The Project Gutenberg EBook of Die Ruber, by Friedrich Schiller

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Title: Die Ruber
       Ein Schauspiel

Author: Friedrich Schiller

Release Date: January 1, 2015 [EBook #47804]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RUBER ***




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                                  Die
                                Ruber

                            ein Schauspiel
                                  von
                               Schiller.

                       Neue verbesserte Auflage.

                               Tbingen,
                in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung.
                                 1805.


  =_Hippocrates._=

=Qu medicamenta non sanant, _ferrum_ sanat, qu ferrum non sanat,
_ignis_ sanat.=


Personen:

  ~Maximilian~, regierender Graf von Moor.

  ~Karl~,  }
           } seine Shne.
  ~Franz~, }

  ~Amalia~, von Edelreich.

  ~Spiegelberg~, }
                 }
  ~Schweizer~,   }
                 }
  ~Grimm~,       }
                 }
  ~Razmann~,     }
                 } Libertiner, nachher Banditen.
  ~Schufterle~,  }
                 }
  ~Roller~,      }
                 }
  ~Kosinsky~,    }
                 }
  ~Schwarz~,     }

  ~Herrmann~, Bastard von einem Edelmann.

  ~Daniel~, Hausknecht des Grafen von Moor.

  ~Pastor Moser~.

  Ein Pater.

  Ruberbande.

  Nebenpersonen.

(Der Ort der Geschichte ist Teutschland, die Zeit ohngefhr zwei
Jahre.)




Vorrede.


Man nehme dieses Schauspiel fr nichts anderes, als eine dramatische
Geschichte, die die Vortheile der dramatischen Methode, die Seele
gleichsam bei ihren geheimsten Operationen zu ertappen, benutzt, ohne
sich brigens in die Schranken eines Theaterstcks einzuzunen, oder
nach dem so zweifelhaften Gewinn bei theatralischer Verkrperung zu
geitzen. Man wird mir einrumen, da es eine widersinnige Zumuthung
ist, binnen drei Stunden drei ausserordentliche Menschen zu erschpfen,
deren Thtigkeit von vielleicht tausend Rderchen abhnget, so wie es
in der Natur der Dinge unmglich kann gegrndet seyn, da sich drei
ausserordentliche Menschen auch dem durchdringendsten Geisterkenner
innerhalb vier und zwanzig Stunden entblssen. Hier war Flle in
einander gedrungener Realitten vorhanden, die ich unmglich in die
allzuengen Pallisaden des Aristoteles und Batteux einkeilen konnte.

Nun ist es aber nicht sowohl die Masse meines Schauspiels, als vielmehr
sein Inhalt, der es von der Bhne verbannet. Die Oekonomie desselben
machte es nothwendig, da mancher Charakter auftreten mute, der das
feinere Gefhl der Tugend beleidigt, und die Zrtlichkeit unserer
Sitten emprt. Jeder Menschenmaler ist in diese Nothwendigkeit gesetzt,
wenn er anders eine Kopie der wirklichen Welt, und keine idealischen
Affektationen, keine Kompendienmenschen will geliefert haben. Es ist
einmal so die Mode in der Welt, da die Guten durch die Bsen schattirt
werden, und die Tugend im Kontraste mit dem Laster das lebendigste
Kolorit erhlt. Wer sich den Zweck vorgezeichnet hat, das Laster zu
strzen, und Religion, Moral und brgerliche Gesetze an ihren Feinden
zu rchen, ein solcher mu das Laster in seiner nakten Abscheulichkeit
enthllen, und in seiner kolossalischen Grsse vor das Auge der
Menschheit stellen -- er selbst mu augenblicklich seine nchtlichen
Labyrinthe durchwandern, -- er mu sich in Empfindungen hineinzuzwingen
wissen, unter deren Widernatrlichkeit sich seine Seele strubt.

Das Laster wird hier mit samt seinem ganzen innern Rderwerk entfaltet.
Es lt in Franzen all die verworrenen Schauer des Gewissens in
ohnmchtige Abstraktionen auf, skeletisirt die richtende Empfindung,
und scherzt die ernsthafte Stimme der Religion hinweg. Wer es einmal
so weit gebracht hat, (ein Ruhm, den wir ihm nicht beneiden) seinen
Verstand auf Unkosten seines Herzens zu verfeinern, dem ist das
Heiligste nicht heilig mehr -- dem ist die Menschheit, die Gottheit
nichts -- beide Welten sind nichts in seinen Augen. Ich habe versucht,
von einem Mimenschen dieser Art ein treffendes lebendiges Konterfey
hinzuwerfen, die vollstndige Mechanik seines Lastersystems auseinander
zu gliedern -- und ihre Kraft an der Wahrheit zu prfen. Man
unterrichte sich demnach im Verfolg dieser Geschichte, wie weit ihr's
gelungen hat -- Ich denke, ich habe die Natur getroffen.

Nchst an diesem stehet ein anderer, der vielleicht nicht wenige meiner
Leser in Verlegenheit setzen mchte. Ein Geist, den das usserste
Laster nur reitzet um der ~Grsse~ willen, die ihm anhnget, um der
~Kraft~ willen, die es erheischet, um der ~Gefahren~ willen, die es
begleiten. Ein merkwrdiger wichtiger Mensch, ausgestattet mit aller
Kraft, nach der Richtung, die diese bekmmt, nothwendig entweder
ein Brutus oder ein Katilina zu werden. Unglckliche Konjunkturen
entscheiden fr das zweyte, und erst am Ende einer ungeheuren
Verirrung gelangt er zu dem ersten. Falsche Begriffe von Thtigkeit und
Einflu, Flle von Kraft, die alle Gesetze bersprudelt, muten sich
natrlicher Weise an brgerlichen Verhltnissen zerschlagen, und zu
diesen enthusiastischen Trumen von Gre und Wirksamkeit durfte sich
nur eine Bitterkeit gegen die unidealische Welt gesellen, so war der
seltsame Donquixote fertig, den wir im Ruber Moor verabscheuen und
lieben, bewundern und bedauern. Ich werde es hoffentlich nicht erst
anmerken drfen, da ich dieses Gemhlde so wenig nur allein Rubern
vorhalte, als die Satyre des Spaniers nur allein Ritter geisselt.

Auch ist itzo der ~grosse Geschmack~, seinen Witz auf Kosten der
Religion spielen zu lassen, da man beinahe fr kein Genie mehr
passirt, wenn man nicht seinen gottlosen Satyr auf ihren heiligsten
Wahrheiten sich herumtummeln lt. Die edle Einfalt der ~Schrift~ mu
sich in alltglichen Assembleen von den sogenannten witzigen Kpfen
mihandeln, und ins Lcherliche verzerren lassen; denn was ist so
heilig und ernsthaft, das, wenn man es falsch verdreht, nicht belacht
werden kann? -- Ich kann hoffen, da ich der ~Religion~ und der wahren
Moral keine gemeine Rache verschafft habe, wenn ich diese muthwillige
Schriftverchter in der Person meiner schndlichsten Ruber dem
Abscheu der Welt berliefere.

Aber noch mehr. Diese unmoralische Charaktere, von denen vorhin
gesprochen wurde, muten von gewissen Seiten glnzen, ja oft von
Seiten des Geistes gewinnen, was sie von Seiten des Herzens verlieren.
Hierin habe ich nur die Natur gleichsam wrtlich abgeschrieben. Jedem,
auch dem Lasterhaftesten ist gewissermaen der Stempel des gttlichen
Ebenbilds aufgedrckt, und vielleicht hat der groe Bsewicht keinen
so weiten Weg zum groen Rechtschaffenen, als der kleine; denn die
Moralitt hlt gleichen Gang mit den Krften, und je weiter die
Fhigkeit, desto weiter und ungeheurer ihre Verirrung, desto imputabler
ihre Verflschung.

Klopstok's Adramelech weckt in uns eine Empfindung, worin Bewunderung
in Abscheu schmilzt. Milton's Satan folgen wir mit schauderndem
Erstaunen durch das unwegsame Chaos. Die Medea der alten Dramatiker
bleibt bei all ihren Greueln noch ein groes staunenswrdiges Weib,
und Shakespear's Richard hat so gewi am Leser einen Bewunderer, als
er auch ihn hassen wrde, wenn er ihm vor der Sonne stnde. Wenn es
mir darum zu thun ist, ~ganze~ Menschen hinzustellen, so mu ich
auch ihre Vollkommenheiten mitnehmen, die auch dem Bsesten nie ganz
fehlen. Wenn ich vor dem Tyger gewarnt haben will, so darf ich seine
schne blendende Fleckenhaut nicht bergehen, damit man nicht den
Tyger beim Tyger vermisse. Auch ist ein Mensch, der ganz Bosheit
ist, schlechterdings kein Gegenstand der Kunst, und ussert eine
zurckstossende Kraft, statt da er die Aufmerksamkeit der Leser
fesseln sollte. Man wrde umblttern, wenn er redet. Eine edle Seele
ertrgt so wenig anhaltende moralische Dissonanzen, als das Ohr das
Gekrizel eines Messers auf Glas.

Aber eben darum will ich selbst mirathen haben, dieses mein Schauspiel
auf der Bhne zu wagen. Es gehrt beiderseits, beim Dichter und seinem
Leser, schon ein gewisser Gehalt von Geisteskraft dazu: bei jenem, da
er das Laster nicht ~ziere~, bei diesem, da er sich nicht von einer
schnen Seite bestechen lasse, auch den hlichen Grund zu schtzen.
~Meinerseits~ entscheide ein Dritter -- aber von meinen Lesern bin
ich es ~nicht~ ganz gesichert. Der Pbel, worunter ich keineswegs
die Gassenkehrer allein will verstanden wissen, der Pbel wurzelt,
(unter uns gesagt) weit um, und gibt zum Unglck -- den Ton an. Zu
kurzsichtig, mein ~Ganzes~ auszureichen, zu kleingeistisch, mein
~Grosses~ zu begreifen, zu boshaft, mein ~Gutes~ wissen zu wollen, wird
er, frcht' ich, fast meine Absicht vereiteln, wird vielleicht eine
Apologie des Lasters, das ich strze, darin zu finden meynen, und seine
eigene Einfalt den armen Dichter entgelten lassen, dem man gemeiniglich
alles, nur nicht Gerechtigkeit widerfahren lt.

Es ist das ewige =Dacapo= mit Abdera und Demokrit, und unsre guten
Hippokrate mten ganze Plantagen Niewurz erschpfen, wenn sie dem
Unwesen durch ein heilsames Dekokt abhelfen wollten. Noch so viele
Freunde der Wahrheit mgen zusammenstehen, ihren Mitbrgern auf Kanzel
und Schaubhne Schule zu halten, der Pbel hrt nie auf, Pbel zu seyn,
und wenn Sonne und Mond sich wandeln, und Himmel und Erde veralten wie
ein Kleid. Vielleicht htt' ich, den Schwachherzigen zu frommen, der
Natur minder getreu seyn sollen; aber wenn jener Kfer, den wir alle
kennen, auch den Mist aus den Perlen strt, wenn man Exempel hat, da
Feuer verbrannt, und Wasser ersuft habe, soll darum Perle -- Feuer --
und Wasser konfiscirt werden?

Ich darf meiner Schrift, zufolge ihrer merkwrdigen Katastrophe,
mit Recht einen Platz unter den moralischen Bchern versprechen; das
Laster nimmt den Ausgang, der seiner wrdig ist. Der Verirrte tritt
wieder in das Geleise der Gesetze. Die Tugend geht siegend davon. Wer
nur so billig gegen mich handelt, mich ganz zu lesen, mich verstehen
zu wollen, von dem kann ich erwarten, da er -- nicht den Dichter
bewundere, aber den rechtschaffenen Mann in mir hochschtze.

  Geschrieben in der Ostermesse.
             ~1781~.

                                        Der Herausgeber.




Erster Akt.


Erste Scene.

    Franken.

    Saal im Moorischen Schlo.

  Franz. Der alte Moor.

~Franz.~ Aber ist euch auch wohl, Vater? Ihr seht so bla.

~Der alte Moor.~ Ganz wohl, mein Sohn -- was hattest du mir zu sagen?

~Franz.~ Die Post ist angekommen -- ein Brief von unserm
Korrespondenten in Leipzig --

~D. a. Moor.~ (_Begierig._) Nachrichten von meinem Sohne Karl?

~Franz.~ Hm! hm! -- So ist es. Aber ich frchte -- ich wei nicht -- ob
ich -- eurer Gesundheit? -- Ist euch wirklich ganz wohl, mein Vater?

~D. a. Moor.~ Wie dem Fisch im Wasser! Von meinem Sohne schreibt er? --
wie kommst du zu dieser Besorgni? Du hast mich zweymal gefragt.

~Franz.~ Wenn ihr krank seyd -- nur die leiseste Ahnung habt, es zu
werden, so lat mich -- ich will zu gelegnerer Zeit zu euch reden,
(_halb vor sich._) Diese Zeitung ist nicht fr einen zerbrechlichen
Krper.

~D. a. Moor.~ Gott! Gott! was werd' ich hren?

~Franz.~ Lat mich vorerst auf die Seite gehn, und eine Thrne des
Mitleids vergiessen um meinen verlornen Bruder -- ich sollte schweigen
auf ewig -- denn er ist euer Sohn: Ich sollte seine Schande verhllen
auf ewig -- denn er ist mein Bruder. -- Aber euch gehorchen, ist meine
erste traurige Pflicht -- darum vergebt mir.

~D. a. Moor.~ O Karl! Karl! wtest du wie deine Auffhrung das
Vaterherz foltert! Wie eine einzige frohe Nachricht von dir meinem
Leben zehen Jahre zusetzen wrde -- mich zum Jngling machen wrde --
da mich nun jede, ach! -- einen Schritt nher ans Grab rckt!

~Franz.~ Ist es das, alter Mann, so lebt wohl -- wir alle wrden noch
heute die Haare ausraufen ber eurem Sarge.

~D. a. Moor.~ Bleib! -- Es ist noch um den kleinen kurzen Schritt zu
thun -- la ihm seinen Willen, (_indem er sich niedersetzt._) Die
Snden seiner Vter werden heimgesucht im dritten und vierten Glied --
la ihns vollenden.

~Franz~ (_nimmt den Brief aus der Tasche._) Ihr kennt unsern
Korrespondenten! Seht! Den Finger meiner rechten Hand wollt ich drum
geben, drft' ich sagen, er ist ein Lgner, ein schwarzer giftiger
Lgner -- -- Fat euch! Ihr vergebt mir, wenn ich euch den Brief nicht
selbst lesen lasse -- Noch drft ihr nicht alles hren.

~D. a. Moor.~ Alles, alles -- mein Sohn, du ersparst mir die Krcke.

~Franz~ (_liest._) Leipzig vom 1sten May. -- Verbnde mich nicht eine
unverbrchliche Zusage, dir auch nicht das geringste zu verhelen, was
ich von den Schicksalen deines Bruders auffangen kann, liebster Freund,
nimmermehr wrde meine unschuldige Feder an dir zur Tyranninn geworden
seyn. Ich kann aus hundert Briefen von dir abnehmen, wie Nachrichten
dieser Art dein brderliches Herz durchbohren mssen, mir ists als sh
ich dich schon um den Nichtswrdigen, den Abscheulichen -- -- (_Der
alte Moor verbirgt sein Gesicht._) Seht, Vater! ich lese euch nur das
Glimpflichste -- den Abscheulichen in tausend Thrnen ergossen, ach
sie flossen -- strzten stromweis von dieser mitleidigen Wange -- mir
ist's, als sh ich schon deinen alten, frommen Vater todtenbleich --
Jesus Maria! ihr seyd's, eh' ihr noch das Mindeste wisset?

~D. a. Moor.~ Weiter! Weiter!

~Franz.~ Todtenbleich in seinen Stuhl zurcktaumeln, und dem Tage
fluchen, an dem ihm zum erstenmal ~Vater~ entgegengestammelt ward.
Man hat mir nicht alles entdecken mgen, und von dem Wenigen, das ich
wei, erfhrst du nur weniges. Dein Bruder scheint nun das Maas seiner
Schande gefllt zu haben; ich wenigstens kenne nichts ber dem, was
er wirklich erreicht hat, wenn nicht sein Genie das meinige hierin
bersteigt. Gestern um Mitternacht hatte er den groen Entschlu,
nach vierzig tausend Dukaten Schulden -- ein hbsches Taschengeld,
Vater -- nachdem er zuvor die Tochter eines reichen Banquiers allhier
entjungfert, und ihren Galan, einen braven Jungen von Stand, im Duell
auf den Tod verwundet, mit sieben andern, die er mit in sein Luderleben
gezogen, dem Arm der Justiz zu entlaufen -- Vater! Um Gotteswillen,
Vater! wie wird euch?

~D. a. Moor.~ Es ist genug. La ab, mein Sohn!

~Franz.~ Ich schone eurer -- man hat ihm Steckbriefe nachgeschickt,
die Beleidigten schreyen laut um Genugthuung, ein Prei ist auf seinen
Kopf gesetzt -- der Name Moor -- Nein! Meine armen Lippen sollen
nimmermehr einen Vater ermorden! (_zerreit den Brief._) Glaubt es
nicht, Vater! glaubt ihm keine Sylbe!

~D. a. Moor~ (_weint bitterlich._) Mein Name! Mein ehrlicher Name!

~Franz~ (_fllt ihm um den Hals._) Schndlicher, dreimal schndlicher
Karl! Ahnete mirs nicht, da er noch ein Knabe den Mdels so
nachschlenderte, mit Gassenjungen und elendem Gesindel auf Wiesen und
Bergen sich herumhezte, den Anblick der Kirche, wie ein Missethter das
Gefngni, floh, und die Pfennige, die er euch abqulte, dem ersten
dem besten Bettler in den Hut warf, whrend da wir daheim mit frommen
Gebeten und heiligen Predigtbchern uns erbauten? -- Ahnete mirs nicht,
da er die Abentheuer des Julius Csar und Alexander Magnus und anderer
stockfinsterer Heiden lieber las, als die Geschichte des bufertigen
Tobias? -- Hundertmal hab' ichs euch geweissagt, denn meine Liebe zu
ihm war immer in den Schranken der kindlichen Pflicht, -- der Junge
wird uns alle noch in Elend und Schande strzen! -- O da er Moors
Namen nicht trge! da mein Herz nicht so warm fr ihn schlge! Die
gottlose Liebe, die ich nicht vertilgen kann, wird mich noch einmal vor
Gottes Richterstuhl anklagen.

~D. a. Moor.~ O -- meine Aussichten! Meine goldenen Trume!

~Franz.~ Das wei ich wohl. Das ist es ja, was ich eben sagte. Der
feurige Geist, der in dem Buben lodert, sagtet ihr immer, der ihn
fr jeden Reiz von Gre und Schnheit so empfindlich macht; diese
Offenheit, die seine Seele auf dem Auge spiegelt, diese Weichheit des
Gefhls, die ihn bei jedem Leiden in weinende Sympathie dahinschmelzt,
dieser mnnliche Muth, der ihn auf den Wipfel hundertjhriger Eichen
treibet, und ber Grben und Pallisaden und reissende Flsse jagt,
dieser kindische Ehrgeitz, dieser unberwindliche Starrsinn und alle
diese schnen glnzenden Tugenden, die im Vatershnchen keimten,
werden ihn dereinst zu einem warmen Freund eines Freundes, zu einem
treflichen Brger, zu einem Helden, zu einem ~grossen~, ~grossen~
Manne machen -- seht ihrs nun, Vater! -- der feurige Geist hat sich
entwickelt, ausgebreitet, herrliche Frchte hat er getragen. Seht
diese Offenheit, wie hbsch sie sich zur Frechheit herumgedreht hat,
seht diese Weichheit, wie zrtlich sie fr Koketten girret, wie so
empfindsam fr die Reitze einer Phryne! Seht dieses feurige Genie, wie
es das Oel seines Lebens in sechs Jhrgen so rein weggebrannt hat, da
er bei lebendigem Leibe umgeht, und da kommen die Leute, und sind so
unverschmt und sagen: =c'est l'amour qui a fait a!= Ah! seht doch
diesen khnen unternehmenden Kopf, wie er Plane schmiedet und ausfhrt,
vor denen die Heldenthaten eines Kartouches und Howards verschwinden!
-- Und wenn erst diese prchtigen Keime zur vollen Reife erwachsen --
was lt sich auch von einem so zarten Alter Vollkommenes erwarten? --
Vielleicht, Vater, erlebet ihr noch die Freude, ihn an der Fronte eines
Heeres zu erblicken, das in der heiligen Stille der Wlder residiret,
und dem mden Wanderer seine Reise um die Hlfte der Brde erleichtert
-- vielleicht knnt ihr noch, eh' ihr zu Grabe geht, eine Wallfahrt
nach seinem Monumente thun, das er sich zwischen Himmel und Erden
errichtet -- vielleicht, o Vater, Vater, Vater -- seht euch nach einem
andern Namen um, sonst deuten Krmer und Gassenjungen mit Fingern auf
euch, die euren Herrn Sohn auf dem Leipziger Marktplatz im Portrait
gesehen haben.

~D. a. Moor.~ Und auch du, mein Franz, auch du? O meine Kinder! Wie sie
nach meinem Herzen zielen!

~Franz.~ Ihr seht, ich kann auch witzig seyn, aber mein Witz ist
Skorpionstich. -- Und dann der trockne Alltagsmensch, der kalte,
hlzerne Franz, und wie die Titelgen alle heissen mgen, die euch der
Contrast zwischen ihm und mir mochte eingegeben haben, wenn er euch auf
dem Schoose sa, oder in die Backen zwickte -- der wird einmal zwischen
seinen Grnzsteinen sterben, und modern, und vergessen werden, wenn der
Ruhm dieses Universalkopfs von einem Pole zum andern fliegt -- Ha! mit
gefaltnen Hnden dankt dir, o Himmel! der kalte, trockne, hlzerne
Franz -- da er nicht ist, wie dieser!

~D. a. Moor.~ Vergib mir, mein Kind; zrne nicht auf einen Vater, der
sich in seinen Planen betrogen findet. Der Gott, der mir durch Karln
Thrnen zusendet, wird sie durch dich, mein Franz, aus meinen Augen
wischen.

~Franz.~ Ja Vater, aus euren Augen soll er sie wischen. Euer Franz wird
sein Leben dran setzen, das eurige zu verlngern. Euer Leben ist das
Orakel, das ich vor allen zu Rathe ziehe, ber dem, was ich thun will,
der Spiegel, durch den ich alles betrachte -- keine Pflicht ist mir so
heilig, die ich nicht zu brechen bereit bin, wenn's um euer kostbares
Leben zu thun ist. -- Ihr glaubt mir das?

~D. a. Moor.~ Du hast noch groe Pflichten auf dir, mein Sohn -- Gott
segne dich fr das, was du mir warst und seyn wirst!

~Franz.~ Nun sagt mir einmal -- Wenn ihr diesen Sohn nicht den euren
nennen mtet, ihr wr't ein glcklicher Mann?

~D. a. Moor.~ Stille, o stille! da ihn die Wehmutter mir brachte, hub
ich ihn gen Himmel, und rief: Bin ich nicht ein glcklicher Mann?

~Franz.~ Das sagtet ihr. Nun habt ihr's gefunden? Ihr beneidet den
schlechtesten eurer Bauren, da er nicht Vater ist zu diesem -- Ihr
habt Kummer, so lang ihr diesen Sohn habt. Dieser Kummer wird wachsen
mit Karln. Dieser Kummer wird euer Leben untergraben.

~D. a. Moor.~ O! er hat mich zu einem achtzigjhrigen Manne gemacht.

~Franz.~ Nun also -- wenn ihr dieses Sohnes euch entussertet?

~D. a. Moor~ (_auffahrend._) Franz! Franz! was sagst du?

~Franz.~ Ist es nicht diese Liebe zu ihm, die euch all den Gram macht?
Ohne diese Liebe ist er fr euch nicht da. Ohne diese strafbare, diese
verdammliche Liebe ist er euch gestorben -- ist er euch nie gebohren.
Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vtern und Shnen. Liebt
ihr ihn nicht mehr, so ist diese Abart auch euer Sohn nicht mehr, und
wr' er aus eurem Fleische geschnitten. Er ist euer Augapfel gewesen
bisher, nun aber, rgert dich dein Auge, sagt die Schrift, so rei
es aus. Es ist besser einugig gen Himmel, als mit zwei Augen in die
Hlle. Es ist besser kinderlos gen Himmel, als wenn beide, Vater und
Sohn, in die Hlle fahren. So spricht die Gottheit!

~D. a. Moor.~ Du willst, ich soll meinen Sohn verfluchen?

~Franz.~ Nicht doch! Nicht doch! -- Euren Sohn sollt ihr nicht
verfluchen. Was heit ihr euren Sohn? -- dem ihr das Leben gegeben
habt, wenn er sich auch alle ersinnliche Mhe gibt, das eurige zu
verkrzen?

~D. a. Moor.~ O das ist allzuwahr! das ist ein Gericht ber mich. Der
Herr hat's ihn geheissen!

~Franz.~ Seht ihr's, wie kindlich euer Busenkind an euch handelt. Durch
eure vterliche Theilnehmung erwrgt er euch, mordet euch durch eure
Liebe, hat euer Vaterherz selbst bestochen, euch den Garaus zu machen.
Seyd ihr einmal nicht mehr, so ist er Herr eurer Gter, Knig seiner
Triebe. Der Damm ist weg, und der Strom seiner Lste kann itzt freyer
dahinbrausen. Denkt euch einmal an seine Stelle! Wie oft mu er den
Vater unter die Erde wnschen -- wie oft den Bruder -- die ihm im Lauf
seiner Excesse so unbarmherzig im Weg stehen. Ist das aber Liebe gegen
Liebe? Ist das kindliche Dankbarkeit gegen vterliche Milde? Wenn er
dem geilen Kitzel eines Augenblicks zehn Jahre eures Lebens aufopfert?
wenn er den Ruhm seiner Vter, der sich schon sieben Jahrhunderte
unbefleckt erhalten hat, in einer wollstigen Minute aufs Spiel setzt?
Heit ihr das euren Sohn? Antwortet! heit ihr das einen Sohn?

~D. a. Moor.~ Ein unzrtliches Kind! ach! aber mein Kind doch! mein
Kind doch!

~Franz.~ Ein allerliebstes, kstliches Kind, dessen ewiges Studium
ist, keinen Vater zu haben -- O da ihr's begreifen lerntet! da euch
die Schuppen fielen vom Auge! aber eure Nachsicht mu ihn in seinen
Liederlichkeiten bevestigen; euer Vorschub ihnen Rechtmigkeit geben.
Ihr werdet freilich den Fluch von seinem Haupte laden, auf euch, Vater,
auf euch wird der Fluch der Verdammni fallen.

~D. a. Moor.~ Gerecht! sehr gerecht! -- Mein, mein ist alle Schuld!

~Franz.~ Wie viele Tausende, die voll gesoffen haben vom Becher
der Wollust, sind durch Leiden gebessert worden! Und ist nicht der
krperliche Schmerz, den jedes Uebermaas begleitet, ein Fingerzeig
des gttlichen Willens? Sollte ihn der Mensch durch seine grausame
Zrtlichkeit verkehren? Soll der Vater das ihm anvertraute Pfand auf
ewig zu Grunde richten? -- Bedenkt, Vater, wenn ihr ihn seinem Elend
auf einige Zeit prei geben werdet, wird er nicht entweder umkehren
mssen und sich bessern? oder er wird auch in der groen Schule des
Elends ein Schurke bleiben, und dann -- wehe dem Vater, der die
Rathschlsse einer hheren Weisheit durch Verzrtlung zernichtet! --
Nun, Vater?

~D. a. Moor.~ Ich will ihm schreiben, da ich meine Hand von ihm wende.

~Franz.~ Da thut ihr recht und klug daran.

~D. a. Moor.~ Da er nimmer vor meine Augen komme.

~Franz.~ Das wird eine heilsame Wirkung thun.

~D. a. Moor~ (_zrtlich._) Bis er anders worden!

~Franz.~ Schon recht, schon recht -- Aber, wenn er nun kommt mit
der Larve des Heuchlers, euer Mitleid erweint, eure Vergebung sich
erschmeichelt, und morgen hingeht und eurer Schwachheit spottet im Arm
seiner Huren? -- Nein, Vater! Er wird freywillig wiederkehren, wenn ihn
sein Gewissen reingesprochen hat.

~D. a. Moor.~ So will ich ihm das auf der Stelle schreiben.

~Franz.~ Halt! noch ein Wort, Vater! Eure Entrstung, frchte ich,
mchte euch zu harte Worte in die Feder werfen, die ihm das Herz
zerspalten wrden -- und dann -- glaubt ihr nicht, da er das schon
fr Verzeihung nehmen werde, wenn ihr ihn noch eines eigenhndigen
Schreibens werth haltet? Darum wird's besser seyn, ihr berlat das
Schreiben mir.

~D. a. Moor.~ Thu' das, mein Sohn. -- Ach! es htte mir doch das Herz
gebrochen! Schreib ihm -- --

~Franz~ (_schnell._) Dabei bleibt's also?

~D. a. Moor.~ Schreib ihm, da ich tausend blutige Thrnen, tausend
schlaflose Nchte -- Aber bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung.

~Franz.~ Wollt ihr euch nicht zu Bette legen, Vater? Es griff euch hart
an.

~D. a. Moor.~ Schreib ihm, da die vterliche Brust -- Ich sage dir,
bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung.

  (Geht traurig ab.)

~Franz~ (_mit Lachen ihm nachsehend._) Trste dich, Alter, du wirst ihn
nimmer an diese Brust drcken, der Weg dazu ist ihm verrammelt, wie der
Himmel der Hlle -- Er war aus deinen Armen gerissen, ehe du wutest,
da du es wollen knntest -- da mt' ich ein erbrmlicher Stmper
seyn, wenn ich's nicht einmal so weit gebracht htte, einen Sohn vom
Herzen des Vaters los zu lsen, und wenn er mit ehernen Banden daran
geklammert wre -- Ich hab' einen magischen Kreis von Flchen um dich
gezogen, den er nicht berspringen soll -- Glck zu, Franz! Weg ist
das Schooskind -- Der Wald ist heller. Ich mu diese Papiere vollends
aufheben, wie leicht knnte jemand meine Handschrift kennen? (_er liest
die zerrissenen Briefstcke zusammen._) -- Und Gram wird auch den
Alten bald fortschaffen, -- und ihr mu ich diesen Karl aus dem Herzen
reissen, wenn auch ihr halbes Leben dran hngen bleiben sollte.

Ich habe groe Rechte, ber die Natur ungehalten zu seyn, und bei
meiner Ehre! ich will sie geltend machen. -- Warum bin ich nicht
der Erste aus Mutterleib gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum
mute sie mir diese Brde von Hlichkeit aufladen? gerade mir?
Nicht anders, als ob sie bei meiner Geburt einen Rest gesetzt htte?
Warum gerade mir die Lapplndersnase? Gerade mir dieses Mohrenmaul?
Diese Hottentottenaugen? Wirklich, ich glaube, sie hat von allen
Menschensorten das Scheuliche auf einen Haufen geworfen, und mich
daraus gebacken. Mord und Tod! Wer hat ihr die Vollmacht gegeben, jenem
dieses zu verleihen, und mir vorzuenthalten? Knnte ihr jemand darum
hofiren, eh' er entstund? Oder sie beleidigen, eh' er selbst wurde?
Warum gieng sie so partheylich zu Werke?

Nein! Nein! Ich thu' ihr Unrecht. Gab sie uns doch Erfindungsgeist mit,
setzte uns nackt und armselig ans Ufer dieses groen Ozeans, ~Welt~ --
Schwimme, wer schwimmen kann, und wer plump ist, geht unter! Sie gab
mir nichts mit; wozu ich mich machen will, das ist nun meine Sache.
Jeder hat gleiches Recht zum Grsten und Kleinsten, Anspruch wird an
Anspruch, Trieb an Trieb, und Kraft an Kraft zernichtet. Das Recht
wohnet beim Ueberwltiger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere
Gesetze.

Wohl gibt es gewisse gemeinschaftliche Pakta, die man geschlossen hat,
die Pulse des Weltcirkels zu treiben. Ehrlicher Name! -- Wahrhaftig
eine reichhaltige Mnze, mit der sich meisterlich schachern lt,
wer's versteht, sie gut auszugeben. Gewissen, -- o ja, freilich! ein
tchtiger Lumpenmann, Sperlinge von Kirschbumen wegzuschrcken!
-- auch das ein gut geschriebener Wechselbrief, mit dem auch der
Bankerotirer zur Noth noch hinauslangt.

In der That sehr lobenswrdige Anstalten, die Narren im Respekt und
den Pbel unter dem Pantoffel zu halten, damit die Gescheiden es desto
bequemer haben. Ohne Anstand, recht schnackische Anstalten! Kommen
mir fr, wie die Hecken, die meine Bauren gar schlau um ihre Felder
herumfhren, da ja kein Haase drber setzt, ja beileibe kein Haase! --
Aber der gndige Herr gibt seinem Rappen den Sporn, und galoppirt weich
ber der weiland Aerndte.

Armer Haase! Es ist doch eine jmmerliche Rolle, der Haase seyn mssen
auf dieser Welt -- Aber der gndige Herr braucht Haasen!

Also frisch drber hinweg! Wer nichts frchtet, ist nicht weniger
mchtig, als der, den alles frchtet. Es ist itzo die Mode, Schnallen
an den Beinkleidern zu tragen, womit man sie nach Belieben weiter
und enger schnrt. Wir wollen uns ein Gewissen nach der neuesten
Faon anmessen lassen, um es hbsch weiter aufzuschnallen, wie wir
zulegen. Was knnen wir dafr? Geht zum Schneider! Ich habe Langes und
Breites von einer sogenannten ~Blutliebe~ schwatzen gehrt, das einem
ordentlichen Hausmann den Kopf hei machen knnte -- Das ist dein
Bruder! -- das ist verdollmetscht: Er ist aus eben dem Ofen geschossen
worden, aus dem du geschossen bist -- also sey er dir heilig! -- Merkt
doch einmal diese verzwickte Consequenz, diesen possierlichen Schlu
von der Nachbarschaft der Leiber auf die Harmonie der Geister; von
eben derselben Heimath zu eben derselben Empfindung; von einerley
Kost zu einerley Neigung. Aber weiter -- es ist dein Vater! Er hat
dir das Leben gegeben, du bist sein Fleisch, sein Blut -- also sey er
dir heilig. Wiederum eine schlaue Consequenz! Ich mchte doch fragen,
~warum~ hat er mich gemacht? doch wohl nicht gar aus Liebe zu mir,
der erst ein ~Ich~ werden sollte? Hat er mich gekannt, ehe er mich
machte? Oder hat er an mich gedacht, wie er mich machte? Oder hat er
mich gewnscht, da er mich machte? Wute er, was ich werden wrde? das
wollt' ich ihm nicht rathen, sonst mcht' ich ihn dafr strafen, da
er mich doch gemacht hat? Kann ich's ihm Dank wissen, da ich ein Mann
wurde? So wenig, als ich ihn verklagen knnte, wenn er ein Weib aus mir
gemacht htte. Kann ich eine Liebe erkennen, die sich nicht auf Achtung
gegen mein ~Selbst~ grndet? Konnte Achtung gegen mein Selbst vorhanden
seyn, das erst dadurch entstehen sollte, davon es die Voraussetzung
seyn mu? Wo stickt dann nun das Heilige? Etwa im Aktus selber, durch
den ich entstund? -- Als wenn dieser etwas mehr wre, als viehischer
Proce zur Stillung viehischer Begierden? Oder stickt es vielleicht im
Resultat dieses Aktus, der doch nichts ist, als eiserne Nothwendigkeit,
die man so gern wegwnschte, wenn's nicht auf Unkosten von Fleisch und
Blut geschehen mte. Soll ich ihm etwa darum gute Worte geben, da
er mich liebt? das ist eine Eitelkeit von ihm, die Schoossnde aller
Knstler, die sich in ihrem Werk kokettiren, wr' es auch noch so
hlich. -- Sehet also, das ist die ganze Hexerey, die ihr in einen
heiligen Nebel verschleyert, unsre Furchtsamkeit zu mibrauchen. Soll
auch ich mich dadurch gngeln lassen, wie einen Knaben?

Frisch also! muthig an's Werk! -- Ich will alles um mich her ausrotten,
was mich einschrnkt, da ich nicht ~Herr~ bin. ~Herr~ mu ich seyn,
da ich das mit Gewalt ertrotze, wozu mir die Liebenswrdigkeit
gebricht. (_ab_)


Zweite Scene.

    Schenke an den Grnzen von Sachsen.

  Karl von Moor (_in ein Buch vertieft._) Spiegelberg (_trinkend am
  Tisch._)

~Karl v. Moor~ (_legt das Buch weg._) Mir eckelt vor diesem
Tintenkleksenden Seculum, wenn ich in meinem Plutarch lese von groen
Menschen.

~Spiegelberg~ (_stellt ihm ein Glas hin, und trinkt._) Den Josephus
mut du lesen.

~Moor.~ Der lohe Lichtfunke Prometheus ist ausgebrannt, dafr nimmt man
itzt die Flamme von Berlappenmehl -- Theaterfeuer, das keine Pfeife
Tabak anzndet. Da krabbeln sie nun, wie die Ratten auf der Keule des
Herkules, und studiren sich das Mark aus dem Schdel, was das fr ein
Ding sey, das er in seinen Hoden gefhrt hat? Ein franzsischer Abb
docirt, Alexander sey ein Haasenfu gewesen, ein schwindschtiger
Professor hlt sich bei jedem Wort ein Flschgen Salmiakgeist vor
die Nase, und liest ein Collegium ber die ~Kraft~. Kerls, die in
Ohnmacht fallen, wenn sie einen Buben gemacht haben, kritteln ber die
Taktik des Hannibals -- feuchtohrige Buben fischen Phrases aus der
Schlacht bei Kann, und greinen ber die Siege des Scipio, weil sie sie
exponiren mssen.

~Spiegelberg.~ Das ist ja recht Alexandrinisch geflnnt.

~Moor.~ Schner Prei fr euren Schwei in der Feldschlacht, da
ihr jetzt in Gymnasien lebet, und eure Unsterblichkeit in einem
Bcherriemen mhsam fortgeschleppt wird. Kostbarer Ersatz eures
verpraten Blutes, von einem Nrnberger Krmer um Lebkuchen
gewickelt -- oder, wenn's glcklich geht, von einem franzsischen
Tragdienschreiber auf Stelzen geschraubt, und mit Drahtfden gezogen
zu werden. Hahaha!

~Spiegelberg~ (_trinkt._) Lies den Josephus, ich bitte dich drum.

~Moor.~ Pfui! Pfui ber das schlappe Kastraten-Jahrhundert, zu nichts
ntze, als die Thaten der Vorzeit wiederzukuen, und die Helden
des Alterthums mit Kommentationen zu schinden und zu verhunzen mit
Trauerspielen. Die Kraft seiner Lenden ist versiegen gegangen, und nun
mu Bierhefe den Menschen fortpflanzen helfen.

~Spiegelberg.~ Thee, Bruder, Thee!

~Moor.~ Da verrammeln sie sich die gesunde Natur mit abgeschmakten
Conventionen, haben das Herz nicht, ein Glas zu leeren, weil sie
Gesundheit dazu trinken mssen -- beleken den Schuhputzer, da er sie
vertrete bei Ihro Gnaden, und hudeln den armen Schelm, den sie nicht
frchten. Vergttern sich um ein Mittagessen, und mchten einander
vergiften um ein Unterbett, das ihnen beim Aufstreich berboten wird.
-- Verdammen den Sadduzer, der nicht fleiig genug in die Kirche
kommt, und berechnen ihren Judenzins am Altare -- fallen auf die Knie,
damit sie ja ihren Schlamp ausbreiten knnen -- wenden kein Aug von dem
Pfarrer, damit sie sehen, wie seine Percke frisirt ist. -- Fallen in
Ohnmacht, wenn sie eine Gans bluten sehen, und klatschen in die Hnde,
wenn ihr Nebenbuhler bankerott von der Brse geht -- -- So warm ich
ihnen die Hand drckte -- nur noch einen Tag -- Umsonst! -- Ins Loch
mit dem Hund! -- Bitten! Schwre! Thrnen (_auf den Boden stampfend._)
Hlle und Teufel!

~Spiegelberg.~ Und um so ein paar tausend lausige Dukaten --

~Moor.~ Nein, ich mag nicht daran denken. Ich soll meinen Leib pressen
in eine Schnrbrust, und meinen Willen schnren in Gesetze. Das
Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wre.
Das Gesetz hat noch keinen groen Mann gebildet, aber die Freyheit
brtet Kolosse und Extremitten aus. Sie verpallisadiren sich ins
Bauchfell eines Tyrannen, hofiren der Laune seines Magens, und lassen
sich klemmen von seinen Winden. -- Ah! da der Geist Herrmanns noch
in der Asche glimmte! -- Stelle mich vor ein Heer Kerls, wie ich, und
aus Deutschland soll eine Republik werden, gegen die Rom und Sparta
Nonnenklster seyn sollen. (_Er wirft den Degen auf den Tisch, und
steht auf._)

~Spiegelberg~ (_aufspringend._) Bravo! Bravissimo! du bringst mich eben
recht auf das Chapitre. Ich will dir was in's Ohr sagen, Moor, das
schon lang mit mir umgeht, und du bist der Mann dazu -- sauf Bruder,
sauf -- wie wr's, wenn wir Juden wrden, und das Knigreich wieder
auf's Tapet brchten?

~Moor~ (_lacht aus vollem Halse._) Ah! Nun merk' ich -- nun merk' ich
-- du willst die Vorhaut aus der Mode bringen, weil der Barbier die
deinige schon hat?

~Spiegelberg.~ Da dich, Brenhuter! Ich bin freylich wunderbarerweis
schon voraus beschnitten. Aber sag, ist das nicht ein schlauer und
herzhafter Plan? Wir lassen ein Manifest ausgehen in alle vier Enden
der Welt, und citiren nach Palstina, was kein Schweinefleisch it.
Da beweis ich nun durch triftige Dokumente, Herodes, der Vierfrst,
sey mein Groahnherr gewesen, und so ferner. Das wird ein Viktoria
abgeben, Kerl, wenn sie wieder in's Trockene kommen, und Jerusalem
wieder aufbauen drfen. Itzt frisch mit den Trken aus Asien, weil's
Eisen noch warm ist, und Cedern gehauen aus dem Libanon, und Schiffe
gebaut, und geschachert mit alten Borten und Schnallen das ganze Volk.
Mittlerweile --

~Moor~ (_nimmt ihn lchelnd bei der Hand._) Kamerad! Mit den
Narrenstreichen ist's nun am Ende.

~Spiegelberg~ (_stutzig._) Pfui, du wirst doch nicht gar den verlorenen
Sohn spielen wollen? Ein Kerl, wie du, der mit dem Degen mehr auf die
Gesichter gekritzelt hat, als drei Substituten in einem Schaltjahr
in's Befehlbuch schreiben! Soll ich dir von der groen Hundsleiche
vorerzhlen? ha! ich mu nur dein eigenes Bild wieder vor dich rufen,
das wird Feuer in deine Adern blasen, wenn dich sonst nichts mehr
begeistert. Weit du noch, wie die Herren vom Collegio deiner Dogge das
Bein hatten abschiessen lassen, und du zur Revange liessest ein Fasten
ausschreiben in der ganzen Stadt. Man schmollte ber dein Rescript.
Aber du nicht faul, lssest alles Fleisch aufkaufen in ganz L.., da
in acht Stund kein Knoch mehr zu nagen ist in der ganzen Rundung, und
die Fische anfangen im Preie zu steigen. Magistrat und Brgerschaft
dsselten Rache. Wir Pursche frisch heraus zu siebzehnhundert, und du
an der Spitze, und Mezger und Schneider und Krmer hinterher, und Wirth
und Barbierer und alle Znfte, und fluchen, Sturm zu laufen wider die
Stadt, wenn man den Purschen ein Haar krmmen wollte. Da gieng's aus,
wie's Schiessen zu Hornberg, und muten abziehen mit langer Nase. Du
lssest Doktores kommen ein ganzes Concilium, und botst drei Dukaten,
wer dem Hund ein Recept schreiben wrde. Wir sorgten, die Herren werden
zuviel Ehr im Leib haben und ~Nein~ sagen, und hattens schon verabredt,
sie zu forciren. Aber das war unnthig, die Herren schlugen sich um die
drei Dukaten, und kam's im Abstreich herab auf drei Bazen, in einer
Stund sind zwlf Recepte geschrieben, da das Thier auch bald drauf
verreckte.

~Moor.~ Schndliche Kerls!

~Spiegelberg.~ Der Leichenpomp wird veranstaltet in aller Pracht,
Carmina gab's die schwere Meng' um den Hund, und zogen wir aus des
Nachts gegen tausend, eine Laterne in der einen Hand, unsre Raufdegen
in der andern, und so fort durch die Stadt mit Glockenspiel und
Geklimper, bis der Hund beigesetzt war. Drauf gab's ein Fressen, das
whrt bis an den lichten Morgen, da bedanktest du dich bei den Herren
fr das herzliche Beileid, und liessest das Fleisch verkaufen ums halbe
Geld. =Mort de ma vie=, da hatten wir dir Respekt, wie eine Garnison in
einer eroberten Vestung --

~Moor.~ Und du schmst dich nicht damit gro zu prahlen? Hast nicht
einmal so viel Schaam, dich dieser Streiche zu schmen?

~Spiegelberg.~ Geh, geh. Du bist nicht mehr Moor. Weit du noch,
wie tausendmal du, die Flasche in der Hand, den alten Filzen hast
aufgezogen, und gesagt: Er soll nur drauf los schaben und scharren, du
wollest dir dafr die Gurgel absaufen. -- Weit du noch? he? weit du
noch? O du heilloser, erbrmlicher Prahlhans! das war noch mnnlich
gesprochen, und edelmnnisch, aber --

~Moor.~ Verflucht seyst du, da du mich dran erinnerst! Verflucht ich,
da ich es sagte! Aber es war nur im Dampfe des Weins, und mein Herz
hrte nicht, was meine Zunge prahlte.

~Spiegelberg~ (_schttelt den Kopf._) Nein! nein! nein! das kann
nicht seyn. Unmglich, Bruder, das kann dein Ernst nicht seyn. Sag,
Brderchen, ist es nicht die Noth, die dich so stimmt? Komm, la dir
ein Stckchen aus meinen Bubenjahren erzhlen. Da hatt' ich neben
meinem Haus einen Graben, der, wie wenig, seine acht Schuh breit
war, wo wir Buben uns in die Wette bemhten, hinber zu springen.
Aber das war umsonst. Pflumpf! lagst du, und ward ein Gezisch und
Gelchter ber dir, und wurdest mit Schneeballen geschmissen ber und
ber. Neben meinem Haus lag eines Jgers Hund an einer Kette, eine so
biige Bestie, die dir die Mdels wie der Blitz am Rockzipfel hatte,
wenn sie sichs versahn, und zu nah' dran vorbey strichen. Das war nun
mein Seelengaudium, den Hund berall zu necken, wo ich nur konnte, und
wollt' halb krepiren vor Lachen, wenn mich dann das Luder so giftig
anstierte, und so gern auf mich losgerannt wr', wenn's nur gekonnt
htte. -- Was geschieht? Ein andermal mach' ich's ihm auch wieder so,
und werf' ihn mit einem Stein so derb an die Ripp', da er vor Wuth von
der Kette reit, und auf mich dar, und ich, wie alle Donnerwetter, rei
aus, und davon -- Tausend Schwernoth! Da ist dir just der vermaledeyte
Graben dazwischen. Was zu thun? Der Hund ist mir hart an den Fersen und
wthig, also kurz resolvirt -- ein Anlauf genommen -- drben bin ich.
Dem Sprung hatt' ich Leib und Leben zu danken; die Bestie htte mich zu
Schanden gerissen.

~Moor.~ Aber wozu itzt das?

~Spiegelberg.~ Dazu -- da du sehen sollst, wie die Krfte wachsen
in der Noth. Darum la ich mir's auch nicht bange seyn, wenn's auf's
usserste kommt. Der Muth wchst mit der Gefahr; die Kraft erhebt sich
im Drang. Das Schicksal mu einen groen Mann aus mir haben wollen,
weil's mir so queer durch den Weg streicht.

~Moor~ (_rgerlich._) Ich wte nicht, wozu wir den Muth noch haben
sollten, und noch nicht gehabt htten.

~Spiegelberg.~ So? -- Und du willst also deine Gaben in dir verwittern
lassen? Dein Pfund vergraben? Meynst du, deine Stinkereyen in Leipzig
machen die Grnzen des menschlichen Witzes aus? Da la uns erst in die
groe Welt kommen. Paris und London! -- wo man Ohrfeigen einhandelt,
wenn man einen mit dem Namen eines ehrlichen Mannes grt. Da ist es
auch ein Seelenjubilo, wenn man das Handwerk in's Groe prakticirt. --
Du wirst gaffen! Du wirst Augen machen! Wart, und wie man Handschriften
nachmacht, Wrfel verdreht, Schlsser aufbricht, und den Koffern das
Eingeweid ausschttet -- das sollst du noch von Spiegelberg lernen!
Die Kanaille soll man an den nchsten besten Galgen knpfen, die bei
~geraden~ Fingern verhungern will.

~Moor~ (_zerstreut._) Wie? du hast es wohl gar noch weiter gebracht?

~Spiegelberg.~ Ich glaube gar, du setzest ein Mitrauen in mich. Wart,
la mich erst warm werden; du sollst Wunder sehen, dein Gehirnchen
soll sich im Schdel umdrehen, wenn mein kreisender Witz in die
Wochen kommt. -- (_steht auf, hitzig._) Wie es sich aufhellt in mir!
Groe Gedanken dmmern auf in meiner Seele! Riesenplane ghren in
meinem schpfrischen Schedel. Verfluchte Schlafsucht! (_Sich vor'n
Kopf schlagend._) die bisher meine Krfte in Ketten schlug, meine
Aussichten sperrte und spannte; ich erwache, fhle, wer ich bin -- wer
ich werden mu!

~Moor.~ Du bist ein Narr. Der Wein bramarbasirt aus deinem Gehirne.

~Spiegelberg~ (_hitziger._) Spiegelberg, wird es heissen, kannst
du hexen, Spiegelberg? Es ist Schade, da du kein General worden
bist, Spiegelberg, wird der Knig sagen, du httest die Oestreicher
durch ein Knopfloch gejagt. Ja, hr' ich die Doktors jammern, es ist
unverantwortlich, da der Mann nicht die Medizin studirt hat, er htte
ein neues Kropfpulver erfunden. Ach! und da er das Kamerale nicht zum
Fach genommen hat, werden die Sully's in ihren Kabinetten seufzen, er
htte aus Steinen Louisd'ore hervorgezaubert. Und Spiegelberg wird es
heissen in Osten und Westen, und in den Koth mit euch, ihr Memmen, ihr
Krten, inde Spiegelberg mit ausgespreiteten Flgeln zum Tempel des
Nachruhms empor fliegt.

~Moor.~ Glck auf den Weg! Steig du auf Schandsulen zum Gipfel des
Ruhms. Im Schatten meiner vterlichen Haine, in den Armen meiner Amalia
lockt mich ein edler Vergngen. Schon die vorige Woche hab' ich meinem
Vater um Vergebung geschrieben, hab' ihm nicht den kleinsten Umstand
verschwiegen, und wo Aufrichtigkeit ist, ist auch Mitleid und Hilfe.
La uns Abschied nehmen, Moriz. Wir sehen uns heut und nie mehr. Die
Post ist angelangt. Die Verzeihung meines Vaters ist schon innerhalb
dieser Stadtmauren.

  Schweizer. Grimm. Roller. Schufterle. Razmann (_treten auf._)

~Roller.~ Wit ihr auch, da man uns auskundschaftet?

~Grimm.~ Da wir keinen Augenblick sicher sind, aufgehoben zu werden?

~Moor.~ Mich wundert's nicht. Es gehe, wie es will! sah't ihr den
Schwarz nicht? sagt er euch von keinem Brief, den er an mich htte?

~Roller.~ Schon lang sucht er dich, ich vermuthe so etwas.

~Moor.~ Wo ist er, wo, wo? (_will eilig fort._)

~Roller.~ Bleib! wir haben ihn hieher beschieden. Du zitterst? --

~Moor.~ Ich zittre nicht. Warum sollt' ich auch zittern? Kameraden!
dieser Brief -- freut euch mit mir! Ich bin der Glcklichste unter der
Sonne, warum sollt' ich zittern?

  Schwarz (_tritt auf._)

~Moor~ (_fliegt ihm entgegen._) Bruder, Bruder, den Brief! den Brief!

~Schwarz~ (_giebt ihm den Brief, den er hastig aufbricht._) Was ist
dir? wirst du nicht wie die Wand?

~Moor.~ Meines Bruders Hand!

~Schwarz.~ Was treibt denn der Spiegelberg?

~Grimm.~ Der Kerl ist unsinnig. Er macht Gestus wie beim Sanct
Veits-Tanz.

~Schufterle.~ Sein Verstand geht im Ring herum. Ich glaub' er macht
Verse.

~Razmann.~ Spiegelberg! He Spiegelberg! -- Die Bestie hrt nicht.

~Grimm~ (_schttelt ihn._) Kerl! trumst du, oder? --

~Spiegelberg~ (_der sich die ganze Zeit ber mit den Pantomimen eines
Projektmachers im Stubeneck abgearbeitet hat, springt wild auf._)
=La Bourse ou la vie!= (_und packt Schweizern an der Gurgel, der ihn
gelassen an die Wand wirft, -- Moor lt den Brief fallen, und rennt
hinaus. Alle fahren auf._)

~Roller~ (_ihm nach._) Moor! wonaus, Moor? was beginnst du?

~Grimm.~ Was hat er, was hat er? Er ist bleich wie die Leiche.

~Schweizer.~ Das mssen schne Neuigkeiten seyn! La doch sehen!

~Roller~ (_nimmt den Brief von der Erde, und liest._)

Unglcklicher Bruder! der Anfang klingt lustig. Nur krzlich mu ich
dir melden, da deine Hoffnung vereitelt ist -- du sollst hingehen,
lt dir der Vater sagen, wohin dich deine Schandthaten fhren.
Auch, sagt er, werdest du dir keine Hoffnung machen, jemals Gnade zu
seinen Fssen zu erwimmern, wenn du nicht gewrtig seyn wollest, im
untersten Gewlb seiner Thrme mit Wasser und Brod so lang traktirt zu
werden, bis deine Haare wachsen wie Adlers-Federn, und deine Ngel wie
Vogelsklauen werden. Das sind seine eigene Worte. Er befiehlt mir, den
Brief zu schliessen. Leb wohl auf ewig! Ich bedaure dich --

                                        ~Franz~ von ~Moor~.

~Schweizer.~ Ein zuckerssses Brdergen! In der That! -- Franz heit
die Kanaille?

~Spiegelberg.~ (_sachte herbey schleichend._) Von Wasser und Brod ist
die Rede? Ein schnes Leben! Da hab ich anders fr euch gesorgt! Sagt'
ichs nicht, ich mt' am Ende fr euch alle denken?

~Schweizer.~ Was sagt der Schafskopf? der Esel will fr uns alle denken?

~Spiegelberg.~ Haasen, Krppel, lahme Hunde seyd ihr alle, wenn ihr das
Herz nicht habt, etwas Grosses zu wagen!

~Roller.~ Nun, das wren wir freylich, du hast recht -- aber wird es
uns auch aus dieser vermaledeyten Lage reissen, was du wagen wirst?
wird es? --

~Spiegelberg~ (_mit einem stolzen Gelchter._) Armer Tropf! aus dieser
Lage reissen? hahaha! -- aus dieser Lage reissen? -- und auf mehr
raffinirt dein Fingerhut voll Gehirn nicht? und damit trabt deine Mhre
zum Stalle? Spiegelberg mte ein Hundsvott seyn, wenn er mit dem nur
anfangen wollte. Zu Helden, sag ich dir, zu Freyherrn, zu Frsten, zu
Gttern wirds euch machen!

~Razmann.~ Das ist viel auf einen Hieb, wahrlich! Aber es wird wohl
eine halsbrechende Arbeit seyn, den Kopf wirds wenigstens kosten.

~Spiegelberg.~ Es will nichts als Muth, denn was den Witz betrifft,
den nehm ich ganz ber ~mich~. Muth, sag ich, Schweizer! Muth, Roller,
Grimm, Razmann, Schufterle! Muth! --

~Schweizer.~ Muth? Wenn's nur das ist -- Muth hab ich genug um baarfu
mitten durch die Hlle zu gehn.

~Schufterle.~ Muth genug, mich unterm lichten Galgen mit dem
leibhaftigen Teufel um einen armen Snder zu balgen.

~Spiegelberg.~ So gefllt mir's! Wenn ihr Muth habt, tret einer auf,
und sag: Er habe noch etwas zu verlieren, und nicht alles zu gewinnen!
--

~Schwarz.~ Wahrhaftig, da gb's manches zu verlieren, wenn ich das
verlieren wollte, was ich noch zu gewinnen habe!

~Razmann.~ Ja, zum Teufel! und manches zu gewinnen, wenn ich das
gewinnen wollte, was ich nicht verlieren kann.

~Schufterle.~ Wenn ich das verlieren mte, was ich auf Borgs auf dem
Leibe trage, so htt' ich allenfalls morgen nichts mehr zu verlieren.

~Spiegelberg.~ Also denn! (_Er stellt sich mitten unter sie mit
beschwrendem Ton._) Wenn noch ein Tropfen deutschen Heldenbluts in
euren Adern rinnt -- kommt! Wir wollen uns in den bhmischen Wldern
niederlassen, dort eine Ruberbande zusammen ziehen, und -- Was gafft
ihr mich an? -- ist euer Bisgen Muth schon verdampft?

~Roller.~ Du bist wohl nicht der erste Gauner, der ber den hohen
Galgen weggesehen hat -- und doch -- Was htten wir sonst noch fr eine
Wahl brig?

~Spiegelberg.~ Wahl? Was? nichts habt ihr zu whlen! Wollt ihr im
Schuldthurm stecken, und zusammenschnurren, bis man zum jngsten Tag
posaunt? Wollt ihr euch mit der Schaufel und Haue um einen Bissen
trocken Brod abqulen? Wollt ihr an der Leute Fenster mit einem
Bnkelsnger-Lied ein mageres Allmosen erpressen? oder wollt ihr zum
Kalbsfell schwren -- und da ist erst noch die Frage, ob man euren
Gesichtern traut -- und dort unter der milzschtigen Laune eines
gebieterischen Korporals das Fegfeuer zum voraus abverdienen? oder bey
klingendem Spiel nach dem Takt der Trommel spatzieren gehn, oder im
Gallioten-Paradies das ganze Eisen-Magazin Vulkans hinterherschleifen?
Seht, das habt ihr zu whlen, da ist es beysammen, was ihr whlen knnt!

~Roller.~ So unrecht hat der Spiegelberg eben nicht. Ich hab auch
meine Plane schon zusammen gemacht, aber sie treffen endlich auf eins.
Wie wr's, dacht' ich, wenn ihr euch hinsetztet, und ein Taschenbuch
oder einen Almanach, oder so was hnlichs zusammensudeltet, und um den
lieben Groschen recensirtet, wie's wirklich Mode ist?

~Schufterle.~ Zum Henker! ihr rathet nah zu meinen Projekten. Ich
dachte bey mir selbst, wie wenn du ein Pietist wrdest, und wchentlich
deine Erbauungsstunden hieltest?

~Grimm.~ Getroffen! und wenn das nicht geht, ein Atheist! Wir knnten
die vier Evangelisten auf's Maul schlagen, liessen unser Buch durch den
Schinder verbrennen, und so gieng's reissend ab.

~Razmann.~ Oder zgen wir wider die Franzosen zu Felde -- ich kenne
einen Doktor, der sich ein Haus von purem Quecksilber gebauet hat, wie
das Epigramm auf der Hausthre lautet.

~Schweizer.~ (_Steht auf und gibt Spiegelberg die Hand._) Moriz, du
bist ein grosser Mann! -- oder es hat ein blindes Schwein eine Eichel
gefunden.

~Schwarz.~ Vortreffliche Plane! honnete Gewerbe! Wie doch die grossen
Geister sympathisiren! Izt fehlte nur noch, da wir Weiber und
Kupplerinnen wrden, oder gar unsere Jungferschaft zu Markte trieben.

~Spiegelberg.~ Possen, Possen! Und was hinderts, da ihr nicht das
meiste in einer Person seyn knnt? Mein Plan wird euch immer am
hchsten poussiren, und da habt ihr noch Ruhm und Unsterblichkeit!
Seht arme Schlucker! Auch so weit mu man hinausdenken! Auch auf den
Nachruhm, das ssse Gefhl von Unvergelichkeit --

~Roller.~ Und oben an in der Liste der ehrlichen Leute! Du bist ein
Meister-Redner, Spiegelberg, wenn's drauf ankommt, aus einem ehrlichen
Mann einen Hollunken zu machen -- Aber sag doch einer, wo der Moor
bleibt? --

~Spiegelberg.~ Ehrlich, sagst du? Meynst du, du seyst nachher weniger
ehrlich, als du izt bist? Was heist du ehrlich? Reichen Filzen
ein Drittheil ihrer Sorgen vom Hals schaffen, die ihnen nur den
goldnen Schlaf verscheuchen, das stockende Geld in Umlauf bringen,
das Gleichgewicht der Gter wieder herstellen, mit einem Wort, das
goldne Alter wieder zurckrufen, dem lieben Gott von manchem lstigen
Kostgnger helfen, ihm Krieg, Pestilenz, theure Zeit und ~Doktors~
ersparen -- siehst du, das hei ich ehrlich seyn, das hei ich ein
wrdiges Werkzeug in der Hand der Vorsehung abgeben, -- und so bey
jedem Braten, den man it, den schmeichelhaften Gedanken zu haben: den
haben dir deine Finten, dein Lwenmuth, deine Nachtwachen erworben --
von gro und klein respektirt zu werden --

~Roller.~ Und endlich gar bey lebendigem Leibe gen Himmel fahren, und
trotz Sturm und Wind, trotz dem gefrssigen Magen der alten Urahne
Zeit unter Sonn und Mond und allen Fixsternen schweben, wo selbst die
unvernnftigen Vgel des Himmels, von edler Begierde herbeygelockt,
ihr himmlisches Koncert musiciren, und die Engel mit Schwnzen ihr
hochheiliges Synedrium halten? Nicht wahr? -- und wenn Monarchen und
Potentaten von Motten und Wrmern verzehrt werden, die Ehre haben
zu drfen, von Jupiters kniglichem Vogel Visiten anzunehmen? --
Moriz, Moriz, Moriz! nimm dich in Acht! nimm dich in Acht, vor dem
dreybeinigten Thiere!

~Spiegelberg.~ Und das schrckt dich, Hasenherz? ist doch schon
manches Universal-Genie, das die Welt htte reformiren knnen, auf dem
Schind-Anger verfault, und spricht man nicht von so einem Jahrhunderte,
Jahrtausende lang, da mancher Knig und Kurfrst in der Geschichte
berhpft wrde, wenn sein Geschichtschreiber die Lcke in der
Successions-Leiter nicht scheute, und sein Buch dadurch nicht um ein
paar Oktavseiten gewnne, die ihm der Verleger mit baarem Gelde bezahlt
-- Und wenn dich der Wanderer so hin und her fliegen sieht im Winde --
der mu auch kein Wasser im Hirn gehabt haben, brummt er in den Bart,
und seufzt ber die elenden Zeiten.

~Schweizer.~ (_klopft ihn auf die Achsel._) Meisterlich, Spiegelberg!
Meisterlich! Was, zum Teufel, steht ihr da, und zaudert?

~Schwarz.~ Und la es auch ~Prostitution~ heissen -- Was folgt weiter?
Kann man nicht auf den Fall immer ein Plverchen mit sich fhren,
das einen so im stillen bern Acheron frdert, wo kein Hahn darnach
krht! Nein, Bruder Moriz! dein Vorschlag ist gut. So lautet auch mein
Katechismus.

~Schufterle.~ Blitz! Und der meine nicht minder. Spiegelberg, du hast
mich geworben!

~Razmann.~ Du hast, wie ein anderer Orpheus, die heulende Bestie, mein
Gewissen, in den Schlaf gesungen. Nimm mich ganz, wie ich da bin.

~Grimm.~ =Si omnes consentiunt ego non dissentio.= Wohlgemerkt ohne
Komma. Es ist ein Aufstreich in meinem Kopf; Pietisten -- Quacksalber
-- Rezensenten und Gauner. Wer am meisten bietet, der hat mich. Nimm
diese Hand, Moriz.

~Roller.~ Und auch du Schweizer? (_gibt Spiegelberg die rechte Hand._)
Also verpfnd ich meine Seele dem Teufel.

~Spiegelberg.~ Und deinen Namen den Sternen! was liegt daran, wohin
auch die Seele fhrt? Wenn Schaaren vorausgesprengter Kuriere unsere
Niederfahrt melden, da sich die Satane festtglich herausputzen, sich
den tausendjhrigen Ru aus den Wimpern stuben, und Myriaden gehrnter
Kpfe aus der rauchenden Mndung ihrer Schwefel-Kamine hervorwachsen,
unsern Einzug zu sehen? Kameraden! (_aufgesprungen_) frisch auf!
Kameraden! was in der Welt wiegt diesen Rausch des Entzckens auf?
Kommt Kameraden!

~Roller.~ Sachte nur! Sachte! wohin? das Thier mu auch seinen Kopf
haben, Kinder.

~Spiegelberg.~ (_Giftig._) Was predigt der Zauderer? Stand nicht der
Kopf schon, eh noch ein Glied sich regte? folgt Kameraden!

~Roller.~ Gemach sag ich. Auch die Freyheit mu ihren Herrn haben. Ohne
Oberhaupt gieng Rom und Sparta zu Grunde.

~Spiegelberg.~ (_Geschmeidig._) Ja -- haltet -- Roller sagt recht.
Und das mu ein erleuchteter Kopf seyn. Versteht ihr? Ein feiner
politischer Kopf mu das seyn. Ja! wenn ich mir's denke, was ihr vor
einer Stunde waret, was ihr izt seyd, -- durch Einen glcklichen
Gedanken seyd -- Ja freylich, freylich, mt ihr einen =Chef= haben
-- Und wer diesen Gedanken entsponnen, sagt, mu das nicht ein
erleuchteter politischer Kopf seyn?

~Roller.~ Wenn sich's hoffen liee -- trumen liee -- Aber ich
frchte, er wird es nicht thun.

~Spiegelberg.~ Warum nicht? Sag's kek heraus, Freund! -- So schwer es
ist, das kmpfende Schiff gegen die Winde zu lenken, so schwer sie auch
drckt die Last der Kronen -- Sag's unverzagt, Roller -- Vielleicht
wird ers doch thun.

~Roller.~ Und lek ist das Ganze, wenn er's nicht thut. Ohne den Moor
sind wir Leib ohne Seele.

~Spiegelberg.~ (_Unwillig von ihm weg._) Stockfisch!

~Moor.~ (_tritt herein in wilder Bewegung, und luft heftig im Zimmer
auf und nieder, mit sich selber._)

~Moor.~ Menschen -- Menschen! falsche, heuchlerische Krokodilbrut!
Ihre Augen sind Wasser! Ihre Herzen sind Erz! Ksse auf den Lippen!
Schwerter im Busen! Lwen und Leoparde fttern ihre Jungen, Raben
tischen ihren Kleinen auf dem Aas, und Er, Er -- Bosheit hab ich
dulden gelernt, kann dazu lcheln, wenn mein erboster Feind mir mein
eigen Herzblut zutrinkt -- aber wenn Blutliebe zur Verrtherinn, wenn
Vaterliebe zur Megre wird; o so fange Feuer, mnnliche Gelassenheit,
verwilde zum Tyger, sanftmthiges Lamm, und jede Faser recke sich auf
zum Grimm und Verderben!

~Roller.~ Hre Moor! Was denkst du davon? Ein Ruberleben ist doch auch
besser, als bey Wasser und Brod im untersten Gewlbe der Thrme?

~Moor.~ Warum ist dieser Geist nicht in einen Tyger gefahren, der sein
wthendes Gebi in Menschenfleisch haut? Ist das Vatertreue? Ist das
Liebe fr Liebe? Ich mchte ein Br seyn, und die Bren des Nordlands
wider dies mrderische Geschlecht anhetzen -- Reue, und keine Gnade! --
Oh ich mchte den Ocean vergiften, da sie den Tod aus allen Quellen
saufen! Vertrauen, unberwindliche Zuversicht, und kein Erbarmen!

~Roller.~ So hre doch, Moor, was ich dir sage!

~Moor.~ Es ist unglaublich, es ist ein Traum, eine Tuschung -- So
eine rhrende Bitte, so eine lebendige Schilderung des Elends und der
zerfliessenden Reue -- die wilde Bestie wr' in Mitleid zerschmolzen!
Steine htten Thrnen vergossen, und doch -- man wrde es fr ein
boshaftes Pasquill auf's Menschengeschlecht halten, wenn ich's
aussagen wollte -- und doch, doch -- oh da ich durch die ganze Natur
das Horn des Aufruhrs blasen knnte, Luft, Erde und Meer wider das
Hynen-Gezcht in's Treffen zu fhren!

~Grimm.~ Hre doch, hre! vor Rasen hrst du ja nicht.

~Moor.~ Weg, weg von mir! Ist dein Name nicht Mensch? Hat dich das
Weib nicht gebohren? -- Aus meinen Augen du mit dem Menschengesicht!
-- Ich hab ihn so unaussprechlich geliebt! so liebte kein Sohn, ich
htte tausend Leben fr ihn -- (_schumend auf die Erde stampfend._)
ha! -- wer mir itzt ein Schwerdt in die Hand gbe, dieser Otternbrut
eine brennende Wunde zu versetzen! wer mir sagte: wo ich das Herz ihres
Lebens erzielen, zermalmen, zernichten -- Er sey mein Freund, mein
Engel, mein Gott -- ich will ihn anbeten!

~Roller.~ Eben diese Freunde wollen ja wir seyn, la dich doch weisen!

~Schwarz.~ Komm mit uns in die bhmischen Wlder! Wir wollen eine
Ruberbande sammeln, und du -- (_Moor stiert ihn an._)

~Schweizer.~ Du sollst unser Hauptmann seyn! du must unser Hauptmann
seyn!

~Spiegelberg~ (_wirft sich wild in einen Sessel._) Sklaven und Memmen!

~Moor.~ Wer blies dir das Wort ein? Hre, Kerl! (_indem er Rollern hart
ergreift_) das hast du nicht aus deiner Menschenseele hervorgeholt!
wer blies dir das Wort ein? Ja, bey dem tausendarmigen Tod! das wollen
wir, das mssen wir! der Gedanke verdient Vergtterung -- ~Ruber~ und
~Mrder~! -- So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauptmann!

~Alle~ (_mit lrmendem Geschrey._) Es lebe der Hauptmann!

~Spiegelberg~ (_aufspringend, vor sich._) Bis ich ihm hinhelfe!

~Moor.~ Siehe, da fllts wie der Staar von meinen Augen! was fr ein
Thor ich war, da ich in's Keficht zurckwollte! -- Mein Geist drstet
nach Thaten, mein Athem nach Freyheit, -- ~Mrder, Ruber!~ -- mit
diesem Wort war das Gesetz unter meine Fe gerollt -- Menschen haben
Menschheit vor mir verborgen, da ich an Menschheit appellirte, weg dann
von mir Sympathie und menschliche Schonung! -- Ich habe keinen Vater
mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen
lehren, da mir jemals etwas theuer war! -- Kommt, kommt! -- Oh ich
will mir eine frchterliche Zerstreuung machen -- es bleibt dabey,
ich bin euer Hauptmann! und Glck zu dem Meister unter euch, der am
wildesten sengt, am grlichsten mordet, denn ich sage euch, er soll
kniglich belohnet werden -- tretet her um mich ein jeder, und schwret
mir Treu und Gehorsam zu bis in den Tod! -- schwrt mir das bey dieser
mnnlichen Rechte.

~Alle~ (_geben ihm die Hand._) Wir schwren dir Treu und Gehorsam bis
in den Tod!

~Moor.~ Nun und bey dieser mnnlichen Rechte! schwr ich euch hier,
treu und standhaft euer Hauptmann zu bleiben bis in den Tod! Den soll
dieser Arm gleich zur Leiche machen, der jemals zagt oder zweifelt,
oder zurcktritt! Ein gleiches widerfahre mir von jedem unter euch,
wenn ich meinen Schwur verletze! Seyd ihr's zufrieden? (_Spiegelberg
luft wthend auf und nieder._)

~Alle~ (_mit aufgeworfenen Hten._) Wir sind's zufrieden.

~Moor.~ Nun dann, so lat uns geh'n! Frchtet euch nicht vor Tod und
Gefahr, denn ber uns waltet ein unbeugsames Fatum! Jeden ereilet
endlich sein Tag, es sey auf dem weichen Kissen von Pflaum, oder im
rauhen Gewhl des Gefechtes, oder auf offenem Galgen und Rad! Eins
davon ist unser Schicksal!

  (Sie gehen ab.)

~Spiegelberg~ (_ihnen nachsehend, nach einer Pause._) Dein Register hat
ein Loch. Du hast das Gift weggelassen. (_Ab_)


Dritte Scene.

    Im Moorischen Schlo, Amaliens Zimmer.

  Franz. Amalia.

~Franz.~ Du siehst weg, Amalia? verdien ich weniger, als der, den der
Vater verflucht hat?

~Amalia.~ Weg! -- ha des liebevollen barmherzigen Vaters, der seinen
Sohn Wlffen und Ungeheuern Preis gibt! daheim labt er sich mit sssem
kstlichem Wein, und pflegt seiner morschen Glieder in Kissen von
Eider, whrend sein groser herrlicher Sohn darbt -- schmt euch, ihr
Unmenschen! schmt euch, ihr Drachenseelen, ihr Schande der Menschheit!
-- seinen einzigen Sohn!

~Franz.~ Ich dchte, er htt ihrer zween.

~Amalia.~ Ja, er verdient solche Shne zu haben, wie du bist. Auf
seinem Todbett wird er umsonst die welken Hnde ausstrecken nach seinem
Karl, und schaudernd zurckfahren, wenn er die eiskalte Hand seines
Franzens fat -- oh es ist s, es ist kstlich s, von deinem Vater
verflucht zu werden! Sprich Franz, liebe brderliche Seele! was mu man
thun, wenn man von ihm verflucht seyn will?

~Franz.~ Du schwrmst, meine Liebe, du bist zu bedauren.

~Amalia.~ O ich bitte dich -- bedauerst du deinen Bruder? -- Nein
Unmensch, du hassest ihn! du hassest mich doch auch?

~Franz.~ Ich liebe dich wie mich selbst, Amalia.

~Amalia.~ Wenn du mich liebst, kannst du mir wohl eine Bitte abschlagen?

~Franz.~ Keine, keine! wenn sie nicht mehr ist als mein Leben.

~Amalia.~ O, wenn das ist! Eine Bitte, die du so leicht, so gern
erfllen wirst (_stolz._) -- Hasse mich! Ich mte feuerroth werden
vor Scham, wenn ich an Karln denke, und mir eben einfiel, da du mich
nicht hassest. Du versprichst mir's doch? -- Itzt geh, und la mich,
ich bin so gern allein!

~Franz.~ Allerliebste Trumerinn! wie sehr bewundere ich dein sanftes
liebevolles Herz, (_ihr auf die Brust klopfend._) Hier, hier herrschte
Karl wie ein Gott in seinem Tempel, Karl stand vor dir im Wachen, Karl
regierte in deinen Trumen, die ganze Schpfung schien dir nur in den
einzigen zu zerfliessen, den einzigen wiederzustralen, den einzigen dir
entgegen zu tnen.

~Amalia.~ (_bewegt._) Ja wahrhaftig, ich gesteh es. Euch Barbaren zum
Trutz will ich's vor aller Welt gestehen -- ich lieb ihn!

~Franz.~ Unmenschlich, grausam! Diese Liebe so zu belohnen! Die zu
vergessen --

~Amalia.~ (_auffahrend._) Was, mich vergessen?

~Franz.~ Hattest du ihm nicht einen Ring an den Finger gesteckt? einen
Diamantring zum Unterpfand deiner Treue! -- Freylich nun, wie kann auch
ein Jngling den Reitzen einer Metze Widerstand thun? Wer wird's ihm
auch verdenken, da ihm sonst nichts mehr brig war wegzugeben, -- und
bezahlte sie ihn nicht mit Wucher dafr mit ihren Liebkosungen, ihren
Umarmungen?

~Amalia~ (_aufgebracht._) Meinen Ring einer Metze?

~Franz.~ Pfui, pfui! das ist schndlich. Wohl aber, wenn's nur das
wre! -- Ein Ring, so kostbar er auch ist, ist im Grunde bey jedem
Juden wieder zu haben -- vielleicht mag ihm die Arbeit daran nicht
gefallen haben, vielleicht hat er einen schnern dafr eingehandelt.

~Amalia.~ (_heftig._) Aber ~meinen~ Ring -- ich sage ~meinen~ Ring?

~Franz.~ Keinen andern, Amalia -- ha! solch ein Kleinod, und an meinem
Finger -- und von Amalia! -- von hier sollt' ihn der Tod nicht gerissen
haben -- nicht wahr, Amalia? nicht die Kostbarkeit des Diamants, nicht
die Kunst des Geprges -- die Liebe macht seinen Werth aus -- Liebstes
Kind, du weinest? Wehe ber den, der diese kstliche Tropfen aus so
himmlischen Augen pret -- ach, und wenn du erst alles wtest, ihn
selbst shest, ihn unter der Gestalt shest? --

~Amalia.~ Ungeheuer! wie, unter welcher Gestalt?

~Franz.~ Stille, stille, gute Seele, frage mich nicht aus! (_wie vor
sich, aber laut._) Wenn es doch wenigstens nur einen Schleyer htte,
das garstige Laster, sich dem Auge der Welt zu entstehlen! aber da
blickts schrecklich durch den gelben bleyfarbenen Augenring; -- da
verrth sichs im todenblassen eingefallenen Gesicht, und dreht die
Knochen helich hervor -- da stammelts in der halben verstmmelten
Stimme -- da predigts frchterlich laut vom zitternden hinschwankenden
Gerippe -- da durchwhlt es der Knochen innerstes Mark, und bricht
die mannhafte Strke der Jugend -- da, da sprizt es den eitrichten
fressenden Schaum aus Stirn und Wangen und Mund und der ganzen Flche
des Leibes zum scheulichen Aussatz hervor, und nistet abscheulich in
den Gruben der viehischen Schande -- pfui, pfui! mir eckelt. Nasen,
Augen, Ohren schtteln sich -- du hast jenen Elenden gesehen, Amalia,
der in unserem Siechenhause seinen Geist auskeuchte, die Schaam schien
ihr scheues Auge vor ihm zuzublinzen -- du ruftest Wehe ber ihn aus.
Ruf di Bild noch einmal ganz in deine Seele zurck, und Karl steht vor
dir! -- Seine Ksse sind Pest, seine Lippen vergiften die deinen!

~Amalia~ (_schlgt ihn._) Schaamloser Lsterer!

~Franz.~ Graut dir vor diesem Karl? Eckelt dir schon vor dem matten
Gemlde? Geh, gaff ihn selbst an, deinen schnen, englischen gttlichen
Karl! Geh, sauge seinen balsamischen Athem ein, und la dich von den
Ambrosia-Dften begraben, die aus seinem Rachen dampfen! der blose
Hauch seines Mundes wird dich in jenen schwarzen todhnlichen Schwindel
hauchen, der den Geruch eines berstenden Aases und den Anblick eines
Leichenvollen Wahlplatzes begleitet.

~Amalia~ (_wendet ihr Gesicht ab._)

~Franz.~ Welches Aufwallen der Liebe! Welche Wollust in der Umarmung
-- aber ist es nicht ungerecht, einen Menschen um seiner siechen
Aussenseite willen zu verdammen? Auch im elendesten Aesopischen Krppel
kann eine grose liebenswrdige Seele, wie ein Rubin aus dem Schlamme
glnzen, (_boshaft lchelnd._) Auch aus blattrichten Lippen kann ja die
Liebe --

Freylich, wenn das Laster auch die Festen des Karakters erschttert,
wenn mit der Keuschheit auch die Tugend davon fliegt, wie der Duft aus
der welken Rose verdampft -- wenn mit dem Krper auch der Geist zum
Krppel verdirbt --

~Amalia~ (_froh aufspringend._) Ha! Karl! Nun erkenn ich dich wieder!
du bist noch ganz! ganz! alles war Lge! -- weist du nicht, Bsewicht,
da Karl unmglich das werden kann? (_Franz steht einige Zeit
tiefsinnig, dann dreht er sich pltzlich, um zu gehn._) Wohin so eilig,
fliehst du vor deiner eigenen Schande?

~Franz~ (_mit verhlltem Gesicht._) La mich, la mich! -- meinen
Thrnen den Lauf lassen -- tyrannischer Vater! den besten deiner Shne
so hinzugeben dem Elend -- der ringsumgebenden Schande -- la mich,
Amalia! ich will ihm zu den Fssen fallen, auf den Knieen will ich ihn
beschwren, den ausgesprochenen Fluch auf mich, auf mich zu laden --
mich zu enterben -- mich -- mein Blut -- mein Leben -- alles --

~Amalia~ (_fllt ihm um den Hals._) Bruder meines Karls, bester,
liebster Franz!

~Franz.~ O Amalia! wie lieb ich dich um dieser unerschtterten Treue
gegen meinen Bruder -- Verzeih, da ich es wagte, deine Liebe auf
diese harte Probe zu setzen! -- Wie schn hast du meine Wnsche
gerechtfertigt! -- Mit diesen Thrnen, diesen Seufzern, diesem
himmlischen Unwillen -- auch fr mich, fr mich -- unsere Seelen
stimmten so zusammen.

~Amalia.~ O nein, das thaten sie nie!

~Franz.~ Ach sie stimmten so harmonisch zusammen, ich meynte immer,
wir mten Zwillinge seyn! und wr der leidige Unterschied von aussen
nicht, wobey leider freylich Karl verlieren mu, wir wrden zehnmal
verwechselt. Du bist, sagt' ich oft zu mir selbst, ja du bist der
ganze Karl, sein Echo, sein Ebenbild!

~Amalia~ (_schttelt den Kopf._) Nein, nein, bey jenem keuschen Lichte
des Himmels! kein Aederchen von ihm, kein Fnkchen von seinem Gefhle --

~Franz.~ So ganz gleich in unsern Neigungen -- die Rose war seine
liebste Blume -- welche Blume war mir ber die Rose? Er liebte die
Musik unaussprechlich, und ihr seyd Zeugen, ihr Sterne! ihr habt mich
so oft in der Todenstille der Nacht beym Klaviere belauscht, wenn alles
um mich begraben lag in Schatten und Schlummer -- und wie kannst du
noch zweifeln, Amalia, wenn unsere Liebe in einer ~Vollkommenheit~
zusammentraf, und wenn die Liebe die nemliche ist, wie knnten ihre
Kinder entarten?

~Amalia~ (_sieht ihn verwundernd an._)

~Franz.~ Es war ein stiller, heiterer Abend, der letzte, eh er nach
Leipzig abreiste, da er mich mit sich in jene Laube nahm, wo ihr so oft
zusammensaet in Trumen der Liebe -- stumm blieben wir lang -- zuletzt
ergriff er meine Hand und sprach leise mit Thrnen: ich verlasse
Amalia, ich wei nicht -- mir ahnets, als hie es auf ewig -- verla
sie nicht, Bruder! -- sey ihr Freund -- ihr Karl -- wenn Karl -- nimmer
-- wiederkehrt -- (_Er strzt vor ihr nieder und kt ihr die Hand mit
Heftigkeit._) Nimmer, nimmer, nimmer wird er wiederkehren, und ich
hab's ihm zugesagt mit einem heiligen Eide!

~Amalia~ (_zurckspringend._) Verrther, wie ich dich ertappe! In eben
dieser Laube beschwur er mich, keiner andern Liebe -- wenn er sterben
sollte -- siehst du, wie gottlos, wie abscheulich du -- geh aus meinen
Augen.

~Franz.~ Du kennst mich nicht, Amalia, du kennst mich gar nicht!

~Amalia.~ O ich kenne dich, von itzt an kenn ich dich -- und du
wolltest ihm gleich seyn? Vor dir sollt er um mich geweint haben? Vor
dir? Ehe htt' er meinen Namen auf den Pranger geschrieben! Geh den
Augenblick!

~Franz.~ Du beleidigst mich!

~Amalia.~ Geh, sag ich. Du hast mir eine kostbare Stunde gestohlen, sie
werde dir an deinem Leben abgezogen.

~Franz.~ Du hassest mich.

~Amalia.~ Ich verachte dich, geh!

~Franz~ (_mit den Fssen stampfend._) Wart! so sollst du vor mir
zittern! mich einem Bettler aufopfern? (_Zornig ab._)

~Amalia.~ Geh, Lotterbube -- itzt bin ich wieder bey Karln -- Bettler,
sagt er? so hat die Welt sich umgedreht, Bettler sind Knige, und
Knige sind Bettler! -- Ich mchte die Lumpen, die er anhat, nicht
mit dem Purpur der Gesalbten vertauschen -- der Blick, mit dem er
bettelt, das mu ein groser, ein kniglicher Blick seyn -- ein Blick,
der die Herrlichkeit, den Pomp, die Triumphe der Grosen und Reichen
zernichtet! In den Staub mit dir, du prangendes Geschmeide! (_Sie reit
sich die Perlen vom Hals._) Seyd verdammt, Gold und Silber und Juwelen
zu tragen, ihr Grosen und Reichen! Seyd verdammt, an ppigen Maalen zu
zechen! Verdammt, euren Gliedern wohl zu thun auf weichen Polstern der
Wohllust! Karl! Karl! so bin ich dein werth -- (_Ab._)




Zweyter Akt.


Erste Scene.

  Franz von Moor.

  (_nachdenkend in seinem Zimmer._)

Es dauert mir zu lange -- der Doktor will, er sei im Umkehren -- das
Leben eines Alten ist doch eine Ewigkeit! -- Und nun wr freye, ebene
Bahn bis auf diesen rgerlichen zhen Klumpen Fleisch, der mir, gleich
dem unterirdischen Zauberhund in den Geistermhrchen, den Weg zu meinen
Schtzen verrammelt.

Mssen denn aber meine Entwrfe sich unter das eiserne Joch des
Mechanismus beugen? -- Soll sich mein hochfliegender Geist an den
Schneckengang der ~Materie~ ketten lassen? -- Ein Licht ausgeblasen,
das ohnehin nur mit den letzten Oeltropfen noch wuchert -- mehr ist's
nicht -- Und doch mchte ich das nicht gern selbst gethan haben um der
Leute willen. Ich mchte ihn nicht gern getdtet, aber abgelebt. Ich
mchte es machen wie der gescheide Arzt, (nur umgekehrt.) -- Nicht der
Natur durch einen Queerstreich den Weg verrannt, sondern sie in ihrem
eigenen Gange befrdert. Und wir vermgen doch wirklich die Bedingungen
des Lebens zu verlngern, warum sollten wir sie nicht auch verkrzen
knnen?

Philosophen und Mediziner lehren mich, wie treffend die Stimmungen des
Geists mit den Bewegungen der Maschine zusammen lauten. Gichtrische
Empfindungen werden jederzeit von einer Dissonanz der mechanischen
Schwingungen begleitet -- Leidenschaften ~mihandeln~ die Lebenskraft
-- der berladene Geist drckt sein Gehuse zu Boden -- Wie denn nun?
-- Wer es verstnde, dem Tod diesen ungebahnten Weg in das Schlo des
Lebens zu ebenen? -- den Krper vom Geist aus zu verderben -- ha! ein
Originalwerk! -- wer das zu Stand brchte? -- Ein Werk ohne gleichen!
-- Sinne nach Moor! -- das wr' eine Kunst, die's verdiente, dich
zum Erfinder zu haben. Hat man doch die Giftmischerey beynahe in den
Rang einer ordentlichen Wissenschaft erhoben, und die Natur durch
Experimente gezwungen, ihre Schranken anzugeben, da man nunmehr des
Herzens Schlge Jahr lang vorausrechnet, und zu dem Pulse spricht, bis
hieher und nicht weiter![1] -- Wer sollte nicht auch hier seine Flgel
versuchen?

Und wie ich nun werde zu Werk gehen mssen, diese se friedliche
Eintracht der Seele mit ihrem Leibe zu stren? Welche Gattung von
Empfindnissen, ich werde whlen mssen? Welche wohl den Flor des
Lebens am grimmigsten anfeinden? ~Zorn~ -- dieser heihungrige Wolf
frit sich zu schnell satt -- ~Sorge?~ -- dieser Wurm nagt mir zu
langsam -- ~Gram?~ -- diese Natter schleicht mir zu trge -- ~Furcht?~
-- die Hoffnung lt sie nicht umgreiffen -- was? Sind das all' die
Henker des Menschen? -- Ist das Arsenal des Todes so bald erschpft?
-- (_tiefsinnend._) Wie? -- Nun? -- Was? Nein! -- Ha! (_auffahrend._)
~Schreck!~ -- Was kann der Schreck nicht? -- Was kann Vernunft,
Religion wider dieses Giganten eiskalte Umarmung? -- Und doch? --
Wenn er auch diesem Sturm stnde? -- Wenn er? -- O so komme du mir zu
Hlfe, ~Jammer~, und du, ~Reue~, hllische Eumenide, grabende Schlange,
die ihren Fra wiederkut, und ihren eigenen Koth wiederfrit;
ewige Zerstrerinnen und ewige Schpferinnen eures Giftes, und du
heulende ~Selbstverklagung~, die du dein eigen Haus verwstest, und
deine eigene Mutter verwundest -- Und kommt auch ihr mir zu Hlfe,
wohlthtige Grazien selbst, sanftlchelnde ~Vergangenheit~, und du mit
dem berquellenden Fllhorn blhende ~Zukunft~, haltet ihm in euren
Spiegeln die Freuden des Himmels vor, wenn euer fliehender Fu seinen
geitzigen Armen entgleitet -- So fall ich Streich auf Streich, Sturm
auf Sturm dieses zerbrechliche Leben an, bis den Furientrupp zuletzt
schliet -- die ~Verzweiflung~! Triumph! Triumph! -- Der Plan ist
fertig -- Schwer und Kunstvoll wie keiner -- zuverlig -- sicher --
denn (_spttisch_) des Zergliederers Messer findet ja keine Spuren von
Wunde oder korrosivischem Gift.

(_Entschlossen._) Wohlan denn, (_Herrmann tritt auf._) Ha! =Deus ex
machina!= Herrmann!

~Herrmann.~ Zu euren Diensten, gndiger Junker!

~Franz~ (_gibt ihm die Hand._) Die du keinem Undankbaren erweisest.

~Herrmann.~ Ich hab' Proben davon.

~Franz.~ Du sollst mehr haben mit nchstem -- mit nchstem, Herrmann!
-- Ich habe dir etwas zu sagen, Herrmann.

~Herrmann.~ Ich hre mit tausend Ohren.

~Franz.~ Ich kenne dich, du bist ein entschlo'ner Kerl -- Soldaten
Herz -- Haar auf der Zunge! -- Mein Vater hat dich sehr beleidigt,
Herrmann!

~Herrmann.~ Der Teufel hole mich, wenn ich's vergesse!

~Franz.~ Das ist der Ton eines Mann's! Rache geziemt einer mnnlichen
Brust. Du gefllst mir, Herrmann. Nimm diesen Beutel, Herrmann. Er
sollte schwerer seyn, wenn ich erst Herr wre.

~Herrmann.~ Das ist ja mein ewiger Wunsch, gndiger Junker, ich dank
euch.

~Franz.~ Wirklich, Herrmann? wnschest du wirklich, ich wre Herr? --
aber mein Vater hat das Mark eines Lwen, und ich bin der jngere Sohn.

~Herrmann.~ Ich wollt', ihr wr't der ltere Sohn, und euer Vater htte
das Mark eines schwindschtigen Mdgens.

~Franz.~ Ha! wie dich der ltere Sohn dann belohnen wollte! wie er dich
aus diesem unedlen Staub, der sich so wenig mit deinem Geist und Adel
vertrgt, an's Licht emporheben wollte! -- Dann solltest du, ganz wie
du da bist, mit Gold berzogen werden, und mit vier Pferden durch die
Strasen dahinrasseln, wahrhaftig das solltest du! -- aber ich vergesse,
wovon ich dir sagen wollte -- hast du das Frulein von Edelreich schon
vergessen, Herrmann?

~Herrmann.~ Wetter Element! was erinnert ihr mich an das?

~Franz.~ Mein Bruder hat sie dir weggefischt.

~Herrmann.~ Er soll dafr ben!

~Franz.~ Sie gab dir einen Korb. Ich glaube gar, er warf dich die
Treppen hinunter.

~Herrmann.~ Ich will ihn dafr in die Hlle stoen.

~Franz.~ Er sagte: man raune sich einander in's Ohr, du seyst zwischen
dem Rindfleisch und Meerrettig gemacht worden, und dein Vater habe dich
nie ansehen knnen, ohne an die Brust zu schlagen und zu seufzen: Gott
sey mir Snder gndig!

~Herrmann~ (_wild._) Blitz, Donner und Hagel, seyd still!

~Franz.~ Er rieth dir, deinen Adelbrief im Aufstreich zu verkaufen, und
deine Strmpfe damit flicken zu lassen.

~Herrmann.~ Alle Teufel! ich will ihm die Augen mit den Ngeln
auskratzen.

~Franz.~ Was? du wirst bse? was kannst du bse auf ihn seyn? Was
kannst du ihm bses thun? was kann so eine Ratze gegen einen Lwen?
Dein Zorn verst ihm seinen Triumph nur. Du kannst nichts thun,
als deine Zhne zusammenschlagen, und deine Wuth an trocknem Brode
auslassen.

~Herrmann~ (_stampft auf den Boden._) Ich will ihn zu Staub zerreiben.

~Franz~ (_klopft ihm auf die Achsel._) Pfui, Herrmann! du bist ein
Kavalier. Du must den Schimpf nicht auf dir sitzen lassen. Du must das
Frulein nicht fahren lassen, nein, das must du um alle Welt nicht
thun, Herrmann! Hagel und Wetter! ich wrde das usserste versuchen,
wenn ich an deiner Stelle wre.

~Herrmann.~ Ich ruhe nicht, bis ich ~Ihn~ und ~Ihn~ unter'm Boden hab.

~Franz.~ Nicht so strmisch, Herrmann! komm nher -- du sollst Amalia
haben!

~Herrmann.~ Das mu ich, trutz dem Teufel! das mu ich!

~Franz.~ Du sollst sie haben, sag ich dir, und das von meiner Hand.
Komm nher, sag ich -- du weist vielleicht nicht, da Karl so gut als
enterbt ist?

~Herrmann~ (_nher kommend._) Unbegreiflich, das erste Wort, das ich
hre.

~Franz.~ Sey ruhig, und hre weiter! du sollst ein andermal mehr davon
hren -- ja, ich sage dir, seit eilf Monathen so gut als verbannt. Aber
schon bereut der alte den voreiligen Schritt, den er doch, (_lachend._)
will ich hoffen, nicht selbst gethan hat. Auch liegt ihm die Edelreich
tglich hart an mit ihren Vorwrfen und Klagen. Ueber kurz oder lang
wird er ihn in allen vier Enden der Welt aufsuchen lassen, und gute
Nacht, Herrmann! wenn er ihn findet. Du kannst ihm ganz demthig die
Kutsche halten, wenn er mit ihr in die Kirche zur Trauung fhrt.

~Herrmann.~ Ich will ihn am Krucifix erwrgen!

~Franz.~ Der Vater wird ihm bald die Herrschaft abtreten, und in Ruhe
auf seinen Schlssern leben. Itzt hat der stolze Strudelkopf den Zgel
in Hnden, itzt lacht er seiner Hasser und Neider -- und ich, der
ich dich zu einem wichtigen grosen Manne machen wollte, ich selbst,
Herrmann, werde tiefgebckt vor seiner Thrschwelle --

~Herrmann~ (_in Hitze._) Nein, so wahr ich Herrmann heisse, das sollt
ihr nicht! wenn noch ein Fnkchen Verstand in diesem Gehirne glostet!
das sollt ihr nicht!

~Franz.~ Wirst du es hindern? auch dich, mein lieber Herrmann, wird er
seine Geissel fhlen lassen, wird dir in's Angesicht speyen, wenn du
ihm auf der Strase begegnest, und wehe dir dann, wenn du die Achsel
zuckst oder das Maul krmmst -- siehe, so stehts mit deiner Anwerbung
um's Frulein, mit deinen Aussichten, mit deinen Entwrfen.

~Herrmann.~ Sagt mir! was soll ich thun?

~Franz.~ Hre dann, Herrmann! da du siehst, wie ich mir dein Schicksal
zu Herzen nehme als ein redlicher Freund -- geh -- kleide dich um --
mach dich ganz unkenntlich, la dich beym Alten melden, gib vor, du
kmest geraden Wegs aus Bhmen, httest mit meinem Bruder dem Treffen
bey Prag beygewohnt -- httest ihn auf der Wahlstatt den Geist aufgeben
sehen --

~Herrmann.~ Wird man mir glauben?

~Franz.~ Hoho! dafr la mich sorgen! Nimm dieses Paket. Hier findest
du deine Kommission ausfhrlich. Und Dokumente dazu, die den Zweifel
selbst glaubig machen sollen -- mach itzt nur, da du fortkommst, und
ungesehen! spring durch die Hinterthre in den Hof, von da ber die
Gartenmauer -- die Katastrophe dieser Tragi-Komdie berla mir!

~Herrmann.~ Und die wird seyn: Vivat der neue Herr, Franciskus von Moor!

~Franz~ (_streichelt ihm die Backen._) Wie schlau du bist? -- denn
siehst du, auf diese Art erreichen wir alle Zwecke zumal und bald.
Amalia gibt ihre Hoffnung auf ihn auf. Der alte mit sich den Tod
seines Sohnes bey, und -- er krnkelt -- ein schwankendes Gebude
braucht des Erdbebens nicht, um ber'n Haufen zu fallen -- er wird die
Nachricht nicht berleben -- dann bin ich sein einiger Sohn -- Amalia
hat ihre Sttzen verloren, und ist ein Spiel meines Willens, da kannst
du leicht denken -- kurz, alles geht nach Wunsch -- aber du must dein
Wort nicht zurcknehmen.

~Herrmann.~ Was sagt ihr? (_frohlockend._) Eh soll die Kugel in ihren
Lauf zurckkehren, und in dem Eingeweid ihres Schtzen wthen --
rechnet auf mich! Lat nur mich machen -- Adieu!

~Franz~ (_ihm nachrufend._) Die Erndte ist dein, lieber Herrmann! --
Wenn der Ochse den Kornwagen in die Scheune gezogen hat, so mu er mit
Heu vorlieb nehmen. Dir eine Stallmagd, und keine Amalia! (_Geht ab._)


Zweyte Scene.

    Des alten Moors Schlafzimmer.

  Der ~alte Moor~ schlafend in einem Lehnsessel. ~Amalia~.

~Amalia~ (_sachte herbey schleichend._) Leise, leise! er schlummert.
(_Sie stellt sich vor den schlafenden._) Wie schn, wie ehrwrdig!
-- ehrwrdig, wie man die Heiligen malt -- nein, ich kann dir nicht
zrnen! Weilockigtes Haupt, dir kann ich nicht zrnen! Schlumm're
sanft, wache froh auf, ich allein will hingeh'n und leiden.

~D. a. Moor~ (_trumend._) Mein Sohn! mein Sohn! mein Sohn!

~Amalia~ (_ergreift seine Hand._) Horch, horch! sein Sohn ist in seinen
Trumen.

~D. a. Moor.~ Bist du da? bist du wirklich? ach! wie siehst du so
elend? Sieh mich nicht an mit diesem kummervollen Blick! ich bin elend
genug.

~Amalia~ (_weckt ihn schnell._) Seht auf, lieber Greis! ihr trumtet
nur. Fat euch!

~D. a. Moor~ (_halb wach._) Er war nicht da? drckt ich nicht seine
Hnde? Garstiger Franz! willst du ihn auch meinen Trumen entreissen?

~Amalia.~ Merkst du's, Amalia?

~D. a. Moor~ (_ermuntert sich._) Wo ist er? wo? wo bin ich? du da,
Amalia?

~Amalia.~ Wie ist euch? Ihr schlieft einen erquickenden Schlummer.

~D. a. Moor.~ Mir trumte von meinem Sohn. Warum hab ich nicht
fortgetrumt? Vielleicht htt' ich Verzeihung erhalten aus seinem Munde.

~Amalia.~ Engel grollen nicht -- er verzeiht euch. (_Fat seine Hand
mit Wehmuth._) Vater meines Karls! ich verzeih euch.

~D. a. Moor.~ Nein, meine Tochter! diese Todten-Farbe deines Angesichts
verdammet den Vater. Armes Mdgen! Ich brachte dich um die Freuden
deiner Jugend -- o fluche mir nicht!

~Amalia~ (_kt seine Hand mit Zrtlichkeit._) Euch?

~D. a. Moor.~ Kennst du dieses Bild, meine Tochter?

~Amalia.~ Karls! --

~D. a. Moor.~ So sah er, als er in's sechszehente Jahr gieng. Itzt
ist er anders -- Oh es wthet in meinem Innern -- diese Milde ist
Unwillen, dieses Lcheln Verzweiflung -- Nicht wahr, Amalia? Es war an
seinem Geburtstage in der Jasminlaube, als du ihn maltest? -- Oh meine
Tochter! Eure Liebe machte mich so glcklich.

~Amalia~ (_immer das Aug auf das Bild geheftet._) Nein, nein! er ist's
nicht. Bey Gott! das ist Karl nicht -- Hier, hier (_auf Herz und
Stirne zeigend._) So ganz, so anders. Die trge Farbe reicht nicht,
den himmlischen Geist nachzuspiegeln, der in seinem feurigen Auge
herrschte. Weg damit! dis ist so menschlich! Ich war eine Stmperinn.

~D. a. Moor.~ Dieser huldreiche, erwrmende Blick -- wr' er vor
meinem Bette gestanden, htte gelebt mitten im Tode! Nie, nie wr' ich
gestorben!

~Amalia.~ Nie, nie wr't ihr gestorben? Es wr' ein Sprung gewesen, wie
man von einem Gedanken auf einen andern und schnern hpft -- dieser
Blick htt' euch ber's Grab hinbergeleuchtet. Dieser Blick htt' euch
ber die Sterne getragen!

~D. a. Moor.~ Es ist schwer, es ist traurig! Ich sterbe, und mein Sohn
Karl ist nicht hier -- ich werde zu Grabe getragen, und er weint nicht
an meinem Grabe -- wie s ist's, eingewiegt zu werden in den Schlaf
des Todes von dem Gebet eines Sohns -- das ist Wiegengesang.

~Amalia~ (_schwrmend._) Ja s, himmlisch s ist's, eingewiegt
zu werden in den Schlaf des Todes von dem Gesang des Geliebten --
vielleicht trumt man auch im Grabe noch fort -- ein langer, ewiger,
unendlicher Traum, von Karln, bis man die Glocke der Auferstehung
lutet -- (_aufspringend, entzckt._) und von itzt an in seinen Armen
auf ewig, (_Pause. Sie geht an's Klavier, und spielt._)

    Willst dich, Hektor, ewig mir entreissen,
    Wo des Anaciden mordend Eisen
    Dem Patroklus schrcklich Opfer bringt?
    Wer wird knftig deinen Kleinen lehren,
    Speere werfen und die Gtter ehren,
    Wenn hinunter dich der Xanthus schlingt?

~D. a. Moor.~ Ein schnes Lied, meine Tochter. Das must du mir
vorspielen, eh ich sterbe.

~Amalia.~ Es ist der Abschied Andromachas und Hektors -- Karl und ich
haben's oft zusammen zu der Laute gesungen. (_Spielt fort._)

    Theures Weib, geh, hol die Todeslanze,
    La mich fort zum wilden Kriegestanze,
    Meine Schultern tragen Ilium;
    Ueber Astyanax uns're Gtter!
    Hektor fllt, ein Vaterlands Erretter,
    Und wir seh'n uns wieder im Elysium.

  Daniel.

~Daniel.~ Es wartet draussen ein Mann auf euch. Er bittet, vorgelassen
zu werden, er hab euch eine wichtige Zeitung.

~D. a. Moor.~ Mir ist auf der Welt nur etwas wichtig, du weist's,
Amalia -- ist's ein Unglcklicher, der meiner Hlfe bedarf? Er soll
nicht mit Seufzen von hinnen gehn.

~Amalia.~ Ist's ein Bettler, er soll eilig herauf kommen. (_Daniel ab._)

~D. a. Moor.~ Amalia, Amalia! schone meiner!

~Amalia~ (_spielt fort._)

    Nimmer lausch ich deiner Waffen Schalle,
    Einsam liegt dein Eisen in der Halle,
    Priams groser Heldenstamm verdirbt!
    Du wirst hingeh'n, wo kein Tag mehr scheinet,
    Der Cocytus durch die Wsten weinet,
    Deine Liebe in dem Lethe stirbt.

    All mein Sehnen, all mein Denken
    Soll der schwarze Letheflu ertrnken,
    Aber meine Liebe nicht!
    Horch! der Wilde rat schon an den Mauren --
    Grte mir das Schwerdt um, la das Trauren,
    Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht!

  Franz. Herrmann (_verkappt._) Daniel.

~Franz.~ Hier ist der Mann. Schrckliche Botschaften, sagt er, warten
auf euch. Knnt ihr sie hren?

~D. a. Moor.~ Ich kenne nur eine. Tritt her, mein Freund, und schone
mein nicht! Reicht ihm einen Becher Wein.

~Herrmann~ (_mit vernderter Stimme._) Gndiger Herr! lat es einen
armen Mann nicht entgelten, wenn er wider Willen euer Herz durchbohrt.
Ich bin ein Fremdling in diesem Lande, aber euch kenn ich sehr gut, ihr
seyd der Vater Karls von Moor.

~D. a. Moor.~ Woher weist du das?

~Herrmann.~ Ich kannte euren Sohn --

~Amalia~ (_auffahrend._) Er lebt? lebt? Du kennst ihn? wo ist er, wo,
wo? (_will hinwegrennen._)

~D. a. Moor.~ Du weist von meinem Sohn?

~Herrmann.~ Er studierte in Leipzig. Von da zog er, ich wei nicht wie
weit, herum. Er durchschwrmte Deutschland in die Runde, und, wie er
mir sagte, mit unbedecktem Haupt, barfus, und erbettelte sein Brod vor
den Thren. Fnf Monathe drauf brach der leidige Krieg zwischen Preuen
und Oestreich wieder aus, und da er auf der Welt nichts mehr zu hoffen
hatte, zog ihn der Hall von Friderichs siegreicher Trommel nach Bhmen.
Erlaubt mir, sagte er, zum grosen Schwerin, da ich den Tod sterbe auf
dem Bette der Helden, ich hab keinen Vater mehr! --

~D. a. Moor.~ Sieh mich nicht an, Amalia!

~Herrmann.~ Man gab ihm eine Fahne. Er flog den preuischen Siegesflug
mit. Wir kamen zusammen unter ein Zelt zu liegen. Er sprach viel von
seinem alten Vater und von bessern, vergangenen Tagen -- und von
vereitelten Hoffnungen -- uns standen die Thrnen in den Augen.

~D. a. Moor~ (_verhllt sein Haupt in das Kissen._) Stille, o stille!

~Herrmann.~ Acht Tage d'rauf war das heie Treffen bey Prag -- ich darf
euch sagen, euer Sohn hat sich gehalten wie ein wackerer Kriegsmann.
Er that Wunder vor den Augen der Armee. Fnf Regimenter muten neben
ihm wechseln, er stand. Feuerkugeln fielen rechts und links, euer Sohn
stand. Eine Kugel zerschmetterte ihm die rechte Hand, euer Sohn nahm
die Fahne in die linke, und stand --

~Amalia~ (_in Entzckung._) Hektor, Hektor! hrt ihr's? er stand --

~Herrmann.~ Ich traf ihn am Abend der Schlacht niedergesunken unter
Kugel-Gepfeiffe, mit der linken hielt er das strzende Blut, die
rechte hatte er in die Erde gegraben. Bruder! rief er mir entgegen, es
lief ein Gemurmel durch die Glieder: der General sey vor einer Stunde
gefallen -- er ist gefallen, sagt' ich, und du? -- Nun, wer ein braver
Soldat ist, rief er, und lie die linke Hand los, der folge seinem
General, wie ich! Bald darauf hauchte er seine grose Seele dem Helden
zu.

~Franz~ (_wild auf Herrmann losgehend._) Da der Tod deine verfluchte
Zunge versiegle! Bist du hieher kommen, unserem Vater den Todesstos zu
geben? -- Vater! Amalia! Vater!

~Herrmann.~ Es war der letzte Wille meines sterbenden Kameraden. Nimm
di Schwerdt, rchelte er, du wirst's meinem alten Vater berliefern,
das Blut seines Sohnes klebt daran, er ist gerochen, er mag sich
weiden. Sag ihm, sein Fluch htte mich gejagt in Kampf und Tod, ich sey
gefallen in Verzweiflung! Sein letzter Seufzer war Amalia.

~Amalia~ (_wie aus einem Todesschlummer aufgejagt._) Sein letzter
Seufzer, Amalia!

~D. a. Moor~ (_Grlich schreyend, sich die Haare ausraufend._) Mein
Fluch ihn gejagt in den Tod! gefallen in Verzweiflung!

~Franz~ (_umherirrend im Zimmer._) Oh! Was habt ihr gemacht, Vater?
Mein Karl, mein Bruder!

~Herrmann.~ Hier ist das Schwerdt, und hier ist auch ein Portrait, das
er zu gleicher Zeit aus dem Busen zog! Es gleicht diesem Frulein auf
ein Haar. Di soll meinem Bruder Franz, sagte er, -- ich wei nicht,
was er damit sagen wollte.

~Franz~ (_wie erstaunt._) Mir? Amalia's Portrait? Mir, Karl, Amalia?
Mir?

~Amalia~ (_heftig auf Herrmann losgehend._) Feiler, Bestochener,
Betrger! (_fat ihn hart an._)

~Herrmann.~ Das bin ich nicht, gndiges Frulein. Sehet selbst, ob's
nicht euer Bild ist -- ihr mgt's ihm wohl selbst gegeben haben.

~Franz.~ Bey Gott! Amalia, das deine! Es ist wahrlich das deine!

~Amalia~ (_gibt ihm das Bild zurck._) Mein, mein! O Himmel und Erde!

~D. a. Moor~ (_schreyend, sein Gesicht zerfleischend._) Wehe, Wehe!
mein Fluch ihn gejagt in den Tod! gefallen in Verzweiflung!

~Franz.~ Und er gedachte meiner in der letzten schweren Stunde des
Scheidens, meiner! Englische Seele -- da schon das schwarze Panier des
Todes ber ihm rauschte -- meiner! --

~D. a. Moor~ (_lallend._) Mein Fluch ihn gejagt, in den Tod, gefallen
mein Sohn in Verzweiflung! --

~Herrmann.~ Den Jammer steh ich nicht aus. Lebt wohl, alter Herr!
(_leise zu Franz._) Warum habt ihr auch das gemacht, Junker? (_geht
schnell ab._)

~Amalia~ (_aufspringend, ihm nach._) Bleib, bleib! Was waren seine
letzten Worte?

~Herrmann~ (_zurckrufend._) Sein letzter Seufzer war Amalia. (_ab._)

~Amalia.~ Sein letzter Seufzer war Amalia! -- Nein, du bist kein
Betrger! So ist es wahr -- wahr -- er ist tod! -- tod! -- (_hin und
her taumelnd, bis sie umsinkt._) tod -- Karl ist tod --

~Franz.~ Was seh' ich? Was steht da auf dem Schwerdt? geschrieben mit
Blut -- Amalia!

~Amalia.~ Von ihm?

~Franz.~ Seh' ich recht, oder trum ich? Siehe da mit blutiger Schrift:

~Franz, verla meine Amalia nicht!~ Sieh doch, sieh doch! und auf der
andern Seite: ~Amalia! deinen Eid zerbrach der allgewaltige Tod.~ --
Siehst du nun, siehst du nun? Er schrieb's mit erstarrender Hand,
schrieb's mit dem warmen Blut seines Herzens, schrieb's an der Ewigkeit
feyerlichem Rande! sein fliehender Geist verzog, Franz und Amalia noch
zusammen zu knpfen.

~Amalia.~ Heiliger Gott! es ist seine Hand. -- Er hat mich nie geliebt!
(_schnell ab._)

~Franz~ (_auf den Boden stampfend._) Verzweifelt! meine ganze Kunst
erliegt an dem Starrkopf.

~D. a. Moor.~ Wehe, Wehe! Verla mich nicht, meine Tochter! -- Franz,
Franz! gib mir meinen Sohn wieder!

~Franz.~ Wer war's, der ihm den Fluch gab? Wer war's, der seinen Sohn
jagte in Kampf und Tod und Verzweiflung? -- oh! er war ein Engel! ein
Kleinod des Himmels. Fluch ber seine Henker! Fluch, Fluch ber euch
selber! --

~D. a. Moor~ (_schlgt mit geballter Faust wider Brust und Stirn._) Er
war ein Engel, war Kleinod des Himmels! Fluch, Fluch, Verderben, Fluch
ber mich selber! Ich bin der Vater, der seinen grosen Sohn erschlug.
Mich liebt' er bis in den Tod! mich zu rchen, rannte er in Kampf und
Tod! Ungeheuer, Ungeheuer! (_wthet wider sich selber._)

~Franz.~ Er ist dahin, was helfen spte Klagen? (_hnisch lachend._)
Es ist leichter morden, als lebendig machen. Ihr werdet ihn nimmer aus
seinem Grabe zurckholen.

~D. a. Moor.~ Nimmer, nimmer, nimmer aus dem Grabe zurckholen!
Hin, verloren auf ewig! -- Und du hast mir den Fluch aus dem Herzen
geschwzt, du -- du -- Meinen Sohn mir wieder!

~Franz.~ Reizt meinen Grimm nicht. Ich verla euch im Tode! --

~D. a. Moor.~ Scheusal! Scheusal! schaff mir meinen Sohn wieder!
(_fhrt aus dem Sessel, will Franzen an der Gurgel fassen, der ihn
zurck schleudert._)

~Franz.~ Kraftlose Knochen! ihr wagt es -- sterbt! verzweifelt! (_ab._)

  Der alte Moor.

Tausend Flche donnern dir nach! Du hast mir meinen Sohn aus den Armen
gestohlen (_voll Verzweiflung hin und her geworfen im Sessel._) Wehe,
Wehe! Verzweifeln, aber nicht sterben! -- Sie fliehen, verlassen mich
im Tode -- meine gute Engel fliehen von mir, weichen alle die Heilige
vom eisgrauen Mrder -- Wehe! Wehe! will mir keiner das Haupt halten,
will keiner die ringende Seele entbinden? Keine Shne! keine Tchter!
keine Freunde! -- Menschen nur -- will keiner, allein -- verlassen --
Wehe! Wehe! -- Verzweifeln, aber nicht sterben!

  Amalia (_mit verweinten Augen._)

~D. a. Moor.~ Amalia! Bote des Himmels! Kommst du, meine Seele zu lsen?

~Amalia~ (_mit sanfterem Ton._) Ihr habt einen herrlichen Sohn
verloren.

~D. a. Moor.~ ~Ermordet~ willst du sagen. Mit diesem Zeugnis belastet
tret ich vor den Richterstuhl Gottes.

~Amalia.~ Nicht also, jammervoller Greis! der himmlische Vater rckt'
ihn zu sich. Wir wren zu glcklich gewesen auf dieser Welt. -- Droben,
droben ber den Sonnen -- Wir seh'n ihn wieder.

~D. a. Moor.~ Wiedersehen, wiedersehen! Oh es wird mir durch die Seele
schneiden ein Schwerdt -- Wenn ich ein Heiliger ihn unter den Heiligen
finde -- mitten im Himmel werden durch mich schauern Schauer der Hlle!
Im Anschauen des Unendlichen mich zermalmen die Erinnerung: Ich hab
meinen Sohn ermordet!

~Amalia.~ Oh, er wird euch die Schmerz-Erinnerung aus der Seele
lcheln, seyd doch heiter, lieber Vater! ich bin's so ganz. Hat er
nicht schon den himmlischen Hrern den Namen Amalia vorgesungen auf der
seraphischen Harfe, und die himmlischen Hrer lispelten leise ihn nach?
Sein letzter Seufzer war ja, Amalia! wird nicht sein erster Jubel,
Amalia! seyn?

~D. a. Moor.~ Himmlischer Trost quillt von deinen Lippen! Er wird mir
lcheln, sagst du? Vergeben? du must bey mir bleiben, Geliebte meines
Karls, wenn ich sterbe.

~Amalia.~ Sterben ist Flug in seine Arme. Wohl euch! Ihr seyd zu
beneiden. Warum sind diese Gebeine nicht mrb? Warum diese Haare nicht
grau? Wehe ber die Krfte der Jugend! Willkommen, du markloses Alter!
nher gelegen dem Himmel und meinem Karl.

  Franz (_tritt auf._)

~D. a. Moor.~ Tritt her, mein Sohn! Vergib mir, wenn ich vorhin zu hart
gegen dich war! ich vergebe dir alles. Ich mchte so gern im Frieden
den Geist aufgeben.

~Franz.~ Habt ihr genug, um euren Sohn geweint? so viel ich sehe, habt
ihr nur einen.

~D. a. Moor.~ Jakob hatte der Shne zwlf, aber um seinen Joseph hat er
blutige Thrnen geweint.

~Franz.~ Hum!

~D. a. Moor.~ Geh, nimm die Bibel, meine Tochter, und lies mir die
Geschichte Jakobs und Josephs! Sie hat mich immer so gerhrt, und
damals bin ich noch nicht Jakob gewesen.

~Amalia.~ Welches soll ich euch lesen? (_nimmt die Bibel und blttert._)

~D. a. Moor.~ Lis mir den Jammer des Verlassenen, als er ihn nimmer
unter seinen Kindern fand -- und vergebens sein harrte im Kreis seiner
eilfe -- und sein Klage-Lied, als er vernahm; sein Joseph sey ihm
genommen auf ewig --

~Amalia.~ (_liest._) Da nahmen sie Josephs Rock, und schlachteten
einen Ziegenbock, und tauchten den Rock in das Blut, und schickten den
bunten Rock hin, und liessen ihn ihrem Vater bringen, und sagen: Diesen
haben wir funden, siehe, ob's deines Sohnes Rock sey, oder nicht?
(_Franz geht pltzlich hinweg._) Er kannte ihn aber und sprach: Es ist
meines Sohnes Rock, ein bses Thier hat ihn gefressen, ein reissend
Thier hat Joseph zerrissen,--

~D. a. Moor~ (_fllt auf's Kissen zurck._) Ein reissend Thier hat
Joseph zerrissen!

~Amalia~ (_liest weiter._) Und Jakob zerri seine Kleider, und legte
einen Sack um seine Lenden, und trug Leide um seinen Sohn lange Zeit,
und all' seine Shne und Tchter traten auf, da sie ihn trsteten,
aber er wollte sich nicht trsten lassen und sprach: Ich werde mit Leid
hinunterfahren --

~D. a. Moor.~ Hr auf, hr auf! Mir wird sehr bel.

~Amalia~ (_hinzuspringend, lt das Buch fallen._) Hilf Himmel! Was ist
das?

~D. a. Moor.~ Das ist der Tod! -- Schwarz -- schwimmt -- vor meinen --
Augen -- ich bitt dich -- ruf dem Pastor -- da er mir -- das Abendmahl
reiche -- Wo ist -- mein Sohn Franz?

~Amalia.~ Er ist geflohen! Gott erbarme sich unser!

~D. a. Moor.~ Geflohen -- geflohen von des Sterbenden Bett? -- -- Und
das all' -- all' -- von zwey Kindern voll Hoffnung -- du hast sie --
gegeben -- hast sie -- genommen -- -- dein Name sey -- --

~Amalia~ (_mit einem pltzlichen Schrey._) Tod! alles Tod! (_ab in
Verzweiflung._)

  Franz (_hpft frohlockend herein._)

~Tod~, schreyen sie, ~tod~! Itzt bin ich ~Herr~. Im ganzen Schlosse
zettert es, ~tod~! -- Wie aber, ~schlft~ er vielleicht nur? --
freylich, ach freylich! das ist nun freylich ein Schlaf, wo es ewig
niemals, Guten Morgen, heit -- Schlaf und Tod sind nur Zwillinge.
Wir wollen einmal die Namen wechseln! Wakerer, willkommener Schlaf!
Wir wollen dich Tod heissen! (_Er drckt ihm die Augen zu._) Wer wird
nun kommen, und es wagen, mich vor Gericht zu fordern? oder mir in's
Angesicht zu sagen: du bist ein ~Schurke~! Weg dann mit dieser lstigen
Larve von Sanftmuth und Tugend! Nun sollt ihr den nakten Franz sehen,
und euch entsetzen! Mein Vater berzuckerte seine Forderungen, schuf
sein Gebieth zu einem Familienzirkel um, sas liebreich lchelnd am
Thor, und grte sie Brder und Kinder. -- Meine Aug-Braunen sollen
ber euch herhangen wie Gewitter-Wolken, mein herrischer Name schweben
wie ein drohender Komet ber diesen Gebirgen, meine Stirne soll euer
Wetterglas seyn! Er streichelte und kote den Nacken, der gegen ihn
strrig zurck schlug. Streicheln und Kosen ist meine Sache nicht. Ich
will euch die zackichte Sporen in's Fleisch hauen, und die scharfe
Geiel versuchen. -- In meinem Gebiet soll's so weit kommen, da
Kartoffeln und dnn Bier ein Traktament fr Festtage werden, und wehe
dem, der mir mit vollen feurigen Backen unter die Augen tritt! Blsse
der Armuth und sclavischen Furcht sind meine Leibfarbe: in diese
Liverey will ich euch kleiden!

  (_Er geht ab._)


Dritte Scene.

    Die bhmischen Wlder.

  Spiegelberg, Razmann, Ruberhaufen.

~Razmann.~ Bist da? bists wirklich? So la dich doch zu Brey zusammen
drucken, lieber Herzens-Bruder Moriz! Willkommen in den Bhmischen
Wldern! Bist ja gros worden und stark. Stern-Kreuz-Bataillon! Bringst
ja Rekruten mit einen ganzen Trieb, du trefflicher Werber!

~Spiegelberg.~ Gelt Bruder? Gelt? Und das ganze Kerl darzu! -- du
glaubst nicht, Gottes sichtbarer Seegen ist bey mir, war dir ein
armer hungriger Tropf, hatte nichts als diesen Stab, da ich ber den
Jordan gieng, und itzt sind unserer acht und siebenzig, meistens
ruinirte Krmer, rejicirte Magister und Schreiber aus den schwbischen
Provinzen, das ist dir ein Korps Kerles, Bruder, delicise Bursche,
sag ich dir, wo als einer dem andern die Knpfe von den Hosen stihlt,
und mit geladener Flinte neben ihm sicher ist -- und haben voll auf,
und stehen dir in einem Renommee vierzig Meilen weit, das nicht zu
begreifen ist. Da ist dir keine Zeitung, wo du nicht ein Artikelchen
von dem Schlaukopf Spiegelberg wirst getroffen haben, ich halte sie
mir auch pur deswegen -- vom Kopf bis zun Fssen haben sie mich dir
hingestellt, du meynst, du sehst mich, -- so gar meine Rokknpfe haben
sie nicht vergessen. Aber wir fhren sie erbrmlich am Narrenseil
herum. Ich geh lezthin in die Druckerey, geb vor, ich htte den
berchtigten Spiegelberg gesehn, und diktir einem Skrizler, der dort
sas, das leibhafte Bild von einem dortigen Wurmdoktor in die Feder,
das Ding kommt um, der Kerl wird eingezogen, par force inquirirt, und
in der Angst und in der Dummheit gesteht er dir, hol mich der Teufel!
gesteht dir, ~er sey der Spiegelberg~ -- Donner und Wetter! ich war
eben auf dem Sprung, mich beym Magistrat anzugeben, da die Kanaille
mir meinen Namen so verhunzen soll -- wie ich sage, drey Monath d'rauf
hangt er. Ich mute nachher eine derbe Prise Toback in die Nase reiben,
als ich am Galgen vorbeyspatzierte, und den Pseudo-Spiegelberg in
seiner Glorie da paradiren sah -- und unterdessen da Spiegelberg
hangt, schleicht sich Spiegelberg ganz sachte aus den Schlingen, und
deutet der superklugen Gerechtigkeit hinterrucks Eselsohren, da's zum
Erbarmen ist.

~Razmann~ (_lacht._) Du bist eben noch immer der alte.

~Spiegelberg.~ Das bin ich, wie du siehst, an Leib und Seel.
Narr! einen Spa mu ich dir doch erzhlen, den ich neulich im
Ccilien-Kloster angerichtet habe. Ich treffe das Kloster auf meiner
Wanderschaft so gegen die Dmmerung, und da ich eben den Tag noch keine
Patrone verschossen hatte, du weist, ich hasse das =diem perdidi= auf
den Tod, so mute die Nacht noch durch einen Streich verherrlicht
werden, und sollt's dem Teufel um ein Ohr gelten! Wir halten uns
ruhig, bis in die spte Nacht. Es wird mausstill. Die Lichter gehen
aus. Wir denken die Nonnen knnten itzt in den Federn seyn. Nun nehm'
ich meinen Kameraden Grimm mit mir, heis' die andern warten vorm
Thor, bis sie mein Pfeifchen hren wrden, -- versicherte mich des
Klosterwchters, nehm' ihm die Schlssel ab, schleich' mich hinein, wo
die Mgde schliefen, praktizier ihnen die Kleider weg, und heraus mit
dem Pack zum Thor. Wir gehn weiter von Zelle zu Zelle, nehmen einer
Schwester nach der andern die Kleider, endlich auch der Aebtissin.
-- Itzt pfeif ich, und meine Kerls draussen fangen an zu strmen und
zu hasseliren als km der jngste Tag, und hinein mit pestialischem
Gepolter in die Zellen der Schwestern! -- hahaha! -- da httest du die
Hatz sehen sollen, wie die armen Thiergen in der Finstere nach ihren
Rcken tappten, und sich jmmerlich geberdeten, wie sie zum Teufel
waren, und wir inde wie alle Donnerwetter zugesetzt, und wie sie sich
vor Schreck und Bestrzung in Bettlaken wickelten, oder unter den Ofen
zusammenkrochen wie Katzen, andere in der Angst ihres Herzens die Stube
so besprenzten, da du httest das Schwimmen darinnen lernen knnen,
und das erbrmliche Gezetter und Lamento, und endlich gar die alte
Schnurre die Aebtissin, angezogen wie Eva ~vor~ dem Fall -- du weist,
Bruder, da mir auf diesem weiten Erdenrund kein Geschpf so zuwider
ist, als eine ~Spinne~ und ~ein altes Weib~, und nun denk' dir einmal
die schwarzbraune, runzlichte, zottige Vettel vor mir herumtanzen,
mich bey ihrer jungfrulichen Sittsamkeit beschwren -- alle Teufel!
ich hatte schon den Ellenbogen angesetzt, ihr die briggebliebenen
~wenigen edlen~ vollends in den Mastdarm zu stossen -- kurz resolvirt!
entweder heraus mit dem Silbergeschirr, mit dem Klosterschatz und allen
den blanken Thlerchen, oder -- meine Kerls verstanden mich schon --
ich sage dir, ich hab' aus dem Kloster mehr dann tausend Thaler Werths
geschleift, und den Spa obendrein, und meine Kerls haben ihnen ein
Andenken hinterlassen, sie werden ihre neun Monathe dran zu schleppen
haben.

~Razmann.~ (_auf den Boden stampfend._) Da mich der Donner da weg
hatte.

~Spiegelberg.~ Siehst du? Sag' du mehr, ob das kein Luder-Leben
ist? und dabey bleibt man frisch und stark, und das Korpus ist noch
beysammen, und schwillt dir stndlich wie ein Prlats-Bauch -- ich
wei nicht, ich mu was magnetisches an mir haben, das dir alles
Lumpengesindel auf Gottes Erdboden anzieht wie Stahl und Eisen.

~Razmann.~ Schner Magnet du! Aber so mcht' ich Henkers doch wissen,
was fr Hexereyen du brauchst --

~Spiegelberg.~ Hexereyen? Braucht keiner Hexereyen -- Kopf mut du
haben! Ein gewisses praktisches Judicium, das man freilich nicht in
der Gerste frit -- denn siehst du, ich pfleg' immer zu sagen: einen
honnetten Mann kann man aus jedem Weidenstozen formen, aber zu einem
Spitzbuben will's Grz -- auch gehrt dazu ein eignes National-Genie,
ein gewisses, da ich so sage, ~Spitzbuben-Klima~, und da rath' ich
dir, reis' du ins Graubndner-Land, das ist das Athen der heutigen
Gauner.

~Razmann.~ Bruder! man hat mir berhaupt das ganze Italien gerhmt.

~Spiegelberg.~ Ja ja! man mu niemand sein Recht vorenthalten, Italien
weist auch seine Mnner auf, und wenn Deutschland so fortmacht, wie
es bereits auf dem Weg ist, und die Bibel vollends hinaus votirt, wie
es die glnzendsten Aspekten hat, so kann mit der Zeit auch noch aus
Deutschland was Gutes kommen, -- berhaupt aber, mu ich dir sagen,
macht das Klima nicht sonderlich viel, das Genie kommt berall fort,
und das brige, Bruder -- ein Holzapfel, weist du wohl, wird im
Paradies-Grtlein selber ewig keine Ananas -- aber da ich dir weiter
sage, -- wo bin ich stehen geblieben?

~Razmann.~ Bey den Kunstgriffen!

~Spiegelberg.~ Ja recht, bey den Kunstgriffen. So ist dein erstes,
wenn du in die Stadt kommst, du ziehst bey den Bettelvgten,
Stadt-Patrollanten und Zuchtknechten Kundschaft ein, wer so am
fleissigsten bey ihnen einspreche, die Ehre gebe, und diese Kunden
suchst du auf -- ferner nistest du dich in die Kaffeehuser,
Bordelle, Wirthshuser ein, sphst, sondirst, wer am meisten ber
die wohlfeile Zeit, die fnf pro cent, ber die einreissende Pest
der Policeyverbesserungen schreyt, wer am meisten ber die Regierung
schimpft, oder wider die Physiognomik eifert und dergleichen Bruder!
das ist die rechte Hhe! die Ehrlichkeit wackelt wie ein hohler Zahn,
du darfst nur den Pelikan ansetzen, -- oder besser und krzer: du gehst
und wirfst einen vollen Beutel auf die offene Strase, versteckst dich
irgendwo, und merkst dir wohl, wer ihn aufhebt -- eine Weile drauf
jagst du hinterher, suchst, schreyst, und fragst nur so im Vorbeygehen,
haben der Herr nicht etwa einen Geldbeutel gefunden? Sagt er ~ja~? --
nun so hat's der Teufel gesehen; leugnet er's aber? der Herr verzeihen
-- ich wte mich nicht zu entsinnen, -- ich bedaure, (_aufspringend._)
Bruder! Triumph, Bruder! Lsch deine Laterne aus, schlauer Diogenes! --
du hast deinen Mann gefunden.

~Razmann.~ Du bist ein ausgelernter Prakticus.

~Spiegelberg.~ Mein Gott! als ob ich noch jemals dran gezweifelt htte
-- Nun du deinen Mann in dem Hamen hast, must du's auch fein schlau
angreifen, da du ihn hebst! -- Siehst du, mein Sohn? das hab' ich
so gemacht: -- So bald ich einmal die Fhrte hatte, hngt' ich mich
meinem Kandidaten an wie eine Klette, saufte Brderschaft mit ihm, und
Notabene! Zechfrey must du ihn halten! da geht freylich ein schnes
drauf, aber das achtest du nicht -- -- du gehst weiter, du fhrst ihn
in Spiel-Kompagnien und bey liederlichen Menschern ein, verwickelst ihn
in Schlgereyen, und schelmische Streiche, bis er an Saft und Kraft und
Geld und Gewissen, und gutem Namen bankrut wird, denn incidenter mu
ich dir sagen, du richtest nichts aus, wenn du nicht Leib und Seele
verderbst -- Glaube mir Bruder! das hab' ich aus meiner starken Praxi
wohl fnfzigmal abstrahirt, wenn der ehrliche Mann einmal aus dem Nest
gejagt ist, so ist der Teufel Meister -- Der Schritt ist dann so leicht
-- o so leicht, als der Sprung von einer Hure zu einer Betschwester. --
Horch doch! was fr ein Knall war das?

~Razmann.~ Es war gedonnert, nur fortgemacht!

~Spiegelberg.~ Noch ein krzerer besserer Weg ist der, du plnderst
deinem Mann Haus und Hof ab, bis ihm kein Hemd mehr am Leibe hebt,
alsdann kommt er dir von selber -- lern mich die Pfiffe nicht Bruder
-- frag einmal das Kupfergesicht dort -- Schwere Noth! den hab' ich
schn in's Garn gekriegt -- ich hielt ihm vierzig Dukaten hin, die
sollt' er haben, wenn er mir seines Herrn Schlssel in Wachs drcken
wollte -- denk einmal! die dumme Bestie thuts, bringt mir, hol mich
der Teufel! die Schlssel, und will itzt das Geld haben -- Monsieur,
sagt' ich, wei er auch, da ich itzt diese Schlssel gerades Wegs zum
Policey-Lieutenant trage, und ihm ein Logis am lichten Galgen miethe?
-- tausend Sakerment! da httest du den Kerl sehen sollen die Augen
aufreissen, und anfangen zu zappeln wie ein nasser Budel -- -- Ums
Himmels willen, hab' der Herr doch Einsicht! ich will -- will -- was
will er? will er itzt gleich den Zopf hinaufschlagen und mit mir zum
Teufel geh'n? -- o von Herzen gern, mit Freuden -- hahaha! guter
Schlucker, mit Speck fngt man Muse -- lach ihn doch aus, Razmann!
hahaha!

~Razmann.~ Ja, ja, ich mu gestehen. Ich will mir diese Lektion mit
goldnen Ziffern auf meine Hirntafel schreiben. Der Satan mag seine
Leute kennen, da er dich zu seinem Mckler gemacht hat.

~Spiegelberg.~ Gelt, Bruder? und ich denke, wenn ich ihm zehen stelle,
lt er mich frey ausgehen -- gibt ja jeder Verleger seinem Sammler
das zehente Exemplar gratis, warum soll der Teufel so jdisch zu Werk
gehn? -- Razmann! ich rieche Pulver --

~Razmann.~ Sapperment! ich riech's auch schon lang. -- Gib Acht, es
wird in der Nh was gesetzt haben! -- Ja ja! wie ich dir sage, Moriz --
du wirst dem Hauptmann mit deinen Rekruten willkommen seyn -- er hat
auch schon brave Kerl angelockt.

~Spiegelberg.~ Aber die meinen! die meinen -- Pah --

~Razmann.~ Nun ja! sie mgen hbsche Fingerchen haben -- aber ich
sage dir, der Ruf unsers Hauptmanns hat auch schon ehrliche Kerls in
Versuchung gefhrt.

~Spiegelberg.~ Ich will nicht hoffen.

~Razmann.~ Sans Spa! und sie schmen sich nicht unter ihm zu dienen.
Er mordet nicht um des Raubes willen wie wir -- nach dem Geld schien
er nicht mehr zu fragen, so bald ers vollauf haben konnte, und selbst
sein Drittheil an der Beute, das ihn von Rechtswegen trifft, verschenkt
er an Waisenkinder, oder lt damit arme Jungen von Hoffnung studiren.
Aber soll er dir einen Landjunker schrpffen, der seine Bauern wie
das Vieh abschindet, oder einen Schurken mit goldnen Borden unter
den Hammer kriegen, der die Gesetze falschmnzt, und das Auge der
Gerechtigkeit bersilbert, oder sonst ein Herrchen von dem Gelichter --
Kerl! da ist er dir in seinem Element, und haut teufelmig, als wenn
jede Faser an ihm eine Furie wre.

~Spiegelberg.~ Hum! hum!

~Razmann.~ Neulich erfuhren wir im Wirthshaus, da ein reicher Graf
von Regensburg durchkommen wrde, der einen Proce von einer Million
durch die Pfiffe seines Advokaten durchgesetzt htte, er sa eben am
Tisch und brettelte, -- wie viel sind unserer? frug er mich, indem er
hastig aufstand, ich sah ihn die Unterlippe zwischen die Zhne klemmen,
welches er nur thut, wenn er am grimmigsten ist -- nicht mehr als fnf!
sagt' ich -- es ist genug! sagt' er, warf der Wirthinn das Geld auf
den Tisch, lie den Wein, den er sich hatte reichen lassen, unberhrt
stehen -- wir machten uns auf den Weg. Die ganze Zeit ber sprach er
kein Wort, lief abseitwrts und allein, nur da er uns von Zeit zu
Zeit fragte, ob wir noch nichts gewahr worden wren, und uns befahl
das Ohr an die Erde zu legen. Endlich so kommt der Graf hergefahren,
der Wagen schwer bepakt, der Advokat sa bey ihm drinn, voraus ein
Reuter, nebenher ritten zwey Knechte -- da httest du den Mann sehen
sollen, wie er, zwey Terzerolen in der Hand, vor uns her auf den Wagen
zusprang! und die Stimme, mit der er rief: Halt! -- der Kutscher, der
nicht Halt machen wollte, mute vom Bock herabtanzen, der Graf scho
aus dem Wagen in den Wind, die Reuter flohen -- dein Geld, Kanaille!
rief er donnernd -- er lag wie ein Stier unter dem Beil -- und bist du
der Schelm, der die Gerechtigkeit zur feilen Hure macht? Der Advokat
zitterte, da ihm die Zhne klapperten, -- der Dolch stak in seinem
Bauch wie ein Pfahl in dem Weinberg -- ich habe das meine gethan! rief
er, und wandte sich stolz von uns weg, das Plndern ist eure Sache. Und
somit verschwand er in den Wald --

~Spiegelberg.~ Hum, hum! Bruder, was ich dir vorhin erzhlt habe,
bleibt unter uns, er brauchts nicht zu wissen. Verstehst du?

~Razmann.~ Recht, recht! ich versteh.

~Spiegelberg.~ Du kennst ihn ja! Er hat so seine Grillen. Du verstehst
mich.

~Razmann.~ Ich versteh, ich versteh.

  Schwarz (_in vollem Lauf._)

~Razmann.~ Wer da? was gibts da? Passagiers im Wald?

~Schwarz.~ Hurtig, hurtig! wo sind die andern? -- tausendsakerment! ihr
steht da, und plaudert! Wit ihr denn nicht -- wit ihr denn gar nicht?
-- und Roller --

~Razmann.~ Was dann, was dann?

~Schwarz.~ Roller ist gehangen, noch vier andere mit --

~Razmann.~ Roller? Schwere Noth! seit wann -- woher weist du's?

~Schwarz.~ Schon ber drey Wochen sitzt er, und wir erfahren nichts,
schon drey Rechtstge sind ber ihn gehalten worden, und wir hren
nichts, man hat ihn auf der Tortur examinirt, wo der Hauptmann sey?
-- Der wackere Bursche hat nichts bekannt, gestern ist ihm der Proce
gemacht worden, diesen Morgen ist er dem Teufel extra Post zugefahren.

~Razmann.~ Vermaledeyt! wei es der Hauptmann?

~Schwarz.~ Erst gestern erfhrt er's. Er schumt wie ein Eber. Du
weist's, er hat immer am meisten gehalten auf Roller, und nun die
~Tortur erst~ -- Strick und Leiter sind schon an den Thurm gebracht
worden, es half nichts, er selbst hat sich schon in Kapuciners-Kutte zu
ihm geschlichen, und die Person mit ihm wechseln wollen, Roller schlugs
hartnckig ab, itzt hat er einen Eid geschworen, da es uns eiskalt
ber die Leber lief, er wolle ihm eine Todesfackel anznden, wie sie
noch keinem Knig geleuchtet hat, die ihnen den Buckel braun und blau
brennen soll. Mir ist bang fr die Stadt. Er hat schon lang eine Pique
auf sie, weil sie so schndlich bigott ist, und du weist, wenn er sagt:
ich will's thun! so ist's so viel, als wenn's unser einer gethan hat.

~Razmann.~ Das ist wahr! ich kenne den Hauptmann. Wenn er dem Teufel
sein Wort drauf gegeben htte in die Hlle zu fahren, er wrde nie
beten, wenn er mit einem halben Vater Unser seelig werden knnte! --
Aber ach! der arme Roller! -- der arme Roller! --

~Spiegelberg.~ Memento mori! Aber das regt mich nicht an. (_Trillert
ein Liedgen._)

    Geh ich vorbey am Rabensteine,
    So blinz ich nur das rechte Auge zu,
    Und denk, du hngst mir wohl alleine,
    Wer ist ein Narr, ich oder du?

~Razmann~ (_aufspringend._) Horch! Ein Schu. (_Schieen und Lermen._)

~Spiegelberg.~ Noch einer!

~Razmann.~ Wieder einer! der Hauptmann!

  (_Hinter der Scene gesungen._)

    Die Nrnberger henken keinen,
    Sie htten ihn denn vor.

  =Da Capo.=

~Schweizer. Roller.~ (_Hinter der Scene._) Holla ho! Holla ho!

~Razmann.~ Roller! Roller! Holen mich zehn Teufel!

~Schweizer. Roller.~ (_Hinter der Scene._) Razmann! Schwarz!
Spiegelberg! Razmann!

~Razmann.~ Roller! Schweizer! Bliz, Donner, Hagel und Wetter! (_Fliegen
ihm entgegen._)

  Ruber Moor (_zu Pferd._)

  Schweizer. Roller. Grimm. Schufterle.

  Rubertrupp (_mit Koth und Staub bedeckt, treten auf._)

~Ruber Moor~ (_vom Pferd springend._) Freyheit! Freyheit! -- -- du
bist im Trocknen, Roller! -- Fhr meinen Rappen ab, Schweizer, und
wasch ihn mit Wein. (_Wirft sich auf die Erde._) Das hat gegolten!

~Razmann~ (_zu Roller._) Nun bey der Feueresse des Pluto's! bist du vom
Rad auferstanden?

~Schwarz.~ Bist du sein Geist? oder bin ich ein Narr? oder bist du's
wirklich?

~Roller~ (_in Athem._) Ich bins. Leibhaftig. Ganz. Wo glaubst du, da
ich herkomme?

~Schwarz.~ Da frag die Hexe! der Stab war schon ber dich gebrochen.

~Roller.~ Das war er freylich, und noch mehr. Ich komme recta vom
Galgen her. La mich nur erst zu Athem kommen. Der Schweizer wird dir
erzhlen. Gebt mir ein Glas Brandtenwein! -- du auch wieder da, Moriz?
Ich dachte dich wo anders wieder zu sehen -- gebt mir doch ein Glas
Brandtenwein! meine Knochen fallen auseinander -- o mein Hauptmann! wo
ist mein Hauptmann?

~Schwarz.~ Gleich, gleich! -- so sag doch, so schwz doch! wie bist
du davon kommen? wie haben wir dich wieder? der Kopf geht mir um. Vom
Galgen her, sagst du?

~Roller~ (_strzt eine Flasche Brandtenwein hinunter._) Ah, das
schmeckt, das brennt ein! -- gerades Wegs vom Galgen her! sag ich. Ihr
steht da, und gafft, und knnt's nicht trumen -- ich war auch nur drey
Schritte von der Sakerments-Leiter, auf der ich in den Schoos Abrahams
steigen sollte -- so nah, so nah -- war dir schon mit Haut und Haar auf
die Anatomie verhandelt! httest mein Leben um'n Prise Schnupftaback
haben knnen, dem Hauptmann dank ich Luft, Freyheit und Leben.

~Schweizer.~ Es war ein Spa, der sich hren lt. Wir hatten den Tag
vorher durch unsre Spionen Wind gekriegt, der Roller liege tchtig im
Salz, und wenn der Himmel nicht bey Zeit noch einfallen wollte, so
werde er morgen am Tag -- das war als heut -- den Weg alles Fleisches
gehen mssen -- Auf! sagt der Hauptmann, was wiegt ein Freund nicht?
-- Wir retten ihn, oder retten ihn nicht, so wollen wir ihm wenigstens
doch eine Todesfackel anznden, wie sie noch keinem Knig geleuchtet
hat, die ihnen den Buckel braun und blau brennen soll. Die ganze Bande
wird aufgeboten. Wir schicken einen Expressen an ihn, der's ihm in
einem Zettelchen beybrachte, das er ihm in die Suppe warf.

~Roller.~ Ich verzweifelte an dem Erfolg.

~Schweizer.~ Wir paten die Zeit ab, bis die Passagen leer waren.
Die ganze Stadt zog dem Spektakel nach, Reuter und Fugnger durch
einander und Wagen, der Lerm und der Galgen-Psalm jolten weit. Izt,
sagt der Hauptmann, brennt an, brennt an! Die Kerl flogen wie Pfeile,
steckten die Stadt an drey und dreysig Eken zumal in Brand, werfen
feurige Lunten in die Nhe des Pulverthurms, in Kirchen und Scheunen --
Morbleu es war keine Viertelstunde vergangen, der Nord-Ost-Wind, der
auch seinen Zahn auf die Stadt haben mu, kam uns trefflich zu statten,
und half die Flamme bis hinauf in die obersten Gibel jagen. Wir inde
Gasse auf Gasse nieder, wie Furien -- Feuerjo! Feuerjo! durch die ganze
Stadt -- Geheul, -- Geschrey -- Gepolter -- fangen an die Brandglocken
zu brummen, knallt der Pulverthurm in die Luft, als wr die Erde mitten
entzwey geborsten, und der Himmel zerplazt, und die Hlle zehntausend
Klafter tiefer versunken.

~Roller.~ Und itzt sah mein Gefolge zurck -- da lag die Stadt wie
Gomorrha und Sodom, der ganze Horizont war Feuer, Schwefel und Rauch,
vierzig Gebrge brllen den infernalischen Schwank in die Rund herum
nach, ein panischer Schreck schmeit alle zu Boden -- itzt nutz ich
den Zeitpunkt, und risch, wie der Wind! -- ich war losgebunden, so
nah war's dabey -- da meine Begleiter versteinert wie Loths Weib
zurckschaun, Reiaus! zerrissen die Haufen! davon! Sechzig Schritte
weg werf ich die Kleider ab, strze mich in den Flu, schwimm unter'm
Wasser fort, bis ich glaubte ihnen aus dem Gesichte zu seyn. Mein
Hauptmann schon parat mit Pferden und Kleidern -- so bin ich entkommen.
Moor! Moor! mchtest du bald auch in den Pfeffer gerathen, da ich dir
gleiches mit gleichem vergelten kann!

~Razmann.~ Ein bestialischer Wunsch, fr den man dich hngen sollte --
aber es war ein Streich zum Zerplatzen.

~Roller.~ Es war Hlfe in der Noth, ihr knnt's nicht schzen. Ihr
httet sollen -- den Strick um den Hals -- mit lebendigem Leib zu
Grabe marschiren wie ich, und die sakermentalischen Anstalten und
Schinders-Ceremonien, und mit jedem Schritt, den der scheue Fu
vorwrts wankte, nher und frchterlich nher die verfluchte Maschine,
wo ich einlogirt werden sollte, im Glanz der schrcklichen Morgensonne
steigend, und die laurenden Schinders-Knechte, und die grliche Musik
-- noch raunt sie in meinen Ohren -- und das Gekrchz hungriger Raben,
die an meinem halbfaulen Antezessor zu dreysigen hiengen, und das
alles, alles -- und obendrein noch der Vorschmack der Seeligkeit, die
mir blhete! -- Bruder, Bruder! und auf einmal die Losung zur Freyheit
-- Es war ein Knall, als ob dem Himmelfa ein Raif gesprungen wre --
hrt Kanaillen! ich sag euch, wenn man aus dem glhenden Ofen in's
Eiswasser springt, kann man den Abfall nicht so stark fhlen als ich,
da ich am andern Ufer war.

~Spiegelberg~ (_lacht._) Armer Schlucker! nun ist's ja verschwitzt.
(_trinkt ihm zu._) Zur glcklichen Wiedergeburt!

~Roller~ (_wirft sein Glas weg._) Nein, bey allen Schzen des Mammons!
ich mchte das nicht zum zweytenmal erleben. Sterben ist etwas mehr als
Harlequins-Sprung, und Todes-Angst ist rger als Sterben.

~Spiegelberg.~ Und der hpfende Pulverthurm -- merkst du's izt,
Razmann? -- d'rum stank auch die Luft so nach Schwefel, stundenweit,
als wrde die ganze Garderobe des Molochs unter dem Firmament
ausgelftet -- es war ein Meisterstreich, Hauptmann! ich beneide dich
d'rum.

~Schweizer.~ Macht sich die Stadt eine Freude daraus, meinen Kameraden
wie ein verheztes Schwein abthun zu sehen, was, zum Henker! sollen wir
uns ein Gewissen daraus machen, unserem Kameraden zulieb die Stadt
drauf gehen zu lassen? Und neben her hatten unsere Kerls noch das
gefundene Fressen, ber den alten Kaiser zu plndern. -- Sagt einmal!
Was habt ihr weggekapert?

~Einer von der Bande.~ Ich hab mich whrend des Durcheinanders in die
Stephans-Kirche geschlichen und die Borden vom Altar-Tuch abgetrennt,
der liebe Gott da, sagt' ich, ist ein reicher Mann, und kann ja
Goldfden aus einem Batzenstrick machen.

~Schweizer.~ Du hast wohl gethan -- was soll auch der Plunder in einer
Kirche? Sie tragens dem Schpfer zu, der ber den Trdelkram lachet,
und seine Geschpfe drfen verhungern. -- Und du Spangeler -- wo hast
du dein Netz ausgeworfen?

~Ein zweyter.~ Ich und Bgel haben einen Kaufladen geplndert und
bringen Zeug fr unser funfzig mit.

~Ein Dritter.~ Zwey gold'ne Sackuhren hab ich weggebixt, und ein
Dutzend silberne Lffel dazu.

~Schweizer.~ Gut, gut. Und wir haben ihnen ein's angerichtet, d'ran
sie vierzeh'n Tage werden zu lschen haben. Wenn sie dem Feuer wehren
wollen, so mssen sie die Stadt durch Wasser ruiniren -- Weist du
nicht, Schufterle, wie viel es Todte gesetzt hat?

~Schufterle.~ Drey und achtzig sagt man. Der Thurm allein hat ihrer
sechszig zu Staub zerschmettert.

~Ruber Moor~ (_sehr ernst._) Roller, du bist theuer bezahlt.

~Schufterle.~ Pah! pah! was heit aber das? -- ja, wenn's Mnner
gewesen wren -- aber da warens Wikelkinder, die ihre Lacken vergolden,
eingeschnurrte Mttergen, die ihnen die Mken wehrten, ausgedrrte
Ofenhocker, die keine Thre mehr finden konnten -- Patienten, die
nach dem Doktor winselten, der in seinem gravittischen Trab der Hatz
nachgezogen war -- Was leichte Beine hatte, war ausgeflogen der Komdie
nach, und nur der Bodensatz der Stadt blieb zurck, die Huser zu hten.

~Moor.~ Oh der armen Gewrme! Kranke, sagst du, Greise und Kinder? --

~Schufterle.~ Ja zum Teufel! und Kindbetterinnen darzu, und
hochschwangere Weiber, die befrchteten, unterm lichten Galgen zu
abortiren, junge Frauen, die besorgten sich an den Schinders-Stckchen
zu versehen, und ihrem Kind im Mutterleib den Galgen auf den Buckel zu
brennen -- Arme Poeten, die keinen Schuh anzuziehen hatten, weil sie
ihr einziges Paar in die Mache gegeben, und was das Hundsgesindel mehr
ist, es lohnt sich der Mhe nicht, da man davon redet. Wie ich von
ungefehr so an einer Barake vorbeygehe, hr ich drinnen ein Gezetter,
ich guk hinein, und wie ich's beym Licht besehe, was war's? Ein Kind
war's, noch frisch und gesund, das lag auf dem Boden unter'm Tisch,
und der Tisch wollte eben angehen, -- Armes Thiergen! sagt' ich, du
verfrierst ja hier, und warf's in die Flamme --

~Moor.~ Wirklich, Schufterle? -- Und diese Flamme brenne in deinem
Busen, bis die Ewigkeit grau wird! -- Fort Ungeheuer! La dich nimmer
unter meiner Bande sehen! Murrt ihr? -- Ueberlegt ihr? -- Wer berlegt,
wann Ich befehle? -- Fort mit ihm, sag ich, -- es sind noch mehr unter
euch, die meinem Grimm reif sind. Ich kenne dich, Spiegelberg. Aber ich
will nchstens unter euch treten, und frchterlich Musterung halten.
(_Sie gehen zitternd ab._)

  Moor (_allein heftig auf- und abgehend._)

Hre sie nicht, Rcher im Himmel! -- Was kann ich dafr? Was kannst du
dafr, wenn deine Pestilenz, deine Theurung, deine Wasserfluten, den
Gerechten mit dem Bsewicht auffressen? Wer kann der Flamme befehlen,
da sie nicht auch durch die gesegneten Saaten wte, wenn sie das
Genist der Hornissel zerstren soll? -- O pfui, ber den Kinder-Mord!
den Weiber-Mord -- den Kranken-Mord! Wie beugt mich diese That! Sie
hat meine schnsten Werke vergiftet -- da steht der Knabe, schaamroth
und ausgehhnt vor dem Auge des Himmels, der sich anmate mit Jupiters
Keule zu spielen, und Pygmeen niederwarf, da er Titanen zerschmettern
sollte -- geh, geh! du bist der Mann nicht, das Rachschwerdt des
obern Tribunals zu regieren, du erlagst bey dem ersten Griff -- hier
entsag' ich dem frechen Plan, gehe, mich in irgend eine Kluft der Erde
zu verkriechen, wo der Tag vor meiner Schande zurcktritt. (_er will
fliehen._)

  Ruber (_eilig._)

Sieh dich vor, Hauptmann! Es spukt! Ganze Haufen bhmischer Reuter
schwadroniren im Holz herum -- der hllische Blaustrumpf mu ihnen
vertrtscht haben --

  Neue Ruber.

Hauptmann, Hauptmann! Sie haben uns die Spur abgelauert -- rings ziehen
ihrer etliche Tausend einen Kordon um den mittlern Wald.

  Neue Ruber.

Weh, weh, weh! Wir sind gefangen, gerdert, wir sind geviertheilt!
Viele tausend Husaren, Dragoner und Jger sprengen um die Anhhe, und
halten die Luft-Lcher besetzt.

  (_Moor geht ab._)

  Schweizer. Grimm. Roller. Schwarz. Schufterle. Spiegelberg. Razmann.
  Rubertrupp.

~Schweizer.~ Haben wir sie aus den Federn geschttelt? Freu
dich doch, Roller! Das hab ich mir lange gewnscht, mich mit so
Kommis-Brod-Rittern herumzuhauen -- wo ist der Hauptmann? Ist die
ganze Bande beysammen? Wir haben doch Pulver genug?

~Razmann.~ Pulver die schwere Meng. Aber unser sind achtzig in allem,
und so immer kaum einer gegen ihrer zwanzig.

~Schweizer.~ Desto besser! und la es fnfzig gegen meinen grossen
Nagel seyn -- Haben sie so lang gewartet, bis wir ihnen die Streu
unterm Arsch angezndet haben -- Brder, Brder! so hat's keine Noth.
Sie sezen ihr Leben an zehen Kreuzer, fechten wir nicht fr Hals und
Freyheit? -- Wir wollen ber sie her wie die Sndflut, und auf ihre
Kpfe herabfeuren wie Wetterleuchten -- Wo zum Teufel! ist dann der
Hauptmann?

~Spiegelberg.~ Er verlt uns in dieser Noth. Knnen wir denn nicht
mehr entwischen?

~Schweizer.~ Entwischen?

~Spiegelberg.~ Oh! Warum bin ich nicht geblieben in Jerusalem.

~Schweizer.~ So wollt' ich doch, da du im Kloak erstiktest, Drekseele
du! Bey nakten Nonnen hast du ein grosses Maul, aber wenn du zwey
Fuste siehst, -- Memme, zeige dich itzt, oder man soll dich in eine
Sauhaut nhen, und durch Hunde verhetzen lassen.

~Razmann.~ Der Hauptmann, der Hauptmann!

  Moor (_langsam vor sich._)

~Moor.~ Ich habe sie vollends ganz einschliessen lassen, itzt mssen
sie fechten wie Verzweifelte. (_Laut._) Kinder! Nun gilts! Wir sind
verloren, oder wir mssen fechten wie angeschossene Eber.

~Schweizer.~ Ha! ich will ihnen mit meinen Fangern den Bauch schlizen,
da ihnen die Kutteln schuhlang herausplatzen! -- Fhr uns an,
Hauptmann! Wir folgen dir in den Rachen des Todes.

~Moor.~ Ladet alle Gewehre! Es fehlt doch an Pulver nicht?

~Schweizer~ (_springt auf._) Pulver genug, die Erde gegen den Mond zu
sprengen!

~Razmann~. Jeder hat fnf paar Pistolen geladen, jeder noch drey
Kugelbchsen darzu.

~Moor.~ Gut, gut! Und nun mu ein Theil auf die Bume klettern, oder
sich in's Dickicht verstecken, und Feuer auf sie geben im Hinterhalt --

~Schweizer.~ Da gehrst du hin, Spiegelberg!

~Moor.~ Wir andern, wie Furien, fallen ihnen in die Flanken.

~Schweizer.~ Darunter bin ich, ich!

~Moor.~ Zugleich mu jeder sein Pfeifchen hren lassen, im Wald
herumjagen, da unsere Anzahl schrcklicher werde: auch mssen alle
Hunde los, und in ihre Glieder gehetzt werden, da sie sich trennen,
zerstreuen, und euch in den Schu rennen. Wir drey, Roller, Schweizer
und ich, fechten im Gedrnge.

~Schweizer.~ Meisterlich, vortrefflich! -- Wir wollen sie
zusammenwettern, da sie nicht wissen, wo sie die Ohrfeigen herkriegen.
Ich habe wohl ehe eine Kirsche vom Maul weggeschossen, la sie nur
anlaufen. (_Schufterle zupft Schweizern, dieser nimmt den Hauptmann
beyseit, und spricht leise mit ihm._)

~Moor.~ Schweig!

~Schweizer.~ Ich bitte dich --

~Moor.~ Weg! Er dank es seiner Schande, sie hat ihn gerettet. Er soll
nicht sterben, wenn ich und mein Schweizer sterben, und mein Roller.
La ihn die Kleider ausziehen, so will ich sagen, er sey ein Reisender,
und ich habe ihn bestohlen -- Sey ruhig, Schweizer! Ich schwre darauf,
er wird doch noch gehangen werden.

  Pater (_tritt auf._)

~Pater~ (_vor sich, stutzt._) Ist das das Drachen-Nest? -- Mit eurer
Erlaubni, meine Herren! Ich bin ein Diener der Kirche, und draussen
stehen siebenzehnhundert, die jedes Haar auf meinen Schlfen bewachen.

~Schweizer.~ Bravo! bravo! das war wohlgesprochen sich den Magen warm
zu halten.

~Moor.~ Schweig, Kamerad! -- Sagen Sie kurz, Herr Pater! was haben Sie
hier zu thun?

~Pater.~ Mich sendet die hohe Obrigkeit, die ber Leben und Tod spricht
-- ihr Diebe -- ihr Mordbrenner -- ihr Schelmen -- giftige Otterbrut,
die im Finstern schleicht, und im Verborgenen sticht -- Aussatz der
Menschheit -- Hllenbrut, -- kstliches Mahl fr Raben und Ungeziefer
-- Kolonie fr Galgen und Rad --

~Schweizer.~ Hund! hr auf zu schimpfen, oder -- (_er drckt ihm den
Kolben vor's Gesicht._)

~Moor.~ Pfui doch, Schweizer! du verdirbst ihm ja das Koncept -- er hat
seine Predigt so brav auswendig gelernt -- nur weiter mein Herr! --
fr Galgen und Rad?

~Pater.~ Und du, feiner Hauptmann! Herzog der Beutelschneider!
Gauner-Knig! Gros-Mogol aller Schelmen unter der Sonne! -- Ganz
hnlich jenem ersten abscheulichen Rdelsfhrer, der tausend Legionen
schuldloser Engel in rebellisches Feuer fachte, und mit sich hinab in
den tiefen Pfuhl der Verdammni zog -- das Zettergeschrey verlassener
Mtter heult deinen Fersen nach, Blut saufst du wie Wasser, Menschen
wgen auf deinem mrderischen Dolch keine Luftblase auf. --

~Moor.~ Sehr wahr, sehr wahr! Nur weiter!

~Pater.~ Was? sehr wahr, sehr wahr? ist das auch eine Antwort?

~Moor.~ Wie, mein Herr? darauf haben Sie sich wohl nicht gefat
gemacht? Weiter, nur weiter! Was wollten Sie weiter sagen?

~Pater~ (_im Eifer._) Entsetzlicher Mensch! hebe dich weg von mir!
Picht nicht das Blut des ermordeten Reichs-Grafen an deinen verfluchten
Fingern? Hast du nicht das Heiligthum des Herrn mit diebischen Hnden
durchbrochen, und mit einem Schelmengriff die geweihten Gefsse
des Nachtmahls entwandt? Wie? hast du nicht Feuerbrnde in unsere
gottesfrchtige Stadt geworfen? und den Pulverthurm ber die Hupter
guter Christen herabgestrzt? (_Mit zusammengeschlagenen Hnden._)
Greuliche, greuliche Frevel, die bis zum Himmel hinaufstinken, das
jngste Gericht waffnen, da es reissend daher bricht! Reif zur
Vergeltung, zeitig zur letzten Posaune!

~Moor.~ Meisterlich gerathen bis hieher! aber zur Sache! Was lt mir
der hochlbliche Magistrat durch Sie kund machen?

~Pater.~ Was du nie werth bist, zu empfangen -- Schau um dich,
Mordbrenner! Was nur dein Auge absehen kann, bist du eingeschlossen von
unsern Reutern -- hier ist kein Raum zum Entrinnen mehr -- so gewi
Kirschen auf diesen Eichen wachsen, und diese Tannen Pfirsiche tragen,
so gewi werdet ihr unversehrt diesen Eichen und diesen Tannen den
Rcken kehren.

~Moor.~ Hrst du's wohl, Schweizer? -- Aber nur weiter!

~Pater.~ Hre dann, wie gtig, wie langmthig das Gericht mit dir
Bswicht verfhrt. Wirst du itzt gleich zum Kreuz kriechen und um Gnade
und Schonung flehen, siehe, so wird dir die Strenge selbst Erbarmen,
die Gerechtigkeit eine liebende Mutter seyn -- sie drckt das Auge bey
der Hlfte deiner Verbrechen zu, und lt es -- denk doch! -- und lt
es bey ~dem Rade bewenden~.

~Schweizer.~ Hast du's gehrt, Hauptmann? Soll ich hingeh'n, und diesem
abgerichteten Schferhund die Gurgel zusammen schnren, da ihm der
rothe Saft aus allen Schweislchern sprudelt? --

~Roller.~ Hauptmann! -- Sturm! Wetter und Hlle! -- Hauptmann, -- wie
er die Unterlippe zwischen die Zhne klemmt! soll ich diesen Kerl das
oberst zu unterst unter's Firmament wie einen Kegel aufsetzen?

~Schweizer.~ Mir! mir! La mich knien, vor dir niederfallen! Mir la
die Wohllust, ihn zu Brey zusammenzureiben!

  (Pater schreyt.)

~Moor.~ Weg von ihm! Wag es keiner, ihn anzurhren! -- (_Zum Pater,
indem er seinen Degen zieht!_) Sehen Sie, Herr Pater! hier stehen
neun-und siebenzig, deren Hauptmann ich bin, und wei keiner auf
Wink und Kommando zu fliegen, oder nach Kanonen-Musik zu tanzen, und
draussen steh'n siebenzehnhundert unter Mousqueten ergraut -- aber
hren Sie nun! so redet Moor, der Mordbrenner Hauptmann: Wahr ist's,
ich habe den Reichsgrafen erschlagen, die Dominikus-Kirche angezndet
und geplndert, hab Feuerbrnde in eure bigotte Stadt geworfen, und
den Pulverthurm ber die Hupter guter Christen herabgestrzt -- aber
es ist noch nicht alles. Ich habe noch mehr gethan. (_Er streckt seine
rechte Hand aus._) Bemerken Sie die vier kostbaren Ringe, die ich an
jedem Finger trage -- gehen Sie hin, und richten Sie Punkt fr Punkt
den Herren des Gerichts ber Leben und Tod aus, was Sie sehen und hren
werden -- diesen Rubin zog ich einem Minister vom Finger, den ich auf
der Jagd zu den Fen seines Frsten niederwarf. Er hatte sich aus dem
Pbelstaub zu einem ersten Gnstling empor geschmeichelt, der Fall
seines Nachbars war seiner Hoheit Schemel -- Thrnen der Waisen huben
ihn auf. Diesen Demant zog ich einem Finanzrath ab, der Ehrenstellen
und Aemter an die Meistbietenden verkaufte und den traurenden Patrioten
von seiner Thre stie. -- Diesen Achat trag ich einem Pfaffen Ihres
Gelichters zur Ehre, den ich mit eigener Hand erwrgte, als er auf
offener Kanzel geweint hatte, da die Inquisition so in Zerfall kme
-- ich knnte Ihnen noch mehr Geschichten von meinen Ringen erzhlen,
wenn mich nicht schon die paar Worte gereuten, die ich mit Ihnen
verschwendet habe --

~Pater.~ O Pharao! Pharao!

~Moor.~ Hrt ihr's wohl? Habt ihr den Seufzer bemerkt? Steht er nicht
da, als wollte er Feuer vom Himmel auf die Rotte Korah herunter beten,
richtet mit einem Achselzucken, verdammt mit einem christlichen ~Ach~!
-- Kann der Mensch denn so blind seyn? Er, der die hundert Augen des
Argus hat Flecken an seinem Bruder zu sphen, kann er so gar blind
gegen sich selbst seyn? -- Da donnern sie Sanftmuth und Duldung aus
ihren Wolken, und bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer wie einem
feuerarmigen Moloch -- predigen Liebe des Nchsten, und fluchen den
achtzigjhrigen Blinden von ihren Thren hinweg: -- strmen wider den
Geiz und haben Peru um gold'ner Spangen willen entvlkert und die
Heyden wie Zugvieh vor ihre Wagen gespannt -- Sie zerbrechen sich die
Kpfe, wie es doch mglich gewesen wre, da die Natur htte knnen
einen Ischariot schaffen, und nicht der schlimmste unter ihnen wrde
den dreyeinigen Gott um zehen Silberlinge verrathen. -- O ber euch
Phariser, euch Falschmnzer der Wahrheit, euch Affen der Gottheit!
Ihr scheut euch nicht vor Kreuz und Altren zu knien, zerfleischt
eure Rcken mit Riemen, und foltert euer Fleisch mit Fasten; ihr
whnt mit diesen erbrmlichen Gaukeleyen demjenigen einen blauen
Dunst vorzumachen, den ihr Thoren doch den Allwissenden nennt, nicht
anders, als wie man der Grossen am bittersten spottet, wenn man ihnen
schmeichelt, da sie die Schmeichler hassen; ihr pocht auf Ehrlichkeit
und exemplarischen Wandel, und der Gott, der euer Herz durchschaut,
wrde wider den Schpfer ergrimmen, wenn er nicht eben der wre, der
das Ungeheuer am Nilus erschaffen hat. -- Schafft ihn aus meinen Augen.

~Pater.~ Da ein Bsewicht noch so stolz seyn kann!

~Moor.~ Nicht genug -- Itzt will ich stolz reden. Geh hin, und sage
dem hochlblichen Gericht, das ber Leben und Tod wrfelt -- Ich bin
kein Dieb, der sich mit Schlaf und Mitternacht verschwrt, und auf
der Leiter gros und herrisch thut -- was ich gethan habe, werd ich
ohne Zweifel einmal im Schuldbuch des Himmels lesen, aber mit seinen
erbrmlichen Verwesern will ich kein Wort mehr verlieren. Sag ihnen,
mein Handwerk ist Wiedervergeltung -- Rache ist mein Gewerbe. (_Er
kehrt ihm den Rcken zu._)

~Pater.~ Du willst also nicht Schonung und Gnade? -- Gut, mit dir bin
ich fertig. (_Wendet sich zu der Bande._) So hret dann ihr, was die
Gerechtigkeit euch durch mich zu wissen thut! -- Werdet ihr itzt gleich
diesen verurtheilten Missethter gebunden berliefern, seht, so soll
euch die Strafe eurer Greuel bis auf das letzte Andenken erlassen seyn
-- die heilige Kirche wird euch verlorne Schafe mit erneuerter Liebe
in ihren Mutterschoos aufnehmen, und jedem unter euch soll der Weg zu
einem Ehren-Amt offen steh'n. (_mit triumphirendem Lcheln._) Nun, nun?
Wie schmeckt das, Euer Majestt? -- Frisch also! Bindet ihn, und seyd
frey!

~Moor.~ Hrt ihr's auch? Hrt ihr? Was stutzt ihr? Was steht ihr
verlegen da? Sie bietet euch Freyheit, und ihr seyd wirklich schon ihre
Gefangene. -- Sie schenkt euch das Leben, und das ist keine Prahlerey,
denn ihr seyd wahrhaftig gerichtet. -- Sie verheit euch Ehren und
Aemter, und was kann euer Loos anders seyn, wenn ihr auch obsiegtet,
als Schmach und Fluch und Verfolgung. -- Sie kndigt euch Vershnung
vom Himmel an, und ihr seyd wirklich verdammt. Es ist kein Haar an
keinem unter euch, das nicht in die Hlle fhrt. Ueberlegt ihr noch?
Wankt ihr noch? Ist es so schwer zwischen Himmel und Hlle zu whlen?
Helfen Sie doch, Herr Pater!

~Pater~ (_vor sich._) Ist der Kerl unsinnig? -- Sorgt ihr etwa, da di
eine Falle sey, euch lebendig zu fangen? -- Leset selbst, hier ist der
General-Pardon unterschrieben. (_Er gibt Schweizern ein Papier._) Knnt
ihr noch zweifeln?

~Moor.~ Seht doch, seht doch! Was knnt ihr mehr verlangen? --
Unterschrieben mit eigener Hand -- es ist Gnade ber alle Grenzen --
oder frchtet ihr wohl, sie werden ihr Wort brechen, weil ihr einmal
gehrt habt, da man Verrthern nicht Wort hlt? -- O seyd ausser
Furcht! Schon die Politik knnte sie zwingen, Wort zu halten, wenn
sie es auch dem Satan gegeben htten. Wer wrde ihnen in Zukunft noch
Glauben beymessen? Wie wrden sie je einen zweyten Gebrauch davon
machen knnen? -- Ich wollte darauf schwren, sie meinens aufrichtig.
Sie wissen, da ich es bin, der euch emprt und erbittert hat, euch
halten sie fr unschuldig. Eure Verbrechen legen sie fr Jugendfehler,
fr Uebereilungen aus. Mich allein wollen Sie haben, ich allein
verdiene zu bssen. Ist es nicht so, Herr Pater?

~Pater.~ Wie heit der Teufel, der aus ihm spricht? -- Ja freylich,
freylich ist es so -- der Kerl macht mich wirbeln.

~Moor.~ Wie, noch keine Antwort? denkt ihr wohl gar mit den Waffen
noch durchzureissen? Schaut doch um euch, schaut doch um euch! das
werdet ihr doch nicht denken, das wre itzt kindische Zuversicht. --
Oder schmeichelt ihr euch wohl gar als Helden zu fallen, weil ihr
saht, da ich mich auf's Getmmel freute? -- Oh glaubt das nicht! Ihr
seyd nicht ~Moor~. -- Ihr seyd heillose Diebe! Elende Werkzeuge meiner
grsern Plane, wie der Strick verchtlich in der Hand des Henkers! --
Diebe knnen nicht fallen, wie Helden fallen. Das Leben ist den Dieben
Gewinn, dann kommt was schrckliches nach -- Diebe haben das Recht,
vor dem Tode zu zittern. -- Hret, wie ihre Hrner tnen! Sehet, wie
drohend ihre Sbel daher blinken! wie? noch unschlssig? seyd ihr toll?
seyd ihr wahnwitzig? -- Es ist unverzeihlich! Ich dank euch mein Leben
nicht, ich schme mich eures Opfers!

~Pater~ (_uerst erstaunt._) Ich werde unsinnig, ich laufe davon! Hat
man je von so was gehrt?

~Moor.~ Oder frchtet ihr wohl, ich werde mich selbst erstechen,
und durch einen Selbstmord den Vertrag zernichten, der nur an dem
Lebendigen haftet? Nein, Kinder! das ist eine unntze Furcht. Hier
werf ich meinen Dolch weg, und meine Pistolen und di Flschgen mit
Gift, das mir noch wohlkommen sollte -- ich bin so elend, da ich auch
die Herrschaft ber mein Leben verloren habe -- Was, noch unschlssig?
Oder glaubt ihr vielleicht, ich werde mich zur Wehr setzen, wenn ihr
mich binden wollt? Seht! hier bind ich meine rechte Hand an diesen
Eichenast, ich bin ganz wehrlos, ein Kind kann mich umwerfen -- Wer ist
der erste, der seinen Hauptmann in der Noth verlt?

~Roller~ (_in wilder Bewegung._) Und wann die Hlle uns neunfach
umzingelte! (_schwenkt seinen Degen._) Wer kein Hund ist, rette den
Hauptmann!

~Schweizer~ (_Zerreit den Pardon, und wirft die Stcke dem Pater in's
Gesicht._) In unsern Kugeln Pardon! Fort Kanaille! sag dem Senat,
der dich gesandt hat, du trfst unter Moor's Bande keinen einzigen
Verrther an -- Rettet, rettet den Hauptmann!

~Alle~ (_lermen._) Rettet, rettet, rettet den Hauptmann!

~Moor~ (_sich losreissend, freudig._) Itzt sind wir frey -- Kameraden!
Ich fhle eine Armee in meiner Faust -- Tod oder Freyheit! wenigstens
sollen sie keinen lebendig haben!

  (Man blst zum Angriff. Lerm und Getmmel. Sie gehen ab mit gezogenem
  Degen.)




Dritter Akt.


Erste Scene.

  Amalia (_im Garten, spielt auf der Laute._)

    Schn wie Engel, voll Walhalla's Wonne,
      Schn vor allen Jnglingen war er,
    Himmlisch mild sein Blick, wie Mayen-Sonne
      Rckgestralt vom blauen Spiegel-Meer.

    Sein Umarmen -- wthendes Entzcken! --
      Mchtig feurig klopfte Herz an Herz,
    Mund und Ohr gefesselt -- Nacht vor unsern Blicken --
      Und der Geist gewirbelt himmelwrts.

    Seine Ksse -- paradisisch Fhlen! --
      Wie zwo Flammen sich ergreiffen, wie
    Harfentne in einander spielen
      Zu der himmelvollen Harmonie,

    Strzten, flogen, rasten Geist und Geist zusammen,
      Lippen, Wangen brannten, zitterten, --
    Seele rann in Seele -- Erd und Himmel schwammen
      Wie zerronnen, um die Liebenden.

    Er ist hin -- vergebens ach! vergebens
      Sthnet ihm der bange Seufzer nach.
    Er ist hin -- und alle Lust des Lebens
      Wimmert hin in ein verlornes Ach! --

  ~Franz~ tritt auf.

~Franz.~ Schon wieder hier, eigensinnige Schwrmerinn? Du hast dich vom
frohen Mahle hinweggestohlen, und den Gsten die Freude verdorben.

~Amalia.~ Schade fr diese unschuldige Freuden! das Todtenlied mu noch
in deinen Ohren murmeln, das deinem Vater zu Grabe hallte --

~Franz.~ Willst du denn ewig klagen? La die Todten schlafen, und mache
die Lebendigen glcklich! Ich komme --

~Amalia.~ Und wann gehst du wieder?

~Franz.~ O weh! kein so finsteres stolzes Gesicht! du betrbst mich,
Amalia. Ich komme dir zu sagen --

~Amalia.~ Ich mu wol hren, Franz von Moor ist ja gndiger Herr worden.

~Franz.~ Ja recht, das wars, worber ich dich vernehmen wollte --
Maximilian ist schlafen gegangen in der Vter Gruft. Ich bin Herr. Aber
ich mchte es vollends ganz seyn, Amalia. -- Du weist, was du unserm
Hause warst, du wardst gehalten wie Moors Tochter, selbst den Tod
berlebte seine Liebe zu dir, das wirst du wol niemals vergessen? --

~Amalia.~ Niemals, niemals. Wer das auch so leichtsinnig beym frohen
Mahle hinwegzechen knnte!

~Franz.~ Die Liebe meines Vaters must du in seinen Shnen belohnen, und
Karl ist todt -- staunst du? schwindelt dir? Ja wahrhaftig, der Gedanke
ist auch so schmeichelnd erhaben, da er selbst den Stolz eines Weibes
betubt. Franz tritt die Hoffnungen der edelsten Fruleins mit Fssen,
Franz kommt und bietet einer armen ohne ihn hlflosen Waise sein Herz,
seine Hand, und mit ihr all sein Gold an und all seine Schlsser
und Wlder. -- Franz der Beneidete, der Gefrchtete, erklrt sich
freywillig fr Amalia's Sklaven --

~Amalia.~ Warum spaltet der Bliz die ruchlose Zunge nicht, die das
Frevelwort ausspricht! Du hast meinen Geliebten ermordet, und Amalia
soll dich Gemahl nennen! Du --

~Franz.~ Nicht so ungestmm, allergndigste Prinzessinn! -- Freylich
krmmt Franz sich nicht wie ein girrender Seladon vor dir -- freylich
hat er nicht gelernt, gleich dem schmachtenden Schfer Arkadiens, dem
Echo der Grotten und Felsen seine Liebesklagen entgegen zu jammern --
Franz spricht und wenn man nicht antwortet, so wird er -- ~befehlen~.

~Amalia.~ Wurm du, befehlen? mir befehlen? -- und wenn man den Befehl
mit Hohnlachen zurckschickt?

~Franz.~ Das wirst du nicht. Noch wei ich Mittel, die den Stolz eines
einbildischen Starrkopfs so hbsch niederbeugen knnen -- Kloster und
Mauren!

~Amalia.~ Bravo! herrlich! und in Kloster und Mauren mit deinem
Basilisken-Anblick auf ewig verschont, und Musse genug, an Karln zu
denken, zu hangen. Willkommen mit deinem Kloster! auf, auf mit deinen
Mauren!

~Franz.~ Haha! ist es das? -- gib Acht! Izt hast du mich die Kunst
gelehrt, wie ich dich qulen soll -- diese ewige Grille von Karl
soll dir mein Anblick gleich einer feuerhaarigen Furie aus dem
Kopfe geiseln, das Schreckbild ~Franz~ soll hinter dem Bild deines
Lieblings im Hinterhalt lauren, gleich dem verzauberten Hund, der auf
unterirdischen Goldksten liegt -- an den Haaren will ich dich in die
Kapelle schleifen, den Degen in der Hand, dir den ehlichen Schwur aus
der Seele pressen, dein jungfruliches Bette mit Sturm ersteigen, und
deine stolze Scham mit noch grserem Stolze besiegen.

~Amalia~ (_giebt ihm eine Maulschelle._) Nimm erst das zur Aussteuer
hin!

~Franz~ (_aufgebracht._) Ha! wie das zehnfach, und wieder zehnfach
geahndet werden soll! -- Nicht meine Gemahlinn -- die Ehre sollst du
nicht haben. -- meine Maitresse sollst du werden, da die ehrlichen
Bauernweiber mit Fingern auf dich deuten, wenn du es wagst und ber
die Gasse gehst. Knirsche nur mit den Zhnen -- speye Feuer und Mord
aus den Augen -- mich ergtzt der Grimm eines Weibes, macht dich nur
schner, begehrenswerther. Komm -- dieses Struben wird meinen Triumph
zieren und mir die Wohllust in erzwungenen Umarmungen wrzen -- Komm
mit in meine Kammer -- ich glhe vor Sehnsucht -- itzt gleich sollst du
mit mir gehn. (_will sie fortreien_)

~Amalia~ (_fllt ihm um den Hals._) Verzeih mir Franz! (_wie er sie
umarmen will, reit sie ihm den Degen von der Seite und tritt hastig
zurck._) Siehst du Bsewicht, was ich jetzt aus dir machen kann?
-- Ich bin ein Weib, aber ein rasendes Weib -- wag es einmal mit
unzchtigem Griff meinen Leib zu betasten -- dieser Stahl soll deine
geile Brust mitten durchrennen, und der ~Geist~ meines Oheims wird mir
die Hand dazu fhren. Fleuch auf der Stelle! (_Sie jagt ihn davon._)

  Amalia.

Ah! wie mir wohl ist -- Itzt kann ich frey athmen -- ich fhlte mich
stark wie das funkensprhende Ro, grimmig wie die Tygerinn dem
siegbrllenden Ruber ihrer Jungen nach -- In ein Kloster, sagt er --
Dank dir fr diese glckliche Entdeckung! -- Itzt hat die betrogene
Liebe ihre Freystatt gefunden -- das Kloster -- das Kreuz des Erlsers
ist die Freystatt der betrognen Liebe. (_Sie will gehn._)

  Herrmann (_tritt schchtern herein._)

~Herrmann.~ Frulein Amalia! Frulein Amalia!

~Amalia.~ Unglcklicher! Was strest du mich?

~Herrmann.~ Dieser Zentner mu von meiner Seele, eh er sie zur Hlle
drckt (_wirft sich vor ihr nieder._) Vergebung! Vergebung! Ich hab
euch sehr beleidigt, Frulein Amalia.

~Amalia.~ Steh auf! Geh! Ich will nichts wissen. (_Will fort._)

~Herrmann.~ (_der sie zurckhlt._) Nein! Bleibt! Bey Gott! Bey dem
ewigen Gott! Ihr sollt alles wissen!

~Amalia.~ Keinen Laut weiter -- Ich vergebe dir -- Ziehe heim im
Frieden.

  (Will hinweg eilen.)

~Herrmann.~ So hret nur ein einziges Wort -- es wird euch all' eure
Ruhe wiedergeben.

~Amalia~ (_kommt zurck und blickt ihn verwundernd an._) Wie Freund? --
wer im Himmel und auf Erden kann mir meine Ruhe wiedergeben?

~Herrmann.~ Das kann von meinen Lippen ein einziges Wort -- hret mich
an.

~Amalia~ (_mit Mitleiden seine Hand ergreifend._) Guter Mensch -- Kann
ein Wort von deinen Lippen die Riegel der Ewigkeit aufreissen?

~Herrmann~ (_steht auf._) Karl lebt noch!

~Amalia~ (_schreyend._) Unglcklicher!

~Herrmann.~ Nicht anders -- Nun noch ein Wort -- euer Oheim --

~Amalia~ (_gegen ihn herstrzend._) Du lgst --

~Herrmann.~ Euer Oheim --

~Amalia.~ Karl lebt noch!

~Herrmann.~ Und euer Oheim --

~Amalia.~ Karl lebt noch?

~Herrmann.~ Auch euer Oheim -- Verrathet mich nicht, (_eilt hinaus._)

~Amalia~ (_steht lang wie versteinert. Dann fhrt sie wild auf, eilt
ihm nach._) Karl lebt noch!


Zweyte Scene.

    Gegend an der Donau.

  Die Ruber.

  (_gelagert auf einer Anhhe unter Bumen, die Pferde weiden am Hgel
  hinunter._)

~Moor.~ Hier mu ich liegen bleiben (_wirft sich auf die Erde._)
Meine Glieder wie abgeschlagen. Meine Zunge trocken, wie eine Scherbe
(_Schweizer verliert sich unvermerkt._) Ich wollt' euch bitten, mir
eine Handvoll Wassers aus diesem Strome zu holen, aber ihr seyd alle
matt bis in den Tod.

~Schwarz.~ Auch ist der Wein all in unsern Schluchen.

~Moor.~ Seht doch, wie schn das Getraide steht! -- Die Bume brechen
fast unter ihrem Seegen. -- Der Weinstock voll Hoffnung.

~Grimm.~ Es gibt ein fruchtbares Jahr.

~Moor.~ Meinst du? -- Und so wrde doch ~Ein~ Schwei in der Welt
bezahlt. ~Einer?~ -- -- Aber es kann ja ber Nacht ein Hagel fallen und
alles zu Grund schlagen.

~Schwarz.~ Das ist leicht mglich. Es kann alles zu Grund gehen, wenige
Stunden vorm Schneiden.

~Moor.~ Das sag ich ja. Es wird alles zu Grund gehn. Warum soll
dem Menschen das gelingen, was er von der Ameise hat, wenn ihm das
fehlschlgt, was ihn den Gttern gleich macht? -- oder ist hier die
Mark seiner Bestimmung?

~Schwarz.~ Ich kenne sie nicht.

~Moor.~ Du hast gut gesagt, und noch besser gethan, wenn du sie nie zu
kennen verlangtest! -- Bruder -- ich habe die Menschen gesehen, ihre
Bienensorgen, und ihre Riesenprojekte -- ihre Gtterplane und ihre
Musegeschfte, das wunderseltsame Wettrennen nach Glckseligkeit; --
dieser dem Schwung seines Rosses anvertraut -- ein anderer der Nase
seines Esels -- ein dritter seinen eigenen Beinen; dieses bunte Lotto
des Lebens, worein so mancher seine Unschuld, und -- seinen Himmel
setzt, einen Treffer zu haschen, und -- Nullen sind der Auszug --
am Ende war kein Treffer darinn. Es ist ein Schauspiel, Bruder, das
Thrnen in deine Augen lockt, wenn es dein Zwerchfell zum Gelchter
kitzelt.

~Schwarz.~ Wie herrlich die Sonne dort untergeht!

~Moor~ (_in den Anblick versenkt._) So stirbt ein Held! --
Anbetenswrdig!

~Grimm.~ Du scheinst tief gerhrt.

~Moor.~ Da ich noch ein Bube war -- wars mein Lieblings-Gedanke wie sie
zu leben, zu sterben wie sie -- (_mit verbinem Schmerz._) Es war ein
Bubengedanke!

~Grimm.~ Das will ich hoffen.

~Moor~ (_drckt den Hut bers Gesicht._) Es war eine Zeit -- Lat mich
allein, Kameraden.

~Schwarz.~ Moor! Moor! Was zum Henker? -- wie er seine Farbe verndert!

~Grimm.~ Alle Teufel! was hat er? wird ihm bel?

~Moor.~ Es war eine Zeit, wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein
Nachtgebet vergessen hatte --

~Grimm.~ Bist du wahnsinnig? Willst du dich von deinen Bubenjahren
hofmeistern lassen?

~Moor~ (_legt sein Haupt auf Grimms Brust._) Bruder! Bruder!

~Grimm.~ Wie? sey doch kein Kind -- ich bitte dich --

~Moor.~ Wr' ich's -- wr' ich's wieder!

~Grimm.~ Pfui! Pfui!

~Schwarz.~ Heitre dich auf. Sieh diese mahlerische Landschaft -- den
lieblichen Abend.

~Moor.~ Ja Freunde, diese Welt ist so schn.

~Schwarz.~ Nun, das war wohl gesprochen.

~Moor.~ Diese Erde so herrlich.

~Grimm.~ Recht -- recht -- so hr' ich's gerne.

~Moor~ (_zurckgesunken._) Und ich so hlich auf dieser schnen Welt
-- und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde.

~Grimm.~ O weh! o weh!

~Moor.~ Meine Unschuld! Meine Unschuld! -- Seht! es ist alles
hinausgegangen, sich im friedlichen Stral des Frhlings zu sonnen --
warum ich allein die Hlle saugen aus den Freuden des Himmels? --
da alles so glcklich ist, durch den Geist des Friedens alles so
verschwistert! -- die ganze Welt ~Eine~ Familie und ein Vater dort
oben -- ~Mein~ Vater nicht -- Ich allein der Verstossene, ich allein
ausgemustert aus den Reihen der Reinen -- mir nicht der se Name Kind
-- nimmer mir der Geliebten schmachtender Blick -- nimmer, nimmer des
Busenfreundes Umarmung (_wild zurckfahrend._) Umlagert von Mrdern
-- von Nattern umzischt -- angeschmiedet an das Laster mit eisernen
Banden -- hinausschwindelnd in's Grab des Verderbens auf des Lasters
schwankendem Rohr -- mitten in den Blumen der glcklichen Welt ein
heulender Abbadona!

~Schwarz~ (_zu den brigen._) Unbegreiflich! Ich hab ihn nie so gesehen.

~Moor~ (_mit Wehmuth._) Da ich wiederkehren drfte in meiner Mutter
Leib! da ich ein Bettler geboren werden drfte! -- Nein! ich wollte
nicht mehr, o Himmel -- da ich werden drfte wie dieser Taglhner
einer! -- O ich wollte mich abmden, da mir das Blut von den Schlfen
rollte -- mir die Wohllust eines einzigen Mittagschlafs zu erkaufen --
die Seligkeit einer einzigen Thrne.

~Grimm~ (_zu den andern._) Nur Geduld, der Paroxysmus ist schon im
Fallen.

~Moor.~ Es war eine Zeit, wo sie mir so gern floen -- o ihr Tage
des Friedens! Du Schlo meines Vaters -- ihr grnen schwrmerischen
Thler! O all ihr Elysiums-Scenen meiner Kindheit! -- Werdet ihr nimmer
zurckkehren -- nimmer mit kstlichem Suseln meinen brennenden Busen
khlen? -- Traure mit mir Natur -- Sie werden nimmer zurckkehren,
nimmer mit kstlichem Suseln meinen brennenden Busen khlen. -- Dahin!
dahin! unwiederbringlich! --

  Schweizer (_mit Wasser im Hut._)

~Schweizer.~ Sauf zu, Hauptmann -- hier ist Wasser genug, und frisch
wie Eis.

~Schwarz.~ Du blutest ja -- was hast du gemacht?

~Schweizer.~ Narr, einen Spa, der mich bald zwey Beine und
einen Hals gekostet htte. Wie ich so auf dem Sandhgel am Flu
hintrolle, glitsch, so rutscht der Plunder unter mir ab, und ich zehn
rheinlndische Schuhe lang hinunter -- da lag ich, und wie ich mir eben
meine fnf Sinne wieder zurecht setze, treff ich dir das klarste Wasser
im Kies. Genug diemal fr den Tanz, dacht' ich, dem Hauptmann wirds
wohl schmecken.

~Moor~ (_gibt ihm den Hut zurck, und wischt ihm sein Gesicht ab._)
Sonst sieht man ja die Narben nicht, die die bhmischen Reuter in deine
Stirne gezeichnet haben -- dein Wasser war gut, Schweizer -- diese
Narben stehen dir schn.

~Schweizer.~ Pah! hat noch Platz genug fr ihrer dreyig.

~Moor.~ Ja, Kinder -- es war ein heier Nachmittag -- und nur ~Einen~
Mann verloren -- mein Roller starb einen schnen Tod. Man wrde einen
Marmor auf seine Gebeine setzen, wenn er nicht mir gestorben wre.
Nehmet vorlieb mit diesem (_er wischt sich die Augen._) Wie viel warens
doch von den Feinden, die auf dem Platz blieben?

~Schweizer.~ Hundert und sechszig Husaren -- drey und neunzig Dragoner,
gegen vierzig Jger -- dreyhundert in allem.

~Moor.~ Dreyhundert fr Einen! -- Jeder von Euch hat Anspruch an diesen
Scheitel! (_Er entblt sich das Haupt._) Hier heb ich meinen Dolch
auf! So wahr meine Seele lebt! ~Ich will euch niemals verlassen.~

~Schweizer.~ Schwre nicht! du weist nicht, ob du nicht noch glcklich
werden, und bereuen wirst.

~Moor.~ ~Bey den Gebeinen meines Rollers! Ich will euch niemals
verlassen.~

  Kosinsky (_kommt._)

~Kosinsky~ (_vor sich._) In dieser Revier herum, sagen sie, werd ich
ihn antreffen -- he holla! was sind das fr Gesichter? -- Solltens --
wie wenn's diese -- sie sind's, sind's! -- ich will sie anreden.

~Schwarz.~ Gebt Acht! wer kommt da?

~Kosinsky.~ Meine Herrn! verzeihen Sie! Ich wei nicht, geh ich recht,
oder unrecht?

~Moor.~ Und wer mssen wir seyn, wenn Sie recht geh'n?

~Kosinsky.~ Mnner!

~Schweizer.~ Ob wir das auch gezeigt haben, Hauptmann?

~Kosinsky.~ Mnner such' ich, die dem Tod in's Gesicht sehen, und die
Gefahr wie eine zahme Schlange um sich spielen lassen, die Freyheit
hher schtzen, als Ehre und Leben, deren bloser Name, willkommen dem
Armen und Unterdrckten, die Beherztesten feig und Tyrannen bleich
macht.

~Schweizer~ (_zum Hauptmann._) Der Bursche gefllt mir. -- Hre, guter
Freund! Du hast deine Leute gefunden.

~Kosinsky.~ Das denk' ich, und will hoffen, bald meine Brder. -- So
knnt ihr mich dann zu meinem rechten Manne weisen, denn ich such
euren Hauptmann, den grosen Grafen von Moor.

~Schweizer~ (_gibt ihm die Hand mit Wrme._) Lieber Junge! wir dutzen
einander.

~Moor~ (_nher kommend._) Kennen Sie auch den Hauptmann?

~Kosinsky.~ ~Du~ bist's -- in dieser Miene -- wer sollte dich anseh'n,
und einen andern suchen? (_starrt ihn lang an._) Ich habe mir immer
gewnscht, den Mann mit dem vernichtenden Blicke zu sehen, wie er sa
auf den Ruinen von Karthago -- itzt wnsch ich es nicht mehr.

~Schweizer.~ Blitzbub!

~Moor.~ Und was fhrt Sie zu mir?

~Kosinsky.~ O Hauptmann! mein mehr als grausames Schicksal -- ich
habe Schiffbruch gelitten auf der ungestmmen See dieser Welt, die
Hoffnungen meines Lebens hab ich mssen sehen in den Grund sinken, und
blieb mir nichts brig, als die marternde Erinnerung ihres Verlustes,
die mich wahnsinnig machen wrde, wenn ich sie nicht durch anderwrtige
Thtigkeit zu ersticken suchte.

~Moor.~ Schon wieder ein Klger wider die Gottheit! -- Nur weiter.

~Kosinsky.~ Ich wurde Soldat. Das Unglck verfolgte mich auch da -- ich
machte eine Fahrt nach Ostindien mit, mein Schiff scheiterte an Klippen
-- nichts als fehlgeschlagene Plane! Ich hre endlich weit und breit
erzhlen von deinen Thaten, ~Mordbrennereyen~, wie sie sie nannten,
und bin hieher gereist dreyig Meilen weit, mit dem festen Entschlu,
unter dir zu dienen, wenn du meine Dienste annehmen willst -- Ich bitte
dich, wrdiger Hauptmann, schlage mir's nicht ab!

~Schweizer~ (_mit einem Sprung._) Heysa! Heysa! So ist ja unser Roller
zehnhundertfach vergtet! Ein ganzer Mordbruder fr uns're Bande!

~Moor.~ Wie ist dein Name?

~Kosinsky.~ Kosinsky.

~Moor.~ Wie? Kosinsky! weist du auch, da du ein leichtsinniger Knabe
bist, und ber den grosen Schritt deines Lebens weggaukelst, wie
ein unbesonnenes Mdchen -- Hier wirst du nicht Blle werfen oder
Kegelkugeln schieben, wie du dir einbildest.

~Kosinsky.~ Ich wei, was du sagen willst -- ich bin vier und zwanzig
Jahr alt, aber ich habe Degen blinken gesehen, und Kugeln um mich
surren gehrt.

~Moor.~ So junger Herr? -- Und hast du dein Fechten nur darum gelernt,
arme Reisende um einen Reichsthaler niederzustossen, oder Weiber
hinterrcks in den Bauch zu stechen? Geh, geh! du bist deiner Amme
entlaufen, weil sie dir mit der Ruthe gedroht hat.

~Schweizer.~ Was zum Henker, Hauptmann! was denkst du? willst du diesen
Herkules fortschicken? Sieht er nicht gerade so drein, als wollt' er
den Marschall von Sachsen mit einem Rhrlffel ber den Ganges jagen?

~Moor.~ Weil dir deine Lappereyen miglcken, kommst du, und willst
ein Schelm, ein Meuchelmrder werden? -- Mord, Knabe, verstehst du das
Wort auch? du magst ruhig schlafen gegangen seyn, wenn du Mohnkpfe
abgeschlagen hast, aber einen Mord auf der Seele zu tragen. --

~Kosinsky.~ Jeden Mord, den du mich begehen heist, will ich
verantworten.

~Moor.~ Was? bist du so klug? Willst du dich anmaen, einen Mann mit
Schmeicheleyen zu fangen? Woher weist du, da ich nicht bse Trume
habe, oder auf dem Todbett nicht werde bla werden? wie viel hast du
schon gethan, wobey du an Verantwortung gedacht hast?

~Kosinsky.~ Wahrlich! noch sehr wenig, aber doch diese Reise zu dir,
edler Graf!

~Moor.~ Hat dir dein Hofmeister die Geschichte des Robins in die Hnde
gespielt? -- Man sollte dergleichen unvorsichtige Kanaillen auf die
Galeere schmieden, -- die deine kindische Phantasie erhitzte, und dich
mit der tollen Sucht zum groen Mann ansteckte? Ktzelt dich nach Namen
und Ehre? willst du Unsterblichkeit mit Mordbrennereyen erkaufen? Merk
dir's, ehrgeitziger Jngling! Fr Mordbrenner grnet kein Loorbeer! Auf
Banditen-Siege ist kein Triumph gesetzt -- aber Fluch, Gefahr, Tod,
Schande -- siehst du auch das Hochgericht dort auf dem Hgel?

~Spiegelberg~ (_unwillig auf und abgehend._) Ey wie dumm! wie
abscheulich, wie unverzeihlich dumm! das ist die Manier nicht! ich
hab's anderst gemacht.

~Kosinsky.~ Was soll der frchten, der den Tod nicht frchtet?

~Moor.~ Brav! Unvergleichlich! Du hast dich wacker in den Schulen
gehalten, du hast deinen Seneka meisterlich auswendig gelernt. --
Aber, lieber Freund, mit dergleichen Sentenzen wirst du die leidende
Natur nicht beschwtzen, damit wirst du die Pfeile des Schmerzens
nimmermehr stumpf machen. -- Besinne dich recht, mein Sohn! (_Er nimmt
seine Hand._) Denk, ich rathe dir als ein Vater -- lern erst die
Tiefe des Abgrunds kennen, eh du hineinspringst! Wenn du noch in der
Welt eine einzige Freude zu erhaschen weist -- es knnten Augenblicke
kommen, wo du -- aufwachst -- und dann -- mchte es zu spt seyn. Du
trittst hier gleichsam aus dem Kreise der Menschheit -- entweder must
du ein hherer Mensch seyn, oder du bist ein Teufel -- Noch einmal,
mein Sohn! wenn dir noch ein Funken von Hoffnung irgend anderswo
glimmt, so verla diesen schrcklichen Bund, den nur Verzweiflung
eingeht, wenn ihn nicht eine hhere Weisheit gestiftet hat -- Man
kann sich tuschen -- glaube mir, man kann das fr Strke des Geistes
halten, was doch am Ende Verzweiflung ist -- Glaube ~mir~, ~mir~! und
mach dich eilig hinweg.

~Kosinsky.~ Nein! ich fliehe itzt nicht mehr. Wenn dich meine Bitten
nicht rhren, so hre die Geschichte meines Unglcks. -- Du wirst mir
dann selbst den Dolch in die Hnde zwingen, du wirst -- lagert euch
hier auf dem Boden, und hrt mir aufmerksam zu!

~Moor.~ Ich will sie hren.

~Kosinsky.~ Wisset also, ich bin ein bhmischer Edelmann, und wurde
durch den frhen Tod meines Vaters Herr eines ansehnlichen Ritterguts.
Die Gegend war paradisisch -- denn sie enthielt einen Engel -- ein
Mdchen geschmckt mit allen Reizen der blhenden Jugend, und keusch
wie das Licht des Himmels. Doch, wem sag ich das? Es schallt an euren
Ohren vorber -- ihr habt niemals geliebt, seyd niemals geliebt worden
--

~Schweizer.~ Sachte, sachte! unser Hauptmann wird feuerroth.

~Moor.~ Hr auf! ich wills ein andermal hren -- morgen, nchstens,
oder -- wenn ich Blut gesehen habe.

~Kosinsky.~ Blut, Blut -- hre nur weiter! Blut sag ich dir, wird deine
ganze Seele fllen. Sie war brgerlicher Geburt, eine Deutsche --
aber ihr Anblick schmelzte die Vorurtheile des Adels hinweg. Mit der
schchternsten Bescheidenheit nahm sie den Trauring von meiner Hand,
und bermorgen sollte ich meine ~Amalia~ vor den Altar fhren.

~Moor~ (_steht schnell auf._)

~Kosinsky.~ Mitten im Taumel der auf mich wartenden Seligkeit, unter
den Zurstungen zur Vermhlung -- werd ich durch einen Expressen
nach Hof citiert. Ich stellte mich. Man zeigte mir Briefe, die ich
geschrieben haben sollte, voll verrtherischen Inhalts. Ich errthete
ber der Bosheit -- man nahm mir den Degen ab, warf mich ins Gefngni,
alle meine Sinnen waren hinweg.

~Schweizer.~ Und unterdessen -- nur weiter! ich rieche den Braten schon.

~Kosinsky.~ Hier lag ich einen Monath lang, und wute nicht, wie mir
geschah. Mir bangte fr meine Amalia, die meines Schicksals wegen jede
Minute einen Tod wrde zu leiden haben. Endlich erschien der erste
Minister des Hofes, wnschte mir zur Entdeckung meiner Unschuld Glck,
mit zuckersssen Worten, liest mir den Brief der Freiheit vor, gibt mir
meinen Degen wieder. Itzt im Triumphe nach meinem Schlo, in die Arme
meiner Amalia zu fliegen, -- sie war verschwunden. In der Mitternacht
sey sie weggebracht worden, wte niemand, wohin? und seitdem mit
keinem Aug mehr gesehen. Hui! scho mirs auf wie der Blitz, ich flieg
nach der Stadt, sondire am Hof -- alle Augen wurzelten auf mir, niemand
wollte Bescheid geben -- endlich entdeck ich sie durch ein verborgenes
Gitter im Pallast -- sie warf mir ein Billetchen zu.

~Schweizer.~ Hab ich's nicht gesagt?

~Kosinsky.~ Hlle, Tod und Teufel! da stands! man hatte ihr die Wahl
gelassen, ob sie mich lieber sterben sehen, oder die Mtresse des
Frsten werden wollte. Im Kampf zwischen Ehre und Liebe entschied sie
fr das zweyte, und (_lachend_) ich war gerettet.

~Schweizer.~ Was thatst du da?

~Kosinsky.~ Da stand ich, wie von tausend Donnern getroffen! -- Blut!
war mein erster Gedanke, Blut! mein letzter. Schaum auf dem Munde, renn
ich nach Haus, whle mir einen dreyspitzigen Degen, und damit in aller
Hast in des Ministers Haus, denn nur er -- er nur war der hllische
Kuppler gewesen. Man mu mich von der Gasse bemerkt haben, denn wie ich
hinauf trete, waren alle Zimmer verschlossen. Ich suche, ich frage: Er
sey zum Frsten gefahren, war die Antwort. Ich mache mich geradenwegs
dahin, man wollte nichts von ihm wissen. Ich gehe zurck, sprenge die
Thren ein, find ihn, wollte eben -- aber da sprangen fnf bis sechs
Bediente aus dem Hinterhalt, und entwanden mir den Degen.

~Schweizer~ (_stampft auf den Boden._) Und er kriegte nichts, und du
zogst leer ab?

~Kosinsky.~ Ich ward ergriffen, angeklagt, peinlich processirt, infam
-- merkts euch! -- aus ~besonderer~ Gnade infam aus den Grnzen gejagt,
meine Gter fielen als Prsent dem Minister zu, meine Amalia bleibt in
den Klauen des Tygers, verseufzt und vertrauert ihr Leben, whrend da
meine Rache fasten, und sich unter das Joch des Despotismus krmmen mu.

~Schweizer~ (_aufstehend seinen Degen wetzend._) Das ist Wasser auf
unsere Mhle, Hauptmann! Da gibts was anzuznden!

~Moor~ (_der bisher in heftigen Bewegungen hin und her gegangen,
springt rasch auf, zu den Rubern._) Ich mu sie sehen -- auf! rafft
zusammen -- du bleibst, Kosinsky -- pakt eilig zusammen!

~Die Ruber.~ Wohin? Was?

~Moor.~ Wohin? wer fragt wohin? (_heftig zu Schweizern._) Verrther, du
willst mich zurckhalten? Aber bey der Hoffnung des Himmels! --

~Schweizer.~ Verrther ich? -- geh in die Hlle, ich folge dir!

~Moor~ (_fllt ihm um den Hals._) Bruderherz! du folgst mir -- sie
weint, sie weint, sie vertrauert ihr Leben. Auf! hurtig! alle! nach
Franken! in acht Tagen mssen wir dort seyn.

  (Sie gehen ab.)




Vierter Akt.


Erste Scene.

    Lndliche Gegend um das Moorische Schlo.

  ~Ruber Moor~. ~Kosinsky~,

  in der Ferne.

~Moor.~ Geh voran, und melde mich. Du weist doch noch alles, was du
sprechen must?

~Kosinsky.~ Ihr seyd der Graf von Brand, kommt aus Mecklenburg, ich
euer Reutknecht -- sorgt nicht, ich will meine Rolle schon spielen,
lebt wohl! (_ab._)

~Moor.~ Sey mir gegrt, Vaterlands-Erde! (_Er kt die Erde._)
Vaterlands-Himmel! Vaterlands-Sonne! -- und Fluren und Hgel und Strme
und Wlder! Seyd alle, alle mir herzlich gegrt! -- wie so kstlich
wehet die Luft von meinen Heimath-Gebrgen! wie strmt balsamische
Wonne aus euch, dem armen Flchtling entgegen! -- Elysium! dichterische
Welt! Halt ein, Moor! dein Fu wandelt in einem heiligen Tempel.

(_Er kommt nher._) Sieh da, auch die Schwalbennester im Schlohof --
auch das Gartenthrchen! -- und diese Ecke am Zaun, wo du so oft den
Fanger belauschtest und nektest -- und dort unten das Wiesenthal, wo du
der Held Alexander deine Macedonier ins Treffen bey Arbela fhrtest,
und neben dran der grasigte Hgel, von welchem du den persischen
Satrapen niederwarfst -- und deine siegende Fahne flatterte hoch! (_Er
lchelt._) Die goldnen Mayenjahre der Knabenzeit leben wieder auf in
der Seele des Elenden -- da warst du so glcklich, warst so ganz, so
wolkenlos heiter -- und nun -- da liegen die Trmmer deiner Entwrfe!
Hier solltest du wandeln dereinst, ein groser, stattlicher, gepriesener
Mann -- hier dein Knabenleben in Amalia's blhenden Kindern zum
zweytenmal leben -- hier! hier der Abgott deines Volks -- aber der bse
Feind schmollte darzu! (_Er fhrt auf._) Warum bin ich hieher gekommen?
da mir's gienge wie dem Gefangenen, den der klirrende Eisenring aus
Trumen der Freyheit aufjagt -- nein, ich gehe in mein Elend zurck! --
Der Gefangene hatte das Licht vergessen, aber der Traum der Freyheit
fuhr ber ihm wie ein Blitz in die Nacht, der sie finsterer zurcklt
-- Lebt wohl, ihr Vaterlandsthler! einst saht ihr den Knaben Karl, und
der Knabe Karl war ein glcklicher Knabe -- itzt saht ihr den Mann, und
er war in Verzweiflung. (_Er dreht sich schnell nach dem ussersten
Ende der Gegend, allwo er pltzlich stille steht und nach dem Schlo
mit Wehmuth herberblickt._) Sie nicht sehen, nicht einen Blick? -- und
nur eine Mauer gewesen zwischen mir und Amalia -- Nein! sehen mu ich
sie -- mu ich ihn -- es soll mich zermalmen! (_Er kehrt um._) Vater!
Vater! dein Sohn naht -- weg mit dir, schwarzes rauchendes Blut! weg
hohler grasser zuckender Todesblick! Nur diese Stunde la mir frey --
Amalia! Vater! dein Karl naht! (_Er geht schnell auf das Schlo zu._)
-- Qule mich, wenn der Tag erwacht, la nicht ab von mir, wenn die
Nacht kommt -- qule mich in schrcklichen Trumen! nur vergifte mir
diese einzige Wollust nicht! (_Er steht an der Pforte._) Wie wird mir?
was ist das, Moor? Sey ein Mann! -- -- Todesschauer -- -- Schrecken
Ahnung -- --

  (Er geht hinein.)


Zweite Scene.

    Gallerie im Schlo.

  Ruber Moor. Amalia (_treten auf._)

~Amalia.~ Und getrauten Sie sich wohl sein Bildnis unter diesen
Gemhlden zu erkennen?

~Moor.~ O ganz gewi. Sein Bild war immer lebendig in mir. (_An den
Gemhlden herumgehend._) ~Dieser~ ist's nicht.

~Amalia.~ Errathen! -- Er war der Stammvater des grflichen Hauses, und
erhielt den Adel vom Barbarossa, dem er wider die Seeruber diente.

~Moor~ (_immer an den Gemhlden._) ~Dieser~ ist's auch nicht -- auch
~der~ nicht -- auch nicht ~jener~ dort -- er ist nicht unter ihnen.

~Amalia.~ Wie, sehen Sie doch besser! ich dachte, Sie kennten ihn --

~Moor.~ Ich kenne meinen Vater nicht besser! Ihm fehlt der sanftmthige
Zug um den Mund, der ihn aus tausenden kenntlich machte -- er ist's
nicht.

~Amalia.~ Ich erstaune. Wie? Achtzehn Jahre nicht mehr geseh'n, und
noch --

~Moor~ (_schnell, mit einer fliegenden Rthe._) ~Dieser~ ist's! (_Er
steht wie vom Blitz gerhrt._)

~Amalia.~ Ein vortreflicher Mann!

~Moor~ (_in seinem Anblick versunken._) Vater, Vater! vergib mir! -- Ja
ein vortreflicher Mann! -- (_Er wischt sich die Augen._) Ein gttlicher
Mann!

~Amalia.~ Sie scheinen viel Antheil an ihm zu nehmen.

~Moor.~ Oh ein vortreflicher Mann -- und er sollte dahin seyn.

~Amalia.~ Dahin! wie unsere besten Freuden dahingeh'n -- (_sanft seine
Hand ergreifend._) Lieber Herr Graf, es reift keine Seeligkeit unter
dem Monde.

~Moor.~ Sehr wahr, sehr wahr -- und sollten ~Sie~ schon diese traurige
Erfahrung gemacht haben? Sie knnen nicht drey und zwanzig Jahr alt
seyn.

~Amalia.~ Und habe sie gemacht. Alles lebt, um traurig wieder zu
sterben. Wir interessiren uns nur darum, wir gewinnen nur darum, da
wir wieder mit Schmerzen verlieren.

~Moor.~ Sie verloren schon etwas?

~Amalia.~ Nichts. Alles. Nichts -- wollen wir weiter gehen, Herr Graf?

~Moor.~ So eilig? we ist di Bild rechter Hand dort? mich deucht, es
ist eine unglckliche Physiognomie.

~Amalia.~ Di Bild linker Hand ist der Sohn des Grafen, der wirkliche
Herr -- kommen Sie, kommen Sie!

~Moor.~ Aber di Bild rechter Hand?

~Amalia.~ Sie wollen nicht in den Garten geh'n?

~Moor.~ Aber di Bild rechter Hand? -- du weinst, Amalia?

~Amalia~ (_schnell ab._)

  Moor.

Sie liebt mich, sie liebt mich! -- ihr ganzes Wesen fieng an, sich
zu empren, verrtherisch rollten die Thrnen von ihren Wangen. Sie
liebt mich! -- Elender, das verdientest du um sie! Steh ich nicht hier
wie ein Gerichteter vor dem tdlichen Block? Ist das der Sopha, wo
ich an ihrem Halse in Wonne schwamm? Sind das die vterlichen Sle?
(_Ergriffen vom Anblick seines Vaters._) Du, du -- Feuerflammen aus
deinem Auge -- Fluch, Fluch, Verwerfung! -- wo bin ich? Nacht vor
meinen Augen -- Schrecknisse Gottes -- Ich, ich hab ihn getdtet! (_Er
rennt davon._)

  Franz von Moor in tiefen Gedanken.

Weg mit diesem Bild! weg, feige Memme! was zagst du und vor wem? ist
mir's nicht die wenige Stunden, die der Graf in diesen Mauren wandelt,
als schlich immer ein Spion der Hlle meinen Fersen nach -- Ich sollt'
ihn kennen! Es ist so was groses und oft gesehenes in seinem wilden
sonnverbrannten Gesicht, das mich beben macht -- auch Amalia ist nicht
gleichgltig gegen ihn! Lt sie nicht so gierig schmachtende Blicke
auf dem Kerl herumkreuzen, mit denen sie doch gegen alle Welt sonst so
geitzig thut? -- Sah ich's nicht, wie sie ein paar diebische Thrnen
in den Wein fallen lie, den er hinter meinem Rcken so hastig in
sich schlrfte, als wenn er das Glas mit hineinziehen wollte. Ja, das
sah ich, durch den Spiegel sah ich's mit diesen meinen Augen. Holla
Franz! siehe dich vor! dahinter steckt irgend ein Verderbenschwangeres
Ungeheuer!

(_Er steht forschend dem Portrt Karls gegenber._) Sein langer
Gnsehals -- seine schwarzen feuerwerfenden Augen, hm! hm! -- sein
finsteres berhangendes buschichtes Augenbraun. (_Pltzlich zusammen
fahrend._) -- Schadenfrohe Hlle! jagst du mir diese Ahnung ein? Es ist
~Karl~! ja itzt werden mir alle Zge wieder lebendig -- Er ist's! trotz
seiner Larve! -- Er ist's -- trotz seiner Larve! -- Er ist's -- Tod
und Verdammni! (_auf und ab mit heftigen Schritten._) Hab ich darum
meine Nchte verprat, -- darum Felsen hinweggerumt, und Abgrnde
eben gemacht -- bin ich darum gegen alle Instinkte der Menschheit
rebellisch worden, da mir zuletzt dieser unstete Landstreicher durch
meine knstlichsten Wirbel tlple -- Sachte! Nur sachte! Es ist nur
noch Spielarbeit brig -- Bin ich doch ohnehin schon bis an die Ohren
in Todsnden gewatet, da es Unsinn wre, zurckzuschwimmen, wenn das
Ufer schon so weit hinten liegt -- Ans Umkehren ist doch nicht mehr
zu gedenken -- die ~Gnade~ selbst wrde an den Bettelstab gebracht,
und die ~unendliche Erbarmung~ bankerott werden, wenn sie fr meine
Schulden all gut sagen wollte -- Also vorwrts wie ein Mann -- (_Er
schellt._) -- Er versammle sich zu dem Geist seines Vaters und komme,
der Todten spott' ich. -- Daniel, he Daniel! -- Was gilts, den haben
sie auch schon gegen mich aufgewiegelt! Er sieht so geheimnivoll.

  Daniel (_kommt._)

~Daniel.~ Was steht zu Befehl, mein Gebieter?

~Franz.~ Nichts. Fort, flle diesen Becher Wein, aber hurtig! (_Daniel
ab._) Wart Alter! dich will ich fangen, ins Auge will ich dich fassen,
so starr, da dein getroffenes Gewissen durch die Larve erblassen
soll! Er soll sterben! -- Der ist ein Stmper, der sein Werk nur auf
die Helfte bringt, und dann weg geht, und mig zugafft, wie es weiter
damit werden wird.

  Daniel (_mit Wein._)

~Franz.~ Stell ihn hieher! Sieh mir fest ins Auge! wie deine Kniee
schlottern! Wie du zitterst! Gesteh Alter! Was hast du gethan?

~Daniel.~ Nichts, gndiger Herr, so wahr Gott lebt, und meine arme
Seele.

~Franz.~ Trink diesen Wein aus! -- Was? Du zauderst? -- Heraus,
schnell! Was hast du in den Wein geworfen?

~Daniel.~ Hilf Gott! Was? Ich in den Wein?

~Franz.~ Gift hast du in den Wein geworfen! Bist du nicht bleich wie
Schnee? Gesteh, gesteh! Wer hat dir's gegeben? Nicht wahr! der Graf,
der Graf hat dir's gegeben?

~Daniel.~ Der Graf? Jesus Maria! der Graf hat mir nichts gegeben.

~Franz.~ (_Greift ihn hart an._) Ich will dich wrgen, da du blau
wirst, eisgrauer Lgner du! Nichts? Und was stacket ihr denn so
beysammen? Er und du und Amalia? Und was flstertet ihr immer zusammen?
Heraus damit! Was fr Geheimnisse, was fr Geheimnisse hat er dir
anvertraut?

~Daniel.~ Das wei der allwissende Gott. Er hat mir keine Geheimnisse
anvertraut.

~Franz.~ Willst du es lugnen? Was fr Kabalen habt ihr angezettelt,
mich aus dem Weg zu rumen? Nicht wahr? Mich im Schlaf zu erdrosseln?
Mir beym Bartscheren die Gurgel abzuschneiden? Mir im Wein oder im
Chokolade zu vergeben? Heraus, heraus! -- oder mir in der Suppe den
ewigen Schlaf zu geben? Heraus damit! ich wei alles.

~Daniel.~ So helfe mir Gott, wenn ich in Noth bin, wie ich euch itzt
nichts anders sage, als die reine lautere Wahrheit!

~Franz.~ Dimal will ich dir verzeihen. Aber gelt, er steckte dir gewi
Geld in deinen Beutel? Er drckte dir die Hand strker als der Brauch
ist? so ungefhr, wie man sie seinen alten Bekannten zu drcken pflegt?

~Daniel.~ Niemals, mein Gebieter.

~Franz.~ Er sagte dir, zum Exempel, da er dich etwa schon kenne? --
da du ihn fast kennen solltest? Da dir einmal die Decke von den Augen
fallen wrde -- da -- was? Davon sollt' er dir niemals gesagt haben?

~Daniel.~ Nicht das mindeste.

~Franz.~ Da gewisse Umstnde ihn abhielten -- da man oft Masken
nehmen msse, um seinen Feinden zuzuknnen -- da er sich rchen wolle,
aufs grimmigste rchen wolle.

~Daniel.~ Nicht einen Laut von diesem allem.

~Franz.~ Was? gar nichts? Besinne dich recht. -- Da er den alten Herrn
sehr genau -- besonders genau gekannt -- da er ihn liebe -- ungemein
liebe -- wie ein Sohn liebe --

~Daniel.~ Etwas dergleichen erinnere ich mich von ihm gehrt zu haben.

~Franz.~ (_bla_) Hat er, hat er wirklich? Wie, so la mich doch hren!
Er sagte, er sey mein Bruder?

~Daniel.~ (_betroffen_) Was, mein Gebieter? -- Nein, das sagte er
nicht. Aber wie ihn das Frulein in der Gallerie herumfhrte, ich
putzte eben den Staub von den Rahmen der Gemhlde ab, stand er bey dem
Portrait des seeligen Herrn plzlich still, wie vom Donner gerhrt. Das
gndige Frulein deutete drauf hin, und sagte: ein vortreflicher Mann!
Ja ein vortreflicher Mann, gab er zur Antwort, indem er sich die Augen
wischte.

~Franz.~ Hre Daniel! Du weist, ich bin immer ein gtiger Herr gegen
dich gewesen, ich hab dir Nahrung und Kleider gegeben, und dein
schwaches Alter in allen Geschften geschonet --

~Daniel.~ Dafr lohn euch der liebe Herr Gott! und ich hab euch immer
redlich gedienet.

~Franz.~ Das wollt' ich eben sagen. Du hast mir in deinem Leben noch
keine Widerrede gegeben, denn du weist gar zu wohl, da du mir Gehorsam
schuldig bist in allem, was ich dich heisse.

~Daniel.~ In allem von ganzem Herzen, wenn es nicht wider Gott und mein
Gewissen geht.

~Franz.~ Possen, Possen! Schmst du dich nicht? Ein alter Mann, und
an das Weyhnacht-Mhrchen zu glauben! Geh Daniel! das war ein dummer
Gedanke. Ich bin ja Herr. Mich werden Gott und Gewissen strafen, wenn
es ja einen Gott und ein Gewissen gibt.

~Daniel~ (_schlgt die Hnde zusammen._) Barmherziger Himmel!

~Franz.~ Bey deinem Gehorsam! Verstehst du das Wort auch? Bey deinem
Gehorsam befehl ich dir, morgen darf der Graf nimmer unter den
Lebendigen wandeln.

~Daniel.~ Hilf, heiliger Gott! Weswegen?

~Franz.~ Bey deinem ~blinden~ Gehorsam! -- und an dich werd ich mich
halten.

~Daniel.~ An mich? Hilf selige Mutter Gottes! An mich? Was hab' ich
alter Mann denn Bses gethan?

~Franz.~ Hier ist nicht lang Besinnszeit, dein Schicksal steht in
meiner Hand. Willst du dein Leben im tiefsten meiner Thrme vollends
ausschmachten, wo der Hunger dich zwingen wird, deine eigenen Knochen
abzunagen, und der brennende Durst, dein eigenes Wasser wieder zu
saufen? -- Oder willst du lieber dein Brod essen im Frieden, und Ruhe
haben in deinem Alter?

~Daniel.~ Was Herr? Fried und Ruhe im Alter? und ein Todtschlger?

~Franz.~ Antwort auf meine Frage!

~Daniel.~ Meine grauen Haare, meine grauen Haare!

~Franz.~ Ja oder Nein!

~Daniel.~ Nein! -- Gott erbarme sich meiner!

~Franz.~ (_Im Begriff zu gehen._) Gut, du sollsts nthig haben.
(_Daniel hlt ihn auf und fllt vor ihm nieder._)

~Daniel.~ Erbarmen Herr! Erbarmen!

~Franz.~ Ja oder Nein!

~Daniel.~ Gndiger Herr! ich bin heute ein und siebenzig Jahr alt!
und hab' Vater und Mutter geehret, und niemand meines Wissens um
des Hellers Werth im Leben vervortheilt, und hab' an meinem Glauben
gehalten, treu und redlich, und hab' in eurem Hause gedienet vier und
vierzig Jahr, und erwarte itzt ein ruhig seeliges Ende, ach Herr,
Herr! (_Umfat seine Kniee heftig_) und ihr wollt mir den letzten
Trost rauben im Sterben, da der Wurm des Gewissens mich um mein
letztes Gebet bringe, da ich ein Greuel vor Gott und Menschen schlafen
gehen soll. Nein, nein, mein liebster bester, liebster gndiger Herr,
das woll't ihr nicht, das knn't ihr nicht wollen von einem ein und
siebenzigjhrigen Manne.

~Franz.~ Ja oder Nein! was soll das Geplapper?

~Daniel.~ Ich will euch von nun an noch eifriger dienen. Will meine
drren Sehnen in eurem Dienst wie ein Taglhner abarbeiten, will
frher aufstehen, will spter mich niederlegen -- ach und will euch
einschliessen in mein Abend- und Morgengebet, und Gott wird das Gebet
eines alten Mannes nicht wegwerfen.

~Franz.~ Gehorsam ist besser, denn Opfer. Hast du je gehrt, da sich
der Henker zierte, wenn er ein Urtheil vollstrecken sollte?

~Daniel.~ Ach ja wohl! aber eine Unschuld erwrgen -- einen --

~Franz.~ Bin ich dir etwa Rechenschaft schuldig? darf das Beil den
Henker fragen, warum dahin und nicht dorthin? -- Aber sieh, wie
langmthig ich bin -- ich biete dir eine Belohnung fr das, was du mir
huldigtest.

~Daniel.~ Aber ich hoffte, ein Christ bleiben zu drfen, da ich euch
huldigte.

~Franz.~ Keine Widerrede! siehe ich gebe dir einen ganzen Tag noch
Bedenkzeit! Ueberlege es nochmals. Glck und Unglck -- hrst du,
verstehst du? das hchste Glck, und das uerste Unglck! Ich will
Wunder thun im Peinigen.

~Daniel~ (_Nach einigem Nachdenken._) Ich will's thun, morgen will
ich's thun. (_ab._)

  Franz.

Die Versuchung ist stark, und der war wohl nicht zum Mrtyrer seines
Glaubens geboren -- Wohl bekomms dann, Herr Graf! Allem Ansehen nach
werden sie morgen Abend ihr Henker-Mahl halten! Es kommt alles nur
darauf an, wie man davon denkt, und der ist ein Narr, der wider seine
Vortheile denkt. Den Vater, der vielleicht eine Bouteille Wein weiter
getrunken hat, kommt der Kitzel an -- und draus wird ein Mensch, und
der Mensch war gewi das letzte, woran bey der ganzen Herkules-Arbeit
gedacht wird. Nun kommt mich eben auch der Kitzel an -- und dran
krepirt ein Mensch, und gewi ist hier mehr Verstand und Absichten,
als dort bey seinem Entstehen war -- Hangt nicht das Daseyn der
meisten Menschen mehrentheils an der Hitze eines Julius-Mittags, oder
am anziehenden Anblick eines Betttuchs, oder an der wagrechten Lage
einer schlafenden Kchen-Grazie, oder an einem ausgelschten Licht?
-- Ist die Geburt des Menschen das Werk einer viehischen Anwandlung,
eines Ungefhrs, wer sollte wegen der ~Verneinung seiner Geburt~
sich einkommen lassen, an ein bedeutendes Etwas zu denken? Verflucht
sey die Thorheit unserer Ammen und Wrterinnen, die unsere Phantasie
mit schrcklichen Mhrchen verderben, und grliche Bilder von
Strafgerichten in unser weiches Gehirnmark drcken, da unwillkhrliche
Schauder die Glieder des Mannes noch in frostige Angst rtteln, unsere
khnste Entschlossenheit sperren, unsere erwachende Vernunft an Ketten
aberglubischer Finsterni legen -- ~Mord~! wie eine ganze Hlle von
Furien um das Wort flattert -- die Natur verga einen Mann mehr zu
machen -- die Nabelschnur ist nicht unterbunden worden -- der Vater
hat in der Hochzeit-Nacht glatten Leib bekommen -- und die ganze
Schattenspielerey ist verschwunden. Es war etwas und wird nichts --
Heit es nicht eben so viel, als: es war nichts und wird nichts und
um nichts wird kein Wort mehr gewechselt -- der Mensch entstehet aus
Morast, und watet eine Weile im Morast, und macht Morast, und ghrt
wieder zusammen in Morast, bis er zuletzt an den Schuhsohlen seines
Urenkels unfltig anklebt. Das ist das Ende vom Lied -- der morastige
Zirkel der menschlichen Bestimmung, und somit -- glckliche Reise,
Herr Bruder! Der milzschtige podagrische Moralist von einem Gewissen
mag runzlichte Weiber aus Bordellen jagen, und alte Wucherer auf dem
Todesbett foltern -- bey mir wird er nimmermehr Audienz bekommen. (_Er
geht ab._)


Dritte Scene.

    Andres Zimmer im Schlo.

  Ruber Moor. (_von der einen Seite._) Daniel (_von der andern._)

~Moor.~ (_hastig._) Wo ist das Frulein?

~Daniel.~ Gndiger Herr! Erlaubt einem armen Mann, euch um etwas zu
bitten.

~Moor.~ Es ist dir gewhrt, was willst du?

~Daniel.~ Nicht viel, und alles, so wenig und doch so viel -- lat mich
eure Hand kssen!

~Moor.~ Das sollst du nicht, guter Alter! (_umarmt ihn._) den ich Vater
nennen mchte.

~Daniel.~ Eure Hand, eure Hand! ich bitt euch.

~Moor.~ Du sollst nicht.

~Daniel.~ Ich mu! (_Er greift sie, betrachtet sie schnell und fllt
vor ihm nieder._) Lieber, bester Karl!

~Moor.~ (_erschrickt, fat sich, fremd._) Freund, was sagst du? Ich
verstehe dich nicht.

~Daniel.~ Ja, lugnet es nur, verstellt euch! Schn, schn! Ihr seyd
immer mein bester kstlicher Junker -- Lieber Gott! da ich alter Mann
noch die Freude -- dummer Tlpel ich, da ich euch nicht gleich -- ey
du himmlischer Vater! So seyd ihr ja wiedergekommen, und der alte Herr
ist unterm Boden, und da seyd ihr ja wieder -- was fr ein blinder Esel
ich doch war (_sich vor den Kopf schlagend_) da ich euch nicht im
ersten Hui -- ey du mein! Wer htte sich das trumen lassen! -- um was
ich mit Thrnen betete, -- Jesus Christus! Da steht er ja leibhaftig
wieder in der alten Stube!

~Moor.~ Was ist das fr eine Sprache? Seyd ihr vom hitzigen Fieber
aufgesprungen, oder wollt ihr eine Komdien-Rolle an mir probiren?

~Daniel.~ Ey pfui doch, pfui doch! Das ist nicht fein, einen alten
Knecht so zum besten haben -- Diese Narbe! He, wit ihr noch? -- Groer
Gott! Was ihr mir da fr eine Angst einjagtet -- ich hab' euch immer so
lieb gehabt, und was ihr mir da fr Herzeleid httet anrichten knnen
-- ihr sat mir im Schoos, -- wit ihr noch? -- Dort in der runden
Stube -- gelt Vogel? Das habt ihr freylich vergessen -- auch den Kukuk,
den ihr so gern hrtet? -- denkt doch! der Kukuk ist zerschlagen, in
Grunds-Boden geschlagen -- die alte Susel hat ihn verwettert, wie sie
die Stube fegte -- ja freylich, und da sa't ihr mir im Schoos, und
rief't hotto! und ich lief fort, euch den Hotto-Gaul zu holen --
Jesus Gott! Warum mut' ich alter Esel auch fortlaufen? -- und wie
mir's siedighei ber den Buckel lief -- wie ich das Zettergeschrey
hre draussen im Oehrn, spring herein, und da lief das helle Blut, und
laget am Boden, und hattet -- heilige Mutter Gottes! War mir's nicht,
als wenn mir ein Kbel eiskalt Wasser bern Nacken sprizte -- aber so
geht's, wenn man nicht alle Augen auf die Kinder hat. Groer Gott,
wenn's in's Aug' gegangen wre -- War's darzu noch die rechte Hand.
Mein Lebens-Tag, sagt' ich, soll mir kein Kind mehr ein Messer oder
eine Scheere oder so was spitziges, sagt' ich, in die Hnde kriegen,
sagt' ich, -- war zum Glck noch Herr und Frau verreiset -- ja ja, das
soll mir mein Tag des Lebens eine Warnung seyn, sagt' ich -- Jemini,
jemini! ich htte vom Dienst kommen knnen, ich htte, Gott der Herr
verzeih's euch, gottloses Kind -- aber gottlob! es heilte glcklich,
bis auf die wste Narbe.

~Moor.~ Ich begreiffe kein Wort von allem, was du sagst.

~Daniel.~ Ja gelt, gelt? Das war noch eine Zeit? Wie manches
Zuckerbrod, oder Biscuit oder Makrone ich euch hab' zugeschoben, hab'
euch immer am gernsten gehabt, und wit ihr noch, was ihr mir drunten
sagtet im Stall, wie ich euch auf des alten Herrn seinen Schweifuchsen
setzte, und euch auf der groen Wiese lie herumjagen? Daniel! sagtet
ihr, la mich nur einen groen Mann werden, Daniel, so sollst du mein
Verwalter seyn, und mit mir in der Kutsche fahren, -- ja, sagt' ich,
und lachte, wenn Gott Leben und Gesundheit schenkt, und ihr euch eines
alten Mannes nicht schmen werdet, sagt' ich, so will ich euch bitten,
mir das Huschen drunten im Dorf zu rumen, das schon eine gute Weil'
leer steht, und da wollt' ich mir ein Eimer zwanzig Wein einlegen, und
wirthschaften in meinen alten Tagen. -- Ja lacht nur, lacht nur! Gelt
junger Herr, das habt ihr rein ausgeschwizt? -- den alten Mann will man
nicht kennen, da thut man so fremd, so frnehm -- o ihr seyd doch mein
goldiger Junker -- freylich halt ein bisgen lucker gewesen -- nimmt
mir's nicht bel! -- Wie's eben das junge Fleisch meistens ist -- am
Ende kann noch alles gut werden.

~Moor~ (_fllt ihm um den Hals._) Ja! Daniel ich will's nicht mehr
verhehlen! Ich bin dein Karl, dein verlorner Karl! Was macht meine
Amalia?

~Daniel~ (_fngt an zu weinen._) Da ich alter Snder noch die Freude
haben soll, -- und der Herr selig weinete umsonst! -- Abe, abe, weier
Schedel! mrbe Knochen, fahret in die Grube mit Freuden! Mein Herr und
Meister lebt, ihn haben meine Augen gesehen!

~Moor.~ Und will halten, was er versprochen hat, -- nimm das, ehrlicher
Graukopf, fr den Schweisfuchsen im Stall (_dringt ihm einen schweren
Beutel auf_) nicht vergessen hab ich den alten Mann.

~Daniel.~ Wie, was treibt ihr? Zuviel! Ihr habt euch vergriffen.

~Moor.~ Nicht vergriffen, Daniel! (_Daniel will niederfallen._) Steh
auf, sage mir, was macht meine Amalia?

~Daniel.~ Gottes Lohn! Gottes Lohn! Ey Herr Jerem! -- Eure Amalia, oh
die wird's nicht berleben, die wird sterben vor Freude!

~Moor~ (_heftig._) Sie verga mich nicht?

~Daniel.~ Vergessen? Wie schwzt ihr wieder? Euch vergessen? -- da
httet ihr sollen dabey seyn, httet's sollen mit ansehen, wie sie sich
gebehrdete, als die Zeitung kam, ihr wrt gestorben, die der gndige
Herr ausstreuen lie --

~Moor.~ Was sagst du? mein Bruder --

~Daniel.~ Ja euer Bruder, der gndige Herr, euer Bruder -- ich will
euch ein andermal mehr davon erzhlen, wenn's Zeit dazu ist -- und
wie sauber sie ihm abkappte, wenn er ihr alle Tage, die Gott schickt,
seinen Antrag machte, und sie zur gndigen Frau machen wollte. O ich
mu hin, mu hin, ihr sagen, ihr die Botschaft bringen (_will fort._)

~Moor.~ Halt, halt! sie darf's nicht wissen, darf's niemand wissen,
auch mein Bruder nicht --

~Daniel.~ Euer Bruder? Nein beyleibe nicht, er darf's nicht wissen! Er
gar nicht! -- Wenn er nicht schon mehr wei, als er wissen darf -- Oh
ich sage euch, es gibt garstige Menschen, garstige Brder, garstige
Herren -- aber ich mcht' um alles Gold meines Herrn willen kein
garstiger Knecht seyn -- der gndige Herr hielt euch todt.

~Moor.~ Hum! Was brummst du da?

~Daniel~ (_leiser._) Und wenn man freylich so ungebeten aufersteht --
euer Bruder war des Herrn selig einziger Erbe --

~Moor.~ Alter! -- Was murmelst du da zwischen den Zhnen, als wenn
irgend ein Ungeheuer von Geheimni auf deiner Zunge schwebte, das nicht
heraus wollte, und doch heraus sollte, rede deutlicher!

~Daniel.~ Aber ich will lieber meine alten Knochen abnagen vor Hunger,
lieber vor Durst mein eigenes Wasser saufen, als Wohlleben die Flle
verdienen mit einem Todschlag. (_schnell ab._)

  Moor (_auffahrend aus schrecklicher Pause._)

Betrogen betrogen! da fhrt es ber meine Seele wie der Blitz!
-- ~Spitzbbische Knste!~ Himmel und Hlle! nicht du, Vater!
~Spitzbbische Knste!~ ~Mrder~, ~Ruber~ durch spitzbbische Knste!
Angeschwrzt von ihm! verflscht, unterdrckt meine Briefe -- voll
Liebe sein Herz -- oh ich Ungeheuer von einem Thoren -- voll Liebe sein
Vater-Herz -- oh Schelmerey, Schelmerey! Es htte mich einen Fufall
gekostet, es htte mich eine Thrne gekostet -- oh ich blder, blder,
blder Thor! (_wider die Wand rennend._) Ich htte glcklich seyn
knnen -- oh Bberey, Bberey! das Glck meines Lebens bbisch, bbisch
hinwegbetrogen. (_Er luft wthend auf und nieder._) Mrder, Ruber
durch spitzbbische Knste! -- Er grollte nicht einmal. Nicht ein
Gedanke von Fluch in seinem Herzen -- oh Bsewicht! unbegreiflicher,
schleichender, abscheulicher Bsewicht!

  Kosinsky (_kommt._)

~Kosinsky.~ Nun Hauptmann, wo steckst du? Was ists? Du willst noch
lnger hier bleiben, merk' ich?

~Moor.~ Auf! Sattle die Pferde! Wir mssen vor Sonnen-Untergang noch
ber den Grnzen seyn!

~Kosinsky.~ Du spassest.

~Moor~ (_Befehlend._) Hurtig, hurtig! Zaudre nicht lang, la alles da!
und da kein Aug' dich gewahr wird.

  (Kosinsky ab.)

  Moor.

Ich fliehe aus diesen Mauren. Der geringste Verzug knnte mich wthig
machen, und er ist meines Vaters Sohn -- Bruder, Bruder! Du hast mich
zum Elendesten auf Erden gemacht, ich habe dich niemals beleidigt, es
war nicht brderlich gehandelt -- Erndte die Frchte deiner Unthat in
Ruhe, meine Gegenwart soll dir den Genu nicht lnger vergllen -- aber
gewi, es war nicht brderlich gehandelt. Finsterni verlsche sie auf
ewig, und der Tod rhre sie nicht auf!

  Kosinsky.

~Kosinsky.~ Die Pferde stehn gesattelt, ihr knnt aufsitzen, wann ihr
wollt.

~Moor.~ Presser, Presser! Warum so eilig? Soll ich sie nicht mehr sehn?

~Kosinsky.~ Ich zume gleich wieder ab, wenn ihr's haben wollt, ihr
hiet mich ja ber Hals und Kopf eilen.

~Moor.~ Noch einmal! ein Lebewohl noch! ich mu den Gifttrank dieser
Seeligkeit vollends ausschlrfen, und dann -- halt Kosinsky! Zehn
Minuten noch -- hinten am Schlohof -- und wir sprengen davon!


Vierte Scene.

    Im Garten.

  Amalia.

~Du weinst Amalia?~ -- und das sprach er mit einer Stimme! mit einer
Stimme -- mir wars, als ob die Natur sich verjngete -- die genossenen
Lenze der Liebe dmmerten auf mit der Stimme! Die Nachtigall schlug wie
damals -- die Blumen hauchten wie damals -- und ich lag Wonne-berauscht
an seinem Hals -- Ha falsches treuloses Herz! Wie du deinen Meineid
beschnigen willst! Nein, nein, weg aus meiner Seele, du Frevel-Bild --
ich hab' meinen Eid nicht gebrochen, du Einziger! Weg aus meiner Seele,
ihr verrtherischen gottlosen Wnsche! im Herzen, wo Karl herrscht,
darf kein Erdensohn nisten -- Aber warum, meine Seele, so immer, so
wider Willen nach diesem Fremdling? Hngt er sich nicht so hart an das
Bild meines Einzigen? Ist er nicht der ewige Begleiter meines Einzigen?
~Du weinst Amalia?~ -- Ha ich will ihn fliehen! -- fliehen! -- Nimmer
sehen soll mein Aug' diesen Fremdling!

  Ruber Moor (_ffnet die Gartenthre._)

~Amalia~ (_fhrt zusammen._) Horch! horch! Rauschte die Thre nicht?
(_Sie wird Karln gewahr, und springt auf._) Er? -- wohin? -- was?
-- da hat mich's angewurzelt, da ich nicht fliehen kann -- Verla
mich nicht, Gott im Himmel! -- Nein du sollst mir meinen Karl nicht
entreissen! Meine Seele hat nicht Raum fr zwey Gottheiten, und ich
bin ein sterbliches Mdchen! (_Sie nimmt Karls Bild heraus._) Du, mein
Karl, sey mein Genius wider diesen Fremdling, den Liebestrer! dich,
dich ansehen, unverwandt, -- und weg alle gottlosen Blicke nach diesem
(_sie sitzt stumm -- das Auge starr auf das Bild geheftet._)

~Moor.~ Sie da, gndiges Frulein? -- und traurig? und eine Thrne auf
diesem Gemhlde? -- (_Amalia gibt ihm keine Antwort._) -- Und wer ist
der Glckliche, um den sich das Aug' eines Engels versilbert? darf auch
ich diesen Verherrlichten -- (_er will das Gemhlde betrachten._)

~Amalia.~ Nein, ja, nein!

~Moor~ (_zurckfahrend._) Ha! -- und verdient er diese Vergtterung?
verdient er? --

~Amalia.~ Wenn Sie ihn gekannt htten!

~Moor.~ Ich wrd' ihn beneidet haben.

~Amalia.~ Angebetet, wollen Sie sagen.

~Moor.~ Ha!

~Amalia.~ Oh Sie htten ihn so lieb gehabt -- es war so viel, so viel
in seinem Angesicht -- in seinen Augen -- im Ton seiner Stimme, das
Ihnen so gleich kommt -- das ich so liebe --

~Moor~ (_sieht zur Erde._)

~Amalia.~ Hier, wo Sie stehen, stand er tausendmal -- und neben ihm
die, die neben ihm Himmel und Erde verga -- hier durchirrte sein
Aug' die um ihn prangende Gegend -- sie schien den groen belohnenden
Blick zu empfinden, und sich unter dem Wohlgefallen ihres Meisterbilds
zu verschnern -- hier hielt er mit himmlischer Musik die Hrer der
Lfte gefangen -- hier an diesem Busch pflckte er Rosen, und pflckte
die Rosen fr mich -- hier hier lag er an meinem Halse, brannte sein
Mund auf dem meinen, und die Blumen starben gern unter der Liebenden
Futritt --

~Moor.~ Er ist nicht mehr?

~Amalia.~ Er seegelt auf ungestmen Meeren -- Amalia's Liebe seegelt
mit ihm -- er wandelt durch ungebahnte sandigte Wsten -- Amalia's
Liebe macht den brennenden Sand unter ihm grnen, und die wilden
Gestruche blhen -- der Mittag sengt sein entbltes Haupt, nordischer
Schnee schrumpft seine Sohlen zusammen, strmischer Hagel regnet um
seine Schlfe, und Amalia's Liebe wiegt ihn in Strmen ein -- Meere und
Berge und Horizonte zwischen den Liebenden -- aber die Seelen versetzen
sich aus dem staubigten Kerker, und treffen sich im Paradiese der Liebe
-- Sie scheinen traurig, Herr Graf?

~Moor.~ Die Worte der Liebe machen auch meine Liebe lebendig.

~Amalia.~ (_bla._) Was? Sie lieben eine andre? -- Weh mir, was hab ich
gesagt?

~Moor.~ Sie glaubte mich todt, und blieb treu dem Todtgeglaubten -- sie
hrte wieder, ich lebe, und opferte mir die Krone einer Heiligen auf.
Sie wei mich in Wsten irren, und im Elend herumschwrmen, und ihre
Liebe fliegt durch Wsten und Elend mir nach. Auch heit sie Amalia,
wie Sie, gndiges Frulein.

~Amalia.~ Wie beneid' ich Ihre Amalia!

~Moor.~ O sie ist ein unglckliches Mdchen, ihre Liebe ist fr einen,
der verloren ist, und wird -- ewig niemals belohnt.

~Amalia.~ Nein, sie wird im Himmel belohnt. Sagt man nicht, es gebe
eine bessere Welt, wo die Traurigen sich freuen, und die Liebenden sich
wieder erkennen?

~Moor.~ Ja, eine Welt, wo die Schleyer hinwegfallen, und die Liebe sich
schrecklich wiederfindet -- ~Ewigkeit~ heit ihr Name -- meine Amalia
ist ein unglckliches Mdchen.

~Amalia.~ Unglcklich, und Sie lieben?

~Moor.~ Unglcklich, weil sie mich liebt! wie, wenn ich ein
Todtschlger wre? wie mein Frulein? wenn Ihr Geliebter Ihnen fr
jeden Ku einen Mord aufzhlen knnte? wehe meiner Amalia! Sie ist ein
unglckliches Mdchen.

~Amalia~ (_froh aufhpfend._) Ha! wie bin ich ein glckliches Mdchen!
Mein Einziger ist Nachstrahl der Gottheit, und die Gottheit ist Huld
und Erbarmen! Nicht eine Fliege konnt' er leiden sehen -- Seine Seele
ist so fern von einem blutigen Gedanken, als fern der Mittag von der
Mitternacht ist.

~Moor~ (_kehrt sich schnell ab, in ein Gebsch, blickt starr in die
Gegend._)

~Amalia~ (_singt und spielt auf der Laute._)

    Willst dich Hektor ewig mir entreissen,
    Wo des Aeaciden mordend Eisen
    Dem Patroklus schrecklich Opfer bringt?
    Wer wird knftig deinen Kleinen lehren
    Speere werfen und die Gtter ehren,
    Wenn hinunter dich der Xanthus schlingt?

~Moor~ (_nimmt die Laute stillschweigend und spielt._)

    Theures Weib, geh, hol die Todeslanze! --
    La -- mich fort -- zum wilden Kriegestanze --

  (Er wirft die Laute weg, und flieht davon.)


Fnfte Scene.

    ~Nahgelegener Wald. Nacht.~

    Ein altes verfallenes Schlo in der Mitte.

  Die ~Ruberbande~ gelagert auf der Erde.

  Die ~Ruber~ singen.

    Stehlen, morden, huren, balgen
    Heit bey uns nur die Zeit zerstreu'n.
    Morgen hangen wir am Galgen,
    Drum lat uns heute lustig seyn.

    Ein freyes Leben fhren wir,
    Ein Leben voller Wonne.
    Der Wald ist unser Nachtquartier,
    Bey Sturm und Wind handthieren wir,
    Der Mond ist unsre Sonne,
    Merkurius ist unser Mann,
    Der's Prakticiren treflich kann.

    Heut laden wir bey Pfaffen uns ein,
    Bey masten Pchtern morgen,
    Was drber ist, da lassen wir fein
    Den lieben Herrgott sorgen.

    Und haben wir im Traubensaft
    Die Gurgel ausgebadet,
    So machen wir uns Muth und Kraft
    Und mit dem Schwarzen Brderschaft,
    Der in der Hlle bratet.

    Das Wehgeheul geschlagner Vter,
    Der bangen Mtter Klaggezetter,
    Das Winseln der verlanen Braut
    Ist Schmau fr unsre Trommelhaut!

    Ha! wenn sie euch unter dem Beile so zucken,
    Ausbrllen wie Klber, umfallen wie Mucken,
    Das kitzelt unsern Augenstern,
    Das schmeichelt unsern Ohren gern.

    Und wenn mein Stndlein kommen nun,
    Der Henker soll es holen,
    So haben wir halt unsern Lohn,
    Und schmieren unsre Sohlen,
    Ein Schlckchen auf den Weg vom heissen Traubensohn,
    Und hura rax dax! gehts, als flgen wir davon.

~Schweizer.~ Es wird Nacht, und der Hauptmann noch nicht da!

~Razmann.~ Und versprach doch Schlag acht Uhr wieder bey uns
einzutreffen.

~Schweizer.~ Wenn ihm Leides geschehen wre -- Kameraden! wir znden an
und morden den Sugling.

~Spiegelberg~ (_nimmt Razmann beyseite._) Auf ein Wort Razmann.

~Schwarz~ (_zu Grimm._) Wollen wir nicht Spionen ausstellen?

~Grimm.~ La du ihn! Er wird einen Fang thun, da wir uns schmen
mssen.

~Schweizer.~ Da brennst du dich, beym Henker! Er gieng nicht von
uns wie einer, der einen Schelmenstreich im Schild fhrt. Hast du
vergessen, was er gesagt hat, als er uns ber die Haide fhrte? -- Wer
nur eine Rbe vom Acker stiehlt, da ich's erfahre, lt seinen Kopf
hier, so wahr ich ~Moor~ heie. -- Wir drfen nicht rauben.

~Razmann~ (_leise zu Spiegelberg._) Wo will das hinaus -- rede
deutscher.

~Spiegelberg.~ Pst! Pst! -- Ich wei nicht, was du oder ich fr
Begriffe von Freyheit haben, da wir an einem Karrn ziehen, wie Stiere,
und dabey wunderviel von Independenz deklamiren -- Es gefllt mir nicht.

~Schweizer~ (_zu Grimm._) Was wohl dieser Windkopf hier an der Kunkel
hat?

~Razmann~ (_leise zu Spiegelberg._) Du sprichst vom Hauptmann? --

~Spiegelberg.~ Pst doch! Pst! -- Er hat so seine Ohren unter uns
herumlaufen -- ~Hauptmann~ sagst du? wer hat ihn zum Hauptmann ber uns
gesetzt, oder hat er nicht diesen Titel usurpirt, der von rechtswegen
mein ist? -- Wie? legen wir darum unser Leben auf Wrfel -- baden
darum alle Milzsuchten des Schicksals aus, da wir am End' noch von
Glck sagen, die Leibeigenen eines Sklaven zu seyn? -- Leibeigene, da
wir Frsten seyn knnten? -- Bey Gott! Razmann -- das hat mir niemals
gefallen.

~Schweizer~ (_Zu den andern._) Ja -- du bist mir der rechte Held,
Frsche mit Steinen breit zu schmeissen -- Schon der Klang seiner
Nase, wenn er sich schneuzte, knnte dich durch ein Nadelhr jagen --

~Spiegelberg~ (_zu Razmann._) Ja -- Und Jahre schon dicht' ich darauf:
Es soll anders werden. Razmann -- wenn du bist, wofr ich dich immer
hielt -- Razmann! -- Man vermit ihn -- gibt ihn halb verloren --
Razmann, mich deucht, seine schwarze Stunde schlgt -- wie? Nicht
einmal rther wirst du, da dir die Glocke zur Freyheit lutet? Hast
nicht einmal so viel Muth, einen khnen Wink zu verstehen?

~Razmann.~ Ha Satan! worinn verstrickst du meine Seele?

~Spiegelberg.~ Hats gefangen? -- Gut! so folge. Ich hab' mir's gemerkt,
wo er hinschlich -- Komm! Zwey Pistolen fehlen selten, und dann --
so sind wir die ersten, die den Sugling erdrosseln. (_Er will ihn
fortreissen._)

~Schweizer~ (_Zieht wthend sein Messer._) Ha Bestie! Eben recht
erinnerst du mich an die bhmischen Wlder! -- Warst du nicht die
Memme, die anhub zu schnadern, als sie riefen: ~Der Feind kommt~? Ich
hab' damals bey meiner Seele geflucht -- fahr hin Meuchelmrder (_Er
sticht ihn todt._)

~Ruber~ (_In Bewegung._) Mordjo! Mordjo! -- -- Schweizer --
Spiegelberg -- Reit sie auseinander --

~Schweizer~ (_Wirft das Messer ber ihn._) Da! -- Und so krepir du
-- Ruhig Kameraden -- Lat euch den Bettel nicht unterbrechen -- Die
Bestie ist dem Hauptmann immer giftig gewesen, und hat keine Narbe auf
ihrer ganzen Haut -- Noch einmal, gebt euch zufrieden -- ha! ber den
Racker -- von hinten her will er Mnner zu schanden schmeissen? Mnner
von hinten her! -- Ist uns darum der helle Schwei ber die Backen
gelaufen, da wir aus der Welt schleichen wie Hundsvtter? Bestie du!
Haben wir uns darum unter Feuer und Rauch gebettet, da wir zuletzt wie
Ratten verrecken?

~Grimm.~ Aber zum Teufel -- Kamerad -- was hattet ihr mit einander? --
Der Hauptmann wird rasend werden.

~Schweizer.~ Dafr la mich sorgen -- Und du Heilloser (_zu Razmann_),
du warst sein Helfershelfer, du! -- Pack dich aus meinen Augen -- der
Schufterle hat's auch so gemacht, aber dafr hngt er itzt auch in der
Schweiz, wie's ihm mein Hauptmann prophezeyt hat -- (_Man schiet._)

~Schwarz~ (_aufspringend._) Horch! ein Pistolenschu! (_Man schiet
wieder._) Noch einer! Holla! Der Hauptmann!

~Grimm.~ Nur Geduld! Er mu zum drittenmal schiessen. (_Man hrt noch
einen Schu._)

~Schwarz.~ Er ist's! -- Ist's -- Salvier dich, Schweizer -- lat uns
ihm antworten.

  (Sie schiessen.)

  Moor. Kosinsky (_treten auf._)

~Schweizer~ (_ihnen entgegen._) Sey willkommen, mein Hauptmann -- Ich
bin ein bischen vorlaut gewesen, seit du weg bist. (_Er fhrt ihn an
die Leiche._) Sey du Richter zwischen mir und diesem -- ~von hinten~
hat er dich ermorden wollen.

~Ruber~ (_mit Bestrzung._) Was? Den Hauptmann?

~Moor.~ (_In den Anblick versunken, bricht heftig aus._) O
unbegreiflicher Finger der rachekundigen Nemesis! -- Wars nicht dieser,
der mir das Sirenenlied trillerte? -- Weihe di Messer der dunklen
Vergelterinn! -- das hast ~Du~ nicht gethan, Schweizer.

~Schweizer.~ Bei Gott! ich habs wahrlich gethan, und es ist beim Teufel
nicht das schlechtste, was ich in meinem Leben gethan habe. (_geht
unwillig ab._)

~Moor~ (_Nachdenkend._) Ich verstehe -- Lenker im Himmel -- ich
verstehe -- die Bltter fallen von den Bumen -- und mein Herbst ist
kommen -- Schafft mir diesen aus den Augen. (_Spiegelbergs Leiche wird
hinweg getragen._)

~Grimm.~ Gib uns Ordre, Hauptmann -- was sollen wir weiter thun?

~Moor.~ Bald -- bald ist alles erfllet -- Gebt mir meine Laute -- Ich
habe mich selbst verloren, seit ich dort war -- Meine Laute sag ich --
Ich mu mich zurck lullen in meine Kraft -- verlat mich.

~Ruber.~ Es ist Mitternacht, Hauptmann.

~Moor.~ Doch warens nur die Thrnen im Schauspielhaus -- den
Rmergesang mu ich hren, da mein schlafender Genius wieder aufwacht
-- Meine Laute her -- Mitternacht, sagt ihr?

~Schwarz.~ Wohl bald vorber. Wie Bley liegt der Schlaf in uns. Seit
drei Tagen kein Auge zu.

~Moor.~ Sinkt denn der balsamische Schlaf auch auf die Augen der
Schelmen? Warum fliehet er mich? Ich bin nie ein Feiger gewesen, oder
ein schlechter Kerl -- Legt euch schlafen -- Morgen am Tag gehen wir
weiter.

~Ruber.~ Gute Nacht, Hauptmann (_Sie lagern sich auf der Erde und
schlafen ein._)

  Tiefe Stille.

  Moor. (_Nimmt die Laute und spielt._)

    ~Brutus.~

    Sey willkommen friedliches Gefilde,
      Nimm den Letzten aller Rmer auf!
    Von Philippi, wo die Mordschlacht brllte
      Schleicht mein Gram-gebeugter Lauf.
    Kassius wo bist du? -- Rom verloren!
      Hingewrgt mein brderliches Heer!
    Meine Zuflucht zu des Todes Thoren!
      Keine Welt fr Brutus mehr!

    ~Csar.~

    Wer, mit Schritten eines Niebesiegten,
      Wandert dort vom Felsenhang? --
    Ha! wenn meine Augen mir nicht lgten!
      Das ist eines Rmers Gang. --
    Tybersohn -- von wannen deine Reise?
      Dauert noch die Siebenhgelstadt?
    Oft geweinet hab ich um die Waise,
      Da sie nimmer einen Csar hat.

    ~Brutus.~

    Ha! du mit der drei und zwanzigfachen Wunde!
      Wer rief Todter dich an's Licht?
    Schaudre rckwrts, zu des Orkus Schlunde,
      Stolzer Weiner! Triumphire nicht!
    Auf Philippi's eisernem Altare
      Raucht der Freiheit letztes Opferblut;
    Rom verrchelt ber Brutus Bahre,
      Brutus geht zu Minos -- Kreuch in deine Flut.

    ~Csar.~

    O ein Todessto von Brutus Schwerte!
      Auch du -- Brutus -- du?
    Sohn -- es war dein Vater -- Sohn -- die Erde
      Wr gefallen dir als Erbe zu!
    Geh -- du bist der grste Rmer worden,
      Da in Vaters Brust dein Eisen drang,
    Geh -- und heul es bis zu jenen Pforten:
      Brutus ist der grste Rmer worden,
    Da in Vaters Brust sein Eisen drang.
      Geh -- du weits nun, was an Lethes Strande
    Mich noch bannte --
      Schwarzer Schiffer, sto vom Lande!

    ~Brutus.~

    Vater halt! -- Im ganzen Sonnenreiche
      Hab ich Einen nur gekannt,
    Der dem groen Csar gleiche:
      Diesen Einen hast du Sohn genannt.
    Nur ein Csar mochte Rom verderben,
      Nur nicht Brutus mochte Csar stehn,
    Wo ein Brutus lebt, mu Csar sterben;
      Geh du linkwrts, la mich rechtwrts gehn.

  (Er legt die Laute hin, geht tiefdenkend auf und nieder.)

Wer mir Brge wre? -- -- Es ist alles so finster -- verworrene
Labyrinthe -- kein Ausgang -- kein leitendes Gestirn -- wenns
~aus~ wre mit diesem letzten Othemzug -- ~Aus~ wie ein
schaales Marionettenspiel -- Aber wofr der heie ~Hunger~ nach
~Glckseligkeit~? Wofr das Ideal einer ~unerreichten~ Vollkommenheit?
Das ~Hinausschieben~ unvollendeter Plane? -- wenn der armselige Druck
dieses armseligen Dings (_die Pistolen vors Gesicht haltend_) den
Weisen dem Thoren -- den Feigen dem Tapfern -- den Edlen dem Schelmen
gleich macht? -- Es ist doch eine so gttliche Harmonie in der
seelenlosen Natur, warum sollte dieser Miklang in der vernnftigen
seyn? -- Nein! Nein! es ist etwas mehr, denn ich bin noch nicht
glcklich gewesen.

Glaubt ihr, ich werde zittern? Geister meiner Erwrgten! ich werde
nicht zittern. (~Heftig zitternd.~) -- Euer banges Sterbegewinsel --
euer schwarzgewrgtes Gesicht -- eure frchterlich klaffenden Wunden
sind ja nur Glieder einer unzerbrechlichen Kette des Schicksals, und
hngen zuletzt an meinen Feyerabenden, an den Launen meiner Ammen und
Hofmeister, am Temperament meines Vaters, am Blut meiner Mutter. --
(_von Schauer geschttelt_) Warum hat mein Perillus einen Ochsen aus
mir gemacht, da die Menschheit in meinem glhenden Bauche bratet?

(_Er setzt die Pistolen an._) ~Zeit und Ewigkeit~ -- gekettet an
einander durch ein einzig Moment! -- Grauser Schlssel, der das
Gefngni des Lebens hinter mir schliet, und vor mir aufriegelt die
Behausung der ewigen Nacht -- sage mir -- o sage mir -- ~wohin~ --
~wohin~ wirst du mich fhren? -- Fremdes, nie umsegeltes Land! --
Siehe, die Menschheit erschlafft unter ~diesem~ Bilde, die Spannkraft
des Endlichen lt nach, und die Phantasey, der muthwillige Affe der
Sinne, gaukelt unserer Leichtglubigkeit seltsame Schatten vor -- Nein!
Nein! Ein Mann mu nicht straucheln -- Sey wie du willst, ~namenloses
Jenseits~ -- bleibt mir nur dieses mein ~Selbst~ getreu -- Sey wie du
willst, wenn ich nur ~mich selbst~ mit hinbernehme -- Auendinge sind
nur der Anstrich des Manns -- Ich bin mein Himmel und meine Hlle.

Wenn du mir irgend einen eingescherten Weltkreis ~allein~ lieest, den
du aus deinen Augen verbannt hast, wo die einsame Nacht, und die ewige
Wste meine Aussichten sind? -- Ich wrde dann die schweigende Oede
mit meinen Phantasien bevlkern, und htte die Ewigkeit zur Musse, das
verworrene Bild des allgemeinen Elends zu zergliedern. -- Oder willst
du mich durch immer neue Geburten und immer neue Schaupltze des Elends
von Stufe zu Stufe -- zur Vernichtung -- fhren? Kann ich nicht die
Lebensfden, die mir jenseits gewoben sind, so leicht zerreissen, wie
diesen? -- Du kannst mich zu nichts machen -- Diese Freyheit kannst du
mir nicht nehmen. (_Er ladet die Pistole. Pltzlich hlt er inne._) Und
soll ich fr Furcht eines qualvollen Lebens sterben? -- Soll ich dem
Elend den Sieg ber mich einrumen? -- Nein! ich wills dulden. (_Er
wirft die Pistole weg._) Die Qual erlahme an meinem Stolz! Ich wills
vollenden. (_Es wird immer finstrer._)

  Herrmann. (_Der durch den Wald kommt._)

Horch! Horch! grausig heulet der Kauz -- zwlf schlgts drben im
Dorf -- wohl, wohl -- das Bubenstck schlft -- in dieser Wilde kein
Lauscher. (_Tritt an das Schlo und pocht._) Komm heraus, Jammermann,
Thurmbewohner! -- Deine Mahlzeit ist bereitet.

~Moor.~ (_Sachte zurcktretend._) Was soll das bedeuten?

~Eine Stimme.~ (_aus dem Schlo._) Wer pocht da? He? Bist du's,
Herrmann, mein Rabe?

~Herrmann.~ Bin's, Herrmann, dein Rabe. Steig herauf ans Gitter und i.
(_Eulen schreyen._) Frchterlich trillern deine Schlafkameraden, Alter
-- dir schmeckt?

~Die Stimme.~ Hungerte mich sehr. Habe Dank, Rabensender, frs Brod in
der Wste! -- Und wie gehts meinem lieben Kind, Herrmann?

~Herrmann.~ Stille -- Horch -- Gerusch wie von Schnarchenden! hrst du
nicht was?

~Stimme.~ Wie? hrst ~du~ etwas?

~Herrmann.~ Den seufzenden Windlaut durch die Rizen des Thurms -- Eine
Nachtmusik, davon einem die Zhne klappern und die Ngel blau werden --
Horch, noch einmal -- Immer ist mir, als hrt' ich ein Schnarchen. --
Du hast Gesellschaft, Alter -- Hu! hu! hu!

~Stimme.~ Siehst du etwas?

~Herrmann.~ Leb wohl -- leb wohl -- Grausig ist diese Sttte -- Steig
ab ins Loch -- droben dein Helfer, dein Rcher -- verfluchter Sohn! --
(_Will fliehen._)

~Moor.~ (_Mit Entsetzen hervortretend._) Steh!

~Herrmann.~ (_Schreyend._) Oh mir!

~Moor.~ Steh, sag ich!

~Herrmann.~ Weh! Weh! Weh! Nun ist alles verrathen!

~Moor.~ Steh! Rede! Wer bist du? Was hast du hier zu thun? Rede!

~Herrmann.~ Erbarmen, o Erbarmen, gestrenger Herr! -- Nur Ein Wort
hret an, eh ihr mich umbringt.

~Moor.~ (_Indem er den Degen zieht._) Was werd' ich hren?

~Herrmann.~ Wohl habt ihr mirs beym Leben verboten -- Ich konnt' nicht
anders -- durft' nicht anders -- im Himmel ein Gott -- euer leiblicher
Vater dort -- mich jammerte sein -- Stecht mich nieder.

~Moor.~ Hier steckt ein Geheimni -- Heraus! Sprich! Ich will alles
wissen.

~Die Stimme.~ (_Aus dem Schlo._) Weh! Weh! Bist du's, Herrmann, der da
redet? Mit wem redst du, Herrmann?

~Moor.~ Drunten noch jemand -- Was geht hier vor? (_Luft dem Thurme
zu._) Ist's ein Gefangener, den die Menschen abschttelten? -- Ich will
seine Ketten lsen. -- Stimme! noch einmal! wo ist die Thre?

~Herrmann.~ O habt Barmherzigkeit, Herr -- dringt nicht weiter, Herr --
geht aus Erbarmen vorber! (_Verrennt ihm den Weg._)

~Moor.~ Vierfach geschlossen! Weg da -- Es mu heraus -- Itzt ~zum
erstenmal~ komm mir zu Hlfe, ~Dieberey~! (_Er nimmt Brechinstrumente,
und ffnet das Gitterthor. Aus dem Grunde steigt ein ~Alter~,
ausgemergelt wie ein Gerippe._)

~Der Alte.~ Erbarmen einem Elenden! Erbarmen!

~Moor.~ (_Springt erschrocken zurck._) Das ist ~meines Vaters~ Stimme!

~D. a. Moor.~ Habe Dank, o Gott! Erschienen ist die Stunde der Erlsung.

~Moor.~ Geist des alten Moors! Was hat dich beunruhigt in deinem
Grabe? Hast du eine Snde in jene Welt geschleppt, die dir den
Eingang in die Pforten des Paradieses verrammelt? Ich will Messen
lesen lassen, den irrenden Geist in seine Heymath zu senden. Hast du
das Gold der Wittwen und Waisen unter die Erde vergraben, das dich
zu dieser mitternchtlichen Stunde heulend herumtreibt, ich will den
unterirdischen Schatz aus den Klauen des Zauberdrachen reissen, und
wenn er tausend rothe Flammen auf mich speyt, und seine spitzen Zhne
gegen meinen Degen blckt, oder kommst du, auf meine Fragen die Rthsel
der Ewigkeit zu entfalten? Rede, rede! ich bin der Mann der bleichen
Furcht nicht.

~D. a. Moor.~ Ich bin kein Geist. Taste mich an, ich lebe, o ein
elendes, erbrmliches Leben!

~Moor.~ Was? Du bist nicht begraben worden?

~D. a. Moor.~ Ich bin begraben worden -- das heit: ein todter Hund
liegt in meiner Vter Gruft; und ich -- drey volle Monde schmacht' ich
schon in diesem finstern unterirdischen Gewlbe, von keinem Strahle
beschienen, von keinem warmen Lftchen angeweht, von keinem Freunde
besucht, wo wilde Raben krchzen, und mitternchtliche Uhu's heulen. --

~Moor.~ Himmel und Erde! Wer hat das gethan?

~D. a. Moor.~ Verfluch ihn nicht! -- Das hat mein Sohn Franz gethan.

~Moor.~ Franz? Franz? -- O ewiges Chaos!

~D. a. Moor.~ Wenn du ein Mensch bist, und ein menschliches Herz hast,
Erlser, den ich nicht kenne, o so hre den Jammer eines Vaters, den
ihm seine Shne bereitet haben -- drey Monden schon hab' ich's tauben
Felsenwnden zugewinselt, aber ein hohler Wiederhall ffte meine Klagen
nur nach. Darum, wenn du ein Mensch bist, und ein menschliches Herz
hast --

~Moor.~ Diese Aufforderung knnte die wilden Bestien aus ihren Lchern
hervorrufen!

~D. a. Moor.~ Ich lag eben auf dem Siechbett, hatte kaum angefangen,
aus einer schweren Krankheit etwas Krfte zu sammeln, so fhrte man
einen Mann zu mir, der vorgab, mein Erstgebohrner sey gestorben in der
Schlacht, und mit sich brachte ein Schwerdt, gefrbt mit seinem Blut,
und sein letztes Lebewohl, und da ihn mein Fluch gejagt htte in Kampf
und Tod und Verzweiflung.

~Moor.~ (_Heftig von ihm abgewandt._) Es ist offenbar!

~D. a. Moor.~ Hre weiter! ich ward unmchtig bey der Botschaft. Man
mu mich fr todt gehalten haben, denn als ich wieder zu mir selber
kam, lag ich schon in der Bahre, und ins Leichentuch gewickelt wie ein
Todter. Ich krazte an dem Deckel der Bahre. Er ward aufgethan. Es war
finstere Nacht, mein Sohn Franz stand vor mir. -- Was? rief er mit
entsetzlicher Stimme, willst du dann ewig leben? -- und gleich flog
der Sargdeckel wieder zu. Der Donner dieser Worte hatte mich meiner
Sinne beraubt; als ich wieder erwachte, fhlt' ich den Sarg erhoben
und fortgefhrt in einem Wagen eine halbe Stunde lang. Endlich ward er
geffnet -- ich stand am Eingang dieses Gewlbes, mein Sohn vor mir,
und der Mann, der mir das blutige Schwerdt von Karln gebracht hatte --
zehnmal umfat' ich seine Kniee, und bat und flehte, und umfate sie
und beschwur -- das Flehen seines Vaters reichte nicht an sein Herz --
hinab mit dem Balg! donnerte es von seinem Munde, er hat genug gelebt,
-- und hinab ward ich gestossen ohn' Erbarmen, und mein Sohn Franz
schlo hinter mir zu.

~Moor.~ Es ist nicht mglich, nicht mglich! Ihr mt euch geirrt haben.

~D. a. Moor.~ Ich kann mich geirrt haben. Hre weiter, aber zrne doch
nicht! So lag ich zwanzig Stunden, und kein Mensch gedachte meiner
Noth. Auch hat keines Menschen Futritt je diese Einde betreten, denn
die allgemeine Sage geht, da die Gespenster meiner Vter in diesen
Ruinen rasselnde Ketten schleifen, und in mitternchtlicher Stunde
ihr Todtenlied raunen. Endlich hrt' ich die Thr wieder aufgehen,
dieser Mann brachte mir Brod und Wasser, und entdeckte mir, wie ich zum
Tod des Hungers verurtheilt gewesen, und wie er sein Leben in Gefahr
setze, wenn es herauskme, da er mich speise. So ward ich kmmerlich
erhalten diese lange Zeit, aber der unaufhrliche Frost -- die faule
Luft meines Unraths, -- der grenzenlose Kummer -- meine Krfte wichen,
mein Leib schwand, tausendmal bat ich Gott mit Thrnen um den Tod, aber
das Maas meiner Strafe mu noch nicht gefllet seyn -- oder mu noch
irgend eine Freude meiner warten, da ich so wunderbarlich erhalten
bin. Aber ich leide gerecht -- Mein Karl! mein Karl! -- und er hatte
noch keine graue Haare.

~Moor.~ Es ist genug. Auf! ihr Kltze, ihr Eisklumpen! Ihr trge
fhllose Schlfer! Auf! will keiner erwachen? (_Er thut einen
Pistolenschu ber die schlafenden Ruber._)

~Die Ruber.~ (_aufgejagt_) He, holla! holla! was giebts da?

~Moor.~ Hat euch die Geschichte nicht aus dem Schlummer gerttelt?
der ewige Schlaf wrde wach worden seyn! Schaut her, schaut her!
die Gesetze der Welt sind Wrfelspiel worden, das Band der Natur
ist entzwey, die alte Zwietracht ist los, der Sohn hat seinen Vater
erschlagen.

~Die Ruber.~ Was sagt der Hauptmann?

~Moor.~ Nein, nicht erschlagen! das Wort ist Beschnigung! -- der Sohn
hat den Vater tausendmal gerdert, gespiet, gefoltert, geschunden! die
Worte sind mir zu menschlich -- worber die Snde roth wird, worber
der Kannibale schaudert, worauf seit Aeonen kein Teufel gekommen ist.
-- Der Sohn hat seinen eigenen Vater -- o seht her, seht her! er ist
in Unmacht gesunken, -- in dieses Gewlbe hat der Sohn seinen Vater --
Frost, Blse, -- Hunger, -- Durst -- o seht doch, seht doch! -- es ist
mein eigner Vater, ich wills nur gestehn.

~Die Ruber~ (_springen herbey und umringen den Alten._) Dein Vater?
dein Vater?

~Schweizer~ (_tritt ehrerbietig nher, fllt vor ihm nieder._) Vater
meines Hauptmanns! Ich ksse dir die Fsse! du hast ber meinen Dolch
zu befehlen.

~Moor.~ Rache, Rache, Rache dir! grimmig beleidigter, entheiligter
Greis! So zerrei ich von nun an auf ewig das brderliche Band. (_er
zerreit sein Kleid von oben an bis unten._) So verfluch ich jeden
Tropfen brderlichen Bluts im Antlitz des offenen Himmels! Hre mich,
Mond und Gestirne! Hre mich, mitternchtlicher Himmel! der du auf die
Schandthat herunterblicktest! Hre mich, dreymal schrcklicher Gott,
der da oben ber dem Monde waltet, und rcht und verdammt ber den
Sternen, und feuerflammt ber der Nacht! Hier kniee ich -- hier streck
ich empor die drey Finger in die Schauer der Nacht -- hier schwr ich,
und so speye die Natur mich aus ihren Grenzen wie eine bsartige Bestie
aus, wenn ich diesen Schwur verletze, schwr ich das Licht des Tages
nicht mehr zu grssen, bis des Vater-Mrders Blut, vor diesem Steine
verschttet, gegen die Sonne dampft. (_Er steht auf._)

~Die Ruber.~ Es ist ein Belials-Streich! Sag einer, wir seyen
Schelmen! Nein bey allen Drachen! So bunt haben wirs nie gemacht!

~Moor.~ Ja! und bey allen schrcklichen Seufzern derer, die jemals
durch eure Dolche starben, derer, die meine Flamme fra, und mein
fallender Thurm zermalmte, eh' soll kein Gedanke von Mord oder
Raub Platz finden in eurer Brust, bis euer aller Kleider von des
Verruchten Blute scharlachroth gezeichnet sind -- das hat euch wohl
niemals getrumet, da ihr der Arm hherer Majestten seyd? Der
verworrene Knuel unsers Schicksals ist aufgelst! Heute, heute hat
eine unsichtbare Macht unser Handwerk geadelt! Betet an vor dem, der
euch dies erhabene Loos gesprochen, der euch hieher gefhrt, der euch
gewrdiget hat, die schrcklichen Engel seines finstern Gerichts zu
seyn! Entblset eure Hupter! Knieet hin in den Staub, und stehet
geheiliget auf! (_sie knieen._)

~Schweizer.~ Gebeut, Hauptmann! was sollen wir thun?

~Moor.~ Steh auf, Schweizer! Und rhre diese heilige Locken an! (_Er
fhrt ihn zu seinem Vater, und giebt ihm eine Locke in die Hand._)
Du weit noch, wie du einsmals jenem bhmischen Reuter den Kopf
spaltetest, da er eben den Sbel ber mich zuckte, und ich athemlos und
erschpft von der Arbeit in die Kniee gesunken war? dazumal verhie ich
dir eine Belohnung, die kniglich wre, ich konnte diese Schuld bisher
niemals bezahlen. --

~Schweizer.~ Das schwurst du mir, es ist wahr, aber la mich dich ewig
meinen Schuldner nennen!

~Moor.~ Nein, itzt will ich bezahlen. Schweizer, so ist noch kein
Sterblicher geehrt worden wie du! -- Rche meinen Vater! (_Schweizer
steht auf._)

~Schweizer.~ Groer Hauptmann! heute hast du mich zum erstenmal stolz
gemacht! -- Gebeut, wo, wie, wann soll ich ihn schlagen?

~Moor.~ Die Minuten sind geweiht, du must eilends gehn -- lies dir
die Wrdigsten aus der Bande, und fhre sie gerade nach des Edelmanns
Schlo! zerr ihn aus dem Bette, wenn er schlft, oder in den Armen der
Wollust liegt, schlepp ihn vom Mahle weg, wenn er besoffen ist, rei
ihn vom Kruzifix, wenn er betend vor ihm auf den Knieen liegt! Aber ich
sage dir, ich schrf es dir hart ein, liefr' ihn mir nicht todt! dessen
Fleisch will ich in Stcken reissen, und hungrigen Geiern zur Speise
geben, der ihm nur die Haut ritzt, oder ein Haar krnkt! Ganz mu ich
ihn haben, und wenn du ihn ganz und lebendig bringst, so sollst du
eine Million zur Belohnung haben, ich will sie einem Knige mit Gefahr
meines Lebens stehlen, und du sollst frey ausgehn, wie die weite Luft
-- hast du mich verstanden, so eile davon!

~Schweizer.~ Genug, Hauptmann -- hier hast du meine Hand darauf:
Entweder, du siehst zwey zurckkommen, oder gar keinen. Schweizers
Wrgengel kommt! (_ab mit einem Geschwader._)

~Moor.~ Ihr Uebrigen zerstreut euch im Wald -- Ich bleibe.




Fnfter Akt.


Erste Scene.

    Aussicht von vielen Zimmern.

    Finstre Nacht.

  Daniel (_kommt mit einer Laterne und einem Reisebndel._)

Lebe wohl, theures Mutterhaus -- Hab so manch Guts und Liebs in dir
genossen, da der Herr seeliger noch lebete -- Thrnen auf deine
Gebeine, du lange Verfaulter! das verlangt er von einem alten Knecht --
es war das Obdach der Waisen, und der Port der Verlassenen, und dieser
Sohn hats gemacht zur Mrdergrube -- Lebe wohl, du guter Boden! wie
oft hat der alte Daniel dich abgefegt -- Lebe wohl, du lieber Ofen,
der alte Daniel nimmt schweren Abschied von dir -- es war dir alles
so vertraut worden -- wird dir weh thun, alter Elieser -- Aber Gott
bewahre mich in Gnaden vor dem Trug und List des Argen -- Leer kam ich
hieher -- leer zieh ich wieder hin -- aber meine Seele ist gerettet.
(_wie er gehen will, kmmt_)

  Franz (_im Schlafrock hereingestrzt._)

~Daniel.~ Gott steh mir bey! Mein Herr! (_Lscht die Laterne aus._)

~Franz.~ Verrathen! Verrathen! Geister ausgespieen aus Grbern --
Losgerttelt das Todtenreich aus dem ewigen Schlaf brllt wider mich,
~Mrder~! ~Mrder!~ -- wer regt sich da?

~Daniel~ (_ngstlich._) Hilf, heilige Mutter Gottes! seyd ihr's,
gestrenger Herre, der so grlich durch die Gewlbe schreit, da alle
Schlfer auffahren?

~Franz.~ Schlfer? Wer heit euch schlafen? Fort, znde Licht an.
(_Daniel ab, es kommt ein andrer Bedienter._) Es soll niemand schlafen
in dieser Stunde. Hrst du? Alles soll auf seyn -- in Waffen -- alle
Gewehre geladen -- Sahst du sie dort den Bogengang hinschweben?

~Bedienter.~ Wen, gndiger Herr?

~Franz.~ Wen, Dummkopf, wen? So kalt, so leer fragst du, wen? hat
mich's doch angepackt, wie der Schwindel! wen, Eselskopf! wen? Geister
und Teufel! wie weit ist's in der Nacht?

~Bedienter.~ Eben itzt ruft der Nachtwchter zwey an.

~Franz.~ Was? will diese Nacht whren bis an den jngsten Tag? hrtest
du keinen Tumult in der Nhe? Kein Siegsgeschrey? Kein Gerusch
galoppirender Pferde? wo ist Kar -- der Graf, will ich sagen?

~Bedienter.~ Ich wei nicht, mein Gebieter!

~Franz.~ Du weit's nicht? Du bist auch unter der Rotte? Ich will dir
das Herz aus den Rippen stampfen! mit deinem verfluchten: ich wei
nicht! Fort, hole den Pastor!

~Bedienter.~ Gndiger Herr!

~Franz.~ Murrst du? zgerst du? (_Erster Bedienter eilend ab._) Was?
auch Bettler wider mich verschworen? Himmel, Hlle! alles wider mich
verschworen?

~Daniel~ (_kommt mit dem Licht._) Mein Gebieter --

~Franz.~ Nein! ich zittere nicht! Es war ledig ein Traum. Die Todten
stehen noch nicht auf -- wer sagt, da ich zittere und bleich bin? Es
ist mir ja so leicht, so wohl.

~Daniel.~ Ihr seyd todtenbleich, eure Stimme ist bang und lallet.

~Franz.~ Ich habe das Fieber. Sage du nur, wenn der Pastor kommt, ich
habe das Fieber. Ich will morgen zur Ader lassen, sage dem Pastor.

~Daniel.~ Befehlt ihr, da ich euch Lebensbalsam auf Zucker trpfle?

~Franz.~ Trpfle mir auf Zucker! der Pastor wird nicht sogleich da
seyn. Meine Stimme ist bang und lallet, gib Lebensbalsam auf Zucker!

~Daniel.~ Gebt mir erst die Schlssel, ich will drunten holen im
Schrank --

~Franz.~ Nein, nein, nein! Bleib! oder ich will mit dir geh'n. Du
siehst, ich kann nicht allein seyn! wie leicht knnt' ich, du siehst
ja -- unmchtig -- wenn ich allein bin. La nur, la nur! Es wird
vorbergehen, du bleibst.

~Daniel.~ Oh ihr seyd ~ernstlich~ krank.

~Franz.~ Ja freylich, freylich! das ists alles. -- Und Krankheit
verstret das Gehirn, und brtet tolle und wunderliche Trume aus. --
Trume bedeuten nichts -- nicht wahr, Daniel? Trume kommen ja aus dem
Bauch, und Trume bedeuten nichts -- ich hatte so eben einen lustigen
Traum. (_er sinkt unmchtig nieder_)

~Daniel.~ Jesus Christus! was ist das? Georg! Conrad! Bastian! Martin!
so gebt doch nur eine Urkund von euch! (_Rttelt ihn._) Maria,
Magdalena und Joseph! so nimmt doch nur Vernunft an! So wirds heissen,
ich hab ihn todt gemacht, Gott erbarme sich meiner!

~Franz~ (_verwirrt._) Weg -- weg! was rttelst du mich so, scheuliches
Todtengeripp? -- die Todten stehen noch nicht auf --

~Daniel.~ O du ewige Gte! Er hat den Verstand verloren.

~Franz.~ (_richtet sich matt auf_) Wo bin ich? -- du Daniel? was hab
ich gesagt? merke nicht drauf! ich hab eine Lge gesagt, es sey was es
wolle -- komm! hilf mir auf! -- es ist nur ein Ansto von Schwindel --
weil ich -- weil ich -- nicht ausgeschlafen habe.

~Daniel.~ Wr' nur der Johann da! ich will Hlfe rufen, ich will nach
Aerzten rufen.

~Franz.~ Bleib! sez dich neben mich auf diesen Sopha! -- so -- du bist
ein gescheuter Mann, ein guter Mann. La dir erzhlen!

~Daniel.~ Itzt nicht, ein andermal! ich will euch zu Bette bringen,
Ruhe ist euch besser.

~Franz.~ Nein, ich bitte dich, la dir erzhlen, und lache mich derb
aus! -- Siehe, mir duchte, ich htte ein kniglich Mahl gehalten,
und mein Herz wr' guter Dinge, und ich lge berauscht im Rasen des
Schlogartens, und plzlich -- es war zur Stunde des Mittags --
plzlich, aber ich sage dir, lache mich derb aus! --

~Daniel.~ Plzlich?

~Franz.~ Plzlich traf ein ungeheurer Donner mein schlummerndes
Ohr, ich taumelte bebend auf, und siehe da war mir's, als sh' ich
aufflammen den ganzen Horizont in feuriger Lohe, und Berge und Stdte
und Wlder wie Wachs im Ofen zerschmolzen, und eine heulende Windsbraut
fegte von hinnen Meer, Himmel und Erde -- da erscholl's wie aus ehernen
Posaunen: Erde gib deine Todten, gib deine Todten, Meer, und das nakte
Gefild begann zu kreisen, und aufzuwerfen Schdel und Rippen und
Kinnbacken und Beine, die sich zusammenzogen in menschliche Leiber,
und daherstrmten unbersehlich, ein lebendiger Sturm. Damals sah ich
aufwrts, und siehe, ich stand am Fu des donnernden Sina, und ber
mir Gewimmel und unter mir, und oben auf der Hhe des Bergs auf drey
rauchenden Sthlen drey Mnner, vor deren Blick flohe die Kreatur --

~Daniel.~ Das ist ja das leibhafte Konterfey vom jngsten Tage.

~Franz.~ Nicht wahr? das ist tolles Gezeuge? Da trat hervor Einer,
anzusehen wie die Sternennacht, der hatte in seiner Hand einen eisernen
Siegelring, den hielt er zwischen Aufgang und Niedergang und sprach:
Ewig, heilig, gerecht, unverflschbar! Es ist nur ~Eine~ Wahrheit,
es ist nur ~Eine~ Tugend! Wehe, wehe, wehe dem zweifelnden Wurme! --
Da trat hervor ein Zweyter, der hatte in seiner Hand einen blitzenden
Spiegel, den hielt er zwischen Aufgang und Niedergang, und sprach:
Dieser Spiegel ist Wahrheit; Heucheley und Larven bestehen nicht -- da
erschrack ich und alles Volk, denn wir sahen Schlangen- und Tieger- und
Leoparden-Gesichter zurckgeworfen aus dem entsetzlichen Spiegel. -- Da
trat hervor ein Dritter, der hatte in seiner Hand eine eherne Wage, die
hielt er zwischen Aufgang und Niedergang, und sprach: tretet herzu, ihr
Kinder von Adam -- ich wge die Gedanken in der Schaale meines Zornes!
und die Werke mit dem Gewicht meines Grimms! --

~Daniel.~ Gott erbarme sich meiner!

~Franz.~ Schneebleich stunden alle, ngstlich klopfte die Erwartung
in jeglicher Brust. Da war mir's, als hrt' ich meinen Namen zuerst
genannt aus den Wettern des Berges, und mein innerstes Mark gefror
in mir, und meine Zhne klapperten laut. Schnell begonn die Waage zu
klingen, zu donnern der Fels, und die Stunden zogen vorber, eine nach
der andern an der links hangenden Schaale, und eine nach der andern
warf eine ~Todsnde~ hinein --

~Daniel.~ O, Gott vergeb euch!

~Franz.~ Das that er nicht! -- die Schaale wuchs zu einem Gebirge, aber
die andere voll von Blut der Vershnung hielt sie noch immer hoch in
den Lften -- zuletzt kam ein alter Mann, schwer gebeuget von Gram,
angebissen den Arm von wthendem Hunger, aller Augen wandten sich
scheu vor dem Mann, ich kannte den Mann, er schnitt eine Locke von
seinem silbernen Haupthaar, warf sie hinein in die Schaale der Snden,
und siehe, sie sank, sank pltzlich zum Abgrund, und die Schaale der
Vershnung flatterte hoch auf! -- Da hrt' ich eine Stimme schallen
aus dem Rauche des Felsen: Gnade, Gnade jedem Snder der Erde und des
Abgrunds! du allein bist verworfen! -- (_Tiefe Pause._) Nun, warum
lachst du nicht?

~Daniel.~ Kann ich lachen, wenn mir die Haut schaudert? Trume kommen
von Gott.

~Franz.~ Pfui doch, pfui doch! sage das nicht! Hei mich einen Narren,
einen aberwitzigen, abgeschmackten Narren! Thu das, lieber Daniel, ich
bitte dich drum, spotte mich tchtig aus!

~Daniel.~ Trume kommen von Gott. Ich will fr euch beten.

~Franz.~ Du lgst, sag ich -- geh den Augenblick, lauf, spring, sieh,
wo der Pastor bleibt, hei ihn eilen, eilen, aber ich sage dir, du
lgst.

~Daniel~ (_im Abgehen._) Gott sey euch gndig!

  Franz.

Pbel-Weisheit, Pbel-Furcht! -- Es ist ja noch nicht ausgemacht, ob
das Vergangene nicht vergangen ist, oder ein Auge findet ber den
Sternen -- hum, hum! wer raunte mir das ein? Rchet denn droben ber
den Sternen einer? -- Nein, nein! Ja, ja! Frchterlich zischelts
um mich: Richtet droben einer ber den Sternen! Entgegen gehen dem
Rcher ber den Sternen diese Nacht noch! Nein! sag ich. -- Elender
Schlupfwinkel, hinter den sich deine Feigheit verstecken will -- d,
einsam, taub ist's droben ber den Sternen -- Wenn's aber doch etwas
mehr wre? Nein, nein, es ist nicht! Ich befehle, es ist nicht! Wenn's
aber doch wre? Weh dir, wenn's nachgezhlt worden wre! wenn's dir
vorgezhlt wrde diese Nacht noch! -- Warum schaudert mir so durch
die Knochen? -- ~Sterben!~ warum packt mich das Wort so? Rechenschaft
geben dem Rcher droben ber den Sternen -- und wenn er gerecht ist,
Waisen und Witwen, Unterdrckte, Geplagte heulen zu ihm auf, und wenn
er gerecht ist? -- warum haben sie gelitten, warum hast du ber sie
triumphiret? --

  Pastor Moser (_tritt auf._)

~Moser.~ Ihr liet mich holen, gndiger Herr! Ich erstaune. Das
erstemal in meinem Leben! Habt ihr im Sinn, ber die Religion zu
spotten, oder fangt ihr an vor ihr zu zittern?

~Franz.~ Spotten oder zittern, je nachdem du mir antwortest. -- Hre,
Moser, ich will dir zeigen, da du ein Narr bist, oder die Welt fr'n
Narren halten willst, und du sollst mir antworten. Hrst du? Auf dein
Leben sollst du mir antworten.

~Moser.~ Ihr fordert einen Hheren vor euren Richterstuhl. Der Hhere
wird euch dermaleins antworten.

~Franz.~ Itzt will ichs wissen, itzt, diesen Augenblick, damit ich
nicht die schndliche Thorheit begehe, und im Drange der Noth den
Gtzen des Pbels anrufe. Ich habs dir oft mit Hohnlachen bey Burgunder
zugesoffen: Es ist kein Gott! -- Itzt red' ich im Ernste mit dir, ich
sage dir: es ist keiner! Du sollst mich mit allen Waffen widerlegen,
die du in deiner Gewalt hast, aber ich blase sie weg mit dem Hauch
meines Mundes.

~Moser.~ Wenn du auch eben so leicht den Donner wegblasen knntest, der
mit zehntausendfachem Centner-Gewicht auf deine stolze Seele fallen
wird! Dieser allwissende Gott, den du Thor und Bsewicht mitten aus
seiner Schpfung zernichtest, braucht sich nicht durch den Mund des
Staubes zu rechtfertigen. Er ist eben so gro in deinen Tyranneien, als
irgend in einem Lcheln der siegenden Tugend.

~Franz.~ Ungemein gut, Pfaffe! So gefllst du mir.

~Moser.~ Ich stehe hier in den Angelegenheiten eines grseren Herrn,
und rede mit einem, der Wurm ist wie ich, dem ich nicht gefallen will.
Freylich mt' ich Wunder thun knnen, wenn ich deiner halsstarrigen
Bosheit das Gestndni abzwingen knnte, -- aber wenn deine
Ueberzeugung so fest ist, warum lieest du mich rufen? Sage mir doch,
warum lieest du mich in der Mitternacht rufen?

~Franz.~ Weil ich lange Weile hab, und eben am Schachbret keinen
Geschmack finde. Ich will mir einen Spa machen, mich mit Pfaffen
herumzubeien. Mit dem leeren Schrecken wirst du meinen Muth nicht
entmannen. Ich wei wohl, da derjenige auf Ewigkeit hofft, der hier
zu kurz gekommen ist: aber er wird garstig betrogen. Ich hab's immer
gelesen, da unser Wesen nichts ist, als Sprung des Geblts, und mit
dem letzten Blutstropfen zerrinnt auch Geist und Gedanke. Er macht
alle Schwachheiten des Krpers mit, wird er nicht auch aufhren bey
seiner Zerstrung? nicht bey seiner Fulung verdampfen? La einen
Wassertropfen in deinem Gehirne verirren, und dein Leben macht eine
pltzliche Pause, die zunchst an das Nichtseyn grnzt, und ihre
Fortdauer ist der Tod. Empfindung ist Schwingung einiger Saiten, und
das zerschlagene Klavier tnet nicht mehr. Wenn ich meine sieben
Schlsser schleifen lasse, wenn ich diese Venus zerschlage, so ist's
Symmetrie und Schnheit ~gewesen~. Siehe da! das ist eure unsterbliche
Seele!

~Moser.~ Das ist die Philosophie eurer Verzweiflung. Aber euer eigenes
Herz, das bey diesen Beweisen ngstlich bebend wider eure Rippen
schlgt, straft euch Lgen. Diese Spinnweben von Systemen zerreit
das einzige Wort: du mut sterben! -- Ich fordere euch auf, das soll
die Probe seyn, wenn ihr im Tode annoch feste steht, wenn euch eure
Grundstze auch da nicht im Stiche lassen, so sollt ihr gewonnen haben;
wenn euch im Tode nur der mindeste Schauer anwandelt, weh euch dann!
ihr habt euch betrogen.

~Franz~ (_verwirrt._) Wenn mich im Tode ein Schauer anwandelt?

~Moser.~ Ich habe wohl mehr solche Elende geseh'n, die bis hieher der
Wahrheit Riesentrotz boten, aber im Tode selbst flattert die Tuschung
dahin. Ich will an eurem Bette steh'n, wenn ihr sterbet -- ich mchte
so gar gern einen Tyrannen sehen dahinfahren -- ich will dabey steh'n,
und euch starr ins Auge fassen, wenn der Arzt eure kalte nasse Hand
ergreift, und den verloren schleichenden Puls kaum mehr finden kann,
und aufschaut, und mit jenem schrcklichen Achselzucken zu euch
spricht: menschliche Hlfe ist umsonst! Htet euch dann, o htet euch
ja, da ihr da ausseh't, wie Richard und Nero!

~Franz.~ Nein, nein!

~Moser.~ Auch dieses Nein wird dann zu einem heulenden Ja -- ein
inneres Tribunal, das ihr nimmermehr durch skeptische Grbeleyen
bestechen knnt, wird itzo erwachen, und Gericht ber euch halten. Aber
es wird ein Erwachen seyn, wie des Lebendigbegrabenen im Bauche des
Kirchhof's, es wird ein Unwille seyn, wie des Selbstmrders, wenn er
den tdlichen Streich schon gethan hat und bereut, es wird ein Blitz
seyn, der die Mitternacht eures Lebens zumal berflammt, es wird ~Ein~
Blick seyn, und wenn ihr da noch feste steh't, so sollt ihr gewonnen
haben!

~Franz.~ (_unruhig im Zimmer auf- und abgehend_) Pfaffengewsche,
Pfaffengewsche!

~Moser.~ Itzt zum erstenmal werden die Schwerter einer Ewigkeit
durch eure Seele schneiden, und itzt zum erstenmal zu spt. -- Der
Gedanke ~Gott~ weckt einen frchterlichen Nachbar auf, sein Name
heit ~Richter~. Sehet Moor, ihr habt das Leben von Tausenden an der
Spitze eures Fingers, und von diesen Tausenden habt ihr neunhundert
neun und neunzig elend gemacht. Euch fehlt zu einem Nero nur das
rmische Reich, und nur Peru zu einem Pizarro. Nun glaubt ihr wohl,
Gott werde es zugeben, da ein einziger Mensch in seiner Welt wie ein
Wthrich hause, und das Oberste zu unterst kehre? Glaubt ihr wohl,
diese neunhundert und neun und neunzig seyen nur zum Verderben, nur zu
Puppen eures satanischen Spieles da? O glaubt das nicht! Er wird jede
Minute, die ihr ihnen getdtet, jede Freude, die ihr ihnen vergiftet,
jede Vollkommenheit, die ihr ihnen versperret habt, von euch fordern
dereinst, und wenn ihr darauf antwortet, Moor, so sollt ihr gewonnen
haben.

~Franz.~ Nichts mehr, kein Wort mehr! willst du, da ich deinen
schwarzlebrigen Grillen zu Gebote steh'?

~Moser.~ Sehet zu, das Schicksal der Menschen stehet unter sich in
frchterlich schnem Gleichgewicht. Die Waagschale dieses Lebens
sinkend wird hochsteigen in jenem, steigend in diesem, wird in jenem
zu Boden fallen. Aber was hier zeitliches Leiden war, wird dort ewiger
Triumph, was hier endlicher Triumph war, wird dort ewige unendliche
Verzweiflung.

~Franz.~ (_wild auf ihn losgehend_) Da dich der Donner stumm mache,
Lgengeist, du! Ich will dir die verfluchte Zunge aus dem Munde reien!

~Moser.~ Fhlt ihr die Last der Wahrheit so frh? Ich habe ja noch
nichts von Beweisen gesagt. Lat mich nur erst zu den Beweisen --

~Franz.~ Schweig, geh in die Hlle mit deinen Beweisen! zernichtet wird
die Seele, sag ich dir, und sollst mir nicht darauf antworten!

~Moser.~ Darum winseln auch die Geister des Abgrunds, aber der im
Himmel schttelt das Haupt. Meynt ihr dem Arm des Vergelters im den
Reich des Nichts zu entlaufen? Und fhret ihr gen Himmel, so ist er da!
und bettetet ihr euch in der Hlle, so ist er wieder da! und sprchet
ihr zu der Nacht: verhlle mich! und zu der Finsterni: birg mich!
so mu die Finsterni leuchten um euch, und um den Verdammten die
Mitternacht tagen -- aber euer unsterblicher Geist strubt sich unter
dem Wort, und siegt ber den blinden Gedanken.

~Franz.~ Ich will aber nicht unsterblich seyn -- sey es, wer da will,
ich will's nicht hindern. Ich will ihn zwingen, da er mich zernichte,
ich will ihn zur Wuth reizen, da er mich in der Wuth zernichte. Sag
mir, was ist die grste Snde, und die ihn am grimmigsten aufbringt?

~Moser.~ Ich kenne nur zwo. Aber sie werden nicht von ~Menschen~
begangen, auch ahnden sie ~Menschen~ nicht.

~Franz.~ Diese zwo! --

~Moser~ (_sehr bedeutend._) ~Vatermord~ heit die eine, ~Brudermord~
die andere -- Was macht euch auf einmal so bleich?

~Franz.~ Was Alter? Stehst du mit dem Himmel oder mit der Hlle im
Bndni? Wer hat dir das gesagt?

~Moser.~ Wehe dem, der sie beyde auf dem Herzen hat! Ihm wre besser,
da er nie geboren wre! Aber seyd ruhig, ihr habt weder Vater noch
Bruder mehr!

~Franz.~ Ha! -- was, du kennst keine drber? Besinne dich nochmals --
Tod, Himmel, Ewigkeit, Verdammni schwebt auf dem Laut deines Mundes --
keine einzige drber?

~Moser.~ Keine einzige drber.

~Franz~ (_fllt in einen Stuhl._) Zernichtung! Zernichtung!

~Moser.~ Freut euch, freut euch doch! preit euch doch glcklich!
-- Bey allen euren Greueln seyd ihr noch ein Heiliger gegen den
Vatermrder. Der Fluch, der euch trift, ist gegen den, der auf diesen
lauert, ein Gesang der Liebe -- die Vergeltung --

~Franz~ (_aufgesprungen._) Geh in tausend Grfte, du Eule! wer hie
dich hieher kommen? Geh, sag ich, oder ich sto dich durch und durch!

~Moser.~ Kann das Pfaffengewsche so einen Philosophen in Harnisch
jagen? Blast es doch weg mit dem Hauch eures Mundes! (_geht ab._)

~Franz~ (_wirft sich in seinem Sessel herum in schrcklichen
Bewegungen, tiefe Pause._)

  Ein Bedienter (_eilig._)

~Bedienter.~ Amalia ist entsprungen, der Graf ist pltzlich
verschwunden.

  Daniel (_kommt ngstlich._)

~Daniel.~ Gndiger Herr, jagt ein Trupp feuriger Reuter die Staig
herab, schreyen Mordjo, Mordjo -- das ganze Dorf in Allarm.

~Franz.~ Geh, la alle Glocken zusammenluten, alles soll in die
Kirche -- auf die Kniee fallen alles -- beten fr mich -- alle
Gefang'ne sollen los seyn und ledig, ich will den Armen alles doppelt
und dreyfach wiedergeben, ich will -- so geh doch -- so ruf doch den
Beichtvater, da er mir meine Snden hinwegsegne -- Bist du noch nicht
fort? (_Das Getmmel wird hrbarer._)

~Daniel.~ Gott verzeih mir meine schwere Snde! Wie soll ich das
wieder reimen? Ihr habt ja immer das liebe Gebet ber alle Huser
hinausgeworfen, habt mir so manche Postill und Bibelbuch an den Kopf
gejagt, wenn ihr mich ob dem Beten ertapptet --

~Franz.~ Nichts mehr davon -- ~Sterben!~ siehst du? ~Sterben!~ -- Es
wird zu spt (_man hrt Schweizern toben._) Bete doch! Bete!

~Daniel.~ Ich sagt's euch immer -- ihr verachtet das liebe Gebet so
-- aber gebt acht, gebt acht! wenn die Noth an Mann geht, wenn euch
das Wasser an die Seele geht, ihr werdet alle Schtze der Welt um ein
christliches Seufzerlein geben -- Seht ihr's? Ihr verschimpftet mich!
Da habt ihr's nun! Seht ihr's?

~Franz~ (_umarmt ihn ungestm._) Verzeih, lieber, goldner Perlendaniel,
verzeih -- ich will dich kleiden von Fu auf -- so bet doch -- ich will
dich zum Hochzeiter machen -- ich will -- so bet doch -- ich beschwre
dich -- auf den Knieen beschwr ich dich -- Ins T--ls Namen! so bet
doch (_Tumult auf den Strassen, Geschrey -- Gepolter --_)

~Schweizer~ (_auf der Gasse._) Strmt! Schlagt todt! Brecht ein! Ich
sehe Licht! dort mu er seyn.

~Franz~ (_auf den Knieen._) Hre mich beten, Gott im Himmel! -- Es ist
das erstemal -- soll auch gewi nimmer geschehen -- Erhre mich, Gott
im Himmel!

~Daniel.~ Mein doch! Was treibt ihr? Das ist ja gottlos gebetet.

  Volksauflauf.

~Volk.~ Diebe! Mrder! wer lrmt so grlich in dieser
Mitternachtsstunde!

~Schweizer~ (_immer auf der Gasse._) Schlag sie zurck, Kamerad --
der Teufel ists, und will euren Herrn holen -- Wo ist der Schwarz mit
seinen Haufen? -- Postir dich ums Schlo, Grimm -- Lauf Sturm wider die
Ringmauer!

~Grimm.~ Holt ihr Feuerbrnde -- wir hinauf oder er herunter -- Ich
will Feuer in seine Sle schmeien.

~Franz~ (_betet._) Ich bin kein gemeiner Mrder gewesen, mein Herrgott
-- hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben, mein Herrgott --

~Daniel.~ Gott sey uns gndig! Auch seine Gebete werden zu Snden.
(_Es fliegen Steine und Feuerbrnde. Die Scheiben fallen. Das Schlo
brennt._)

~Franz.~ Ich kann nicht beten -- hier, hier! (_Auf Brust und Stirn
schlagend._) Alles so d -- so verdorret (_steht auf._) Nein, ich will
auch nicht beten -- diesen Sieg soll der Himmel nicht haben, diesen
Spott mir nicht anthun die Hlle --

~Daniel.~ Jesus Maria! helft -- rettet -- das ganze Schlo steht in
Flammen!

~Franz.~ Hier, nimm diesen Degen. Hurtig. Jag mir ihn hinterrcks in
den Bauch, da nicht diese Buben kommen und treiben ihren Spott mit
mir. (_Das Feuer nimmt berhand._)

~Daniel.~ Bewahre! Bewahre! Ich mag niemand zu frh in den Himmel
frdern, viel weniger zu frh. (_er entrinnt._)

  Franz (_ihm gra nachstierend, nach einer Pause._)

In die Hlle wolltest du sagen -- Wirklich! ich wittere so etwas --
(_wahnsinnig._) Sind das ihre hellen Triller? hr ich euch zischen,
ihr Nattern des Abgrunds? -- Sie dringen herauf -- Belagern die Thre
-- warum zag ich so vor dieser bohrenden Spitze? -- die Thre kracht
-- strzt -- unentrinnbar -- Ha! so erbarm du dich meiner! (_er reit
seine goldene Hutschnur ab, und erdrosselt sich._)

  Schweizer (_mit seinen Leuten._)

~Schweizer.~ Mordkanaille, wo bist du? -- Saht ihr, wie sie flohen? --
hat er so wenig Freunde? -- Wohin hat sich die Bestie verkrochen?

~Grimm~ (_stt an die Leiche._) Halt! was liegt hier im Weg? Zndet
hieher --

~Schwarz.~ Er hat das Prevenire gespielt. Steckt eure Schwerter ein,
hier liegt er wie eine Katze verreckt.

~Schweizer.~ Todt! was? todt? ohne mich todt -- Erlogen sag ich -- Gebt
acht, wie hurtig er auf die Beine springt! (_rttelt ihn._) Heh du! Es
gibt einen Vater zu ermorden.

~Grimm.~ Gib dir keine Mh. Er ist maustodt.

~Schweizer~ (_tritt von ihm weg._) Ja! Er freut sich nicht -- Er ist
maustodt -- Gehet zurck, und saget meinem Hauptmann: Er ist maustodt
-- mich sieht er nicht wieder. (_Schiet sich vor die Stirn._)


Zweyte Scene.

    Der Schauplatz wie in der letzten Scene des vorigen Akts.

  Der alte Moor (_auf einem Stein sitzend._) Ruber Moor (_gegenber._)
  Ruber (_hin und her im Wald._)

~R. Moor.~ Er kommt nicht! (_Schlgt mit dem Dolch auf einen Stein, da
es Funken gibt._)

~D. a. Moor.~ Verzeihung sey seine Strafe -- meine Rache verdoppelte
Liebe.

~R. Moor.~ Nein, bey meiner grimmigen Seele! das soll nicht seyn.
Ich wills nicht haben. Die grose Schandthat soll er mit sich in die
Ewigkeit hinber schleppen! -- Wofr hab ich ihn dann umgebracht?

~D. a. Moor~ (_in Thrnen ausbrechend._) O mein Kind!

~R. Moor.~ Was? -- du weinst um ihn -- an diesem Thurme?

~D. a. Moor.~ Erbarmung! o Erbarmung! (_Heftig die Hnde ringend._)
Itzt -- itzt wird mein Kind gerichtet!

~R. Moor~ (_erschrocken._) Welches?

~D. a. Moor.~ Ha! was ist das fr eine Frage?

~R. Moor.~ Nichts! Nichts!

~D. a. Moor.~ Bist du kommen, Hohngelchter anzustimmen ber meinem
Jammer?

~R. Moor.~ Verrtherisches Gewissen! -- Merket nicht auf meine Rede!

~D. a. Moor.~ Ja, ich hab einen Sohn geqult, und ein Sohn mute mich
wieder qulen, das ist Gottes Finger. -- O mein Karl! mein Karl! wenn
du um mich schwebst, im Gewand des Friedens! Vergib mir! O vergib mir!

~R. Moor~ (_schnell._) Er vergibt euch. (_Betroffen._) Wenn er's werth
ist, euer Sohn zu heissen -- Er mu euch vergeben.

~D. a. Moor.~ Ha! Er war zu herrlich fr mich -- Aber ich will ihm
entgegen mit meinen Thrnen, meinen schlaflosen Nchten, meinen
qulenden Trumen, seine Kniee will ich umfassen -- rufen -- laut
rufen: Ich hab gesndigt im Himmel und vor dir. Ich bin nicht werth,
da du mich Vater nennst.

~R. Moor~ (_sehr gerhrt._) Er war euch lieb, euer andrer Sohn?

~D. a. Moor.~ Du weit es, o Himmel. Warum lie ich mich doch durch
die Rnke eines bsen Sohnes bethren? Ein gepriesener Vater ging ich
einher unter den Vtern der Menschen. Schn um mich blhten meine
Kinder voll Hoffnung. Aber -- o der unglckseligen Stunde! -- der bse
Geist fuhr in das Herz meines zweyten, ich traute der Schlange --
verloren meine Kinder beyde. (_Verhllt sich das Gesicht._)

~Moor~ (_geht weit von ihm weg._) Ewig verloren!

~D. a. Moor.~ O, ich fhl es tief, was mir Amalia sagte, der Geist der
Rache sprach aus ihrem Munde. Vergebens ausstrecken deine sterbenden
Hnde wirst du nach einem Sohn, vergebens whnen zu umfassen die warme
Hand deines Karls, der nimmermehr an deinem Bette steht --

~R. Moor~ (_reicht ihm die Hand mit abgewandtem Gesicht._)

~D. a. Moor.~ Wr'st du meines Karls Hand! -- Aber er liegt fern im
engen Hause, schlft schon den eisernen Schlaf, hret nimmer die Stimme
meines Jammers -- weh mir! Sterben in den Armen eines Fremdlings --
Kein Sohn mehr -- kein Sohn mehr, der mir die Augen zudrcken knnte --

~R. Moor~ (_in der heftigsten Bewegung._) Itzt mu es seyn -- itzt --
verlat mich (_zu den Rubern._) Und doch -- kann ich ihm denn seinen
Sohn wieder schenken? -- Ich kann ihm seinen Sohn doch nicht mehr
schenken -- Nein! Ich will's nicht thun.

~D. a. Moor.~ Wie Freund? Was hast du da gemurmelt?

~R. Moor.~ Dein Sohn -- ja alter Mann -- (_stammelnd._) dein Sohn --
ist -- ewig verloren.

~D. a. Moor.~ Ewig?

~R. Moor~ (_in der frchterlichsten Beklemmung gen Himmel sehend._) O
nur dimal -- La meine Seele nicht matt werden -- nur dimal halte
mich aufrecht!

~D. a. Moor.~ Ewig, sagst du?

~R. Moor.~ Frage nichts weiter. Ewig, sagt' ich.

~D. a. Moor.~ Fremdling! Fremdling! Warum zogst du mich aus dem Thurme?

~R. Moor.~ Und wie? -- Wenn ich jetzt seinen Segen weghaschte --
haschte wie ein Dieb, und mich davon schliche mit der gttlichen Beute?
-- Vatersegen, sagt man, geht niemals verloren.

~D. a. Moor.~ Auch mein Franz verloren? --

~R. Moor~ (_strzt vor ihm nieder._) Ich zerbrach die Riegel deines
Thurms -- Gib mir deinen Segen.

~D. a. Moor~ (_mit Schmerz._) Da du den Sohn vertilgen mutest, Retter
des Vaters! -- Siehe, die Gottheit ermdet nicht im Erbarmen, und wir
armseligen Wrmer gehen schlafen mit unserm Groll (_legt seine Hand auf
des Rubers Haupt._) Sey so glcklich, als du dich erbarmest.

~R. Moor~ (_weichmthig aufstehend._) O -- wo ist meine Mannheit? Meine
Sehnen werden schlapp, der Dolch sinkt aus meinen Hnden.

~D. a. Moor.~ Wie kstlich ist's, wenn Brder eintrchtig beysammen
wohnen, wie der Thau, der vom Hermon fllt auf die Berge Zion -- Lern
diese Wollust verdienen, junger Mann, und die Engel des Himmels werden
sich sonnen in deiner Glorie. Deine Weisheit sey die Weisheit der
grauen Haare, aber dein Herz -- dein Herz sey das Herz der unschuldigen
Kindheit.

~R. Moor.~ O einen Vorschmack dieser Wollust! Ksse mich, gttlicher
Greis!

~D. a. Moor~ (_kt ihn._) Denk, es sey Vatersku, so will ich denken,
ich ksse meinen Sohn -- du kannst auch weinen?

~R. Moor.~ Ich dacht', es sei Vatersku! -- Weh mir, wenn sie ihn jetzt
brchten!

  (Schweizers Gefhrten treten auf im stummen Trauerzug, mit gesenkten
  Huptern, und verhllten Gesichtern.)

~R. Moor.~ Himmel! (_tritt scheu zurck, und sucht sich zu verbergen.
Sie ziehen an ihm vorber. Er sieht weg von ihnen. Tiefe Pause. Sie
halten._)

~Grimm~ (_mit gesenktem Ton._) Mein Hauptmann! (_R. Moor antwortet
nicht, und tritt weiter zurck._)

~Schwarz.~ Theurer Hauptmann! (_Ruber Moor weicht weiter zurck._)

~Grimm.~ Wir sind unschuldig, mein Hauptmann!

~R. Moor~ (_ohne nach ihnen hinzuschau'n._) Wer seid ihr?

~Grimm.~ Du blickst uns nicht an? Deine Getreuen.

~R. Moor.~ Weh euch, wenn ihr mir getreu war't!

~Grimm.~ Das letzte Lebewohl von deinem Knecht Schweizer -- er kehrt
nie wieder, dein Knecht Schweizer.

~R. Moor~ (_aufspringend._) So habt ihr ihn nicht gefunden?

~Schwarz.~ Todt gefunden.

~R. Moor~ (_froh empor hpfend._) Habe Dank, Lenker der Dinge --
Umarmet mich, meine Kinder -- Erbarmung sei von nun an die Loosung --
Nun wr' auch das berstanden -- Alles berstanden.

  Neue Ruber. Amalia.

~Ruber.~ Heysa, heysa! Ein Fang, ein superber Fang!

~Amalia~ (_mit fliegenden Haaren._) Die Todten, schreyen sie, seyen
erstanden auf seine Stimme -- mein Oheim lebendig -- in diesem Wald --
wo ist er? Karl! Oheim! -- Ha! (_Strzt auf den Alten zu._)

~D. a. Moor.~ Amalia! Meine Tochter! Amalia! (_Hlt sie in seinen Armen
gepret._)

~R. Moor~ (_zurckspringend._) Wer bringt di Bild vor meine Augen?

~Amalia~ (_entspringt dem Alten, und springt auf den Ruber zu, und
umschlingt ihn entzckt._) Ich hab ihn, o ihr Sterne! Ich hab ihn! --

~Moor~ (_sich losreissend, zu den Rubern._) Brecht auf ihr! Der
Erzfeind hat mich verrathen!

~Amalia.~ Brutigam, Brutigam, du rasest! Ha! Vor Entzckung! Warum
bin ich auch so fhllos, mitten im Wonnewirbel so kalt?

~D. a. Moor~ (_sich aufraffend._) Brutigam? Tochter! Tochter! Ein
Brutigam?

~Amalia.~ Ewig sein! Ewig, ewig, ewig mein! -- Oh ihr Mchte des
Himmels! Entlastet mich dieser tdlichen Wollust, da ich nicht unter
der Brde vergehe!

~R. Moor.~ Reit sie von meinem Halse! Tdtet sie! Tdtet ihn! mich!
euch! alles! Die ganze Welt geh zu Grunde! (_Er will davon._)

~Amalia.~ Wohin? was? Liebe Ewigkeit! Wonn Unendlichkeit, und du
fliehst?

~R. Moor.~ Weg, weg! -- Unglckseligste der Brute! -- Schau selbst,
frage selbst, hre! -- Unglckseligster der Vter! La mich immer ewig
davon rennen!

~Amalia.~ Haltet mich! Um Gottes willen, haltet mich! -- Es wird mir so
Nacht vor den Augen -- Er flieht!

~R. Moor.~ Zu spt! Vergebens! Dein Fluch, Vater, -- frage mich nichts
mehr! -- ich bin, ich habe -- dein Fluch -- dein vermeinter Fluch!
-- Wer hat mich hergelockt? (_Mit gezogenem Degen auf die Ruber
losgehend._) Wer von euch hat mich hieher gelockt, ihr Kreaturen des
Abgrunds? So vergeh dann, Amalia! -- Stirb, Vater! Stirb durch mich zum
drittenmal! -- Diese, deine Retter, sind Ruber und Mrder! Dein Karl
ist ihr Hauptmann! (_Der alte Moor gibt seinen Geist auf._)

~Amalia~ (_steht stumm, und starr wie eine Bildsule. Die ganze Bande
in frchterlicher Pause._)

~R. Moor~ (_wider eine Eiche rennend._) Die Seelen derer, die ich
erdrosselte im Taumel der Liebe -- derer, die ich zerschmetterte im
heiligen Schlaf, derer, -- hahaha! Hrt ihr den Pulverthurm knallen
ber der Kreisenden Sthlen? Seht ihr die Flammen schlagen an den
Wiegen der Suglinge? das ist Brautfackel, das ist Hochzeitmusik -- oh,
er vergit nicht, er wei zu knpfen -- darum von mir die Wonne der
Liebe! darum mir zur Folter die Liebe! das ist Vergeltung!

~Amalia.~ Es ist wahr! Herrscher im Himmel! Es ist wahr! -- Was hab ich
gethan, ich unschuldiges Lamm? Ich hab diesen geliebt!

~R. Moor.~ Das ist mehr, als ein Mann erduldet. Hab ich doch den Tod
aus mehr denn tausend Rhren auf mich zupfeifen gehrt, und bin ihm
keinen Fubreit gewichen, soll ich itzt erst lernen beben wie ein Weib?
beben vor einem Weib? -- Nein, ein Weib erschttert meine Mannheit
nicht -- Blut, Blut! Es ist nur ein Ansto vom Weibe -- Blut mu ich
saufen, es wird vorbergehen. (_Er will davon flieh'n._)

~Amalia~ (_fllt ihm in die Arme._) Mrder! Teufel! Ich kann dich Engel
nicht lassen.

~Moor~ (_schleudert sie von sich._) Fort, falsche Schlange, du willst
einen Rasenden hhnen, aber ich poche dem Tyrannen-Verhngni -- was,
du weinest! Oh ihr losen boshaften Gestirne! Sie thut, als ob sie
weine, als ob um mich eine Seele weine. (_Amalia fllt ihm um den
Hals._) Ha, was ist das? Sie speyt mich nicht an, stt mich nicht von
sich -- Amalia! Hast du vergessen? weit du auch, wen du umarmest,
Amalia?

~Amalia.~ Einziger, Unzertrennlicher!

~Moor~ (_aufblhend in ekstatischer Wonne._) Sie vergibt mir, sie
liebt mich! Rein bin ich wie der Aether des Himmels, sie liebt mich.
-- Weinenden Dank dir, Erbarmer im Himmel! (_Er fllt auf die Knie,
und weinet heftig._) Der Friede meiner Seele ist wiedergekommen, die
Qual hat ausgetobt, die Hlle ist nicht mehr -- Sieh, o sieh, die
Kinder des Lichts weinen am Hals der weinenden Teufel -- (_aufstehend
zu den Rubern._) So weinet doch auch! weinet, weinet, ihr seyd ja so
glcklich -- O Amalia! Amalia! Amalia! (_Er hngt an ihrem Munde, sie
bleiben in stummer Umarmung._)

~Ein Ruber~ (_grimmig hervortretend._) Halt ein, Verrther! -- Gleich
la diesen Arm fahren -- oder ich will dir ein Wort sagen, da dir die
Ohren gellen, und deine Zhne vor Entsetzen klappern! (_Streckt das
Schwert zwischen beyde._)

~Ein alter Ruber.~ Denk an die bhmischen Wlder! Hrst du, zagst
du? -- an die bhmischen Wlder sollst du denken! Treuloser, wo
sind deine Schwre? Vergit man Wunden so bald? da wir Glck, Ehre
und Leben in die Schanze schlugen fr dich? Da wir dir standen wie
Mauren, auffiengen wie Schilder die Hiebe, die deinem Leben galten,
-- hubst du da nicht deine Hand zum eisernen Eid auf, schwurest, ~uns
nie zu verlassen~, wie wir dich nicht verlassen haben? -- Ehrloser!
Treuvergener! Und du willst abfallen, wenn eine Metze greint?

~Ein dritter Ruber.~ Pfui, ber den Meineid! der Geist des geopferten
~Rollers~, den du zum Zeugen aus dem Todtenreich zwangest, wird
errthen ber deine Feigheit, und gewaffnet aus seinem Grabe steigen,
dich zu zchtigen.

~Die Ruber~ (_durcheinander, reissen ihre Kleider auf._) Schau her,
schau! Kennst du diese Narben? du bist unser! Mit unserm Herzblut
haben wir dich zum Leibeigenen angekauft, unser bist du, und wenn der
Erzengel Michael mit dem Moloch ins Handgemeng kommen sollte! -- Marsch
mit uns, ~Opfer um Opfer~! ~Amalia fr die Bande!~

~R. Moor~ (_lt ihre Hand fahren._) Es ist aus! -- Ich wollte umkehren
und zu meinem Vater geh'n, aber der im Himmel sprach, es soll nicht
seyn. (_Kalt._) Blder Thor ich, warum wollt' ich es auch? Kann denn
ein grosser Snder noch umkehren? Ein grosser Snder kann nimmermehr
umkehren, das htt' ich lngst wissen knnen -- Sey ruhig, ich bitte
dich, sey ruhig! so ists ja auch recht -- Ich habe nicht gewollt, da er
mich suchte, itzt da ich ihn suche, will ~Er~ nicht, was ist billiger?
-- Rolle doch deine Augen nicht so -- er bedarf ja meiner nicht. Hat er
nicht Geschpfe die Flle, Einen kann er so leicht missen, und dieser
Eine bin nun ich. -- Kommt, Kameraden!

~Amalia~ (_reit ihn zurck._) Halt, halt! Einen Sto! einen Todessto!
Neu verlassen! Zeuch dein Schwert, und erbarme dich!

~R. Moor.~ Das Erbarmen ist zu den Bren geflohen, -- ich tdte dich
nicht!

~Amalia~ (_seine Knie umfassend._) Oh, um Gotteswillen, um aller
Erbarmungen willen! Ich will ja nicht Liebe mehr, wei ja wohl,
da droben unsre Sterne feindlich von einander fliehen, -- Tod ist
meine Bitte nur. -- Verlassen, verlassen! Nimm es ganz in seiner
entsetzlichen Flle, verlassen! Ich kanns nicht berdulden. Du siehst
ja, das kann kein Weib berdulden. Tod ist meine Bitte nur! Sieh,
meine Hand zittert! Ich habe das Herz nicht, zu stoen. Mir bangt vor
der blitzenden Schneide -- dir ists ja so leicht, so leicht, bist ja
Meister im Morden, zeuch dein Schwert, und ich bin glcklich!

~R. Moor.~ Willst du allein glcklich seyn? Fort, ich tdte kein Weib!

~Amalia.~ Ha, Wrger! du kannst nur die Glcklichen tdten, die
Lebenssatten gehst du vorber! (_Kriecht zu den Rubern._) So erbarmet
euch meiner, ihr Schler des Henkers! -- Es ist ein so blutdrstiges
Mitleid in euren Blicken, das dem Elenden Trost ist -- euer Meister ist
ein eitler feigherziger Prahler.

~R. Moor.~ Weib, was sagst du? (_Die Ruber wenden sich ab._)

~Amalia.~ Kein Freund? auch unter diesen nicht ein Freund? (_Sie steht
auf._) Nun denn, so lehre mich Dido sterben! (_Sie will gehen, ein
Ruber zielt._)

~R. Moor.~ Halt! Wag es -- Moors Geliebte soll nur durch Moor sterben!
(_Er ermordet sie._)

~Die Ruber.~ Hauptmann, Hauptmann! Was machst du, bist du wahnsinnig
worden?

~Moor~ (_auf den Leichnam mit starrem Blick._) Sie ist getroffen! Di
Zucken noch, und dann wirds vorbey seyn -- Nun, seht doch! habt ihr
noch was zu fordern? Ihr opfertet mir ein Leben auf, ein Leben, das
schon nicht mehr euer war, ein Leben voll Abscheulichkeit und Schande
-- ich hab euch einen Engel geschlachtet. Wie, seht doch recht her!
Seyd ihr nunmehr zufrieden?

~Grimm.~ Du hast deine Schuld mit Wucher bezahlt. Du hast gethan, was
kein Mann wrde fr seine Ehre thun. Kommt itzt weiter!

~Moor.~ Sagst du das? Nicht wahr, das Leben einer Heiligen um das Leben
der Schelmen, es ist ungleicher Tausch? -- O ich sage euch, wenn jeder
unter euch aufs Blutgerste gieng, und sich ein Stck Fleisch nach
dem andern mit glhender Zange abzwicken lie, da die Marter eilf
Sommertge dauerte, es wiege diese Thrnen nicht auf. (_Mit bitterem
Gelchter._) Die Narben, die bhmischen Wlder! Ja, ja! Di mute
freylich bezahlt werden.

~Schwarz.~ Sey ruhig, Hauptmann! Komm mit uns, der Anblick ist nicht
fr dich. Fhre uns weiter!

~R. Moor.~ Halt -- noch ein Wort, eh wir weiter gehn -- Merket auf,
ihr schadenfrohe Schergen meines barbarischen Winks -- Ich hre von
diesem ~Nun~ an auf, euer Hauptmann zu seyn -- Mit Schaam und Grauen
leg ich hier diesen blutigen Stab nieder, worunter zu freveln ihr euch
berechtiget whntet, und mit Werken der Finsterni di himmlische Licht
zu besudeln -- Gehet hin zur Rechten und Linken -- Wir wollen ewig
niemals gemeine Sache machen.

~Ruber.~ Ha, Muthloser! Wo sind deine hochfliegenden Plane? Sinds
Saifenblasen gewesen, die beym Hauch eines Weibes zerplatzen?

~R. Moor.~ O ber mich Narren, der ich whnete, die Welt durch Greuel
zu verschnern, und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu
halten! Ich nannte es Rache und Recht -- Ich mate mich an, o Vorsicht,
die Scharten deines Schwerts auszuwetzen und deine Partheylichkeiten
gut zu machen -- aber -- o eitle Kinderey -- da steh ich am Rand' eines
entsetzlichen Lebens, und erfahre nun mit Zhnklappern und Heulen, da
~zwey Menschen, wie ich, den ganzen Bau der sittlichen Welt zu Grunde
richten wrden~. Gnade -- Gnade dem Knaben, der ~Dir~ vorgreifen wollte
-- ~Dein~ eigen allein ist die Rache. ~Du~ bedarfst nicht des Menschen
Hand. Freylich stehts nun in meiner Macht nicht mehr, die Vergangenheit
einzuholen -- schon bleibt verdorben, was verdorben ist -- was ich
gestrtzt habe, steht ewig niemals mehr auf -- Aber noch blieb mir
etwas brig, womit ich die beleidigten Gesetze vershnen, und die
mihandelte Ordnung wiederum heilen kann. Sie bedarf eines Opfers --
Eines Opfers, das ihre unverletzbare Majestt vor der ganzen Menschheit
entfaltet -- dieses Opfer bin ich selbst. Ich selbst mu fr sie des
Todes sterben.

~Ruber.~ Nimmt ihm den Degen weg -- Er will sich umbringen.

~R. Moor.~ Thoren ihr! Zu ewiger Blindheit verdammt! Meynet ihr
wohl gar, eine Todsnde werde das Aequivalent gegen Todsnden seyn,
meynet ihr die Harmonie der Welt werde durch diesen gottlosen Milaut
gewinnen? (_Wirft ihnen seine Waffen verchtlich vor die Fe._) Er
soll mich lebendig haben. Ich gehe, mich selbst in die Hnde der Justiz
zu berliefern.

~Ruber.~ Legt ihn an Ketten! Er ist rasend worden.

~R. Moor.~ Nicht, als ob ich zweifelte, sie werde mich zeitig genug
finden, wenn die oberen Mchte es so wollen. Aber sie mchte mich im
Schlaf berrumpeln, oder auf der Flucht ereilen, oder mit Zwang und
Schwert umarmen, und dann wre mir auch das einige Verdienst entwischt,
da ich mit Willen fr sie gestorben bin. Was soll ich gleich einem
Diebe ein Leben lnger verheimlichen, das mir schon lang im Rathe der
himmlischen Wchter genommen ist?

~Ruber.~ Lat ihn hinfahren! Es ist die Gro-Mann-Sucht. Er will sein
Leben an eitle Bewunderung setzen.

~R. Moor.~ Man knnte mich darum bewundern. (_Nach einigem
Nachsinnen._) Ich erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu
haben, als ich herberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige
Kinder hat -- Man hat tausend Louisdore geboten, wer den groen Ruber
lebendig liefert -- dem Mann kann geholfen werden. (_Er geht ab._)




Funoten


[1] Eine Frau in Paris soll es durch ordentlich angestellte Versuche
mit Giftpulvern so weit gebracht haben, da sie den entfernten Todestag
mit ziemlicher Zuverligkeit voraus bestimmen konnte. Pfui ber unsere
Aerzte, die diese Frau im Prognostiziren beschmt!




In der Johann Georg ~Cotta~'schen Buchhandlung zu Tbingen sind
erschienen:

  Allgemeine Zeitung 1805. 4. Der Jahrgang 8 Rthlr. 20 gr. 16 fl.

Der achte Jahrgang dieses fr die Zeitgeschichte so wichtigen
Tagblattes hat sich, bei der vernderten Redaktion, in dem gleichen
Werth der Vollstndigkeit, Unpartheylichkeit, und zweckmigen
Darstellung der neuesten Begebenheiten erhalten. Als Repertorium alles
dessen, was die jetzige und knftige Generationen interessiren kann,
verdient dieses Institut die Untersttzung, die ihm die zunehmende
Anzahl seiner Abnehmer gewhrt, und die so weit ging, da die ersten
Monate eine neue Auflage erforderten.

Einige wenige vollstndige Exemplare von 1798 an, sind in der
Verlagshandlung fr 6 Carolins zu haben.

       *       *       *       *       *

=Almanach des Dames pour l'an 1805, avec gravures. reli. 16. 1 Rthlr.
16 gr. 3 fl.=

Der Inhalt und Kupfer dieses nun seit 4 Jahren in Paris
erscheinenden Almanachs sind so gewhlt, da er einen steten, nicht
blos vorbergehenden, Genug gewhrt, und eine Stelle in jeder
Damenbibliothek verdient.

       *       *       *       *       *

Von der

    Amman-Bohnenbergerschen Karte von Schwaben

sind in obengenannter Buchhandlung

        Nro. 17. 32. und 44. oder die Gegend von Ellwangen, Siegmaringen
                                  und Mrsburg
  erschienen, denen in einigen Wochen drei neue Bltter

        Nro. 18. 43. und 44. oder die Gegend von Neuburg, Kempten
                                  und Kaufbeuren

folgen werden.

Die bisherigen Herren Prnumeranten knnen die Exemplare gegen die
gewhnliche Vorausbezahlung bei uns ablangen lassen.

Diejenigen, welche die Vortheile der Prnumeration noch genieen
wollen, mssen sich vor Ende dieses Jahrs unmittelbar an uns wenden,
und mit 9 =Kais. Dukaten=, auf die ganze in 45 Blttern bestehende
Karte, prnumeriren.

Einzelne Bltter knnen, wegen Abnutzung der Kupferplatten, nur fr 2
fl. abgegeben werden.

       *       *       *       *       *

  Archiv, juridisches, von ~Gnner~, ~Gmelin~ und ~Tafinger~, 5r Bd. in
    4 Heft. gr. 8. 3 Rthlr. 5 fl. 24 kr.

Den Werth dieses, die ganze juridische Literatur umfassenden, Archivs
verbrgen die berhmten Herausgeber und der ungetheilte Beyfall, mit
welchem die strenge Unpartheylichkeit und die grndliche Beurtheilung
der darin angezeigten Werke vom Publikum aufgenommen wird.

       *       *       *       *       *

  =Archives littraires de l'Europe ou Mlanges de Littrature,
    d'Histoire et de Philosophie, par MM. Suard, Segur l'ain, Pastoret
    etc. Suivis d'une gazette littraire universelle, gr. 8. 1805. 12
    cahiers. 7 Rthlr. 4 gr. 12 fl. 24 kr.=

Der zweyte Jahrgang einer, in Paris redigirten, Monathsschrift, die von
den vorzglichsten kritischen Blttern Frankreichs und Teutschlands,
ihrer Art und Zweck nach, als die beste anerkannt ist, und die durch
die fortdauernde Bemhung der bisherigen Mitarbeiter und durch die
Anschlieung einiger berhmten deutschen Gelehrten sich immer mehr
vervollkommnen, und als allgemeiner Sammelplatz der europischen
Literatur eine Stelle in jeder ffentlichen Bibliothek und Leseanstalt
verdienen wird.

       *       *       *       *       *

  ~Crome~ =D.= Europens Produkte mit einer neuen Produkten-Karte von
    Europa. Erste Abtheilung, welche Portugall, Spanien, Frankreich,
    Helvetien und Wallis enthlt, mit 4 groen Tabellen. Vierte, ganz
    umgearbeitete Auflage. gr. 8.

        Schreibpapier   2 Rthlr. 8 gr. 4 fl. 12 kr.
        Druckpapier     2 Rthlr.       3 fl. 36 kr.
  Die Karte illuminirt  2 Rthlr.       3 fl. 36 kr.

Diese neue Auflage eines lngst als vorzglich anerkannten Werkes
wurde durch mancherlei Umstnde verzgert: es hat dafr desto mehr
an Vollstndigkeit gewonnen, und wird, so wie die Karte selbst, eine
wichtige Lcke unserer Literatur ausfllen.

       *       *       *       *       *

  Elementarbuch, teutsches, 4. 12 gr. 54 kr.

Ein nicht unwichtiger Beitrag eines Veteranen zur Vervollkommnung
unsrer teutschen Sprache und Schreibart.

       *       *       *       *       *

  ~Flatt~ (=D.= J. F.) Magazin fr christl. Dogmatik und Moral, deren
    Geschichte und Anwendung im Vortrag der Religion, fortges. von =D.=
    Skind. 128 St. gr. 8. 20 gr. 1 fl. 30 kr.

Diese jedem Theologen wichtige Sammlung von interessanten Abhandlungen
hat unter der vernderten Redaktion ihren gleichen, anerkannten Werth
erhalten.

       *       *       *       *       *

  ~Gthe~ (von) Winkelmann und sein Jahrhundert, in Briefen und
    Aufstzen. gr. 8. 2 Rthlr. 8 gr. 4 fl.

Winkelmanns Briefe an Berendis gehren unter die wichtigsten Denkmler,
die der einzelne Mensch hinterlassen kann, und die Herausgabe derselben
ist eine wichtige Bereicherung der Literatur. Der beigefgte: ~Entwurf
einer Kunstgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts, und die Skizzen
zu einer Schilderung Winkelmanns~ erheben dies Werk zu einem der
vorzglichsten der diesjhrigen Bchererndte.

       *       *       *       *       *

  ~Grotesken, Satyren und Naivitten~
  auf das Jahr 1806.

  ~Mit 11 Umrissen nach Raphael, Michael Angelo,
  Teniers und andern alten Meistern.~

  Herausgegeben v. ~J. D. Falk~, 16. brochirt. 2 Rthlr. 3 fl. 36 kr.

In diesen ~Grotesken, Satyren und Naivitten~, die als eine Fortsetzung
des Taschenbuchs fr ~Freunde des Scherzes~ und der ~Satyren~
nur nach einem erweiterten Plane zu betrachten sind, gedenkt der
Verfasser ein kleines ~Magazin fr das Grotesk-Komische~ und die
feineren daran ~grenzenden naiven~ Gattungen anzulegen. ~Beschreibung
lustiger Volksfeste, Jahrmarktspossen, kleine originelle Stcke in
schwbischen und andern Volksdialekten, geistliche und weltliche
Komdien, Christmetten, Osterfeiern, Hofgalla, Anekdoten von
Hofnarren und Pritschmeistern aller Art, Faschingslustbarkeiten,
Masken, Schnbartsspiele, Erklrung lustiger alter Kupferstiche~ und
~Holzschnitte~: Alles dieses wird nach und nach in diesem Magazin
mit einander abwechseln. Schon die blose Angabe des ~Inhalts vom
ersten Bndchen~ wird den Liebhabern einer ~scherzhaften Lektre~
anzeigen, was sie hier zu erwarten haben. 1) Stanzen an die Poesie
von ~Stoll~. 2) ~Unser Herr und der Schmidt von Apolda.~ Ein Schwank
vom ~Herausgeber~. Mit 5 Umrissen. 3) Der Schmidt von Apolda vor der
Himmelspforte, ein Nachspiel zum Schmidt von Apolda von ~ebendems.~
4) Nochbestehendes satyrisches Sittengericht zu Altona von Hrn. Pred.
~Kleinschmidt~. 5) Die Hirten an der Krippe. Ein Weihnachtsspiel.
Obersterreichisch. Von ~ebend.~ 6) Der Mond und seine Mutter. Ein
Schwank. Von ~ebend.~ 7) Der Pfingstmontag zu Heilbronn, von einem
Ungenannten aus Schwaben. 8) Einige neue Gedichte von ~Grbel~ in
Nrnberger Mundart, nebst einer Vorerinnerung vom ~Herausgeber~. 9) Der
Peter in der Fremde, von ~Grbel~. 10) Der Peter als Bedienter. 11) Der
Peter auf dem Vogelmarkte. 12) Der Peter als Schweinhirt. 13) Der Peter
in der Kinderlehre. 14) Die unterbrochene Scheidung von ~Grbel~. 15)
Der Pfarrer und der Wirthsknecht, von ~Grbel~. 16) =Fte Flamande=,
oder die lustige Hahnreyschaft von Teniers. Nebst Umri nach einem
Gemhlde desselben in Dresden. 17) Der Graf und die kleine Tirolerin.
Eine Bregenzer Idylle. Nach einem obersterreichischen Originale.
Vom Herausgeber. Nebst einem Umri nach Flaxmann. 18) Colombina als
Hausmutter, oder die zwei Apfelsinen-Diebe. Nebst einem Umri nach
einer Antike. 19) =Consilium Medicum=, oder die Aerzte unserer Zeit.
~P.E.Hartert.~ 20) Der Doktor und die Recensenten. Ein Beispiel, was
fr Unglck oft eine Recension anrichten kann. 21) Das Leichteste. 22)
Das Schwerste. 23) Humanitt, oder der Frst und der Dichter, eine
wahre Anekdote. 24) Aus der Barbarey, oder Erklrung Sr. Durchlaucht
des Dey's von Algier, an smmtliche deutsche Autoren und Dichter. 25)
Vorschlag nach ~Doktor Gall~, die Maulschellen in unsere Literatur
einzufhren. 26) Adam und Eva, oder das wiedergefundene Paradies. Eine
Feldpredigt, gehalten von dem Feldprediger ~Kummer~, herausgegeben von
~J. D. Falk~.

Je seltener in ~Deutschland~ Produkte von cht-komischem Gehalt sind,
um so mehr drfen wir fr dieses, bei dem Publikum auf eine geneigte
Aufnahme hoffen.

       *       *       *       *       *

  ~Hoyer, J. G. allgemeines Wrterbuch der Artillerie~, welches die
    Erklrung aller verschiedenen Kunstwrter, Begriffe und Lehrstze
    der Geschtzkunst in theoretischer und praktischer Hinsicht, nebst
    der Geschichte der wichtigsten Erfindungen derselben, enthlt 2r
    Band F bis I gr. 8. 2 Rthlr. oder 3 fl. 36 kr.

Mit diesem zweiten Bande wre nun die Hlfte eines Werks geliefert,
das in mglichster Krze und Deutlichkeit alles umfat, was zur
Geschtzkunst gehrt.

       *       *       *       *       *

  Leben, wunderbare Reisen und Irrfahrten des Johannes von der Ostsee,
    herausgegeben von ~J. D. Falk~. 1 Rthlr. 4 gr. oder 2 fl.

Das erste Bndchen des ~Johannes von der Ostsee~ enthlt einen kleinen,
in sich vllig abgeschlossenen Roman. Wer je die schnen Gegenden
der Ostsee sah, und das regsame Leben, das ~Schiffahrt~ und ~Handel~
unter den dortigen Menschen hervorbringt, in der Nhe beobachtete:
wer irgend einmal das friedliche Kstenvolk von ~Reval~ bis ~Danzig~
herunter, in der Mitte ihrer Wohnstdt besuchte und liebgewann; dem
wird die Wahrheit dieses heitern Gemhldes sogleich einleuchten, so
wie die Aufstellung von Charakteren, in ihrer ganzen national-naiven
Gutmthigkeit, durchaus dazu geeignet ist, um einem jedweden, auch
dem entferntesten, Vergngen und Unterhaltung zu gewhren. Vor allen
drften die Jugendschicksale des Helden selbst, sein Leiden und seine
~Liebe mit Jeanetten~, so wie sein frheres Leben in einer Werkstatt,
und seine nicht ohne vielfache Mhe errungene Ausbildung, die
Theilnahme aller gefhlvollen Leser und Leserinnen erwecken, und das
Interesse rechtfertigen, das die Geschichte, von Anfang bis zu Ende, in
einem immer steigenden Grade, zu behaupten wei.

       *       *       *       *       *

  Phdra, Trauerspiel von Racine, bersetzt von ~Schiller~.

  Mit gegenberstehendem franzsischen Text, 16. geb. 2 fl. 24 kr. oder
    1 Rthlr. 8 gr.

Es wre berflssig, zur Empfehlung einer der letzten Arbeiten des
verewigten Schiller's etwas sagen zu wollen: der Beifall, den sie bei
der Auffhrung fand, kann ihr auch beim Lesen nicht fehlen, und die
Beidruckung des franzsischen Originals wird durch die Vergleichung den
Genu noch erhhen.

       *       *       *       *       *

  ~Poetische Versuche von Pfeffel~, 8r Theil, mit dem Bildni des
    Verfassers. 8.

  Velin-Pap. Subscr. Prei 1 fl. 30 kr. Laden-Prei 1 fl. 48 kr.
  Postpapier -- -- --      1 fl.  4 kr. -- -- --    1 fl. 12 kr.
  Druckpapier -- -- --           48 kr. -- -- --          54 kr.

Mit diesem 8ten Theil erhlt das Publikum nun alle die lieblichen
Gaben, die wir bis Ende vorigen Jahres der frohen Muse dieses
Lieblingsdichters verdanken. Das hnlich getroffene Portrait des
Verfassers wird eine willkommene Beilage seyn.

Wer sich unmittelbar an uns wendet, kann noch die Vortheile des
Subscriptionspreises genieen.

       *       *       *       *       *

  ~Taschenbuch fr Damen auf 1806.~
  von
  ~Huber, Lafontaine, Pfeffel und andern~.

  Mit Kupfern und Holzschnitten von Gubitz.
  Prei 2 fl. 24 kr. oder 1 Rthlr. 8 gr.

  ~Inhalt.~

Erklrung der Kupfer. -- Zum Andenken Schillers von ~Gthe~. -- Der
Derwisch und der Chan von ~Pfeffel~. -- Der Findling von ebendems.
-- Die zwo Fliegen von ebendems. -- Lots Weib von ebendems. -- Der
Kater und die Ratze von ebendems. -- Reichsstdtische Tugend, eine
Geschichte von ~Huber~. -- Das Leben von ~Schreiber~. -- Freude, Friede
und Hoffnung von ebendems. -- Die Blume von ebendems. -- Das Testament
von ~Pfeffel~. -- Zeus und die Gans von ebendems. -- Das Kameel und
das Trampelthier von ebendems. -- Der Exorcismus von ebendems. -- Der
Condor und der Adler von ebendems. -- Die zween Ruber von ebendems. --
Rthsel von ~Schiller~. -- Einem Freunde ins Stammbuch von ebendems.
-- An Laidon von ~Haug~. -- An Beatrix von ebendems. -- An Lilla von
ebendems. -- Gaskogner Liebeserklrung von ebendems. -- Andeutung
von ebendems. -- Malchen an ihres Gatten Silhouette von ebendems.
-- Hauslehren von Hesiodus von Vo. -- Weltleben von ~Theone~. --
Die Brder, eine Erzhlung von ~Lafontaine~. -- Der Pudel und der
Seehund von ~Pfeffel~. -- Die Schpfer von ebendems. -- Die Amme,
von ~ebendems.~ -- Die Mutter, von ~ebendems.~ -- Die Brder, eine
chinesische Sage von ebendems. -- Die Genesung aus Tibull von ~Vo~. --
Der Zweifler von ~Theone~. -- Lehren fr Weiber von ebenders. -- Das
weibliche Geschlecht von ~Herder~. -- Der Schfer und die Schferinn
von ~Schreiber~. -- Lob der Musik von ebendems.

  Der angefhrte Inhalt belegt hinlnglich, da auch dieser Jahrgang
  eines so sehr beliebten Almanachs seinen Vorgngern nicht nachstehen
  darf, und die ussern Verzierungen in Kupfer knnen auf gleichen
  Beifall Anspruch machen; eine besondere Auszeichnung ist die
  Holzschnitt-Arbeit des Hrn. Prof. ~Gubitz~. Durch verschiedene
  Umstnde sind hievon noch nicht hinlngliche Abdrucke bei uns
  eingetroffen, so da nur einige Gegenden bis jetzt mit Exemplaren
  versehen werden konnten; in wenig Wochen hoffen wir aber die
  Speditionen berall hin machen zu knnen. Wer indessen bei uns selbst
  Bestellungen machen will, erhlt das Exemplar fr 2 fl. und bei 6
  Exempl. das 7te gratis.

       *       *       *       *       *

  Theater von Schiller, 1r Band.

Inhalt: Huldigung der Knste; Don Karlos; Jungfrau von Orleans. --

  Velin-Papier       9 fl. --     oder 5 Rthlr.
  Schreibpapier      4 fl. 48 kr. oder 2 Rthlr. 16 gr.
  Wei Druckpapier   3 fl. --     oder 1 Rthlr. 16 gr.
  Ordin. Druckpapier 1 fl. 48 kr. oder 1 Rthlr.

Der unsterbliche Verfasser hat zwar die Erscheinung dieses
ersten Theils seines Theaters nicht mehr erlebt, da er aber nach
seiner gewohnten Vorsicht die Einrichtung des Ganzen, so wie die
Verbesserungen der einzelnen Stcke gleich bei dem Beginnen des Drucks
bestimmt hatte, so kann die Herausgabe vollkommen nach seinen Angaben
besorgt werden.

Diese vollstndige Sammlung aller seiner theatralischen Werke wird
daher aus fnf Theilen bestehen, die in den oben angegebenen viererley
Ausgaben in allen Buchhandlungen zu haben sind.

Bis Ostern 1806. wird das Ganze abgeliefert werden, und wer von jetzt
bis Ende Aprils 1806. sich unmittelbar an die Verlagshandlung wendet,
geniet folgende Vortheile:

Statt des gewhnlichen Preises darf nur drey Viertel desselben
prnumerirt werden, so da alle 5 Theile auf

  Velin-Papier  statt 25 Rthlr. --     od. 45 fl.
                  fr 18 Rthlr. 18 gr. od. 33 fl. 45 kr.
  Schreibpapier statt 13 Rthlr.  8 gr. od. 24 fl.
                  fr 10 Rthlr. --     od. 18 fl.
  Wei Druckp.  statt  8 Rthlr.  8 gr. od. 15 fl.
                  fr  6 Rthlr.  6 gr. od. 11 fl. 15 kr.
  Ord. Druckp.  statt  5 Rthlr. --     od.  9 fl.
                  fr  3 Rthlr. 18 gr. od.  6 fl. 45 kr.

erlassen werden.

Ausserdem erhalten diejenigen, welche auf 6 Exemplare prnumeriren,
noch das 7te gratis.




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  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen      |
  | gebruchlich waren, wie:                                         |
  |                                                                  |
  | abgeschmakten -- abgeschmackten                                  |
  | andere -- andre                                                  |
  | ans -- an's                                                      |
  | aufs -- auf's                                                    |
  | Aug-Braunen -- Augenbraun                                        |
  | ausgehn -- ausgehen                                              |
  | uerste -- usserste                                            |
  | bankerott -- bankrut                                             |
  | barfus -- baarfu                                                |
  | begann -- begonn                                                 |
  | bei -- bey                                                       |
  | Bildnis -- Bildni                                               |
  | bischen -- bisgen                                                |
  | Bliz -- Blitz                                                    |
  | Bursche -- Pursche                                               |
  | ben -- bssen                                                  |
  | Contrast -- Kontraste                                            |
  | deucht -- ducht                                                 |
  | Deutschland -- Teutschland                                       |
  | dies -- dis -- di -- die                                       |
  | drfen -- drfen                                                 |
  | dreysig -- dreyig                                               |
  | entblssen -- entblset                                          |
  | einige -- einzige                                                |
  | ers -- er's                                                      |
  | ersticken -- erstikest                                           |
  | Finstre -- Finstere                                              |
  | flossen -- floen                                                |
  | fortreissen -- fortreien                                        |
  | funfzig -- fnfzig                                               |
  | Fsse -- Fe                                                    |
  | gebehrdet -- geberdet                                            |
  | gebohren -- geboren                                              |
  | Gebiet -- Gebieth                                                |
  | Gebirge -- Gebrge                                               |
  | geiseln -- geisseln                                              |
  | Geissel -- Geiel                                                |
  | Gemlde -- Gemhlde                                              |
  | gesehen -- gesehn                                                |
  | gestehen -- gestehn                                              |
  | gibt -- giebt                                                    |
  | goldene -- gold'ne -- goldne                                     |
  | greifen -- greiffen                                              |
  | groser -- grosser                                                |
  | hab's -- habs                                                    |
  | hangt -- hngt                                                   |
  | hat's -- hats                                                    |
  | Heiden -- Heyden                                                 |
  | Heimath -- Heymath                                               |
  | heis -- hei                                                     |
  | heisse -- heie                                                  |
  | Helfte -- Hlfte                                                 |
  | helich -- hlich                                               |
  | hinterrucks -- hinterrcks                                       |
  | ichs -- ich's                                                    |
  | ihrs -- ihr's                                                    |
  | ins -- in's                                                      |
  | ists -- ist's                                                    |
  | knien -- knieen                                                  |
  | Krucifix -- Kruzifix                                             |
  | Lerm -- lrmt                                                    |
  | liessest -- lieest                                              |
  | Lis -- Lies                                                      |
  | Loosung -- Losung                                                |
  | Loths -- Lots                                                    |
  | Louisd'ore -- Louisdore                                          |
  | Luder-Leben -- Luderleben                                        |
  | Maalen -- Mahle                                                  |
  | Mdchen -- Mdgen                                                |
  | mahlerische -- malt                                              |
  | Mann's -- Manns                                                  |
  | Menschen -- Menschern                                            |
  | mir's -- mirs                                                    |
  | mut -- must                                                     |
  | Ocean -- Ozean                                                   |
  | Otterbrut -- Otternbrut                                          |
  | pakt -- packt                                                    |
  | Phantasey -- Phantasie                                           |
  | pltzlich -- plzlich                                            |
  | prakticirt -- praktizier                                         |
  | Preis -- Prei                                                   |
  | Reichs-Grafen -- Reichsgrafen                                    |
  | reien -- reissen                                                |
  | Reitzen -- Reizen                                                |
  | ritzt -- Rizen                                                   |
  | sah't -- saht                                                    |
  | samt -- smmtliche                                               |
  | sas -- sa                                                       |
  | Schaam -- Scham                                                  |
  | Schtzen -- Schzen                                              |
  | Schdel -- Schedel                                               |
  | Schiessen -- Schieen                                            |
  | schmeissen -- schmeien                                          |
  | schrecklich -- schrcklich                                       |
  | schwatzen -- schwzt                                             |
  | Schwerdt -- Schwert                                              |
  | sclavischen -- Sklaven                                           |
  | sechszig -- sechzig                                              |
  | Seegen -- Segen                                                  |
  | sei -- sey                                                       |
  | setzen -- sezen                                                  |
  | steh'n -- stehn                                                  |
  | stiehlt -- stihlt                                                |
  | stoen -- stossen                                                |
  | Strahl -- Stral                                                  |
  | Strasen -- Strassen                                              |
  | studierte -- studirt                                             |
  | tod -- todt                                                      |
  | treflich -- trefflich                                            |
  | trifft -- trift                                                  |
  | Tieger -- Tyger                                                  |
  | um's -- ums                                                      |
  | ungefhr -- ungefehr                                             |
  | ungestm -- ungestmm                                            |
  | unsere -- unsre                                                  |
  | unter'm -- unterm                                                |
  | Vater-Herz -- Vaterherz                                          |
  | Vater-Mrder -- Vatermrder                                      |
  | verhehlen -- verhelen                                            |
  | verlorenen -- verlornen                                          |
  | vor's -- vors                                                    |
  | Waage -- Wage                                                    |
  | wackerer -- wakerer                                              |
  | war's -- wars                                                    |
  | weinest -- weinst                                                |
  | weit -- weist                                                   |
  | wenn's -- wenns                                                  |
  | wird's -- wirds                                                  |
  | will's -- wills                                                  |
  | Wittwen -- Witwen                                                |
  | Wohllust -- Wollust                                              |
  | wohl -- wol                                                      |
  | worin -- worinn                                                  |
  | wte -- wthen                                                   |
  | zehen -- zehn                                                    |
  | zerplatzen -- zerplazt                                           |
  | zwei -- zwey -- zwo                                              |
  |                                                                  |
  | Interpunktion wurde korrigiert, ohne dies hier im Einzelnen      |
  | anzufhren. Im Text wurden die folgenden nderungen              |
  | vorgenommen:                                                     |
  |                                                                  |
  | S. 9 "gewissermaasen" in "gewissermaen" gendert.               |
  | S. 21 "Antwortet?" in "Antwortet!" gendert.                     |
  | S. 28 "Drathfden" in "Drahtfden" gendert.                     |
  | S. 38 "wagen?" in "wagen!" gendert.                             |
  | S. 38ff "Ratzmann" in "Razmann" gendert.                        |
  | S. 48 "Hthen" in "Hten" gendert.                              |
  | S. 49 "woh" in "wohl" gendert.                                  |
  | S. 55 "Lotterbude" in "Lotterbube" gendert.                     |
  | S. 56 "Men" in "Mssen" gendert.                              |
  | S. 56 "unterirrdischen" in "unterirdischen" gendert.            |
  | S. 58 "Zerstrinnen" in "Zerstrerinnen" gendert.               |
  | S. 59 "Hermann" in "Herrmann" gendert.                          |
  | S. 60 "stosen" in "stoen" gendert.                             |
  | S. 68 "weis" in "wei" gendert.                                 |
  | S. 69 "dre" in "der" gendert.                                   |
  | S. 71 "Carl" in "Karl" gendert.                                 |
  | S. 74 "himmlsschen" in "himmlischen" gendert.                   |
  | S. 75 "verlassenen" in "Verlassenen" gendert.                   |
  | S. 75 "Klagege-Lied" in "Klage-Lied" gendert.                   |
  | S. 76 "sterbenden" in "Sterbenden" gendert.                     |
  | S. 79 "Psevdo-Spiegelberg" in "Pseudo-Spiegelberg" gendert.     |
  | S. 80 "Bettlacken" in "Bettlaken" gendert.                      |
  | S. 80 "ihrerer" in "ihrer" gendert.                             |
  | S. 82 "ansezen" in "ansetzen" gendert.                          |
  | S. 83 "Frthe" in "Fhrte" gendert.                             |
  | S. 84 "fangt" in "fngt" gendert.                               |
  | S. 91 "Mordbleu" in "Morbleu" gendert.                          |
  | S. 92 "schrklichen" in "schrcklichen" gendert.                |
  | S. 93 "Pulverthurn" in "Pulverthurm" gendert.                   |
  | S. 95 "in Mutterleib" in "im Mutterleib" gendert.               |
  | S. 96 "hlkische" in "hllische" gendert.                       |
  | S. 96 "besezt" in "besetzt" gendert.                            |
  | S. 104 "denn" in "den" gendert.                                 |
  | S. 105 "niemal" in "einmal" gendert.                            |
  | S. 110 "Hofnungen" in "Hoffnungen" gendert.                     |
  | S. 111 "Gae" in "Gasse" gendert.                               |
  | S. 112 "Hermann" in "Herrmann" gendert.                         |
  | S. 112 "seine" in "deine" gendert.                              |
  | S. 113 "einiges" in "einziges" gendert.                         |
  | S. 120 "Farth" in "Fahrt" gendert.                              |
  | S. 121 "versteht" in "verstehst" gendert.                       |
  | S. 121 "misglcken" in "miglcken" gendert.                    |
  | S. 122 "anmasen" in "anmaen" gendert.                          |
  | S. 123 "Sie" in "sie" gendert.                                  |
  | S. 124 "Innhalts" in "Inhalts" gendert.                         |
  | S. 130 "Dritte Scene" in "Zweite Scene" gendert.                |
  | S. 137 "habe" in "haben" gendert.                               |
  | S. 138 "Begrif" in "Begriff" gendert.                           |
  | S. 141 "Vierte Scene" in "Dritte Scene" gendert.                |
  | S. 144 "weiser" in "weier" gendert.                            |
  | S. 146 "alte" in "alten" gendert.                               |
  | S. 148 "Fnfte Scene" in "Vierte Scene" gendert.                |
  | S. 149 "fnet" in "ffnet" gendert.                             |
  | S. 151 "verlohren" in "verloren" gendert.                       |
  | S. 154 "Beule" in "Beile" gendert.                              |
  | S. 154 "Ratzmann" in "Razmann" gendert.                         |
  | S. 154 "Spidnen" in "Spionen" gendert.                          |
  | S. 157 "zulezt" in "zuletzt" gendert.                           |
  | S. 160 "Brutes" in "Brutus" gendert.                            |
  | S. 160 "Schwerde" in "Schwerte" gendert.                        |
  | S. 161 "Misklang" in "Miklang" gendert.                        |
  | S. 162 "willt" in "willst" gendert.                             |
  | S. 165 "eie" in "ein" gendert.                                  |
  | S. 181 "hoft" in "hofft" gendert.                               |
  | S. 183 "fodern" in "fordern" gendert.                           |
  | S. 183 "Mnnde" in "Munde" gendert.                              |
  | S. 188 "springt?" in "springt!" gendert.                        |
  | S. 197 "gewafnet" in "gewaffnet" gendert.                       |
  | S. 199 "fo" in "so" gendert.                                    |
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  | Werbung "Stke" in "Stcke" gendert.                            |
  |                                                                  |
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End of the Project Gutenberg EBook of Die Ruber, by Friedrich Schiller

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RUBER ***

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
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The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
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approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
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Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
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ways including checks, online payments and credit card donations.
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Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


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