veraltet, da
wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung
hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In
Anlehnung an den Begriff hinberklettern, hinaufklettern, der in Entern
liegt, hat man durchgngig in der Seemannssprache das Wort entern fr
klettern in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur fr das
Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen wrde,
sondern auch fr das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen:
aufentern, niederentern. Kommandos: enter auf! enter nieder!

Im Durchluchtigsten Seehelden 1681 wird das Wort entern im
eigentlichen Sinne gebraucht: Als sie (Admiral Heyn und seine Leute)
auf die Spanischen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber
nach dem ein paar mal die Musqueten auf sie gelset wurden, entfiel
ihnen der Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen
der Hhe der Schiffe hinauf zu kommen und zu *entern*. Ohngefehr hieng
ein Schiff-Seil herau, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er
droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu
machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit
guter Gemchlichkeit tten, da die Spanier zusahen, und gantz keine
gegen Wehr darwider tten. Als nun inzwischen die andern Schiffe
enterten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die
Spanier alle hinunter lieffen. Doch vermeidet dasselbe Buch an anderer
Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. Hierauf fuhren sie
fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der
dasselbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun
geschah, da Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr
nach Mittags, dasselbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie
schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schsse gegeben und ihre
Segel-Stange herunter gestossen, legte er ihnen an Bord, und sein Volck
sprang hinein und funden allda einen groen Reichtum ...


*Erlaubnisabzeichen*, das,

war in den Anfangszeiten des Schiffsjungeninstitutes ein Abzeichen der
Wrde eines Bootsmannsmaaten, der noch kein eigentlicher Bootsmannsmaat
war, sondern nur an Bord die Dienste eines solchen versah; wenn er aber
an Land ging, so war er gehalten, das Abzeichen (den Anker) den er nur
an Bord zu tragen die Erlaubnis hatte, abzulegen und zurckzulassen,
offenbar traute man ihm seiner groen Jugend wegen noch nicht die
Fhigkeit zu, den Stand eines Unteroffiziers auch am Lande wrdig zu
vertreten.


*Erster Offizier*,

der nchste nach dem Kommandanten, im Behinderungsfalle und auch sonst
in vielen anderen Fllen sein Stellvertreter, ihm fr alles was im
Schiffe vorgeht verantwortlich, berhaupt ein Mann, auf dem fr
gewhnlich die ganze Last des Schiffsdienstes liegt. Er heit Erster
Offizier nicht etwa nur als primus inter pares oder weil er der
Dienstlteste in der Messe ist, also nicht in dem Sinn, in dem man sagt
Erster Wachoffizier, sondern etwa so wie man sagt: Erster
Staatsanwalt. Also die Bezeichnung eines besonderen Amtes, einer einem
Manne amtlich und dienstlich bertragenen Stellung.


*Eselshaupt*, das.

Das Verbindungsstck am Kopfe des Mastes, durch das die Stnge mit dem
Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonderbares Wort. Breusing sagt: Ich
mchte glauben, da der ursprngliche Name Eselshuf gewesen ist, da
diesem die Gestalt genau entspricht, whrend man fr die Bezeichnung
Eselshaupt gar keinen Anhalt hat. Huf fr Haupt zu setzen ist ein
Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen ist. Haupt ist auf
alle Flle festzuhalten, weil der niederdeutsche Seemann Hofd sagt und
dieses Hofd auch noch in anderer Verbindung, z. B. Dodshofd, vorkommt,
wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt mu also stehen bleiben. Aber
wenn wir uns den Esel nher betrachten, so hat er mit der Zoologie
ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es handelt sich
vielmehr um die Anatomie des menschlichen Leibes, wie Haupt schon
vermuten lt. Dem Haupt zunchst verbunden ist die Schulter, die
Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel,
angelschsisch eaxl, altschsisch ahsla, altislndisch xl, italienisch
ascella, provenalisch aissela, mittelniederdeutsch assel und asle. Da
liegt doch die Vermutung nahe genug, da aus diesem Assel Esel geworden
ist. Das Eselshaupt stellt die Verbindung von Kopf und Schulter dar.
Durch die eine, runde ffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach
oben, die andere, viereckige ffnung sitzt als Schulter zu dem dazu
gehrigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Da die Stnge als das
Haupt angesehen werden kann, wird der nicht bestreiten, der wei, da
sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum
letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewi Eselshaupt
= niederdeutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen
wird.

Da das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht nachweisbar ist,
darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch einmal. Aber wenn
auch nicht, so ist damit noch nicht bewiesen, da es berhaupt nicht
vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufllig in irgend eine alte Urkunde
geriet, wer htte es aufschreiben sollen? Wer schreiben konnte, das
waren die Mnche, und die kannten das Wort nicht oder hatten keine
Veranlassung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren die
braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch die
Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch bewiesen
werden, da die mittelniederdeutsche Form fr Achsel nicht nur Asel,
sondern auch Esel hie. Auf der Oldenburgischen Bibliothek findet sich
ein altes geschriebenes Gebetbuch vom Jahre 1473, darin kommt die
Stelle vor: Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware cruce
leyden.

Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so htte man anstatt
Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen drfen. Da man
Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das e
in Esel eigentlich ein a sein mte, von wegen asinus. Niederdeutsch
heit der Esel auch heute noch sel, und zwischen diesem und Asel ist
lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben
bei solchen Wortbildungen nicht den Ausschlag, sonst htte unser
deutsches Flssigkeitsma Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England
nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden knnen.


*Etmal*, das.

Ein Etmal ist in der Seemannssprache ein Zeitraum von 24 Stunden, und
zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages gerechnet.
Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen heit also: wir haben in 24
Stunden 300 Seemeilen zurckgelegt. Auch insofern ist ein Etmal ein
Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal
Flut stattfindet, es erstreckt sich also ber zwei Tiden; jedoch kommt
es auch vor, da Kstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12
Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne
und bersetzt es mit dies naturalis: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen
leitet er es von eten = essen ab, prandere quia astrologi incipiunt
diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo
tempore vulgo pranditur. hnlich Weiland: er nimmt etmal = eetmal, dit
schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel
omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen. Man knnte sich
versucht fhlen, das fr einen Witz zu halten wenn die
Wrterbcherschreiber nicht sonst so ernste Leute wren.

Das -mal ist ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel,
althochdeutsch mal) einen Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt,
dann Zeit berhaupt, besonders aber auch Zeitpunkt des Essens (weshalb
unser Mahlzeit eine der vielen Tautologieen der deutschen Sprache
darstellt).

Die erste Silbe et wird von Diefenbach als ein verstrkendes, die
Wiederkehr anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Prfix
erklrt. Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der
Ostern. In Bewulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr,
(Rckkehr des alten Zustandes nach der Rckkehr von Grendels Mutter),
ferner ed-wendan sich zurckwenden, und ed-wenden die Wendung, der
Wechsel. Im Altfriesischen hat Etmal schon die seemnnische Bedeutung:
Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta, das soll man binnen dreimal
24 Stunden befechten. Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen
(nachdem das Gras bereits gemht oder abgeweidet war, auch et-grn)
vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo
der Pflug beim Pflgen am Ende des Ackers immer wieder umkehren mu,
hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung
eddach, ettink fr einen regelmig in bestimmten Zeitabschnitten
wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed =
Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in
Anwendung und knnen daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern
ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmig wiederkehrender Tag, schon
weil dafr auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten
Zeitpunkt andeutet.

Was das seemnnische Etmal betrifft, so empfiehlt Lucas Janszoon
Waghenaer in seinem Spiegel der Zeevaerdt, 1588, sehr, es regelmig
auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: Tis seer goet alle Etmalen
eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende behouden heeft,
op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft, ende hoe alle de
hoecken ende landen van u zyn legghende. Derselbe Waghenaer spricht
auch wiederholt von einem Etmal des Mondes.


*Eule fangen* s. durchdrehen.


*Evolutionsbogen*, der,

verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die gleichmige Bewegung im
Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders gradeaus steuernde Schiff
unter dem Einflu des gelegten Ruders in die regelmige Drehung
eintritt, mu es einen Bogen beschreiben, eine Kurve, die der
Evolutionsbogen heit. Man unterscheidet demgem auch einen
Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch evolvo,
sich entrollen, aufrollen.


*Ewer*, der.

Name eines kleinen Flu-, Kanal- oder Wattschiffes, besonders bekannt
durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint, es sei
ber die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts zu
sagen. Wenn man aber bedenkt, da in zahlreichen mittelniederdeutschen
Urkunden eever, ewar und envare neben und durcheinander gebraucht
werden und da envare in dem Zolltarif der Margarethe von Flandern vom
Jahre 1252 erklrt ist als ein navis, que dicitur envare, que habet
remex retro pendens (debet) comiti IV. den, so ist der Gedanke doch
sicher nicht zu khn, da das Boot ursprnglich von *einem* Manne
*gefahren* wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro pendens war, so
da also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde. Einfahrer wre also
die Hochdeutsche bersetzung. Natrlich ist dabei nicht angenommen, da
das Schiff 1252 noch von *einem* Manne gefahren wurde, sondern nur, da
es sich -- wer wei wann? -- aus solch kleinen Verhltnissen heraus
entwickelt habe, hnlich wie Fregatte sich aus einem Ruderschiff zu
einem Dreimaster ausgewachsen hat.

Breusing hatte sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich
Eber, wiewohl ihm bekannt war, da in den beiden Worten zwei ganz
verschiedene anlautende e stecken. Und als Mllenhoff das Gewicht seines
Ansehens gegen die Gleichstellung in die Wagschale warf, da lie er
freilich den Eber fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch
an, wie schwer es ihm ward.


*Exerziermast*, der,

ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehrt, sondern am Lande, in der
Nhe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz als Schiffsmast getakelt
ist, und an dem ungebte Matrosen, Schiffsjungen etc. etc. ihre bungen
im Entern etc. etc. anstellen. Er hat also ungefhr die Bedeutung eines
Turngertes fr angehende Seeleute; auch wohl die eines schnen
Spielzeuges fr heranwachsende Knaben.




F.


*Faden*, der,

dasselbe wie Klafter, ein Ma von 5-6 Fu; bedeutet, ebenfalls wie
Klafter, ursprnglich Umarmung mit beiden ausgestreckten Armen. Beide
Wrter sind als Ma hnlich gebildet wie Elle von (Ellenbogen) Elbogen.
Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser zu einem Faden
gedreht, die so lang ist, da sie von der Hand des einen ausgestreckten
Armes zu der Hand des anderen ausgestreckten Armes reicht. Noch im 17.
Jahrhundert fadem, englisch fathom, in deutschen Mundarten Fadem.
Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten Arme, angelschsisch fdm,
die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht, Schutz, Busen, Schoo.
Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch fahan, fangen, umfangen;
griechisch petannymi, ausbreiten. Vom lateinischen patere, offen stehen,
sagt Kluge, da es schon weiter abseits liege; also entfernte
Verwandtschaft.

Das franzsische brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden:
die Entfernung der beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind.

Meist wurde Faden als Tiefma gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt
einleitend zu seinen Seekarten: Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle
Havenen, Riuiren, Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op
de ondiepten ende sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep
zyn ... alles met half vloet.

Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch fr Bezeichnung einer
Entfernung: Item een myle buyteu de Clippen van Obenrack leyt een
rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet tusschen die
Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden dan veertich
vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden, comt den
lande niet naerder dan op veertich vadem.


*Fahne*, die,

gehrt streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt Fahne
Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad
Fhnrich zur See (fr Seekadett) eingefhrt. Fahne heit eigentlich
Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch;
althochdeutsch, altschsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch
pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel);
griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen
= ziehen, spinnen, hngen. Altfranzsisch fanon, Tuch; aber gonfalon,
italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, Kampftuch ab.
Finnisch faana, die Fahne. Der Fhnrich hie althochdeutsch faneri,
Fahnentrger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einflu von
pendeo, hngen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant =
Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet.


*Fhre*, die,

ist von Fhrschiff so zu unterscheiden, da Fhre ein flaches, niedriges
Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen, Pferde, Wagen, ja neuerdings ganze
Eisenbahnzge an einer bestimmten, dazu eingerichteten Stelle ber einen
Flu oder ein sonstiges Gewsser gesetzt werden; es geschieht mit Staken
oder Riemen, mit Hilfe eines Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb.

Fhrschiff aber ist ein wirkliches Schiff, das auf Flssen, Seeen,
Kanlen und in Kstengewssern regelmige Fahrten von einem Ort zum
andern macht und fr einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren
mitnimmt; also hnlich wie Brtschiff, nur vielleicht mit krzeren
Fahrten.


*fahren*

wird auch in der Seemannssprache in der gewhnlichen neuhochdeutschen
Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem Sinne, der der
eigentlichen Bedeutung sich von einem Orte zum anderen bewegen
widerspricht. Man sagt: Das Tau fhrt nach vorne, nach achtern, nach
unten. Beim laufenden Gut mchte das noch angebracht sein, wiewohl es
bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort verndert; aber beim
stehenden Gut mu man sich schon zwingen, daran zu denken, da es auch
einmal noch nicht stehend war und erst beim Auftakeln des Schiffes in
seine Stellung gefhrt worden ist.

Auerdem gebraucht der Seemann fahren im Sinne von zur See fahren.
Ich bin mit ihm gefahren, heit: ich bin mit ihm zusammen an Bord
gewesen, mit ihm zusammen auf einem Schiffe gefahren. Ich fahre auf
Handelsschiffen, sogar: ich fahre auf Sdamerika (mundartlich: ich
mache in Amerika, jedoch nur von einer einzelnen Reise, whrend der
Seemann, der auf Amerika fhrt, damit sagen will, da er wiederholt
und mit einer gewissen Regelmigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin
betreibt.) Ein befahrener Mann ist einer, der entsprechend lange zur
See gefahren hat -- der Seemann sagt stets ich *habe* gefahren,
offenbar weil er sich dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt
-- um in der Seemannschaft erfahren zu sein.


*Fahrrinne*, die,

eine natrliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe noch fahren kann;
sodann die natrliche Vertiefung in einem Hafen im Verlaufe der Richtung
die ein Schiff steuern mu, um nicht auf Grund zu geraten, daher meist
Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann. Besonders aber ein
knstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es, da man ihn mit
Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, da man ihn ausgebaggert hat.

Frher hatte man ein seemnnisches Wort Fahrweg. Im Seebuch, 1400,
kommt es oft vor und bedeutet den Weg drauen auf offener See, im
Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande unbehindert fahren kann,
jedoch mit der Beschrnkung die heutzutage das Fremdwort Route andeutet,
Wasserstrae als nchster Weg von einem Orte zum andern. Item in der
reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten mane (Mond), unde uppe
der stille suden mane, unde buten in deme varwege maket vul see
sudwesten mane.

Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch Waghenaer: tusschen Heys en
Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen
't vaerwater zynde vintment diep 25 vadem. Twee kenninghen buyten Heys,
werpt ghy 45 vadem. Es ist also ein Unterschied zwischen einem ueren
Fahrweg und einem inneren Fahrwasser.


*Fahrt*, die.

1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins Mittelmeer.

2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; das
Schiff ist in Fahrt, das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt, es
ist in voller Fahrt, es fhrt mit halber Fahrt. Auch in bertragenem
Sinne von Menschen gebraucht: der ist in der Fahrt, die ist mchtig
in der Fahrt, wenn jemand recht im Eifer ist.

3. Man unterscheidet Groe Fahrt, Kleine Fahrt, s. Schiffsregister.
Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhlt er das Patent fr
die seinem Wissen and Knnen entsprechende Fahrt, groe Fahrt,
Kstenfahrt u. s. w.

Frher unterschied man nur groe und kleine Seefahrt, und erstere war
besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der
Beschriving van der Kunst der Seefahrt Lbeck 1673, spricht in einem
Vorwort an den gnstigen Leser von den Fortschritten, die der Mensch
in der Observation gemacht habe. Wil se nu dorch dise Erfahrenheit
gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst mmermehr na
gescht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden;
Insnderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell
unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert.

Se hebben sick ock herna in dise Kunst mehr gevet, und insnderheit die
Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen,
al by er uth gegeven Bck tho sehende, welcke Bck wi ock by unser
Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser
Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben,
dar idt doch ein hochndich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van
unsen Seefahrenden nicht wol in der Hollndischen Sprack noch in er Bck
tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht
verstahn noch begripen knen.

Ock sunt de Nedderlandesche Bck mit der _groten Seefahrt_ mehrendeles
vorfllet, welckes besteit in Affdeling der Sphera der Werrelt, Bewegung
der Hemmelen, im gelicken de dre Huckes, Krum Streck, langet und bret
Recknung, und vel ander Regulen, de uth der Astronomie und Cosmographie
genahmen; Welckes unsen jungen Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na
den mahl so selden de Ost- und West-Indyen befahren. Se werden averst
velmehr dorch de mannigfoldigen Regulen up geholden, wil se de snder
Anwising und gud Underricht nicht lehren noch underscheden knnen, wat
Regelen er tho der _groten offt klenen Seefahrt_ fodderlick und ntlick
sin! ...


*Fahrzeug*, das,

ist im Allgemeinen eine Bezeichnung fr alles was Schiff heit, jedoch
im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren, Minderwertigen,
Kleinen. Ein Panzerschiff erster Gte wird man kaum ein Fahrzeug nennen;
dagegen spricht man von Werft-, Hafen-, Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist
neueren Ursprungs, erst seit 1695 bezeugt, und soll eigentlich
niederdeutsch sein. Im Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da
kommt nur ein vartouwe vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet,
wiewohl sonst tuch und tug in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich
auch im Sinne von Kriegszeug. Und auch im Neuniederdeutschen ist das
Wort kaum gebruchlich. Vielleicht da es sich aus dem Niederlndischen,
wo vaartuig fters gebraucht wird, eingeschlichen hat.


*Fake*, *Facke*, die,

meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die Zwischenrume
zwischen den einzelnen Spanten oder Inhlzern. Als man die Kriegsschiffe
noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken mit Holz
ausgefllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist nichts
anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behlter, durch Scheidewnde
eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung, Abschnitt, Behlter.
Die Faken sind also die Fcher zwischen den Spanten.


*Fall*, das.

Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines
Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach ber
eine Scheibe luft. Die vorzglichsten an Bord sind die Fallen der
verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und
Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres
Falles verbunden. (Brommy, die Marine). Jedes Segel hat ein Fall.
Aber merkwrdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum
Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Whrend
nmlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehit werden
und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die
Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst
fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall
ganz lose ist; sie bedrfen darum noch eines besonderen Niederholers.
vergl. Drehreep.


*Fallhorn*, das,

ist das was sonst Kopf des Stagsegels heit, nmlich das spitz wie ein
Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das Fall befestigt
ist.


*Fallreep*, das.

Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprngliche, einfache und klare
Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei diesem. Reep ist gleich
Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem, der die Stufen der
Bordwand hinauf wollte, hinabfallen lie, sich daran festzuhalten. So
bedeutet also das heutige Kommando Fallreep! eigentlich: Fall Reep!
oder la fallen das Reep, fr den an Bord Kommenden (oder auch von
Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten Stelle aus geschah,
nmlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen Trittbretter
eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der Nhe nach
diesem fallenden Reep am Fallreep, beim Fallreep, oder auch kurzweg
Fallreep, und der Nachtposten, der da steht, kann nun aussingen:
Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl! Man denkt gar
nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer einfachen
Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklrt es sich auch, da in
spteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter
richtige transportable Treppen einfhrte, diese Fallreepstreppen genannt
wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Gelnder das Fallreep berflssig
machten, so da die sogenannten Fallreepsgste das Tau nur noch
symbolisch in die eigene Hand nehmen und nur so tun, als ob sie es dem
Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine den
Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann noch
erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt. Wie
sehr die ursprngliche Bedeutung dem Bewutsein entschwunden ist, lehrt
besonders deutlich das Kommando: Vier Fallreep (fr einen
Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep
genannt werden knnte, oder die Redewendung: Er lehnt sich zum Fallreep
hinaus, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der
Bordwand, der einer Tr ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist.

Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren
kommt und fllt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das
Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann.
Da mu man, wenn es nicht gar ber eine Jakobsleiter am Besansbaum geht,
die Trittbretter an der Bordwand bentzen und zieht das Reep aus leicht
begreiflichen Grnden den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern
vor.

Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat das
hollndische val-reep mit chelle de poupe bersetzt, was der erwhnten
Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau,
Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch bersetzte er es sinnreich mit
tire-vieilles: Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au
distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde
de chaque cot de l'chelle.

Der bersetzer der Durchluchtigsten Seehelden hat sich die Sache mit
Fallreep leicht gemacht und einfach Falltreppe gesagt. Er beschreibt
eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit Knig Franz I. an den Bord des
Kysers, da der Knig mit einer kstlichen zubereiteten Chaloup von
Aquamorto, in Begleitung des Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals
von Lothringen ankommen war. Der Kyser begegnete dem Knig an der
*Fall-Treppen*, und empfing ihn mit aller Freundlichkeit, und fhrte ihn
nach dem Hinter-Teil des Schiffes, allda sie viele Stunden mit einander
in sehr ergtzlichem Gesprch zubrachten, unter welchem die frnehmsten
Herren Seiner Kyserlichen Majestt Hnde zu kssen kamen.


*Fangleine*, die,

eine lange, dnne aber feste Leine, die aufgeschossen, von Bord aus an
Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung, wenn der Werfer
seine Sache versteht, geworfen wird. Derjenige dem die Leine zugeworfen
ist mu sie fangen, einholen und holt dann die am andern Ende der
Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am nchsten Poller oder
Ducdallen festzumachen. *Fangleine eines Bootes* ist eine etwas strkere
Leine, die als Schlepptau dient. *Fangtaue* sind dnne Tauenden, mit
denen etwas im Wege Hngendes aufgebunden, beiseitegebunden, aufgefangen
wird. *Fangstander* ist ein Stck Kette das das im Davit hngende Boot
tragen hilft und also die Taljenlufer desselben entlastet.

Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin nennen.


*Fardage*, die.

Packmaterial, Holz, Sphne, Rohr etc. etc. zwischen die einzelnen Teile
(Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rtteln, Schtteln und Stoen
zu schtzen, berhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem Franzsischen wo
fardeau (altfranzsisch fardel) ein Bndel bedeutet; die Vorstellung ist
also die, da das Packmaterial in Bndeln zwischen die einzelnen Kisten,
Kasten, Fsser u. s. w. gestopft wird; auch kommt im Englischen, auer
diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches ebenfalls Bndel
heit, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer, widerwrtiger
Last gebraucht wird, so da man wohl auch bei Fardage an ein dem
Seemann lstiges, unntzes, wertloses Stck der Ladung, das nur so als
notwendiges bel mitgeschleppt wird, denken darf.


*Farunner*, das,

ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der Matrosen, berhaupt der
aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung. Ehrentraut, Friesisches Archiv
II. 62, sagt von einer Tjalk, da sie rund gezimmert ist, hat aber
keine Kajte, sondern einen Raum, worin die Mannschaft sich aufhlt und
schlft: dait farunner, und zwar ein doppeltes, hinten und vorn, auch
ein rum (Raum, Laderaum). Das Farunner unterscheidet sich von der
Kajte dadurch, da es nicht so hoch ist und man nicht aufrecht darin
stehen kann, und da darin gekocht wird. Ursprnglich trug nur der
vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen farunner oder farunder,
denn das far ist gleich fr und es kommen die Formen frunder und
vorunder vor. Letztere ist die lteste die mir bekannt geworden ist; sie
steht in einer Bremer Urkunde von 1564: darvp alsuort Jacob onde Albert
de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in dat vorunder gegann, synn
steuell onde kleider angetaghenn ... Fr, vor ist gleich vorne,
forunner also das Vornunter, der Raum wo die Leute vorne ihren
Unterschlupf haben. Da man hernach auch einen hinteren Unterkunftsraum
so nannte, wird den nicht wundern, der das goldene Kopfeisen der
Friesinnen kennt, oder die neumodischen Waschschwmme, die gar keine
Schwmme sind, sondern aus Gummi verfertigt werden; sie heien aber
Schwmme.


*Fastgaljas*, die,

vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in dem
niederdeutschen Kasper Ohm en ik von John Brinkmann vor. Wir haben es
hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches
fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn
da heit es nicht nur unbewegt, dauerhaft, bestndig, haltbar, fest wie
Magdeburg, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewi, zuverlssig,
krftig, stark, tchtig, sondern auch schnell. Zur Tchtigkeit gehrt
eben in gewissen Fllen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heit
fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nmlich
beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tchtiges
Schiff ist nur dasjenige, welches die ntige Geschwindigkeit entwickelt,
wie der nur ein tchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger
Fixigkeit ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom
Flecke kommt a fast traveller.


*Felucke*, die,

ein langes, schmales Fahrzeug des mittellndischen Meeres, mit zwei
etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden lateinischen
Segeln und acht bis zwlf Riemen an jeder Seite. Sie ist meist
ungedeckt, hat aber am Heck eine Htte zum Schutze gegen Wind und
Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der
Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, grere
Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze
Art von Fahrzeugen mu aber, trotz frher oft gerhmter Geschwindigkeit,
vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere
verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff.


*Fender*, der,

eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das Schiff, wenn
es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem Schamfilen zu
schtzen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehngt wird. Erst in
neuerer Zeit in die deutsche Seemannssprache, die frher nur
Wreifhlzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes Wort. Vom
lateinischen defendere verteidigen, behten, beschtzen, bewahren.
Schutz wrde also die bersetzung ins deutsche sein.


*Feuerschiff*, das,

ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes vertritt, an einem Orte
verankert, wo sich ein Turm nicht bauen lt, wo aber doch wegen der
Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders deutliches, weithin
sichtbares Feuerzeichen ntig ist. Es hat keine eigenen
Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum Hissen der
Laternen bei Nacht, der Signalblle bei Tage. Der Ausdruck Feuerschiff
erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit, in der auf
dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese jetzt durch
Lichter verschiedener Art verdrngt sind, so ist der engl. Ausdruck
light-ship sinngemer als unser deutsches Feuerschiff; bei Turm haben
wir uns auch den vernderten Umstnden angepat und sagen Leuchtturm,
aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet.


*fieren*,

das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den Gegenstand,
der an dasselbe festgebunden ist, nicht nher an sich heranholen,
sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt nahe, bei diesem
Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren heit; von fir =
Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen keine Arbeit getan
wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist Weiland unterlegen; er
schreibt: vieren = rsten (ruhen); den teugel vieren is, hem niet strak
vasthouden, laten schieten. Allerdings wird ja geruht, nachgelassen
mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn berhaupt unmittelbar vorher
geholt worden ist), aber das gibt doch nicht bei der Bedeutung von
fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit holen bedeutet doch noch kein
wiederablaufenlassen dessen das man geholt hat, sondern erfordert nur,
da das Geholte festgehalten und belegt wird. berdies braucht dem
Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar voraufzugehen, so da schon darum
nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, Nichtweiterholen die Rede sein
kann. Auch verbietet sich der Gedanke von feiern von selbst, wenn wir
bedenken, was das heit: he let en fieren; das heit doch wrtlich:
er lt einen streichen, und wir haben da das andere niederdeutsche
Wort fieren, welches auch unser seemnnisches ist, mit *fern* verwandt
ist und streichen heit, fahren, gehen, laufen, schieen, gleiten; firen
laten: los lassen, gehen lassen, frei geben, Raum und Freiheit geben
sich zu bewegen; in die Ferne, ins Weite gehen, nicht bleiben und
haften, nicht gehalten werden, -- das ist die Folge des Fierens, und das
Gefierte, das nun nicht mehr gehalten wird, sackt, senkt sich, sinkt so
lange bis es anderweitig Halt und Sttze findet. Bei einer Verhandlung
ber einen Seeunfall im Jahre 1564 sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus
dat N. dat spreeth loss gelatenn, sin schip vmme geswengeth ond dat
grote anker ond touwe vthgefiret, ond he, tughe, dat plichtgarde
(Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: wat wylle gy vele fireinn? wy
liggen alle an der grundt.


*Fest holen* s. holen.


*Festzeisen* s. zeisen.


*Fid*, *fidden*,

nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus hartem Holze
gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten die einzelnen
Duchten von den Enden der Taue auseinander hlt um durchstecken zu
knnen. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort drfte vom
englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das gothische
fetjan zurckgefhrt wird, schmcken, dann in den zahllosen Bedeutungen
von zurechtmachen gebraucht.


*Fingerlinge*, die,

nennt man starke eiserne Hnge am Achtersteven, in welche das Ruder mit
den Haken eingehngt wird; es kann indessen auch umgekehrt gemacht
werden, da das Ruder die Fingerlinge hat und der Steven die Haken. Man
stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tr vor. Zu Fingerling
ist Dumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hlle, in die ein Finger
pat, wie der Dumling eine Umhllung in die der Daumen grade
hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen dicken Verband
haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines ledernen
Handschuhs, einen Fingerling, ber, an dessem hinteren Ende ein Band
befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut (Friesisches
Archiv, II. 65) schreibt: Das Steuerruder: dat rr am Hinterteil hngt
in vier eisernen Haken, welche in Bchsen sitzen. Diese Bchsen heien
da fingelin (Sing.: dju fingelin); und zwar bezieht sich das auf die
Sprache der Wangerooger Seeleute.


*Finknetzkasten*, der.

Der obere, kastenartige Abschlu der Reeling, in dem die Hngmatten
verstaut werden. Diese wurden ursprnglich auf Kriegsschiffen vor der
Schlacht auf die Reeling gebracht als Schutz gegen feindliche Kugeln.
Hieraus entwickelte sich ein bleibender Verwahrungsort fr die
Hngematten mit entsprechender Gestaltung der Bordwand, kastenartig mit
einem geteerten Kleid zum berdecken. Aber wenn diese Einrichtung
getroffen war, wurden im Falle einer Schlacht die Hngematten als
Brustwehr mit groen Netzen befestigt. Diese fhrten den Namen Finknetze
von dem niederdeutschen Schiffsnamen pink; das Fahrzeug dieses Namens
war sehr vielseitig, wurde namentlich aber in Niederdeutschland als
Fischerboot bentzt, weshalb Kilianus das Wort auch mit navis piscatoria
wiedergibt. Das groe Netz dieser Pink hie Pinknetz. (Kil.: pinck-net,
rete majus). Der bergang von Pink zu Fink stellt eine sehr gangbare
Lautverschiebung dar. Das p des Umlautes wird zunchst affriziert zu pf
und dann gestattet sich bequeme Aussprache in Nord- und
Mitteldeutschland gerne die Spirans statt der Affricata: Ferd, Fand,
Fund.

Anstatt des Finknetzes fr die Hngematten ward dann ein Kasten fr sie
gebaut, aber der Name blieb erhalten, es wird blo Kasten hinzugefgt:
Finknetzkasten.


*fischen*,

hat in der Seemannssprache auer dem gewhnlichen Sinn auch noch den von
festmachen, befestigen, unterbringen und zwar den bereits aus dem Wasser
geholten (gekatteten) Anker. Der nachmalige Admiral Brommy beschreibt in
seinem aus Athen datierten (Dezember 1847) Buche Die Marine den
Vorgang des Ankerfischens: So wie der Ring des Ankers ber dem Wasser
sich zeigt, haken zwei Bakgasten den Katzblock in denselben ein, das
Gangspill wird wiederum gepallt. Schnell wird nun der Lufer der
Katztakel angeholt, der Anker mittelst dieser an den Krahnbalken gezogen
und durch die Penturleine daselbst befestigt. Der Fischhaken wird ber
den Schaft des Ankers geworfen und durch die Fischtakel derselbe auf die
Seite gebracht, wo er mit der Rstleine festgemacht wird. Wie alles in
der Seefahrt, so hat sich auch in diesem Stcke seit 1847 viel gendert;
so hat man inzwischen einen Fischdavit erfunden und andere Neuerungen
der Technik angebracht; die Bezeichnungen katten und fischen sind aber
geblieben.


*Fitten.*

Ehe ein Schiff ins Dock geht mu es -- also unter Wasser --gefittet
werden, d. h., es mu genau die gegenwrtige Form seines Kiels
festgestellt werden, damit darnach die Stapelkltze so aufgebaut werden
knnen, da nachher im Dock wenn das Wasser sinkt und das Schiff sich
auf die Kltze setzt, der Kiel in allen Teilen genau und richtig
untersttzt ist, namentlich auch in etwaigen beschdigten Teilen, sei
es, da der Kiel durch die Lnge der Zeit von seiner ursprnglichen Form
gewichen ist, sei es, da durch Festkommen eine Havarie entstanden, eine
Beschdigung hervorgerufen ist. Diese festzustellen, den Fehler genau
graphisch darzustellen dient eine Vorkehrung, eine Art Rahmen, *die
Fitte* genannt. Und die Ttigkeit heit fitten. Es liegt nahe an eine
der vielen Bedeutungen des englischen to fit zu denken. Aber keine von
ihnen pat. Desto besser pat ein noch viel nher liegendes
niederdeutsches Zeitwort fitjen, das zunchst tadeln bedeutet, dann aber
auch mkeln, kritisieren, *geflissentlich Mngel aufsuchen*.


*Fischerstek*, s. Stek.


*Fjord* s. Fhrde.


*Flagge*, die.

Kilianus erklrt das Wort fenlyn durch flammeum, flammeolum, d. h.
Brautschleier, weil in Rom dieser flammend rot war. Eine hnliche
Gedankenverbindung drngt sich auf zwischen Schleier und Flagge, wenn
man nicht an die Farbe, sondern an das Wehen und Flattern eines
Schleiers denkt. Was flattert das flackert auch. Und von Flackern kommt
der Name. Er ist neueren Ursprungs, zuerst nach Kluge 1613 gebucht.
Englisch flag, im Angelschsischen war aber das Wort, weil
wahrscheinlich auch die Sache unbekannt, obgleich schon die Flotte
Wilhelms des Eroberers mit wehenden Flaggen an der englischen Kste
landete. Im Bewulf heit das, was wir Flagge nennen, segn = Signum, war
aber keine Fahne, sondern ein Schild. Der hoch am Maste befestigte
Schild galt als das Zeichen der Gegenwart des Befehlshabers; war der
Knig selbst an Bord, so hite man einen Schild von Golde. Sogar zu
Hupten des toten Knigs Skild banden sie, als sie ihn im
reichgeschmckten Schiffe dem Meere bergaben, ein goldenes segn. Es
gibt natrlich an Bord eines Schiffes vielerlei Flaggen: Kriegsflaggen,
Nationalflaggen, Post- und Zollflaggen, Lootsenflaggen, Bootsflaggen,
Signalflaggen, Winkflaggen, den blauen Peter, Admiralsflaggen etc. Was
letztere betrifft, so gengte frher zur Unterscheidung des Ranges, wenn
man sah an welchem Maste die Admiralsflagge gehit war; jetzt, seitdem
es berhaupt nur noch Gefechtsmasten auf den in Betracht kommenden
Schiffen gibt, mssen die Admiralsflaggen unter sich verschieden sein.

In England unterschied man frher (bis 1864) Admirals of the red, of the
white, of the blue flag, und in jeder dieser Farben gab es wieder einen
Admiral, einen Vice- und einen Kontreadmiral, (wonach zu berichtigen
Lpkes, Seemannssprche p. 63, wo angefhrt ist, da im englischen
Sprichwort Admiral of the red (flag) einen Sffel bedeutet, wegen der
roten Nase, Admiral of the white einen Feigling und Admiral of the blue
einen Schankwirt, wegen der blauen Schrze).

Weil er das Recht hat, eine Flagge zu fhren, nennt man den Admiral
*Flaggoffizier*; *Flaggleutnant* aber heit der Offizier, der des
Flaggoffiziers, der ein Geschwader fhrt, rechte Hand ist.

*Flaggenparade* heit das feierliche Hissen und Niederholen der
Kriegsflagge.

Die Flaggen sind von feinem, wollenem Zeug, das zwar mit dem was wir
sonst Tuch nennen gar keine hnlichkeit hat, aber doch *Flaggentuch*
heit.

Die Leine, an die die Flagge angesteckt wird, oder vielmehr zwischen die
sie eingeknebelt wird, heit *Flagg-*(nicht Flaggen-)*leine*. Das
Schiff, auf dem der Geschwaderchef seine Flagge gesetzt hat, ist sein
*Flaggschiff*, auch wird es das Flaggschiff des Geschwaders genannt.

Zu bemerken ist, da die fr ein an die Sprache der deutschen Marine
gewhntes Ohr sehr strend klingenden Formen Flaggenoffizier,
Flaggenleutnant, Flaggenschiff etc. etc. in der sterreichischen Marine
gang und gbe und auch im dienstlichen Gebrauche sind.

Es war von jeher blich mit wehenden Flaggen zu kmpfen;
Durchluchtigste Seehelden II 449: unterdessen wuchs das Wasser (im
Hafen von Ostende, es handelt sich um einen Anschlag der Franzosen auf
diesen) ziemlich an, da denn mit einem Nordost-Wind zehn mit Volck
geladene Barcken, mit fliegenden Flaggen und Wimpeln, Trommelschlag,
bereitem Gewehr, und die von des Kniges (es war 1658) und Mazarini
Leib-Guarde ihre blaue Bardrete und andere Rcke, und die Befehlhaber
ihre Federn und Feldzeichen anhabend, und den Marschall in der Mitten,
mit seinem Orden des H. Geistes, hinein kamen: der Wind war so gut, da
als sie ber die Bank, die an dem Eingang des Havens liegt, kommen, es
ihnen nicht mglich war, (weil sie zugleich von den einlauffenden
starcken Strom fort getrieben wurden) die Fahrt aufzuhalten. In dieser
Gestalt kamen sie an die Kay.

Von der Aufstellung der spanischen und Venediger Schiffe unter Don
Juan d'Austria bei Lepanto berichtet derselbe Verfasser: Unter
anderen Ordnungen war auch diese, woran nach aller Meinung sehr
viel gelegen war, umb die bestellte Ordnung in dem Fechten zu
halten, in Betrachtung, da sowohl die Kniglichen als Venedischen
Galeyen unter einander vermengt waren, da dieselbigen ein jede
ihr besonder unterschieds-Zeichen haben sollten, damit sie sich in
dem Schlagen leichtlich wieder unter ihre Flagge begeben konten,
und also hatten die von der Bataille ein klein blau Fahne auf dem
Gipffel eines jeden Mastbaums; die von dem rechten Fliegel eine
grne Banderol oder Fahne, an dem Ende der Segel-Stangen, die in
dem linken Fliegel eine gelbe, und die im Nachzuge eine weisse auf
dem hinder Theil der Schiffe.

Wenn man Leonhart Frohnsberger glauben darf, der 1565 so gut wie ers
verstand ber See und Seemannschaft geschrieben hat, so wurde in seinen
Tagen mit Flaggen ein auerordentlicher Luxus getrieben. Eines grossen
hohen Potentaten Schiff der lust oder zier nach zu versehen, mag
auwendig ober dem Wasser, gar berall mit de Herren farben und Reimen
gemalt und angestrichen werden, degleichen das vorder und Hinderhau
oder Schlo am Schiff, mag allenthalben auff das zierlichst mit Fanen
oder Panier, wie mans denn pflegt zu nennen, so auch mit des Herrn
Wappen und Farben gemalt, auffgesteckt werden, dareyn auch Reymen und
verglte Knpff darauff zu setzen, und dann insonderheit, mu das hinder
und vorder Schlo am Schiff zu aller vorderst und hinderst, ein
zimlichen Platz zu beyden seiten oder ecken, auch von solchem Schlo
kommen zu der Belle (belle, zwischen Gro- und Fockmast), weiter vom
Schiff zwo viereckechte grosse Fanen, gleichfalls mit solchen farben,
Reimen und Wappen, gar oben dem Tymon (Steuerpflicht) soll auch ein
grosser Fanen sein, welcher die andern an der grsse alle bertrifft,
und dann auf jeder Seiten des Hau oder Schlo gegen dem Msten, sollen
sechs oder acht Fanen sein, und auff den Mastkrben vom groen Mast
sollen rund umb, von der Breite und Hhe der gemeldten Mastkrb, auch
mit Reymen, farben und Wappen geziert, und auch angehengt sein, zu dem
mag oder soll noch ein gespaltener grosser breiter langer Standart oder
Panier, der bi ins Wasser raicht, und auf dem Mast von gemeldtem
Mastkorb soll auch ein groer Fanen, mit farben, Reymen und Wappen
geziert sein, fliegen oder hangen.


*flaggen*

heit: die Flagge hissen oder setzen, wird aber in diesem Sinne fr eine
einzelne Flagge bei der Marine nur am Lande gebraucht; die fiskalischen
Gebude haben zu flaggen, die Werft, das Lazaret flaggt. An Bord, wo
sich das tgliche Hissen der Flagge im Hafen von selbst versteht, sagt
man nur dann, da das Schiff geflaggt habe, wenn es ber die Toppen
geflaggt oder Flaggengala angelegt hat, wie solches bei hohen
vaterlndischen Festen, Kaisersgeburtstag etc. etc. zu geschehen pflegt,
indem die Signalflaggen in langer bunter Reihe vom Bug bis zum Heck, an
einem langen Tau befestigt, ber die Toppen, von Mast zu Mast wehen.


*Flaggenparade*,

ist eine militrische Feierlichkeit an Bord der Kriegsschiffe im Hafen,
nmlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h. a. m. und das
feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei Sonnenuntergang.
Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den Prsentiermarsch
und der Flagge werden die militrischen Ehren erwiesen, whrend die an
Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die Mtze sie
gren. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen Flaggenparade
erzhlt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das Wort nicht und
erwhnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts anderes. Item
wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne niedergang kompt,
so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem bersten
Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch ein laut
und gro Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder werden
etwan mit Stck Bchsen drey sch kurtz auff einander, zum zeichen der
nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt anderen
Pfeiffen und Trummen, berlaut zum dritten mal gegen de bersten Schiff
erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen Schiffen, so
umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gru mit dancksagen
erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber oder gantzer
nacht, nach dem es dem Herrn gefllig, empfangen.


*Flaschenpost*, die.

Wenn Schiffbrchige ihre letzten Gre auf einen Zettel schreiben, in
eine Flasche stecken und diese fest verschlossen ber Bord werfen, in
der Hoffnung, es werde ein gnstiger Strom sie an irgend eine
zivilisierte Kste treiben, so nennt man dies eine Flaschenpost, wiewohl
es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis) wenig genug zu tun hat.
Man wirft aber auch ohne schiffbrchig zu sein zuweilen Flaschenposten
ber Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und der Adresse des
Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die Richtung der
Meeresstrmung schlieen zu knnen.


*flau*,

flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung der Wind flaut ab,
wird schwcher; auch: das Interesse flaut ab, flaue Geschftszeit
etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen flieen,
strmen, schwimmen, waschen, splen, ableiten drfen, so ist das Wort
nicht nur jetzt seemnnisch, sondern ist es auch immer gewesen, und wir
htten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder im Wasser
schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich, matt, schwach,
kraftlos, gleichgltig (wie ein Waschlappen), verschwommen, bla.


*Flechting*, die.

Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an Backbord
entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die beiden
aber aus einem Tau, das in der Mitte ein groes Auge hat, mit dem es
ber den Top des Mastes gestreift wird, so da die eine Hlfte nach
Steuerbord, die andere Hlfte nach Backbord fhrt. Dieses Auge mu fest
um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast
geflochten wre. Da ihrer mehrere ber einander zu liegen kommen, so
sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also
seine Berechtigung.


*Flibustier*,

der = Seeruber, stammt in seiner gegenwrtigen Gestalt aus dem
Franzsischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein
Fhrschiff das den Namen flyboat fhrt und aus den Niederlanden
bernommen ist, wo es vlieboot heit, nach den Vlielandern auf Vlieland,
welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun
geschichtlich nur zu fest steht, da die Bewohner der ganzen friesischen
Kste von den ltesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre
nicht immer die Seefahrt als erlaubten Nahrungszweig betrieben,
sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben,
wie die binnenlndischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der
Landstrae, so knnte das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn nicht
die alte franzsische Form fribustier neben flibustier stnde. Das kann
ja nun eine der berall so beliebten aus sprachphysiologischen Grnden
geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wre es denkbar, da
dieses r als organisch angesehen werden knnte, und dann mte man das
Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und im Mittelalter
Vitalienbrder (s. d.) genannt, in amerikanischen Gewssern bucaneer,
franzsisch boucanier, von boucan einem caribischen Worte fr ruchern,
weil die ersten franzsischen Ansiedler auf Hayti wilde Ochsen und
Schweine jagten und ihr Fleisch rucherten, dann aber auch gegen die
Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende Kriegsschiffe; im
Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg ttig auf Seite
der Englnder, Durchluchtigste Seehelden I. 405: In allen diesen
grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht ber hundert Mann
geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch und durch
geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey- und zwantzig malen. Der
Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Khn war, das Schiff
Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber
davon gerettet. Einer von den hollndischen Vlie-Booten, der sich
durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen
Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder
acht Mann, die durch angewendeten grossen Flei erhalten wurden.


*Flieger*, der,

ein fr gewhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen berhaupt nicht
bliches Segel das nur bei gutem bestndigem Wetter zwischen dem
Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird, berhaupt
alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten Hilfsstagsegel.
Ein Schiff mit solchen gewhrt einen besonders schnen Anblick und kann
auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flge es.

Auf Wangerooge heit dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste
fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt.
Vergl. Verkliker.


*flott*,

ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne, der
Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein auf
der Suppe schwimmendes Fettauge. In bertragener Bedeutung flotter
Bursch, flotter Student, im 18. Jahrhundert zuerst in der
Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen
ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die,
im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im
Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelschsisch flowan und
fleotan, flieen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch
fleta flieen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued =
bewegliches, mobiles Gut, Mbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde
losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend
und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der
Seevorschrift zu: Iding thing is ter set umbe thes flodfarende
anckeren.

Wenn ein Schiff aufgefahren ist, so werden alle Versuche angestellt,
es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu bringen. In den
Durchlauchtigsten Seehelden 1681 wird flott = gehend gebraucht. Peter
Petersen Heyn, der hollndische Admiral, machte einen Anschlag wieder
die Portugiesen in Bahia, darber die Hollnder nicht mehr als fnfzig
Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter der Admiral
selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und einen Splitter
vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst dem Schiffe
Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen Geschtz
tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig mahl
getroffen ward, ward endlich wieder *flott oder gehend*, aber das
Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht
wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und
verlassen ward.


*Flotte*, die,

ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, Fischerflotte,
Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an Kriegsschiffen,
die deutsche Flotte etc. etc. Das Wort stammt von der unter flott
angegebenen Wurzel und hat sich selbstndig im niederdeutschen
Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein italienisches,
gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, spanisch flota,
franzsisch flotte. Aber unser Flotte hat mit ihnen nichts zu tun,
weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wrter auch von fluctus
kommen, da altfranzsisch flote Menge, Schwarm hie, -- man sagte flote
de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke --, ja wenn es auch
sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach Hochdeutschland -- *nach*
1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger es noch nicht kennt und statt
dessen Armada sagt, wie denn berhaupt seine Kenntnisse sich auf
sdliche Seemannswrter beschrnken, von der Hansa und deren
Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung -- nicht aus Niederdeutschland,
sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form in der es zuerst
auftrat: Flotta zu schlieen ist und um derentwillen es 1617 im
Teutschen Michel als Fremdwort verspottet worden ist, so bemerkt doch
Diez gewi richtig, da seine ursprngliche Bedeutung durch den Einflu
des niederlndischen vloot eine der modernen sich anbequemende nhere
Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den Ksten der Nordsee
Flotte schon frh eine Vereinigung von Schiffen bedeutet. Altfriesisch
flothe: ende thet bi der Elwa biland tha flothe. Und wenn auch im
Bewulf flota nur ein einzelnes Schiff bedeutet, so gengt das Wort
dennoch zum Beweis fr ein vom Mittelmeer unabhngiges Dasein.

Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs vom spanischen
flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert.

Der bersetzer der Durchluchtigsten Seehelden 1681 gebraucht das
Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander;
wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen
Sprachbewutsein, letzteres aus seinem Original, das hollndisch
geschrieben ist. Eine hollndische Flotte segelte 1628 nach Westindien
unter Pit Heyn. Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der
Fuchs, bekamen Befehl vorau zu segeln, und darob zu seyn, da sie de
Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn mchten. Und als sie sich
den zehenden Julii auf der Hhe von vierzehn Graden und sechs und
zwantzig Minuten, und de andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und
fnfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn
nmlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang de Mondes
vorau zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr wrden, der Flotte
solches mit einem Schu kund zu thun.


*Flut*, die,

das Zustrmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend mit Welle,
vielfach im bertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden, altfriesisch im
Sinne von Einfall, berfall: jenst den wilda witzinges (Seeruber)
floed). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen Wrtern von
der Wurzel plu, flu = flieen; davon gothisch flodus, Flut, altnordisch
flod, angelschsisch flod, althochdeutsch fluot; auch in vielen
slavischen Wrtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser, schwimmen
flieen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter Flut im
engeren und besonderen seemnnischen Sinne versteht, das ist der
Gegensatz zu Ebbe, das Heranflieen des kommenden, steigenden
Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, da Flut in der
Verbindung beider das grere Gewicht hat, so da bei Tide immerhin mehr
an die Flut als an die Ebbe gedacht wird.


*Fluttor* s. Schleuse.


*Fock*, die,

das unterste groe viereckige Segel an dem nach ihm benannten
*Fockmast*, entsprechend dem Grosegel am Gromast. War frher
dreieckig, was schon daraus hervorgeht, da es ein viereckiges Segel
gibt, das Breitfock heit; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche
Fock schmal d. h. dreieckig war, wofr auch der Name der Fock in den
romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch
traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher
Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig
ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; franzsisch
trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trgt. Es heit aber
auch mt de misne, von misne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der
bersetzung der hollndischen Wrter breefock und stagfock das Wort fock
beibehalten und foques de misne gesagt. Er rechtfertigt das mit
folgenden Worten: Comme on ne sait point quel nom ont en Franois ces
deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et  diverses sortes
de petits btimens, on prend la libert de leur donner celuici, qui peut
assez leur convnir, si en fet il n'y en avoit point encore d'autres;
et s'il y en a d'autres on sera oblig  ceux qui voudront les aprendre.
Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces
sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour--tour, selon le vent,
et jamais ensemble. C'est le mt o est la grande voile, qui les
soutient aussi: elles sont par-devant vis--vis de la foque de beaupr.
Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quare qui sert quand on a
vent arrire, ou vent largue; et quand on va  la bouline (beim Winde)
on l'te, et on lui substitue l'autre voile, apelle Stag-fok, qui est 
tiers point, et fort pointue par le haut. Unzweifelhaft ist also das
Wort niederlndisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach dem
Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum ad
proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort
focken = velefico. Focken hie also schon damals ganz einfach segeln,
wie es heute noch in Holland heit. Ganz im Allgemeinen aber hat das
mittelniederdeutsche focken den Sinn von *ziehen*, aufziehen. Die Fock
ist also ein *Ziehding*, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird
oder zieht. Das Nchstliegende ist wohl, daran zu denken, da sie
aufgezogen wird, so da also die Stagfock das Ursprngliche und
Namengebende wre. Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat,
warum soll man nicht vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wre dann
also die (Stag-)Fock als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich
herziehend gedacht.

So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, da
das Wort auch fr es zieht, es ist Zug, Zugluft gebraucht wird,
selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstrkt; dnisch fyge, in einem
Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden,
islndisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemhle,
fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern;
dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista
vocken = wehen.

Niederdeutsch heit Focke ein Ort, wo es zieht, ein Platz der dem Winde
sehr ausgesetzt ist.

Auch von dannen ziehen heit das Wort im Mittelniederdeutschen. Im
Reinke de Vos sucht der Fuchs den Wolf zu berreden, ihn frei zu
lassen. Der antwortet ihm aber:

      Og, wo sholdestu mi dnne fokken,
      Lete ik di los mid sodaneme lokken.

Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heit focken; in
Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines
Tieres, also fr erziehen und zchten, gebraucht; fokkere, Zchterei,
Viehhof, fokker, Erzieher, Zchter; doch ist zu bemerken, da das Wort
focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken
stammt, sondern eine niederdeutsche Form fr den Familiennamen Fugger
ist, die schon Kilian gebraucht hat fr Alleinhndler, Monopolist,
monopola, ja er sagt sogar pantopola vulgo fuggerus; fokerye =
monopolium.

Und damit ja keine Bedeutung von ziehen fehle, so heit
mittelniederdeutsch focken sogar jemanden aufziehen in der Bedeutung
von foppen.


*Fhrde*, die,

eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt (mundartlich
Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann in
Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprchwort: wen de forde krakd,
is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko. Altfriesisch
forda, daher der alte Name fr Mnster i. W.: Mimigardaforda; englisch
ford, Furt; altnordisch fjrdhr, schwedisch, dnisch fjord;
althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern von fahren,
weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Fhrde den verengerten Weg
darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flumndung hineinfhrt.


*Fracht*, die.

1. Gebhr fr Befrderung der Waren.

2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes,

3. die Ware selbst

Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprngliche. Man hat zur
Erklrung an das niederlndische Iterativum von fahren: verchen =
fhren, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem knnte das
schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware
in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine
Zusammenziehung von fertigen sein knnte, wobei zu bemerken ist, da
auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wre. (Fertig: bereit zum
Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen
frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; franzsisch fret, spanisch
flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt,
dnisch fragt; englisch freight. Mglicherweise steckt unser fragen in
frehton, da man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder
Ausbedingen des Lohnes fr die Befrderung von Ware zu denken htte.
Doch ist zu bedenken, da 1673 in der Beschriving van der Kunst der
Seefahrt Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist.


*Fregatte*,

jetzt ein groes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt und Gre
sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen berhaupt, so
besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben lt. Bis vor Kurzem
hieen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, die vor
zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hieen und die man jetzt Groe
Kreuzer nennen knnte, wenn sie nicht Schulschiffe wren und hieen,
Stein, Moltke, Gneisenau etc. etc., also Vollschiff mit
Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in seinem
Kayserlichen Kriegrecht, 1565, fhrt alle zehn Arten von Schiffen auf
die damals zu einer Armada gehrten:

Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit
ungefhrlichen nachfolgender gelegenheit zu halten frgenommen, demnach
ein oberster Kriegherr oder Potentat, stattliches oder geringes
vermgen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer
Armada zu verrcken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes
Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen
Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder
sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen,
etc.

Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein gro
gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der berst sampt sein
verordneten Kriegrhten, meistes theils eigner Person pflegt zu
erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegvolck, Geschtz,
Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit
widerstand versehen.

Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit
Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grsse, vor den Galeen zum
Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschtz, Kriegvolck,
Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehrt, oder der
sachen gem und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc.

Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen,
welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr
und streit mit gutem Geschtz und dero zugehr, nach dem besten mit
aller notturfft versehen.

Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen
Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff
oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten
versehen.

Zu dem fnfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen
und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so gro als die streit
Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen
angefhrt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden.

Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan
Mathonen[1] genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem
Feind mit Geschtz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben
Profandt und ander Kriegrstung, darinn und mit fort gebraucht mag
werden.

  [1] Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hiessen, so hat
  sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschrnkt auf
  einen Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht besonders
  wichtigen oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hiess
  Mattone nur ein Tau, das an einen am untersten Ende des Carro
  befindlichen Ring befestigt wird, und vermittelst welches man die
  Rahe nach hinten oder nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden
  will. Natrlich handelt es sich um eine lateinische Rahe, deren
  unterer Teil eben Carro heisst.

Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff,
auch zu gleich mit gutem leichtem Geschtz, und der Land oder Wasser art
und gelegenheit erkndiget, mit Kriegleuten wol besetzet, durch welche
der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmtzeln au und an zu
reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden.

Zu dem achten, folgen auch einer Armada, gro, lang, tieff, weit Nachen,
so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr,
wie andere, mit gefhrt, und nach notturfft in widerstand gerst und
versehen werden.

Zu dem neundten, werden erklrter massen mittel und ander klein Nachen,
welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit gefhrt, in
welchen auch nicht minder allerley nottrfftige Kriegrstung, neben zu
schiffen, mit verordnet und gefhrt werden.

Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff,
welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit
zu fhren verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen,
Kannen oder Weidling,[2] au oder in welchen von einem in das ander zu
fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was
gro, angehenckt, mit und fortgebracht, etc.

  [2] Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch fr Boot
  vor; ob ursprnglich korbartig aus Weiden geflochten?

Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen,
welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit
auszufhren ein berflu, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen
Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen
verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht
mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu,
etwan mit aufrechtem oder augesteckten Fendlein in ziemlicher weite von
dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung,
welche der zal nach nicht wol mglichen underschiedlich zu erklren,
dann ein Schiff etwan ber drey, vier odert fnffhundert Personen, so
hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer
notturfft pflegt zu ertragen, etc.

Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl
Frohnsperger doch sonst mit mittellndischen Seemannsausdrcken besser
bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen fhrt er unter den Schiffen
die auff der Donauw fahren eine Fregaten auf, und zwar als nit so
vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten, also
nichts Hervorragendes.

Auch hundert Jahre spter (1681) in den Durchluchtigsten Seehelden
bedeutet Fregatte noch nicht das groe Kriegsschiff spterer Zeiten,
sondern ungefhr das was wir heute einen Aviso nennen. Da lesen wir
nmlich bei Gelegenheit der Beschreibung der Seeschlacht von Lepanto:
Und als sie nun die Standarte des Verbndnsses, welche in der Mitten
ein Creutz hatte, zum Zeichen des Streites aufgestecket, wolte er
(nmlich der Oberbefehlshaber Don Jan, Don Juan d'Austria) noch einmal
in Person die ganze Flotte durchsehen, und nachdem er benebenst Louis de
Cordona und Johann Sora, auf eine *schnelle und leichte Fregatt* sich
begeben, gantz in weissen Waffen, und ein Christen-Bild in seiner linken
Hand haltend, hat er aller Orten den Leuten einen tapffern Muth
zugesprochen ... Aubin (1702) unterscheidet: Frgate legre: C'est un
vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un pont: il est
ordinairement mont depuis seize jusques  vingtcinq pices de canon.
Frgate d'avis: C'est un petit vaisseau qui porte des paquets et des
ordres  l'arme. On s'en sert aussi pour aller reconnotre les
vaisseux Frgaton: Cest un btiment Vnitien commun sur le golphe
Adriatique, coup  coupe quarr et qui porte un artimon, un grand mt
et un beaupr.

Roeding (1794): Ein dreymastiges Kriegsschiff, welches weniger als
fnfzig Kanonen fhrt. Die Fregatten sind berhaupt scharf gebaut und
zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie mssen dabei insonderheit die
Eigenschaft haben, gut beim Winde zu segeln, und auch bei schwerem
Winde See halten zu knnen, weil sie hauptschlich zum Kreuzen bey einer
Flotte gebraucht werden, oder die Bewegung des Feindes
auszukundschaften, Depeschen zu berbringen, Kauffahrer zu convoyieren
und dergleichen mehr. Also ganz Aviso.

Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine
nichtssagende Bezeichnung und heit eigentlich weiter nichts als Schiff.
Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit
demselben Rechte oder noch grerem kann man es etwas Gezimmertes
nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern;
fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata,
spanisch fragata, portugiesisch fragata, hollndisch fregat, dnisch
fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate.

Aus der neuen Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine,
Fregattenkapitn, Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitn
und Kapitn zur See, kann man ungefhr erkennen, wie hoch eine Fregatte
an magebender Stelle eingeschtzt wird: hher als eine Korvette und
niedriger als ein (von einem Kapitn zur See gefhrtes) Linienschiff.


*Freibord*, der.

Der ber Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der demselben die ntige
Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft darstellt. Je
*freier*, d. h. je hher *der Bord* sich ber das Wasser erhebt, ein je
grerer Teil des Schiffes sich also ber Wasser befindet, eine desto
grere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist klar wie wichtig es,
namentlich fr die offene, sturmbewegte See, sein mu, das richtige
Verhltnis des Freibords zum eingetauchten Teil des Schiffes, d. h. die
richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff seine volle Ladung
nehmen kann und doch nicht berladen wird. Man hat verschiedene Methoden
der Berechnung angewandt, Ratschlge erteilt, die Sache wissenschaftlich
erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze gegeben, in Deutschland, dem
Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein staatliches, kein
Reichstiefladeliniengesetz, auch kein Tiefladelinienzwang; nur ein
freiwilliger Versuch ist 1900 unter Kaiserlicher Belobigung gemacht
worden.


*Freiwache*, s. Wache.


*Frischwachs*, das,

spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele, aber etwas derb. Der
Name ist ebenso sonderbar wie das, brigens schon vor mehr als 200
Jahren von uns aus zu den Franzosen bergegangene, Spiel. Es besteht
darin, da einer stehend sich mit dem Kopf in den Schoo eines ihm
gegenber Sitzenden neigt und so sich die Hosen spannt. Dann hauen die
Umstehenden mit der flachen Hand ihn krftig, manchmal recht krftig auf
den Hinteren, und er soll nach dem Gefhl erraten, wer ihn geschlagen
hat. Gelingt es ihm, so mu der Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt
es -- wie meistens -- nicht, oder doch nicht auf den ersten Schlag, so
geht das Spiel weiter und es wachsen die Schlge frisch, d. h. immer
wieder aufs Neue, wie jedes Jahr der Kohl wieder frisch wchst.


*Frischwasser*, das,

heit jedes auch noch so alte Swasser im Gegensatz zu Salz-, See-
oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist seit Erfindung der
Destillierapparate nicht mehr so brennend wie frher, wo sie eine
Lebensfrage war fr seegehende Schiffe und belagerte Festungen. Man hat
daher lange ber die Frage der Herstellung von Swasser aus Salzwasser
nachgedacht, Prmien ausgeschrieben und viele vergebliche Versuche
angestellt, bis unsere Zeit die verhltnismig so einfache Sache zu
Stande brachte, die brigens schon einmal der Lsung nahe gewesen zu
sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi durch die Trken
1560 entstand unter den Belagerten eine groe Not, indem der Mangel an
Wasser in der Festung je lnger je grsser ward, woraus erfolgete, da
sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und backen, wie auch die Speise
kochen muten, die doch ohne dieses, damit sie desto lnger sollte
wehren, an sich selbst gesaltzen genug war. Welches alles, nebenst der
beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den Durst noch grsser machte.
Diesen gewaltigen Durst, entweder zu entgehen, oder zu mindern, durfften
die armen Leute nicht wohl genug essen, wodurch sie so verschmachteten,
da sie sich selber schwerlich auf den Beinen halten, ich geschweige
denn, die Arbeit und den Streit ausstehn konnten, und warlich dieses
machte sie verzweifelt, da sie lieber wnschten zu sterben, als zu
leben, und die noch das Leben etlichermaen lieben konnten, erwehleten
etwas anders, das noch schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber
in der Trken Hnde, fr denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten,
und verkauften ihre theure und kstliche Freiheit fr einen schlechten
Bauch voll Wassers. Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte,
verlor seinen Prei und Werth, angesehn ein gro Stck Geldes nicht
genug war ein klein Fa voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher
alles genau aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande frgefallen,
erzehlet, da einer ist gefunden worden, der alle seine Gter, die viel
tausend Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze
Zeit ber, dieser ussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen
wrde.

Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren
und berziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, fr welche
Erfindung ihm Don Alvaro eine groe Verehrung versprochen. Also lie er
durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen,
weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte,
und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man
doch des Tages nicht mehr, als fnff und dreissig Barilen, oder kleine
Vlein, und biweilen nicht mehr als fnff und zwantzig berziehen,
welches ein kleiner Vorrat fr so viel Volcks war. Dieses
berdistillierte Wasser ward so ssse befunden, da wenn es mit Wasser
aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war,
dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte
demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fnfftzig Vgen
Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und
hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen
gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages fr einen jeden
Soldaten, der in dem Gewehr, und eines fr denjenigen, so nicht bewehret
war.


*Fuke*, die,

beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wrterbuch I 567 als ein Stellnetz mit
weit aufgesperrten Seitenflgeln, was sich nach innen zu immer mehr
verengt und hinten eine kleine ffnung zum Durchschlpfen der Fische
hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus) vorgebunden
wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit Leichtigkeit
herausnehmen zu knnen. Fig. Enge, Klemme, Bedrngnis. Es gibt auch
noch ein friesisches Wort fak = Fischbehlter, Umzunung im Wasser fr
den Fischfang; beide kommen offenbar -- verwandt mit pangere von einer
Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen,
umschlieen.


*Fuse* s. Bake.




G.


*Gaan achter!*

und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf Handelsschiffen fters
gehrt. Auf Kriegsschiffen wird: Rund achtern, Rund vorn!
kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf dieses
Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem einen Bord
nach dem andern drehen und das knnen sie nicht ohne da man an das
Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die niederdeutsche
Form fr gehen, gemeint ist rund gehen.


*Gaffel*, die.

Wenn man in deutschen Wrterbchern liest: Gaffel, eine Art Rahe, so
ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht einmal richtig.
Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und Gaffelsegel grade mit
Rcksicht darauf unterschieden und auseinandergehalten, ob sie an einer
Rahe, ob sie an einer Gaffel befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so
steht die Rahe quer zur Lngsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt
mit ihr in einer Linie. Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelfrmigen
Gestalt in der sie sich an den (Schnau-) Mast anschliet, ihn gaffel-,
gabelartig umfassend. Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche
gibil = Giebel in Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in
gabelfrmiger Gestalt, so da die beiden Giebelbalken, am Dachfirst
bereinander ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl,
gabelfrmige Giebelwand), verwandt mit gebal, Schdel, und also mit dem
griechischen kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den
Giebel kann man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses
vorstellen. Von der (gabelfrmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst
die Bedeutung Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen,
gabala, mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme
von geben, aber dann mte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn
Egabeln sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre
her, da ein Altenaer Drahtzieher sich ber solch ein Ding als etwas ihm
Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre
Leute aufforderte: Kinner, wasket iuk de finger, vi hett silad. Von
der hnlichkeit mit Giebel kme dann weiter gapan = gaffen, klaffen,
ghnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde
in der germanischen Mythologie. Franzsisch gable = Giebel. Dietz sagt,
das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; da indessen das
Wort in den brigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer
sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nchste Quelle
zurckzuleiten. Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wre der Name des
gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzhlt nach
Jornandes, die Gothen wren anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit
dreien Schiffen ausgefahren. Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer
wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheien und davon
bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden. Die gewhnliche Ableitung von
beiten (goth. beidan) warten ist unzulssig, die hier gegebene von
Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natrlich; das Wort bedeutet: das
Maul aufsperren, stutzen, ghnen, und hat gleich dem lat. hiare den
Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.


*Gaffelgeer*, s. Geer.


*Gaffelklau*, s. Klau.


*Gala*, die.

Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen Gelegenheiten.
Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches Wort geili,
ppigkeit, Stolz, Prunk, und das wrde der Bedeutung nach das Etymon
sein knnen; auch knnte man an das althochdeutsche galan denken,
welches singen, (daher Nachtigal), frhlich sein, Feste feiern bedeutet,
so da Gala also ein Festgewand wre. Das ist es auch, aber der deutsche
Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen Anknpfungspunkt,
whrend im Spanischen gala schon frh Feierkleid, Anstand, Anmut heit.
Da liegt der Gedanke an das arabische chalach, Ehrenkleid als
frstliches Geschenk, so nahe, da wir ihn nicht abweisen drfen, wenn
uns einer mit dem griechischen kalos, schn, oder agallein schmcken,
dazwischen kommen mchte.


*Galeere*,

Galei, Galeide, Galee, Gal, Galea, Galia, Galine, Galeasse, Galeone,
Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra, Galeota u. s.
w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen einfachste
Gestalt Galee ist. Bei allen landesblichen Verschiedenheiten ist doch
bis in die neuere Zeit dies festgehalten worden: es handelt sich um ein
*schmales* Schiff das *gerudert* wird, oder, wenn es fr gewhnlich auch
segelt, doch in gewissen Fllen gerudert werden kann. Hier eine
lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem Jahre 1501: Galeacearum
quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in detecto autem totidem
pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero singulas ponderis mille
librarum computant ... Galeacearum quaelibet ducentorum fere hominum
ministerio, stipendio conductorum indigere videtur. Ad remorum, ac
velorum administrationem, centum quinquaginta addicuntur, tot enim remos
quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii magnitudinem remis parum utantur)
affert. Nam solo tempore malaciarum, ut proximum aliquem portum
ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam partem mutent, et convolvant,
remis agitur. Und eine niederdeutsche (Rostock 1519): So we avervaret
mit einer Galleiden, dat is ein lankhaftich schip, unde geit van dem
einen over bet to dem anderen jo bilank dem overe unde holt alle nacht
to lande, unde heft sostich banke in beiden halven, unde to jewelker
bank horen dre man mit roderen unde en schutte, unde nemet alle dage
versche spise unde kost, des men in den koggen nicht hebben mach.

Zur Erklrung hat man auch hier gemeint, das Arabische heranziehen zu
sollen und an chlia, junges Kamel, dann kleines Schiff gedacht. Und wer
wte nicht, da umgekehrt das Kamel oft genug das Schiff der Wste
genannt worden ist. Aber wir haben eine nhere, bessere Erklrung: das
griechische galeos, Haifisch, oder galeotes, Schwertfisch. Namentlich
die Gestalt des letzteren drfte bei der Benennung den Ausschlag gegeben
haben, war auch besonders passend wegen des Rammsporns von dem wir in
einer alten Beschreibung der Galea lesen: lignum a prora praefixum
habet et vulgo calcar dicitur, quo rates hostium transfiguntur
percussae. Althochdeutsch galie, galine = Galeere, langes Ruderschiff,
davon galiner, Schiffer auf einer galine, und galinhus, Schiffshaus,
Arsenal. Mittelhochdeutsch hie galiot Seeruber, Schiffer, Fhrmann,
eigentlich Galeerensklave. Gerade durch die armen an die Ruderbank Jahre
lang Tag und Nacht angeschmiedeten Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu
weiterer Verbreitung gelangt als andere mittelalterliche
Schiffsausdrcke.

Fr unsere heimische Seefahrt kommen jetzt nur noch (Galeassen)
Galjassen (s. Fastgalja) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge
sagt galjot, haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von
den Galjassen mit plattem Heck unterscheiden.


*Galion*, *Gallion*, das,

ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem, ehe der
Eisenschiffbau alle alten Formen ber den Haufen warf, ragte das Gallion
mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schn
geschwungener Form, so da von dem Verlauf seiner Linien viel von der
Schnheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unntze
Beschwerung des Vorschiffes und befrderte die Kielgebrechlichkeit. Bald
wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei brig sein.

1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion berragte eignete es
sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als
Leitungsrhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grtings
reinhlt fhrt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion
gegangen wie der Kombse. Es ist an irgend einen passenden Ort im
Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben.

2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des
Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmckt ist.
Der Schmuck mu in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trgt es den
Namen eines Menschen, so ist dessen Bste blich; eines Tieres, so wird
das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich
mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u. s. w. In den
Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschlielich der
niederlndische Lwe verwandt, so da der Lwe gleichbedeutend mit
Gallionsbild war.

Der Name Galion bezeichnete Jahrhunderte hindurch namentlich in
Spanien und Portugal, schwere dreimastige Kriegsschiffe, s. Galeere. Es
kam vor, da Galionen einen Vorbau hatten von mehr als dem zehnten Teil
ihrer ganzen Lnge. Als nun der Name als Bezeichnung einer
Schiffsgattung auer Gebrauch kam, ist er wenigstens in eingeschrnkter
Bedeutung als Bezeichnung des vordersten Teiles, des Teiles der fr jene
Schiffe besonders bezeichnend war, geblieben. Und zwar ging das so zu,
da lngere Zeit hindurch Galion beides hie: Schiff und Vorbau; Kilian:
galeon navis major und rostrum navis.

Die Edda, die ein Gallion nicht kennt, kennt aber ein geschnitztes Bild
am Vorsteven, das offenbar das Bild eines menschlichen Gesichtes
vorstellen sollte, denn es hie grima, die Maske. Wenn sie daher den
vordersten Teil des Schiffes hofud, Haupt, nennt, so ist das nicht blo
dichterisch zu verstehen, sondern wir haben dabei an ein wirkliches, am
Vorsteven angebrachtes Gallionsbild in Gestalt eines menschlichen
Hauptes zu denken.

Bei den Alten nannte man zwei starke mit eisernen Spitzen versehene
Balken am Vorderteil der Kriegsschiffe rostra, Schnbel; griechisch
embola. Mit denselben suchte man die feindlichen Schiffe zu rammen. Die
den Antiaten abgenommenen Rostra wurden als Siegestrophen auf dem Forum
aufbewahrt, woher dann die Rednerbhne und der sie umgebende Raum den
Namen rostra fhrte. Bekannt ist die columna rostrata des Duilius.


*Garn*, das,

ein dnnes Gespinst aus Hanf, einfach, doppelt, drei- und mehrfach
zusammengedreht. Das dnnste ist das Nhgarn, zweidrhtig zum Nhen der
Segel. Dann kommt das Segelgarn, dann das Kabelgarn, das zu allen Arten
von Tauwerk zusammengeschlagen wird; Schiemannsgarn s. Schiemann,
Stogarn, Liengarn, Trensgarn u. s. w. Gewisse Arten, z. B.
Schiemannsgarn, wurden frher an Bord selbst gesponnen und mit einer
Mhle, Woid genannt, gedreht. Daher bildlich ein Garn spinnen = eine
Geschichte erzhlen indem man sehr ausfhrlich wird und die Sache in die
Lnge zieht.


*Gangspill* s. Spill.


*Garnat* s. Stagtalje.

Nicht zu verwechseln mit dem kleinen wohlschmeckenden Seekrustentier,
das in Holland Garneele und Graneele, in Ostfriesland Garnat und Granat
heit. Letzteres ist offenbar die ursprngliche Bezeichnung wegen der
beiden eigentmlichen und sehr aufflligen Fhlhrner die ganz wie
Gerstengrannen aussehen.


*Gat*, das,

oft in der Verkleinerungsform Gatje oder Gatchen, heit eigentlich
nichts anderes als Loch, sei es fr sich allein, sei es in Verbindungen
wie Hellegat, Speigat, Soldatengat. Die Grundbedeutung ist: ffnung
durch die man oder etwas hindurchgehen kann, von der Wurzel ga = gehen.
Gothisch gatoo, althochdeutsch gaza, Gasse; altnordisch gata, Pfad,
schmaler Gang. Bewulf geat = ffnung, Tor, durch das gegangen wird;
Edda: gatt, Eingang, Tr (Gatter). Teuthonista: gat = hol, lock. Bei
Kilianus hat gat schon die Bedeutung, die im Mittelniederdeutschen weit
verbreitet war (und es in Holland heute noch ist: foramen podicis, so
da dorten sogar der sogen. cul de Paris het gatje hie:) Unde hadde
one yn deme water ghehat, mit beyden benen wente an dat gath. Unser
vyande stryt is dat, dat se uns vleigen in dat gat. So prechtig seten
er de Kleder up er gat.

berhaupt heit wie das Hinterteil eines jeden Dinges, so auch besonders
des Schiffes Gat. Ein rundgattet Schiff ist ein Schiff mit rundem,
gerundetem Heck, im Gegensatz zu einem plattgatteten.

Gat wird auch topographisch gebraucht fr eine enge Durchfahrt, z. B.
Kattegat (Katzengat), Schottegat auf Curaao: Waghenaer, 1588, schreibt:
Van Garmsey tot Jarsey S. O. ontrent vyf mylen, al waer mede goede Rede
is: van Jarsey tot S. Malo ontrent Zuyden ist acht mylen ende is een tye
hauen daer Clippen voor 'tgat liggen.


*Garnierung* s. Wgerung.


*Gast*, der.

Dieses Wort wird in besonderem seemnnischem Sinne gebraucht um einen
Mann (Matrosen etc. etc.) zu bezeichnen der vorbergehend irgendwo einen
Posten auszufllen hat, z. B. Oberbramsegelsgast, Rudergast, Bootsgast.
Aber auch (eigentlich flschlich, da Gast doch nur einen irgendwo
vorbergehend sich Aufhaltenden bedeutet) zur Bezeichnung einer
dauernden Verwendung, wie Steuermannsgast; ja sogar eines
*Lebensberufes*: Zimmermanns-, Bckers-, Malers- etc. etc. Gast.
Mehrzahl sonst meist Gasten, jetzt mehr Gste, da das Hochdeutsche ber
das Niederdeutsche die Oberhand gewinnt. Sowohl unserem Gast als dem
lateinischen hostis liegt die westindogermanische Form ghostis =
Fremdling zu Grunde, (dessen Wurzel ghas = essen sein soll, so da ein
Gast also zuerst als Esser erscheint). Beachtenswert ist sagt Kluge
treffend, nach wie verschiedenen Seiten Germanen und Rmer das alt
ererbte Wort fr Fremdling begrifflich umgebildet haben: dem Rmer
wird der Fremdling zum Feind, bei den Germanen geniet er die grten
Vorrechte.

In Holland und Ostfriesland heien die Armenhuser Gasthuser,
entsprechend den hochdeutschen Elendenherbergen, Unterkunftssttten *fr
Fremde*.


*Gebeling*, die,

(auch wohl Gobelung) ist eine im Laderaum angebrachte Bretterwand, die
in der Kielrichtung luft und verhten soll, da die Ladung bergeht, d.
h. beim Schlingern von der einen auf die andere Seite geschleudert
wird. An das niederdeutsche Zeitwort kippen, das allerdings sich auf die
Seite legen, strzen, fallen, rcken, hin- und herbewegen, stoen,
schlagen, umschlagen bedeutet, ist nicht zu denken, schon darum nicht,
weil diese Wand gerade das Umschlagen der Ladung verhindern soll.
Offenbar ist Gebeling eine niederdeutsche Weiterbildung von Giebel,
ostfriesisch gfel, sonst niederdeutsch und niederlndisch gevel. Denn
dieses gevel heit nicht nur Giebel, sondern auch -- ebenso wie Giebel
auch -- Giebelwand, und hieraus konnte sich leicht der allgemeine
Begriff Wand entwickeln. Vergleiche altnordisch gafl, Giebel, Endwand
eines Hauses; norwegisch gavl, Endbrett, Querbrett.

Durch die niederlndische Form geveling, die dnische geveling oder die
schwedische gafling hat sich Roeding verleiten lassen, anstatt Gebeling
Geweling zu schreiben, wozu im Deutschen kein Grund vorhanden ist.


*Geck*, der.

1. Die Gabelstange einer Pumpe, in der der Geckstock, der
Pumpenschwengel, sich dreht.

2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz.

Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk
bedeutet, so ist anzunehmen, da der Begriff des Drehens, des Drehbaren
in diesen Wrtern steckt. Vielleicht gehrt auch Geck = Narr dazu, weil
ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch
gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig.


*Geer*, die,

auch die Geerde genannt, von welchem Worte Geer nur eine verkrzte Form
ist; meist, weil sie paarweise auftreten, in der Mehrzahl die Geeren,
und weil sie zur Gaffel gehren, Gaffelgeeren genannt; niederlndisch
geerden, dnisch gerderne, schwedisch garder. Es sind die beiden
Halttaue die die Gaffel von Steuerbord und von Backbord festhalten; wenn
das Gaffelsegel nicht steht, halten die Geeren die Gaffel zu gleichen
Teilen mittschiffs; steht es, so hlt nur die Luvgeer. Aber allemal ist
das Halten der Gaffel die Hauptsache, und wir haben hier die seltene
Erscheinung, da auch einmal ein franzsisches Wort das einen Teil der
Takelage bezeichnet, aus Frankreich nach den Niederlanden und nach
Niederdeutschland seinen Weg genommen hat. On appelle Gardes ou Palans
de Gardes (Vangs), les deux palans qui servent  maintenir la corne
d'artimon, et qui,  cet effet, sont frapps  son estrmit et
agissent de chaque ct du couronnement o ils sont accrochs, chacun, 
un piton; ce sont, en quelque sorte, les bras de la corne. (Bonnefoux
et Paris, Dictionnaire de Marine). Maintenir ist die Aufgabe der Geeren
und das wird durch garder ausgedrckt; davon garde; davon Geerd; davon
Geer. Indessen haben die Franzosen, als sie uns das Wort gaben, nur eine
alte Schuld zurckgezahlt, denn garder ist unser altes, gutes, deutsches
warten = hten, schtzen, wahren, bewahren, halten. Die Rckzahlung
scheint aber spt erfolgt zu sein, da 1702 garde in diesem Sinne
(Aubin), wie es scheint, selbst in Frankreich noch nicht bekannt war.


*Gefechtsmars*, der.

*Gefechtsmast*, der,

beides Errungenschaften des modernen Kriegsschiffsbaues, der nur noch
auf den Dampf als Fortbewegungsmittel denkt. Gesegelt wird nicht mehr
oder doch kaum mehr. So braucht man auch keine Masten und Rahen zum
Segeln mehr, und keine Marsen von denen aus die oberen Segel bedient
werden. Aber die Marsen der alten Kriegsschiffe hatten nicht nur ihren
eigentlichen, seemnnischen, sondern auch einen kriegerischen Zweck, sie
wurden im Gefecht als Station fr die Scharfschtzen gebraucht. Und
diesem Zweck zu Liebe hat man dem Mars nicht ganz den Garaus gemacht.
Man macht zum Hauptzweck was frher Nebenzweck war und baut einen
Gefechtsmars. Da ein Mars aber ohne Mast nicht mglich ist, so baut man
auch einen Gefechtsmast. Es ist vom Alten jedoch nur der alte Name
geblieben.


*Gehr*, die,

auch die *Gehrung*, nennt man das spitze, schmale, dreieckige Zulaufen
der Ecken eines Segels, auf Gehrung schneiden heit ein Segel spitz
zuschneiden. Zu vergleichen ist das ostfriesische gren, niederlndisch
geeren, schrg oder spitz zulaufen oder auslaufen, einen Winkel oder ein
Dreieck bilden. Mit dem uralten Worte Geer das einem am Niederrhein
siegreich vordringenden Heerhaufen deutscher Krieger den Namen Germanen
eingetragen hat, hat unser Wort nur auf ziemlichem Umwege etwas zu tun.
Zuerst kommt vielmehr (Graff, althochdeutscher Sprachschatz) gero in
Betracht, nordisch geiri, friesisch gara-segmentum panni figura
triqueta; altfriesisch gara, Schoo: Teuthonista ghere = Zipfel, Schoo;
Kilian gheere = sinus, limbus; heute noch in hochdeutschen Mundarten
Gehre = Scho; niederdeutsch gre und gere = Keil, Zipfel, Rockschoo,
lngliches dreieckiges Stck Land. Den Ausschlag bei der Benennung hat
also die Form dieses Teils vom Segel gegeben, die figura triqueta. Aber
auch der Ger der Germanen lief spitz zu, und ist darum sicher ein Vetter
dieser Gehr.

Nicht nur in der Segelmacherwerkstatt, sondern auch beim
Tischlerhandwerk ist das Wort Gehrung im Gebrauch und bedeutet hier das
spitze Zulaufen zweier Hlzer die unter irgend einem Winkel
zusammenstoen sollen; der angewandte Schnitt heit Gehrungsschnitt.
Sollen z. B. zwei Leisten unter einem rechten Winkel zusammenstoen, so
wird bei jedem ein Gehrungsschnitt von 45 gemacht.


*Geien*

nennt man die Ttigkeit die mittels der *Geitaue* (s. aufgeien) ausgebt
wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen hochzieht,
zusammenfat und durch die Gei- (und andere, siehe Nock- und
Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hlt, da sie von den auf den
Rahen ausliegenden Matrosen mit den Hnden gerafft und festgemacht
werden knnen. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das,
wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel,
Geiktau getrbt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus
verschiedene Wrter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die
Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat,
man msse wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da
doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflut sein kann.

Unser geien mte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es
auch meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort
gaden das sich zusammenfgen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden,
aneinanderschlieen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine
Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch
das Niederdeutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d ausfallen und mit
einem i- y- oder j-artigen Laut klingen lt, vergl. das niederlndische
muijen das aus muiden entstanden ist oder unser rojen = rudern
(mittelniederdeutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen =
roden, moje = mde etc. etc. Der Form nach wrde also der Ableitung
geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst
recht nicht entgegen.

Die Ableitung von Geiktau, Geichel etc. etc. s. unter Giek.


*Gemallte Tiefe* s. abmallen.


*Genickstag* s. Stag.


*Geschwader*, das.

Ein Kommandoverband von mehreren Kriegsschiffen unter einem Admiral. Die
lteste niederdeutsche Form in der mir das Wort begegnet ist, ist geswad
in Renner, Livl. Hist.: He belegerde Revel mit 25000 Russen, 4 geswade
haveluiden ... mit 22 fenlin landsknechten und elven geswader
haveluiden. Diese haveluiden waren wohl Hofbesitzer und es drften
daher unter diesen Geschwadern Reiter-Verbnde zu verstehen sein, so
dass also am Lande sich frhzeitig die gegenwrtige Bedeutung Schwadron
herausgebildet hat.

Zunchst bedeutet es aber nur ein Viereck von Soldaten, denn es stammt
von quatuor ab. Zu vergleichen ist das italienische, spanische,
portugiesische quadro = Viereck, Rahmen, Gemlde, franzsisch cadre,
Rahmen (auch im militrischen Sinne); dann weiter: italienisch squadra
-- vielleicht aus exquatra --, spanisch esquadra, franzsisch equerre,
Winkelmass, Viereck von Leuten, Rotte; endlich: spanisch esquadron,
franzsisch escadron, Heeresabteilung. Kilianus hat squadron = agmen
quadratus, das Wort ist demnach wohl unter Karl V nach Deutschland
gekommen. Die einfachste deutsche Form ist Schwadron; Geschwader ist
durch Hinzufgung der Vorsilbe ge und dadurch bedingte Abschwchung der
Endung entstanden. Das Prfix ge findet sich oft, man denke an Ge-fahr,
Ge-spann, Ge-nade, Ge-laube, Glck = Gelck.

Erst spt ist das Wort in seemnnischen Gebrauch genommen worden; bei
Roeding 1794 begegnete es mir zum ersten Male; sonst sagte man immer
Flotte.


*Gestade*, das,

jetzt allgemein fr Kste gebraucht, ursprnglich aber ein Ort an der
Kste, ein Platz am Ufer wo man nicht nur Waren fr die Schiffe, sondern
auch diese selbst aufstellen konnte, also eine Hafenanlage mit einfachen
Aufschleppvorrichtungen. Vom althochdeutschen stadon, mittelhochdeutsch
staden im Sinne von landen, am Lande die Schiffsgter aufstellen, also
eigentlich Landungsstelle; oberdeutsch Staden; althochdeutsch stad,
mittelhochdeutsch stade. Der eigentliche Begriff ist der von irgendwo
hinstellen und dadurch das, was vorher in Bewegung war zur Ruhe zu
bringen; daher bestatten sowohl begraben als auch heiraten bedeuten
kann.

Die Vorsilbe ge ist dieselbe wie in Geschwader und in Gezeiten.


*Gezeiten*, die.

Das Wort getide hiess mittelniederdeutsch 1. ganz allgemein Zeit im
Sinne eines Sammelbegriffes, to allen getiden, in aeternum. 2. Die
Zeit die *eine* Ebbe und *eine* Flut umfat: in jeder etmahl (s. Etmal)
vorachtert das getide 4/5 parten von ein Uhr. 3. Die kanonische Horen;
dar was eyn yunck broder, de so verkeert was dat he ghene ghetyde en
wolde lesen.

Althochdeutsch gizit, mittelhochdeutsch gezit = Zeit, hora,
Gebetsstunde, altschsisch getidi, horae canonicae. Jetzt wird das Wort
nur noch seemnnisch und zwar hydrographisch-astronomisch-meteorologisch
gebraucht als Gesamtbezeichnung, als zusammenfassender Allgemeinbegriff
fr Ebbe und Flut und was damit in Verbindung steht; Gezeitenberechnung,
Gezeitentafeln etc. etc. s. a. Tide.

Breusing: Es ist unter unseren Geographen die Meinung verbreitet, als
ob das hochdeutsche Wort Gezeit von Heinrich Berghaus erfunden,
jedenfalls zuerst gebraucht sei. Das ist irrig; es tritt bereits im 16.
Jahrhundert auf. Zuerst ist es mir begegnet in Guicciardini:
Beschreibung der Niederlande; Frankfurt, 1582, fol. pag. 17 ff. Dann im
17. Jahrhundert in: Amerika durch Ziegler, bei de Bry; Frankfurt, 1617,
fol. pag. 350. Im 18. Jahrhundert findet es sich in Krnitz'
Encyklopdie, s. v. 18. Thl. 1779. Letzterer hat bereits die Gezeit,
whrend Ziegler noch dem ndd. das getide entsprechend das Gezeit hat.
Ich verstehe nicht, weshalb man sich von manchen Seiten gegen den
Gebrauch des guten hochdeutschen Wortes strubt, und mchte lieber
sehen, dass sich unsere geographischen Lehrbcher endlich einmal von dem
Worte Nippfluten, engl. neaptides, lossagten, welches kein deutscher
Seemann und Kstenbewohner, wenn er nicht englisch kann, versteht,
geschweige denn gebraucht, s. Nipfluth.


*Giek*, das,

auch Geik, deutlicher der Giekbaum, ist die Spier mit der der unterste
Teil eines nach ihm benannten Gieksegels ausgesetzt wird; in der Marine
nur bei Bootssegeln in Gebrauch. Der Giekbaum hat an dem inneren Ende
einen Haken der in das Auge eines um den Mast liegenden Bgels gehakt
wird, in dem dann der Giekbaum sich dreht. Giek hat demnach mit Geck
dieselbe Bedeutung: drehen, sich drehend bewegen, beweglich sein. Das
Tau womit der Giekbaum aufgetoppt wird heisst nach ihm Giektau, Geiktau,
Geichel. Auffallend ist, dass dieselbe Spier, die Giek heisst, auch Giep
(s. d.) genannt wird.


*Gien*, das,

ist nichts weiter als unser deutsches Tackel, also eine Talje von
besonderer Strke, welche dadurch erzielt wird, dass man anstatt der
einscheibigen drei- oder vierscheibige Blcke nimmt. Es dient zum
Bewegen besonders schwerer Lasten. So gab es zur Zeit, da die
Kriegsdampfer noch zum Segeln eingerichtet waren, eine Vorrichtung die
Schraube zu lichten, damit dieselbe die Fahrt nicht hemme; solches
Schraubelichten geschah mit einem Schraubengien, einem sehr starken
Takel, das eine Trosse von ungewhnlicher Strke bewegte, die um die
Scheibe des Schraubenheberahmens gelegt ward (und wohl auch fr sich
allein Gien genannt ward, aber nur im Sinn des pars pro toto). Es ist
also ein Gien das in der Mechanik unter dem Namen Flaschenzug bekannte
Werkzeug in besonderer Verstrkung. Das Wort kommt durchs Englische vom
lateinischen ingenium, ist also mit Ingenieur verwandt und stellt eine
(verkrzte) Zusammenziehung von engine dar, welch letzterer Name der
Vorrichtung um so eher gegeben werden konnte, als frher man sie noch
komplizierter (mit einem Bock etc.) herstellte. Gin a contraction of
engine, 1. A machine or instrument by which the mechanical powers are
employed in aid of human strength; especially a machine used instead of
a crane, consisting essentially of three poles from 12 to 15 feet in
length, often tapering from the lower extremity to the top, and united
together at their upper extremities, whence a block and tackle is
suspended, the lower extremities being planted in the ground about 8 or
9 feet asunder, and there being a kind of windlass attached to two of
the legs. Mit gin, dem von juniperus ginevra herkommenden Branntwein
hat das Wort nichts zu thun.

*Gienblock*, *Gienlufer*, *Gientau* erklren sich nach dem Gesagten von
selbst.


*gieren.*

Wenn ein Schiff nach irgend einer Seite hin von dem vorgeschriebenen
Kurse vorschriftswidrig abweicht, so giert es; sei es dass solches durch
Schuld der Leute am Ruder, sei es dass es durch die eigentmliche Bauart
des Schiffes verursacht ist. Ein Schiff ist luvgierig, wenn es das
Bestreben hat nach Luv, leegierig, wenn es das Bestreben hat nach Lee
abzuweichen; doch gieren die meisten Schiffe dann an meisten wenn sie
recht vor dem Winde segeln. Das ist ein Nachteil, weil der Weg
verlngert wird. Wird aber beim Winde gesteuert und ein Schiff ist
luvgierig, so knnen die Segel leicht anfangen zu giepen, ja das Schiff
kann durchdrehen. Das Wort bedeutet nichts anderes als unser begierig
sein, ein starkes, heftiges, sinnliches Streben nach etwas haben. Im
Ostfriesischen wird gieren nicht bloss seemnnisch gebraucht, sondern
auch sonst im Sinne von abirren vom rechten Wege, ablenken, abschwenken,
auch im moralischen Sinne: ausschweifen; man sagte frher auch begieren
anstatt begehren. Im Jahre 1605 war ein Mdchen geschwngert und dafr
von dem frstlichen Matrimonial-Kommissarius zu schwerer Geldstrafe oder
Landesverweisung verurteilt worden. (Der Mann kam in solchen Fllen
billiger weg). Da sie nicht alles bezahlen konnte, legten sich die
wenigen Nonnen, die noch als Staatspensionrinnen in dem (aufgehobenen)
Kloster Thedingen wohnten ins Mittel und machten an den Frsten eine
Eingabe: Sonsten aber presentiren sich die Conventualen zu Tedingen,
wofern S. G. sich an den Brchen nichts abgehn lassen wollen, solches
und wa Ihre Gn. *begierten*, an ihrem Kostgeld abziehen zu lassen,
(Rentei-Rechnung des Amtes Leer).


*Giep*, das,

ist der Sache nach dasselbe wie Giek (s. d.) nur wird bei dieser
Benennung die Sache von einer anderen Seite aus angesehen. Whrend man
bei Giek das Bewegliche im Auge hat, denkt man bei Giep an das
Gespreizte, Auseinandergesperrte, indem giepen von gapen weiter gebildet
ist wie gibbeln von gabbeln; gapen aber heit ghnen, den Mund
aufmachen, ihn weit auseinander machen. Von Giep gibt es ein Zeitwort
*giepen*, das bezeichnet was man bei Rahesegeln durchdrehen nennt, eine
Eule fangen. Wenn das Gieksegel von vorne Wind fat und zurckschlgt,
was entweder durch pltzliches Umschlagen des Windes oder beim
Aufkreuzen und Beimwindeliegen durch Unachtsamkeit des Steuernden
geschehen kann, so schlgt das Giep auf die andere Seite, das nennt man
giepen. Durch dieses Zurckschlagen, behauptet Roeding, seien schon im
Boot sitzende Leute erschlagen oder ber Bord geschleudert worden. Daher
wird von vorsichtigen Seeleuten der Giekbaum mit einem Bullentau
gesichert.


*Gig*, die,

ein leicht und schlank und etwas zierlicher als die andern gebautes,
rasch bewegliches Boot zum Rudern und Segeln; auf Kriegsschiffen
ausschlielich dem Kommandanten persnlich fr seine Fahrten an Land,
auf andere Schiffe, zu Ausflgen etc. zur Verfgung stehend. Mit Giek
und Geck von einerlei Abstammung, wie denn auf Wangerooge Gek dazu
gesagt wird. Man darf wohl dabei an das neuhochdeutsche gaukeln denken,
sich rasch hin und her bewegen wie ein Gaukler, ein Taschenspieler,
dessen ganze Kunst bekanntlich in dem Satze besteht, da Geschwindigkeit
keine Hexerei ist. Zu vergl. althochdeutsch goukolon, mittelhochdeutsch
goukeln, Zauberei, Narrenspossen treiben. Kluge weist auf das
siebenbrgische gekel, Marionette, und das gleichbedeutende thringische
gekelman hin, (und allerdings mu man dabei an etwas Bewegliches
denken), und sagt: Verwandt scheint althochdeutsch gougaron,
mittelhochdeutsch gougern, umherschweifen, ferner mittelhochdeutsch
gogeln, sich ausgelassen geberden, hin und her flattern, gogel Adj.
ausgelassen, ppig, giege M. Narr; bei Narr denkt er freilich an
Betrter, man kann aber auch eben so gut an die Narrenspossen des
Mittelhochdeutschen denken, an einen ausgelassenen, lustig tanzenden und
springenden Menschen, der, wie man zu sagen pflegt, nrrisches Zeug
treibt, wie es in dem bekannten Studentenliede heit: Unser Herrgott
der mu am Ende selber drber lachen, Was die Menschen fr nrrische
Sachen tun machen. Da nun offenbar der ganzen Sippe Geck, Giek und
ihren Verwandten bis zum Gaukler hin der Begriff des leicht
Beweglichen zu Grunde liegt, so ist gewi auch Gig, dieses leicht
bewegliche Boot, mit zur Familie zu rechnen; wenn je ein Boot auf den
Wellen gaukelt, so ist es eben die Gig.


*Gilling*, die,

auch Gillung, heit jede Verschmlerung, oder Erweiterung eines sonst
grade verlaufenden Gegenstandes. So spricht man von der Gillung eines
Segels, und vor allen Dingen nennt man beim Schiff den
hervorspringenden, beziehungsweise den zurckspringenden Teil der
Bordwand, die sich nach unten zu verjngt, des Hecks, das unten schmler
und krzer wird, also die Vernderung der Formlinie, die Krmmung der
Geraden. Ob man sagen will: das Heck springt oben vor, oder: das Heck
tritt unten zurck, -- das hngt ja ganz davon ab, wie sich der
Beschauer die Sache denken will.

Die Tischler nennen den vor- oder zurckspringenden Teil einer Holzkante
Kehlung, und beide, Gillung und Kehlung, drften ein und dasselbe Wort,
nur mit verschiedener Aussprache sein. So darf man also eine
Verwandtschaft mit Keil, niederdeutsch Kil, annehmen, und das Wort mte
Kilung geschrieben werden, wie auch die Tischler und andere Handwerker
nicht Kehlung, sondern Keilung schreiben mten, denn mit Kehle =
Hhlung hat das Wort schon darum nichts zu schaffen, weil fters, wenn
der Keil wirklich einmal eine Rinne, Rille oder Hhlung hat, er alsbald
Hohlkehle genannt wird, was nicht der Fall wre, wenn Kehle schon allein
Hhlung bedeutete. Die keilfrmig zulaufende Gestalt gibt den Ausschlag;
ein Keil ist ein schief oder schrge verlaufendes, in einer Spitze oder
scharfen Kante auslaufendes Ding. Kil ist Benennung eines keilfrmigen
Grundstcks bei Wirdum; wahrscheinlich hat auch die Kieler Bucht, der
Kieler Hafen von einer keilhnlichen Gestalt den Namen; keilhnlich
braucht dabei nicht gepret zu werden, sondern mu im weiteren Sinne
einer gebrochenen oder gebogenen Linie verstanden werden, wie es schon
im Mittelalter bei geographischen Bezeichnungen verstanden wurde, da
Kilian kille und kiele einfach mit sinus, Busen, bersetzt, sonst auch
kyl. In diesem weiteren Sinne gebrauchen unsere Metallarbeiter das Wort
Kehlung; sie nennen so jede von der Geraden abweichende Linie, dafern
sie nicht grade im rechten Winkel verluft, namentlich aber auch wenn
sie eine Rundung darstellt.


*Gischt*, der,

heit eine Sprhsee, die vom Sturm schumend gemachte Oberflche des
Meeres, namentlich da wo sie sich bricht, mit milchartiger Farbe und
eigentmlich verklingendem Gerusch verbunden. Um dieses Gerusches
willen knnte man an Lautmalerei denken, wenn es nicht ein Zeitwort
gischen gbe, das mit dem mittelhochdeutschen jesen und dem
althochdeutschen jsan = gren machen verwandt ist, von der
Sanskritwurzel yas, sieden, kochen. Indessen ist auch dieses lautmalend,
wie das hnlich klingende zischen, (und es wallet und siedet und
brauset und zischt.) Da bei gischen auf den Laut und nicht auf die
Bewegung oder die Farbe geachtet ist, beweist der hochdeutsche Gebrauch
des Zeitwortes beim Pltten. Da tupfen die Frauen mit nassem Finger an
den Bolzen, um zu prfen, ob er hei genug sei, was er ist wenn es
gischt. Man nennt auch gischen das Gerusch, das heies Eisen, bezw.
das Wasser macht, wenn ein Schmied die Zange mit dem eben geschmiedeten
Stck zum Abkhlen in kaltes Wasser hlt, (wie wenn Wasser mit Feuer
sich mengt, bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt).


*Gissen*,

heit in der Seemannssprache vermuten und wird nur in ganz bestimmter
Verbindung gebraucht: gegites Besteck. Wenn das Wetter unsichtig
ist, so da genaue astronomische Beobachtungen unmglich sind, so wird
das Besteck gegit, d. h. es wird nach dem Loggen, nach der in den
letzten 24 Stunden durch das Loggen festgesetzten Geschwindigkeit der
Fahrt mit Bercksichtigung von Abtrift, Strmung und andern in Betracht
kommenden Umstnden ungefhr berechnet, auf welchem Lngs- und
Breitegrade am Mittag eines gegebenen Tages man sich befindet. Geschieht
dies vom Koch und seinen Freunden in der Kambse, oder sonst von
Unberufenen ohne die ntige Unterlage und Genauigkeit, so wird es zum
Kambsenbesteck, geschieht es von Schiffs wegen durch den
Navigationsoffizier, so heit es gegites Besteck. Gissen ist ein
allgemein-niederdeutsches Wort, das im Hochdeutschen nicht vorkommt,
aber in dem Zeitwort vergessen steckt; es heit denken, sinnen, meinen,
raten, glauben, hoffen, mutmaen, whnen; englisch guess, schwedisch
gisse, norwegisch gissa. Die Grundbedeutung ist halten (dafr halten).
Gissen maket bewillen missen ist ein alter niederdeutscher
Seemannsspruch; buten gissen = wider Erwarten, wider Vermuten; alle
unsalighen pleghen ere geiselen swaerer gissen den andern lude
gheiselen. Wen men ock dagelikes Achtinge gifft, wo veel Fahrt dat
Schip dorch dat Water hefft, und sick solckes inbildet, und entholt
(einprgt und behlt), dat he mit solcken Fortganck, da dat Schip
maket, so veel Milen in dat Etmahl segelen mag, al he dorch Verandering
der Brede und angesegelde Kor befunden hefft, so kan man mit der Tydt
tho gode *Gissinge* kamen, Kunst der Seefahrt 1673.


*Glasen*,

nennt man das Anschlagen der halben Stunden an der Schiffsglocke. Noch
vor hundert Jahren wurde von den Leuten am Ruder die Zeit nicht nach der
Uhr, sondern nach dem (Stunden- oder vielmehr Halbstunden-) Glas
gemessen. Wenn eine neue Wache aufzog, fing eine neue Rechnung an und
der Steuermann drehte das Glas um. War es abgelaufen, also war eine
halbe Stunde vorbei, so ward gemeldet: *ein* Glas! und *ein* Schlag an
die Glocke getan und das Glas aufs Neue gedreht, war es wieder
abgelaufen, so erfolgte die Meldung: zwei Glas, es wurde zweimal
angeschlagen und das Glas abermals gedreht, und so fort bis die
vierstndige Wache vorbei war, also bis das Glas achtmal abgelaufen, bis
acht Glas an der Glocke angeschlagen waren. Dann zog eine neue Wache auf
und die Rechnung begann wieder von vorne. Hieran hat sich in der
Neuzeit wenig gendert, nmlich nur das, da man an Stelle der Glser
Uhren hat, aber die alte Benennung ist geblieben und die Mehrzahl von
Glas bildet der Seemann auch heute noch nicht Glser sondern Glasen,
oder vielmehr er gebraucht das Wort nur in der Einzahl: acht Glas;
hierin dem deutschen Zecher oberdeutscher Zunge gleich, der auch nicht
acht Glser, sondern acht Glas Bier trinkt.

Nach dem Gesagten knnte ein jeder Nichtseemann sich eigentlich leicht
ausrechnen, da fnf Glas entweder morgens halb sieben, oder
vormittags halb elf, oder nachmittags halb drei, oder abends halb
sieben, oder spt abends halb elf, oder nachts halb drei sein mu. Es
soll aber Leute geben die das niemals lernen. Jedenfalls wirkt diese
Rechnung zunchst befremdend auf den, der die Planken eines Schiffes
betritt, soll auch, wie erzhlt wird, so auf den General von Caprivi als
er Chef der Admiralitt geworden war, gewirkt haben.


*Goletta*, die,

franzsisch golette, ist eigentlich ein Wort der italienischen
Seemannssprache, wird aber wohl auch aus deutsch- und namentlich
sterreichisch-seemnnischem Munde vernommen; ins Deutsche wird man es
am passendsten mit Schuner bersetzen, und zwar, da sonst noch
verschiedene nhere Bestimmungen dazu kommen mssten, mit Schuner in der
einfachsten Form eines Gaffelschuners, eines Vor- und Achterschuners.
Der Name drfte, hnlich wie vlyboot von dem Vly, von der Festung
Goletta genommen sein, die in der Seekriegsgeschichte eine so grosse
Rolle gespielt hat, als Kaiser Karl V. in eigener Person sie dem
Chaireddin Barbarossa nach blutiger Belagerung mit Sturm abnahm. Davon
erzhlt der Verfasser der Durchluchtigsten Seehelden: Die
Gelegenheit nun des Orts Goletta ist also beschaffen: Ein steinern
Thurn, nebenst angebautem Boll-Werk, stehet an der Enge, durch welche
der Meer-Busen von Carthago, die Wellen der See in den darbey gelegenen
Meer-Raum einlsset, und vor kleine Schiffe, bi an die Stadt Tunis
hinan, Raum und Zugang giebt. Dieses Meer ist swlff italienische Meilen
breit und lang, aber an beyden Seiten so seichte, da man anders nicht,
als in der Mitten der Tieffe dahinein kommen kann. Den Zugang aus der
See, verwahret der obgemeldte Thurn, der mit dem umherliegenden
Boll-Werk oder Bevestigung beschtzet wird, die so gro, da man einen
groen Haufen Volcks darinne zur Besatzung lassen kann. Diesen Thurn
hatte Barbarossa mit vielen Geschtze versehen, um dadurch seine Flotte,
die inwendig in dem Meer aufgeleget war, zu beschirmen ... Niemals,
seit dem Gebrauch des Geschtzes in der Welt gewesen, hat man weder, mit
grsserer Gewalt, Zurstung, Fleiss einen Ort angegriffen, denn
dergestalt war das Knallen und Donnern des niemals still stehenden
Geschtzes, da die Erde nicht allein zu erzittern und zu beben begonte,
sondern auch dem Ansehen nach selber von einander bersten, und alles
verschlingen wollte: Die See selber, die vorher stille und ruhig gewesen
war, ward hierdurch gleichsam mit verunruhiget, da inzwischen der Himmel
durch den unaufhrlichen Dampff und Rauch sich aus dem Gesichte
verlohr.


*Golf*, der,

gleichbedeutend mit Meerbusen. Erst spt ins Deutsche eingedrungenes
Wort, vom griechischen kolpos stammend, mit wlben von einer Wurzel, =
Busen, Scho, Falte im Gewand, busenartige Vertiefung, Meerbusen, Bucht;
italienisch golfo, spanisch golfo, provenalisch golfo. Davon
franzsisch golfe und gouffre, woraus zu sehen, da das Wort aus
Frankreich zu uns gekommen ist, und zwar ber die Niederlande, da Kilian
es in der Form gouffre verzeichnet hat.


*gondeln*,

scherzhaft fr zur See fahren. Nun gondeln wir in diesem angenehmen
Wetter schon acht Tage umher, wird wohl gesagt wenn Sturm und Regen die
Fahrt recht unangenehm machen. Den scherzhaften Beigeschmack drfte das
Wort auf dem Wege ber Berlin bekommen haben, wo die Aussprache
bekanntlich jondeln ist, und so ausgesprochen klingt es noch um einen
Ton scherzhafter. Byron beschreibt diese venezolanische Wasserdroschke,
Gondola genannt, so:

      Didst ever see a gondola? for fear
      You should not, I'll describe it exactly:
      'Tis a long covered boat that's common here,
      Carved at the prow, built lightly but compactly.
      Row'd by two rowers, each call'd gondolier,
      It glides along the water looking blackly,
      Just like a coffin clapt in a canoe,
      Where none can make out what you say or do.

Gondel ist frhzeitig, d. h. vor etwa 360 Jahren in (hoch-)deutschen
Gebrauch gekommen, Kluge fhrt die Diminutivform Gndelein an und
bemerkt, da Gondelein schon 1574 in Zeitungen ber italienische
Verhltnisse vorkommt. Die Seemannssprache hat sich, abgesehen von der
modernen scherzhaften Weise, dem Worte gegenber ablehnend verhalten.


*Gording*, die.

Gordinge heissen mit Ausnahme der Geitaue alle Taue mit denen ein Segel
aufgegeit wird. Und zwar heien Bukgordinge diejenigen, die am unteren
Liek des Segels befestigt sind und den unteren Teil, den Buk d. h. Bauch
desselben aufholen; alle viereckigen Segel haben solche Bukerdings,
wie der Seemann das Wort gerne ausspricht. Grosse viereckige Segel haben
auch noch Nockgordinge (Nockgordings) die am stehenden Liek befestigt
sind und die Seiten des Segels aufholen. Sehr hohe Marssegel haben zu
Zeiten wohl noch weitere Gordinge am stehenden Liek, die man
Schmiergordinge nennt. Der Unterschied zwischen Gordingen und Geitauen
ist der, da erstere vor, letztere hinter dem Segel zur Rahe
hinauffahren. Dempgordinge nennt man die Taue mit denen Besan =
(Schrat-)Segel unter die Besansruthe oder -Gaffel geholt werden.

Gording heit auf hochdeutsch Grtung, da die Segel gleichsam gegrtet
werden, die Gordinge (und Geitaue) also Grtel darstellen; gothisch
gaird, altschsisch gyrdels, althochdeutsch gurtila, altnordisch gjrd;
in der Edda wird der Kraft verleihende Grtel das Tor megin-gjardar
genannt.


*Gsch*, die,

heit die Flagge die am Ende des Bugspriets an einem Stocke, dem
Gschstocke, an Sonn-, Feier- und anderen Tagen von besonderer Bedeutung
weht. Bei unseren Kriegsschiffen besteht die Gsch aus dem oberen
inneren Felde der Kriegsflagge, schwarz, weiss, rot mit dem eisernen
Kreuz. Das Wort Gsch mu eigentlich Gs heien, denn es ist aus Holland
zu uns gekommen, wo es geus heit, ausgesprochen Gs. So hieen die
Kmpfer in dem Unabhngigkeitskriege der Niederlnder gegen Spanien. Das
Wort bedeutet Bettler. Als die 300 Verbndeten am 5. April 1566 zu
Brssel der Regentin Margarethe ihre Bittschrift berreichten und diese
sich zu entfrben schien, flsterte ihr der Graf von Barlaimont zu, sie
solle sich vor einem Haufen Bettler (gueux) nicht frchten. Dessen
eingedenk trank man sich alsbald darauf bei der Tafel unter diesem Namen
zu, und: es leben die Geusen! wurde mit allgemeinem Geschrei des
Beifalls gerufen. Nach aufgehobener Tafel erschien der Graf von
Brederode mit einer Betteltasche und bald waren alle mit solchen
versehen. Das Dasein seiner Beschtzer mute dem Volke versinnlicht und
der Eifer der Partei durch ein sichtbares Zeichen in Athem erhalten
werden; dazu war kein besseres Mittel, als diesen Namen der Geusen
ffentlich zur Schau zu tragen und die Zeichen der Verbrderung davon zu
entlehnen. In wenig Tagen wimmelte die Stadt Brssel von aschgrauen
Kleidern, wie man sie an Bettelmnchen und Benden sah. Die ganze
Familie mit dem Hausgesinde eines Verschworenen warf sich in die
Ordenstracht. Einige fhrten hlzerne Schsseln mit dnnem Silberblech
berzogen, eben solche Becher, oder auch Messer, den ganzen Hausrat der
Bettlerzunft, an den Hten oder liessen sie an dem Grtel
herunterhngen. Um den Hals hingen sie eine goldene oder silberne Mnze,
nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine Seite das Brustbild des
Knige zeigte, mit der Inschrift: Dem Knige getreu. Auf der andern
sah man zwei zusammengefaltete Hnde, die eine Provianttasche hielten,
mit den Worten: bis zum Bettelsack. Daher schreibt sich der Name der
Geusen, den nachher in den Niederlanden alle diejenigen trugen, welche
vom Papsttum abfielen und die Waffen gegen den Knig ergriffen.
(Schiller.) Oft wurden sie auch watergeusen genannt wegen ihrer
Tchtigkeit zu Wasser. Leute die so sehr auf uerliche Abzeichen
hielten, hatten gewi auch ein solches, oder mehrere in der Flagge die
sie fhrten. In der Tat erfahren wir, da es in jenen kriegerischen
Tagen bei den Geusen eine Flagge gab mit drei P., die bedeuteten Pugno
Pro Patria.

Bekanntlich fing der eigentliche Krieg mit der Einnahme der Festung
Briel durch die Geusen an. Davon lesen wir: Lorsque le Comte de la Marc
vint devant la Brille avex ses vaisseaux il portoit dix deniers dans son
Pavillon, pour marquer qu'il venoit s'oposer  la leve du dixime
denier que le Duc d'Albe vouloit exiger. Es werden die Geusen in ihrem
Stolz und Trotz auch noch andere ihrer Abzeichen in der Flagge gefhrt
haben. Nach ihnen sahen Leute, die den Namen Geusen als einen Ehrennamen
ansahen, mit Begeisterung. Wre es da ein Wunder, wenn die Flagge, die
Geusenzeichen trug, selbst geus genannt worden wre? Und wirklich
belehrt uns Aubin, da die Bugflagge zu seiner Zeit, Ende des
sechzehnten Jahrhunderts, geus geheien hat, (wie sie denn auch noch
jetzt so heit). Sonst werden wohl die Leute nach ihrer Flagge genannt,
hier finden wir den umgekehrten Fall, da die Flagge nach den Leuten
heit. Da aber grade die Bugflagge den Namen der Geusen fhrt, mag
zufllig sein, kann aber auch irgend einen besonderen geschichtlichen
Grund haben und drfte mit dem Umstande zusammenhngen, da berhaupt in
jenen Tagen die Bugflagge hufiger als heute gesetzt ward. Und die
Geusen werden sie nach dem was wir von ihnen gehrt haben nicht weniger,
sondern mehr als andere Leute gefhrt haben.

Man hrt den oberen inneren Teil der Kriegsflagge, welcher die Gsch
ausmacht, auch wohl Jack nennen. Das kommt von der englischen
Bezeichnung Union Jack fr dieses Feld. The union or union flag of
Britain, the national banner of the United Kingdom, is formed by the
union of the cross of St. George (red on a white ground), the diagonal
cross or saltire of St. Andrew (white on a blue ground), and the
diagonal cross of St. Patrick (red on a white ground); stellt also die
Union zwischen England, Schottland und Irland dar. Jack aber ist im
Englischen eine populre Form fr James (vom franzsischen Jacques,
Jakob), eine so populre, da sie in unzhligen Wendungen, Bedeutungen,
Zusammensetzungen und sprichwrtlichen Redensarten gebraucht wird. Union
Jack aber was named after James I, under whose direction the first
union flag was constructed and who signed his name Jacques. Wobei zu
bemerken ist, da es in den Zeiten schwerer innerer Kmpfe auch eine
Flagge gab, die union flag hie, rot mit der Inschrift: For the
protestant religion And the Liberty of England; es war also nichts
Ungewhnliches, da man die Flagge in Zeichen oder Worten zu denen reden
lie, die unter ihr fuhren.


*Granate*, die,

modernes Gescho von zerstrender Wirkung, namentlich durch sein
Zersplittern. Es kommen sprachlich vier ziemlich gleichlautende Wrter
in Betracht: 1. Granat als Baum; 2. Granat als Edelstein; 3. Granat als
Gescho; 4. Granat als Seekrustentier. Davon kommen die ersten drei von
granum, das Korn; 1. wegen der vielen Krner die die Frucht, der
Granatapfel, enthlt; (Granda, die Stadt der Granatbume); 2. wegen der
krnigen Beschaffenheit; 3. wegen der in ihnen enthaltenen Pulverkrner;
4. aber hat dagegen den Namen von den beiden langen Fhlhrnern, die
genau aussehen wie (Gersten-)Grannen. Was die Granate, die hier allein
weiter in Betracht kommt, angeht, so ist bekannt, dass sie ursprnglich
nicht aus Kanonen geschossen, sondern als Handgranate mit der Hand unter
die Feinde geworfen wurde. Der Mann, der dieses immerhin nicht
ungefhrliche Geschft zu besorgen hatte, mute ein alter, erprobter,
kaltbltiger Soldat sein; er fhrte von seinem Geschft den Namen
Grenadier, so da derselbe also ursprnglich fr einen Soldaten, der
keine Handgranaten warf, eine Auszeichnung, hnlich wie Gardist, sein
sollte.


*Grting*, die.

Ein Gestell von unter einander bers Kreuz verbundenen Latten, von dem
das Wasser bequem abfliesst, berall da angebracht wo Leute an Bord
lange stehen sollen, damit sie trocken stehen, am Ruder, am Fallreep
etc. etc. Ein aus dem Lateinischen stammendes, mit niederdeutscher
Endung versehenes, englisch ausgesprochenes Wort. Lat. crates, Korb,
heit althochdeutsch cratto und chrezzo, Geflecht, Korbgeflecht (noch
jetzt in Hochdeutschland Keez = Kiepe). (Auch die Form grede kommt fr
Unterlager fr Waren vor; diese vielleicht aber, weil das Wort auch
Stufe und Treppe bedeutet doch wohl vom lat. gradus). Aus dem
Diminitivum von crates, craticola, entstand das franzsische grille,
Rost, Gitter, italienisch gretola, Stbchen des Kfigs. Niederlndisch
kratte = Korb; littauisch Kratis, Gitter und Kratelis, Rost. Sehr frh
traten an die Stelle von crates Formen mit anlautender Media,
mittellateinisch grates, graticula, italienisch grata, Flechtwerk,
Gatter, Rost; spanisch gradilla, Rost; englisch grate (daher cradle
Korb, Flechtwerk, geflochtene Wiege). Bedenkt man, dass Grting auch
eine Vorrichtung ist, die vor Tren liegt, damit man, ehe man eintritt,
die Fsse daran reinige, und dass an Stelle des einem Geflecht nicht
unhnlichen Holzgitters vielfach wirkliches Reisig-Geflecht tritt, (ja,
dass heute noch in manchen Gegenden Deutschlands in rmlichen
Verhltnissen einfach ein Zweig Tannenreisig vor die Tr gelegt wird) so
ist die Bedeutungsentwickelung ohne weiteres einleuchtend.

Die deutschen Eisenarbeiter nennen Grting die Gittertr eines Ofens,
also ganz im Sinne von Rost.


*Groden*, der,

heit in Ostfriesland und Oldenburg ein bereits grn bewachsenes, durch
Buhnen, Schlengen etc. etc. dem Meere abgewonnenes Land, und zwar
eigentlich aussendeichs, doch behlt es den Namen auch wenn es nachher
eingedeicht wird, so da manchmal von einem Groden die Rede ist da wo
gar kein Deich mehr zu sehen ist; nordfriesisch Koog, (knnte Cuxhaven
wohl gleich Koogshaven sein?), westlich der Ems Polder. Es kommt --
vergl. Crew -- vom friesischen groya, groien = crescere, wachsen,
eigentlich grnen. Es muss ja grn werden was wachsen soll. In der Edda
heit poetisch die Erde groandi, die Grnende. Gothisch gras = Gras,
altschsisch und althochdeutsch gras, gehren hierher, ablautend mit dem
mittelhochdeutschen gruose, junger Trieb der Pflanzen; die
indogermanische Wurzel ist ghro, vergl. das lateinische gramen, Gras;
griechisch chloros, grn, welches wohl eine Dissimilation aus chroros
ist. Frher hatte man fr Groden auch die Form groenden; die Tossenser
groenden in Butjadingen werden im J. 1566 in Verhandlungen ber das
Spatenrecht genannt.


*Grog*, der,

das bekannte Getrnk, ursprnglich nur aus Rum und Wasser gemischt.
From Old Grog, a nickname given to Admiral Vernon, who introduced the
beverage, from his wearing a grogram cloak in rough weather. Von
anderer Seite wird einleuchtender behauptet, das Wort stamme vom Admiral
Sir Evans W. Grog her, der Ende des 18. Jahrhunderts zuerst den Matrosen
den Rum mit Wasser gemischt allowanceweise verabreichen lie. Das mag
diesen schlecht gefallen haben und um ihrem Mifallen Ausdruck zu geben
nannten sie das so wenig krftige Getrnk mit dem Namen seines
Erfinders; sie sahen es eben als eine Verschlechterung des Rums, nicht
als eine Verbesserung des Wassers an. Wie leicht Getrnknamen sich
einbrgern ist bekannt, man braucht nur an den Pariser Bock zu denken.
Selbst Wrter, die bisher einen ganz anderen Sinn hatten, nehmen in
manchem Munde ausschlielich den eines Getrnkes an: Korn, Kmmel,
Benediktiner. Sekt war sonst immer der trockene spanische Wein, den
Sir John Falstaff zu gerne trank und hat erst durch den berhmten
Schauspieler Devrient die Bedeutung von Champagner erhalten. ber
allowance s. Launs.


*Grossmast*, der,

auf Vollschiffen oder Barken der mittelste, grte, meist auch hchste
Mast; ein sehr wichtiges Ding fr ein Segelschiff. Was der Erste
Offizier unter den Offizieren ist, das ist der Gromast unter den
Masten. Geht doch auch, nach dem seemnnischen Sprichwort, der Erste
Offizier nur in Begleitung des Grossmastes von Bord.

Alles was an Segel, Tauen u. dgl. an Bord mehrfach, nmlich fr jeden
Mast besonders vorhanden ist, wird nach dem Mast benannt zu dem es
gehrt, und zwar durch Vorsetzen des Namens des betreffenden Mastes,
also Gromarsrahe, Grorahe, Grobramstenge, Gromars, Grorst u. s. w.
Alles sich auf den Gromast Beziehende wird unter der Bezeichnung
Grotop zusammengefat, wie alles auf den Kreuzmast Bezgliche
Kreuztop heit; Focktop wird jedoch nicht gesagt, weil hier auch noch
das ganze Vorgeschirr in Betracht kommt; man sagt statt dessen Vortop.

Abweichend von der brigen Benennung der Segel heit das unterste
derselben am Gromast: *Grosssegel*.


*Grummetstropp*, der,

ein runder Stropp, aus einem Kardeel vom aufgedrehten Stck eines
(bereits gebrauchten, alten) Taues. Es hat dieses Grummet mit dem
Grummet = Grnmaht, dem zarten Schnitt des (nur grnenden, nicht wie
beim ersten blhenden) Grases wohl nichts zu tun, wiewohl man diesen
auch als berbleibsel bezeichnen knnte, und wiewohl auch unser
Grummet nach dem Material genannt wird aus dem man ihn anfertigt. Es
gibt nmlich ein niederdeutsches Wort grumm = Schutt, Zerriebenes, und
eine Mehrzahl grumpen = Stcke, Brocken, Zerbrckeltes, also auch
Auseinandergeteiltes, besonders aber auch berbleibsel. Das
niederlndische grommen, die Eingeweide ausnehmen, hngt damit zusammen.
Und eben ein auseinandergedrehtes, brig gebliebenes Stck Tau, dem die
Kardeele wie Eingeweide aus dem Leibe geholt sind, wird zu einem
Grummetstropp bentzt, und es kann dazu um so eher altes Tauwerk
genommen werden, als ein solcher nichts weiter zu halten, sondern nur zu
verhten hat, dass an den betreffenden Stellen die Takelage schamfilt.


*Grund*, der,

wird in der Seemannsprache hauptschlich im Sinne von Meeresboden
gebraucht. Beim Lothen mit dem Handloth hrt man den damit beauftragten
Matrosen oft genug aussingen: 15 Meter und keinen Grund! Eine wichtige
Sache ist es, mit dem grossen Loth den Meeresgrund auf seine
Beschaffenheit zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wird das Lot mit Talg
bestrichen, die Erde die dann daran hngen bleibt, wenn es den
Meeresgrund berhrt, ist eine Grundprobe, je nach ihren Bestandteilen
aus Sand, Muscheln oder dergl. hat man unter Umstnden einen gewissen
Anhaltspunkt fr die Gegend in der sich das Schiff befindet.

Sonst ist der Seemann ngstlich bemht, eine grndliche Berhrung zu
vermeiden, nicht nur weil es berhaupt gefhrlich ist, wenn das Schiff
auf Grund kommt, sondern es steckt offenbar den Seeleuten noch eine
Scheu davor im Blute von den Zeiten her, da es Rechtens war, dass ein
Schiff mitsamt seiner Ladung dem verfiel, dessen Grund es berhrt hatte.
Ein barbarisches Recht, oder vielmehr Unrecht, diese grundroringe, das
Grundrhrrecht, das sich brigens nicht nur auf Schiffe und die See
beschrnkte, sondern auch von anderen Fahrzeugen auf dem festen Lande
galt. So konnte es vorkommen, da einer mit seinem Wagen ber eine
Brcke fahren wollte und wegen schlechten Zustandes derselben umwarf;
dann wurde nicht der, der die Brcke htte bauen und bessern sollen,
bestraft, sondern der Fuhrmann, und zwar durch Beschlagnahme des Wagens
samt der Ladung. Karl V. (peinliche Halsgerichtsordnung, Art. 218)
schaffte dieses Recht ab.


*Grnes Licht* s. Laterne.


*Gut*, das.

Die Takelage, das gesamte Tauwerk an Bord heit mit dem Sammelnamen
Gut; wird aber dann auch in stehendes Gut, laufendes Gut,
Reservegut u. s. w. unterschieden.

Gut heit auch die Gesamtheit der geladenen oder zu ladenden Gter.
Bestehen diese aus Kisten, Fssern, Ballen und dergl., so spricht man
von Stckgut, whrend Korn, Kohlen, Salz u. s. w. Strzgut ausmachen.




H.


*h.* s. a. m.


*Haartuch*, das,

ist grobes, haarenes Tuch, das in der Gestalt von Lufern an Deck
gelegt wird wenn man Geschosse mannt, damit mglichst jeder Sto
vermieden werde. Die sprachliche Erklrung mu mit zwei Wrtern rechnen,
mit Haar in der Bedeutung Menschenhaar, Pferdehaar, und einem veralteten
Haar das Flachs bedeutete, (in Flachshaar kommen die beiden zusammen).
Doch ist Haartuch nicht von Flachs, sondern der Name Haar mu auch fr
Werg in Gebrauch gewesen sein, denn aus Werg war das hrene Tuch
ursprnglich gefertigt; englisch hards = Werg.


*Hackbord* = Heckbord, s. Heck.


*Hafen*, der,

kommt von haben = halten, ist also ein Ort wo das Schiff gehalten wird,
ein (sicherer, bequemer) Halteort. Zu vergleichen ist das
althochdeutsche hafjan, heffjan = heben, aufheben, Grundbedeutung:
fassen, greifen, halten, behalten, lateinisch capere. So ist also Hafen
= Topf dasselbe Wort, ein Gef, das etwas enthlt. Auch Hof ist nahe
verwandt, und ists also im Grunde ein Streit um des Kaisers Bart wenn
darber gestritten wird, ob ein Wort wie Marienhafe eigentlich Marienhof
oder Marienhafen zu deuten sei. Die niederdeutsche Schreibweise ist
Haven. Es war also eine Anerkennung des niederdeutschen Wesens der
Seemannssprache als Knig Wilhelm I. befahl, den am 17. Juni 1869 nach
ihm getauften neuen Kriegshafen Wilhelmshaven mit einem v zu schreiben.
(Otfried, ein Mann aus Franken, in Weienburg 868 seinen Krist
schreibend, hat zuerst, und zwar nur im Inlaute, das v angewandt anstatt
f).

Das englische harbour hat mit unserem Hafen nichts zu tun, ist vielmehr
dasselbe wie das deutsche Herberge, ein Platz, wo ein Heer sein
Nachtlager aufschlug. Dagegen ist Kabel mit unserm Worte einer
Abstammung. In der Edda hat das Wort hafn noch so sehr den Begriff haben
und halten, da es nicht nur Besitz (Habe) und Hafen, sondern auch die
Schiffsmannschaft bedeutet, die Mannschaft die das Schiff enthlt,
skipshofn.

Das franzsische havre ist noch umstritten; die Aspiration deutet auf
deutschen Ursprung. Da aber ein spanisches und portugiesisches abra =
Hafen vorhanden ist, so ist man hierfr auf das keltische aber in
Ortsnamen zurckgegangen, welches Flumndung, auch das Zusammentreffen
einer solchen mit einem Hafen bedeutet. Es wre aber noch eher denkbar,
da die Spanier das ihnen ohnehin ungelegene h einfach fallen lieen.


*Hafengeld*, das,

ist eine an den Staat zu entrichtende Abgabe, die, je nach ihrer Gre
verschieden, ein und ausgehenden Schiffen fr Bentzung der
Einrichtungen, als da sind Bollwerke, Kajen, Bojen, Tonnen, Leuchtfeuer
eines Hafens, berechnet werden.


*Hafenkapitn*, der,

ist der Offizier, gewhnlich ein zur Disposition gestellter Seeoffizier,
der die Aufsicht ber den Hafen hat, der auch besonders die Ordnung und
Reihenfolge der im Hafen liegenden Schiffe bestimmt, das Aus- und
Einlaufen regelt, die Arbeiten beim Durchschleusen und berhaupt den
ganzen Schleusenbetrieb leitet, die Deiche im Auge zu halten, bei
Sturmfluten auf seinem Posten zu sein hat u. dergl. Wo es sich nicht um
einen Kriegshafen handelt, heit der entsprechende Beamte
*Hafenmeister*.


*Hafenwache*, die.

1. Die Wache die an Bord der Kriegsschiffe im Hafen gegangen wird im
Gegensatz zur Seewache, zwar lnger wie diese, nmlich einen ganzen Tag
dauernd, aber nicht so verantwortungsvoll und daher minder anstrengend.
2. Die Hafenpolizei, ihr Wachthaus am Hafen und ihr Polizeiboot auf dem
Hafen.


*Hafenzeit*,

ist die Zeit zu der ein bestimmter Hafen Hochwasser hat. Die
Verzeichnisse der bekannten Hafenzeiten geben unmittelbar nur die
Zeitpunkte des Hochwassers an Neu- und Vollmondstagen. Fr die brigen
Tage mssen also im erforderlichen Falle die Tidestunden durch Rechnung
gefunden werden. Der Hauptpunkt dieser Rechnung ist die tgliche
Versptung des Mondes, d. h. der Zeitunterschied zwischen seiner
Kulmination und derjenigen der Sonne, weil sich demgem ... auch die
Tidestunden ndern. Die genaue Berechnung kann nur mit Hlfe nautischer
Kalender oder astronomischer Ephemeriden geschehen. (Bobrik,
Seefahrtskunde I 161.)


*Haff*, das.

Kurisches Haff, Frisches Haff, Pommersches Haff, die drei groen
Strandseen an der Kste der Ostsee. Haff heit eigentlich Meer;
angelschsisch haef, nordisch haf, mittelniederdeutsch haf; 1255: The
bruthere (des Ordens) geven vri that haf und then Strand to allerhande
donde. Se vurden de Konynge to schepe auer dat wilde haf. Hamb.
Chron.

Dieses Wort mit dieser Bedeutung kommt dem Sprachforscher ziemlich
unbequem, denn Hafen pat so schn zu haben, da aber Haff Meer bedeutet,
so wird diese Verwandschaft schwankend. Kluge, Etym. Wrterbuch, 5.
Auflage S. 150 sagt darber: Da man keine ursprngliche Verschiedenheit
von Worten fr *Hafen* und *Meer* anzunehmen braucht und da jedenfalls
die Bedeutung Hafen aus der Bedeutung Meer abgeleitet ist -- das
Umgekehrte wre wohl nicht denkbar -- so wird die unter Hafen gegebene
gewhnliche Annahme, Hafen sei eigentlich Behlter, problematisch.
Wahrscheinlich ist also *Hafen* etwa marina im Sinne von statio
marina zu deuten. Angelschsisches haef Meer als sich erhebendes im
Sinne von lateinischem altum (hohe See) zu *heben* (Wurzel haf,
vorgermanisch kap) zu ziehen, ist nicht unmglich, aber kaum
wahrscheinlich. Doch hat letzteres sehr viel fr sich, wenn man
bedenkt, wie gern heut noch der niederdeutsche Seemann von der hohen
See spricht und sich der Wendungen bedient wie auf der Hhe von,
Hochseeschiff. Das Meer stellt sich nicht nur in dichterischer Sprache
als etwas Erhabenes dar, es ist in der That etwas fr das Auge des
Beschauers sich Erhebendes, einerlei ob er am Strande steht, ob an
Bord eines Schiffes, oder etwa auf dem Kraterwall des Pics von Tenerifa.
Wer je auf diesem gestanden hat, wird es nie vergessen, wie ringsumher
das Meer so hoch aufsteigt, da man auf einer Hhe von beinahe
viertausend Metern das Gefhl hat, die Kimm liege einem grade gegenber
auf gleicher Hhe.


*Hahnepot*, die,

ist ein von einem bestimmten Punkte aus in verschiedene Zweige
auseinander gehendes Tau, sei es zur Verteilung einer Last indem man die
Angriffspunkte vermehrt, sei es zum Schutze einer dem Schamfilen
ausgesetzten Stelle. Der Name kommt von der hnlichkeit mit einem
Hahnenfu. Die Sache ist im Grunde dieselbe wie die unter Spinnekopf
behandelte. Doch geht beim Piekfall das eine Tau nur in zwei Arme, die
die Gaffel tragen, aus einander.


*Haken*, der,

ist in der Seemannschaft wie in vielen anderen Zweigen menschlicher
Ttigkeit ein vielgebrauchtes unentbehrliches Ding und kommt in
unzhligen Fllen zur Anwendung. Sprachlich bedrfen indessen kaum zwei
oder drei ein Wort der Erklrung. Etwa Kenterhaken; ein Haken mit einer
Stange daran, dazu dienend Balken zu kentern, d. h. durch umkanten
weiter fort zu bewegen. Enterhaken wurden, als berhaupt noch geentert
wurde, zum Heranholen und Festhalten des feindlichen Schiffes verwandt.
Bootshaken ist der Haken mit lngerer, dnner Stange daran, mit dem ein
abfahrendes Boot abgesetzt, ein landendes angelegt, d. h. ans Schiff,
ans Bollwerk, an die Treppe herangeholt wird. Fr Kenterhaken hrt man
eben so oft Kanthaken.


*Halbstocks* oder *Halbmast*

sind zwei Adverbia als nhere Bestimmung zu den Zeitwrtern holen oder
hissen. Die Flagge nmlich wird Halbstocks oder Halbmast geholt oder
gehisst zum Zeichen der Trauer, sei es da ein hervorragender Toter am
Lande geehrt werden soll, sei es da ein Gestorbener sich an Bord
befindet. Frher wurden auch die Marssegel nur auf halber Hhe gefhrt
an Bord eines Schiffes, auf dem sich die Leiche eines Offiziers befand.
Vor Zeiten, vergl. Gsch, wo man mit Flaggen greren Aufwand trieb, als
heute, und wo ihre Farbe und Form noch nicht so genau vorgeschrieben
waren, es auch noch keine festen Salut- und Flaggenvorschriften gab,
wurden je nach Gefhl und Vermgen mancherlei Flaggehrungen gewhrt.
Lorsque Witte Cornelesz. de Wit, Vice-amiral de Hollande fut tu dans
la bataille du passage du Sond, qui se donna entre les Sudois et les
Hollandois l'an 1658 et que les Hollandois gagnrent, aant forc le
passage, le vaisseau de ce Vice-amiral prit dans le tems que les
Sudois s'en rendoient matres, et il ne leur en resta que le corps de
Witte de Wit. Le roi de Sude fit revtir ce corps de satin blanc; fit
couvrir son cercueil d'un magnifique drap mortuaire avec les armes du
dfunt; le fit mettre dans une galiote painte de noir, o il n'y avoit
pour pavillons que des flames noires, et le renvoia au
Lieutenant-Vice-admiral Gnral de Wassenaar, ou d'Opdam. Die Leiche
mit der Nationalflagge zu bedecken war damals noch nicht blich; dagegen
wurden bereits in einem Leichenzuge am Lande die Fahnen mit schwarzem
Flor umwunden. Im Jahre 1629 ward die Admiral-Lieutenants-Stelle von
Holland offen, durch den Tod des Herrn von der Leck, und dieweil nunmehr
auch Dorp (der sonsten die Flotte auf der Flmischen Ksten als General
kommandiert hatte) in dem Lager zu Felde gebraucht ward, und derhalben
notwendig ein Admiral zur See gehn mte, hat der Herr Printz von
Uranien Peter Heyn, der wegen so vieler stattlichen Taten in grosser
Achtung war, dazu erwehlet. Dieses war nun der hchste Ruhm, den er
allhier zu Lande erlangen kunte, er hat ihn aber nicht lange besessen
und genossen, denn als er vor Duynkirchen lag, und nun vor hatte
dasselbige Behltni und zugleich das alte Raubnest zu stopfen, gerieth
er mit den Duynkirchern in ein heftiges Gefechte, in welchem er dreyn
von de Feindes Schiffen eroberte, es wolte aber das Unglck, da er im
Anfang des Treffens durch eine groe Stuckkugel benebenst dem Kapitn
Blom, zu groer Betrbni meist aller Einwohner getroffen und erschossen
ward. Sein Leichnam ward auf den vierdten Julii mit einem grossen Zulauf
von Menschen begraben. Vor der Leiche gingen zween Fahnen Brger in
Trauerwaffen, und hatten ihre Koller mit schwartzen Bndern besetzet,
die Fahnen mit schwartzen Band aufgewunden, wie auch die Trommeln mit
schwarzem Tuch berzogen, die Musqueten unter den Armen tragend; und die
Picken nachschleppend. Darauf folgeten, diejenigen so die Waffen und
Kriegsgereitschafft trugen, welche alle Seekapitne dieses Landes waren.
Hauptmann Liedekerken trug das Wappen. Capitain Bornon, der lteste von
den See-Capitainen ward das Casquet oder Helm angetragen, damit vor der
Leiche herzugehen, weil er aber zu ohnmchtig war solches zu thun, alss
der seine Gliedmassen in de Landes-diensten verlohren hatte, ward
solches Evert Antonissen von Amsterdam anbefohlen. Darnach folgete die
Leiche, unter einer Decke, die von allen See-Capitainen, die zu Lande
waren, getragen ward ... (Durchl. Seehelden) Die romanischen
Seefahrer brassen auch zum Zeichen der Trauer, besonders am Karfreitag,
ihre Rahen ber Kreuz, d. h. so, da die einen nach vorn die andern nach
hinten weisen. Natrlich kann Halbstocks die Flagge nur gesetzt werden
wenn sie wirklich an einem Stock, Flaggenstock, gefhrt wird, sonst weht
sie halbmast, und wenn sie an der Besansgaffel fhrt heit das
betreffende Kommando: Flagge halb!

Ein seemnnisches Auge wird am Lande oft dadurch verletzt, da es an
Freudentagen Flaggen sehen mu, die nicht ganz vorgeholt sind. Das sieht
dann wie Halbstocks aus oder erinnert doch wenigstens daran und macht
daher den Eindruck einer Trauerkundgebung. Um dieses zu vermeiden
sollten auch die Flaggenstangen so gestaltet sein, da ber den Knopf,
bis zu dem die Flagge gehit wird, keinerlei Verzierung hinausragt, auch
keine Kaiserkrone; die gehrt da nicht hin.


*Hals*, der,

Mehrzahl die Halsen; so heissen die unteren Ecken der Untersegel und die
vorderen Ecken der Stagsegel, Schratsegel und Bootssegel; so heien auch
die daran befestigten Taue mit denen die Untersegel nach vorne geholt
werden und (an der Luvseite) steif gesetzt werden, (whrend die an
gleicher Stelle angebrachten Schooten das Segel nach hinten zu
festhalten). Bei Besansegeln, Stagsegeln etc. etc. wird der Hals
allerdings geholt, aber die Vermutung Breusings, der Name des Halses
kme von diesem Holen oder Halen, ist doch nicht nahe liegend genug.
Jedenfalls liegt die gewhnliche Bedeutung von Hals viel nher und
gengt zur Erklrung vollstndig. Der Hals bildet ja nicht blo das
krzere oder lngere bewegliche Verbindungsglied zwischen Kopf und
Schultern, sondern auch an leblosen Dingen das dnne, lange, grade oder
gebogene, vorgestreckte Ende; man denke an den Hals einer Flasche, einer
Kanne, eines Ankers. Und das Tau am Hals des Segels drfen wir um so
eher Hals nennen als ein mittelhochdeutsches Halse auch ein Tau
bedeutete, nmlich den Strick, die Leine (oder den Riemen) der
Leithunde, der ihnen, um sie zu fhren, um den Hals gelegt wird. Das
ergibt ein ganz hnliches Bild. Im Angelschsischen ward der Bug sehr
sinnreich und treffend, namentlich bei der damaligen Bauart des
Vorstevens, heals genannt; dichterisch (Bewulf) fmig-heals, auch flota
fmig-heals, das schaumhalsige Schiff; jedenfalls schner wie
fmig-bord, Schaumbord.

Das Auge, (die ffnung, das Loch im Segel) durch welches bei Gaffel- und
Topsegeln der Hals am Mast befestigt wird, heit *Halsauge*. Die ffnung
in der Bordwand -- sei es an Steuerbord, sei es an Backbord -- durch
welche der Grosegelshals in das Schiff fhrt, heit *Halsgat*; dieses
liegt, wenn die Rahen beim Winde gebrat sind, lotrecht unter der Nock
der Grorahe.


*Halsen*

unterscheidet sich von wenden, mit dem es die Bedeutung umkehren
gemein hat, dadurch, da beim Wenden das Schiff durch den Wind gedreht
wird, whrend man beim Halsen das Schiff so weit es berhaupt abfallen
kann, abfallen lt und es dann ber den andern Bug wieder an den Wind
bringt. Letzteres geschieht, weil dadurch viel gewonnenes Luv verloren
geht, nur wenn entweder eine Wendung versagt (manche Schiffe sind wegen
ihrer Bauart schwer durch den Wind zu bringen) oder in ganz schlechtem
Wetter, bei Sturm und hoher See, wo sich das Wenden von selbst
verbietet. Daraus folgt, da man beim Aufkreuzen nicht halsen darf, wenn
man etwas gewinnen will, sondern wenden mu. Beim Halsen mssen die
Halsen besonders gut bedient werden und spielen eine so wichtige Rolle,
da es kein Wunder ist, wenn das ganze Manver nach ihnen genannt ist.


*Halten* die See,

heit in See bleiben, auch wenn dieselbe sehr strmisch wird. Es gehrt
dazu ein tchtiges Schiff und eine brauchbare Besatzung. Kann ein Schiff
die See nicht mehr halten, so mu es einen Hafen zu gewinnen suchen oder
wenigstens irgendwo unter Land, d. h. im Schutze einer Kste ruhigeres
Wasser aufsuchen.


*Hamen*, der.

1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem Lateinischen
stammend.

2. Ein ganz anderes Wort trotz der uerlichen Gleichheit ist Hamen wie
es in der Seemannssprache und berhaupt im Niederdeutschen gebraucht
wird, nmlich fr ein Netz zum Fischfang. Besonders hufig ist an der
Nordseekste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem
starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf
dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hngt mit dem
althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hlle, Hemd, Sack, Beutel zusammen;
ber Netzbeutel mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist
jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in
sich befassen, beschlieen. Luther: Da beschlossen sie eine grosse
Menge Fische.


*Hand ber Hand*

an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer mit einer Hand
ber die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, da das Fieren Hand
ber Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets noch mit
einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und der
Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Trger einen Sarg ins Grab
senken sah, der mag wohl das Gefhl gehabt haben, die Seile knnten
ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg wrde mit einem Ruck
hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefat, so kann man ruhig
sein, denn sie lassen den Sarg Hand ber Hand hinab.


*Handpferde*, die,

sind in gewissen Abstnden auf das Jackstag aufgestreifte Stroppen, die
den aus- und einlegenden Bramrahegsten zum Festhalten mit den Hnden
dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die Pferde, die den Fen unter
der Rahe Halt gewhren, sind schon flschlicherweise zu Pferden
gestempelt worden, da sie doch mit solchen nichts zu thun haben, sondern
dazu da sind, da man auf sie peddet, tritt, was man bekanntlich mit dem
Fue besorgt, und nicht mit der Hand. Handpferd ist also ein Wort von
Leuten gebildet, denen die eigentliche Bedeutung von (Fu-) Pferd
gnzlich unbewusst war.


*Handspake*, die,

heit ein mit der Hand regierbarer hlzerner Hebel, mit dem ein Spill
gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit getan wird,
wohl auch einmal die, die sonst mit einem tchtigen Knppel verrichtet
wird. Es wird z. B. eine Handspake einem gefangenen Haifisch, wenn er
an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den Rachen gestoen,
damit er nicht um sich beien kann.

Das Ende der Spake, das fr die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum
Einstecken der Spake in die vierkante Spillspur oder Geschtzspur ist
dementsprechend vierkant. Da im Mittelniederlndischen die Formen spake
und spaike nebeneinander vorkommen, so ist klar, da Spake nichts
anderes ist als _Speiche_, und wirklich hrt man zuweilen anstatt
Handspake Handspeiche sagen.


*Hansa*, die.

Aubin hat die villes ansatiques, welche zusammen la Honze
Theutonique bildeten, auf hollndisch als Aanzeesteeden (Anseestdte)
bezeichnet; auch wenn die Hansastdte wirklich alle an der See gelegen
htten, wrde diese Erklrung doch nur den Wert eines Kuriosums haben.
Aber auch diejenigen drften irren, welche das Wort von den Ansen
ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es wissen mute,
bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob sie nicht blo
Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgtter wren, wie alle
die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: In der nordischen
Mythologie gilt fr den Begriff deus die Benennung s. Dieser Name mu
auch in Hochdeutschland und Sachsen frher allgemein gewesen sein, und
zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun wrde ja die
Erklrung der Aspiration keine Mhe machen, aus ans kann leicht genug
hans werden, aber so lange sich eine nherliegende Erklrung findet,
darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet sich in
dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein, Gesellschaft,
Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Groe gab einer von
ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans. Dann kommt
freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in Flandern
auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebruchliches fr
Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem
Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu
bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hie, das bei
der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung
aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, da
es im Jahre 1309 heien konnte: mercatorum societas, que vulgariter
hanse dicitur. Doch kmpft der weitere Begriff Kaufmannshanse noch
lange mit dem engeren Innungshanse. 1315: si quis hanzam pistorum --
Bckerinnung -- intraverit. 1345: de der handwerken hanze winnet in
der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse. Also selbst in der
Zeit, wo die Hansa schon in Blte stand, war das Wort immer noch fr
eine gewhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt allerdings,
ein Hans sei ein antecellens caeteros mortales fortuna et opibus, und
die Hansen seien magnates, optimates; Ansi sive Hansi Gothica lingua
dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus antecellunt: heroum
et semideorum conditioni proximi et humanae sortis terminos egressi,
aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und bndig mit socius,
collega bersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse bedeutet. Allerdings
war die ursprngliche Bedeutung mehr und mehr in den Hintergrund
getreten, und mehr und mehr beschrnkte sich das Wort darauf, der Name
des groen Bundes der weltberhmten Handelsstdte zu sein, die
allerdings einen Verein, Haufen, eine Schar bildeten, die sich sehen
lassen konnte.

In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried von Bremen aus dem Jahre 1181
kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in einer Urkunde, die Kaiser
Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem Kreuzzuge, von dem er nicht
zurckkehren sollte, ausgestellt hat, 1188, ist es in demselben Sinne
gebraucht: absque hansa et absque thelonio. Es war also jedenfalls ein
in der Handelswelt sehr frh schon allgemein bekanntes und
gebruchliches Wort.


*Hngematte*, die,

ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche Begriffe, hngen
und Matte, die beide in dem ursprnglichen Worte nicht vorhanden sind.
Es stammt aus Westindien und hie da hamaca. So haben es mit der Sache
die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es bernommen, a
word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his first voyage
says: A great many Indians in canoes came to the ship today for the
purpose of bartering their cotton, and hamacas or nets in which they
sleep. Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der bernahme ins
Niederlndische begann die volksetymologische Anlehnung an vorhandene
Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der deutsche
Seemann hinwiederum konnte sich unter hang*mak* nichts Rechtes
vorstellen und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an einen
ihm gelufigen Begriff und machte unser Hnge*matte* daraus. Das konnte
er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stck Segeltuch
geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht abenteuerlich
erscheinen lie. brigens ist diese Schlafgelegenheit, die bei
Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings als
Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis jetzt
erfolgreich auf Widerstand gestoen; die schlafen nach wie vor in ihrer
Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug, wie
es die Leute auf den Friedens- d. h. Kriegskoggen der Hansa auch noch
taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im
Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der
Raum frei sein mute, Hngematten, die eben damals von Indien her
eindrangen, eingefhrt. Und zwar scheinen es Seeruber gewesen zu sein,
die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprnglich an zwei Bumen
hngende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhngen. 1702: les
Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer; so
wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der
Hngematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des
Durchluchtigsten Seehelden als hochdeutsches noch ungelufig, denn er
schreibt von Indianern: Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden
und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter
sie des Nachts Feuer unter machen ...


*Hanger*, der,

ist ursprnglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um den Top des
Mastes oder die Nock der Rahe gehngt wird und in dessen
herunterhngendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel
des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehngt wird. Es versteht sich
von selbst, da der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise
vorkommt. Jetzt nimmt man natrlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer:
Die Hanger des Fock- und Gromastes bestehen aus je einem kurzen
Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplit sind und in dessen
Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist. So
wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann
vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig.


*Harpune*, die,

eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von Fischen; von
der *haken*frmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe den Namen
hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort im
Spanischen, Portugiesischen und Provenalischen arpar, franzsisch
harper, packen, anhaken, reien, zupfen (Zupfgeige) kommt, was aber in
Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ndern wrde. Spanisch
heit die Harpune arpon, portugiesisch arpao, franzsisch harpon. ber
das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung
Willmanns unter Havarie.


*hart*,

die eigentliche Bedeutung von hart ist. stark, fest. Sie kommt in dem
seemnnischen Kommando: hart Backbord, hart Steuerbord, hart das
Ruder! zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, da das Ruder so stark
wie mglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie
der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt,
gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von hart noch an die Zeit
der Pinne; diese wurden ja frher auch auf groen Schiffen allein zum
Steuern gebraucht, und wenn es hie hart! so wurde sie hart an die
betreffende Bordwand heran gelegt.


*Havarie*, die,

= Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch bertragen und scherzhaft
gebraucht, so da z. B. ein Seemann zu einem kleinen Mdchen dessen
Puppe entzwei ging, sagen kann: Du hast wohl mit deiner Puppe Havarie
gehabt). Die Erklrung wird fr die Englnder ziemlich schwierig weil
zwei Wrter in einander spielen, die schwer auseinander zu halten sind,
average im Sinne von Havarie und average im Sinne von Abschtzung,
Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Fr uns ist die
Erklrung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im Nebel
herumgefahren worden ist. So ist z. B. (siehe Bremer Wrterbuch)
behauptet worden, es kme von averig, brig, sei also das dem Kapitn
berher bewilligte Geld, Zugabe, so da fr Havarie schlielich der
Begriff Trinkgeld herauskme. (Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen
gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom
besten 2 Schinken).

Aber auch die Ableitung von Hafen, so da Havarie ursprnglich Hafengeld
wre, erregt Bedenken. Wohl hat in den romanischen Sprachen das Wort
diese Bedeutung, dazu auch noch die von Ausgangszoll, aber da das
Niederdeutsche sie nicht kennt, so ist schon aus diesem Grunde diese
Erklrung durch Dietz mit Recht abgelehnt worden. Das Richtige wird
sein, da es von dem arabischen awar kommt, gebrochen, auf Waren
bezogen: Beschdigung. Wahrscheinlich kam das Wort mit dem Handel nach
italienischen Seestdten und wurde da romanisiert; italienisch und
portugiesisch avaria, spanisch averia und haberia, franzsisch avarie,
niederlndisch avary, havary, alles = Schaden an Schiff und (oder)
Ladung. ber das Hinzukommen des h spricht sich Wilmanns, Deutsche
Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen des h gesprochen hat,
sagt er: Hinzugefgt ist h in heischen, althochdeutsch eiscn (wohl
unter dem Einflu von heien), vielleicht in heikel, ferner in einigen
mundartlichen Wrtern und in den fremden Hartschier (it. arsiero),
Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen wie Hobo (frz. hautbois),
Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin (frher frz. harlegin,
jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut erhoben. Wobei zu
bemerken ist, da das h in havarie doch am Ende im Gedanken an Hafen
sich festgesetzt hat.

Havarie grosse oft auch blo Grosse genannt, ist eigentlich nur
betrchtliche Havarie, hat sich aber zu einem bestimmten
seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es aber heit mettre de
l'argent  la grosse, so hat das mit Havarie grosse nichts zu tun,
sondern es ist dabei zu ergnzen ( la grosse) avanture, d. h. Geld auf
Bodmerei geben.

Schon Kilian hat das Wort in beiden Gestalten des Niederlndischen:
haverye und averye = jactura sive damnum in mari.


*Heck*, das,

ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und bedeutet einen
eingehegten Raum, d. h. einen solchen, der an drei Seiten mit einem Heck
(= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild wird deutlicher
wenn man bedenkt, da, hnlich wie bei Schiffen mit einer Kampanje,
frher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven Bordwand sondern
nur mit Sttzen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa wie Zaunpfhle,
nur weiter aus einander, standen und unter einander mit Tauen oder
Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen = schtzen, da
das Heck vor dem berbordfallen oder vielmehr vor dem Inswasserfallen
schtzen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner, abgemachter Teil
vor den Fenstern. Das Bremer Wrterbuch kennt hek als Zaun von
Brettern, auch Tr eines Zaunes, Heckgatter, Schlagbaum. In Holland
ist es een getralied -- also ein gegittertes -- afschutsel.
Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand, Gitterpforte.

*Heckbalken* heit der Hauptquerbalken, der die beiden Hauptteile des
Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den oberen oder
das Heck. *Heckbord* ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu dem sich
oder zu der sich die ursprnglichen einfachen Sttzen allmhlich
ausgewachsen haben. Schon frh gab es Schiffe mit besonders hohem oder
sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Grfin Margaretha von
Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: Navis que dicitur Hegboth, que habet
retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et feodatis quatuor
denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit debet Comiti duos
denarios et feodatis duos denarios.


*Heckanker*, s. Anker.


*Heckdavit*, s. Davit.


*Heissen*, s. hissen.


*Helgen*, s. Helling.


*Heling*, die,

ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander gebunden werden.
Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten aussehende ist die
Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten, niederdeutsch holden, neigt,
wie im Hochdeutschen so in verschiedenen anderen germanischen Sprachen
stark nach e hin; du hlst; altschsisch haldan, held; angelschsisch
healdan, heold, englisch hold, held, altnordisch halda, helt. Es steht
daher zu vermuten, da Heling eigentlich Helding hie, einen Knoten der
hlt, der zwei Taue zusammenhlt, bezeichnend.


*Hellegat*, das,

ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei Material und
Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat, Zimmermannshellegat,
Feuerwerkshellegat u. s. w. sind die Hellegats, wie die Mehrzahl des
Wortes lautet, die unter der Verwaltung des betreffenden Deckoffiziers
stehen.

Gat heit Loch in allen hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier,
im Sinne von: dunkler, kleiner Ort. Helle bedeutet etwas hnliches,
nmlich einen (dunklen) Ort in dem man etwas verbergen, bergen,
aufbewahren kann. Der richtige Sinn steckt in dem verwandten
neuhochdeutschen *hehlen*. Dieser findet sich zwar auch in Hlle, aber
ohne da man sagen drfte, da Hlle auf die Bedeutung und Benennung
unseres Helle eingewirkt htte, die beiden stehen vielmehr selbstndig
neben einander, denn hel oder helle bedeutet im Niederdeutschen und
besonders im Ostfriesischen sowohl Hlle, (altnordisch hel, die
Todesgttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt) als Ort wo man etwas
birgt, als auch 1. Loch, Hhlung, Vertiefung, Spalt, Graben,
Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen und dunklen
Raum in der Mhle, der als Bergeraum fr die Gerte dient, 3. den
dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim
Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen werden, 4. das Aschenloch
unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das -gat knnte
also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des Wortes bliebe
derselbe.

Englisch hall; also ist Halle, was man kaum denken sollte, mit Hellegat
nahe verwandt: Bergungsort.


*Helling*, die;

eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der ein neues Schiff
gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist, beim Stapellauf
die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann. Oft wird
Helling auch fr Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich allerlei
Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von hellen,
einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hngen, Hang und
Neigung haben, neigen, berhngen, eine schrge, abschssige, schiefe
Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden, hellen,
altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde =
Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im
Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehrt der Name des Hafens de
Helder, Stadt auf der uersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner
nicht in Helder, sondern op den Helder wohnen, so da die Herkunft des
Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung Land das der See
zugeneigt ist sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen
Bedeutung in Bezug auf die Lage auendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die
Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur da bei helder daran
gedacht ist, da das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr
nach der See zu abfllt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas
aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold
von Larrelt bei Emden einen Gterkauf: Sunt autem predia infrascripta
duo graminata in Cornmede, tria graminata in liteka Helum etc. etc.,
zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor. Upheldinge hie
mittelniederdeutsch das Letzte im Fa, die Neige, weil man, wenns aufs
Letzte geht, das Fa auf die heldinge = Helling, Neigung, legt. Bremer
Wrterbuch: de Tunne ligt up der Helnge; van der Helnge drinken, von
dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck, Gothisches Wrterbuch,
vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch im Sinne von
Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels, und setzt
beide zu der indogermanischen Wurzel +kel heben, emporragen, so da die
Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den Namen
bekommen htte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der schief
ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip doen
hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs
gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf,
navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare.


*Helm*, der.

1. Als Kopfbedeckung mit Hlle und Hellegat verwandt, als Schutz,
Verbergung des Hauptes.

2. Fr Ruder gebraucht und in diesem Sinne gewhnlich fr ein englisches
Wort gehalten. Es ist aber von jeher in Deutschland im Gebrauch gewesen
und wird noch gebraucht. Die eigentliche Bedeutung ist Ruderpinne.
Ostfriesisch helm, Ruder, Steuerruder, Steuer, Ruder*pinne*.
Wangerlndisch hellem-holt Ruderholz, Ruderstange, Holz oder Stange zum
Steuern. Althochdeutsch halm, heim, manubrium, in jochhalm,
mittelhochdeutsch giechholme, Riemen oder Seil am Joch zum Leiten,
Lenken, Steuern der Rinder. Im Mittelniederdeutschen heit helm
Handgriff; daher ist Hellebarde gekommen, eigentlich helm-barde =
heftesachs, Schwert mit langem Handgriff, und helm-exe. Zu beachten ist,
da auch im Englischen helm zunchst nur die Bedeutung Griff hat,
handle, und da man bei der Erklrung des Wortes von einem Rade, das an
Stelle des Handgriffes, der Pinne, getreten ist, vllig absehen mu.

Die Verwandtschaft des gleichlautenden englischen und
mittelniederdeutschen helve mu hier dahingestellt bleiben; mglich wre
es schon da beiden dieselbe Wurzel zu Grunde lge mit der Bedeutung
fassen, halten.


*Hennegat*, das,

die ffnung in der Gilling des Hecks in welcher der Kopf des Ruders in
das Innere des Schiffes fhrt. Damit das Seewasser nicht zugleich mit
hineindringe, ist das Loch um den Kopf herum mit geteertem Segeltuch
umkleidet. So kommt das Wort also nicht etwa von Henne = Hinten, wie
angenommen worden ist, was es aber garnicht giebt; auch nicht von
Hengegat, weil der Kopf des Ruders darin hinge, denn nicht der Kopf
sondern das Ruder selbst hngt in den Fingerlingen, ich nehme vielmehr
an, nach niederdeutschem Sprachgebrauch, besonders dem ostfriesischen,
da das Wort eigentlich Heinegat heien mu, denn heinen heit
einfriedigen, umzunen, umschlieen, umgrten, umfriedigen; hein ist ein
umschlossenes Gebiet und ist mit hegenschtzen verwandt, so da also ein
Hennegat ein Gat ist, das durch einen Kranz von geteertem Segeltuch vor
dem Einstrmen des Wassers geschtzt ist. Diese Erklrung pat auch
besonders gut fr die Zusammensetzung *Henneschott*, die zwar etwas
pleonastisch ist, da Schott schon allein etwas Schtzendes bedeutet,
aber dergleichen liebt die Sprache des Volkes, lt sich wenigstens
dadurch nicht stren, zumal gewhnlich die Bedeutung des einen der
beiden in der Zusammensetzung steckenden Wrter dem Bewutsein
entschwunden ist.


*Henneschott*, das, s. Hennegat.


*Hering*, der.

Weil das a in dem scherzhaft gebrauchten Harung sich in vielen
germanischen und namentlich auch romanischen Sprachen immer wieder
ernstlich vordrngt, so hat man auf Abstammung vom lateinischen halec,
halex, Salzfisch, Salzlake geschlossen. Doornkaat, Ostfriesisches
Wrterbuch II. 41 fhrt jedoch berzeugend aus: Da dieser Fisch den
Kstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel frher bekannt war, als sie
mit den Rmern in Berhrung kamen und er gerade zu den am Hufigsten und
in groen Mengen an unseren Ksten vorkommenden Fischen gehrt, bezw.
besonders im Frhjahr stets massenhaft in den aggen genannten Reusen auf
den Watten gefangen wird und demnach auch wohl von Urzeiten her und
lange vor Entstehung der Seeschiffahrt schon ein Hauptnahrungsmittel
unserer Kstenbewohner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, da
hring ein ur-niederdeutsch-friesisches Wort ist ... und von har, haer,
her = Heer, Menge, Schaar abgeleitet wurde.


*Heringsbse* s. Bse.


*Heuer*, die,

das Geld, der Lohn den ein Seemann fr seine Dienste als Matrose
empfngt, auch der Dienst selbst, z. B. Heuer auf einem Dampfer nehmen,
sich auf eine Brigg verheuern. Das Wort ist eine Verhochdeutschung des
niederdeutschen hr, das Miete in allen hochdeutschen Bedeutungen ist;
hren, mieten, ein Mdchen, eine Wohnung, ein Haus, (in Holland kann man
sogar einen Ofen huuren). Im 17. Jahrhundert ist das Wort ins
Hochdeutsche aufgenommen. Im Teuthonista heit es huyren. Englisch hire,
wie es sich denn in allen germanischen Sprachen und Mundarten findet,
oft mit einem i anstatt des , so da eine Verwandtschaft mit Heirat,
frher Heurath, althochdeutsch hirat nicht unwahrscheinlich ist, (zu
eines altdeutschen Mannes Hausgesinde gehrten alle Hausgenossen, die
Diener, die Kinder, die Frau) und da also die auch in Ostfriesland
bekannte scherzhafte Redensart der Groninger: de lange huur ingoan,
die lange Miete eingehen, fr sich verheiraten, einen tieferen Sinn
htte, als die meisten Groninger sich trumen lassen.


*Heuerbaas* s. Baas.


*Hielen*, *Hiel*, *Hieling*, die.

Hiel oder Hieling heit der Fu des Mastes, der in einer Spur steht, und
der Fu der Stenge, in dem sich die Scheibe des Stengewindreeps und das
Schlogat befinden. So heit auch das hinterste Ende des Kiels. Es
steckt also beides in dem Worte: *unten* und *hinten*. Was sich nun
unten und hinten am menschlichen Leibe befindet, das ist die *Ferse*.
Und in der That heit niederdeutsch und auch in hochdeutschen Mundarten
die Ferse Hiel. Ostfriesisch hil, hile; wangerlndisch hil,
angelschsisch hel, englisch heel, niederlndisch hiel. Auch der Fu der
Spanten heit Hiel.

Das Zeitwort hielen heit ostfriesisch hilen und bedeutet up de hilen
lopen, auf den Hacken oder Absetzen gehen; seemnnisch aber bedeutet es
*nach hinten ber hngen*, so da besonders hielen von einem Schiffe
gesagt wird, das hinten tiefer liegt als vorne, bei dem also der Hiel
des Kieles die hinterste und unterste Stelle ist, und man sagen kann,
das Schiff luft gleichsam auf den Hacken.


*Hieven*

ist eigentlich kein deutsches Seemannswort, wurde auch frher von
deutschen Seeleuten nicht gebraucht, es scheint vielmehr als ob es erst
in den Anfangszeiten der preuischen Kriegsmarine von England herber
gekommen sei, vielleicht durch in England und Amerika ausgebildete
Seekadetten. Im Englischen spielt to heave eine groe Rolle, (verwandt
mit heben) besonders im Seemnnischen: to apply power to, as by means
of a windlass, in order to pull or force in any direction; as, to heave
a ship ahead, that is, to bring her forward when not under sail by means
of cables or other appliance; to heave a ship astern, to cause her to
recede; to heave up an anchor, to raise the anchor from the bottom of
the sea. Hieven wird man am besten mit durch Anwendung von Kraft heben
und bewegen wiedergeben.


*hissen*, hochziehen.

Das Handwrterbuch fr technische Ausdrcke in der Kaiserlichen
Marine, welches 1879 von der Kaiserlichen Admiralitt herausgegeben
worden ist, sagt dafr, heien und fgt in Klammern bei frher auch
hissen. Aber das Wort mu auch jetzt noch hissen und nicht heien
heien. Frher, im Mndungsdelta des Rheins rief der Bootsmann (s.
Hochbootsmann) den Matrosen sein Ho! zu, aber weiter stlich an den
Nordseeksten von West- bis Nordfriesland lautete der Zuruf an die
Matrosen, zugleich an einem Tau zu ziehen, anders. Das sind gerade die
Gegenden, wo die Leute sich, weil sie so ungern den Mund auftun, die
offenen Endsilben, die frher ihre Sprache so klangvoll machten,
grndlich abgewhnt haben. Selbst wenn sie wirklich einmal etwas sagen
wollen, mu sich das Wort mhsam den Weg durch das Gehege der
geschlossenen Lippen und Zhne suchen. So ist also hier nicht das offene
freie Ho! zu erwarten, man lie den Mund zu und benutzte mehr bequem als
hflich dasselbe Gerusch, das man mit der Zunge macht, wenn man Hunde,
Schweine oder Gnse hetzt, man erzeugte die langgezogene Sibilans wie
sie die Gnse selbst auch erzeugen, und daraus entwickelte sich
lautmalend der Naturlaut hissss! Daraus entstand das Zeitwort hissen.

In dem berhmten Teuthonista finden wir es als hysen, reizen, eine
Schlange oder Gans; beim Kilianus als hien, hichen, hitschen, huen,
sibilare, hetzen, instigare, agitare, Hunde auf den Wolf hetzen. Das
Bremer Wrterbuch hat hisen und hiesen, warnt aber davor, diesen
Schiffsausdruck mit hien, hetzen, den Hund up dat Swin hien
zusammenzubringen. Eine Warnung die uns nicht abhalten kann, es dennoch
zu tun. Denn wenn sowohl die Grundbedeutung als auch die Form beider
Wrter dieselbe ist, wie kommen die Bremer Gelehrten dazu, zweierlei
Wrter anzunehmen? Die hfliche Rcksicht, die den Menschen nicht mit
einem Tier vergleicht, bt die Sprache nicht; der Hund wird angetrieben,
den Wolf zu fassen, der Matrose wird angetrieben das Tau zu fassen und
daran zu holen, fr beides sagt sie hissen.

Wenn nun infolge des Zurufes: hi, hi! an dem Tau geholt wird, das
ber eine an erhhtem Punkte angebrachte Rolle luft, so hat das zur
Folge, da der Gegenstand der an dem anderen Ende dieses Taues befestigt
ist, in die Hhe geht. Dieses Indiehhegehen hat im Laufe der Zeit mit
hissen den Gedanken an hochziehen aufs Innigste verbunden, so innig, da
wir hissen einfach fr hochziehen gebrauchen. Wir brauchen auch gar
nicht mehr aufhissen zu sagen, in hissen allein liegt uns das auf
schon mit. Darum wird auch nicht, oder wenigstens nicht immer,
kommandiert Hi auf die Flagge! sondern einfach Hi die Flagge! oder
vielmehr -- hochdeutsch sein sollend -- Hei die Flagge! Sollte es mit
aller Gewalt hochdeutsch sein, dann mte hetzen gesagt werden. Aber:
Hetz die Flagge! geht nicht; hei die Flagge geht zwar auch nicht,
aber es geht doch, weil das seemnnische Ohr, namentlich das jngere,
sich schon daran gewhnt hat.

Im Franzsischen hatte 1702 das aus dem Niederdeutschen bernommene
hier schon genau dieselbe Bedeutung wie heute: Hier, ier ... c'est
hausser quelque chose ou l'lever. On dit Hisse la grande vergue, Hisse
la vergue de misne. Il nous le fit connoitre en hissant et amenant sept
fois le pavillon. Il amena le pavillon qu'il voulut rehisser sur le
champ. On dit, Hisse de la caliorne (Gien); Hisse du palan (Takel);
Hisse d'avant; Hisse d'arrire; Hisse du palan d'tai (Stagtakel), Hisse
du bredindin (kleineres Takel fr leichtere Lasten); Hisse partous.
C'est ainsi qu'on nomme la manoeuvre, pour faire hisser un fardeau 
bord. Die Franzosen gestehen aber die Herkunft aus dem Deutschen nicht
gerne ein, wie ihnen berhaupt das hufige Vorkommen deutscher Wrter in
ihrer Seemannssprache kein angenehmer Gedanke sein mag. In seinem 1848
erschienenen Glossaire nautique bemht sich Jal, allerdings wohl nach
des berhmten Ducange Vorgang, hissen von dem griechischen hypsos, die
Hhe, abzuleiten. Sonst ist sein Buch aber ganz verdienstvoll und
lehrreich; die Widmung lautet: Aux Marins qui ne ddaignent pas la
Science historique, Aux Erudits qui s'occupent de Marine.

Im Hollndischen ist aus dem Hetzruf hiss! huss! hoss! auch noch das
Zeitwort hossen entstanden, das auf hollndischen Kirmessen laut genug
ertnt. Die sonst etwas bequemen und langsamen Hollnder geraten bei
dieser festlichen Gelegenheit mchtig in Bewegung, selbst in Stdten wie
Amsterdam, Rotterdam, 'sGravenhaage, Utrecht. Da mu der Fremde auf der
Hut sein, sonst wird er auf offener Strasse in einen Strudel von
Mnnlein und Frulein gezogen, die ihn bekannt oder unbekannt, gern oder
ungern, wohl oder bel an den Hnden fassen und mit ihm in langen Reihen
dahin chassieren, singend, johlend und ho! ho! rufend; das nennt man
hossen.

Im Englischen hat das Wort die Gestalt hoist angenommen. Es ist aber
gleicher Herkunft, nmlich von dem auch im Englischen vorkommenden to
hiss, welches dreierlei Bedeutung hat. 1. To make a sound like that of
the letter s by driving the breath between the tongue and the upper
teeth, especially in contempt or disapprobation. (The merchants among
the people shall hiss at thee. Ezechiel 28, 36). 2. To emit a similar
sound: said of serpents, geese, and other animals, of water thrown on
hot metal (gischen), of steam rushing through a small orifice. 3. To
whizz, as an arrow or an other thing in rapid flight. (Shod with steel
we hissed along the polished ice); da aber to hoist von diesem to hiss
kommt, dafr spricht nicht nur die bereinstimmung der Bedeutung,
sondern auch die Form im Altenglischen to hoise, schottisch heeze. The
t seems to have been added as in against, amongst. Als Bedeutung aber
wird angegeben: To raise, to lift, to heave; specially, to raise by
means of block and tackle; as to hoist a sail, to hoist a heavy package
to an upper room.


*Hochwasser* s. Flut.


*Hock*, das.

Die Englnder nennen jeden Rheinwein hock, das zunchst nur eine
Abkrzung von Hochheimer ist (wie Gib von Gibraltar und Frisco fr San
Francisco), darum hat dieses Hock mit dem vorliegenden keine
Gemeinschaft, welches einen Verschlag von Brettern bezeichnet, der zur
Unterbringung von Tieren dient, Hhnerhock, Schafhock etc. etc. Die zum
Schlachten mitgenommenen Tiere muten sich mit den dunkelsten,
schlechtesten Ecken begngen, da wurde fr sie ein Bretterverschlag
abgeteilt. Der Raum hie hok = Spitze, Ecke, Winkel, auch Richtung etc.
etc. Als hernach den Schlachttieren ein anderer Platz angewiesen ward,
blieb die hok natrlich wo sie war, aber der Bretterverschlag wanderte,
beweglich gestaltet als Kfig, mit an den neuen Standort. Da man aber
gewohnt war: Die Schafe stehen in der hok, so blieb man dabei und
sagte weiter: die Schafe stehen in der hok, auch als sie frei an Deck im
Kfig standen, der dann leicht fr die eigentliche hok gehalten wurde.
So kam der Verschlag zum Namen Hock, und da es nun einmal
verhochdeutscht war mit kurzem o und ck (wohl in Gedanken an die Tiere
die darinnen *hocken*) so kam es auf etwas nderung mehr oder weniger
nicht an, man machte das Femininum zum Neutrum. Von Hocken = gebckt
sitzen, soll Hcker = Krmer kommen. Bedenkt man aber, da hok = winkel
ist und da in Holland der Laden winkel und der Ladeninhaber winkelier
heit, weil in irgend einem Winkel er seinen Kram ursprnglich feil bot,
so wird wahrscheinlicher da Hcker, Hker von hoek = winkel kommt, wie
ja auch der Laden von einem der groen Welthuser ursprnglich nur ein
(Fenster-)Laden war.


*Hochbootsmann*, der.

Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr gebraucht wird, aber
doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des Seemannes entschwunden
ist. Wenn im alten Griechenland die vielen Ruderer eines Schiffes
zugleich anrudern und berhaupt Takt halten sollten, worauf nicht nur
wegen des ordentlichen Aussehens allein, sondern vor allen Dingen auch
der grsseren Kraftentfaltung zu Liebe gehalten werden musste, so konnte
das nur durch ein Kommando, das fr alle hrbar war, geregelt werden.
Dieses Kommando gab der Keleustes, der Rudermeister, Bootsmann,
Taktangeber oder wie man das Wort bersetzen will. Wie er das Zeichen
gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der von keleuo kommt, rufen,
zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon keleuma der Zuruf, der
Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert ward. Keleustes heit
also ursprnglich Zurufer. Was aber der griechische Bootsmann seinen
Ruderern zurief, welche Tne er von sich gab, welche Laute er hren
lie, das wissen wir nicht. Bekannt ist aber, da auf Trieren, also auf
Kriegsschiffen, der Bootsmann durch einen Maaten mit der Pfeife
untersttzt wurde. Der hie trieraules, der Schiffsfltenspieler,
Schiffspfeifer.

Nun bte im Mittelalter das Amt des Keleustes nachweislich der Bootsmann
aus, und zwar mit Hilfe des Zurufes: Hou, hou! Er wurde dadurch, wie
Kilianus sich ausdrckt, zum hortator, der die Leute ermahnte, durch
Zuruf antrieb, *zugleich* ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen
seemnnischen Arbeit einzusetzen. Das kann allerdings auch und mu unter
gewissen Umstnden ohne lautes Rufen geschehen. Beim Wettrudern z. B.
gibt der Bootssteurer nur durch das energische rythmische Vorbeugen des
Oberkrpers den Takt an. Man hrt dabei keinen Laut und darf keinen
hren, auer dem eines allerdings mit groer Kraftanstrengung den
Ruderern an die Kpfe gehauchten h! Das h nimmt unter den Buchstaben
eine eigene Stellung ein. Es ist kein Konsonant, weil der Mundkanal bei
seiner Bildung nicht verengert wird; es ist auch kein Vokal, weil ihm
der Stimmton fehlt. Da wissen es die Gelehrten nirgends so recht
unterzubringen. Wenn sie einmal einen eifrigen Bootsmannsmaaten beim
Wettrudern sein h! herausschmettern hrten, dann wten sie, was ein h
ist, nmlich noch immer das was es ursprnglich war, ein gutturaler
Reibelaut, wobei je nach Geburt, Herkunft und Muttersprache, der eine
mehr einen Velarlaut, der andere mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist
aber eine gemeinsame Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten
herbeizufhren, wo es nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann
bedient sich der Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: Zugleich! indem
er das zu so herausstt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit
spannende Pause von dem gleich getrennt ist, damit die Leute, sobald
sie nun dieses gleich hren, alle mit einem Ruck ihren Biceps in
Thtigkeit setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begngte sich
weder mit dem gutturalen Reibegerusch beim Wettrudern noch gebrauchte
der das zugleich der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer hou
oder ho! darum hie er Ho-Bootsmann. Und als hernach die
Rollenverteilung so vorgenommen wurde, da dem Schiemann die Aufsicht
ber die Takelage des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige ber
den Kreuz- oder Besanmast, dem Bootsmann aber die ber den Gromast
bertragen wurde, der auch der hohe Mast (wohl nach dem Dnischen)
hie, so konnte aus Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden.


*Hgedag*, der,

auch Hagjedag, hie frher der Tag an dem die Mannschaft Fleisch zu
essen bekam und keinen Stockfisch, keine Erbsen und dergl. Was das in
einer Zeit, wo es noch keine Konserven gab, bedeutete, ist leicht zu
ermessen, und daher ists zu verstehen, da ein solcher Tag ein
Freudentag genannt wurde. Sich hgen heit ja sich freuen, vergl.
hgetid, Freudenzeit, Erntezeit, hgedag, Gedenk-, Erinnerungstag, jeder
Fest- und Freudentag; jetzt hochdeutsch nur noch in der Form Hochzeit
gebruchlich, welches also nicht hohe Zeit, sondern Freudenzeit
bedeutet, (ebenso wenig hat auch goldene Hochzeit mit Gold etwas zu
schaffen, sondern bedeutet eine unfruchtbare Hochzeit, die keine Kinder
im Gefolge hat).


*Hohle See*, s. hohe See 1.


*Holen*,

ziehen, zerren, reien, raffen, schleppen, bringen, tragen, im
Besonderen: *an einem Tau ziehen*. Ein weitverbreitetes deutsches Wort,
niederdeutsch holen und halen, althochdeutsch halon, altenglisch halien,
angelschsisch geholian, altnordisch hala, spanisch halar, franzsisch
haler (wie alle mit h beginnenden Seemannswrter des Franzsischen, aus
dem Deutschen). Insofern holen nun wirklich ziehen bedeutet, ist das
Kommando: Hol steif, hol an ohne weiteres klar, denn es bedeutet:
Zieh an! Aber wenn hernach aus demselben Munde der Befehl kommt: Fest
holen! und damit gemeint ist, da nun nicht weiter gezogen werden soll,
so bedeutet das eine holen das gerade Gegenteil von dem andern holen.
Die Erklrung liegt im Niederdeutschen; holen und holen sind da zwei
ganz verschiedene Wrter. Sie sind nur zufllig in der Form holen
zusammengetroffen. Das eine heit eigentlich halen, das andere holden.

Da die Niederdeutschen, besonders die fr das Seemnnische so wichtigen
Friesen, das a so dunkel wie o aussprechen, so klingt halen in ihrem
Munde wie holen. Und da sie sichs mit dem Sprechen gar zu gern bequem
machen, wobei es ihnen auf eine Hand voll Buchstaben nicht ankommt, so
lieen sie in holden das d verschwinden und es ward ebenfalls zu holen.
Das konnte um so eher geschehen als eine Verwechslung des einen holen
mit dem andern fr ein niederdeutsches Ohr ausgeschlossen war, teils
weil sie verschieden ausgesprochen und betont wurden, teils wegen sehr
wesentlicher Verschiedenheiten in der Konjugation. Alle diese
Unterscheidungsmerkmale fielen aber bei der Aufnahme ins Neuhochdeutsche
fort und dadurch ist erst die Verwechslung der beiden Zeitwrter mit
einander mglich geworden. Um solche in Zukunft zu vermeiden, wird es
kaum ein anderes Mittel geben als einfach die beiden zusammengefgten
Zeitwrter wieder zu scheiden und sie schiedlich und friedlich neben
einander zu gebrauchen als holen und halten. Dann kann kommandiert
werden: Holen! und, wenn die Leute strammer, fester zufassen sollen:
Fest holen!, wenn sie aber aufhren sollen mit holen: Fest halten!
(nmlich so lange bis das Tau belegt oder doch wenigstens abgestoppt
ist).

Die angefhrten Wrter fremder Sprachen haben den Vokal a; Beweis da
sie nicht von holden sondern von dem weit seemnnischeren halen stammen.
ber ein von haler gebildetes haleur s. unter treideln.


*Hoch*,

Adverbium, in der Verbindung hoch beim Winde segeln; es heit dies: so
nahe oder so dicht beim Winde segeln als solches ohne Durchdrehen
berhaupt mglich ist, also da die Segel zwar noch fest voll Wind
stehen, eine bestimmte von dem Manne am Ruder ins Auge gefate Schot
aber ein wenig Leben und Bewegung zeigt, d. h. killt. Hoch kommt
brigens allermeist nur in der Verneinung vor, wenn der wachthabende
Offizier den beim Winde steuernden Leuten die Warnung (vor dem Fangen
einer Eule) zuruft: Nicht zu hoch!


*Hoft*, *Hofd*, das,

kommt fr sich allein selten vor, wie es scheint nur hie und da im Sinne
von Schleusenhaupt oder Molenhaupt. ber die Verbindung Dodshofd siehe
dieses. Hier ist Hofttau zu erklren. Es heit Haupttau als etwas
Hauptschliches, Wichtiges, Dickes, Starkes; Hofttaue sind die dicken,
starken Taue, die (mit den Weveleinen) die Wanten bilden, die dem Mast
nach beiden Seiten hin festen Halt verleihen. Sie haben also den Zweck
von Stagen, nur da sie nicht in der Lngsrichtung des Schiffes sondern
in der Querrichtung sttzen. Sie gehren zum stehenden Gut. Im
Franzsischen heien sie haubans, aubans, haut-bans (1702).


*Hochdruckmaschine* s. Maschine.


*Hhe*, die.

1. Die *(Sonnen-)Hhe* nehmen oder messen heisst die Mittagshhe der
Sonne mit dem Oktanten beobachten, messen, peilen. Es geschah frher mit
dem Quadranten, vorher mit dem Jakobsstab.

2. *Seehhe.* In diesem Sinne bei Luther, Luc. V. 4: Fahre auf die Hhe
und werfet eure Netze aus. Hierber ussert sich Breusing in der
Einleitung zum Seebuch: Die Gesetze der Perspektive fordern, da bei
Abbildung einer von oben gesehenen ebenen Flche die entfernteren
Punkte hher liegen als die nheren. So scheint auch dem Auge der am
Strande Stehenden die See wie ein Hgel aufzusteigen, und ein Schiff,
welches sich vom Strande entfernt, hat diesen Hgel hinaufzufahren. Von
dieser Anschauung geleitet nennt der Seemann das usserste dem Auge
sichtbare Wasser die Seehhe, und das in dieser Entfernung oder Hhe
befindliche Schiff ist boven, whrend das dem Strande nahe als unten
erscheint. Dem niederdeutschen boven entspricht das oberdeutsche ob,
z. B. in Obwalden, d. h. Land oberhalb des Waldes, und in Land ob der
Ens, d. h. oberhalb der Ens, und das englische off. In der hochdeutschen
Schriftsprache ist uns das Wort (nmlich boven) leider abhanden
gekommen, welches vollstndig durch: auf Seehhe in der Nhe von oder
kurz durch auf der Hhe von wiederzugeben wre. So treffend hiervon
manches ist, so ist doch der Unterschied von Seehhe und auf der Hhe
von nicht festgehalten. Und das muss er werden, denn wenn einer sagt:
ich bin jetzt auf der Hhe von Kap Skagen, so meint er nicht die
(vermeintliche) perspektive Hhe, sondern etwas ganz Reelles und
Wirkliches, nmlich dass er nun frei von Kap Skagen ist und seinen
Kurs ndern kann, was besonders angenehm ist, wenn man sich mhsam auf
solche Hhe aufgekreuzt hat und nun abhalten darf. Das ist eine andere
Hhe als wenn Christus zu Petrus sagt: Fahre auf die Hhe! nmlich

3. *Hhe von* das heisst

(a) die Hhe eines Vorgebirges haben, nmlich -- vgl. das eben unter 2
Gesagte -- sich soweit luvwrts von dem Vorgebirge befinden, dass man
dasselbe umsegeln kann.

(b) die Hhe einer Insel oder einer Stadt haben heisst mit ihr auf
demselben Breite- bezw. Lngegrade sein. Wir befanden uns auf der Hhe
von Bermuda; wir waren gerade auf der Hhe von Habana.

Von hohem dichterischem Schwunge ist das Bild unter dem im Bewulf das
Meer headu genannt wird. Head heisst hoch. Ob nun das Meer schlechthin
hoch und erhaben genannt sein soll, oder ob dabei an die Hhe wie bei
Petri Fischzug gedacht ist, bleibt natrlich dichterischem Verstndnis
berlassen. Ich mchte mich fr das Letztere entscheiden, und zwar wegen
der Zusammensetzung headu-lidend, welches Seegnger heisst, also einen
Mann bedeutet, der auf die Hhe, auf die hohe See, auf grosser Fahrt
fhrt, im Gegensatze zu einem Binnenschiffer.


*Hohe See*, die.

1. Es ist hohe See, es steht hohe See, heisst: die Wellen gehen hoch,
das Meer ist sehr bewegt, nicht von kleinen, unruhigen Wellen, die ein
frisch aufgekommener Wind erzeugt, sondern von den groen lang
dahinrollenden, durch anhaltendes Wehen erzeugten Ozeanwogen. Diese
nennt man auch *Hohle See* namentlich wenn ihr Erzeuger sich bereits
gelegt hat; hohl im Sinne einer Hhle, mit der man bei einiger
Einbildungskraft und gutem Willen wohl das zwischen zwei hohen
Wellenbergen gelegene Wellenthal vergleichen kann.

2. Auf hoher See sein wird im Gegensatz zur Kste gesagt, vgl. Hhe 2.
Wann die hohe See anfngt, ist nach Seemeilen nicht mathematisch genau
zu sagen. Es beruht auf dem Gefhl. Mancher wird erst von Hoher See
sprechen, wenn ihm alles Land aus Sicht gekommen ist, was aber der fr
die Sicherheit verantwortliche Seemann ist, der betrachtet sein Schiff
schon als auf Hoher See befindlich, wenn er es so weit vom Lande ab hat,
dass das Land ihm nicht mehr gefhrlich werden kann, dass er also
ungehindert von irgend einer Kste seinen Kurs absetzen kann.


*Holm*, der,

hie im Mittelniederdeutschen Insel, auch in einem Flusse gelegene
Insel, hauptschlich im Ostseegebiet, doch nicht auf dasselbe
beschrnkt, denn a. 1203 quemen de graven tor Hoya ut Fresslande (sic)
und begunden eine festen to buwen up einen holm, so in der Wesser
beflaten was. Heute gebrauchen wir das Wort nur noch als
Ortsbezeichnung: Bornholm, der Dnholm, Stockholm etc. etc. Im
Angelschsischen bedeutet es Meer, See; doch steht diese Bedeutung da
ganz allein, so da sie auf irgend einer Zuflligkeit beruhen mag, und
uns nicht hindern kann, das Wort da hinzustellen, wohin es sprachlich
gehrt, zu collis, culmen.

Weil auf solch einem Holm hufig ein Platz zum Schiffbau sich fand, so
ist das Wort auch eine der mancherlei Bezeichnungen fr Werft.

Ein Holm ist bewachsen, vgl. Manson, See-Buch, Lbeck 1735, die
Segelanweisung nach Wismar. Die Wissenschaft oder die Mrke hinein zu
lauffen seynd diese: drinnen in Wimar stehen zweene hohe Thrm, der
Westere ist dick und oben stumpf, der stere schmal und spitzig, und
die Kirche, da der schmalste Turm aufstehet, heist St. Nicolai-Kirche.
Wenn man kommt aussen vor Hannibal, und wil ins Mittel-Tieff ein, soll
man so lauften, da man den stlichen schmalen Turm von St. Nicolai
Kirchen in etwas nahe zusammen mit der westlichen Ecken von Pel
bekomme, und halte die so stehend, und gehen Sd-Sdosten in und lasse
Hannibal an Baackbord, und Lips, welches ist ein kleiner Graholm, am
Sthrbord, von welchem Holm auf allen Seiten langer Grund ausschiest.

Manchmal auch unbewachsen; derselbe ber die Einfahrt von Gothland:
bleiben zweene kleine blosse Holmen am Baakbord.

Manchmal auch ein Berg; vergl. Lucas Janszoon Waghenaer Spiegel der
Zeevaerdt, 1588, Van daer naer de Corona zeyltmen aen S. ende S. ten
O. ter tijt toe men een stuck weechs binnen den toren is, die op een
ronde holm oft berch staet, so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eyland
daer een Kercxken op staet.


*Hosenboje*, die,

ist eine bei den Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung
Schiffbrchiger vorrtig gehaltene Boje, die von oben wie eine
gewhnliche Ring-Kork-Boje aussieht, ausserdem aber von unten noch mit
einer Vorrichtung versehen ist, die einer Segeltuch-Badehose hnlich
sieht. Der Mann, der von einem gestrandeten Schiffe mit dem Rettungstau
gerettet werden soll, hat mit den Beinen in diese Hose zu fahren, die
Arme aber auf die Boje zu legen und wird so in der Boje an Land geholt.


*Houari* = Takelage s. sliding gunter.


*Hub*, der.

1. In der Hydrographie die Hhe der Flut, das Mass um das die Flut sich
*hebt*.

2. In der Technik: Kolbenhub, Einzelhub, Hub vorwrts, Hub rckwrts,
Doppelhub, Hubhhe, Hublnge, Hubwechsel, Hubzhler etc. alles von
heben, im Munde unserer seegehenden Maschinenleute dadurch etwas
verundeutlicht, da sie das b meist wie p aussprechen und Hup mit sehr
langem u sagen, wodurch das Wort einen englischen Eindruck macht.


*Huk*, die,

heit seemnnisch eine Landzunge oder Landspitze, eine etwas
vorspringende Kste; sonst auch Ecke, Winkel, ferner Angel, Trangel,
Fischangel im Niederdeutschen. Die Nordsee bevorzugt Huk, Huk von Logum,
Huk von Holland (geschrieben hoek, ausgesprochen Huk), Fhrhuk (die
Stelle an der der Kriegshafen Wilhelmshaven erbaut wurde); die Ostsee
bevorzugt das Spitze bedeutende -ort: Friedrichsort, Darerort,
Brsterort. Schon im Seebuch (1400) heit huk und huek die Spitze
eines Vorgebirges, Landspitze, -- men moet den huek schuwen unde lede
den by den lode uppe 5 ofte 6 vademe; de wil setten unter de cape
Vincentz, de sal den ersten huk laten liggen und segelen bet under den
anderen huk.

Kommt von der Wurzel kuc, biegen, krmmen, ist also genau genommen eine
Stelle, wo man um die Ecke biegt, so da man dann under ist wo man
vorher boven war; siehe Hhe.

Auch das uerste Ende eines Bollwerks kann man Huk nennen; vergl.
Manson, Seebuch, 1735: Wil man auch in Travemnde einsegeln, so stehen
Westen bey die andern Huser in Travemnde 3 oder 4 dwa Huser, unter
einem Dach, so da man von das Norderste den weissen Giebel sehen kann,
bringet den Hueck vons Osten Bollwerk, und dem Giebel berein, dar ist
das Tieffste Wasser.

*Huker* ist ein breit und plump gebautes Nordseeschiff, wahrscheinlich
ursprnglich ein Schiff zum Fangen von Fischen mit der Huk, der
Schellfischangel.


*Hulk*, die,

heit jetzt ein altes, fr seinen Zweck nicht mehr gebrauchtes Schiff,
das als Kaserne, Werkstatt, zu Unterrichtszwecken bentzt wird. Das Wort
ist heruntergekommen, denn im Mittelniederdeutschen war eine Hulk oder
Holk etwas ganz anderes, Hheres, nmlich ein groer Kauffahrer, den die
Schiffsbesichtigungskommission, wenn es damals schon eine gegeben htte,
htte im Auge behalten mssen, denn er war so gebaut, da er leicht als
Kriegsschiff eingerichtet werden konnte. Unde wunnen ene af dre grote
holke unde etlicke andere clene schepe. Aldus quemen dar twe grote
holke. De Lbeschen hadden by der borch ein gros schip, eynen holck.
Eyn schipher van Lubeke seghelde myt eneme groten holke wol geladen.
(Lb. Chron.) Dar bleff eine nye holcke van Lubeck van 300 lasten. Das
Geschlecht wechselt also zwischen mnnlich und weiblich; jetzt ist es
weiblich. Kilian, der mehr nach dem Niederlndischen neigt, hat die Form
hulcke: koop-vaerders schip = Holcas, navis oneraria, gravis,
frumentaria, lata, navigium latum vastumque. Das Bremer Wrterbuch
bersetzt Holk mit Kauffahrer: 1445 fingen die Bremer einen Holck mit
Ledder ... Se nehmen ock einen Holck mit Figen, Rosinen und anderen
Guderen. Der Name stammt ans dem Griechischen: helkein, ziehen, holke
das Ziehen, holkus der Zug, so da wir uns die Hulk ursprnglich als
gezogenes, getreideltes (Flu-)Schiff zu denken haben. Als seegehendes
Schiff ist es aber bereits durch eine Urkunde Knig Aethelreds
(978-1016) bezeugt: si adveniat ceol vel hulcus et ibi jaceat 4 denarii
ad telonium.


*Hundewache*, die,

auf deutschen Kriegsschiffen die Wache von 12 bis 4 Uhr nachts.
(Anderweitig wird andere Wachzeit so genannt.) Das Wort hat mit Hund
nichts zu tun, sondern ist nur eine volksetymologische Anlehnung daran,
etwa mit dem Gedankengang: nachts von 12 bis 4 sollte man keinen Hund in
Sturm und Wetter hinausjagen. Es ist wohl eigentlich Hintewache. In ganz
Deutschland sagt man fr heute Nacht heint oder hint, auch heinte oder
hinte, wie man fr dieses Jahr heuer sagt, diesjhrig heurig;
Hintewache ist also = Heutnachtwache; wer sie einmal gegangen ist in
strmischer Finsternis, der wird von der Form Hundewache nicht befremdet
sein.


*Hundspnt*, der,

das spitz zulaufende Ende eines Taus um das eine Art Gewebe oder Netz
gelegt ist. Solche Taue lt man in der Form eines Hundspntes
auslaufen, die man hufiger durch eine enge ffnung stecken mu, weil
sie ohne diese Vorsichtsmaregel auf die Dauer in ihre einzelnen Duchten
auseinander gehen, sich aufrebbeln wrden; = penis eines Hundes.
Frher war auch Hundsfott im seemnnischen Gebrauch fr einen kleinen
Stropp. Doch wird es jetzt selten gehrt, auer etwa in der Bedeutung
des Schimpfwortes, das freilich auch so lange die Studenten ihren
Landesvater steigen lassen nicht aus dem deutschen Sprachgebrauch
schwinden wird; ein Hundsfott der ihn schimpfen soll.


*Hsing*, das,

eine Art dicken, starken Bindfadens, eine schn fest gedrehte Schnur,
ein dnnes festes Seil, eine dnne aus drei Garnen geschlagene Leine
oder wie man es nennen will, der Seemann nennts eben Hsing. Das Wort
kommt nur bei den an der Nordsee wohnenden Seeleuten vor, hier aber auch
bei allen, und sonst nirgends; es mu also an den Nordseeksten seinen
Ursprung haben. Doornkaat vermutet daher wohl mit Recht, da es
ursprnglich eine Leine bedeutet habe mit der die Husen oder Hausen (von
denen die Hausenblase kommt) gefangen werden. Eine gewhnliche
Angelschnur gengt zu diesem Zwecke nicht und es mu also etwas
strkeres genommen werden. Diese Vermutung erhlt eine wesentliche
Sttze durch die Verbindung die das Wort in Groningen eingegangen ist:
huzelntau, huzelingtau (z = s), wie denn auch Molena (Groningische
Mundart) sich die Vermutung Doornkaats angeeignet hat.


*Htte*, die,

war lange Zeit der vornehmste Raum an Bord, auch auf Kriegschiffen,
nmlich der Aufbau, das oberste Stockwerk des Hinterschiffes, also der
Raum unter der Kampanje, wo die Kapitnskajte und (die) Kammern der
Offiziere waren. Durchl. Seehelden: Der gute Admiral Lieutenant Tromp
ward als er von der Htte gieng geschossen; da er niederfiel ward er
wieder aufgehoben, und auf Kissen in der Htte niedergeleget, und starb
mit diesen Worten im Munde: Ich habe gethan, halt guten Muth, o Herr sey
mir und diesem armen Volck gndig. Das hat sich inzwischen durch den
vernderten Schiffbau gendert, man hrt das Wort kaum mehr auer in
Holland, aber auch da bedeutet es nicht mehr was es frher bedeutete,
sondern nur een verblyfplaats der stuurlieden en andere mindere
bevelhebbers, also nicht grade das Logis des Volks, aber doch auch
nicht mehr die Kajte des Kapitns, sondern etwa Unteroffiziermesse. Das
geht auch aus dem wahren Sinne des seemnnischen Sprichworts hervor, das
Lpkes, Seemannssprche S. 44 angefhrt: Als het in die Kajuit
regent, dan druipt het in de hut. Das heit aber nicht blo, da, wenn
die Hheren leiden, die Niederen in Mitleidenschaft gezogen werden,
sondern da es diese in verstrktem Mae trifft, wie man sagt Aus dem
Regen in die Traufe kommen; die Meinung ist die: Wenn der Kapitn den
Steuermann in die Kajte bittet und ihm da etwas vorhlt etwa mit den
Worten: ich mu doch bitten, so gibt der diese Bitte mit einem
saftigen Donnerwetter weiter an die Leute in der Htte.




J.


*ja! ja!*

Der Posten an Bord ruft nachts ein dem Schiff sich nherndes Boot an:
Boot ahoi! Fr die Antwort aus dem Boot kommt es darauf an, wer darin
sitzt. Ist es der Kommandant so wird der Name des Schiffes gerufen, ist
es ein Offizier oder im Offiziersrang stehender Beamter, so lautet die
Antwort ja! ja! Ist niemand von diesem Range im Boot, so wird nein!
nein! gerufen.

Es wird dabei an das, was an Bord zum Empfang des Bootes zu geschehen
hat, gedacht worden sein, besonders auch um anzugeben, an welcher Seite
des Schiffes das Boot anlegen wird, da nur die Offiziere etc. etc. an
Steuerbord, alle andern an Backbord anlegen drfen, bezw. mssen.


*Jacht*, die,

eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines Schiff.
Hollndisch jagt: een jagtschip voor den pronk en het gemak. Van jagen,
omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt; avysjagt,
oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz. In Ostfriesland ist
jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie es sich auf der
Landstrae zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast. Kilian: jaght =
Liburnica, (Liburnen hieen die von den Illyriern erfundenen
Schnellsegler) celox navis praedatoria piratica, myoparo, piraticus
myoparo, navis triremis forma, incredibilis celeritatis. Die Seeruber
haben von jeher gehabt und muten der Natur der Sache nach haben die
schnellsten Schiffe.

Unter dem Schiffzeug auff der Donauw das 1565 Frohnsperger anfhrt,
kommen unter anderm vor: weiter ber die hundert guter ziemlicher ander
Schiff, auch gro klein und ander Nachen, *Renn und Jagschiff*, so
gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr und Streit gegen den
Erbfeind (Trken) verordnet. Eine nordische Expedition die 1594 von
Holland aus ber Nova Zembla hinaus unternommen und von Johann Huygen,
einem der Teilhaber, beschrieben worden ist, bestand aus drei Schiffen.
Auf dem Schiff von Amsterdam war Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm
Barentz von der Schelling, Brger zu Amsterdam, ein erfahrener und wohl
versuchter Seemann. Der hatte ein Schellinger Fischer-Jacht bey sich,
ihn auf seiner frgenommenen Reyse, wenn er etwa von den andern solte
abkommen, Gesellschaft zu halten. Ob er diese Jacht an Deck genommen
hatte? Jedenfalls fhrte das Admiralsschiff eine Jacht an Bord mit, die
ausgesetzt werden konnte. Mittlerweile da sie also durch das Ei
hinfuhren, sahen sie etliche Morsen oder Meer-Pferde auf den Eischollen
liegen; Einer von de Admirals Volck scho einen davon mit einer Kugel,
und weil sie vermeynten, da er dasselbe genug getroffen, *setzten sie
die Jacht auss*, und verfolgten es so nahe, da sie ihm noch ein Harpun
in den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit gengsamer Leine
nachschleppten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht berwltigen,
weil es sich so gewaltig wehrte, da es allen, die in der Jacht waren zu
thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern,
damit sie wieder dasselbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten
ergriff, und die Eisen gantz krum bi, seine Zhne ber den Bord hin
schlug, die Schuyte umzureien. Es wird also hier Jacht und Schuyt
(Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet
(Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Kriegsschiffe. Die Jacht der
Windhund, fnffzig Last gro, mit zehn Stcken Geschtz und dreyssig
Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stcken und
vierzig Bootsgesellen fhrend. Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten,
mit zehen Stcken und vier und fnfzig Matrosen. Die Jacht der David
von sechzig Last, mit vierzehn Stcken, sechs Steinstcken, und
zweiundvierzig Bootsgesellen. Die groe Jacht der Hollndischen
Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avoit 66 pis de long, 19 pis de
large, et 6 pis de creux sous les goutieres. L'trave avoit 9 pouces
d'pais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 pis 3 quarts de large par le
bas, 2 pis et un quart par le haut, 12 pis de hauteur, 10 pis de
quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'pais u. s. w. Siehe
Aubin, wo auch alle brigen Mae ausfhrlich angegeben sind. Die Heere
Jacht die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark
vornber neigendem Mast. Bemerkenswert ist, da schon vor zweihundert
Jahren das Wort franzsisch Yacht geschrieben wurde und da auch damals
in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebruchlich war. Diese ist
also nicht etwa englisch, sondern die Englnder haben den Namen mitsamt
der Sache aus Holland bekommen. Da sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht
und nicht Jacht whlten, geschah aus Grnden der Aussprache, wie htten
die Englnder, wie vollends die Franzosen Jacht aussprechen sollen?

In unserem gegenwrtigen neuhochdeutsch-seemnnischen Sprachgebrauch
wird das Wort -- Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot
gesprochen -- kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: a light and
elegantly fitted up vessel, used either for pleasure trips or racing, or
as a vessel of state to convey kings, princes etc. etc. from one place
to another by sea. There are two distinct species of yacht: the mere
racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with fine
lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant, commodious,
well-proportioned travelling-yacht, often with steam propelling
machinery, fit for a voyage round the world.

Da aber diese Art Schiffe und ihr Name aus den Niederlanden nach
England kamen, beweist eine Stelle aus dem berhmten Diary des Evelyn,
der unter Knig Karl II. von England lebte und schrieb: I sail'd this
morning with his majesty in one of his *yachts*, (or pleasure-boats),
vessels not known us till the Dutch E. India Company presented that
curious piece to the king, dessen Nichte Maria mit Wilhelm III. von
Oranien sich verheiratete und mit ihrem Gemahl spter (1689) den
englischen Thron bestieg. Roeding (1794) beschreibt Bauart und Takelage
der Jachten und fgt dann hinzu: Man gebraucht die Jachten, die sehr
schnell segeln, auch Nachrichten, Paquete und Briefe von einem Ort zum
andern zu bringen, und solche nennt man Advisjachten und Postjachten.
Etliche Stdte und groe Herren unterhalten auch Jachten zu ihrer
Belustigung, die man Herrenjachten oder Spieljachten nennt.

Es ist bei der Erklrung festzuhalten, da jagen zunchst nicht auf die
Jagd gehen bedeutete, sondern sich schnell vorwrts bewegen, eilen,
rasch laufen, wie es ja auch heute noch gebraucht wird; daher jach, jh,
jhlings. Graff vermutet, das althochdeutsche jagon knne eine aspirirte
Form von agan sein, was dann mit dem gotischen ogan, timere, und agian,
terrere, verwandt wre, sowie mit dem althochdeutschen egi, timor. Dann
wre Aegir (Oegir), der Meergott, ein Jger, einer der die Elemente
Wasser und Luft im Sturm vor sich herjagt.

Frher gab es im Niederdeutschen auch die Form jageschip fr schnelles
Seeruberschiff; seerovers mit klenen jageschepen.


*Jackstag*, das,

besteht (Dick u. Kretschmer II 126) aus zwei mit eingespliten Augen auf
den Rahenocken aufgestreiften Drahtenden, welche durch die an der
Oberkante der Verstrkungsringe der Rahe angeschweiten Augen nach der
Rahemitte fahren und hier, nachdem in jedes derselben eine Kausch
eingebunden, an der Achterkante der Rahtakelblcke durch einen Taljereep
miteinander verbunden werden. Das Jackstag dient zum Annhen des oberen
Segellieks.

Obgleich oder vielmehr gerade weil jack als Abkrzung von Jakob im
Englischen in so unzhligen Zusammensetzungen vorkommt, gewhrt es fr
die Erklrung keinen Anhaltspunkt. Es bedarf dessen aber auch nicht, das
Wort lt sich aus dem Deutschen erklren. Es ist davon auszugehen, da
das Jagstack aus zwei Stcken besteht, die sich von zwei Seiten einander
nhern da, wo sie sich am nchsten kommen, miteinander verbunden sind,
wie zwei in einem Joche gehende Ochsen. Und an ein Joch, niederdeutsch
juk (vergl. Juchart), denken wir, dem die Wurzel yug, fesseln, binden,
verbinden, zusammenbinden zu Grunde liegt. Eben durch solches
Zusammenbinden der beiden -- an Backbord, an Steuerbord befindlichen
--Teile entsteht ein Jackstag. Das mte also eigentlich Jukstag heien
und hat wohl auch ursprnglich so geheien, namentlich im
Niederlndischen; von daher haben es die Englnder bernommen und, wie
sie denn auf Verbindungen aus jack geradezu versessen sind, so haben sie
jackstag daraus gemacht. Wir aber haben es in dieser Form wieder
zurckempfangen, soda dieses Wort dieselbe Geschichte hat wie das
vorhergehende.


*Jager*, der,

das allervorderste Segel des Vorgeschirrs, am verlngerten Bugspriet,
dem *Jagerbaum*. Frher hieen auf Kriegsschiffen die beiden Kanonen,
die zuvorderst am Vorsteven standen, Jager, weil sie bei der Jagd auf
ein feindliches Schiff besonders gebraucht wurden. Da gerade das
vorderste Segel jetzt Jager heit, ist sinnreich und bedeutungsvoll dem
Namen der beiden Kanonen nachgebildet. Da dabei wirklich an Jagd im
Sinne von ein Wild jagen gedacht ist und nicht blo an schnell
fahren, beweist ein doppelter Umstand. Einmal der, da im
Niederlndischen der Junge, der beim Treideln der Treckschuit das Pferd
antreibt, jager heit, gewhnlich, weil er noch ein Piccolo ist, het
jagertje. Vgl. die Nota beim Teuthonista: dyt Jagen mach men oick op
drijven duytschen. Zum andern aber steckt in dem englischen Wort fr
Jager, jib, dieselbe Gedankenverbindung. Altfranzsisch heit aler
gibier, aler en gibier, tre en gibier jagen, Vgel jagen; daher das
neufranzsische gibier, Wildbret. Gibet, Galgen, soll eigentlich Strick
um den Hals bedeuten, soda der Gedanke an eine Vogelschlinge nahe
liegt.

Wie ein Jger in manchen oberdeutschen Dialekten ein Jchter heit,
so heit unser Jager auf Wangerooge (die Schreibart mit e am Schlusse
ist entgegen der preuischen von Langeoog und Spiekeroog die offizielle
oldenburgische) jageder.


*Jakobsleiter*, die,

eine Strickleiter hoch oben an der Bramstenge, auf der die
Oberbramsegelsgste zu ihrer Oberbramrahe aufentern. Die Benennung
drfte, wie auch Jakobsstab, von den sehr bibelfesten reformierten
Niederlndern aufgebracht worden sein. Sie bezieht sich auf die von
Jakob im Traum gesehene Himmelsleiter, Genesis 28, 12.


*Jakobsstab*, der.

Das Werkzeug, dessen sich die Astronomie vor Zeiten bediente, um die
Sonnenhhe zu beobachten. Auf dem Titelbild des Dictionaire de Marine
von Aubin, Amsterdam 1702 ist eine Amsterdamer Werft abgebildet, auf der
man unter allerlei sonstigen seemnnischen Gertschaften einen
Jakobsstab liegen sieht; und rechts, auf dem Wappen von Amsterdam sitzt
einer, der gerade im Begriff ist, mit einem solchen die Sonne zu messen;
demgem hlt er den dreifach gekreuzten Stab so in die Hhe, da er
sinnreich und bedeutungsvoll den Mittelpunkt des ganzen Bildes bildet.
Der Name stammt, wie Jakobsleiter, aus der Bibel, Genesis 32, 11: ich
hatte nicht mehr als diesen Stab, da ich ber diesen Jordan ging. Auch
auf dem Titelbild der Seekarten Waghenaer's Amsterdam 1588 steht am Heck
eines alle Leinwand zeigenden Schiffes ein Mann im Begriff, mit dem
Jakobsstab zu beobachten.


*Jan Maat*

ist eine scherzhafte, volkstmliche Bezeichnung fr Matrose im
niederdeutsch-niederlndischen Sprachgebiet. Hier bedeutet Jan eine
Abkrzung des ungemein beliebten und hufigen Namens Johannes, die aber
kaum als eine solche empfunden wird, sondern als ganz selbstndiger Name
auftritt. Maat aber heit Geselle, Genosse. Ein berhmter Snger unserer
Tage singt ein reizendes kleines Lied von einem Mdchen, das von
verschiedenen Fahrenden gefragt wird, ob es mitfahren wolle. Jan Maat
fragt auch; da aber der Snger Jean Maat ausspricht, als ob es
franzsisch wre, geht ein gut Teil der Wirkung des Liedes verloren.


*Jiggermast*, der,

ist etwas Neumodisches, nmlich der zweithinterste Mast eines
Fnfmastschiffes. Im Englischen heit das, was wir Treiber nennen,
nmlich ein (Mast mit) Segel ganz hinten am Heck, jigger, von to jig =
rtteln, schtteln oder vielmehr *wackeln*. Die Bewegungen des Schiffes
(ganz vorn und) ganz hinten werden am meisten empfunden und fallen am
sichtbarsten in die Augen. Offenbar heit darum der so weit hinten
stehende Treiber jigger; Jiggermast wrde also der gerttelte,
geschttelte, wackelnde Mast sein.


*Jnglefieldanker* s. Anker.


*Jnhlzer*, die.

Der gemeinschaftliche Name fr alle einzelnen Stcke, aus denen ein
Spant besteht, nmlich die Bauchstcke und Piekstcke mit ihren Sitzern
und Auflangern.


*Joch*, das.

Wie alles im Schiffbau, so hat auch die Ruderpinne in unserer Zeit
gewaltige Vernderungen erfahren, so da von der ursprnglichen Pinne
auf vielen Schiffen gar nichts mehr brig geblieben ist. Man hat an ihre
Stelle einen Kreissektor, einen ganzen Kreis, ein Parallelogramm
gesetzt, und die einfachste Verbesserung ist noch die, da man anstatt
der Pinne zwei Jocharme auf die Ruderspindel gesetzt hat, an denen das
Ruderreep befestigt ist. Dieses Joch bedeutet grosse Kraftersparnis und
Sicherheit. Frher nannte man Ruderjoche zwei Taljen, die die Ruderpinne
bei schwerem Wetter halten halfen.


*Jolle*, die,

heit jetzt ein kleines Schiffsbeiboot das gewhnlich gerudert wird,
aber auch segeln kann und besonders als Kochboot fr Kche und Stewards
dient, auch gebraucht wird um Beurlaubte in geringerer Zahl an Land zu
bringen oder wieder abzuholen, berhaupt ein Arbeitsboot, kurz aber
ziemlich breit. Zu dem angegebenen Zwecke dient die Jolle schon seit
Jahrhunderten. Aldus was gemelte H. K. szulffander mith eynere jollen
ilendes in de hauene nha zodaneme schepken gefaren (aus Wismar 1520).
Ostfriesisch jul, jlle, niederlndisch jol, wangerlndisch jel, auf der
Spree gelle, sonst niederdeutsch auch golle und jlle, (g und j lt
sich oft nicht auseinanderhalten); dnisch jolle, englisch yawl,
schwedisch jelle, julle, franzsisch jelle, jol. Wegen der Formen mit g
im Anlaut ist Herkunft vom griechischen gaulos nicht unwahrscheinlich.
Und zwar wrde sogar die Form heute noch stimmen, da gaulos ein *ovales*
phnizisches Lastschiff war. Ob nun die Friesen und Sachsen, die frhe
schon die franzsischen Ksten mit ihren Schiffen befuhren, das
inzwischen durchs Lateinische und Provenalische ins Franzsische
gedrungene Wort mit heimgefhrt haben, ob vielleicht in uralten Tagen
schon die Phnizier selbst es an den Ksten der Nordsee zurckgelassen
haben, das wird sich schwer entscheiden lassen. Jedenfalls hat es schon
frh einen Zeitpunkt gegeben, wo die Jolle im Gedankengang deutscher
Seeleute eine bedeutende Rolle spielte, da sie den einfachsten
Flaschenzug nach ihr *Jolltau*, *Jollentau* auch kurzweg *Jolle*
nannten.


*Jollentau*, *Jolltau*, *Jolle*, die,

ein Tau ber eine Scheibe laufend. Schon mit einem solchen kann sich ein
Mann selbst in die Hhe winden. Zunchst wird man nach dem
(Schiffs)boot, das den Namen Jolle fhrt ein Haupttau desselben Jollen-
oder Jolltau genannt haben, und erst hieraus ist der Krze wegen Jolle
entstanden, dessen Bedeutung zunchst allgemein Bootstau war, aber nach
und nach auf ein besonderes Tau eingeschrnkt wurde, wie Hochzeit
ursprnglich jede Freudenzeit hie und hernach auf eine groe
Freudenzeit des Lebens beschrnkt wurde.


*Junge*, der.

Ein Schiffsjunge ist heutzutage etwas anderes als vor hundert Jahren ein
Junge auf dem Schiffe war. Von diesem schreibt Roeding, da solcher ein
Knabe von 7-9 Jahren sei, der dem Kapitn und den brigen
Schiffsoffizieren zur Aufwartung diene. Auf Kauffahrern trifft man
gewhnlich nur einen Kajtsjungen oder Kajtswchter an, fr den
Kapitn. Auf groen Schiffen aber befindet sich auer dem Kajtswchter
noch ein Hofmeister, auch halten sich mehrere Schiffsoffiziere einen
eigenen Jungen, so giebt es z. B. Bootsmannsjungen, Kochs-Jungen etc.
etc. Bey jeder Back ist ebenfalls ein Junge, welcher der Backsjunge
genannt wird.

Jetzt ist ein Schiffsjunge ein der Schule entwachsener junger Mensch,
der zur See fhrt, wohl auch einmal zu allerlei Dienstleistungen
gentigt wird, aber dessen Hauptbeschftigung doch die Erlernung der
Seemannschaft und dessen Ziel die Heranbildung zum Matrosen, wo mglich
zum Steuermann und Kapitn ist.

Die Schiffsjungen der Kaiserlichen Marine sind junge, konfirmierte
Burschen, die im Schiffsjungen-Institut, 24. April 1850 gegrndet, auf
Staatskosten so im Seemnnischen und Militrischen ausgebildet werden,
da sie einmal brauchbare Unteroffiziere, und, wenn sie sich dazu
eignen, Deckoffiziere werden knnen.


*Jungfer*, die,

ein Block ohne Scheibe, rund, breit, wie eine abgeplattete Kugel, mit
drei Lchern in Gestalt eines Dreiecks; dient hauptschlich dazu die
Hofttaue der Wanten anzusetzen. Mit einigem guten Willen kann man in dem
Block das rundliche Gesicht einer Jungfrau sich vorstellen. Andere
Nationen haben ihrer Einbildungskraft eine andere Richtung gegeben; die
Franzosen sagen, was vielleicht noch treffender ist, cap de mouton,
Schafskopf, auch, weil der Block schwarz ist, cap de more, Mohrenkopf;
die Hollnder sagen neben juffer = Jungfer, dood-mans-oog, eines toten
Mannes Auge; die romanischen Sprachen sagen bigota, wohl mit bigote =
Knebelbart eins, haben also auch an das Gesicht eines Mannes, aber eines
lebendigen, gedacht. Die entsprechenden drei Lcher einer Kokosnu
nennen die Englnder sehr bezeichnend monkey.


*Jungmann*, der,

ist ein eigentmlicher Mensch, kein Junge mehr und noch kein Mann, noch
kein seebefahrener Vollmatrose, aber auch kein Schiffsjunge mehr = ein
Jungmatrose. Seit die Marine die Ausbildung im Schiffsjungeninstitut
abgekrzt hat, gibt es auch hier Jungmatrosen, die aber den Namen
Leichtmatrosen fhren, weil sie noch nicht ganz fr voll, eigentlich
schwer genug befunden werden.


*Jtte, taube* s. Davit.




K.


*Kabbelung*, die,

gewhnlich in der Verbindung Stromkabbelung, das Zusammentreffen zweier
Strmungen, der Streifen auf dem die Grenzen der zwei Strmungen an
einanderschlagen und ein hrbares Gerusch verursachen. *Kabbeln* ist
ein lautmalendes Wort, das schlagen, anschlagen, pltschern, klatschen
bedeutet; wenn die Wellen von zwei Seiten gegen einander schlagen und
klatschen; dann auch im bertragenen Sinne, aber nicht in dem von
klatschen = schwtzen, nachsagen, sondern in dem von laut zanken,
streiten, keifen; sich kabbeln = sich streiten. Indessen wird kabbeln
nicht nur von dem Sichbegegnen zweier Strmungen, sondern auch berhaupt
von dem Anschlagen des Wassers an irgend einen harten Gegenstand
gebraucht.


*Kabel*, das,

ist ein starkes Tau, frher anstatt der jetzigen Ankerkette als Ankertau
gebraucht, eine Trosse, Kabeltrosse; jetzt besonders wichtig
unterseeisches, transatlantisches Telegraphenkabel.

Lbeckische Chronik: dat groteste schip konden se nicht weg bryngen,
wente syn kabel was gehouwen. Ein Tanz der Matrosen hie kabeldanz,
Renner, Brem. Chron.: Dar dantzeden de boetslude den kabeldantz etlicke
mahl, welches den commissarien seltzam was, doch woll gefell.

Der Teuthonista schreibt: cabel = lyn, reep, seel, to vo dair mede men
eyn schyp an dat lant vestiget offte merret. Die Form cabel erinnert
durch das c an den Ursprung des Wortes, griechisch kaplion; lateinisch
capulum, caplum, abgeleitet von capere, fassen, halten. So ist das Wort
schon vor bald 13 Jahrhunderten erklrt worden. Isidor von Sevilla, geb.
560, gest. 636 n. Chr., der die Westgothen in Spanien zur katholischen
Kirche zu bekehren suchte, und der das groe Verdienst hat der
germanischen Welt durch seine schriftstellerische Ttigkeit die
klassische und patristische Gelehrsamkeit bermittelt zu haben, dessen
Werke auch das ganze Wissen jener Zeit enthalten, hat zwar nicht die ihm
nachgesagten Pseudoisidorischen Dekretalen, wohl aber ein groes Werk
Origines s. Etymologiae geschrieben, eine Art Encyklopdie. Da lesen
wir: capulum funis a capiendo.


*Kabelaring*, die,

kommt seit Einfhrung der Ankerkette an Stelle des Ankerkabels kaum mehr
vor, war aber frher ntig, da man die dicken Ankertrossen selbst nicht
gut um das Spill legen konnte wenn man Anker lichten wollte. Da wurde
denn ein dnnes Tau an das Kabel befestigt und mit dem Spill
eingewunden, so da dann das dicke mit hereinkam. Eine Weiterbildung von
Kabel. Bei Roeding ist eine sehr deutliche Abbildung und Beschreibung;
da die Sache veraltet, tut eine solche hier wohl nicht not.


*Kabelgarn*, das, s. Garn.


*Kabellnge*, die,

war frher ein vielgebrauchtes Ma zur See und ist auch jetzt noch im
Gebrauch, wenn es sich nicht um genaue Angaben, sondern ungefhre
Schtzung handelt.

Jetzt wird auch zur See nach Metern gerechnet. Es war aber auch zur Zeit
der Herrschaft der Kabellnge nicht einheitlich genau bestimmt, was oder
wie lang eine solche wre. Es gab Ankerkabel von 150, es gab auch solche
von 120 Faden; doch waren erstere die normaleren. Schon 1588 finden
wir das Wort bei Waghenaer: Item om die Voort te treffen, so sult gy op
twe Cabels lengte by de Clippen van de Backovens lancx zeylen.


*Kabine*, die,

nur im Sprachgebrauch der Handelsmarine vorkommend, Wohn- und Schlafraum
eines Offiziers oder Passagiers; auf Kriegsschiffen ausschlielich
Kammer genannt. Das Wort stammt aus dem Keltischen, wo cab Zelt oder
Htte hie. Das Bremer Wrterbuch hat die Form cave und bezeichnet
damit eine von Latten und Brettern umschlossene Ecke, wo man Vieh
hinstellt; also nicht den ganzen Stall, sondern einen Teil vom Ganzen,
einen Koben, einen Schweinekoben. Wenn der Bauer sein Kind etwa
liebkosend zwischen beiden Knien einschliet, so spricht er: ik hebbe
den Jungen im Kaven. -- angelschsisch cofa, englisch cabin. Eine
Kabine konnte um so eher nach einem Kaven genannt werden als eine solche
ursprnglich kein so eleganter Raum war, sondern schmucklos aus ein paar
Brettern zusammengezimmert. Eine scherzhafte und verchtliche
Weiterbildung ist Kabuf und Kabache.

Ueber das Wort cab uert sich Diefenbach, Celtica p. 118: cab ist ein
uraltes kymrisches Wort und bedeutet Htte, Zelt; im Breizonek
(Bas-Breton, Mndungsgebiet der Loire): caban, cabannen = cabane. Die
Briten haben also auf der Flucht nach Frankreich das Wort mit ber den
Kanal genommen und das Franzsische damit bereichert. Glisch: caban =
Htte, Zelt. Da das Wort im ganzen keltischen Sprachgebiet bekannt war,
beweist die Bedeutung die Isidorus (Isidorus von Sevilla, gestorben 636,
originum s. etymologiarum libri XX) dem aus dem Keltischen ins
Mittellateinische gedrungenen Worte capanna = Htte gibt: Hanc rustici
Capannam vocant, quod *unum* tantum *capiat* (!) Daher italienisch
capanna Strohhtte, spanisch cabanna, franzsisch cabane. Vergl.
Kampanje, Kambse, Kajte.


*Kadett*, der, s. Seekadett.


*Kabliau*, der,

der bekannte groe, schwere, schmackhafte Seefisch der besonders auf den
Neufundlandbnken zu Millionen gefangen und meist in der Form von
Stockfisch gegessen wird, gadus morrhua. Der Name Kabliau ist seit Ende
des 13. Jahrhunderts bekannt und seitdem bei allen seefahrenden Germanen
(mit Ausnahme der Englnder) im Gebrauch. Er ist ein sehr gefriger
Fisch, der gierig nach allem schnappt, weshalb auf den erwhnten
Neufundlandbnken oft ein Mann 400 bis 500 Stck an einem Tage fngt.
Daher liegt der Schlu nahe, der Name komme von kabbeln, von einer
Wurzel gabh = schnappen, beien, klaffen; niederdeutsch heit der Fisch
kabbeljau, kabeljau. Gegen einen Krug Rum kann man von den Fischern auf
der genannten Bank (viel Franzosen) eine ganze Schiffsbesatzung satt
machen mit Kabliau. Im Munde des Seemanns hat sich aber das Wort darum
so eingebrgert, weil jedesmal wenn das Tieflot geworfen wird einer
aussingt: Warschau von untere, Kabliau en Flundere, welcher Versanfang
dann auch sonst gebraucht wird, wenn einer den andern warschaut (s.
d.).


*Kahn*, der,

ein in der Seemannssprache -- auer im Scherz anstatt Schiff -- nicht
gebruchliches Wort fr Boot, beinahe ausschlielich auf Binnensee- und
Fluboote beschrnkt, (wie z. B. am Rhein auer den zahlreichen
Landstellen fr die Dampfer es auch noch viele Kahnstationen gibt, auf
denen ein Kahn lngsseit des stoppenden Dampfschiffs kommt). Das wrde
aber an sich noch kein Beweis gegen die behauptete Abstammung von dem
westindischen Worte canoe sein, da das Wort doch in allen Kstenlndern
der Nordsee zu Hause ist, wenn nicht das Wort schon vor der Entdeckung
Amerikas bekannt gewesen wre. Nun kommt aber in einer Lbecker Urkunde
vom Jahre 1342 die Stelle vor: nemen enen kanen gheladen mit vser
borgher gude.

Mittelniederlndisch kaen, neuniederlndisch kaan, auf Wangerooge kunne;
altnordisch kani und wohl von hier aus durch die Normannen ins
Altfranzsische getragen als cane, neufranzsisch canot, denn wenn es
dahin direkt aus dem Lateinischen gekommen wre, so wrde von canna die
altfranzsische Form canne lauten. Wir mssen daher fr die Erklrung im
Germanischen bleiben. Da nun im Islndischen kaena sowohl Fischerboot
als auch Schpfgef genannt wird, diese beiden aber in ihrer
einfachsten, ursprnglichen Gestalt aus ausgehhltem Holz bestanden, der
Kahn aus einem hohlen Stamm, und das Schpfgef (*die Kanne*) aus einem
hohlen Ast, so ist als gemeinschaftlicher und ursprnglicher Begriff der
von ausgehhlt, hohl anzunehmen, und die Wurzel khan, von der dann
doch auch lateinisch canna und canalis kommen, so da also, wenn auch
auf Umwegen, Kanal und Kanone und Kanne und Kahn verwandtschaftlich
zusammenkommen, mit dem Familienmerkmal des Hohlen, des mit Kunst
Ausgehhlten, Ausgegrabenen.


*Kaje* (Kai), die.

Nicht blo eine Kste oder ein Gestade, auch nicht blo Ufer und
Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschenhand durch ein Bollwerk oder
eine Mauer befestigte und fr seemnnische Zwecke bequem gemachte
Wasserkante.

Spanisch cayo, altfranzsisch caye, franzsisch quai, Damm an Flssen,
Deich. Niederlndisch kaai, englisch kay, niederdeutsch Kaje, welche
Form als die beste, bequemste und brauchbarste wieder eingefhrt zu
werden verdiente, wenn nicht berhaupt der Staden (s. d.) den Vorzug
verdient. Das Bremer Wrterbuch gebraucht ausschlielich die Form
Kaje, sie ist also vor hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus
dem Munde unserer Seeleute ist sie ohnehin nie durch Quai verdrngt
worden. Kilian hat die hnliche Form, in der Aussprache aber wie Kaje
lautend, Kaeye = litus, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches
Wort. Wenn es auch aus dem Keltischen stammt, so ist es doch unserem
Seemann schon vor unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut
bergegangen. Dietz nimmt an das kymrische Wort cae, Zaun, Umzunung,
bretonisch kae, auch Deich, sei die Grundbedeutung, und Diefenbach
(Celtica 116) besttigt das. Und zwar kommt das Wort von einem
keltischen Namen, der ursprnglich Jagd bedeutet (daher italienisch und
rtisch caccia, spanisch, portugiesisch caa, franzsisch chasse), dann
Jagdgehege, hernach berhaupt einen durch einen Zaun eingeschlossenen
Raum, einen Haag; bald auch Zaun berhaupt; so im Kymrischen cae =
hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus wird dann im Breizonek Wallmauer,
also schon ganz unser Fall. Kaje war also anfangs keine Mauer, sondern
ein Zaun, der nach und nach von immer strkeren Pfhlen gebildet wurde,
bis allmhlich unser Bollwerk daraus wurde. Da eine Mauer nicht
notwendig zu einer Kaje gehrt wird bewiesen dadurch, da man
ausdrcklich von einer Kai-*Mauer* spricht, wenn man eine solche
bezeichnen will.

Der bersetzer der Durchlauchtigsten Seehelden 1681 hat im
Hochdeutschen durchgngig die Form die Kay, z. B. wo er von der
milungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende spricht (1628): In
dieser Gestalt kamen sie an die Kay, ausserhalb der Stadt, allda stiegen
sie ber die Fehr und andere Schiffe, die in den Haven lagen ...


*Kaien.*

Die Rahen nach der Lnge des Schiffes, also parallel mit dem Kiel
brassen und zugleich auftoppen; ein Manver das auf Kriegsschiffen
hauptschlich beim Andecknehmen der Rahen ausgefhrt wird, bei
Handelsschiffen aber, die oft eng zusammen in einem Hafen liegen,
vorgenommen wird, damit die Rahen andern Schiffen nicht im Wege sind.
Weiland: Kaaijen een seewoord, ook toppen genannt geschieht waneer
het schip te veel slingert, of door eene engte moet. Die nchste
Bedeutung ist also die: Ein Schiff in Bezug auf seine Rahen in den
Stand bringen in dem es fr sich und andere am bequemsten *an der Kaje*
liegen kann. Von dieser ersten Bedeutung (nicht nach der Zeit, sondern
nach der seemnnischen Schtzung ersten) kommt dann der Begriff: eine
Rahe aus einer Lage in die andere bringen, auch wenn das Schiff nicht an
der Kaje liegt oder durch eine Enge hindurch will, also bei dem vorher
erwhnten Manver, oder in dem Sinne wie 1699 das hollndische Kaayen
mit changer l'artimon bersetzt und mit de besaan doorkaijen, of van
d'eene sy tot d'andere brengen.

Die weitere Bedeutung von Kajen ist aber -- und hierbei kommt der
eigentliche Sinn von Kaje als Schutzding zur Geltung -- schlieen,
dmmen, einschlieen, eindmmen, mit einem Damm umgeben, abschlieen,
ostfriesisch inkajen, bekajen, ofkajen, umkajen.

Mittelniederlndisch kaeijen, appelere, intrare portum (also erste
Bedeutung) altfriesisch aber kaya, schlieen (zweite Bedeutung), wovon
kay, Schlssel (mith fif keien te undslutane); englisch key.


*Kajte*, die,

der Raum, in dem der Kapitn haust, auf Passagierschiffen der
gemeinschaftliche Raum der Kajtspassagiere. Mit Kambse, Kabine, Koje
und Kampanje verwandt, hnlich wie Kambse tautologische
Zusammensetzung, nmlich vom keltischen cab = Bretterverschlag, und
Htte, vielleicht unter dem Einflu des franzsischen cahute entstanden.
Schon bei Kilian: kaiute, kaiuyte, cubile naucleri, cubiculum nauarchi,
aber auch locus in navi ubi remi et gubernacula reponuntur. Im Dnischen
hat sich das h von Htte noch erhalten: kahyt.

Das Wort Htte ist auch fr sich allein in seemnnischem Gebrauch, s. s.
v.


*Kalfatern*,

richtiger Kalfaten, heit an einem Schiffe die Nahten (Fugen zwischen
den Planken) mit Werg verstopfen, solche nachher mit kochendem Pech
berziehen (und das Pech, welches neben den Nahten auf den Planken
sitzen bleibt, mit Schrapern abschrapen). Das Werg wird mit den
Kalfateisen, worauf mit dem Kalfathammer geschlagen wird, in die Nahten
getrieben. In Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und in etlichen
andern Lndern gibt es eigene Arbeiter, welche die Schiffe kalfaten, und
solche werden Kalfaterer genannt. An solchen Orten aber, wo eben keine
Kriegsschiffe erbaut werden, wie z. B. in Hamburg, verrichten die
Schiffszimmerleute diese Arbeit selbst! Man braucht dazu, 1. ein
*Scharfeisen*, die Nahten etwas zu erweitern, damit das Werg besser
eindringe, 2. ein *Kalfateisen*, stumpf, das Werg einzutreiben, 3. ein
*Rabatteisen*, der Lnge nach einmal oder zweimal wie eine Rabatte im
Garten durch eine Vertiefung geteilt, zum weiteren Eintreiben des Wergs,
und 4. das *Spikereisen* mit einer halbrunden Schneide, das Werg bei den
Spikern und hlzerne Ngeln einzuschlagen.

Mit den *Nahthaken* wird vorher das alte Werg aus den Nahten
herausgerissen.

Bei groen Schiffen, deren Planken der Bordwnde sehr stark sind, wird
statt des Rabatteisens ein *Klamei*eisen gebraucht, mit einem eisernen
Stiel, mit dem ein Kalfaterer das Eisen auf das Werg hlt, whrend ein
anderer mit dem *Moker* darauf schlgt; das nennt man *klameien*;
(Weiterbildung des niederdeutschen klam = Pressung, Druck, Drang, Zwang,
weil das Werg in die Naht gezwngt, gedrngt, gepret wird, mit Klamm,
klemmen eins). Moker aber ist ein niederdeutscher Ausdruck fr einen
zweischlgigen Hammer, wahrscheinlich wegen seiner an beiden Seiten
abgestutzten Gestalt, wobei man an mittelhochdeutsch mocke zu denken
hat. (Mglich wre auch immerhin, da einmal von ganz ungewohnter Seite
her ein Wort in die deutsche Sprache eingedrungen wre, nmlich aus
Finnland. Breusing schreibt: Jakob Grimm erzhlt in seinem Berichte
ber das finnische Heldengedicht Kalewala, da es ihm frher nicht
mglich gewesen wre, die Herkunft dieses Wortes festzustellen; nun aber
zeige es sich, da es finnischen Stammes sei, denn mou-kara bedeute
malleus maximus.) Die Frage ist nun, was ist kalefaten fr ein Wort? Es
ist in der absonderlichsten Weise gedeutet worden. Schon Kilian erwhnt
eine Deutung die mit kalos = schn und fat = Fa zusammenhngt. Das
Bremer Wrterbuch schreibt: Vom franzsischen cale, der untere Teil des
Schiffes und fait von faire, machen. Und Weiland hat kein Bedenken
getragen, sich dieses anzueignen. Es liegt aber auf der Hand, da davon
keine Rede sein kann.

Htten wir nur das lateinische calefacio oder calefacto, dann wre die
Sache einfach, denn das heit warm machen, und der Teer oder das Pech
mit dem die Nahten ausgefllt werden, mu dazu warm gemacht werden,
daher Brabank, (s. d.) der Ort wo das Kalfaten geschieht. Nun kommt aber
das Arabische dazwischen und zwar nicht etwa blo das Neuarabische,
sondern ein gut altarabisches, altsemitisches Wort, das auch im
Syrischen und im Targum-Aramischen zu finden ist. Die Bedeutung ist
eigentlich = entwinden, schlen, dann beschneiden, dann aufspunden
(den Pech- oder Lehmverschlu von einem Fasse nehmen), dann schumen
von Most; dann aber auch ein Schiff kalfatern und teeren. Darnach
scheint, trotz des Teerens, der Begriff des Warmmachens doch nicht
besonders in dem Worte zu liegen, sondern der Hauptnachdruck auf das
Arbeiten mit dem Werg gelegt werden zu mssen, da dieses doch eine Rinde
darstellt, die durch Entrinden oder Schlen des Hanfs genommen wird, ja
es unterscheidet sich Werg geradezu dadurch von Hanf, da es noch nicht
ganz von der Holzfaser des Hanfstngels befreit, da diese noch nicht
gengend entrindet ist. So ist denn auch die Hauptbedeutung von Kalafa:
die Ritzen eines Schiffes mit Werg verstopfen und dann erst bedeutet
es, weil der Teer eben auch noch dazu gehrt, teeren oder verpichen. Von
wrmen ist also abzusehen, es mte denn sein, da durch das Dichten
das ganze Schiff wrmer wrde, allein daran denkt kein Seemann beim
Kalfaten, nicht einmal in unserem rauhen Klima, geschweige denn unter
der Sonne des Sdens, und demgem ist calefacto bei Seite zu stellen,
und bis auf Weiteres, nmlich bis jemand den Zusammenhang zwischen
kalafa und calefacto darlegt, mssen wir die hnlichkeit beider Wrter
fr ein zuflliges Zusammentreffen erklren und kalfaten fr ein
Lehnwort aus dem Arabischen ansehen -- es gibt deren ja eine ganze
Anzahl in der Seemannssprache. Zumal auch das mittelgriechische
kalafatein entlehnungsverdchtig ist, das trkische kalfat aber einfach
Verstopfung heit, also mit warm nichts zu tun hat. Der Weg auf dem
das Wort zu uns kam, ist durch diese Formen angedeutet: italienisch
calafatare, spanisch calafatear, provenalisch calafatar, franzsisch
calafater, niederlndisch kalfateren, kalfaten.

Der Kalefaktor, der bei einer Behrde die Amtsstuben heizt, kann sich
also nicht fr einen Verwandten des Kalfaterers ausgeben.

In einem Briefe an Frau von Stein schreibt Goethe: Ich kalfatere jetzt
Fenster und Tren und will sehen, wie lange ich mich gegen die Unbilden
der Witterung halte; er gebraucht auch die Wendung ein Kleid
kalfatern.


*Kaliber*, das,

die innere Weite eines Geschtzrohres, auch Seele genannt, oder
berhaupt eines Gewehrrohres. Das Wort wird aus dem Arabischen
abgeleitet, kalib = Modell, also Modell zum Gieen des Geschtzes,
wobei das Modell die innere Seite des Rohres bestimmt. In Frankreich
heit calibre das Modell nach dem ein Schiff gebaut wird, unser Mall.
Eine andere Ableitung ist die von qua libra? d. h. von welchem Pfund
oder Gewicht?, wobei an die Kugel, an das Gescho gedacht wre;
unwahrscheinlich.


*Kalmen*, die,

sind fr Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heie, regenreiche
Striche am quator, oft, weil sie sich in der Richtung desselben
grtelartig weiterziehen, auch Kalmengrtel genannt. Man denkt dabei
zuerst an Windstille und verbindet in der Vorstellung viel Regen damit,
die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Spanischen und
Portugiesischen heit calma, wie auch im Italienischen, nicht blo
Windstille, Ruhe, sondern auch heie Tageszeit. Mittellateinisch
calma, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die
Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an calor geschehen ist. Die
heie Tageszeit ntigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das
Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d. h. fr die Binnenlnder
und berhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im
umgekehrten Gedankengang in Gebrauch genommen; da es ihm zunchst und
vor allen Dingen um Wind zum Vorwrtskommen zu tun ist, so hat er die
erzwungene Ruhe, die lstige Windstille in den Vordergrund gestellt und
denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese
natrlich grade auf See, wo sonst der Seewind das Leben ertrglich
macht, ziemlich unertrglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze
zurckgetreten, da man behaupten kann, da in der Seemannssprache
Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht,
da bekalmt sein nichts weiter heit als ohne Wind sein, in
Windstille liegen und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefhl
fr Hitze haben.


*Kambse*, die,

die Schiffskche. Eigentlich Kabse und verwandt mit Kabine als eine
Weiterbildung von cab. Jetzt steht die Kambse an irgend einem
beliebigen passenden Orte im Schiffe, aber eigentlich ist sie ein
Bretterverschlag an Deck, ein Decksaufbau oder Deckshaus, das frher
nicht nur als Kche sondern auch als Schutz- und Zufluchtsort fr die
Matrosen diente, sogar auch als Raum zum Aufbewahren von Vorrten.
Niederlndisch kabuis und kombuis, wie Hochdeutsch neben Kambse auch
Kombse vorkommt. Keltisch cab, davon franzsisch cabinet. Bei Kilian
kabuyse = promptuarium, cella promptuaria, plenaria. Exedra in navi,
culina nautica. Die nasalierende Weiterbildung von Kabse zu Kambse
entspricht der franzsischen von cab zu chambre, sowie im Englischen dem
Verhltnis von cabin zu chamber. S. Kampanje. Die Lautverschiebung
Kambuse-Kombse hngt mit der niederdeutschen dumpfen und dunklen
Aussprache des a zusammen, (Korl statt Karl). Das keltische cab bedeutet
Bretterverschlag; -se ist die niederdeutsche Form huse fr Haus mit
aphriertem Anlaut, bezw. mit Schwund des aspirierten Anlautes wegen der
Zusammensetzung mit cab. Das Wort hat also ursprnglich cabhus gelautet.
Die Zusammensetzung ist um so eher zu begreifen, als die Bedeutung Haus
bei cab schon frh nicht mehr gefhlt wurde und man doch recht deutlich
sein wollte. Ich werde in dieser Annahme durch die Tatsache bestrkt,
da im Mittelniederdeutschen das Kern*haus* eines Apfels kabuse hie.


*Kambsenbesteck*, das.

Am Lande haben Kchinnen ihre militrischen Freunde manchmal vielleicht
nur deshalb weil hie und da einmal etwas Ebares abfllt. Ganz aus
demselben Grunde hat der in der Kambse sein Wesen treibende Koch seine
Freunde unter den Unteroffizieren. Als einst auf hoher See die
smtlichen Mitglieder der Offiziermesse an Wurstvergiftung erkrankten,
zeigten sich nicht nur bei dem Steward und seinen Maaten, sondern auch
beim Koch und einigen Bootsmannsmaaten, die mit ihm befreundet waren,
dieselben Vergiftungserscheinungen. So ist denn fters in den Freizeiten
in und bei der Kambse gemtliche Versammlung in der ber dies und
jenes, namentlich aber auch ber die Fragen, wie gro das Etmal und wie
wohl das Mittagsbesteck sein mge, verhandelt wird. Da aber
wissenschaftliche Bestimmungsmittel fehlen, so wird das Besteck
gegit, (s. gissen). Naturgem wird oft vorbei gegit und das
Besteck ist verkehrt. Darum nennt der Seemann jede falsche Vermutung,
jede unrichtige Nachricht ein Kambsenbesteck.


*Kampanje*, die.

Der Aufbau auf dem Achterdeck, ganz hinten am Heck, der ursprnglich
Htte hie und lange Zeit auch neben Kampanje so genannt wurde;
eigentlich nur das erhhte Deck selbst, was daraus hervorgeht, da die
Kammern unter dem Aufbau Kammern *unter* der Kampanje genannt werden;
indessen ist doch das Ganze eins und heute noch als Htte anzusehen. So
haben wir also auch hier wie bei Kabine, Kajte und Kambse auf das
unter Kabine behandelte keltische cab zurckzugehen, und zwar auf die
romanische Form capanna. Von dieser ist ein niederlndisches Diminutivum
kapannje gebildet, ein n fiel aus und das m kam rhinistisch hinzu durch
Nasalierung des ersten a, wie in Kambse. Bald verdunkelte sich auch,
ebenfalls wie bei Kambse, Kombse in niederdeutscher Weise das a zu o,
so da schon Kilianus die Form kompanghe hat, op-boetsel, Acroteria. Die
brigen bekannten mittelniederdeutschen Formen sind kompandie,
compannie, companie, compandie, sogar compagnie, stets erklrt mit:
Platz oben auf der Htte, vergl. die unter Badegast angefhrte Stelle
der Hamburger Chronik.

Franzsisch ist das niederlndische kompanje oder kampanje 1702 von
Aubin bersetzt mit le dessus de la Dunette proche du couronnement.
On fait souvent devant la porte de la Dunette un couvert comme un petit
appentis (Schutzdach), soutenu par des pilers et aux bouts du demipont
des apuis et des balustrades, fort bien ouvrages ... On met au-dessus
des dunettes, auprs du couronement, un banc pour s'asseoir, et au
dessous une cage pour des volailles et pour des pigeons; also war schon
damals die Kampanje der Versammlungsort der (dienstfreien) Offiziere,
die da auch schon ihre mitgebrachten Papageyen etc. etc. hngen hatten.
Aber man darf Kampanje doch nicht mit Kompanie, Kumpanie = Gesellschaft
zusammenbringen; auch nicht mit campagne fr champagne von campania,
Flur, Gefilde, angenehmer Aufenthaltsort; noch weniger mit campus,
Schlachtfeld, wovon das deutsche Kampf kommt. Dergleichen Gedankengnge
leiten die Sprache bei dergleichen Benennungen nicht; sie verfhrt
nchtern und knpft an das Nchste, wo mglich etwas Sichtbares und
Greifbares, an; und das war hier der keltische Name cab = Htte.


*Kamerad*, der,

italienisch camerata, spanisch camarada, franzsisch camarade, Gefhrte,
Genosse, eigentlich Kammergenosse, ursprnglich, wie Frauenzimmer, ein
Kollektivbegriff, eigentlich Stubengenossenschaft, nachher erst auf eine
einzelne Person angewandt.


*Kammer*, die,

kommt in der Sprache der Kriegsmarine in vielfacher Bedeutung vor.

1. Der Privat-Wohn- und Schlafraum eines Offiziers etc. etc., der nur
mit diesem Namen, niemals etwa Kabine genannt wird.

2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs fr die Mannschaft und zwar nur
fr neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut
eines Kammer-Unteroffiziers steht.

3. Der Raum am Gewehr.

4. Die so wichtigen Pulverkammern.

5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa da sie auf
dem Schiff wre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern
davon da sie fr ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes
Schiff die Ausrstungsgegenstnde, Gerte, Mbel, Decken, Matten,
Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines
(Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten
und putzen lt.

In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprngliche engere
Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch
camara, mittelhochdeutsch kamera, nmlich Gewlbe, gewlbter Raum,
sondern der sptere, weitere von Raum berhaupt.

Neuerdings kommt, bei dem mchtigen Aufschwung der Photographie, auer
der camera auch noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme.

In Ostfriesland heit Kammer zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur
Schlafstube. Dagegen wird in Groningen Kammer fr Haus gebraucht in der
Verbindung Armenkammer, und man sagt daher wohl, wenn einer da hinein
gesteckt worden ist, er sei Kammerherr geworden.


*Kanal*, der,

ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemter beschftigt und die
Menschen bewegt, weil der berhandnehmende Eisenbahnverkehr gebieterisch
Kanle fordert.

Das Sprachliche ist unter Kahn zu ersehen. Wie eine
naiv-gottesfrchtige Zeit ber die physische Mglichkeit und sittliche
Berechtigung solcher Strung der Natur dachte, geht aus einer Stelle
im Durchluchtigsten Seehelden hervor, wo von der Entdeckung der
Magellanstrae die Rede ist; ... hatten die Spanier mit den Portugiesen
wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit unter einander gehabt,
immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit einen Durch-Zug nach den
Osten durch einen oder andern Weg zu finden gesuchet, weil aber das
Glck diesem Vorhaben nicht fgen wollen, hat man bereits (d. h. nicht
1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520 vor dem Antritt von
Magellans Reise) den Gedanken gehabt, den Isthmum oder die Landenge von
Darien, wo sie am schmlesten, zu durchgraben, da, wenn also Norden mit
dem Sden vereinigt wrde, die Wahren und Kauffmannschafften desto
leichter aus der einen in die andere See zu bringen wren. Weil aber
ihrer viel ber dieser Sache die Meinung hatten, da man die den Wellen
der See gesetzte Dmme und Grntzen, welche die Natur selber gesetzet,
nicht leichtsinniger Weise wegnehmen sollte, indem nicht sonder
Bedenken, da wenn die zwo Seeen in eines zusammengebracht wrden, und
die Norder-Wasser sich erheben sollten, das gantze Land mchte unter
Wasser gesetzet werden. Da eben um dieser Ursache willen vormals der
Knig in Egypten Sosestris und zu unser Zeit der Trkische Kayser
Soliman bewogen, die Durchgrabung der Cathabatnischen Land-Enge nicht
vorzunehmen; andere konnten auch nicht begreiffen, da alle harte und
schwere Steinfelsen, welche die Natur der See gleichsam zu einen Zaum
gegeben, solten knnen durchboret und viel weniger Weg genommen werden,
haltend es fr eine Thorheit und Leichtfertigkeit, dasjenige
abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder aufzurichten, was durch die
hchste Weisheit so vorsichtig und fglich verordnet worden, und hielten
darfr, da man die Strafe von Gottes miflliger Hand darber mit Recht
zu frchten htte, also, da wegen dieser und andern Ursachen und
Absehen beschlossen ward, keine Vernderung in der Gestalt der Natur zu
machen.


*Kanthaken*, s. kentern.


*Kaper*, der,

ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde Schiffe
wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In frheren Zeiten nahmen die
kriegfhrenden Parteien Privatkapitne mit ihren Schiffen als Kaper an
und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer
einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der
wurde als kriegfhrend angesehen, wer nicht, als Seeruber. Aber nicht
immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch
Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als
Seeruber. Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den
gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen
apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve (1539).
Als Knigin Margaretha von Norwegen und Dnemark gegen Albrecht von
Mecklenburg als Knig von Schweden Krieg fhrte und nach der Schlacht
bei Falkping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser Stadt eine
furchtbare Hungersnot. Da erlieen die Stdte Rostock und Wismar eine
Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen Kaperbriefen
ausgerstet die Ksten Dnemarks und Norwegens zu plndern, zugleich
aber auch das bedrngte Stockholm mit Viktualien zu versehen. So strmte
eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages
Viktualienbrder nannten oder kurzweg Vitalienbrder. Damit aber war ein
Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen lie,
denn diese Brder mit ihrem Losungsworte: Gottes Freund und aller Welt
Feind! machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen
ber jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem
Friedensschlu, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehrt hatte,
hrten sie mit ihrer Seeruberei nicht auf, die sie besonders von der
ostfriesischen Kste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben,
ja bis nach Ruland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus
Strtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften
Fhrer. Leider haben sich die ostfriesischen Huptlinge dazu hergegeben,
ihnen Unterschlupf zu gewhren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu
machen; ja es konnte da heien: gleiche Brder, gleiche Kappen, denn
der Seeruberei waren diese Huptlinge auch ohne die Vitalienbrder
schon eifrig genug ergeben. berhaupt waren die sittlichen Begriffe in
diesem Stcke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das
ganze 16. Jahrhundert ber noch so verworren, da alle Anlieger der
Nordsee diesem unerlaubten Nahrungszweig huldigten. Auer den
Ostfriesen werden besonders die Englnder und Norweger namhaft gemacht.
Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrcken-Veldenz war den Hugenotten mit
einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge
durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu
Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz
Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den
Landtransport, sondern whlte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La
Rochelle fand man einen Schiffsmann aus Lbeck, welcher sich zur
Heimreise anschickte, also Rckfracht suchte. Demselben mute jedoch
der Inhalt der an Bord gebrachten Kiste verheimlicht werden, weil nach
dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff
unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das
Schiff sdwrts an die spanische Kste und nachdem es endlich den
rmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und
hergeworfen und entging nur mit Not den berfllen englischer und
norwegischer Seeruber. Endlich wird nach vielen Fhrlichkeiten am 11.
August 1571 der Hafen von Lbeck erreicht. (Heintz, Schlokirche zu
Meisenheim, S. 32. 33).

Das Wort kommt vom lateinischen capio.


*Kapitn*, der,

ist der Fhrer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der Oberste, das
Haupt, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von demselben kommt
auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, kapitulieren,
Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, Kataster etc.
Kapitn hie mittellateinisch capitaneus, altfranzsisch chevetaine und
chataine, daher das englische chieftain.

Noch zu den Zeiten des achtzigjhrigen Krieges war an Bord der
Kriegsschiffe der Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das
Schiff, sondern derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich
hatte. Dieser letztere war der eigentliche Kapitn und hie auch so,
whrend jener Schiffer, Steuermann, Bootsmann hie und nur die
seemnnischen Manver und berhaupt das Nautische zu besorgen hatte.
Wandte man ja auch auf ihn einmal das Wort Kapitn an, so sagt man, um
Verwechslungen vorzubeugen, Seekapitn. In der Marine gibt es
gegenwrtig folgende Kapitne: 1. Kapitn zur See = Oberst. 2.
Fregattenkapitn = Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitn = Major. Diese
werden alle drei angeredet: Herr Kapitn! Aus Hflichkeit, ohne da er
einen Anspruch darauf htte, wird wohl auch hie und da einmal so
genannt: 4. Der Kapitnleutnant = Hauptmann.

Im Mittelalter war Kapitn gleichbedeutend mit Huptling. 1355 is Edo
Wimkenn van den Richteren der Rstring, Oistring und Wangers, nomtlik
van Hillert van Laurens, Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho
Kniphusen, Junge Hedde tho Welens etc erwelet und angenhamen mit synen
Nakomelinge tho ein Capitain und Hovet de lande und luide vorthostaen
und tho regeren, wente de Richter weren des amptes moede und
averdratich. Das erste und lteste Zeugnis fr das Vorkommen des Wortes
Kapitnleutnant finde ich in einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem
Schlosse Ltzburg an den nachmaligen Feldmarschall Dodo von Knyphausen
geschrieben worden ist: Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den
abendt, al man die pforten zuschlieen wollen, einen anschlagh uff die
Hau gemachet, indem er etzliche muquettier bewerter Handt geschickett,
al nun aber solches migelungen und der _captain leutenambt_ vom Heren
Ryngrawen, so im Kruege gewesen, au dem schatthause angerufen worden
... Auf einem Grabdenkmal in der Schlokirche zu Meisenheim (Heintz S.
106) lesen wir von einem Kapitn-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre
alt im Jahre 1688 gestorben ist: Gedachtnu Herren Carl Ludwig
Schmitmans Herren Johan Daniel Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und
Inspectoris In Gott Ruhenden Lieben Sohnes Gewesenen Kapidain
Lieutenants Unter Dem Lblichen Schweizer Regiment Von Salis ... 1747
erschien zu Regensburg ein Buch Auxilia historica oder Historischer
Behulff, in dem werden die Offizier und Personen in einem einzigen
Schiff folgendermaen aufgefhrt: 1. Capitain ist in einem Schiff der
Hchste, so das ganze Kommando darber, und sehr streng, fhret. Er hat
einen Lieutenant. 2. Commandeur hat in einem Schiff nur das Commando
ber die Soldaten. 3. Schiffprediger ist ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist
ber die Segel, und die ganze Equipage. Wird auf dem Mittellndischen
Meer Patron genennet. 5. Steuermann, Pilote, ist, der das Schiff mit dem
Steuer-Ruder nach dem Compa lencket, wohin es soll. Er mu in
Geometria, Astronomia, Geographia, der Karten u. s. w. wohl erfahren
sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und beobachten mit dem Schiffer
die Einrichtung der Segel, bestellen die Wachten auf den Masten und
beratschlagen sich immer wegen der Seekarten, davon sie dem Capitain
Rapport geben. 6. Bosseman, der die Ancker beobachtet. 7. Weiteres ist
darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey Barbier: Ein Schiffszimmermann
oder Baumeister: ein Haupt-Constabler, und andere zwlff. Esquiman oder
Schiemann, hat Aufsicht ber die Pompe, ist sonst Quartier-Meister. Ein
Buddelier mit seinen Gehlffen: Ein Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit
Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser: Segelmacher: Tischler: Schmied:
Feuerwerker: Profos u. s. w. und Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind
die gemeine Bediente und Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt
selbst von nthen, verrichten, mit tawen, anckern, seeglen, wachen.
Seynd in drey Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt,
darber der Schiffer und die zwey Steuermnner commandiren. Insgemein
ein verwegenes Volck: Und hat es theils vonnthen, massen sie in
hchsten Strmen auf den Bumen und Stricken wie die Mucken herum fahren
mssen.


*kappen*

heit im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet schneiden, durchschneiden,
durchhauen. Den Mast kappen bedeutet nicht sowohl diesen selbst
durchhauen, sondern vielmehr die ihn haltenden Hofttaue der Wanten,
damit er abbreche und ber Bord gehe. Die Ankertaue wurden gekappt, wenn
man keine Zeit zum Ankerlichten hatte. Niederlndisch kappen, die Haare
schneiden, Kapper: der Friseur, franzsisch couper. Von diesem kommt
unser Fremdwort coupon und das Zeitwort coupieren; auch Coup.

Ein Kapaun ist ein Kaphan, ein geschnittener Hahn; stammt zwar vom
lateinischen capo, griechisch kapon, aber diese haben mit kappen
dieselbe Wurzel, soda Kaphan ausnahmsweise einmal eine auch sprachlich
zutreffende Volksetymologie ist.


*Kardeel*, ein,

ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau zusammengeschlagen wird,
also hnlicher Bedeutung wie Ducht, nur da das Kardeel strker und in
sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen zusammengedreht ist.
Niederdeutsch kordeel und karteel, auch kordel, wird nicht nur fr den
einzelnen Strang eines Taues, sondern auch fr dieses selbst gebraucht:
idt is ock ein iderer schipper schldich, gode starke kordell unde
windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des Kopmans goder mede in
unde vth setten kann. (Dn. Seerecht). (Nicht zu verwechseln mit einem
anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet, ein Quartteil als Ma
oder Gewichtsbezeichnung.) Franzsisch heien cordage toutes les cordes
qui sont emploies dans les agrs d'un vaisseau. Dieser corde stammt
aus dem italischen corda, vom lateinischen chorda, entlehnt aus dem
griechischen chorde, Darm, Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit
erinnert und an das altnordische garnir, Eingeweide, Gedrme, mit Garn
zu einer Wurzel gehrig, so da also Garn und Kardeel entfernte Vettern
sind. In oberdeutschen Mundarten heit das, was in der hochdeutschen
Schriftsprache Bindfaden genannt wird, Kordel mit kurzem e.

Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore und kor; man liebt daselbst das
Einsilbige. Niederlndisch koord, koorde.

Zu bemerken ist, da es auch Tauwerk gibt, das aus vier Kardeelen
zusammengeschlagen ist, und da also doch die Ableitung Quartdeel nicht
ganz undenkbar ist. Dann wre kardeel als Teil eines Taues, als
Quartteil, ein ganz anderes Wort wie kardeel als Tau selbst. Doch
spricht hiergegen die Seltenheit vierschftigen Tauwerks und vor allen
Dingen die Tatsache, da die Teile *drei*schftigen Tauwerks
hauptschlich und vor allen Dingen Kardeele heien.


*Kartusche*, die,

ein zylinderfrmiger Beutel mit dem zum Laden einer Kanone
ntigen Pulver. Ehedem war der Beutel, wie heute noch bei den
Jagdgewehrpatronen, eine Papierrolle. Daher ward vom lateinischen charta
fr Papier im Italienischen cartoccio gebildet, altfranzsisch cartoche,
franzsisch cartouche, niederlndisch kardoese.

Auch in der Bedeutung Umrahmung kommt das Wort vor, in der Architektur
ein Ornament bezeichnend.


*Karake*, die,

niederlndisch kraak, dnisch, schwedisch karake, englisch carack,
franzsisch caraque, italienisch, spanisch, portugiesisch caraca;
altfranzsisch carraque, vom sptlateinischen carraca, carrica,
Lastschiff, lateinisch carrus, die Karre; wahrscheinlich keltischen
Ursprungs. Nach Roeding die grte Art der ehemals gebruchlichen
Schiffe. Sie hatten zuweilen 7 bis 8 Stockwerk, worunter auch noch eines
auf der Back war. Sie konnten 2000 franzsische Tonnen tragen und
fhrten 2000 Mann Besatzung. Schon im Jahre 1350 schlugen die Spanier
gegen die Englnder auf Karaken. Nun lngst veraltet.


*Karavele*, die.

So hieen die Schiffe der Spanier und Portugiesen, die im Zeitalter der
Entdeckungen nach fernen Ksten fuhren. Kolumbus hatte bei der ersten
Fahrt nach Amerika drei solcher Karavelen unter seinem Kommando. A
caravel was narrow at the poop, wide at the bow, and carried a double
tower at its stern and a single one at its bows. It had four masts and a
bowsprit, and the principal sails were lateen sails. Spanisch und
italienisch caravela, Diminutivum des lateinischen carabus, griechisch
carabos, ein leichtes Schiff, ein Boot und eine Krabbe.


*Kasemattschiff*, das.

Der Kampf zwischen Geschtz und Panzer ist noch nicht beendet. Es werden
fortwhrend neue Versuche angestellt, wie er am zweckmigsten zu fhren
sei, ohne da Gre und Schwere ins Ungemessene gehen. Einer derselben
ist die Einfhrung von Kasemattschiffen, bei denen die mittschiffs
gelegene Batterie besonders gepanzert und als Kasematte behandelt ist.
Dieses Wort hat eine groe Zahl von Erklrungen gefunden, aber es geht
ihnen wie den Grnden, wenn einer daran zu viele beibringt, so will
keiner recht einleuchten. Es soll aus dem griechischen chasma, Mehrzahl
chasmata = Grube, Hhlung kommen; aus casa mata, niedriges Haus; aus
casa matta, mattes, totes, verstecktes Haus; aus casa und matar =
schlachten, tten, also zu deutsch Mordkeller; andere denken an das
italienische mattone, also Backstein- (aus Backsteinen gewlbtes,
geschtztes) Haus, was am sinngemesten erscheint.


*Kasteel*, das,

ein erhhter (turmartiger) Aufbau auf Deck, vom italienischen castello,
spanisch castillo = Turm. Ist der Aufbau vorn auf der Back so heit er
Voor-Kasteel; hinten auf der Schanze: Achter-Kasteel.


*Katten*, den Anker,

heit ihn, nachdem er an der Kette durch das Spill so weit gelichtet
ist, da der Ring ber dem Wasser erscheint, bis unter den Krahnbalken
aufwinden. Dazu gebraucht man einen Block, den Katblock, mit dem
Kathaken daran; und ein Gien, das Katgien mit dem Lufer daran, dem
Katlufer. Kat heit niederdeutsch Katze; wie auch Bock, Widder, Kranich
haben herhalten mssen, so ist dieser Name zunchst dem Block gegeben
worden, offenbar wegen des katzenkrallenartigen Zugreifens seines
Hakens, das an der Katze mit der auf der Werft schwere Lasten gefat und
gehoben werden, noch deutlicher zu sehen ist.

In der mittelalterlichen Belagerungskunst war katte der Name eines auf
Rdern stehenden Sturmwerkes, in einer Hansa-Urkunde von 1363 heit es:
Duo instrumenta machinalia, unum dictum un driuende werk, aliud dictum
een katte; woher noch heute der Name Kattenstrasse; drfte aber eine
Abkrzung von Katapult sein.


*Kausch*, die,

eine eiserne Hlse, bez. ein Fllring eines Tau-Oehrs oder Segel-Oehrs,
womit dieses zur Verstrkung ausgefttert ist. Der uere Umkreis dieses
Ringes hat eine Rinne in die das ihn umfassende Tau pat. Neuhochdeutsch
Kausche und Kaue. Niederlndisch kous, schwedisch kausa, dnisch kause,
franzsisch cosse, Hlse, Schale, Schote. Der Grundbegriff scheint
Schale zu sein. Wie nun bei uns Schale auch ein Trinkgef
(Kaffe-Schale, Sektschale) bedeutet, so weist Hildebrand in Grimms
Wrterbuch im Deutsch-Litauischen ein kausche nach, das Kanne, Krug,
Trinkgef bedeutet und bis nach Asien hin zu verfolgen ist.


*Kavielnagel*, der.

Die hlzernen oder eisernen Ngel, (wenn man ein so stumpfes Ding
einen Nagel nennen kann) an denen die verschiedenen laufenden Taue
belegt werden, heien Kavielnagel. Wohl kein Wort der Seemannssprache
kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie dieses, das sich schon
dadurch als Fremdwort verdchtig macht: Koveinnagel, Koveljennagel,
Kovejennagel, Karvielnagel, Karveilnagel, Karveinnagel, Kobiliennagel,
Koveiljennagel, Kaveinnagel, Koviennagel, ja nach Breusing sogar
Koffernagel. Die Form Kavielnagel kommt dem Ursprung aus dem
italienischen caviglia am nchsten, das Holznagel, Bolzen bedeutet.
Nagel ist im Deutschen also nur fr solche hinzugefgt, denen unbewut
ist, da Kaviel allein schon Nagel bedeutet.


*Keep*, die,

ist die in einen Block eingeschnittene rings herumlaufende Vertiefung,
in die der Stropp, der um den Block gelegt wird, pat, der dadurch vor
dem Abrutschen bewahrt wird. Der Bedeutung nach dasselbe Wort wie Kerb,
Kerbe, ohne da es, wie man denken knnte, sprachlich mit ihm verwandt
wre. Denn keep, kep, kepe, kap, kpe kommt von kappen, schneiden, wie
es ja auch einen Schnitt, Einschnitt bedeutet. Niederlndisch keep; keep
houden heit Kurs halten, Strich halten, da der Strich am Kompa ja
nicht blo ein Strich, sondern ein Einschnitt ist.


*Kennung*, die.

Das Wort ist jetzt nur noch vereinzelt in der Bedeutung Landkennung im
Gebrauch, worunter man alles das an Kennzeichen versteht, daraus man als
erfahrener Seemann erkennen kann, an welcher Kste man sich befindet:
Berge, Kirch- und andere Trme, Mhlen, Baken, Bume, Huser etc. etc.,
also alles was man jetzt *Landmarke* zu nennen pflegt.

Bei den mittelalterlichen Seefahrern war Kennung ein Ma, und zwar ein
ziemlich groes, fr Entfernungen. Breusing bemerkt in der nautischen
Einleitung zum Seebuch von 1400: Das Ma wird von der Entfernung
genommen sein, in welcher man auf See bei klarer Luft die Kste, ein
Schiff oder dgl. erkennen kann. Es ist das natrlich sehr relativ und
hngt von der Schrfe des Auges ab. Man hatte deshalb auch kleine, gute
kleine, und groe Kennungen; letztere betrug 18 Seemeilen, die
Entfernung von Dover nach Dungeness.

Es fragt sich ob in der unter dwars angefhrten Stelle unter Kennung
ein Ma oder eine gute Landmarke zu verstehen ist.

Eine der hervorragendsten Landkennungen an der deutschen Nordseekste
war der von Graf Johann XVI. von Oldenburg auf Wangerooge erbaute Turm.
Vor undenklichen Zeiten hatte zum Besten der Seefahrer auf dieser damals
so viel greren Insel ein Turm gestanden, der aber lngst durch Krieg
und Wassersnot zerstrt war. Graf Anton I. von Oldenburg hatte sich zwar
1566 bewogen gefunden, den Kirchturm zu Blexen, damit er als ein Pharus
diene, vierundzwanzig Fu hher mauern zu lassen. Allein er ersetzte
nicht den Wangerooger Leuchtturm. Nun zeigte Graf Johann, da das
Frulein Maria von Jever Jeverland und Wangerland keinem Unwrdigen
vermacht hatte. Er selbst spricht darber zu uns durch einen Bericht des
Doktors Herrmann Neuwald: In vergangenen 1597 und 1598 Jahre hat Graff
Johan zu Oldenburg etc. etc. auch in der Insel Wangerrohe, so zu Jever
gehrig, auff der Elterleute zu Bremen (welche vom allgemeinen Kauffmann
dazu vermgt) einstendiges mundt- und schriftliches bitten und ansuchen
(inmassen das Wolselige Frewlein Maria zu Jever, von den Bremern zu offt
und vielmahlen auch darumb bittlich angelangt) an stat eines alten
umbgefallenen Thurms, so vor vielen undenklichen Jahren durch Krieg und
sonsten abbruch der saltzen See, zu nichte worden, wiederumb einen newen
stattlichen viereckigen hohen Thurm, mit zwo spitzen, und grossen
unkosten auffbawen lassen, darbei auch bi an noch gearbeitet wird. Und
hat mit demselbigen weiter die Gelegenheit, da die Breite des Thurms
zeigt ins Sden und Norden, und die Lenge ins Osten und Westen, beyde
Thurmspitzen kommen die eine ins Norden, die ander ins Sden zu stehen,
also die aus dem Westen auff der See, des Eylands oder Thurmbs ansichtig
werden, sehen zwischen beyden spitzen durch, so lange sie ins Norden
vors Eylandt kommen, und so bald sie so weit umbsegeln, da sie beide
Spitzen gegen einander haben, so seind sie auff der Weser, und knnen
als dann ohne groe Gefahr Bremen ablangen. Imgleichen ist es auch mit
denen, so aussen Westen auff Hamburg die Elbe einlauffen wollen, welche
gleicher Gestalt jhr merckzeichen an dem Thurm haben, und nunmehr auf
der Weser die Seetonnen nicht hochntig, dann ohne das, das Wolseliges
Frewlein Maria zu Jever, die Legung dieser Tonnen, als mehrernteils in
Jeverscher Iurisdiction, den Bremern nicht allerding verstattet. So ist
auch die Norderse biweilen dermassen ungestm, da man fr den grossen
Wllen ernante Seetonnen nicht sehen kann, oder dieselben wol gar
abgestossen werden, dadurch dann offtmahls die Seefahrende Leute grosser
gefehrlichkeit, wegen hoher Sande, unterworffen, den jennigen aber, so
aus Hispanien, Norwegen und anderen abgelegenen Knigreichen, auch
Hollandt und Seelandt kommen, dienet der Thurm dazu, weile das Eylandt
Wangerohe, das neheste an der See, da die Schiffer, wann sie den Thurm
vernehmen, wissen, wo sie sein, und also nach jhrem gefallen, die
Seehafen, dahin sie gedenken, einlauffen knnen, sonderlich ist hieran
auch gelegen, allen Schiffleuten, welche die Harle, Jade, Weser aus- und
einfahren, auch die Nordsee auf Bremen, und viele andere rter, zu jhrem
grossen nutz und vorteil gebrauchen wollen, da also bemelter Thurm vor
etzlich viel tausend Thaler, verstendiger erkenntni nach, jhrlichs
nicht zu entrathen, hat also Wolbemelter Graff Johann, allen Schiff- und
Kauffleuten zu gutem, und steter Gedechtnu, wie obberrt, den Thurm
wiederumb erbawen und auffhren lassen.

Das Seebuch von Manson, aus dem Schwedischen bersetzt von Hans
Wittenburgk, Schiffer in Wimar, Lbeck 1735, beschreibt in einer
Segelanweisung den Einlauf nach Riga: Wenn man aus der See kommt, und
man bekommt Kennung von den Rigischen Thrmen, welcher drey seyn, zwene
gleicher Hhe, und der dritte etwas niedriger, so soll man so lauffen,
da man den niedrigen zwischen beiden hohen habe ... Waghenaer, 1588,
schreibt in seinem Spiegel: Omme perfectelyk tot de conste ende
wetenschappe der Zeevaert te gheraken is de principaelste middele, dat
soo wanneer een Stuermann oft Bootsghesel, ut eenighe Landen, Riuiren
oft Hauenen, zeylen wil, sal wel scherpelyk moeten letten, wat ghebome,
Sloten, Toornen, Kercken, bekende Berghen, Duynen, Molens oft andere
mercken daer op staen. Ende alle t' selfde alst nu een kenninghe van v
begint te legghen, mette penne ontwerpen oft contrefaicten, ende dit op
sekere ende ghewisse streken van den Compasse ...


*Kentern.*

1. Einen Balken mit der Hand oder mit einem sogenannten Kanthaken so
bewegen, da er sich um seine Kante dreht und auf die andere Seite zu
liegen kommt. Wenn das mehrere Male geschieht, so bewegt sich dadurch
der Balken von seiner Stelle und man kann in dieser Hinsicht das Kentern
als eine Art von Fortbewegungsmittel ansehen. Was den Kanthaken
betrifft, so gebraucht der Seemann das Wort auch in bertragener
Bedeutung; jemanden am Kanthaken kriegen heit ihn gehrig fassen und
vornehmen.

2. Ein Schiff oder ein Boot kentert, wenn es sich unter allzugroem
Druck auf die Segel oder sonstigem Zusammentreffen widriger Umstnde so
auf die Seite legt, da es seinen Schwerpunkt verliert und ber Kante
geht, so da die Seite die bisher oben war und immer oben sein soll nach
unten zu liegen kommt; das Wort mte eigentlich kntern heien.

3. Der Strom kentert wenn Ebbestrom gewesen ist und nun Flutstrom
einsetzt, der Strom also von der andern Seite oder Kante kommt.

4. Der Anker kentert, indem er sich auf die Seite legt. Kante ist
berhaupt ein in seemnnischem Munde hufig gehrtes Wort, wo das
Hochdeutsche Seite sagen wrde, daher die berhmte Zusammensetzung
waterkant fr Kste, Seeseite.


*Kerkedortje*, das, s. Schlappgording.


*Kessel*, der.

Das lateinische catinus = Holzschssel hat sich infolge der groartigen
Siege der Dampfkraft zu einem gewaltigen Dampferzeugungsapparat
ausgewachsen. Es ist hier nicht der Ort ein Mehreres darber zu sagen,
als da die verschiedenen Systeme von Kesselanlagen teils nach ihrer
Gestaltung, teils nach ihren Erfindern und Verfertigern benannt werden:
Kofferkessel, Zylinderkessel, Lokomotivkessel, Wasserrohrkessel;
Belleville-, Niclausse-, Drr-, Thornycroft-, Jarrow-, Normand- und
Richard Schulz-Kessel.


*Kette*, die,

vom lateinischen catena, hat auf greren Schiffen als Ankerkette das
frher bliche Ankertau vollstndig verdrngt. Sprachlich ist nur die
Wendung Kette stecken zu erwhnen, weil sie in bertragener Bedeutung
gebraucht wird. Es heit eigentlich: mehr Kette zu den Klsen
hinausstecken, was stets zu geschehen hat wenn ein Sturm aufzukommen
droht. Das Bild der aus der Klse herauskommenden Kette schwebt dem
Seemann vor, wenn er fr das, was man sonst nennt den heiligen Ulrich
anrufen oder Kotzebues Werke herausgeben, sagt: Kette stecken.
Schon diese scherzhafte Bezeichnung beweist, da Jan Maat mit seekranken
Leuten nicht allzuviel Mitleiden hat.


*Kettenschiffahrt*, die,

ist eine Fluschiffahrt bei der der betreffende Dampfer sich selbst an
einer Kette entlang schleppt, die in den Flu versenkt ist. Die Kette
geht vorn auf das Dampfschiff hinauf und, auf Rollen laufend, hinten
wieder herunter. Eine Gesellschaft, die auf der Elbe von Magdeburg nach
Hamburg dergleichen Schiffahrt betreibt, heit die Kette.


*Kieker*, der.

1. Der Mann auf dem Ausguck, hochdeutsch schlechtweg der Ausguck
genannt (und zwar mit etwas grerem Recht als der Soldat auf Posten die
Schildwache heit).

2. Ein Fernrohr, jedes Fernrohr, besonders aber das lange fr *ein*
Auge.

Kiken heit gucken, kucken, sehen, schauen. Wahrscheinlich gehren
kiken, sehen und kiken, stechen zu einer Wurzel, wie man auch von einem
stechenden Blick und von einem Krimstecher spricht.


*Kiel*, der.

Die Erklrung dieses wichtigen Seemannswortes wird dadurch recht
erschwert da es im Mittelhochdeutschen zwei einander gleich lautende
und doch Verschiedenes bedeutende Wrter Kiel und Kil gibt, von denen
ersteres Seeschiff, letzteres Kiel in dem uns gelufigen Sinne heit.
Doch auch das mchte noch angehen. Aber da wir gewhnt sind Kiel als
Schiffsteil auch frs ganze Schiff zu nehmen, so stehen wir in doppelter
Gefahr Kil mit Kiel in eins zu verschmelzen. Zunchst ist jedenfalls
festzuhalten

1. da es ein althochdeutsches Wort kiol gibt das Schiff bedeutet,
mittelhochdeutsch kiel, altnordisch kioll (kjll), angelschsisch cel,
welches nachher im Altenglischen noch fr Schiff gebraucht wurde, wie
eine Urkunde des Knigs Aethelred (978-1016), (gedruckt bei Hhlbaum,
Hans. Urkundenbuch) beweist, wo es heit: si adveniat ceol vel hulcus
(s. Hulk) et ibi jaceat 4 denarii ad telonum. Das ist das alte
Seeschiff, in dem die Angeln und Sachsen ber Meer gingen.

2. da es auch ein altnordisch kiolr gibt, das Kiel bedeutet, alt- und
mittelhochdeutsch kil, Federkiel und Schiffskiel, an den sich die
Spanten als Rippen ansetzen, wie die einzelnen Rippen an den Federkiel.

So sehr nun diese beiden Wrter auseinander zu halten sind, weil sie
nun einmal grammatikalisch auseinander gehen, so stehe ich doch nicht
an, zu glauben, da beide ursprnglich doch aus einer und derselben
Wurzel entsprossen sind, als welche Fick ku oder gu, schwellen annimmt.
Diese Meinung wird dadurch bestrkt, da unser Seemann anstatt
Kielschwein Kolswin sagt, was doch von Knig Aethelreds Zeiten her ihm,
dem uerst zh am Alten hangenden, knnte hngen geblieben sein.

Urverwandt mit gaulos schiff, eigentlich Eimer, also etwas rundlich
Anschwellendes. Es kann nicht auffallen, da die Germanen und die
Griechen ein seemnnisches Wort urgemeinschaftlich haben, da sie doch
stammverwandt und in uralten Zeiten mit einander ber den Kaukasus
gewandert sind. Indessen ist es nicht einmal unbedingt ntig
Urverwandschaft zwischen gaulos und kiol anzunehmen, da ja Bischof
Ulfilas, der bersetzer der Bibel ins Gothische und damit Schpfer der
gothischen Schriftsprache, in Konstantinopel ausgebildet worden war und
dort unzweifelhaft Gelegenheit genug hatte, seemnnische Wrter kennen
zu lernen und sie aus dem Griechischen in gothische Form zu bertragen,
von wo aus sie dann ins Althochdeutsche bergingen. (Bei den vielen
engen Berhrungen der alten Deutschen mit den Rmern kann natrlich eine
unmittelbare Herbernahme lateinischer Seemannswrter ins Deutsche noch
weniger befremden, zumal mit neuen, verbesserten Werkzeugen sich
berhaupt leicht der neue Name aus der Fremde einbrgert).


*Kielholen.*

1. Ein Schiff, es geht natrlich nur bei kleineren, am Gestade oder Ufer
so auf die Seite legen, da man an den Stellen, die sonst unter Wasser
sind, arbeiten kann; also eigentlich den Kiel trocken holen. Auch in
bertragener Bedeutung das Unterste zu oberst kehren; wenn eine Frau
Rein Schiff, d. h. groe Frhjahrsreinigung des Hauses vorhat, so sagt
wohl der dadurch erschreckte Mann in Holland: zy zal beginnen te
kielhalen (Lpkes, Seemannssprche).

2. Ein frher gebruchliches sehr empfindliches Verfahren, das teils bei
der Linientaufe als grausamer Scherz, teils von Rechts wegen als
bitterer Ernst gebt wurde, darin bestehend, da einer an einem Tau von
der Nock der einen Seite der Grorahe unter dem Kiel durch zur Nock der
andern Seite der Grorahe geholt wurde. Wenn man in Deutschland und
Holland auch nicht, wie anfnglich bei groen Seeunternehmungen in
England, die Gefngnisse entleerte um die Schiffe zu bemannen, so waren
die Mnner, die in frheren Zeiten ihren Handel in groen Wassern
trieben, doch nicht grade die allersanftesten Brder und muten in
strenger Zucht gehalten werden. Aubin beschreibt das Kielholen so:
C'est une sorte de punition qu'on pratique parmi les Hollandais, en
cette manire. On mne le coupable au bord du vaisseau, et on y atache
une corde, au milieu de laquelle il est li par le milieu du corps;
ou-bien, on amne la vergue sur le vibord, et aant mis le coupable sur
le bout, on y atache la corde. Autour de son corps on met quelque chose
de pesant, ou-bien l'atache  ses pis. La corde est aussi longue qu'il
faut pour passer sous la quille du vaisseau. Un des bouts en est tenu de
l'autre cot, par quelques-uns des plus forts matelos de l'quipage; et
l'autre bout est celui qui est atach au vibord, ou  la vergue. Le
coupable,  lordre qu'en donne le Quartier-maitre, tant jett  la mer,
ceux qui tiennent la corde  l'autre bord du vaisseau, la tirent le plus
vite qu'ils peuvent, de sorte qu'il passe avec une grande rapidit, dans
l'eau, sous la quille. On recommence mme quelquefois, et on le jette
autant de fois que la Sentance le porte. Ce chtiment est rude et
dangereux, car le moindre defaut de diligence ou d'adresse, de la part
de ceux qui tirent la corde, ou quelque autre petit accident, peut tre
cause, que celui qu'on tire, se rompe ou bras, ou jambes, et mme le
cou, ou quelque autre parti du corps; si-bien qu'on le met au rang des
peines capitales.

Der Artykelbrief der Generalstaaten, das Reglement der Marine der
Niederlande, die Grundlage der Disziplin an Bord, hlt strenge auf
Zucht, Ordnung und Gottesfurcht. Es mgen hier einige Bestimmungen in
Aubin's bersetzung Raum finden. I. L'Amiral, le vice-amiral, le
Capitaine, Lieutenant, ou tout autre qui commandera un vaisseau, prendra
soin qu'on fasse tous les matins et tous les soirs la prire sur son
bord, ou tout le mionde se tiendra prt pour y assister, sur peine, en
cas de dfaut, de quatre sous d'amende pour la premire fois; du duble
pour la seconde fois; et d'tre huit jours aux fers, au pain et  l'eau,
pour la troisime fois. II. Ceux qui ne se comporteront pas comme il
faut, pendant qu'on lira la Parole de Dieu, ou qu'on fera la prire; qui
riront, qui feront du bruit, et qui, de quelque manire que ce soit, ne
se tiendront pas dans un tat modeste, seront conduits devant le mt, y
recevront des coups de corde de tour de tout leur Quart, et paieront six
sous d'amende au profit du Prvt. III. Quiconque prendra le nom de Dieu
en vain, ou jurera, sera aussi men devant le mt, et battu de coups de
corde par son Quart, et paiera deux sous d'amende, aplicable aux
pauvres, et six sous au Prvt. XXIX. Ceux qui demeureront endormis
lors-que le siflet se fait entendre, et lors-qu'il faut venir faire le
quart, seront punis pour la premire fois arbitrairement, par l'ordre du
Capitaine, et de l'avis des Oficiers; pour la seconde fois ils seront
battus de bouts de corde par tout l'quipage; et la troisime fois ils
auront *la cale par-desous la quille*.


*Kiellinie*, die.

Wenn das Signal: Im Kielwasser des Admirals folgen! befolgt wird, dann
segeln, oder vielmehr dampfen die Schiffe eines Geschwaders in
Kiellinie, eines hinter dem andern, in genau abgemachten und inne zu
haltenden gleichen Abstnden, so da also die Verlngerung der Linie des
Kiels aller Schiffe in *einer* graden Linie verluft.


*Kielwasser*, das,

der Streifen schumend bewegten Wassers, den das Schiff bei seiner Fahrt
hinter sich lt. Der Winkel, den die Linie des Kielwassers mit der
Richtung des Kiels macht, zeigt die Gre der Abtrift an. Doch wird
Kielwasser wohl auch gleichbedeutend mit Kurs genommen, was z. B.
geschieht, wenn der Befehl an die Schiffe eines Geschwaders ergeht, da
sie im Kielwasser des Admirals folgen sollen.


*Kielschwein*, das.

Verstrkung des Kiels. Mit Schwein hat das Wort aber nichts zu tun. Das
hat Reinhold Werner Schule des Seewesens sehr wohl erkannt und sagt
darum durchgngig anstatt Kielschwein Kielschweif. Das ist aber nur ein
Verlegenheitsgriff und bringt uns nicht weiter. Wir mssen einen andern
Weg der Erklrung einschlagen. Der niederdeutsche Seemann sagt Kielswin
(eigentlich Kolswin s. Kiel). Swin heit nun freilich auch Schwein, aber
das Swin in Kielswin ist eben ein ganz anderes Ding als das Borstentier,
das seinen Namen von der Diminutivform oder vielmehr Femininumform von
Sau hat. Unser -swin hat von der Verstrkung den Namen. Das
mittelniederdeutsche Wort swin hie stark. Es ist zwar dasselbe wie das
Hochdeutsche geschwind, frher mundartlich und auch jetzt noch manchmal
ohne die Vorsilbe einfach schwind, aber es hie anfnglich weiter
nichts als gro, heftig, stark. Do bouweden se en slot, unde is ein
swinde vast hus. (Lbecker Chronik.) Dar weren sulen van glaze, de
weren swynde grot (Lbecker Passional.) Der Wechsel oder vielmehr die
Erweiterung liegt nahe. Von swind in der Bedeutung stark kann man leicht
zu geswind in der Bedeutung schnell kommen, man braucht nur an einen
starken, khnen, krftigen, unternehmenden Menschen zu denken, der wird
allemal auch ein schneller Mensch sein. Schon zu Anfang des 17.
Jahrhunderts hatte sich diese Erweiterung bereits vollzogen und im
Seegebrauch festgesetzt, wie wir aus dem niederdeutschen Fastnachtsspiel
Scriba, das 1616 in Hamburg aufgefhrt ward, erfahren. Da will eine
Buerin ihren Sohn gern Latein lernen lassen und sagt zu dem Schreiber:
Herr Schryver, he haft suss en schwinden vorstand, he schol dat Lackyn
wol grypen mit der hand. Ja schon 1498 ist sie nachzuweisen. In diesem
Jahre erschien die erste Ausgabe des Reineke de vos in niederdeutscher
Sprache. Da heit es: Reinke log ser und swinde. Brun folgede en na
alse ein blinde.


*Kill*, die,

auch Kille, die, ist, hnlich wie Priel, eine natrliche Wasserrinne,
ein natrlicher Wasserlauf, namentlich auf dem Watt; niederlndisch kil;
altnordisch, islndisch kyll; nordfriesisch kiel = Brunnen, Quelle. Mit
diesem letzteren Worte ist es eins, wie denn das Stammverbum zu Quelle
auch ein i anstatt des e hat; gothisch qillan.


*Kikebuse*, die,

ein kleines, ber Reifen gespanntes, tonnenfrmiges Netz, worin das sich
allmhlich verengende und spitz zulaufende Ende des Stellnetzes oder der
Fuke hineingesteckt wird, damit sich die in dem Stellnetze gefangenen
Fische darin sammeln. Verbindung von kike = Gef (Feuerkike) und bus =
Stall, Viehstall.

Am Dollart werden diese Kikebuse noch jetzt aus Weiden geflochten und
fr sich allein zum Fangen von Aal und Granat gebraucht.


*killen.*

Die Segel killen, wenn sie hin- und herschlagen oder wappern, weil der
Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen pltzlicher
Richtungsvernderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern
grade aus der Richtung in der die Rahe gebrat ist; killen = schwappern,
flattern, hin- und herschlagen, und zwar kurz und krftig, nicht lahm
und langsam wie wenn berhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es dasselbe
Wort wie niederlndisch killen, englisch kill = tten, d. h. schlaff
machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quellan, chellen,
chelen, mittelhochdeutsch quellen, qulen, tten, altenglisch quell,
sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich vermindern,
nachlassen, was der Bedeutung wegen beachtenswert ist, weil die Fahrt
des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachlt. Neuenglisch
chill, das Zittern und Beben der Hnde vor Frost in oberdeutschen
Mundarten kellen oder gellen, o Mutter die Hnde gellen mir so! sagt
ein Kind, wenn die Hnde so kalt sind, da die Fingerspitzen sich
anfhlen als bohre ein Wurm darin.

So wenig das Killen eines ganzen Segels gewnscht wird, so ist es doch
das Kennzeichen eines guten Rudergasten, da er, wenn er hoch beim Winde
steuern soll, so nahe an den Wind geht, da wohl die Luvschot der
Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der
Beweis, da er nicht hher steuern kann, aber auch nicht voller steuern
will.


*Kimm*, die, auch Kimmung, die.

1. Der Horizont, der uerste Gesichtskreis auf freiem Felde, besonders
auf See; der uerste Rand, da wo Erde und Himmel, besonders wo Meer und
Himmel sich zu berhren scheinen, sich scheinbar mit einander verbinden.
Mittelniederdeutsch kimme, niederlndisch kim, englisch chimb, chime =
Zarge, Rand einer Tre oder eines Tisches. Es liegt ein Thema zu Grunde
mit der Bedeutung Zusammenfgung, Verbindung, Fuge, Verbindungsstelle.
Im Angelschsischen heit cimbing commissura, Naht, wo zwei Dinge
zusammentreffen. Niederdeutsch der uerste Rand eines Dinges, nach dem
Bremer Wrterbuch die ber den Boden hinausspringenden Enden der
Fadauben.

Da die Stelle, wo Himmel und Erde sich verbinden, das uerste Ende der
Erde darstellt, so konnte sich, wie Doornkaat bemerkt, von selbst die
Bedeutung des uersten oder Entferntesten in Bezug auf ein Land und
seine Bewohner entwickeln, und demgem der Volksname der Kimbern und
der Landsname Kimmerien oder Kimbrien.

2. Im Schiffbau derjenige Teil der Auenbordwand wo die grte Krmmung
ist, wo der Boden in die Seite bergeht, wo also eine Verbindung des
Bodens mit der Seite stattfindet, wie die Erde sich mit dem Himmel
verbindet.

Wenn ein Schiff bei einer Strandung auf die Seite fllt, so kommt es
nach dem Gesetz der Schwere auf diese Kimmung zu liegen; etliche Planken
ober- und unterhalb dieser Stelle heien Kimmplanken, und die Weger
oder Wger (s. Wgerung) heien Kimmwger.


*Kinbacksblock*, der.

Jeder Block der eine Scheibe hat, hat auch eine gewisse hnlichkeit mit
einer Kinbacke, oder vielmehr mit zweien, da die beiden Backen zu den
Seiten der Scheiben sich damit sehr wohl vergleichen lassen.
Kinbacksblock heit einer aber besonders, weil er neben den Kinbacken
auch gleichsam noch einen Mund hat, nmlich einen Ausschnitt, durch den
man das Tau ber die Scheibe legen kann ohne erst das Ende einstecken
und ganz durchholen zu mssen, was oft gar nicht angngig wre, weil
beide Enden mit irgend einem umfangreichen Gegenstande verbunden sind
und nicht von ihm gelst werden knnen.


*Kinke*, eine,

ist eine Windung, eine Falte, ein Auge, eine Drehung in einem Tau, die
sich leicht bildet, wenn es neu und zu hart gedreht ist; eine sehr
gefhrliche Sache, wenn das Tau durch einen Block laufen soll; es ist
dann unklar und mu schleunigst klariert werden. Auch nennt man wohl
die Biegungen eines aufgeschossenen Taues Kinken und warnt bei schnellem
Ablaufen derselben: Die Beine aus den Kinken bergen! damit die Gewalt
des abrollenden Taues sie nicht breche. Sich aus den Kinken bergen
heit auch allgemein in bertragenem Sinne sich vor irgend einer Gefahr
in Sicherheit bringen. Die Benennung ist von kinke, einem
niederdeutschen Worte fr gewundene Schnecke, entnommen, das von
conchile kommt; kinken niederlndisch krumm liegen, verwirren; auch
niederdeutsch verwickelt; das Bremer Wrterbuch sagt: Auch die
Schneider brauchen dies Wort, wenn der Faden im Nhen sich selbst
verwickelt und einen Knoten macht. Auf Wangerooge kink.


*Klabautermann*, der,

kommt von dem mittelhochdeutschen Kobold (und Mann, Koboldermann),
lcherliche aus Holz oder Wachs gebildete Figur eines neckischen
Hausgeistes (ursprnglich Gtzenbild, Bildnis eines Hausgeistes, das
ber dem Herde angebracht wurde. Nachher in der christlichen Zeit wurden
dergleichen Bilder nur noch zum Scherz oder zur Zierde auf den Kaminsims
gestellt, aber ursprnglich hatten sie tiefere, religise Bedeutung,
Simrock, Mythologie S. 450, 6. Aufl. Bonn 1887). Griechisch Kobalos,
verschnittener Possenreier, mittelniederlndisch coubout,
neuniederlndisch Kabout, flmisch Kabot, Kabotermanneken. In dem immer
mehr verschwindenden Aberglauben der Seeleute ein guter Schiffsgeist,
der unten und oben, im Schiff und in der Takelage sein munteres Wesen
treibt.


*klabastern*,

eigentlich klabautern, wie man auf Wangeroog sagt, (dat is 'n ewig
klabautern, wenn lange gekreuzt werden mu). Es heit schlagen,
purzeln, polternd laufen, neckend jemand nachlaufen, sich dabei
berstrzen (Kobold schieen) wie ein Kobold. Da dieses Wort zum
Scherz herausfordert, so ist klabastern offenbar auch eine scherzhaft
gebildete Form fr klabautern. Um das Hollndische als einen ans
Lcherliche grenzenden deutschen Dialekt darzustellen behaupten
Unkundige immer wieder, es heie und seine Jnger folgten ihm nach in
der hollndischen Bibel en sijne jongelingen klabasterten achter hem
naa; das ist eine bswillige Herabsetzung der krftigen, klangvollen,
fr die ffentliche Rede wie fr die zarte Lyrik gleich geeigneten
hollndischen Sprache, in der es kein Zeitwort klabastern gibt und in
der die Jnger Jesu discipelen genannt werden. Wohl gibt es ein Zeitwort
klauteren = klimmen, klettern, aber das knnte auch von klaauw = Klaue
kommen, kme es aber auch von Klabautermann, so hat es dennoch nichts
Lcherliches an sich.


*Klafter*, das, vergl. Faden,

kommt auch mnnlich, ja nach Kluge, sogar in allen drei Geschlechtern
vor. Althochdeutsch klaftra. Die romanischen Wrter fr Klafter braza,
brasse sind bedeutungsverwandt, denn es ist das Ma der ausgespannten
Arme; seemnnisch nur Lngenma von verschiedener Ausdehnung, (wie Fu
auch). Sonst auch als Kubikma gebraucht, ein Klafter Holz,
ursprnglich so viel man mit den Armen umklaftern kann. Der Teuthonista
sagt: clafter, clater, later, vadem, dat is eyns menschen lenghd, weil
angenommen wird, da ein Mensch so gro ist wie die Entfernung von
Fingerspitze zu Fingerspitze bei ausgebreiteten Armen.

Apostelgeschichte 27, 28 in der Uebersetzung Luthers: Und sie senkten
den Bleiwurf ein und fanden zwanzig Klafter tief; das griechische Wort
heit orgyia und kommt von orego, ich strecke aus; es ist also hier der
Raum zwischen den ausgestreckten Armen gemeint.


*klameien*, s. kalfatern.


*Klampe*, die

1. die einfachsten Klampen sind weiter nichts als Stcke Holz, Kltze
oder Kloben, dazu dienend, einer anderen Sache Festigkeit zu verleihen,
z. B. Klampen der Mastspuren, Klampen auf denen die Wasserfsser fest
liegen, Bugspriet-Wuhlings-Klampen, Treppenklampen an der Auenbordwand
(Fallreepstreppe) fr die Fe zum Treten und fr die Hnde zum
Festhalten, Betingsklampen, Nockklampen u. s. w.

2. Eine Vorrichtung zum Belegen, d. h. Festmachen des Endes eines Taues;
hierbei hat das unter 1. erwhnte Stck Holz ungefhr die Gestalt eines
Ambosses bekommen, dessen Mitte an der Bordwand befestigt ist, dessen
beide Seitenarme aber frei stehen, so da man das betreffende Tau
mehrmals um sie schlagen und zuletzt mit einem Kopfschlag befestigen
kann; diese heien Belegklampen.

3. Verholklampen haben lediglich den Zweck beim Holen oder Verholen dem
Tau als Fhrung zu dienen.

Niederdeutsch klump oder klampe bedeutet etwas womit man einem andern
Dinge Haft, Halt, Festigkeit, Verbindung, Zusammenhalt gibt, Querholz,
Kloben, Klotz, Querriegel, auch einen Steg ber einen Graben.
Niederlndisch klamp = Klammer, Zapfen, Band; englisch clamp, Balken,
Latte, Leiste, Stck Holz zur Verstrkung und Befestigung; norwegisch
und schwedisch klamp, Klotz, Baumstumpf, Holzkloben. Es stecken also
zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen. Beide liegen auch
schon in dem Zeitwort klimpan, von dem Klampe abstammt und dessen
Grundbedeutung nicht nur spalten (Klumpen also = gespaltenes Stck Holz)
sondern auch klammern = anhangen, verbinden, haften ist; sie kommen
beide in Klampe zusammen: Stck Holz zum Befestigen.


*klar.*

Dieses vielgebrauchte Seemannswort ist und bleibt in allen seinen
Verwendungen immer das lateinische clarus = *rein*. Ob es nun klar,
hell, deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklrt, gahr,
fertig, bereit bedeutet, immer ist der Begriff rein das
Ausschlaggebende. Sogar wenn das Kommando Klar Schiff zum Gefecht!
kommt, ist die Bedeutung zunchst nur: rein das Schiff von allem was im
Gefecht hinderlich sein knnte, fort mit allem was im Wege ist (und
dann: her mit allem was zur Schlacht gebraucht wird, was man haben mu
um zum Kampfe bereit zu sein). So sehr also Rein Schiff und Klar
Schiff begrifflich von einander verschieden sind, sprachlich stehen
sich die beiden Kommandos sehr nahe, nur da bei Rein Schiff der
Schmutz, bei Klar Schiff was sonst im Wege ist, entfernt wird.

Mittelniederdeutsch: klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schn. Ein
Hansarece von 1386 spricht von einem klare vorste unde dorluchtige
here; auch von einer claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen
juncvrouwen ist in jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das
Wort seemnnisch gebraucht fr in guter Ordnung sein: und haelden
beyde schepe tho hope und hadden unse dynck klaer (zum Gefecht); als
wy nu menden, dat wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk
under der luken was.

Wache klar zum Manver! Alle Mann auf, klar zum Manver! Klar zum
Wenden! etc. etc. Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der
Schot ... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bereit zu
halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was
dabei zunchst zu geschehen hat. Klar machen zur Musterung! bedeutet
noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu
machen. Klar machen zur Kirche! heit den Altar aufstellen, Sthle und
Bnke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hissen etc.
etc. Gig klar, Kutter klar! lautet der Befehl, das betreffende Boot zu
Wasser zu lassen, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die
Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten
Offizier gemeldet wird: Kutter klar! (*ist* klar), Klar Deck, klar
Deck berall! heit das Deck nach einem Manver wieder in den vorigen
Stand versetzen, so da alles wieder fr ein neues Manver
gebrauchsfhig bereit ist. Ein *klarer Anker* ein von seinem Tau,
seiner Kette freier, d. h. wohl an dieselbe befestigter, aber von ihr
frei d. h. ungehindert sich bewegender Anker, in seiner Verwendung von
Tau oder Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der
Marine, die nicht direkt etwas mit der Seemannschaft zu tun haben, einen
klaren Anker, ohne Tau, die seemnnischen Unteroffiziere einen unklaren,
von einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil
angenommen wird, da sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu
*klariren* d. h. klar zu machen. Klariren ist etwas anderes als
aufklaren, indem letzteres ganz allgemein aufrumen bedeutet, ersteres
aber gesagt wird, wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um
ihren Zweck zu erfllen, wenn z. B. ein Tau einen Kink hat und man
diesen beseitigt.

Das von klar kommende hochdeutsche erklren heit
niederdeutsch-seemnnisch *verklaren*; daher *Verklarung* vor Gericht
(s. d.) Das mittelniederdeutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen,
ins Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen.

Ein so hufig gebrauchtes Wort wird selbstverstndlich auch in
bertragenem Sinne angewandt. So heit z. B. klar beim Bolzen
berhaupt bereit sein zu irgend einem Werke, und klar Deck machen
irgendwo aufrumen, dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im
Mittelniederdeutschen unklar sogar in moralischem Sinne gebraucht ward
fr unehrlich; Lbecker Totentanz: hefet unklar gewest in talle, mate,
wichte, rekenschop und ok in kope, sagt der Tod zum Kaufmann.

Eine ganz auffallende Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar
im Englischen vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein
claret. Klaret war aber im Mittelniederdeutschen weier Wein, weier
Gewrzwein, nmlich ber Gewrz abgezogen und dann geklrter Wein.
Schiller und Lbben, Mittelniederdeutsches Wrterbuch II. 473: In dem
Catal. med. (Lbeck 1784) wird vinum claretum als weier, vinum
hippocraticum als roter Gewrzwein aufgefhrt, und letzterer doppelt so
hoch angesetzt als ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus
Ryff in seiner kleinen Apoteck oder Konfektbchlein, Straburg 1552.

Ein kostlick klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water
werpet, so isset nicht mehr water, sunder ein kstlich klareth edder
czuckerwater.


*Klau*, die.

Die Gaffeln sind zwar gabelfrmig gestaltet aber die Gabelung daran
heit merkwrdigerweise nicht Gabel, sondern Klau = Klaue, weil sie wie
eine Tierklaue den Schnaumast umklammert. Es heit aber auch, nach einer
auch anderweitig durch Seeleute mndlich besttigten Angabe des
Kapitnleutnants Frhrn. von Strombeck in der Marine-Rundschau
(bersetzung eines Kapitels ber Jacht-Seemannschaft) der Teil des
Segels, der sich zunchst der Klau befindet, Klau; in dieser Klau des
Segels befindet sich eine Kausch zum Befestigen desselben.


*Kleid*, das,

heit im Munde des Seemanns nicht dasselbe wie im Hochdeutschen, sondern
nur Decke, wie im Ostfriesischen und berhaupt im Niederdeutschen und
Niederlndischen kleed = Decke, Teppich ist. Auch im Althochdeutschen
war dem so; da hie kleit Zeug, Tuch, (wie das englische cloth),
banckleit = Bankdecke, (aber nicht Bankkissen, denn das hie bankphulwe,
wie noch jetzt in Hochdeutschland ein Kissen Pilwe heit).
Mittelhochdeutsch satelkleit = Satteldecke. Seemnnisch:
Hngemattskleid, Zwischendeckskleid.

Dem entsprechend wird auch kleiden gebraucht, doch siehe in Bezug
hierauf Schmarting, Platting, Schladding und Sarving; auch heit das
Wegnehmen nicht entkleiden, sondern *abkleiden*.


*Klein Holz.*

Die Redensart: es gibt klein Holz besagt so viel als: es geht etwas
entzwei, es wird etwas zertrmmert, es zerbricht etwas (auch wenn es
nicht von Holz ist); ja man kann auch, wenn ein ganzes Schiff am Felsen
zerschellt, sagen da es klein Holz gibt; das bedeutet dann
scheitern in seiner wrtlichen Bedeutung.


*Klinkerboot*, das,

ist ein Boot, das als Auenhaut eine einfache Plankenlage hat, deren
einzelne Gnge um einen geringen Teil ihrer Breite ber einander
greifen, indem jede Planke mit ihrer unteren Kante die Oberkante der
unter ihr liegenden Planke bedeckt. Die ber einander liegenden
Plankenteile werden durch kupferne Gatngel mit einander verbunden.

In Oldenburg, Ostfriesland und Holland heien die Ziegelsteine mit denen
die Chausseen gepflastert sind Klinker, weil sie so hart gebrannt sind,
da sie klingen wenn man daran klopft. Mit diesem Worte hat jedoch
unmittelbar das Klinker in Klinkerboot nichts zu tun, vielmehr kommt
zunchst das niederdeutsche klinken = nieten, festmachen, festschlagen
ein Etwas auf ein anderes Etwas, fest verbinden mit einander; und zwar
ist dabei an das Gerusch gedacht, das bei dem dazu ntigen Klopfen
entsteht, indem klinken eine nasalierte Form von kliken ist, das den Ton
andeutet der entsteht wenn Eisen auf Eisen schlgt: klick. Englisch
clinch, nieten. Dasselbe onomatopoietische Wort wie unser klingen.


*Klinsch*, eine,

ist nichts weiter als das unter dem Einflu des englischen clinch =
Klinke etwas umgebildete deutsche Wort Klinke, entweder im Sinne von
gekrmmtes, umgebogenes Ende eines Dinges oder eines haftenden,
packenden, haltenden Etwas; beide Bedeutungen von klinken (s.
Klinkerboot) passen auf Klinsch sehr wohl; klinken heit allerdings
nieten; aber das Nieten besteht darin, da das spitze Ende eines
Nagels, der durch das zu Nagelnde durchgedrungen und auf der andern
Seite wieder herausgekommen ist, durch Klopfen umgebogen wird; dieses
Umbiegen ist die ursprngliche Art des Nietens, und im Gedanken an
Biegung ist Klinke, ist auch Klinsch gebildet, denn eine solche ist ein
solcher Knoten oder Stek, bei dem das Ende eines Taues in der Weise
umgebogen ist, da ein Auge entsteht; zunchst ein festes Auge; und dann
wird noch einmal gebogen und der Tamp durch das feste Auge so
durchgeholt, da ein laufendes, bewegliches, vernderliches, sich dem zu
befestigenden Gegenstand durch Biegen anpassendes Auge entsteht.


*Klote*, die.

Kloten sind kleine Hlzer in Gestalt einer Kugel oder eines Zylinders
mit einem Loch in der Richtung der Lngsachse, um laufendes Gut zu
leiten. Man unterscheidet Wantklote und Rackklote; letztere (nach
Dabovich, Naut.-techn. Wrterb.) italienisch bertoccio per trozze
(Pater, paternostro); franzsisch pomme de racage, englisch
parrel-truck; erstere italienisch conduttore di manovra (Mandola),
franzsisch margouillet, englisch bull's eye, shroud truck. Die
Erklrung ist in dem Begriff Kugel gegeben. Klot heit in Ostfriesland
die Kugel die bei dem berhmten Klotschieen (einem Werfspiel das im
Winter wenn die Graften zugefroren sind mit Leidenschaft als Wettspiel
zwischen Dorf und Dorf betrieben wird); heit niederdeutsch berhaupt
Kugel (und Hode), Ball, Klumpen, Klo; mittelhochdeutsch kloz, Klumpen,
Ball; es ist demnach unser hochdeutsches Klo, entsprechend dem
franzsischen pomme, Apfel; oder auch unser Klotz.


*Klumpblock*, der,

unterscheidet sich von einem gewhnlichen einscheibigen Block durch den
geringeren Scheibendurchmesser und die krzere, gedrungenere Gestalt,
hat also seinen Namen von Klumpen, wie auch der dicke, wenig zierliche
Holzschuh der Ostfriesen und Hollnder klump oder klumpe heit.


*Klse*, die.

Die Klsen sind zwei Lcher an jeder Seite des Vorstevens durch die das
Ankertau oder jetzt vielmehr die Kette fhrt; mit Blei oder Kupfer
ausgefttert, damit das Wasser nicht zwischen die Inhlzer laufe.

Es lag nahe, diese beiden Lcher mit zwei Nasenlchern oder auch zwei
Augen zu vergleichen, und dieser Vergleich ist denn auch in ausgiebiger
Weise gemacht worden, namentlich in wenig vornehmer Rede, manchmal in
recht vulgrer Art, so da das Wort Klse einen etwas knotigen
Beigeschmack empfangen hat, hnlich wie Panse, (ich haue Dir eins in
die Klsen). Klse ist die niederdeutsche Form fr Klause,
althochdeutsch clusa, mittelhochdeutsch kluse = einsamer,
*abgeschlossener*, (clusum von cludere, clausum von claudere) enger Raum
(eines Einsiedlers, Klausners): abgeschlossener Behlter, Gebirgspa,
Engpa, (durch diese hohle Gasse mu er kommen). Dieser letztere
Begriff hat das Wort bei den Seeleuten in Aufnahme gebracht. Es kommt
auch, wie (1702) im Niederlndischen dafr die Form kluisgaaten bezeugt
ist, die Verbindung klusgat = Klsenloch vor, was aber ein
tautologischer und volksetymologischer Verdeutlichungsversuch ist.


*Knagge*, die,

auch der (ich schneide mir einen tchtigen Knaggen Brot ab) Dick und
Kretschmer, Seemannschaft I 444: Mitunter hat das Ruder noch eine
Einrichtung, welche den Zweck hat, besonders beim Rckwrtsgang des
Schiffes den Maximalausschlag des Ruders zu begrenzen. Zu dem Ende ist
an jeder Seite des Ruders, etwa etwas hher als die obere Wasserlinie,
ein eiserner oder metallener Knaggen oder Ansatz angebracht, der sich
bei ganz hart gelegtem Ruder gegen den Steven legt und so ein weiteres
Drehen des Ruders ber den Maximalwinkel hinaus verhindert. Das
niederdeutsche Knagge, auch Knag, bedeutet dickes, unfrmliches Stck,
Brocken, Klumpen, Knorren, harter Ast im Holze, Baumstumpf, Wurzelstock;
dann weiter Leiste, Zapfen, Pflock, hlzerner Wirbel.


*Knecht*, der.

Die Knechte sind aufwrts stehende Hlzer bei den Masten mit Querstcken
an ihren oberen Enden und drehbaren Scheiben fr die Fhrung schweren
laufenden Gutes. In den Querstcken stecken die Ngel zum Belegen der
durch die Scheibe geholten Enden. Das Wort Knecht ist nach dem Muster
von Stiefelknecht, stummer Diener etc. gebraucht.


*Kneifsteck*, der,

ist ein Stek, der den Vorteil hat, leicht gelst werden zu knnen; er
ist nmlich so eingesteckt, da das Ende, wenn Kraft darauf kommt,
bekniffen ist; hrt aber die Kraft auf, so kann man das bisher
bekniffene Ende bequem herausziehen und den ganzen Stek leicht lsen;
und selbst wenn Kraft darauf steht kann das bekniffene Ende ohne groe
Mhe dem Zustande des Bekniffenseins entzogen werden. Bekniffen sein
in bertragenem Sinne ist ein wenig angenehmes Gefhl, nmlich eine Art
von moralischem Katzenjammer, eine Lhmung und Hinderung frhlicher
Tatkraft in Folge eines gemachten Fehlers.

Weil ein Kneifsteck, sobald man an dem bekniffenen Ende zieht, aufgeht,
schlippt, so heit er auch (s. d.) Schlippsteck.


*Knickstag*, das,

ist ein Sicherheitsstag, das in Ttigkeit zu treten hat, wenn das
eigentliche Stag gebrochen ist. Es heit darum auch wohl im Deutschen
wie in den anderen Seemannssprachen der Nordsee Borgstag. Es ist also
ein Reservestag, das seinen Namen vom niederdeutschen knick hat = Bruch,
Sprung, Ri, weil es, wenn das betreffende Stag knickt, d. h. bricht --
ein Tau reit nie, es bricht in der Seemannssprache -- als Knickstag
an seine Stelle tritt.


*Knoten*, der.

1. s. splissen und knoten. 2. s. Log. das Schiff segelt sechs Knoten,
d. h. es segelt sechs Seemeilen in der Stunde. Die Meilen entsprechen
den in bestimmten Entfernungen von einander befindlichen Knoten der beim
Loggen abrollenden Logleine. Ein Schiff fhrt so viele Seemeilen in der
Stunde als Knoten der abrollenden Logleine in der Zeit eines ablaufenden
Logglases (Sanduhr) gezhlt werden.


*knoten* s. splissen und knoten.


*kockpit*, die.

An apartment under the lower gun-deck of a ship of war, ordinarily
forming quarters for junior officers (and in action devoted to the
surgeon and his assistents and patients). Eigentlich der Kampfplatz fr
einen Hahnenkampf. Da nun junior officers manchmal etwas
Kampfhahnartiges an sich haben, namentlich wenn sie allzulange zusammen
an Bord desselben Schiffes bleiben, so hat man ihren Raum nach jener
Arena genannt, wie man auch denselben Namen gegeben hat, to the room in
Westminster in which her majesty's privy-council hold their sittings;
es wird zwar behauptet, der Name kme, from its having been the side of
what was formerly the cock-pit belonging to the palace of Whitehall ...
aber wenn das wahr ist, so wird es doch hchstens die ussere
Veranlassung gewesen sein, der innere Grund fr die dauernde Herrschaft
des Namens liegt wohl tiefer.

Der Name ist fr einen entsprechenden Raum wohl auch auf deutschen
Kriegsschiffen gehrt worden, vor 20-30 Jahren hufiger wie heute.


*Kofferdamm*, der,

und Korkdamm sind neumodische Wrter fr neumodische Dinge, nmlich fr
bei der Panzerung notwendig gewordene Vorsichtsmaregeln gegen
berflutungen durch ber das Panzerdeck tretende Wassermassen. Sie haben
also beide den Zweck eines Dammes, der eine in Gestalt von
kofferartigen wasserdichten Zellen, der andere gleicht diesem in
Gestalt, doch sind die Zellen mit Kork, Cellulose, Pflanzenmark oder
dergl. angefllt. Wenn ein Schu durch ein eisernes oder sthlernes
Schiff geht, so ist das fr das Schiff, und wie sich neuerdings vor Taku
herausgestellt hat, auch fr die Mannschaft gefhrlich. Durch den Kork
etc. etc. soll dann wenigstens bewirkt werden, da das Loch sich
einigermaen wieder zuzieht, wie frher beim Holzschiffbau, zu dessen
Zeiten manchmal ein Schiff ungezhlte Schsse bekam ohne zu sinken.


*Kogge*, die,

war das altfriesische Seeschiff von breiter und plumper Bauart, vorne
und hinten rund und stumpf zulaufend, das nachher, etwas verbessert, in
der Geschichte der Hanse eine groe Bedeutung gewonnen hat. Die Koggen
waren sowohl Handels- als Kriegsschiffe und werden in der friesischen
Geschichte zur Zeit der Kreuzzge oft erwhnt, da die Friesen in diesen
Schiffen die Fahrt nach Palstina machten. Von der letzten, recht
unglcklichen, die 1269 unter Knig Ludwig dem Heiligen unternommen
wurde, erzhlt Klopp, Ostfriesische Geschichte, I 136: Also wurden
wieder in allen Kirchen die eisenbeschlagenen Blcke errichtet und
Reiche und Arme brachten ihre Beisteuern dar. Aber durch die Erfahrung
der frheren Zge konnten viele Fehler vermieden werden. Den Weibern
ward die Teilnahme am Zuge vllig untersagt, damit die auf frheren
Fahrten hufig vorgekommenen rgernisse das Mal unterblieben. Es wurde
eingeschrft, da nur diejenigen am Zuge Teil nehmen mchten, die sich
mit Lebensmitteln gengend selbst versorgen knnten. Deshalb sollte
jeder einzelne Pilger mindestens mitnehmen: sieben Mark Sterling, ferner
ausreichende Kleidung, Waffen, sechs Fchen Butter, einen Schinken,
eine und eine halbe Rindsseite oder zwei Scheffel Mehl. Am Freitage nach
Ostern 1269 war alles bereit. Die Schiffe wurden von den Priestern
geweiht und gesegnet und dann stiegen die Pilger andchtig hinein, viele
von ihnen mit Blutschulden beladen, die sie durch tapfere Taten an den
Trken zu shnen gedachten. Aber bei Borkum wurden sie durch niedrigen
Wind drei Wochen lang aufgehalten. Man zhlte in Allem aus Friesland 50
Koggen ... Der Knig Ludwig war schon vorausgesegelt und kmpfte in
Afrika. Dort vereinigten sich die Friesen mit seinem Heere,
vollbrachten mit demselben wackere Taten und starben durch die
Anstrengung und die Einwirkungen des ungewohnten warmen Klimas
haufenweise dahin. Nach dem Tode des Knigs schwand die Aussicht auf
Erfolg. Zwar segelten die Friesen weiter nach dem gelobten Lande, aber
nur, um nach Darbringung reichlicher Beisteuern von da aus wieder
heimzukehren. Auf der Rckkehr trennten sie sich, wurden hierhin und
dorthin verschlagen, geplndert und beraubt und wenige gelangten nach
vielen ausgestandenen Drangsalen arm und entblt ins Vaterland wieder
heim; doch wohl kaum ohne etwas von der Seemannssprache des
Mittelmeeres mitgebracht zu haben. Man hat oft verwundert gefragt, wie
denn schon so frh ein arabisches, griechisches, lateinisches
Seemannswort solle ins Niederdeutsche gekommen sein. Die rege
Beteiligung der Friesen an den Kreuzzgen mag einen der Wege andeuten.

Die lteste Erwhnung einer Kogge finde ich in einer, bei Friedlnder,
Ostfries. Urkundenbuch I. 12, abgedruckten Urkunde des Knigs (Heinrichs
III.) von England, d. d. Bedford, 13. Juli 1224: Mandatum est maiori et
vicecomitibus Londonensibus, quod, non obstante mandato domini regis eis
facto de navibus arestandis, cogam Lamberti de Brema et cogam Bracheri
de Amethis apud Londonum arestatas occasione predicta permittant sine
inpedimento ad partes suas abire. In den Urkunden, Recessen und Schraen
aus der Hansazeit kommt das Wort unzhlige Male vor, da es die damals
gangbare Art von Schiffen bezeichnet, auch Kriegsschiffen. Der Name
oorlogschip ist aber niederlndisch. Die Hansa nannte ihre Kriegsschiffe
Friedeschiffe, vredekoggen, weil sie eben als Kriegsschiffe fr den
Frieden und die Befriedigung des Handels zu sorgen hatten. Nach
Hirsch, Handels- und Gewerbsgeschichte Danzigs 263, wird unter Kogge das
Seeschiff im Gegensatz zum Fluschiff verstanden und sind holk, krever,
barse und schute nur verschiedene Arten von Koggen. Doch sind
bekanntlich dergleichen Schiffsnamen schwer auseinander zu halten; ihrer
viele sind auch, weil die Formen und Grenverhltnisse zu unbestimmt
sind, schwer zu bestimmten Typen zusammen zu bringen, wie denn z. B.
in folgender Urkunde vom Jahre 1368 aus Lbeck schute doch nur ein
Beiboot zu einer Kogge ist. de stede ... schollen vthmaken teyn cogghen
ghemanned mit ghuden wepeneren, dat is tho vorstande hunderd wapende
man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een
schute onde een snykke.

Auch im Altnordischen kommt das Wort schon frh vor, doch bemerkt
Mllenhoff, da es nur von hanseatischen, schsischen Seeschiffen
gebraucht wird; was also auf sdlichen, romanischen Ursprung schlieen
lt, so da vielleicht grade die Kogge durch die erwhnten Kreuzzge,
in Gemeinschaft mit franzsischen Schiffen unternommen, das Wort in
Aufnahme gebracht haben: altfranzsisch coque (neufranzsisch coche),
spanisch, italienisch coca, cocca, vom lateinischen concha,
Muschelschale, muschelartiges, muschelfrmiges Gef, dann berhaupt
Gef. Daher auch italienisch cocchio, Personenwagen, unsere Kutsche.


*Kohlenbunker* s. Bunker.


*Kohlenstander* s. Stander und Kohlenwippe.


*Kohlenwippe*, die.

Dick und Kretschmer, Seemannschaft 1. 314: An einem Strecktau aus
Stahldraht, welches je nach der Takelage oder der sonstigen Einrichtung
des Schiffes zwischen den Unterrahen, den Ladebumen, den Bootsdavits
oder zwischen besonders vorgesehenen und im Bedarfsfalle aufzubringenden
Spieren ausgeholt wird, werden in passenden und nach der Lage der
Kohlenlcher oder Kohlenpforten berechneten Abstnden einfache
Jollentaue angenht, deren Lufer an dem einen Ende mit Haken versehen
sind und deren holende Parten durch auf Deck befestigte Leitblcke
geschoren werden. In die Haken werden die gefllten Kohlenkrbe gehngt,
die holenden Parten werden entweder durch Menschenkraft oder durch
Maschinenkraft durchgeholt. Die Jollentaue fhren speziell den Namen
*Kohlenwippen*, whrend das Strecktau auch mit dem Namen
*Kohlenstander*? bezeichnet wird.

Diese Bezeichnungen mssen als treffend anerkannt werden, denn das
Strecktau steht zwar nicht, woran man gewhnlich bei Stehen denkt, auf
und nieder, sondern horizontal, aber es ist doch ein stehendes, festes,
mglichst unbewegliches Tau; das Jollentau aber mu wegen der
Ortsvernderung, die mit dem Korbe voll Kohlen vor sich zu gehen hat,
eine wippende d. h. schaukelnde Bewegung machen; wippen niederdeutsch:
auf- und niederschweben machen, in's Schwingen und Schweben bringen;
auch sich selbst schwingen, tanzen, hpfen. Althochdeutsch wifan =
winden; gothisch veipan, umwinden; Wurzel wip, winden.


*Koje*, die.

Im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nur Bett, niemals Kammer, wiewohl es
mit Kabine, Kambse und Kajte verwandt ist. Die bei Erklrung dieser
Worte angefhrte Stammsilbe kab heit niederdeutsch nicht nur kave,
sondern auch kove und kowe. Da damit immer nur ein sehr bescheidener
Raum bezeichnet wurde so lag es nahe, dem kowe die Diminutivendung je
anzuhngen; bei der Aussprache fiel dann das w von selbst aus und Koje
war gebildet. Derselbe Vorgang wre anzunehmen, wenn man etwa das Wort
vom lateinischen cuba, Schlafgemach, ableiten wollte. Das wre nur noch
etwas umstndlicher und weitlufiger; und warum in die Ferne schweifen?
Beachtenswert ist, da schon zu Kilians Zeiten Koje nicht Kammer sondern
Bett hie. Koye int schip: cubile nauticum, lectulus nautae.

Eine einfache hlzerne Bettstelle, wie sie an Bord gebraucht wird,
fhrte frher den Namen Setkoje, Setzkoje, weil sie -- im Gegensatz zu
fest eingebauten Kojen -- beweglich ist und von einem Ort an den anderen
gesetzt werden kann. Zwei von dieser Art haben dem Verfasser der
Beschriving van der Kunst der Seefahrt im J. 1647 das Leben gerettet
(s. Schnfahrsegel und Luv am Ende): Mir war auch unter dem Wasser
nicht allzuwol zu muthe, so, da ich bald wieder oben kann, fhlete auch
indem neue Krafft, und kam eine See die hub mich auff, so, da ich bi
unter die Arme aus dem Wasser kam, mir lieff auch kein Wasser ber das
Haupt wie zuvor geschehen, so, da ich etwas von mir sehen konte, ward
auch indem zwo Setkoyen oder kleine Betsteten, so man auff Schiffen
gebrauchet gewahr, die von der See alsobald zu mir geworfen worden, also
legte ich auff jeder Koje einen Arm und hing so in der Mitte, bi die
Trken kamen und holten mich aus dem Wasser.


*Koker*, der.

Bei hlzernen Schiffen wird der Ruderhals, bei eisernen die
Ruderspindel in einem Umbau wasserdicht in das Schiffsinnere eingefhrt,
in der Regel indem an der Spindel eine Stopfbuchse angebracht wird.
Diese Einfhrung, also die Hlle um die Spindel, heit Koker. Das ist
dasselbe Wort wie das ebenso gebruchliche niederdeutsche kaker =
*Kcher*, Gehuse, Bchse, Futteral, Behlter, Rhre, Rinne. Verwandt
mit Kogge, und Kachel und concha, von einer Grundbedeutung
umschlieen, und noch in verschiedenen anderen Verwendungen an Bord,
immer aber mit dem Begriff Umschlieendes -- Kcher -- gebraucht.


*Kolderstock*, der,

eine veraltete Rudervorrichtung, nmlich ein vertikaler Handgriff an der
(horizontalen) Ruderpinne, durch das Koldergat, bezw. die Kolderluke
nach oben fhrend. Hildebrand in Grimms Wrterbuch V 1612 hat von
Chytrus, M. Kramer und Adelung das Wort bernommen und trotz der
Veraltung beibehalten; er meint fr Weiteres sei zuerst die allgemeine
Bedeutung zu ermitteln. Nun haben bei vielen Benennungen die Gerusche,
die die benannten Sachen machen den Ausschlag gegeben. Ich nehme daher
an, da Kolder nach dem Gerusch genannt ist, das durch das Steuern mit
dem Kolderstock notwendig verursacht werden mu. Der Stock fhrt nmlich
der leichteren Beweglichkeit halber durch eine hlzerne Rolle, Nu߫
genannt, die sich mit ihm hin und her bewegt. Das kann nicht ohne das
eigentmliche kullernde, kollernde Gerusch vor sich gehen, das sich
allemal hren lt wenn Holz auf Holz gerollt wird. So wre also an
kollern zu denken. Nun ist aber aus Holder Holler geworden; warum soll
nicht auch aus Koller Kolder werden knnen? Zumal wenn vielleicht einem
hochdeutschen Munde Koller nicht vornehm genug war? Man denke an die
scherzhafte Bildung Klopfstock fr Klopstock. Auf dem Wege vom
Niederdeutschen ins Hochdeutsche haben viele Seemannswrter hnliche
Verdunkelung erfahren, vergl. lschen, Pferd, Maifeld.


*Kofferkessel*, s. Kessel.


*Kolk*, der.

Grimm, V. 1613. hat viererlei Bedeutung fr Kolk: 1. Erdloch, das von
Wasser ausgesplt oder ausgerissen worden ist. 2. Als Cisterne, Grube
mit Wasser, braucht es selbst Luther einmal in der Bibel III. Mose XI.
36. 3. Strudel im flieenden Wasser. 4. Doch die ursprngliche Bedeutung
scheint einfach Erdgrube, Grube berhaupt.

Darnach wre das Wort eine Weiterbildung des Stammes kul in Kuhle =
Loch. Hildebrand weist aber fr die unter 1. angegebene Bedeutung selbst
auf kolken hin, gleich klucken, kluckern, klangmalend und strudeln,
gurgeln bedeutend, ein dumpfes rollendes Gerusch machen, wie wenn
Wasser sich mit Gewalt durch eine enge Bahn bricht. Kolk in der ersten
Bedeutung, und nur mit dieser haben es Seeleute zu tun, ist aber, nach
Dornkaat, ein Loch oder eine Vertiefung in der Erde, welches beim
Durchbruch oder Ri eines Deiches durch das mit Gewalt einstrmende und
die Erde herauswhlende Seewasser entsteht (wie z. B. 1825 bei der
groen Sturmflut der ber hundert Fu tiefe Kolk bei dem Dorfe Larrelt,
oder der Larrelter Kolk). Allerdings ist auch an der Wasserkante Kolk
ebenfalls ein mit dem Spaten ausgegrabenes Loch, aber es ist doch
anzunehmen, da die durch kolkendes Wasser entstandenen Kolke eher waren
als die von Menschenhand. Denken wir daran, da der Kolkrabe seinen
Namen jedenfalls vom Ton hat, den er von sich gibt, und da im
bertragenen Sinne kolken, dazwischen kolken doch auch nur
krchzen wie ein Kolkrabe bedeutet, so gewinnt fr Kolk unter 1,
die Lautmalerei sehr an Wahrscheinlichkeit, und es mgen 2, 3 und 4
Bedeutungserweiterungen bezw. -Verschiebungen sein, vielleicht vom
Gedanken an Kuhle beeinflut. Fr die Ableitung von kolken = gurgeln
spricht in Sonderheit die Bedeutung unter 3., Strudel, dessen Gerusch
gurgelnd ist.


*Kommodore*, der.

1. An officer, generally a captain, holding a temporary commission with
a rank between that of captain and admiral, who commands a ship or
detachment of ships in the absence of an admiral. 2. A title given by
courtesy to the senior captain when three or more ships of war are
cruising in Company. 3. The senior captain of a line of merchant
vessels. 4. The President of a yachting club. 5. The convoy or leading
ship in a fleet of merchantmen, which carries a light in her top to
conduct the other ships. Bei uns zeitweilig nur im Sinne von No. 1 in
Gebrauch. Vom spanischen comendador.


*Kompagnie*, die.

Der unter diesem Namen bekannte Truppenverband der Armee und der Marine
am Lande heit an Bord Division; nicht zu verwechseln mit anderen,
greren Verbnden dieses Namens. Kompagnie ist hnlich gebildet wie
Kamerad (von Kammer) oder Geselle (von Saal), nmlich von panis und cum;
die Leute von einer und derselben Kompagnie sind also Kumpane zusammen,
Leute die mit einander gemeinschaftlich ihr Brot essen; daher auch
Kumpanie und mit komisch-lateinischer Endung in alten Studentenliedern
Kumpaneia.


*Kompass*, der.

Das bekannte Werkzeug zur genauen Bestimmung der Himmelsrichtung. Da
ein so wichtiges Stck der Seemannschaft im Laufe der Jahrhunderte
vielerlei Verbesserungen erfahren hat, lt sich denken. Es gibt gar
verschiedene Arten von Kompassen. Hierher gehrt nur das Sprachliche.
Dieffenbach, Celtica, sucht mit groem Aufwand von Gelehrsamkeit zu
beweisen, das Wort komme aus dem Keltischen, und zwar aus dem kymrischen
Ast, nmlich von der Wurzel kam, kamp, Krmmung, davon comminus, Weg auf
dem man umkehrt und so eine Krmmung macht; Schritt, Weg, Felge am Rad.
Das ist doch weit hergeholt. Viel nher liegt und viel einfacher ist auf
das Lateinische zurckzugehen, wie denn das Wort doch auf den ersten
Blick dahin zurckweist, compassus = com-passus wurde auf dem Wege ins
Altfranzsische schon im Provenalischen zu compas = gleicher Schritt,
(Mitschritt); daher, wie auch im Spanischen, Takt, Versma, Ma und
Werkzeug zum Messen. Wie nahe lag es da im Nautischen das wichtigste
Mawerkzeug, als es in den seemnnischen Gebrauch kam, einfach
schlechthin *das* Werkzeug zu nennen; der hat dann solches bergewicht
erlangt, da es nur in dieser einen Bedeutung ins Deutsche (und viele
andere Sprachen) berging. Das Italienische nennt zwar den Kompa selbst
bussola, (und demgem liest man in lteren deutschen Schriftstellern
das Wort wohl auch einmal), aber es hat doch compasso fr Zirkel als
Meinstrument, und es wre kein Schade gewesen, wenn es die
Weiterbildung dieses Wortes, die die Franzosen vornahmen mitgemacht
htte, denn Kompa gibt doch eine viel sinngemere Bezeichnung ab als
bussola, das nichts weiter als eine Bchse bedeutet, oder vielmehr ein
Bchschen, lateinisch buxula von buxus, der Buchs, die Bchse;
Arzneigef aus Buchsbaum. Der Begriff des Messens liegt so sehr in
Kompa, da man lange Zeit im 16. Jahrhundert eine Vorrichtung zum
Messen der Zeit, ein solarium, horologium, ein Sonnawer -- Sonnenuhr --
einen Kompa nannte; noch Schnsleder 1618 hat compasz oder
Sonnenuhrlin.


*Kontre-Admiral*, der.

Was eigentlich unter diesem Dienstgrade ursprnglich zu verstehen war
als das Wort noch keinen titelhaften Dienstgrad, sondern eine
vorbergehende Funktion anzeigte, erhellt aus einer Verbindung der
englischen mit der hollndischen Bezeichnung, Rear Admiral und Schout by
nacht. Rear ist die Nachhut, der Teil des Geschwaders which is behind
the rest; Rear Admiral also der Befehlshaber der Nachhut. Unter
Umstnden war er auch der Stellvertreter des Flotten-Admirals. Whrend
dieser nmlich am Tage von dem Vize-Admiral sich vertreten lie,
vertrat ihn des Nachts der Schulze bei Nacht, der Kontre- oder
Gegenadmiral, wie man zu sagen pflegt mein Gegenpart, oder ein
Gegenstck. Aubin, 1702: Contre-Amiral. C'est un Officier qui commande
l'arrire garde, ou la dernire division d'une arme navale. Cette
charge n'est qu'une simple qualit en France, car il n'y a point de
Contre-Amiral fixe: il ne subsiste que pendant un armement considrable,
ou les Officiers Gnraux sont emploez. Dans ces occasions le plus
ancien des Chefs d'escadre porte le pavillon de Contre-amiral, qui est
blanc, de figure quarre et qui s'arbore  l'artimon. Mais en Hollande
la qualit de schout-by-nagt est fixe comme les autres; aussi les
fonctions de cet Oficier ne sontelles pas les mmes en tout, que celles
d'un Contre-amiral. Cependant comme elles en aprochent plus que des
fonctions d'aucun autre Oficier en rang, on ne peut traduire plus
convenablement le terme de Contre-amiral en Hollandois, que par celui de
Schout-by-nagt. Le Contre-amiral, ou Schout-by-nagt, est le troisime
Oficier des armees navales. Ses principales fonctions sont avoir l'oeil,
pendant la nuit, -ce-que tous les vaisseux gardent leur rang en
naviguant, afin-qu'ils ne s'abordent pas, et qu'il n'y ait point de
confusion; et c'est  lui de dnoncer ceux qui ne font pas leur devoir 
cet gard.

ber die verschiedenen Befehlshaber lesen wir im Durchluchtigsten
Seehelden (1631): Im Jahre 1585 ward Drak mit einer Flotte von fnff
und zwantzig Segeln, und 2300. so Soldaten, als Boots-Leuten ausgesandt,
und gieng den 22. Septembris von Pleymouth in die See, sein
General-Stadthalter war Christoph Carlile; Antonius Pocoel sein
Sergeant-Major. Capitain Mattheus Morgan, und John Samschon Corporale zu
Felde. Die Land-capitaine waren ... Capitain Martin Forbischer, der
gleichfalls seiner gethanen Reisen halber berhmt, war Vice-Admiral in
der Primerose, capitain Franciscus Knolles war Rere-Admiral oder Schultz
bey der Nacht, in dem Gallion Leicester. Im Jahre 1607 setzten die
Hochmgenden Herren Staaten den Jakob von Heemskerck zum Admiral und
sandten ihn mit einer Flotte aus, den schlaffenden Geist der Spanier
aufzuwecken.. Diese Schiffe fuhren den 25. Martii au dem Texel, und
kamen den 27. an bey der Insul Wiht, allda sie vier Schiffe au Seeland,
unter den Capitainen Laurentz Jacobs Alceras, als Vice-Admiral, auf dem
rothen Lwen, Martinus Hollart, Cornelius Faes, und Peter Cales
antraffen, dessen letztern Schiff an den Grund gesegelt und geblieben
war, aber die Gereitschafft und Vorrath samt dem Volck (augenommen
eylff Boots-Gesellen und fnff Soldaten, die zuerst mit dem Boot davon
fahren wollen, und ertrunken) seyn auf die andern Schiff bergenommen
worden. Von Rotterdam waren auch unter der Wiht ankommen, Capitain
Lambert Hendricks, sonsten der schne Lambert, Schaut bei Nacht, mit dem
Schiffe der Tiger.

In der Kaiserlichen Marine ist Kontre-Admiral jetzt ein Dienstgrad, une
qualit fixe, den ein im Range eines Generalmajors stehender
Flaggoffizier bekleidet, einerlei was fr einen Dienst er tut, einerlei
auch, ob er ihn an Bord oder am Lande tut.


*Kontrebande*, die.

Zahllos sind die deutschen Wrter, die mit dem fremden Kontre verbunden
sind. Kontrebande bedeutet eine Ladung oder Waren, die zu laden und zu
fhren verboten ist, die gefhrt wird contra bando, d. h. gegen
ffentliches, gesetzlich verkndetes Verbot. Das bando ist deutscher
Herkunft, mit Bann verwandt, vergl. abandonnieren.


*Kopfschlag*, der.

Wenn man mit mehreren Schlgen um eine Klampe, oder einen Knecht oder
sonstwie ein Tau belegt, so heit der oberste Schlag, der so gelegt ist,
da er sich selbst bekneift und nicht aufgehen kann, Kopfschlag. Soll
eine Spier getaut oder aufgehit werden, so nimmt man, nachdem man um
sie einen Zimmer- oder Balkenstek gelegt hat, mit der Bucht der Jolle
noch einen Kopfschlag; Kopf bedeutet hier also etwas das *ber* einem
anderen ist.


*Korrespondentreeder*, der.

Wenn mehrere Kauf- oder Geldleute zusammen einen Reedereivertrag machen,
gemeinschaftlich ein Schiff zu befrachten, so fhrt einer von ihnen die
Geschfte mit dem Kapitn und anderen in Betracht kommenden Personen.
Weil das mancherlei Schreibwerk mit sich bringt, so heit dieser eine,
der Geschftsfhrer und bevollmchtigter Vertreter der andern ist,
Korrespondentreeder.


*Korsar*, der,

der Seeruber. Das lateinische cursus = der Lauf, die schnelle Bewegung
zu Pferde, zu Wagen u. s. w., die Fahrt, Reise, der Weg, insbesondere zu
Schiffe = der Kurs, heit spanisch corsa. Dieser Form entsprechen das
italienische corsare und corsale, spanisch corsario, cosario,
provenalisch corsare, franzsisch corsaire, mittellateinisch corsarius.
In der eigentlichen Bedeutung des Wortes liegt also nichts
Seeruberisches; das ist erst im Mittelalter hinzugekommen, doch wohl
weil die Seeruber ihren corsa besonders schneidig verfolgen muten.


*Korvette*, die.

Ein neuerdings amtlich auf den Aussterbe-Etat gesetzter Name fr ein
greres Kriegsschiff, der lange im Gebrauch der Marine war; man
unterschied Glattdeckskorvetten mit den Kanonen an Deck und Gedeckte
Korvetten die ein Deck mehr, das sogen. Batteriedeck, besaen. Der Name
stammt aus dem Lateinischen, wie schon Weigand richtig erkannt hat:
1721 die Courvette, aus lat. corbita = Lastschiff, von lat. corbis =
Korb. Offenbar hat ein Lastschiff bei den Rmern eine etwas plumpe
korbartige Gestalt, vielleicht war es sogar ursprnglich eine Art
wirklichen Korbgeflechtes. In No. 28, Jahrgang 1895 der Wochenschrift
Nach dem Dienst befindet sich ein Bild, Schiffe auf dem Euphrat, das
uns die Herkunft von Korvette aus Korb deutlich vor die Augen stellt.
Diese Schiffe sind wirklich nichts weiter als Krbe. Im Texte heit es:
Die innerasiatischen Vlkerschaften hassen nichts mehr als nderung und
Fortschritt, und auch die unter das Joch der Trken gekommenen Vlker
Kleinasiens zeigen denselben Charakterzug. Haus- und Feldgerte sind
noch von derselben urwchsigen Form, welche nach den Erzhlungen der
Bibel und der alten Schriftsteller vor 3000 Jahren blich war. ber den
Euphrat fhren fast keine Brcken; aber man blst einfach die
abgezogenen Felle von Ziegen auf, bindet sie zusammen, legt eine
geflochtene Matte darber, und das Schiff ist fertig. hnlich sind die
Frachtkhne, welche wir auf unserm Bilde sehen. Sie sind von starkem
Schilf geflochten und in ihrer Form dem Krbis nachgebildet. Sie haben
zwar eine groe Tragfhigkeit, sind aber sehr schwer lenkbar, da sie
sich zu leicht um sich selber drehen; auch sind sie fast nur
stromabwrts zu benutzen und mssen stromaufwrts leer gezogen werden.

Ein geflochtener, oben offener, krbisfrmiger Korb verglichen mit
unserem Frst Bismarck zeigt uns einen bewundernswerten Fortschritt
der Schiffsbaukunst.

Corbita wurde im Spanischen zu corbeta, im Portugiesischen corveta,
franzsisch corvette, frher courvette; so bei Aubin 1702, welcher
schreibt: C'est une espce de barque longue, qui n'a qu'un mt et un
petit trinquet et qui va  voile et  rames. Les Courvettes sont
frequents  Calais et  Dunquerque. D'ordinaire on en tient  la suite
d'une arme navale pour aller  la dcouverte et pour porter des
nouvelles. Korvette war also vor 200 Jahren zwar bereits Kriegsschiff,
hatte es aber damals noch nicht weiter als bis zum Aviso gebracht.

Der Name Korvette ist in der deutschen Marine abgeschafft und durch
Kreuzer ersetzt; die Rangstufe eines Majors der Armee nennt man noch
immer mit dem Worte Korvettenkapitn.


*Krabben fangen*

wird scherzweise gesagt, wenn ein mit anderen zusammen im Takte
rudernder Matrose einen Streich, Pull genannt, auslt, indem er mit
dem Riemen nicht tief genug ins Wasser kommt, so da, wenn er nun
anzieht, das Wasser keinen Widerstand bietet und der Ruderer rckwrts
zu fallen droht.


*Kragen*, der.

1. Des Mastes, ist ein Stck Presenning oder geteerten Segeltuches, das,
wie ein Kragen um den Hals, um den Fu des Mastes gelegt wird, da wo er
durch das Deck geht, damit an dieser Stelle kein Wasser in das Schiff
eindringt.

2. Des Stags, ist ein Stropp oder ein Auge mit dem der unterste Teil
eines Stags befestigt wird; auch dieser Stropp, dieses Auge, wird wie
ein Kragen umgelegt, z. B. der Kragen des Fockstags um das Bugspriet.

Von einem solchen Stagkragen ist in der Beschriving van der Kunst der
Seefahrt, Lbeck 1673, zu lesen: ... begegnete mir ein grosser
Nordwesten Sturm, so da ich mit kleinen Segeln mute bey halten: weil
nun das Gewitter lnger anhielte, ward das Wasser deswegen sehr holl, so
da das Schiff dadurch sehr arbeitet, knte auch biweilen nichtes mehr
dann ein Siegel fhren, bi endlich da Bochspret die Vorsteve lo
machte, es war aber ein Stck, so daroben war aufgesetzet und bi an die
Klsen hinunter lieff (also nicht der eigentliche Steven, sondern das
Gallion); Weil es aber Nacht war, und wir kein Mohnschein hatten, auch
sobald kein Mittel finden konten, da wir es fst machten, so waren wir
entschlossen da Bockspret weg zu hauen; Ging derowegen mit dem
Zimmermann vor auff die Pflicht (der zweite Teil jener Beschriving ist
hochdeutsch; im ersten Teile, der in unser Saxsischen Sprack
geschrieben ist, wrde das Wort Plicht gelautet haben; es sagt der
Verfasser aber ausdrcklich: Ick heb mi nicht gebunden an de Wrde und
Nahmen, offt se wor nicht recht na dem Saxsischen luden; Sundern mi
reguleret nor de Manner, al idt by unsen Seefahrenden wert gespracken,
up dat idt desto besser van ehm kan verstahn werden), und hielt mich
mit der einen Hand an den *grossen Kragen vons Stag*, mit der andern
Hand den Zimmermann, da er das Bochspret weghauen sollte; Indem kam
eine See und nahm das Bockspret gantz mit sampt der Steve und Pflicht,
welche unter drey Balcken hatte, und war die Focke-Mast darein gefget
mit Bretter und allem Uberbort: Ich und der Zimmermann wurden zu unserm
Glcke inwerts geworffen, kamen hinters Both zu liegen, da Bochspret
aber schlug mit dem vor Ende hinterwerts, und holete die Focken-Mast mit
da Focken Stach hinten ber, so da das Focken Spar ins Raum brechen
mute, also muten wir die Mast auch weghauen. Da grosse Stach aber,
weil es auff die Vorsteve fst war, und dieselbe nun abgebrochen, so kam
dasselbe Stach auch lo zu liegen, kontens auch in der finstern Nacht so
bald nicht wieder fst bekommen, also fiel die grosse Mast auch ber
Bort.


*Krahn*, der,

eine Hebevorrichtung fr schwere Lasten. Man unterscheidet feste Krhne,
am Lande, und schwimmende oder Schwimmkrhne, die lngsseit eines
Schiffes fahren und Lasten an oder von Bord geben.

Dasselbe Wort wie Kranich, weil nach Beinen, Hals und Schnabel dieses
Tieres ursprnglich der Krahn hergestellt worden ist. So schon im
Griechischen: geranos = Kranich und Hebezeug; vergl. Bock, Widder. An
Bord der Schiffe gibt es *Krahnbalken* zum Heben von Lasten, Ankern etc.
Krahnbalksweise steht etwas, das steht wie ein Krahnbalken, nicht grade
von vorn, nicht grade von der Seite, sondern zwischen beiden Richtungen.
Franzsisch (1702) gruan. Dasselbe Wort bedeutet auch Grtze, aliment
ordinaire parmi les Hollandois qui en font leur potages sur les
vaisseaux et qui mme en quelque vaisseaux en servent jusqu'  vingt et
une fois par semaine. Nach Diefenbach heit in den keltischen Sprachen
garan der Kranich, der Langbeinige.


*Kraier*, der,

ein Ostseeschiff mit Pfahltakelage (s. Polacker). In Ostfriesland heit
kreier, kreuer, kroier, krojer eine Art von Schlitten, die auf dem Watt
gebraucht werden um die gefangenen Fische aus den Reusen zu holen; sie
werden auf dem glatten Schlick des Watts von einem Mann, der krei-jager
genannt wird, geschoben, und sind also die eigentlichen
Schlickrutscher. Das ostfriesische Zeitwort kroien, krojen bedeutet
schieben, wegschieben, verschieben, nach dem Winde drehen, umdrehen,
versetzen; niederlndisch kruijen, in einem Schiebkarren schieben,
treiben, in Flu und Bewegung kommen, namentlich von Eisschollen,
mittelniederdeutsch kruijen und kroden; westfriesisch krodjen schwer
tragen, ziehen, schleppen. In kroier ist also ein d ausgefallen, und
erst dieser Schwund hat, wie fters im Niederdeutschen, das i oder j
bedingt. Demnach entspricht das Wort einem der neuhochdeutschen
Schriftsprache abhanden gekommenen mittelhochdeutschen krod, das nach
Grimm V 2412 Mhe, Belstigung bedeutet. Die Mhe ist eben ein Ziehen,
ein Schieben, ein Schleppen von Lasten. Ein Kraier ist also ein
Lastenschieber, Lastenschlepper, kurz ein Lastschiff.

Die Kraier sind indessen nicht ausschlieliche Eigentmlichkeit der
Ostsee, man kannte sie schon im Mittelalter in Holland, vergl. das unter
Krawelboot angefhrte hollndische Citat ber Hoorn.


*Krampe*, die,

seemnnisch nur weiblich, ein Eisen in der Form eines U, aber mit
zugespitzten Enden, das in irgend ein Holz geschlagen wird um etwas
daran befestigen zu knnen. Wegen der gekrmmten Gestalt verwandt mit
Krampf, dem krankhaften Sichkrmmen der Glieder; Ablaut zu krimpfen,
niederdeutsch krimpen, intrans, sich krumm zusammenziehen, wenn man
Leibschmerzen hat, wenn man friert, vom Hunde, wenn er seine Notdurft
verrichtet. Vergl. krimpen.


*krngen.*

Wenn das Schiff sich unter dem Einflu von Wind, Wellen oder hart
gelegtem Ruder auf die Seite neigt, so sagt man: es krngt. Die Gre
der Krngung wird in Graden des Winkels angegeben, den das Deck mit dem
Wasserspiegel bildet. Wir krngten, (d. h. das Schiff auf dem wir uns
befanden krngte:) 25.

Krngt ein Schiff einmal nach der einen und dann nach der andern Seite
so nennt man das: es schlingert.

Wegen der krank-haften Bewegung ist das Wort zu krank zu stellen. Die
erste und ursprngliche Bedeutung ist nach Hildebrand (Grimm V 2024) am
deutlichsten in dem waidmnnischen krank = verwundet zu finden, weil
verwundete Tiere sich krmmen, sich hin und her winden, sich von einer
Seite auf die andere werfen. Dem entspricht das im Beowulf vorkommende
cringan = fallen im Kampfe, niederstrzen mit der sich windenden
Bewegung eines zu Tode Getroffenen.

Frher hie krank auch krang, so da die Abstammung des Wortes krngen
von krank noch deutlicher in die Augen springt. Es heit also: sich hin
und her werfen wie ein Kranker oder Verwundeter. Im Nordfriesischen ist
diese alte Bedeutung von krank noch zu erkennen in krenge = zu Falle
bringen. Im Westfriesischen dagegen ist die Bedeutung verallgemeinert;
omkrengen heit da mit dem Wagen umdrehen, zur Seite fahren, ausweichen.


*Krawelboot*, das,

ist von der Lage der Planken zu einander genannt, die seine Bordwand
bilden. Es hat nur eine Plankenlage (im Gegensatz zum Diagonalboot) und
die Planken stoen stumpf aufeinander. Sie sind also wie die
Schiffsplanken neben einander befestigt und wie diese auch gedichtet
oder kalfatert. Krawel ist Versetzung (Metathesis) von Karwel. Wie das
englische carve zunchst nicht einschneiden oder ausschneiden, sondern
nur schneiden bedeutet, so bedeutet das niederdeutsche karfe, karve
nicht blo Kerbe, sondern auch Schnitt, Abschnitt, Stck; umkarf ein
Stck Brot ums ganze Brot herumgeschnitten. Das Schneiden, Abschneiden
ist also ausschlaggebend, und zwar nicht nur weil die einzelnen Planken
besonders sorgfltig geschnitten, gut auf einander passend geschnitten
werden mssen; man darf gewi auch daran denken, da die beiden Planken
miteinander abschneiden im Sinne von: aufeinander oder aneinander
genau passen.

Niederlndisch karvielwerk; darunter versteht Roeding (1794) alle
Hlzer und Planken, die nicht klinkerweise ber einander liegen, sondern
mit ihren Kanten dicht an einander schlieen.

Die ersten Spuren des Karvielwerks fhren nach Hoorn in Holland (nach
dem auch das Kap Hoorn den Namen hat) D. Delius in seiner Beschreibung
von Hoorn: In't jaer 1460 werden hier de eerste Carviel-schepen
gemaeckt, daar men te vooren niet hadde dan Hulken, Razeilen en kraiers,
en die altemal gewracht Crap-schuits wijze met de planken op malkander.


*kreuzen.*

Eigentlich (= to cross) durch etwas ein Kreuz machen, durchkreuzen,
ausstreichen, zu nichte machen. Im Seemnnischen heit es zunchst: sich
aufkreuzen, wegen ungnstigen Windes, bei dem man nicht Kurs steuern
kann, so kreuzen, da man so hoch beim Winde segelt und segelnd hin- und
herfhrt, da bei jedem Schlage, bei jedem Hin und bei jedem Her etwas
von der eigentlichen Kursrichtung gewonnen wird und so das Schiff, wenn
auch recht langsam, doch zu seinem Ziele kommt. Es mag der Gedanke zu
Grunde liegen, da auf diese Weise der eigentliche Kurs immer wieder
gekreuzt wird, so da jeder Schlag mit ihm ein Kreuz bildet; vielleicht
hat auch die Redensart kreuz und quer mitgespielt; gleichbedeutend mit
laviren.

Sodann heit kreuzen auch: sich lngere Zeit auf einer und derselben
Stelle, an derselben Kste, in demselben Meere, auf derselben Station
sich aufhalten und hin- und herfahren um die Flagge zu zeigen und die
Interessen seines Landes und seiner Angehrigen wahrzunehmen; im Kriege
einen Hafen, eine Kste blockieren, feindliche Schiffe kapern etc. etc.
Dabei ist an Sichaufkreuzen nicht gedacht, sondern nur an das Hin- und
Herfahren. Daher der Name Kreuzer fr Schiffe die den angegebenen
Zwecken dienen, sich aber von dem Aufkreuzen immer weiter entfernen,
da sie immer mehr auf die Dampfkraft gestellt werden, der man vor
fnfzig Jahren, zur Zeit der Deutschen Flotte, noch so wenig fr
Kriegszwecke zutraute.


*Kreuzknoten*, der.

Im Grunde genommen ist jeder Knoten ein Kreuzknoten, da berhaupt nicht
anders als bers Kreuz geknotet werden kann. Ein Kreuzknoten ist aber im
Besonderen ein doppelter Ueberhandsknoten; man legt zuerst die beiden
Tampen kreuzweise bereinander und nimmt dann den oberen Tampen ber den
unteren durch: das ist ein Ueberhandsknoten; tut man dasselbe noch
einmal und zwar so, da nachher die Tampen und Buchten neben einander
liegen, so ist das ein Kreuzknoten.


*Kreuzmast*, der,

ist bei Vollschiffen der hinterste der drei Masten. Auf spanischen und
anderen Schiffen (katholischer Vlker) war am Kreuzmast oder in seiner
Nhe ein Kruzifix oder ein Kreuz so angebracht, da es vom Deck aus,
namentlich vom Achterdeck aus zu sehen war. Wer auf das Achterdeck kam
bezeugte diesem religisen Symbol seine Achtung indem er es grte. Die
Sitte dieses Grues hatte sich so eingebrgert, da, als, zuerst bei den
Protestanten, hernach auch bei den Katholiken, das Kreuz nicht mehr
angebracht wurde, der Gru doch blieb, er wurde nun aus alter Gewohnheit
dem nach dem Kreuze genannten Kreuzmast dargebracht. Noch heute gren
alte Seeoffiziere jedesmal, so oft sie das Achterdeck betreten, nach dem
Kreuzmast hin, auch wenn kein Mensch um den Weg ist, dem der Gru
gelten knnte.

Alles was zum Kreuzmast gehrt wird als Sammelbegriff auch *Kreuztop*,
genannt. Und die einzelnen Teile werden zur Unterscheidung von denen des
Gro- oder des Vortops durch Vorsetzen von Kreuz- bezeichnet. In Grimms
Wrterbuch fehlt Kreuzmast. Dafr ist ein Wort aufgenommen, das es nicht
gibt: Kreuzraa. Es gibt am Kreuzmast eine Bagienrahe, eine Kreuzmars-,
Kreuzbram- und Kreuzoberbram-Rahe, aber keine Kreuzrahe. Und wenn man
auch die Bagienrahe Kreuzrahe nennen wollte, etwa nach dem Vorgang von
Gro- und Fockrahe, so ist doch die Erklrung, die Hildebrand dem Kampe
entnommen hat, keine oder noch weniger als eine Erklrung: Kreuzraa,
auf Schiffen eine Art Raa; der Kreuzmast hat keine besondere Art von
Rahen, er hat Rahen, wie andere Rahen auch sind, nur da sie eben am
Kreuz- und nicht am Gro-, oder Fockmast festgemacht sind.


*Kriegsschiff*, das.

Ursprnglich war es im niederdeutschen Sprachgebrauch ein solches, das
bestimmt war, Frieden und Sicherheit auf dem Meere zu schaffen und dem
unerlaubten Nahrungszweig der Seeruber zu wehren. Sie hieen daher
nicht Kriegsschiffe, sondern vredeschepe. Lbecker Chronik: De rad van
Lubeck makede uth vredeschepe up de se tighen de Prusen, wente de nemen
wat se krighen konden.

Althochdeutsch herikocho, eine Heer-Kogge, eine Kogge, die ein (kleines)
Heer von Kriegsleuten fhrte. Mittelhochdeutsch herschif.
Mittelniederdeutsch orlogschepe; orlog, orloge, orlage, orlege, orloch,
orlech, orlich, orlinch hie Krieg; altschsisch urlag, althochdeutsch
urlac, nicht etwa exlex, sondern Bestimmung, Schicksal, hhere
Entscheidung, Gerichtskampf vor Gott. Lbecker Chronik: scepe de to dem
orleg vte weren.

Niederlndisch oorlogschip. Englisch man-of-war, eigentlich Kriegsmann,
aber mit so ausschlielicher Bedeutung von *Kriegschiff*, da ein
Kriegsschiffsmatrose genannt wird a man-of-war's-man.


*krimpen*

heit das Sichdrehen des Windes oder, wie der Seemann sagt, das
Herumgehen des Windes, besonders in unwillkommener Richtung und auerdem
manchmal mit der Nebenbedeutung des Sichdrehens gegen die Sonne, was
alte Seeleute als ein Zeichen kommenden Sturmes ansehen. Krumpen ist das
niederdeutsche Zeitwort fr das hochdeutsche krmmen, winden, einziehen,
zusammenziehen, althochdeutsch krimpfen, mittelhochdeutsch krimpfen;
davon das in Ostfriesland gebruchliche krimper = Geburtswehe.

Die Angabe Hildebrands in Grimms Wrterbuch V 2312 der Wind krimpt
(ein), wird schwcher, schrumpft ein gleichsam, mu auf einem
Miverstndnis beruhen, da beim Krimpen der Wind nicht schwcher sondern
nur schraler wird, ja er wird dabei eher strker. An sich heit also
jede Windrichtungsnderung krimpen, besonders aber diejenige, bei der
man den gewnschten Kurs nicht mehr steuern kann und die schlechtes
Wetter erwarten lt; eine nderung auf die der besonders achten mu,
dem sie besonders bedeutsam und wichtig sein mu wegen der zu treffenden
Vorsichtsmaregeln. Ehrentraut, Fries. Archiv II. 72: Wenn der Wind
nrdlich ist und dann westlich wird und dann wieder nrdlich, dann sagt
der Schiffer: de win krimpet oder es krumpen. Darauf folgt leicht ein
Sturm. Und Rding bemerkt zu krimpen: der Wind luft gegen die Sonne
rund, welches gewhnlich schlechtes Wetter mit sich bringt.
Franzsisch: se ranger contre le soleil.

Man wei, was man von dergleichen Meteorologie zu halten hat.


*Kronlin*, die,

(Kronleine) nennt man auf Wangerooge und sonst an der Nordseekste das
Tau womit das Hauptsegel aufgezogen wird. Krone hat hier die Bedeutung
von Kopf, Spitze, Oberstes, wie in Baumkrone oder dem Ausdruck: es ist
ihm etwas in die Krone gestiegen; in Ostfriesland heit eine Garnwinde,
die auf einer aufrechtstehenden Stange luft, Garnkrone. Um den
angegebenen Zweck zu erfllen mu das Tau durch einen Block an der
Krone, am obersten Teil des Mastes der das Segel trgt fahren. Doch kann
man es auch so erklren, da diese Leine die Haupt-Leine bedeuten
soll, wie man von einem Haupt und Kronenstck als etwas besonders
Wichtigem redet.


*Krulle*, die,

ist das Schneckenhaus- oder lockenfrmige Auslaufen des Gallions, oder
vielmehr des Vorstevens in einer Verzierung, die man bei jonischen
Sulenkapitellen voluta nennt, wegen des in sich selbst Zurckkehrens,
volvere. Eine krulle heit niederdeutsch ein gekrmmtes Etwas, Ringel,
Locke, Schnrkel, geringelter Hobelspan, Schnecke; dergleichen
Verzierungen knnen wenn sie knstlerisch ausgefhrt sind, dem Bug ein
sehr geflliges Ansehen geben.


*Kuff*, die,

ein Seeschiff von festem, aber plumpem, breitem, rundem Bau, mit zwei
Masten. Ostfriesisch, wangeroogisch, niederlndisch kuf, so da der
Hinweis auf Kufe von selbst gegeben ist, mit der sich eine Kuff wegen
der runden Bauart auch sehr wohl vergleichen lt. Die Abstammung eines
so alten, in die frhesten Kulturzeiten zurckweisenden und auf
Flechtwerk als erste Entstehungsart hindeutenden Wortes (vergl.
Korvette) vom lateinischen cupa = Fa will Hildebrand (Grimm V 2531)
nicht glaubwrdig erscheinen; er nimmt zwar bei einer in Raum und Zeit
so weit verzweigten Entwicklung ein Verflechten mit romanischen
Anklngen an, aber in der Form von Wechselwirkung; nur beim Weinbau am
Rhein, der ja von den Rmern eingefhrt wurde, nimmt er eine
unmittelbare lateinische Beeinflussung von Kufe durch cuba an.

Der Begriff des Runden und Plumpen ist in dem modernen Bewutsein so
sehr mit Kuff verbunden, da man jedes auch ganz anders getakelte
Schiff, ja jeden plumpen Dampfer verchtlicherweise eine Kuff nennt.

fters hat die Kuff zur Erhhung der Stabilitt ein Schwert. Trotzdem
nimmt sie viel Wasser ber, vergl. Lpkes, Seemannssprche 12:

      Kuffen un Smakken
      Snd Waterbakken;
      Hoekers un Buisen
      Snd Seemannshuisen.


*Kuntje*, das.

Wenn unsere Seeleute von Spanien Wein holten, so sahen sie, da man die
Fsser mit Keilen feststaute. Da nun im Spanischen ein Keil cuno heit,
so werden bis auf den heutigen Tag diese Staukeile von unseren Seeleuten
Kuntjes genannt. So hat das Wort Breusing im Jahrbuch des Vereins fr
niederdeutsche Sprachforschung richtig erklrt, nur da der Keil im
Spanischen cuna, nicht cuno (Mnzstempel) heit.


*Kuhbrcke*, die, s. Kuhl.


*Kuhl*, die.

Das niederdeutsche Wort kuhl bedeutet Vertiefung, Einsenkung, Hhlung,
Loch, Grube, Grab. Die Kuhl an Bord war frher grer, weiter
ausgedehnt, denn sie umfate den ganzen vertieften Raum zwischen Back
und Schanze (jetzt Kampanje), der nun in zwei Teile zerfllt, in den
Teil hinter dem Gromast: das Achterdeck, und den vor dem Gromast, die
Kuhl. Whrend der erstere Teil an Wrde und Ansehen sehr gestiegen ist,
ist der zweite eben so sehr gesunken, indem hier nun der Hauptraum von
der Barring, die auch *Kuhbrcke* (eigentlich Kuhlbrcke) heit,
berdeckt wird. Es werden nmlich die Borgstengen und Borgrahen,
berhaupt die Reserve-Rundhlzer hier so angebracht und gelagert, da
sie eine Art Deck, ein Dach, eine Brcke bilden, eben die Kuhbrcke. Auf
dieser werden dann die schweren Schiffsbeiboote, Barkassen und Pinassen,
aufbewahrt. Der Raum unter der Kuh(l)brcke heit besonders die Kuhl,
der Raum *vor* dem Mast; da ist die Mannschaft unter sich und kann
sichs gemtlich machen, doch herrschen auch hier, wie bei jedem
Zusammenleben von Menschen, ungeschriebene, stillschweigend anerkannte
Gesetze der Raumverteilung.


*Kuhfuss*, der,

mittelniederdeutsch kovot = Brechstange. Also nicht zu verwechseln mit
dem scherzhaften Namen fr das Gewehr. Die Brechstange ist von Eisen und
dient auch als Hebel zur Handhabung schwerer Lasten. Das eine Ende ist
platt und hat eine Klaue wie eine Kuh, so da man Ngel damit ausziehen
kann wie mit einem Kistenffner.


*Khlte*, die.

In der Regel wird der Wind als khlend angesehen, namentlich in unseren
Breiten. Je mehr er also khlt, desto strker wird sein Wehen sein.
Daher wird durch das Substantivum Khlte der Grad der Windstrke
ungefhr angegeben. Roeding: Wenn bey stillem Wetter oder flacher See
etwas Wind entsteht, der eine leichte Bewegung des Meers verursacht, so
nennt man solches eine kleine Khlte oder schlaffe Khlte.

Wird der Wind etwas strker, so ist es eine labbere Khlte, bey welcher
ein Schiff ungefhr 3-4 Meilen in einer Wache zurcklegt ... Unter
Bramsegelskhlte versteht man eine labbere Khlte, bey welcher man
Bramsegel fhren kann, und unter Marssegel-Khlte eine frische Khlte,
bey welcher man die Marssegel nicht reeft. Bei steifer Khlte fhrt man
mit gereeften Marssegeln, vergl. Windstrke.


*Kurs*, der.

Die Richtung die ein Schiff nehmen mu um an seinen Ort zu kommen.
Lateinisch cursus, italienisch corso, franzsisch cours, Lauf, Weg, Gang
einer Mnzsorte, Stand eines Wertpapiers, Geldwert. Frher, im Seebuch
1400 und berhaupt im Mittelniederdeutschen, gebrauchte man anstatt des
Lehnwortes das gut deutsche holt = Halt, vom Halten der Ruderpinne. Ich
halte (die Ruderpinne so, da mein Schiff nach oder) auf Lbeck
(fhrt). Jetzt nur noch in der Bedeutung abhalten auf ... gebraucht,
wenn der Kurs gendert wird auf eine bestimmte, von der bisherigen
abweichenden Richtung. Lucas Janszoon Waghenaer in seinem Spiegel der
Zeevaerdt, 1588, hat noch ein besseres und deutlicheres deutsches Wort
fr Kurs, nmlich Gang. Een Schip comende van Cizarga oft Cesarien (soo
ons volck dat noemen) ouer de Spaensche Zee met een noort noordtooste
ganghe nae Heyssant ... Item een Schip dat comt van de Cape de
Finisterre met een Noort noordtooste ganghe, ende vintet diep 80 vadem,
so is hy van landt vier en twintich mijlen de grondt is cleyne swerte
steenkens ghemengt met groff root sandt.


*Kurr*, die, auch (besser) Kur,

ist ein Schleppnetz, in einem Rahmen eingespannt, zum Strand- und
Grundfischen. Die Kstenbewohner der Nordsee schieben die Kur teils mit
einer Stange vor sich her, die Kurbaum heit, teils ziehen sie an einer
Leine, der Kurleine, hinter sich her. Sonst niederdeutsch und
nordfriesisch korre, altfriesisch koer, niederlndisch korre,
ursprnglich ein korbartiges Geflecht, denn das westfriesische koer
heit auch heute noch neben Netz *Korb*; auch eins mit kor in der
Bedeutung Gef, Bienenkar. Wie weit Bedeutungen sich von ihrem Ursprung
entfernen knnen beweist die Tatsache, da in der Pfalz Knaben die sich
fr ihre gefangenen Hummeln ein Lehmgehuse zusammenkneten, dieses auch
Kar nennen.


*Kste*, die,

= Ufer, Seeufer, Gestade; hochdeutsch seit dem 17. Jahrhundert, (zuerst
bei Stieber). Romanisches Wort, altfranzsisch coste, neufranzsisch
cte, italienisch und spanisch costa, eigentlich Rippe, Seite, dann auf
die Seite, den Landstreifen am Meere bertragen. Wenn Hildebrand (Grimm
V 2878) meint: zu uns wird es ber Holland gekommen sein, denn schon
Kilian am Ende des 16. Jahrhunderts verzeichnete kuste, koste, soda der
bertritt des o in  mit von dort ausging, so ist daraus nicht zu
schlieen, da bei Kilian sich die erste Spur des Wortes berhaupt
findet, denn schon 1400 hat das Seebuch kost und koste. Meist heit
freilich im Mittelniederlndischen die Kste wal. So de wind lange up
de wal hadde gestahn und sick den wedder na der see kehrt, so kamen de
floden spader. Niederlndisch wal, aan den wal gaan, an Land, auf
Urlaub gehn. Kilian hat auch schon die Form see-kant, die als waterkant
an der Nordsee weit verbreitet ist. Im Bewulf dagegen kommt wael vor,
Wall, Damm, Schanze, Ufer.


*Kstenbezirksinspektor*, der,

ist ein von der Marine angestellter hherer zur Disposition gestellter
Seeoffizier, der in seinem Kstenbezirk die Aufsicht ber die richtige
Betonnung des Fahrwassers, die Leuchtfeuer, Feuerschiffe, Baken, Bojen
u. s. w. hat.


*Kutter*, der,

in der Marine das Beiboot zum Rudern oder Segeln, das besonders fr die
Fahrten der Offiziere an Land etc. etc. bestimmt ist, grer als die
Jolle, kleiner als die Barkasse und auch vornehmer in Linienfhrung und
Ausstattung.

Sonst ein Fahrzeug das sich wenig von einer Jacht unterscheidet. Der
Kutter, den Roeding abgebildet hat, trgt einen Pfahlmast, daran einen
Besan, ein Marssegel geringeren Umfangs, ein Bramsegel und davor ein
Stagsegel und einen Klver; er macht den Eindruck eines schneidigen
Seglers. Daher hat schon Halbertsma, Lex. Fris. vermutet, der Name komme
von cut, schneiden (franzsisch couteau, lateinisch cultellus, Messer):
a nimble boat cutting the water. Roeding berichtet von seiner Zeit
(1794): Wegen ihrer auerordentlichen Geschwindigkeit im Segeln werden
sie in England viel zum Kontrebandehandel gebraucht. Die Regierung hlt
daher auch Kutter zu Kstenbewahrern, um diese Schleichhndler
einzuholen. Letztere fhren ungefhr 30 Mann Besatzung, 6-8 Kanonen und
einige Drehbassen. Kutter welche in England zur Kauffardey bestimmt
sind, drfen nach den Gesetzen nicht so hohe Takelasche fhren, als die
Kstenbewahrer, damit sie diesen nicht entgehen knnen. Die Kutter
dienen im Kriege auch zur Kaperey und als Advis-Jachten und Paquet-Bote.
In Frankreich und insonderheit zu Dnkirchen bauet man sie jetzt
ebenfalls.




L.

*Labber*

kommt nur in der Verbindung labbere Khlte vor und ist gleichbedeutend
mit dem sonstigen niederdeutschen labberig, das zumeist vom Geschmack
gebraucht wird: fade, weichlich, slich, kraftlos, schlaff. Das
letztere nhert sich dem seemnnischen Gebrauch, denn bei der unter
Khlte angegebenen Fahrt, die ein Schiff bei labberer Khlte macht,
mssen die Segel wenigstens zeitweilig ziemlich schlaff herunter hngen.
Indessen ist nicht nach dem Geschmack sondern nach dem Gehr das Wort
gebildet, nach einem Schallstamme von dem Gerusch des Schmatzens beim
Essen von Sigkeiten und beim Kssen; daher Labberei, Schleckerei,
Schmatzerei, Ksserei. Auch das seemnnische labber erklrt sich aus dem
Schall, aus dem Gerusch das die Segel machen, wenn ihnen zeitweilig der
Wind ganz ausgeht; dann flattern und flappern, wappern und lappern (auch
sonst schlagen: he lapde hum en an de oren) und labbern sie.


*Labsalen.* Tauwerk mit Teer einreiben.

Hat mit Labsal nichts zu tun, wiewohl ein richtiges Seemannsherz der
Meinung ist, der Teer sei fr das Tau ein Labsal. Aber der Seemann sagt
gar nicht labsalen, das ist vornehmer sein sollende neuhochdeutsche
Seemanns-Schiffssprache, er sagt labsalben und das Einreiben oder
Einschmieren, was ist es anders als Einsalben? Und auch das lab
erklrt sich auf sehr einfache Weise. Das Salben geschieht mit einem
Lappen, niederdeutsch lap -- also lap-salben ist die richtige und ohne
weiteres verstndliche Form.

Lap-dse (Lappendose) heit der Kasten auf dem Schiffe, der die Lappen
(zum Verbinden), Pflaster, einige Arzneien und Instrumente chirurgischer
Art enthlt, also Pflasterkasten; lap-ds bedeutet aber auch Flicken-
oder Flickkorb, und also auch in dieser Hinsicht ein fr manche fatale
Bedeutungshnlichkeit mit Pflasterkasten.

In Groningen schimpft man einen der zerrissenes Zeug an hat Lapsak und
Lapsalver, scherzweise auch Laplander. Schlecht angezogene Leute,
Lumpen und Lappen wurden frher auf der Jagd zur Umstellung des Wildes
gebraucht, daher: durch die Lappen gehen.

Ueber die Erklrung von labsalen hilft sich Kilian hinweg, der doch ganz
richtig lapsalven hat, mit der leichthin geuerten Bemerkung es werde
wohl quacksalven sein.


*Labskausch*, der,

eine Speise, Rindfleisch und Kartoffelmus gemischt. An Bord, von
prserviertem Rindfleisch hergestellt, ist das oft ein zweifelhafter
Genu. Wenn aber der Seemann sich erst einmal der Seefahrt begeben hat
und in die so beliebte Zivilversorgung gegangen ist, dann fngt dieses
Essen an, ihm in verklrtem Lichte zu erscheinen, er denkt wunders wie
fein es ihm einst geschmeckt habe und veranstaltet feierliche
Labskauschessen. Die Etymologie ergibt sich schon aus Kilians
Uebersetzung von lap, smout, pinguis liquor ex coriorum loris sive
segmentis, also aus Streifen oder Lappen Fleisch, aus Lappenstcken;
die waren kein Abfall, kein brig Gebliebenes, sondern Stcke des
weichen Bauchfleisches, der Bauchlappen des Rindviehs. Das Zeitwort
lappen aber bersetzt Kilian mit farcinare, farcieren, eine Farce
bereiten aus Fleisch. Die erste Silbe von Labskausch bedeutet also
Hackfleisch; (die Kartoffel ist erst nachtrglich hinzugekommen). Die
zweite Silbe ist das niederdeutsche Kaus = Schssel, Schale, so da das
Ganze also eine Schssel Gehacktes heit. Der Geschlechtswechsel hat
sich vollzogen in einer Zeit, wo dem Sprachbewutsein -Kausch als
Schssel nicht mehr gegenwrtig war.


*laden*,

mit Tragbarem beschweren, ganz verschieden von laden, wohin berufen.
Unser laden heit gothisch hlathan, eine Last auflegen. Es kommt manchem
Schiffe fr seine Fahrt sehr darauf an, da es richtig geladen sei, da
es in Bezug auf die richtige Verteilung der Last sein Recht empfange,
wenn das geschehen ist, dann nennt man es: das Schiff ist auf seinen
Pa geladen. Der Raum fr die Ladung heit *Laderaum*. Die Linie, bis
zu welcher das Schiff ohne Gefahr geladen werden kann, die *Ladelinie*,
die Gesamtheit des Geladenen die *Ladung*; Schiffsladung, auch ein
(allerdings ziemlich unbestimmtes) Ma bezeichnend, Schiffsladung,
Ladung schottischer Kohlen.

Das Laden einer Kanone, eines Gewehrs erinnert, wie das gleichbedeutende
Fremdwort chargieren, noch deutlich an das Beschweren mit Tragbarem.

Uebertragener Sinn: er hat zu schwer, er hat schief geladen.


*Laffete*, die,

das Gestell auf dem eine Kanone ruht. Zuerst bei Stieler 1691: Lafet,
Lafete; Goethe: Lavete. Ein Lehnwort, franzsisch l'afft, aus dem
lateinischen ad und fustis = Stock, Prgel, Baum, Holz; spanisch fuste,
provenalisch fust. Noch vor hundert jahren, 1794, als Roeding sein
Lexikon schrieb, war Laffete an Bord nicht ausschlielich in Gebrauch,
da sagte man auch noch Rapert und Rampert, niederlndisch rampaard, also
Rammpferd, Rollpferd sagt Roeding. Das Gestell hie also Pferd,
(vergl. Bock, Widder, Krahn) und ward nher bezeichnet als Rammpferd,
weil es aus- und eingerammt wurde beim Schieen und Exerzieren.


*Lage*, die,

alle Kanonen, die an einer Seite eines Schiffes auf einem Deck stehen
(liegen), eine halbe Batterie, eine Breitseite. Sind mehrere Decks
vorhanden, die Kanonen tragen, so heien alle zusammen an einer Seite
eine volle Lage. Dem entsprechend heit: eine Lage geben, eine volle
Lage geben die betreffenden Kanonen zugleich, (in Konzentration) auf
ein feindliches Ziel abfeuern. Auch bertragen: eine Lage Bier geben,
eine Runde Bier ausgeben, so da jeder Teilnehmer der Tafelrunde ein
Glas bekommt; jemanden mit einer vollen Lage von Schimpfwrtern dienen.


*Lgel*, der, auch Legel.

1. Kurze Stcke von Tauen deren Enden an das Liek eines Segels gesplit
werden, so da sie mit diesem eine Art Ring oder wenigstens einen
Halbkreis bilden. Es werden an ihnen die Bulins und anderes laufendes
Tauwerk befestigt.

2. Die Ringe um das Stag, an die das Vorliek des Stagsegels befestigt
ist, an denen dieses Segel am Stag auf- und niederluft; ebenso die
Ringe um Schnaumast und Gaffel durch die die Gaffelsegel sich auf und
nieder bewegen lassen. Den Ringen zu vergleichen, mit denen man eine
Gardine oder Portire bewegt.

Gehrt zum niederdeutschen lag, leg = leer, frei, ledig, unbehindert,
und zwar im Sinne der leichten Beweglichkeit, und dieses ist Kontraktion
von ledig. Ledig ist einer der sich leicht rhren und bewegen kann; von
Arbeit, Mhe, Beschwerde oder sonstiger Hinderung frei. Daher vermutet
Dornkaat mit Wahrscheinlichkeit das ledig = lidig sei; lid aber heit
Glied, Gelenk, Stelle wo Arm und Beine sich bewegen, so da die
Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und ein Zustand bezeichnet wird, in dem
einer oder etwas, oder ein Mittel durch das einer oder etwas biegsam,
geschmeidig, beweglich, lenksam ist, sich frei bewegen kann. Diese
Bedeutung stimmt mit dem Begriff von Lgel oder besser: Legel berein,
denn ein Legel kann man sehr wohl als Glied oder Gelenk bezeichnen,
dadurch das Segel bewegt und gelenkt und gerichtet wird.


*lngsdeck*,

ein viel gebrauchtes Adverbium, die Lngsrichtung des Decks bezeichnend;
die Rahe liegt lngsdeck, die Leute laufen mit dem Taljenlufer
lngsdeck. Mit jemandem lngsdeck gehen heit im bertragenen Sinne,
ihm ber sein, ihn berwltigen, ihm seinen Meister zeigen.


*Lngsstringer* s. Stringer.


*Landung*, die,

allgemein (die Landung des Columbus auf Guanahani) das Anlanden an einer
Kste; besonders aber das Anlandsetzen von Waren; auf Kriegsschiffen das
Ausschiffen von Truppen, im Frieden als Landungsmanver gebt.

Das Zeitwort landen hie und heit teilweise noch im Hochdeutschen
lnden, aber das niederdeutsche landen hat es wegen des bergewichts der
Seeschiffahrt in den Hintergrund gedrngt. Das Landen ist nicht immer
wrtlich zu nehmen, es wird auch wohl von solchen Hfen gesagt, die gar
keine Hfen sind, sondern offene Reeden, wer z. B. in Montevideo
landet, der liegt so weit vom Lande ab, da wenig genug davon zu sehen
ist.


*Landmarke* s. Kennung.


*Lanen*, die,

des Bootes sind die manchmal gitterartigen, dann auch Grting genannten
Bretter, die den inwendigen Boden des Bootes bilden. Sie liegen lose auf
den Bauchstcken und knnen daher abgenommen werden, wenn man sie
reinigen will oder wenn man das Wasser ausst. Im Ostfriesischen heit
lne, ln = Lehne, Gelnder, Gitter, woran man sich hlt oder worauf man
sich sttzt, worauf man einen Sttz- und Ruhepunkt findet. Lane drfte
also zu unserem Lehne zu stellen sein, die zwar jetzt besonders einen
Halt und eine Sttze fr Hnde, den Kopf oder den Rcken bedeutet, aber
ursprnglich war das anders, da bedeutete Lehne ein Lager, und lehnen
eine schiefe Stellung bilden, eine schrge Lage einnehmen und diese
nehmen die Beine der im Boot Sitzenden, namentlich der Rudernden ein,
indem letztere sie noch gegen auf Lanen angebrachte Fuleisten anlehnen.


*laschen*

heit zunchst verlngern, besonders von der Ttigkeit der
Schiffszimmerleute gesagt, wenn sie zwei Balken so zusammenfgen, da
sie zwar auf einander liegen, aber zusammen doch nur die Dicke des einen
haben. Sie werden dann so zusammen verbunden. Daher heit laschen auch
berhaupt verbinden, befestigen, festbinden, zwei Dinge mit einander
zusammenbinden. Eine Lasche ist ein Stck Zeug oder Leder, das man
irgendwo einsetzt, dazwischen setzt, ansetzt um etwas zu verlngern. Die
Erklrung macht Schwierigkeiten. Doch gibt Kluge einen Weg an, auf den
sie sich drften heben lassen; darnach wre das Wort mit Lappen
verwandt, indem im Althochdeutschen ein vorausgesetztes lafska sich in
laska verwandelt htte.


*Last*, die.

1. Die Ladung, das Geladene; auch als bestimmtes Gewicht: eine Last
Kohlen, eine Last Torf.

2. Der Raum in dem die Ladung verstaut ist oder werden kann. Es ist
Ableitungsform von laden, (du ladest mit ausgefallenem d) wie
mittelniederdeutsch lest (von ldst). Das deutsche Wort drang ins
Romanische, franzsisch lest, Ballast, laste, italienisch lasto, Last,
als Schiffsgewicht. (Kluge). Diejenige Last, also derjenige Raum, der
fr eine stets sich gleich bleibende Ladung bestimmt ist, die zur
Versorgung des Schiffes dient, wird nach dem was er enthlt benannt:
Brotlast, Fleischlast, Wasserlast.


*Lastadie*, die.

Navale, locus ubi naves constituuntur, aedificantur, aut quassatae
reparantur ist bei Kilianus eine Lastagie, sonst meist, wie viele
Straen- und Platznamen in deutschen Seestdten beweisen, in der Form
Lastadie gang und gbe. Es fragt sich, welches die ursprnglichere Form
ist. Die Endung agie ist eine weitverbreitete mittelniederdeutsche
Kollektivendung. Ueberall wo eine Menge zusammengehriger Dinge
zusammengenannt werden soll, geschieht dies durch Anhngen der Endung
agie. Sie wird zwar meist wie asche ausgesprochen, aber agie, asje,
asche, acze, aghe abwechselnd geschrieben: Takelasje, Fustage, Fastage,
Budelaghe, Segelasche, Segelacze, Segelacie, Stellage, Slytage,
Ankeragie, Ankeracie, Eskipage: sogar Priesteragie fr Pfarrhaus kommt
vor. Im Englischen steht dafr die Endung age; lastage = Last im Sinne
von Ladung, auch Ballast, und Last im Sinne von Laderaum. Und das eben
gibt uns die ursprngliche Bedeutung an die Hand. Stelle am Ufer, wo die
fr Schiffe bestimmten Lasten aufgestapelt waren, oder wo der Ballast
lagerte, also Laststelle, Ladestelle, natrlich auch Lschstelle. Beim
Laden oder Lschen stellt sich wohl das Bedrfnis heraus, an Ort und
Stelle kleinere Reparaturen auszufhren, dafr wurden zunchst recht
einfache und vorbergehende Einrichtungen in Anspruch genommen, aus
denen sich jedoch nach und nach eine richtige Schiffbauwerksttte, eine
Werft entwickelte, die aber den Namen behielt, den der Ort von der Last
erhalten hatte.

Aber wie ward aus Lastagie Lastadie? Oder, fr den Fall, da doch
Lastadie die ursprngliche Form wre, woher kommt das d in der Endung?
Da ist auf das schne deutsche Wort Staden hinzuweisen. Es ist
gleichbedeutend mit Kai, Kaje (Quai!). In Straburg i. E. gibt es einen
St. Nicolausstaden, einen Schifferleutstaden, Fischerstaden, Pariser
Staden, Kaufhausstaden u. s. w. Leider ist aber auch der Gebrauch dieses
Wortes so ziemlich auf das Gebiet Hochdeutschlands beschrnkt. Dafr
kennt das Niederdeutsche ein allerdings immer ungebruchlicher werdendes
Stade, welches zunchst so viel wie Gestade, Ufer ist, dann aber auch
allgemein Sttte, Stelle, Platz, Ort u. s. w. bedeutet und, wie Staden,
von einem Zeitwort kommt, das die Bedeutung hat: etwas irgendwo
hinstellen, zu Statten bringen, zum ruhigen Bestande bringen,
aufstellen, sich verheiraten, einen begraben etc., womit auch das Wort
Stalhof (Stadelhof) verwandt ist, wie das Haus hie, das die Oesterlinge
zur Zeit der Hansa in London hatten, in dem die deutschen Kaufleute ihre
Waren ausgestellt hielten, (es mag hauptschlich ein Musterlager gewesen
sein, weil man ein Muster, eine Warenprobe heute noch einen Stal, ein
Stlchen nennt).

Also die Sttte, wo eine Last lagerte hie Stade. Wie nahe lag da die
Verbindung Laststade. Das eine st wurde als lstig gefallen ausgewiesen,
so wie aus Raststede Rastede wurde. Der bloe Gedanke an Stade konnte
bewirken, da aus Lastagie Lastadie wurde. Da fr letzteres aber auch
die Form Lastadigen bezeugt ist, was eine Erinnerung an das von der
richtigen Stelle verdrngte g von Lastagie sein knnte, so gewinnt
dadurch die Ansicht das bergewicht, da Lastagie die ursprnglichere
Form ist, aus welcher durch Anlehnung an die Vorstellung Last-stade
Lastadie sich gebildet hat. Jetzt ist es durch Werft vllig verdrngt.


*Lateinische Segel*

haben als besonderes Kennzeichen die Eigenschaft dreieckig zu sein und
an einer langen Rahe zu sitzen, die ihrerseits an einem niedrigen, meist
etwas vornbergeneigten Mast sitzt. Diese Art stammt aus dem Mittelmeer,
aus dem eigentlichen Sprachgebiet des Lateinischen, und wird daselbst
von Galeeren, Schebecken, Pinken, Tartanen, Felucken, Galioten und
berhaupt fast allen dort gebruchlichen Fahrzeugen gefhrt. Solche
Schiffe sind leicht zu bedienen und segeln gut beim Winde.


*Laterne*, die.

Diese allbekannte Lichtspenderin wird an Bord in verschiedenen Arten und
zu verschiedenen Zwecken gefhrt, mu aber allemal so gesichert sein,
da auch der Sturm das darin brennende Licht, eine dicke Kerze, nicht
auslschen kann. Man hat Lauflaternen, Kompalaternen und besonders
Positionslaternen. Diese sind von der grten Wichtigkeit, weil sie in
der Dunkelheit das einzige Mittel sind, die Position, also nicht nur das
Vorhandensein eines Schiffes berhaupt, sondern auch seine Fahrtrichtung
zu erkennen zu geben oder zu erkennen. Zu diesem Zwecke brennt vorne an
Steuerbord eine grne, vorne an Backbord eine rothe Laterne, ist das
Schiff ein Dampfer, so brennt hoch ber den beiden am Stag eine Laterne
mit weiem Licht, die Staglaterne.


*Laufendes Gut*

nennt man alle Taue die ihrer Natur und Bestimmung nach beweglich sind
und bewegt werden durch Menschen, neuerdings auch durch Dampfkraft.
Gegensatz: stehendes Gut, das nicht nur fr sich selbst fest und
unbeweglich zu stehen hat, sondern auch dazu hilft, da andere Teile des
Schiffes fest stehen, weil sie von ihm gesttzt sind.


*Lufer*, der,

ehedem ein Mann dessen Beruf das Laufen war, ein Bote zu Fu, Diener in
besonderer Kleidung, der Kutsche Vornehmer vorauslaufend um Raum zu
schaffen, auch Aufwrter etc. etc. (Ein Lauffeuer ist ein Strich
ausgeschtteten Pulvers zum Anstecken von Gegenstnden aus grerer
Entfernung.) Seemnnisch: 1. Das Ende eines Takels, einer Talje, einer
Jolle an dem die Matrosen holen, und zwar sollen sie, besonders auf
Kriegsschiffen, mglichst schnell holen, laufend holen, indem sie mit
dem Lufer in der Hand lngsdeck laufen, z. B. beim Hissen eines
Kutters. 2. Ein Posten vor der Kajte oder Messe, der Befehle
berbringt, Botschaften ausrichtet, anmeldet etc. etc. (Treppen- und
Flurlufer kommen wohl auch an Bord vor, sind aber nichts besonders
Seemnnisches). Doch ist in Bezug auf 1 zu bemerken, da eigentlich das
ganze Tau eines Takels mit allen seinen Parten Lufer heit, weil es
ber die Scheiben der Blcke luft, da aber die holende Part, weil hier
das Laufen in doppeltem Sinne zum Bewutsein kommt, auch besonders als
Lufer in den Vordergrund tritt.


*Laufplanken*, die,

sind Planken die vom Schiffe an Land geschoben werden, damit man auf
ihnen aus- oder einsteigen kann; besonders aber die Planken an beiden
Seiten der inneren Bordwand durch die Back und Schanze so mit einander
verbunden sind, da man von dieser auf jene gehen kann, ohne an Deck
hinabsteigen zu mssen. Auch auf offenen Flufahrzeugen finden sich an
der derselben Stelle Laufplanken, auf denen die Matrosen hin- und
hergehn beim Staken.


*Laufstag*, das,

im engeren Sinne ist eine Haltevorrichtung fr die Matrosen die am
Bugspriet zu arbeiten haben, bestehend aus zwei gestreckten Tauen, die
wie ein Gelnder aussehen und zwischen denen man hindurchgehen kann. Da
in der Nhe dieses Laufstages das Gallion ist (war), so mag mit ihm der
Ausdruck Staglufer fr getrocknete, gelbe Erbsen in Verbindung
stehen, die so schwer verdaulich fr manchen Magen sind, da sie
manchmal gnzlich unverdaut in der Nhe des Laufstages wieder ans Licht
kommen, (vergl. das Wort: er sieht aus wie eine Erbse, die dreimal
durch einen Soldaten gegangen ist, von einem gelb und krnklich
aussehenden Menschen gesagt).

Im weiteren Sinne kann man Laufstag auch jedes Manntau nennen, also
jedes zeitweilig geschorene Tau an dem der Mann an Bord sich festhalten
kann, sei es an Deck bei so schlechtem Wetter, da man ohne ein solches
nicht stehen oder gehen kann, sei es beim Paradieren auf den Rahen, also
das was man sonst *Strecktau* nennt, ein Tau, nach dem der Matrose die
Hand ausstreckt um sich festzuhalten.


*Launske*, e.

Memeler Lootsen kommandieren: e Launske Backbord dat Rohr (Ruder),
fier weg e Launske achtern! Nach schriftlicher Mitteilung eines
frheren Ostseekapitns ist das Wort aus dem englischen allowance
verderbt und mit Diminutivendung versehen. Allowance ist aber Ration,
Portion. Wie man nun von einer tchtigen Ration Prgel und einer
gehrigen Portion Schelte spricht, so sagt der Ostseemann: e Launs
Schelte oder Prgel bekommen, wie er auch die Ration Essen oder Trinken
Launs nennt. Die Verkleinerungsform deutet also das an was wir mit ein
Teilchen, ein Bischen, ein Stckchen bezeichnen.


*Lausepflicht*, die, s. Pflicht.


*laviren*

heit so viel wie kreuzen, sich aufkreuzen; doch ist man unter Umstnden
froh wenn man beim Laviren wenigstens nicht zurckkommt; namentlich bei
schwerem Wetter und hoher See. Aber die eigentliche Meinung ist doch
die, da man dabei Luv gewinnen mchte. Man mute also richtiger luviren
sagen, wie im Franzsischen auch wirklich die Formen louvier und
louvoier bezeugt sind, Aubin 1702; sie sind offenbar aus dem
niederlndischen loef richtig gebildet, (whrend das franzsische lof
sich von einer falschen Aussprache des Hollndischen herschreiben wird).
Das Wort erklrt sich aus dem Niederdeutschen, besonders dem
Niederlndischen. Da heit dasselbe zuerst loeven, von loef, Windseite
des Schiffes, dann mit der beliebten fremden Endung loeveren, endlich
verderbt, vielleicht auch in der Erinnerung an eine uralte Form von Luv
laf (Bewulf) lavren; so hat es Kilian schon; ja bereits das Seebuch
(1400) hat inlaveren; die hochdeutsche Form laviren kommt im 16.
Jahrhundert vor. So fremdartig laviren aussieht, so ist es doch unser
eigenster deutscher Besitz.


*lecken*

= Wasser durchlassen, bedeutet eigentlich drsten, austrocknen, vor
Trockenheit Ritzen bekommen und dann Wasser durchlassen; lechzen ist
eigentlich auch rissig werden vor Trockenheit und erst bertragen vor
Trockenheit schmachten, und ist iterative Bildung von lechen,
austrocknen, weiter zurckfhrend auf das oberdeutsche Adjective lech =
rissig, undicht, wofr wir jetzt die niederdeutsche Form leck haben
(Heyne). Von der Schiffahrt her im 17. Jahrhundert in die Schriftsprache
gekommen. Davon das Substantiv der Leck, *das Leck*, sogar die Lecke.

Althochdeutsch lechen, Edda: leka, angelschsisch lekkan, na machen,
tropfen, lecken (das Lecken mit der Zunge ist ein anderes Wort).


*Leckasche*

ist das, was an flssigen Waren aus den Fssern rinnt und in Abzug zu
bringen ist.

Wie die Seefahrer des 17. Jahrhunderts ein Leck stopften erzhlt der
Verfasser der Beschriving van der Kunst der Seefahrt, Rostock 1673:
Weil wir nun auch ein Leckschiff hatten, gingen etzliche von dem Volck
bey die Pump; wir andern gedachten uns von den Masten frey zu machen,
da Wasser aber nam im Schiff berhand, so, da wir vermerkten, da wir
noch eine grere Leck bekommen hatten, welches eine groe Bestrtzung
unter dem Volck machte; Ich war biweilen in dem Soct (Pumpensood),
mrckte endlich, da das Wasser muste von ferne kommen, derowegen sandte
ich den Zimmermann mit einigen nach den vordersten, sie machten den
Vorluck auff, da wurden sie gewahr, da das Wasser huffig einbrausete,
rieffen derowegen, da da die Leck wr: wir hatten aber zu unsern Glck,
wenig Gut in Boch gestauet, derhalben drfften wir nur wenig Fsser in
Stcken hauen, worin Verginisch Tobacksbltter wahren, den unsere Ladung
war Zucker und Toback, da Volk nam gantze Armen voll Tobacksbltter,
und fielen damit gegen das Wasser an, und legten sich darauff, da es
nicht in die Hhe brausen konte, sonst konte man dar nicht beykommen,
den es war anzusehen al wenn der gantze Boch offen war; Wie nun das
Wasser mit den Toback gedampffet, knte man darunter fhlen wo da
Wasser herkam, also funden wir erstlich ein Holtzen Nagel Gat, welchen
Nagel da Fockenspar (eine bis an die Bordwand reichende Planke der Spur
des Fockmastes?) hatte ausgerissen, wir machten alsobald einen Pfropff
von ein Stck Ochsenfleisch, drckten es dar hinein, legten dar ein
wenig von einem Bret auff, und dar eine Streve gegen an, da ward es
dicht, noch funden wir eine Planck mitten auffgeborsten, welches viel
Wassers brachte, wir nahmen Ochsenfleisch, legten es gegen das Gat an,
und dar Stcklein von Brettern auff, so zwischen die Inholtzen paste,
und solches ward bestrebet, damit da Wasser das Fleisch nicht
wegtreiben konnte, da ward es dicht, welches uns einen guten Muht
machte, und wenn wir mit solchem in der Eyl nicht waren vorgekommen,
solte es bald mit uns ein bses Ende genommen haben. Wir pumpten das
Wasser bald wieder aus, nachdem giengen wir bey die Masten, die immer
gefhrlich auff das Schiff anrammelten, und machten uns davon frey.


*Leck*

wird auch als Adjektivum und Adverbium gebraucht, das Schiff ist leck
geworden, das Boot ist leck gesprungen. Hchst auffallender Weise hat
der Uebersetzer der durchluchtigsten Seehelden anstatt leck luck.
Black war unterdessen mit siebenzig Segeln bey Fayer-hill unter die
groe Fischerey geraten, allda er dreyzehn Buys-Convoyer genommen,
etliche Buysen geplndert, etliche vom Volck entblet treiben lassen,
und die brigen jedwede seines Weges gejaget. Tromp der ihm vorgenommen
ihn zu finden, ward bei Fayer-hil und Hitland von einem harten Sturm
berfallen, er selber war in groer Gefahr zu sinken, weil das Schiff
sehr luck worden, und blo mit Bomben (Bumpen) noch oben zu halten. Als
oberdeutschem Manne war ihm das seemnnische leck wohl unbekannt oder
ungelufig, er hatte aber einmal etwas davon gehrt, da es auf Schiffen
Oeffnungen gbe, die man Luken nenne.


*Lee*, (ohne Artikel)

die dem Winde abgekehrte Seite (des Schiffes). Breusing hat im Jahrbuch
des Vereins fr niederdeutsche Sprachforschung 1876 sich die Deutung
Kilians angeeignet, der lye mit latus navis depressum bersetzt und
mit quod a vento deprimitur erklrt, indem er es mit ley = niedrig in
Verbindung brachte. Darauf hat ihm aber Mllenhoff alsbald dargetan,
da an leg nicht zu denken sei. Mit Recht. Denn wenn auch zu gewissen
Zeiten und unter gewissen Umstnden an Bord die Leeseite die niedrigere
Seite werden kann, so denkt dabei doch niemand an das Niedrige und das
Wort Lee wird sehr oft da gebraucht wo von hoch oder niedrig gar keine
Rede sein kann. Mllenhoff fgt seiner Ablehnung die Worte hinzu, er
finde aus dem Germanischen keine Erklrung, so lange er sie auch im Auge
gehabt und gesucht habe. Das kommt offenbar daher, da er, wie auch
Breusing mit einem zu engen Begriff von Lee gearbeitet hat, nmlich dem
rein seemnnischen. Es gilt aber zuerst sich den ganz allgemeinen
Begriff und die umfassende Bedeutung von Lee klar zu machen. Es ist
nicht nur die dem Winde abgekehrte Seite des Schiffes sondern jeder Ort
wo man Schutz findet, Ruhe, Stille, Schatten, Obdach, Zufluchtsort.
Spricht doch der Seemann selbst auf See, an Bord nicht blo: in Lee vom
Schiffe, sondern auch: in Lee von der Luvbordwand, (und da ist von
ley, niedrig doch keine Rede); und ebensogut sagt er am Lande: in Lee
von einem Hause, von einer Mauer, von einem Busch (wobei er an hoch
oder niedrig erst recht nicht denkt), weil Haus, Mauer und Busch Schutz
vor Wind, vor Regen oder Sonne gewhren. berhaupt kam das Wort in
allgemeinen Gebrauch ehe die Bedeutung so hervorragend seemnnisch war,
da sie so nachdrcklich htte auf die Sprache der Landbewohner
zurckwirken knnen. Es ist das Wort vom Lande auf die See bertragen
nicht umgekehrt. Sobald nun die Bedeutung Schutz, Schutz auch am Lande,
festgehalten wird, kommt man ohne Weiteres auf das altnordische Wort
hle; altschsisch hleo, hlea, angelschsisch hleo; sie alle bedeuten
Schatten, Schutz, Schutzort, wobei gleich bemerkt sei, das Schatten vor
der Sonne sowohl als Schutz vor ihren sengenden Strahlen, als auch als
trbes, dsteres, trauriges Dunkel empfunden werden kann; so willkommen
der Schatten um Johanni ist, so beengend, ja mit Todesahnungen erfllend
kann er in der Zeit der zwlf Nchte vom Weihnacht- bis zum
Epiphanientage wirken.

In einer sehr lehrreichen Abhandlung ber den altdeutschen Mythus vom
Krperschatten hat Rochholz Deutscher Unsterblichkeitsglaube,
dargethan, da Lee keineswegs ausschlielich oder auch nur hauptschlich
seemnnisch ist. Mit einerlei Wortstamm benennt unsere Sprache das
schattige Waldgebirge, das dunkle Meer und das finstere Grab, diese
drei groen Hauptgemarkungen, die das Land oder das Leben abgrenzen. Wir
haben demgem Leewlder, Leberberge, Lebermeere und Leefelder, d. h.
Grabfelder. Es ist nachzuweisen, wie die Vorstellungen ber den Schatten
in eben diesen Wortstmmen Le, Lew, Ler sich ausgebildet haben. Indem
er dieses tut, fhrt ihn sein Weg bis in das tiefste Binnenland, bis
nach sterreich hinein. Uns aber geht besonders das Leemeer an. Der
altnordische Wasserriese Hl wohnt nach einer nordischen Sage auf der
Insel Lse (Hlsey) im Kattegat und hlt sich dorten einen Hirten Snio,
d. i. das Schneewehen vom Meere her. In weiterer Ausdehnung der Mythe
bewohnt Hl das unbeweglich stehende Eismeer, mare mortuum, welches die
Isidorischen Glossen mit lebirmeri bersetzen. Die Seelen der
Schiffbrchigen finden in der Tiefe dieses Lebermeeres Zuflucht und
Obdach unter umgestlpten Tpfen.

An die Stelle solcher Hlmeere traten in den Binnenlndern die Leewasser
und ihre geisterbehteten Leebrcken. Auf der Leebrcke zwischen dem
Flecken Schwyz und dem Dorfe Brunnen am Waldstdtersee sitzt die
Nachtspinnerin und wen sie anhaucht, der erblindet, wird leeblind.

Der Meeresgott Hl ist natrlich nur eine andere Gestaltung der
Schattengttin Hel. Es mge aber gengen hier darauf hingewiesen zu
haben, da der gemeinsame Begriff von Leewald, Leemeer, Leefeld und
Leebrcke der des Schattens, des Schutzes, des Zufluchtsortes ist und
da das Wort sich in jenen niederdeutschen Ortsnamen so oft wiederholt,
die mit -leben zusammengesetzt sind: Eisleben, Wegeleben, Wanzleben,
Ermsleben etc. Unter den zahlreichen Beinamen Odins kommt auch Hlfreyr,
Leeherr vor. Simrock meint, der bedeute jedenfalls seine Herrschaft ber
das Wasser. Aber was heit Hl-Herr? Doch zunchst einen Schutzherr oder
Schirmherr, eine besondere Beziehung zum Meere liegt nicht darin. Und
wenn der ber Walhall reichende Wipfel der wunderbaren Weltesche
Yggdrasil den Namen Laerad fhrt, so heit das doch nur Schutz und
Schirm spendend, und unter den Wurzeln dieser Esche quellen zwar drei
Brunnen, aber mit dem Meere hat sie nichts zu tun. Ist nun die
eigentliche Bedeutung von Lee Schutz, so ist es nicht zu verwundern, da
gerade die Seeleute sich im Laufe der Zeiten besonders das Wort
angeeignet und bis auf unsere Tage im Gebrauch behalten haben; das liegt
in der Natur der Sache, da fr sie Schutz vor Sturm und Seenot eine
besonders wichtige Sache ist. Dabei ist zu bedenken, da auf Wangerooge
angenehmes, warmes Wetter li-weder heit und da in der Edda laegi
Meeresstille bedeutet. Daher haben die Verfasser des Bremer
Wrterbuches auch schon das Richtige geahnt, als sie schrieben: Lee
oder Lehe, ein Dorf dieses Namens, eine halbe Meile von Bremen (also
Bremerlehe). Im Angelschsischen ist hleow und hleowth eigentlich ein
Ort, der (an der Sonne liegt und) vor dem Winde sicher ist: ein
Zufluchtsort. Und weiter: Bei unseren Schiffern heit lee ein Ort, wo
die See stille ist und die Wellen nicht ankommen. In't lee van't land
bezeichnet eine Station der Schiffe bei einer Insel oder Erdzunge, wo
der Wind vom Lande absteht, und wo folglich dichte unter dem Lande die
See vom Winde nicht beweget wird.

Und andererseits lesen wir in einer mittelniederdeutschen Chronik: und
wo woll den Deutschen und Lubschen alles thoiegen was und in der Lehe
werden. Hier ist allerdings eine ausschlielich seemnnische Bedeutung
von Lee unzweifelhaft, indem es fr ein Segelschiff natrlich sehr
hinderlich ist, sich in Lee eines feindlichen Schiffes zu befinden,
nicht weil es leger, niedriger wre, sondern weil es in seiner
Bewegungsfreiheit der in Luv befindlichen Schiffe gegenber im Nachteil
ist. Insofern bedeutet Lee eine schwierige Lage, etwa diejenige einer
Partei, die ins Hintertreffen geraten ist; Not, Bedrngnis,
Schwierigkeit. Aber darum htte der hollndische Dichter ten Kate ly
--so heit Lee im Niederlndischen -- doch nicht gleich von leiden
ableiten sollen, was auch Kilian mit seinem latus navis depressum auf
dem Gewissen hat. Adelung aber hat sogar ein altes lee = links
herangezogen und dabei an Backbord, die linke Schiffsseite gedacht, als
ob Backbord immer Lee und Steuerbord immer Luv wre.


*Leegierig*, s. luvgierig am Ende.


*Leesegel*, das.

Die Leesegel sind eine Vergrerung gewisser Segel bei gnstigem,
bestndigen Winde, eine Vermehrung der Segelflche, und zwar nicht wie
frher, als man die Segel nach unten zu durch ein Bonnet oder Bonnit
vergrerte, sondern neben, an der Seite, nmlich allemal an der
Luvseite, da sie in Lee keinen Zweck htten. Daher ist eine der
beliebtesten Scherzfragen die: Warum heien die Leesegel Leesegel?
Antwort: Weil sie stets in Luv stehen! Das wre also ein lucus a non
lucendo.

Breusing hat (Jahrbuch fr niederdeutsche Sprachforschung 1879, S. 14
und 15) folgenden Erklrungsversuch gemacht: dann fand man, da die
frher bliche Verlngerung der Untersegel durch ein Bonnet wenig
zweckentsprechend war, deshalb zog man es vor, bei gnstigem Wetter die
Segel an der dem Winde zugewendeten Seite durch einen Streifen
Segeltuch, eine Leiste, niederlndisch lyst zu verbreitern und nannte
diese Beisegel im Niederlndischen lystzeils, woraus durch euphonische
Verschleifung der Konsonanten lyzeils und im Niederdeutschen lseils
wurden, und hieraus entstand der deutsche Name Leesegel, der mit dem
einfachen Wort Lee durchaus keinen Zusammenhang hat, denn die Leesegel
werden eben nicht in Lee gesetzt. Diese Erklrung kann nicht richtig
sein, denn erstens ist das Leesegel keine Leiste, sondern ein Segel, ein
richtiges Segel, und ein solches, auch wenn es ziemlich lang und schmal
ist, eine Leiste zu nennen, geht nicht an, wenn man bedenkt, was
eigentlich eine Leiste ist. Sodann heit im Niederlndischen Leesegel
lyseil, weil Lee im Niederlndischen ly heit; eine Form lystszeil gibt
es nicht, Breusing hat sie auch nicht nachgewiesen; sollte sie sich ihm
zufllig einmal irgendwo gezeigt haben, so knnte es hchstens als
Erklrungsversuch geschehen sein, der aber nichts beweit, wie
unzhliche dergleichen Versuche von Weiland dartun.

Es bietet sich uns eine andere Deutung von Leesegel ganz ungezwungen
dar. Wie unter Lee bemerkt ist, heit auf Wangerooge ein angenehmes,
warmes Wetter li weder; dieses li ist das ostfriesische le -- lau, warm,
mild; dabei sei dahingestellt ob dieses le von dem altnordischen hle --
Schutz, Schatten, Schirm kommt, oder mit lau verwandt ist (welches aber
auch mit hle, Lee eines Stammes sein drfte). Weil im Ostfriesischen
dieses le auch lau und lu heit, so liegt der Gedanke an lau am
nchsten. Doornkaart fhrt folgendes Beispiel fr den Gebrauch an: 't
water is man fen l, das Wasser ist nur eben warm, l water, lauwarmes
Wasser; 't is so 'n lauen lcht, es ist eine so mildwarme, weiche,
laue Luft, de wind weid so lau etc. Wie auch die Verwandtschaft sei, le
bedeutet gutes, schnes Wetter; ein Leesegel ist also ein
*Schnwettersegel*.

Von hier aus fllt nun auch ein Lichtstrahl auf die Etymologie des
erwhnten Wortes Bonnet, mit dem die Leesegel heute noch in den
romanischen Sprachen bezeichnet werden, das aber ursprnglich eine
Verlngerung der Segel nach unten zu bedeutete. Eine solche konnte auch
nur bei gutem Wetter vorgenommen werden, und es steckt also in Bonnet,
italienisch bonetta, spanisch boneta, das lateinische bonus, mit einer
schmeichlerischen, kosenden Verkleinerungsform, wie man ja auch bei uns
von einem schnen Wetterchen spricht. Also auch hier die Bedeutung:
Gutwettersegel, wie in frheren Tagen ja auch das Grosegel
Schnwettersegel genannt wurde.


*Leeweg*, der, s. Abtrift.


*Leibholz*, das, s. Wassergang.


*Legerwall*, der,

ist eine Kste unter dem Winde, eine Kste auf die der Wind zuweht, so
da beide mit einander einen rechten Winkel bilden, vielleicht sogar,
indem rechts und links das Land vorspringt, einen spitzen. Dann ist also
eine Bucht vorhanden. Eine solche kann, wie die berchtigte an der
jtischen Kste, eine rechte Jammerbucht werden, wenn ein
(Segel-)Schiff durch Wind und Sturm so nahe an die Kste getrieben wird,
da es in Gefahr steht durch Kreuzen nicht wieder frei zu kommen.
Dasselbe Gefhl, das Breusing veranlat hat Lee = leg, niedrig, zu
setzen hat wohl auch die Form Legerwall anstatt Leewall in Gang
gebracht. Aber Leewall ist das richtige, wie schon ein Blick auf das
englische Lee-shore beweist und wie es auch in der Natur der Sache
liegt. Die Vernderung in Legerwall mag aber dadurch gefrdert worden
sein, da es in der Regel eine niedrige Kste sein wird, die ein Schiff
in solche Gefahr bringt, denn eine hohe sieht es in grerer Entfernung,
braucht ihr also nicht so nahe zu kommen, da die Verlegenheit des
Legerwall eintritt.

Gegen die Deutung Leewall knnte sprechen, da das Gegenteil davon nicht
Luvkste, sondern Opper- oder Upperwall hie.

Aber einmal kann eben der Upperwall spter gebildet sein, als Gegensatz
zu Legerwall, zur Zeit als dieses in dieser Form bereits aufgekommen
war, und dann ist zu bemerken, da man doch auch von einer Luvkste
spricht, ja da Upperwall in neuerer Zeit geradezu von Luvkste
verdrngt worden ist.

Legerwall gehrte zu dem Gefhrlichsten was es fr einen Seemann geben
konnte. Der alte Kapitn der 1673 die Beschrivung von der Kunst der
Seefahrt verfate, wute davon zu erzhlen. Ich htte billig Ursach
mehr von Gottes Wunderwerken zu schreiben, wie ich zu zweyen mahlen in
der Nordsee sonder Ruder gewesen, da da eine auff die Quernes ist
weggestoen, und sind nachdem mit dem Schiffe sonder Ruder zu Rotterdam
glcklich angekommen, da andermahl durch einen starcken Nord
Nordewesten Wind, unter Reveshoren da Ruder weggeritten, und da Schiff
nach Allerheiligen, bei dunkern Mohn, durch das Katzen Gat zu Kopenhagen
gebracht, und wie offt der Allerhchste mich errettet, wann ich auf dem
Legerwall von Sturm bin besetzt gewesen, da ich oftermahl nicht anders
al den Todt vor Augen gesehen, wie auch eins Mahls auff der Kst von
Africa, nebenst Mamora, da wir bald in die Brandung waren, gab Gott da
der Wind sich legte, und indem auch raum ward, so, da wir glcklich die
Cap Spartel passierten, wann wir sonst an den Wall gekommen waren, und
etzliche noch da Leben, wie eine Beute davon gebracht, htten die
Mohren uns doch zu Schlaven gemacht.


*Leguan*, der,

ein dicker bekleideter, beschmarteter, betakelter Kranz von Tauwerk, ein
Stropp von besonderer Art, den man an besonders gefhrdeten Stellen der
Takelage zur Sicherung oder Schonung anlegt. So legte man zur Zeit der
Segelschiffahrt vor dem Gefecht einen Leguan um Mast und Rahe, die
beiden zusammenzuhalten wenn etwa Rack, Fall oder Toppnant zerschossen
wrden. Auch zur Verhtung des Schamfilens von stehendem Gut durch
laufendes legte man wohl einen Leguan an, und oben um den etwas
vorragenden Vorsteven eines Bootes kann man ihn heute noch gelegt sehen
zur Milderung des Stoes und Verhinderung von Schaden beim Anlegen. Wie
kommt dieser Stropp zu dem Namen der groen Eidechse Iguana, iguana
tuberculata, die auf deutsch Leguan heit, jenes freundlichen und
ntzlichen, zum Fangen von Fliegen als Haustier gehaltenen munteren
Tieres, das jedem Seemann bekannt ist, der einmal an den Ksten des
tropischen Amerika weilte? Die Bezeichnung war offenbar zuerst
scherzhaft. Der Stropp war ein Legan, weil er angelegt ward; weil das
aber so sehr hnlich wie Leguan klang, so lag fr einen scherzhaft
angelegten Seemann eine absichtliche Verwechslung nahe und die ist dann
zur stehenden Bezeichnung geworden; also hnlich wie ammer zu ammeral
und Admiral wurde, so da jetzt ein Eimer den Namen Admiral fhrt.
Doch hat sich neben Leguan auch die ursprngliche Form Legan bis auf
diesen Tag erhalten, ja sie scheint sogar Leguan wieder etwas in den
Hintergrund gedrngt zu haben.


*Leibknoten*, der,

ist ein Knoten, der nicht zuschliert, dessen Auge also stets offen
bleibt, auch wenn Kraft darauf wirkt. Er wird besonders dazu verwandt,
einen Menschen in die Hhe zu winden, der sich mit seinem Leibe in das
offene Auge gesetzt hat. Leibknoten knnen auf verschiedene Weisen
gesteckt werden, doch bleibt stets das Auge fr den Leib eines Menschen
offen.


*Leichtmatrose*, s. Jungmann.


*Leichter*, der,

auch Leichterfahrzeug, ein kleines Schiff, das einem greren die Ladung
teilweise abnimmt, damit es nicht mehr so viel Tiefgang hat und in einen
seichten Hafen einsegeln kann. Man hrt und liest manchmal auch Lichter
und Lichterfahrzeug, doch ist diese Form geeignet Verwechslungen
herbeizufhren, s. Anker lichten, und daher ist, wiewohl lichten die
richtige niederdeutsche Form fr leichter machen ist, doch Leichter
vorzuziehen. Das Mittelniederdeutsche sagte luchteschute. 1368: Vortmer
moghen si hebben eghene prame unde luchteschuten. 1369 ... und geven
van dem prame ene mark vnd van der luchteschuten ene halve mark, darmede
mogen se up unde ut schepen. Ein luchteschute war also kleiner als ein
prame.


*Leine*, die.

Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann fr das Erzeugnis des
Reepschlgers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: Dnne Taue von
verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf Schiffen
dienen.

Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin, angelschsisch line. Kommt vom
lateinischen linum, das nicht nur Lein, Flachs bedeutet, sondern auch
alles was daraus hergestellt wird: Faden, Schnur, Leinwand, Linnen,
Segel, Netz, Seil, Tau.

In bertragenem Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium,
disciplina, also ein sittlicher Begriff.

Auch unser Lineal stammt von linus, von der Leine mit der die
Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie -- daher der Name
-- ziehen (daher die ganze Wendung Linien *ziehen*), indem sie die
geschwrzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen lassen, wo es
abfrbt.

Von den vielen Linien, die man auf Kartenbltter zog um die Grade zu
bezeichnen war Eine so die Hauptlinie, da man sie schlechthin die
Linie nannte (quator.) Wer diese zum ersten Male passiert, mu sich
gefallen lassen, da allerlei Hnselei (von Hansa, denn wer in eine
solche eintrat mute allerlei ber sich ergehen lassen) mit ihm
getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache dabei ist das
(Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe Wort ist, so ist
der Name treffend (s. Schiffstaufe.)


*Leitblock*, der,

ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende Tau in eine
andere Richtung zu leiten. Es kommt z. B. ein Lufer in senkrechter
Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter Richtung
werden; dann mu ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte Richtung
berleiten.


*Leiter*, der,

ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter, die an die
Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nmlich ein Tau an dem etwas
gefhrt, von dem etwas geleitet wird, also ein schnes, kurzes Wort fr
Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es passend
vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lgel als Ringe
bewegen.


*Leiwagen*, der.

Es ist ein t ausgefallen, das Wort heit eigentlich Leitwagen, wie
Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat. Es ist ja auch
ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin und her
geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen Wagen zu
denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar dasselbe Wort
wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den Begriff des
Bewegens darstellt: ein Gert zum Hin- und Herbewegen. Nun ist zwar
Leiwagen kein Gert, sondern eine am Deck befestigte Vorrichtung, auf
der sich die Pinne bewegt, aber er trgt seinen Namen doch mit Recht,
denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten. Und auch wo der
Leiwagen nicht fr die Pinne, sondern fr eine Schot bestimmt ist, dient
er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu leiten.

Das Wort wird fters auch Leuwagen geschrieben, diese Form gebhrt aber
einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen.


*lenz*,

als Adjektivum und Adverbium in hufigem Gebrauch; es bedeutet *leer*.
Das Bremer Wrterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nsse mehr ist. De
Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser mehr
geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist
ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das
Getrnk alle ist. Niederlndisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der
Frhling bedeutet und seinen Namen vom Lngerwerden der Tage hat, hat
dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus
zusammenhngen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich
jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von erschpft. 2.
langsam, trge (so wie das Letzte aus einem Gef ausfliet). 3. zh,
klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flssigkeiten zu sein pflegt).
So recht will keine von den dreien, will berhaupt das ganze lentus
nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden. bertragen:
ich bin lenz, ich habe kein Geld mehr.


*lenzen.*

1. vollstndig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses, einer
Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tnks, der
Bilge erschpfen; bertragen: jemanden ausplndern bei Spiel. 2. vor
einem Sturme fahren, so da der Sturm das Schiff mit nur wenigen und
kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche (vor Top und Takel) vor sich
hertreibt.

Die Erklrung wird etwas erschwert dadurch, da manchmal ohne
Berechtigung und ohne Verstndnis fr den eigentlichen Hergang lenzen
einfach mit vor dem Winde segeln gleichgesetzt wird. Die Wahrheit ist
die, da lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist, da ein Segel
nach dem andern weggenommen werden mu. Nun haben wir unter lenz
gesehen, da es leer bedeutet; lenzen also heit leeren, zunchst von
Flssigkeiten; es kann aber auch im bertragenen Sinne gebraucht werden
und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so werden wir es hier
anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage leer machen von
Segeln, so da das Schiff schlielich nicht nur keine vollen Segel,
sondern berhaupt keine Segel mehr fhrt. Von dem transitiven Gebrauch
zum intransitiven war nur ein Schritt, und die Bedeutungsentwicklung
von: die Segel entfernen bis zu: das Schiff lenzt lag nahe. Da
lenzen einen Sturm voraussetzt, beweist auch die Bezeichnung
*Lenzsack*; den fhrt ein Rettungsboot im Inventar und gebraucht ihn bei
hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist er anschaulich
beschrieben: ein trichterfrmiger Sack aus starkem Segeltuch, dient
dazu, das Boot der Lnge nach vor der See zu halten und damit zu
steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so gehoben wird,
da Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen. Htte man dann
keinen Lenzsack, so wrde das Boot von der See quer geworfen und
bergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der ffnung nach vorn, an
einem starken Tau geschleppt, whrend eine dnne Leine an dem spitzen
Ende befestigt ist. Da beim Schleppen die Mndung nach vorn ist, so
fllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen betrchtlichen Widerstand
und hlt dadurch das Boot vor der See. Wirft man das strkere Tau an der
Mndung los und holt die dnne Leine an dem spitzen Ende ein, so wird
der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann mit leichter Mhe ins Boot
geholt werden.


*Leutnant zur See.*

So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als deutsches in
Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der franzsischen Abstammung
sein Bewenden haben mssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt, Amt gedacht
worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als ob ein
Leutnant ein Mann wre der ein Amt ber Leute htte. Allerdings findet
sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hie das Wort auch
whrend des 30jhrigen Krieges, aber das sind hchstens Versuche, das
Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die ltesten
Spuren fhren nach Frankreich, wo das Wort schon im 15. Jahrhundert im
Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und ursprnglich demgem
fr eine Statthalterwrde gebraucht. Des Knigs Lieutenant ist der
Mann, der *anstatt* des Knigs das Kommando fhrt.

Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant
zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mute sich mit
Unterlieutenant zur See begngen.


*Leuchtturm*, s. Blse.


*Leuwagen*, der,

ist ein Stock mit einer Brste daran zum Waschen des Schiffes, ein
Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein t ausgefallen,
denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet das -wagen
auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen drfen, da das Geschft
des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht gerade mit
besonders fleiigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu heit aber im
Niederdeutschen faul, trge, unlustig zur Arbeit, insonderheit wird es
auch von einem Menschen gebraucht, der faul in seinen Bewegungen ist;
also auch einen, der sich nicht gern bckt. Ein solcher mag den Stiel an
der Brste erfunden haben, die ursprnglich sicher ohne ein solchen
gebraucht wurde, also beschwerliches Bcken erforderte. Ganz peinliche
und reinliche Hausfrauen halten heute noch darauf, da ihre
Dienstmdchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im Stehen abmachen.
Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den Scheuerbrsten als eine
faule Sache erschienen sein, so da sie das Arbeiten mit dem ihnen
unlieben Instrument als eine leue Bewegung zu brandmarken versuchen.
Es hat sich aber doch Bahn gebrochen.


*levendig*,

werden die Segel gebrat, wenn der Wind sie so fassen soll, da sie
killen, d. h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein Brett,
sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist Weiterbildung
des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche Form dafr. So
weit wre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig entsprechend,
levndig, sondern lvendig ausgesprochen. Doch hie lebndig frher auch
lbendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was im 17. Jahrhundert
noch vorkommt, bei Gryphius: Man hat ein zartes Kind noch lebendig
geschunden. Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden von
Deutschland noch jetzt, die Rckung des Tones auf lebndig ist aber auch
schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen (Heyne).

      Do he en sag liggen also,
      Ward he wedder unfro
      Darumme, dat Brn noch levendig was.

      Reinke de Fos.

Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie
lebendig gegangen ist.


*lichten*

ist besonders in der Verbindung Anker lichten bekannt. Es ist von
lichten = leicht machen, gnzlich verschieden, denn es heit eigentlich
lften, nicht im Sinne von frische Luft in eine Stube lassen, sondern
von in die Luft erheben. Man hrt auch hie und da -- in Stade z. B. --
Anker lften. Die niederdeutsche Form ist aber liften; englisch lift. Im
Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem Niederlndischen zugeht,
desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht fr Graft, kracht fr
Kraft, lucht fr Luft etc. So hat sich auch liften in lichten
verschoben.


*Liderung*, die,

im Maschinenwesen ein Verschlu, ein Verschlieen oder Verpacken irgend
einer ffnung, die man dicht haben will. Es ist das niederdeutsche Wort
lid = Deckel, Verschlu, Tr, und dasselbe wie Lid in Augenlid,
Altschsisch hlidan, angelschsisch hlidan, altenglisch hliden =
bedecken, schlieen; altfriesisch hlidia.

Von lid auch das Zeitwort *lidern*, schlieen, verpacken.


*Lieger*, der,

ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst
befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d. h. nicht
blo am Tage da weilt, sondern auch nachts da schlft (liegt). Er hat
das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, fr richtigen Verschlu
aller Rume zu sorgen. Frher war ein Lieger ein ganz anderer Mann,
nmlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfhiger
Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfhigen
Handlungsknechten.

Lieger heit auch das Bauchstck der Bodenwrange.


*Lik*, *Liek*, das.

Das Tau, mit dem ein Segel eingefat ist. Bei einem Rahsegel
unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das Unterliek und
die beiden stehenden Lieke rechts und links.

Unser deutsches Wort gleich bestand ursprnglich aus der Vorsilbe ga
und lika. Lika heit Krper. Unser Leiche hatte nmlich noch im
Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung toter Leib sondern galt auch
fr den lebendigen Leib, fr die Krpergestalt, (so wie stinken frher
eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der kstlichen
Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber
tglich unzhlige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich;
mnnlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat;
kniglich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Knigs besitzt,
*gleich* einem Knige ist. Im Niederlndischen und berhaupt im
Niederdeutschen hat sich g nicht eingebrgert, da hlt man sich mit der
Vorsilbe auch in ihrer abgekrzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek,
wie denn in Ostfriesland in frheren Zeiten eine politische Partei
liekedeler hieen, Gleichteiler.

In der Bedeutung Gestalt hat sich dieses Wort allein im Seemnnischen
erhalten, denn unser Liek ist ja das Tau, das die Umrisse der *Gestalt*
des Segels genau darstellt. Eine beachtungswerte Verwendung hat unser
Liek im Franzsischen gefunden in dem Worte ralingue, aus Rahliek
entstanden. Das -liek hatte man aber nicht in seinem Werte erkannt,
sondern fr eine Art Endung gehalten, etwa fr die niederdeutsche Endung
-ing, und so wurde ralingue aus einem Worte, das eigentlich ralique
htte werden mssen.


*Linie* = Aequator, s. Leine.


*Linienschiff*, das,

ist das grte und strkste Panzerschiff, ein Schlachtschiff erster
Ordnung, Hochseeschlachtschiff; mte eigentlich Schlachtlinienschiff
heien, denn es ist ein solches, das stark genug ist, in einer
Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kmpfen.


*Lloyd*, der.

In der ganzen Welt, besonders in der seemnnischen, ist dieser Name
bekannt, weil ihn eine ganze Reihe groer Schiffahrtsgesellschaften
tragen. Es gibt einen sterreichisch-ungarischen, einen russischen,
einen germanischen Lloyd, einen Lloyd francais und vor allen Dingen
denken wir an den Norddeutschen Lloyd. Von Bremerhaven nach Lehe geht
es erst durch die Brgermeister Smidt-Strae, dann durch die
Lloydstrae. Wer Brgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an
seinem Denkmal auf dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war
Lloyd?

Es gab bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine
Matrosenkneipe die Lloyds coffee-house hie. Was dieser Mr. Lloyd
sonst fr ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm
mu gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht blo Matrosen bei ihm, es
fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitne, Makler,
Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil
es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man
sich denken, da sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt
gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen.
Aus diesen Besprechungszusammenknften entstand 1716 eine Gesellschaft,
die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen Lloyds fhrte und
heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: The collection and diffusion of
marine intelligence, the insurance, classification, and certification of
vessels and the transaction of business of various kinds connected with
shipping. Bei der bernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s
in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren
gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft fr
eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus
geschichtlich berechtigt.


*Log*, das,

ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius etwa 15
cm mit; es ist eine Leine daran befestigt, die *Logleine*, die ber
eine Rolle, *Logrolle*, luft. *Loggen* heit mit Hilfe dieses Logs,
dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log
ins Wasser wirft, das *Logglas*, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine
Sanduhr, umdreht, die Leine eine von dem Glase angegebene bestimmte
Zeit ablaufen lt von der Rolle und dann an den Knoten der Leine
abliest, wie viel Knoten das Schiff luft, d. h. wie viele den Knoten
entsprechende Seemeilen in der Stunde.

Edward Wright hat zu London 1599 ein Werk unter dem Titel: the
Haven-finding art herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem
auch zum ersten Male der Name Log zu finden ist. Darber schreibt
Roeding (1794): Der Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder
dieses Instrumentes ist nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder
davon Erwhnung, als in der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom
Jahr 1607, welche Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in
mehreren Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von
Auslndern allgemein angenommen worden zu sein; es erwhnt dessen z. E.
Gnter 1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634,
Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren
Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses
Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde,
ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu
verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.

Die Erfindung drfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der
Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stck Holz heit.
Ursprnglich war also von der Form eines Kreisausschnittes fr das
Brettchen keine Rede, es war das Log berhaupt kein (weil unten
beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stck
Holz an das die Leine befestigt war.

Das *Loggbuch* ist das Schiffstagebuch, in welches der Offizier der
Wache alles Bemerkenswerte eintrgt sobald die Wache vorber ist. Die
Benennung geschieht a potiore, weil die richtige Eintragung der richtig
geloggten Fahrt, d. h. der whrend der Wache zurckgelegten Strecke,
eine sehr wichtige Sache ist. In der Beschriving von der Kunst der
Seefahrt, Lbeck 1673 wird das ursprngliche Stck Holz schon ein
hlzernes Schiffchen oder dreieckig Brettchen genannt: By etliken wert
de wech, so dat schip aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes
dorch ein holten schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven,
gefunden und affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft
und by nacht nicht wol tho dohnde ys. Es ist aber trotz der
Belemmerung heute auch noch nichts Besseres erfunden.

Lucas Janszoon Waghenaer im Spiegel der Zeevaerdt empfiehlt schon
damals, 1588, die Einrichtung einer Art Loggbuches: Item tis oock goet
dat een Stuerman alle morghens ende auonts by gheschrifte stelle oft dve
stellen, wat coursen hy ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer
nae inde Caerte af steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende
canalen van hem syn legghende.


*Logger*, der,

englisch Lugger, und so auch fters in neuerer Zeit bei uns, wo es dann
aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit Luggersegel, d.
h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die Querlatten) so
angeordnet ist, da beim Wenden und Halsen kein Dippen erforderlich ist.

Sonst war Logger ein zum Kriege ausgerstetes schnellsegelndes
Fahrzeug mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und einem Treiber
(Brodgewinner). Der Ausleger ermglichte das Fhren mehrerer
Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend gedacht
werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort luken,
ziehen, zerren, reien, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch lug.


*Logis*, das,

ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen. Bemerkenswert
ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute sprechen das s
deutlich mit aus. Daran kann man merken, da das Wort ber Holland zu
uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen franzsischen Wrtern
das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf Wangerooge ist das
Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner (s. d.)


*Lohen*,

die Segel, heit sie mit Lohe trnken um sie dichter und haltbarer zu
machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen der Segel auf
unseren Ksten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heit englisch tan, to
tan heit dementsprechend gerben, aber auch braun machen, dann
bertragen brunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und Wetter.


*Lootse*, der,

ein Mann, der Seefahrt und des Ortes kundig, der den Beruf hat, einem
Schiff in schwierigem Fahrwasser den Weg in den Hafen oder aus dem Hafen
zu zeigen; das Schiff zu lootsen. Um dieses Wort richtig erklren zu
knnen, mssen wir vor allen Dingen von dem italienischen,
franzsischen, englischen, hollndischen piloto, pilote, piloot, pyloot
ganz absehen, wenigstens zunchst. Diese Wrter werden oft mit Lootse
zusammengebracht, haben aber nichts damit zu schaffen und knnen daher
die Untersuchung nur trben und verwirren. Auch der Versuch, das Wort zu
Lot zu stellen, als sei der Lootse ein Mann der durch Loten die Tiefe
des Wassers feststelle, mu aufgegeben werden. Das Bremer Wrterbuch
sagt zwar: Loots, Lootsmann = Piloot, der mit dem Senkblei die Tiefe
des Wassers ergrndet. berhaupt ein erfahrener Mann, der das
Fahrwasser, die Tiefen und Untiefen kennt, aber dadurch wird die Sache
nicht besser, denn wenn auch das zweite, mit dem erfahrenen Mann stimmt,
das erste, mit dem Loten, stimmt keineswegs. Wer auch nur einmal in
seinem Leben mit einem Lootsen gefahren ist, der mu wissen, da ein
solcher viel zu sehr mit anderen Dingen beschftigt ist und auf zu viel
anderes zu achten hat, als da er sich aufs Loten einlassen knnte. Dazu
wird eigens ein Matrose abgeteilt, der die gelotete Tiefe laut aussingt.

Auf die richtige Spur leitet uns das niederlndische lodsman, englisch
loadsman, altenglisch lodeman. Dieses lod aber hat mit lod = Blei nichts
gemein, sondern heit Weg. Ein lodsman ist also ein Wegmann, ein Mann
der den Weg zeigt, und zwar, sinnverwandt mit dem brim-wisa = Fhrer zur
See, ein Wasserwegweiser. Im Seebuch (1400) heit der Name loedman und
loetsman, lootsmann und dieser Ausdruck kehrt, wie Breusing (Jahrbuch V.
8) anfhrt in allen nordischen Quellen des Seerechts wieder; in den
Jugemens d'Oleron als lodemann; water regt van Damme als laedsage;
kostumen van Westcapelle als leydtsman; Waterrecht van Wisby als
Leytsager und leytsman. Kilian, der pylloot freilich mit expertus
nauta, qui bolide altitudinem maris explorat, nauta loci peritus
bersetzt, hat doch auch die Form lootsman.

In einem Hansarece von 1437 lesen wir: Int erste hebbe ik gegeven deme
losmanne, de my segelde in de Temese 6 Pf. Und anderweitig: So wan en
schip van nodt wegen queme vor eyn land, dar yd hauen moste, vnde
vmbekant were, so dat ydt eynen leydsagen bederuede ... Weiter: Wor en
scipper wynnet enen sturman, eder enen letsagen edder enen
schepesknapen, deme synt se to rechte schuldich syne reise wol to
donde. Auch im bertragenen und bildlichen Sinne in einem Adventsgebet:
O heerscopper aller heren vnde weldighe leytsaghe des slechtes
Israhel. Das frheste Zeugnis fr die Form letsaghe fllt in das Jahr
1299: So wellik letsaghe jof sturman oder schipman, de sic vormedet
heuet eneme unseme borghere, wil he enen vnsen borghere vorklaghen, dat
schal he don vor sineme oldermanne (Lb. Urk.)

Das Wort lootsman hat sich in dieser Gestalt, wie die Stelle aus dem
Bremer Wrterbuch beweist, zwar bis in die neuere Zeit erhalten, daneben
aber hat sich allmhlich das Wort durch Verschlucken der Endsilbe in
Lootse abgeschliffen, zunchst nur in der gesprochenen Sprache, so wie
man boatswain Bosen ausspricht und das mann in Bootsmannsmaat
verschluckt und Bootsmaat sagt.

Das Wort ist also ein echt germanisches. Heit doch im Altenglischen der
Nordstern loadstar, Weg-, Leitstern, und der Magnet loadstone = Weg-,
Leitstein. Und zwar ist das erste Wort in der Zusammensetzung mit
unserem neuhochdeutschen *leiten* = fhren verwandt, die wrtliche
bersetzung von Bootsmann also Geleitsmann. So war das Wort im
Mittelalter in Deutschland, England, Holland und auch in Frankreich in
Gebrauch.

Nun kamen aber zur Hansazeit die Italiener in deutsch-niederlndische
Hfen. Die hatten bis dahin so etwas wie einen Lootsen in unserem Sinne
gar nicht gekannt. Wohl hatten sie einen piloto, aber der stellte, wie
aus der Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen bekannt ist, und wie
Breusing a. a. O. vortrefflich ausgefhrt hat, etwas ganz anderes dar,
einen Mann, der einen ganz anderen Beruf hat als ein Lootse, nmlich
berhaupt einen seekundigen Mann, der die Navigation auf offener See
betreibt, wie wir z. B. aus den Reisen des Columbus wissen, da der eine
der Gebrder Pinzon der piloto mayor des Geschwaders der ersten Fahrt
war. Ein Bedrfnis von Lootsen in unserem jetzigen Sinne, wo das Wort
einen Wegweiser fr enge gefhrliche Fahrwasser bedeutet, besteht im
mittellndischen Meere gar nicht. Die groen Handelsemporien
Konstantinopel und Alexandria, Messina und Palermo, Venedig und Genua,
Neapel, Marseille, Barcelona, Valencia, Malaga[3] liegen an offener See.
Andererseits mu man bedenken, da in frheren Zeiten der Schiffer
eigentlich nur der Schiffsherr war und kein Seemann zu sein brauchte.
Ulloa in seiner Conversationes sagt darber: En lo antiguo eran dos
ministerios separados, el de mandar las embarcaciones y el de
dirigirlas. Los capitanes tenian el mando interior civil, economico y
militar; y les pilotos eran los que desempenaban la parte nautica en
pilotage y maniobra. So erklrt sich die Vorschrift, da ein
Schiffsherr, der nicht selbst Seemann war, einen der Schiffahrt kundigen
Mann annehmen mute, von selbst, und man hat hier nicht an einen Lootsen
zu denken. Bei den Vlkern des Mittellndischen Meeres hat das Wort
piloto keine andere Bedeutung gehabt, als die wir mit einem befahrenen
Seemann verbinden ... Auch der Nichtseemann begreift, wie widersinnig
es wre, fr vllig unbekannte Gewsser (wie die von Columbus
aufgesuchten) einen Lootsen anzustellen, der eben davon seinen Namen
hat, da er von einem ganz bestimmten Fahrwasser eine genaue
Ortskenntnis besitzt, um als Wegweiser dienen zu knnen ... Erst nach
dem Jahre 1300 kamen genuesische und venetianische Schiffe nach
Antwerpen und lernten in den nordischen Meeren eigentliche Lootsen
kennen. Denn hier lagen die Handelspltze nicht wie im Mittelmeere an
offener Seekste. Hamburg und Bremen, Amsterdam, Rotterdam und
Antwerpen, London und Bristol, Rouen und Nantes und Bordeaux liegen tief
im Lande an Revieren, deren Eingang durch Sandbnke versperrt ist und wo
die Mglichkeit des Einsegelns von der genauen Kenntnis der von Ebbe und
Flut bedingten Wassertiefe und Gezeitstrmung abhngig ist. Aber fr
einen loodsmann war kein Wort im Italienischen, eben weil die Sache
unbekannt war. Da halfen sie sich mit einem anderen Wort, mit einem, das
wenigstens so ungefhr etwas hnliches anzudeuten schien und nannten den
loodsman: pilota. Diese beiden haben sich dann so miteinander vermengt
und vermischt, da in Holland, England und Frankreich, vielleicht
untersttzt durch den hnlichen Klang, die romanische Form die
germanische in den Hintergrund geschoben hat. Doch ist es ihr weder in
Frankreich noch in Holland gelungen, sie ganz zu verdrngen. In
Frankreich ist nmlich das normannische lodemann in locman, dieses in
locmaneur (mit Anbildung an gouverneur = Steuermann) und dieses in das
neufranzsiche lamaneur bergegangen, und lamanage heit heute noch die
Thtigkeit des Lootsen, whrend man im Altfranzsischen maronier sagte,
vom kymrischen mar = Fhrer, oder vielmehr von dem Beinamen des
Mercurius Marunus = Wegweiser; auf einer bei Baden gefundenen Inschrift
aus der Rmerzeit steht: Marones (Name eines Volkes in den Alpen) enim
appellantur viarum praemonstratores.

Was aber Holland betrifft, so beweist ein Blick in das 1629 erschienene
erste deutsche Buch ber Schiffbau, die Architectura Navalis von Josef
Furttenbach, da das germanische Wort damals noch galt. Es ist da ein
durch seine Schnelligkeit berhmtes hollndisches Schiff unter Segel
abgebildet und genau beschrieben, ein Schiff, das einst zu Wasser
schneller von Amsterdam nach Genua kam, als der Avis mit der Landpost,
der melden sollte, da das Schiff geladen sei. Es fhrte den Namen
*Lotzmann* und htte ihn nicht fhren knnen, wenn nicht Lotsmann
neben pylot in Holland noch gangbar gewesen wre.

Im Deutschen, und zwar in der deutschen Seemannssprache hat sich das
deutsche Wort unbefleckt von piloto erhalten. Daher wir auch der Mhe
berhoben sind, der Abstammung dieses Fremdwortes nachzugehen. Es macht
sich zwar hie und da in hochdeutschen Bchern und namentlich Gedichten
breit, aber es wird stets als Fremdwort empfunden. Und wenn bereits 1735
im Seebuch Johann Manson schreibt: Fr tieffgehenden Schiffen ist
nicht rathsam dieses Fahr-Wasser einzusiegeln (durch das Mitteltief nach
Wismar), wo er nicht desto besser bekannt ist, sondern mu sich Piloten
aus der Stadt nehmen, so beweist das doch nur, da damals schon die
Fremdwrterei im Gange war, was ohnehin bekannt ist. Auerdem hat Hans
Wittenburgk, Schiffer in Wismar, das Manson'sche Buch aus dem
Schwedischen ins Hochdeutsche, so gut ers konnte, bersetzt.

*Lootsenflagge* ist die als solche erkennbare weil besonders
unterschiedene Flagge, die ein Schiff hit zum Zeichen, da es einen
Lootsen haben will; auch die Flagge die der *Lootsendampfer*, der
*Lootsenschuner* zeigt, der Lootsen abzugeben hat.

Ein *Lootsenkommando* hat einen Lootsenkommandeur, Oberlootsen,
Steuerleute, Lootsen, Lootsenaspiranten etc. etc.

*Lootsenwasser* ist ein Fahrwasser, das man auf Karte und Segelanweisung
hin nicht befahren kann, sondern nur mit Hilfe eines Lootsen. Waghenaer
im Spiegel der Zeevaerdt, 1588, schreibt: Dan men moet verstaen dat
wij dese Tonnen ende Baecken alhier so aengeteckent hebben, als de selue
int voorleden Jaer van 82 geleyt ende gestelt sijn geweest. Ende dat de
diepten ende stroomen Jaerlyckx seer verloopen ende verandern:
ouermidts d'onghestadighe sandtgronden, ende dat de gaten beneffens der
Zee seer wyt ende breet worden, waer door dese stroomen al Lootsmans
water syn, darmen hem versien moet van goede Piloten. Ein neuer Beweis,
wie man in Holland Lootsman und Pilot neben einander gebraucht hat.
Vergl. auch Waghenaers Segelanweisung fr Brest: Oock meucht ghy van
daer innewaerts seylen voor den hauen van Brest, maer daer leyt een
Clippe ghenaemt de Bagyne recht binnen d'Oosthoeck van Croixduynen af,
ontrent Midtswater aen de Noortzyde ist best daeromme te loopen. Voorts
die inde hauen van Brest oft Landerneau wil wesen, moet schicken
Lootsluyden in te cryghen wantet Lootsmans water is.

  [3] Diese Stze sind am 17. Dezember 1900 geschrieben, am Tage, ja
  in der Stunde, da die Nachricht vom Untergang S. M. S. Gneisenau
  einging.


*Lschen*,

die Ladung des Schiffes an Land bringen.

Bei dem neuhochdeutschen Zeitwort lschen denkt man zunchst an Brennen,
sei es da Holz oder Durst brennt. Eine Ladung lschen mte demnach
bedeuten, da sie brennt und da dem Feuer gewehrt wird. Das
seemnnische Lschen heit aber eigentlich garnicht lschen, sondern
len (und dieses ist unser hochdeutsches lsen). Das wird im
Niederdeutschen in sehr allgemeinem Sinne gebraucht. Man sagt z. B. in
Ostfriesland: eine Tr lsen oder los machen anstatt ffnen, und
gebraucht len fr frei machen, auslsen (vergl. Geld lsen, Erls),
befreien, entfernen, trennen, scheiden, entbinden, entfesseln; stenen,
trf, kalen, rogge etc. etc. lssen. Die eigentliche Bedeutung von
Lschen ist also: Die Ladung vom Schiffe (los =) *lsen* (entfernen, das
Schiff entladen). Gothisch liusan = los, frei machen, leicht machen,
lichten. Aubin: Een ship lossen, Last lossen = Lichten, de goederen
afschepen, outschepen, ontlasten, ontladen, ontlossen. Teuthonista:
loyssen = ontbinden. Bremer Wrterbuch: lossen, ein Schiff ausladen.
Einige Oberlnder sprechen unrecht lschen.


*Lose*, die s. durcholen.


*Loskiel*, der,

ist eine unter dem Kiel angebrachte Holzplanke, welche mit demselben
nur in solcher Weise verbunden wird, da sie bei Grundberhrungen sich
loslsen kann, ohne da Leckagen entstehen. Sie bietet also dem Schiff
beim auf Grund Kommen einen gewissen Schutz (Dick u. Kretzschmer I.
85).


*Loten*,

die Tiefe des Wassers mit dem Lot messen, sei es mit dem Handlot, sei
es mit dem groen oder Tieflot. Ersteres ist die hufigere Art,
namentlich beim Einfahren in einen Hafen oder beim Ausfahren aus
demselben blich, wobei der lotende Matrose die gelotete Tiefe in Metern
aussingt: grade -- das a sehr lang -- fnfzehn! (wobei dann gengsame
Gemter immer wieder mit dem Scherze kommen, fnfzehn sei ja gar nicht
grade) oder: zwanzig Meter und keinen -- das ei sehr lang -- Grund! --
Die Zahl der Meter ist an den verschiedenfarbigen in die Lotleine
eingeknoteten Streifen Zeug kenntlich.

Das niederdeutsche lod heit Blei, Lot ist also das Hochdeutsche
Senkblei. Die Sache selbst ist eine uralte Einrichtung, vergl. die
Beschreibung des Sturmes Apostelgeschichte 27, 27 und 28; Luther hat die
Stelle bersetzt: Da aber die vierzehente Nacht kam, und wir in Adria
fuhren, um die Mitternacht, whneten die Schiffleute, sie kmen etwa an
ein Land. Und sie senkten den Bleiwurf ein und funden zwanzig Klafter
tief, und ber ein wenig von dannen senkten sie abermal und funden
funfzehn Klafter. Das griechische Zeitwort fr den Bleiwurf einsenken
heit bolizo, von ballo ich werfe; dem entsprechend bolis beides heit:
Wurfgescho und Senkblei. Es ist klar, da Bleiwurf viel treffender ist
als Senkblei, denn das Werfen, das Schwingen und dann mglichst weit
nach vorne Werfen des Bleies ist eine wesentliche Bedingung beim Loten.

Das Seebuch (1400) nennt die Ttigkeit depen = tiefen, wie man jetzt
wohl auch noch sagt: ein Fahrwasser austiefen, was nicht mit
ausbaggern zu verwechseln ist.

Der lotende Matrose steht auenbords, mittschiffs, auf einer Grting und
mu sich bei seiner Arbeit sehr weit nach vorne berbeugen um das Lot
mglichst weit vom Schiff frei zu bekommen (hoher Schwung und weites
Werfen ist Ehrensache); daher ist er mit einer Art von Schurz umgeben,
der, am Schiffe befestigt, ihm Halt bietet und *Lotbrook* heit. Die
Leine heit *Lotleine*.

      Es trieben Sdenwinde sie in die offne See,
      Dem edlen Fahrtgesinde schuf es bitteres Weh,
      Mit *tausend Leinen* htte es den Meergrund nicht gefunden,
      Die besten Schiffer sthnten; allen war der Mut dahingeschwunden.

Kilian hat grond-loot, diep-loot, funis cum plumbo, quo fundus et maris
altitudo exploratur.

Es bedarf kaum der Erwhnung da das Senkblei am Lande nicht als Lot zum
Messen der Tiefe, sondern einer lotrechten Linie dient. berhaupt
spielt Lot eine groe Rolle, namentlich als (Blei-)Gewicht und als
(Blei-)Kugel; jemand eene loden, blaawe of huzaren boon geven:
bleierne, blaue oder Husarenkugel.

Italienisch heit das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten
italienisch scandagliare (vom lateinischen scandere, messen);
mittellateinisch scandilia, die Sprossen der Leiter, wobei daran zu
denken ist, da die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch
spanisch-portugiesisch sonda, franzsisch sonde = Senkblei, sonder die
Meerestiefe messen (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren.

Waghenaer legt in seinem Spiegel der Zeevaerdt, 1588, ganz besonderes
Gewicht auf fleiiges und sorgfltiges Loten. Er nennt es manchmal
kurzweg werfen. Twee kenninghen buyten Heys werpt gy 45 vadem;
manchmal auch tiefen, diepen: Dicht by Heyssant ist diep 45 vadem, en
daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.


*Lose*, die s. holen.


*Luftkasten*, der.

Luftksten sind ein wesentliches Erfordernis eines Rettungsbootes,
nmlich die Trger desselben durch Brandung und hohen Seegang. Sie
mssen das Boot auch dann noch ber Wasser halten, wenn es voll Wasser
geschlagen ist. Es sind bei unseren Rettungsbooten neuester Art, die
eine groe Stabilitt haben und doch leicht sind, weil aus verzinktem
kannelierten Stahlblech gebaut, den sogen. deutschen Rettungsbooten, wie
sie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrchiger verwendet,
kupferne Ksten zu beiden Seiten des Stechschwertes, die, wasserdicht
verltet, im Verhltnis zum Boot die Gre haben, die fr den
angegebenen Zweck erforderlich ist. Auf anderen Rettungsbooten, z. B.
dem englischen life-boat, sind nicht nur zu beiden Seiten, sondern auch
hinten und vorn solche Luftksten, air-cases, angebracht. Sonst dienen
auch einfach doppelte, hohle Bordwnde dem Zwecke grerer Stabilitt.


*Luftzufhrung* s. Windsack.


*Luftsack* s. Windsack.


*Luk*, das, auch *Luke*, die,

eine viereckige ffnung im Deck die als Zugang zu dem betreffenden Deck
dient; frher mit einer Falltr verschliebar, im modernen
Eisenschiffbau wohl durch eine eiserne Schiebeklappe zu verschlieen.
Wiewohl man Luke gewhnlich nach dem Augenschein fr eine ffnung
ansieht und auch als ffnung erklrt, so hat doch nicht diese, sondern
im Gegenteil das Verschlieen, die Verschliebarkeit den Namen
hergegeben, das Wort hat nmlich nichts mit Loch zu tun, sondern kommt
von einem Zeitwort das schlieen bedeutet, gotisch lukan, althochdeutsch
luhhan, altnordisch luka, altfriesisch luka, altschsisch lukan,
angelschsisch lucan, altenglisch luken, englisch lock, nordfriesisch
loke, luka, laka; im Saterland luka, mittelhochdeutsch luchen,
niederlndisch luiken. Der Grundbegriff aller dieser Wrter ist aber
ziehen, unser niederdeutsches, noch jetzt im allgemeinen Gebrauch
stehendes luken = ziehen. Das Verschlieen einer Tr ist ja vor allen
Dingen ein Zuziehen derselben. Aber an eine Tr war am Morgen der
indogermanischen Sprache, als das Wort geschaffen wurde, noch nicht
gedacht, vielmehr ist der Ausdruck dem Leben der Hirten und einfachsten
Ackerbauer entnommen, und zwar von einer ganz bestimmten Vorrichtung,
nmlich einer durch Querstangen verschliebaren Umzunung, Umhegung von
Weidepltzen, von Hrden und Pferchen. Die wurden einfach dadurch
verschlossen, da eine Stange vor die ffnung geschoben wurde; wurde die
Stange wieder zurckgeschoben, so war der Raum wieder offen. Dasselbe
Bild stellt sich uns dar, wenn wir an den ltesten Verschlu von Tren
und Fensterlden denken: es war kein Schlo, sondern ein Riegel, der
hin- und hergeschoben wurde. Die Stange, der Riegel wurden also geluckt,
d. h. hin- und hergezogen oder geschoben, denn luken heit ziehen und
schieben. Je nachdem nun die Stange oder der Riegel hin- und
hergeschoben wurde, war der Raum offen oder zu: daher schreibt sich
dieses immer wieder hervortretende Schwanken der Bedeutung von luken
zwischen schlieen und ffnen, offenbar auch die von Luk, Luke zwischen
ffnung und Verschlu.

Das Luk scheint zu veralten; die Luke mehr in Aufnahme zu kommen.
Ausschlielich wird letzteres Geschlecht gebraucht in der oft gehrten
Redensart: Guckst Du mich aus *die* Luke? Sie wird gebraucht, wenn man
jemanden erkannt hat in seinen Absichten und ihm in der ersten
berraschung solchen Erkennens mitteilt, da er erkannt sei.


*Luv* meist, wie Lee, ohne Artikel.

Es sind auffallend wenig Erklrungsversuche an dieses Wort
herangetreten, gleichsam als ob sich an das schwierige Wort niemand so
recht herangetraut htte. Und es ist doch ein so wichtiges Wort fr den
Seemann. Wir mssen vor allen Dingen von der Frage ausgehen: Was ist
Luv? Was will es sagen? Von welcher Anschauung mag die Benennung
ausgegangen sein? Und da ist vor allen Dingen zu bemerken, da Luv die
Seite ist von der man mit dem (Segel-)Schiffe herkommt, also die Seite
die man auf der Fahrt nach Lee zu hinter sich zurcklt. Das stimmt
zwar jetzt wo man beim Winde zu segeln gelernt hat, nicht mehr ganz,
in alten Zeiten aber, wo bei der unbeholfenen Segelfhrung an ein
Aufkreuzen nicht zu denken war, sondern nur mit raumen Winde Kurs
gehalten werden konnte, da stimmte es. Man erklrt Luv jetzt gewhnlich
als die Seite, von der der Wind kommt, die Windseite. Das ist auch
richtig. Aber eben so richtig ist, oder war es doch, zu sagen, die Seite
wo das Schiff herkommt, oder die Seite die das Schiff auf seiner Fahrt
hinter sich zurcklt. Und dieser Begriff des Zurcklassens drfte
ausschlaggebend gewesen sein. Das Zurckgelassene heit im
Angelschsischen laf. Im Bewulf kommt das Wort oft vor und bedeutet
neben dem Zurckgelassenen den Nachla, das Erbe, besonders auch als
vorzglich kostbaren Gegenstand der Vererbung: das Schwert; echt
dichterisch ist auch die Wendung sweorda laf, die das Schwert
zurckgelassen hat, die vom Schwerte in mnnermordender Schlacht
verschont geblieben sind.

Dem entsprechend heit im Altfriesischen leva, lewa, relinquere,
nachlassen, davon lawa, Glaube; lawa, Gesetz, lawa, Erbe; allen dreien
ist der Begriff gemeinsam: Zurckgelassenes, Restierendes, der Nachla;
das was bleibt, wenn alle im Laufe der Zeiten dahingehen, das Dauernde,
Feste, zu Haltende, Unvergngliche, Unverletzliche. Aber die
Grundbedeutung ist zurcklassen. Dem entspricht im Gotischen laiba,
berbleibsel, althochdeutsch leiba. Im Seebuch, 1400, tritt dann das
Wort in seemnnischer Bedeutung auf, und zwar in der Form loff. Daneben
aber laufen im Sprachgebrauch der Zeit lof = Windseite und lova, louwe =
Hinterlassenschaft, loven, leven, zurcklassen. In einer unter Lee
angefhrten Stelle war gesagt, da den Dnen und Lbeckern alles
thoiegen und sie in der lehe waren; es heit dann weiter: Auerst de
leve gott gaff gnade, dat de wind umbginck und de Denen und Lubeschen
den loff kregen. Es war altes ostfriesisches Landrecht: Woir dat de
frouwe ein man nimpt und tuigt ein Kind by em unde se stervet tho voeren
und dat Kint darna, so soelen broedere und sustere de lova gelieke
antasten.

In dieser letzteren Bedeutung ist das Wort beinahe ganz dem
Sprachgebrauch entschwunden; sollte es darum sein, da es von dem
seemnnischen verdrngt worden wre? Denn das Seemannswort hat sich
immer mehr Bahn gebrochen. Niederdeutsch lof, niederlndisch loef, daher
franzsisch lof und louvoyer; in Groningen loof, auf Wangerooge lauv;
dnisch luv, schwedisch lofven. Der Vokal ist schwankend; die
Physiologie der Lautbildung lehrt, da Vokale immer schwankende Laute
sind. Ein wenig mehr a- oder o- oder u-Lautfarbe macht also nichts aus;
ja wer dem Seemann genau auf den Mund sieht, der kann wahrnehmen, wie
Luv, das fr gewhnlich lang ist -- das Zeitwort luven ist immer lang,
-- oft aber auch sehr kurz ausgesprochen wird und dann leicht auch heute
noch zu dem alten Klange lov zurckkehrt, ja in lav berspringt, welch
letzteres ja dann auch das ursprnglichere ist. Das Schwanken der
Orthographie zwischen f und v ist selbstverstndlich. Sprachlich steht
also der Verwandtschaft nichts im Wege. Sachlich, wenn man an die alten
Zeiten denkt, auch nicht. Doch ist zuzugeben, da der Begriff sich in
der neuzeitlichen Seemannssprache unter dem Einflu der neuzeitlichen,
verbesserten Segelfhrung etwas verschoben hat, namentlich der des
Zeitwortes luven, das unter Umstnden jetzt so ziemlich das Gegenteil
von zurcklassen, nmlich entgegenkommen bedeuten kann, besonders als
anluven. Aber das liegt in der Natur der Sache.

bertragen sagt man: er luvt nicht darauf, d. h. er hrt nicht,
gehorcht nicht, tut nicht was ihm gesagt wird; vom Luven des Schiffes
hergenommen; das Schiff luvt, es gehorcht dem Ruder und geht mehr nach
dem Wind.

Im Englischen heit die Seite von der der Wind herkommt windward; diesen
Ausdruck hatte man frher in der deutschen Seemannssprache auch. Der
Verfasser der Beschriving van der Kunst der Seefahrt war, (s.
Schnfahrsegel) von seinem venetianischen Schiffe kurz vor der
Pulverexplosion ber Bord gesprungen. Wie ich nun gedachte nach dem
Admiral zu schwemmen, mu ich es allezeit gegen die See halten, weil er
zu *Windwrts* von mir war; Wen ich aber auff die See kam, lieff mich
die Rabbeling (wohl verdruckt fr Kabbeling) vom Wasser bers Hupt, so,
da ich nicht sehen konte, und weil zu zweyen mahlen einige Kordusen
(Kartuschen) durch Unvorsichtigkeit waren in Brand gekommen, wodurch
ich ziemlich kahl war versenget, waren mich auch die Augen davon hitzig
geworden, so da ich kein Saltzwasser in den Augen vertragen konte.

Doch kannte neben windwrts der Verfasser der Beschriving auch sehr
wohl den Ausdruck luv, jedoch natrlich in den niederdeutschen Formen
lof und loff. Die Stelle, in der die Ausdrcke vorkommen, ist so
lehrreich fr die Kenntnis der Seefahrt jener Zeit, da sie hier
Aufnahme finden mge. Mich hat auch gut gednkt etwas zu melden, wie
ein Schiffer, der in der West- und Mittellndischen See nicht wol
erfahren, und allda einige rter besegeln mte, sich hat vorzusehen,
da er nicht in der Heyden (Seeruber) Gewalt kommen mge.

Wenn nun ein Schiffer mbtrent in der West- oder Middellndischen See
seine Feinde gewahr wrde, so sol er nicht verzagen, sondern sich Gott
und seiner gndigen Vorsorge anbefehlen. Kan ers entlauffen, umb unters
Land sich zu salvieren, oder da er wans finster wird, sein Kur kan
forsetzen, so tue ers in der Zeit, wo nicht, und da sein Schiff etwas
bewehret ist, so tue er sein bestes, und setze seine Segel da er
*lofen* und tragen (Richtung) halten kann; Nemblich dem grossen Hal zu,
und gehe mit halben Wind, da alle Segel ziehen knnen, und ob er ja
sein Kur dewegen verndern mte, so wil es doch nicht anders seyn,
ihr knnet ihn aber lang vexieren und auffhalten; ehe und bevor er euch
kann an Bort kommen; Denn, wo er nach euch zu kompt, umb euch an Bort zu
legen, so msset ihr auffdauwen (niederdeutsch touwen = eilen) und ihn
das hinterste zukehren, doch nicht eher und bevor er euch bald an Bort
ist, und gebet allezeit Feuer, Gott kan es endlich so schicken, da ihr
einen glcklichen Schu tut, dadurch ihr dennoch endlich ihm entkommen
mchtet; Weil ich nun bey solchen Handel selbst mit gewesen; da es uns
gelungen, also hab ich den gnstigen Leser hiermit zur Nachricht dienen
wollen. Es war Anno 1645 ungefehr zwischen Cap S. Vincent und S. Hubes
Huck 8 Meilen von dem Wall, da kamen auff uns zu fnff Trkische
Schiffe, weil wir aber sahen, da wir gegen sie nicht fechten konten;
den wir nicht mehr dann zehn Stcken und noch ein Hamburger so bey uns
war sechs Stcken auff hatte, tten wir unser bestes und machtens wie
vor gedacht, da wir mit halben Wind voraus lieffen, einer aber unter
ihnen war eine Hollandische Fregat mit 28 Stcken Geschtz gemondiert,
der siegelte uns endlich auff, und lieff den vorgedachten Hamburger
vorbey, weil derselbe hinter uns anhielt; den der Trcke gedacht uns
erst an Bort zu legen, der Hamburger wrde den andern nicht entlauffen.

Wie er aber nher kam, kehrten wir ihm da hinter Schiff zu, und paten
auff, da wir ihn mit unserm hintern Geschtz, so neunpfndige Kugeln
scho ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford wieder an, der Trcke
aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus, er folgete uns aber
wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir machtens aber wieder
wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben auch indem auf ihn
Feuer, traffen ihn also, da sein Vormarssegel nicht allein von oben
nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern auffrisse, dadurch
er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der Vice-Admiral aber von
den Trcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu legen, der ihn auch
solches verdrehete und ihm da Hinterschiff zukehrte, da dem
Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing, derowegen konnte er sein
Segel nicht schrab (fest) setzen, da er uns ferner verfolgen konnte;
die andern drey so noch zurcke waren, schossen zwar mit ihren
Bochstcken hinter uns an, welches ihn zurcke hielt, und was wir hinter
aus schossen, foderte uns, so, da wir endlich vor ihm das Land bekamen,
sie aber drfften dem Land nicht so nahe kommen, weil der Vice-Admiral
durch sein Bochspret redlo war, derhalben musten sie uns endlich
verlassen, wir aber gingen lngst dem Wall nach S. Hubes, umb allda
erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach S. Lucas
zu suchen, dahin unser Wil war.


*Luvart*

kommt in der Verbindung zu luvart hufig als Bezeichnung der Richtung
vor aus der der Wind kommt. Das Schiff segelt zu luvart von uns;
Gegensatz: Das Boot fhrt in Lee von uns. Die Prposition zu ist
flschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die
Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewutsein hatte. Dieses Wort
heit nmlich eigentlich luvwrts und ist ber luvwart zu luvart
geworden, doch so, da von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu
hren ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlssiger luvert
ausgesprochen wird. Die Form luvwart ist bezeugt als Loffwart in der
Beschriving van der Kunst der Seefahrt 1673; der Verfasser trieb
schwer havarirt in einem Novembersturm in der Nordsee: Wir sahen auch
ein Schiff zu *Loffwart* von uns; liessen derowegen ein Schau oder
Zeichen weyhen, da wir verlegen waren ...


*Luvgierig*

ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug dem Winde
zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen Stauens der
Ladung oder verkehrter Segelfhrung. Die beiden letzteren Ursachen
lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler lt sich nichts
weiter machen, als da man mit Ruderfhrung und Segelstellung die
Luvgier zu heben sucht.

Das Gegenteil nennt man leegierig; dabei fllt das Schiff allzuleicht ab
und ist schwer beim Winde zu halten.


*Luvkste*, die, s. Upperwall.




M.


*Maat*, der.

Bei der Kaiserlichen Marine heien die Mnner, die man bei der Armee
Unteroffiziere nennt Maate, die Sergeanten Obermaate, und werden je nach
ihrem Dienstzweig noch nher bestimmt als Bootsmannsmaat,
Feuerwerksmaat, Steuermannsmaat, Wachtmeistersmaat, Maschinistenmaat,
Feuermeistersmaat, Meistersmaat, Materialienverwaltersmaat,
Artilleristenmaat u. s. w., das sind dienstliche Titel. Eine
vorbergehende Beschftigung hat der Stewardsmaat, ein Matrose, der zur
Untersttzung des Stewards befohlen ist. Dieser letztere Maat ist aber
der eigentlichen allgemeinen Bedeutung des Wortes nach der richtige
Maat, denn das Wort bedeutet einen Gehilfen, Gesellen, Genossen,
Assistenten. Kilian bersetzt maet mit socius, collega, hat auch die
berflssigerweise erweiterte Form med-maet, wie man im
Mittelniederdeutschen die pleonastische Form mategeselle hatte.
Niederlndisch maat, maatschappy, Gesellschaft. Englisch mate, Genosse,
Gefhrte in so allgemeinem Sinne, da es sogar husband oder wife
bezeichnen kann; auf Handelsschiffen der Steuermann, auf Kriegsschiffen
wie bei uns. Nach dem Bremer Wrterbuch heit dorten ein Kamerad maat;
es nennt auch ein Mdchen das andere das neben ihm in *einem* Hause
dient maatske. Maat ist Verkrzung des althochdeutschen gimazo, das ist
einer, der mit einem anderen zusammen die Speise, maz, verzehrt, ein
Mitspeisender, Mitesser, Tischgenosse, und zwar Genosse in seiner
ursprnglichen Bedeutung von zusammen etwas genieen, d. h. essen. Das
alt- und mittelhochdeutsche maz, gothisch maths, altnordisch matr,
englisch meat heit Speise, Nahrung, Essen, besonders zum Essen
bestimmtes, zartes, schieres, weiches, gehacktes Schweinefleisch;
niederdeutsch met, so da also Maat und Mettwurst zusammengehren.

Alle in Nowgorod sich aufhaltenden fremden Kaufleute waren in Haus- und
Tischgenossenschaften abgeteilt; eine solche wird in einer Hansa-Urkunde
des 14. Jahrhunderts mascop genannt; sonst heit aber dieses Wort in
jener Zeit matscop und matschop, also hnlich dem angefhrten
maatschappy. In einer Lbecker Urkunde von 1347 heit es: Laten jo sere
dancken, dat gy osen vrent onde osen math, heren W. hebbet vrentliken
wedderdan sinen schaden. In der Lbecker Chronik lesen wir: Biscop
Engelbert van Colne wart dot gheslaghen van greven Vrederike van Altena,
de syn man was unde sin maath. Doch war schon immer, so lange wir
schriftliche Aufzeichnungen niederdeutscher Seemannssprache besitzen,
das Wort maat in besonderem seemnnischen Gebrauch. 1379: Jtem dat B.
syn knape sluch to der Sluus opt dat lant enen maten schipmann vor de
noeze, dat he bloede. 1564: Darna Jacob geropen: mathe, wor syn ghy?
helpet uns pumpen. 1580: Gerth sy houetbossmann unde Erasmus
houetbossmanns mate gewesen. 1580 also begegnet uns zum ersten Male der
Bootsmannsmaat.


*machen*

wird im seemnnischen Sinne nicht nur fr zurcklegen einer Strecke
gebraucht, z. B. wir machen neun Knoten oder Meilen, es heit auch
erreichen, in Sicht bekommen, anlaufen; z. B. wir machen Rio, sie
machten Cap Skagen; genau wie im Englischen, they that sail in the
middle can make no land of either side. Es ist hier ganz allgemein
etwas zu Stande bringen, hnlich wie in dem vor einigen Jahren wie
eine Krankheit grassierenden m. w. = machen wir.


*macklig*,

richtiger macklich, denn es kommt von machen, niederdeutsch maken und
bedeutet etwas, das so gemacht ist wie es gemacht sein mu um recht
gemacht zu sein und damit man etwas Rechtes damit machen kann; also
etwas Zweckentsprechendes, Brauchbares, Bequemes, Handliches wird man
macklich nennen. Der Hammer ist macklich, d. h. er liegt gut in der
Hand, man kann bequem damit arbeiten, der Riemen ist macklich, man
kann bequem damit rudern. Macklich ist besonders im seemnnischen Sinne
auch das was seemnnisch gut gehalten ist, vor dem Auge eines
Seemannes Gnade findet. Ein echtes, rechtes nach Salzwasser riechendes
Seemannswort, das aber bei neumodischen Seeleuten anfngt zu veralten.
Vielleicht vom althochdeutschen Substantivum gimah (= Gemach,
Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemchlichkeit, Ruhe,
Pflege, husliche Bequemlichkeit, wohnliche Rumlichkeit, Zimmer wo man
sichs bequem macht) oder vielmehr vom niederdeutschen gemak, im gleichen
Sinne, vergl. das Sprichwort: frejen (freien) under en dak, is'n grot
gemak abgeleitetes, jedenfalls aber von maken = machen abstammendes
Adjectivum.


*Maifeld*, das,

heit bei nautischen oder architektonischen Messungen, besonders beim
Hafenbau, der gewachsene Boden des festen Landes im Gegensatz zum
Wasser. Und zwar nicht eigentlich der gewachsene Boden, sondern seine
bewachsene Oberflche, besonders als Wiese gedacht, als ein Feld das
gemht wird. Mhen heit niederdeutsch maien; das niederdeutsche Maifeld
hat also mit dem Wonnemonat nichts zu tun, sondern bedeutet Mhfeld.
Doornkaat: Ein zum Mhen oder Grasschneiden bestimmtes oder liegen
gebliebenes Feld oder eine Wiese.


*Makler*, der,

Schiffsmakler, auch Mkler, ein Unterhndler in Schiffsangelegenheiten,
bei Kufen und Verkufen, Ausrstungen u. s. w. Das Wort kommt von
machen, niederdeutsch maken, und zwar von dem Iterativum dazu makeln.
Man kann es ins Hochdeutsche bersetzen mit Macher im Sinne von
Gelegenheitsmacher, Heiratsmacher oder -Vermittler, letzteres
ostfriesisch makesman.

Insofern ein Vermittler eines Kaufes unter Umstnden bestrebt sein mu,
um die Sache zu stande zu bringen, den Gegenstand des Handels schlecht
zu machen und allerlei daran auszusetzen, mkelt er daran herum,
bemkelt er sie.


*mallen.*

Wegen des brigen s. abmallen; hier nur die Erklrung (nach Dick und
Kretschmer) was gemallte Tiefe, moulted depth, bedeutet, nmlich bei
eisernen Schiffen die vertikale Entfernung der Oberkante des oberen
Deckbalkens des Vermessungsdecks bis zur Oberkante des Kiels; bei
hlzernen Schiffen die Entfernung der Oberkante der Oberdeckbalken bis
zur Unterkante der Kielsponung.


*Mann ber Bord!*

Ein Ruf, der sofort wie mit einem elektrischen Schlage das ganze Schiff
in Bewegung bringt. Ist ein Mann ber Bord gefallen, so ist das Nchste,
ihm eine Rettungsboje zuzuwerfen und das Schiff zum Stillstand zu
bringen; was bei einem Segelschiffe keine so ganz einfache Sache ist.
Aber in diesem Falle werden die notwendigen Arbeiten seitens der Leute
stets mit besonderem Feuereifer ausgefhrt, so da es einer Anspornung
nicht bedarf. Es ist als ob jeder das Gefhl htte, da von seiner
Bemhung das gefhrdete Menschenleben abhnge.


*Mamiering*, die.

Ein Schlauch aus wasserdichtem Segeltuch, der ber eine Rhre gestreift
und daran befestigt ist, zum Zweck die durch die Rhre flieende
Flssigkeit weiter zu leiten. Offenbar steckt in der ersten Silbe das
niederdeutsche mau = rmel, aber eigentlich nicht rmel in unserem
Sinne, in dem ein solcher festgenht ist, sondern loser rmel, wie man
ihn frher ber den Arm streifte. So heien heute noch im
Niederdeutschen die Pulswrmer, die auf den Unterarm gestreift werden,
Muffen, was mit mau nahe verwandt ist; auch heit Muffe ein eiserner
Ring, der ber die Verbindungsstelle zweier eiserner Rohre zur strkeren
Befestigung und Dichtung gestreift wird. Es liegt eine Wurzel zu Grunde,
die mu lautet und drngen oder schieben bedeutet, von der auch das
lateinische moveo, ich bewege, kommt. Der Begriff des berstreifens ist
also in mau gegeben; miering drfte aus meren = verlngern gebildet
sein, mit der niederdeutschen Endung ing: eine Verlngerung stellt die
Mamiering ja unzweifelhaft dar, eine Verlngerung der Ausflurhre, auf
die die Mamiering rmelartig aufgestreift ist. So mte das Wort
eigentlich maumering heien; unter dem Einflu der Zusammensetzung ist
aber die erste Silbe durch Ausfallen des u gekrzt, die zweite aber
unter dem Einflu der Endung ing assimilierend in i umgelautet.


*Manilaleine*, die,

ein sehr leichtes, aber festes und haltbares, sauber und reinlich
aussehendes Tauwerk; dasselbe zeichnet sich vor dem Tauwerk aus
gewhnlichem Hanf durch grere Geschmeidigkeit, Elasticitt und
Dehnbarkeit sowie durch grere Unempfindlichkeit gegen Schamfielungen
aus. Diese Vorteile im Verein mit dem Umstand, da es auf dem Wasser
schwimmt, machen es besonders geeignet zu Verholtrossen. (Dick und
Kretschmer, II. 3). Gefertigt aus Manilahanf, der Faser einer
hauptschlich auf den Philippinen wachsenden, von Manila ausgefhrten
musa-Art, genannt musa textilio. Sie ist nahe verwandt mit der musa
sapientum oder paradisaica, die wir besser unter dem Namen Banane
kennen, und mit der musa, die sich in unseren Grten auf Rasenflchen
als Solitrpflanze so vornehm ausnimmt.


*Manver*, das,

eigentlich Handwerk, Handarbeit, franzsisch manoevre, italienisch
manovra, spanisch maniobra, provenalisch manobra, mittellateinisch
manopera, vom lateinischen manus, Hand und opera, Arbeit.

Jetzt im seemnnischen Gebrauch jede grere gemeinschaftliche auf
Kommando ausgefhrte Arbeit zur Bedienung des Schiffes oder zur
Ausbildung der Leute. Das erste Kommando dabei heit: Klar zum
Manver! sei es, da ein Teil der Wache, die ganze Wache, alle Mann
gewnscht werden, was dann dem Worte klar vorangehend nher bezeichnet
wird. Den Hhepunkt aller Einzelmanver bilden die groen Herbstmanver,
bei denen eine ganze Flotte sich zu gemeinschaftlichen bungen
versammelt.


*mannen*,

ein Boot, ein Schiff bemannen, mit Mannschaft versehen, namentlich auch
mit Kriegsmannschaft. Im Mittelniederdeutschen hie es -- natrlich nur
fr den weiblichen Teil -- heiraten: Dit en secge ic nicht allene van
den wiuen, de ghemannet syn, mer oec van den megheden, de noch mannen
willen, onde dat schynt, dat eyn gemannet wyf beter is dan eyn maghet,
de noch mannen sal. Seemnnisch spricht man von mannen im Sinne von:
von Mann zu Mann weiter geben; Schiller: durch der Hnde lange Kette,
um die Wette, fliegt der Eimer ... daher Geschomanner, Pulvermanner
etc. etc.


*Mannloch*, das.

Womglich soll man im Schiff, auch bei den jetzigen labyrintartigen
Raumverhltnissen, an jede Stelle, auch an solche, die fr gewhnlich
unzugnglich ist, zur Vornahme gewisser Arbeiten wie Malen, Reinigen
etc. gelangen knnen. Dazu sind in den sonst dichten Wnden kleine
verschliebare ffnungen angebracht, grade so gro, da ein Mann
hindurchkriechen kann; sie heien Mannlcher.


*Mantel*, der.

Dieses aus dem lateinischen mantellum stammende Lehnwort wird
bekanntlich nicht nur zur Bezeichnung eines Kleidungsstckes fr
Menschen, sondern berhaupt im Sinne von Schutzkleid, Schutzbekleidung,
sei sie von Holz, Stein oder Eisen, gebraucht. So hat man an Bord einen
Schornsteinmantel und im neuesten Rettungsboot ist am Ruder ein
metallener Mantel angebracht, der beweglich ist und bei schwerem Wetter
als Verlngerung des Ruders herabgelassen wird, damit auch bei schwerem
Wetter und hohem Seegang das Ruder nicht wirkungslos in der Luft
schwebe.

Siehe auch Mantel und Takel.


*Mantel und Takel.*

In dieser Verbindung bedeutet Mantel ein feststehendes starkes Tau und
Takel einen Block mit Scheibe und Lufer. Breusing im Jahrbuch fr
niederdeutsche Sprachforschung 1876 S. 5 sagt: Mantel ist das
italienische Wort amanti, das spanische amantillos, das portugiesische
amantilhos. Man hatte vergeblich nach der Herkunft desselben gesucht,
bis uns Bckh in seinen Urkunden ber das Seewesen des attischen
Staates gelehrt hat, da es im Mittelalter aus dem altgriechischen
Worte himantes verderbt sei. Darnach htten wir in diesem Mantel eine
volksetymologische Umbildung vom italienischen amanti und Anlehnung an
Mantel zu sehen.


*Manntau*, siehe Laufstag.


*Marine*, die,

das Seewesen, besonders das Seekriegswesen. Es ist zwar unter Marine
auch die Handelsschiffahrt mit einbegriffen, doch mu dies besonders
kenntlich gemacht werden, Handelsmarine; wenn keine besondere
Unterscheidung hinzugefgt wird, so ist Kriegsmarine zu verstehen,
(Mein Sohn will zur Marine, d. h. er will Seeoffizier werden) was
schon aus der Bezeichnung Reichs-Marine-Amt, Marine-Offizier
hervorgeht. Was dieses letzte Wort betrifft, so ist Marine-Offizier der
weitere Begriff, auch die Offiziere der Marine-Infanterie, die
Sanitts-Offiziere, Ingenieure u. s. w. umfassend, whrend diejenigen
Offiziere die man im Binnenlande Marine-Offiziere nennt, sich selbst als
See-Offiziere bezeichnen. Unkundige Leute, die einen Bootsmannsmaaten
nicht von einem Matrosen, geschweige denn von einem Feuerwerksmaaten,
unterscheiden knnen, helfen sich in unseren Seestdten mit der
allgemeinen Bezeichnung Mariner; im Binnenlande sagt man im gleichen
Falle, zum Unterschied von einem Matrosen, bei dem man zunchst an einen
Handelsmatrosen denkt, Marinesoldat.

Whrend bereits im Altenglischen die Form mariner vorkommt, ist Marine
bei uns zum ersten Male 1728 von Sperander  la mode-Sprache der
Teutschen gebucht.

Vom lateinischen Adjektivum marinus, das Meer betreffend.

(Marinieren heit eigentlich Seegeschmack geben.)

Von diesem ward im Mittellateinischen marinarius gebildet, woraus das
italienische marinaro, das franzsische marinier, das englische marine
entstand und auch das mittelhochdeutsche marinaere und abgekrzt marner.

Das sae-man im Bewulf bedeutet nur: Krieger zur See.


*marlen*

heit zwei Dinge durch Marlschlge mit Marlleine mit Hilfe des
Marlspiekers mit einander verbinden, z. B. das Segel an sein Liek
festnhen. Ein Marlschlag entsteht, wenn man die Marlleine so um ein Tau
etc. etc. legt, da der Schlag das lose Ende festhlt, so da es sich
nicht aufwickeln kann; was den Vorteil hat, da, wenn einmal die
Marlleine irgendwo bricht, nicht die ganze Leine aufgeht, sondern nur
die Bruchstelle. Marlen nennt man auch das Verbinden von Tauwerk mit
(altem) Segeltuch zum Schutz vor Nsse, doch ist dieses nicht mit
Trensen oder Schmarten zu verwechseln. Der Marlspieker wird, weil r vor
l fr viele Zungen allzuschwer ist, so da mancher Karl seinen eigenen
Namen nicht aussprechen kann, meist Malspieker ausgesprochen und in
Marlleine wird wohl das eine l als berflssig ausgelassen, marlin.

Marlen ist Iterativum (marrelen) zu marren, merren = festbinden, binden,
befestigen; Teuthonista: merren; im Niederlndischen wird der
Mistelzweig marrentakken genannt, dewyl men met de plant, om hare
taaiheid maren, dat is binden kan. Franzsisch heit die Marlleine
merlin, und davon ist das Zeitwort merliner = marlen gebildet,
also ein recht unntiger Umweg. brigens hie die Marlleine im
Mittelniederdeutschen marling und sogar marlink. Item so scholen ock
nene segelmaker to Kope hebben marlinge, husenge segelgarne to der
schipper behuff, sundern scholen dat halen van den repern. Lbecker
Zunftrecht. Insonderheit hie auch der Strick, an dem einer gehenkt
wurde marling. Der alte Chronist Eggerik Beninga erzhlt, da zu Knig
Radbods Zeiten ein Jngling, der bereits tot am Galgen hing, durch des
Missionars Wulfram Gebet wieder erweckt wurde, und de Ketting und
Marling sinnen tho bracken, de jungeling is thor erden gefallen.


*Mars*, der:

Mastkorb. Oft genug sind Binnenlnder, die von einem Mastkorb
sprachen, mitleidig ber die Achsel angesehen worden, als ob der Mars
ein Korb wre, damit hat er ja nicht die geringste hnlichkeit! Und
doch hat Mastkorb seine volle Berechtigung. Frher ist er wirklich ein
Korb gewesen, ein einfacher schlichter Korb, der mchtige Bau den wir
jetzt Mars nennen. Der niederdeutsche Seemann sagt Mrs oder Mers und
beweist auch hier wieder sein zhes Festhalten am Ursprnglichen. Da er
die Mers sagt hngt nicht nur mit der niederdeutschen Unbestimmtheit
des bestimmten Artikels zusammen, sondern mag noch eine ferne Erinnerung
an merx, die Ware, Kaufmannsware sein, aus der Mers sich entwickelt hat.

Im Mittelalter hatte das aus Italien nach Deutschland gekommene Institut
des Feilbietens im Umherziehen, des Klein- und Hausierhandels, eine
groe und wichtige Bedeutung; es war Handel _und Wandel_. Wie so
manches andere Kaufmannswort brachte der wandernde deutsche Hndler das
Wort merx aus Italien mit ber die Alpen und gebrauchte es in der Form
meersse, mersse, mers. Heit doch heute noch im Franzsischen und im
Munde und auf den Schildern deutscher Ladeninhaber Kramhandel mercerie,
oft in Verbindung mit quincaillerie, das, so franzsisch es auch
aussieht, doch deutsch ist. Die mers nun, die zum Hausieren bestimmte
oder auch an den Straenecken ausgebotene Ware ward in Krben
herumgetragen und feil gehalten. So nannte man bald den Korb nach seinem
Inhalte mers. Schon Kilianus sagt meersse, meers heie Korf, corbis
institutoris, canistrum institutorium, und zwar ist institutor ein Mann,
der irgendwo steht, um Sachen zu verkaufen, bei uns hat er aber mehr
gehockt als gestanden, denn wir nennen ihn Hcker. Meersmann aber
bersetzt Kilian mit circitor, circuitor, das ist einer, der keinen
festen Stand hat, sondern mit seinem Korbe umherzieht; meers-schiip aber
mit corbita, siehe unter Korvette.

Erst hie also Mers nur die Ware im Korb; dann Ware und Korb; zuletzt
Korb allein. In diesem Sinne, als Korb, wurde dann der Mers am Mast
befestigt fr den Mann am Ausguck. Mit dem Wachsen der Takelage und der
damit verbundenen Notwendigkeit, Leute nach oben zu ihrer Bedienung zu
schicken, ergab sich dann nach und nach das Bedrfnis, den Mars als Korb
fallen zu lassen und ein Holzgestell mit einem Korbgeflecht oder
Netzwerk als Schutz gegen Absturz zu errichten, aber der einmal
angenommene Name blieb. Und wir sollten der greren Deutlichkeit wegen
lieber auch so schreiben wie der Seemann spricht, schon damit keiner auf
den Gedanken komme, das Wort habe mit dem Kriegsgotte Mars (Mavors)
etwas zu tun. Auch wrden wir uns damit wieder in bereinstimmung mit
dem Sprachgebrauch der groen, herrlichen Seemannszeit der Hansa setzen.
Denn da die Mers sagte, dafr noch einige Beispiele. Also halp en got,
dat sie den Koggen behelden myt werhafter hant onde skoten dar mit
haghelscote onde worpen mit stenen vte der mersen (Bremische
Geschichtsquellen). Na mennighen daghen horden se bulderinghe der
bulghen, alze eft se yegen eyn land floeghen onde lethen enen op styghen
in de mersch, eft he yennich lant vernehme (Dnische Chronik). Die im
15. Jahrhundert erschienene Chronik des Lbecker Dominikaners Hermann
Korner erzhlt von 66 schepe mit merssen vnde vorkastelen.


*Maschine*, die,

lateinisch machina, griechisch mechane; es gibt neuerdings auf einem
groen Linienschiffe so viele Dampf- und elektrische Maschinen, da es
sich von selbst verbietet, sie hier auch nur dem Namen nach aufzuzhlen.
Doch mu festgestellt werden, da, wo einfach von Maschine die Rede ist,
ohne nhere Bezeichnung die Schiffsmaschine gemeint ist. Der weiten
Ausdehnung ihres Berufes wegen heien die Leiter des Maschinenwesens an
Bord neuerdings nicht mehr Maschinen-Ingenieure, sondern schlechtweg
Ingenieure -- Ingenieur, Oberingenieur, Stabsingenieur,
Oberstabsingenieur.


*Masut*, das,

ist Braunkohlenteerl, das neuerdings anstatt der Kohlen vielfach zum
Heizen von Schiffsdampfkesseln gebraucht wird. Die Sache stammt aus
Ruland, und dementsprechend auch das Wort, das in den slavischen
Sprachen Fett bedeutet, so da also das Fettige, Oelige bei der
Benennung den Ausschlag gegeben hat.


*Mast*, der,

frher Segelbaum, Baum der die (Rahen und durch sie die) Segel trgt.
Ursprnglich hie Mast berhaupt Baum, Baumstamm, denn das
angelschsische mst, das das lteste Zeugnis fr das Vorkommen des
Wortes ist, bedeutet Baumstamm; die Taube nach der Sndflut setze sich
auf treoves telgum torhtum moste. Es ist also anzunehmen, da Mast im
seemnnischen Sinne ein Wort ist, das die Angelsachsen mit in ihre neue
Heimat genommen haben. Mit ihrer Sprache war die der alten Friesen, von
denen viele mit bers Meer gezogen sind, nahe verwandt, es darf daher
fr wahrscheinlich erklrt werden, da auch sie das Wort Mast besaen,
und da -- schon im Althochdeutschen -- von Friesland aus das
althochdeutsche segilbaum durch mast wegen seiner Krze bei den die
Einsilbigkeit so sehr liebenden Seeleuten verdrngt worden ist.
Segilbaum war aber ein so schnes und bezeichnendes Wort, da es,
wenigstens im Binnenlande, nie ganz auer Uebung gekommen ist; es pate
so schn zu Segelstange = Rahe, ja zu den Zeiten Piet Heyn's kam es vor,
da man fr Mast selbst Segelstange sagte, was aber vielleicht
Segelstnge lautete und bedeutete, also das was jetzt kurzweg Stenge
heit. Sobald der Admiral unterdessen die Top-Flagge von seiner
vorderen Segelstange wehen lie, begaben sich die sieben Chalupen in
aller eil nach den vier Schiffen ... (durchl. Seehelden II. 64.)
Zeitweilig war auch das pleonastische Mabaum bei Seeleuten in Gebrauch,
wie es von Nichtseeleuten heute noch gehrt werden kann. Es wird Zeit,
da auch diese sich mit Mast begngen, da es ja Baum bedeutet. Im
Mittelniederlndischen und Mittelniederdeutschen kam freilich fter
mastboom, mastbom vor; so nannte man sogar auch einen noch grnenden und
wachsenden Baum, nmlich den zur Mast der Schweine dienlichen Baum, die
Eiche; Beweis, wie jeder die Welt aus dem Gesichtswinkel seiner eigenen
Angelegenheiten ansieht.

Vom Schiff aus hat sich der Mast auch ber das feste Land verbreitet als
Flaggenmast, Exerziermast, Signalmast.

Natrlich spielt ein so wichtiges Stck der Seemannssprache auch im
bertragenen Sinne seine Rolle; man denke nur an das hollndische
Sprichwort: Er kunnen geene twee grooten masten in een schip syn d. h.
nur einer kann im Hause das Regiment fhren.

ber *Mastkorb* s. Mars.


*Matrose*, der,

ein befahrener Seemann. Vordem hie ein solcher Schiffsknecht,
Schiffsknabe, Schiffskind, im Gegensatz zum Kapitn, dem Schiffer oder
Schiffsherrn. Die Gesamtheit der Matrosen hie Schiffskinder oder
Schiffsvolk; ihre Kleidungsstcke und sonstigen Sachen Schiffskindergut.
Das Wort Matrose ist erst im 17. Jahrhundert ins Hochdeutsche gekommen,
und zwar aus dem Niederlndischen; matroos hie und heit es da. Und
dieses matroos geht wieder auf das Franzsische zurck, wo uns im 13.
Jahrhundert die Formen mathelot, matelot, matenot begegnen. Es fragt
sich aber: woher stammen diese? Und was ist die Bedeutung?

Es liegen nicht weniger als vier verschiedene Deutungen vor.

1. Hat man an das altniederlndische maatgenot, Maatgenosse gedacht;
aber wenn man sich auch -- zumal maatgeselle vorkommt -- ber die
Tautologie hinwegsetzen kann, so erregt der Umstand doch Bedenken, da
weder maat fr sich noch genot fr sich im Franzsischen Aufnahme
gefunden haben, die Verbindung beider kann also keinesfalls in dieser
Sprache sich vollzogen haben.

2. Hat man versucht, das Wort mit Mast in Verbindung zu bringen, so da
ein Matrose als ein Mann zu denken wre, der am Mast seine Hauptarbeit
hat. Ein an sich anziehender Gedanke, aber schon Dietz hat darauf
aufmerksam gemacht, da dann im Franzsischen des 13. Jahrhunderts
mastelot stehen mte. Darum ist Dietz 3. auf das lateinische matta =
Binsenmatte verfallen und erklrt das Wort aus mattarius, was einen
Mattenmann bedeuten soll, einen der mit einem anderen auf oder unter
einer Matte schlft, oder einen der sich berhaupt auf einer Matte sein
Lager zurecht macht. Hier mte vor allen Dingen der Gedanke an eine
Hngematte ausgeschieden werden, die einmal gar keine Matte ist und die
es berdies erst seit der Entdeckung Amerikas gibt. Die Erklrung hat
dann insofern etwas Verlockendes als man annehmen knnte, das auf dem
Wege vom Mittellateinischen ins Franzsische verloren gegangene r sei
auf dem Wege vom Franzsischen ins Niederlndische, vielleicht in Folge
einer alten Erinnerung, wieder zu seinem Rechte gelangt. Ob aber das
Schlafen auf einer Matte etwas dem Seemann so Eigentmliches ist, da er
davon sollte den Namen empfangen haben? Es schlafen sicher an den Ksten
des Mittelmeers noch andere Leute auf Matten, wie sollte gerade der
Seemann ein besonderer Mattenmensch sein?

4. Mllenhoff ist der Meinung, der alten franzsischen Form liege das
altnordische mtunautr zu Grunde, auch matunautr. Ihm stimmt Kluge bei
unter Annahme normannischer Vermittelung. Das kme dem Sinne nach auf
Nr. 1 hinaus, nur da dann die Verbindung geschehen war, ehe die
Nordmnner das Wort nach Frankreich getragen haben, so da auf diese
Weise die unter 1. erwhnte Schwierigkeit beseitigt wre. Matunautr
heit ins Niederlndische bersetzt allerdings maatgenot und bedeutet,
maat in seinem ursprnglichen Sinne (von gimazo) genommen, Egenosse;
eigentlich Tischgesellschaftsgenosse. Der dreifache Ausdruck desselben
Gedankens darf dabei nicht stren, ein solcher kann eintreten, wenn
einer der drei nicht mehr als solcher empfunden wird oder gar, wie hier,
wo das gi (= cum) von gimazo bereits geschwunden war, fr das
Sprachgefhl des Volkes gar nicht mehr in Betracht kommt. (So steckt z.
B. auch in dem alten kymryschen Namen fr Ostsee morimarusa ein
dreifacher Pleonasmus, Meermeersee, wobei sa nicht als See, sondern wohl
nur als Endung empfunden ward.) Matunautr ist offenbar die Form aus der
matenot entstanden ist, welche Form sich, wie erwhnt, bereits im 13.
Jahrhundert in matelot umgebildet hatte. Welche Einflsse nun bei der
bernahme ins Niederlndische die Verschiebung in matroos verursacht
oder gefrdert haben ist unschwer zu erkennen. Man hat zunchst an den
Plural matelots zu denken und daran, da die Hollnder heute noch gerne
das stumme Schlu-s der Franzosen mit aussprechen. So war matlos
gegeben; l und r aber wechseln so hufig mit einander, da ganze
Vlkerschaften gar nicht wissen, ob sie l oder r sagen. So war die Form
matros, matroos ein Plural, was aber bald vergessen ward, so da schon
im Niederlndischen und erst recht bei der Aufnahme ins Deutsche ein
neuer Plural auf en gebildet werden konnte.

Da aber eher vom gemeinsamen Essen der Name kommen konnte als vom
gemeinsamen Schlafen, ist -- trotz Kamerad und Geselle -- dem nicht
zweifelhaft, der bedenkt, eine wie groe Rolle das Essen berhaupt im
Leben -- man denke an Genosse, Kumpan, Kompagnie, Maat und Messe -- so
auch besonders im Bordleben spielt, und der wei, da an Bord heute noch
die Leute in Backschaften d. h. Egenossenschaften eingeteilt sind. So
ist es unzweifelhaft, da auch auf den Schiffen der Nordmnner die
Mnner in mtuneyti, in Egenossenschaften, besser in Genossenschaften
eingeteilt waren. Ein solcher Genosse hie matunautr, Backsgenosse,
Backskamerad.

Im 17. Jahrhundert wurde zwar schon Matrose gesagt, aber daneben auch
noch von Bootsleuten und Bootsgesellen in ganz gleicher Bedeutung
gesprochen. Zu einer Flotte Piet Heyn's gehrte z. B. nach den
Durchluchtigsten Seehelden II. 71: das Schiff Harlem, von
zweyhundert und achtzig Lasten, mit zwey Metallinen, zwey und zwanzig
eisernen, und acht Steinstcken, und achtzig Bootsleuten bemannt; das
Schiff Leiden zweyhundert und dreyssig Last gro, worauf zwey Metallene
und zwey und zwantzig eiserne und 8. Steinstcken und fnff und
siebenzig Matrosen; der schwarze Lw, hundert und achtzig Last gro, mit
vier und zwantzig Stcken Geschtz (oder Gtelingen) vier Stein Stcken,
und siebentzig Bootsgesellen. Bemerkenswert ist, da nach Halbertsma im
Friesischen der Matrose auch siler heit (englisch sailor).

Ein altes gutes deutsches Wort fr Matrose, ja noch besser und
bedeutungsvoller als dieses ist Seemann. Es deutet mehr den dauernden
seemnnischen (Lebens-)Beruf an. Wenn ein Binnenlnder freiwillig bei
der Marine eintritt und von dieser zum Kriegsdienst an Bord ausgebildet
wird, so heit er zwar auch Matrose, aber Seemann ist er darum doch noch
nicht, das ist nur der, der auch in seinem Zivilverhltni die Seefahrt
als Beruf betreibt.


*Maus*, die.

Man sollte annehmen, da dieses Substantivum in seiner Bedeutung nahe
verwandt wre mit einem ebenfalls seemnnischen Zeitwort *mausen*. Es
gehen jedoch die Begriffe zunchst sehr weit auseinander. Eine Maus ist
eine knotenfrmige Verdickung eines Taus an einer Stelle, wo ein um das
Tau gehendes Auge am Zuschlieren verhindert werden soll oder einer
Zeising fester Halt soll verliehen werden, da sie nicht rutschen kann;
diese Maus wird auf die Kabelaring gesetzt, jene auf das obere Ende des
Stags, wo das Stagauge aufzuliegen kommt. Mausen aber heit die offene
Seite eines Blocks so schlieen, da er nicht aushaken kann; es
geschieht mit Kabelgarn, das mit einem Schnitt leicht wieder zu
entfernen ist.

Beide Wrter haben mit Maus und mausen im hochdeutschen Sinne gar nichts
zu tun, sie stellen vielmehr eine sehr irrefhrende hochdeutsche
Verdunkelung eines sonst ganz klaren niederdeutschen Wortes dar, wobei
es lehrreich ist zu sehen, wie Maus und mausen je eine besondere Seite
der beiden in dem niederdeutschen Worte mten liegenden Begriffe
entwickelt haben; mten heit nmlich zunchst einfach zusammenkommen,
zusammentreffen, begegnen, aber es ist eine vox media, das
Zusammentreffen kann im gnstigen, es kann auch im ungnstigen Sinne
gemeint sein und im letzteren Falle Widerstand leisten, hemmen,
hindern bedeuten. Und nun bedeutet das niederdeutsche Zeitwort mten
--mausen -- das Zusammenkommen der beiden Teile eines Hakens, das
Zusammentreffen des offenen Teiles mit dem anderen Teil in der
Kabelgarnzeising. Das niederdeutsche Hauptwort mte aber bedeutet
Hemmung, Hinderung. Dadurch, da ein Block gemaust wird, wird er auch
gehemmt und gehindert, nmlich am Aushaken, aber deutlicher wird doch
das Bild, wenn wir den Begriff zusammenkommen, sich vereinigen
festhalten, zumal alle Sprache Bildersprache war.

Es ist also anzunehmen, da die Maus ursprnglich, als das Hochdeutsche
noch nicht dazwischen gekommen war, mte hie, mausen aber mten. Da
man berhaupt auf eine Uebersetzung durch Maus kommen konnte, mag
seine Erklrung, also seine Entschuldigung darin finden, da mte
altschsisch muot, mittelhochdeutsch muot, auch muoz und moz hie.


*Meer*, das.

Ein gemeingermanisches Wort, dessen uns bekannte lteste Form mari ist.
Es ist behauptet worden, da es aus der indogermanischen Wurzel mar,
sterben, entsprossen, also mit morior und Mord verwandt sei, weil das
Meer im Gegensatz zum Festlande mit seinem reichen Leben, Grnen und
Blhen als tot anzusehen ist. Nun hat man zwar in grausamem Scherz die
Nordsee wohl Mordsee genannt und kennt auch ein totes Meer, aber das
Meer als solches ist keineswegs tot, sondern in mehr als einer Beziehung
sehr lebendig. Wer je mit ihm in nhere Verbindung gekommen ist, und wie
innig haben die alten Naturvlker sich mit dem Meere vertraut gemacht,
der wei auch, welch ein unendliches Leben und Weben, welch ein
Sichregen und Sichbewegen, welch eine Flle von Mannigfaltigkeit und
Abwechslung das Meer bietet, das niemals dasselbe ist, nie einfrmig,
nie tot. Die Bezeichnung totes Meer htte ja auch gar keinen Sinn,
wenn fr das Volksbewutsein jedes Meer ein totes Meer wre. Im
Gegenteil, gerade im Lande des toten Meeres hat der Dichter des 104.
Psalms gesungen: Das Meer, das so gro und weit ist, da wimmelt's ohne
Zahl, beide, groe und kleine Tiere.

Wir mssen nach einem anderen Etymon suchen. Nun gibt es noch eine
andere Wurzel, die zwar mit jener den gleichen Laut und die gleichen
Buchstaben hat, aber einen ganz anderen Sinn: mar, glnzen, schimmern,
leuchten, strahlen. Davon kommt das griechische Zeitwort marmairo,
flimmern, funkeln, und Marmor, ein glnzender Stein. Nun braucht einer
noch gar nicht das zauberische Meerleuchten einer Nacht im karaibischen
Meere gesehen zu haben, er braucht nur einmal gegen Abend am einsamen
Fischerhause gesessen und die Augen aufgetan zu haben, wie das Meer
erglnzte weit hinaus, so wird er nicht mehr an den Tod, sondern an
das Leben, an ein reiches glnzendes Leben denken.

Man bedenke auch das andere Wort fr Meer: See. Das ist doch nahe
verwandt mit Seele, von derselben Wurzel su, bewegen, regen, beleben. Da
haben wir das Gegenteil von Tod. Sollte das Meer einmal vom Tode, das
andere Mal vom Leben den Namen empfangen haben?

Ist unsere Deutung von Meer richtig, so ist Meer mit Mhr und Mhrchen
verwandt; mari als etwas von der Sonne beschienenes ist nicht nur
leuchtend sondern auch berhmt und bekannt; daher althochdeutsch mari,
mittelhochdeutsch maere = Kunde, Bericht, Erzhlung.

Der Name Margarete kommt ohnehin von Meer, denn Perle ist eigentlich
Meergries, Korn des Meersandes; also ein echt seemnnischer Name.

Ein namhafter Erforscher des Keltischen nahm keltischen Ursprung von
Meer an. Er verglich die keltischen Ortsnamen uralter Herkunft: Morini,
Amorica, Morimarusa (Ostsee), Morbihan und fhrte die Formen an:
kymrisch, kornisch und Breizonek (Mndung der Loire) mor; gadhelisch (d.
h. dem Glischen [Hochschottischen] und Irischen gemeinsam) muir,
Genetiv mara. Uns gengt das althochdeutsche meri, mere (gotisch marei,
angelschsisch mere).


*Meile*, die.

Wenn der Seemann von Meile spricht, so meint er natrlich Seemeile,
einer Gradminute entsprechend. Eigentlich bedeutet es aber 1000, nmlich
1000 Schritte, milia passuum; italienisch der miglio, Plural miglia,
milia ausgesprochen; es mag eine dunkle Erinnerung an die Herkunft sein,
die den Seemann veranlat, niemals Meile, sondern immer Mill zu sagen.


*Meridian*, der,

oder Mittagskreis, von meridies, der Mittag, heit am Himmel derjenige
gedachte grte Kreis der Sphre, welcher durch beide Weltpole und den
Scheitelpunkt eines bestimmten Ortes geht.


*Merk*, das,

war frher = Landmarke, wird aber jetzt nur selten noch in diesem Sinne,
etwa noch in der Verbindung das ist ein gutes Merk gebraucht. Sonst
ist die Bedeutung darauf zusammengeschrumpft, da es ein Kennzeichen an
irgend einer Sache ist, an dem man sich etwas merken will, etwa einen
Strich oder einen Streifen bildend. Etwas mit einem Strich oder
Streifen versehen, das ist ja die uralte Bedeutung des unserem Mark zu
Grunde liegenden Stammes, und Mark heit zunchst nur Zeichen, dann
Kennzeichen, Grenzzeichen, Grenze, davon Markgraf und marquis, spanisch
marques, italienisch marchese.

Merk ist die niederdeutsche Form fr Mark. Im Seebuch (1400) heit es
merk und merke.

Mark als Mnze bedeutet ein bestimmt abgeschtztes und gekennzeichnetes,
mit einer Marke versehenes Goldstck.


*Messe*, die,

ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen Messe
Vereinigten sich, besonders zum Zwecke der gemeinschaftlichen Einnahme
der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur der Raum,
sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen heimatberechtigt sind,
Messe heit. Man spricht von einer Offiziermesse, einer Kadettenmesse,
einer Deckoffiziermesse. Macht das Offizierkorps eines Schiffes Besuch,
so wird eine Karte abgegeben: Die Offiziermesse S. M. S. ... Ein
Mitglied der Messe wird zum Messevorstand erwhlt. Nicht als ob dieser
dann den Vorsitz bei Tische zu fhren htte, der steht auf
Kriegsschiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die Verwaltung
des gemeinschaftlichen Vermgens, die Beschaffung der Vorrte, berhaupt
die ganze Verpflegung unter sich. Zum Essen gehrt das Trinken. Daher
wird ein anderes Mitglied der Messe beauftragt, die ntigen Getrnke zu
beschaffen und zu verwalten; das ist der Weinvorstand oder Vorstand der
Weinmesse.

In den Garnisonen des Knigreichs Hannover hatten die Offiziere von der
Verbindung mit England her ihre Messen. Sonst ist das Wort, wie es
scheint, in Deutschland auf die Seemannssprache beschrnkt geblieben.

An Erklrungen fehlt es nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu
wenige.

1. Von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten ist der Gedanke an
den katholischen Cultus und seine Messe; wenigstens in Bezug auf die
landlufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des
Priesters an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstck
des Gottesdienstes teilzunehmen: ite, missa est concio! kommen soll.

2. Weil bei Kirchmessen zahlreiche Andchtige zusammenkamen, so fanden
sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen
hatten. So entstand ein Markt, der Messe genannt ward und diesen Namen
behielt als die Kirchmesse wegfiel; Frankfurter Messe, Leipziger Messe.
Da auch hiermit, trotz des Zusammenkommens der Leute, unsere Messe
nichts zu tun hat, liegt auf der Hand.

3. Weit eher knnte man an Herkunft von dem lateinischen mensa, der
Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Messe in der Tat der
gemeinsame Tisch ist. Wirklich heit im Gothischen der Tisch auch mes;
man knnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wre
denkbar auch fr den Fall, da die ltesten Messen gar keine Tische
gehabt htten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch
Schssel heit. Aber es fehlen fr das Wort die Zwischenglieder vom
Gotischen zum Niederdeutschen, und hier ist Messe doch ausschlielich
heimisch.

Zeugnisse fr die Herkunft aus dem Spanischen liegen nicht vor, im
Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete gezeugt, ehe
Spanien in Betracht kam. berhaupt drfen wir nicht in die Ferne
schweifen, solange eine nherliegende Erklrung im Deutschen sich
darbietet. Aus diesem Grunde mu auch

4. Eine Deutung aus dem Franzsischen beanstandet werden, nach der das
Wort Messe von mets, altfranzsisch mes kommen soll. Diese beiden heien
Gericht, Speise, nmlich im Sinne von Aufgetragenes, (aus der Kche
in den Speisesaal) Geschicktes, von mitto ich schicke. Die ziemlich
alte Schreibung mets fr mes erklrt Dietz fr eine etymologische, um
das Wort an das Zeitwort mettre zu knpfen.

5. Man knnte auch an das althochdeutsche massenie, messeni denken,
welches Hofstaat, Gefolge eines Frsten bedeutet, so da die Messe als
Stab des Kommandanten gedacht wre. Dieses messenie kommt von mansio,
die Behausung. Und sprachlich knnte Messe um so eher davon abstammen,
als Mener = Kster davon herkommt, althochdeutsch mesinari,
mittelhochdeutsch messenaere, mittellateinisch mesenarius, mansionarius;
es knnte sogar mansio als Behausung in Messe stecken.

Doch wir wenden uns zum germanischen Sprachgebiet.

6. Hier tritt uns zunchst ein Zeitwort entgegen, das zusammenkommen
bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen knnte, weil die
Messe ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelschsisch
metan, altenglisch meten, altniederschsisch motian, englisch meet. Aber
gerade der Umstand, da dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und
nicht zu s werden lie, verbietet uns mess mit meet zusammenzubringen.

7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich auch die
Ernhrung an Bord so viel besser geworden ist, wird in der Messe nicht
jedem sein Teil zugemessen. Zu Zeiten aber, wo das Essen oft recht knapp
war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Messe an das altfriesische
Zeitwort missa = entbehren zu denken geneigt war, da mag wohl ein
Einteilen und Zumessen ntig gewesen sein. Man knnte daher an das
althochdeutsche Zeitwort mezzan, messen, denken, angelschsisch metan.
Dann wre Messe eines Stammes mit Mutter, denn Mutter bedeutet die
Abmesserin, die Zuteilerin, die Spendende, neben dem Vater als dem
Beschtzenden. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht
so, da Messe unmittelbar von messen kme, es kommt vielmehr noch ein
Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen.

8. Das Essen, die Speise heit gotisch mats, althochdeutsch maz,
altniederdeutsch meti, angelschsisch mete, altenglisch mete. (Weil das
Fleisch ein so wichtiges Essen ist, so hat sich im Englischen und
Niederdeutschen meat, met fr ebares Fleisch eingebrgert.)
Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: *Essen und Trinken*.
Hierzu ist zu vergleichen der altdeutsche mesiban, d. h. der Ebann, das
Speiseverbot, ein scharfes Verbot, einem Verbrecher Speise zu reichen.

In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in
Wien, heit es: Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon ...
gesndigt zu haben in uncdin sclphun, uncdin uuachun, in uncdigimo
mazze, uncdigimo dranche ... Unser neuhochdeutsches Wort Messer hie
althochdeutsch messisahs, also eigentlich Eschwert.

Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das
Wort mess fr Speise. Im Lbecker Zunftrecht steht die Bestimmung: Men
schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd aposteldages,
vthgenahmer koken unde messwerk. Doch hatte sich damals mess, dessen
ursprnglicher Vokal a war, schon daneben ber moes in mos, ja in mus
verschoben. Letztere Form ist besonders bekannt aus der Verbindung
musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes
Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verbindung moshus = Speisehaus,
Speisesaal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung
verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemse auch jetzt auf
Pflanzenspeisen eingeschrnkt ist, so hat es in diesem Sinne desto
unbestrittener Geltung erlangt. Natrlich ist auch Mast damit verwandt,
denn Mast heit auch nichts weiter als Speise, Futter, Ftterung,
Mstung und dieses hat erst in weiterer begrifflicher Entwickelung die
Bedeutung Fettmachung erhalten; wovon msten, das heute noch in
Ostfriesland messen heit.

Vom angelschsischen Hauptwort mete dagegen hat sich das angelschsische
Zeitwort metsian, mesan, altenglisch metsien = essen, gebildet; wobei in
Betracht zu ziehen ist, da heute noch im Englischen to mess = zusammen
essen ist, so da also der Begriff des gemeinschaftlichen Essens sich
bis auf diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprnglich nicht, oder
doch nicht immer geschehen, denn schon im Altschsischen hie mesa der
Speisekorb, der Futterkorb; desgleichen im Altnordischen meis. Man sa
also von Alters her an Bord um Futter- oder vielmehr Speise-Behlter
herum, also um Backen im ursprnglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer
die dergestalt zusammen aen hie Megesinde. Das wird uns zum ersten
Male durch die Freiheiten der Stadt Brgge fr deutsche Kaufleute vom
Jahre 1309 bezeugt: Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben
alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der
zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne,
binnen haren herberghen zonder assise daer of te ghevene, up dat sy 't
niet vort verkopen. Fr maisniede kommt im Flmischen auch meyssenye,
messniede, maysinede vor. Das altnordische meis klingt hier deutlich
durch. Der germanische Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses
Wort ist im seemnnischen Sinne nicht in England, sondern in den
Niederlanden zuerst gebraucht worden.

Es hat eine hnliche Bedeutungsentwicklung wie Bursche,
sptmittelhochdeutsch hie burse Geldbeutel, Brse, Kasse; dann
gemeinschaftliches Wohn- und Kosthaus der Studenten, wo sie aus
gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt studentische
Genossenschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche genannt
wurde.

Unter 7. ist gesagt worden, Messe ist mit Mutter verwandt. Das
Mittelglied ist maz, Speise; dieses hie nmlich ursprnglich
ebensowenig Essen im Allgemeinen wie Fleisch im Besonderen, kommt auch
wohl nicht von einem Stamme der kochen, sondern -- wie Mutter -- von
einem der teilen, zuteilen, zumessen bedeutet, so da maz also das
(einem Menschen zum Verzehren) Zugemessene ist, woher dann Messe als
der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede das Seine
zugeteilt wird.


*Messbrief*, der.

Nach den Gesetzen des deutschen Reiches mssen alle Kauffahrteischiffe
vermessen werden. Dick und Kretschmer I. 60: Fr die Berechnung
des Brutto- und Nettogehaltes der Schiffe und Fahrzeuge
ist ein Vermessungsprotokoll nach einem in der Vermessungsordnung
vorgeschriebenen Schema aufzustellen und der obersten
Vermessungsbehrde, dem Schiffsvermessungsamt, einzureichen. Auf Grund
des Vermessungsprotokolls wird ein *Messbrief* ausgestellt.


*Metacentrum*, das,

ist ein fr die Berechnung der Stabilitt eines Schiffes uerst
wichtiger mathematischer Punkt, nmlich der jedesmalige
Durchschnittspunkt der Vertikalen aus dem Deplacementsschwerpunkt in der
aufrechten Lage des Schiffes mit der vertikalen aus dem jedesmaligen
Deplacementsschwerpunkt bei jeder geneigten Lage. So die technische
Erklrung bei Dick und Kretschmer I. 114, 115; die sprachliche Anmerkung
zu dieser Stelle ist jedoch zu berichtigen. Es heit da: Das Wort
Metacentrum, welches sich zuerst in Bourguers Werk Trait du Navire
1746 angefhrt findet, kann nur aus den lateinischen Worten meta
(Endpunkt, Ziel) und centrum zusammengesetzt, betrachtet werden; nach
anderer Ansicht auch als eine Zusammensetzung der griechischen Worte
Mta (Wechsel) und kentron (centrum). Meta ist aber, wie unzhlige
andere Zusammensetzungen beweisen, z. B. Metamorphose, Metapher,
Metaphysik, Metastase, Metempsychose, die griechische Prposition, die
inmitten, zwischen, unter, in Verbindung, in Gemeinschaft, im Verein, in
Begleitung, gepaart, mit, nebst, neben, unter, nach, zu, auf u. s. w.
bedeutet; im Allgemeinen ist sie Bezeichnung einer Gemeinschaft:
Metacentrum ist also der Punkt, den die zwei genannten senkrechten
Linien mit einander *gemeinschaftlich* haben, mit der auch in meta
liegenden Nebenbedeutung, da dieses Centrum rumlich *ber* dem
Deplacementsschwerpunkt liegt.


*Miek*, die,

ist begrifflich nahe mit Klau verwandt, wird aber nicht nur fr den
gabelfrmigen Ausschnitt der Gaffel, sondern auch fr den gegabelten
Stock oder Pfahl gebraucht, in dem der niedergelegte Mast, der
Besansbaum etc. etc. festliegt; in Ostfriesland auch das
gabelfrmige Holz an der Pumpe, in dem der Schwengel sich bewegt.
Mittelniederlndisch, bei Kilian micke = furca, Gabel. Sollte nicht, da
die Gabel doch eines der ursprnglichsten mechanischen Werkzeuge
darstellt, Miek eine Zusammenziehung von Mechanik sein? Da eine solche
mglich, ja tatschlich vorhanden ist, beweist die Tatsache, da im
Gebiet des Rheinfrnkischen Mick die mechanische Vorrichtung zum Hemmen
beider Wagenrder heit; im Gegensatz zu dem nur ein Rad hemmenden, weit
einfacheren Hemmschuh, stellt sie eine Mechanik dar, deren
Zusammenziehung in Mick um so eher mglich war, als sie meist mit dem
Ton auf der letzten Silbe ausgesprochen wurde und wird.


*mistig*, vergl. diesig,

bedeutet nebliges, trbes, dreckiges Wetter. Must gy int Schager-Rack
by nacht offt in mistig wedder laverren ... Vom niederdeutschen,
niederlndischen, englischen mist = Nebel; mist het den oost in der
kist (Brem. Wrterbuch). Im Bewulf mistig, mist-heid = Nebelkippe;
Kilian miest = nebula. Davon Mistel als die Pflanze die durch den Mist
der Vgel auf Bumen ausgest wird. Denn dieses niederdeutsche Mist und
unser hochdeutsches Mist sind ein und dasselbe Wort, nur in der
Bedeutung ein wenig auseinandergegangen. Sanskrit-Wurzel mih = ergieen,
besprengen; beregnen; auch ein Substantiv mih ist vorhanden: feiner
Regen, Nebel. Althochdeutsch migan, neuniederdeutsch migen = pissen,
harnen; lateinisch mingere.


*Missweisung*, s. Variation.


*Mittagshhe*, die,

nmlich der Sonne, ist die Hhe der Sonne wenn der Mittagspunkt
derselben im Mittagskreise seines Beobachters steht, welches die grte
Hhe ist, die sie fr diesen Beobachter erreichen kann.


*Mittagsschuss*, der,

ist ein in einem Kriegshafen von dem jeweiligen Wachtschiff abgefeuerter
Kanonenschu zum Zeichen, da es genau 12 Uhr ist. Es haben sich mit der
Zeit und mit dem Gange ihrer Uhren die brigen Schiffe und auch die
Uhren am Lande, soweit der Einflu der Marine in dieser Beziehung
reicht, nach diesem Schusse zu richten.


*Mittagswimpel*, der,

ist auf unseren Kriegschiffen der Wimpel der gehit wird wenn es zum
Schaffen, zum Mittagessen geht, also ein hochwillkommenes Signal,
zumal es nicht nur die Essenszeit, sondern berhaupt die Mittagspause im
Dienste, die mittgliche Freizeit von 12 bis 1-1/2 h bezeichnet.


*Mittagskreis*, der, s. Meridian.


*Mitteldruckmaschine*, s. Maschine.


*mittschiffs*

ist ein ziemlich unbestimmtes Adverbium mit dem etwas nher bestimmt
wird das sich nicht vorn, aber auch nicht achtern befindet. An eine
mathematische Mitte ist schon garnicht zu denken. Aber das ist zu
betonen, da es nicht blo die ungefhre Mitte zwischen hinten und
vorne, also nicht blo die Mitte der Lnge nach, sondern auch die Mitte
der Breite nach bedeutet, und zwar die ganze von hinten nach vorne
gedachte, von beiden Bordwnden gleich weit abstehende Mittellinie oder
Lngsachse des Schiffes. Man sagt: Das Schiff wurde mittschiffs
gerammt, bei einem Vollschiff also etwa zwischen Gromast und Fockmast;
man sagt aber auch: Das Schiff hat sein Ruder mittschiffs liegen d. h.
die Ruderpinne befindet sich in der Mitte zwischen beiden Bordwnden, in
der Mittellinie.


*Moker*, der, s. Kalfatern.


*Mole*, die,

im Munde des niederdeutschen Seemanns wohl auch Mulje, ist jetzt ein
Steindamm oder vielmehr eine Kaimauer, die den Eingang eines Hafens
zugleich bildet und schtzt. Frher ganz allgemein ein Damm oder Deich.
In der Chronik des Landes Dithmarschen von Neocorus heit es: up de
mohle is ein grot inbrock geschehen. Hollndisch mole, dnisch mullie,
schwedisch mlja, englisch mole, franzsisch mole, italienisch molo,
spanisch muelle, portugiesisch molhe -- alles zurckgehend auf das
lateinische moles, Masse, Last, groe Steinmasse, Damm. Bei San Lucar de
Barrameda befand sich sehr frh eine Mole. 1588 schreibt Waghenaer im
Spiegel der Zeevaerdt: Voorts om te weten die mercken vanden steen
oft droochte die int gadt van S. Lucas ligghende syn, als de Molen ende
t'witte Clooster staende opt Oostereynde van S. Lucas ouer een comende
...


*Monsun*, der,

ist ein im Indischen Ozean in regelmigen Perioden stets aus gleicher
Richtung wehender starker, sich oft bis zum Sturm steigender Wind, von
Oktober bis Mrz aus Nordost, von April bis September aus Sdwest
wehend. Das Wort lautet franzsisch monson, monon, spanisch monzon,
portugiesisch monsao und stammt aus dem Arabischen, wo mansim bedeutet a
time, a season, the favourable season for sailing to India; also:
gnstige Jahreszeit.


*Mooring*, die,

ist eine besondere Befestigung eines Schiffes durch Anker, Ketten,
Taue, um es in der Lage zu halten, in der man es haben will, aus der es
um irgendwelcher Grnde, wie Raummangel, Rcksicht auf die Windrichtung,
willen sich nicht herausbewegen soll; also eine Befestigung des Schiffes
zur Vermeidung des Schwojens. Man nennt es auch ein Schiff vertuen.
Vergl. auch Spring. Das Zeitwort mooren, hufiger vermooren, hat seinen
langen o-Laut von der dunklen niederdeutschen Aussprache des a, denn es
heit eigentlich marren = binden, festbinden, befestigen. Von ihm ist
das andere seemnnische Zeitwort marlen ein Iterativum. Schon dem
Teuthonista war das Wort bekannt, und zwar in der Form merren; er
schreibt: cabel-lyn reep, seel, to vo dair mede men eyn schyp an dat
lant vestiget offte merret.


*Morgenwache* s. Wache.


*Mufferdeischuner*, der,

(vergl. John Brinckman, Kasper Ohm un ik), ein Schuner, oder vielmehr
eine Brigg, oder noch besser eine Schunerbrigg, eine Brigantine, that
is square-rigged forward and schooner-rigged aft, also ein Schiff, das
am vorderen Maste Rahesegel, am achteren Schratsegel (s. d.) hat.
Mufferdei soll eine von deutschen Seeleuten zurechtgemachte Form des im
Englischen gebruchlichen Hermaphrodite sein, wrde also ein Zwitterding
bedeuten, wegen der zweierlei Segel oder zweierlei Masten. Aber
zweierlei Segel und Masten hat schlielich jedes Schiff. Die Erklrung
mag hier dahingestellt bleiben, da das Wort ohnehin in der
neuhochdeutschen Seemannssprache kaum gebraucht wird. Im
Korrespondenzblatt fr niederdeutsche Sprachforschung vom Jahre 1895 ist
Nheres darber nachzulesen.


*Mundpfropfen*, der,

ein Pfropfen, der in die Mndung einer Kanone gesteckt wird, wenn
diese auer Gebrauch ist. Das Wort bedrfte der Aufnahme nicht, wenn man
nicht im Munde der Kriegsschiffsleute fters die Frage, in bertragenen
Sinne als Ausdruck der Verlegenheit, hrte: Wo legen wir den
Mundpfropfen hin. Dieses geflgelte Wort stammt aus einer
Geschtzinstruktion an Bord eines S. M. Schiffe. Als einmal ein
Feuerwerksmaat seiner Geschtzbedienung genau alle Handgriffe und
Bewegungen beim Klarmachen eines Geschtzes zum Exerzieren
auseinandergesetzt hatte, endigte er seine Instruktion etwas allzu
wichtig tuend mit den Worten: Nun entsteht aber noch die groe Frage:
wo legen wir den Mundpfropfen hin?, den zum Exerzieren aus der Mndung
herausgenommenen.


*mustern*

heit jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich in dem
Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also zusehen, ob
er oder es dem Muster gem, musterhaft ist. Auf unseren Kriegsschiffen
ist Musterung schlechthin die tgliche Musterung der Mannschaft und des
Schiffes durch den Kommandanten, welche als Sonntagsmusterung
besonders feierlich und grndlich vorgenommen wird. Es gibt aber auch
besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehr- etc. Musterung. Im
Teuthonista heit das Wort noch monsteren, und so kann man es auch heute
noch seemnnisch und berhaupt niederdeutsch hren. In dieser Form lt
es seine Abstammung von monstrare zeigen, deutlicher erkennen. Doch hat
das Wort eine wesentliche Bedeutungsverschiebung erlitten, denn
eigentlich ist es der Mann der mustert, nmlich sich seinem Kommandanten
zeigt, aber jetzt heit es: Der Kommandant mustert den Mann. Die
Verschiebung hat sich wohl ber das Substantivum Musterung bewegt, indem
diese die Veranstaltung ist, bei der die Matrosen sich zeigen, bei der
sie also besehen werden, und dieses Besehen ist dann als das
Wichtigste in den Vordergrund getreten.

Er lt sich anmustern, sagt man, wenn einer sich zum Eintritt in
einen Dienst vorstellt, zeigt; er wird dann in die Musterrolle
eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem Dienst treten,
gebildet, ohne da der Begriff monstrare berhaupt noch in Betracht
kme, der aber in dem kaufmnnischen Muster und in Monstrum noch zu
erkennen ist.


*Mut*, *Mutte*, die,

ein Fahrzeug an der friesischen Kste mit flachem Boden und zwei
Farunners anstatt einer Kajte. Es sieht plump und wenig schmuck aus, so
da die Vermutung nahe genug liegt, der Name komme von mutte = Sau,
Mutterschwein. Das ist nicht gerade fein, aber die Weserkhne werden von
den Hamburgern Schweinskpfe genannt, wogegen die Weserschiffer die
Hamburger Ewer mit dem Ehrennamen Kreijenkieper nennen und von ihnen
zu sagen pflegen: Gro von Masten, klein von Lasten.




N.


*Nachen*, der,

ist eigentlich kein seemnnisches Wort mehr. Wohl ist es frher eins
gewesen, denn im Bewulf wird naca sogar fr seegehendes Schiff
gebraucht, aber zur Zeit ist es nur bei Nichtseeleuten und nur im
Binnenlande, namentlich in Hochdeutschland als gleichbedeutend mit Kahn,
das auch kaum seemnnisch gebraucht wird, blich.

Es besteht die Neigung, Worten die mit a anlauten ein n vorzusetzen, z.
B. rs, nrs; Ast, Nast; ost, nost; arren, narren (mit dem Schlitten
fahren); ort, nort (Spitze). Das kommt daher, da das n unbestimmten
Artikels zu dem Anfangs-a des Substantivums hinbergezogen wird, wie
Nobiskrug aus 'n Abyssuskrug entstanden ist. So knnte man Nachen
erklren als Achen mit solch einem n davor. In der Tat findet sich
nmlich dieses Achen in oberdeutschen Mundarten vor, niederdeutsch aak,
ake, ak; niederlndisch aak neben naak. Wenn man nun ak oder ach fr die
ursprnglichere Form ansehen drfte, so lie sich die Sache so erklren:
man sprach von einer Achenfahrt und meinte damit eine Wasserfahrt (aha,
ahwa, aqua, ach, ahe, a = Wasser) und hernach meinte man, zu Zeiten, da
ach als Wasser nicht mehr verstndlich war, Achen sei das, womit man auf
den Wasser fhrt, ein Boot. Dem steht aber die angelschsische Form naca
entgegen, da sich zur Zeit des Bewulf diese Bedeutungsverschiebung noch
nicht vollzogen haben konnte. Es mu demnach eine andere Erklrung
gesucht werden. Mit einiger Zaghaftigkeit hat man auf das lateinische
navis hingewiesen. Ich mchte eine andere Mglichkeit erwhnen.
Bekanntlich ist das lateinische nix aus snix entstanden. Dem
entsprechend knnte auch in unserem Worte ein anlautendes s geschwunden
sein. Dann kme es von einer Wurzel sna, snu und gehrte zum
althochdeutschen snahhan = gleiten, schlpfen, schleichen, kriechen,
sich bewegen, flieen durchs Wasser gleiten, schwimmen, vergl. englisch
snake, Schlange, auch niederdeutsch snake = Schlange. Dann wre Nachen
ein durch Wasser dahingleitendes Ding. Aber die Sprache htte sich
dann nicht mit einmaligem Schwund eines Anlautes begngt, sondern es
wre ein zweimaliger erfolgt; es wre auer dem s auch noch zuweilen
das n abgefallen und Nachen wre nicht aus Achen, sondern Achen aus
Nachen entstanden.


*Nachtwache*, die, s. Wache.


*Nadir*, der,

ist der dem Zenith entgegengesetzte Pol des Horizontes, der Fupunkt im
Gegensatz zum Scheitelpunkt, der Punkt der auf der anderen Seite der
Erdkugel dem Scheitelpunkt entgegengesetzt ist. Arabisch und persisch
nadir, nazir, von nazara gleich sein, sich entsprechen, entgegengesetzt
sein, ein Gegenstck zu etwas bilden.


*Nagelbank*, die,

ist ein an der Binnenseite des Wants oder sonst an passender Stelle
angebrachtes Stck Holz, in dem die Koveinngel zum Belegen laufenden
Gutes befestigt sind.


*Naht*, die,

bedarf nur im Sinne von Decksnaht einer Erklrung, indem es die Fuge
zwischen zwei Decksplanken bedeutet. Es hat also mit nhen keine
Gemeinschaft, kommt vielmehr vom althochdeutschen hnjan, nuoen =
einsetzen, genau zusammenfgen; davon althochdeutsch hno, n, nua, nuo,
nuoha = Fuge, schmale Ritze, Nut. Dieses Nut wre die richtige Form des
Wortes, wie es unsere Handwerker auch tglich gebrauchen, Naht aber ist
auch eine der vielen Verdunkelungen, die von Unkundigen bei der Aufnahme
ins Hochdeutsche verschuldet worden sind.


*Nahrungszweig, erlaubter*,

nennt man wohl scherzhaft die Seefahrt. Wenn einer ihrer bei andauernd
schlechtem Wetter oder sehr langem Seetrn recht mde ist und sie
verwnschen mchte, so fngt er wohl mit einer Verwnschung an,
unterbricht sich dann aber und sagt: na, sie ist ja aber ein erlaubter
Nahrungszweig. Der Ausdruck stammt aus der alten Litanei, die auf
Schiffen, wo ein Pfarrer ist, an Bord und in den Marinekirchen am Lande
am Butag gebetet wird und bis vor Kurzem eine Frbitte enthielt fr
Bergbau, Handel, Seefahrt und andere erlaubte Nahrungszweige. Das
Gebet ist also zu einer Zeit verfat, in der die Seefahrt vielfach als
unerlaubter Nahrungszweig, als Seeruberei, betrieben wurde.


*Navigationsoffizier*, der,

ist an Bord der Kriegsschiffe der Offizier der alles unter sich hat, was
zur Navigation im engeren Sinne gehrt, dessen Aufgabe vor allen Dingen
die Bestimmung des Mittagsbestecks ist, der berhaupt die astronomischen
Beobachtungen anzustellen und zu leiten hat, der das Meteorologische
besorgt, unter dessen Verantwortung die Chronometer bedient werden, der
die Karten- und Instrumentenkammer unter sich hat, also einen
verantwortungsvollen Posten bekleidet. Daher wird ein lterer Offizier
dazu genommen, der nchste nach dem ersten Offizier; er ist wachfrei und
hat auch sonst mit dem Schiffsdienst weniger zu tun, damit er sich ganz
seiner besonderen Aufgabe widmen knne. Unter ihm steht mit seinen
Maaten und Gasten der Steuermann, den man bei der Marine eine Zeit lang
Navigations-Bootsmann nannte; nicht sehr glcklich, so da man
erfreulicherweise bald wieder davon abkam. Das Fremdwort Navigation war
schon frh im Gebrauch. Waghenaer gebraucht es schon 1588: Alsoo onse
particuliere Zee-Caerten die wy vande Westersche, Oostersche ende
Noordtsche navigatien, eensdeels hebben laten vtgaen ende d'andere (met
Godes hulp) mede van meyninghe syn eerstdaechs int licht te doen
brenghen ...


*Napier'scher Turm*, der, s. Turm.


*Neer*, das,

heit das fallende Wasser, der Ebbstrom, der zurckflieende,
rcklufige Strom, das Wasser, das durch irgend ein Hindernis eine der
Hauptstrmung entgegengesetzte Stromrichtung erhlt, wie dies bei der
vorspringenden Stelle eines Ufers, bei einer Sandbank etc. etc.
geschieht; niederlndisch neer, neere = Gegenstrom. Doornkaat drfte mit
seiner Vermutung recht haben, da neer Zusammenziehung von neder =
niedrig sei, indem Ebbestrom das ursprnglich Ausschlaggebende war, und
der hat niedrig Wasser im Gefolge.


*Nehrung*, die,

Name der langen, schmalen Halbinsel an der preuischen Ostseekste. Weil
Nehrung eine schmale, also auch enge Landzunge ist, so hat man an das
altschsische narn enge gedacht. Da aber eine solche Landzunge leicht
nderungen in der Strmung, Strudel und dergl. erzeugt, so wre in
Betracht zu ziehen, ob wir hier nicht eine Weiterbildung von Neer (s.
d.) vor uns haben.


*Nes*, die,

auch Nesse, Halbinsel, Vorsprung, Landzunge, Name der Halbinsel Nesse
bei Emden, der Ortschaft Nesse bei Norden; englisch ness, in Sheerness;
altnordisch, norwegisch nes; schwedisch ns, dnisch nes, naes
Vorgebirge, Kap; Lindesns und andere. Das Wort ist kein anderes als die
niederdeutsche Form fr unser hochdeutsches Nase.


*Niklausse-Kessel* s. Kessel.


*Niederdruckmaschine* s. Maschine.


*Niederholer*, der,

ist ein laufendes Tau, das an solchen Segeln angebracht wird, die, wenn
ihr Fall losgemacht ist, nicht von selbst sinken, sondern, eben mit
Hilfe des Niederholers, niedergeholt werden mssen. Er wirkt in der
entgegengesetzten Richtung des Aufholers. Klver und Stagsegel haben
dergleichen Niederholer.

Auch gibt es Niederholer fr die Bramrahe und Oberbramrahe, die mit
diesem Niederholer an Deck bezw. in den Mars niedergeholt werden.


*Nipflut*, die

= niedrige Flut. Das niederdeutsche Zeitwort nippen heit mit dem Kopfe
nicken, den Kopf sinken lassen. Dem entspricht das Hochdeutsche nippen,
den Kopf fters sinken lassen um in kleinen Schlucken zu trinken.
Mittelniederdeutsch nipen sinken, niedergehen, heruntergehen, sich
senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heit Nicken, das Sichneigen
des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff *niedergehen* kommt das
angelschsische nipan = obscurari, weil niedergehende Gestirne dunkel
werden, bezw. dunkel machen. Es ist also Nipflut mit niedrige Flut zu
bersetzen.

Breusing mochte dieses Wort vergl. Gezeiten, nicht leiden, weil er es
fr englisch und deutschen Seeleuten unverstndlich hielt. Er mchte
dafr taube Gezeit eingefhrt sehen. Man unterscheidet Springzeit und
taube Gezeit in hnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen
unterscheidet, die aufspringen, wenn sie voll und reif sind. Es hat
sich aber Nipflut so in der wissenschaftlichen Welt eingebrgert, da an
ein Verdrngen nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so
ausschlielich englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s.
d.) englisch ist.


*nisseln*,

fein, sanft, langsam regnen, so da keine groen Tropfen, ja berhaupt
kaum Tropfen, sondern kaum etwas mehr denn feiner Nebelregen
herniederkommt. Das niederdeutsche Zeitwort nsseln heit langsam sein,
zaudern, sumen, nicht vorwrts kommen, nichts beschicken, keine ganze
Arbeit tun. Offenbar ist letzteres auch die Bedeutung von nisseln =
regnen, ohne da es ganzer, richtiger Regen ist, regnen mit halber
Kraft, mit halber Arbeit. Nsseln knnte gleich nsteln sein, und dieses
ist gleich nesteln, kleine, tiftelige Arbeit tun, Arbeit die viel Zeit
braucht, ohne da sie viel zu Stande bringt.


*Nitsel*, das,

auch Nitzel geschrieben, heit ein dnnes, kurzes, getakeltes Stcken
Garn, mit dem die Seeleute ihre Wsche an der Wschejolle zum Trocknen
aufhngen oder vielmehr festbinden, besonders aber das Bndsel oder
Nestel, mit dem man die Hngematte zusammennestelt, zurrt. Fr Nestel
hrt man wohl auch Nistel und davon ist Nitsel eine einfache Umstellung.


*Nock*, die,

die spitze Ecke eines Segels, die uerste Spitze einer Rahe. Weiland:
Nok een woord, dat in het gemeen het opperste toppunt van iets, het
niderste einde schijnt beteekend te hebben. In het bijsonder is het in
gebruik voor het opperste van het dak. Auch im Niederdeutschen wird es
fr First gebraucht; norwegisch nuk, Bergspitze.

Die Grundbedeutung ist biegen, beugen, krmmen, in einem Winkel sich
umbiegen, eine scharfe Ecke bilden. So hie also zuerst die uerste
Ecke des Segels Nock, und von ihr ist der Name auf den
nchstbenachbarten uersten Teil der Rahe bergegangen; wie umgekehrt
der Name Klau vom Ende der Gaffel auf den benachbarten Teil des Segels
berging.

Da durch das Nicken eine Biegung und Krmmung entsteht, so wird Nock zu
nicken zu stellen sein und als verwandt mit Nacken und Genick angesehen
werden mssen.


*Nockgording* s. Gording.


*Normandkessel* s. Kessel.


*Normalnull* s. Nullpunkt.


*Normnner*, die,

heien zwei querschiffs stehende an den Betings befestigte eiserne Arme,
dazu dienend, den Betingschlag der Ankerkette frei von Deck und die
beiden Parten frei von einander zu halten. Frher war ein Normanne ein
Stck Holz zur Befestigung des Ankertaus; der Name stammt aus England,
wo man die Vorrichtung fr so alt gehalten haben mu, da sie noch von
den alten Normannen, die mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen,
abstammend angesehen wurde.


*Notschuss*, der,

ein Schu den ein Schiff in Seenot abfeuert um Hilfe herbeizurufen. Er
hat natrlich nur Sinn und Zweck, wenn berhaupt eine Kste nahe ist und
wenn sich an ihr Rettungsmittel befinden, die auf den gefeuerten
Kanonenschu hin bereit sind, in Ttigkeit zu treten.


*Null!*

hrt man an Bord oft rufen wenn Beobachtungen oder Messungen vorgenommen
werden bei denen es darauf ankommt, einen genauen Zeitpunkt zu haben. Es
gehren zwei zu solcher Messung, einer der das Meinstrument und einer
der die Uhr im Auge hat. Sobald der bestimmte Zeitpunkt da ist, wird in
demselben Augenblick kurz, laut, scharf Null! gerufen; man knnte auch
irgend einen anderen Ton von sich geben, aber dieser ist kurz und
deutlich und daher einmal als zweckentsprechend eingefhrt, zuerst
natrlich, weil der genannte Augenblick als Nullpunkt fr die Berechnung
dienen sollte.


*Nullpunkt*, der,

Dick und Kretschmer I. 232: Die Pegel der Hafenpltze beziehen sich auf
das mittlere rtliche Niedrigwasser. Werden die Nullpunkte jedoch in
Verbindung gebracht mit dem Normal-Null, gleich dem Amsterdamer Null
oder dem mittleren Wasserstande der Ostsee, gleich 37 m unter dem
Normalhhenpunkte der Sternwarte in Berlin, dann ergibt sich das
Folgende: Der Nullpunkt des Pegels liegt unter Normal-Null

      in Wilhelmshaven  0,578 m
      "  Bremerhaven    2,075 "
      "  Brunsbttel    0,230 "
      "  Holtenau       0,330 "
      "  Cuxhaven       3,639 "




O.


*Ocean*, der,

griechisch okeanos, bei Homer der die Erde wie das Meer rings
einschlieende Weltstrom, Urquell alles dessen was ist, aus dessen
Fluten sich die Gestirne erheben, so wie sie auch wieder in ihn
zurckkehren. Spter das Weltmeer, von dem es im Besonderen wieder einen
indischen und westlichen Ocean gab. Okeanos war in der griechischen
Mythologie personifiziert, Sohn des Uranos und der Ga, Gemahl der
Thetis, Vater einer Menge von Shnen und Tchtern (der Gewsser), ein
Gott, der an Macht nur dem Zeus wich. Der deutsche Seemann kennt nur
drei Oceane, den atlantischen, den er gern kurzweg den Atlantik nennt,
den groen, fr den er gern Sdsee sagt, und den indischen. Die
Englnder haben auerdem noch einen arctic und einen antarctic ocean.

In dem Worte Ocean steckt unser altdeutsches aha, lateinisch aqua =
Wasser, mit verdunkeltem a wie bei dem oog in Wangeroog, Spiekeroog,
Langeoog etc. etc.


*Ochsenauge*, das,

war vor hundert Jahren fr nichts anderes im Gebrauch als fr eine
ffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein Stckchen
blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint, durch solch
eine ffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man bekomme ihn
daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese ffnung zeigt.
Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenber steht, so hat es die Farben
eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine Wettergalle. Steht
es aber bei der Sonne, so ist es gewhnlich ein Vorbote von schlechtem
Wetter. Seit uralten Zeiten waren groe Augen bei den Frauen fr schn
geachtet, daher das berhmte boopis im Lateinischen wiedergegeben werden
konnte mit grandibus oculis praedita. Es lag nahe, einen solch
freundlichen Himmelsblick ein Auge zu nennen, da es gerade ein
Ochsenauge sein mute, zeugt davon, da unter unsern Seeleuten schon im
18. Jahrhundert sich junge Leute befanden, die die Bnke hoher Schulen
gedrckt und mit dem vermeintlich freien Seeleben vertauscht hatten.

Heute heit in begrifflicher Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge
ein kleines, rundes, wenig aber doch immerhin etwas Licht spendendes
Stck Glas, das in einer Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei
es, da es von oben durch das Deck, sei es, da es von der Seite durch
die Bordwand leuchtet, Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei
uns meist Bullei genannt.


*orientieren*,

kommt ursprnglich aus der Baukunst und wurde zuerst von Kirchen
gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden, da der
Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete Kirche hie
und heit orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte sich jeder
leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten, weshalb man bald
sich oder jemanden orientieren gebrauchte fr informieren,
zurechtweisen, belehren u. s. w. Aus dem Umstande, da mittelalterliche
Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen Teilen nicht genau
orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage geschlossen, man habe
die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar nach der Magnetnadel
vorgenommen, aber die Miweisung auer Acht gelassen.


*Orkan*, der.

So heit jetzt jeder Sturm, der sich ber das gewhnliche Ma des
Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der Bezeichnung
orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal ein Glasdach
abgedeckt wird; ursprnglich waren aber nur die besonders schweren
westindischen Strme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem
karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch
huracan, welches die dem Ursprnglichen am nchsten kommende Form sein
drfte; italienisch uracano, franzsisch ouragan, niederlndisch orkaan.
Die Englnder haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane.
Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen.


*Orlogschiff*, das, s. Kriegsschiff.


*Orlopbalken*, *Orlop*, *Overlop*, s. Deck.


*Ort*, der.

Es gibt fnf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1. Schusterahle, 2. Ma,
3. eine Mnze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz. Sie kommen aber alle
fnf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer Punkt, Anfang, Ecke,
Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der See in den
Bezeichnungen Darserort, Brsterort, Friedrichsort erhalten hat und der
in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen oort noch
ausschlielich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd fr
Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die
Messerspitze heit, wie im Angelschsischen ord ganz allgemein
Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Ma und Gewicht und Mnze
sagt Kluge, 276: Zunchst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch
ein Kreuz in vier Orten, d. h. Ecken geteilten Mnzen ausgegangen und
erst dann auf Ma und Gewicht bertragen worden.

Die Bezeichnung rtje, rtchen fr die kleine ostfriesische Mnze, im
Werte von 1-1/4 alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht
verewigt, das Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der
hannoverschen Garnison in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat.

Wen gy von ein Land na dat ander segeln willen, und gy alden juw
Gissing willen maken, so mcht gy erst den Huck offt Ort des Landes,
dewars, von juw aff gegeben, ehr und bevor gy de Glese kehren,
Beschriving van der Kunst der Seefahrt, 1673. Da Ort ein langes o
hat, geht schon aus den obigen alten Formen hervor, wird aber besttigt
durch das Seebuch von Manson, Lbeck 1735: Vons West Ende von Femern
nach dem Inlauff von Kiel ist es Westen zum Sden 5 Meilen, die Frde
ist gro und weit, ihr lasset das Casteel, *Friedrichs Ohrt* im
Aufsegeln am Sthrbord, man gehet dann das Frde auf nach der Stadt zu.

Von Kieler-Fhrde bi Eckern-Frde ist es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist
gleichfals eine grosse weite Frde, man segelt hier fr die Stadt
gleiches Nahmens.


*sen*

heit schpfen, ausschpfen, besonders das Wasser aus einem Boot mit
einem Schpfer, sfa genannt, ausschpfen. Schon Kilian bersetzt oozen
mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, indem
es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. Das
beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gieen; auster das Wasser
das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das
Auszuschpfende; aust-skota, das Schpfgef. Es beweisen es auch die
Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben.
Wangeroogisch und berhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederlndisch
hoosen = schpfen, hoosvat = gieter, Gieer.

Friesisch eaze, mittelst des easfet. Wol beslein, zei Anke de scipper,
it scip forlern, ind it easfet bihalden. Bei der Lneburger
Salzgewinnung heit oseammer, osammer der Schpfeimer und der
Solschpfer fhrt den Namen oser. Von Bremen bis Wangerooge heit der
unterste Rand des Daches von dem das Regenwasser auf die Erde trpfelt
oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz im ganzen niederdeutschen
Sprachgebiet heit sen schpfen oder gieen; een se, dar dat segel
mit genettet werdt. Und auch im Oberdeutschen heit Oese das
Schpfgef; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, Griff, denn
das kommt gem einem bei Willmans I. 85 auseinandergesetzten
Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das = Ohr ist.

Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen lt: er verast es;
das mu eigentlich heien: er verst es, giet es aus, verschttet es.




P.


*P. and O.*

Abkrzung fr Peninsular and Oriental Line, eine Schiffahrtslinie die
ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien und Portugal und mit
dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhlt. Im Abkrzen sind die
Englnder gro; Gib fr Gibraltar und Frisco fr Francisco und Hock fr
Hochheimer kann man auf jedem englischen Kriegsschiffe hren, und in
ganz Indien, China und Japan hrt man nie anders als von P. and O. =
Dampfern reden, wenn man von dieser englischen Linie und ihren Schiffen
spricht.


*p. m.* s. a. m.


*Pageie*, die,

heit nach Roeding (1794) bei den Negern an der afrikanischen Kste und
auch bei den Indianern eine Art Riemen mit breitem Blatt. Wort und Sache
scheinen zu uns auf dem Wege ber Frankreich gekommen zu sein,
franzsisch pagaye, Zeitwort pagayer, und der Ruderer mit diesem
Werkzeug heit pagayeur. Die Pageie wird nicht auf den Dollbord
aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes sitzende pagayeur
rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder haltend. L'effet de
la Pagaye est plus considrable que celui de l'aviron, mais sa manoeuvre
exige plus de force et fatigue davantage. (Bonnefoux et Paris, marine 
voiles 542.)


*paddeln*

heit auf eigentmliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen. Es
scheint, da in England sich der Name Pageie nicht eingebrgert hat, (s.
d.) vielleicht weil man dorten fr ein hnliches Werkzeug den sehr
populren Namen paddle hatte, der sich nicht verdrngen lie, a sort of
short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and
boats. Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders
indessen das Zeitwort paddeln, eine Ttigkeit anzeigend durch die das
Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentmliches Schwimmen, so
bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder
eine Krte hie aber angelschsisch pada und heit englisch paddock,
niederdeutsch padde.


*Packung*, die.

Packen heit zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen fr die Reise
in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer Kommode
unterbringen, in Ordnung bringen, sichern; daher heit die Dichtung
einer Gas- oder Dampfrhre, weil sie eine Sicherung darstellt, Packung
s. Bagger, Baginrahe, Packetboot.


*Packetboot*, das,

ein Schiff das regelmige Fahrten ausfhrt und dabei Passagiere, Gter,
Packete und Briefe befrdert, also das vorstellt, was man jetzt
gewhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit dem
niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und
Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn
wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen
Stck alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack
vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, da alles was
zusammengeschnrt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als
Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heit
Packetpost, das Schiff das dergleichen befrdert Packetboot.


*Pall*, das,

ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rcklauf zu verhindern. Pall,
englisch pallet, heit das im Winkel gebogene Ende des Armes eines
sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zhne des Zahnrades eingreift.
Das Bremer Wrterbuch kennt das Wort in verschiedenen Bedeutungen. Wenn
das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen die (das Spill
drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher haben wir die
sehr gebruchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich stehen,
standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to Pall
kamen, bel anlaufen, mit vieler Mhe seinen Zweck erreichen.

Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff
steht pall, steht fest. berhaupt ist mit dem Worte der Begriff *fest*
verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun,
das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem
auch in deutschen und niederlndischen Stdten (Halle, Altona, Utrecht)
beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der
Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht
zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen;
allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen
mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff fest doch noch
strker zur Geltung gekommen zu sein.

Ich finde das Substantivum die Pallen zuerst in der Beschriving van
der Kunst der Seefahrt, 1673: Es she berall sauer aus, und die Noth
war da, derohalben entschlo ich, da wir wolten da erste Land fr das
beste erkiesen; auff da wir in der See nicht vergehen mchten; den
zuvor drffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil
die Pallen von da Bratspie weg wahren, den so wir zum Ancker gehen
muten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so
der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Kor nachs
heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande
Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de
Wall.


*palmen*

heit Hand ber Hand holen, also nicht wie solches auf Kriegsschiffen
gewhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand auflaufen, sondern mit
wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand vor die andere setzt, in
die Hhe ziehen; das Gegenteil davon ist fieren, was auch Hand ber Hand
geschehen mu damit der zu fierende Gegenstand oder vielmehr das an ihm
befestigte Tau nicht schliere.

Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die
stolzen Palmen wegen der hnlichkeit ihrer Bltter mit einer flachen
Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben.

Die Hand wurde auch ebensogut wie der Fu und der Ellbogen als Ma
benutzt und man gebraucht dementsprechend palmen auch fr messen.


*Palstek*, der.

Stek heit Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch eine Schlinge;
Pal heit Pfahl; darum aus dem Ganzen einen Pfahlstich zu machen ist
ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut
niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentmliche des Palsteks ist, da
er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dkdalben gelegt wird,
auch wenn Kraft darauf kommt, und da man, sobald die Kraft zu wirken
aufhrt, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem
Dkdalben abnehmen und ber einen anderen streifen kann, wenn etwa ein
Schiff verholt werden soll.


*Pampero*, der,

ist ein heftiger, pltzlich und berraschend aufkommender, mit schwerer
B einsetzender Wind an der Kste von Sdamerika; aus Westen wehend, hat
er seinen Namen von den Pampas, ber die er hinwegstreicht. Schon
manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist gekentert, wenn es sich an
jenen Ksten von einer so schwer vorherzusehenden weien B
berraschen lie.


*Pantry*, die,

ausgesprochen Pntry, also ber England zu uns gekommen, bedeutet jetzt
den zu einer Messe gehrigen Anrichteraum, in dem die Glser, Teller,
Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen werden. Vorrte
werden in diesem Raume nicht verstaut, doch mu frher wenigstens ein
gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten worden sein,
denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also eigentlich
Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und pantry ist das
franzsische paneterie.


*Panzer*, der.

Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean durchfurchen haben
ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen.
Da heit pantex der Leib, gewhnlich in der Mehrzahl und poetisch
gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus ward italienisch pancia,
spanisch panza, provenalisch pansa, franzsisch panse;
mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der Pansen, Wanst, Bauch,
Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkuer. Von Menschen wird es jetzt nur
noch in sehr freier Rede gebraucht und in stehenden derben Redensarten:
Ich trete Dir vor, in den Pans! Sk de Pans full frten. Doch
spricht das Volk auch ganz harmlos: Mit ledige (leeren) Pansen is god
dansen, wo der Gebildete sagen wrde: plenus venter non studet
libenter.

Den Teil der Rstung der den Unterleib deckte nannten die Italiener
panciera, spanisch pancere, altfranzsisch panchire, mittelniederdeutsch
(Kil.) pans-yser oder panssier. Es war eine schuppenfrmige
Stahlschrze, die hat sich inzwischen zu halbmeterdicken Stahlplatten
ausgewachsen.

Die Panzerung eines Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je
nach dem Material, dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen
fhren; so spricht man von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten,
Nickelstahlplatten, Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u. s. w.


*Pardun*, das.

Die Parduns sind stehendes Gut und sttzen die Stengen nach der Seite
und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung un, oen
geschrieben, kommt im Niederlndischen, woher das Wort -- es lautet
daselbst perdoen -- stammen wird, hufig vor; katoen, blazoen, latoen,
plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die Stammsilbe par
drfte von bar, par = tragen kommen, denn das Pardun ist ein tragendes,
haltendes, festhaltendes Etwas. Es mte, wenn diese Ableitung richtig
ist, eigentlich Parun heien; aber so gut man, wie in Kiel geschieht,
der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl Kardel sagen kann, so gut
kann sich auch hier das d eingeschlichen haben, zumal bar, par die
Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie Geberde und Hellebarde,
Helleparte beweisen.


*Part*, die.

Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im Mittelhochdeutschen
fr Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgem wird es noch heute
hufig gehrt: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine gute Partie, eine
Landpartie; seemnnisch als Anteil an einem Bodmereigeschft,
Schiffspart, und dann sehr hufig im Gebrauch fr Teil eines Taues,
und dann auch wohl die Parte. So heit jeder einzelne Teil des Lufers
eines Takels der von einer Scheibe bis zur anderen geht, so da ein
Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben.

Ein einfaches Tau, das berhaupt durch keine Scheibe geschoren ist, das
man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen wrde, nennt der
Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe
zusammengebogen, so da dessen beide Enden neben einander liegen, so
heit die so gebildete Bucht eine doppelte Part.


*Passat*, der,

ist der nrdlich und sdlich vom quator regelmig aus Nordost bezw.
Sdost und annhernd stets in der gleichen Strke wehende, dem Seemann
hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwhnte spanische paso heit
nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher Bedeutung es schon
allein zur Erklrung von Passat gengen wrde, sondern auch Strich der
Vgel. Wie nun die Vgel auf ihrem Zuge nach oder vom Sden stets den
gleichen Strich inne halten, so streicht auch der Passat stets auf
demselben Strich, aus bekannten physischen Ursachen. Englisch heit der
Passat tradewind; trade heit ursprnglich Weg, Lauf, Pfad; Passat wre
also ein Wegwind, der stets denselben Weg weht. Es liegt auf der Hand,
da in diesem allgemeinen Sinne auch die Monsune Passate sind; doch
haben die ihren eigenen arabisch-persischen Namen behalten.


*Passer*, der,

ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel gelufiger ist.
Ursprnglich hie unser Kompa in den romanischen Sprachen compasso und
bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meinstrument; die jetzige
Bedeutung als Instrument zum Messen der Himmelsrichtung ist spter
hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen Bedeutungen
auch die von Takt, Versma, berhaupt von Ma und von Werkzeug zum
Messen. Fu, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind Mae vom
menschlichen Leibe genommen; ein solches Ma ist auch der Schritt, sogar
jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom Schritt zum Messen
und vom Messen zum Mewerkzeug war jedesmal nur ein Schritt.

Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte gebraucht,
die man darum auch Pakarte nannte.


*Pegel*, der.

Ma zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flssen. Es bedeutet
im Mittelalter ganz besonders ein Ma zum Messen von Getrnken, wobei
die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefes angebracht war.
Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene
Bremer Wrterbuch bemerkt hierzu: Vor Zeiten bedeutete Pegel ein
gewisses Ma flssiger Sachen. Nchstdem nannte man hier auch also einen
inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei den
Gelagen diente. Unter den Meisterstcken der hiesigen Zinngieer ist
noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebruchlich. Da eine solche Kanne mit
verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein
jeder der Saufbrder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen,
trinken mssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er gentigt, zur Strafe
auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhfliche Zuruf
gewhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch
noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen knnen, ein
groer Sufer sein. Daher also stammt der Ausdruck picheln fr Trinken.
Man sieht, die Deutschen befleiigten sich von jeher des Trunkes nach
allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim
Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die
Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefes sehen konnte. So konnte
jeder wissen, ob er fr sein Geld auch sein rechtes Ma bekam. Sed to,
ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet,
beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher
stammt auch der Vers: Is it ein mester, moet man en firen, so moet he
am ersten sinen pegel utliren. Der alte Kilianus Dufflus erklrt
peghel mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri, mensurare
und sagt auch schon fters peylen anstatt peghelen (s. peilen).
Nordfriesisch heit Pegel nicht nur ein Ma an oder in einem Trinkgef,
es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die Bedeutung
ganz allgemein die eines Maes. Die Verwandtschaft mit Beil ist
wahrscheinlich. Beil hie altnordisch biegel, althochdeutsch pigil und
heit in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so zu
denken, da ursprnglich die Mae am Rande des (hlzernen) Gefes
Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.


*peilen*,

etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen, bestimmen.
Die Sonne peilen, sie mit einem Peil- oder Azimutal-Kompa beobachten,
in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die Tiefe
desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt wird,
untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem Peilkompa
bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem Kompastriche es liegt.
Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz untersuchen, wie hoch das Wasser
in der Pumpe steht. Peilen ist zusammengezogen aus pegelen, indem das g
der greren Bequemlichkeit wegen ausfiel und aus den beiden dann
zusammengetroffenen e der Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von
Pegel (s. d.). Was heute Peilkompa heit, nannte der Verfasser der
Beschriving van der Kunst der Seefahrt 1673 noch durchgngig
Pegel-Compa. Tho Pegelinge averst der Landen, Torens, Huken und Baken,
imgeliken der Snnen up und underganck, is nichts bequemeres, den ein
recht Pegel-Kompa, wil se averst mennigen tho dr sin (dar doch offt
Schip, Man und Gut angelegen is) so werender ock weinig by der See
gefunden, de se gebrucken offt bei sik fhren, behelpen sick, in Platz
von dessen, mit ein Kompa mit ein Pin, dar man sik ok thor Noth wohl
mit behelpen kan, wen man wet dat de Drat unter de Rose Sden und Norden
gelecht is. Dat seckerste holde ick awerst vor best.


*Penterhaken*, der.

Frher gab es einen Penterbalken, ein Pentertakel und einen Penterhaken,
sie bildeten zusammen gleichsam eine Reservevorrichtung die beim
Ankerlichten in Ttigkeit trat. Bei der neuzeitigen groen Umwlzung die
das ganze Ankergeschirr erlebt hat, ist als letzte Erinnerung daran nur
der Penterhaken geblieben, und auch ihn fhrt das amtliche
Handwrterbuch fr technische Ausdrcke in der Kaiserlichen Marine
schon nicht mehr unter den zahlreichen anderen Haken auf. Er fat beim
Ankerlichten in den Ring des Ankers. Das niederdeutsche Wort pennen
heit: in einander stecken, in einander fgen, verbinden, schlieen,
riegeln, vergl. das englische to pin = einstecken, anstecken, heften,
anheften, befestigen, festmachen. Das Zeitwort pennen kommt von Pinne,
einem Ding zum Ein-, Auf-, Feststecken, Festhalten, Festmachen,
Verschlieen, Verbinden; mittellateinisch pinna, der Nagel.

Vergl. brigens Porteurleine am Schlu. Der Penterhaken und die
Porteurleine gehren so nahe zusammen, da die Annahme beinahe
unabweislich ist, da Penter eine volkstmliche Form von Porteur, oder
Porteur eine gelehrte Form von Penter ist.


*Peter, blauer*,

eine blaue Flagge als Abfahrtssignal eines Schiffes. Durch Hissen
desselben gibt der Kapitn zu erkennen, da er die Absicht hat, in See
zu gehen und da also, wer an Bord gehrt, sich einzufinden habe. Die
Bezeichnung stammt aus dem Englischen, wo sie scherzweise aufkam als
Umbildung von blue repeater, einer blauen Kontre-Signal-Flagge.


*Pferde*,

heien die Taue unterhalb der Rahen, auf denen die Matrosen beim
Segelsetzen oder -bergen stehen. Sie haben mit dem Lehnwort aus dem
Lateinischen Pferd = Ro nichts zu tun. Vielmehr kommt das Wort davon,
da die Matrosen auf diese Taue mit ihren Fen *treten*. Treten hie
angelschsisch paddan, peddan, eigentlich wandeln, laufen, spazieren
gehen, also in dem Sinne, in dem wir von einem Pflastertreten sprechen.
Niederdeutsch pedden. Es kommt aber auch die Form perren und perden vor.
In Hinterpommern nennt man in Menschenkot treten in't Fossise perre.
Das was einer perd kann er leicht ein Perd nennen und das
Neuhochdeutsche hat im Miverstand ein Pferd daraus gemacht.


*Pflicht*, die.

Doornkaat: Auf kleinen Schiffen und namentlich solchen, deren Raum
offen ist und die kein eigentliches Deck oder Vordeck haben, ein
abgezimmerter mit einem Deck oder Verdeck versehener kleiner Raum im
Hinter- und Vorderteil von Flu- und Wattschiffen oder Tjalken, welcher
im Hinterteil die Stelle einer Kajte auf groen Schiffen vertritt und
als solche achterpflicht heit, whrend die frpflicht oder der bedeckte
und abgezimmerte Raum im Vorderteil solcher Schiffe auch forunder
genannt wird (s. Farunner). Es ist die Form Pflicht eine der
schlimmsten hochdeutschen Verdunkelungen der Seemannssprache. Das Wort
heit nicht Pflicht, sondern Plicht. Niederdeutsch plicht;
niederlndisch plecht, plicht; auf Wangerooge pliucht; schwedisch und
dnisch pligt; norwegisch plitt; offenbar verwandt mit dem englischen
plight = Decke, da die Plicht doch bedeckt ist und ein Deck darstellt.
Das Bremer Wrterbuch sagt: Pligt = ein kleiner Raum vorn und hinten
auf einem Schiffe. Es war aber ursprnglich wohl die Bedeutung auf den
vorderen Raum beschrnkt. Das geht einesteils aus der bersetzung
Kilians hervor, der plecht van 't schip mit prora wiedergibt,
andernteils auch aus der Bezeichnung *Plichtanker*. Der heit so, weil
er auf der Plicht seinen Platz hat, um stets bei der Hand zu sein. Den
Anker braucht man aber in der Regel vorn; so war die forplicht
jedenfalls die eigentliche Plicht. Das wird auch durch den noch
gangbaren Ausdruck *Bootspflicht* besttigt, denn so heit der erhhte,
mit einem Grting gedeckte Teil vorn, am Bug eines Bootes. Noch
deutlicher wird dies durch die Zusammensetzung *Lausepflicht*. Damit
ist der Raum vorn am Gallion bezeichnet; da wo der Mann seine Notdurft
verrichtet, macht er auch seine Toilette, da kmmt er sich, und da der
derbe Seemann die Plicht, auf der sich die Leute zu kmmen pflegen,
Lauseplicht nennt, wer wird sich darber verwundern?


*Pforte*, die,

eine verschliebare ffnung in der Bordwand. Es gab oder gibt
Ladepforten, Ballastpforten, Ruderpforten, Piekpforten, Jagdpforten
(ganz vorne fr die Jagdstcke, die beim Jagen eines fliehenden Feindes
in Ttigkeit treten), Luftpforten, Lichtpforten, Stckpforten. Die
letzteren sind auf den Kriegsschiffen von besonderer Bedeutung, und
darum versteht man, wenn schlechthin Pforte gesagt wird, stets eine
Geschtzpforte darunter. Das lateinische porta heit bekanntlich Tr,
Tor, es liegt ihm aber ein griechisches Zeitwort zu Grunde, das
durchgehen, passieren bedeutet. Insofern ist die Bezeichnung Pforte doch
nicht unglcklich gewhlt, wenn auch durch diese keine Menschen gehen.


*Piek*, die.

Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat es irgend
etwas mit Spitze, uerstes zu tun. Die Achterpiek, Hinterpiek ist der
uerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil des Schiffes; heit
meist kurzweg die Piek, whrend der entsprechende vorderste Teil, wenn
er berhaupt Piek genannt wird, mit Vorderpiek nher bezeichnet werden
mu. Aber nicht nur das uerste nach hinten oder vorn, sondern auch
nach oben heit Piek; diese Bedeutung ist sogar die ursprnglichere. So
heit z. B. sogar das Tau mit dem die Gaffel des Besans so getoppt wird,
da ihre Nock sich in die Hhe streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen
auf Piek setzen ist ein anderer Ausdruck fr kaien, nmlich sie so auf
und nieder setzen, da sie weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken
heit Riemen hoch nehmen, sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar
nicht spitz aber doch das uerste am Riemen ist, in die Hhe halten.

Piek ist dasselbe Wort wie pique im franzsischen Kartenspiel und
bedeutet Pike, Lanze, Speer, Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch
und portugiesisch pica, italienisch picca, was mit picco, spanisch und
portugiesisch pico, franzsisch pic, angelschsisch pic englisch peak
zusammengehrt, alles mehr oder weniger Spitze bedeutend.

Das Piekfall hie frher Dirk, Gaffeldirk, jetzt heit Dirk nicht mehr
das Tau zum Auftoppen der Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des
Besansbaums.


*Pier*, die,

ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck fr das was wir
gewhnlich Moole nennen, also fr einen Steindamm, fr eine steinerne
Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder zum
Anlegen und Festmachen fr Schiffe. Das Wort kommt vom franzsischen
pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den
Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hlzerne Bollwerk
wohl auch eine Pier nennen hren. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: By
westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer
d'inwoonders haer visschers barken onder legghen. Er hielt es damals
also doch fr ntig Piere zu bersetzen und zu erklren, weil es fr
einen Niederlnder auch in jener beraus fremdwortfreundlichen und
-reichen Zeit ein erklrungsbedrftiges Fremdwort war.


*Pijacket*, *Peajacket*, *Pijacke*.

Der kurze berzieher der Mannschaften, die bei der Kaiserlichen Marine
dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient haben, mit anderen
(Civil-)Knpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die letztangefhrte
Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste zugleich; hat auch den
Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des 14. Jahrhunderts kommt
im Spanischen un jaque de seda vor, eine seidene Jacke. Neuspanisch
jaco, italienisch giaco, franzsisch jaque, niederlndisch jasje, zoort
van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach Ducange, zu Beauvais ein
Huptling gewesen sein mit Namen Jaque, der, wenn er zum Kampfe auszog,
einen kurzen Oberrock getragen habe; daher das zweite Wort in der
Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet ebenfalls Jacke. Die fremde
unverstandene Bezeichnung Jacke gengte dem deutschen Kstenbewohner
nicht fr das bald heimisch gewordene Kleidungsstck, (die Huptlinge
auf den Siegeln des 14. und 15. Jahrhunderts tragen bis auf die Knie
gehende Rcke) darum verbanden sie sie mit dem altgewohnten Worte fr
Rock py, pye, welches heute noch in Ostfriesland pe, peje, pei, pi heit
und einen kurzen Unterrock von rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen
pye, pey, pige, pikke, pike, eine Jacke, ein warmes Unterkleid von
Flanell; in Holland pij, pije, in Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem
Griechischen durch das Gothische zu uns gekommen, indem baite,
Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu paida wurde; angelschsisch
peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit, Hemd, hemdhnliches
Kleidungsstck; niederdeutsch pede, nach Schwund des d kontrahiert zu
pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege ins
Niederdeutsche zurckgedrngte i, woraus dann leicht das einfache pi
werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine
Rockjacke. In Groningen heit es piejekker, aber auch molvanger, monkie
(auch bei uns manchmal zu hren) schort, twiefelder, twiefeloar und,
mehr deutlich als fein, vreischieter.

Zu bemerken ist, da die Handelsmatrosen das Kleidungsstck nicht etwa
von der Kriegsmarine berkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es
sogar so eingebrgert, da der Dichter Vondel es nennen kann: Een
dracht, die sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.

Ziemlich spt erst ist im Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In
den gerichtlichen Inventarien, die in Wismar whrend der Jahre 1438 bis
1547 aufgenommen worden sind, kommt fr Rock das Wort pyge ohne
Verbindung mit Jacke vor. Dafr ist es aber eine andere Verbindung
eingegangen und heit szepyge, also Seerock, Seewamms; vielleicht das
was man heute Lootsenjacke oder Seelenwrmer nennt; irgend etwas Warmes,
Gefttertes, denn der Schreiber der jenes Inventar aufnahm hat es mit
rot foderhemmede verdeutlicht, rotes, gefttertes Hemd.

Pijacket ist n., Pijacke f.


*Pinass(e)*, die,

auch (flschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der groen Beiboote,
jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens Dampfpinasse oder *-pinass*
gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und Weglassung des auslautenden e.
Offenbar zuerst ein aus dem Holze der Fichte, pinus gebautes Boot. Der
Name ist im romanischen Sprachgebiet entstanden und weiter gebildet:
ital. pinaccia, spanisch pinaza, franzsisch (um 1700 als Seemannswort
allgemein im Gebrauch) pinasse. Das e ist stumm, also tut der Seemann
recht, es unausgesprochen zu lassen, es wrde in seinem Munde recht
geziert lauten.

Im spanisch-englischen Kriege unter Knigin Elisabeth waren Pinassen als
wirkliche seegehende, seeschlachtfhige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als
im Jahre 1596 die Knigin es fr ratsam hielt, den Spanischen ihr
angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fhlen zu
lassen, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche
Affre hatte. Davon berichtet der Verfasser der Durchluchtigsten
Seehelden I 405: Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Khn
war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt,
das Volck aber davon gerettet. Als im Jahre 1625 die Spanier den
Hollndern Bahia wieder abzunehmen sich rsteten, waren bei der
aussegelnden Flotte einunddreiig Gallionen, eine Caravell, drei
Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der
Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin gro genug, Bahia mit
belagern zu helfen.


*Pinke*, die.

Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen fr gar verschiedenartige Fahrzeuge
im Mittellndischen Meere und in der Nordsee. So verschieden sie auch
gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprnglich alle mit einander
gemein, da sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist Verwandtschaft
mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem Pink eine
nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk kommt sie
bereits in der Hamburger Chronik vor: Reynke wert myt noch eynem van
den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle boyers and
euers hadde. Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor den bogert
... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho soeken. Es
mu also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles Schiff
gewesen sein. Man gebraucht sie in Holland zum Heringsfang. Waghenaer,
Spiegel der Zeevaerdt, 1588: Leyt mede op dese stroomen de bequame
vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war Waghenaers Heimat), al waer soo
veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder Zee) op sekeren tyt des Jaers
ghevanghen wert, alsser op een telte met de Buysen, Boots ende Pincken
de Maze ingebracht ende verhandelt wert.


*Pinne*, die.

Der hlzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt wird, die
Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heit Nagel, Zweck,
Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stck Holz zum
Festhalten, Befestigen, Verschlieen. Die Zusammenstellung mit penna,
Feder, Flofeder ist allzu geknstelt. Weit natrlicher lt sich das
Wort, wie Pina, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar
ursprnglich von Fichtenholz war.


*Pirat*, der, der Seeruber.

Das Wort stammt aus dem Griechischen peirates, von peiraein = versuchen,
unternehmen, sein Glck in Abenteuern suchen, auf Raub ausgehen, das
Meer auf Raub befahren. Lateinisch pirata, italienisch pirate und
pirato, franzsisch pirate. Dazu das Fremdwort *Piraterie*, der Seeraub,
die Seeruberei. Gthe: Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind
sie, nicht zu trennen.


*Pirogue*, die,

ist ein Fahrzeug das in der Sdsee und in Indien gebraucht wird, woher
auch der Name stammt, der franzsisch pirogue, spanisch piragua lautet.
Es hat verschiedene Vernderungen erfahren, aber das Eigentmliche aller
Piroguen ist, da sie Einbume sind, aus einem Stamm gefertigt. Demgem
knnen sie nur klein und rank sein und haben daher einen Auslieger
(outrigger).


*Planke*, die.

Bord, Diele, Bohle, Brett und Planke sind begrifflich nicht ganz leicht
auseinander zu halten. Die beiden letzteren z. B. sind vielfach
gleichbedeutend, so da man oft fr Brett Planke und fr Planke Brett
sagen kann. Doch neigt der Sprachgebrauch dahin, da man ein dickes,
starkes, langes, groes Brett Planke nennt, was schon daraus erhellt,
da Planke keine Verkleinerungsform kennt, whrend man hufig von einem
Brettchen spricht. Eine Packkiste ist aus Brettern, eine Zigarrenkiste
aus Brettchen zusammengenagelt, nicht aus Planken, aber das Deck eines
Schiffes besteht nicht aus Brettern, sondern aus Planken. Im
Allgemeinen wird man sagen knnen, da, wohl wegen der Verwendung des
Wortes beim Schiffbau und im Schiffsleben, Planke im Nieder-, Brett im
Hochdeutschen bevorzugt wird. Planke stammt aber aus dem Romanischen, es
ist mit dem piemontesischen pianca, Steg; provenalisch planca, plancha;
franzsisch planche, Brett; lateinisch planca = Brett, Bohle aus einer
Wurzel plak entstanden, von der Doornkaat es unentschieden lt, ob sie
etwas flaches, plattes oder etwas gespaltenes bedeutet. Schon in einer
mittelniederdeutschen Urkunde aus Gttingen vom Jahre 1348 finden wir
das Wort, aber mit anlautendem b anstatt p, (was nicht zu verwundern
ist, da auch heute noch selbst in Niederdeutschland das p von Planke
ziemlich weich ausgesprochen wird). We lovet, dat we neynerleyghe buv
mer scholen buwen darsulves von steynwerke eder von bomwerke, dar
ienecherleyghe eyrkenere utgan van blanken eder van graven.


*Plate*, die,

eine breite, flache, platte Sandbank von grerer Ausdehnung. Das Wort
Plate ist niederdeutsche Form fr Platte, irgend ein breites flaches
Etwas von Stein, Holz, Eisen etc. etc. Vom griechischen plate, und
dieses von einer Wurzel prath sich ausbreiten. In Ostfriesland nennen
sie eine Plate eine Sandbank die bei Flut berschwemmt wird, bei Ebbe
trocken fllt. Es gibt aber auch Platen in der Weser, in der Ostsee etc.
etc. Was letztere betrifft, so lesen wir in Manson, See-Buch, Lbeck
1735 bei Gelegenheit einer Segelanweisung nach Wismar: Als einem aber
der Wind nicht fugen wolte, dieses Tonnen-Tieff einzusiegeln, mu er
aussen um den Hannibal auf 6 oder ja 5 Fadem loden, und nach den
Ksterhft zu lauffen, und segeln die Mittel-Tieff. West-Sdwest von der
Tonnen ein klein Stck seynd zwo runde Sandbnken, die heissen Platen,
die lt man am Sthrbord. Hannibal lieget Nordwest zum Norden eine
kleine halbe Meil von der Kirchen die auf Poel stehet.


*Plattfusswache*, s. Wache.


*Plattformdeck*, s. Deck.


*Platting*, die,

ist ein aus Kabel- oder Schiemannsgarn geflochtener Zopf, der nach der
Zahl seiner Garne schmler oder breiter ist und auch nach dieser Zahl
genannt wird, Dreigarnplatting, Fnfgarnplatting etc. etc. Die Zahl der
Garne ist stets ungrade. Wie sehr sie auch untereinander verschieden
sind, so haben sie doch alle das gemein, da sie, eben weil sie nicht
gedreht, sondern geflochten sind, ein *plattes* Geflecht darstellen.
Man stellt wohl auch sehr schne runde und vierkante Plattings her; die
werden eben mit demselben Rechte, wiewohl sie eigentlich keine Plattings
sind, so genannt mit dem man eine Fensterscheibe, wiewohl sie jetzt
keine Scheibe mehr sondern ein Viereck ist, doch noch Scheibe nennt, und
mit dem sie niederdeutsch Raute heit, obgleich sie die rautenfrmige
Gestalt lngst verloren hat.

Die Platting dient zur Bekleidung der Taue an Stellen wo sie besonderen
Schutzes bedrfen.


*Pockholz*, das,

ein sehr hartes Holz aus dem man Blockscheiben, Kegelkugeln u. s. w.
drechselt. Der Name hat eine eigentmliche Geschichte. Der Westindische
Baum von dem das Holz kommt, eine Gattung der Zygophyllen, heit
guajacum officinale L. und wird Guajak-, Franzosen-, Pock- oder
Heiligenholz genannt. Die Erklrung ist bereits bei Kilian zu finden. Er
bemerkt zu pock-hout: ebenus, hebenus, hebenum, guiacum: lignum
expugnandae lui venereae accomodatissimum, lignum Indum, vulgo gaiatum
und spaensche pocken bersetzt er mit morbus Gallicus, scabies
Hispanica, Neapolitana, lues Venerea: siphylis: serpigo Indica. Von den
spanischen Pocken stammt der Name des Holzes, von der lues venerea, zu
deren Heilung heute noch ein Decoct von diesem lignum vitae angewandt
wird.


*Polacker*, der,

ist ein Mittelmeerschiff, dessen eigentmliches Kennzeichen Pfahlmasten
sind, d. h. Masten die aus einem Stck bestehen und keine Stenge haben.
Wo diese Art Masten auch bei uns vorkommt, da nennt man die Takelage
eines solchen Fahrzeuges Polackertakelage. Das Wort kommt vom
lateinischen palus, der Pfahl; italienisch und spanisch polacra,
franzsisch und englisch polacre; im Deutschen, Niederlndischen,
Dnischen und Schwedischen konnte sich das Wort um so eher einbrgern
und die Form Polacker annehmen als hier das Wort Polack fr Pole gangbar
war.


*Poller*, der.

Die Poller sind starke Balken, die allein oder zu zweien an Deck oder am
Lande angebracht sind zum Belegen von Trossen beim Festmachen oder
Verholen. Neuerdings sind teilweise eiserne Gestelle daraus geworden,
die mit einem Balken wenig hnlichkeit mehr haben, aber doch auch noch
den Namen Poller tragen, der Balken bedeutet. Polder hat schon Kilian
richtig mit trabs bersetzt, und Polder mu das Wort eigentlich auch
geschrieben werden, wiewohl es der Bequemlichkeit wegen meist Poller
ausgesprochen wird, wie so viele hnliche niederdeutsche Wrter. Es
kommt mit dem franzsischen poutre, altfranzsisch pouldre = Balken, von
dem mittellateinischen poledrus.


*Poop*, die,

ausgesprochen Pup mit langem u, ist the highest and aftermost part of a
ship's deck, or a partial deck extending close aft, above the complete
deck of a vessel. Wir htten dieses Wort nicht ntig, denn man knnte
stets mit unserem gut deutschen Kampanje auskommen, indessen da es nun
einmal fters gehrt wird, so sei hier bemerkt, da es die englische
Form fr das lateinische puppis, Hinterteil des Schiffes ist, im
Gegensatz zu prora, dem Vorderteil; doch wurden poetisch beide Wrter
auch zur Bezeichnung des ganzen Schiffes gebraucht, whrend das
Sprichwort mihi prora et puppis est besagte: das ist mir die
Hauptsache, mein Ein und mein Alles, mein Hauptplan etc. etc.


*Popoffka*, die,

ist ein Kstenverteidigungspanzerschiff von kreisfrmiger Gestalt.
Seitdem die alte bliche Schiffsform verlassen ist, tauchen immer neue
Gestaltungen auf. Nach einem Gedanken des englischen Ingenieurs Elders
hat der russische Admiral Popoff Kreisfahrzeuge mit zwlf Kielen
ausgedacht, die nach ihm Popoffkas heien. Sie knnen nur geringe Fahrt
machen und eignen sich schon deshalb nur zur Kstenverteidigung.


*Ponton*, das,

ist eigentlich das, was man in Ostfriesland eine Pnte nennt, ein
groer, flacher, lnglich viereckiger Kahn, der meist als Fhrboot ber
Flsse verwendet wird. Es dient also anstatt einer Brcke, daher mag es
kommen, da sich die Behauptung, ponton stamme von pons = Brcke ab, so
hartnckig erhlt. Allerdings kommt von pons die Bezeichnung fr Deck in
den romanischen Sprachen pont, aber ponton wird doch wohl vom
lateinischen ponto kommen, und das soll ein gallisches Wort sein, den
Rmern als Bezeichnung eines gallischen Lastschiffes bekannt geworden,
eines Transportschiffes, wie sie denn auch eine Schiffsbrcke, eine
Fhre, nicht pons, sondern ponto nannten, Genitiv pontonis. Es ist also
pont = Deck von unserem Ponton zu trennen. Dieses hat sich in neuerer
Zeit ein einflureiches Gebiet erobert. Nicht nur, da die Armee aus
Pontons Schiffbrcken schlgt, auch die Marine verwendet Pontons auf
ihren Werften, wo sie als Verschlu der Docks und Kammerschleusen --
zugleich allerdings auch der Brcken -- dienen. Sie haben zur Zeit wenig
mehr von gallischen Transportschiffen an sich, haben berhaupt oft kaum
mehr Schiffsgestalt, aber das bringt der vernderte Zweck ihres Daseins
mit sich.


*Porteurleine*, die,

ist die Leine, die den Anker unter dem Krahnbalken festhlt. Breusing
nennt Pertrleine das Tau, welches den Anker, ehe man ihn fallen lt,
unter dem Krahnbalken festhlt oder trgt und sagt, da er offenbar
von dem franzsischen porteur abzuleiten ist. Diese Ableitung liegt
allerdings nahe genug. Man knnte ohne Weiteres an portere, portare
denken, wenn nicht nur das Deutsche, Hollndische, Dnische und
Schwedische, sondern auch das Englische, Franzsische, Italienische,
Spanische und Portugisische eine Porteurleine htten. Aber die
romanischen Sprachen, die es doch zuerst haben mten, wenn es von
portare kme, haben dieses Wort nicht. Und doch steckt portare sicher
darin. Darum denke ich an einen Umweg, nmlich zunchst an das
franzsische port-bossoir, an das unter dem Krahnbalken sitzende,
demselben Halt und Sttze verleihende Knie. Mit diesem port hlt die
genannte Leine nchste Nachbarschaft, und nach solcher Nachbarschaft
sind zahlreiche seemnnische Ausdrcke gebildet, vergl. Klaue und Nock.
So mag das Wort zunchst Porterleine geheien haben, und Porteurleine
wrde dann wissenschaftliche Umbildung im Gedanken an Porteur sein,
vorgenommen bei der bernahme ins Hochdeutsche. Die Form Perturlin ist
niederdeutsch.

Es kommt allerdings auch die Form Penturleine vor, so da -- vergl.
Penterhaken -- Porteur vielleicht nur eine etymologische Vernderung
von Penter ist. Es wre freilich auch denkbar, da das Penter in
Penterhaken von dem Porteur in Porteurleine kme.


*Prahm*, der,

war ehedem ein Schiff so gut oder schlecht man es in alten Tagen hatte.
Jetzt ist er heruntergekommen und wird nur noch als Kohlenprahm,
Wasserprahm, Proviantprahm Munitionsprahm gebraucht um diese Dinge
lngsseits eines Schiffes zu bringen und zur bernahme fr dasselbe
bereit zu halten. Das geringste und unscheinbarste aller Boote, kaum
mehr den Namen eines Bootes verdienend, ist der Scheuerprahm, ein
Seelenverkufer, der zum Reinigen der Auenbordwand benutzt wird und
nicht nur das Aschenbrdel, sondern auch gleichsam die komische Person
unter den Schiffsbooten spielt, aber ebenfalls die Gestalt eines Prahms
hat, breit, flach, mit einem Rand versehen. Da der Prahm bessere Zeiten
sah, erfahren wir aus dem Gudrunliede:

      Hagen war indessen gegangen auf einen Prahm,
      Noch eh' sich ihm geffnet der wohlverschloss'ne Kram,
      Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle,
      So schied man von dem Knig der Frauen holde Schar in jher Schnelle.

Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in
Niederdeutschland gebruchlich, dnisch pram = Fhre und Rand,
altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram,
breites Fluschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es
ein zur indogermanischen Wurzel par gehriges Wort pramu gibt; die
Bedeutung ist die von bersetzen, wie sie auch mit fahren
zusammenhngt. Der bergang aus dem Slavischen ins Nordische mu sehr
frh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur
Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren
Prhmen beherrschten und die nordischen Ksten so oft mit ihren
Raubzgen heimsuchten, da ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt
wurde, also um die Mitte des zwlften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat
der berhmte geistliche Seeheld, Bischof Absalon von Roeskilde, auf,
ermunterte Knig Waldemar den Groen -- Absalon war der Grere -- und
sein Volk, sich zum Widerstand zu ermannen, das Joch abzuschtteln und
den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der
Schpfer einer dnischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem
Muster eines gestrandeten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat
auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie
aussahen, wissen wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln
und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Klte zu einem so
hohen Grade gestiegen war, da die Mannschaft, die Proviant zu den
Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die
Rder festfroren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit
groer Beschwerlichkeit zu Fue nach dem Hafen, wo die Flotte lag,
treiben mute, beklagte Absalon die Mnner und sprach ihnen sein
Bedauern aus, da sie fr das Vaterland so viel Mhsal leiden mten.
Sie aber antworteten, sie trgen mit Lust ein Mhsal, welches sie dem
Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbnken der Seeruber zu sitzen,
vorzgen (vergl. Saxo Grammaticus).


*Praktika*, die,

heit die Verkehrserlaubni fr ein Schiff. Ist ein solches in einen
Hafen eingelaufen, so erscheinen der Hafenkapitn und der Hafenarzt, um
festzustellen, ob gesundheitliche Bedenken gegen den Verkehr seiner
Besatzung und seiner Passagiere mit dem Lande bestehen. Ist das der
Fall, so mu das Schiff Quarantne halten, ist es nicht der Fall, so
erhlt es die Praktika; eigentlich die Erlaubnis zu praktizieren,
franzsisch pratiquer, italienisch pratticare, mittellateinisch
practicare, vom griechischen prattein, tun, machen, handeln, ausben
(die Kunst des Arztes, des Anwaltes). Die ble Nebenbedeutung,
namentlich in der Mehrzahl Praktiken, ist schon frh dem Worte
angehngt worden. Im Franzsischen heit pratique berhaupt traite,
communication, commerce.


*preien*,

heit ein anderes Schiff anrufen um mit ihm wichtige Mitteilungen
auszutauschen, was, wenn eins von den zweien oder auch alle beide lange
Seetrns hinter sich haben, von groer Bedeutung sein kann. Das Anrufen
geschieht mit den Worten: Schiff ahoi! und oft mit Zuhilfenahme eines
Sprachrohres. Die Preidistanz ist das, was man hochdeutsch Rufweite
nennt.

Das Wort wird in Ostfriesland auch am Lande gebraucht fr jemanden
anreden, auf ihn einreden, ihn bereden, ihm zusprechen. Niederlndisch
preijen, schwedisch preja, dnisch praje. Es hie altenglisch schon
breien und ist das jetzige englische pray beten, bitten, anrufen,
ersuchen, einladen, auffordern; altfranzsisch preier, und dieses wohl
aus lat. precari von prex, precis (Bitte). Doornkaat. Nach Ehrentraut,
Fries. Archiv II, 69 heit preien auf Wangeroog jemanden anrufen auch in
dem Sinne jemanden wecken.

Fritz Reuter, Ut mine Stromtid I. 288, fhrt in einem klassischen
Seemannsvergleich das Wort in der Form praien an. Die ganze Stelle ist
echt seemnnisch. Knapp was hei (Fritz) denn nu mit Lovise ne ltte Tid
tausamen west, dunn smet hei den Frugensha mitsammt de ganze Erinnerung
an Marie Mllers Waschschttel un Spiskamer wer Burd un verld tau den
Ballast von Romanenideen schippslastenwis die junge aufkeimende Liebe
zu Louisen -- as hei sine nige Ladung fr siek slwst deklarierte -- un
as hei des' nu unner sine Hartens-Luken wegstaut hadd und all de
Belmmerungen, dei em von sine Jugend wegen noch anhaken knnen,
intreckt hadd, un hei nu mit sick slwst, sine Leiw un sin Schipp klor
was, segelte hei los. In de Irst krzte un lawirte hei hermmer, un sin
leiw Tanten stunn om't uwer un wt nich, wohen hei stren ded', wer
dat wohrte nicht lang', dann wrd sin Kurs strammer, un as hei irst up
de hohe See von seinen Gefhlen was, un de Topsegel uphiste, dunn sach
sei denn mit Schrecken, wohen hei dat Ster richt't hadd, un dat ehr
leiw Swestershn nich beter as en ruklosen Seerwer, Pirat un Korsor
was, dei up 'ne schndliche Wis' Jagd up de ltte, smucke Brigg maken
ded', worin sei all ehre mtterlichen Hoffnungen einschippt hadd.

Sei praiete em en por Mal an, woso? un woans? wer de Pirat let sick
nich stren, sei schot en por Mal in ehre Hartens-Angst mit Notsignalen
noch ehren Paster 'rwer ...


*Presenning*, die,

wasserdichte Decke aus (geteertem) Segeltuch, durch Umstellung oft auch
in der Form Persenning vorkommend; doch hie es 1702 bei Aubin schon
Preesening. Man gebraucht es zum Zudecken von Luken, zum Bedecken von
Proviant in offenen Booten, zum Schutze an Deck stehender Kanonen,
berhaupt dazu, etwas vor Nsse zu schtzen. Es kommt von prceinte,
einem veralteten franzsischen Worte, das Umhllung bedeutet und mit dem
lateinischen Zeitwort praecingo, ich umgrte, umgebe, zusammenhngt.


*Priel*, der,

eine Wasserrinne im Watt, die auch zur Zeit der Ebbe voll Wasser bleibt,
ein schmales Rinnsal, eine Wasserlache, oft recht tief und, weil der
Boden Schlick ist, fr Jger oder Fischer die hineingeraten sehr
gefhrlich, da man sich schwer ohne fremde Hilfe wieder herausarbeiten
kann. Es ist das neuhochdeutsche Wort Briel, Brhl, althochdeutsch
brogil, broil = Sumpf.

Wenn die Rinne breit und tief genug ist fr die Schiffahrt, so heit sie
Balje.


*Prikke*, die,

hat den Zweck einer Bake, ist aber einfacher als diese, indem sie nur
ein zur Bezeichnung des Fahrwassers oder einer Untiefe ins Wasser oder
vielmehr in den Grund gesteckte Stange ist, etwa mit einem Strohwisch
oder Reisigbesen an der Spitze. Es gibt ein weitverbreitetes
niederdeutsches und niederlndisches Zeitwort prikken, das sowohl
stechen als stecken bedeutet; davon das Iterativum prikkeln. Da diese
Stangen in die Erde gesteckt werden, so ist die Erklrung ohne Weiteres
gegeben.


*Prise*, die.

Wenn ein Kriegsschiff oder ein Kaper ein feindliches Handelsschiff
wegnimmt, so ist dieses eine Prise, von prendre, nehmen. Es fragt sich
nur, ob es unter Beobachtung des bestehenden Seerechtes geschehen ist.
Das mu unter Umstnden durch ein Schiedsgericht festgestellt werden.
Erklrt dieses, da das Schiff rechtmig genommen ist, so erklrt es
damit dasselbe fr eine gute Prise d. h. fr eine rechtmige.


*Propeller*, der,

gehrt eigentlich der Sprache des deutschen Seemanns nicht an, aber man
liest das englische Wort zuweilen in Bchern. Es kommt von propello,
vorwrtstreiben. Und zwar bezeichnet es nicht das was einen Raddampfer,
sondern das was einen Schraubendampfer vorwrts treibt, man sagt also
anstatt Propeller viel besser, deutlicher, krzer: Schraube.


*pullen.*

Dieses Zeitwort wird wohl fters einmal anstatt rudern gebraucht; doch,
wie es scheint, nur von solchen, die dadurch ihre Bekanntschaft mit dem
Englischen dartun wollen, also bewut als Fremdwort. Der niederdeutsche
Seemann sagt rojen, und in der Kaiserlichen Marine heit es amtlich
rudern; pullen mu also um so mehr als unberechtigter Eindringling
angesehen werden, als rudern im Englischen selbst viel besser und
deutlicher mit row bezeichnet wird, pull aber zunchst ganz allgemein
ziehen heit. Da nun beim Rudern ja allerdings am Riemen gezogen
wird, so bedeutet es unter Umstnden auch rudern, es wre aber kein
Schade, wenn das Wort wieder verschwnde.


*Pumpe*, die,

die bekannte mechanische Vorrichtung zum Heben von Wasser. Die modernen
Kriegsschiffe haben ein so kompliziertes Pumpensystem, da ein
ordentliches Studium dazu gehrt, alle die verschiedenartigen Pumpen
kennen zu lernen, und da ein eigener *Pumpenmeister* kommandiert werden
mu, der die Pumpen bedient und der womglich schon whrend des Baues
sich mit ihrer Anlage bekannt gemacht hat. Pumpe ist dasselbe Wort wie
Bombe und hie auch vor zweihundert Jahren im Oberdeutschen noch Bombe.
Es ist ein Schallwort (bum!) und bedeutet zunchst ein Gerusch, einen
Lrm; daher provenalisch bomba, Prahlerei, Geprnge, spanisch pompa,
franzsisch pompe, neuhochdeutsch Pomp, bombastisch, Pump- (Pomp-) Hose.
Lateinisch bombus = Gesumse, Gerusch von einem surrenden, summenden
Gescho; italienisch ribombare widerhallen. Die Pumpe hat also den Namen
von dem Gerusch, das sie macht, kann aber zunchst auch vom Zeitwort
bombare, trinken, schlrfen, saugen abgeleitet sein, denn die Pumpe
saugt das Wasser auf; aber auch dieses Zeitwort ist naturlautmalend, so
da die Sache ziemlich auf dasselbe hinauskommt.


*Pumpensod* s. Bilge am Ende und Sodraum.


*purren*

wird an Bord fr wecken gebraucht. Es heit aber sonst im
niederdeutschen Sprachgebiet stechen, stoen, stacheln, treiben, reizen,
kann also nur insofern wecken bedeuten als solches durch Stoen,
Klopfen, Reizen etc. etc. bewirkt wird.

Auch das Hochdeutsche hat ein Zeitwort purren, das heit aber sausen,
brausen, rauschen, brummen. Doch drften die beiden unter einen Hut zu
bringen sein, wenn man beide als lautmalend ansieht (purr! oder auch
blo prrr!). Es liegt auf der Hand, da bei der Lautmalerei die Begriffe
ziemlich weit auseinander gehen knnen, so da ein und derselbe Ton
sowohl reizen als brummen bedeuten kann.

Diese Erklrung wird untersttzt durch das Zeitwort verpurren: eine
Sache verderben, einen Fang verhindern, ein Milingen verursachen, etwa
durch ein vorzeitiges oder unglckliches purrendes Gerusch.


*Putjer*, der,

ist ein Mensch der geringe, niedrige Arbeit tut. Das Wort stammt aus der
Seemannssprache und wird in wegwerfendem, geringschtzigem Sinne
gebraucht. Es hie mittelniederdeutsch putker, puteker und bedeutete
Schiffsknecht, Kajtenjunge, den niedrigsten Diener an Bord, der mit den
*puten* -- so hieen die Ptzen damals -- zu tun hatte, also wusch,
scheuerte, rein machte und der jedenfalls auch das ntzliche aber wenig
ehrenvolle Amt eines Gallionsinspektors versah (die Aborte rein hielt).
Davon kommt auch das niederdeutsche Eigenschaftswort ptjerich,
ptscherich, kleinlich, beschrnkt, gering.

Statt Putjer hrt man auch Butjer. Und in dieser Form ist das Wort noch
mehr herabgesunken, so da es jetzt hauptschlich fr Herumsteher,
Eckensteher, Bollwerksbruder, Gelegenheitsarbeiter gebraucht wird.


*Pttings*, die,

sind Ketten die den Jungfern der Wanten nach unten zu Halt und
Festigkeit verleihen. Die Pttings der Unterwanten sind in die Bordwand
eingelassen, fahren durch die Rst und halten da die Jungfern fest. Die
Marspttings ber die der Seemann unter Verachtung des Soldatenloches
in den Mars entert, also die Pttings der Stengewanten fahren von deren
Jungfern durch den Mars hinunter nach dem Unterwant, auf diesem sitzt
eine Wurst, und an der Wurst sind sie befestigt. In Ptting liegt
irgendwie auch der Begriff von Wurst. So sonderbar es klingt, wir
mssen dabei auf das englische pudding Bezug nehmen, denn das bedeutet
ursprnglich ebenfalls Wurst. Franzsisch boudin, Wurst, eigentlich
etwas Aufgetriebenes oder Geschwollenes; ostfriesisch ist pt eine Dte,
ein Beutel, eine Tasche, ein Kropf, ein Fleischwulst, Fettwulst,
Ausbauschung, Anschwellung. Die Pttings sind aber Ausbauschungen, sie
schwellen nach auen zu, nach dem Rande der Rst bezw. des Marses an;
das wrde schon allein gengen, sie mit pt zusammen zu bringen. Da aber
die Wurst an der sie befestigt sind, ihren Einflu geltend gemacht haben
wird, so lag ein mit Pudding im Sinne von Wurst verwandtes Wort erst
recht nicht allzufern zur Bezeichnung dieser Anschwellung.


*Ptze*, die,

heit an Bord der Eimer. Man hat Holzptzen und Segeltuchptzen
(Admirale); Bootsptzen, Deckwaschptzen, Teerptzen u. a. m. Im Mittel-
und Neuniederdeutschen heit put der Brunnen, aus dem Lateinischen, von
puteus stammend. Daher stammt das niederdeutsche Zeitwort putten, Wasser
(aus einem Brunnen) schpfen. Daher stammt auch das mittelniederdeutsche
putse als etwas womit man Wasser aus dem put schpft. Putse wre also
die richtige Form des Wortes. Woher mit einem Male in die
neuhochdeutsche Seemannssprache der Umlaut gekommen ist, ist
unerfindlich; man wre geneigt denselben auf Rechnung des
Neuhochdeutschen zu setzen, wenn nicht auch von Wangerooge her pds
bezeugt wre.

Kilian hat schon die kurze Form putse, whrend der Teuthonista noch
puteymer sagt.




Q.


*Quarantne*, die,

die Zeit die ein Schiff ohne Praktika liegen bleiben mu, weil es aus
pestverdchtigem Hafen kommt und daher auf seinen Gesundheitszustand hin
beobachtet werden mu. Wie lange solches zu geschehen hat richtet sich
nach landesblichem Gebrauche und den geltenden gesetzlichen
Bestimmungen. Ursprnglich wollte man auf alle Flle sicher gehen und
nahm vierzig Tage an. Da es gerade so viele waren hatte einen ganz
bestimmten Grund. Man dachte an die vierzig Tage der Passion, der
Leidenszeit Christi. Die hie zuerst italienisch quarantana, franzsisch
quarantaine, von quaranta, contrahirt aus quadraginta. Von dem
kirchlichen Gebrauch hat die Seemannssprache das Wort bernommen.


*Quarter-Deck*, das,

nennt man zuweilen noch -- das Wort ist aber im Aussterben begriffen und
wird mehr und mehr durch das reindeutsche Achterdeck verdrngt -- den
Teil des Oberdecks hinter dem Gromast bis zum Kreuzmast. Er darf von
den Mannschaften nur dienstlich und in angemessener Haltung betreten
werden. Auch zwischen denen, fr die das Achterdeck vorbehalten ist,
wird noch ein Unterschied gemacht, indem im Hafen oder unter Dampf die
Steuerbordseite, unter Segel die Luvseite des Achterdecks noch besonders
dem Kommandanten vorbehalten bleibt. Quarterdeck kam uns ber England
aus dem Sden; italienisch quartiere, spanisch quartel, franzsisch
quartier, das abgeteilte Viertel eines Raumes, in weiterem Sinne ein
Raum ohne Rcksicht auf genaues Ma, eine Wohnung, Zimmer, Gemach,
Quartier, Unterkunft. Bei Stadtviertel ist bekanntlich ebenso wenig von
mathematischer oder arithmetischem Viertel die Rede, wie Schiller an
Mathematik dachte, da er von der greren Hlfte seiner Schuld sprach,
oder wie wir, wenn wir vom Kreise Btow oder Lauenburg reden.


*Quartier*, das,

jetzt gewhnlich das Quartier der Wache. Es gibt Schnwetterzeiten, da
der Offizier der Wache mit einiger Sicherheit voraussehen kann, da
whrend der nchsten Stunden ein Manver mit der ganzen Wache nicht
ntig werden wird. Dann lt er einen Teil der Wache sich im Zeug an
Deck unter ein Sonnensegel zum Schlafen niederlegen, und nur die
notwendigsten Leute zum Rudergehen, Postenstehen, Loggen und anderen
laufenden Arbeiten bleiben wach. Das ist das Quartier der Wache; es
braucht nicht gerade ein Viertel derselben zu sein, es bedeutet
berhaupt keine bestimmte Anzahl, sondern nur Teil oder Abteilung
oder abgeteilte Leute. Der Begriff Quartier darf um so weniger
arithmetisch gefat werden als er berhaupt ursprnglich garnichts mit
Arithmetik zu tun hatte. Denn frher hie die ganze Wache Quartier. Um
acht Uhr zog ein neues Quartier auf, um zwlf Uhr wurde das alte
Quartier abgelst. Es hie also, da man vier auf, vier ab oder Wache
um Wache ging, die Hlfte der ganzen Mannschaft Quartier. Quartier war
vllig gleichbedeutend mit Wache. Das erklrt sich sprachlich ganz
einfach. Von dem Stamm var, wehren, hten, wachen, kommt das gothische
vards, angelschsisch ward (vergl. Steward), althochdeutsch wart,
mittelhochdeutsch wart = Wart, Wrter, Hter, Wchter; davon das
spanische guardia; durch deutsche Kriegsleute dahin getragen hat wart
dasselbe Schicksal gehabt wie wera, das zu guerra wurde; guardia nahm im
Franzsischen die Form garde an, Wchter, und gardes, Wache. Statt
gardes kam aber bald quart oder le Quart auf. Das fand als quartier
seinen Weg ins Niederlndische, und von da kehrte das deutsche Wort in
fremder Form als Quartier zu uns, in die niederdeutsche Seemannssprache,
zurck. ber Quart hat Aubin (1702) Folgendes, da die niederlndischen
Formen dabei stehen, gewinnt es fr uns an Wert und macht die Sache
deutlicher. Quart, Gardes, Le Quart. Niederlndisch: Quartier, Wagt.
C'est l'espace du tems qu'une partie des gens de l'quipage d'un
vaisseau veille pour faire le Service tandisque le rest dort. Chaque
nation a son quart de diffrente dure, et mme parmi les vaisseaux
d'une mme nation le quart est ingal: toutefois il est toujours mesur
et dtermin par horloges, chaque horloge tant fix  une demi-heure.
En France dans les vaisseaux du Roi le quart est souvent de huit
horloges. Dans les autres vaisseaux il est tantt de six, tantt de
sept, et quelquefois de huit. A chaque fois qu'on commence et qu'on lve
le quart on sonne la cloche pour en avertir l'quipage. On dit, Ce
matelot n'a pas fait le quart. Ce Timonier a fait lever le quart un
horloge plutt qu'il ne faloit. En Angleterre le quart est de quatres
heures, et en Turque de cinq. Quart. Les gens du Quart.
Niederlndisch: Quartier, Quartiervolk. Le Capitaine, ou Commandant d'un
navire doit faire la division de ses Quarts, et en faire crire la
disposition dans un tableau qu'on atache  la porte de sa chambre, ou au
mt d'artimon. Le premier Quart, ou Quart de tribord. Niederlndisch:
Eerste wagt, Nagt-wagt, Hoofdtwagt. C'est celui qui est pris le premier,
c'est--dire, immdiatement aprs l'aube, ou  l'entre de la nuit. Ce
premier quart est aussi apell Quart de tribord, et est fait par les
Oficiers subalternes en pi, ou par les plus anciens d'entre les
subalternes. Le second Quart est pris aussi-tt que le premier quart
est fini, ce qui arive ordinairement  minuit. Celui-ci se fait presque
toujours par les Oficiers subalternes qui sont en second, ou par les
moins anciens Oficiers d'entre les subalternes; Quart de babord.
Niederlndisch Hondtwagt, vergl. das deutsche Hundewache. Quart du
jour. Niederlndisch de laatste nagt-wagt, Morgen-wagt. C'est celui qui
est pris  la fin du second quart, et qui amne le jour, c'est--dire
que le jour parot avantque ce quart soit fini. Prendre le Quart,
Niederlndisch op de wagt gaan. Etre de Quart, faire son Quart, de
wagt hebben, syn quartier waaken. Apeller au quart, niederlndisch
porren, unser purren = wecken. Au Quart, au Quart. Niederlndisch:
Quart, Quart, c'est la manire d'apeller ceux dont le tour vient de
faire le quart. Dieses Purren geschah auch auf deutschen Schiffen mit
dem Rufe: Quartier, Quartier! Doch wurde dieses Wort nicht blo
gerufen, sondern in der den deutschen Seeleuten eigenen langgezogenen
Weise ausgesungen. Und meist begngte man sich nicht mit den beiden
Worten, sondern sang, wie beim Werfen des groen Lothes, einen ganzen
Vers, einen Quartiervers. Diese Verse fhren in den Gedankengang jener
Seeleute ein und zeigen zugleich, welcher Sprache sie sich bedienten.
Daher mgen hier ihrer etliche aus der Mitte des siebzehnten
Jahrhunderts eine Stelle finden.

            Quarteer, Quarteer, wilt my verstahn,
            Ein ander Quarteer mut waken gahn,
            Gott vorlehn uns synen Frede,
            Glck und beholden Rei darmede!

            Hir fahre wy mit Gott vorheven,
            Gott will uns unse Snd vorgeven,
            Unse Snd und Missedaht,
            Up Gott steit all unse Thoverlaht.

            Glck und beholden Rei,
            Gottes Genad uns begleit,
            Gut Weder vor de Wind,
            Gott mack unsen Fiend blind.

            Gott der Herr gewe gut Gesicht,
            Achter dster, vr dat Licht,
            Einen rumen Wind und gut Vorspoet!
            Dat doet uns allthosamen goht.

            Gott wil dit gute Schip bewahren,
            Mit all de jenen de dar mit fahren,
            Mast, Kehl, Steng, Rohr, Stag und Wand,
            Bewahr uns Herr durch dine Hand!

            Gott bewahr dit gode Schip,
            Vor einigen Ungelck,
            Vor See, vor Sand, vor Fhr, vor Strand,
            Vor den bsen Hllschen Vyand!

            Gott bewahr uns vor Ungelck,
            Vor Rvers, Trcken und er Tck,
            He holde uns by synem Wort,
            Dat wy ehn prisen hir und dort.

            Gott help uns in ein gude Have,
            Na unsen Wunsch und synen Lave,
            Mit ein dicht Schip gesunden Mann,
            Heruth Quarteer in Gottes Nahm.

            Heruth Quarteer und beydt nicht lang,
            Und wilt den Mann tho Rohr verfangen
            Laht ehn ock nicht langer stahn,
            Dit Quarteer mut schlapen gahn.

            Gott laht den Schipper lange leven,
            Wen he uns wert den Brandwin gewen,
            Gott geve ehm guds tho aller Stund!
            Dat wnsch ick ehm van Harten grund.

            De Strmann ys van guder Art,
            He schrifft he past des Schepes Fahrt,
            Mit synen Bage ys he bereit,
            Wen ehr de Snn naed Sden geit.

            Man tho Rohr guder Held!
            Wyl gy syn ant Rohr gestellt,
            Wacht dat Rohr stret gewi,
            Unsre Hpening up juw ys.

            Unser Klenod dat Compa,
            Ein wackend Oge und dat Gla,
            Is ein Foht dar men up buwet,
            Doch alleen unsen Gott vertruwet.

            Jungmann stet hirup bedacht,
            Nehmt de Pump in guder acht,
            Brucket dat Loth sparet neen Lien,
            Lath de Vorsorge by juw syn.

            Riset up Kock gode Maht!
            Muntert juw uth juwen Schlap,
            Vor frischet juw Fisch unde Fleisch,
            Gott geve uns Glck und beholden Rei.


*Quartier geben*

ist = Pardon geben. Quartier ist hierbei im Sinne von Unterkunft zur
Erhaltung des Lebens genommen, s. Quarter-Deck. Wenn einer einen
Gefangenen macht und ihm das Leben schenkt mu er ihm auch fr
Unterkunft sorgen und zwar schon seines eigenen Vorteils wegen fr eine
*sichere* Unterkunft.

Den Ausdruck Quartier geben fr die eine Seite entspricht auf der
anderen Quartier begehren d. h. die Waffen strecken.


*Quast*, der,

heit wegen der hnlichkeit der Gestalt in der Seemannssprache der
Pinsel. Eigentlich ist -- vergl. Badegast -- Quast ein Laubbschel,
Zweigbschel, Reisigbndel. Es kommt als quest hufig und in vielen
Verbindungen im Mittelniederdeutschen vor: klederquest, Kleiderquast,
die Kleider auszuklopfen; heide-quast, Quast aus Heidekraut, die Tpfe
und anderes Kchengert zu reinigen, wi-quest, Weihwedel; witjen-quest,
dicker Pinsel von Schweinsborsten um die Wnde zu witjen, zu weien.
Hochdeutsch kennen wir das Wort hauptschlich als Quaste.

Mit dem weien, dem schwarzen Quast malen sagt der Seemann, je
nachdem der Vorgesetzte bei der Besichtigung des Schiffes gndig oder
ungndig ist.




R.


*Rabatteisen*, das, s. Kalfaten.


*Rack*, das,

heit die Vorrichtung mittelst deren die Rahe an den Mast befestigt
wird. Sie hat im Laufe der Zeit mancherlei technische Vernderungen
erfahren, ist auch verschieden bei Unterrahen, verschieden bei
Marsrahen, verschieden bei Gaffeln, aber das Gemeinsame ist und bleibt
stets dies, da das Rack, bestehe es nun, wie ursprnglich aus einem Tau
auf dem rosenkranzartig runde Holzkugeln, Rackkloten, aufgezogen sind,
die das Auf- und Abziehen erleichtern, oder aus Rackketten und
Racktaljen, immer dasjenige Etwas ist, das die Rahe an den Mast
heranbringt, mit ihm in Berhrung bringt und an ihm festhlt. Dieser
Begriff liegt aber in dem niederdeutschen Zeitwort raken. Dornkaat gibt
dafr fr das Ostfriesische folgende Bedeutungen an: treffen oder
erreichen, eine Bewegung machen wohin oder worauf los, sich bewegen vor,
kommen zu, berhren, anrhren, reichen an ..., wohin kommen, gelangen,
geraten, zusammenstoen. Es ist also klar, da Rack zu diesem raken
gehrt. Das seemnnische Zeitwort racken aber ist dann wiederum von Rack
gebildet: das tun was mit einem Rack getan wird, die Rahe an den Mast
befestigen.

Rack heit niederlndisch rak, schwedisch rack, norwegisch, dnisch
rakke, altnordisch rakki, islndisch racki. Aus dem Germanischen ist das
Wort ins Franzsische gegangen: raque.

Nur der Englische ging eigene Wege. Hier heit das Rack parrel, was von
apparrel, Zurichtung gekrzt sein soll. Doch klingt das sehr allgemein.
Sollte nicht am Ende pearl, niederlndisch parrel, in dem Worte stecken,
so da die Rackkloten mit den Perlen eines Rosenkranzes verglichen
worden wren? Der Gedankengang lag nahe genug.


*Rahe*, die.

Segelstange. Wird auch Raa, Raae, Rah geschrieben. Das aus einem
aufgeweichten g entstandene h verlangt sein Recht. Mittelniederdeutsch
rhaa; hier ist das h, wenn es auch an verkehrter Stelle steht, doch
nicht ganz verloren gegangen; Lbecker Zunftrecht: Ein lehrknecht, de
sine lehrjahre uthgedenet, schal tom provestcke maken ein rhaa, mast
vnd roer. Das Erste was einem beim Anblick einer Rahe in die Augen
fllt ist da sie ragt, weit in die Luft hinausragt. Und das Ragende hat
bei der Benennung gewi den Ausschlag gegeben. Gothisch rakjan, ragen.
Schon im Althochdeutschen hatte sich die Lautverschiebung vollzogen:
raha, Stange; mittelhochdeutsch schon rahe wie heute. Altnordisch r;
Teuthonista: rae, des scheeps balck geheyten en ra dair dat segel of
seyle an gevesticht is. Niederlndisch ree. Diese letzten drei Formen
sind Zusammenziehungen nach Schwund der Gutturale oder des aus ihr
entstandenen h und bedeuten ein Zugestndni an niederdeutsche
Einsilbigkeit. Die Schreibart Rahe, als an die Herkunft erinnernd, ist
vorzuziehen. Beim Otfried kommt eine Stelle vor: Zimboron thia racha,
was wohl mit dem erwhnten raha verwandt sein drfte.


*Raketenapparat*, der,

ist eine Vorrichtung zur Rettung von Menschen aus Seenot, wie sie die
unter dem Protektorat des Kaisers stehende Deutsche Gesellschaft zur
Rettung Schiffbrchiger auf den Rettungsstationen an den deutschen
Ksten vorrtig hlt. Das Erste und Hauptschliche an der Sache ist, da
eine Rakete, an der eine dnne Leine befestigt ist, ber das gefhrdete
Schiff hinweggeschossen wird, und da man an Bord dieses Schiffes die
Leine erfat und festhlt. Alles andere ergibt sich dann nach der
genauen Handhabungsvorschrift der genannten Gesellschaft von selbst.
(Vergl. auch Hosenboje) Rakete, englisch rocket, (nicht zu verwechseln
mit dem Ballschlger racket, der in Deutschland im Mittelalter raket
hie, von rete = Netz eine Diminutivform, also Schlagnetz) italienisch
rochetta, Diminutivum vom italienischen rocca, althochdeutsch roccho,
rocco = Rocken. Das Wort ist also deutsch und kommt von der hnlichkeit
einer pulvergefllten Papierhlse mit einem Spinnrocken.


*rammen.*

Durch anrennen in den Grund bohren, zu bohren versuchen. Es gibt ein
althochdeutsches Zeitwort ramen, mittelhochdeutsch ramen: aufs Korn
nehmen, nach etwas trachten. Da haben wir schon dasselbe Wort. Davon kam
zunchst ramme, Balken oder Klotz zum Einstoen von Pfhlen oder Steinen
in die Erde; Sturmbock zum Einrennen von Toren und Mauern, Widder.

Der Bock, der Widder gibt die Erklrung, denn der hie und heit
mundartlich heute noch ram, mittelhochdeutsch ram, althochdeutsch rammo,
von einer Wurzel ra, die stoen bedeutet.

Rammen kann ein Schiff fglich nur wenn es mit seinem Vorderteil dem
anderen in die Seite fhrt. Daher mu sein Steven, sein Bug als
*Rammsteven*, *Rammbug* gestaltet sein; es ist dann ein Rammschiff.


*Randsomhlzer*, die,

sind die Hlzer aus denen der Holzschiffbau das hinterste und auch das
vorderste Spant zusammensetzt, so da also die hinteren mit den Wrangen
und dem Heckbalken den Spiegel, die vorderen den Bug angeben. Das Wort
stammt aus dem Niederlndischen, wo es randsoenhouten heit. Randsoen
besteht aus der beliebten niederlndischen Endung oen, sprich un,
(vergl. Pardun) und rand. In der Tat bilden diese Hlzer den hintersten
bezw. vordersten Rand des Schiffes, daher sie auch im Englischen fashion
pieces heien, d. h. Faonstcke, Stcke die die Gestalt bestimmen.
Die Randsomhlzer sind strker als die gewhnlichen Spanten. Bei dem zur
Zeit in Kiel im Bau befindlichen Sdpolarexpeditionsschiffe werden, wie
fachmnnische Seite mndlich berichtet, die Randsomhlzer besonders
verstrkt um dem Eise desto mehr Widerstand bieten zu knnen.

Fr gewhnlich wird angenommen, da es nur hinten Randsomhlzer gibt,
doch sagen Mnner vom Fach, da sie auch vorne vorkommen.


*rank*

ist ein Schiff, wenn es sich leicht auf die eine oder die andere Seite
legt, wenn es zum Krngen neigt. Das Gegenteil davon ist stabil. Ob
ein Schiff rank oder stabil ist, hngt von der Lage seines Metacentrums
(s. d.) ab.

Das verwandte hochdeutsche Zeitwort steckt noch in unserem verrenken,
drehen, hin und her ziehen. Daher auch Ranke; fr eine Pflanze das
Mittel sich festzuhalten, doch so da sie Spielraum hat sich hin und her
zu bewegen durch die Federkraft der spiralfrmigen Rankengestalt. Rank
ist in der Einzahl als Substantivum nicht gebruchlich, desto mehr in
der Mehrzahl Rnke, eine schnelle Wendung, eine krumme Bewegung, eine
List andeutend; im Mittelhochdeutschen war aber die Einzahl rank =
schnelle, drehende Bewegung gebruchlich. Im Niederlndischen sagt man
wohl von einem Mdchen, sie sei een rank meisje; das heit nicht, wie
Weiland meint, ein dnnes, sondern vielmehr ein flinkes, bewegliches
Mdchen.


*Rapert*, das,

ein jetzt ziemlich veraltetes Wort fr Laffette. Eigentlich Rampert,
niederlndisch rampaard, also Rammpferd. Whrend die Laffette in den
romanischen Sprachen Wagen (carretta) heit, hat man sich in den
germanischen das Kanonenrohr als auf ein Pferd gebunden vorgestellt,
Rammpferd aber gewhlt, weil es beim Schieen stt wie ein ram, ein
Widder (s. rammen).


*Rauchsegel*, das.

Wenn ein Segelschiff, das auch Dampfkraft hat, diese letztere zeitweilig
bentzt, so mssen die (natrlich fest gemachten) Segel mit Bezgen
versehen werden, damit der Rauch sie nicht schwrze. Ein solcher Bezug
ist ein Rauchsegel; Segel weil aus Segeltuch hergestellt, wie man auch
von Sonnen- oder Regensegel spricht. Sie wurden frher und werden wohl
auch jetzt noch treffender Rauch*bezge* genannt.


*Raum*, der,

ohne nhere Bezeichnung bedeutet auf Handelsschiffen den Raum zur
Aufnahme der Ladung, den Laderaum, niederdeutsch rum. Alle anderen
Rume, sie mgen noch so bedeutsam sein, mssen besonders bezeichnet und
benannt werden, Kajte, Pflicht, Farunner, nur der Raum, auf den es bei
einem solchen Schiffe allerdings hauptschlich ankommt, heit *der*
Raum.

Vor Zeiten war Raum in gewissen Zusammensetzungen gleichbedeutend mit
Deck z. B. Ober-Raum = Oberdeck. Es erzhlen die Durchluchtigsten
Seehelden, Sulzbach 1681 von Andreas Doria: Es will aber das Krieges
Glck nicht allezeit fgen, und ein so tapferer Kriegsmann wird nirgends
gefunden, dem es nicht etwa einmal zu wider lauffen sollte. Und warlich
so viel herrliche Thaten mochten wol ein oder zwey widerwrtige Flle
berwgen. Doria hatte zu Spesia das teutsche Fuvolck von Madrucci auf
viertzig Galeyen eingenommen, und wiewohl ihm nicht unbewust war, da
die Trckische Flotte sich in der See aufhielte, verhoffte er
gleichwohl, dieselbige entweder an Gaetta, oder an einem andern
benachbarten Orte an das Land zu setzen; weil es aber Nacht worden, und
er wegen seines hohen Alters nicht lnger oben auf dem *Ober-Raum*
bleiben konnte, hat er befohlen, da man von der Insel Ponza sich
abhalten solte, es wurden aber die Galeyen entweder durch den Strom,
oder durch Unvorsichtigkeit der Steuerleute, so nahe an dem Ort, da die
Trken lagen, getrieben, da sie ihnen eher auf den Hals kamen, als sie
sich zum fechten fertig machen konten. Derohalben Doria Befehl tht, da
man auf das fglichste, als es immer mglich zu weichen, bedacht seyn
solte, aber unter denselben ward eine Galeye verloren, wie auch noch
andere sechse, so die gantze Nacht, und den halben folgenden Tag von
den Trken verfolget, und benebenst sieben hundert Teutschen, und einem
Obersten, genommen wurden.


*raumen*

ist die seemnnische Form fr das neuhochdeutsche Wort rumen, sich von
der Stelle bewegen, den Platz verlassen, Raum machen oder geben, Platz
machen, niederdeutsch rumen, mittelhochdeutsch rumen, althochdeutsch
ruman, angelschsisch rumjan. Seemnnisch bedeutet: Der Wind raumt, er
verndert seine Richtung, aber nicht wie beim Krimpen, in ungnstiger,
sondern in gnstiger Richtung, so da man besser Kurs steuern und die
Segel aufbrassen d. h. den Wind unter gnstigerem Winkel auf die Segel
wirken lassen kann. Wenn der Wind so gnstig ist, ungefhr backstags
weht, so spricht man von raumem Wind und kann raumschots segeln; man
spricht auch von *raumer See*, wenn das Schiff freie Bahn hat, wenn ihm
genug *Seeraum* zur Verfgung steht.


*rauschen lassen*

heit eine Sache nicht langsam an einem Tau fieren, sondern das Tau
loswerfen und so den Gegenstand dem Gesetze seiner Schwere bergeben,
da er diesem Gesetze folgend zu Boden saust. Rauschen heit nach Kluge
brausen, sausen, strmen, eilig einhereilen, entsprechend dem
niederlndischen ruischen, englisch to rush = strzen. Diese letzte
Bedeutung erinnert an einen sehr gefhrlichen Scherz, der eigentlich
kaum ein Scherz genannt werden kann, darin bestehend, da man einen
schlafend oder doch ahnungslos in der Hngematte Liegenden rauschen
lt, indem man heimlich die Befestigung der Hngematte am
Hngemattshaken lst.


*reddern*

die Segel, heit, sie durch Ordnen der Brassen, Schoten u. s. w. so in
den Stand setzen, da sie zum sofortigen Gebrauch bereit, klar zum
Segelsetzen sind. Das niederdeutsche Zeitwort reden, mit dem auch Reede
verwandt ist, bedeutet bereit machen, eigentlich fertig machen zum
Reiten, sattelfertig fr das Besteigen eines Pferdes, seinen Anzug
ordnen. In vielen Konjugationsformen von reden stellt sich ein doppeltes
d ein. Von einer solchen geminierten Form ist reddern ein Faktitivum,
besonders als solches gebildet ohne Rcksicht auf den eigentlichen schon
an sich faktitiven Sinn des Zeitwortes.


*Ree!*

ist auf Segelschiffen der Handelsmarine dasselbe Kommando, das auf
Kriegsschiffen: Klar zum Wenden! lautet, bedeutet also den Befehl,
da jeder sich auf seinem Posten bereit zu halten habe zu den stets
wichtigen Manvern des Wendens. Das erste Kommando zum wirklichen Beginn
desselben heit jetzt Luv zum Wenden! Frher hie es: Ruder (-Pinne)
in Lee! Es ist behauptet worden, Ree wre eine sehr starke
Zusammenziehung dieses Kommandos, (Ruder in Lee, Rulee, Ree) aber
das stimmt schon dem Sinne nach nicht, da Ree dem Ruder in Lee
zeitlich und begrifflich vorangeht. Ree ist allerdings eine Kontraktion,
aber von rede und da dieses nichts anderes als bereit, fertig,
klar zum Manver heit, wei jeder, der den Ursprung von Reede kennt.


*Reede*, die,

ist ein Ankerplatz fr Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein
niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts
ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist fr
die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man knnte ruhig Rede
schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden mu, und nur um es
von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise
Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet franzsisch rade, spanisch,
portugiesisch und italienisch rada, ist aber deutschen Ursprungs. Wir
mssen auf das Gothische zurckgehen. Da heit garaiths angeordnet,
garaidjan bereit machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig
machen. Und zwar liegt dem Worte ursprnglich der Begriff des Reitens zu
Grunde; bereit ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie
der fertig (fhrtig) ist, der bereit ist, auf den Wagen, auf dem er
fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bereit machen.
Mittelniederdeutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu
Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet,
(Huptling zu Greetsiel) bei Bremen, da er den Verbundbrief noch nicht
geschickt habe, wente de inseghel des mene landes een dele nycht al
rede synt. Die lteste deutsche Form fr Rede ist reyde, reide, rede;
diese drei kommen bereits 1400 im Seebuch vor. Gewhnlich aber reyde
in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein
kaiserliches Reskript vom 2. Mrz 1634 von Bremischem Convoy-, Tonnen-,
Baken-, Hafen-, Reyder-, Consumtions- und Schreibgeld. Dieses
Reydergeld nennt der aus Mitteldeutschland stammende oldenburgische
Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. Aber dessen ungeachtet haben die
von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuter- und
Tonnengeldt und dergleichen von den Schiffen zu nehmen ... Allmhlich
aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz
gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen
Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunchst rede und dann des
fteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf
Handelsschiffen der Befehl: Klar zum Manver einfach ree! heit. Von
diesem rede = bereit hat Reede den Namen. In einem alten Stralsunder
Vocabularium heit es: reyde het de stede vor de hauene, dar man en
schip reydet, rede makt to segelende. Das ist ungefhr, aber doch nicht
ganz richtig. Nicht darum heit der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da
rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen
Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist.
Erst wenn es im Hafen vllig aufgetakelt, bemannt, geladen, ausgerstet
ist, kann es hinaus auf die Reede, bereit Anker auf zu gehen sobald der
Befehl dazu ergeht und der Wind dazu gnstig ist. Die meisten Reeden
wrden sich gar nicht zum Ausrsten und Laden eines Schiffes eignen.

In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf
umgekehrtem Wege zu erklren, so da Reede -- englisch road -- als Weg
zum Reiten, zum Fahren fr Schiffe das ursprnglichere wre und das
Eigenschaftswort rede eben davon kme, da das Schiff, das auf der Reede
liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen groen Umweg, den man um so
mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf dasselbe,
nmlich auf den aus reiten entstandenen Begriff bereit hinauskommt.

Das Wort hat reiche Beziehungen im Romanischen. Auer dem erwhnten rada
finden wir im Italienischen arredo, spanisch arreo, portugiesisch
arreio, altfranzsisch arroi = Zurstung, Putz, Gerte; italienisch
arredare zursten, corredo, altfranzsisch conroi, Ausrstung. Alles vom
gothischen raidjan. Dazu auch franzsisch agrs Takelwerk, agrer
auftakeln; altfranzsisch agrei berhaupt Ausrstung, Vorrat; wofr der
Teuthonista schyp gereytscap hat; mittelniederdeutsch bei Kilian
gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bereitschaft, da man ein
Testament selgerede, Bereitschaft der Seele zum Sterben nannte.

Auf die Reede gehen heit auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt
1588 Waghenaer anstatt ankern Reede machen. Daer leyt een banck
buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt Reefhoren,
streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot sommighe
plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe plaetsen door
zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende norden wind.


*Reederei*, die,

heit eine Firma, die ihr gehrige Schiffe fahren lt, wozu gehrt, da
sie dieselben vorher ausrsten, bemannen und laden lt, also rede macht
(s. Reede). Der Inhaber einer Reederei heit *Reeder*, niederlndisch
reeder, altnordisch, islndisch reidari, norwegisch reidar, schwedisch
redare, dnisch reder. Eigentlich heit Reeder weiter nichts als
Bereiter, Anfertiger, Zu- oder Ausrster z. B. linnen-reder, Leineweber.
Wenn aber blo Reeder gesagt wird, so ist ein Schiffsreeder gemeint.


*Reep*, das,

ist nicht nur das Tauwerk im Dienste der Seemannschaft, in
Niederdeutschland heit von Alters her jedes Seil, jeder Strick, jeder
Strang Reep: das Reep der Glocken, das Reep des Henkers, sogar die
Meschnur heit als Seil zum Messen in einer Skra die Lbeck etwa 1290
nach Lbischem Recht an den Hof der Deutschen in Nowgorod verfgt hat,
repe: So we one begrepen wert mit eime valschen repe oder mit einer
valschen elen unde darmede met ... Doch mu es schon dem Teuthonista
vor mehr denn 400 Jahren gelufig gewesen sein, bei Reep hauptschlich
an den seemnnischen Gebrauch zu denken, denn nachdem er zuerst ganz
allgemein gesagt hat, es sei ein seyl of towe, fgt er hinzu: repe of
seyl tot den segel of seyle op den schyp dyenende, repe of seyl in den
schyp der men in den wyntstorm gebruict, repe dar men dat segel in den
schyp mede op trect. Gothisch heit es raip, althochdeutsch reif.
Dieses letztere wird aber fr zwei Begriffe gebraucht, fr Seil und fr
Ring. Das mu daher kommen, da ein aufgeschossenes Seil wie ein Ring
daliegt, zumal wenn anstatt des Hanftaues eine wilde Waldrebe gebraucht
wird, wie es das ursprngliche war. Wer gesehen hat, wie noch jetzt in
einfachen lndlichen Verhltnissen an Stelle eines Strickes eine
Waldrebe gebraucht wird, der kann sich leicht vorstellen, da ein Reep
im Grunde nichts anderes ist als eine Rebe. Das gothische Wort
skaudaraip pflegt man wohl mit Schuhriemen zu bersetzen, es war aber
ursprnglich nicht etwa ein Lederriemen, sondern einfach ein Stck
Rebe. Wenn die altdeutschen Damen, wie aus dem Worte wida, Haarband,
hervorgeht, zum Aufbinden ihrer langen blonden Haare eine wida, Weide,
bentzten, hnlich wie heutzutage die Besenbinder die Birkenreiser
zusammenbinden, so werden die Mnner sich auch wohl mit einer Rebe als
Schuhband begngt haben. Im Laufe der Zeiten ist aber die Herkunft des
Wortes Reep von Rebe als dem bindenden Material so aus dem Bewutsein
der Leute entschwunden, da man in Ostfriesland sogar ein aus Stroh
gedrehtes Seil ein Strohreep nennt.

Mit Reep ist auch Rippe verwandt mit der gemeinschaftlichen Bedeutung
Umschlingung. Man hat versucht, Reep davon abzuleiten, da der
Reepschlger den Hanf rupft beim Rckwrtsgehen; das drfte kaum
angngig sein.


*Reffen*, *reefen*.

Die Segel kleiner machen, sei es da der Wind an Strke zunimmt, sei es
da man aus irgend einem Grunde kleinere Fahrt machen, mit geringerer
Geschwindigkeit segeln will. Richtiger reefen. Es ist ganz unerfindlich,
wie das ff in das Wort gekommen sein mag. Es mu irgend ein Unkundiger
an raffen gedacht haben, weil das Segel beim Reffen von der Rahe aus mit
der Hand gerafft wird. Der Seemann spricht aber reefen, niemals reffen.
Und er tut recht, denn reffen kommt von *Reef* und dieses von Reep.
Hren wir Roeding's allgemeines Wrterbuch der Marine ber das
Technische: Man bindet nmlich durch dnne Linien, (Leine, Band,
Bndsel, Reffbndsel,) die Reefbanden genannt werden, und in einem quer
ber das Segel genhetem Streif Segeltuchs befestigt sind, und auf
beiden Seiten des Segels herabhngen ... einen Teil desselben um die Raa
fest, so da der brige nicht eingebundene Teil allein dem Winde
ausgesetzt bleibt. So viele quer ber das Segel genhete Streifen
einander parallel in gewissen Abstnden vorhanden sind, so viele Reefen
knnen eingesteckt werden. Nun ist Reep zu vergleichen und zu beachten
da Reep frher nicht nur ein Tau, sondern auch einen Leinwandstreifen
bedeutete, (hnlich wie unser Riemen fr Lederstreifen von dem
griechischen rhyma, Seil, kommt). Diese Leinwandstreifen, zur
Verstrkung des Segels da aufgenht wo die Reffbndsel zu sitzen kommen,
sind eigentlich die Reefe; reefen aber ist das davon abgeleitete
Zeitwort. So erklrt sich auch das Kommando: Das erste, zweite, dritte,
vierte Reef in die Marssegel! natrlich von oben gerechnet.

Um aber denen, die an raffen gedacht haben, alle Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen, so ist nicht ausgeschlossen, da raffen im Sinne
von umfassen und halten eines Stammes mit Reep, Rebe und Rippe ist,
entstammt der Wurzel die im Sanskrit rabh heit und fassen, umfassen
bedeutet.

Beim Ankern wird nicht gereeft, da werden die Segel aufgegeit (s. d.).
Da wo Karl Simrock von Oegir (Aegir) handelt und ber das Schiff
Ellida aus der Frithjofsage von Tegner eine Stelle anfhrt, die im
Original refvade seglet sig sjelf lautet, htte er Gelegenheit gehabt,
diesen, der ja nicht Seemann sondern Bischof war, zu verbessern. Er hat
sie sich aber entgehen lassen, so da wir bei ihm in Uebersetzung lesen:

      Tags darauf stand Wiking am Meer, und sieh, wie ein Seeaar,
      Wenn er die Beute verfolgt, in die Bucht einlief ihm ein
          Drachschiff.
      Niemand sah man darauf, ja es stand selbst keiner am Steuer;
      Dennoch fand's den geschlngelten Weg durch Klippen und
          Scheeren,
      Gleich als bewohnt es ein Geist, und als es dem Strande sich
          nahte,
      *Reffte* das Segel sich selbst, unberhrt von menschlichen
          Hnden
      Senkte der Anker sich nieder und bi mit dem Zahne den
          Seegrund.
      Stumm stand Wiking und sahs; da sangen die spielenden Wogen:
      Oegir gedenkt, den du bargest, der Schuld und schenkt
          Dir den Drachen.


*Regatta*, die.

Das Wort ist jetzt fr jedes zur *See* stattfindende Wettfahren in
Gebrauch: Segelregatta = Wettsegeln; Bootsregatta = Bootswettsegeln;
Ruderregatta = Bootswettrudern. Das Wort stammt aus Venedig und ist
lange Zeit nur dorten fr die Wettfahrten der Gondeln angewandt worden.


*Regelchronometer*, der.

Wie Regelkompa der magebende Kompa ist, so ist Regelchronometer
derjenige, nach dem man sich von Schiffs wegen ein fr allemal richtet,
der Hauptchronometer. Zum Vergleich und zur greren Sicherheit gibt es
auf greren, nach den Anforderungen der Neuzeit ausgersteten Schiffen
mehrere Chronometer, aber einer dient als Regel und Richtschnur.


*Regelkompass*, der,

ist der Kompa, nachdem sich der Kommandant, der Navigationsoffizier,
der wachhabende Offizier richten, er mu daher in der Nhe der Stelle
angebracht sein, von der aus diese drei ihre Befehle ergehen lassen,
nahe der Kommandobrcke und dazu mglichst hoch, schon um den
magnetischen Einflssen der Umgebung nach Mglichkeit entrckt zu sein.
Da mit dem Regelkompa auch gepeilt wird, so mu er schon darum einen
freien, bersichtlichen Stand haben. Ist dieser in der Nhe der
Kommandobrcke nicht mglich, so mu ein eigener *Peilkompass* an
passender Stelle angebracht werden. Einen besonderen *Steuerkompass*,
den die Leute am Ruder bequem sehen knnen, gibt es ohnehin.


*Regensegel*, s. Rauchsegel.


*Registerbrief*, der,

die amtliche Bescheinigung der heimischen magebenden Behrde, die ein
Schiff mit sich fhrt ber seine Nationalitt, seine rechtliche
Zugehrigkeit zu einer bestimmten Nation; sein Ausweis andern Staaten
gegenber, da es den Schutz seiner Flagge seitens seines Heimatsstaates
geniet; das darber ausgestellte Certifikat, der Brief, mu eine
Beschreibung des Schiffes enthalten, den Namen und die nhere
Bezeichnung des Eigentmers, des Kapitns etc. und eine Angabe darber,
da es in die heimischen Register eingetragen ist.


*Reibholz*, das,

ist nicht mit der Bezeichnung Reibholz = Streichholz zu verwechseln,
sondern bedeutet das Holz, das zwischen einem an einer Kaimauer
liegenden Schiffe und der Kaimauer selbst sich befindet und verhtet,
da das Schiff sich an den Steinen der Mauer reibt, also ein Mittel
gegen das Schamfilen. Wird die Vorsichtsmaregel von Bord aus getroffen,
so bedient man sich eines Fenders; von Land aus, so nennt man das dazu
verwendete Holz Reibholz, doch knnen natrlich auch Bord und Land
zusammenwirken.


*Reichskommissar*, der,

fr das Seemannswesen, ist der Beamte des Reichs, der, ein frherer
Seeoffizier, angestellt ist um bei Seegerichtsverhandlungen mit Recht zu
sprechen und dabei sein seemnnisches Verstndni zur richtigen
Beurteilung eines See-Unglcksfalles im besonderen in die Wagschale
fallen zu lassen.


*Reil*, das,

ist das zuweilen noch gehrte, schlecht ausgesprochene Wort fr
Oberbramsegel: royal. Es heit eigentlich kniglich, offenbar weil
dieses Segel das hchste, oberste an Bord ist. Es knnte aber auch sein,
weil die royal navy es zuerst in Gebrauch gehabt htte. Doch das mssen
die Englnder unter sich ausmachen. Es beschrnkt sich der Gebrauch des
Namens bei uns auf das Oberbramsegel; die Oberbramstenge und
Oberbramrahe ist bei uns berall nicht nach diesem royal benannt.


*Reise, reise!*

Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die neue Wache die
verfangen soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf fr englisch gehalten
worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heit. Und doch wurden in
Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe Britannien
daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im Altfriesischen, das seit
fnfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird, hie es: riys oer ein!
Di sinne scynt yn dyn naest! Aufstehen, sich erheben hie eben
altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch risan,
mittelhochdeutsch risen, mittelniederdeutsch noch ziemlich spt und
zwar, wie die davon abgeleiteten Wrter bezeugen, nahe an reisen
anklingend, ebenfalls risen. Daher kommt nmlich ein Reisiger, einer der
sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische
pleonastische Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im
Althochdeutschen hie reisa Aufbruch, Kriegszug, und daraus entstand
nach und nach unser Reise im Sinne von: So jemand eine Reise tut,
dabei gilt es ja und galt es frher noch mehr, sich frh zu erheben,
der Sonne entgegen zu gehen.

Sehr deutlich hat die Architektur in ihrem Worte Riese die Bedeutung
sich erheben festgehalten. Sie unterscheidet in der Gothik bei einer
Fiale, diesem kleinen schlanken Trmchen, den Leib und den Riesen, und
dieser ist der Teil der sich verjngend nach oben strebt.

1673 hie niederdeutsch das Steigen, das Hhergehen der Sonne noch
risen; Beschriving van der Kunst der Seefahrt: im gewissesten tho
gahn, so mag man diese Pegeling 2.  3. mahl dohn, und ein jedermahl
anschriven, doch mut solckes kort na ein ander geschehen ehr de Sn vel
rist.

Wenn gy nu snd by Norden de Snn, dat ys wen de Snn Sdwart van juv
ys, und upt Hgeste ys geresen, so nehmet den Stock (Jakobsstab), und
settet ehn an dat buten Kant, nevens juw Ogappel, und schufet dat Krtz
so lang, dat gy dat bawenste Ende vant Krtz recht int midden up de Snn
krigen, und dat underste Ende just an de Kimmen offt Horizont des
Waters. Wachtet den ein weinich und proberet ydt wedder, und wat de Snn
den hger reist, dat halet dat Krtz na juw, bet gy sehn dat de Snn
nicht mehr riest, so ys ydt wol.


*Reling*, die.

Es ist nicht zu verkennen, da unsere Kriegsschiffsseeleute heutzutage
unter Reling etwas anderes verstehen als was sie eigentlich ist. Denn
sie nennen die ganze Bordwand soweit sie ber das Oberdeck hinausragt
Reling, whrend sie eigentlich doch nur ein auf dieser Bordwand
aufsitzendes Gelnder bedeutet. Es waren auf dieser Bordwand Sttzen
angebracht, und diese waren mit Riegeln unter einander verbunden, so da
diese Riegel das Gelnder bildeten. Riegel heit niederdeutsch Regel;
daher zunchst Regeling und dann nach Schwund des g und Zusammenziehung
der beiden e Reling. Roeding (1794) hat eine leicht verstndliche
Beschreibung: Regelingen sind lange dnne hlzerne Riegel die von Zeit
zu Zeit durch hlzerne Sttzen getragen werden, die man Finknetzsttzen
oder Regelingssttzen nennt. Letztere sind auch manchmal von Eisen und
beide zusammengenommen bilden ein Gelnder um den Bord des Schiffes,
welches die Schanzkleidung trgt. Auf Kriegsschiffen sind die
Finknetzsttzen gewhnlich von Eisen und doppelt; statt der Regelingen
scheert man gern einen Leier (Leiter) von hinlnglich starkem Tauwerk
durch ein Loch an ihrem oberen Ende. Vom Leier bis zum Bord wird nach
innen und auen ein Netz von dnner Lien befestigt, welches das Finknetz
heit. Zwischen beide werden im Gefecht und bei gutem Wetter zum
Auslften die Hangematten des Schiffsvolks gestauet, die eine Art von
Brustwehr machen, welche zuletzt mit einer Schanzkleidung von gemaltem
Segeltuch oder bloer Presenning bedeckt wird.


*Remorqueur*, der.

Am Rhein hlt man es fr geschmackvoll, einen Schleppdampfer remorqueur
zu nennen und von remorquieren zu sprechen. Franzsisch rmorquer,
italienisch remorchiare, spanisch remolcar, vom lateinischen remulcum =
Schlepptau, remulcare, griechisch remulkein, am Seil ziehen, ins
Schlepptau nehmen.


*Reveille*, die.

Mit Bezug auf dieses Wort sind wir franzsischer als die Franzosen. Denn
die reden nicht von Reveille, sondern sagen battre la diane; hollndisch
die Diana slaan. Diana heit die Morgenwache, italienisch diana, der
Morgenstern, eigentlich stella diana, von dem verschwundenen Adjektiv
diano, von dies, der Tag. Die Gttin der Jagd ist durch Miverstndnis
in die seemnnische Gesellschaft gekommen. brigens hat man sich
besonnen und sagt jetzt anstatt Reveille Wecken.


*Revier*, das,

ist das Fhrwasser in einem schiffbaren Flusse. Es ist also ganz
berflssig Flussrevier zu sagen. Diese nhere Bestimmung ist zu Revier
nur hinzugefgt worden, weil in verschiedenen hochdeutschen
Verbindungen, wie z. B. Jagdrevier, Forstrevier, Revierfrster, und auch
fr sich allein stehend das Wort Revier die Beziehungen zu Flu, die es
ursprnglich besa, verloren hat. Es kommt von rivire, Flu; dann
Gegend am Flu, also Ufer; dann Gegend am Ufer, und zuletzt einfach
Gegend, Bezirk. Mittelhochdeutsch rivier, und so meist auch
mittelniederdeutsch, die zweite Silbe mit sehr langem i, flieendes
Wasser, Flu, Strom. Die Formen revier, rivier, rever wechseln mit
einander. Es ist zu beachten, da seemnnisch nicht jedes flieende
Wasser, sondern nur das schiffbare Revier heit. In den
durchluchtigsten Seehelden (1681) wird von einer hollndischen
Gesandtschaft nach England aus dem Jahre 1664 berichtet. Der Gesandte,
Herr von Goch, hatte noch denselbigen Abend geheime Audientz bei dem
Knig, da anfnglich nichts als allerley Freund- und Hfflichkeiten
vorgiengen. Aber Se. Majt. fiel zum ersten auf die Sachen der Ost- und
West-Indischen Compagnie davon er unter anderen Reden sagte: Es wre
unertrglich, da die West-Indische Compagnie mit etlichen wenigen
Vestungen, und einem Schiffe drey oder viere (drei oder vier Schiffen),
ohne fernere Besitzung einiges Landes die gantze Africanische Kste mit
derselben Rivieren und Strmen unsicher machen und andern den Handel
alle verhindern und incommodiren solte.


*Riemen*, der,

besser Remen, das seemnnische Wort fr das Werkzeug zur Fortbewegung
eines Boots, das im nichtseemnnischen Leben *Ruder* genannt wird. Da
Remen zu Riemen gemacht und so in die Lage gebracht wurde, mit einem
Lederstreifen verwechselt zu werden, war ein ziemlich khnes Wagnis,
zumal es Leute gemacht haben, die doch wohl kaum ahnen konnten, da die
beiden Wrter am letzten Ende auf eine Wurzel zurckgefhrt werden
knnen. Tatsache ist, da jetzt Remen = Ruder und Riemen = Lederstreifen
zwei sehr verschiedene Dinge sind.

Remen ist als seemnnisches Wort zuerst, und zwar schon in
althochdeutscher Zeit, am Oberrhein gebraucht worden. Von da ist es den
Rhein hinabgewandert und hat sich an den Ksten der Nordsee und auch
--wie zahlreiche mittelniederdeutsche Urkunden beweisen -- an der Ostsee
ausgebreitet. An den Oberrhein haben ihr remus die Rmer gebracht,
vielleicht der rmische Admiral Crescentius, dessen Votivstein im Museum
in Kln steht, oder einer seinesgleichen, denn es gab rmische Seeleute
genug am Rhein. Es fragt sich jedoch, wie die alten Deutschen dazu
kamen, das fremde Wort fr eine Sache anzunehmen, die ihnen doch
unzweifelhaft schon lange vor der Zeit der rmischen Herrschaft am Rhein
bekannt war. Sie hatten doch gewi auch in der vorrmischen Zeit einen
deutschen Namen fr das Fortbewegungsmittel ihrer Einbume. Da sie nicht
so neuerungsschtig waren wie ihre sptgeborenen Shne, so mu der
uralte Name zu Gunsten des neuen darum aufgegeben oder doch
zurckgedrngt worden sein (s. Ruder) weil das neue Werkzeug ein
wesentlich verbessertes, brauchbareres, handlicheres darstellte als das
bis dahin gebrauchte. Es mag also hier gegangen sein wie mit der
verbesserten Mahlvorrichtung molina, der zu Liebe die Vter ihr Wort
quairn so ziemlich in Vergessenheit geraten lieen und Mhle sagen
lernten. Wahrscheinlich hatten die Rheinlnder bis dahin mit Pagaien aus
freier Hand gerudert, whrend remus auf dem Dollbord aufliegend
gehandhabt wurde. Die Schreibart Remen ist der von Riemen aus
geschichtlichen, sprachlichen und sachlichen Grnden vorzuziehen, s.
auch Ruder und rojen. Franzsisch rame ist wohl dem italienischen,
spanischen, portugiesischen rama, Ast, nachgebildet aber in seiner
Bedeutung doch durch remus bestimmt, das der franzsischen Sprache
ursprnglich gewi nicht fehlte, aber ihr als eine zu ausdruckslose
Form, denn es htte rein lauten mssen, mifiel. Wangerlndisch rium,
Ehrentraut II. 62. Nordfriesisch reem.

Auffallend hat sich der Begriff eretmos und der rhyma in dem Worte
vereinigt, das die Rheinschiffsleute in der Schweiz gebrauchen:
Zugruder.


*Riff*, das,

kommt vom altnordischen rifa, schlitzen, spalten und bedeutet etwas
Gespaltenes, zersplittertes, zerklftetes Felsgebilde. Dann aber auch im
weiteren Sinne jede sich ins Meer hinausstreckende, von Wasser bedeckte
Bank, auch wenn sie eine Sandbank ist; besonders auch eine sich unter
Wasser hinziehende Korallenbank. An sich liegt die Bedeutung unter
Wasser befindlich nicht in dem Worte, sie wird aber im seemnnischen
Sprachgebrauche unwillkrlich damit verbunden.

Mittelniederdeutsch rif, ref, reve; we schipbrokich gudt vindt by dem
Strande, de schal dat antwerten der negesten Stadt ... van den
upgefischeden gude schall men eme geven, de dat gevunden heft, dat
twintigste deel; hale he dat ock ut der see van dem reve, so behort hem
dat drudde deel. Das war Lbisches Recht. Das Rigaer sagt: So we
scipbroken gut vindet oppe dem vorende, de sal daraf hebben den
twintegesten deel; de et halet uppe deme reue vppe der ze, de zulen
hebben den dridden del.


*Rof*, das,

ist ein Aufbau an Deck, der als Unterkunftsraum fr die
Schiffsmannschaft dient. Das niederdeutsche rof heit Decke in allen
Bedeutungen, die dieses Wort im Hochdeutschen hat. Die Bedeutung ist
also der von Plicht hnlich.

Angelschsisch hrof, Dach, englisch roof, niederlndisch roef, Kajte,
mittelniederdeutsch (Kilian) roef = puppis concameratio. Altnordisch
hrof, das Dach, unter dem ein Schiff gebaut wurde, kleine Schiffswerft.
Edda: raefr = Dach. Altfriesisch hrof.

Mittelniederdeutsch auch roffe: Schipper Albert sy achter vth dem roffe
inn de kokenn gekahmen, Bremer Urkunde von 1564.

Das Wort ist mit Robe verwandt, denn das ursprnglichste Kleid war nur
eine Decke. Wahrscheinlich liegt das Zeitwort rauben zu Grunde, so da
rof etwas Geraubtes, einen Raub bedeutet; sei es da man auf dem
Beutezuge dem Feinde zuerst und hauptschlich seine Decken, seine
Kleider raubte; sei es da man noch weiter zurckgehen und daran denken
mu, da die ersten und ltesten Decken Tierfelle waren, die der Mensch
dem Tier erst rauben mute um sich damit bedecken zu knnen.


*rojen* s. rudern.


*Rolle*, die,

ist die Verteilung jedes einzelnen Mannes auf seinen Posten beim
Exerzieren und Manverieren. Wie der Theaterdirektor die einzelnen
Mitglieder seiner Bhne auf ihre Posten stellt und jedem seine Rolle
zuteilt, so teilt an Bord der Erste Offizier die Rollen aus und stellt
jeden auf seinen Platz. Je nachdem es sich bei dieser Verteilung um
Segel-, Ruder-, Gefechts-, und Feuerlschbungen handelt gibt es eine
Segel-, Ruder-, Gefechts-, Feuer-Rolle. Jedesmal wird, ehe ein solches
Manver beginnt, genau untersucht ob auch jeder da steht, wo er nach der
Rolle stehen soll. Diese Rolle ist aber schon lange keine Rolle mehr,
sondern ein richtiges Buch, das *Rollenbuch*, von dem jeder Offizier
sich genaue Kenntnis verschaffen mu.

Rollen heit sich um einen Mittelpunkt drehend bewegen. Eine Rolle ist
eine walzenfrmig zusammengerollte Schrift; ein geschriebenes
Verzeichnis, das den Namen Rolle behlt, auch wenn es nicht mehr die
Form einer Rolle, sondern die eines Buches hat. Von rota, das Rad, oder
vielmehr von rotula, das Rdchen.


*rollen*

heit eigentlich sich wie ein rotula, ein Rdchen, um seine Achse
drehen. Daher ist die theoretische Bestimmung, nach welcher rollen =
schlingern ist, zwar richtig, aber sie entspricht nicht dem populren
Sprachgebrauch unserer Seeleute. Die nennen die Bewegung des Schiffes in
der Richtung von Steuerbord nach Backbord und zurck *schlingern*; die
Bewegung des Schiffes von achtern nach vorne und umgekehrt, also das
Eintauchen des Schiffes mit den Heck oder dem Bug in ein Wellental und
das entsprechende Wiederhochkommen *stampfen*; die fr nicht ganz
seefeste Leute aber sehr unangenehme Verbindung beider Bewegungen mit
einander nennt man *rollen*.


*Roring*, der,

heit der Ring an der Spitze des Ankerschaftes durch den der Anker mit
der Ankerkette verbunden wird. Das Wort wird auch Rooring und Rring
geschrieben, heit aber neuerdings meistens Schkel. Diese letztere
Bezeichnung ist offenbar in Anbetracht dessen in Aufnahme gekommen, da
man sich sagte, da ja der Roring eigentlich gar kein Ring ist, sondern
wegen der einen offenen von beiden Seiten den Schaft umfassenden Stelle
weit eher einem Schkel hnlich sieht. Dieser Gedankengang ist richtig,
bildet aber keinen Vorwurf gegen die Seeleute frherer Tage, die das
Wort Rring gebildet und gebraucht haben. Denn einmal war der Roring
damals wirklich ein Ring, und dann hat das Wort mit Ring berhaupt
garnichts zu schaffen und hie im Niederdeutschen die Roring (oder
vielmehr, wie gleich zu erwhnen sein wird: Rring). Zu Rdings Zeiten
hie so auch die aus altem Tauwerk hergestellte Bekleidung des
Ankerringes, die man vornahm um denselben vor Rost zu schtzen und um
ihn dicker zu machen, damit das Ankertau sich desto besser um denselben
schlieen knne. Rding nennt diese Bekleidung Ankerrhrung oder Rring,
und zwar: die Ankerrhrung oder der Rring. Er hat aber offenbar etwas
Nebenschliches fr die Hauptsache gehalten. Nicht die Bekleidung war
das Wichtige, sondern der Ring selbst, und der treffliche Mann ist wohl
auch nur darum auf die Bekleidung verfallen, weil er sich sonst fr den
Ring das Femininum nicht erklren konnte. Das erklrt sich aber leicht,
wenn man von der im Grunde doch -- wie Schkel beweist --
nebenschlichen Ringform dieses Stckes absieht und, anstatt an die
Gestalt, an den Zweck desselben denkt. Der Roring hat den Zweck, zu
ermglichen, da der Anker durch die Ankerkette bewegt, umgestoen, von
der Stelle gerckt werde. Eine solche Bewegung heit an der deutschen
Nordseekste rring, von dem Zeitwort rren, rhren, bewegen, regen,
anfassen, treffen, erreichen. Roring also (richtiger, wie bei Rding,
Rring) hat seinen Namen daher, weil damit die Stelle bezeichnet wird,
entweder wo Kabel und Anker sich berhren, treffen, sich erreichen;
oder, und das will noch einleuchtender erscheinen, davon, da der Anker
mittelst des Rorings bewegt, umgestoen, von der Stelle gerckt, gerhrt
wird. Nicht davon, da der Ring das bewegliche Ding am Anker ist, heit
er Bewegung, sondern davon, da durch ihn -- abgesehen davon da er im
brigen die Gestalt eines Ringes hat -- der Anker seine Bewegung erhlt.
So erklrt sich auch ungezwungen zweierlei. Einmal die Form Rring und
sodann das Femininum. Mnnlich ist das Wort erst bei der Aufnahme ins
Hochdeutsche geworden, weil man dabei an Ring dachte, ohne aber zu
bedenken, da dann, wenn Ring zur Geltung gebracht werden sollte, auch
Rorring htte geschrieben werden mssen, dann htte man es wenigstens
mit Berhrungsring bersetzen knnen, die zweite Silbe im Worte heit
aber nicht -ring, sondern -ing und ist weiter nichts als die
niederdeutsche Form der Endung -ung.

Da aber unter dem Einflu der ringfrmigen Gestalt sich die mnnliche
Form der Rring einmal festgesetzt hat und schwer durch die weibliche
Form die Rring wieder zu verdrngen gewesen wre, so ist es
eigentlich fr das sprachliche Gefhl mit Freude zu begren, da der
Eindringling nun in Schkel einen so mchtigen Gegner erhalten hat.

Das niederdeutsche Zeitwort rren heit niederlndisch roeren,
altfriesisch hrera, auf Wangerooge rer, im Saterland rre; altschsisch
hrorjan, angelschsisch reran, altenglisch hroren, altnordisch hroera,
norwegisch und schwedisch rra, dnisch rre; althochdeutsch hruorjan,
hroren, mittelhochdeutsch ruoren. Aus dieser dem Doornkaat entnommenen
Zusammenstellung geht hervor, da die Form rring ihre volle
niederdeutsch-seemnnische Berechtigung hat.


*Rose*, die,

heit an Bord die Komparose. Das Wort erklrt sich nach dem bekannteren
Windrose von selbst, wenn auch eine sehr betrchtliche Phantasie dazu
gehrt, in dem Bild der verschiedenen Kompastriche eine Rose zu
erblicken. Doch mag bei der Neigung der Alten, auch dergleichen Dinge zu
schmcken, ein besonderer Schmuck die Veranlassung gegeben haben, diese
runde Tafel Rose zu nennen. Auf franzsischen Kompassen des 18.
Jahrhunderts und besonders auch des 17., ist in der Mitte ein Mann zu
Pferde abgebildet, auf den acht Hauptstrichen sind Menschenkpfe und
sonstige Verzierungen angebracht. Der Strich fr Nord ist aber von einer
franzsischen Lilie in der bekannten heraldischen Form gebildet.
Nichtsdestoweniger hie die Scheibe schon damals auch im Franzsischen
rose; so mag also anstatt der Lilie zu anderer Zeit oder an anderen
Orten eine Rose als Verzierung gedient haben.


*Rosenlaschung*, die.

Wenn irgendwo zwei Augen, wie man die Ringe am Ende eines Taues nennt,
mit einander verbunden werden sollen, so geschieht dies mit einem
Taljereep, dessen beide Enden sich in der Mitte der Verbindung kreuzen.
Um die Kreuzungsstelle werden die beiden Parten einigemale zur greren
Festigkeit so herumgewickelt, da aus den schneckenhausfrmig neben
einander liegenden Schlgen eine Art Scheibe entsteht, die man mit der
ntigen Einbildungskraft wohl fr etwas Rosenartiges halten kann.


*Routine*, die,

die Zeiteinteilung, Ordnung des Tageslaufes, genaue Bestimmung, was an
einem Tage, wann und in wie langer Zeit es zu geschehen hat. Diese
Bedeutung hatte das Wort ursprnglich nicht; weder im Lateinischen, noch
im Italienischen, noch im Franzsischen. Es kommt von rumpere brechen;
davon via rupta ein gebrochener Weg, das Gegenteil von einer gebrochenen
Linie, indem der Weg mglichst gerade und direkt durch Felsen gebrochen
worden ist, wie die Donau entlang am Eisernen Tor, also eine Kunststrae
im Gegensatz zu den Karawanenwegen der Elfenbeintrger in Afrika, wo
sich der Pfad um jeden Stein, der im Wege liegt, herumschlngelt. Von
demselben Worte stammt italienisch rotta, spanisch, portugiesisch,
provenalisch rota, altfranzsisch route, Bruch, Bruchteil, Abteilung
eines Heeres, ein Trupp Soldaten, eine Rotte; dann berhaupt einen
Bruchteil einer greren Versammlung bezeichnend, wobei der Bruch aus
dem Bewutsein geschwunden und nur der Teil geblieben ist; davon sich
zusammenrotten.

Unser seemnnischer Sinn von Routine entstand durch folgende
Bedeutungsentwicklung. Auch bei via rupta ging, als man via weglie,
doch nicht etwa die Bedeutung Weg (vergl. die Entstehung von Strae aus
via saxis quadratis strata, wo strata doch verhltnismig das
unbedeutendere Wort in der Verbindung darstellt), sondern vielmehr die
Bedeutung gebrochen verloren, so da route, wie man fr rupta sagte,
bald ganz allgemein fr Weg im Gebrauch war; zunchst im Sinne von
zurckgelegtem Weg, durchwanderter Strecke; daher portugiesisch rota,
Lauf des Schiffes; dann auch fr eine noch zurckzulegende Strecke. Ein
Mann aber, der des Weges kundig war, hie routier. Und davon ist erst
routine gekommen. Es bedeutet zunchst nur durch bung erlangte Kenntnis
des Weges. Dann bald blo bung, Gewandtheit, Geschicklichkeit,
Kenntnis, Pfiffigkeit, Routiniertheit. Demnach ist Schiffsroutine nicht
nur der Wegweiser fr den Tageslauf, sondern auch der Weg selbst, auf
dem die Schiffsmannschaft durch richtige Einteilung und Ausnutzung der
Zeit die ntige bung und Gewandtheit im Schiffsdienste erlangen kann.

Eine richtige Routine -- in der Schule sagt man Stundenplan --
auszuarbeiten ist eine schwere Sache, bei der sehr viel zu
bercksichtigen ist; sie liegt in den Hnden des Ersten Offiziers.


*Rcker*, der,

ist ein Tau, einerseits an der Bram- oder Oberbramrahe, andererseits an
dem Bram- bezw. Oberbramraheniederholer befestigt und dazu dienend, die
Rahe, wenn sie gekait und an Deck genommen werden soll, zu rcken, d. h.
los zu machen von der bisherigen Stelle, durch einen Ruck zu entfernen,
also zu rcken, zu bewegen.


*Ruder*, das.

1. Eine Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes. 2. Ein Werkzeug zum
Fortbewegen eines Bootes. Auf Kriegsschiffen ist nur die erste Bedeutung
im Gebrauch, sonst berall im deutschen Sprachgebiet hat sich die zweite
im Munde von Seeleuten und Nichtseeleuten erhalten, wiewohl schon zur
Zeit der rmischen Herrschaft am Rhein Remen oder Riemen (s. d.) vom
lateinischen remus herbergenommen wurde. Es wird auch nie gelingen, dem
Worte sein Hausrecht im Deutschen zu rauben, dazu war es denn doch zu
fest eingewohnt und -gewurzelt als das fremde Wort eindrang.

Indessen hatten Ruder und Remen in *einer* Wiege gelegen, indem beide
von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in der Form
ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung bedeuten kann:
stoen, treiben, schieben, ziehen, rcken. Eine Zeit lang sind die
beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich in der Bedeutung
wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die Trennung vollzogen hat,
lt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber im Griechischen
geschehen sein, so da eretmos noch fr beide die gemeinschaftliche Form
darstellte. Das htten wir uns etwa so vorzustellen. Es gab vom gleichen
Stamme wie eretmos ein griechisches Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von
welcher unser (Leder-) Riemen herkommt. Unter Anlehnung an dieses
Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das Fortbewegungsmittel remus
gebildet, durch Aphresis des anlautenden e und Schwund des t. Beide,
rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das Schiff fortzubewegen, das
Zugseil und der Remen, ja vielleicht die Fortbewegung mit dem Zugseil
die ursprngliche und das Rudern kam erst spter auf. Dann htte man
also die alte Bezeichnung der Fortbewegung durch Ziehen (treideln s.
d.) fr die neue Fortbewegung durch Rudern beibehalten, etwa wie wir
jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork, wiewohl es sich dabei um
einen gar keine Segel fhrenden Dampfer handelt.

Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes, sondern
auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere Bedeutung
hatte, folgte man naturgem nicht dem Zuge und Einflu von rhyma,
sondern bildete eretmos selbstndig weiter, und zwar auf dem Wege vom
Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphresis) des e und
Abschwchung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und
Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt,
da die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in
vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung
vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie
remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als
ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern
wieder zusammen. Und wenn der fremde -- remus -- sich auch zeitweilig
vordrngte, ja sich fr das Werkzeug zur Fortbewegung ausschlielich im
Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische -- als
Ruder -- sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den
Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung
behalten.

Es ist auffallend, wie kurz sich die Islnder ihr Wort fr Remen
zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so wieder auf die
ursprngliche Bewegungswurzel zurckgegangen, whrend doch schon im
Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hie.


*rudern*,

die Ttigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft als
Fortbewegungsmittel, ausgebt wird, (whrend die Ttigkeit die mit dem
Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heit, daher wird
dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche
Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt
*rojen*. Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch
der angelschsischen Form fr Ruder, ruodor oder rodor, gebildet.
Niederlndisch roeijen, englisch to row, islndisch roa; Bgd er ad
*ra* einni r, mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lpkes
Seemannssprche. Altnordisch ra; I vindi skal vid hggva, vedri 
sj ra; myrkri vid man spjalla, mrg ern dags augu, Im Winde soll man
Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern
kosen; viele Augen hat der Tag. Lpkes p. 146. Angelschsisch rwan.

Es darf nicht unerwhnt bleiben, da dem Ruder und rudern wohl auch eine
Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so da man daran
zu denken htte, wie das Ruder das Wasser spaltet; indessen ist das
doch ein recht nebenschlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im
Altkirchenslavischen graba sowohl ich grabe als auch ich rudere
(grabe in den Wellen) heit.


*Ruderblle*, die,

bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln die den Zweck
haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder liegt. Der eine
Ball ist rot, der andere grn. Sie hngen mglichst nach allen
Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an der
Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden
Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder
Hintermann mit seinem Ruder manvriert und also wissen kann, wessen man
sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenste durch die
Ruderblle vermieden werden.


*Rudergat*, s. Hennegat.


*Ruderjoch*, s. Joch.


*Ruderpinne*, s. Pinne.


*Ruderreep*, s. Reep.


*Rundhlzer*, die,

sind alle walzenfrmigen Hlzer die zur Takelage gehren: Masten,
Stengen, Rahen, Spieren, Giekbume, Gaffeln, Sprieten, Ruten etc. etc.
Ein Rundholz braucht um so zu heien nicht notwendig ein Holz zu sein;
auch die eisernen Masten und Rahen gehren im weiteren Sinne zu den
Rundhlzern und haben auf den Werften ihren Platz im Rundhlzerschuppen.
Hier kommt also mehr das Runde wie das Hlzerne in Betracht.


*Rund* achtern! rund vorn!

lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt, wenn das Schiff so weit
durch den Wind gegangen ist, da man die Rahen oder vielmehr die Segel
ber den anderen Bug brassen kann, so da dann die Nock, die vorher
hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund ist nicht mathematisch
zu nehmen, sondern so zu verstehen, da die Rahe sich teilweise um den
Mast dreht. In der Handelsmarine heit das entsprechende Kommando:
Gaan! = gehen.


*Rundsel*, die,

ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen sich beim Rudern
bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht rund, aber er ist mit
einem runden Metallstck ausgefttert; daher der Name. Wenn nicht
gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines Brett, das
Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: Rundseln dicht, weshalb
die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal fr die Rundseln
selbst flschlicherweise gehalten worden sind.


*Rst*, die,

ist die Vorrichtung an der Auenbordwand des Schiffes zu beiden Seiten
die den Wanttauen bezw. deren Jungfern zum Halt dient. Sie findet sich
an Backbord und an Steuerbord, an jedem Mast und besteht aus starken,
vorspringenden, gerstartig angebrachten Planken, die nach unten zu
durch schrge eiserne Trger gesttzt sind. Das Wort kommt wie das
hochdeutsche Gerst vom althochdeutschen hrustan, zurecht machen, bereit
machen, zursten; davon mittelhochdeutsch geruste = Vorrichtung,
Zurstung, Bau, Maschine, Werkzeug, Gert, Waffenrstung, Schmuck.
Neuhochdeutsch mte das Wort eigentlich Gerste heien, aber des
Seemannes niederdeutsche Liebe zur Krze bettigt sich in Weglassung der
Vorsilbe und der Endung.




S.


*sacken*

ist ein niederdeutsches Zeitwort das in der Seemannssprache oft
gebraucht wird und dem hochdeutschen senken entspricht, oder vielmehr
entsprechen sollte; senken nmlich ist Faktitiv oder Causativ von
sinken: sinken machen. Aber wie das Hochdeutsche senken und sinken
ebenso oft verwechselt wird wie wgen und wiegen, so macht auch der
Seemann zwischen senken und sinken keinen Unterschied, er sagt fr beide
sacken. Ja man kann sagen, da sacken in seinem Munde fters sinken als
senken bedeutet. Durchsacken, einsacken, wegsacken, untersacken sind
gleich sinken, whrend auch die Wendung sacken lassen, die ebenfalls
den Begriff sinken enthlt, oft gebraucht wird. Andererseits aber heit
absacken ein Schiff oder Boot den Strom hinunter treiben lassen.

Senken heit althochdeutsch sanchjan; es ist durch Nasalierung der
Wurzel sack entstanden, wir haben also in sacken die ursprnglichere,
nichtnasalierte Form.


*Saling*, die,

ist ein auf Backen an beiden Seiten des oberen Endes des Untermastes
aufsitzendes Gerst aus Lngs- und Querhlzern auf dem hinwiederum der
Mars aufsitzt, dessen hauptschlichster Zweck nicht etwa der eines
Mastkorbes ist, sondern der, die Jungfern zum Anspannen der
Stengewanten zu tragen. Die Saling des Untermastes tritt jedoch, eben
weil der Mars auf ihr sitzt, wenig in die Erscheinung, wird vielmehr
leicht fr einen Teil des Marses gehalten. Eine desto selbstndigere
Rolle spielt die Bramsaling auf den Backen der Marsstenge; sie ist nicht
mit Brettern bedeckt und fllt daher als solche mehr in die Augen. Sie
vertritt die Stelle des Marses insofern an ihr die Bramwanten befestigt
und gespannt werden.

Der Name Saling kommt von sitzen, aber nicht weil sie sitzt, sondern
weil etwas, nmlich der Mars, auf ihr sitzt. Er heit eigentlich
Sadeling = Sattelung; vom gotischen sitan, sitzen, satjan, setzen kommt
das althochdeutsche satal, satul, satol, satil; angelschsisch sadul,
sadol, sadl; niederdeutsch sadel; davon sadeling = sadelung. Die Tenuis
ward erst zur Media und dann verschwand der Dentallaut berhaupt; indem
sich ein langes a aus dem kurzen a und dem e bildete war Saling fertig:
ein Ding zum Aufsitzen, Draufsitzen. Darum fhrt auch die Bramsaling
ihren Namen doch mit Recht; wenn auch kein Mars auf ihr sitzt, so sitzen
desto mehr die Matrosen oder Schiffsjungen darauf, denen sie ein Sttz-
und Ausgangspunkt fr die Arbeiten, die sie als Bram- und
Oberbramsegelsgste zu verrichten haben, dient.


*Salut*, der.

Das Schieen eines Saluts ist das Abgeben einer bestimmten Anzahl von
(blinden) Kanonenschssen als Gru, als Ehrenbezeugung fr den
Landesherrn und fr alle diejenigen, die nach dem Salutreglement dazu
berechtigt sind. Dazu werden die Kanonen mit *Salutkartuschen* geladen,
(mit Pulver, ohne Gescho).

*Salutfhig*, d. h. berechtigt oder verpflichtet zu *salutieren* sind
aber nur Kriegsschiffe von gewisser Gre und Strke der Artillerie. Dem
Salut gleich stand ursprnglich *Salve*, eine einmalige gleichzeitige
Abfeuerung von mehreren Kanonen als Gru, ein feierliches
Begrungsschieen, das dem Gegrten ein salve! zurufen sollte; hernach
wurde eine Begrung des Feindes mit geladenen Kanonen daraus.

*Salutleine* nennt man wohl auch das Paradirstrecktau, das Manntau an
dem die Matrosen sich festhalten wenn sie zum Gru und zur
Ehrenbezeugung die Rahen bemannen, sich auf den Rahen in Reihen
aufstellen.

Es mag in frheren Zeiten manchmal regellos salutiert worden sein.
Wenigstens ermahnt ein Geschwaderbefehl d. d. 25. Mai 1652,
unterschrieben M. Herberts Tromp, zur Ordnung und Sparsamkeit. Es wird
auch ausdrcklich verboten einige unnthige Ehren-Schsse zu thun,
sondern de Landes Pulver und Bley zu bewahren und rathsam damit
umzugehen; jedoch so man bei einigen andern aulndischen
Kriegs-Schiffen kommt, wodurch einige Begrsung mit Lsung de
Geschtzes zu thun, zu des Landes Reputation erfordert wird, in solchem
Fall haben sie die Ehre unseres Landes in acht zu nehmen, und in aller
Ehrbarkeit Hand zu haben.


*Salve*, die, s. Salut.


*Sandwichpanzerung*, die, s. Panzerung.


*Sargassosee*, die,

heit eine Stelle im Atlantischen Ocean, auch atlantische Krautwiese
genannt; das Sargassomeer, vom lateinischen sargassum, der Seetang. Der
sich nach der iberischen Kste herwendende und als nordafrikanische
Strmung wieder in die Nordquatorialstrmung bergehende Zweig des
Golfstromes schliet eine groe Ellipse ein, die ein sehr ruhiges Gebiet
im Atlantischen Ozean bildet, ein Gebiet von 65000 Quadratmeilen oder
ein Drittel so gro wie Europa. Dieser Raum ist nach den Vorgngen
Humboldts und Maurys als Sargassomeer bekannt geworden, und man
erzhlte, da in ihm das Sargasso oder der Meertang (fucus natans) in so
ungeheuren Mengen zusammengeballt treibe, da dadurch die Schiffahrt
behindert werde. Neue Untersuchungen ergeben jedoch, da es sich um mehr
oder minder dicht treibende, bis 60 Meter lange, je nach der
Windrichtung schwimmende, abgerissene Krautstreifen handelt, die
zwischen 20 und 35 nrdl. Br. und zwischen 35 west. L. und Westindien
und dem Ostrande des Golfstromes vorkommen. Von einer Behinderung der
Fahrt durch dieselben ist nirgends die Rede. (Andree.)


*Sarving*, die,

ist ein aus altem Kabelgarn geflochtener Zopf, der mit Platting
hnlichkeit hat, aber nicht ganz so platt, sondern dicker ist. Die
Sarving wird gebraucht zur Bekleidung von Tauwerk, da wo es viel Reibung
auszuhalten hat und der Abnutzung sehr ausgesetzt ist. Um es vor dieser
zu bewahren, um es zu (kon)*servieren* wird die Sarving gemacht, die
eigentlich Serving heit. Sarving ist nur die volkstmliche Aussprache.


*Schaar*, die,

ist eine bei Sturmfluten verschliebare ffnung in einem Deich zum
Durchfahren von Wagen etc., eine Lcke, die man absichtlich zu diesem
Zwecke gelassen hat. Das Wort ist verwandt mit Scharte, Schiescharte,
und stammt von der Wurzel skar, von der auch scheren und Schaar =
Abteilung, Haufe stammt, sie bedeutet spalten, scheiden, teilen,
schneiden. Das Wort kommt auch als Ortsbezeichnung vor, ebenso wie Siel,
da ebenso wie bei diesem auch bei einem Schaar sich gern Menschen
ansiedeln, weil hier ohnehin ein groer Menschenverkehr stattfindet, wie
auch bei einer Brcke, weshalb zahlreiche Ortsnamen mit Brcke, Brck zu
tun haben.


*schaffen*, seemnnisch = essen.

Schaffner, Schffe, Schoppen, Schpfung, englisch shape = Gestalt und
viel andere Wrter dieser groen Sippe kommen alle von der Wurzel skap
mit der Grundbedeutung schaffen, schpfen, ordnen. Dem altgermanischen
Heidentum fehlte, wie Schade ausfhrt, ein Ausdruck fr etwas, wovon es
keine Idee hatte, nmlich fr schaffen, von der hchsten Potenz dieser
Ttigkeit, dem gttlichen Schaffen. Daher nahmen die Germanen, als
ihnen vom Christentum her die Schpfungsidee kam, das Wort von einer
(man kann wohl sagen kunstmigen) Hantierung, vom Formen und Gestalten
einer festen Masse durch grabende und stechende Werkzeuge, fate es
gewissermaen als ein Schnitzen auf (skapjan), whrend der Lituslave
seinen Ausdruck dafr, noch hausbackener, von den Formen einer weichen
knetbaren Masse nahm, wozu ihm die tgliche Ksebereitung in jeder
lndlichen Wirtschaft ein Bild gab.

Fr unsern Zweck gengt es, das althochdeutsche scaffari, scaffare,
mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schpfer, Bildner,
Hausmeister, Verwalter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen Mann
bezeichnet, der das Essen und Trinken durch Schpfen herbeischafft und
auftrgt oder auftragen lt. Diesem Vorgange ist begrifflich verwandt
das italienische minestra = Suppe, minestrare die Suppe anrichten,
lateinisch ministrare, bei Tische auftragen.

Hierher gehrt die Bremer Schaffermahlzeit, ursprnglich eine durchaus
seemnnische Veranstaltung, nmlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der
Wiedererffnung der Schiffahrt im Frhling Kapitne und Reeder mit
einander den Proviant fr die aussegelnden Schiffe kosteten. Schaffer
heit, nach dem Bremer Wrterbuch, der Mann, der die Anordnung und
Besorgung einer Mahlzeit hat, auch berhaupt ein Verwandter des Hauses;
Aufwrter bei einem Hochzeitsschmause, welches aber bei den Bauern die
nchsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begrbnis
und bei dem Leichenschmaus in Groningen Anschaffer heien; heutzutage
tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf,
schpfen sie nicht mehr aus dem Kessel, bedienen nicht mehr bei Tische,
sie halten nur die Tischreden und -- bezahlen das Essen; nur insofern
kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im
Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Kasse fhrte;
berhaupt einen, der die Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache
bernimmt, einen procurator.

Da aber der Seemann bei der ursprnglichen Bedeutung geblieben ist und
schaffen fr essen sagt, erinnert einmal daran, da in frheren Zeiten
die Leute, die zusammen aen, alle aus einer Schssel schpften, sodann
da einer das Essen aus der Kambse herbeizuschaffen hatte, (der heute
Backschaft heit) und endlich da das Essen eben ein wirkliches
Schpfen war, indem die Leute nicht mit Messer und Gabel, sondern nur
mit dem Lffel aen.


*Schaft*, der,

des Ankers ist der groe, lange, schwere, oben dnner werdende Teil des
Ankers zwischen den Armen und dem Stock. Man spricht auch von
Lanzenschaft, Gewehrschaft, sogar von Stiefelschaft. Das Wort heit
niederdeutsch auch scheft und schecht, wie denn ft und cht im
Niederdeutschen sehr leicht in einander bergehen. Das Stammwort ist
skaban, unser schaben, niederdeutsch schafen, hobeln. Also ein
zurechtgehobeltes Stck Holz. Es ist bekannt, da der Ankerschaft frher
auch bei groen, schweren Ankern von Holz war.

Anstatt schecht kommt auch einfach scheg und schegg vor. So heit z. B.
bei hlzernen Schiffen das vorderste Holz, das noch vor dem Vorsteven
sitzt und oben in das Gallion bergeht. Auch spricht man vom Scheg des
Ruders und meint damit den Ruderschaft.


*Schkel*, der,

heit ein Ring, ein Glied einer Kette. *Schkeln*, ein Glied der Kette
in ein anderes Glied fgen, so da eine lange Kette daraus wird. Die
Erklrung ist am deutlichsten aus dem entsprechenden englischen Worte
shackle zu ersehen, das sowohl Kettenglied als auch Fessel, Handfessel,
Handschellen, Beinschellen heit; angelschsisch sceacul, scacul,
Fessel, Halseisen. Offenbar ist diese Bedeutung Fessel die
ursprngliche. Eine Fessel aber war zunchst ein Mittel in der Hand von
Rubern, ihre Opfer zu binden. Ruber aber hieen, wie wir aus der
Geschichte der Kreuzigung Christi wissen, Schcher. Das niederdeutsche
Zeitwort hierzu heit heute noch schaken, rauben. Der friedliche
Kettenschkel hat also den Namen von der ueren hnlichkeit mit dem
unfriedlichen Ruberwerkzeug (s. schaken).


*schaken*

heit rtteln, schtteln, gewaltsam bewegen; seemnnisch das Rtteln und
Schtteln mit dem man versucht, bei einem Takel oder einer Talje den
Reibungswiderstand der durch die Blcke fahrenden Taue zu verringern um
dieselben beweglicher, lufiger zu machen. *Abschaken* heit solches
vornehmen in der Absicht, nach dem Gebrauch eines Takels die tublocks
(s. d.) geholten Taue wieder rckwrts zu bewegen, damit die Blcke
wieder auseinander kommen und so das Takel aufs Neue wieder
gebrauchsfhig werde. Das Wort schaken, auf ein aus einer Basis ska
erweitertes Thema skak zurckgehend, bedeutet ursprnglich -- wie
seemnnisch heute noch -- ganz allgemein bewegen; dann bewegen mit
Anwendung von Gewalt: rauben, mit Gewalt wegfhren, eine Jungfrau
vergewaltigen, seinen Teil der Beute an sich reien.


*Schaluppe*, die.

1. Gattungsname fr alle Schiffsboote, von der Kapitnsschaluppe (Gig)
an bis zur Travaljeschaluppe (Jolle).

2. In deutschen Hfen ist Schaluppe weiterhin ziemlich gleichbedeutend
mit Jacht; Fahrzeug mit einem Mast, groem Schratsegel, Topsegel,
Brefock.

3. heit sloop in der englischen Marine ein kleines Kriegsschiff,
ehemals eins unter 24 Kanonen, dreimastig oder schnauartig, zwischen
Korvette und Kanonenboot.

Der Name bedeutet also Schiffe und Boote von so verschiedener Art, da
sie kaum irgendwie unter einen Hut zu bringen sind, es wre denn der
gemeinschaftliche Begriff Fahrzeug. Und in der Tat kommt von dem
Zeitwort slupen das Wort. Es heit schlpfen, gleiten, sich gleitend
bewegen, sich bewegen, fahren. Daraus auch franzsisch chaloupe,
spanisch chalupa, niederdeutsch slupe. Im Mittelniederdeutschen gab es
ein slope, Fahrzeug zum Fortschaffen von Waren, welches aber auf dem
Lande gebraucht wurde. Sloepe als Fahrzeug zu Wasser war aber schon dem
Kilian bekannt. Niederlndisch sloep; norwegisch, schwedisch, dnisch
slup. Das niederdeutsche slupen heit auch schlpfen. Es wre daher
denkbar, da eine slup ursprnglich ein Kstenfahrzeug gewesen wre, das
bei schlechtem Wetter darauf angewiesen war, einen Unterschlupf unter
Land zu suchen.


*schamfilen*

heit durch Reiben verletzen. Ein Schiff schamfilt an der Schleuse, d.
h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die Farbe ab, da
das Holz zum Vorschein kommt. Ein Tau schamfilt, d. h. es reibt sich
an einem festen Gegenstand und ntzt sich so vor der Zeit ab. Um
dergleichen zu verhten hat man verschiedene Mittel: Fender,
Sarving, berhaupt Bekleidung des Tauwerks, und besonders auch
*Schamfilungsmatten*.

In Osterstade, jener friesischen Enclave jenseits der Unterweser, heit
schamp ein Fehler an der Gesundheit. In Ostfriesland heit die Epidermis
schampfel, womit nichts anders gesagt sein soll als da die Oberhaut
leicht verletzlich ist, durch Reiben und dergl. leicht beschdigt werden
kann. Dem entsprechend heit das niederdeutsche Zeitwort schampen
streifen, im raschen Vorbeigehen leicht treffen und berhren, durch
Streifen oder rasches Vorbeigehen und nahes Berhren eines Gegenstandes
denselben uerlich beschdigen und verletzen, jemanden leicht
verletzen. In Westfalen heit der Prellstein sehr bezeichnend
schampsten. Aus schampen ist ein Interativum schamperen,
schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, Formen die im
Mittelniederdeutschen sehr hufig vorkommen, he hadde nene scanferinge
an der Hut gekregen; doch manchmal auch fr Schdigungen und
Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: anno 1428
schamferden de stede vor Kopenhagen des Knigs schepe ... (Lappenberg,
Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht und nur
oberflchlich, wenigstens im seemnnischen Gebrauch.

In den Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der
Lautverschiebung zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet
worden. Und dieses schampelen ist in der Form schamfilen nach
Ostfriesland bergesprungen und von da in die deutsche Seemannssprache
eingedrungen, in der sich brigens eine Erinnerung an das ursprngliche
schamp noch insofern erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhrt,
schampfilen hren kann. Da i aber an die Stelle von e getreten ist mag
eine Erinnerung daran sein, da die Endung eigentlich -iren heien
mte, die niederlndisch -eren lautet.


*Schandeckel*, der,

ein Schutzdeck, eine Schutzbedeckung, eine Schutz gewhrende Bedeckung
von Holz, die an verschiedenen Stellen, die eben des Schutzes bedrftig
sind, angebracht wird.

Mit dem niederdeutschen Wort schanddeckel hat es keine Gemeinschaft,
denn das bedeutet einen Deckel zur Bedeckung einer Schande, und so heit
ein Mann, der fr Geld oder eine andere Belohnung ein von einem Reichen
entehrtes Mdchen heiratet. Unser Schandeckel aber ist (vergl.
schamfilen) aus schampdeckel entstanden, durch Schwund des p und indem
sich der bequemeren Aussprache wegen das m in n verwandelte. Ein
Schandeckel ist also eine Bedeckung, die das schampen, das Beschdigen
des bedeckten Teiles verhindern soll.


*Schanze*, die,

hie ein Stockwerk hinten auf dem oberen Deck, entsprechend der Back auf
dem Vordeck; wurde vormals Hintercasteel genannt, jetzt ist die Kampanje
an die Stelle getreten. Der Name kommt daher, da rings um die Reling
dieses Aufbaues im Gefecht eine Schanze errichtet wurde, nicht aus
Reisigbndeln, sondern aus Hngematten. Um diese zu verdecken und
berhaupt zum Zierrat fiel von der Reling an der usseren Seite der
Relingsttze und des Finknetzes ein etwa vier Fu breites Tuch nach Art
einer Gardine herab: das *Schanzkleid*. Ein solches hatte auch die
Reling des Marses.

Als im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Hngematten auf der Reling in
den Finknetzksten ihren dauernden Platz erhielten, da trat an die
Stelle des Schanzkleides das wasserdichte Hngemattskleid. Aber an den
Marsen sind Schanzkleider geblieben und an der Kommandobrcke sind sie
zum Schutz gegen Regen und Wind neu hinzugekommen; jedoch ohne jeglichen
Prunk, whrend mit den frheren Schanzkleidern groer Luxus in Bezug auf
Farbenpracht und Verzierung getrieben wurde. Die englischen
Kriegsschiffe hatten Schanzkleider mit weier oder gelber Borde besetzt.
In Frankreich hieen sie pavois. Aubin (1702): Par une Ordonnance de
1670 le Roi de France a voulu qu'a l'avenir les pavois soient de couleur
bleue seme de fleurs de lis jaunes, et qu'ils soient bordez de deux
grandes bandes blanches. Man nannte sie auch bastingures. On met aussi
des bastingures aux hunes. Celles des Hollandois sont rouges; ils les
font presque toujours de baiette ou de drap, mais en ce cas on les
double et on le garnit de telle, sorte entre les deux tofes, que les
balles des mousquetes ne les peuvent percer.


*Schrpe*, die.

Zwar kein seemnnisches Wort, aber doch zum dienstlichen Anzug der
Seeoffiziere gehrig, verdient es hier seine Stelle zu finden. In
frheren Jahren gingen die Armen nicht mit einem Sack, sondern mit einem
Topfe betteln. Der Topf hie Scherbe. Wir sind heutzutage gewohnt, bei
diesem Worte an etwas Zerbrochenes zu denken. Das mag daher kommen, da
man, namentlich auf dem Lande, nur zerbrochene Tpfe als
Blumenscherben vor die Fenster stellt, weil den Leuten ganze Tpfe zu
schade sind. Aber ursprnglich lag der Begriff des Zerbrochenen
keineswegs in Scherbe. Wenn das Gef, in dem sich die Bettler das
briggebliebene Essen aus den Husern zusammenholten, auch kein sehr
elegantes war, heil mute es doch sein, schon darum weil das Essen meist
aus Suppe, Brei, Grtze etc. bestand. Wer sich die Sache recht deutlich
vorstellen will der gehe um die Mittagszeit lngsseits eines in Dienst
gestellten, an der Kaimauer liegenden Schiffes, da kommen die
sonderbarsten Betteltpfe zum Vorschein, sogar alte Prservenbchsen,
fr gewhnlich nur von den Malern gebraucht, werden von armen Leuten
herbeigeschleppt um das briggebliebene Essen in Empfang zu nehmen.

Da nun die Bettler mit ihrer Scherbe in alten Zeiten von Haus zu Haus,
von Dorf zu Dorf zogen, so konnten oder mochten sie sie nicht immer in
der Hand tragen, befestigten vielmehr ein Band daran und trugen sie ber
die Schulter gehngt. Bald hie dieses ebenso wie der Topf, der daran
hing: Scherbe. Und aus diesem Bande ist unsere Schrpe geworden. Sie
diente schon im 13. Jahrhundert als Abzeichen der Ritter, war aber
natrlich breiter und feiner als das Band, das sich die Bettler hatten
leisten knnen. Sie ward entweder von der rechten Schulter nach der
linken Hfte getragen und ist in dieser Gestalt das Vorbild fr die
breiten Ordensbnder geworden und fr die Bnder und Schrpen der
studentischen Verbindungen, oder um den Leib gebunden. Die Damen
schmckten die Schrpen ihrer Ritter mit feinen Stickereien, banden sich
auch bald selbst wohl breite farbige Seidenbnder um die Taille, dem Obi
hnlich, den die japanischen Frauen tragen. Whrend so auf der einen
Seite das alte Ehrenzeichen zum Putzstck herabsank, stieg es
andererseits zum Feldzeichen, zum Kommandozeichen eines Heerfhrers
empor, um so als Dienstabzeichen der Offiziere bei uns in Geltung zu
kommen. Die beiden Arten, auf welche heutzutage bei der deutschen
Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser die Schrpe getragen wird, waren im
dreiigjhrigen Kriege nebeneinander blich.


*Schau*, das,

kommt nur in der einen Verbindung vor: Flagge in Schau, die Flagge im
Schau wehen lassen, d. h. sie zusammengeknotet oder -gewickelt hissen.
Rding: Es ist dies ein unter allen Nationen gebruchliches Signal,
jemand an Bord zu rufen. Auf einer Reede weht die Flagge im Schau, wenn
die am Ufer befindlichen Schlupen an Bord kommen sollen, und man unter
Segel gehen will. Auf der See um andern Schiffen zu erkennen zu geben,
da man ihrer Hilfe bedarf und in Not ist. Bei Gewahrwerdung des Landes,
um einen Lootsen an Bord zu rufen.

Jetzt hit man im ersten Falle den blauen Peter, bezw. das betreffende
Bootssignal; im zweiten Falle hit man als Notsignal die Flagge
verkehrt, das Oberste zu unterst; im dritten wird die Lootsenflagge
gezeigt.

Man knnte Schau fr eines Stammes mit Schauer und Scheuer halten, aus
der Wurzel sku, decken, verbergen, weil die Flagge im Schau gleichsam
halb verdeckt und verborgen, nmlich so gehit wird, da man ihre nhere
Beschaffenheit nicht deutlich erkennen kann, doch erregt hiergegen der
Umstand Bedenken, da die ersten derartigen Signale keine Flaggen,
sondern sonst irgend ein hibarer Gegenstand waren, ein Jacke, eine
Hose, ein Hemd, wie z. B., nach Ehrentraut, Fries. Archiv, es frher
Sitte war, da ein Wangerooger Schiff, wenn es von der Reise heimgekehrt
war, vor der Insel zu Anker ging und ein solches Kleidungsstck halbmast
wehen lie zum Zeichen, da man ihm vom Lande her ein Boot schicken
sollte. So ist es also doch richtiger, anzunehmen, da wir in Schau das
Schau von Brautschau, Deichschau, Heerschau vor uns haben und da es mit
dem schauen in warschauen (s. d.) verwandt ist.

Etwas hnliches und doch ganz Anderes geschieht, wenn man die Flagge
aufgetucht, also so wie sie zusammengelegt aus dem Schrank kommt,
aufhit. Das tut man, damit sie mit einem Ruck rasch an ihrer richtigen
Stelle zum Auswehen gebracht werden kann.

Nach Richthofen wurde im alten Ostfriesland ein Schau als Notzeichen
auch am Lande gehit. Offtet also voelle op ene tyt, datter eyn rechter
worde doet geslagen in den warve, soe sal de meente dat schow op theen
ende de clocken an kleppen. So soelen se rechtevort en schw dat is een
noetteken op setten.

Deutlich erhellt der Begriff eines seemnnischen Schaus aus der
Beschriving van der Kunst der Seefahrt, 1673: Wir sahen auch (von
einem in schwerem Novembersturm in der Nordsee havarierten Schiffe aus)
ein Schiff zu Loffwart von uns; lieen derowegen ein Schau oder Zeichen
weyhen, da wir verlegen waren, also kam er nach uns zu, ich fragte dem
Schiffer wohin er sein Will htte? Er sagte, nach den Flie, ich bat ihn
da er mir helfen mchte, so wolte ich ihm eine Linie zu werffen, damit
er ein Kabeltau zu sich holen konte, auff da er unser Schiff dabey nach
dem Flie schleppen mchte; den wir msten da auch seyn: Er aber gab zur
Antwort: es wre spt im Jahr, auch grauete ihn da bald Ey kommen
mchte: derowegen must er sein bestes tun da er zu Hause komme; Es
wrde auch sein Volck damit nicht friedlich seyn: weil sie schon eine
lange Reise gehabt, ich sagte wieder: ich wolte seinem Volcke eine halbe
Ostersche Heur geben: oder was gute Mnner erkennen knten, er aber
antwortete nichts mehr und ging durch.

Wir aber sahen ihn betrbet nach, was thte aber Gott, weil wir in
keiner geringen Noth und Gefahr wahren, schaffte Gotte der Herr da uns
Wetter und Wind zur Stund dienen muste, so, da wir am andern Tage des
Morgens vor dem Flie kamen, da alle Menschen Hlffe verschwunden, allein
durch die Hlffe Gottes.

Wie uns nun die Loetzen allda gewahr wurden, kam uns eine Galliot an
Bord, die gab uns ein Lotes ber, und wir langeten ihm ein Kabeltau, da
er uns schleppen konnte; also hlffen sie uns, weil es eben Fluht war,
bi an die vierte Tonn, des andern Tages kamen wir ins Flie; des dritten
Tages aber kam das vorbemeldte Schiff, welches uns in der Noht hatte
verlassen ...


*Schauer*, der,

ein pltzlich hereinbrechender aber auch bald wieder vorberziehender
Regen oder Hagel. Der Name kommt daher, da durch einen solchen der
Himmel bedeckt und verhllt und verdunkelt wird, also von derselben
Wurzel sku, von der auch das lateinische obscurus stammt. Niederdeutsch
schuur, niederlndisch schoer, angelschsisch scur, altschsisch skur,
althochdeutsch scur, mittelhochdeutsch schur, schuwer, gothisch skura.


*Schauerknoten*, der,

ist ein Knoten am Ende eines Taues der dasselbe so verdickt, da es
hinter einem Loche seines eigenen Umfanges festsitzt, da es am
Durchrutschen durch das Loch verhindert wird. Das Wort ist eine
Abkrzung; es mte eigentlich heien und hie sonst auch allgemein
Schauermannsknoten, was man auch jetzt noch hren kann. Offenbar weil
die Schauerleute Taue mit solchen Knoten (und einem Haken) zum Ziehen
und Schleppen der Warenballen zu benutzen pflegen.


*Schauermann*, der,

Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Lschen und Laden beschftigter
Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Rumen bekannt sein mu, im
brigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht. In Groningen werden
so genannt personen die hun brood verdienen met schepen langs het
Reitdiep te trekken. Der in der Stadt Norden wohnhaft gewesene
Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: ein frher vom hiesigen
Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe aus- und beladen
mute und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen eine
feste Vergtung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung bestimmt
war. Niederlndisch hieen dergleichen arbeiders (Aubin 1702) siuuwers,
chiuwers, tsiuuwers. Weiland: sjouw een last die zwaar valt om te
dragen, die man darum ziehen, schleppen mu. Man kann das Wort also
fglich mit Lasttrger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben, denn sjauen
ist die niederlndisch-ostfriesische Form fr das althochdeutsche
zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem gothischen taujau, aus einer
Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also anzunehmen da
die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das Niederdeutsche macht
sonst freilich die Verschiebung des gothischen t zu ts, z, fr
gewhnlich nicht mit und hat demgem auch das Zeitwort tauen, englisch
tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches Lehnwort ins
Niederlndische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren Wege ins
Niederdeutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann -- tsauerman
--Schauermann: ein Mann der Lasten taut d. h. zieht, schleppt, an einem
Tau vorwrts bewegt.


*Schebecke*, die,

a small three-masted vessel formerly much used by the Algerine
corsairs, and now used to a small extent in Mediterranean commerce. It
differs from the felucca chiefly in having several square sails, as well
as latin sails, while the latter has only lateen sails. Bei uns
gebraucht man die Bezeichnung Schebecken-Takelage eben wegen der
lateinischen Segel. Franzsisch chebec, englisch xebec, spanisch
xabeque, italienisch sciabecco, zambecco, vom trkischen sumbeki,
arabisch sumbuk, kleines Schiff.


*scheitern*

= Schiffbruch erleiden, bekanntlich auch im bertragenen Sinne von
Nichtseeleuten oft gebraucht: gescheiterte Hoffnung, gescheiterte
Existenz u. s. w. Das Zeitwort ist von Scheit gebildet. Der Gedanke
liegt zu Grunde, da bei einem wirklichen Schiffbruch das Schiff zu
lauter Holzscheiten zerschlagen wird. Wie man auch seemnnisch zu sagen
pflegt: es gibt klein Holz, wenn etwas entzwei geht. Die
Grundbedeutung von Scheit liegt in der indogermanischen Wurzel skhait,
und kommt auf scheiden, spalten, hinaus.

Das Wort ist kaum seemnnisch zu nennen, da unsere niederdeutsche
Seeleute sich ziemlich ablehnend dagegen verhalten. Der Grund ist klar:
es mte eigentlich in ihrem Mund schitern heien und das kme doch
allzu nah an schiten, das ja auch mit scheitern gleicher Abstammung ist.
Weil aber im Hochdeutschen das t in dem Zeitwort fr stercorisare sich
zu s verschoben hat konnte man da ungehindert schiten fr spalten sagen
und schit fr ein abgespaltenes Stck Holz; und man sagte im
Mittelhochdeutschen auch so. Im Neuhochdeutschen diphthongierte sich das
i zu ei, aber trotzdem hat sich der Seemann das Wort kaum angeeignet.


*scheren.*

1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben.

2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen;
kann auch durch eine Bretterwand geschehen.

3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von
einem Schiffe, von den unteren Wolken.

4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren.

5. mhen, Gras scheren, Rasen scheren.

6. sich bekmmern um, sich Mhe machen um -- Was schert mich Weib, was
schert mich Kind ...

7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich pltzlich von einer
Gesellschaft trennen: scheren Sie sich zum T...!

8. in einer Weberei Garn scheren.

Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gngig; und
zwar ist 2. dahin erweitert, da ein Tau scheren nicht nur gebraucht
wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz
allgemein, z. B. Wschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist,
da durch jedes Scheren eines Taues schlielich der Raum in zwei Teile
geschieden wird. Die Grundbedeutung ist abscheiden. Althochdeutsch
sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelschsisch
sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft
hat, skera.

Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander schroff
geschiedene Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch skra,
dnisch skjre.


*Schiemann*, der.

Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die Takelage des
Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des groen Mastes
und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes. Kilian: schim-man
(schieman) proreta, qui in prora tutelae navis presidet. Vocatur ille
in navibus cujus est omnium vasorum et instrumentorum curam habere.
Brem. Mscr. Und dese jegenwardige beide menne mit ohm (dem Capitain)
gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten schymman, auerst darnach
houetbossman gewesen, Brem. Urk. v. 1580. Nach einer Wismarer Urkunde
von 1580 unterschied man: A. hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman,
D. E. F. bosmans, G. puitker auf einem Schiffe; letzterer war der
Geringste (s. Ptker). Dem deutschen Schiemann entspricht das dnische
Skibmand und das schwedische Skipman, und das legt die Annahme nahe, da
Schiemann eigentlich Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheien
habe und da das p vor m ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m
assimiliert habe. Die Frage wrde uns nichts weiter angehen, da die Tage
des Schiemanns vorber sind, und mit dem Amt wre auch der Name
ausgestorben, wenn nicht das Wort *Schiemannsgarn* ihn gerettet htte,
die Bezeichnung eines schnen, glatten, sauber geschlagenen zu den
verschiedensten Zwecken verwendbaren dicken Bindfadens. Nach Weiland
htte der schimman davon den Namen, om dat hy is de schim en schaduw
van den hoogbootsman (!)


*Schiff*, das,

hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen durchgemacht,
da es vermessen wre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, was ein
Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens Schiff.
Es ist behauptet worden, es lge ihm ein vorauszusetzendes gotisches
Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, hohl machen. Es ist
auch nicht zu leugnen, da das Wort den Eindruck macht, als habe in
frhesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal i getragen.
Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff hat einen
reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da ist 1, das
hochdeutsche Schiff, 2, das niederlndische scheep, 3, das altfriesische
skapp, 4, das gdhelische sgiob. Zu 1, gehrt mittelhochdeutsch schif,
althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch skip, angelschsisch scip,
englisch ship, altschsisch skip, neuniederlndisch in der Einzahl
schip, dnisch skib, franzsisch esquif (Boot). Zu 2, die
neuniederlndische Mehrzahl von schip, schepen, mittel- und
altniederlndisch scheep, mittelniederdeutsch schep, schepen, scheper,
althochdeutsch scef, scefsaufi, scefsaufig-schiffbrchig, lettisch
skepe. Zu 3, bretonisch skaf, gdhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn
wir nun in so verschiedenen Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen
anstatt des i oder des e den Vokal a finden, so kann es nicht allzu khn
sein, auf eine vorgermanische Wurzel skap und auf das althochdeutsche
skapjan als Ursprung zu schlieen. Dieses letztere Zeitwort skapjan
heit schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen
Schpfungsberichtes: etwas aus nichts ins Dasein rufen, sondern gem
dem altgermanisch-heidnischen Schpfungsgedanken: aus rohem Stoffe
etwas zu einer Gestalt herausbilden. Und zwar geschah solches
Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch
schaben. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte.
Skapjan heit, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz
etwas herstellen, schaffen; heit durch Ausstechen, Ausgraben,
Aushhlen, Schnitzen, Schneiden, Gltten, Hobeln, Schaben einen
Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunchst nur
ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet
man bei den alten Deutschen so hufig eine Zusammenstellung von Schiffen
und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil
das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache
ursprnglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafr aus
der Ttigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso
einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff
ist vaisseau, provenalisch vaissel, englisch vessel, italienisch
vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gef. Das Bremer Wrterbuch
glaubt die Sache damit abgetan zu haben, da es schrieb, Schiff komme
von schieben, weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient
hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben
wurden. Diese Erklrung ist um weniges besser als die scherzhafte, die
vom schiefen Bau redet.

Die Ausrstung etc. etc. eines Schiffes hie mittelniederdeutsch
eskipasje; daraus ist das franzsische Wort equipage geworden.

Hier eine kurze bersicht ber die Benennung der Schiffe wie sie
gegenwrtig blich ist. Bei den Segelschiffen wird die Unterscheidung
nach der Art der Takelage getroffen. Ein *Vollschiff* hat drei
vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine *Bark*, die
besonders stark vertretene Art von Segelschiffen fr groe Fahrt, hat
Gro- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine
*Schunerbark* hat Masten wie eine Bark, aber an Gro- und Fockmast keine
unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine *Brigg* hat Gro- und
Fockmast, vollgetakelt und am ersteren noch einen Besan, der aber
Briggsegel heit; eine *Polackerbrigg*, s. d., eine *Schunerbrigg* oder
*Brigantine* ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein
*Dreimast-Marssegel-Schuner* hat den Fockmast vollgetakelt und der
Gromast ist gleich dem Besanmast, ein *Dreimast-Gaffel-Schuner* hat
drei Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein
*Dreimast-Topsegel-Schuner* ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur
da sein Fockmast Mars- und Bramrahen fhrt; ein *Marssegel-Schuner* hat
den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein *Topsegel-Schuner*
hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars- und
Bramrahen fhrt; ein *Gaffel-Schuner* hat zwei einfache Schunermasten
mit Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige,
weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig
Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Englnder nennen ihn
fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann
man ihn auch bei uns nennen hren; ein *Chasse-Mare* s. d.; ein
*Lugger* s. d.; ein *Kutter* s. d.; ein *Slup* s. *Schaluppe*.

Auerdem gibt es *Viermastschiffe*, und zwar Viermast-Vollschiffe mit
Fockmast, Gromast, Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, a small square
sail on a mast and boom at the stern of a boat, man wrde also
Treibermast sagen knnen; *Viermastbarkschiffe* mit Fockmast, Gromast,
Kreuzmast und Besanmast; und *Viermastschuner*, ebenfalls mit Fockmast,
Gromast, Kreuzmast und Besanmast. Und sogar zu *Fnfmastschiffen* hat
man sich verstiegen, nmlich zu *Fnfmastvollschiffen*,
*Fnfmastbarkschiffen*, *Fnfmastschunern*; als Namen fr die Masten der
ersteren sind in Vorschlag gebracht Fockmast, Gromast, Kreuzmast,
Jiggermast, Achterkreuzmast; fr die beiden letzteren Fockmast,
Gromast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast.

Die *Kriegsschiffe* werden bei uns zur Zeit eingeteilt in Linienschiffe,
Kstenpanzerschiffe, Groe Kreuzer, Kleine Kreuzer, Panzerkanonenboote,
Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge.

ber die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.


*Schiffsbesichtigungskommission*, die,

eine Kommission bei der Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem
Seeoffizier und den ntigen technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es
ist, Handelsdampfer auf ihre Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu
besichtigen und sich ber ihre Verwendbarkeit im Falle einer
Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu erhalten. Schon vor 600 Jahren
wute man von einer, allerdings nur nach Bedarf im einzelnen Falle
zusammentretenden Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte
Knig Philipp der Schne von Frankreich als Lehnsherr ber Flandern den
Brgern und Einwohnern von Lbeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg,
Wismar, Rostock, Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche
Meer befahrenden Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da
zurck, es sey zu Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs
freyen Handel gegen Erledigung der blichen Abgaben. Jedoch sollten sie
nirgends nach Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England,
Schottland oder Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der
Englnder unterworfen sind, einfhren, noch selbst auf dem Meere
verschiffen, bei Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Knigs
Gutdnken. Ebenso sollten sie keine Gter aus Frankreich nach England
fhren und daselbst verkaufen, bei gleicher Strafe. *Auch behlt sich
der Knig vor, ihre Schiffe, die er zum Kriegfhren bedrfe, ihnen
abzumieten oder abzukaufen, nach der Schtzung von vier unbescholtenen
Mnnern, zur Hlfte aus ihrer, zur andern aus des Knigs Untertanen
genommen.* (Sartorius. -- Lappenberg, Hansa, I 272.)


*Schiffsregister*, das.

Um nun jederzeit den an den Schiffahrtsverhltnissen beteiligten
Kreisen Gelegenheit zu geben, sich ber den Zustand irgend
eines Schiffes ausreichend zu unterrichten, werden von den
Besichtigungsinstituten Register, d. h. Schiffslisten, herausgegeben.
Diese enthalten auer dem Namen und dem Unterscheidungssignal der bei
dem bezglichen Besichtigungsinstitut klassifizierten Schiffe die
Hauptdimensionen derselben, die Klassenzeichen (s. A), das Datum der
letzten Besichtigung und die Angabe des Materials, aus welchem sie
erbaut sind, u. dergl. m. Besonders enthalten sie auch die
Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei bedeutet

k Kleine Kstenfahrt, die Fahrt lngs den Ksten des Festlandes und den
Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat
sdlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund,
sowie lngs der Kste der Ostsee.

K Groe Kstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee, im
Englischen Kanal, im Mittellndischen und Schwarzen Meer, sowie in
berseeischen Gewssern hnlicher Art.

Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans,
sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewssern und im
Stillen Ozean.

L. Groe Fahrt, die fr die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen
berschreitende Fahrt.

Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstrkungen fr die Fahrt durch Eis
versehen ist, erhalten auer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E).


*Schiffstaufe*, die

= Stapellauf. Diese Taufe erinnert uerlich in zweierlei Hinsicht an
das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie auch sonst damit zu
tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was frher beim Sakrament der
Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe geschieht, indem das
Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu heien pflegt, in sein
Element hinabtaucht. Sodann ist die Namengebung mit dem Tauchen
verbunden. Frhe schon ist das altgermanisch-heidnische
Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden
worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird -- wenigstens bei uns; bei
anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders
--der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher fr die
beteiligten Kreise ein spannendes Geschft, aus den Einladungen, aus den
Zurstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede
den kommenden Namen zu erraten.


*schiften*

heit irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen, von
einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen, besseren,
unter vernderten Umstnden richtigeren Platz anweisen, etwas teilen,
abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das Wort ist
niederdeutsche Form fr schichten, nach dem so oft zur Anwendung
gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und Gracht,
Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele hnliche sich einander
entsprechen.


*schlackern*

bedeutet eine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit beim Rudern,
infolge deren das Wasser spritzt und die im Boote befindlichen Leute na
macht. Ein niederdeutsches Wort, das gebraucht wird wenn ein Kind etwas
von seiner Suppe auf das Tischtuch oder die Serviette tropfen lt;
sodann auch fr anhaltenden feinen Regen, fr Nssen, Schmutzen,
Beschmutzen. Das Wort ist Iterativum von slaggen, das wir im
Hochdeutschen in der Verbindung Niederschlag und Schlagregen kennen.


*Schladding*, die.

Es gibt viele Arten, auf die das Tauwerk an Stellen, wo es dem
Schamfilen ausgesetzt ist, bekleidet und geschtzt wird. Eine derselben
nennt man Schladding, d. h. mit Schladding bekleiden. Das niederdeutsche
Wort sladde heit Lumpen, Lappen, Fetzen, Stck altes Zeug. Eine
Schladding ist also die Bekleidung eines Taues mit altem Segeltuch.
Sladde ist verwandt mit unserem schlodderig, bedeutet also etwas das
schlaff, nachlssig, unordentlich lumpig herunterhngend ist.


*Schlag*, der.

1. Rding: Wenn man ein Tau um einen Gegenstand herumschlgt, zum
Beispiel um ein anderes Tau, um ein Spill u. s. w., so da es eine ganze
Umwlzung um diesen Gegenstand macht und die beiden Enden kreuzweise
ber einander zu liegen kommen, so ist dieses ein *ganzer* oder ein
runder *Schlag*; macht man diese Umwlzung noch einmal, so ist es ein
*doppelter Schlag*; geht die Umwlzung aber nicht rund um, so da sich
die beiden Enden nicht berhren, so ist es nur ein *halber Schlag*.

2. Wenn ein Schiff zu kreuzen gentigt ist und es fhrt demgem einmal
nach einer und dann nach der anderen Richtung, so nennt man jedesmal die
nach einer Richtung zurckgelegte Strecke einen Schlag.

3. Der Schlag mit dem Riemen beim Rudern; er ist ein Schlag ins
Wasser, aber ein wirkungsvoller, nicht, wie im Hochdeutschen, eine
vergebliche Arbeit.

4. Wenn ein Schiff ungleich geladen ist und sich infolgedessen auf die
Seite neigt, so sagt man: es hat Schlagseite.

Alle diese seemnnischen Bedeutungen von Schlag gehen, wie berhaupt
auch smtliche hochdeutsche Anwendungen des Wortes, auf die
ursprngliche Bedeutung des Zeitwortes schlagen zurck, gotisch slahan:
unaufgehalten eine gewisse Richtung ein*schlagen*.


*Schlappgording*, das,

gehrt zu den Gordingen der unteren, groen Segel und hilft deren Tuch
nahe an die Rahe bringen, wenn sie festgemacht werden sollen. Und zwar
holen die Buggordinge das Unterliek des Segels nach der Mitte der Rahe,
die Nockgordinge das Seitenliek steif lngs der Rahe. Nachdem dieses
geschehen ist hngt immer loses Tuch schlapp, d. h. ohne da eine andere
Kraft als die der eigenen darauf steht, unter den Rahearmen. So sind
denn hier auch noch Gordinge angebracht, die, weil sie das schlappe Tuch
an die Rahe holen, Schlappgordinge heien.


*Schlaufe*, die,

bedeutet das was hochdeutsch eine Schleife heit, ein hr, eine ffnung,
eine Schlinge. Das Wort ist nichtniederdeutsches Dialektwort und daher
dem niederdeutschen Seemann wenig mundgerecht. Althochdeutsch slouf,
mittelhochdeutsch sloufe (Lexer, 233) von sloufen. Im Niederdeutschen
ist slpe, slove, slfe = geschlungener Knoten.


*Schlenge*, die,

heit ein faschinenartiges, von Pfhlen festgehaltenes Reisiggeflecht
zum Schtze der Kste oder des Ufers und zur Befrderung des
Landanwuchses, da die Schlengen den Schlick bei ablaufendem Wasser
zurckhalten und ansammeln. Sie finden sich berall da, wo es Schutz
gilt gegen das Losreien von Land durch die Meeresfluten und wo man
zugleich dem Meere Land abgewinnen will, wie das am Dollart, an der Jade
und anderswo bereits mit groem Erfolg versucht worden ist. Das Wort
kommt von schlingen, niederdeutsch slengen, da das Reisig durch
Verschlingen und Flechten Festigkeit erhlt.


*schleppen*,

kommt fr sich allein und in Zusammensetzungen wie abschleppen,
aufschleppen, ausschleppen, einschleppen vor und bedeutet, da ein
Schiff ein anderes fortbewegt, das sich aus eigener Kraft nicht
fortbewegen kann oder mag. Das schleppende Schiff heit, wenn es das
Schleppen als Beruf betreibt, Schlepper oder Schleppdampfer, und man
sagt, da es das geschleppte Schiff im Schlepp hat. Niederdeutsch
slepen, Weiterbildung von slipen, heit gleiten machen, machen da sich
etwas gleitend bewegt. Daher heit eine Last schleppen nicht sie auf der
Schulter tragen, sondern sie auf dem Boden hinter sich herziehen (s.
Schlipp).


*Schleuse*, die.

Ein sehr ntzliches Wassergebude, vermittelst dessen sich das Wasser
in dem von dieser Schleuse eingeschlossenen Raum oder in der Kammer
derselben erhhen und erniedrigen lt. (Roeding) Schleusen, die einen
Hafen vor den Bewegungen der Ebbe und Flut verschlieen, waren demnach
vor 100 Jahren noch nicht blich. Da eine Schleuse ein Verschluding
ist, so hat man zur Erklrung auf das althochdeutsche sliozan,
schlieen, schlieen wollen; das geht aber nicht, weil sonst sich das z
zu t im Niederdeutschen und Niederlndischen htte verschieben mssen,
das ist aber nicht geschehen, da Schleuse hier nicht slt und sluyt,
sondern sls und sluys heit. Daher mssen wir im romanischen
Sprachgebiet Umschau halten, wo man frh mit Erbauung von Wasserwerken
begann. Schleuse kommt in der Tat von daher. Vom lateinischen excludere
ist zunchst das mittellateinische exclusa, sclusa gebildet, davon das
spanische esclusa und franzsische cluse, das sich durchs Hollndische
-- sluys, sprich sleus -- zum deutschen Schleuse weitergebildet hat.


*Schlick*, der,

ist der an den Nordseeksten sich niederschlagende zarte, weiche, fette,
schlpfrige, sehr fruchtbare Meeresschlamm, die Erde aus der Kooge,
Groden und Polder bestehen, aus der der Marschboden sich gebildet hat.
Neuerdings bringt man von der Kste den ausgebaggerten Schlick ins
Binnenland zur Verbesserung unfruchtbarer Moor- und Haidestrecken.

Das Wort mte eigentlich Schlich oder wenigstens Schliek heien und
heit an Ort und Stelle auch slik mit langem i, weil es von sliken,
schleichen, gleiten, schlpfen kommt; also schlpfrige Erde.

Schlickrutscher nennt man an der Nordsee scherzweise die Kstenfahrer.


*schlieren*,

bedeutet das Rutschen einer Sache; z. B. wenn einer ein Tau fiert und er
fiert es nicht Hand ber Hand, sondern lt es sich durch die Hand
rutschen, was unter Umstnden eine schmerzliche Verletzung derselben
verursachen kann, so schliert das Tau. Oder es macht einer eine
Schlinge, die sich nicht zuziehen soll und er macht sie nicht ganz
richtig, da sie sich doch gleitend zusammenzieht, so heit es: der
Knoten schliert zu. Ein niederdeutsches Zeitwort, eigentlich sliren, mit
der Bedeutung gleiten, schlpfen, rutschen; zusammengezogen aus
sliddern, dem bekannten Zeitwort schliddern fr schleifen, glitschen,
wie es Kinder auf zugefrorener Gosse betreiben.


*schlingern*

bedeutet im Sprachgebrauche des Seemanns das Schwanken des Schiffes nach
beiden Seiten hin, das Sichberlegen bald nach Steuerbord, bald nach
Backbord. Das Zeitwort ist Iterativum vom niederdeutschen slingen, und
dieses bedeutet eigentlich: sich bewegen wie eine Schlange,
Schlangenbewegungen machen, also das hochdeutsche schlngeln.

Um die keineswegs zu den Annehmlichkeiten der Seefahrt gehrigen
Schlangenbewegungen eines Schiffes zu vermindern, werden in neuerer Zeit
an den Schiffen besondere *Schlingerkiele* angebracht. Sie sind stets
symmetrisch auf beiden Schiffsseiten in der Kimm, d. h. an der Stelle
des Schiffsbodens angebracht, welche die Abrundung zwischen dem
horizontalen und vertikalen Teile bildet. Sie erstrecken sich der Lnge
nach etwa ber die halbe Schiffslnge, und zwar in der Mitte des
Schiffes, und sind an den vorderen und hinteren Enden in einer schlanken
Kurve abgerundet.


*Schlipp*, die,

ist eine Art Helling, eine geneigte Ebene am Wasser, auf die man ein
ausbesserungsbedrftiges Schiff aufschleppt. Aber nicht vom Schleppen
hat sie den Namen, sondern von schlippen; denn nicht da das Schiff
aufgeschleppt wird ist die Hauptsache und hat bei der Benennung den
Ausschlag gegeben, sondern die bequeme Art, auf die man das
ausgebesserte Schiff wieder zu Wasser bekommt, indem man es einfach
schlippen lt. Darum ist es nicht ratsam, da man, wie neuerdings wohl
geschieht, die Schlipp Schleppe nennt, denn Schleppe ist etwas das
geschleppt wird; das fertig ausgebesserte Schiff wird aber nicht
geschleppt, abgeschleppt wie ein auf Grund geratenes Fahrzeug, sondern
man lt es schlippen, auf der Schlipp, auf der geneigten Ebene zum
Wasser hinab gleiten; grade wie man eine Ankerkette durch ffnen des
*Schlippschkels schlippen*, d. h. ins Wasser hinabgleiten lt, wenn
man keine Zeit hat den Anker zu lichten. Niederdeutsch slippen =
schlpfen, gleiten, hinabgleiten.


*Schloiknie*, das.

Die Schloikniee dienen dazu, den Auslieger des Galjons von der Seite zu
umfassen und mit dem Bug des Schiffes zu verbinden. Auf jeder Seite des
Galjons liegen deren zwei; der gebogene Arm liegt mit seiner hohlen Bugt
gegen den Bug des Schiffes, und zwar auf dem Bergholz, der andere Arm
ist mit dem Ausleger verbolzt. Bobrik II. 2. 2371. Das fr unser Auge
etwas sonderbar aussehende Schloi mte eigentlich Sloi heien und hat
im Niederlndischen, woher es stammt, die Form sluy. Unser
niederdeutsches sluten = schlieen heit nmlich im Niederdeutschen
sluiten, sluyten, und bedeutet ursprnglich biegen, krmmen,
zusammenbiegen, vereinigen, verbinden, lateinisch claudeo. Dieser
Begriff liegt ganz und voll in Schloiknie, das mit zwei Armen eine
Verbindung herstellt zwischen Schiff und Gallion.


*Schlossholz*, das,

ist kein Holz, sondern ein vierkantiges Stck Eisen, das durch das
Schlogat am Fue der Stenge durchgesteckt wird, so da die beiden
vorstehenden Enden auf die Lngssaling aufzusitzen kommen und so die
Last der Stenge tragen. Das Schloholz ist also nicht nur kein Holz, es
ist auch kein Schlo. Es mte Schluholz oder Schlieholz heien, da es
den Anschlu der Stenge an den Mast bewirken hilft und niederdeutsch
slotholz, niederlndisch slothout, sluthout im Dnischen, sluthult im
Schwedischen heit. Im Mittelhochdeutschen heit sloz Schlustein eines
Gewlbes.


*Schmack*, die,

ein Kstenfahrzeug mit flachem Boden, vorn und hinten voll und rund
gebaut, mit einem Pfahlmast und einem Treiber. Englisch smack: A large
sloop, with a gaff-topsail and a running bowsprit, used chiefly in the
coasting and fishing trade. Franzsisch semaque, niederlndisch smak,
niederdeutsch smak und smakke. Das Wort steht fr Schnack, vielleicht
weil die Erinnerung an Schnack = Geschwtz vermieden werden sollte.

Im Niederdeutschen ist snake eine Art von Schlangen, die sich im Wasser,
in Smpfen und alten Grben aufhlt und herumkriecht und schleicht. Von
dieser Bewegung wird das an den Ksten herumkriechende und schleichende
-- vergl. Schlickrutscher -- glatte Fahrzeug den Namen haben. Schon im
Althochdeutschen gab es einen Schiffsnamen snacga, mittelhochdeutsch
snacke, und zwar war es ein langsam fahrendes Schiff, mit sneggo,
Schnecke (s. Schnigge) verwandt, vom althochdeutschen snahan, kriechen,
schleichen. Man dachte also jedenfalls an ein schwerflliges Schiff,
denn man machte auch in althochdeutschen Zeiten schon Unterschiede
zwischen langsamen und schnelleren Schiffen. So bedeutete seit dem 5.
Jahrhundert unserer Zeitrechnung tragamunt, tragemunt, tragmunt ein sehr
schnellfahrendes Schiff, altnordisch dromundr; altfranzsisch dromon;
griechisch dromon, der Lufer, (nicht zu verwechseln mit dem tragemunt,
aus dem unser Dragoman (s. d.) entstanden ist).

Verwandt ist mit Schmack auch das angelschsische snacca. Aus der
franzsischen Form fr Schmack semaque ist das italienische semacca, das
spanische, portugiesische zumaca entstanden.


*Schmarting*, die,

ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle mit altem
Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie Schladding, nur da man bei
beiden Wrtern von verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei
Schladding von der Bekleidung, bei Schmarting aber von dem Schaden, der
entsteht, wenn die betreffende Stelle nicht bekleidet ist, denn dann
gibt es eine Schmarting, ostfriesisch-niederlndisch smarting, eine
durch Reiben entzndete Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte
Verletzung; smarten heit schmerzen, aber nicht so allgemein wie im
Hochdeutschen, sondern: durch Reiben wund werden und dann wehe tun;
daher das Wort smartfel = schampfel (s. schamfilen) fr Epidermis, da
diese sich durch Reiben an einem harten Gegenstand leicht schamfilt
und dann sehr schmerzt. Solches Reiben zu verhten, solche Schmarting
zu verhindern, wird eine Schmarting angelegt.


*Schmeerreep*, das,

ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in Wirkung zu treten,
wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde nicht halten sollte;
also etwas das an sich berflssig ist und nur der greren Vorsicht
halber, um ein briges zu tun, bentzt wird, damit man desto besser und
sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das Sprichwort zu
Grunde liegen: Wer gut schmeert, der gut fhrt, d. h. wer dem Kutscher
kein Trinkgeld gibt, der fhrt zwar auch, wer ihm aber eins verabreicht,
der fhrt besser, schneller, sicherer. Jemanden schmieren heit ihn
bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern, und eine
Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die *Schmiergording* gewesen.

Es braucht kaum ausdrcklich bemerkt zu werden, da das Gesagte nur den
Wert einer Vermutung hat und da unser Wort noch einer
wissenschaftlichen Erklrung harrt.


*Schmiege*, die,

heit der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock der
Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d. h. die Abweichung
vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des Schiffes
gem an den Spanten findet; ein Schrgema. Die Bedeutung von schmiegen
ist sich eng an etwas drcken, wobei man sich, wenn es not tut, aus
der geraden in eine geneigte Lage bewegen mu, seinen Winkel zu
verndern gentigt sein kann. Hierher gehren auch schmcken, weil das
schmckende Kleid sich anschmiegt und *schmuggeln*, weil der Schmuggler
ein sehr anschmiegendes Wesen haben mu, um hinter einem Baum oder Busch
Deckung suchen zu knnen.


*Schnabel*, der,

meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der vorderste Teil des
Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels ist. Schon bei den
Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnbelte Gestalt, wie die
columna rostrata hinlnglich beweist. Aus rostrum ist spanisch und
portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch schon im
Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht worden
war, als zwar volkstmliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei uns wird
Schnabel fr Mund gebraucht, aber nur in verchtlichem Sinne. Der
Seemann sagt von seinem Schiff lieber: es steckt die Nase in den Wind
als: es steckt den Schnabel in den Wind.

Das Wort gehrt zu der in schnappen enthaltenen Wurzel snab.


*Schnau*, die,

ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln, aber mit der
besonderen Eigentmlichkeit, da fr den Besan ein besonderer Mast
errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Gromast, so nahe, da
sein oberes Ende zwischen der Lngssaling dieses Mastes befestigt ist.
Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau selbst
verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten *Schnaumasten*
stehen fr die Schratsegel und den Besan.

Schnau kommt vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die
Schnauze; ursprnglich hat also nicht dieser eigentmliche Mast, sondern
der besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen
hergegeben, das rostrum. Niederlndisch snauw, dnisch snau, schwedisch
snau, englisch snow, franzsisch senau, italienisch senau, portugiesisch
senau. Das Bremer Wrterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende
Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es
von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder
schmal und scharf zugeht, gebraucht, z. B. Schiffe sind *up de snau*
gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen. So hat ja auch im Hochdeutschen
eine Kanne eine Schnauze.


*Schnicke*, die,

war zu Rdings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, blo in der Nordsee
gebruchliches Fahrzeug zum Fisch- und Austernfang, kleiner als die
Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz zulaufendes
Fhrboot fr Binnenkanle. Zur mittelniederdeutschen Zeit war es ein
Beiboot einer Kogge. In einer Lbischen Urkunde von 1368 heit es: de
stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden wepenern, dat
is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho
giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke. Es ist
eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen Ursprungs mit
diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten, schlpfen,
schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen Schnellsegler.
Niederlndisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja, dnisch snekke,
snakke, althochdeutsch snacga.


*Schnrboden*, der.

Wenn die Plne und Zeichnungen eines Schiffes fertig sind und es geht
nun an die Ausfhrung, so ist die erste Arbeit das Abschnren des
Schiffes. Es ist dies eine Arbeit, welche das Aufzeichnen der
Konstruktionslinien des Schiffes in natrlicher Gre auf dem Fuboden
eines besonders hierfr gebauten Raumes, des sogenannten Schnrbodens,
ausmacht. Das Aufzeichnen geschieht nach den betreffenden Maen der
Plne mittelst der Meschnur.


*Schoner*, auch *Schuner*, der.

Das Kennzeichnende dieses seetchtigen, gutsegelnden, leicht zu
bedienenden schmucken Segelschiffes ist die ausgiebige Verwendung von
Schratsegeln. Wenn man von einer Schuner-Takelage spricht, so sind stets
Schratsegel gemeint im Gegensatz zu Rahesegeln. So sagt man z. B.
Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das vorne Rahen, hinten Schunertakelage
hat. Niederlndisch schoener, schwedisch, dnisch skooner, franzsisch
schouner, italienisch, spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner,
scooner. Das Wort soll amerikanischen, neuenglischen -- im
geographischen Sinne -- Ursprunges sein. It seems to have been proved
beyond controvercy that the name, like the vessel itself, is of American
origin, being from a New England word *scoon*, to skim or skip upon the
water, to make ducks and drakes. The first vessel of the kind is said to
have been built at Gloucester, Mass by Captain Andrew Robinson about
1713; and the name was given to it from the following circumstance.
Captain R. hat constructed a vessel, which he masted and rigged in the
manner that schooners now are, and on her going off the Stocks into the
water a bystander cried out; O how she scoons! R. instantly replied:
A scooner let her be; and from that time this class of vessels has
gone by that name. Also von der leichten, schwebenden Bewegung ist der
Name genommen.


*Schnfahrsegel*, das,

verkrzt *Schoversegel* (bei Rding). Man sollte denken, das wre die
richtige Bezeichnung fr Leesegel, weil diese nur bei schnem Wetter
gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern das Grosegel
heit so. Offenbar darum, weil es das hauptschlichste Segel ist, das
dem Winde die meiste Flche darbietet, das also die schnste d. h.
schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das am lngsten
stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel, vor dem
sichs am schnsten beiliegen lie. Der Verfasser der Beschriving von
der Kunst der Seefahrt, Lbeck 1673, schreibt: Wie ich Anno 1647 in
des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns zu, zwischen
Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von Tripoli, gemondiert
mit 36 Stcken und 16 Metanen Bassen: wir fochten mit ihnen von dem
Morgen bi an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war ein hartes Gefecht,
so, da wir unterweilen ein dem andern eine geraume Zeit an Bort lagen,
bi endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder fnff und fnfftzig
hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren auffflohe und das
Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu meinem Glck gerade
zuvor ber Bort gesprungen, weil ich sahe, da ich nicht lnger Zeit
hatte da zu bleiben, da Wasser ging aber ziemlich holl, weil wir die
vorige Nacht vor ein Schonvorsegel htten beygelegen, welches auch beyde
Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thte, da man kaum das
stehend darin behalten konte.


*Schore*, die,

oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Sttze dienender Balken; so
heien z. B. die Bume, mit denen man ein aufgeschlepptes oder im Dock
befindliches Schiff sttzt, Schoren. Niederlndisch schoor, altenglisch
schore, englisch schore. Es bedeutet ein geschnittenes, gespaltetes
Stck Holz und ist mit scheren gleicher Herkunft von skeren (Prter.
schor), aus der Wurzel skar, schneiden, spalten.


*Schot*, die,

das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten und hinten,
die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels nach hinten
holt. Eigentlich heit aber die Ecke Schot, an der dieses Tau befestigt
ist. Der greren Deutlichkeit wegen, heit diese Ecke jetzt
tautologisch Schothorn oder Schothrn; Schot allein wrde aber vllig
gengen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das daran sitzende
Tau bergesprungen wre. Denn Schot heit Schoo = Zipfel, Ecke,
herunterhngender Teil eines Kleides, Rockschoo. Also: Ecke des Segels.
Von Schot kommt altfranzsisch escota, franzsisch coute, spanisch,
portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan, schiezan,
sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschieens, des
Vorspringens. Angelschsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts,
Schoo; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch
nicht, sonst htte er nicht eine so umstndliche Umschreibung desselben
gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemnnisch zu erkennen; er
hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis
angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis.

Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; *Wasserschoten*
sind die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar na werdenden Schoten der
Unterleesegel. Die Ausdrcke Binnenschot und Auenschot erklren sich
von selbst.


*Schott*, das.

Die neuen groen Schiffe sind alle durch Querwnde in verschiedene
Abteilungen geteilt, die mit verschliebaren Tren versehen sind. Sind
diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von einander
wasserdicht getrennten Rumen. Wenn nun in Folge einer Havarie einer
derselben voll Wasser luft, so werden die anderen nicht in
Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott.

Bremer Wrterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltr, wodurch eine
zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln,
verschlieen, absondern durch eine Scheidung, wofr man auch
*abschotten* sagt, einen kleineren Raum von einem greren durch eine
Bretterwand trennen.

Bei unseren neuen groen Schleusen haben sie auch Schotten, man hat aber
die seemnnische Form dafr verschmht und gemeint, eine hochdeutsche
Form whlen zu sollen und sagt daher *Schtze*. Es ist das Schott ja
auch ein Schutz, aber Schott htte gengt; niederdeutsch schot und
scht: ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hlzerner Schieber, eine
Holzklappe etc. zum Schtten oder Abhalten (Absperren, Abschlieen etc.)
und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen das Ein-
und Durchbrechen des Wassers bei Sturmfluten, oder auch zum Schtten
oder Ein- und Aussperren des Viehes.

In oldenburgischen und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal
eine Anzeige: Geschttet ein Schaf; abzuholen im Schttstall bei N. N.

Kilianus: schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut,
schot = septum, locus conclusus.


*schralen.*

Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, da er anfngt fr die Fahrt
des Schiffes ungnstig zu werden, so da man bald nicht mehr Kurs halten
kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heit schralen schlecht,
ungnstig werden; schral heit ostfriesisch schlecht, mager, dnn,
elend, arm, knapp; man kann schralen also bersetzen mit knapp werden,
der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Strke, denn das
wrde abflauen heien, sondern vielmehr in Bezug auf seine Richtung, so
da man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr beim Winde
steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. Unzureichend drfte der
allgemeine Begriff von schral sein; niederlndisch schraal,
westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dnisch
skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen
Nebenbedeutungen. Beim seemnnischen Gebrauch des Wortes ist es nicht
ganz ausgeschlossen, da bei der ungnstigen Drehung, die der Wind
macht, auch zugleich ein schwcheres Wehen eintritt, doch ist zunchst
sicher nur an die Richtung gedacht.


*schrapen*,

mit einem *Schraper* die Farbe von etwas abkratzen, um es dann neu und
besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das auer in der Form
schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und bedeutet:
mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln, streichen;
Rben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen; auch: sich
den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer Lbecker
Reformationsgeschichte von 1529-1531 heit es: Und verstunden sik de
lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen manne
sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort scholden
handelen und ordelen.

Der Schraper ist ein dreieckiges Stck Eisen mit scharfen Kanten und
einem Stiel.

Von der Form schrabben fr schrapen kommt auch das bekannte Wort
*Schrubber*, ein scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fubodens, des
Decks; ein Leuwagen.


*Schratsegel*, das.

Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren sind Schratsegel.
Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle Gaffelsegel
gemeinschaftlich bezeichnet, so da Jager, Klver, Stagsegel,
Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Grogaffelsegel, Besan und Briggsegel
unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefat werden. Im
Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in schrger
Richtung verluft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz zuluft. Der
Name ist also gewhlt fr das was allen Schratsegeln auch wirklich
gemeinsam ist, da sie nicht grade, sondern schief geschnitten sind. So
nennt man schratdok ein dreykantiges Halstuch des Frauenzimmers, deren
zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen entstanden sind. Diese
Vorstellung lag wahrscheinlich auch der Benennung der Schratsegel zu
Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau die Form eines solchen
dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man knnte sich zwar die Sache
auch so vorstellen, da die Schratsegel immer schrge stehen, whrend
die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant gebrat werden, aber
dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche Begriff von schrat, der
nicht sowohl das *dreieckig* Geschnittene, sondern vielmehr das
dreieckig *Geschnittene* ist, denn die Wurzel dazu ist skru = schneiden,
von der auch der Familiennamen Schrder = Schneider kommt. Ein
Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam ein
in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel.


*Schraubenbrunnen*, der,

ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die Schraube hngt, wenn
ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will. Die Schraube wird
gelichtet, d. h. aus dem Wasser herausgezogen und in dem Brunnen
aufgehngt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme. Doch wird durch
solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes geschwcht, so da man
in Erwgung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht den geringen Vorteil
der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe.


*schricken.*

Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges fiert. Es
ist z. B. ein Kutter vorn etwas hher gehit wie hinten; da es aber fr
das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, da der Kutter grade
hngt, so mu der vordere Kutterlufer geschrickt werden. Oder es tritt
Regen ein, der die Brassen na macht und zusammenzieht, so da sie
allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen geschrickt. Da das
Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft steht, so ist das
Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende mu vorsichtig
sein, da er das Ende gut belegt hlt, damit das Tau in seiner Gewalt
bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe verwandt und
mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das demselben zu Grunde
liegende althochdeutsche screckon heit auffahren, aufspringen,
springen, hpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem entspricht
das niederdeutsche schrikken = springen, einen pltzlichen Ruck machen
oder bekommen, auffahren, zurckfahren, schrecken, erschrecken. Doch
kommt das seemnnische schricken nicht unmittelbar vom althochdeutschen
screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch schrecken = springen
machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe Wort, das eine Kchin
gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem heien Wasser
pltzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser schlen lasse.


*Schrims*, das,

ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen Stcken Garn,
teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort wrde wenig bekannt
sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise gebraucht wrde,
um das gekochte prservierte Rindfleisch zu benennen, das leicht wie
Strhne eines aufgedrehten Taues auseinanderfllt, daher es auch noch
fters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das Wort drfte aus
dem Englischen herbergekommen sein und mte wohl Schrimps geschrieben
werden, denn das -- jedenfalls mit dem mittelhochdeutschen schrimpen
verwandte -- englische schrimp heit Knirps, Zwerg, und mundartlich
heit im Englischen shrimp irgend etwas Kleines, Unbedeutendes,
Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall stimmt.


*Schrubber*, der, s. schrapen.


*Schuner*, der, s. Schoner.


*Schute*, die,

ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem Tiefgang, zur
Befrderung von Personen und Gtern auf Flssen und Kanlen. Sie sind
weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern werden
getreidelt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der
niederlndische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem
Pferde sitzt und es antreibt heit het jagertje). Sie bildet ein sehr
angenehmes Befrderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf einem
hollndischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wissen, wie bequem
und gemtlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch Rding
(1794) nennt sie bequem und wei von vielen Arten Schuten in Holland,
darunter sogar auch Segelschuten.

Die groen Elbkhne, die von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter
nach Hamburg kommen, nennt er Hamburger Schute und beschreibt sie als
stattliche Schiffe von 120 Fu Lnge. In und bei Berlin ist der Name
heute noch sehr gebruchlich. Riecke, Ursprung und Name der Stdte
Berlin und Kln an der Spree behauptet sogar: Der mrkische Name
Schute fr Kahn ist vom keltisch-glischen sguit, ein Boot, abzuleiten.
Dagegen spricht aber das frhe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man
mchte daher eher auf niederdeutschen Ursprung schlieen. Im
Mittellateinischen hie Schute escauda, das knnte von dem franzsischen
Namen der Schelde kommen, wie denn in der Tat nach einer Urkunde von
1252 ein Schiff, das auf der Scarpe, einem Nebenflusse der Schelde fuhr,
scarpoise hie.

Indessen liegt eine andere Erklrung viel nher. Die Alten haben einem
Schiff gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So drfen wir auch
hier annehmen, da ein von scheten = schieen kommender Stamm schut zu
Grunde liegt, indem Schute ein (verhltnismig schnell, weil vom Pferde
gezogenes,) dahinschieendes Boot ist.

Das Fahrzeug mu schon frh, im Mittelalter, bekannt gewesen sein, wenn
man bedenkt, da es nach der Hamburger Chronik bereits in
mittelniederdeutscher Zeit zu einem scherzhaften Vergleich herangezogen
werden konnte, die feindlichen Schiffe weren doch man appelscuten, dar
weren se unverzaget vor.

Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuytken = Boot.

In den Niederlanden mu in frheren Zeiten eine schuit so wohnlich
gewesen sein, da der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein
abenteuerlicher war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein
Plakat erlassen gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van
Jesuiten en andere Priesters, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of
Religieuse Personen, van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten
Brger des Landes ihrer gesetzmigen Obrigkeit abwendig machten ende
tot moorderye van Prinsen ende Potentaten verleiteten. Sie wurden
verbannt, und eine Strafe von 200 Gulden dem auferlegt in wiens
Huysen, Velden, Schepen ofte Schuyten sie ihr Wesen trieben.


*Schutzdeck*, das,

ist ein Deck von Kriegsschiffen, das geschtzt ist gegen das Aufschlagen
feindlicher Geschosse. Der Schutz wird durch Panzerplatten oder strkere
Stahlplatten, die das Zwischendeck bedecken, gewhrt. Dieses heit daher
auch wohl Panzerdeck; das Schutzdeck unterscheidet sich von ihm nur
durch die geringere Dicke der Platten.


*Schtze*, die, s. Schott.


*Schwabber*, der,

ist ein Hilfsmittel beim Deckwaschen und vertritt an Bord die Stelle
eines Scheuertuches, ist aber kein Tuch, sondern besteht aus losen
Strhnen von Kabelgarn, die oben durch eine Takelung quastenartig mit
einander verbunden sind, wie denn berhaupt der Schwapper oder Schwabber
mit einer groen langen Quaste hnlichkeit hat. Man trocknet damit nach
dem Deckwaschen das noch an Deck stehende Wasser auf, indem man damit
hin und her fhrt. Von diesem Hinundherfahren kommt der Name.
Ostfriesisch heit swpen mit irgendwelchem biegsamen, elastischen,
schwanken und schlanken Gegenstande eine Schwingung, eine Hin- und
Herbewegung machen; gotisch sveip, angelschsisch svap, altnordisch
sveip sind Prterita von sveipan, svipan, svipa. Davon kommt auch
swpen, mit der Peitsche schlagen und sweper = Besen und viele andere
Wrter, die alle mit Hin- und Herbewegung zu tun haben. Aufschwabbern
heit Wasser mit einem Schwabber aufnehmen.

Franzsisch (1702) souabre; niederlndisch swabber, dweil; englisch
swab; dnisch svaber; schwedisch svabb.


*schwajen*

auch schwoien, schwojen = schwingen. Das Bremer Wrterbuch behauptet,
das Wort kme von wehen her. S wird im Niederschsischen vielen
abgeleiteten Wrtern vorgesetzt zur Verstrkung der Bedeutung, oder eine
Heftigkeit der Handlung anzudeuten; slabben von labben = auflecken wie
die Hunde; swelen, Gras drren, von welen = welken; spreden =
ausbreiten, von breden. So auch hollndisch: slink von link = sinister;
swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern = naschen, von
likken = lecken. Wenn das richtig wre, knnte man sagen, der Ausdruck
schwajen kme daher, da das Schiff vom Wehen (wajen) des Windes
herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch lange
nicht immer vom Winde besorgt, sondern fter noch von der Strmung, von
Ebbe und Flut, in Kanlen auch von Menschenhand, und dann ist auch die
ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten verstrkenden s nicht
richtig. In allen den angezogenen Beispielen gehrt das s vielmehr
wesentlich mit zum Stamm, und die Bremer haben sich mit diesem s ebenso
geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr anlautenden Wrter, von
denen behauptet wird: W vertritt in unserer Sprache oft die Stelle des
olischen Digamma und wird sonderlich oft dem r vorgesetzt, wo andere
Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es die Bedeutung des Wortes
zu verstrken und demselben eine grere Heftigkeit beizulegen. Das
verhlt sich grade umgekehrt. Das w im Anlaut vor r gehrt zum Stamm und
ist nicht im Niederdeutschen hinzugefgt, sondern vielmehr im
Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere hierber s. unter Wrack.

Nicht von waijen kommt schwajen, sondern vielmehr von schwingen, dessen
Bedeutung es ja auch ganz und voll hat. Im Ostfriesischen heit es
swajen = sich schwingend und schwebend bewegen, einen Schwung, eine
Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung machen, und wird nicht nur von
Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz allgemein gebraucht. Doornkaat
gibt die Beispiele: De fgels swajen dr de lcht, he swaide net, as of
he 'n bitje anschaten was; de weg swaid bold na links un dan wer na
rechts, und bemerkt dazu: Es hat hier in swaj zweifellos ein bergang
oder eine Erweichung vom lteren g in j stattgefunden, so da der Stamm
swaj fr swag steht, der selbst aber wieder aus swang entstand ...
welches zu schwingen gehrt. Die Ableitung von schwingen drfte richtig
sein. Das o in der Schreibweise schwojen mag sich aus der ostfriesischen
dunklen Aussprache des a erklren, welche so ziemlich wie o klingt. Am
einfachsten hat man die Frage, ob a, ob o in Groningen gelst, da
gebrauchen sie beide Vokale nebeneinander und sagen, um keinem zu nahe
zu treten, zwoaien: Het omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit
smal, dan heft men het op enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien;
zulk een plaats het (heit) zwoaiplaats, ostfriesisch swaj-wik oder
auch kurzweg swaje.

Zu dem bergang von g in j sei bemerkt, da derselbe sich noch
keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flusse ist und da unser
Seemann das g bei der Aussprache noch hrbar mitklingen lt, und zwar
als palatales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgerusch, also
hnlich wie ch.


*Schweinsrcken*, der.

1. Eine Untiefe in der Jade vor der Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven,
neuerdings durch Schlengenwerk befestigt mit der Absicht, dadurch einen
gnstigen Einflu auf Strom-, Schlick- und Fahrwasserverhltnisse
auszuben.

2. Bei modernen Schiffen, die eine von der frheren sehr verschiedene
Ankergeschirreinrichtung haben, ein schrger Aufbau auf dem Deck im Bug
oder auf dem Heck, auf welchem der Anker lagert.

Das Wort erklrt sich im Vergleich mit dem Eselsrcken in der gotischen
Baukunst: von der Gestalt.


*schwellen.*

Im Binnenlande spricht man von schwellenden Segeln, sagt auch
dichterisch, da sich die Segel zur Fahrt schwellen. So gerne nun der
Seemann es sieht, wenn sie das tun, seemnnisch ist der Ausdruck nicht.
Man wird niemals einen wirklichen Seemann von schwellenden Segeln reden
hren. Solch dichterische Sprache vermeidet er geradezu ngstlich. Er
sagt: volle Segel.


*Schwert*, das,

ist eine Vorrichtung die bei flachgehenden Fahrzeugen, wenn sie beim
Winde segeln, das Abtreiben und gegebenen Falles das Kentern verhindern
soll. Sie besteht nmlich aus einem Brett an jeder Seite, das beim
Segeln am Winde in Lee ins Wasser gelassen wird um den Widerstand zu
vermehren. Hierzu hat Rding einen seiner uerst sprlichen
etymologischen Versuche gemacht. Er ist artig genug: Es hat daher
seinen Namen, weil es an der Seite des Schiffes ungefhr so hngt, wie
ein Schwert an der Seite (des Mannes). Nur da es dann doch besser
Schild hiee, und die Sache bei unseren modernen Jachten und
Rettungsbooten nicht mehr stimmt. Dick und Kretschmer, II. 282: Fr
kleine zum Privatgebrauch bestimmte Boote empfiehlt sich mit Rcksicht
auf Stabilitt, geringen Tiefgang, Schnelligkeit und Manvrierfhigkeit
eine breite und flache Form des Bootskrpers. Diese Form bietet aber
einen verhltnismig sehr geringen seitlichen Wasserwiderstand und
besitzt in Folge dessen fr das Segeln am Wind oder bei Dwarswind den
Nachteil, da das Boot stark abtreibt. Diesen Nachteil soll das
sogenannte Schwert ausgleichen. Es besteht aus einer eisernen oder
hlzernen (dreieckigen, trapezfrmigen oder rechteckigen) senkrechten
Platte, welche entweder fr fest am Kiel des Bootes angebracht ist oder
aber beweglich ist und mittelst einer einfachen Vorrichtung je nach
Bedarf heruntergelassen oder aufgeholt werden kann. In letzterem Fall
ist in das Innere des Bootes, in seiner Lngsschiffsebene, ein schmaler
Kasten eingebaut, welcher das aufgeholte Schwert in sich aufnehmen
soll, -- der Schwertbrunnen.


*Schwertmatte*, die,

eine der an Bord zahlreich gebrauchten Matten, die ihren Namen von der
Art ihrer Verfertigung hat. Es fertigen sich nmlich richtige alte
Matrosen ihre Matten selbst an. Um die Schwertmatte zu weben, denn ein
Weben mu man die Anfertigung nennen, verfhrt man hnlich wie auf einem
sehr primitiven Webstuhl, doch so da zwei Parten von beiden Seiten
kommen und sich kreuzen. Damit das Durchstecken der Parten mglich
werde, steckt man jedesmal ein hlzernes Schwert durch den Zettel oder
Aufzug und dreht es auf die hohe Kante. Von diesem Schwert, oder
vielmehr von den zwei Schwertern die gebraucht werden, stammt der Name.


*Schwieping*, die,

das spitz zulaufende Ende eines Taues, das entsteht wenn man das Tau
aufdreht und beim Wiederzusammendrehen nach und nach mehr Kabelgarn
entfernt. Das Wort heit niederlndisch zweep, und das gibt die
Erklrung; zweep, auch zwiep heit Peitsche; niederdeutsch swepe;
angelschsisch svip, altnordisch svipa. Eine Peitsche wie sie in
einfachen Verhltnissen ein Fuhrmann sich selbst aus Hanf zu drehen
pflegt, ist oben dick und luft nach unten allmhlich dnn zu; daher der
Name dieses dnn zulaufenden Taues, verbunden mit der niederdeutschen
Endung ing. Vergl. brigens auch Hundspnt.


*schwichten*

bedeutet, zwei stehende Taue durch eine Leine hin und her mit einander
verbinden und fest zusammenziehen, so da die beiden ohnehin schon
festen Taue nur noch fester, steifer und unbeweglicher stehen. Die
eigentliche Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes swichten,
niederlndisch zwichten ist die unseres hochdeutschen Zeitwortes
beschwichtigen, also ruhig machen. Aber wenn zwei stehende Taue
ruhig gemacht werden sollen, so mssen sie fest gemacht werden. Auch
bei schwichten findet sich dieselbe Lautverschiebung die unter schiften
erwhnt ist; althochdeutsch swiftjan, mittelhochdeutsch swiften,
beschwichtigen.


*Schwimmdock*, das,

ist eine schwimmende Vorrichtung zum Docken von Schiffen. Es besteht in
der Hauptsache aus zwei Seitenwnden, die durch einen Boden mit einander
verbunden sind. Die beiden schmalen Seiten vorn und hinten sind offen.
Die Seitenwnde sind hohl und knnen voll Wasser gelassen werden.
Geschieht das, so sinkt das Schwimmdock so tief ins Wasser, da ein
Schiff sich zwischen die beiden Wnde legen kann. Wird das Wasser aus
diesen wieder ausgepumpt, so geht das Dock mit dem darin befindlichen
Schiffe in die Hhe, letzteres trocken legend. Der Name Schwimmdock
dient zur Unterscheidung von einem ausgegrabenen, mit Steinen
ausgemauerten Trockendock.


*Schwimmponton*, s. Dock.


*Scotsman*, der,

ist eine hlzerne Latte oder ein entsprechendes Stck Eisen um an
gefhrdeten Stellen das stehende Gut vor dem Schamfilen zu bewahren,
eine Schamfilungslatte. Wie der Normann an der Beting, so wird der
Schottlnder an der Takelage haben herhalten mssen fr eine kurze und
bndige Bezeichnung einer seinem Lande eigentmlichen, also von
schottischen Seeleuten auf andere bergegangenen Vorrichtung. Der
niederdeutsche Seemann pflegte Schottschmann zu sagen; daraus wurde
durch nachlssige Aussprache Schuttschmann, und hieraus durch
volksetymologische Umbildung sogar Schutzmann.


*See.*

1. Der See, ein Binnensee.

2. Die See.

a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heit
absegeln, abdampfen, abfahren. Ich gehe morgen in See, ich gehe nach
Hongkong in See.

b. Eine hohe Meereswoge; wir nahmen Seeen ber, die Wogen gingen so
hoch, da sie uns ber die Reling an Deck schlugen; wir kamen
dwarssees, so zu liegen, da die Seeen von der Seite auf uns zukamen.
Eine See nahm den Schiffsjungen mit ber Bord.

Diese letztere Bedeutung von See knnte noch einmal fr die Etymologie
des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heit, so
hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen.
Diese Annahme gewnne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen
drfte, da die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die
ursprnglichere wre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See im
Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist fr
Landsee, und das erwhnte gotische saiws heit mehr Sumpf wie Meer, also
eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, berschwemmtes Gebiet,
und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf
gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in
den Vordergrund der Betrachtung getreten, so da also See auf irgend
eine Weise den k-Laut am Ende eingebt hatte.

Die Entscheidung in der Frage wird erst gefallt werden knnen, wenn man
sagen kann, was zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See
steht begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem
Eigenschaftsworte saevus.

Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns weiter
bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde,
bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch fr See annimmt,
dann kommt die See und der See in einem Begriff, bewegt zusammen, denn
bewegt sind sie beide.


*Seebeine*, die.

Wer berhaupt zum ersten Male oder nach lngerem Landaufenthalt zum
ersten Male wieder an Bord kommt, der mu zunchst darnach trachten, da
seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes gewhnen, so da er auch
im Sturm noch einigermaen sicher stehen und gehen kann. Wenn er soweit
ist, dann hat er Seebeine. Franzsisch (Aubin 1702:) avoir le pi marin;
man nennt den Mann der Seebeine hat auch gradezu pi marin; On apelle
ainsi un homme qui a le pi si seur et si ferme, quil peut se tenir
debout pendant le roulis d'un vaisseau. Niederlndisch zee-voeten
hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en -voeten hebben.

Doch nennt man im Franzsischen mit tieferer Bedeutung einen Mann pi
marin. Il se dit aussi de celui qui entend bien la navigation, et qui
est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu'un Officier a le pi marin les
gens de l'quipage ont bien plus de confiance en sa conduite.


*seefest*

ist ein Mensch wenn er zur See fahren kann ohne *seekrank* zu werden, d.
h. ohne da er seine Beschftigung wegen *Seekrankheit* unterbrechen
mu. Kleine Unbehaglichkeiten, vorbergehende belkeiten kommen wohl
auch einmal einen seefesten Mann an; seekrank wird eigentlich nur der
genannt, der Kette steckt oder dem das Essen und das Rauchen gar
nicht mehr schmecken will.

Geschtze, Boote, Anker, Kisten, Kasten, Schrnke u. s. w. sind seefest
gezurrt wenn sie so befestigt sind, da sie auch bei hohem Seegang
nicht ber Stag gehen knnen.


*Seekadett*, der.

Die wrtliche bersetzung von Kadett ist Junker, junger Herr (jonkheer)
jngerer Sohn, aber ursprnglich bedeutete es: junger, kleiner Hauptmann
oder Huptling, denn das Wort stammt vom lateinischen capitettum, das
eine Diminutivform zu caput ist; noch zutreffender wre also: kleiner
(zuknftiger) Kapitn. Im Altfranzsischen hie cadet noch capdet.

Wer Seeoffizier werden will tritt in die Marine als Seekadett ein.


*seeklar*

ist ein Schiff wenn es klar, d. h. fertig zum Auslaufen ist. Dazu gehrt
fr ein Schiff, das auf eine weite, lange Reise geht, eine umfassende
Vorbereitung und Ausrstung. Bei Kriegsschiffen findet daher vor dem
Auslaufen des Schiffes eine genaue Seeklarbesichtigung statt, die der
Stationschef selbst abhlt, bezw. durch seinen Generalarzt, seinen
Stabsingenieur abhalten lt, die ihn bei der Besichtigung zu begleiten
haben.


*Seemann*, der,

ist jetzt die allgemeine Bezeichnung fr einen seebefahrenen Mann, der
die Seefahrt als Beruf betreibt. Der Junge will Seemann werden.
Daher auch das Wort *Seemannschaft* fr den Inbegriff alles dessen,
was ein tchtiger Seemann wissen mu, wobei im weiteren Sinne auch die
Navigation eingeschlossen ist. Doch hat, wie in allen Wissenschaften, so
auch bei dieser, in neuerer Zeit ein solcher Aufschwung stattgefunden,
eine solche Vermehrung und Bereicherung, da Einer nicht mehr Alles
wissen kann.

Vergl. Matrose.

Whrend heutzutage ein Seemann ein Mann ist, der friedlich seinem Berufe
nachgeht, wird im Bewulf unterschieden zwischen Leuten die nur
berhaupt die See durchschiffen und Leuten, die zur See kmpfen; nur die
letzteren hieen Seeleute. Ein sae-man war also nicht ein Seemann,
sondern ein Kriegsmann zur See.

Ein eigentmliches Zusammentreffen ist es, da im Mittelniederdeutschen
seeman, seman ein Mann heit, der unter dem Pantoffel steht, de sick
van dem wyve regeren leth, dar dat wyff de brock drecht; niederlndisch
en wijffwl, Jan ligt achter, die voor woont als t' huys omgekeert is.

Nicolaus Gryse: Dat uerst vrouwe Seeman daryegen mundtwercket vnde
anmeldet, dat dat frouwen regement auer den man dat erste vnde oldeste
gewesen sy.

Denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann vth kribbischer bssheit mit
vndenstliken worden vrbolgener wyse awer dwer vnd dwas alse einer
seemanche hebberecht ankarret, ansnarret vnde anfaret vnd trotzichlick
auer de nese houwet, vthhaltert vnde vth halippet ... dat sulue ys grote
sunde und schande.

Dieses Wort ist nur wegen seiner lautlichen hnlichkeit an Seemann
angelehnt; im Mittelhochdeutschen hie ein Pantoffelheld und auch eine
den Pantoffel schwingende Frau Simon, und das war eine ebensolche
Anlehnung an den bekannten jdischen Namen Simon, vielleicht mit dem
Gedanken an die Bedeutung im Hebrischen ein Hrender, Gehorchender.
Eigentlich hie das Wort Sie-Mann und bezeichnete eine Frau als eine,
die der Mann im Hause ist.


*Seemannshaus*, das,

ist ein Erholungshaus fr Seeleute, in dem sie Bcher, Papier, Feder und
Tinte, angenehmen Aufenthalt, gute und billige Verpflegung finden, und
vor allen Dingen den Gefahren schlechter Kneipen entzogen sind. Nach dem
Vorbilde der englischen Sailors Homes entstehen jetzt auch in
Deutschland dergleichen Anstalten zum Wohle des seefahrenden Mannes;
sind sie von der *Seemannsmission* eingerichtet, so heien sie
*Seemannsheime*.


*Seeruber*, der,

war im Sprachgebrauch der frheren Hansazeit nicht das, was man sonst
Pirat, Korsar, Flibustier oder Vitallienbruder nannte, sondern ein Mann,
der mit seinem Schiffe auf mehr oder weniger eigene Faust Fehde trieb
und den Feind schdigte wo und wie es ihm mglich war. Aber immer nur
den Feind und immer nur als kriegfhrende Partei, also hnlich wie die
Vitallienbrder in ihrer ersten, nach damaligem Recht einigermaen
rechtmigen Zeit. Hierber schreibt Sartorius, Hansa, I. 90 treffend:
ber Seeruber wird oft und viel geklagt und Friedensschiffe wurden
gegen sie in die See gesandt. Allein diese waren selten eigentliche
Seeruber, den Namen teilten sich beide kmpfende Teile wechselseitig
zu, da Repressalien gewhnlich waren, und bey eingetretenen Bedrckungen
mit gleichem geantwortet wurde. Auf diese Art von wechselseitiger
Seeruberei blieben alle Feindseligkeiten zwischen den deutschen
Stdten, den Englndern und Schotten beschrnkt. Wie es noch 1673 auf
deutschen Meeren aussah, verrt eine Segelanweisung in der Beschriving
von der Kunst der Seefahrt: ... so pegelt erstlick mit ein Compa, wat
Streck dat gy de Nase von juw hebben, und wo fern gy juw van de Wall
gist tho wesen, datslvige teckent mit ein Stip Kryt in de Pakart,
(schrivet ydt ock in ein Memorial Bock, alles wat gy in de Kart tecken,
up dat wen de Kart dorch Rvers offt snst, juw affhendig gemaket worde,
gy juw dennoch na dem Memorial richten knnen.)


*Seesoldat*, der,

ist ein Soldat, der bei einem der drei kaiserlichen Seebataillone dient,
die sich gegenwrtig in China befinden, sonst aber in den heimischen
Marinegarnisonen den Infanteriedienst besorgen. Die Offiziere werden auf
einige Jahre von der Armee zur Marine kommandiert; einige von ihnen
fahren auch an Bord der Schulschiffe als Instrukteure fr die
Seekadetten im Infanteristischen. Im Binnenlande wird ein Kriegsmatrose
fters Marinesoldat genannt und dann mit einem Seesoldaten verwechselt.
Sie sind aber sehr aus einander zu halten.


*Seetage*, die, s. *Seetrn*.


*Seetrn*, der,

ist eine unbestimmte Anzahl von Seetagen, d. h. solchen Tagen, die man
hinter einander auf See zubringt oder zugebracht hat. Man gebraucht das
Wort Trn auch sonst in der Seemannssprache hufig und zwar oft
gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Fremdworte Tour. Wie man
hochdeutsch sagt: Das ist meine Tour, anstatt ich bin an der Reihe,
so sagt man seemnnisch: Das ist mein Trn, Rudertrn, Wachtrn u. s.
w.

Auerdem spricht man in der speziellen Seemannschaft von einem Trn;
wenn man ein Tau einmal um irgend einen festen Gegenstand herumgelegt
hat, so hat man einen Trn genommen, wofr man auch Schlag sagen
kann; ist irgendwo zufllig eine Schlinge in dem Tau entstanden, hat es
eine Drehung gemacht, die es nicht machen sollte, und es ist in Folge
dessen eine Bucht entstanden, so ist das auch ein Trn, der aber
mglichst bald wieder herausgedreht werden mu.

Was Seetrn selbst angeht, so knnte man es, wenn man das Fremdwort Tour
beseitigen will, einfach mit Seereise wiedergeben, wie wir ja auch im
Binnenlande anstatt Tour Reise oder Ausflug sagen. Eigentlich mte es
ja Rundreise heien, denn es kommt von tourner, drehen; englisch turn,
und letzteres hat, wie die Aussprache beweist, den Vermittler gespielt.

Der Seemann hat auch das Zeitwort trnen fr drehen und vertrnen fr
verdrehen. Verwandt ist turnen und das mittelhochdeutsche turnei,
neuhochdeutsch Turnier.


*Seemeile*, die, s. Meile.


*Seeraum*, der, s. raumen.


*Seetriften*, die,

nennt man das, was die See angetrieben hat, das Strandgut. In frheren
Zeiten brauchte ein Schiff noch garnicht gestrandet zu sein, um mitsamt
seiner Ladung als Strandgut angesehen zu werden. Es gengte, wenn eine
grundroeringe, eine Berhrung des landesherrlichen Strandes durch das
Schiff stattgefunden hatte. Bremer Wrterbuch: Dies unmenschliche
Strandrecht wurde auch aufs feste Land, auf Wagen und Pferde ausgedehnt.
Wenn ein Wagen umgefallen war oder einige Gter davon gefallen waren, so
fielen sie dem Landesherrn oder dessen Vgten heim. Imgleichen wurde ein
Pferd eingezogen und weggenommen, wenn ein Reiter davon ins Wasser
gefallen und ertrunken war. Renner in der Bremischen Chronik erzhlt: Up
einen Tidt hadde de Vaget (des Erzbischofs Johann I, 1307) thom
Langwedel einen gefangenen Kopman und sprak thom Bischuppe: Here, dse
Kopman hefft Grundroringe gedahn, und ist mit siner Kahren und Gude
gefallen durch de Brugge, derhalven schall he juw geven grot Gudt. (!)
Doch vergl. hierzu was Winkelmann in seiner Oldenburgischen Chronik von
dem 1598-1602 erbautem Turm auf Wangerooge schreibt: Nach Abgang deren
ins Norden gestandenen Kirchen ist der Mittelteil dieses Turmes zu dem
Gottesdienst der Einwohner, das unterste und obriste aber, bei etwa
vorgehendem Schiffbruch, zu Hinlegung der gestrandeten und salvirten
oder gebergten Gter verordnet worden, massen die Herren Grafen, als
Christlbliche Obrigkeit nach aufgehobenem Strandrecht, niemaln mit den
gestrandeten Gtern auf der See, Jhade und Weser mit der Schrfe
verfahren, sondern dieselbige, zur Erhaltung ihrer Jurisdiktion, so sie
auf gedachten Wassern haben, auf gebhrliches Ansuchen rckgegebene
Recognition und erlegten Berggelts vor die Hilfleistende, wieder
abfolgen lassen, damit dem Betrngten keine grere Bedrngni zugefgt
werden mchte.


*Seewache*, die, s. Wache.


*Seezeichen*, das,

ist der allgemeine Name fr Boje, Tonne, Bake etc. Die Seezeichen
bezeichnen den Eingang in einen Hafen, die Fahrwasserrinne in einem
Revier u. s. w. Man unterscheidet Winterseezeichen und
Sommerseezeichen, letztere werden im Sptherbste eingezogen und durch
die Winterseezeichen ersetzt.


*Segel*, das,

ein aus mehreren Kleidern (Bahnen) von starker Leinwand oder von
Baumwollenstoff zusammengenhtes Tuch, das an den Masten, Rahen,
Gaffeln, Stagen, Spieren eines Schiffes ausgespannt wird um den Wind
damit aufzufangen und so das Schiff in Bewegung zu setzen. Ein Segel hat
entweder nach seiner Gestalt und Einrichtung oder nach der Stelle, wo es
angebracht ist, seinen Namen, der es von anderen Segeln unterscheidet.

Die erste Erfinderin ist die Not. Es ist darum kein Wunder, da die
Menschen, sobald sie anfingen sich ber den Naturzustand zu erheben, auf
solch ein Fortbewegungsmittel verfielen. Doch scheint bei den alten
Deutschen der Gebrauch der Segel nach Tacitus' Germania nicht allen
Stmmen bekannt gewesen zu sein. Von den Batavern erzhlt aber derselbe
Geschichtschreiber, da sie sich der sagula zum Segeln bedienten. Von
sagulum kommt also der Name Segel. Weil aber sagulum der rmische
Kriegsmantel hie und im Lateinischen keine seemnnische Bedeutung
hatte, so tragen manche Gelehrte gegen diese Ableitung Bedenken. Es ist
indessen mglich, da die erste Verwendung von sagulum zum Segeln eine
gelegentliche gewesen wre und da gerade diese gelegentlich zufllige
Verwendung des sagulum anstatt des velum oder linteum den Batavern den
Namen nahe gelegt htte, da sie also durch eine zufllige Erscheinung
auf den Gedanken gebracht worden wren, sagulum sei das wirkliche
lateinische Wort fr dieses ihnen alsbald sehr einleuchtende
Fortbewegungsmittel.

Die kurze, bequeme niederdeutsche Form, in der unser Seemann das Wort
meist gebraucht, ist seil, diphthongiert nach geschwundenem g, und sie
wird in mittelniederdeutschen Schriftdenkmlern sehr oft gefunden,
wahrscheinlich ward sie schon aus dem Grunde bevorzugt, weil sonst segel
= Segel und segel = Siegel leicht verwechselt worden wren; wie man auch
anstatt segelen seilen sagte und dadurch von segeln = siegeln
unterschied.


*Segel setzen*, Segel bergen, Segel abschlagen s. (Segel) unterschlagen.


*Segelkoje*

ist der Aufbewahrungsort der abgeschlagenen oder noch nicht
untergeschlagenen Segel und der Reservesegel, Schutzsegel, Rauchsegel,
Sommersegel, Bezge, Presennings; bemerkenswert ist, da dies das
einzige Mal ist, wo das Wort, das sonst an Bord immer ein Bett
bezeichnet, eine Kammer bedeutet, vielleicht weil die Segel darin als
ruhend, schlafend gedacht sind, wie man in der Botanik von einem
schlafenden Auge spricht.


*Segeln*

bedeutet die Fortbewegung eines Schiffes oder Bootes, indem man den Wind
auf die Segel wirken lt.

Die Alten hatten ein zwar nicht schnes, aber deutliches aus Segel bezw.
segeln gebildetes Wort fr Navigation: Segelasje, Segelatie, Segelasche.
Beschriving van der Kunst der Seefahrt 1673: Ein klene Faut (Fehler)
in de Pegelinge verorsaket ein grote Faute in de Segelatie.


*Segel kanten.*

Kanten heit eigentlich machen, da etwas vierkant ist, etwas in den
rechten Winkel bringen, ihm zur rechten Richtung verhelfen, machen da
es sich kant ausnehme. Im Niederlndischen und Ostfriesischen heit
kant glatt, schier, zierlich, hbsch, fertig, gerade, schn. Segel
kanten heit also, sie so in Ordnung bringen da sie so stehen wie sie
stehen sollen: nach jeder Richtung hin tadellos. Dick u. Kretschmer II.
322: Dieses Manver wird hauptschlich nothwendig nach jedem
allgemeinen Segelexercitium sowie auf der Morgenwache nach Tagesanbruch.
Whrend nmlich bei Manvern mit alle Mann auf das Vorholen und
Steifsetzen der einzelnen Enden im Interesse der Schnelligkeit nicht
allzu viel Gewicht gelegt werden kann, ist die tadellose Ausfhrung von
Segelmanvern bei Nacht infolge der herrschenden Dunkelheit in der Regel
unmglich.

Segel kanten ist also auf See ungefhr das, was man im Hafen mit
brassen und toppen vor der Morgenmusterung bezeichnet.


*seisen*,

bei der Marine merkwrdigerweise zeisen genannt, heit zusammenbinden,
z. B. die Parten eines Taues mit einander verbinden, da sie nicht
rutschen knnen; das aufgegeite Segel beschlagen, an der Rahe
festbinden; eine Kabelaring und ein Ankertau zusammenbinden, u. s. w.
Das Mittel, mit dem solches geschieht heit die Seising; das Wort hat
aber eine doppelte Bedeutung: einmal das Mittel zum Binden, den Bndsel
also, und sodann den Zustand des Gebundenseins. Das Wort kommt aus dem
Franzsischen, von saisir; doch haben es die Franzosen zuerst von uns
empfangen und von unserem althochdeutschen sazjan weitergebildet. Die
Bedeutung ist: festmachen.


*Seitentakel*, das.

Seitentakel sind solche, die an jeder Seite des Mastes an die daselbst
befindlichen Hanger befestigt werden und dazu dienen, Boote und andere
schwere Lasten aus- oder einzusetzen. Man unterscheidet sie nach dem
Mast an dem sie sich befinden. Sie haben einen Mantel, s. Mantel und
Takel.


*Semaphor*, der,

zu deutsch Zeichentrger vom griechischen semaio, ich zeige, und
phero, ich trage; eine Vorrichtung mit beweglichen Armen, hnlich denen,
mit denen auf Bahnhfen die Einfahrtssignale gegeben werden. Die Arme
kann man auch Flgel nennen und das Ganze mit Flgeltelegraph
bersetzen.


*Sente*, die,

hat im modernen Eisenschiffbau teilweise eine andere Bedeutung erhalten
als sie sie beim Holzschiffbau hatte. Damals nannte man Senten dnne,
biegsame Latten, die von vorne nach hinten auf die Inhlzer genagelt
wurden um die Biegung der Seitenplanken darnach gestalten zu knnen;
naturgem fing man damit ganz unten am Kiel an und schritt allmhlich
nach oben zu weiter. Jetzt dienen die Senten zwar auch noch, in Form von
starken Balken ausgefhrt, als Lehrgerst fr die einzulegenden Spanten,
fast immer im unteren Teil des Schiffes liegend und die Wlbung des
Schiffsbodens bildend, aber es hat sich auch die Theorie des Wortes
bemchtigt und gebraucht es als wissenschaftlichen Begriff, als gedachte
Linie, nmlich fr die Bezeichnung der Schnittlinie, welche eine schrg
d. h. dachfrmig durch den Schiffskrper gelegte Ebene mit der ueren
Schiffsform bildet; die Ebene heit dann Sentebene. Zur Erklrung des
Wortes mssen wir natrlich auf seine lteste Bedeutung zurckgehen:
Latte zur Gestaltung des Schiffsbauches, und zwar zunchst seines
untersten Teiles. Nun heit das lateinische sentina zwar auf deutsch
die Bilge, aber auch der Raum wo die Bilge sich sammelt, der unterste
Schiffsraum, und ich stehe daher, bis eine bessere Erklrung gefunden
wird, nicht an, Sente fr eine Verkrzung von Sentine zu halten.


*Setzbord*, der,

eines Bootes ist eine breite und dnne Planke die man auf den Bord eines
Bootes *setzt* um denselben zu erhhen, damit das Boot nicht so leicht
Wasser ber nehme. Es heit darum im Englischen washboard, weatherboard
und water-board -- weil das Wasser bei schlechtem Wetter nicht ber
diesen Bord waschen soll.


*Serving*, die, s. Sarving.


*setzen.*

Segel setzen heit die Segel entfalten und dem Winde von der richtigen
Seite darbieten, so da sie in Ttigkeit treten und ausrichten knnen
wozu sie bestimmt sind. Das Gegenteil davon, nmlich das Einziehen oder
Festmachen der Segel heit Segel bergen.

*Setzen* in Bezug auf die Bewegung eines Schiffes s. stampfen.

Am hufigsten ward im Mittelniederdeutschen setten und auch spter noch
setzen fr *ankern* gebraucht; die Zahl der Belegstellen ist so gro,
da es nicht not tut einzelne anzufhren.


*Sicht*, die,

das Ansehen, der Anblick, der Zustand in dem man etwas sieht, mit den
Augen wahrnimmt. Es ist ein Verbalabstractum zu sehen. Der Leuchtturm
kommt in Sicht, wir lagen in Sicht von Helgoland. Es ist gleich dem
hochdeutschen Gesicht in der Bedeutung zu Gesicht bekommen. Der
hochdeutsche bersetzer der Durchluchtigsten Seehelden, Sulzbach
1681, sagt sogar miverstandener und miverstndlicher Weise ins
Gesicht bekommen; er meint damit natrlich nicht eine (Ohrfeige) ins
Gesicht bekommen, sondern schreibt: Als die Hollndische Flotte auf
die Hhe vorbesagter massen kommen war, setzte sie ihren Lauff recht
nach der Kste von Brasilien zu, welche sie den vierdten May ins Gesicht
bekamen ... Von Sicht hat sich der Seemann ein Eigenschaftswort
*sichtig* gebildet, das in der Verbindung sichtig Wetter eine
Witterung bedeutet bei der man gut, deutlich, weit sehen kann. Auch ein
Zeitwort: *sichten*; verschieden von dem Zeitwort sichten = sieben,
bedeutet es: zu sehen bekommen, in Sicht bekommen, wir sichteten
soeben den Pic von Teneriffa. *Sichtweite* eines Leuchtfeuers ist der
Umkreis, in dem das Feuer gesichtet werden kann; verschieden also von
Sehweite, denn so heit die Entfernung auf die einer sehen kann,
Sichtweite aber die Entfernung auf die einer gesehen werden kann.


*Signal*, das,

heit in der Seemannssprache jedes Zeichen, das man auf eine gewisse
Entfernung hin gibt, um sich verstndlich zu machen und einem andern
etwas mitzuteilen, eine Anfrage an ihn zu richten, besonders auch ihm
Befehle zu bermitteln. Das ursprnglichste Signal waren die Bewegungen
des menschlichen Leibes, ein Winken mit dem Arm, ein Bcken des
Oberkrpers (s. Bake). Bald lehrte die Erfinderin Not auch den Seemann
andere Hilfsmittel, etwa einen gehiten Besen (Quast, s. Badegast), und
vor allen Dingen das *Signalisieren* mit Flaggen, das sich noch immer,
auch im internationalen Verkehr, erhalten hat. Zum richtigen Verstndnis
der Signale hat jede Nation ihr *Signalbuch*, in dem die Signale mit
ihrer Bedeutung verzeichnet stehen. Auerdem haben sie alle zusammen ein
internationales Signalbuch, mit dessen Hilfe ein Russe und ein
Portugiese sich bestimmte Mitteilungen machen knnen, ohne da sonst
einer ein Wort vom andern versteht. Man signalisiert ferner mit
Winkflaggen nach dem Morse-Alphabet, mit dem Semaphor, mit den
verschiedensten Lichteffekten etc., aber bald wird die drahtlose
Telegraphie allen diesen kleinen Aushilfsmitteln ein Ende machen. Bis
dahin hat man eigene Signalgasten, Signalmaate, Obersignalmaate und
eigene Signalzweigkompagnien bei den Matrosendivisionen.

Signal kommt vom lateinischen signum, das Zeichen, oder vielmehr vom
lateinischen signalis, bestimmt ein Zeichen zu geben.

*Kontre-Signal* heit das verabredete Zeichen, da das Signal gesehen
worden, bezw. verstanden ist.


*Siel*, das,

die bekannte Entwsserungsvorrichtung an den Nordseeksten, die dem
Binnenwasser Abflu in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut mu durch
das Siel die ffnung im Deich verschlossen werden, damit das Meerwasser
nicht das Land berschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die Schleuse
des Siels geffnet, so da das whrend der Flut in einem Sammelbecken
binnendeichs aufgestaute Wasser nach See zu abflieen kann. Wo ein Siel
ist, da wohnt ein Sielwrter; wo einer wohnt, siedelt sich leicht ein
anderer an. So entstehen die Drfer mit der Endung Siel: Mariensiel,
Rstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren Sinne ist
Siel irgend eine Wasserleitung, eine Abzugsrinne, ein Zuleitungsrohr
etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueductus schon in der Historia
de fundatione monasterii Rastedensis vor, die 1290-1310 etwa geschrieben
ist.

In dem Worte Siel steckt der Begriff von seihen, althochdeutsch sihan.
Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung Wasser durchlassen hat, mag,
wie Doornkaat vermutet, erst ein Substantivum sihila, ein Etwas was
Wasser durchlt, gebildet worden sein, was dann in sila kontrahiert
wurde, dessen offene Endsilbe leider, wie bei so vielen altfriesischen
Wrtern, geschwunden ist, so da nun die einsilbigen Leute bei der
Aussprache eines solchen Wortes den Mund nicht mehr aufzutun brauchen.


*Sill*, das.

Hauptschlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die Schwelle. Das
niederdeutsche Wort slle, sl, mittelniederdeutsch sul, sulle, sille;
niederlndisch sulle: angelschsisch syll, englisch sill, norwegisch
svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem gotischen sulja,
Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat zunchst an eine
Anschwellung der Haut unter den Fen zu denken, sodann wird Sohle als
Trger und Grundbalken einer Tr gebraucht im Sinne einer Anschwellung,
einer Erhhung; was fr ein Luksill an Bord besonders zutreffend ist,
denn das ist besonders hoch, damit berkommende Seeen nicht in die
unteren Schiffsrume laufen.


*Sirene*, die,

ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton von sich
gibt und Schiffen im Nebel die Nhe des Landes kund tut. Die Benennung
ist zwar nicht ganz sinngem, da diese Sirene das gerade Gegenteil
beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern glcklich
gewhlt, als jeder gleich wei, was darunter zu verstehen ist.

Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte, sehen
wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: In demo mere
sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri. Sirene
sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin, dannan uf
vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint man an demo
mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin lides so
gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz gesihit, so
verd ez in unde brichit si.


*Skiff*, das.

Dabovich nennt so, S. 1237, ein fr eine Person eingerichtetes
Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heit so -- englisch skiff,
franzsisch esquiff, deutsch sonst Schiff -- any small boat. In
merchant ship's boats the skiff is next in size to the launch or
long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc. Die Form
des Wortes lt auf nordischen Ursprung der Sache schlieen.


*Skorbut*, der,

eine glcklicherweise unter dem Einflu der besseren Schiffsverpflegung
unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der Seeleute bei
lngeren Seetrns. Das Wort hie zwar mittellateinisch scorbutus, stammt
aber aus dem Niederlndischen, wo scheur Ri heit. Skorbut heit
neuniederlndisch scheurbuik, aber die lateinische Form scorbutus zeigt,
da es frher scheurbut geheien haben mu, also nichts mit Bauch zu tun
hatte, sondern Hautri bedeutete. Die Form scheurbuik ist
volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist bei der
Aufnahme ins Hochdeutsche durch Miverstndnis Scharbock geworden; da
ist Skorbut denn doch deutlicher.


*Sitzer*, der, s. Spant.


*Sliding gunter.*

Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem sliding gunter
Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das moderne Lust- und
Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden nur selten gefhrt,
am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel ist von dreieckiger
Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge untergeschlagen, die
vermge zweier Eisenringe an dem verhltnismig niedrigen Maste auf und
niederfhrt oder gleitet, daher auch Gleitsegel genannt. Das Wort kommt
mit der Sache aus England und bezieht sich -- ursprnglich wohl
scherzweise -- auf Edmund Gunter und dessen Sliding-rule, a sliding
scale corresponding to logarithms for performing the multiplication and
division of numbers without dividers.

Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder
Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen
Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.


*sloopen*

ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen Teile
zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche Wort
slopen heit schleifen, abtragen, niederreien. Es ist unser
hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl
sprachlich als begrifflich.


*Sodraum*, der,

= Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend mit Bilge. Das
sich hier sammelnde Wasser heit wie Bilge- und so auch Sodwasser. Sod
und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die rauschende
Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so bedeutet Sod die
siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den Wellen gerttelt
und geschttelt wird. Im Uebrigen heit sod im Niederdeutschen Brunnen,
von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, aufbrausen, aufwallen,
aufquellen; wie Brunnen von brennen und Welle von wallen. Vergl. Bilge
am Ende.


*Sog*, der,

heit in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. Eigentlich
heit so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines Schiffes, der Piek;
der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. Weiterhin hat sich
dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von diesem Teile des
Schiffes als bewegtes, schumendes Wasser bei der Fahrt hinter sich
gelassen wird. Das Wort sog ist zwar niederdeutsch, aber da Zug sonst
berall im Niederdeutschen tog heit, so ist hochdeutsche Entlehnung
anzunehmen.


*Soldatenloch*, das.

Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur Sttze der Marsstenge
nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die erforderliche Spreizung
zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung der Takelage
erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige ffnung, das
sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach den
Seiten hin vergrern lt und den Zweck hat, das Auflegen des stehenden
Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das
ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu
ermglichen. (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungebte Leute, z.
B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht
auen herum an den Pttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch,
das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung
sind, der Zimmermann habe besonders fr sie dieses Loch gelassen.

Wie jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses
hufig in der Form *Soldatengat*.


*Sonnensegel*, das,

ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die Sonne. Das
Bedrfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schtzen, ist schon
immer empfunden worden, und man hat daher von jeher hnliche
Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck
ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp
(tentschip) = Zeltschiff; doch knnte auch ein Schiff mit einem
Leinwanddach gemeint sein.


*Sorgleine*, die,

ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an Deck fhrt oder
sonst zugnglich ist und den Zweck hat, fr den Fall, da die brigen
Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht gebrauchsfhig
wren, das Ruder wenigstens noch einigermaen regieren zu knnen. Darum
ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt. Der Name schon
deutet den Zweck an: er ist eine Frsorge fr den Fall der Not, schweren
Sturmes, Gefechtes etc. etc.


*sorren* s. zurren.


*Spake*, die,

ein hlzerner Hebebaum zum Drehen des Spills, zum Bewegen der Kanonen
und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord gebruchlich. Sie mu
handlich sein, sich mit der Hand regieren lassen; tut sie das, so
fhrt sie den Namen Handspake. Neuerdings hrt man unter dem Einflu des
zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch Hand*speiche*. Und in der
Tat ist die Rad*speiche* und die Hand*spake* dasselbe. Altenglisch heit
spake, angelschsisch space, spaca, mittelniederdeutsch speke,
althochdeutsch speicha, die Radspeiche, radius. Das althochdeutsche
spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stck Holz; und diese allgemeine
Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der Kultur sowohl dem was wir
Spake als dem was wir Speiche und auch dem was wir Spiker (s. d.)
nennen.


*Spant*, das.

Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes genannt
worden, die am Kiel wie an einem Rckgrat festsitzen. Rding kannte noch
die Form Spann. Aber auch ohne sie wrde sich die Etymologie von selbst
ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die Wurzel von
spannen bedeutet ziehen, die ursprngliche Bedeutung von Spant ist also
etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes. -- Ein Spant
besteht aus dreierlei Stcken. Unten am Kiel sind die *Bauchstcke*
befestigt, auf ihnen sitzen die *Sitzer*; daran schlieen sich nach
Bedarf die Auflanger. Das Bauchstck heit auch Lieger; ihm eben
entsprechen die Sitzer.


*Spardeckschiff*, das, s. Schiff.


*Speedykessel*, der, s. Kessel.


*Speiback*, die.

Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung ist das
Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute fters gentigt sind zu
spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefe -- Backen
--aufgestellt, die mit Sand gefllt sind und das vorstellen, was man
hochdeutsch einen Spucknapf nennt.


*Speigat*, das,

heit ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Hhe des Oberdecks, im
Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch Sturzwellen
bergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser gleichsam
ausspeit. Nach Rding htte frher jedes Deck seine Speigaten gehabt. Er
schreibt: Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern Decks an
der uersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu verhindern, da
die See, insonderheit wenn das Schiff auf der Seite liegt, nicht
hineinstrze. Das war trotzdem nicht ohne Gefahr, und darum sind diese
Speigaten mit Recht abgeschafft worden.

Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt
behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren,
aus deren Rachen das Wasser herausfliet, gegeben.

Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen
alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, da infolge eines
feindlichen Kanonenschusses dat blod al ut den spegaten flot.


*Speisewasser*, das,

hat seinen Namen nicht daher, da etwa mit ihm die Speisen gekocht
wrden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist das getrennt von
diesem in besonderen Tnks aufbewahrte, zum Kochen und Trinken nicht
geeignete Swasser, das zum Speisen der Kessel, sowie fr Bade- und
Waschzwecke bestimmt ist.


*Spesen*, die,

nur in der Mehrzahl gebruchlich, sind die Kosten fr Fracht,
Befrderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll u. s.
w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware kommen.
Wrtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von spesa =
Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand, Lebensmittel;
lateinisch expensa, Ausgabe.


*Spiegel*, der,

ist der vom Heckbalken und den Randsomhlzern begrenzte Teil des Hecks;
er war frher ganz flach, wie er es bei groen Beibooten jetzt noch ist.
Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er Fenster, in
denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag, die Wellen
spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur durch
Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese gemalten
Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber eines lag
dem Knstler stets nahe: der Gedanke daran, da, wenn sie wirkliche
Fenster wren, sich das Meer darin spiegeln mte, und so versuchten sie
es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den geschilderten
Fenstern zur Darstellung zu bringen.


*Spier*, die,

ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z. B. als
Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden, als
Leesegelsspier u. s. w. Ursprnglich eine dnne Stange, eigentlich
eine *dnne*, schwanke, kleine Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung hat
sich also hnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea ist
als Tautologie anzusehen.

Hernach = Sparren; franzsisch (1704) esparres, parres. In Groningen
haben sie ein Zeitwort bespieren, jemanden ein (rechtliches) Hindernis
in den Weg legen, ursprnglich eine Spier vor einen Weg machen, zum
Zeichen, da er verboten ist; hochdeutsch: Ich werde ihm ein Stckchen
davor stecken. Altfriesisch spiri = hasta, Speer. Bremer Wrterbuch:
Spier, eine jede kleine Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras- oder
Kornspitze, welche eben aus der Erde kommt. Daher denn auch:
Kleinigkeit, ein wenig, ein bischen, etwas Geringes.

Aus germanischer Wurzel spir, platzen, schwellen, wachsen, treiben,
sprossen.


*Spiker*, der,

ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heit aber eigentlich Holznagel, ja
ursprnglich -- s. Spake -- nur ein Stck Holz, dann ein als Bolzen oder
Nagel zugespitztes Stck Holz. Man spricht hochdeutsch von einem
Speichernagel; tautologisch, denn in diesem Speicher steckt Speiche
(Spake) = ein Stck Holz, ein Zapfen, ein Zweck, der als Nagel dient.
Die ersten Ngel waren von Holz und hieen hochdeutsch Speicher,
niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie berhaupt im
Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, whrend im
Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher,
Speichernagel, Nagel.


*Spill*, das,

ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen sonstiger
besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen die Last
gehit werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird dieses
gedreht, so da sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill
wickelt. Auf groen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie
einigermaen der Neuzeit entsprechen; auf lteren ein Gangspill, auf den
alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist
Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende
Spindel, die wie ein Bratspie gedreht wird; Dampfspill eine stehende
Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird,
indem man Spillspaken in die ffnungen steckt, mit denen die Matrosen in
die Runde gehen.

Ein eigentmliches Schicksal hat das romanische Wort fr Spill gehabt.
Es heit englisch capstan, franzsisch cabestan, aus dem Spanischen
stammend, wo es cabrestante heit. Man hatte ursprnglich einen Bock
(cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, die cabria hie. Als
man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria aufrecht stellte, nannte
man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit wre die Sache in Ordnung.
Aber die Niederlnder brachten sie in Verwirrung. Schon bei Kilian ist
ein capestant daraus geworden, und 1702 heit das Spill kaapsta-ander,
und daraus machten die Deutschen einen Kopfstnder. Doch hatte schon
vorher im Mittelniederdeutschen eine andere Verdunkelung stattgefunden,
und zwar in kapstange. In einer Livlndischen Urkunde vom Jahre 1407
wird als Merkzeichen eines verschollenen Schiffes angegeben: unde de
kapstange si boven spitz und beneden, dar id touwe umme geit, gelike
dicke.

Zu dieser Stelle bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-)
Bande zu Schiller und Lbben S. 176: Kapstange kann schwerlich capstan
sein, da dieses (ein Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat,
weshalb es auch Kopfstnder verdeutscht wird. Es wird Signalstange
bedeuten, vergl. kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit
Tauen befestigt wird, gleich dick sein. Ich kann dem nicht beistimmen.
Wie soll das verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein?
Kapinge, das zum Vergleich herangezogen wird, heit berdies Bake, wie
die Bremer Urkunde von 1400 besagt: ok moghen de Bremere kennynge weten
onde kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum,
Sandbank, Plate vor der Weser) ofte op dat rode zand. An Bord fhrt
man keine Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings fr
gewhnlich einen dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes
Kennzeichen jenes verschollenen Schiffes angegeben, da sein Spill oben
spitz war. Es hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken
Teile noch irgend eine spitz zulaufende Verzierung.


*Spinnaker*, der.

Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise segeln, so gilt
es, wenn sie keine Rahesegel fhren, ihnen auf andere Weise die
Mglichkeit zu geben, mglichst viel Leinwand vor dem Winde
auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, ein groes dreieckiges Segel
aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast
gehit und mittelst eines *Spinnakerbaumes*, der an dem uersten
Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen
Gabel gegen den Mast gesttzt wird, ausgebreitet wird. (Dick und
Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der
Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) verffentlichten bersetzung
eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der
Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt *Schwanenhals* genannten Gelenk,
das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des
Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Sttze und zum Halt dient. Der
Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde
gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lftchen aufzufangen und
auszuntzen.

Wort und Sache sind englisch; ersteres from spin, in sense of to go
rapidly.


*Spinnekopp*, der,

ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels, das von ferne an
das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hlzerner Kopf, ein
lngliches Stck Holz durch das verschiedene Lcher in regelmigen
Abstnden von einander gebohrt sind. Durch diese Lcher werden dnne
Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am Firsttau des
Sommersegels befestigt. Eben dadurch, da diese das genannte Segel
tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen Entfernungen in dem
hlzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck, als habe da eine
Riesenspinne ihr Werk getrieben.


*spinnen*

wird im Seemnnischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders zu
erwhnen ist daher nur die Redensart: ein Garn spinnen; etwas lang und
ausfhrlich, mit epischer Breite erzhlen, wie es alte Seeleute, wenn
sie berhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die
ursprngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen
Ausdruck spinnen fr trinken und in Spanferkel liegt, nmlich ziehen,
in die Lnge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen,
einen Zug tun, saugen.


*Spleetflagge*, die,

auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein dreieckiges Stck
ausgeschnitten ist, so da sie in zwei Spitzen endigt. Sie hat den Namen
davon, da sie wie gespalten aussieht, denn split oder splet ist die
niederdeutsche Form fr Spalt und bedeutet die Stelle, wo oder von wo
aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel, Wege,
Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar, spal
= auseinandergehen.


*Sporn*, der,

ist die spitz zulaufende Verlngerung des Vorstevens bei Panzerschiffen,
die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen; daher man auch
Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das Schiff vorne, das
Eigentmliche der Bedeutung aber ist mit den Fen stoen, daher ist
auch Spur damit verwandt. (Kluge 355).


*splissen*

heit zwei Taue so zusammenfgen und in einanderflechten, da an der
fest zusammengefgten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche
Verdickung eintritt. Damit solches geschehen knne, mu man zuerst das
Gegenteil von Zusammenfgen vornehmen, nmlich die beiden Taue, die mit
einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers
spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder
mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und
durch einander durchgesteckt werden knnen. Splissen nennt man zunchst
eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehrige Arbeit;
hochdeutsch spleien, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als
etwas Gesplissenes.

Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die beiden Knste werden
dem angehenden Seemann zusammen beigebracht. Deshalb heit der
Unterrichtsgegenstand stehend Splissen und Knoten. Die verschiedenen
Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine Kunst. Der
sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot oder
truelover's-knot, ein knstliches, symbolisches Gebilde, das sich ohne
Abbildung kaum beschreiben lt, zumal es verschiedene Arten gibt. Als
die Preuische Marine eingerichtet wurde und das Schiffsjungen-Institut
ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine Zeit lang sich aufs
Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten knpfen. Das hat aber nicht
lange gedauert.


*Splitterdeck*, das.

Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers liegendes und mit
einer strkeren Beplattung als die gewhnliche Decksbeplattung
versehenes Zwischendeck heit Splitterdeck. Es ist in der Regel nur
dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des Grtelpanzers ein
Panzerdeck befindet. (Dick u. Kretschmer). Es hat die Bestimmung, die
unter ihm gelegenen Rume gegen Splitterwirkung zu schtzen.


*Sponung*, die.

Das ostfriesische Zeitwort sponen heit spalten, abspalten, einkerben.
An den Stellen wo ein Balken an den andern anstt oder mit ihm
verbunden werden soll, mu, damit er sich fest anlegt, aus dem einen
Balken ein Stck von der Gestalt des anderen herausgeschnitten werden.
Dieser Schnitt heit die Sponung. Nach Doornkaat hngt das Wort mit
Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der Begriff des Gespaltenen zu
Grunde.


*Spriet*, das,

eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein sogenanntes
Sprietsegel ausspannt und der schrg liegende Baum, der als Mast
angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet heit.

Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet es, als von
sprieen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine Stange,
einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis,
angelschsisch spreot = Stange, Pfahl, Spie; niederdeutsch spret. Als
der Schwedenknig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbirn
schlagen sollte, opferte Styrbirn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte
sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er
einen groen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel
(reyrsproti) in die Hand, ihn ber das feindliche Heer mit den Worten zu
schieen: Odin hat euch alle! Als das geschah, erschien ein Wurfspeer
in der Luft, flog ber Styrbirns Schlachtreihen und schlug sein
Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit. (Simrock, Myth. 176)

Sodann aber spielt, weil, wie erwhnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum
Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff *spreizen* dazwischen. Man
kann die Begriffe aber so auseinander halten, da man sagt: bei
Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im
Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut,
emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelschsisch sprutan,
englisch sprit; niederlndisch spruiten.


*Spring*, der, auch *Sprung*,

ist der Auflauf des Vor- und Hinterschiffes im Vergleich zum
Mittelschiff, so da dieses der niedrigste Teil des Schiffes ist; die
Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese Erhhung hat Einflu
auf die Freibordhhe. Das Wort kommt von springen im Sinne der
Architektur. Wie man sagt: die Ecke springt vor, so ist hier gedacht:
das Deck springt hher.


*Spring*, der.

Wenn man aus irgend einem Grunde das Schiff nicht so liegen haben will
wie es sich, von der Strmung abgesehen, von selbst zum Winde legt; wenn
man also nicht haben will, da der Wind von vorne kommt, sondern,
besserer Ventilation oder -- beim Kohlen-bernehmen --grsserer
Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug da ist um
in der gewhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will als
Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren --
so gibt man dem Schiffe die gewnschte Lage dadurch, da man das
Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann
an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder
sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: das Schiff liegt auf dem
Spring, ist auf den Spring geholt. Unter den schier zahllosen Dingen
und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet
sich auch diese Trosse, a rope passed out of a ships stern, and
attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It
is intended to bring her broadside to bear upon some object.


*Springflut*, die.

Das Gegenteil von Nipflut. Whrend diese letztere die Flut zur Zeit der
Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist, bedeutet
Springflut die hchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und
Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring fr englisch ausgeben
wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heit Spring das
Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland
spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus entspringen
und Springbrunnen sehen wir, da auch im Neuhochdeutschen das
althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist.

Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der
Ausdruck, den man hren und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz
mechanisch und uerlich ohne Rcksicht auf den Sinn von Spring als
einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist.

Dat de Mahn de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides
verorsaket, ys jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den
Seefahrenden genoch bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben
van Renates descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyheit, int
veerde Deel, dar He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat
aldenn de Flothen hger, und de Ebben syder fallen, welckes by uns ein
Sprinckstrohm genhmet werd ... Beschriving van der Kunst der
Seefahrt, Lbeck 1673.


*Stab*,

der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und hheren
Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der
Feldmarschallstab das Zeichen hoher militrischer Gewalt, das Zeichen
amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. Der Stab im
neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausfhrenden Krfte, die ein
Befehlshaber um sich versammelt hlt, auch wenn er nicht grade den Stab
im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trgt, wie
die Polizisten in England noch heute tun.

Stabsarzt, Stabsingenieur, Stabszahlmeister sind jetzt lediglich
Bezeichnungen eines Dienstgrades.


*Staden*, der,

ist leider kein eigentliches Seemannswort, weil nur von oberdeutschen
Schiffern gebraucht; Straburg, Basel, Zrich haben ihre Staden. Es
bedeutet das Wort Fluufer, eine Stelle wo man stehen und wo man Gter
hinstellen kann. Von der indogermanischen Wurzel sta = stehen, von der
auch Gestade kommt. Betrbenderweise schon mehrfach durch quai
verdrngt, (Limmatquai in Zrich). Wenn man noch wenigstens, da Quai
ursprnglich ein niederdeutsches Seemannswort war, die Form Kai oder
Kaje gewhlt htte.


*Stag*, das,

ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre Befestigung
nach vorne erhlt, whrend die Wanttaue zur Befestigung der Masten nach
beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten die Masten
hauptschlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim Schlingern.
Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fhrt um den Top und von da
nach dem Fu des nchstvordern Mastes oder der nchstvordern Stenge,
beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den entsprechenden
Stellen des Vorgeschirrs.

Niederlndisch stag, islndisch, norwegisch, schwedisch, dnisch stag;
englisch stay, franzsisch tai, spanisch und portugiesisch estay. Das
Wort kommt von stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, sttzt;
mittelniederdeutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Sttze,
Hilfe.

Aber nicht nur zur Sttze der segeltragenden Masten und Stengen dienen
die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel, dreieckige,
*Stagsegel* genannt, die nher bezeichnet und benannt werden nach den
Stagen an denen sie fahren.

Wenn man das Schiff wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite
ber das Stag auf die andere Seite; daher man das Wenden auch nennt
*ber Stag gehen*.

*Staglaterne* ist eine Laterne, die am Vorstengestag gehit wird, hoch
in der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen da das
Schiff unter Dampf ist. Auch die Ankerlaterne wird in hnlicher Weise,
doch niedriger, gehit, zum Zeichen, da das Schiff vor Anker liegt.

ber Staglufer s. Lufer.

Ein schner dichterischer Ausdruck fr Pferd findet sich in der Edda:
stagstjorn-marr, Stagsteuermhre, also ein Pferd das Stag und Steuer
hat, dem der Zaum und Zgel als Halt dient und die Richtung angibt.

Stagtalje, Stagtakel erklren sich von selbst.

Von Stag ist seemnnisch ein Zeitwort gebildet: *stagen* = sttzen.

*Wasserstag* heit das Stag des Bugspriets nach dem Vorsteven zu, weil
es so nahe am Wasser, das dem Wasser nchste Stag, ist.

Es gibt auch noch einen von wenden verschiedenen Sinn von ber Stag
gehen, nmlich den von fallen, umfallen; wenn das Schiff z. B.
pltzlich sehr berholt, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so
geht etwas das nicht fest, seefest gezurrt ist ber Stag, d. h. es
verliert seinen Halt, seine Sttze, sein Gleichgewicht und fllt um.


*staken*

wird seemnnisch fr die Ttigkeit zur Fortbewegung eines kleineren
Fahrzeuges in seichtem Wasser mit Hilfe von Staken oder Stangen
gebraucht. Der Stakende stt mit der Stake in den Grund und stt so
das Schiff vorwrts. Das niederdeutsche stake = Stange ist uns
Hochdeutschen in dem Worte Stacket, Zaun von Pfhlen, durchgeschnittenen
Stangen, gelufig.


*Standarte*, die,

die Flagge des Landesherrn und der Mitglieder seines Hauses, im Grotop
gehit, die Gegenwart der Genannten an Bord anzeigend. Mittelhochdeutsch
stanthart; bei Stieler 1691 Standart, mitttelniederdeutsch standart, bei
Kilian standaerd = vexillum, signum; altfranzsich estendart,
neufranzsisch tendart, spanisch estandarte, provenalisch estendart;
italienisch stendardo, mittellateinisch standarda, vom lateinischen
Zeitwort extendere = ausbreiten. Ursprnglich eine Reiterfahne.


*stampfen*, s. schlingern.


*Stander*, der.

1. Eine dreieckige Signalflagge, s. Standarte.

2. Verschieden von 1, auch der Ableitung nach, ist Stander,
niederlndisch staander, ein Stehender, nmlich ein stehendes Tau oder
eine stehende Kette zum Tragen und Halten von Lasten, z. B.
Drehreepstander, Kohlenstander. Stehend ist aber, wie Kohlenstander
beweist, nicht im Sinne von aufrecht stehend gemeint, sondern im Sinne
von fest stehend, im Gegensatz zu laufend, zu laufendem Gut als
stehendes Gut betrachtet.

3. Stander, der, oder Stnder, eine aufrecht stehende Sttze aus
(hohlem) Eisen, an Stellen wo sie beim Exerzieren, im Gefecht u. s. w.
hinderlich sind, beweglich und abnehmbar.

Die beiden Stander 2. und 3. kommen von stan, stehen; Stander unter 1.
von extendere, ausbreiten, entfalten.


*Stnge*, die,

ist die Verlngerung des Mastes nach oben in der Reihenfolge Marsstnge,
Bramstnge, berbramstnge. Eine vielgebrauchte Nebenform dazu ist
Stenge, wie Stnge selbst Nebenform zu Stange ist. Eine Diminutivform zu
Stange ist Stengel. Die Verlngerung des Bugspriets heit nicht Stnge,
sondern Baum, Klverbaum, Auenklverbaum oder Jagerbaum.


*Stapel*, der,

ist das Gestell, das Gerst, die Unterlage von hlzernen Stapelkltzen
auf dem der Kiel eines im Bau (oder im Dock) befindlichen Schiffes ruht.
Ist das Schiff fertig, so wird es vom Stapel gelassen, es luft vom
Stapel, sein Stapellauf findet statt. Zur Erklrung geht man wohl am
besten auf das altfriesische stapul, stapel zurck, das den Block
bedeutete, auf dem ein Kopf oder eine Hand abgehauen wurde, den
Richtblock. Es ist also Stapel die aus dergleichen Stapeln errichtete
Unterlage, auf der das Schiff beim Bau aufliegt. Weil nun diese
Stapelkltze in gerader, geordneter Reihe liegen, so heit stapeln etwas
z. B. Holz, geordnet hinlegen oder hinsetzen, und zwar nicht blo in
einer Reihe, sondern wenn es die Ordnung erfordert auch auf einen
Haufen; daher ein Vermgen aufstapeln, besonders auch Gter
aufstapeln, namentlich gelschte Ladungen, die aufzunehmen gewisse
Stdte das Vorrecht vor anderen hatten, das sogenannte *Stapelrecht*,
wie es lange Zeit Emden fr die Ems besa. Daher niederlndisch
staapel-plaats (1704 bei Aubin), ein ffentlicher Handelsplatz, wohin
die Kaufleute gewisser Gegenden ihre Waren bringen mssen um sie zum
Verkauf auszustellen. Das Bremer Wrterbuch erklrt stapel mit Haufe,
nmlich ein ordentlicher gelegter Haufe in richtiger Reihe, so wie die
Stapelkltze liegen. Das Wort kommt von einem alten Thema stap, von dem
das altschsische Zeitwort stapan = setzen, stellen stammt. Kilian
bersetzt stapel mit stabulatio, sedes, statio. Auch sonst kommt das
Wort im Mittelniederdeutschen in zahlreichen Bedeutungen vor, z. B. auch
in der von Haublock eines Knochenhauers.


*stauen.*

1. Wasser stauen heit es irgendwie hemmen, da es nicht weiter flieen
kann, abdmmen, durch einen Damm am Flieen hindern, zum Stehen bringen.

2. Waren in einem Schiffsraum unterbringen, niedersetzen, aufstellen,
ihnen den richtigen Stand und die rechte Stelle geben, sie sachgem
unterbringen, sie so legen oder stellen, da sie nicht ber Stag gehen.

Im bertragenen Sinne: viel essen.

Beide Bedeutungen kommen in der einen berein *stehen machen*.
Niederdeutsch stauen; mittelniederdeutsch stouwen, stowen, auch in der
Zusammensetzung understouwen. In einem Hansischen Vertrag von 1442 heit
es: Unde de schipher schal deme kopmanne de vittallige (Lebensmittel)
understouwen, unde schal sulven nene vittallige offte kopmansgud up den
averlope (Overlop zwischen Back und Schanze) voren. Altenglisch steowin
und stowin, englisch stow; althochdeutsch stowan, stouwan, stuwan;
mittelhochdeutsch stouwen = hemmen, stauen, stehend machen; aus einer
Wurzel sta, stu = stehen.


*Stechbolzen*, der,

ist ein einfaches Tauende mit einem Auge an der einen Seite. Die
Stechbolzen dienen dazu, den Teil des Segels der durch die Reeftaljen an
die Rahe herangeholt ist an diese festzustecken. Das Wort ist
Verhochdeutschung von Stekbolzen. Stek ist etwas was durch Durchstecken
eines Taues durch ein Auge entstanden ist. Bolzen ist ein Etwas, das
nach dem Ende hin verdickt ist; der Stechbolzen ist durch das Auge
verdickt.


*Stechschwert*, das, s. Schwert.


*Stehendes Gut*, s. Stander 2.


*Steife*, die, s. Metacentrum.


*Stek*, der.

Wenn man das Ende eines Taues mit dem Tau selbst zusammensteckt nachdem
dieses um den zu befestigenden Gegenstand gelegt ist, und zwar so
zusammensteckt, da durch das Durchstecken des Endes eine Schlinge
entsteht, die nicht schliert wenn Kraft darauf kommt, also nicht sich
zum Knoten zusammenzieht, sondern leicht lslich bleibt, so hat man
einen Stek gemacht. Man kann ihn auf verschiedene Weise machen. Je
nachdem er gemacht ist oder nach dem Zwecke des Gebrauches hat er
verschiedene Namen. *Ankerstek*, der Stek mit dem das Ankertau am Rring
des Ankers befestigt wird; *Fischerstek* der, mit dem man Scke zum
Ein- und Ausladen befestigt; *Schotenstek*, mit dem man die Schot an das
Schothrn festmacht; *Trompetenstek* zur einfachen Verkrzung eines zu
langen Taus, das man nicht abschneiden will; *Zimmerstek*, um Rundhlzer
beim Hissen gelegt; *Sackstek*, um zwei Taue an einander zu binden, u.
a. m. Ein Palstek (s. d.) ist ein Stek mit dem man eine Tro um einen
Pfahl, einen Dcdalben legt. Das Nhere gehrt in das Gebiet der
speziellen Seemannschaft. Das Wort steht als niederdeutsche Form fr
Stich, es ist gewhlt, weil das Ende durchgesteckt wird; stecken aber
ist Faktitivum zu stechen.


*Stell*, das,

ist ein echt seemnnischer kurzer, knapper Ausdruck fr
Zusammenstellung. Man spricht von einem Stell Segel, das bedeutet eine
Zusammenstellung von Segeln, so da von jedem Segel das an Bord gefhrt
wird, ein Exemplar vertreten ist; ebenso von einem Stell Flaggen etc.
etc. Es bedeutet also das was wir im Hochdeutschen mit dem Fremdworte
Sortiment bezeichnen.


*Stelling*, die,

ist ein Gestell, das aus einigen Querhlzern mit Brettern darber
besteht und an Tauen schwebt, so wie es die Maler haben wenn sie ein
Haus anstreichen. An Bord gebraucht man eine Stelling um auenbords die
Nahten zu kalfatern, die Auenbordwand zu malen, die Stngen zu schrapen
u. s. w. Es heit eigentlich Stelling, nicht sowohl weil es steht,
sondern man sich darauf stellen kann; meist aber sitzen die Matrosen
darauf und lassen die Beine herunterbaumeln.


*Stenge*, s. Stnge.


*Stern*, der, s. steuern.


*Steuerbord*,

die rechte Seite des Schiffes von vorn bis hinten, die ganze rechte
Seite und zwar von hinten aus gesehen, in der Richtung der Fahrt
betrachtet. Es ist der Bord ber den in alter Zeit gesteuert wurde als
dies noch mit einem Riemen oder einer Pagaie geschah. Vergl. *Backbord*.
Steuerbord heit in Holland stuurboord, sprich strboord. Von da haben
es die Franzosen bernommen mit der Aussprache stirbord und haben daraus
durch Umstellung (Metathesis nennen es die Schriftgelehrten) stribord
gemacht. Weil nun stribord die rechte Schiffsseite ist, so haben es
nachher etliche aus dem Lateinischen deuten wollen, als ob es eine
Abkrzung von dextribord wre, und dextribord hat es auch eine Zeit lang
auf franzsisch geheien, bis man sich besann und wieder zu stribord
zurckkehrte; da man ja in der franzsischen Seemannssprache schon so
viele deutsche Seemannswrter hatte, kam es auf eins mehr auch nicht an.

Mittelniederdeutsch sturbord; Seebuch (1400): De dar wil segelen to
Kalkesorde de sal laten dat twedeel van dem watere an backbort van eme
unde dat dorde deel an sturbort.

Lucas Jansson Waghenaer, 1588 im Spiegel der Zeevaerdt hat
stuyerboort: ... so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eylant daer een
Kercxken op staet.


*Steuerbordwache*, s. Wache.


*Steuermann*, der,

war frher der Mann der steuerte, indem er am Stern sitzend mit einem
Ruder freihndig dem Fahrzeug die Richtung gab. In der Edda heit er
stjori = Lenker, angelschsisch steorman, altenglisch steores mon,
althochdeutsch stiurman, mittelhochdeutsch stiure, stiurman;
(stieurmeier heit dagegen Steuereinnehmer); althochdeutsch und
mittelhochdeutsch auch scifmeister, Schiffsmeister.

Jetzt steuert der Steuermann nicht mehr, er ist (wohl auch nicht grade
respektvoll Strke genannt) auf Handelsschiffen der Mann, der die
Navigierung besorgt, nachdem er auf einer Steuermannsschule die Prfung
bestanden hat; auf Kriegsschiffen ist er ein Deckoffizier, der mit
seinen Steuermannsmaaten und Steuermannsgasten das Navigationsressort
unter Aufsicht und Verantwortung des Navigationsoffiziers verwaltet. Das
Steuern besorgen auf dem Schiffe die Rudergnger, im Boot der
Bootssteurer.


*steuern*,

ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren; angelschsisch
steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran; altfriesisch stiura,
stiora, islndisch styra. Gothisch stiurjan; mittelhochdeutsch stiuren.
Zur Erklrung geht man passend von dem niederdeutschen Eigenschaftswort
stur aus, das stark bedeutet, und vergleicht dazu die Bedeutungen
dieses mittelhochdeutschen stiuren: sttzen, lenken, leiten, lindern,
beschrnken, Einhalt tun, migen, treiben, stoen, bedrngen,
untersttzen, helfen, wozu verhelfen, versehen mit, beschenken,
ausstatten, als Abgabe entrichten, Steuer zahlen, Steuer auflegen,
erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch sehr ein, da das
althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und Grundbegriff von steuern
sei. Ein Starker mute das Ruder fhren, ja der Strkste wird es gefhrt
haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch Rad besa, sondern der
Steuernde sa im Heck, oder vielmehr in dem von stiuren den Namen
fhrenden *Stern*, und lenkte mit dem Ruder (daher Steuerruder,
stiurruodar, was damals pate, jetzt aber nicht mehr gesagt werden kann,
seemnnisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das Fahrzeug durch
Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand regierte. -- Von
dieser Ttigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen Regiment war nur
ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der Blick aller auf den
Strksten, Mutigsten, Khnsten. Der Strkste am Ruder ward wie von
selbst der Fhrer, der Herr, der Huptling, der Herzog der anderen; er
kam ans Staatsruder, an die Regierung, angelschsisch steor, styr;
altenglisch steore; althochdeutsch stiura; wie man denn im
Niederlndischen noch heute jedes Regiment bestuur nennt:
gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur,
stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklrt sich auch Steuer als
Abgabe. Zunchst freiwillige Abgabe an den Strkeren zur Untersttzung
bei seinem Aufwand fr das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin.
Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von
der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede,
zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmige in Aussteuer und
Haussteuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt
wird, Geschenk ins (neue) Haus.

Wie die beiden Begriffe steuern und regieren zusammenhngen sieht man
aus dem Teuthonista: stuyren: regieren een scheep of *anderswat*, oder
sonst etwas; ja bereits im Bewulf finden wir styrian sowohl fr lenken
als auch fr feststellen, ordnen.

Das *Steuer*, also das was man seemnnisch jetzt Ruder nennt, die
Steuervorrichtung, hie mittelniederdeutsch stur, str; davon kommt die
mittelniederdeutsche, auch im niederdeutsch-seemnnischen Sprachgebrauch
noch vorhandene Wendung over sture, rckwrts, over str gan,
zunchst vom Schiff = ber den Achtersteven gehen, rckwrts getrieben
werden, dann auch bildlich: den Krebsgang gehen.


*Stert*, der,

ist ein kurzes Tauende das an einem Block -- der darum Stertblock heit
-- befestigt, gesplit ist und an dem der Block irgendwo, wo er grade
gebraucht werden soll, festgebunden werden kann. Einen hnlichen Stert
hat die Ankerboje zum Anfassen, die Leesegelspier zum Befestigen. Stert
heit im Niederdeutschen Schwanz, das althochdeutsche sterz, mundartlich
noch heute als Sterz im Gebrauch. Der Ausdruck kommt von der
hnlichkeit; ein Block mit einem Stert sieht einem kurzen dicken Tier
mit einem langen Schwanze hnlich.

Im Mittelniederdeutschen war stert, wie es scheint, ein sehr beliebtes
Wort, man wandte es sogar, weniger fein als deutlich, auf Menschen an:
Id syn itlike lude, die ore kleidere so kort maken, dat men sie achter
in den stert mach syn. Hirsch, Danziger Handelsgeschichte, berichtet
aus dem Jahre 1447 von deutschen Seeleuten die den englischen gram
waren: vnd also in tauernen sittende seyden se, se wulden den
Engelschen de sterte vor dem ersse aff houwen. Im Redentiner Osterspiel
von 1464 sagt der Teufel Oberster Lucifer zu seinen Unterteufeln: De
krugerschen myt ereme tappen Unde ok den monnik mit syner cappen. De
holdet alle bi deme sterte.

Im Seebuch (1400) wird stert als Bezeichnung des spitzen Auslufers
eines Sandes, einer Sandbank gebraucht: Item van den sulven sande
strecket eyn stert aff, de het de Speyt ... Unde buten der Seynis sal
he vinden 55 vadem, unde komet nicht neyer by nachte, umme des stertes
willen, wente he strecket verne in de see.


*Steven*, der,

ist ein starker auf und nieder stehender Balken am Bug und am Heck, der
an diesen Stellen die Gestalt des Schiffes bestimmt; den Lauf des Bugs
vorne und die Form des Hecks hinten; vorn heit er Vorsteven, hinten
Achtersteven; an den Steven stoen die Seitenplanken der beiden Borde an
und sind mit ihm durch eine Sponung verbunden. Frher kannte man es
nicht anders als da der Vorsteven weit berkragte, auslud oder
berscho, oft um den achten Teil der ganzen Schiffslnge. Dem modernen
Dampfschiffsbau blieb es vorbehalten, den Vorsteven zurckspringen oder
wenigstens senkrecht verlaufen zu lassen; fr das Auge des Seemanns
keine Verschnerung. Auch ist bei den groen neuen eisernen oder
sthlernen Schiffen der Steven lngst kein Balken mehr, sondern eine in
einem Stck gegossene Eisen- oder Stahlmasse.

Das Wort Steven gehrt in das weitverbreitete Gebiet der Wurzel sta =
stehen, und zwar so da Stab und Stamm dabei mitspielen und einmal mehr
Stab, das andere Mal mehr Stamm in den Vordergrund tritt. Altschsisch
stamn, ein aus einem Stamm (Einbaum!) gefertigtes oder mit einem Stamm
(Steven) versehenes Fahrzeug. Altfriesisch stef, stev, Pfahl, Stab,
Grenzpfahl, vor allen Dingen ein Kreuzpfahl, an dem jemand zum Beweise
seiner Unschuld eine gewisse Zeit unbeweglich mit ausgebreiteten Armen
stehen mute. Hielt er die gesetzte Zeit nicht aus, so wurde er
sachfllig. Auch standen beide Parteien am Kreuze, und der es am
lngsten aushalten konnte, erhielt die triumphante Sentenz, wie Wiarda
mitteilt. Dieses Ordale genannte examen crucis hat brigens Ludwig der
Fromme schon abgeschafft.

Angelschsisch stafn, stefn, stemn = Baumstamm und Steven. Steven ist
also der Teil des Schiffes der durch einen Stamm Festigkeit erhlt,
durch ihn verstrkt und versteift ist. Das bezieht sich allerdings
besonders auf das Vorderteil des Schiffes. Aber es war in alten Zeiten
schon so und ist auch heute noch so, da, wenn kurzweg von Steven die
Rede ist, man zuerst und hauptschlich an den Vorsteven denkt. Schon in
der Edda hie stafn das Vorderteil des Schiffes und stafn-tjald war ein
daselbst aufgeschlagenes Zelt. Auch die alten Friesen sagten stewen und
meinten den Vorsteven; Emsiger Land-Recht: Huarsoma annen ut smit eter
stewene, that ma hine eter stiure wither haut, wenn man jemanden beim
Vorderteile des Schiffes auswirft, da man ihn beim Hinterteile
wiederkriegt. Das war auch im Mittelniederdeutschen so: Hamburger
Chronik: vnd synt de Hamborger vnd Bremer myt schepen tor seewert
gerucket ... vnd weg genamen, wat en vor steuen gekamen is.


*Steward*, der.

Diese Bezeichnung des Kellners bezw. konomen an Bord sieht sehr
englisch aus, stammt aber von deutschen Eltern ab. Sie bedeutet
ursprnglich einen Viehhter. Das mag den Earls of Leicester, in deren
Familie das Amt eines Lord high steward als das vornehmste im Lande
erblich war, schon nicht mehr bewut gewesen sein, aber Tatsache ist,
da das Wort angelschsisch stigeward und stiward, altenglisch styward
hie und eine Zusammensetzung des altdeutschen Wortes stiga,
Schweinestall, Schafstall, berhaupt Stall und wart Wrter ist. Insofern
in alten Tagen, wie es Walter Scott im Ivanhoe an Cedrik und seinem
Wambo so meisterhaft geschildert hat, der Viehstand eines vermgenden
Mannes das Hauptstck seines Vermgens ausmachte, auch in jenen
unruhigen und rechtsunsicheren Tagen ein energischer, mutiger,
kampfgebter Mann als Wchter, Hter und Verteidiger dieses
Besitzstandes ntig war, war dieses Amt gar nicht so unwichtig, und es
nimmt uns nicht Wunder, da solch ein Viehhter sich allmhlich zu
hherem ausgewachsen hat. So gut wie der Marschall sich gefallen lassen
mu, da sein Amtstitel Pferdeknecht bedeutet, so gut kann es jeder
Steward mit ansehen, da er vom Stallknecht abstammt. Was man brigens
damals unter einem Stall verstand, war aber gewi nichts weiter als ein
Pferch, ein Verschlag von Latten, eine Hrde in die die Tiere des Nachts
getrieben wurden. Nur so erklrt sich das sonst befremdliche altdeutsche
Wort Stiga. Wir mssen annehmen, da die Wnde des Pferches wie eine
Leiter, eine Stiege gestaltet waren und auch zum Steigen benutzt wurden.
Ward ist ein weitverbreitetes, gemeingermanisches Wort, von dem auch das
wie ein Fremdwort aussehende Garde stammt, auch Mnzwardein, Wartefrau
und Wirt (gotisch vairdus, sprich wrdus, noch heute wird Wirt vielfach
wie Wrd ausgesprochen), wie denn der Begriff Wirt dem von Steward auf
einem Kriegsschiffe auch in der Bedeutung sehr nahe kommt. Die ganze
Sippe geht zurck auf althochdeutsch wartjan, warten, aufwarten, hten,
pflegen (daher wart der Priester, der Hter des Rechtes), gotisch
vards, altfriesisch wardia, altenglisch ward, altislndisch vrdr. Da
das Wort unser deutsches Eigentum ist, so kann uns niemand verwehren es
Ste-ward anstatt Stjuward auszusprechen: sprechen es doch selbst die
Englnder nur in Folge der falschen Meinung Stjuard aus, da es aus stew
und ard bestnde, da es doch aus ste und ward besteht.


*stoppen*

heit in der Seemannssprache eine Bewegung aufhalten, machen, da
etwas sich nicht weiter bewegt, z.B. eine Maschine, ein laufendes Tau,
eine Logleine, eine Ankerkette. Das entsprechende Kommando heit:
Stopp oder Stop! oft mit einer lang gedehnten scharf betonten Endung
e, Stopp! Im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heit stoppen:
stopfen, fllen, voll machen, verstopfen, dicht machen, stehend machen,
hemmen, aufhalten, angelschsisch stoppian, altschsisch stuppon,
althochdeutsch stoppon. Vom lateinischen stuppare, mit stuppa = Werg
verstopfen, italienisch stoppare, altspanisch estopar, franzsisch
touper = to stop with tow. Diese Bedeutung mit Werg verstopfen
fhrt uns den ursprnglichen Vorgang vor Augen: man verstopfte die
Ausfluffnung irgend eines Flssigkeitsbehlters mit Werg und
versperrte dadurch der Flssigkeit den Weg, da sie nicht in Bewegung
geraten, da sie sich nicht aus dem Gef herausbewegen konnte, von hier
aus entwickelte sich die Bedeutung weiter bis zu dem allgemeinen
Begriffe hemmen. Das Wort ist also mit stauen bedeutungsverwandt.

Bei Kilian wird het schip stoppen sogar noch mit kalfaten wiedergegeben,
man dachte damals also noch an das Werg.

Es gibt an Bord verschiedene Arten eine Bewegung zu hemmen. Ein Tau wird
mit einem Abstopper abgestoppt, der auch kurz Stopper heit oder
Taustopper, da er ein kurzes Tauende darstellt mit dem ein Tau, das
geholt wurde, so lange festgehalten wird bis es belegt ist und sich
selbst hlt. Besonders wichtig sind, von der Dampfmaschine und ihren
Vorrichtungen zum Stoppen abgesehen, die Stopper der Ankerkette. Je nach
dem Orte wo sie in Ttigkeit treten oder nach der Weise wie sie
arbeiten, spricht man von Zwischendecksstoppern, Decksstoppern,
Kneifstoppern, Zungenstoppern und Schlippstoppern.


*Stosstalje*, die,

dient, wie auch der Stostander, zum Absttzen der Unterrahen wenn das
Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin- und hergestoen
wrden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer schweren Last viel
Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also ihren Namen nicht
davon, da sie stoen, sondern davon, da sie das Stoen verhten
sollen.


*Strak*, die,

ist die Richtung in der etwas verluft, die Gestalt oder der Zug wie
eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak, einer
Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in denen
sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe, Streifen,
Strecke u. s. w. bedeutet nmlich das niederdeutsche Wort strack, das
auch fr Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von striken =
strecken, eine Bewegung, einen Zug machen.


*Strand*, der,

sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit Wasser bedeckt,
bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal Land und einmal
Wasser ist; so im Seebuch, 1400, und noch bei Rding 1794. Jetzt aber
ziemlich gleichbedeutend mit Kste, namentlich wenn diese flach ist.
Allenfalls da man in Seebdern im besonderen Sinne von einem (sandigen,
nicht schlickigen) Badestrande redet.

Auch *stranden* wird nicht mehr als scharf umgrnzter Begriff gebraucht,
sondern hufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden
kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener
Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne
irgendwelchen Schaden zu nehmen.

Das Wort Strand ist ziemlich spt aus dem Niederdeutschen ins
Neuhochdeutsche bergegangen.

Was die sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten
Sprachgebiet stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als
ob die Bedeutung sandiger (Bade-)Strand die ursprngliche wre, indem,
wie Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht
zu Grunde liegen knnte, da das Knirschen des Sandes beim Betreten
andeuten drfte.


*Strandgut*, das, s. Seetriften.


*Stratus*, s. Cirrus.


*Streckbug*, der.

Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen, den anderen Weg
sie nach der anderen Seite gedreht; d. h. man hat sie einmal ber den
Backbord-, das andere Mal ber den Steuerbordbug gebrat und sagt dann:
wir fahren ber den Backbord- oder ber den Steuerbordbug. Nun
geschieht es, da man ber den einen Bug weiter in der Richtung des
eigentlichen Kurses vorwrts kommt als ber den andern, da man ber den
einen Bug eine grere Strecke gewinnt, sich nher dem Ziele
entgegenstreckt, darum heit dieser Bug der Streckbug.


*strecken*, den Kiel.

Hier ist strecken in dem gewhnlichen hochdeutschen Sinne dieses Wortes
gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von Zug, Richtung,
Verlauf. Den Kiel strecken heit eigentlich ihn grade machen, ihm seine
Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben, bedeutet aber im
weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des wirklichen Baues
eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehrt, die erste an die
ffentlichkeit tretende und etwas von dem zuknftigen Schiffe in die
Erscheinung bringende Ttigkeit, nachdem der Zeichensaal und der
Schnrboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit dem Strecken des
Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in dieser Hinsicht
hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an sich.


*Strecktau*, das, s. Laufstag.


*Strich*, der.

Man hat die Komparose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt und jeden
derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen gegeben. Diese
32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber noch einmal
geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so da man auf
Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da
nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des Seebuches, 1400, sagt
Breusing in der Einleitung: Die Kompaangaben im Seebuche gehen nur bis
auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebruchlich ist, bis auf
Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der
Zusatz ein wenig nach gebraucht (en luttik tegen norden), womit die
Gre eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz:
reichlich (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Gre von beinahe
einem halben Strich angedeutet sein mag.


*streichen*

wird seemnnisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen
Zeitwortes striken gebraucht; angelschsisch strikan, altenglisch
striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch
strichen, altislndisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen
lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das
hochdeutsche streichen irgend eine beliebige Bewegung nach irgend
einer beliebigen Richtung hin. Im Seemnnischen kommt eine Bewegung nach
zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwrts und eine rckwrts.
Abwrts wurden frher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der
Unterwerfung, als Eingestndnis der Niederlage die Rahen fallen lie, so
da die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine
Segel mehr fhrt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es
holt sie nieder.

Rckwrts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: Streich! Teils
streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher, als das Ruder es
bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am Steuerbord, wenn es
sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils an beiden Seiten,
wenn die Fahrt des Bootes pltzlich aufgehalten oder in eine rcklufige
Bewegung gendert werden soll.

Im Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so da
es unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so
allgemein bedeutete es sich gefangen geben Lbische Chronik: Pawel
sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van
sich, daher denn auch striken ganz allgemein als nachgeben, klein bei
geben gebraucht wurde. 1530: De heillosen papen weren so trotzig, dat
se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer
stiff by eren dingen; (Lb. Reformationsgeschichte). So gut streichen
bedeutet aufhren zu kmpfen, so gut knnte es auch bedeuten aufhren
zu arbeiten, und wir htten, wenn wir das Wort in diesem Sinne
gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz fr das Fremdwort
striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mihandlungen desselben bis
hin zum Stricke machen ein Ende bereitet wre; es wird ja ohnehin
manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken
dem Arbeitgeber gewi ein bser Streich gespielt.

Dieses Streichen wirft auch das richtige Licht auf das Wort
Zapfenstreich. Die Segel streichen heit aufhren mit kmpfen, den
Zapfen streichen heit aufhren mit zapfen, so da der Wirt also den
Zapfen zumacht und den Gsten Feierabend gebietet.


*Stringer*, der,

Lngsstringer sind noch weiter (als die Seiten-Kielschweine) seitlich
liegende, dem Kielschwein hnliche Lngsverbnde. Decksstringer sind auf
den Decksbalken an den Bordseiten liegende Platten, welche mit den
Balken, der Auenhaut und den Querspanten, verbunden werden. (Dick und
Kretschmer, I. 83.) So gibt es auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die
Bedeutung wird durch die Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo
klar, das zusammenziehen, also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also
ein Verbinder, ein Ding, das einen Verband herstellt; auf deutsch
kurzweg ein Binder. Wir haben das Wort auf dem Umwege ber England
empfangen, wo stringer bedeutet in ship-building an inside strake of
plank or of plates, secured to the ribs and supporting the ends of the
beams.


*Strom*, der,

wird seemnnisch nicht fr einen schiffbaren Flu gebraucht, der
vielmehr Revier (Rivier) heit, sondern fr Meer, fr die freie offene
See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgngig mit Beziehung auf
Meeresstrmungen, ausgenommen in Meeren wo es solche gibt, die Ebbe-
und Flutstrmungen, s. unten. Strom ist im Munde des Seemanns das, was
man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In einer alten Gttinger
Urkunde steht: ... unde de unse unde ok den gemenen copmann uppe dem
vryen seestrome groffliken beschediget. Desgleichen in einer anderen:
do dusse lude van Engeren uth Britannien verdreven weren und leghen an
den seestrome unde krygeden myt den Britanniern.

Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem Binnenhafen lag
und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen ist) an eine Boje
oder vor Anker: Das Schiff verholt auf dem Strom.

Im Seebuch (1400) ist unter Strom meistens der Flut- und Ebbestrom des
Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet:
Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket
lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege
water west ton suden mane.


*Stropp*, der,

ist ein in sich selbst zurckkehrendes kurzes Tau, ein kurzes Tau ohne
Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stck Tau gemachter Ring, der
durch das Zusammensplissen der beiden Enden entstanden ist. Solch ein
Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch gelegt, auch sieht man
oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen eines Bootes am
Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp, den man um ihn
gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stckgut gehit. Es ist
also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und ntzliches
seemnnisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten klassischen
Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt. Lateinisch stroppus,
gedrehter Riemen zur Snfte oder zum Anbinden der Ruder an die
Ruderbank, dnner Kranz von Bast gedreht; griechisch strophos, das von
Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene Band, der Gurt, das
Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe, das Wenden oder
Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho, estropha, drehen,
wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte der Kunst, fhrt
ein griechisches Wort an, das stroppos heit und von Festus in der
Bedeutung Kranz aufgefhrt wird. Gellius hat das lateinische stroppus
als Band. Grade dieselben Bedeutungen vereinigt das Wort in unser
Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof von Sevilla
Isidorus sagt in seinem berhmten Buche Origines s. Etymologiae:
struppi quibus remi ad scalmos alligantur. Als stropp fhrt Wright es
aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im Mittelniederlndischen;
im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch fr den Strick des Henkers:
hoe gheerne solde een dief, die enen strop om sinen hals hadde ...
weder gheuen, dat hie ghestolen hadde. Es gab damals auch stropballien,
solche Baljen, die mit einem Stropp versehen waren, dar de Kalk inne
vpn thorn gewunden warth.

Italienisch stroppo, franzsisch 1702 etrope und estrope, jetzt troppe,
portugiesisch estropo.

*Bestroppen*, etwas mit einem Stropp versehen, z. B. einen Block, und so
gebrauchsfertig machen. Daher auch bertragen: Das werden wir
bestroppen, d. h. das wollen wir machen.


*Stck*, das,

war frher ein allgemeiner Ausdruck fr Kanone. Ein Schiff mit 48
Stck. Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim Exerzieren
mit Stcken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die Stcken los!
4. Holt die Stcken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6. Platloth ab! 7.
Stopft das Zndgat! 8. Kratzer in die Stcken! 9. Wischer in die
Stcken! 10. ffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die Stcken! 12.
Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stcken! 14. Setzt an
Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zndgaten! 16. Kraut in die
Zndgaten! 17. Deckt die Zndgaten! 18. Stcken an Bord! 19. Fat den
Kuhfu und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die Lunte ab! 22.
Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die Bezeichnung
Geschtz in den Vordergrund getreten, doch so da Kommando 3 stets
Kanonen los! hie, da doch das unmittelbar vorhergehende Kommando
gelautet hatte: An die Geschtze! Ganz neuerdings ist durch die
Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund
getreten. Stck hat sich aber nie ganz verloren; Stckpforten hat es
immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die
Bezeichnung Stckmeister in Aufnahme gekommen.


*Sturmdeck*, s. Deck.


*Sturmtor*, s. Schleuse.


*Sturmtreiber*, s. Treiber.


*Sturzsee*, die,

ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so hoch ist, da
sie ber die im Sturme sich neigende Reling oder das Schanzkleid hinweg
auf Deck strzt; um das berkommende Wasser wieder zu entfernen, sind in
das Schanzkleid neuerdings grere ffnungen dicht ber dem Deck
eingeschnitten; man nennt sie *Strzpforten*, weil das Wasser zu diesen
Pforten wieder hinausstrzen soll.


*sttzen*

kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemnnischen vor;
besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim
Steuern. Wenn befohlen war, da das Ruder nach irgend einer Richtung hin
gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung
gedreht werden, so wird kommandiert: sttz! oder: sttz so!
Niederdeutsch sttten, welches oft anstatt sttzen zu hren ist, anstatt
sttz so heit es dann sttti! wohl auch in Anlehnung an das
englische steady, steer the ship a steady course.


*Sdwester*, der,

ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder ltuch-Hut zum Schutze
gegen Sturm und Regen.

Grimm erklrt West aus dem gotischen vis = Meeresstille. Fr unsere
Meere pat das nicht, wrde auch zu dem Sdwester nicht stimmen, der
seinen Namen gerade davon hat, da es eben bei Sd-West am meisten
strmt und regnet. Doch heit vis nicht nur Meeresstille, sondern
berhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm vermutet auch eine gotische Form
vistr, gegen Abend, adversum occidentem.


*Superkargo*, s. Cargo.


*Ssswasser*, das,

ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, da es in Tnks von
Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei es, da es aus
Salzwasser destilliert ist. Frher muten die Matrosen oft mit vieler
Mhe das Regenwasser auffangen. brigens sagt der Seemann lieber
Frischwasser als Swasser, welches doch eigentlich hauptschlich fr
die Unterscheidung von Swasser- und Salzwasserfischen gebraucht wird.




T.


*Taifun*, der.

Der mit Recht so gefrchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das Wort kommt
nach einem mir zugegangenen sachverstndigen Urteil von der Kantoner
Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht fr das Auge
wiedergeben lassen, die aber fr das Ohr tai fung lauten. Tai heit
gro߫ und fung Wind. Nun nennen zwar die Chinesen jeden starken Wind
tai fung, whrend sie fr einen Taifun noch den speziellen Ausdruck fung
k haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem franzsischen il
fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrcke beruhen ja nicht
immer auf der grndlichsten Kenntnis der chinesischen Sprache. Da tai
fung auerordentlich hufig (auch schon in der Kinderstube, aus der und
von deren Amah's sich wohl vielfach die Kenntnis chinesischer Wrter
seitens der frheren Europer herleiten wird) gehrt wird, und da
berdies ta fung k wieder so hnlich klingt, so glaube ich, braucht man
keinen Zweifel zu hegen.

Merkwrdig ist das Verschwinden des g am Ende. Die Englnder schreiben
wie taifoon auch Kowloon fr kau lung (Neun Drachen) die chinesische
Stadt und daher auch die britische Halbinsel Hongkong gegenber. Ich
erklre mir das aus dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und
des Franzsischen der alten katholischen Missionare. So auch Kanton
statt Kwang-tung oder Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king.
Da der Laut der Kantoner Aussprache fr die Europer magebend geworden
ist, findet sich auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der
Kantoner Aussprache Jat pun (mit verschlucktem, kaum hrbarem t in jat).
Jat heit Sonne, pun heit Ursprung oder Aufgang.


*Takel*, das,

ein Flaschenzug, Windezeug aus zwei oder mehreren Blcken (s. d.).
Niederlndisch, dnisch und schwedisch takel, englisch tackle,
franzsisch palan  itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem
Stamme mit Tau. Frher die Gesamtheit aller Taue, berhaupt des ganzen
Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung Vor Top und Takel
hervorgeht.

Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel = trajectus,
transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus, ut pontonem
dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3. taekel =
hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien.

Es liegt nahe, an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch
zagil, angelschsisch tgel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda,
besonders equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt
hat und die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare
abschnitten zu Schiffstauen, vergl. jedoch *Tau*, s. a. *Gut*. ber die
Zusammenstellung Takel und Mantel s. Mantel.

Das Takel wird erst durch das Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne
Mantel ist es eine Talje (s. d.).


*Takelage*, die,

die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehrt. Das Wort hie
mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche
ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines
Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders
als unter franzsischem Einflu entstanden sein wird. Htte es auf dem
Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wre berhaupt
kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen.
brigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz
berflssig, da Takel ursprnglich fr sich allein schon ein solcher
Begriff war.

Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdlnderei, scheint sich erst die
Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens finden wir da erst
Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der moderne
Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden, da er
sogar Stellasche, Kledasche und -- Fressasche spricht. Kilian hat die
Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes.

In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje
gesagt, wie denn berhaupt alle die zahlreichen Wrter mit der
Sammelendung -age so ausgesprochen werden.


*Takeln*, *betakeln*, *auftakeln*, *abtakeln*, *Takelung* s. Takler.


*Takler*, der.

Jeder rechte Seemann mu ein Takler sein, d. h. die Arbeit des Takelns
verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und beim Auf-
oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen knnen. Alle diese
Wrter kommen ja schlielich auf eines hinaus: seemnnisches Vermgen
mit dem Tauwerk richtig umgehen zu knnen und ihm die Gestalt und
Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner
Bestimmung gebraucht wird.

Insonderheit heit betakeln das abgeschnittene Ende eines Taues so mit
einem Bndsel befestigen, da die Kardeele nicht aufgehen. Takeln
berhaupt heit splissen und knoten und dergl. Will man eine derartige
Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so nennt man sie eine Takelung. Wird
ein Schiff in Dienst gestellt und es bekommt seine Segel und sein
Tauwerk und es wird alles an seiner richtigen Stelle gesetzt und
geschoren, so heit das auftakeln, das Gegenteil davon aber abtakeln.

Auf der Werft hat man eigene Takler und eine besondere Werkstatt fr
sie.

Ein Frauenzimmer, das sich sehr geputzt hat ist mchtig aufgetakelt;
doch sagt man auch ohne Vorwurf fein aufgetakelt, s. Takel.


*Talfahrt*, die,

ist bei der Fluschiffahrt die Fahrt den Strom abwrts, whrend die
Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heit.

*Talweg* ist der Stromstrich, die Mitte eines Flues. So wurde am 9.
Februar 1801 zu Lunville, als man das alte deutsche Reich ber den
Haufen warf, unter Zustimmung von Kaiser und Reich beschlossen, der
Talweg des Rheins solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich
sein.


*Talje*, die,

ist ein an Bord vllig unentbehrliches Werkzeug, ein Flaschenzug, der
oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten einen einscheibigen
Block hat. Die beiden Blcke sind durch ein Tau verbunden, das, da es
ber die Scheiben der Blcke luft, Lufer heit, Taljenlufer.

So wie die Talje sich zunchst dem Auge darstellt, nmlich in
unbentztem Zustande, sind die beiden Blcke noch zusammen, so da sie
wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt hat. Von
diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name. Man kann
auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei (ungleiche)
Teile teilt.

Franzsisch heit der Schneider bekanntlich tailleur, der Einschnitt
taille, einschneiden, schneiden tailler; italienisch taglia, spanisch
taja, talla, portugiesisch und provenalisch talha = Schnitt,
Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das lateinische talea =
abgeschnittenes Stck zurck; (daher auch Detail und Talon). Kilian hat
talie = incisura. Niederlndisch (1702) taalie. Da die Franzosen den
Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so scheint Talje direkt
aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen worden zu sein; gewi
schon frh, denn solch ein handliches und brauchbares Hilfsmittel werden
sich die friesischen Kreuzfahrer sicher nicht haben entgehen lassen.


*Tamp*, der.

Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heit Tamp, auch der Tampen.
Das Ursprngliche drfte das abgeschnittene kurze Ende sein; nmlich das
Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei uns in der
Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in der Hand
eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man frher
Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im Kriegsbuch
berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander vergleichen
(vertragen) wollten, dann habe er einen Vergleicher, ist ungefhrlich
eines Armes lang. Doch ist das Schlagen der Mannschaft jetzt verboten.
Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher ihre Strafe, mit
einem Tau, ungefhrlich eines Armes lang; es geht aber auch ganz gut
mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade in der Nhe
aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl Nasalierung vom
niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber bedeutet einen
Schlag, einen Klapps; ein Tamp war also ursprnglich das Tau oder der
Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und ist dann nach und
nach in die allgemeine Bedeutung Tauende bergegangen.


*Tnk*, der,

ist ein an Bord gebruchlicher Aufbewahrungsbehlter fr Wasser,
Petroleum, l u. s. w., berhaupt fr Flssigkeiten, Wein, Bier etc.
etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein greres, oft viereckiges,
sonst auch dem Raum angepates Gef.

Ein Tnkschiff ist ein solches das eingerichtet ist, Petroleum ohne die
Fsser in sich aufzunehmen, so da es drben in Amerika in die
entsprechenden Behlter eingepumpt und hben wieder ausgepumpt wird.

Das Wort kommt aus dem Englischen, wo es tank heit. Und zwar ist da,
wie die englischen Provinzialismen und das Schottische beweisen, ein s
im Anlaut abgefallen. Es stammt vom lateinischen stagnum, eine Pftze
stehenden Wassers (daher auch stagnieren); italienisch stagno, spanisch
estanque, altfranzsisch estanc, neufranzsisch tang.


*Tau*, *Tauwerk*, das,

ungefhr gleichbedeutend mit Seil. Ursprngliche Bedeutung ist:
Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, da jedes beliebige Werkzeug
ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem vartouwe = Wagen
und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat. Tau hat also
dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit ihm zusammen
eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere. Gotisch taujau
= tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas *tut*.
Althochdeutsch ziohan, (altschsisch tiohan), ziehen, oder zawjan,
machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergert,
Fuhrwerk, Wagen, *Schiffsgert*, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige
aber im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf
Handwerk, Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das
franzsische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar
heit sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und
das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. schlafendes Auge in der
Botanik). *Tauwerk* ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom
Reepschlger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch
Drahttauwerk.


*tauen*, (*vertauen*, *vertuen*)

(mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der Stelle ziehen und an einem
anderen Orte wieder festmachen, alles vermittelst eines *Taues*. Aubin
unterscheidet zwischen toer und remorquer (s. Remorqueur): Remorquer
signifie le changement de place qu'on fait  un vaisseau par le moien
d'un btiment  rames (so wurde die schwedische Fregatte Eugenie in
der Magellanstrae aus dem Bereiche eines der daselbst so heftig, aber
rtlich beschrnkt wehenden Wirbelwinde durch ihre Boote um eine
Felsenecke getaut oder vertaut, wo es totenstill war) et toer signifie
le mme remument par le moien du cabestan ou par la hansire.

Ist das Schiff an der Stelle angekommen wo man es haben will, so wird es
festgemacht, an einem Bollwerk, einer Pier, einer Boje; insofern solches
mit einem Tau geschieht heit es vertuen, wangerlndisch vertojen.

In Holland heit aanturen ein Tier zum Weiden mit einem Tau festbinden,
ostfriesisch tddern, daher vertddert oder verttert anstatt unklar,
verwirrt, bei Stricken, Bindfaden, Nhgarn.


*Taube Jtte*, die s. Davit.


*Taube Gezeit* s. Nipflut.


*Teakholz*, das.

This timber is excellent for ship-building, and has been called the oak
of the East. It works easily, and, though porous, is strong and durable;
it is easily seasoned and shrinks but little, and from containing a
resinous oil it resists the action of water, and repels the attacks of
insects of all kinds. Es ist das Holz der Tectona grandis aus der
Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und den Molukken bis
zu gewaltiger Hhe wchst und sehr breite und lange Bltter hat. Teak
ist ein tamilisches Wort.


*Teer*, der,

ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes, mit
harzigen Teilen vermischtes dickflssiges l, das Tauwerk, Holz,
Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der
Feuchtigkeit schtzt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht
besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzge, Jacken, denen
kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht blo Blaujacken,
sondern auch *Teerjacken* genannt werden. Viele Leute lieben den
Teergeruch.

Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen empfangen. Gotisch triu
= Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in Wachholder, Maholder,
Holunder; die indogermanische Grundlage ist derw --, griechisch drs,
Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch derwa, finnisch derwas, lappisch
tarwas, Kien = Harz = Teerholz; esthnisch terw, finnisch terwa,
gdhelisch tearr, kymrisch tar, bretonisch ter = pix. Die Entwicklung
der Formen deutet auf Osteuropa als Heimat des Wortes, die keltischen
Wrter sind dann aus dem Deutschen entlehnt.

Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im ganzen
niederdeutschen Sprachgebiet frh verbreitet. Im Bewulf heit
niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff.


*Tender*, der,

a small vessel employed to attend a larger one for supplying her with
provisions and other stores, or to convey intelligence and the like.
Also ein kleineres Schiff, das einem groen beigegeben ist, um seinen
Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem Schiffsboot oder einem
Beiboot dadurch unterschieden, da es nicht an Bord des greren
Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu gro ist, und da es
seine eigene stndige, aber vom greren Schiffe abhngige Besatzung
hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als Kommandanten.

Bekanntlich heit Tender auch der der Lokomotive eines Eisenbahnzuges
beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht.

Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen, irgendwohin
richten, lenken, reichen, darreichen, fr etwas sich bemhen, arbeiten,
ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit Intendantur gleicher
Herkunft.


*Tide*, die,

ist -- vergl. Gezeiten -- die Zeit von Ebbe und Flut, die Flutzeit, die
Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und einer Flut;
doch wird an der Nordseekste das Wort so gebraucht, da man dabei eher
geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere gemeint sein,
so mu das schon besonders irgendwie angedeutet werden, entweder
dadurch, da man nach Breusing taube Gezeit oder nach Dornkaat dode
ti (ostfriesisch heit tide auch tie und ti) sagt, namentlich zu der
Zeit, wo der Mond im Viertel steht, whrend eine tide zur Zeit des Voll-
oder Neumondes spring-tide heit.

Das Wort Tide ist von vielen fr englisch gehalten und Teid
ausgesprochen worden. Mit Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch kommt es
als gut deutsches Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. mit
halver tide; en quarter, dordendeel, twedeel tydes; myt ener halven
tiden; auch in der Mehrzahl: de tyde van Calismains, Engelant. 1588
hat Waghenaer das Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije,
auch spricht er der greren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von
watergetijde.


*Tidehafen*, der.

In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, da, ob zwar eine Tide Flut
*und* Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil der Verbindung
ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein Fluthafen, nmlich ein
offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener Hafen, der nur zur Zeit
des Hochwassers zugnglich ist.

Die gangbare niederlndische Zusammenziehung tij fr tide war schon
Waghenaer 1588 sehr gelufig; er spricht hufig von tij hauen, ja
sogar von Tijbuckinghen als den besten, die natrlich in Holland
verzehrt werden, whrend die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe
hinauf nach Deutschland, Bhmen, Ungarn und bis zur Trkei gehen, al
waer de selve Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten
ende gheconsumeert wert.


*Tief*, das,

ist im seemnnischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar mehr eine
Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei Inseln; eine
Strecke, die tief genug ist fr Schiffe. Dep heit sonst niederdeutsch
Graben, Kanal, Flu, niederlndisch diep (Nieuwediep, sprich Nwediep),
englisch deep, Tiefe, See, Meer; Anything remarkable for depth, sea,
ocean. Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so da es nicht
blo Meerestiefe, sondern (Luther) berhaupt Meer bedeutet.


*Tiefgangsmarke*, s. Ahming.


*Tiefladelinie*, die,

ist eine auenbords an einem Handelsschiffe angebrachte, durch einen
Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt, wie tief ohne Gefahr fr
Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug geladen werden darf. Das
richtet sich nach der Bauart und Gte des Schiffes, nach der Art der
Ladung und besonders auch nach dem Bestimmungsort, indem ein Schiff fr
groe Fahrten nicht so tief geladen werden darf, wie ein Binnenfahrer.

Es wre zu wnschen, da ein allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz
gegeben wrde.


*Tieflot*, das,

hie sonst das schwere oder groe Lot, ein Lot, das dazu dient,
grere Tiefen auszuloten als das Handlot es vermag, s. loten. Da zum
Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des Schiffes
beschftigt sind, so verstndigen sich diese unter einander durch
Aussingen, wobei der berhmte Vers ausgesungen oder gerufen wird:
Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das groe Lot Und
schlgt euch alle tot. Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck
gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, al dat Duiep
Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See,
und snst dar men underschetlicke Grnden hefft; welckes bewilen gude
Narichtunge gifft. Kunst der Seefahrt, 1673.


*Timmerstek* s. Stek.


*Tjalk*, die,

ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug fr
Kstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im
Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause
ist, schreibt man in Folge der eigentmlichen Aussprache des j im Anlaut
oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand
lt fr Tjalk auf eine ursprngliche Form Jalk schlieen. In der Tat
kennt und hat auch das Bremer Wrterbuch noch diese Form. So geht das
Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurck und drfte eine
Diminutivform davon darstellen, die ber Jolleken, Jolken, Jolk sich
entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hren. Es ist
dabei zu bedenken, da Jolle, wenn sie wirklich durch die Phnizier mit
ihrem gaulos an unsere Ksten gelangt ist, damals kein so kleines Boot
war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug.


*Tonne*, die.

1. Ein Seezeichen, das ursprnglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber
aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr hnlich sieht. Aber
der Name ist geblieben und hat sogar dienen mssen zur Zusammenfassung
der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die
Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und berhaupt in Ordnung
halten, heien jetzt *Tonnenleger*, Dampftonnenleger. Frher, z. B. zur
Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hieen
sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunchst zur Unterhaltung
der Seezeichen bestimmt waren, so heien sie noch heute *Tonnengelder*.

2. Spricht man von Tonne im Sinne von *Tonnengehalt*. Dieser bedeutet
die Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag,
bezw. die Anzahl der Registertonnen als Raumma fr die
Schiffsvermessung; eine solche Tonne mit 2,832 cbm; whrend eine Tonne
als Schiffslast 1000 Kgr. wiegt.

Schon frhzeitig ist man im *Betonnen* eines Fahrwassers von der
eigentlichen Tonnenform der greren Deutlichkeit der Unterscheidung
zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch,
Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine hnlichkeit hatten.
Waghenaer, Spiegel der Zeevaerdt 1588, schreibt: Op alle de stroomen
van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste
rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als
hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein
Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op
de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de
ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met
korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange
mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder
sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen
onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen
fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de
contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.


*Tonnenbojer*, der.

Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen, wangerlndisch
tunbujer.

Als die Bremer dem Grafen Anton Gnther von Oldenburg, ja dem Kaiser und
Reich mit Gewalt entgegentraten um einen den Oldenburgern vom Kaiser
bewilligten Weserzoll zu hindern, war das Mittel der Gewalt -- ein
einziger Tonnenboyer. Der gengte der freien Reichs- und Hansastadt
Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des Kaisers und des Grafen zu
hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken hnlich einem Zollkreuzer,
mit einigen Kanonen, fr gewhnlich friedlicher Beschftigung obliegend,
aber gelegentlich zu kriegerischen Zwecken verwendet. brigens hatte man
frher auch gewhnliche kleinere Handelsschiffe, die Bojer hieen, aber
mit dem Legen von Bojen nichts zu tun hatten, sondern nur nach dem
Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem
Maste, die kaum die hohe See hielten, wie aus einer alten Nachricht
erhellt: anno 1525 im pasken (Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit
enem bojer mit enem smaksegel in Engelant, das touoren angehrt was.


*Topp*, der,

in der Einzahl richtiger: *Top*. Spitze, uerstes, Hchstes; hchste
Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Grotop, Kreuztop
den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und dran ist,
so da pars pro toto genannt ist, wie man Dach fr Haus, Kpfe oder
Seelen fr Menschen, Segel oder Kiel fr Schiff sagt. Topp, eigentlich
im Singular blo Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit
unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in
seiner zhen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten
welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlulauten entstanden
waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt
Wilmanns, da sie besonders lehrreich sei, weil sie sich zum groen
Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig
fortschreitende nderung der Konsonanten und die sie regelnden Krfte
gewhrt. Der Beginn der Verschiebung fllt in die Zeit vom 5. bis 7.
Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele
romanische Lehnwrter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche
aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus;
die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der
Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwcher
wird die Wirkung. An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im
Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene
Reibungsgerusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z.
Das homogene Reibungsgerusch von p ist f, die Affrikation von p ist
also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher
Eigentmlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es
bis auf diesen Tag Top geblieben. Da Top = Zopf aber fr Mastspitze
gebraucht werden konnte beweist uns, da Zopf ursprnglich nicht das
herabhngende, geflochtene Haar, sondern den Schopf, das nach oben
zusammengefate und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet)
bedeute. Wenn Shakespeare sagt: To take the present time by the top;
so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den
Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen
htte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen.

Im Niederlndischen heit top so allgemein das Oberste, uerste, die
Krone von etwas, da man sogar vom top van den vinger spricht.


*Top und Takel.*

Vor Top und Takel segeln heit, ohne jegliches Segel zu setzen sich dem
Sturme preisgeben, so da also lediglich das Schiff selbst und seine
Takelage dem Sturme eine Angriffsflche bietet. Es liegt auf der Hand,
da das uerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder Sterben geht. Darum
heit franzsisch das aller  mats et  cordes auch aller  la
drive, aller  Dieu et au tems (Aubin, 1702). Dnisch: med top og
tavl, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut und Haaren. In
Holland, berhaupt bei allen seefahrenden Vlkern sind hnliche
Redewendungen in Gebrauch; over Gods genaade drijven; sig aan het
geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.


*Toppnant*, weiblich.

Toppnanten sind Taue, die an beiden Nocken der Rahen und am Top des
Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen Block aufs Deck
hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal zu erhalten oder
sie auch nach Umstnden gegen den Horizont zu neigen, vergl. Kajen.
Treffend heien die Toppnanten franzsisch balancines. On s'en sert
pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle est dans la situation
naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon qu'il est  propos
(Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute ich, da Toppnant
nichts weiter ist als eine Verkrzung von Toppenende, das zuerst
Toppnend geheien haben mag und dann ohne Rcksicht auf die Herkunft,
vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche Seemannssprache, bei
welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesndigt wurde, die
gegenwrtige Gestalt erhielt. Da Ende, das Ende eines Taues, fr das
Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende.

Die Rahe mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heit sie toppen.


*tot*

wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht:

1. Totes Gewicht s. Deplacement.

2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der ber der
Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskrpers, der sich ber
Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser
verdrngen, weil er also nicht mit trgt, sondern getragen werden mu.

3. Totes Holz. So heien die Kielkltze. Sie heien so im Gegensatze zu
dem lebendigen, beweglichen Schiffe.

4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heit, gegen den Strom so viel
Fahrt machen, da man ihn berwindet und trotz des Stromes noch vorwrts
kommt, seinem Ziele sich nhert. Ein Schiff tot segeln, heit, es
berholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es.


*toppen* s. brassen und toppen.


*Trn*, der, s. Seetrn.


*Torpedo*, der.

In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem Torpedo ziemlich
ausschlielich einen Offensiv-Torpedo (whrend die Defensiv-Torpedos
Minen genannt werden), also das bekannte zigarrenhnliche Gescho, mit
Schiebaumwolle geladen, von komprimierter Luft durch eine kleine
Schraube getrieben, unter Wasser sich mit ziemlicher Geschwindigkeit auf
ein feindliches Schiff zu bewegend, um da zu explodieren und das Ziel in
die Luft zu sprengen. Das Nhere gehrt nicht hierher, ist auch in
tiefes Geheimnis gehllt.

Nur mu bemerkt werden, da flschlicherweise im Binnenlande und sogar
auch in Kriegshafenstdten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein
*Torpedoboot* meint, nmlich ein Boot, das lediglich zum Schieen mit
Torpedos eingerichtet ist und ausschlielich dazu bestimmt ist, whrend
die groen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so
nebenbei haben.

Torpedos mssen rasch arbeiten; es ist daher ein eigentmliches
Zusammentreffen, da das Wort eigentlich steif, langsam, plump,
unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe,
unfrmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo)
empfangen. Er hat ihn allerdings fr diese moderne Seekriegswaffe nicht
hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fhigkeit,
elektrische Schlge auszuteilen.


*Torpedooffizier*, der.

Ein Torpedooffizier verhlt sich zu einem Torpederoffizier wie ein
Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier, d. h. der
Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das Militrische am
Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schieen, whrend der
Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der Verwaltung in
Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden Lebensberuf. Der
Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine Zeit lang das
Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein anderes Kommando
bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier, Kommandant u. s. w.


*Trackkarte*, die,

ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks, d. h. die Strecken
die sie auf See zurckgelegt haben, einzeichnen, den Weg den sie
gezogen sind (denn track hngt mit dem niederdeutschen,
niederlndischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen.
Seemnnischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung,
allenfalls noch als Anhaltspunkt fr das Gedchtnis in Bezug auf
Strmungen, vorherrschende Windrichtungen, berstandene Strme, Lnge
der Seetrns u. s. w.


*Treibbake* = Schwimmbake, s. Bake.


*Treiber*, der,

ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal auch bei
sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste fahrendes, ber
das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl (s. Tjalk)
-Takelage. Es soll den Grobaum entlasten und durch den Druck auf das
Heck den Bug gegen die See halten.

Ist schweres Wetter, so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer,
strkerer *Sturmtreiber*.

Frher hatte man auch auf Vollschiffen einen Treiber. Er fuhr an einer
Leesegelsspier, die an der Nock der Besansgaffel gehit war; die Schoten
wurden an einer ber die Reling gelegten Spier ausgeholt. Es war also
dieser Treiber eine Art Rahsegel. Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor
dem Winde segelte, der Besan also nicht zur Geltung kam. Viel half der
Treiber freilich auch nicht, aber er trieb das Schiff immerhin etwas
schneller weiter, half also die Fahrt beschleunigen und so das Verdienst
mehren und fhrte darum den sinnreichen Namen Brodgewinner.


*treiben.*

Das bekannte Lied: Treibe, treibe, Schifflein treibe! klingt ganz nett
im Salon; im seemnnischen Sinne ist treiben keine angenehme Bewegung,
sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht she. Ein Schiff
treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt eines
Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt vor Top und Takel wenn der
Sturm so schwer ist, da es keine Segel fhren kann. Es treibt vor
Anker wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz der
Anker in Bewegung gert. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und allen
mglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom oder
ungnstiger Wind es von seinem Kurse abdrngen.


*treideln*

ist die offizielle Bezeichnung fr das, was sonst treilen, trauen,
treieln, treueln, troilen heit und die Ttigkeit eines Menschen
bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen
Flu oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heit Treil; franzsisch
traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort
traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen
ist, woher das d hineingekommen ist. Man knnte denken, sie habe sich
aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab,
das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so knnten
die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen htte dabei
das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen
Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder
troilen. 1323: Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen
dicitur. 1343: We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat
to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde
neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen. 1348: Also dat
de ghenne, de twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde
neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen
na ereme behoue. Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus fr
Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: Ok so mgen de schiplude troylen
vp mynen oueren. Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des
Gedankens daran, da der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze
Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So knnte ein
Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten
sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mute und zur
Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, da der noch teilweise von
Kaiser Trajan herrhrende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als
Halbwlbung in den Felsen eingehauen, teils als hngender Weg gebaut
war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und da treppeln so
viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist.

Es wre auch mglich, da der Gedanke an trdeln das d in treideln
gebracht htte, weil das Geschft zuweilen recht langsam vor sich geht.

Die Franzosen haben fr den Mann, der es betreibt, ein seine Ttigkeit
sehr deutlich beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen
Zeitwort holen (s. d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz
mit ihm und rief ihm frher an der Loire und sonst in Frankreich das
Wort arrache-persil, Petersilienausreier, zum Spott zu. Sprichwrtlich
sagte man nicht unwitzig: arrache-persil navigue aussi. Sie
antworteten mit einer Flut von Schimpfreden, hnlich wie die Fler auf
dem Neckar, wenn die Tbinger Studenten ihnen zuriefen: Jockele sperr!

Englisch to drail; hollndisch (Weiland) treil: denkelyk een
bastaardwoord van het fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken,
afkomstig. Eene lyn, om een schip voort te trekken. Voorts -- und das
bedeutet eine bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich brigens
auch in Ostfriesland findet -- ook het gesamenlyke touwwerk van een
schip: van zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd.

Het schip word met zeil en treil verkocht.


*trekken*, s. treideln.


*Trempel*, s. Drempel.


*trensen*

heit teils zur Verstrkung, teils des besseren Aussehens wegen um ein
Tau ein anderes dnneres so herumlegen oder schlngeln, da letzteres
den Raum zwischen den Kardeelen des ersteren, die Vertiefungen,
ausfllt. Ankertaue wurden, Wanttaue werden zur Verstrkung, Sceptertaue
des besseren Aussehens wegen getrenst.

Das Wort ist schon frh aus dem Spanischen gekommen, wo trenzar flechten
heit. Kilian hat es als trensse = funiculus, vinculum reitinaculum
equorum, also als Trense im Sinne von Pferdezaum, vom spanischen
Substantivum zu trenzar trenza die Flechte, Zopf, trenzado geflochtener
Zopf an den Mhnen der Pferde.

Im seemnnischen Sinne bei Aubin 1702: emmieller un tai = een stag
trensen; tusschen de staagen met dunne draaden woelen (s. Wuhling).


*Tresidderplatte*, s. Panzerplatte.


*Trift*, s. Abtrift und Seetrift.


*triftig*

ist das Schiff, wenn es treibt (s. treiben). Seetriftige Gter sind
solche, die auf der See treiben oder von der See an die Kste getrieben
werden. Hanseatische Urkunde von 1513: vorder schal unde mach de
copmann schipbrochich affte zeedriftich gut sulvest bergen effte bergen
laten. Ditmarsische Urkunde von 1384: Se scholen hebben den drudden
del des ghudes, dat drifftich worden were. Bremer Urkunde von 1564:
Jacob R. sy mt synem bochsprede inn ohre houwet tow gedreuen, dar her
also se beide thosamende drifftich gewurden vnde inn grundt gedreuen
weren.


*trimmen*

heit: in Ordnung bringen. Die Segel trimmen, sie in
gebrauchsfhigen, ordnungsmigen Zustand versetzen; Kohlen trimmen,
sie richtig in den Kohlenbunkern unterbringen.

Von dem englischen trim mit deutscher Endung weiter gebildet und erst in
neuerer Zeit, unter der Herrschaft des Dampfes siegreich durchgedrungen.
Angelschsisch trymian, trymman, befestigen, fest machen, in Ordnung
bringen; trum = stark, fest, englisch to trim, to put in due order for
any purpose. Auch im bertragenen Sinne: Leute trimmen, gut
einexerzieren, gut auf eine Sache einben; seine Leute gut im Trimm
haben.

Einen besonderen Sinn hat Trimm in der Verbindung *Trimmberechnung*.
Diese hat den Zweck, die Tauchungsnderung eines Schiffes vorne und
hinten bei Verschiebung von Gewichtung in der Lngsrichtung zu
berechnen, und Trimm hat hier die Bedeutung von trim = to adjust, as a
ship or boat, by arranging the cargo or disposing the weight of persons
or goods so equally on each side of the centre and at each end that she
shall sit well on the water and sail well. A vessel is said to be
trimmed by the head or by the stern respectively when the weight is so
disposed as to make her draw more water towards the head than towards
the stern, or the reverse.


*trissen*

nannte man bei der ausgestorbenen Blinde das, was man bei anderen
Rahsegeln brassen nennt. Mittelniederdeutsch trisse, trysse, tritse =
Winde; s. Schiller und Lbben, Mittelniederdeutsches Wrterbuch IV. 613;
trissen drehen, schwingen, winden. Erhalten ist das Wort im
niederdeutschen triseln, herumlaufen, taumeln, schwindeln, und drseln,
zaudern, zgern, ostfriesisch trseln und triseln, unsicher, hin und her
wankend gehen, hin und her wanken und schwanken, wie ein Ohnmchtiger
oder ein Betrunkener. Also: hin und her bewegen.


*Trompetenstek* s. Stek.


*Troier*, der,

das Flanellhemde, das unsere Kriegsschiffsmatrosen auf der bloen Haut
tragen, vorn auf der Brust mit einigen blauen Streifen besetzt.

In Ostfriesland heit (Doornkaat III 437) trje, troi eine gestrickte
wollene Unterjacke fr Mnner, ohne Knpfe, die als Bluse oder Hemd ber
den Kopf angezogen wird. Im Groningenschen heit so eine gestrickte
Weste een gebreide mansborstrok, die de plaats vervult van hemdrok.
Schon beim Teuthonista kommt das Wort fr Jacke vor in der Form troye.
Auch sonst hufig in mittelniederdeutschen Urkunden z. B. in einem
Stendaler Privileg der Krschner und Schneider vom Jahre 1346: vortmer
we eyn werk sick bededingeth tu makende mit bomwullen als eyn troye
edder des ghelik, maket de schroder dat wandelbar, dat schal he beteren
mit dren schillingen oder in der Lbecker Chronik: des blef de reise
na, unde dar ward af achter en pels unde vor en troye. Das Bremer
Wrterbuch bemerkt, da troje, troye in einer alten Urkunde als eine
Waffenrstung vorkam, ein Koller oder Brustharnisch. In der Tat steht in
einem Oldenburger Statut von 1345 ... zinen helm ofte ysern hut, zine
yseren huven, zine troyen, zine armeleden. Und weiter: en iewelk
lantman ... schal hebben to ewighen tyden ene troyen, enen ysern hud, en
par wapenhanschen, enen schilt, ene worpbarden vnde enen peck van
zestein voten vnde kortere nicht. Aber auch hier bedeutet troye
offenbar weiter nichts als Wams, etwa ein Lederwams, wie es eben damals
Bauern und andere Leute, die den Krieg nicht rittermig im
Brustharnisch fhrten, zu tragen pflegten. Diese Verwendung von troye
hilft also nicht bei der Erklrung, und der Versuch Doornkaats, es vom
althochdeutschen triuwa, bezw. von tro, troi in der Bedeutung fest,
sicher abzuleiten, leuchtet nicht ein.

Mittelhochdeutsch troie = Wamms: Dafr fhren nach Diefenbach Schiller
und Lbben IV. 614 eine Form triplois auf. Dies knnte auf eine Spur
fhren. Da neben triplois gleichzeitig diplois steht, so ist anzunehmen,
da damit die Qualitt und Herstellungsart des Stoffes, aus dem der
troie gemacht war, angedeutet werden soll, wie man im Deutschen von
fnfschftigem Zeug oder im Franzsischen von taffetas deux bouts
spricht. Es kann also triplois ein dickes, warmes, mit drei doppelten
Wollfden gestricktes Wams gewesen sein, und aus triplois wird beim
bergang ins Mittelhochdeutsche durch Schwund der mittleren, unbequemen
Buchstaben so gut troie, zunchst troi, geworden sein, wie aus
paraveredus Pferd geworden ist.

Das r am Schlusse von Troier hat sich erst beim bergang aus dem
Neuniederdeutschen ins Neuhochdeutsche aus Unkenntnis des Ersteren
hinzugefunden.


*Trosse*, die,

auch Tro, ist ein besonders dickes, starkes, langes Tau aus Hanf,
Manilahanf (dann auch Manilaleine genannt) oder Draht, das zum Verholen
von Schiffen und auch sonst berall da gebraucht wird, wo viel zu halten
ist, z. B. wenn ein Schiff sich an ein Bollwerk legt.

Das Wort kommt im Mittelniederdeutschen fr ein Tau vor, das auerhalb
des Wassers gebraucht wird, wie es im Lbischen Zunftrecht heit:
Vorthert warckgarne dat schal nen reper slan tho kabellen, to
waterthowen, anders nergent to men tho trossen.

Niederdeutsch -- ostfriesisch -- niederlndisch versteht man unter tros,
trosse ein Bndel oder Bschel von Beeren; Weiland: tros = een bundel
van onderling vereenigde dingen: een groote tros druiven. Die Bedeutung
vereinigt sich mit der Trosse der Seemannschaft in dem Begriffe binden,
zusammenbinden. Daher mittelhochdeutsch trossen = packen, Gepck
zusammenbinden und aufladen (woher Tro, Troknecht). Neufranzsisch
trousser, altfranzsisch torser, provenalisch trossar, italienisch
torciare: zusammendrehen, festbinden, vom lateinischen torquere.
Mittellateinisch trossa, das Heubndel, Strohbndel, spanisch troza,
Seil zum Binden.


*Trysegel*, das,

ist der zuweilen, neuerdings besonders auf Lustjachten, gebrauchte, dem
Englischen entnommene Ausdruck fr das deutsche Schratsegel. Wegen der
vorherrschend dreieckigen Gestalt dieser Segel drfte das Wort auf
irgend eine Weise mit dem lateinischen tres, tria zusammenhngen.


*tublocks.*

Wenn man an einer Talje so lange holt bis es nicht weiter geht, so ist
der eine Block an den andern gekommen, man hat die Talje also Block an
Block, tublocks geholt. Damit ist das Holen zu Ende. Soll es weiter
gehen, so mu eine neue Talje aufgeschlagen werden. Daher die
bertragene Bedeutung: ich bin mit meinem Gelde tublocks, ich bin mit
meinen Zigarren, mit meinen Vorrten tublocks.


*Tmmler*, der.

1. Der Stehauf, ein schwankendes, taumelndes, sich von selbst
aufrichtendes und aufstellendes Glas, englisch tumbler.

2. Der Delphin, wegen seiner eigenartigen Bewegung, die ihn fters als
einen Taumelnden, Sichdrehenden sichtbar an der Oberflche des Wassers
erscheinen lt. Daher ein Seesoldat scherzweise ein Tmmler genannt
wird, wohl wegen des taumelnden Ganges an Bord in Folge der mangelnden
Seebeine.


*Trkischer Bund*, Knoten s. Knoten.


*Turm*, der.

Unter Turm versteht man in der modernen Seemannssprache einen
gepanzerten oder geschtzten turmartigen Aufbau. Derartige Trme dienen
auf unseren Panzerschiffen zum Schutze besonders wichtiger Stellen. Man
unterscheidet hauptschlich Kommandotrme und Geschtztrme. Erstere
schtzen den Kommandanten und die ihn im Kommando Untersttzenden, sowie
die Kommandoapparate oder -elemente, besonders auch die Leitungen der
elektrischen Befehlsbertragungen.

Die Geschtztrme schtzen die Kanone mit ihrer Mannschaft. Sie sind
meist so eingerichtet, da, um die Geschtze zu richten, nicht diese
selbst gedreht werden, sondern es wird der Turm, in dem die Kanone
steht, bewegt. Man hat, nach ihren Erfindern benannt, verschiedene
Trme, den Coles'schen, den Ericson'schen, den Napier'schen Panzerturm.
Der Barbetteturm, auch kurz Barbette genannt nach der heiligen Barbara,
der Schutzheiligen der Artilleristen, hat die Eigentmlichkeit, da
seine Geschtze ber Bank d. h. ber den Rand der Turmwand hinweg
schieen.


*Twist*, der,

heit die Wischbaumwolle die, besonders in der Maschine, zum Wischen,
Putzen, auch zum Abwischen der von Maschinenl beschmutzten Hnde,
bentzt wird. Ursprnglich ein Garn, zweimal gedreht; dann berhaupt
gedreht, verwickelt, zusammengeballt. Das niederdeutsche twist heit
auch Zwist, Zwietracht, es steckt immer die Zahl zwei, twe darinnen, wie
in Zwieback, zwiespltig, zwiefach; twie in dem jare, zweimal im
Jahre, sollten nach dem Lagerbuch des drosten Jakob van der Sprecken vom
Jahre 1428, die Herren bei ihren belenden luden einkehren.




U.


*berall!*

lautet der Ruf mit dem Alle Mann in der Frhe geweckt werden, whrend
der Ruf beim Wecken der neuen Wache Reise! Reise! (s. d.) heit. Das
berall ist zum greren Nachdruck von einem mchtigen Gepfeife des
Bootsmanns und seiner Maate begleitet. Man nannte das frher
Reveille, jetzt heit es Wecken. Und das ist gut, denn mit diesem
Worte waren deutsche Seeleute franzsischer als die franzsischen, die
gar nicht Reveille sagen, sondern battre la diane. Das haben die
Hollnder treuherzig bersetzt: die Diana slaan und gewi, wenn sie
berhaupt etwas dabei gedacht haben, an die alte Gttin Diana gedacht.
Warum sollte auch gerade die Gttin der Jagd beim Aufstehen der Seeleute
geschlagen werden? Sie nannten freilich auch die Morgenwache Diana.
Aber die Franzosen selbst haben das Wort wieder aus dem Italienischen.
Da heit diana der Morgenstern, eigentlich Stella diana, der Tagesstern,
der das Herrannahen des Tages verkndigt, von dem verloren gegangenen
aus dies gebildeten Adjektiv diano.

Unsere treffliche Flottenvereins-Wochenschrift fhrt trefflich den Titel
berall, weil berall in Deutschland ihr Weckruf zu Gunsten einer
achtunggebietenden Flotte, wie man vor fnfzig Jahren sagte, gehrt
werden soll.


*ber Bord*

unterscheidet sich sehr wesentlich von Von Bord. Dieses wird
gebraucht, wenn jemand oder etwas auf ordnungsmige Weise von Bord
geht. Man sagt: Dienstlich oder mit Urlaub oder krank oder bei
Auerdienststellung von Bord gehen; das Boot setzt von Bord ab; die
Takelage, die Artillerie, das Inventar von Bord geben, dagegen: etwas
ber Bord (ins Wasser) werfen, der Hut geht (nicht so hufig fliegt)
ber Bord, der Mann fllt ber Bord; Leiche ber Bord setzen. Rostocker
Chronik: a. 1566 synt van Denen ond dudsche ock vel tot bleuen, de
hefft men auer bort na sebruck geworpen ond en gelt by gebunden, dat se
konden begrawen werden, wen se an land quemen.


*unterfangen*

wird gebraucht, wenn man etwas irgendwo fest bindet, wo es mglichst
wenig im Wege ist und mglichst wenig Platz einnimmt, namentlich wenn
man etwas an der Decke irgend eines Raumes fest bindet, so da es da
hngt ohne den Raum seiner eigentlichen Bestimmung zu entziehen. Das
Wort wird *unter*fangen betont, es ist nicht in dem ethischen Sinne,
indem man sagt ich habe mich unter*fangen* d. h. ich habe es gewagt,
gebraucht, sondern in dem rein mechanischen des Befestigens. Wenn fangen
mit paa, das im Sanscrit Strick heit, und mit pax, der Friede, das
eigentlich Befestigung bedeutet, verwandt ist, so gebraucht es in der
Verbindung unterfangen die Seemannssprache in seiner urspnglichsten
Bedeutung: etwas (unter Deck, unter der Decke) befestigen, festbinden.


*ber Stag gehen* s. Stag.


*unklar* s. klar.


*unterschlagen*

mit dem Ton auf unter, heit das Segel aus der Segelkoje holen und mit
der dazu gehrigen Rahe verbinden, es an der Rahe befestigen. Das
Gegenteil davon heit Segel abschlagen. Segel unterschlagen und
abschlagen unterscheidet sich also sehr wesentlich von Segel setzen und
Segel bergen. Segel setzen heit die untergeschlagenen Segel ausspannen,
Segel bergen die ausgespannten Segel wieder einziehen, zusammenfalten
und festbinden, aber untergeschlagen lassen, so da sie jederzeit leicht
wieder gesetzt werden knnen.

Die eigentliche Bedeutung von schlagen ist: eine Bewegung zu etwas hin
machen.


*unsichtig* s. sichtig.


*Unterwindluftzufhrung* s. Windsack.


*unter Land*

sagt man fr im Schutze des Landes. Ein Schiff befindet sich unter
Land, wenn zwischen ihm und dem Winde Land liegt, das ihm den Wind
abhlt oder doch abschwcht, also wenn es sich an einer Luvkste
befindet. Es ist also bei dieser Redensart zu ergnzen: unter (dem
Schutze von) Land.




V.


*Variation*, die.

Die verschiedenen fr den seefahrenden Mann wichtigen Ablenkungen:
Variation, Miweisung, magnetische Deklination, Deviation, astronomische
Deklination, stellen sich gem befreundeter fachmnnischer Auskunft
kurz so dar: Eine jede nur in ihrem Schwerpunkte untersttzte, sonst
aber frei schwebende Magnetnadel stellt sich in die magnetische
Nord-Sdlinie. Der Winkel, den diese magnetische Nord-Sdlinie mit der
astronomischen Nordsdlinie bildet, heit *Missweisung*, *Variation*
oder auch *magnetische Deklination*.

Nur an einem vllig eisenfreien Orte steht die Nadel in der magnetischen
Nordsdlinie, ist Eisen in der Nhe der Nadel, -- wie an Bord der
Schiffe -- so weicht die Magnetnadel um einen gewissen Winkel (dessen
Gre unter anderen Ursachen auch von der Entfernung, Lage u. s. w. des
Eisens zur Nadel abhngt) von der magnetischen Nord-Sdlinie ab. Dieser
Winkel wird *Deviation* genannt. Die Deviation ndert sich mit dem
Kurse des Schiffes.

Abweichung stammt aus der nautischen Astronomie und ist die
Verdeutschung des Wortes *Deklination*; nmlich *Abweichung* der
Gestirne vom quator des Himmels.

Die Beschriving von der Kunst der Seefahrt 1673 hat eine eigene
Abhandlung Thom Drden: Wo men de declinatie der Snnen finden, und die
Instrumenten tho meting des Poles hochte gebrucken sal.


*Ventilator*, der, s. Windsack.


*Verbodmen* s. Bodmerei.


*Verdeck*, nicht seemnnisch, s. Deck.


*verfahren*

hat eine ganz andere Bedeutung als das althochdeutsche farfaran =
dahinfahren, sterben; auch wird es im anderen Sinne gebraucht als wenn
man von einer verfahrenen Sache spricht; schon nher kommt man der
seemnnischen Bedeutung, wenn man an das in und um Grningen
gebruchliche vervoaren denkt, das = verhuizen, also = umziehen ist,
eine andere Wohnung beziehen oder von einem Orte zum andern ziehen. Man
spricht nmlich: eine Trosse verfahren und meint damit, sie von einer
Stelle (wo sie keine Dienste mehr leisten kann) nach einer anderen (wo
sie wieder fest gemacht wird) bringen, z. B. von einem Poller oder von
einer Boje nach der andern verfahren beim Verholen eines Schiffes oder
beim Durchschleusen eines solchen. Und zwar ist der ursprngliche
Gedanke der gewesen, da die Ortsvernderung der Trosse mit Hilfe eines
Bootes vorgenommen, da sie ausgefahren und dann von einer Stelle zur
andern weiter gefahren wurde.


*verfangen.*

1. Ein Tau verfangen, einen Stopper auf ein so lange von den holenden
Matrosen festgehaltenes Tau schlagen und so fest machen, da es nicht
wieder zurcklaufen kann. So gebraucht, hat verfangen den Sinn des
hochdeutschen fangen.

2. Eine Beting verfangen, die Beting bei starkem Zug des Ankertaues auf
dem Deck absttzen. Hier nhert sich der Begriff dem von 3, indem die
Absttzung gleichsam im Falle der Not an die Stelle der eigentlichen
Beting zu treten hat; er hat aber auch etwas von 1. an sich, da die
Absttzung ein Festmachen, eine Verhinderung der Bewegung in erster
Linie darstellen soll.

3. Einen Posten verfangen, d. h. ihn ablsen. In diesem Sinne wird das
Wort in Ostfriesland und in Holland gebraucht fr an die Stelle eines
anderen treten. Wenn in Holland einer Soldat werden soll und er kauft
sich fr Geld einen anderen, der fr ihn eintritt, so ist dieser andere
sein plaatsvervanger. Ein solcher Stellvertreter hie altfriesisch
forifongera, forifonghera, forifongere (Richthofen 751). Sa hwa sa
breke, thet hi bete, hit ne se, thet hi forifongera winne d. h. was
einer zerbricht, mu er ben, es sei denn da er einen findet, der an
seine Stelle tritt, fr ihn die Bue bernimmt.

Schon das althochdeutsche far, -fir, -for, -fer, -fahan hatte eine
reiche Bedeutung von fassen an bis hin zu sich zu etwas
verpflichten, sich eines Dinges unterfangen, die letztere Bedeutung
kommt der seemnnischen nahe im Sinne von sich einer Stellvertretung
unterfangen.

Auch hat ja unser hochdeutsches verfangen alle drei seemnnische
Bedeutungen in sich; wenn etwas verfngt so hlt es, so sttzt es und es
tritt an die Stelle von etwas; vergl. verfnglich.

Am hufigsten hrt man an Bord verfangen im Sinne von ablsen, schon
weil das Kommando Ruder und Posten verfangen alle Stunde wiederkehrt;
doch hrt mans auch im Sinne von stellvertreten; so wird der Offizier
der Wache zu einem anderen sagen, wenn er aus irgend einem Grunde
gentigt ist, sich auf kurze Zeit zu entfernen: Bitte verfangen Sie
mich eine Viertelstunde.


*vergissen*, sich, s. gissen.


*verholen*,

etwas von einer Stelle auf die andere schaffen. Ein Schiff verholen
heit, es mittelst Holens an einer ausgefahrenen Trosse auf einen
anderen Platz legen. Auer der Trosse gehren dazu noch andere
Vorrichtungen: Verholspill, Verholklsen, Verholklampen, doch gehts zur
Not auch ohne diese.


*Verklarung*, die.

Verklarung ablegen heit: sich vor dem zustndigen Richter ber einen an
Bord auf See erlebten Unfall, eine Havarie etc. etc. verhren lassen und
dabei sich ber die nheren Umstnde erklren, sie erlutern, die Sache
deklarieren. Verklaren heit an sich weiter nichts als erklren, wie man
auch in hochdeutschen Mundarten anstatt erklren verklren sagt; es
hie aber besonders schon im Mittelniederdeutschen vor Gericht
erklren. Lbecker Urkunde von 1413: Alse de vorescrevenen schelinge
in yegenwardicheyt vnses rades ... vorlud vnde vorclared worden.

Altfriesisch foerclaria, erklren; foerclaringhe = Verklarung.


*Verklicker*, der,

ist eine leicht vom Winde zu bewegende, sich also nach jedem Luftzug
richtende und daher die Windrichtung genau anzeigende Vorrichtung aus
Kork mit Federn, meist aber, namentlich auf Kriegsschiffen, ein
Windstander aus leichtem Flaggentuch. Er wird an einer Stelle
angebracht, wo ihn der wachhabende Offizier gut sehen kann und wo er
unbeeinflut ist von dem Winde der etwa durch ein Segel aus seiner Bahn
gelenkt sein knnte.

Was ein Seemann ist, der kann zwar ohne dergleichen Hilfsmittel mit der
Nase oder den Ohren die Richtung des Windes genau angeben, aber der
Sicherheit wegen und um einen Vergleich zu haben hat er einen
Verklicker. Man wrde in Versuchung stehn ihn Verglieker, Vergleicher,
zu nennen, wenn es nicht ein altes niederdeutsches Wort verglicker gbe,
das der Teuthonista mit scrutator, catascopus, circulator bersetzt und
von dem das Bremer Wrterbuch schreibt: verklicken jemandes Vergehen
angeben, verraten, verklicker ein Angeber, Verrter. In Ostfriesland
heit der Spiegel vor dem Fenster, den man sonst in Deutschland Spion
nennt, Verklicker. Wie neugierige Frauen in diesem Verglicker sehen, wer
auf der Strae geht, so sieht der wachhabende Offizier an seinem
Verklicker, woher der Wind weht; der Verklicker ist ihm in der Tat ein
Verrter und Angeber, der die Windrichtung angibt und verrt.


*Verlat*, das,

hochdeutsch Verla, Gela; im Allgemeinen in Ostfriesland ein Raum in
dem man etwas lt, besonders aber eine Kasten- und Doppelschleuse,
worin man das Oberwasser der Kanle zum gelegentlichen Gebrauch
zurckhlt und aufspeichert um es nachher wieder abzulassen.

Wie alle dergleichen Wrter auch als Ortsbezeichnung, z. B. Ditzumer
Verlat.


*vermooren*,

ein Schiff das vor Anker liegt besonders fest oder in einer besonderen
Richtung fest legen mit Hilfe von mehreren Ankern. In vermooren steckt
das althochdeutsche marrjan, mittelhochdeutsch marren, merren = halten,
befestigen, anbinden, anschirren; angelschsisch merran, englisch to
moor = to confine or secure a ship in a particular station, as by
cables and anchors or by chains.


*verstauen* s. stauen.


*vertuen* s. Tau.


*vertonen*

heit eine leichte, skizzenhafte Zeichnung von einer Insel, einer Bucht,
einer Kste machen. Solch eine Zeichnung nennt der Seemann eine
Vertonung. Sie hat einmal fr den Zeichner selbst den Zweck, sich
genauer die Gestaltung des Landes mit seinen Bergen, Hgeln, Kirchen,
Trmen, Mhlen, Husern und Bumen einzuprgen, also sich eine gute
Landkennung zu verschaffen, sodann aber auch die Vertonung zum gleichen
Behufe an andere weiter zu vergeben, auf Seekarten zu verffentlichen
etc. Tonen ist ein weitverbreitetes niederdeutsch-niederlndisches
Zeitwort das zeigen bedeutet; daher tonbank, der Tresen, der
Ladentisch, die Bank, auf der den Kunden die Waren gezeigt werden. Im
Mittelniederdeutschen hie tonen noch besonders jemandem eine Urkunde
vorzeigen, ein Dokument vorlegen, und das Vorzeigen hie toninge.

Zur Zeit mangelhafter Kenntnis der nautischen Berechnungen kam noch mehr
auf eine gute Landkennung an wie heutzutage. Deshalb wirft 1670 der
Verfasser der Beschriving von der Kunst der Seefahrt, ein alter
befahrener, in manchem Sturm und Schiffbruch erprobter Schiffer, die
Frage auf: Wo mag man de Landen und Gelegenheit des Fahrwaters kennen
lehren? und erteilt darauf folgende Antwort, aus der -- wenn das Wort
selbst auch nicht gebraucht ist -- doch hervorgeht, da damals fleiig
vertont wurde. Wenn man vom einig Land affsegelt, so most men wol
Achtinge hebben, up wat Art dat Land an tho sehnde ys, wat vor Karcken,
Torens, Mlens, Backen, Husen, offt Berge und andere kenlicke Teckens,
dat dar umbtrent syn, men kan ock datslvige na Gelegenheit affmahlen
offt afftecken und pegelen upt Compa, wo ein jeglich Tohren, Mhl,
Karck etc. van ju ys, und warpen ock dat Loth und sehn wo deep, und wat
vom Grund dat dar umbtrent ys, und nehmen ock Achting wo dat Land na
grade int Affseegelnt vorandert, und wen gy sehen, dat sick dat Land
vorndert, so trekket eder mahlet ydt wedder aff und pegelt mit juw
Compa, wo ein jeglick Ding von juw steit, und so da rde (Spitzen) offt
Hucken vant Land tho sehnde syn, so pegelt se ock inn geliken aff,
warpet ock wedder dat Loet, und seht wo sick de Grund und Dpte
vorndert, desgeliken mge gy ock solches wedderumb dohn, wen dat Land
begint ant Water tho kamen, und schrieven solckes wedder an, up wat
Streck de klenlickste Platzen offt Tekens vom juw liggen und wat Deepte
gy alden dar hebben, endlick mge gy solckes noch ins dohn, al gy dat
Land achter van de Compagnie (Kampanje) effen sehen knet, den stiget in
de Mar offt an de Stengen.. Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu
Enckhuyzen, der im Jahre 1588 seinen Spiegel der Zeevaerdt herausgab,
hat als praktischer Seemann besonders viel auf Vertonungen gehalten,
ihrer auch eine groe Zahl auf seinen Seekarten beigebracht, neben
Schiffen unter vollen Segeln und frhlich in ihrem Element spielenden
Fischen. Er versichert auch ausdrcklich, er habe mit diversche Piloten
ende bevaren Stuerlieden ber seine Karten und Segelanweisungen
ghecommuniceert, vertoont ende na haerlieder memorialen ghecorrigeert.


*verschalken.*

Bei sehr schlechtem Wetter, wenn Gefahr vorhanden ist, da Sturzseen
berkommen, werden die Luken, durch die das Salzwasser ins Innere des
Schiffes dringen knnte, verschalkt, d. h. sie werden zugedeckt mit
ihrer Grting und darber wird ein Stck wasserdichten Segeltuches
genagelt; doch so da die Ngel leicht wieder ausgezogen werden knnen,
wenn die Gefahr vorber ist. Zu diesem Zwecke werden die Ngel nicht bis
an ihre Kpfe eingeschlagen, sondern man legt erst ein Holzkltzchen
unter als Unterlage und Sttze gegen zu tiefes Eindringen. Dieses
Kltzchen, im Niederdeutschen schalk (auch Sttze, Unterlage, Trger
bedeutend, eigentlich *ein Knecht*) genannt, hat dem Zeitwort
verschalken zum Dasein verholfen.


*Very'sche Pistole*, s. Cordes'sches Gewehr.


*Vierdeckschiff*, s. Deck.


*Viermastschiff*, s. Schiff.


*vierschftiges Tauwerk*, s. Tauwerk.


*vier auf, vier ab*, s. Wache.


*Vitalienbrder*, s. Kaper.


*Vize-Admiral*, s. Admiral.


*Violinblock*

ist ein Block der hnlichkeit mit einer Violine hat, weil in der Mitte
ein Einschnitt ist wie bei einer solchen. Violine heit bekanntlich auch
Fidel, und diese Form gibt die Erklrung an die Hand; mittelhochdeutsch
fidele, aus mittellateinisch vitula, fidula, woraus italienisch,
spanisch, portugiesisch viola; vom lateinischen vitulari springen wie
ein vitula, ein Klbchen, sich lustig geberden. (Geige kommt wegen der
hnlichkeit mit einer Hammelkeule vom franzsischen gigot.)


*Vollschiff*, s. Schiff.


*voll Segel*, s. am Winde.


*voll und bei*, s. am Winde.


*vor dem Mast*, s. Kuhl.


*Vorgeschirr*, s. Vortop.


*Vorhandsmann*, der,

ist ein tchtiger, brauchbarer, zuverlssiger, erfahrener Seemann, der
bei seemnnischen Arbeiten, Exerzitien und Manvern den Vorarbeiter
macht, der vor den andern steht, das Tau an dem geholt werden soll lngs
gibt, den Stopper aufschlgt, die Belegschlge abnimmt, das Tau abstoppt
und schlielich wieder belegt und die Lose aufschiet.


*von Bord*, s. ber Bord.


*vorhissen*, s. hissen.


*vorlastig*

ist ein Schiff, das vorn tiefer als es sollte und als seiner
Segelfhigkeit zutrglich ist im Wasser liegt, sei es infolge falschen
Stauens der Ladung, sei es aus anderen Ursachen. Vorlastig darf ein
Schiff nicht sein, weit eher etwas achterlastig, weil dann das Ruder
wirksamer ist; deshalb ist achterlastig auch = steuerlastig. Beim
Wettsegeln ist die richtige Verteilung der Leute im Boot von groer
Wichtigkeit.


*vor dem Wind*, s. lenzen.


*Vormast*, *Vormars*, s. Vortop.


*Vormittagswache*, s. Wache.


*Vorsteven*, s. Steven.


*Vortop*, der,

mte nach dem Muster von Grotop und Kreuztop eigentlich Focktop
heien, aber einmal liegt dieses Wort dem Seemann nicht mundgerecht und
sodann gehrt auch das ganze Vorgeschirr des Bugspriets dazu: Stagsegel,
Klver, Jager und alles was damit zusammenhngt, insofern, nmlich der
Offizier der bei Segelmanvern den Fockmast unter sich hat auch dieses
alles beaufsichtigt und von Leuten der Fockmastdivision bedienen lt.




W.


*Wache*, die.

Unter Wache versteht man an Bord einmal die Ttigkeit des Wachegehens,
sodann die Zeit die gewacht wird und endlich die Gesamtheit derer, die
auf Wache sind.

Ich habe die Wache, sagt der Offizier, den man Offizier der Wache
nennt. Offizier der Wache ist aber nicht gleichbedeutend mit
Wachoffizier. Es kann einer Wachoffizier und Offizier der Wache zugleich
sein; er kann aber auch Wachoffizier sein und braucht doch nicht gerade
Offizier der Wache zu sein. Es kann auch einer Offizier der Wache sein,
ohne da er Wachoffizier ist, z. B. der Navigationsoffizier, wenn er den
wachhabenden Offizier zum Frhstck verfngt. Unter den Offizieren eines
Schiffes sind nmlich immer einige, in der Regel vier, mit der
Bestimmung, die Wachen zu gehen, an Bord kommandiert; sie heien
Wachoffiziere, wie es auch einen Navigationsoffizier, einen
Batterieoffizier, einen Kadettenoffizier, einen Flaggleutnant, einen
Adjutanten gibt. Die Wachoffiziere gehen unter sich abwechselnd in der
Regel in vier Wachen, d. h. in vier Zeitrumen von je vier Stunden.

Ich bin auf Wache, sagen die Matrosen, Schiffsjungen, Heizer etc. Die
Mannschaft geht in zwei Wachen, oder Wache um Wache, oder vier auf,
vier ab. Es ist also immer die eine Hlfte der Besatzung fr den
notwendigen Schiffsdienst zur Stelle; (s. aber Quartier der Wache.) Die
eine heit Steuerbordwache, die andere Backbordwache, mit entsprechenden
Wachabzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Damit nun nicht jede
Wache jeden neuen Tag immer wieder dieselben Stunden auf Wache komme, so
wird die Wache von 4 h bis 8 h p. m. von beiden Wachen in zwei Hlften
gegangen; sie fhrt zuweilen den Namen Plattfuwache, auch blo der
Plattfu߫; manchmal heit auch der zweite Teil, von 6 h bezw. 6 h 30 bis
8 h so. Irgend ein Scherz mag dieser scherzhaften Bezeichnung zu Grunde
liegen; sie wird in der Marine nicht angewandt und berhaupt nur selten
mehr gehrt. ber die Nachtwache s. Hundewache.

Nur in See geht man vierstndige Wache; im Hafen wechselt es Tag um Tag,
das nennt man Hafenwache gehen. Sonst heit Hafenwache auch noch die
Hafenpolizeiwache, bezw. eine Hafenpolizeipatrouille. S. auch
*Quartier*.


*Wachtmeister*, der,

war ursprnglich der Unteroffizier, der die Wache beaufsichtigte, jetzt
ist er bei der Marine der Mann im Range eines Feldwebels, der die
Polizei ausbt, also der Profo, der Rumormeister. Zu den Zeiten
Leonhart Fronspergers, als der Soldat, der Dienste zur See nahm, sich
sein Weib oder Kebsweib mit an Bord nahm, war ber die Weiber und Kinder
ein eigener Weibel gesetzt, der strenge Ordnung halten mute und nicht
zu suberlich mit seinen Pflegebefohlenen umging. Er fhrte den schnen
Namen Hurenwaibel. (1565) Wachtmeister ist begrifflich genau dasselbe
wie Quartiermeister.


*Wgerung*, die,

auch Garnierung genannt, ist die innere Bekleidung der Auenwand eines
Schiffes. Die Bretter oder Platten die von auen an den Querspanten
befestigt werden, bilden die Auenbordwand; die Bretter oder Platten aus
Holz, Eisen oder Stahl, die an der Innenseite dieser Spanten befestigt
werden, bilden die Wgerung, auch Wegerung. Ostfriesisch heit wage die
Wand, altfriesisch wag, westfriesisch weage, saterlndisch wage,
wangerlndisch woch; angelschsisch vag, altenglisch wag, altnordisch
veggo, norwegisch vegg, schwedisch vagg, dnisch vaeg. Von wgen, ein
Gewicht bestimmen, dann auch ein Ma, eine Gestalt bestimmen, einen Raum
bestimmen, was durch die ihn umgebenden Wnde geschieht, wie dann
berhaupt die Wgerung in ihrem Verlaufe die Gestalt des Schiffes
angibt.


*Wall*, der,

bedeutet in der Seemannssprache nicht sowohl das was man etwa einen
Festungswall nennt, der Begriff ist bedeutend erweitert, so da Wall
berhaupt fr Kste oder Land gebraucht wird. Niederlndische und auch
ostfriesische Matrosen sagen: Aan den wall gaan fr an Land, auf
Urlaub gehen. Im Angelschsischen heit sae-veall auch weiter nichts
als Kste. Und doch mu das Wort ursprnglich eine irgendwie von
Menschenhand zum Gebrauch des Seemanns geeignet gemachte Kste bedeutet
haben. Auch wenn es vom lateinischen vallum durch sehr frhzeitige
Entlehnung kommen sollte, so ist doch Menschenhand mit im Spiele. Und
zwar -- vergl. Kaje -- bediente sie sich dabei des Holzes zur
Herstellung einer -- natrlich noch sehr ursprnglichen und einfachen
--Art von Bollwerk. Nun fehlt zwar im Althochdeutschen das Wort wal, wie
Kluge sagt, zufllig, aber wir haben doch glcklicherweise im Gotischen
ein Wort das uns zu Hilfe kommt: valus, das zwar nur Stock, Rute
bedeutet, aber uns grade deswegen darauf hinweist, da Wall ebenso wie
Kaje erst eine Art Zaun aus Stcken oder Pfhlen gewesen ist und sich
dann im Laufe der Zeiten zu Weiterem ausgewachsen hat. Um dieses
gotischen valus willen mchte ich die von Kluge fr sehr
unwahrscheinlich gehaltene Urverwandtschaft mit dem lateinischen vallum
doch nicht so weit wegwerfen, also Wall nicht fr ein lateinisches
Lehnwort halten.

Niederdeutsch auch Wal, Beschriving van der Kunst der Seefahrt 1673:
Ok kan men de Compassen proberen, wen men erst uth ein Gat, offt
langest de Wal, edder snst vom ein Land na dat ander segelt,
vornehmlick dar weinig Strom gaet. Wen men den na dat Compa, und nicht
na dat Oge offt Land so hen stret, und men den wol achting up sinn Kor
gifft, wor men mit solken Kor vor falt, so kan men sik den desto beter
darna richten, offt de Compassen Ostlick offt Westlick vant Norden
wiken.


*Wallgang*, der.

Zu den Einrichtungen, die die Seiten eines geschtzten Schiffes schtzen
sollen, gehren auch die Wallgnge, das sind wasserdichte Rume an der
Bordwand, die durch senkrecht stehende Lngsschotten, die sogenannten
Wallgangsschotten, gebildet werden. Das innerste Wallgangsschott ist im
Allgemeinen in solcher Entfernung von der Bordwand angeordnet, da der
Sporn eines rammenden Schiffes es unter gewhnlichen Umstnden nicht
mehr verletzen kann. Die Wallgnge und der Doppelboden sollen das Schiff
auch gegen die Gefahren von Explosionen schtzen, die sich in der Nhe
der Auenhaut vollziehen. Dick und Kretschmer I. 559. Der Ausdruck
Wallgang ist der Festungsbaukunst entnommen: Gang hinter dem Wall,
wobei der Panzer die Stelle des Walles vertreten mu.


*Wake*, die,

ist eine offene Stelle im Eise, die entweder in Folge natrlicher
Ursachen berhaupt nicht zugefroren war, oder aber knstlich ins Eis
geschlagen ist fr Zwecke des Fischfanges etc. Das Letztere, also das
knstlich aufgehauene Eis ist auch fr die Schiffahrt von Bedeutung, wie
schon aus der Lbecker Chronik erhellt: De hovetman .. leth in der
nacht umb de (im Eise liegenden) schepe grote waken howen unde de
issschulveren leth he under drucken. Niederlndisch wak, Nebenform von
wek, weich, und dieses vom Prteritum wek von wiken, weichen, also eine
Stelle die weich ist, weichend, die nach gibt, keinen Widerstand
leistet.


*Walrckendeckschiff*, das, s. Schiff.

Der Walfisch ist brigens ein besonderer Freund des Seemanns wegen
seiner munteren, beweglichen, scherzhaften Art. Er ist ein
Herumtreiber und hat davon auch den Namen, dem das gotische walwian zu
Grunde liegt, altfriesisch walen, niederdeutsch walen = wlzen,
unbestndig sich hin und her bewegen. Das Wort hat eine sehr groe
Verwandtschaft, zu der auch das Wort Walze = Wanderschaft im Munde
unserer Handwerksburschen gehrt.


*Wanholz*, das,

oder wankantiges Holz ist das Holz so wie es gewachsen ist, das noch
erst vierkantig gesgt werden mu, ehe es zum Schiffbau Verwendung
finden kann. Die erste Diele, welche an jeder Seite abgesgt wird und
die an einer Seiten einen Rcken hat wird das Schillstck oder
Schellstck (Schalenstck) genannt, die zweyte, welche an beyden Seiten
platt aber schiefe Kanten hat, die Schelldiele und die dritte, welche
ebenfalls noch schiefe Kanten hat die Wandiele. (Rding). Die Bedeutung
geht auf Abfall, Abnahme, Verminderung zurck, althochdeutsch wanon,
vermindern, angelschsisch vanjan, altenglisch wanjen, englisch wane
abnehmen, daher wane of the moon. Das letzte Viertel des Mondes, in
welchem Sinne wan auch im Mittelniederdeutschen gebraucht worden ist, wo
berhaupt wan sehr hufig vorkommt fr nicht voll, mangelnd, fehlend,
gebrechend, mangelhaft, fehlerhaft; ja aus dem Begriffe nicht voll ist
sogar der von leer entstanden. Man vergleiche: wanback, ein
schwchlicher Mensch der keinen breiten Rcken (back) hat, wanbar,
wandicht, wanfett, wangar, wanklr, wanlustig, wanrad, wanrip,
wanstaltig, wansturig, wantide, eine wenig bemerkbare Flut und Ebbe,
wantiedig u. s. w.


*Want*, das,

auch Wand, ist die Sttze des Mastes oder der Stnge nach der Seite zu,
bewirkt durch starke Taue, Want- oder Hofdtaue (Haupttaue), die um den
Kopf des Mastes oder der Stnge gelegt und an der Seite des Schiffes,
der Rst, oder an der Seite des Marses befestigt sind; sie mssen eisern
stehen und gehren daher zum stehenden Gut.

Ein Blick auf ein Segelschiff zeigt uns, da die Wanten zu beiden Seiten
des Untermastes nichts weiter sind als sttzende Seitenwnde, und es
gehrte auch kein allzu khner Gedankensprung dazu, den Namen der Sttze
eines Hauses auch hier anzuwenden, zumal wenn man sich die Entstehung
der ersten Wnde aus Holz und Holzgeflecht (Staken) vergegenwrtigt.
Dagegen mu man allerdings die im Binnenlande so weit verbreitete
Meinung bei Seite lassen als habe das Want den Zweck einer Strickleiter.
Das ist etwas ganz Nebenschliches. Nebenschlich ist auch, da die
Hofdtaue der Wanten unter einander mit Weveleine verbnden, ausgewebt
sind (wodurch die Sprossen der Strickleiter entstehen). Man kann daher
auch nicht, wie es Breusing wollte, Mllenhoff aber schon fr unmglich
erklrte, wegen dieses Webens Want mit Want = Tuch, Leinewand gleich
setzen. Die Sache ist vielmehr ganz einfach: Wie die Wand das Haus
sttzt, so sttzt das Want den Mast. Der Wechsel des Geschlechtes kann
im Niederdeutschen nicht befremden, zumal es noch ein Neutrum want gibt,
das Fischereigertschaft heit und von Einflu gewesen sein kann.

Doch sind Breusing und Mllenhoff mit ihren scheinbar so weit
auseinander gehenden Erklrungen in Wirklichkeit einander ziemlich nahe,
denn Wand = Hauswand und Want = Leinewand und viele andere deutsche
Wrter kommen zuletzt doch auf eine und dieselbe Grundbedeutung und auch
auf dieselbe Wurzel hinaus mit der Bedeutung *wenden*, *winden*. Die
Sippe ist so gro, da sie hier nicht weiter in den Bereich der
Betrachtung gezogen werden kann.


*Warlblock*, der.

Wart ist eine Kontraktion von warvel = Wirbel, bedeutet also eine
Vorrichtung, die sich dreht. Warlblock ist ein Block dessen Haken
drehbar ist, wodurch dann auch der ganze Block drehbar wird, was unter
Umstnden wnschenswert sein kann, z. B. bei neuem, sich leicht noch
verdrehendem Tauwerk. Warl stammt von althochdeutschen hwerban ab, ist
also mit Werft verwandt.


*Warpanker*, der.

Soll ein Schiff verholt werden ohne da Bojen, Ducdalben, Poller oder
dergl. in der Nhe sind, an die man eine Tro verfahren knnte, so mu
man sich mit einem Anker helfen, indem man ihn ausfhrt an die Stelle wo
man hin will und sich dann mittelst der Ankerkette dahin aufwindet.
Dieses Winden heit warfen oder warpen, althochdeutsch hwerban (vergl.
Warlblock und Werft) sich bewegen, sich wenden, sich drehen. Der gute
alte Rding hat sich von Breusing mssen zurechtweisen lassen, da er
Warpanker mit Wurfanker wiedergegeben hat, da er doch mit Werfen nichts
zu tun habe. Letzteres ist nicht ganz richtig, denn geworfen wird der
Warpanker auch, wie jeder andere Anker; es ist ja die Bestimmung des
Ankers, geworfen zu werden. Aber in der Sache selbst hat Breusing Recht,
auch darin, da er vor den Rdingschen bersetzungen ins Hochdeutsche
warnt. Rding war eben kein Seemann. Da aber auch seebefahrene Leute
seemnnische Wrter durch schiefe bersetzung ins Deutsche recht
verdunkeln knnen, sieht man an Bobrik. Von ihm bemerkt Ehrentraut,
Friesisches Archiv II. 65 da er plicht mit Pflicht wiedergegeben habe
und sagt dazu: Wohl mit Recht ist an diesem Buche (dem nautischen
Wrterbuche Leipzig 1850) das Bestreben, die niederdeutschen Ausdrcke
zu verhochdeutschen, getadelt worden.


*warschauen*

ist ein an Bord sehr hufig gehrtes, echt seemnnisches Wort mit der
Bedeutung: jemandem zurufen, da er sich in Acht nehmen soll vor einer
drohenden Gefahr, jemanden erinnern, da er etwas tun soll, jemanden
benachrichtigen, da fr ihn etwas an der Zeit ist, jemandem mitteilen,
da etwas worauf er gewartet hat nun so weit ist.

Das Wort war im Mittelniederdeutschen in hufigem Gebrauch. Livlndische
Urkunde von 1410: Darum so willet juwe schipheren unde Koplde war
schuwen, wo dat se segelen. Auch nichtseemnnisch, ostfriesische
Urkunde von 1413: Ende waerschuwen ju ende alle gade lude, dat sie sick
huden voer dezen eerlosen, treulozen, meynedighen man. Es trat damals
noch die Bedeutung mehr hervor die das Wort heute noch in erster Linie
im Niederlndischen hat, waarschuwen = *warnen*. So auch negativ,
Hamburger Chronik: Darna is graue Christoffer in Zelant angekamen
vngewarschuwet vnde heft dat land gebrantscattet, d. h. ohne gewarnt zu
haben.

Ostfriesisch warschoen, warschoun; saterlndisch warsgauje, auf
Wangerooge warschaun, nordfriesisch warskauin.

Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes war ist dasselbe wie unser
wahr = sicher, gewi, richtig, wirklich, zuverlssig, aber mit der
Nebenbedeutung gewahr, sichtig, inne, kundig; ostfriesisch: Ik kan 't
net war worden wo 't is ich kann es nicht erfahren, nicht gewahr
werden.

Der zweite Teil -- schuwen -- heit scheuen und scheu machen, scheuchen;
warschauen also wrtlich: jemanden aufscheuchen, da er einer Sache
gewahr wird.

In dem aus dem Jahre 1673 stammenden hchst seltenen Buche: Beschriving
van der Kunst der Seefahrt, darin durch gewisse Grund-Regulen wert
angewiset, wo men en Schip aver See, von dem einen Platse tho dem
andern bringen sal, Allen jungen und unerfahrenen See-Lden tho denst
und snderlicken Nutzen thosamen gebracht und in der Neddersaxschen
Sprack beschreven dorch P. V. D. H. Leffhebber der Navigatie. Lbeck,
Gedrckt by Seel. Schmalhertzens Erven 1673. Dise Bocken werden von dem
Autor mit egender Hand undergeschreven, den Koper thor Naricht, up dat
he von den Nadrckers de licht ein Faut hirin begahn mchten nicht
achtergahn werde. Werdt verkfft neffens der Herings-Caje in de sphera
mundi in Lbeck by ... nennt der Verfasser das was wir jetzt Vorrede
nennen wrden Warschuving an den Leser. Und in dieser Warschuving
heit es wieder: Ok wen jemand einige Engelsche Gaten wold ein offt uth
segelen und einen Engelschen Lotz an Bord hefft, de mag den Lotz wol
warschuwen, dat de ddsche Compassen mit den Engelschen ein halven
Streck verschelen, up dat durch de Pegeling und Korsch nen Fauten begahn
werden.


*Wschejolle*, die,

ist eine Verbindung von Tauen die geschoren wird wenn Zeug- und
Hngemattswsche war. Sind die Wschestcke rein, so werden sie mit
Nitseln an dem Tau festgebunden das in der Richtung von vorn nach hinten
in gewisse Hhe mittelst der Jolltaue aufgehit wird; dann hngt die
Wsche hoch oben, manchmal in verschiedenen Reihen ber einander, luftig
und frei im Winde zum Trocknen.


*Wasserhose*, die,

ist eine Wettersule auf See, eine Trombe, ein Dreh- oder Wirbelsturm
von sehr geringem Durchmesser. Durch eine eigentmliche drckende und
saugende Bewegung veranlat er auf dem Lande einen Luft oder Sandwirbel
(Windhose, Sandhose), auf See aber einen Wasserwirbel den man
Wasser-oder Seehose nennt. (Seehose ist brigens auch eine wirkliche
Hose, nmlich eine, die der Seemann sich nur auf See anzieht um sie
aufzutragen, whrend die Landhose nur angezogen wird, wenn er sich
fein macht und an den Wall geht.) Das Merkwrdige bei der Wasserhose
ist, da der Bewegung von unten eine Bewegung von oben her entspricht,
da mit ihr sich ein aus den Wolken sich herabsenkender rotierender
Dunstkegel zu einer schlauchartigen fortschreitenden Sule vereinigt.
Von dieser schlauchartigen Gestalt ist der Name Hose gewhlt, der zuerst
in diesem Sinne, nach Kluge bei Stieler 1695 gebucht ist.

In den Begriff Hose ist Verwirrung gekommen durch das Abschneiden der
frher mit der Hose ein Stck bildenden Strmpfe; nun nennen im
germanischen Sprachgebiet die einen das obere Stck Hose und die andern
das untere, das diejenigen die das obere Hose nennen wegen des
Abgeschnittenseins Strumpf (Stumpf) heien. Diese Verwirrung mag mit
dazu beigetragen haben das Wort berhaupt als minderwertig in Mikredit
zu bringen.


*Wasser machen.*

Wenn ein Schiff leck ist, so da durch das Leck Wasser ins Schiff luft,
oder wenn sich sonst aus irgend einem Grunde Wasser im Schiffe
ansammelt, so sagt man: es macht Wasser; es macht so und so viele
Zentimeter Wasser in einer Stunde, heit also: es lt so und so viel
Zentimeter Wasser in einer Stunde durch undichte Nhte, durch eine
undichte Stelle u. s. w. ein. Danach richtet sich dann das Pumpen.
Franzsisch faire eau.


*Wassergang*, der,

ist eine rings um das Deck eines Schiffes an der Bordwand entlang
laufende Wasserrinne die das an Deck kommende Wasser sammelt und durch
die Speigaten ableitet. Rding: Die Bugt der Verdecke macht da das
Wasser nach den beiden Seiten derselben abluft, wohin man denn ein
Stck legt, welches die uere Deckplanke gegen Bord an und den Anfang
der Weger zugleich bildet. Dieses Stck luft innen rund herum um das
ganze Schiff und heit der Wassergang. Die uerste Deckplanke fr sich
als solche heit Leibholz, sie ist so gestaltet, da sie eine starke
Verbindung bildet.


*Wasserlast* s. Last.


*Wasserschot* s. Schot.


*Wasserstag* s. Stag.


*Wasserschaut*, der,

ist ein Aufsichtsbeamter der Hafenpolizei, besonders fr das Heuerwesen;
un officier charg de surveiller les engagements des matelots. In
seiner halb hochdeutschen Gestalt sieht das Wort sonderbar aus, es wre
schon besser man htte es bei dem guten alten waterschout gelassen.
Schout by nacht heit im Niederlndischen der Kontre-Admiral; schout fr
sich allein der Schulze, Gemeindevorsteher. Es liegt in schout berhaupt
der Begriff Beamter, Richter, Amtmann, Hauptmann, Aufseher, ursprnglich
Steuerempfnger oder vielmehr Steuereinforderer, denn das ganze Wort
hie mittelniederlndisch (Kilian) schoutheet, schoutheyt,
schoud-heescher, schout-heys: praetor, quod jus debiti petat sive
exigat, also Schulthei, der Beamte der die Schuld, die Steuer heischt
oder heit, d. i. sie zu bezahlen befiehlt, sie einfordert, einzieht.
Aus Schulthei ist Schultze verkrzt, der Familienname Schultze ist also
mit einem tz lter und ehrwrdiger.

Wollte man das waterschout verdeutschen, so htte man nicht auf halbem
Wege stehn bleiben drfen, sondern Wasserschulze sagen mssen.


*Watt*, das,

ist ein seichtes, bei Flut berschwemmtes, bei Ebbe trocken fallendes
Gebiet an der Meereskste, zwischen Inseln, vor Flumndungen, in
Buchten und Busen. Es bedeutet eine Stelle wo man (zu Zeiten, wenn auch
mit Anstrengung) gehen kann, oder vielmehr *waten*. Im Gotischen hie
vato, Mehrzahl vatna, Wasser; davon das althochdeutsche watan im Wasser
vorwrts dringen, gehen, schreiten; altschsisch vadan, altnordisch
vadha, durchs Wasser schreiten, also unser neuhochdeutsches waten. Die
germanische Wurzel wad im Wasser schreiten deckt sich mit dem
urverwandten lateinischen vadere, wozu vadum, die Furt, italienisch
guado und vado, spanisch vado = seichte Stelle im Wasser. Die Bedeutung
Furt trifft auch heute noch zu und ist fr Watt besonders bezeichnend,
da solch ein Watt zur Zeit der Ebbe mit Wagen befahren werden kann. Auf
diese Weise verkehren die ostfriesischen Inseln auch ohne Schiffe mit
dem Festlande.


*Webeleine*, die.

Wenn man sich das Want als Strickleiter denkt, so sind, die Webeleinen
die Sprossen; gewhnlich Weveleinen genannt. Weben, niederdeutsch weven
heit eigentlich bewegen und wird von Luther in diesem Sinne gleich
leben gebraucht, du machest frhlich alles was da webet. Besonders ist
bei weben an das hin- und herbewegen wie es beim Weben mit dem
Weberschifflein geschieht, gedacht. Man nennt auch die Ttigkeit des
Anbringens der Webeleinen zwischen den Hofdtauen das *Ausweben* der
Wanten.

Die zu Grunde liegende Wurzel va, wa hat eine ganz besonders zahlreiche
Nachkommenschaft, auch unter den Seemannswrtern, es liegt aber allen
Vettern der groen Sippe der *eine* Begriff zu Grunde: *bewegen*.


*Werft*, die.

Die etymologische Untersuchung dieses so wichtigen Seemannswortes wird
dadurch etwas erschwert, da sich immer wieder ein Wort dazwischen
drngt, das mit Werft gar nichts zu tun hat, aber hnlich lautet: Warf.
Das haben wir von Werft gnzlich zu trennen, wiewohl auch das Wort
Schiffswarf vorkommt, weil es eben leicht mglich ist, da eine Werft
auf einer Warf angelegt wird. Warf nmlich, auch Warv, Warp, ja sogar
Werf, kommt von werfen und bedeutet eine Anhhe die nicht natrlich
gewachsen, sondern knstlich aufgeworfen ist. So heit in
Nordwestdeutschland eine knstliche Anhhe, auf der eine, (Wind-) Mhle
steht Mhlenwarf, -- Werft aber kommt von einem Zeitwort das gotisch
hvairban, althochdeutsch, hwerban, werban, wervan, altschsisch
huerbhan, altenglisch hwerfen, nordfriesisch werwan, altfriesisch werva,
in der Edda hverfa, heutzutage werben heit. Das bedeutet ursprnglich
sich drehen (woher Wirbel, wirbeln, Wirbelwind), sich hin und her
bewegen, sich um jemanden herum etwas zu schaffen machen, (der Werber
der mit dem Kalbfell im Lande umherzog). Dieses Werben hat also
ursprnglich denselben Sinn wie das lateinische volvere, von welchem der
Name der bekannten schneckenfrmig in sich selbst zurckkehrenden
jonischen Kapitlverzierung Voluta kommt und das spanische vuelta, dar
una vuelta, einen Spaziergang machen, vuelta abajo.

Hernach hat sich der Sinn von werben erweitert: sich umtun, sich
bemhen, ttig sein, etwas betreiben, ausrichten. Daher Gewerbe. Gewerbe
und Handel sind nahe verwandt. Denkt man an diese Verwandtschaft, so
begreift man die so hufig vorkommende Verbindung Handel und Wandel. Der
erste Handel geschah im Wandeln, im Wandern, bestand im Werben, im Hin-
und Hergehen bei den Kunden von Haus zu Haus (hausieren). Das
mittelniederdeutsche werf: Wendung, Windung, Drehung, Umdrehung,
Bewegung, Geschft, Industrie, Gewerbeflei, Betriebsamkeit.

Demgem bedeutet Werft genau dasselbe wie Arsenal. Denn dieses ist aus
dem arabischen dar-anah, Haus der Betriebsamkeit, Haus wo etwas
gemacht, gefertigt, gebaut wird, gebildet.

Das alte mittelniederdeutsche Wrterbuch Teuthonista fat sich kurz:
Werff lngs eyn Water. Kilianus, etwas spter, gebraucht werf allein
nur fr Ttigkeit, Gewerbe, Handlung, in der Zusammensetzung spricht er
aber von schip-werf, so da damals also werf fr sich allein diese
Bedeutung noch nicht hatte, Dafr hat er aber ein anderes Wort, das im
Mittelniederdeutschen von Wichtigkeit war und allgemein, eben weil werf
noch Gewerbe bedeutete, fr Schiffswerft gebraucht wurde, nmlich
Lastagie, auch als Lastadie im Gebrauch und in dieser Form heute noch in
deutschen Seestdten als Strassen- und Platzname blich. Das Nhere
unter Lastadie.


*Welle*, die.

1. die bekannte, wlzende, wogende, flutende, rauschende Bewegungsform
des Wassers.

2. die Schraubenwelle, die lange Achse, die die Verbindung der
Schiffsdampfmaschine mit der Schraube herstellt.

Beide Wrter haben mit Welle = Reisigbndel, mit Walze, Walzer,
Walfisch, wallen und vielen andern ein und denselben Ursprung, von der
indogermanischen Wurzel wel, drehen, walzen; althochdeutsch wellan
(lateinisch volvere), angelschsisch weallan, wellen, wogen, weallian
umherstreifen. Eine Welle ist also etwas, das sich wlzt (1) oder sich
dreht (2). Natrlich ist die Bewegung einer Meereswelle nicht nur eine
Bewegung um die eigene Achse, so da die einzelne Welle immer an
derselben Stelle bliebe, sie bewegt sich auch nebenbei noch weiter
vorwrts (oder rckwrts), je nach Gewalt und Richtung der bewegenden
Kraft. Man vergleicht eine Welle am besten mit der auch sprachlich
verwandten Walze, die sich sowohl um ihre eigene Achse als auch vorwrts
oder rckwrts bewegt.

*Wellenberg* ist der ber den gewhnlichen Wasserspiegel erhabene Teil
einer Welle, *Wellenthal* der unter demselben befindliche. Die Spitze
eines Wellenberges heit *Wellengipfel*, fortgesetzt gedacht:
*Wellenkamm*.

Ein *Wellenbrecher* ist ein Steindamm oder dergleichen vor einem
Hafeneingang, wie z. B. das Breakwater vor Plymouth, mit dem Zweck, den
Schiffen im Hafen ein ruhigeres Liegen zu verschaffen. Neuerdings giebt
es auch auf den Panzern *Wellenbrecher*; sie bilden bei niedrigem
Vorderteil eine Art Schanzkleid auf der Back, das berbrechen der Wellen
zu verhten.


*Weirpumpe* s. Pumpe.


*wenden* s. halsen.


*Wettergalle*, die,

besondere weiliche Wolkenformation, Vorbote bald eintretendes Windes
(Windgalle) oder Regens (Regengalle). Es hngt wohl mit gl = gelb
zusammen, denn die Farbe ist mehr gelb wie wei, unter Umstnden sogar
grnlichgelb, soda an Verwandschaft mit unserer hochdeutschen Galle zu
denken ist. Das Wort ist aber wenig gebruchlich.


*Wieling*, die,

ist eine Vorrichtung zur Vermeidung des Schamfilens, nmlich ein rund
wie ein Kranz gedrehtes (und dann wohl mit Leder bezogenes) Stck alten
Tauwerkes; neuerdings einfach ein rundes, ausgepolstertes Ledersckchen.
Es wird ehe das Boot anlegt an einem Stckchen Leine auenbords getan,
damit das Boot, wenn es der Landungs- oder Fallreepstreppe nahe kommt,
sich seine Farbe nicht abreibe. Setzt das Boot ab, so werden die
Wielings eingenommen; es ist ein groes seemnnisches Vergehen, ein Boot
mit einer Wieling auenbords hngend fahren zu lassen. Der Name kommt
offenbar von der Gestalt, die in einfachen Verhltnissen und Zeiten
einen Kranz, eine Wurst, ein Rad bildete; niederlndisch wiel,
ostfriesisch wel, englisch wheel mit niederdeutscher Endung.


*Wimpel*, der,

eine lange, gespaltene, schmale Flagge, so schmal da man eigentlich
kaum von einer Flagge reden kann und eben darum Wimpel sagt. Er wird am
Grotop als Kommandozeichen eines Kommandanten, der nicht Admiral ist,
gehit und weht seiner Leichtigkeit wegen leicht aus. Wenn ein Schiff
von einer langen auslndischen Reise heimkehrt, so gestaltet sich das
Kommandozeichen zu einem Freudenzeichen, dann wird der Wimpel so weit
verlngert, da er ber das ganze Schiff hinwegwehend bis ans Wasser
reicht; das ist der *Heimatswimpel*.

Im Mittelniederdeutschen hie wimpel, auch wumpel, zunchst der Schleier
als Kopfbedeckung; so heit es im alten Rigaer Stadtrecht: et ne mach
neyn vrowe copen got ane eren vormeunt .. sunder wimpele unde
strickitte. Besonders hie wimpel auch der Nonnenschleier. Sodann aber
nannte man so eine lange schmale, schleierhnliche Fahne; Lbecker
Chronik: Se slugen se in de vlucht unde nemen en twe hoftbanren und twe
wumpel myt S. Andreas cruce getekent.

Bei der Erklrung ergibt sich eine Schwierigkeit, nmlich eine unbequeme
bereinstimmung des Hochdeutschen mit dem Niederdeutschen in Bezug auf
das p; das Wort mte hochdeutsch eigentlich wimfel heien, wenn es
niederdeutsch wimpel heit; es heisst aber althochdeutsch wimpal,
mittelhochdeutsch wimpel. Vielleicht liegt eine nasalierte Form aus der
Wurzel vom wippen, sich hin und her bewegen vor, so da also Wimpel
sowohl im Sinne von Flagge wie von Schleier etwas leicht vom Winde hin
und her Bewegtes wre.


*Windas*, die,

ist eine Art von Spill um Anker zu lichten und sonstige schwere Lasten
zu bewegen. As ist = Achse; es liegt, wie auch in Achsel, der Begriff
einer Bewegung, einer Drehung zu Grunde. Eben durch eine drehende
Bewegung windet man mit dieser Windas die betreffende Last. Und zwar
steht diese Achse nicht wie bei einem Gangspill, sondern sie liegt
horizontal und dreht sich wie ein Bratspie, daher sie auch Bratspill
genannt wird.


*Windflagge* = Windstander, s. Verklicker.


*Windreep*, das,

bekannter unter dem Namen Stngewindreep, ist das Reep oder Tau mit dem
die Stnge aufgewunden wird. Es fhrt vom Eselshaupt durch den Fu der
Stnge wieder zum Eselshaupt und von da an Deck, wo es mit einer Talje,
Stngewindreepstalje, bedient wird.


*Windsack*, der,

ist eigentlich kein Sack, sondern ein Schlauch und wird auch Windsegel
und Luftsack genannt. Er wird ber die Hhe der Reling hinaus gehit,
fngt hier den Wind auf und leitet ihn durch die Luken in die unteren
Rume des Schiffes. Da die unter Wasser liegenden Teile der natrlichen
Lftung ganz entbehren mssen, so ist die knstliche von groer
Wichtigkeit. Daher ist man bald darauf verfallen, neben den Windscken,
die nur ein Notbehelf sind, feste Ventilatoren mit nach dem Winde
drehbaren Kpfen einzubauen. Besonders notwendig sind diese fr solche
Rume, in denen sich giftige Gase entwickeln.

Seitdem die Maschine eine so groe Rolle spielt, mute man fr besonders
reichliche Zufuhr von Luft fr die Feuer unter den Kesseln knstlich
sorgen und hat besondere Einrichtungen hierfr getroffen; je nachdem es
sich dabei um die Zufuhr von oben oder von unten durch einen besonderen
Kanal handelt, spricht man von Oberwind oder von Unterwind und
dementsprechend von Oberwindluftzufhrung und Unterwindluftzufhrung;
Oberwindzufhrung und Unterwindzufhrung wrde aber gengen.


*Windstrke*, die,

wird noch immer nach einer Skala bezeichnet, die zur Zeit der
Segelschiffahrt und mit besonderer Rcksicht auf sie von dem
Kommandanten des englischen Kriegsschiffes Woolwich, Beaufort, im
Jahre 1805 ersonnen worden ist und nach ihm Beaufort-Skala genannt wird.
Er ist von der Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes ausgegangen und
berechnet die Strke des Windes bei den geringen Graden nach der Fahrt
des Schiffes, bei den hheren nach der Mglichkeit der Segelfhrung.
Darnach ist

      Windstrke  O: Stille.

           "      1: Leiser Zug, soda das Schiff eben steuerfhig ist.

           "      2: Leicht. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei
                         macht 1-2 Knoten.

           "      3: Schwach. Ein Schiff unter allen Segeln voll u. bei
                         macht 3-4 Knoten.

           "      4: Mig. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei
                         macht 5-6 Knoten.

           "      5: Frisch. Schiff kann noch fhren: Oberbramsegel.

           "      6: Stark.    "     "    "     "     einfach gereefte
                         Mars- und Bramsegel.

           "      7: Hart. Schiff kann noch fhren: doppelt gereefte
                         Marssegel, Klver.

           "      8: Strmisch. Schiff kann noch fhren: dreifach gereefte
                         Marssegel.

           "      9: Sturm. Schiff k. n. fhren: dicht ger. Marssegel.

           "     10: Starker Sturm. Schiff kann noch fhren: dicht
                         gereeftes Gromarssegel und gereefte Fock.

           "     11: Harter Sturm. Alle Segel fest bis auf die Sturmsegel.

           "     12: Orkan. Kein Segel hlt mehr Stand.

Im Zeitalter des Dampfes hat sich das Bedrfnis nach einer anderen Skala
herausgestellt. Dem kommt Brgen entgegen, indem er die
Windgeschwindigkeiten in Metern pro Stunde berechnet. Nach der
Brgen'schen Reduktionsformel ist

      Windstrke  0 eine Geschwindigkeit von  0,0 m p. Sekunde

          "       1  "          "         "   1,6 m "     "

          "       2  "          "         "   3,3 m "     "

          "       3  "          "         "   5,2 m "     "

          "       4  "          "         "   7,3 m "     "

          "       5  "          "         "   9,6 m "     "

          "       6  "          "         "  12,0 m "     "

          "       7  "          "         "  14,6 m "     "

          "       8  "          "         "  17,3 m "     "

          "       9  "          "         "  20,2 m "     "

          "      10  "          "         "  23,3 m "     "

          "      11  "          "         "  26,6 m "     "

          "      12  "          "         "  30,0 m "     "


*Worthingtonpumpe*, die, s. Pumpe.


*Wrack*, das,

ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar gewordenes
Schiff.

So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr abgeneigt war (vergl.
Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat ihn doch das
Niederdeutsche und mit ihm die Seemannssprache bis auf den heutigen Tag
in einer ganzen Anzahl von Wrtern beibehalten.

Wrack geht zurck auf das gotische vrikan, dessen Stamm vrak ist und das
rchen, tadeln, verbannen (angelschsisch vrc, Verbannung wraeca, ein
Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, fr nicht gut erklren,
ausstoen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoenes das
nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nmlich zunchst ein
Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, da
man es fr nicht mehr gut erklren mu; oft heit daher auch ein
einzelnes Stck oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im
Altfriesischen hie wrac beschdigt; verwandt mit dem gothischen vraiqs,
krumm, schrg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein
gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern
berhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken fr untauglich erklren, = dem
erwhnten gotischen vrikan im Sinne von tadeln; ausschieen, verwerfen.
Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das
Untaugliche verwerfen mu. Daher heit wrack auch etwas das nur einen
gewissen Schnheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem
etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst
wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u. s. w. Die lteste mir
bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August
1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der Knig
Heinrich II. von England Lbeck und andere deutsche Stdte vom
Standrecht befreite: ... volentes etiam, ut si contigerit naves vestras
in partibus nostris periclitari et de tali nave periclitata, aliquis
homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in
illa navi contenta remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod
Wreccum dicitur, veris dominis extorqueantur.

Der Verfasser der Beschriving van der Kunst der Seefahrt, Lbek 1673,
berichtet von durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe:
es war auch Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein
wegen Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten
und des Bochsprets zu zerbrochen, und beschdiget, da es mehr vor ein
*Wrack* den ein Schiff anzusehen war.

Nach Werner: Schule des Seewesens machen die (Holz-)Schiffbauer einen
ausgiebigen Gebrauch von dem Worte Wrack, indem sie minderwertiges Holz
noch einmal unterscheiden und dabei von Wrack und von Wracks-Wrack
sprechen.

*Abwracken*, ein altes Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s.
sloopen.

Zu vergleichen Grimm VIII. 14: im neueren islndischen wird ein fem.
raeki, vindicta aufgefhrt (Birn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens
lter ein verbum raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected,
outcast, neben dem verbum reka entsprechen, Vigfusson 506. im subst. wie
in dem verbum rchen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff
beschlossen, das setzen auerhalb der landrechts und die austreibung aus
dem lande in folge angriffs auf den landfrieden, eine mildere und nicht
entehrende art derjenigen strafe, als deren hchste und zugleich
vogelfrei machende stufe die verurteilung zum wargus (Gechteten)
angesehen werden muss.

Das mittelniederlndische Zeitwort wraecken hatte eine hnliche
Bedeutung, nmlich vom richtigen Kurs abgebracht werden, vergl.
Waghenaer, Spiegel der Zeevaerdt, Amsterdam 1588: ... so moet ghy
somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende
setten v Compasse achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v
Schip *wraeckt* oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen
quade ghissinge en maeckt ...


*Wrange*, die,

bedeutete ursprnglich nur ein schiefes, schrges, umgebogenes Stck
Holz beim Schiffbau und ward frher als Spiegelwrange fr den schiefen
Verband zwischen Steven und Randsomhlzern und als Bodenwrange oder
Flurwrange fr den Lieger oder das Bauchstck zunchst am Kiel
gebraucht. Jetzt, im Eisenschiffbau ist Spiegelwrange ganz weggefallen,
ber Bodenwrangen aber schreiben Dick und Kretzschmer I 83: Der Kiel
ist der unterste Teil des Schiffes, gewissermaen seine Grundlage; auf
ihm stehen die Querspanten oder Rippen, welche die Schiffsform bilden
und die aus einer Verbindung von Stahl- oder Eisenplatten mit Faonstahl
oder -Eisen bestehen. Ihre im Boden liegenden querschiffs angeordneten
Plattenteile nennt man *Bodenwrangen*, auch Bauchstcke. Der Name
Wrange ist also geblieben. Bei Aubin 1702 heien die Wrangen varangues;
man sieht auf den ersten Blick da auch dieses Wort, wie so viele andere
der Seemannssprache, die Franzosen von uns entliehen haben; frs
Niederlndische giebt der Genannte: Buikstukken, Leggers,
vloer-wrangens, vloer-houten, Wrangens op de Kiel an.

Im Ostfriesischen ist wrange oder wranger -- vergl. das hochdeutsche
Range -- ein verdrehter Mensch, Qul- und Plagegeist, querkpfiger
Mensch; wrang aber heit zusammenziehend, niederlndisch wrang,
mittelniederlndisch wrangh. Es kommt mit dem englischen wrong, wrang,
verdreht, verkehrt, schief, krumm, tricht, schlecht, schlimm, unrecht,
ungerecht, von wringen, Prteritum wrang, sich drehend und windend
bewegen z. B. nasse Wsche auswringen; meist mit der Nebenbedeutung da
das Drehen mit Drang und Druck geschieht. Diese hat Bodenwrange freilich
nicht, aber der Begriff Drehung, Biegung hat hier den Ausschlag gegeben.


*Wreifholz*, das,

ein Holz das an einem Tau auenbords gehngt wird wenn das Schiff sich
nicht an der Mole oder einem Bollwerk reiben soll, also eine Art Fender.

Auch ein halb verhochdeutschtes Wort, das entweder niederdeutsch
wrifholz oder dann ganz hochdeutsch Reibholz heien mte. Wrifen heit
reiben; niederlndisch wryven, mittelniederdeutsch wriven. Dazu, wie mir
eine befreundete Hand schreibt, deren Wiege in Pommern gestanden hat,
wribbeln als Iterativum von wrifen, etwas zwischen den Fingern (zer-)
reiben.


*wricken*,

ein Boot fortbewegen mit nur einem Riemen durch ein eigentmliches Hin-
und Herdrehen des an einem Einschnitt am Heck sich bewegenden Riemens.

Nach Schade hat das unter Wrack erwhnte gothische vrikan folgende
Bedeutungen: drngen, drcken, pressen, drngend bewegen und wenden,
drehen, abdrehen, ausdrehen; vorwrts drngen, treiben, eifrig
betreiben; fortdrngen, wegdrngen, drngend beseitigen, verstoen,
verfolgen, strafen, abwenden, ausdrehen; ostfriesisch heit wricken
etwas mit Nachdruck hin und her bewegen. Das eben ist die Ttigkeit, die
beim Wricken eines Bootes ausgebt wird. Dadurch bewegt es sich zwar
etwas hin und her, aber das gleicht sich mit jeder Drehung des Riemens
wieder aus, so da das Boot doch seinen graden Kurs auf sein Ziel zu
beibehlt, wenn auch wrick-wrack wackelig bedeutet, wie in dem
mittelniederdeutschen Verse bei Schiller und Lbben: Darmit gink hei
den wrick den wrack, na Bremen leit he gliden.


*Wuling*, die,

ist eine starke Befestigung zweier Gegenstnde miteinander durch Umlegen
eines (alten, sich nicht mehr reckenden) Taues, das mehrere Gnge
nebeneinander wie Schraubengnge gelegt wird; das nennt man wulen oder
bewulen. Dadurch entsteht an der Stelle nicht nur eine Verstrkung,
sondern auch eine Verdickung und es ist daher fr die Ableitung an unser
hochdeutsches Wort Wulst zu denken. Wie Geschwulst von schwellen, so
kommt Wulst von wellen, althochdeutsch wellan = drehen, wlzen, rollen,
lateinisch volvere, von einer Wurzel val = winden, drehen, wlzen,
wickeln, umbinden, festbinden. Mittelniederdeutsch wolen. In der Chronik
des Lbecker Dominikaners Hermann Korner (Handschrift aus dem 15.
Jahrhundert in Wien) heit es: nemen de maste van den olden schepen, de
see senken wolden vor dat Reveshol, undde woleden de harde tosamende.
Die Beschriving van der Kunst der Seefahrt 1673 hat wlen: musten
auch (auf stark havariertem Schiffe) da Vorschiff mit eine Pferde Linie
zusammen wlen, sonst wolten die Anckers mit dem Vorschiff fort.


*wnschen*

ist ein hie und da gehrtes Seemannswort von eigentmlicher
Entstehungsart. Es hat mit unserem sonst blichen hochdeutschen wnschen
= einen Wunsch haben, keine Verwandtschaftsbeziehungen. Es bedeutet
vielmehr winden, aufwinden, in die Hhe winden, und ist durch die von
Professor Dunger in Dresden gergte Englnderei ins Deutsche gekommen.
Englisch winch = Winde ist Veranlassung zu der Bildung dieses
Fremdwortes mit einheimischer Endung geworden; es mte also winschen
heien und hat sich ganz ohne Berechtigung an unser gutes altes
deutsches wnschen herangedrngt.




Y.


*Yacht*, die s. Jacht.


*Yarrowkessel* s. Kessel.


*Yawl*, die.

Dieses Wort ist in der Verbindung Yawl-Takelage in neuerer Zeit durch
das Yacht-Vergngen aus England zu uns gekommen. Es ist aber deutscher
Herkunft, denn Yawl ist nur die englische Form fr das deutsche Jolle.
Es verhlt sich also Yawl zu Jolle wie Yacht zu Jacht. Nichts anderes
ist auch das jolly in dem englischen jolly-boat, s. auch Tjalk.




Z.


*Zapfenstreich* s. streichen.


*zeisen* s. seisen.


*Zeptertau*, das,

ist ein besonders sorgfltigerweise zugetakeltes Tau, das als Gelnder
an Stellen dient, wo Gefahr des Fallens vorliegt. Es wird durch eiserne
Sttzen geschoren. Sttze ist die ursprngliche Bedeutung dessen was wir
jetzt als Zeichen der Herrschaft in der Hand eines Frsten sehen und
Zepter oder Scepter nennen; mittelhochdeutsch zepter, franzsisch
sceptre, italienisch scettro, lateinisch sceptrum, griechisch skeptron,
von skeptein, sttzen, lehnen.


*Zimmersteck*, s. Stek.


*Zungenstopper*, s. Stopper.


*zurren*,

bedeutet binden, festbinden, zusammenbinden, festschnren. Alles was fr
gewhnlich einige Bewegungsfreiheit hat, wird, wenn das Schiff in die
See geht und einigermaen schlechtes Wetter zu gewrtigen ist, gezurrt,
damit es nicht wackle oder gar ber Stag gehe. Besonders aber spricht
man vom Zurren der Hngematten; das wird vorgenommen wenn der Mann
aufgestanden ist. Dann ist sein Erstes da er seine Hngematte
zusammenbindet um sie an dem dazu bestimmten Orte zu verstauen.

Franzsisch serrer. Dieses ist zunchst ins Niederlndische
bergegangen, wo es sjorren heit und ganz unserem zurren entspricht.
Von da kam es als sorren in die niederdeutsche Seemannssprache, in der
es nach und nach unter hochdeutschem Einflusse die durch nichts
begrndete Form zurren annahm. Aubin, 1702: serrer de voiles = klein
zeil maaken; serrer les voiles = de zeilen beslaan; geschieht durch
Festbinden.

*Zurrbaum* und *Zurrbrook* werden beim Seefestzurren der Boote
gebraucht.


*Zweidecker*, s. Schiff.


*Zwischendeck*, s. Deck.


*Zwischen Wind und Wasser*

nennt man die Gegend der Schwimmebene eines Schiffes, der Wasserlinie,
des Wasserpasses; eine Gegend, die besonderen Gefahren im Gefecht
ausgesetzt ist, indem hier einschlagende Geschosse ihre schlimmste
Wirkung ausben knnen. Daher auch gerade dieser Teil eines modernen
Kriegsschiffes den strksten Schutz durch Panzerung erhlt.




Druckfehler-Verzeichnis.


(Fehler die sich unschwer als Versehen des Setzers erkennen und leicht
verbessern lassen, z. B. Feminium anstatt Femininum, Fauenzimmer anstatt
Frauenzimmer, Takelake anstatt Takelage, wird der geneigte Leser gebeten
zu entschuldigen; hier darum nur die Verbesserung einiger
sinnstrender:)

      Seite 46 Zeile 6 von oben anstatt bellons: bellows,

        "   60   "   6  "   "      "    nur: uur,

        "   67   "   6  "   "      "    huhhan: luhhan,

        "   80   "  13  "   "      "    altmodisch: altnordisch,

        "   96   "  19  "   "      "    genau: gemein,

        "   99   "   1  "   "      "    seiner: jener,

        "  110   "   4  "   "      "    Da: Sa,

        "  111   "  18  "   "      "    pelit: petit,

        "  140   "  11  "  unten   "    signeum: Signum,

        "  142   "   8  "   "      "    Fauen: Fanen,

        "  206   "   1  "  oben    "    nher: hher,

        "  235   "  21  "   "      "    Dacht: Ducht,

        "  465   "   6  "  unten   "    ligh: high.






End of the Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wrterbuch der
deutschen Seemannssprache, by Gustav Goedel

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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

