The Project Gutenberg EBook of Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band, by 
Rudolph Rittmeyer

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Title: Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band

Author: Rudolph Rittmeyer

Release Date: November 22, 2020 [EBook #63853]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, ERSTER BAND ***




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[Illustration: Michael de Ruyter.]

                    *       *       *       *       *




                                Seekriege
                           und Seekriegswesen

                                in ihrer

                     weltgeschichtlichen Entwicklung

          Mit besonderer Bercksichtigung der groen Seekriege
                    des XVII. und XVIII. Jahrhunderts

                                   von

                            Rudolph Rittmeyer

                          Kontre-Admiral z. D.

                             [Illustration]

                               Erster Band

                        Von den Anfngen bis 1740

            Mit zahlreichen Portrts, Abbildungen und Skizzen


                               Berlin 1907
                    Ernst Siegfried Mittler und Sohn
                       Knigliche Hofbuchhandlung


              Alle Rechte aus dem Gesetz vom 19. Juni 1901
              sowie das bersetzungsrecht sind vorbehalten.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]




                                Vorwort.


Die Literatur ber Seekriegsgeschichte ist in deutscher Sprache sehr
gering. In fremden Sprachen ist sie reichhaltiger und besonders in den
letzten Jahren angewachsen. Aber auch hier gibt es kaum ein Werk, das die
gesamte Seekriegsgeschichte behandelt. Es sind Geschichten der einzelnen
Marinen, Lebensbeschreibungen berhmter Seeleute, Bearbeitungen einzelner
Kriege, Betrachtungen ber das Wesen und die Bedeutung des Seekrieges an
der Hand einzelner Kriege oder kriegerischer Ereignisse; Arbeiten der
letzten Art finden wir jetzt auch hufiger in Deutschland.

Als Sammelwerk besteht nur das des franzsischen Autors du Sein:
Histoire de la marine de tous les peuples, in dem zwar alle Kriege und
ihre wichtigsten Ereignisse aufgenommen sind, jedoch mehr aufzhlend, nur
selten genau beschreibend. Ein hnliches Werk, Randaccio: Storia navale
universale antica e moderna ist noch krzer gefat.

Ein vollstndigeres derartiges Werk habe ich besonders whrend meiner
Ttigkeit als Lehrer der Seekriegsgeschichte an der Marine-Akademie sehr
vermit. Auch sonst ist der Mangel empfunden worden. So griff ich gern
die mir im Jahre 1898 von seiten der Inspektion des Bildungswesens der
Marine zu teil gewordene Anregung auf, eine allgemeine Geschichte der
Seekriege zu verfassen. Um so mehr wuchs mir die Arbeit ans Herz, als der
Herr Staatssekretr des Reichs-Marine-Amts, Admiral v. =Tirpitz=, der
Verwirklichung des Planes, von seiner Ntzlichkeit berzeugt, lebhaftes
Interesse und wertvolle Frderung schenkte.

Eine Seekriegsgeschichte aller Vlker und aller Zeiten wrde eine Arbeit
erfordert haben, die nur in langen Jahren von =einer= Person zu
bewltigen gewesen sein wrde. Deshalb habe ich mir in dem vorliegenden
Buche engere Grenzen gesteckt und die =Hauptaufgabe= gestellt, =die
groen Kriege der Segelschiffszeit= von der Mitte des 17. bis zum Beginn
des 19. Jahrhunderts genauer zu schildern, die von den seemchtigen
Staaten dieser Zeiten um die Herrschaft auf dem Meere gefhrt sind: von
Holland, England und Frankreich. Diese Kriege haben eine groe Rolle in
der Weltgeschichte gespielt und den grten Einflu auf das
Seekriegswesen gebt, denn ihnen verdanken die modernen stehenden Marinen
ihren Ursprung und zugleich den Antrieb zu ihrer Entwicklung auf allen
Gebieten: im Schiffbau, in der Bewaffnung, dem Personal und der Taktik.
Die Kenntnis dieser Kriege ist mithin am notwendigsten, ihre Betrachtung
am lehrreichsten.

Um den Leser in den Stand zu setzen, zu jeder Zeit die Kriegsmittel, ihre
Gefechtskraft und (auf Grund dessen) die Kriegstaten beurteilen zu
knnen, schicke ich jedem Abschnitt eine =Betrachtung des Standes des
Seekriegswesens= und jedem Kriege eine Schilderung des jeweiligen
Zustandes der beteiligten Marinen voraus.

Bei dem groen Mangel in unserer Literatur erschien es jedoch
wnschenswert, sowohl auf die frheren Zeiten zurckzugreifen als auch
die kleineren Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts in die Darstellung mit
hineinzuziehen, ja die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien von
1588 (der Zug der Armada) bis 1648 schon genauer zu behandeln, weil in
ihnen eine neue Kriegfhrung zur See auftritt und durch diese Kriege die
bisherige Seeherrschaft Spanien-Portugals gebrochen wird. So wird das
Buch doch gewissermaen eine Gesamt-Seekriegsgeschichte und vermag
Anregung und Fingerzeige zu Sonderstudien ber andere Kriege oder Fragen
des Seekriegswesens zu bieten. Zu diesem Zweck fge ich ein Verzeichnis
aller mir bekannten wichtigeren Quellen bei.

In den Auslassungen ber die Entwicklung des Seekriegswesens mute auf
Krzung und Zusammenfassung besonderes Gewicht gelegt werden, so da
Unvollstndigkeiten sich hier nicht vermeiden lieen. Auch ist der Anlage
des Buches entsprechend die Entwicklung der Marinen nur fr die drei
groen Seemchte genauer durchgefhrt, ber die der anderen Staaten sind
nur die notwendigsten Angaben gebracht.

Um noch grere Nachsicht mu ich in Betreff der Betrachtungen bitten,
die sich auf die politischen Verhltnisse beziehen. Dem Einflu, den die
Seekriege auf die Geschichte gehabt haben, wird in den allgemeinen
Geschichtswerken kaum je gengend Rechnung getragen, anderseits sind in
den Werken ber Seekriegsgeschichte die politischen Verhltnisse meist
vllig bergangen; erst in neuerer Zeit ist jene Wirkung der Seekriege
zum Gegenstand eingehender Forschung geworden, wie vor allem die
bekannten Werke des Captain Mahan ber den Einflu der Seemacht auf die
Geschichte bezeugen. Seinem Beispiel folgend habe ich versucht, die
politischen Verhltnisse, unter denen die Seekriege gefhrt sind, und
ihre Folgen klarzulegen; wohl wissend, da meine Kenntnisse nicht
hinreichen, hierin Vollkommenes oder auch nur Neues zu bieten.

Bei der Bearbeitung der Kriege war ich bestrebt, die Quellenwerke --
englische, franzsische und auch hollndische -- die hufig national
gefrbt erscheinen, sorgfltig gegeneinander abzuwgen, um ein
unparteiisches Urteil zu gewinnen; waren Auslassungen oder Angaben in
zwei sonst schtzbaren Werken nicht in Einklang zu bringen, so gebe ich
sie aus beiden. Auergewhnlich hohe Angaben ber Strke und Verluste der
Streitkrfte, wie sie besonders in den ersten groen Kriegen von einigen
Autoren der gegnerischen Seite gemacht werden, schliee ich von der
Wiedergabe ganz aus.

Den zweiten Band, der die Zeit von 1740-1815 umfassen wird, hoffe ich in
nicht zu langer Frist folgen lassen zu knnen.

Wenn auch der Inhalt des Werkes in erster Linie allen denen, die in enger
Beziehung zu maritimen Berufen stehen, Interesse bieten drfte, so geht
mein Wunsch doch auch dahin, da es gleichfalls im Laienpublikum, dessen
Verstndnis fr alle maritimen Fragen in erfreulichem Wachsen begriffen
ist, Aufnahme finden und Belehrung und Aufklrung ermglichen mchte.

  =Hannover=, Herbst 1906.
                                                           Rittmeyer
                                                    Kontre-Admiral z. D.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]




                           Inhaltsverzeichnis.


                                                                   Seite

  Vorwort                                                            III

  Wichtigste Quellen-Literatur                                     XVIII

  Verzeichnis der Abbildungen                                       XXIX


                            Erster Abschnitt.

                        Altertum und Mittelalter.


  $Erstes Kapitel: Das Seewesen Im Altertum$                        1-25

  Einleitung S. 3. -- Ausdehnung der Schiffahrt. Nautik S. 4-6.
  -- Schiffe im allgemeinen S. 7-9. -- Kriegsschiffe der
  Phnizier und Griechen S. 9-13. -- Zur rmischen Zeit S.
  13-17. -- Die Seekriege S. 17-21. -- Kampfweise und Taktik S.
  21-24. -- Schlubemerkung S. 25.


  $Zweites Kapitel: Das Seewesen im Mittelalter$                   26-52

  Ausdehnung der Schiffahrt. Die ersten Entdeckungsfahrten der
  Portugiesen. Nautik (Kompa, Karten, Instrumente) S. 26-31.
  -- Die Schiffe: im Mittelmeer S. 32-34; im Norden bis 1300 S.
  34-35. -- Entwicklung der Segelschiffe 1300-1500. Werften S.
  36-40. -- Waffen (Auftreten der Pulverwaffen) S. 40-42. --
  Die Seekriege: im Mittelmeer, der Hansa S. 42-43. --
  Englisch-franzsische Kriege S. 44-47. -- Kampfweise und
  Taktik S. 47-49. -- Strke und Zusammensetzung der Flotten S.
  50-51. -- Bemannung. Admirale S. 51-52.


                           Zweiter Abschnitt.

                         Die Zeit von 1492-1648.


  $Erstes Kapitel: Einleitung. Die groen Entdeckungen. Das
  Heraustreten der Englnder und Hollnder (Franzosen) in die
  Ozeane. Die Unsicherheit auf den Meeren$                         55-95

  Einleitung S. 55. -- =Die groen Entdeckungen=: Stand der
  Geographie um 1492 S. 57-58. -- Der Weg der Portugiesen nach
  Sdosten. Teilung der Welt; Vertrag von Tordesillas. Vasco de
  Gamas erste Reise S. 59-60. -- Das Festsetzen der Portugiesen
  im Osten. Ausdehnung ihrer Macht bis 1540. Ihr Rckgang S.
  61-64. -- Der Weg der Spanier nach Westen. Die Reisen des
  Kolumbus S. 65-68. -- Spanische Entdeckungen und Kolonien in
  Westindien und Sdamerika; ihre Verwaltung S. 69-70. -- Der
  Sdwestweg nach Indien. Magalhaes' Weltumsegelung S. 71-73.
  -- Kolonien der Portugiesen in Brasilien, der Spanier in den
  La Plata-Staaten, auf den Molukken und Philippinen S. 74-75.
  -- Der Nordwest- und der Nordostweg, Entdeckungen und
  Niederlassungen in Nordamerika, Weien Meer, Spitzbergen
  (Fischerei) S. 76-77.

  =Das Heraustreten der Englnder und Hollnder (Franzosen) in
  die Ozeane.= Niedergang der Hansa. Englnder und Hollnder
  gehen nach dem Sden S. 78-79. -- Fahrten und Freibeuterei
  der Englnder (Francis Drake); ihre Niederlassungen in Indien
  (ostindische Kompagnie), Nordamerika und Westindien S. 80-85.
  -- Die Hollnder in Indien (ostindische Kompagnie); in
  Afrika, Nordamerika, Westindien und Sdamerika (westindische
  Kompagnie) S. 85-88. -- Die Franzosen in Brasilien,
  Nordamerika, Westindien und Afrika. Dnen und Schweden
  S. 89-90.

  =Die Unsicherheit auf den Meeren=: Seeraub, Korsaren der
  Barbareskenstaaten, Flibustier S. 91-92. -- Freibeuter und
  Kaper; das Convoiwesen. Einflu der Unsicherheit auf Schiffe
  und Seeleute S. 93-95.


  $Zweites Kapitel: Schiffe, Waffen, Nautik$                      96-106

  =Die Schiffe von 1492-1648.= Weiterentwicklung an Gre und
  Gefechtskraft (Beispiele Regent und Great Harry) S.
  96-97. -- Schiffsbestand Englands 1522, 1548, 1603, 1649
  (die ersten Zwei- und Dreidecker Royal Prince und Royal
  Sovereign) S. 98-101. -- Galeren und Galeassen S. 102. --
  Staatswerften S. 103.

  =Die Waffen.= Vermehrung der schwereren Artillerie (die
  Kaliber Englands 1580). Handwaffen S. 104-105.

  Fortschritte der =Nautik= im 16. Jahrh. (Karten, Instrumente
  usw.) S. 106.


  $Drittes Kapitel: Die Seekriege, Kampfweise und Taktik, die
  wichtigsten Kriegsmarinen 1492-1648$                           107-154

  =Die Seekriege von 1492-1648.= Was mu man unter einem
  Seekriege verstehen? (Kennzeichnung der lteren
  Kriegfhrung) S. 107. -- Kriege im Mittelmeer: Trkei,
  Venedig, Frankreich, Spanien S. 108-109. -- Kriege in der
  Ostsee: Hansa, Schweden, Dnemark S. 109-111. -- Kriege
  Englands und Frankreichs S. 111-112. -- Kriege Englands und
  Hollands gegen Spanien. Aufstand der Niederlande S. 113. --
  Vorgeschichte der Armada (Drake gegen Cadiz) S. 114-116. --
  Die Instruktion fr die Armada S. 117 bis 118. -- Strke und
  Zusammensetzung der Armada, Hollands und Englands Rstungen
  (die englische Flotte) S. 119-122. -- Abwgung der Krfte
  der Gegner S. 123-124. -- Die Armada-Woche: Beabsichtigte
  Strategie und Taktik der Gegner S. 124. -- Fahrt der Armada
  zum Kanal S. 125. -- Gefechte bei Plymouth (21. Juli 1588),
  bei Portland (23. Juli) S. 126 bis 127. -- Gefecht bei Wight
  (25. Juli), Armada ankert vor Calais (27. Juli), wird von
  dort durch Branderangriff vertrieben (28. Juli) S. 128-130.
  -- Niederlage der Armada bei Gravelines (29. Juli) S. 130.
  -- Rckfahrt der Armada, ihre Verluste S. 131-132. -- Grnde
  des Mierfolges der Armada S. 132.

  Die Kriegfhrung Englands nach Abwehr der Armada: England in
  den spanischen Gewssern; Belagerung von Lissabon; Cliffords
  Zge; die Cadiz-Expedition; Frieden mit Spanien 1604 S.
  133-137. -- Hugenottenkriege; zweite Expedition gegen Cadiz;
  die englische Marine bei Ausbruch der Revolution 1649 S.
  138-139. -- Die Kriegfhrung Hollands nach Abwehr der
  Armada: Expeditionen gegen Spanien; Waffenstillstand
  1609-1621 S. 139. -- Blutiger Krieg mit Dnkirchen von 1621
  ab (Streitkrfte Dnkirchens); Sieg ber die Spanier auf der
  Schelde (1631) und in den Downs (Tromp ber d'Oquendo 1639,
  eine zweite Armada-Affre) S. 140-141. -- Untersttzung
  Portugals 1641; Holland in der Ostsee S. 142. --
  Schlubetrachtung ber die Seekriege 1492-1648: Anfang einer
  neuen Seekriegfhrung S. 143.

  =Kampfweise und Taktik 1492-1648=: Ruderschiffe; die
  Schlachten bei Lepanto (1571) und Genua (1638) S. 144-145.
  -- Segelschiffe: der Kampf in der Querabrichtung, die
  Kiellinie, Gefechtsgruppen S. 146.

  =Die wichtigsten Kriegsmarinen 1492-1648.= Portugal-Spanien,
  Schweden, Dnemark S. 147-148. -- Holland S. 149-150. --
  England S. 151-152. -- Frankreich S. 153. --
  Kriegsschiffspersonal dieser Zeit S. 154.


                      Dritter Abschnitt.

                   Die Zeit von 1648-1739.


  $Erstes Kapitel: Geschichtlicher berblick ber den
  Abschnitt$                                                     157-159

  =Bedeutung des Abschnittes fr die Entwicklung des
  Seekriegswesens= S. 160.


  $Zweites Kapitel: Die Entwicklung des Seekriegswesens$         161-188

  =Weiterentwicklung der Schiffe von 1648-1739=: Zunahme und
  Vervollkommnung des Kriegsschiffbaues (Constant Warwick,
  Speaker, Royal Louis). Beiboote. Wichtige Verbesserungen
  (Zwischendeck, Schiffsbodenschutz, Ruderrad). Nautische
  Hilfsmittel S. 161-167.

  =Waffen=: Geschtzarten. Geschosse. Handwaffen. Aufstellung
  und Verteilung der Geschtze an Bord S. 168-170. --
  Planmige Armierung der Schiffe S. 171-172. -- Brander und
  Mrserboote S. 173-174.

  =Schiffsklassen=: Ihre Entwicklung, Schiffsbestnde der
  englischen Marine nach solchen um 1624, 1653, 1688, 1727.
  Das Linienschiff und Schiffe zu besonderen Zwecken (Kreuzer)
  S. 174-179.

  =Das Personal=: Entstehung des Seeoffizier-, Deckoffizier-
  und Unteroffizier-Korps; letztere beide fr die
  verschiedenen Dienstzweige. Die Mannschaft (Werben, Pressen,
  Seesoldaten) S. 180-182. -- Geist des Personals S. 183.

  =Kampfweise und Taktik.= Weiterentwicklung: Kampf in der
  Querabrichtung, Luvstellung, Flottenkiellinie aus Gruppen,
  Einteilung einer Flotte, Gruppentaktik. Kiellinie aus
  Einzelschiffen, Einteilung einer Flotte, Kiellinie beim
  Winde S. 184-187. -- Das Gefecht nimmt einen andern Verlauf.
  Wert der Brander S. 188.


  $Drittes Kapitel: Der erste englisch-hollndische Krieg
  1652-1654$                                                     189-235

  =Die Kriegsgrnde= (Navigationsakte, Flaggengru, der erste
  Zusammensto) S. 189-191.

  =Die Streitmittel der Gegner= (Entwicklung der hollndischen
  und englischen Marine). Holland: Die ersten Rstungen,
  Schiffsbestand, Neubauten, Personal S. 192-194. England:
  Vergleichende Angaben. Abwgung S. 195-197. -- Verwendung
  der Flotten Englands und Hollands 1648-1652 S. 198.

  =Der Verlauf des Krieges.= Mngel in den Quellen ber die
  Kriege S. 199. -- Das Gefecht bei Dover 29. Mai 1652 (Tromp
  gegen Blake) S. 200-203. -- Ereignisse vor der
  Kriegserklrung S. 204. -- Das Gefecht bei Plymouth 26.
  August 1652 (Ruyter gegen Ayscue) S. 205-207. -- Blake
  vernichtet ein franzsisches Geschwader 7. September 1652 S.
  208. -- Der Krieg im Mittelmeer. Gefecht bei Elba 6.
  September 1652 (van Galen gegen Badiley). Phnix vor
  Livorno durch Boote genommen S. 208-209. -- Die Schlacht bei
  Kentish Knock 8. Oktober 1652 (Witte de Witt gegen Blake) S.
  210-211. -- Niederlage der Englnder bei Dungeness 10.
  Dezember 1652 (Tromp gegen Blake) S. 212-213. -- England
  rumt das Mittelmeer. Gefecht vor Livorno 14. Mrz 1653 (van
  Galen gegen Appleton) S. 214. -- Die Schlacht bei Portland
  28. Februar 1653 (Tromp gegen Blake), die Englnder
  verfolgen Tromp mit seinem Convoi S. 215-218. -- Rstungen
  und Unternehmungen im Frhjahr 1653 S. 219-220. --
  Zusammensetzung der engl. Flotte im Juni 1653 (als Beispiel
  einer groen Flotte jener Zeit) S. 220-221. -- Die Schlacht
  bei Northforeland-Nieuport 12./13. Juni 1653 (Tromp gegen
  Monck), die erste Schlacht mit taktischen Bewegungen S.
  222-224. -- Die Gegner suchen den Entscheidungskampf,
  Gefecht bei Kattwijk 8. August und Schlacht bei Scheveningen
  10. August 1653 (Tromp gegen Monck). Tromps Tod S. 225-227.
  -- Folgen der Schlacht. Frieden von Westminster 1654 S.
  228-229.

  =Bemerkenswertes= im ersten Kriege, Umschwung in der
  Kriegfhrung S. 229-231. -- ber =Strategie=, Rckblick auf
  den Krieg. Schlufolgerung S. 232-235.


  $Viertes Kapitel: Nebenkriege 1654-1665$                       236-247

  =England: Krieg mit Spanien 1654-1659.= Penn erobert Jamaica
  (1655) S. 236. -- Blake vernichtet eine tunesische Flotte
  (1655) und die Silberflotte vor Teneriffa (1657), beide im
  Schutz von Befestigungen S. 237-238. -- England bei
  Dnkirchen, in der Ostsee, in Tanger S. 238.

  =Holland: Krieg mit Portugal 1656-1661= S. 239.

  =Der schwedisch-polnische (-brandenburg-dnische) Krieg
  1655-1660.= Allgemeiner Verlauf des Krieges. (Das
  Haager-Koncert. Frieden von Roeskild 1658. Frieden von
  Kopenhagen 1660) S. 240. -- Beteiligung Hollands: Entsatz
  Danzigs 1656. Die Schlacht im Sunde 8. November 1658
  (Wassenaer gegen Wrangel). England in der Ostsee S. 241-244.
  -- Eroberung Fnens, Beschieung Nyborgs (Ruyter) 1659 S.
  245.

  =Holland im Mittelmeer 1661-1664= S. 246.

  =Krieg Frankreichs gegen Spanien 1635-1659.= Dnkirchen in
  spanischem, englischem, dann franzsischem Besitz. Der
  Pyrenische Frieden S. 246-247.

  =Venedig und die Trken 1645-1669= S. 247.


  $Fnftes Kapitel: Der zweite englisch-hollndische Krieg
  1665-1667$                                                     248-306

  =Die politische Lage= um 1662. Kriegsgrnde S. 248-250. --
  Die ueren Anlsse zum Kriege. Gegenseitige Angriffe in den
  Kolonien (Holmes und Ruyter in Westafrika und Nordamerika
  1663-1665) S. 251-253. -- England greift den Smyrna-Convoi
  an 1664. Die Kriegserklrung S. 254.

  =Die Streitmittel der Gegner= (Entwicklung der hollndischen
  und englischen Marine). Holland: Neubauten von 1654-1666;
  Verbesserung der Armierung; Personal (Vermehrung der
  Admirale) S. 255-257. -- England: Schiffsbestand 1654, 1665,
  1666. Vergleich der Armierungs- und Bemannungsstrke.
  Werften S. 258-260. -- Stand der Taktik
  (Gefechtsinstruktionen) S. 260-261. -- Abwgende Beurteilung
  des Personals S. 262. -- Hinweis auf die Marine Frankreichs
  S. 263.

  =Der Verlauf des Krieges.= Die ersten Bewegungen S. 263-265.
  -- Die Schlacht bei Lowestoft 13. Juni 1665 (Herzog von York
  gegen Wassenaer), die erste Schlacht mit Kiellinien beim
  Winde, Schilderung und Beurteilung S. 266-268. -- Weitere
  Ereignisse 1665. (Verdienste Jan de Witts; Ruyter
  Oberbefehlshaber) S. 269-270. -- Englischer Angriff auf
  Kauffahrer in Bergen 12. August 1665 S. 271. -- Verhalten
  Frankreichs und Dnemarks S. 272. -- Strke der Flotten 1666
  S. 273. -- Die Viertage-Schlacht 11. bis 14. Juni 1666
  (Ruyter gegen Prinz Rupert und Monck): Strategischer Fehler
  der Englnder, Schilderung der Schlacht (Moncks berhmter
  Angriff am 11., Tromps Fehler am 12., Verfolgungsgefecht am
  13., Niederlage der Englnder am 14. S. 273-282. -- Die
  zweite Schlacht bei Northforeland 4. bis 5. August 1666
  (Schlacht vor der Themse; St. James Fight. Die gleichen
  Fhrer wie vorher): Ruyter erkundet die Themse; Niederlage
  der Hollnder am 4., Ruyters Rckzug am 5. S. 283-286. --
  Weitere Ereignisse 1666: Die Englnder im Vlie-Strome 19.
  August; Ruyters Versuch, sich mit den Franzosen zu
  vereinigen; erfolglose Friedensverhandlungen S. 287-289. --
  Das Jahr 1667. England beabsichtigt, nur Kreuzerkrieg zu
  fhren, Holland die Themse anzugreifen S. 289-291. --
  Ruyters Angriff auf Themse und Medway 17./23. Juni (Order,
  Disposition und Ausfhrung) S. 292-294. -- Blockade der
  Themse und Beunruhigung der englischen Ksten, Sommer 1667
  S. 295 bis 296. -- Frieden zu Breda 21. Juli 1667. S. 296.

  =Bemerkenswertes= beim zweiten Kriege: Unterlegenheit
  Hollands in Material und Personal. Fortschritte in der
  Taktik (die Kiellinie beim Winde) S. 297-299. -- ber
  =Strategie= in diesem Kriege, Rckblick S. 300-304. --
  Militrischer Wert des Kreuzerkrieges S. 305. -- ber die
  Angriffe auf das feindliche Land S. 305.

  =Vergleich= des ersten und zweiten Krieges S. 305.


  $Sechstes Kapitel: Der dritte englisch-hollndische Krieg
  1672-1674$                                                     307-361

  =Die politischen Verhltnisse vor dem Kriege=: Ludwigs XIV.
  Devolutionskrieg, Dreibund gegen ihn, seine strategische
  Politik zu dessen Lsung und zur Isolierung Hollands.
  (Leibniz' Concilium Aegyptiacum.) Kriegserklrung Englands
  und Frankreichs gegen Holland S. 307 bis 312.

  =Die Streitmittel der Gegner= (Entwicklung der englischen,
  hollndischen und franzsischen Marine). Holland und
  England: Bestand der Flotten 1666 und 1672;
  Organisationsnderungen; Disziplin und Geist S. 312 bis 314.
  -- Die franzsische Marine: Schnelle Entwicklung unter
  Colbert (Colberts Wohlfahrtspolitik); Schiffsbestand 1640,
  1666, 1669; Schiffe, Armierung, Bemannung; das Kontingent
  zum Kriege 1672; Kennzeichnung des Offizierkorps S. 315-319.
  -- Verwendung der drei Marinen 1667-1672 S. 319.

  =Der Verlauf des Krieges.= Kriegsplne der Verbndeten
  (Landung). Holland in Not S. 320. -- England greift vor
  Kriegserklrung den Smyrna-Convoi an 23. Mrz 1672 S. 321.
  -- Hollands Plne und Unternehmungen im Frhjahr 1672 S.
  322-324. -- Die Schlacht bei Solebay 7. Juni 1672 (Ruyter
  gegen York und d'Estres) verhindert Landungsversuch S.
  325-328. -- Verlauf des Landkrieges 1672 (neuer
  Landungsversuch). Innere Zustnde Hollands (Volkserhebung,
  Ermordung de Witts, Deiche durchstochen) S. 329-332. --
  Wendepunkt im Landkriege, Holland erhlt Hilfe S. 333. --
  Das Jahr 1673. Neue Bedrngnis Hollands. Ruyter versucht,
  die Themse zu sperren, nimmt dann eine offensive Defensive
  auf S. 334-335. -- Erste Schlacht bei Schooneveld 7. Juni
  1673 (Ruyter gegen Prinz Rupert und d'Estres) S. 336-338.
  -- Zweite Schlacht bei Schooneveld 14. Juni; beide
  Schlachten strategische Erfolge Ruyters S. 339-341. -- Die
  Schlacht bei Texel 21. August 1673; Ruyter vor der Themse,
  dann wieder in Defensivstellung, Verbndete haben Landung
  vorbereitet; werden bei Texel geschlagen (Ruyters berlegene
  Taktik) S. 342-348. -- Verhalten der Franzosen (d'Estres)
  S. 349. -- Die Schlacht fhrt zum Frieden S. 350. -- Der
  kleine Krieg S. 350. -- Verlauf des See- und Landkrieges
  1673-1674. Der Frieden von Westminster Februar 1674 S.
  351-352.

  =Bemerkenswertes= im dritten Kriege in Hinsicht auf Material
  und Taktik (Ruyters Verdienste) S. 353-355. -- Verhalten der
  Franzosen. Schwchen von Bndnissen S. 356. -- ber
  =Strategie=: Wie die Gegner ihre Aufgaben lsten (ihre
  Kriegfhrung; Ruyters Strategie) S. 357-360. --
  Zusammenstellung der Hauptereignisse des Krieges S. 361.


  $Siebentes Kapitel: Nebenkriege 1674-1688$                     362-409

  Verlauf des zweiten Eroberungskrieges Ludwigs XIV. von 1674
  bis zu dem Frieden von Nymwegen 1678 und Fontainebleau 1679;
  er bringt zwei groe Nebenkriege S. 362-363.

  =Der franzsisch-hollndische (spanische) Krieg 1674-1678=
  (die Fortsetzung des Krieges 1672-1674 seitens Frankreichs
  und Hollands). Tromp an der franzsischen Kste und im
  Mittelmeer 1674 S. 364-367. -- Ruyter in Westindien 1674
  (Martinique) S. 368-369. -- Westindien 1676-1677. Der Kampf
  um Tabago. Angriffe auf die Insel (Binckes gegen d'Estres)
  S. 370-371. -- Der Krieg im Mittelmeer 1675-1678. Kampf der
  Franzosen und Spanier um Sicilien (Gefecht bei Stromboli
  1675) S. 372 bis 373. -- Holland (Ruyter) untersttzt
  Spanien. Die Schlacht bei Stromboli 8. Januar 1676 (Ruyter
  gegen du Quesne, Vorteile der Leestellung) S. 374 bis 380.
  -- Der Kampf um Messina. Schlacht bei Agosta 22. April 1676
  (Ruyter gegen du Quesne. Ruyters Tod. Angaben ber Ruyter)
  S. 381-384. -- Die Schlacht bei Palermo 2. Juni 1676 (den
  Haen und d'Ybarra gegen Graf v. Vivonne. Grter Erfolg der
  Brander) S. 385-386. -- Die weiteren Ereignisse 1676-1678
  (der Seekrieg lau) S. 387. -- Frankreich rumt Sicilien S.
  388. -- Der kleine Krieg gegen den Handel (Dnkirchen) S.
  389. -- Rckblick auf den Krieg 1674-1678: ber die
  Kriegfhrung der Gegner. Mittelbare Folgen des Krieges fr
  England, Holland, Frankreich S. 390-393.

  =Der schwedisch-dnische (hollndisch-brandenburgische
  Krieg) 1675-1679.= Stand der dnischen, schwedischen und
  brandenburgischen Marine; Strke der hollndischen
  Hilfsgeschwader (Tromp in dnischen Diensten) S. 394-395. --
  Die Schlacht bei Bornholm 5. Juni 1676 (de Almonde und Niels
  Juel gegen Creutz und Ugla) S. 396. -- Schlacht bei Ertholm
  11. Juni (Tromp gegen Creutz). Dnische Landung in Schonen
  S. 397. -- Dnische Siege unter Niels Juel bei Gjedser und
  in der Kjgebucht 1677 S. 398. -- Tromp und Niels Juel
  greifen Kalmar an. Verwstung der Ksten 1677. Dnemark
  beherrscht die Ostsee S. 399. -- Der Krieg in Pommern
  1677-1678: Erste Eroberung Rgens unter Christian V. und
  Tromp. Ttigkeit der brandenburgischen Flottille 1676-1677.
  Holland tritt zurck, Tromp entlassen S. 400. -- Die zweite
  Eroberung Rgens 1678 (der Groe Kurfrst, Derfflinger,
  Tromp, Niels Juel) und seine Folgen. Friedensschlu S. 401.
  -- Weitere Geschichte der brandenburgischen Marine S. 402.

  =Kmpfe gegen die Barbaresken 1674-1688.= Vorgehen Englands
  (gibt Tanger auf) und Hollands S. 402-403. -- Unternehmungen
  der Franzosen: du Quesne vernichtet Schiffe in Chios 1681;
  bombardiert Algier 1682 und 1683 (neue Mrserboote von
  Renau-d'Eliagarey) S. 403-407. -- d'Estres gegen Tunis,
  Tripolis und Algier 1685-1688 S. 408.

  =Angriff der Franzosen auf Genua 1684= S. 408.

  =Venetianisch-trkischer Krieg 1684-1699.= S. 409.


  $Achtes Kapitel: Der franzsisch-englisch-hollndische Krieg
  1688-1697$ d. i. die Kriegfhrung zur See im Pflzischen
  Erbschaftskriege                                               410-485

  =Die politischen Verhltnisse, die den Krieg herbeifhrten.=
  Ludwigs XIV. Reunionen und Ansprche auf die Pfalz; der
  Augsburger Bund 1686; Wilhelm von Oranien Knig von England;
  die Wiener Allianz 1689 S. 410-412. -- Fehler der Knige
  Ludwig und Jakob S. 413. -- Allgemeiner Verlauf des
  Pflzischen Erbschaftskrieges, Frieden von Ryswijk (Grnde
  der Erschpfung Frankreichs). Die Verwendung der Flotten S.
  413-417.

  =Die Streitmittel= (Entwicklung der englischen,
  hollndischen und franzsischen Marine). England: Mistnde
  in der Verwaltung; Stellung der Marine zur Revolution;
  Schiffsbestand 1688 und 1692 S. 417-419.

  Holland: Neubauten unter Wilhelm von Oranien; Bestand 1692;
  Armierung; Indienststellungen whrend des Krieges; ber den
  Vorwurf, Oranien habe die Marine vernachlssigt S. 419-422.

  Frankreich: Fortschritte unter Colbert, Bestand 1681; Beginn
  des Verfalls nach 1683; die Amtsttigkeit der Minister de
  Seignelay und de Pontchartrin; Schiffsbestnde bis 1696 S.
  422-425.

  =Der Verlauf des Seekrieges.= Wilhelm von Oraniens bergang
  nach England 1688 S. 425-427. -- Jakobs II. Einfall in
  Irland und die Operationen 1689 S. 428-429. -- Gefecht bei
  Bantrybay am 11. Mai 1689 (Herbert gegen Chteau-Renault).
  Rooke in der Irischen See. Laue Ttigkeit der Gegner im
  Kampfe um Irland S. 430-431. -- Das Jahr 1690: Rstungen der
  Gegner; Admiral Killigrew versucht vergeblich das
  Toulongeschwader festzuhalten; Wilhelm III. landet in Irland
  (Sorglosigkeit beider Gegner in Hinsicht auf Verbindung mit
  Irland) S. 432-434. -- Tourville sucht die Flotte der
  Verbndeten, Herbert weicht aus, bis er Befehl zum Schlagen
  erhlt (seine Einwendungen) S. 435-436. -- Die Schlacht bei
  Beachy Head 10. Juli 1690 (Tourville gegen Herbert); Grnde
  der Niederlage der Verbndeten; Tourville nutzt seinen Sieg
  nicht aus S. 437-439. -- Folgen der Schlacht; weitere
  Ereignisse 1690 S. 440. -- Das Jahr 1691: Tourvilles
  Hochsee-Kreuztour und ihre Folgen. Frankreich im Mittelmeer
  S. 441-444. -- Ludwig XIV. plant Einfall in England 1692,
  Vorbereitungen und Befehle an Tourville; Rstungen der
  Verbndeten S. 445-446. -- Die Schlacht bei Cap Barfleur 29.
  Mai 1692 (Tourville gegen Russell). Gegenbefehle erreichen
  Tourville nicht; Strke der Gegner; Tourvilles Grnde zum
  Angriff; Beschreibung der Schlacht. Rckzug der Franzosen S.
  447-453. -- Vernichtung vieler franzsischer Schiffe bei La
  Hogue und Cherbourg 1.-3. Juni 1692 S. 454-455. -- Die
  Ereignisse der Jahre 1693-1697 -- Art der Kriegfhrung.
  Vertrag der Verbndeten mit Spanien S. 456. -- 1693:
  Rstungen; Tourville vernichtet den Smyrna-Convoi bei Lagos;
  die Englnder vor St. Malo (Infernals) S. 457-460. -- 1694:
  Die Verbndeten im Mittelmeer und vor franzsischen Hfen
  (Brest, Dieppe, Dnkirchen, Calais) S. 461-462. -- 1695:
  hnliche Unternehmen (St. Malo, Dnkirchen [Rauchschiffe und
  Infernals] Calais) S. 463-464. -- 1696: Die Verbndeten
  geben das Mittelmeer auf. Ludwig XIV. plant Landung in
  England. Die Verbndeten greifen Frankreichs Westkste an S.
  465-466. -- 1697: Friedensunterhandlungen. Frankreichs
  Erfolge in Spanien und Westindien (de Pointis vor Cartagena)
  S. 466 bis 467.

  =Der kleine Krieg=: Dnkirchen; Eigenart des franzsischen
  Kreuzerkrieges (Taten Jean Barts) S. 467-470. -- ber das
  Wesen des Kreuzerkrieges S. 471-472. -- Die Zusammenste in
  den =Kolonien= (Westindien, Nordamerika) S. 472-473.

  =Bemerkenswertes= in diesem Kriege (Material und Taktik S.
  474.)

  ber =Strategie=: Rckblick auf die Kriegfhrung zur See
  (Herberts Verhalten bei Beachy Head), Schlubetrachtungen S.
  475-485.


  $Neuntes Kapitel: Der Spanische Erbfolgekrieg 1702-1713$       486-576

  =Die politischen Verhltnisse vor dem Kriege=: Verhandlungen
  ber die Thronfolge in Spanien; Philipp von Anjou Knig von
  Spanien; Bund der Seemchte und des Kaisers gegen Ludwig
  XIV., Kriegsplan; Karl von sterreich als Gegenknig
  aufgestellt, nderung im Kriegsplan; Stellung Portugals
  (Methuen-Vertrag) und Savoyens S. 486-491. -- Der allgemeine
  Verlauf des Krieges und die Ttigkeit der Seestreitkrfte in
  ihm S. 491-496. -- Die Bedingungen des Friedens von Utrecht
  S. 497.

  =Die Streitmittel= (innere Geschichte der drei groen
  Marinen bis 1739).

  Die hollndische Marine: Beginn des Verfalls;
  Indienststellungen whrend des Krieges; Verfall nach
  Utrecht; Schiffsbestand 1740; ber Personal S. 498-501. --
  Die franzsische Marine: Amtsttigkeit Jerme de
  Pontchartrins von 1699; Ttigkeit der Flotte whrend des
  Krieges; Entwertung des Personals; Schiffsbestand 1712.
  Weiterer Rckgang whrend der Regentschaft (1715-1723;
  Schiffsbestand 1729) und unter Minister Maurepas (1723 bis
  1742); Strke 1742 S. 502-504. -- Die englische Marine:
  Schiffsbestnde 1688, 1702, 1727, 1740. Personal
  (Kennzeichnung der Seeoffiziere des 18. Jahrh.) S. 505-507.

  =Der Verlauf des Seekrieges.= 1701: Rstungen, Absichten und
  Bewegungen der Gegner S. 507-509. -- Das Jahr 1702: Der
  Angriff auf Cadiz, Vorgeschichte S. 509-510. -- Rstungen
  der Verbndeten (lau; Hinhalten der Unternehmungen durch
  Rooke), Rstungen der Franzosen S. 511-512. -- Erfolgloser
  Angriff der Verbndeten auf Cadiz (unter Rooke); Rooke
  beschliet Heimkehr; Befehle fr ihn S. 513-515. --
  Vernichtung der Silberflotte in Vigo 23. Oktober 1702.
  Wirkung dieses Erfolges S. 516-518. -- Die Jahre 1703-1704:
  Plan der Verbndeten fr 1703, laue Ttigkeit und geringe
  Erfolge, Verluste durch Sturm S. 519-521. -- 1704: Vertrag
  der Seemchte mit Portugal; Karl III. nach Portugal;
  Rstungen und Plne der Gegner (letzte groe Rstung
  Frankreichs) S. 522-523. -- Angriff der Verbndeten auf
  Barcelona; Graf Toulouse vereinigt die Brest- und
  Toulon-Flotte S. 524-525. -- Rooke erobert Gibraltar 3.
  August 1704. Beurteilung Rookes S. 526-528. -- Graf Toulouse
  naht zur Wiedernahme, Rooke deckt Gibraltar S. 529-530. --
  Die Schlacht bei Malaga 24. August 1704 (Rooke gegen
  Toulouse): Strke der Flotten; Bedeutung der Schlacht fr
  die Taktik (Corbett ber den Stand der Taktik); die Schlacht
  und ihre Folgen S. 530-536. -- Gibraltar belagert, durch
  Leake 1704 verstrkt und 1705 entsetzt (de Pointis
  vernichtet) S. 536-539. -- Die Jahre 1705-1706: Barcelona
  durch Prinz von Hessen, Peterborough und Shovel erobert 1705
  S. 540-541. -- Die Stadt von Marschall Tess und Toulouse
  belagert, durch Leake entsetzt 1706. Eine Landung in
  Rochefort geplant S. 541-544. -- 1706: Erfolge der
  Verbndeten im Mittelmeer S. 545. -- Die Jahre 1707-1708:
  Angriff auf Toulon (Shovel und Prinz Eugen); Gefecht am Var;
  Erfolglose Belagerung Toulons (Shovels Unglck bei den
  Scillys) 1707 S. 546-549. -- Die Verbndeten besetzen
  Sardinien und erobern Port Mahon (Leake und Stanhope) 1708
  S. 550-552. -- Einfallsversuch der Franzosen in Schottland
  (Forbin) 1708 S. 552. -- Die letzten Kriegsjahre 1709-1712:
  Stilles Wirken der Seestreitkrfte; Mierfolge der Franzosen
  gegen Sardinien, der Verbndeten gegen Cette 1710 -- Ende
  des Seekrieges im Mittelmeer 1712 S. 553-555. --
  Franzsische Expedition gegen Rio (Trouin) 1712 S. 556. --
  Der Verlust an Schiffen im Kriege S. 557.

  =Der kleine Krieg=: Ttigkeit, Verluste und Erfolge der
  Gegner; Taten berhmter franzsischer Freibeuter (Saint Pol;
  Forbin; Trouin; du Casse; Cassard) S. 558-562. -- Die
  Zusammenste in den =Kolonien=: Westindien (Gefecht vor
  Cartagena: Benbow gegen du Casse 29. August bis 3. September
  1702), Nordamerika (Walkers Angriff auf Quebec 1711) S.
  562-566.

  =Schlubetrachtungen=: Unzulnglichkeit der Streitmittel fr
  die Aufgaben; Englands Klage ber Hollands geringe Leistung;
  Stand der Taktik S. 566-567. -- ber =Strategie=: die
  Aufgaben der Marinen und wie sie diese lsten (Rckblick auf
  den Krieg), Frankreichs Kriegfhrung S. 568-570. -- Die
  Kriegfhrung der Verbndeten S. 570-574.

  Die =Ergebnisse= des Krieges fr die Teilnehmer S. 575-576.


  $Zehntes Kapitel: Nebenkriege 1689-1739$                       577-593

  =Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung des Friedens
  von Utrecht 1718-1720=: Spanien (Kardinal Alberoni) will
  die verlorenen Provinzen wiedergewinnen, besetzt Sardinien;
  Bund Englands, Frankreichs, Hollands und des Kaisers S.
  577-578. -- Spanien besetzt Sicilien; Admiral Byng
  vernichtet die spanische Flotte bei Cap Passaro 11. August
  1718. Spanien aus Sicilien vertrieben; spanische Unternehmen
  gegen englische und franzsische Ksten, Einflle dieser
  Staaten in Spanien; der Haager Frieden 1720 S. 581-582.

  =Der Nordische Krieg 1700-1721=: Die dnische und
  schwedische Marine S. 582-583. -- Grndung der russischen
  Marine (Peter der Groe) S. 583-585. -- Der Verlauf des
  Krieges 1700: Ruland, Polen, Dnemark bedrohen Schweden;
  Karl XII. wirft Dnemark mit Hilfe einer
  englisch-hollndischen Flotte nieder (Belagerung
  Kopenhagens, Frieden von Travendal) S. 585-586. -- Karls
  XII. Landkrieg 1700-1709 (sein Aufenthalt in der Trkei) S.
  587. -- Erfolge der Gegner Karls 1709-1715 (Beteiligung der
  Seestreitkrfte in diesen Jahren; Schweden verliert seinen
  festlndischen Besitz) S. 588-589. -- Karls XII. Feldzge
  gegen Norwegen 1716-1718 (Karls Tod; Tordenskiold) S. 589.
  -- Rulands Einflle in Schweden 1719 bis 1721 S. 589. --
  Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege.
  Ttigkeit ihrer Flotten 1715-1721 S. 590-591.

  =Venedig und die Trken=: Kriege 1645-1669 um Kreta,
  1684-1699 und 1714-1718 um Morea. Venedig auf das
  Adriatische Meer beschrnkt S. 591-592.

  =Die Barbaresken-Staaten 1715-1740=: Hollands, Englands und
  Frankreichs Manahmen gegen den Seeraub S. 592.

  =Hinweis auf=: Angriff Spaniens auf Gibraltar (1727) und
  Polnischer Erbfolgekrieg (1733-1735) S. 593.


  $Elftes Kapitel: Die Zeit von 1721-1739.$ (bergang zum
  Abschnitt IV, Band II)                                         594-598

  =Die politischen Verhltnisse bleiben gespannt=: Grnde
  (Pragmatische Sanktion); Friedenspolitik Fleurys und
  Walpoles (Wirken Laws in Frankreich) S. 594-595.

  =Bedrohung des Friedens 1725=: Bund sterreich-Spanien gegen
  Frankreich-England-Holland-Preuen; wirkungsvolles Auftreten
  Englands zur See (spanischer Angriff auf Gibraltar 1727) S.
  596.

  =Der Polnische Thronfolgekrieg= und seine Folgen S. 597.

  =Der Bourbonische Familienvertrag= und die Spannung Spaniens
  und Englands in Westindien fhren zum nchsten groen
  Seekriege 1739 S. 598.


  $Zwlftes Kapitel: Geschichte der Kolonien von 1648-1740$      599-622

  =Mittel- und Sdamerika, Westindien.= Die spanischen
  Kolonien: Schlechte Verwaltung; Belstigung durch die
  Kriege; Flibustier; englischer Schmuggelhandel; Strke der
  Bevlkerung; der spanische Besitz um 1740 S. 599-601. -- Die
  englischen Kolonien: Angaben ber ihre Entwicklung,
  Einwohnerzahl und Handel S. 602. -- Die franzsischen
  Kolonien: desgleichen S. 603-604. -- Holland, Dnemark,
  Portugal S. 604-605.

  =Nordamerika.= Die englischen Kolonien: Innere Entwicklung;
  Ausbreitung; Strke der Bevlkerung zu den Zeiten der Kriege
  mit Frankreich S. 605-607. -- Die franzsischen Kolonien in
  Kanada und Louisiana: desgleichen S. 608-611.

  =Ostindien.= Niedergang der Macht Portugals, Wachsen der
  Hollands (hollndisch-ostindische Kompagnie) S. 611-614. --
  Kurze Geschichte der englisch-ostindischen Kompagnie S.
  614-616. -- Die Ostender Kompagnie des deutschen Kaisers S.
  616. -- Frankreichs Kolonien in Indien S. 617-618. --
  Spanien auf den Philippinen S. 618.

  =Afrika.= Verlust der Portugiesen an Kolonien S. 619. --
  Besitzungen Hollands (Kapland) S. 619-620. --
  Niederlassungen Englands (westafrikanische Kompagnien) S.
  620. -- Besitzungen Frankreichs (Senegambien; Mierfolg in
  Madagaskar; Bourbon und Isle de France) S. 621-622.


  Verzeichnis der Seekriege und Seeschlachten                        623

  Sach- und Namensverzeichnis                                        627

  Berichtigungen                                                     642

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]




                Wichtigste Quellen-Literatur.

                A. Werke allgemeinen Inhalts.


                                                              Abkrzung,
                                                               im Text
                                                              gebraucht:

  [1]=A. du Sein=, Professeur de l'cole navale: Histoire de   du Sein.
    la Marine de tous les peuples depuis les temps les plus
    reculs jusqu' nos jours. Paris 1879. 2 Bde.

  Nach Vlkern geordnet; Aufzhlung smtlicher Operationen,
    Beschreibung einiger Schlachten usw.; die
    Unterabteilungen der Geschichte einer jeden Marine durch
    kurzen berblick der politischen Verhltnisse
    eingeleitet. Im ersten Kapitel du Navire Angaben ber
    die Schiffe des Altertums und Mittelalters, besonders
    die verschiedenen Ansichten ber Einrichtungen der
    mehrreihigen Ruderschiffe betreffend, mit Abbildungen.
    Geeignet fr allgemeinen berblick; nicht immer
    zuverlssig.

  =C. Randaccio=: Storia navale universale antica e moderna.
    Roma 1891.

    bersicht aller Seekriege, der Zeit nach durchlaufend
    geordnet. Krzer als du Sein, Aktionen nicht
    beschrieben.

  [1]=L. v. Henk=, Vizeadmiral z. D.: Die Kriegfhrung zur     v. Henk.
    See in ihren wichtigsten Epochen. Berlin 1881.

    Nach Zeitaltern und Vlkern geordnet, eine kurze
    Schilderung der Ttigkeit aller Marinen; Hauptschlachten
    beschrieben.

  [1]=W. Laird Clowes=; The Royal Navy. A history from the      Clowes.
    earliest times to the present. London 1897/1901. 6 Bde.
    Nach Zeitabschnitten geordnet: Bd. I 60 v. Chr. bis
    1603; Bd. II 1604-1714; Bd. III 1715-1783.

    Neueste, genaueste und unparteiischste Geschichte der
    englischen Marine; die Unterabschnitte -- Military
    History, Voyages and Discoveries, Civil History -- jedes
    Zeitraumes schildern die Ttigkeit der Marine an der
    Hand der englischen Geschichte, mit Benutzung frher
    nicht zugnglicher amtlicher Urkunden, sowie ihre innere
    Entwicklung und damit die des Seewesens berhaupt;
    reiche Quellenangabe besonders ber das Material
    (Schiffe, Artillerie usw.).

  [1]=P. H. Colomb=, Rearadmiral: Naval Warfare. Its ruling    Colomb.
    principles and practice historically treated.
    London 1891.

    Abhandlungen ber die Kriegfhrung zur See. Die Kapitel
    I-IV, Struggle for the command of the sea, und VI-IX,
    Attempts to gain command of the sea with definite
    ulterior purpose, beschreiben die groen Seekriege oder
    besondere Lagen in diesen. Die Kapitel X-XV, The
    conditions under which attacks on territory from the sea
    succeed or fall, geben die Schilderung des Armadazuges
    sowie vieler Unternehmungen gegen feindliches Land im
    17. und 18. Jahrh. Im Kapitel V, The differentiation of
    naval force, die Entwicklung der Schiffsklassen fr die
    verschiedenen Kriegszwecke.

  =Julian S. Corbett=: England in the Mediterranean, a study    Corbett
    of the rise and influence of British power within the     Mediterra-
    streets. London 1904.                                       nean.

    Die Betrachtungen umfassen die Zeit von 1603-1713,
    zeigen das Bestreben Englands, im Mittelmeer festen Fu
    zu fassen; lesenswert und wichtig fr die Kriege des 17.
    Jahrh., aber besonders fr den Spanischen Erbfolgekrieg
    1702-1713. (Nach frher nicht zugnglichen Urkunden in
    englischen Archiven.)

  [1]=J. C. de Jonge=: Geschiedenis van het Nederlandsche      de Jonge.
    Zeewezen. Haarlem 1858. 10 Bde.

    Wohl das bedeutendste Werk ber die hollndische Marine,
    beginnend im Mittelalter, genau von 1665 (zweiter
    englisch-hollndischer Krieg) an. Kriege unparteiisch
    behandelt; innere Geschichte der Marine (Material und
    Personal) sehr eingehend und lehrreich; reiche
    Quellenangabe. Fr Deutsche nach einiger bung leicht zu
    lesen.

  =Comte de Lapeyrouse Bonfils=: Histoire de la Marine         Bonfils.
    Franaise. Paris 1845. 3 Bde.

    Genaue Geschichte von 1643 an.

  =C. Chabaud-Arnault=, Capitaine de Frgate: Histoire des      Chab.-
    flottes militaires. Paris et Nancy 1889.                   Arnault.

    Kurze (500 Seiten) aber sehr bersichtliche Geschichte
    der wichtigsten Marinen, ihre Entwicklung und
    Verwendung; gut fr berblick, genauer und sehr
    lesenswert in Hinsicht auf die franzsische Marine.

  [1]=O. Troude= (publi par =P. Levot=): Batailles navales     Troude.
    de la France. Paris 1867-1868. 4 Bde.

    Seeschlachten vom Jahre 520 an; in der Einfhrung
    Angaben ber Artillerie und Schiffsklassen der
    franzsischen Marine zu verschiedenen Zeiten.

  =A. T. Mahan=, Captain U. S. Navy: Der Einflu der             Mahan.
    Seemacht auf die Geschichte. Erster Band 1660-1783. 2.
    Aufl. bersetzung Berlin 1898.

    Lehrreich in Hinsicht auf die politischen Verhltnisse
    vor, whrend und nach den groen Seekriegen sowie auf
    die Strategie in diesen; die Kriege werden mehr in
    groen Zgen behandelt, jedoch auch verschiedene
    Schlachten beschrieben.

  =P. Hoste=, Kaplan des franzsischen Admirals Tourville:       Hoste.
    L'art des armes navales, ou trait des volutions
    navales. Lyon 1697.

    Dieses erste Werk ber Seetaktik, nach Anweisung
    Tourvilles geschrieben, gibt den Stand der Taktik um
    1700 nach den Erfahrungen der groen Kriege des 17.
    Jahrh. Es enthlt Regeln ber: Marsch- und
    Gefechtsordnungen, bergnge; Manvrieren um die
    Luvstellung; Kampf vermeiden, den Gegner zum Kampf
    zwingen; Dublieren und dieses hindern; Durchbrechen usw.
    (ein Flotten-Exerzier-Reglement). Zur Erluterung der
    Lehren sowie zum Beweise aufgestellter Grundstze sind
    verschiedene Schlachten beschrieben.

  =Julian S. Corbett=: Fighting Instructions 1530-1816.
    Publications of the Navy Records Society. Vol. XXIX.
    London 1905.

    Die Entwicklung der Gefechtsvorschriften in der
    englischen Marine.

  =E. K. Rawson=: Twenty famous naval battles, Salamis to
    Santiago. London 1900.

    Fr den ersten Band: Salamis; Aktium; Lepanto;
    Gravelines (Armada); Dungeness; Kap Barfleur-La Hogue.

  [1]=Francis Steinitz:= The Ship, its origin and progress.   The Ship.
    Being a general history from its first invention to the
    latest improvements; forming a complete account of the
    naval events of the ancients, the middle ages and the
    modern epochs, to the close of 1848. London 1898.

    Bemerkenswert durch zahlreiche Abbildungen von
    Fahrzeugen aller Zeiten, durch einen Anhang mit
    Erklrung der Namen vieler Schiffsarten aller Vlker. In
    Hinsicht auf die naval events nur genauer fr die
    englische Marine und fr die Kriege Venedigs mit den
    Trken, die sonst selten zu finden sind.

  =J. Campbell= und seine Fortsetzer: Lives of the British
    admirals and naval history of Great-Britain from the
    day's of Caesar to the present time. London 1873.

    Von neueren Schriftstellern oft angezogenes Werk schon
    frhen Ursprungs, mehrfach neu herausgegeben. (In der
    Bibliothek der Marineakademie eine deutsche bersetzung
    von 1755, Leipzig, und eine englische Ausgabe von 1813.)

  =R. Southey=: Lives of the British admirals with an
    introductory view of the naval history of England.
    London 1833-1840. (5 Bnde.)

  =Isaac Schomberg=[2], Captain R. N.: Naval chronology; or
    an historical summary of naval and maritime events, from
    the time of the Romans to the treaty of peace 1802.
    London 1802. 5 Bde.

  =Joseph Allen=[2], R. N.: Battles of the British navy.         Allen.
    London 1852. Von 1200 an.

  =C. D. Yonge=[2]: The history of the British Navy from the     Yonge.
    earliest period (700) to the present time. 2. ed. London
    1866.

  [1]=Ch. de la Roncire=: Histoire de la Marine franaise.    Roncire.
    Paris. Teil I 1899, Teil II 1900.

    Teil I, Les Origines, umfat die Zeit vom Altertum
    (rmische Zeit) bis 1360; Teil II, La guerre de cent
    ans, die Zeit bis 1483 und Rvolution maritime, d. i.
    die Vernderungen im Seewesen, durch die groen
    Entdeckungen und die Einfhrung der Artillerie
    hervorgerufen. Verspricht bei Fortsetzung das genaueste
    Werk ber die franzsische Marine zu werden.

  [1] Die auf diese Weise gekennzeichneten Werke seekriegsgeschichtlichen
      Inhalts enthalten auch bemerkenswerte Angaben ber das
      Seekriegswesen.

  [2] Diese lteren englischen Werke sind wohl von Laird Clowes berholt,
      der z. B. Schomberg den Vorwurf groer Ungenauigkeit macht, aber
      immerhin noch bemerkenswert.

  =E. Chevalier=: Histoire de la marine franaise depuis les
    dbuts de la monarchie jusqu'au trait de paix de 1763.
    Paris 1902.

    Nur 405 Seiten.

  =Eugne Sue=: Histoire de la marine franaise. Paris            Sue.
    1835-1837. Fnf Teile.

    Von neueren, besonders franzsischen, Schriftstellern
    oft angezogen, aber auch mehrfach als ungenau in
    einzelnen Angaben (romantisch) bezeichnet.

  =L. Gurin=: Histoire maritime de France. Paris 1851.
    6 Bde.

    Wird oft angezogen, besonders z. B. von de Jonge[3].

  [3] Von anderen Schriftstellern werden ferner noch folgende
      franzsische Werke angezogen: de Boisml: histoire gnrale de la
      marine; Poncet de la Grave: prcise histoire de la milice
      franaise; Daniel: histoire de la milice franaise.

  =Prince de Joinville=: Histoire gnrale de la marine,
    comprenant les naufrages clbres, les voyages autour du
    monde, les dcouvertes et colonisations, l'histoire des
    pirates et corsaires; exploits des marins illustres,
    guerres et batailles navales jusqu'au bombardement de
    Tanger et la prise de Mogador. Paris. 4 Teile in 2 Bdn.

    Das Werk gibt die Geschichte der Schiffahrt aller
    Vlker, die der Marinen unter Hauptbercksichtigung der
    franzsischen.

  =A. Barbou=: Les Grands Marins de France. Histoire
    populaire de la marine franaise depuis les temps
    anciens jusqu' nos jours. Paris 1885.

    Kurz gefat (377 Seiten), gut illustriert.

  =F. C. Duro=: Armada Espaola desde la unin de los reins
    de Castilla y de Lon et Aragon. Madrid 1895-1903. 9
    Bde.

    Genaueste Geschichte der spanischen Marine.

 =C. A. Gyllengranat=: Sveriges sjkrigs-historia i             Gyllen-
    sammandrag. Carlskrona 1840. 2 Bde.                         granat.

  =H. G. Garde=: Den Danske og Norske Smagts historie 1535      Garde.
    bis 1814. Kjbenhavn 1852-1861. 2 Bde.

  =J. G. Tuxen=: Den Danske og Norske Smagt fra de aeldste      Tuxen.
    Tider indtil vose Dage. laere Skildringer. Kjbenhavn
    1875.

  =Nauticus=: Jahrbuch fr Deutschlands Seeinteressen.          Nauticus.
    Berlin.

    Aufstze im Jahrgang 1900: Entwicklung der englischen
    Seemacht; Blte und Verfall der hollndischen Seemacht;
    die skandinavischen Vlker als Seemchte; aus der
    Geschichte Venedigs. Jahrgang 1901: Frankreichs
    Bltezeit als See- und Kolonialmacht; Blte und Verfall
    der spanischen Seemacht. Jahrgang 1902: Bltezeit der
    dnischen Seemacht; Seemacht Rulands unter Peter dem
    Groen.

  =Carl Rodenberg=, Professor der Geschichte an der
    Universitt Kiel: Seemacht in der Geschichte. Stuttgart
    1900.

    Bespricht kurz (33 Seiten), aber fesselnd den Einflu
    des Besitzes der Seemacht durch eine starke Marine auf
    die Geschichte von der Zeit der Hansa an; die hohe
    Bedeutung der groen Seekriege wird veranschaulicht.

  Dr. =A. Zimmermann=: Die Europischen Kolonien.            Zimmermann.
    Schilderung ihrer Entstehung, Entwicklung, Erfolge und
    Aussichten. Band I: Portugal und Spanien. Band II und
    III: England. Band IV: Frankreich. Band V: Holland.
    Berlin 1896 (I), 1898/9 (II, III), 1902 (IV), 1903 (V).

    Bemerkenswert fr die zunehmende Ausdehnung der
    Schiffahrt und fr die Kmpfe um die Kolonien.

  =L. Arenhold=, Marinemaler und Kapitnleutnant der          Arenhold.
    Reserve: Die historische Entwicklung der Schiffstypen
    vom rmischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und
    Leipzig 1891.

    30 Heliogravren mit erluterndem Text veranschaulichen
    die Entwicklung des Schiffbaues, der Takelage und der
    Armierung.

  =J. Charnock=: A History of marine architecture, including
    an enlarged and progressive view of the nautical
    regulations and naval history, both civil and military,
    of all nations, especially of Great-Britain. London
    1800-1802. 3 Bde.

    In den besten Werken ber Seekriegsgeschichte als Quelle
    fr Entwicklung des Seewesens vielfach benutzt.

  =A. Jal=: Archologie navale. Paris 1840. 2 Bde.


                B. Werke besonderen Inhalts.

                1. Altertum und Mittelalter.

                                                              Abkrzung,
                                                               im Text
                                                              gebraucht:

  =Adolf Ermann=: gypten und gyptisches Leben im Altertum.
    Tbingen 1885.

    In den Kapiteln XIX und XX bemerkenswerte Angaben ber
    das Seewesen der alten gypter.

  Dr. =F. C. Movers=: Die Phnizier. Berlin 1856.               Movers.

    Band II, Teil III, Kapitel VIII: Seehandel, Seewesen und
    Schifffahrt der Phnizier.

  =Otto Meltzer=: Geschichte der Karthager. Berlin 1896.        Meltzer.
    2 Bde.

    Band II, Kapitel VII: Angaben ber die Kriegsflotte der
    Karthager.
  Dr. =Iwan von Mller=: Handbuch der klassischen
    Altertums-Wissenschaft. Mnchen 1893.

    Band IV, Abteilung I, Hlfte II: Seite 330 ff. Angaben
    ber die Flotte Spartas und seiner Bundesgenossen
    (Korinth). Seite 359 ff. sehr genau ber die Flotte
    Athens, Organisation, Taktik, Schiffbau (hnlich wie in
    du Sein eine Zusammenstellung aller Ansichten ber die
    Rudereinrichtung auf mehrreihigen Schiffen). Seite 417
    die Flotte Siciliens (Syrakus). Seite 440 die Marine zur
    Zeit Alexanders des Groen und Seite 458 zur Zeit seiner
    Nachfolger (grere Schiffe als Penteren). Band IV,
    Abteilung II: Seite 425 Angaben ber die rmische
    Flotte.

  =A. Cartault=: La trire athnienne. Paris 1881.

  Dr. =A. Breusing=: Die Nautik der Alten. Bremen 1866.        Breusing,
                                                                Nautik.
    Schiffahrt, Steuermannskunst, Bau und Takelung, die
    Reise des Paulus (als Schilderung einer Seereise, aus
    der man Schlsse ber Handhabung der Schiffe ziehen
    kann).

  Dr. =A. Breusing=: Die Lsung des Trierenrtsels. Bremen     Breusing,
    1889.                                                       Triere.

    Berichtigungen zu vorstehendem Werke, Ansicht des
    Verfassers (sehr bemerkenswert) ber die
    Rudereinrichtung der Trieren.

  =R. Haak=: In Zeitschrift des Vereins deutscher              R. Haak.
    Ingenieure, Jahrgang 1895: ber attische Trieren.

    Seite 165-174 die Rudereinrichtung eingehend besprochen.

  =Serre=, Kontreadmiral: Les marines de guerre de              Serre.
    l'antiquit et moyen age. 2 Bde. Paris 1885, 1891.

    Teil I: Die verschiedenen Ruderschiffstypen des
    Altertums (seine Ansicht ber Rudereinrichtung); Galeren
    des Mittelalters (mit einem Auszug aus Fincati). Teil
    II: Eingehender ber dasselbe Thema; Angaben ber
    Takelung und Ausrstung.

  =Fincati=, Kontreadmiral: Triremi Veneziani. Roma 1881.       Fincati.

    Schiffe des spteren Mittelalters; ber Rudereinrichtung
    im Altertum (hiervon ein Auszug in Serre).

  Dr. =E. Heyk=: Genua und seine Marine im Zeitalter der
    Kreuzzge. Innsbruck 1886.

    ber die Schiffe zur Zeit der Kreuzzge, ihre Besatzung
    und Kampfweise.

  [1]=Jurien de la Gravire=: La marine des anciens, la
    bataille de Salamine et l'expdition de Sicile. Paris
    1886/87.

    Die Hauptschlachten der griechischen Zeit (auch z. B.
    karthagische Expeditionen nach Sicilien) mit
    vergleichenden Schlssen zu spteren Zeiten.

  [1]=Derselbe=: La marine des Ptolmes et des Romains.
    Paris 1885. 2 Bde.

    Die rmische Marine und ihre Haupttaten vom Punischen
    Kriege bis Aktium; einiges ber die Kaiserzeit und die
    gotischen Flotten.

  [1]=C. Manfroni=: Storia della Marina Italiana dalle
    invasioni barbariche al trattato di Ninfeo. Livorno
    1899.

    Die maritimen Verhltnisse im Mittelmeer 400-1261;
    Begebenheiten bei der Vlkerwanderung, zwischen den
    neuen Reichen, Araber und Normannen, Aufblhen der
    Stdte und ihre Kmpfe, Kreuzzge; ber Schiffe,
    Personal, Nautik, Taktik usw.

  =G. de Veer=: Prinz Heinrich der Seefahrer und seine Zeit.
    Danzig 1864.

    Kurz die Unternehmungen und Kriege Portugals zur See von
    1100 an; die Entdeckungen unter Prinz H. 1420-1460.

  =Th. Lindner=: Die deutsche Hansa. Leipzig 1899.             Lindner.

    Ihre Geschichte und Bedeutung; kurz ihre Kriege gegen
    Dnemark und Schweden.

  Dr. =A. Schaefer=: Die Hansa und die Norddeutsche Marine.    Schaefer.
    Bonn 1869.

    Grndung, Stellung und Kriege der Hansa. Von demselben
    Autor auch sptere Werke ber die Hansa.


                  2. Neuere Zeit bis 1740.

  =Dassi=: L'Architecture navale, contenant la manire de
    construire des navires, galres et chaloupes et la
    definition de plusieurs autre espces de vaisseaux.
    Paris 1677.

    Mit Plnen und Bildern; Erklrung technischer Ausdrcke;
    alte Segelanweisungen.

  =Jos. Furttenbach=: Architectura navalis. Ulm 1629.

    ber Galea, Bergantino, Fregatta, nave usw., alte
    Schiffstypen.

  [1]=Jurien de la Gravire=: Les marins du XV^e et du XVI^e   Jurien:
    sicle. Paris 1879. 2 Bde.                                Les marins
                                                                du XV.
    Ausdehnung der Schiffahrt im 15. und 16. Jahrh. Angaben
    ber Schiffbau, Nautik, Personal verschiedener Marinen;
    Die Grundlegung zu den modernen Marinen.

  [1]=C. Manfroni=: Storia della marina italiana dalla
    caduta di Constantinopoli alla battaglia di Lepanto.
    Roma 1897.

    Kurzer Rckblick auf das 13. Jahrh., dann Fortsetzung
    des vorigen Werkes (siehe Seite XXIV), Kriege der Stdte
    untereinander und gegen die Trken im 15. und 16.
    Jahrh.; Angaben ber das Seekriegswesen.

  =Jurien de la Gravire=: Doria et Barberousse. Paris 1886.

    Teil I: Ereignisse im Mittelmeer 1250-1500: Kampf der
    Stdte, Vordringen der Trken. Teil II: Franzosen und
    Spanier in Italien, Trken in Afrika (Kampf um die
    Herrschaft im Mittelmeer), reprsentiert durch Doria
    (Genua) und Barberousse (Herrscher in den Raubstaaten
    und trkischer Groadmiral).

  =Derselbe=: Les corsaires barbaresques et la marine de       Jurien:
    Soliman le Grand. Paris 1887.                              Trken.

    Blicke auf die Ereignisse im Mittelmeer um die Mitte des
    16. Jahrh.

  =Derselbe=: Les chevaliers de Malte et la marine de          Jurien:
    Philipp II. Paris 1887.                                     Malta.

    Ebenso, besonders die Belagerung Maltas durch die
    Trken.

  =Derselbe=: La guerre de Chypre et la bataille de Lepante.   Jurien:
    Paris 1888.                                                Lepanto.

    Ebenso, besonders die Schlacht bei Lepanto 1571.

  =M. Richer=: Vie d'Andre Doria, Gnral des Armes de
    Franois I ensuite de l'Empreur Charles-Quint. Paris
    1789.

    =J. Mitchell=: The history of the maritime wars of the
    Turks. Translated from the Turkish. London 1831.

  =J. P. Contarino=, verdeutscht von =G. v. Bartfeld=.
    Historie von dem Krieg, welchen der trkische Kaiser
    Selim II. wider die Venediger erzeugt hat. Basel 1623.

    Lepanto 1571 usw.

  =Jurien de la Gravire=: Les Anglais et les Hollandais
    dans les mers polaires et dans la mer des Indes. Paris
    1890. 2 Bde.

    Rivalitt beider Vlker auf dem Nordwege nach Indien,
    16. und 17. Jahrh. und in Ostindien.

  =Derselbe=: Les gueux de mer. Paris 1893. 2. Ed.             Jurien:
                                                               Geusen.
    Abfall der Niederlande bis 1573.

  =Derselbe=: Le sige de la Rochelle. Paris 1891.             Jurien:
                                                              Rochelle.
    Hugenottenkrieg 1628.

  =W. Stebbing=: Sir Walter Raleigh, a biography. Oxford
    1891.

    Die Zeit 1552-1618.

  =C. F. Duro=: La Armada invencible. Madrid 1884/85.

    Genaue Schilderung der Armada-Expedition, der Laird
    Clowes viele Briefe und Berichte wrtlich entnommen hat.

  =Sheltema=: De uitrusting en ondergang der
    onoverwinnelijke vloot.

    Eine Schilderung der Armada-Expedition, die de Jonge oft
    anzieht.

  =Julian S. Corbett=: Drake and the Tudor navy. With a
    History of the Rise of England as a maritime power.
    London 1898. 2 Bde.

  =Derselbe=: The successors of Drake. London 1900.

  =Robert Southey=: English Seamen. London 1904.

    Teil I: Howard, Clifford, Hawkins, Drake, Cavendish.
    Teil II: Hawkins, Greenville, Devereux, Raleigh.

  =J. W. v. Archenholz=: Die Geschichte der Flibustier.
    Tbingen 1803.

    Veranlassung des Entstehens der Republik der Flibustier
    im 17. Jahrh.; ihr Wesen usw.

  =H. Pyle=: The buccaneers and marooners of America. London
    1892.

    Taten berhmter Flibustier.

  =J. Bourney=: History of the buccaneers of America. London
    1891.
  =Les Flibustiers= au XVII sicle. Limoges 1884.

  Dr. =E. Baasch=: Hamburgs Konvoyschiffahrt und
    Konvoywesen. Ein Beitrag zur Geschichte der Schiffahrt
    im XVII. und XVIII. Jahrhundert. Hamburg 1896.

  =G. Brandt=[4]: Leben und Thaten des frtrefflichen und       Leben
    sonderbahren Seehelden Michael de Ruyter. Amsterdam        Ruyters.
    1687.

    Ursprnglich in hollndischer Sprache geschrieben, von
    den Shnen des Verfassers ins Deutsche (und ins
    Franzsische) bersetzt, gibt nicht nur die Biographie
    Ruyters sondern auch eine genaue Beschreibung der Kriege
    Hollands von 1652-1676 (Seitenangaben im Text beziehen
    sich auf diese deutsche Ausgabe).

  =La vie de Corneille Tromp=[4] (Verfasser nicht genannt).     Vie de
    Haag 1694.                                                  Tromp.

    Auch ursprnglich in hollndischer Sprache, ins
    Franzsische (darauf beziehen sich die im Text
    angezogenen Seitenzahlen) und auch ins Englische
    bersetzt. Neben der Biographie eine genaue Schilderung
    der hollndischen Kriege von 1652-1692.

  [4] Leben Ruyters und Vie de Tromp sind die wichtigsten alten
      Quellen ber die drei groen englisch-hollndischen Kriege. Aus
      ihnen haben die meisten spteren Schriftsteller geschpft;
      insbesondere soll Vie de Tromp einem wichtigen alten englischen
      Werke, Columna rostrata by Samuel Colliber, London 1783, als
      Hauptquelle gedient haben, das wiederum fr sptere englische
      Autoren die Grundlage gewesen ist. In beiden Werken finden wir auch
      die Beteiligung Hollands am schwedisch-polnischen Kriege 1655-1660
      und im Vie de Tromp am schwedisch-dnisch (brandenburgischen)
      Kriege 1675-1679.

  Dr. =O. Klopp=: Leben und Taten des Admirals de Ruiter.
    Hannover 1852.

    Von Laird Clowes fters angezogen.

  =H. Dixon=: Robert Blake, Admiral and General at sea.
    London 1852.

    Fhrer der englischen Flotte 1649-1657 (erster
    englisch-hollnd. Krieg).

  =G. Penn=: Memorials of the professional life and times of
    Sir William Penn. London 1833. 2 Bde.

    Englischer Admiral 1650-1670 (erster und zweiter
    englisch-hollndischer Krieg).

  =S. R. Gardiner=: Letters and papers relating to the First
    Dutch War (1652-1654). London 1899/1900. 2 Bde.

  =Chabaud-Arnault=, Revue maritime et coloniale, Jahrgang       Revue
    1885.                                                       maritime
                                                                   85.
    Im Teil II, Seite 497, und Teil III, Seite 74, Aufstze:
    Les batailles navales au milieu du XVII. sicle; Die
    Schlachten der drei englisch-hollndischen Kriege,
    kritisch bearbeitet nach den hier angefhrten Quellen,
    aber auch nach alten, erst krzlich aufgefundenen
    Urkunden.

  =A. Jal=: Abraham du Quesne et la marine de son temps.         Jal:
    Paris 1873.                                              du Quesne.

    Leben des Admirals und die Kriegsereignisse 1630-1688;
    Aktenauszge, Privatbriefe und Notizen ber Leben und
    Laufbahn anderer franzsischer Seeoffiziere gewhren
    Einblicke in die Verhltnisse der Marine.

  =J. Delarbre=: Tourville et la marine de son temps; notes,   Delarbre:
    lettres et documents 1642-1701. Paris 1889.               Tourville.

    Auch hierin lesenswerte Einblicke in die Verhltnisse
    der Marine, besonders wichtig fr den Krieg 1688-1697.

  =A. Badin=: Jean Bart. Paris 1887.

    Zeit 1672-1679.

  =Mmoires= de monsieur =Duguay Trouin= (1672-1736),
    lieutenant gnral des armes navales de France.
    Amsterdam 1740.

    Enthlt u. a. ein kurzes Verzeichnis technischer
    Ausdrcke und Angaben ber Anzahl der Offiziere und der
    verschiedenen Besatzungsteile auf den damaligen
    Schiffen.

  =Le Baron R. du Casse=: L'Admiral du Casse 1646-1715.
    Etude sur la France maritime et coloniale. Paris 1876.

  =Burchett=: Mmoires de tout ce, qui s'est pass sur mer,
    durant la guerre avec la France 1688-1697. Amsterdam
    1704.

    Aus dem Englischen bersetzt.

  =H. C. Garde=: Niels Juel. Kjbenhavn 1842.

  =J. C. Tuxen=: Niels Juel og Tordenskjold. Kjbenhavn
    1875.
  =Leben= des berhmten knigl. dnischen Vizeadmirals Herrn
    =Just v. Juels=, nebst einer Nachricht von dem
    Bombardement dreyer feindlicher Flotten gegen die
    dnische Flotte Anno 1700. Kopenhagen und Leipzig 1756.

  =A. Petersen=: Om Orlogsskibet Dannebrogs. Deeltagelse i
    Kampen i Kjge Bugt den 4. October 1710. Kjbenhavn
    1867.

  =C. A. G. Bridge=: History of the Russian Fleet during the    Bridge.
    reign of Peter the Great by a contemporary Englishman
    (1724). London 1899.

  =Sir G. S. Clarke=: Russia's Sea-Power past and present or
    the Rise of the Russian navy. London 1898.

    Zhlt kurz Rulands Engagements zur See auf.

  =O. Wesselajo=: Kurze Geschichte der russischen Flotte.
    St. Petersburg 1893/95.

    Zwei Bnde in russischer Sprache.

  Dr. =P. F. Stuhr=: Die Geschichte der See- und
    Kolonialmacht des Groen Kurfrsten. Berlin 1839.

  =B. E. K.=: Die Marine des Groen Kurfrsten Friedrich
    Wilhelm von Brandenburg und die erste deutsche
    Expedition nach Westafrika. Leipzig 1895.

  =Graf von Borcke=: Die brandenburg-preuische Marine und
    die Africanische Compagnie. Kln 1864.

  =Roeel=, Generalleutnant a. D.: Die erste
    brandenburgische Flotte im schwedisch-polnischen Kriege
    1658-1660. Berlin 1903.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]




                    Verzeichnis der Abbildungen.

                             Bildnisse.

                                                                    Seite
  =Michael de Ruyter.= Nach G. Brandt, Leben und Taten des
    frtrefflichen und sonderbaren Seehelden Michael de Ruyter
    (Holl.) Amsterdam 1687                                      Titelbild

  =Prinz Heinrich der Seefahrer.= Nach dem Miniaturgemlde in der
    1448-1453 entstandenen Handschrift Chronica do descobrimento e
    conquista de Guin etc. in der National-Bibliothek zu Paris.
    Nach Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. Berlin
    1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung                             28

  =Vasco de Gama.= Nach Ruge, Geschichte des Zeitalters der
    Entdeckungen. Berlin 1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung        59

  =Christofel Colonus= (Christoph Columbus). Nach einem Stich in
    einer alten Portrtsammlung der Knigl. Bibliothek zu Hannover     65

  =Ferdinand Magellanus.= Ebendaher                                    71

  =Francis Drake.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history
    from the earliest times to the present. Bd. I. London 1897.
    Sampson, Low, Marston & Co.                                        80

  =Lord Howard of Effingham.= Nach J. Campbell, Life of the British
    admirals and naval history of Great-Britain from the days of
    Casear to the present time. London 1873                           121

  =Robert Blake.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history
    from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897.
    Sampson, Low, Marston & Co.                                       200

  =Martin Tromp, der ltere.= Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van
    het Nederlandsche Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858                  201

  =Jacob van Wassenaer.= Ebendaher, Teil II                           241

  =Herzog von York.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A
    history from the earliest times to the present. Bd. II. London
    1897. Sampson, Low, Marston & Co.                                 264

  =Herzog von Albemarle= (=Monck=). Nach J. Campbell, Life of the
    British admirals and naval history of Great-Britain from the
    days of Caesar to the present time. London 1873                   274

  =Prinz Rupert= (Ruprecht von der Pfalz). Nach Wm. Laird Clowes,
    The Royal Navy. A history from the earliest times to the
    present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.         337

  =Cornelis Tromp.= Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het
    Nederlandsche Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858                      365

  =Abraham du Quesne.= Nach Girard Edelinck gezeichnet von Th. Gide.
    Nach A. Jal, Abraham du Quesne et la marine de son temps. Paris
    1873, Henry Plon                                                  377

 =Niels Juel.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from
    the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson,
    Low, Marston & Co.                                                398

  =Marschall de Tourville.= Nach Delarbre, Tourville et la marine de
    son temps; notes, lettres et documents 1642-1701. Paris 1889      432

  =Edward Russell= (Earl of Oxford, Viscount Barfleur). Nach Wm.
    Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times
    to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.  447

  =Jean Bart.= Nach L. Gurin, Histoire maritime de France.
    Teil III. Paris 1858. Dufour, Mulat et Boulanger                  470

  =John Leake.= Nach Fabers Mezzotinto-Bildnis nach dem Portrt von
    G. Kneller (1712) in Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history
    from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897.
    Sampson, Low, Marston & Co.                                       549

  =George Byng= (Viscount Forrington). Ebendaher Bd. III.             580


                     Abbildungen von Schiffen.

  =Segelschiff der ltesten Zeit mit halbem Winde.= Nach D. A.
    Breusing, Die Nautik der Alten. Bremen 1886. Verlag von Carl
    Schnemann                                                          8

  =Triere. Lngsschnitt, Teil des Lngsschnittes, Teil des
    Querschnittes.= Nach der Zeitschrift des Vereins deutscher
    Ingenieure, Berlin 1895. Selbstverlag des Vereins deutscher
    Ingenieure                                                         11

  =Kleines rmisches Kriegsschiff um etwa= 50 v. Chr. Nach L.
    Arenhold, Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom
    rmischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891.
    Lipsius und Tischer                                                16

  =Galere des= XVI. =Jahrhunderts=. Nach Jurien de la Gravire, Les
    Marins du XV. et du XVI. sicle. Paris 1879. Plon & Cie.           33

  =Wikingerschiff etwa= 1000 n. Chr. Nach L. Arenhold, Die
    historische Entwicklung der Schiffstypen vom rmischen
    Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius
    und Tischer                                                        34

  =Englisches Fahrzeug um etwa= 1190 (=Kreuzfahrer=). Ebendaher.       36

  =Hansa-Kogge um etwa= 1380. Ebendaher                                37

  =Hollndische Kogge des= XV. =Jahrhunderts=. Ebendaher               38

  =Karavelle des= XV. =Jahrhunderts=. Nach Jurien de la Gravire,
    Les Marins du XV. et du XVI. sicle. Paris 1879. Plon & Cie.       39

  =Galeon des= XV. =Jahrhunderts=. Ebendaher                           39

  =Englisches Kriegsschiff= =Henry Grace  Dieu=. Nach Wm. Laird
    Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the
    present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.          97

  =Englisches Kriegsschiff= =The Royal Prince=. Nach J. Charnock,
    A history of marine architecture. London 1800-1802                100

  =Englisches Kriegsschiff= =The Sovereign of the Seas=. Nach W.
    van der Velde. Ebendaher                                          101

  =Englisches Schlachtschiff= =The Speaker=. Nach Wm. Laird
    Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the
    present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.         164

  =Franzsisches Linienschiff= =Royal Louis=. Nach Arenhold, Die
    historische Entwicklung der Schiffstypen vom rmischen
    Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius
    und Tischer                                                       166

  =Geschtzaufstellung bei Drei- und Zweideckern.= Nach einer Skizze
    des Verfassers                                                    169

  =Englischer Dreidecker= =Royal Charles=. Nach Wm. Laird Clowes,
    The Royal Navy. A history from the earliest times to the
    present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.         172

  =Franzsischer Dreidecker= =Le Soleil Royal=. Ebendaher           172


                Schlachtplne und bersichtsskizzen.
                   (Nach Skizzen des Verfassers.)

  =Hafen von Cadiz= 1596                                              136

  =Gefecht bei Dover=, 29. Mai 1652                                   202

  =Schlacht bei Kentish Knock=, 8. Oktober 1652                       210

  =Schlacht bei Portland=, 28. Februar 1653. Erster Zusammensto      215

  =Schlacht bei Portland=, 28. Februar 1653. Hauptmoment              217

  =Schauplatz des ersten englisch-hollndischen Krieges= 1652-1654    233

  =Der= 11. =Juni der Viertageschlacht= 1666                          275

  =Der= 12. =Juni der Viertageschlacht= 1666                          278

  =Der= 14. =Juni der Viertageschlacht= 1666                          281

  =Ruyter im Medway=, 20.-23. Juni 1667                               293

  =Schauplatz des zweiten und dritten englisch-hollndischen
    Krieges=                                                          301

  =Schlacht bei Solebay=, 7. Juni 1672                                326

  =Schlacht bei Texel=, 21. August 1673                               346

  =Angriff auf Tabago=, 3. Mrz 1677                                  371

  =Schlacht bei Stromboli=, 8. Januar 1676                            378

  =Bombardement von Algier=, 1683     b                               405

  =Schlacht bei Beachy Head=, 10. Juli 1690                           437

  =Schlacht bei Kap Barfleur=, 29. Mai 1692                           451

  =Vigo=, 23. Oktober 1702                                            517

  =Bai von Gibraltar=                                                 526

                    *       *       *       *       *




                         Erster Abschnitt.

                     Altertum und Mittelalter.


[Illustration]

                          Erstes Kapitel.

                     Das Seewesen im Altertum.

                            Einleitung.

Im $Altertum$ hat sich das Seewesen zu einer hohen Blte entwickelt. Der
Seehandel verband alle Vlker am Mittelmeer auf das engste, die
Herrschaft auf ihm spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der
Staaten, und infolgedessen wurden auch Seekriege gefhrt, die von groer
Bedeutung waren. Der Bau von Kriegsschiffen -- Ruderschiffen -- erreichte
eine bemerkenswerte Hhe, stehende Marinen wurden geschaffen, in denen
die Ausbildung des Personals und die Taktik eine gewisse Vollendung
erlangten.

Im $Mittelalter$ tritt das Seekriegswesen gegen das Altertum zurck. Es
stand im allgemeinen nicht auf gleicher Hhe, Seekriege von solcher
Bedeutung wie dort sind im Mittelalter nicht gefhrt worden.

Zwischen dem Altertum und dem Mittelalter wurde die Entwicklung des
Seewesens durch die Vlkerwanderung gewaltsam unterbrochen; es mute sich
fast ganz von neuem ausbilden. Von dort an aber geht die Entwicklung
ununterbrochen weiter bis zur Gegenwart, und es tritt, besonders auch fr
die Kriegsschiffe, die Segelschiffahrt nach und nach in den Vordergrund.

In den letzten Jahrhunderten (dem 14. und 15.) dieses Zeitabschnittes
bereitet sich die Ausdehnung der Schiffahrt auf die Ozeane vor. Es
erscheinen die Vlker auf dem Meere, die seit der neueren Zeit als
Seemchte eine Rolle spielen; es wird schlielich gegen das Ende des
Mittelalters die Hauptwaffe der Gegenwart, die Artillerie, in grerem
Mae an Bord der Schiffe eingefhrt. So wird der Abschlu des
Mittelalters auch in Hinsicht auf das Seewesen ein Zeitpunkt von hchster
Bedeutung.

$Die Ausdehnung der Schiffahrt.$ Schon in der frhesten Zeit haben die
=Phnizier= den Grund zu einer umfangreichen Schiffahrt gelegt. Von etwa
1500 bis 1100 v. Chr. blhte ihr Handel unter der Fhrung der Stadt Sidon
im Ostmittelmeer, sie waren aber auch schon ins Westmittelmeer
vorgedrungen; von 1100 bis 800, zur Zeit der Vorherrschaft der Stadt
Tyros, beherrschten sie die Seefahrt im Westmittelmeer durch harte
Maregeln. Von etwa 1100 an wurden sie im Osten nach und nach von den
=Griechen= berflgelt, und als sie sich von 800 an, geschwcht durch
bestndige Kriege im Heimatlande, im Westmittelmeer nicht mehr halten
konnten, traten dort ihre Pflanzstdte, besonders =Karthago=, an ihre
Stelle. -- Aber auch ber das Mittelmeer hinaus erstreckte sich die
Seefahrt. Die Phnizier schon und spter ihre sowie griechische
Pflanzstdte im Westen befuhren die Ksten des Atlantik, nach Sden bis
zum Senegal und Gambia, wobei auch die Kanarischen Inseln entdeckt wurden
(Karthago), nach Norden bis zum Englischen Kanal. Im weiteren Verlauf
ging die Schiffahrt bis zum Norden Englands und in die Nordsee (der
Massilier Pytheas umsegelte bereits um die Mitte des 4. Jahrh. v. Chr.
Grobritannien).

Im Osten besuchten die =gypter= schon um 2100 v. Chr. die Ksten Afrikas
sdlich vom Roten Meere; dieser Verkehr, durch Verfall des Reichs
unterbrochen, wurde in der 18. Dynastie, etwa 1600 v. Chr., wieder
aufgenommen und spter durch Phnizier unter dem Schutz arabischer und
gyptischer Herrscher nach Osten bis Indien ausgedehnt; zur Ptolemerzeit
betrieben die griechischen Kaufleute gyptens regelmigen Seehandel nach
Indien, sie sind wahrscheinlich sogar im 1. Jahrh. n. Chr. bis zur
Mndung des Jangtsekjang vorgedrungen. Dieser Seeverkehr mit den Ksten
Asiens -- dem Indien des Altertums und Mittelalters -- ist bis in die
byzantinische Zeit aufrecht erhalten, der von den Ptolemern vollendete
Kanal zwischen dem Mittelmeere und dem Roten Meere war mindestens bis ins
6. Jahrh. n. Chr. in brauchbarem Zustande; erst die Eroberung gyptens
durch die Araber 640 n. Chr. brach die unmittelbare Seeverbindung der
Byzantiner und damit auch des Abendlandes mit Indien ab.

  Beim Ausgang des Altertums war den Kulturvlkern durch diesen
  Seeverkehr nach Norden und Osten, durch die Eroberungszge Alexanders
  und der Rmer und durch den uralten Landhandel ber Persien usw. in das
  Innere Asiens ein groer Teil der Alten Welt bekannt; freilich hatte
  man infolge der mangelhaften Ortsbestimmungen von vielen Lndern und
  Ksten, besonders im Osten, nur unklare geographische Vorstellungen.

$Die Nautik im Altertum.$[5] Die Schiffahrt war zunchst reine
Kstenfahrt, nur tiefe Buchten krzte man ab und wagte berfahrten nur,
wo eine Insel in absehbarer Ferne lag. Diese Kstenfahrt erforderte
umsichtige und tchtige Seeleute, um den Gefahren der Untiefen und des
Wetters beim Fahren auf Legerwall (d. h. Land gefahrdrohend in Lee)[6]
zu begegnen. Zeitig kam der Gebrauch des Lotes auf, das Bezeichnen von
Untiefen durch eingerammte Pfhle in eigenen oder oft besuchten und die
Verwendung von Eingeborenen als Lotsen in fremden Gewssern, ferner die
Benutzung von Landmarken, deren auch knstliche, z. B. Trme, auch
Leuchttrme vor den Hfen, errichtet wurden. Frhzeitig auch gab es
Segelanweisungen, welche die Entfernungen von Ort zu Ort, Beschreibungen
der Kste, Angaben ber Hfen, Rheden, Strandverhltnisse, Ankerpltze,
Ankergrund, Wasserversorgung u. dgl. enthielten.

  [5] Hauptquelle: Breusing, Nautik.

  [6] Lee (leewrts): die Seite, wohin der Wind blst, im Gegensatz von
      Luv (zu Luward), woher der Wind kommt.

Zum Landen lief man anfangs, auch wohl spter noch hufig, auf den Strand
und schleppte bei lngerem Aufenthalt die Fahrzeuge auf; wenn die Gre
und Belastung der Schiffe oder sonstige Verhltnisse, z. B.
Beschaffenheit des Strandes, Verhalten der Einwohner usw., solches
verboten, wurde geankert; zweifellos hat es in einzelnen Hfen bald
Bollwerke zum Festmachen gegeben; spter wurden, besonders fr
Kriegszwecke, knstlich geschtzte Hfen mit eingeteilten Bassins
(Docks), Magazinen, Arsenalen und Einrichtungen zum Trockenlegen der
Fahrzeuge gebaut.

Als man das ganze Mittelmeer kannte, sich vom Lande freizumachen verstand
und krzende weitere berfahrten wagte, bei denen das Land aus Sicht kam,
bestimmte man den Kurs nach dem Stand der Sonne und der Gestirne. Schon
die Phnizier benutzten den Polarstern und schtzten die Fahrt nach dem
Bugwasser und nach der Schnelligkeit des am Schiff vorbeiflieenden
Wassers, wie man es bei der Kstenfahrt zu beurteilen gelernt hatte. Da
keine genauen Stundenmesser vorhanden, wurde die Fahrt fr Tage
angegeben; um einen Begriff von der Leistungsfhigkeit der Schiffe zu
erhalten, sei erwhnt, da das Etmal (d. h. der Weg in 24 Stunden) im
Durchschnitt bei guten Schiffen zu 120 Seemeilen (1200 Stadien) angegeben
ist, es entspricht dies einer Fahrt von 5 Knoten fr die Stunde, auch
solche zu 7 Knoten werden aufgefhrt, doch der allgemeine Durchschnitt
ist nur 2 bis 3 Knoten. Diese Art der Besteckfhrung war natrlich sehr
ungenau und versagte ganz bei anhaltend trbem oder strmischem Wetter,
deshalb wurde die Schiffahrt im allgemeinen whrend der Wintermonate
geschlossen. Zur Untersttzung dieser ungenauen Besteckfhrung sammelte
man jedoch auch Erfahrungen, man nahm Tieflotungen mit Grundproben vor
wie jetzt, man beobachtete die Wasserfarbe bei Annherung an die Kste
namentlich vor groen Strmen usw. Durch die Fahrten im Atlantik lernte
man Ebbe und Flut und durch die nach Indien die Monsune kennen; die
Schiffe nach Indien fuhren im Sommer mit N.W.-Monsun vom Roten Meere ab
und kehrten, auch wenn sie dort im ersten Winter ihre Geschfte erledigt
hatten, erst im nchsten Herbst mit S.O.-Monsun von Indien zurck.

Die wissenschaftliche Nautik konnte aber erst grere Fortschritte
machen, als ihre Hilfswissenschaften, die messende Erd- und
Himmelskunde, zu einer gewissen Reife gelangt waren; auch hierzu ist im
Altertum der Grund gelegt. Thales (600 v. Chr.), Pythagoras (550),
Aristoteles (350) entwickelten die Theorie von der Kugelgestalt der Erde;
Eratosthenes (Alexandria 250), Posidonius (Rhodus 100) berechneten den
Erdumfang und Hipparch (Alexandria 150) berzog die Erdoberflche mit dem
Gradnetze von Meridianen und Breitenparallelen, dessen wir uns noch jetzt
bedienen. Letzterer drang darauf, die Lage der Orte nach Lnge und Breite
festzustellen, bestimmte selbst mehrere Polhhen und empfahl zur
Lngenbestimmung die genaue Beobachtung der Sonnen- und Mondfinsternisse.
Wenn es bis dahin nur mglich war, rohe Darstellungen der
Lndergestaltung und der Lage bekannter Orte nach ihrer ungefhren
Richtung und Entfernung voneinander herzustellen, so konnten jetzt
einigermaen richtige Karten angefertigt werden.

Aber erst Marinus (Tyrus 100 n. Chr.) entwarf Karten nach
wissenschaftlichen Grundstzen und einer ihm eigentmlichen Projektion.
Er zog Breitenparallele und Meridiane als gerade Linien aus, die sich
rechtwinklig schnitten. Der Kugelgestalt der Erde trug er dadurch
Rechnung, da er den Abstand der Meridiane voneinander so ordnete, wie es
dem Breitenparallel von 36 N. -- im Altertum als die Mittelbreite der
bewohnten Welt angesehen -- entsprach, und sammelte sorgfltig aus den
Tagebchern der Reisenden Angaben zur Berechnung der Lnge und Breite
vieler Orte. Er ist also der Schpfer der platten Karte.

Ptolemus (Alexandria 150 n. Chr.) berichtigte und erweiterte diese
Arbeit; an 8000 Orte sind in seinem geographischen Buche mit Lnge und
Breite verzeichnet, und 27 Karten sind ihm beigegeben; bei den
Spezialkarten hat er als Mittelbreite die des betreffenden Landes
angenommen; es sind dies die einzigen uns berlieferten Karten des
Altertums. Mit Ptolemus erreichte die messende Erd- und Himmelskunde fr
lange Zeit ihren Hhepunkt. Sein geographisches Werk hat leider whrend
des ganzen Mittelalters in Vergessenheit geruht; sein zweites,
astronomisches Werk (Almagest) aber, in dem er das nach ihm benannte
astronomische System, das erst nach anderthalb Jahrtausenden vom
Kopernikanischen verdrngt wurde, niederlegte, hat beim Wiederaufleben
der Wissenschaft im Mittelalter der Erdkunde die grten Dienste
geleistet.

Die praktische Navigation konnte jedoch im Altertum aus allen diesen
wissenschaftlichen Fortschritten noch keinen Nutzen ziehen, solange wegen
mangelnder Instrumente keine astronomischen Beobachtungen auf See (an
Land wurden die Breitenbestimmungen mit dem Gnomon, dem Schattenzeiger,
angestellt) gemacht werden konnten und man kein Mittel hatte, den Kurs
jederzeit mit Sicherheit zu bestimmen -- nmlich ohne Kompa; man blieb
auf ein nur ungenau geschtztes Besteck und somit auf Kstenfahrt
angewiesen.

  Es sei hier vorgreifend noch erwhnt, da im Altertum die Ausdehnung
  der Alten Welt von West nach Ost auf den bekannten Breiten -- also von
  Spanien bis China -- viel zu gro angenommen wurde infolge der
  ungenauen Lngenbestimmungen namentlich in Asien. Marinus nahm sie zu
  225, Ptolemus zu 180 an gegen etwa 130 in Wirklichkeit; die erstere
  Zahl hat wesentlich dazu beigetragen, Kolumbus zu seinem Plane zu
  ermutigen, die Ostkste Asiens auf dem Wege nach West zu erreichen.

                    *       *       *       *       *

$Die Schiffe im allgemeinen und die Handelsschiffe.$[7] Wie die
=Phnizier= das erste Volk gewesen sind, das seine Seefahrt ber das
ganze Mittelmeer ausdehnte, so waren sie auch grundlegend fr die
Entwicklung des Seewesens aller Vlker am Mittelmeer; auch die gypter,
die schon frh das Rote Meer usw. befuhren, bildeten ihr Seewesen nicht
weiter aus, sondern bedienten sich spter ebenfalls in diesen Gewssern
der Phnizier und dann der Griechen. Wenn auch wohl naturgem die
anderen Kstenvlker, ehe sie mit den Phniziern in Berhrung kamen, aufs
Wasser gegangen sind, so haben doch zweifellos die frhzeitiger technisch
entwickelten Fahrzeuge der letzten berall zur Ausbildung des Schiffbaues
den Ansto gegeben.

  [7] Hauptquellen: Breusing, Nautik; Movers.

Die =Griechen= haben sodann allerdings viel zur Entwicklung, besonders
der Kriegsschiffe, beigetragen, aber alle griechischen Schriftsteller von
Homer bis auf die sptesten stellen die Phnizier als Vorbild hin, was
deren Schiffe, seemnnische Umsicht, Genauigkeit und Erfahrung sowie ihre
nautischen Kenntnisse anbetrifft; noch Xenophon lobt die praktische
Einrichtung, die musterhafte Ordnung und Disziplin, die er auf
phnizischen Schiffen -- und zwar Handelsschiffen -- gesehen hat. Im
Westmittelmeer haben dann spter auch die phnizischen Pflanzstdte
(Karthago) im Verein mit den Griechen Siciliens die Entwicklung des
Seewesens beeinflut.

Die ersten Fortschritte im Schiffbau betrafen die =Handelsschiffe=. Aus
den einfachen offenen Booten zum Rudern und Segeln, mit denen die
Phnizier die ersten Fahrten an naher Kste und im gischen Meer
unternommen hatten, entwickelten sich gedeckte, grere Seeschiffe,
namentlich als man die Fahrten nach Spanien aufnahm. (Die Tharsisfahrten,
daher ist Tharsisschiffe bald die Bezeichnung fr alle greren
Seeschiffe.)

Diese Schiffe wurden tiefergehend, voller und somit seefhiger,
hochbordiger, breiter und seefester gebaut, sogenannte runde Schiffe im
Gegensatz zu den spter ausgebildeten langen Kriegsschiffen; bei ihnen
wurde die Menschenkraft an den Riemen (Rudern) als Hauptmotor zu teuer
und nahm zu viel Platz fort; so waren die greren in erster Linie zum
Segeln bestimmt und besaen nur einige Riemen, hauptschlich zum Ein- und
Auslaufen beim Besuch der Hfen; kleinere Handelsschiffe fr kurze
Kstenfahrt blieben wohl mehr Ruderfahrzeuge.

Die Takelage der Segelschiffe war whrend des ganzen Altertums sehr
einfach. Die Schiffe hatten anfangs und lange Zeit nur einen Mast mit
einem breiten, viereckigen Raasegel,[8] spter trat bei den greren
Schiffen ein zweiter Mast hinzu, ganz vorn im Schiff, stark
vornbergeneigt, mit losem (gewissermaen breitfockhnlich) Raasegel;
erst in der rmischen Kaiserzeit ist noch eine Art dreieckigen Toppsegels
ber dem Raasegel des Hauptmastes hinzugekommen. Gesteuert wurden die
Segelschiffe wie auch die Ruderschiffe mit zwei Riemen am Heck.

  [8] Die sogenannten lateinischen Segel des Mittelmeeres stammen erst
      aus dem Mittelalter.

Verbesserungen kleinerer Art werden nach und nach in der Takelage und im
Schiffbau stattgefunden haben, immerhin aber haben die Segelschiffe sich
wenig entwickelt und gestatteten, unvollkommen in Bau, Takelage und
Steuervorrichtung, keine grndliche Ausnutzung des Windes; man nimmt an,
da sie hchstens 8 Strich beim Winde (also mit halbem Winde) steuern
konnten, auch mssen Steuervorrichtung und Takelage bei strmischem
Wetter bald versagt haben.

[Illustration: Segelschiff der ltesten Zeit mit halbem Winde.]

Der Grund dieser geringen Entwicklung des Segelschiffbaues und der
Segelkunst ist wohl in den besonderen Verhltnissen des Mittelmeeres zu
suchen. Bei dem niedrigen Stande der Nautik mute die Schiffahrt mehr
oder weniger Kstenfahrt bleiben, und die begrenzten Gewsser des
Mittelmeeres mit ihren vielen Inseln und langvorgestreckten Halbinseln
erlaubten dies; die vielen Zufluchtsorte, die die Ksten boten, sowie die
im grten Teile des Jahres gnstigen Wetter- und Seeverhltnisse zwangen
nicht so dringend zur Erfindung von Verbesserungen, durch die langwierige
und beschwerliche Seereisen leichter zu berwinden gewesen wren; in der
schlechten Jahreszeit legte man die Schiffe ja schon aus navigatorischen
Grnden auf.

Was die Gre der Handelsschiffe anbetrifft, so kann man nach der Gre
der Kriegsschiffe, die uns besser bekannt ist, nach den Angaben ber
Ladung, Passagiere und Truppentransporte wohl annehmen, da solche von
100 bis 600 tons =Deplacement= gebruchlich waren; man findet aber auch
in spterer Zeit Angaben, die auf gelegentliche Verwendung (regelmige
Getreide- und Passagier-Fahrten, Transporter) weit grerer Schiffe, ja
bis zu 2000 tons, schlieen lassen.

Um endlich noch einen Begriff von der Strke alter Handelsflotten zu
geben, seien die Mitteilungen Herodots ber den Zug des Xerxes gegen
Griechenland erwhnt. Die Kriegsflotte bestand aus 1200 Trieren und 3000
kleineren Kriegsfahrzeugen, die meisten waren gerade fr diese Expedition
auergewhnlich stark bemannt. Da nun =Herodot= fr die begleitende
Transportflotte mindestens die gleiche Besatzung wie fr die
Kriegsschiffe annimmt, und da das einzelne Handelsschiff doch schwcher
bemannt gewesen sein wird als das einzelne Kriegsschiff, mu die Zahl der
Handelsschiffe eine ungeheuere gewesen sein; nach dem Verhltnis der
Trieren, von 1200 waren 300 phnizische, fllt mindestens ein Viertel der
Transporter allein auf die phnizischen Stdte des Mutterlandes.

                    *       *       *       *       *

$Die Kriegsschiffe der Phnizier und Griechen.$ Die Kriegsschiffe der
Alten waren Ruderschiffe, deren Bau eine hohe Blte erlangte. Ihr Typ hat
zu verschiedenen Malen groe grundstzliche nderungen erfahren.

Die =Phnizier= besaen anfangs keine eigentliche Kriegsflotte, da sie in
den ersten Zeiten ihrer Macht nicht mit seetchtigen Gegnern zu rechnen
hatten; die greren Handelsschiffe waren zu ihrem Schutz gegen Seeruber
und sich feindlich stellende Einwohner der besuchten Ksten gengend
bemannt und armiert. Sie hatten aber auch in ihrer Begleitung groe
flache Ruderboote, denn sie selbst waren wegen ihres Tiefgangs nicht
berall zur Kstenfahrt und zum Lschen und Laden der Waren geeignet;
diese strker bemannten Ruderfahrzeuge dienten gleichzeitig zur Bedeckung
und zur Ausfhrung von Gewaltstreichen: See- und Kstenraub. hnliche
Ruderschiffe waren auch wohl an den eigenen Ksten vorhanden, um die
Stdte gegen Seeruber zu schtzen.

Als nun aber die phnizischen Stdte vom 9. Jahrh. an in die
assyrisch-babylonischen und gyptischen Kriege verwickelt wurden und von
diesen Vlkern, die sich selbst eine Seemacht zu grnden bestrebt waren,
mittels der Ionier, Karier und schon unterworfenen Phnizier auch zur See
bedroht wurden, bedurften beide Parteien einer wirklichen Kriegsflotte,
und jetzt machte bei ihnen, im Verein mit den zu derselben Zeit
aufblhenden Seestaaten der Griechen, besonders den asiatischen Kolonien,
der =Kriegsschiffbau= schnelle Fortschritte.

Die erwhnten Ruderboote wurden im Vergleich zu den Kauffahrteischiffen
weniger tiefgehend, lnger, leichter, schlanker mit immer schneren
Wasserlinien gebaut; whrend die Frachtschiffe dreimal so lang als breit
waren, wird bei den Kriegsschiffen das Verhltnis mindestens das Doppelte
gewesen sein, wie man aus den Maen der griechischen Schiffsschuppen
schlieen kann; mit diesen Langschiffen erreichte man unter Riemen eine
groe Geschwindigkeit und Manvrierfhigkeit. Zunchst waren es offene,
niederbordige, leicht zu rudernde und leicht aufzuschleppende Fahrzeuge,
also groe Boote, aber schon mit einem Deck vorn und hinten, zum Kampf
und zur Unterkunft, versehen. Sie hatten eine Reihe Riemen auf jeder
Seite und wurden benannt nach der Anzahl der Rudermannschaften:
Eikosoren, Triakontoren, Pentekontoren. Die =Pentekontore=, den
Fnfzigruderer, nimmt Kontre-Admiral Serre an als ein Fahrzeug von 18 m
Lnge, 22 tons Deplacement, 13 Ruderbnken = 26 Riemen, an jedem Riemen 2
Mann (am Bugriemen nur 1 Mann), also: (24  2) + (2  1) = 50
Ruderer.[9] Sie fhrte am Bug einen Sporn ber Wasser. Diese
Einreihenschiffe, besonders die Pentekontoren, die zuerst von den
Phokern erbaut sein sollen, blieben auch bei spterer Vergrerung der
Schlachtschiffe stets als Schiffe fr Aufklrungs- und Nachrichtendienst
im Gebrauch.

  [9] Andere Forscher nehmen an: 25 Ruderbnke und nur 1 Mann am Riemen;
      die Fahrzeuge mten dann wohl lnger gewesen sein.

Mit zunehmender Gre der Fahrzeuge fgte man die Einrichtung fr eine
zweite und spter fr eine dritte Riemenreihe hinzu, so entstanden die
Dieren und Trieren. Letztere sollen zuerst um 700 v. Chr. von den
Korinthern erbaut sein, doch schreiben einige Forscher die Erfindung
sowohl der Trieren wie auch der Pentekontoren den Phniziern zu. Die
Triere war in den Perserkriegen und im Peloponnesischen Kriege das
Hauptschlachtschiff und erreichte im letzteren durch die Athener ihre
hchste Vollendung, was Leichtigkeit, Formenschnheit und somit
Schnelligkeit und Manvrierfhigkeit anbelangt.

Die =Trieren= waren anfangs auch nur vorn und hinten, spter jedoch ganz
gedeckt; die Takelage, sonst wie bei den Handelsschiffen der
entsprechenden Zeit, war nur eine Hilfstakelage fr den Marsch, zum
Gefecht wurde sie niedergelegt,[10] auch oft von Bord gegeben; die
Schiffe konnten leicht aufgeschleppt werden, hufig sind sie sogar kurze
Strecken ber Land transportiert oder auch zur Herstellung befestigter
Stellungen am Lande (Lager) benutzt.

  [10] Der kleinere vordere Mast blieb stehen, um von ihm schwere
       Gewichte (Delphine) auf das Deck des Feindes fallen zu lassen,
       auch diente sein leicht zu setzendes Segel zur Untersttzung der
       Ruderer besonders bei der Verfolgung oder der Flucht.

Nach Serre war die gebruchlichste attische Triere im 5. Jahrh. ein
Fahrzeug von 40 m Lnge ber Deck, 4,4 m grter Breite und 1,1 m
Tiefgang, 130 tons mit 200 Mann Besatzung. Sie hatte an jeder Seite und
in jeder Reihe 24 Riemen, also = 144 Riemen und ebensoviel Ruderer.
Andere Quellen geben die Triere etwas grer an bis zu 230 tons, 150
Ruderer, ganze Besatzung 220 Mann; doch hat es wohl auch grere und
kleinere gegeben, besonders in anderen Staaten. Der geringe Rest der
Besatzung nach Abzug der Ruderer enthielt die Offiziere, Matrosen und
Soldaten (Hopliten). Zur Zeit des Peloponnesischen Krieges war eben das
Schiff selbst, die schnelle und manvrierfhige Triere, die Hauptwaffe;
der Sporn befand sich eine Zeitlang unter Wasser, wurde aber spter aus
seemnnischen Grnden wieder ber Wasser gelegt.

[Illustration: Triere, Teil des Lngsschnittes.]

[Illustration: Triere. Teil des Querschnittes. Zeichnung der
Rudereinrichtung nach R. Haack.]

[Illustration: Triere, Lngsschnitt.]

  Die Bedeutung der Namen der Vielreiher, Trieren, Penteren usw. richtig
  zu lsen, hat seit langem die Forscher beschftigt. Die Schwierigkeit,
  festzustellen, wie die Ruderer, namentlich bei den Fnf- und noch
  hheren Ruder-Reihern, bereinandergesessen haben, hat zu der Annahme
  anderer Anordnung der Riemen als gerade in parallelen Reihen
  bereinander gefhrt, um den betreffenden Namen zu erklren: Eine der
  Namenszahl entsprechende Anzahl von Gruppen der Riemen an verschiedenen
  Stellen des Schiffes in gleicher Hhenlage, in verschiedener Hhenlage,
  aber nicht bereinander, und Kombinationen davon mit teilweiser Lage
  von Reihen bereinander. Seemnnisch erfahrene Forscher heben aber
  auerdem die Schwierigkeit, ja teilweise Unmglichkeit, mit verschieden
  langen Riemen bereinander in gleichem Takt zu rudern und ihre Kraft
  gleichmig auszunutzen, hervor.

  Es darf wohl als bewiesen angesehen werden, da die Vielreiher mehrere
  Einrichtungen zum Gebrauch der Riemen bereinander gehabt haben, aber
  nicht mit dem Zweck, sie gleichzeitig zu bentzen; man wollte sich
  vielmehr mit ihnen verschiedenen Verhltnissen anpassen knnen.

  Nach Breusing hatte die Triere fr einen jeden Riemen jeder der drei
  Reihen einen Ruderer, es wurde aber stets nur eine Reihe bemannt, den
  Verhltnissen entsprechend, d. h. je nach dem Seegang, oder der
  Geschwindigkeit, die man erzielen wollte: bei ganz glattem Wasser oder
  bei wenig Eile die unterste Reihe mit den kurzen, leicht zu bedienenden
  Riemen; bei etwas Seegang, wenn die Riemen und vor allem auch die
  ffnungen fr sie in der Schiffsseite zu nahe ber Wasser kamen, die
  hher liegende zweite Reihe; bei viel Seegang oder wenn die hchste
  Fahrt erwnscht war, also stets im Gefecht, die oberste Reihe mit den
  lngsten Riemen. Bei den Penteren glaubte man sich durch Einfhrung von
  noch mehr Reihen den Verhltnissen noch besser anschlieen zu knnen.

  Serre's Ansicht ist fast dieselbe, doch lt er die unterste
  Riemenreihe von einem, die zweite von zwei und die oberste von drei
  Mann an jedem Riemen bedient werden. Bei den Penteren nimmt er auch nur
  drei Riemenreihen an und bezieht den Namen darauf, da zur Bedienung
  der obersten Reihe fnf Mann am Riemen verwendet seien; ebenso bei noch
  hheren Riemenreihen, hier gibt er aber zu, da mehrere Reihen
  gleichzeitig benutzt seien, da es infolge der Gre der Schiffe mglich
  gewesen sei, aber nie ber drei Reihen.

  Die Hypothesen Breusings und Serres sind auch insofern bemerkenswert,
  als durch sie andere, sonst zweifelhafte Punkte befriedigende Antwort
  erhalten. So ist bei ihnen eine regelmige Ablsung der Ruderer auf
  lngeren Fahrten mglich, die sonst bei gleichzeitigem Gebrauch aller
  Riemen ausgeschlossen wre, und es ist zu erklren, namentlich nach
  Breusing, da Staaten imstande waren, so viele Trieren zu bemannen, wie
  es in einzelnen Fllen angegeben wird; wenn man in der Nhe der eigenen
  Kste focht, konnte man von Ablsung ganz oder teilweise absehen und
  brauchte nicht den vollen Etat der Ruderer einzuschiffen. Alte Reliefs
  zeigen zwar Schiffe mit drei Ruderreihen im Gebrauch, es ist aber
  mglich, da man diese hierdurch nur als Dreireiher kennzeichnen
  wollte, oder da zur Parade alle Riemen ausgelegt wurden.[11]

  [11] Hauptquellen: Breusing, Trierenrtsel; Serre mit dem Auszuge
       Fincatis, der annimmt, da die Vielreiher des Altertums vielleicht
       die gleiche Rudereinrichtung gehabt haben wie die spteren Galeren
        zenzile (vgl. Mittelalter Seite 32); Arenhold, der sich Breusing
       anschliet; L. Mller; du Sein, Teil 1, Kapitel 1. Die beiden
       letztgenannten Verfasser geben eine Zusammenstellung der
       verschiedenen sonstigen Annahmen ber die Rudereinrichtung der
       Trieren sowie vieler Quellen darber. Die vielen verschiedenen
       Ansichten zeigen, wie wenig wir von den Schiffen des Altertums
       wissen; vollstndige Beschreibungen sind nicht berliefert, und
       den knstlerischen Darstellungen ist nicht unbedingt zu trauen.

Mit Beginn des 4. Jahrh. fing man an, die Schiffsseiten gegen den
Rammsto zu verstrken, ferner fhrte man die nach dem Peloponnesischen
Kriege erfundenen Wurfmaschinen (Katapulte: groe Bogen, die Lanzen,
Pfeilbndel, Balken schossen; Ballisten: Vorrichtungen, die mit
Hebelkraft schwere Gewichte warfen) auch nach und nach an Bord ein, es
muten jetzt die Decks sowohl behufs deren Aufstellung als auch zum
Schutz gegen ihre Projektile verstrkt werden. Die Schiffe wurden grer
und schwerer; man schritt zum Bau von Tetreren und =Penteren=; letztere
ist wahrscheinlich zuerst in Syrakus, wo auch die Konstruktion der
Wurfmaschinen besonders ausgebildet wurde, etwas nach 400 v. Chr. erbaut;
jetzt wird die Pentere das Hauptschlachtschiff.

Nach Serre war die Pentere ein Schiff von 300 tons, 50 m Lnge, 6,2 m
Breite, 1,5 m Tiefgang mit 400 bis 500 Mann Besatzung, darunter 300
Ruderer fr 60 Riemen in jeder Reihe. Andere Angaben sagen 550 tons, 168'
lang. 26' breit 13 bis 14' tiefgehend; sie mgen auch spter grer
geworden bzw. verschieden gro gewesen sein; auch die Besatzungsangaben
schwanken, doch mehr was die Nichtruderer anbetrifft, die Anzahl der
einzuschiffenden Soldaten war aber wohl berhaupt nicht unbedingt
festgestellt. Die Pentere war nicht so handlich und schnell wie die
attische Triere, so bleibt denn auch, abgesehen von der Einfhrung der
Wurfmaschinen, der Sporn nicht mehr allein Hauptwaffe wie bei dieser, und
wir sehen die Zahl der Kmpfer an Bord bedeutend gewachsen.

Zu noch hheren Ruderreihern sind die Griechen wahrscheinlich nicht
gegangen; in gypten aber, wo unter den Ptolemern das Seewesen sehr
gepflegt wurde, sind im 3. Jahrh. Vielreiher bis zu Okteren und Dekeren
(nach Serre 800 tons, 840 Mann, 560 Ruderer bzw. 1000 tons, 1080 Mann,
worunter 800 Ruderer) gebaut; noch grere Schiffe, die erwhnt werden,
waren wohl nur unpraktische Luxusbauten, auch die Okteren verschwanden
wieder.

Die greren Schiffe waren aber sehr unbeholfen, weil sie allmhlich mit
Schutz- und Trutzwaffen berlastet wurden; denn die Wurfmaschinen und
ihre Projektile, die man anfangs nur gegen Menschen verwendete, wurden
immer schwerer, weil sie spter auch zum Durchschlagen der Decks und
Schiffswandungen bestimmt waren. Bei ihrem verstrkten Bau reichten auch
Menschen als Triebkraft nicht mehr aus, den Gegner mit dem Sporn zu
durchstoen. So waren aus der Triere mit hchstem Offensivzweck Schiffe
mehr defensiven Charakters geworden.

$Die Kriegsschiffe zur rmischen Zeit.$[12] Phnizier und Griechen sind
auch auf die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im Westmittelmeer von
Einflu gewesen. Die =Karthager= und sonstigen phnizischen Pflanzstdte
haben die Errungenschaften des Seewesens von Phnizien mitgebracht, und
bei ihrer stndigen Verbindung mit dem Mutterlande und mit den
griechischen Stdten Siciliens und Unteritaliens sind sie natrlich auch
in betreff der spteren Vervollkommnungen und Vernderungen auf diesem
Gebiet im Ostmittelmeer auf dem laufenden geblieben, ebenso die
ebenerwhnten griechischen Kolonien; beide haben die Wandlungen
mitgemacht, wenn auch vielleicht mit kleinen Abweichungen, wie auch in
Griechenland die Schiffstypen, Trieren z. B., nicht immer in allen
Staaten ganz gleich gewesen sind. Es ist wahrscheinlich, da die
Karthager ihre Trieren nicht so schnell, so formvollendet gebaut haben
wie die Griechen im Laufe des 5. Jahrh., sondern mehr auf grere
Seetchtigkeit und greres Fassungsvermgen Gewicht gelegt haben. Zur
Zeit des hchsten Standes der attischen Triere wurde den Karthagern die
Seeherrschaft in ihrem Bereich von keinem ebenbrtigen Nebenbuhler
streitig gemacht, seefhigere Fahrzeuge waren dort aber erwnschter,
namentlich bei den Expeditionen auerhalb des Mittelmeeres.

  [12] Die Angaben ber Karthager nach Meltzer; im brigen die auf S. 12
       angegebenen Quellen.

Von Syrakus nahmen die Punier frhzeitig die Penteren an, einen
Schiffstyp, den der Tyrann dieser Stadt (Dionysius I.) gerade gegen sie
selbst um 400 zuerst erbaut hatte. Auch bei ihnen wird die Pentere im 4.
und 3. Jahrh. das Hauptschlachtschiff, wie aus den Angaben ber die
Zusammensetzung karthagischer Flotten hervorgeht. Zum Bau noch hherer
Reihenschiffe zu schreiten, hat auch sie ihr seemnnisch-praktischer Sinn
gehindert; das Flaggschiff bei Mylae, eine Heptere, wird ausdrcklich als
vorher dem Knig Pyrrhus abgenommen erwhnt. Die Karthager widmeten ihrer
Flotte groe Sorgfalt, die Bemannung scheint sich im Gegensatz zum
Landheere stets der Hauptsache nach aus Stadt-Karthagern ergnzt zu
haben, namentlich die Chargen und die Kmpfer.

Die =Rmer= hatten whrend der ersten Jahrhunderte ihres Bestehens keine
nennenswerte Kriegsflotte, sondern nur kleinere Fahrzeuge fr den
Kstendienst; die Unterwerfung Italiens vollzog sich ganz durch
Landkriege. Als der Zusammensto mit Karthago sie zwang, eine Flotte zu
schaffen, standen ihnen der Hauptsache nach nur die Schiffe der
sditalienischen Bundesgenossen zur Verfgung, auch nur solche bis zur
Gre der Trieren. Sie bauten deshalb nach dem Muster einer gestrandeten
punischen Pentere die ersten Schiffe dieser Art. Da sie diesen Typ nicht
von ihren Bundesgenossen, den Syrakusern, entlehnten, mu politische
Grnde gehabt haben, vielleicht wichen auch die punischen[13] Penteren
etwas von den griechischen ab, und man wollte dem Feinde mit gleichen
Waffen entgegentreten.

  [13] Serre nimmt die punische Quinquereme zur Zeit des ersten Punischen
       Krieges als einen rein karthagischen Typ an: zu 50 tons, 70 Mann,
       40 Ruderern, also Fahrzeuge von sehr geringen Abmessungen. Es
       widerspricht dies allen anderen Angaben. Auerdem sagen die
       Verfasser von Spezialgeschichtswerken unabhngig voneinander, da
       die Pentere von Syrakus nach Griechenland und von Syrakus nach
       Karthago zur Vergrerung des bis dahin dort blichen Schiffstyps
       gekommen sei, was doch auf gleiche Penteren und auf gleiche
       vorherige kleinere Schiffe im Ost- und Westmittelmeer schlieen
       lt.

Aber unerfahren auf dem neuen Gebiet, war man dem Feinde in der Fhrung
der Schiffe nicht gewachsen und unterlag der Taktik des seegewandten
Gegners, nmlich der Ausnutzung des Manvrierens zum Riemenzerbrechen
und Rammen. Um diese Schwche auszugleichen, erfanden die Rmer die
Enterbrcke (manus genannt, vulg. corvus). Es war dies eine im Bug
aufgestellte, drehbare Fallbrcke, die nach vorn und den Seiten fallen
gelassen werden konnte, mit einem schweren, eisernen Haken in das Deck
des sich nhernden feindlichen Schiffes einschlug und dies festhielt;
ber die Brcke hin strmten die Legionre. Wenn die Pentere (Quinquereme
der Rmer) bis dahin ungefhr dieselbe Besatzung gehabt hatte wie bei den
Griechen, so erhhten die Rmer zu dieser neuen Kampfweise die Zahl der
Soldaten bedeutend, nmlich auf 120 Mann Schwerbewaffnete. Diesem Vorgang
wurde auch dort gefolgt, wo man die Enterbrcke nicht einfhrte; somit
trat der Enterkampf in den Vordergrund.

Mit der weiteren Ausbreitung der Weltherrschaft der Rmer ist dann wohl
die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im ganzen Mittelmeer dieselbe
gewesen. Wie schon (Seite 12) gesagt, bildeten sich die Schiffe im
allgemeinen in der Hinsicht weiter aus, da Schutz- und Ferntrutzwaffen
stetig verstrkt wurden. Der Fernkampf gewinnt an Bedeutung.

  Der Schutz der Schiffsseiten wurde immer mchtiger, die Schiffe wurden
  behufs berhhung und Erschwerung des Enterns hochbordiger. Man
  schtzte die Kmpfer und die Wurfmaschinen durch Brustwehren und Trme,
  vorn und hinten sowie an den Seiten auf Deck erbaut. Die Wurfmaschinen
  wurden vergrert und vermehrt, neben Pfeilen und Lanzen gegen Leute
  sowie Balken und schweren Gewichten zum Durchschlagen der Schiffsseiten
  und Decks auch Brandprojektile eingefhrt. Zum Heranholen des
  feindlichen Schiffes schleuderte man auch Enterdraggen, mit Leinen
  versehen, aus den Maschinen (harpax).[14]

  [14] Draggen, ein kleiner Anker mit 3 oder 4 Armen zum Greifen.

Ganz stetig war diese Richtung in ihrer Entwicklung jedoch nicht. Als die
Rmer nach dem Falle Karthagos (146 v. Chr.) die Seeherrschaft
unbestritten errungen hatten, vernachlssigten sie die Marine. Bei der
durch Pompejus (67 v. Chr.) zur Ausrottung der Seeruber neu ausgebauten
Flotte wurde dem Zweck entsprechend wieder mehr auf Schnelligkeit der
Schiffe gegeben; sie waren kleiner.

  Auch Csar baute gegen die Veneter in der Bretagne eine besondere Art
  von Schiffen. Wenn sie auch kleine Trme hatten, so scheinen sie doch
  hnlich den alten Pentekontoren gewesen zu sein; niedrig ber Wasser,
  die Schiffe der Veneter berhhten sie. Sie knnen nur klein gewesen
  sein, denn bei der Landung in Britannien liefen sie auf den Strand, um
  mit ihren Wurfmaschinen die Ausschiffung zu decken.

Gegen diese Flotte, die spter der pompejanischen Partei diente, baute
Oktavian sehr schwere Schiffe, solche, wie sie vorhin in ihrer hchsten
Vollendung geschildert sind; diese wurden dann auch im Osten der
Haupttyp. Wahrscheinlich waren es Penteren, jedoch baute Kleopatra auch
wieder Okteren und Dekeren. Aber schon wenige Jahre spter ist Agrippa
(der Feldherr Oktavians) im Besitz ganz anderer Schiffe, der =Liburnen=,
die er bei einem Seerubervolk an der illyrischen Kste kennen gelernt
hatte. Es waren leichtere, kleinere, sehr bewegliche Schiffe -- nicht so
schnell wie die attische Triere, aber segel- und seefhiger als diese --
mit starker Besatzung und namentlich mit Brandprojektilen ausgerstet;
mit ihnen schlgt Agrippa bei Aktium (31 v. Chr.) die Kolosse des
Antonius.

  Die Liburnen waren nach einigen Ansichten Zwei- hchstens Dreireiher,
  nach anderen sogar nur Einreiher mit einem Mann am Riemen. Nach
  letzterer Annahme (Admiral Fincati) haben sich aus ihnen schon im
  Altertum die Ruderboote  zenzile entwickelt, die wir im Mittelalter
  bei den italienischen Staaten wiederfinden; bei solchen wurden bei
  schrg eingebauten Ruderbnken mehrere Riemen von einer Bank aus
  bedient. Serre rekonstruiert danach die Liburnen der spteren
  Kaiserzeit: Lnge 31 m; Breite 4,4 m; Tiefgang 1,3 m; Deplacement 80
  tons; Besatzung 120 Mann; 84 Ruderer auf 14 Ruderbnken, 42 Riemen an
  jeder Seite.

[Illustration: Kleines rmisches Kriegsschiff um etwa 50 v. Chr.]

Nach Aktium verschwinden die groen Schiffe. Zur rmischen Kaiserzeit
bestand die Flotte nur aus Trieren und Liburnen, da der Marine nur noch
Nebenaufgaben zufielen (vgl. Seite 21), besonders die Liburnen waren zur
Ausbung der Seepolizei geeignet; bis zum Untergange des westrmischen
Reiches ist sonst keine wichtige nderung im Schiffbau zu verzeichnen.

Erwhnt sei noch, da bei den Rmern der Dienst in der Flotte nie dem im
Heere an Ansehen gleichgestellt war. Die =Mannschaft=, seit dem zweiten
Punischen Kriege besondere Seesoldaten, war stets die schlechtest
besoldete und wenigst geachtete; bis zur spteren Kaiserzeit gab es keine
eigene Laufbahn fr die hheren Offizierstellen, erst Claudius hat die
Marine militrisch organisiert.

  Vorstehender kurzer Abri gibt die Erklrung fr den hufigen
  auffallenden Wechsel der Schiffstypen bei den Rmern. Bis zur
  Kaiserzeit bauten sie, im allgemeinen dem Seewesen fremd
  gegenberstehend, ihre Flotte immer nur aus, wenn sie ihrer bedurften,
  und dann dem augenblicklichen Zwecke entsprechend.

$Die Seekriege des Altertums.$[15] Entsprechend der Lage der Vlker am
Mittelmeer zueinander spielte bei ihren Kriegen auch die Kriegfhrung zur
See eine groe Rolle.

  [15] Es ist eine reiche Literatur ber die Seekriege im Altertum
       vorhanden vom Vater der Geschichte Herodot (Perserkrieg) an ber
       Tukydides (Peloponnesischer Krieg) bis in die neueste Zeit. Von
       neueren Schriftstellern seien hervorgehoben: Jurien de la Gravire
       mit verschiedenen Werken (vgl. Quellenverzeichnis), und du Sein,
       die eine reiche Quellenangabe der klassischen Autoren enthalten;
       v. Henk gibt die Beschreibung der Hauptereignisse. ber Karthago
       auch Meltzer.

Die =Phnizier= haben zwar eigentlich als selbstndiges Volk militrisch
nie die See beherrscht. Als ihr Handel und ihre Grndung von
Niederlassungen in der Hauptblte standen, hatten sie keine Nebenbuhler
zur See; im Osten sind sie dann von den Griechen hauptschlich durch
friedlichen Wettbewerb verdrngt; im Westen nahmen in hnlicher Weise die
eigenen Pflanzstdte (Karthago) ihre Stelle ein, als das Mutterland
infolge innerer Wirren und uerer Kriege diese nicht mehr halten konnte.
So fallen in die ltesten Zeiten nur Raubzge zur See und
Vlkerbewegungen, die auch zur See untersttzt wurden.

Aber mit den assyrisch-babylonisch-gyptischen Kriegen, deren Kampfobjekt
nicht zum geringsten Teil gerade Phnizien war, indem alle aufblhenden
Staaten des Orients dieses reiche und seemchtige Land in ihre Gewalt zu
bekommen und sich mit ihm und den sonstigen kleinasiatischen
Kstenlndern, Karien und Ionien, selbst eine Seemacht zu grnden
strebten, beginnt die regelrechte Kriegfhrung zur See. Jetzt beginnt die
Entwicklung des Seekriegswesens. Flotten beteiligen sich in den genannten
Kriegen an den Heereszgen lngs der Kste besonders zur Eroberung von
Kstenstdten und Inseln und spielen auch gleichzeitig eine Rolle in den
Fehden der griechischen Staaten und Kolonien. Hier sei nur auf die
wichtigsten Kriege und Schlachten hingewiesen.

Bei den Ereignissen, die uns genauer berliefert sind, treten
Seestreitkrfte zum ersten Male mit besonderer Wichtigkeit hervor, als
die Flotte der ionischen Stdte der gescheiterten Expedition des =Darius
gegen die Skythen= (513 v. Chr.) den Rckzug ber die untere Donau
sichert; als die erste, in ihren Einzelheiten bekannte Seeschlacht gilt
die Schlacht bei der Insel =Lade= (vor Milet, 494 v. Chr.), in der die
phnizische Flotte im Dienst der Perser die der ionischen Stdte schlgt.
Durch sie wird die vllige Unterwerfung der Stdte nach ihrem Aufstande
gegen die persische Oberherrschaft besiegelt. Diese Schlacht ist noch
insofern bemerkenswert, als hier zum ersten Male von der damals blichen
Kampfweise und Taktik berichtet sowie hervorgehoben wird, da ein
genialer Fhrer es versucht, die schwchere ionische Flotte durch bungen
dem berlegenen Feinde gewachsen zu machen.

Bekannt ist die Mitwirkung und Wichtigkeit der Flotten in den
=Perserkriegen=. Wenn der erste Zug der Perser unter =Mardonius= (493 v.
Chr.) an den Grenzen Griechenlands zum Stillstande kam, so hat der
Verlust eines groen Teils der Flotte durch hhere Gewalt nicht wenig
dazu beigetragen; das Landheer war in hohem Mae auf die Untersttzung
der Flotte angewiesen, auch besonders was Zufuhren anbetraf. Der zweite
Zug des Darius unter =Datis= und =Artaphernes= (490 v. Chr.) war ganz auf
die Flotte gegrndet. Da es den Persern gelang, vllig unbehindert bis
Euba zu kommen und dort zu landen, ist nur der Uneinigkeit der Griechen,
ihrer Schwche zur See und vielleicht noch mehr ihrem Mangel an Vertrauen
auf ihre schwachen Seestreitkrfte gegenber dem bermchtigen Feinde
zuzuschreiben; dieser teilweise Erfolg der Perser gab aber den Anla zur
Verstrkung und Vervollkommnung der griechischen Flotten namentlich in
Athen.

Der groe Heereszug des =Xerxes= (480 v. Chr.), zwar fr den Marsch des
Landheeres durch Anlage fester Sttzpunkte und Verpflegungsstationen gut
vorbereitet, war wieder auf die Mitwirkung einer groen Flotte aufgebaut,
indem diese die rckwrtigen Verbindungen aufrecht erhalten und die
Offensive untersttzen sollte. Bei energischerer und richtigerer
Verwendung der Flotte htte der Kriegszug wohl einen gnstigeren Verlauf
genommen. Mit ganzer Kraft hatten die Perser schon bei Artemisium die
Vernichtung der griechischen Flotte anstreben und spter durch Einmarsch
in den Peloponnes die Griechen aus der gnstigen Stellung bei Salamis
herausziehen und zur Schlacht im offenen Wasser zwingen mssen. Die
Gefechte bei =Artemisium= und die Schlacht bei =Salamis=, jene die
Feuertaufe der griechischen Flotten, diese die den Krieg entscheidende
Schlacht, sind auerdem von hoher Bedeutung, da sie die berlegenheit
schnellerer und beweglicherer Schiffe und den Wert genialer Fhrer durch
Wahl geeigneter taktischer Formationen und gnstiger Aufstellung einem
sonst berlegenen Feinde gegenber zeigen.

Die weiteren Perserkriege (479 bis 449 v. Chr.), in denen die Griechen
angriffsweise vorgehen und ihre Stammesgenossen auf den Inseln und an den
Gestaden Asiens von der Oberhoheit Persiens befreien, wurden naturgem
auf See und ber See gefhrt. In diesen und den sie unterbrechenden
Fehden der griechischen Staaten untereinander gewann =Athen= als Vorort
des Seebundes der meisten Ksten- und Inselstdte des gischen Meeres
die Hegemonie zur See in Griechenland und berhaupt eine auerordentliche
Macht im Verhltnis zu der Gre des Landes. Die Entwicklung Athens in
dieser Hinsicht ist sehr lehrreich. Der Schpfer der athenischen Flotte,
der weitsehende =Themistokles=, hatte trotz der Erfolge der Perser unter
Datis und Artaphernes schwer zu kmpfen, seine Plne zu verwirklichen, da
sonst einsichtige Mnner das Heil des Landes nur in den Lanzen der
Hopliten sahen, die bis dahin und so auch bei Marathon alles entschieden
hatten; auch war es anfangs schwer, das Volk zu einer Weltpolitik zu
begeistern. Als Athen sich nachher berall Sttzpunkte fr maritime
Unternehmungen und fr den Handel errungen hatte, war sein Einflu auf
die Politik aller Staaten des Ostmittelmeeres ein ungeheuerer; wir haben
fr alle diese Verhltnisse Analogien in der Jetztzeit.

Von hchster Bedeutung fr die Seekriegsgeschichte ist aber die grte
innere Fehde der Griechen, der Kampf Athens und Spartas um die Hegemonie,
in den die gesamte griechische Welt verwickelt war, der =Peloponnesische
Krieg= (431 bis 404 v. Chr.). In diesem Kriege fllt die Entscheidung in
erster Linie dem Seekriege zu, man kann wohl sagen, da in ihm
Seekriegswesen und Seekriegfhrung ihren hchsten Stand im Altertum
erreichen. Mit Hilfe der Flotten, groer Expeditionen (z. B. Athens
Unternehmung gegen Syrakus 415 bis 413 v. Chr.) wird der Krieg auf
verschiedenen weit auseinanderliegenden Kriegstheatern gefhrt; viele
Gefechte zeigen den Wert einer ausgebildeten Taktik der Flotten und der
Gte und Schulung des Einzelschiffs. (Das Schiff selbst ist Hauptwaffe.)

In den weiteren inneren und ueren Kriegen der Griechen whrend des 4.
Jahrh. und der makedonischen Zeit bis zur Herrschaft der Rmer ber die
griechische Welt wird die erreichte Hhe nicht gehalten, wenn auch die
Flotten immer eine wichtige Rolle spielen und einzelne grere
Unternehmungen vorkommen.

Im =Westmittelmeer= beginnen die Seekriege fr genaue Betrachtung gerade
zu der Zeit wertvoll zu werden, zu welcher sie im Ostmittelmeer hierfr
an Interesse verlieren, etwa von 400 v. Chr. an.

Zwar wird die =karthagische Flotte= von der Zeit an, in der Karthago im
Westen an die Stelle des Mutterlandes trat und die phnizischen Kolonien
zusammenfate (etwa 600 v. Chr.), schon eine Rolle gespielt haben zur
Erringung und Erhaltung der Handelsherrschaft, zur Bekmpfung
griechischer Pflanzstdte im Westen und vor allem in den Kmpfen gegen
das Vordringen der Griechen auf Sicilien; aber genauere Aufzeichnungen
ber Strke und Verwendung der karthagischen Flotten finden wir erst fr
die Kmpfe mit Syrakus (480, 405, 310 v. Chr.) und mit dem, von dieser
Stadt zur Hilfe gerufenen Knig Pyrrhus von Epirus (278 v. Chr.). (Aus
den Kriegen mit Syrakus um 400 v. Chr. stammen die Penteren in der
punischen Flotte.)

Beim Zusammensto der Karthager mit den Rmern tritt die bemerkenswerte
Erscheinung auf, da eine Landmacht, eigentlich dem Seewesen abgeneigt,
gezwungen wird, zur Seemacht zu werden. Als =Rom= eine gebietende Macht
in Italien geworden war, mute es in Nebenbuhlerschaft mit der
herrschenden Seemacht des Westens treten; wenn man die Karthager nicht in
Sicilien angriff, mute man gewrtig sein, sich ihrer in Italien zu
erwehren, jedenfalls aber seine Interessensphre in jeder Hinsicht auf
Italien beschrnkt zu sehen.

Rom schafft sich eine Flotte, und schon der =erste Punische Krieg= (264
bis 241 v. Chr.) wird der Hauptsache nach zur See entschieden; in ihm
brechen die Rmer, wenn auch mit ungeheuren Verlusten infolge ihrer
seemnnischen und militrisch-seemnnischen Ungebtheit, eigentlich schon
die Seemacht Karthagos und erffnen sich damit den Eintritt in die
damalige Welt.

Auch hier kostete es der Partei, die den weitersehenden Standpunkt
vertrat, groe Mhe, durchzudringen und eine zur Ausfhrung ihrer Plne
ntige Flotte zu beschaffen; eine am Alten hngende Partei warnte
nachdrcklich vor dem Hinaustreten in nicht ganz klar und nahe vor ihr
liegende Verhltnisse. Ja, als die Flotte geschaffen war, aber nach
anfangs groen militrischen Erfolgen bei der Unerfahrenheit auf dem
neuen Gebiet ungeheure Verluste, besonders durch hhere Gewalt, erlitten
hatte, wurde ihre Unterhaltung sogar wieder aufgegeben; sechs Jahre
ungnstigster Kriegfhrung waren die Folge, bis eine Anzahl reicher
Privatleute aus eigenen Mitteln eine Flotte baute, die die Entscheidung
brachte und den ersten Grund zur Beherrschung des Mittelmeeres durch Rom
legte.

Im ersten Punischen Kriege werden groe Seeschlachten mit wechselndem
Erfolge geschlagen, darunter =Eknomos=, die grte Schlacht des Altertums
nach Salamis, zugunsten der Rmer infolge der Einfhrung einer neuen
Kampfweise: des Enterkampfes mittels der Enterbrcke an Stelle des
Kampfes mit dem Sporn als Hauptwaffe.

In den spteren Punischen Kriegen, in den makedonischen und den sonst zur
Erringung der Weltherrschaft von den Rmern gefhrten Kriegen werden
Seeschlachten von solcher Bedeutung wie im ersten Punischen Kriege nicht
geschlagen, da so starke Gegner zur See nicht wieder gegenberstanden;
immerhin waren diese Unternehmungen solche ber See zum Teil mit
Landungen in grtem Mastabe und erforderten die Beihilfe einer starken
Flotte.

  Der =zweite Punische Krieg= gibt aber auch ein Beispiel fr die
  strategische Wichtigkeit der Herrschaft ber die See. Captain Mahan
  fhrt in seinem Werke Der Einflu der Seemacht auf die Geschichte (S.
  IV und 14 ff.) eingehend und sehr einleuchtend aus, welche Rolle jene
  in genanntem Kriege gespielt hat. Er beweist, da die rmische Flotte
  die Meere nrdlich einer Linie beherrscht hat, die man von Tarragona in
  Spanien nach Lilibaeum auf Sicilien, von da um die Nordseite der Insel
  herum bis Syrakus und endlich bis Brindisi ziehen kann. Er schliet
  dann, da mglicherweise Hannibal dadurch gezwungen worden sei, seinen
  verlustreichen Zug durch Gallien und ber die Alpen zu machen, da
  jedenfalls die Rmer infolge dieser Seeherrschaft imstande waren, den
  Krieg mit wichtigem Erfolge nach Spanien zu tragen, whrend es Karthago
  nur gelegentlich glckte, Hannibal in Italien kleinere Verstrkungen
  ber See zuzufhren.

Zum zweiten Male aber tritt die Kriegfhrung zur See wieder besonders
hervor zur Zeit der =inneren Brgerkriege= unmittelbar vor der Schaffung
des Kaiserreiches. Nach der Zerstrung Karthagos (146 v. Chr.) war die
Flotte vernachlssigt, und ein Seeruberunwesen herrschte im ganzen
Mittelmeer. Es war im 3. Jahrh. an der Kste Ciliciens aufgetaucht und
erstreckte sich anfangs auf das Ostmittelmeer, dehnte sich aber dann,
besonders nach dem Niederwerfen der anderen Seemchte im Westen wie im
Osten durch die Rmer, noch auf das Westmittelmeer aus. Die Seeruber
hatten groe Flotten, Heere, Stdte, Arsenale und legten schlielich den
ganzen Seehandel lahm. Im Jahre 87/86 v. Chr. schritten die Rmer zum
ersten Male gegen sie ein, erzielten jedoch trotz groer Opfer nur
Teilerfolge. Als aber sogar der Stadt Rom die ntigen Zufuhren
abgeschnitten wurden, reorganisierte =Pompejus= die Flotte (leichte
Schiffe) und suberte in kurzer Zeit (67 v. Chr.) durch eine sehr
geschickte Verwendung seiner, wenn auch noch immer an Zahl den
Seeruberschiffen nicht gleichkommenden, Seestreitkrfte das ganze
Mittelmeer. Auf diese Flotte sttzte sich spter die pompejanische Partei
in den Kmpfen gegen Caesar, und =Sextus Pompejus= grndete mit ihr eine
Seemacht von Sicilien aus gegen Oktavian.

Diese Macht wird durch =Agrippa=, den auch zur See tchtigen Feldherrn
Oktavians, in der Schlacht bei =Mylae= (Naulochus 36 v. Chr.) vernichtet,
und derselbe Fhrer bringt durch den Sieg bei =Aktium= (31 v. Chr.) ber
=Antonius= und =Kleopatra= die Brgerkriege zum Abschlu. Lehrreich ist,
da Agrippa bei diesen beiden Vorgngen ganz verschiedene Schiffstypen
benutzte (vergl. S. 15). Der Entwicklung des Schiffbaus entsprechend hat
nach dem ersten Punischen Kriege nach und nach der Fernkampf mit
Wurfmaschinen an Bedeutung gewonnen und tritt in diesen letzten
Schlachten sogar in den Vordergrund.

Whrend der =Kaiserzeit= wurden zwar stehende und jetzt in jeder Hinsicht
wohl organisierte Flotten unterhalten, aber ihre Verwendung war nur
untergeordneter Natur; von zwei Hauptstationen aus, Neapel und Ravenna,
ben Geschwader und Flottillen in allen Meeren und Flssen die Seepolizei
aus, sichern den Handel durch Konvoiieren und untersttzen die Heere
durch Transporte und Verbindungen. Infolgedessen fehlt von dieser Zeit an
eine weitere Entwicklung des Schiffbaus und der Kampfweise.

$Kampfweise und Taktik.$ Die ursprnglichste Kampfweise war wohl der
Kampf der starken Besatzungen mit Bogen, Speer und Schwert Bord an Bord,
die Ruderer beteiligten sich nach dem Zusammensto am Kampf, wie dies
auch spter beim wiedereingefhrten Enterkampfe teilweise gebruchlich
war; die Schiffe bildeten also nur den Kampfplatz. Schon frhzeitig wurde
aber auch versucht, gelegentlich zu rammen, die Buge der Fahrzeuge waren
stets zum Schutz beim Aufschleppen verstrkt gebaut bezw. auch mit Metall
beschlagen; bald trat der Sporn hinzu. Diese Kampfweise mit dem Sporn
bildeten die Griechen aus; schon bei Artemisium wird die Aufstellung mit
besonderer Rcksicht darauf genommen, mit dem Sporn anzugreifen, denn
schon um die Zeit der Perserkriege waren die neuen griechischen Schiffe
den kleinasiatischen und phnizischen Schiffen an Manvrierfhigkeit
berlegen. Im Peloponnesischen Kriege steht das Schiff selbst, die ganz
auf Manvrierfhigkeit und Schnelligkeit gebaute Triere, als Hauptwaffe
da; man strebt zunchst nur dahin, das feindliche Schiff zu rammen oder
ihm die Riemen zu zerbrechen und das dann unbewegliche mit dem Sporn zu
vernichten; die Zahl der Kmpfer an Bord ist bedeutend geringer geworden.
Bug und Heck sind offensiv und defensiv wesentlich strker als die
Seiten; sie sind strker gebaut und hier ist der Platz fr die Kmpfer,
am Bug auch noch der Sporn. Die Seiten sind schwcher gehalten, um ein
leichtes Schiff zu haben, an ihnen liegt der leicht verletzliche Motor;
der Angegriffene versucht deshalb, den Sto durch Ausweichen oder
Entgegendrehen des eigenen Buges zu parieren. Die Kampfrichtung liegt
also in der Kielrichtung. Gerammte Schiffe sanken oder fielen den Siegern
in die Hnde, da sie ohne Riemen und voll Wasser oder gentigt, auf den
Strand zu laufen, leicht genommen werden konnten.

Mit der Verstrkung der Seiten, mit der Vergrerung der Schiffe, mit der
Aufstellung von Wurfgeschtzen nimmt die Wirkung des Spornes ab; die
Schiffe werden widerstandsfhiger gegen ihn und ungeeigneter zu seiner
Verwendung. Im Westmittelmeer trat noch ein anderer Umstand hinzu, der in
derselben Hinsicht wirkte. Die gebten karthagischen Seeleute gebrauchten
den Sporn mit groem Erfolge, wenn auch ihre Schiffe wohl nicht von der
Gte der attischen Trieren waren. Die seemnnisch unerfahrenen Rmer
erfanden dagegen die Enterbrcke; wenn das feindliche Schiff zum Sto
herankam, fiel sie, hielt den Feind fest, Pilum und Schwert der Legionre
entschieden. Die Rmer verpflanzten die Landkampfweise auf die Schiffe;
die kmpfende Besatzung wurde naturgem nun auf beiden Seiten wieder
wesentlich vermehrt.

Auch hier im Westen wurden die Schiffe mchtiger; Wurfgeschtze aller
Art, auch auf weitere Entfernungen leistungsfhig, wurden eingefhrt, die
Vorrichtungen zur Ermglichung des Enterkampfes vermehrt. (Enterhaken zum
Festhalten, Wurfenterdraggen zum Heranholen des Feindes.) Gleiche Schiffe
dieser Art fochten also auf weitere Entfernung mit Fernwaffen und
versuchten die Entscheidung dann durch Entern herbeizufhren, vom Sporn
nur mehr gelegentlich Gebrauch machend.

Mit solchen Schiffen besiegt Agrippa bei =Naulochus= die kleineren
Schiffe des S. Pompejus; seine Schiffe sind defensiv strker, mit
Grtelpanzer, hohem Bord und hohen Trmen, sie erffnen das Gefecht mit
Wurfgeschossen auf weitere Entfernungen, holen die feindlichen Schiffe
heran und entern sie. Derselbe Fhrer erringt aber wenige Jahre spter
bei Aktium mit einem ganz anderen Typ den Sieg. Hier hat Antonius in
seiner gyptischen Flotte die schweren Schiffe und Agrippa in den
Liburnen leichte, manvrierfhige und schnelle Fahrzeuge, allerdings auch
stark bemannt. Diese, an Zahl berlegen, umschwrmen die schwerflligen
Kolosse, zerbrechen ihre Riemen und bekmpfen sie mit Wurfgeschossen,
besonders Brandprojektilen. Zum Entern kam es weniger, da die groen
Schiffe zu hochbordig waren, auch weniger zum Rammen, weil sie zu
schwerfllig dazu waren und die Liburnen nicht schwer genug, um einen
Erfolg gegen die massiven Kolosse zu versprechen. In beiden Schlachten
haben wohl die Fhigkeit des Fhrers, die Gte und Schulung der
Besatzungen das meiste zum Siege beigetragen, aber man mu doch annehmen,
da der einsichtige =Agrippa= den Vorteil von wieder zur Offensive
geeigneten Schiffen erkannt hatte.

So haben wir von den Trieren bis zu den Liburnen gewissermaen einen
Kreislauf; die Triere fhrte den offensiven Nahkampf, dann folgen Schiffe
mit zunehmend defensivem Charakter, die Liburne ist fr den offensiven
Fernkampf, Sporn und Entern gelegentlich benutzend. Stets aber blieben
Bug und Heck defensiv und offensiv strker, die Seiten schwcher,
hauptschlich wegen der Lage des Motors hier, und dementsprechend mute
der Taktik des Einzelschiffes und der Verbnde von Schiffen der
Hauptsache nach stets der Kampf in der Kielrichtung zu Grunde liegen.

Die =Gefechtsformation der Schiffsverbnde= war deshalb bei den
Ruderschiffen des Altertums grundstzlich eine breite, die Dwarslinie
oder mehrere solcher hintereinander, in der alle Schiffe dem Feinde den
Bug zukehrten und sich gegenseitig die Seiten deckten. Tiefe
Aufstellungen wrden ein Umfassen seitens des Feindes leichter mglich
gemacht und mehr schwache Schiffsseiten dem Angriff ausgesetzt haben. Bei
numerischer berzahl wurden hufig die Flgel vorgezogen, um den Feind zu
umfassen (die Sichelformation [symbol]); der Schwchere versuchte sich
dadurch zu schtzen, da er die Flgel zurckzog (die Halbmond- oder
Kreisformation [symbol], welche die Deckung des einzelnen Schiffes
durch seinen Hintermann erleichtert). Die Taktik bestand im brigen
darin, da die Flotte auf Signal zugleich angriff, die feindliche Linie
durchbrach, zurckwendete und wieder durchbrach; die Schiffe benutzten
beim Passieren jede Gelegenheit zum Rammen, Riemenzerbrechen und in
spteren Zeiten zum Bekmpfen mit Wurfgeschossen. Diese Kampfart mute
stets bald zur Mle fhren, d. h. zu Einzel- oder Gruppenkmpfen mit
allen Kampfweisen, bei denen jede Gefechtsleitung aufhrte. Zum Marsch
wurden eine oder mehrere Kolonnen in Kiellinie formiert, da man aus
dieser Aufstellung durch Wendung um 90 sofort die breite
Gefechtsformation herstellen konnte.

An dieser Taktik ist im allgemeinen whrend des Altertums (und auch noch
im Mittelalter) starr festgehalten, doch wichen auch geniale Fhrer davon
ab in dem Bestreben, eigene Schwchen (Minderzahl, Deckung von
Transportern u. s. w.) aufzuheben, eigene Strken zur Geltung zu bringen
(gute Schulung ihrer Schiffe), oder um das Gefecht mglichst lange nach
bestimmtem Plane durchzufhren, indem sie ihre Krfte lnger in der Hand
behielten oder einzelnen Unterverbnden besondere Aufgaben zuteilten.
Solche Ausnahmen finden wir in den Gefechten bei =Artemisium= (480 v.
Chr.), in den Gefechten bei =Rhium= (429 v. Chr.), in der Schlacht bei
=Eknomos= (256 v. Chr.). Bemerkenswert, aber nicht zu verwundern, ist,
da Befehlshaber der Vlker, die weniger seetchtig und mehr Landkrieger
sind, hufig defensiv strkere Formationen einnehmen; aus Mangel an
seemnnischer Erfahrung solche, bei denen sie eine Hauptkraft aller
Seestreitkrfte -- die Bewegung -- aus der Hand geben, oder solche, die
sich infolge von Wind- oder Seegangseinflssen nicht halten lassen; sie
bertragen die Gefechtsweise des Landkrieges -- damals auch vorzugsweise
defensiven Charakters -- auf die Seeschlacht. Zuweilen geschieht dies mit
Erfolg (z. B. der Spartaner =Eurybiades= bei Artemisium), meist zum
Nachteil (z. B. der Spartaner =Brasidas= im ersten Gefecht bei Rhium; die
Rmer bei Eknomos).

Die Schiffe des Altertums waren als Ruderschiffe nicht imstande, Proviant
und Wasser etc. in gengender Menge an Bord zu nehmen, die Einrichtung
zum Rudern und die groe Zahl der Ruderer beanspruchten im Verhltnis zur
Gre des Fahrzeuges zu viel Platz. Sie konnten deshalb grere
Expeditionen nicht ohne Transporter oder Anlaufen von Ausrstungspunkten
ausfhren, muten berhaupt fters ankern oder anlegen schon zur Erholung
der Besatzungen namentlich der Ruderer; deshalb sind die meisten
Seeschlachten in der Nhe der Ksten geschlagen.

Auch dieser Umstand wird von befhigten Fhrern verschieden verwertet.
Bei Salamis whlt =Themistokles= das enge Gewsser zur Schlacht, um die
Kenntnis der rtlichkeiten, der Strmungen, der Windverhltnisse
auszunutzen und um den bermchtigen Feind an der Entfaltung seiner
Krfte zu hindern, obgleich er die beweglicheren und besser geschulten
Schiffe hat. In beiden Gefechten bei Rhium sucht =Phormio= den Kampf im
freien Wasser herbeizufhren, um die Tchtigkeit seiner Schiffe zu
verwerten, obgleich er weit in der Minderzahl ist. Er erlt folgenden
Befehl an seine Kommandanten, um seine Krfte in der Hand zu behalten:
Weil ich an Zahl strkere, aber wenig gebte Gegner habe, werde ich
nicht in engen Gewssern fechten, in welchen ich nicht manvrieren kann.
Dort kommt es bald zum ungeordneten Kampf und die berzahl siegt. Ich
fechte im freien Wasser; an euch ist es, euere Pltze zu halten und auf
Befehle zu achten. Ordnung und Ruhe ist stets die Losung im Kriege, ganz
besonders in der Seeschlacht. Im zweiten Gefecht bei Rhium erringt sein
Gegner =Brasidas= anfangs Erfolge dadurch, da er durch Manvrieren einen
Teil der athenischen Schiffe auf den nahen Strand drngt. =Agrippa= lockt
bei Aktium den Feind aus der durch Land geschtzten Stellung, um die
grere Zahl und grere Beweglichkeit seiner kleineren Schiffe
auszunutzen.

Die Transporter folgten den Kriegsschiffen, wenn angngig, unter Segel,
bei ungnstigem Winde griffen sie zu den Riemen; da sie damit aber weit
langsamer waren, muten sie oft von den Kriegsschiffen in Schlepp
genommen werden. Sie waren also eine groe Last fr die Flotte, ihre
Begleitung und die Notwendigkeit, sie zu schtzen, hat oft die
betreffende Flotte beim Angriff des Feindes in ungnstige Lage gebracht;
hiermit zusammenhngend sei noch darauf hingewiesen, da sich schon im
Altertum mehrfach zeigt, wie schwierig es ist, grere Expeditionen ber
See zu unternehmen, solange aktionsfhige feindliche Streitkrfte, wenn
auch sonst schwcher als die eigenen, auf dem Meere vorhanden sind.

  Die Seekriegsgeschichte des Altertums birgt wertvolles Material fr ein
  eingehenderes Studium. Auch bieten die Verhltnisse in ihr manche
  Vergleichspunkte mit denen der Dampfschiffszeit. Die Fhrer der
  Ruderschiffe und -Flotten waren weit mehr Herr ber die Bewegungen
  ihrer Streitkrfte auf dem Marsch und im Gefecht, als zur Zeit der
  Segelschiffahrt, da sie wie bei den Dampfschiffen unabhngiger vom
  Winde waren. Anderseits waren die Ruderschiffe abhngig von
  Transportern, Sttzpunkten und Ausrstungsstellen zur Auffllung von
  Proviant, Wasser und zur Erholung der Besatzungen, wie es jetzt die
  Dampfschiffe zur Ergnzung von Kohlen und Maschinenmaterial sind; die
  Segelschiffe spterer Zeiten konnten weit leichter fr lngere Dauer
  mit allen Vorrten versehen werden und unabhngig von Transportern und
  Sttzpunkten ihre Aufgaben durchfhren.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Zweites Kapitel.

                      Das Seewesen im Mittelalter.

$Ausdehnung der Schiffahrt.$[16] Das im Altertum zu hoher Blte
entwickelte Seewesen wurde durch die Vlkerwanderung grtenteils
vernichtet. Die westrmische Kriegsflotte war verschwunden, die
germanischen Staaten in Italien, Spanien und Afrika haben wohl Flotten
besessen, doch sind sie bei der kurzen Lebensdauer der Reiche kaum zu
hohem Stande gelangt, wenigstens wissen wir nicht viel davon. Schiffbau
und Nautik waren im Westen verlernt; wenn diese Wissenschaften sich auch
bei den Byzantinern erhalten hatten, so wachte man hier eiferschtig
darber, sie nicht zu verbreiten, um sich die Herrschaft ber das Meer zu
bewahren. Ihre Kriegsflotten spielten weiter eine Rolle in dem Kampfe
gegen die germanischen Staaten und spter gegen mohammedanische Feinde,
aber Seekriege von solcher Bedeutung fr die Seekriegsgeschichte, wie sie
von der griechischen Zeit bis Aktium gefhrt waren, kamen nicht vor, es
handelte sich nur um Expeditionen ber See und Abwehr solcher. Auch der
Seehandel, der im Altertum alle Lnder am Mittelmeer eng verknpfte, war
wesentlich zurckgegangen. Die Verbindung des Westens mit dem Osten war
nur noch schwach, die Fahrten auerhalb des Mittelmeeres durch die Strae
von Gibraltar hatten ganz aufgehrt, der von den Byzantinern noch lnger
aufrecht erhaltene Handel nach Indien brach mit der Besetzung gyptens
durch die Araber um 640 ab. Die Araber bernahmen zwar den Seehandel mit
Indien bis China und lngs der afrikanischen Ostkste von gypten und
Persien aus, sie entlehnten manche nautischen Verbesserungen -- so den
Gebrauch der Magnetnadel -- von China, aber es hatte dies vorlufig
keinen Einflu auf die Verhltnisse und geographischen Kenntnisse des
Abendlandes.

  [16] Besonders benutzte Quellen: Oncken, Bd. IX. Zeitalter der
       Entdeckungen; Zimmermann, Bd. I; Nauticus, 1900 und 1901: Clowes,
       Tl. I.

Die Schiffahrt im Mittelmeer wurde wieder belebt mit dem Auftreten der
italienischen Handelsstdte: =Amalfi=, =Pisa=, =Genua=, =Venedig= etwa im
9. und 10. Jahrh., sowie durch die Araber in Spanien, als im 10. Jahrh.
das =Kalifat von Cordova= mchtig dastand, hier trat spter dann noch
=Aragonien= (Barcelona) hinzu. Auch im Norden fing um diese Zeit das
Seewesen an sich zu regen, beginnend mit den Raub- und Eroberungszgen
der Normannen, die um das Jahr 1000 schon in Italien erscheinen. Vor
allem nehmen die italienischen Stdte whrend der Kreuzzge die
Verbindung mit dem Osten auf, und die Kriegszge der nordischen Nationen
zum heiligen Lande, auch zur See ausgefhrt, bringen den Norden und das
Mittelmeer einander nher, was gewi durch Austausch der Erfahrungen dem
Seewesen auf beiden Seiten von groem Nutzen wurde; ebenso werden Nord-
und Ostsee, besonders in der Hand der =Hansa=, bald Wege fr den
Seehandel.

Aber immer noch blieb die Seefahrt der Hauptsache nach auf die
Binnenmeere beschrnkt. Zwar hatten Streifzge der =Normannen= um das
Nordkap gefhrt, die Farer, Island und Grnland entdeckt, selbst Amerika
(an der Kste von Massachusetts) berhrt; der Atlantische Ozean belebte
sich in Anlehnung an Legenden des Altertums mit phantastischen
Inselgebilden; es mgen auch Fahrten, wie die der Normannen im hohen
Norden, ins Ungewisse nach solchen ins Dunkelmeer hinein unternommen
worden sein; greifbare Ergebnisse muten jedoch ausbleiben, solange man
eines sicheren Fhrers im freien Meer entbehrte: war doch selbst der
Verkehr am Rande des Ozeans nur ein gefhrliches Tasten die Ksten
entlang.

Erst als die polare Richtkraft des Magneten erkannt war und gegen das
Ende des 13. Jahrh. als Magnetnadel allgemeiner verwendet wurde, konnte
sich der Seemann freier bewegen. =So ist um= 1300 =ein wichtiger
Ausgangspunkt fr die Entwicklung des Seewesens= zu datieren. Denn nun
erwacht allmhlich der Verkehr auf dem Ozean, die Vlker des Nordens
treten mit denen des Mittelmeeres auf dem Seewege in engere Verbindung,
berall hebt sich der Seehandel, man beginnt neue Lnder zu suchen; alles
dieses ist wiederum von groem Einflu auf die Ausbildung der
Segelschiffahrt.

Zunchst erffnen um diese Zeit die italienischen Stdte den
unmittelbaren Seeweg nach den Niederlanden, sie berhren dabei Portugal,
Frankreich und England, ihr Beispiel spornt hier zur Nacheiferung an. Die
Kanaren, Madeira und die Azoren werden gefunden, zuerst von verschlagenen
Schiffen durch Zufall entdeckt, dann planmig wieder aufgesucht; die
italienischen Stdte Genua und Venedig dringen von Konstantinopel aus ins
Schwarze Meer ein; von hier und von Syrien aus ziehen Missions- und
Handels-Reisen in das Innere Asiens. Die berhmteste ist die 25 jhrige
Handelsreise des Venetianers =Marco Polo= 1271-1295 nach China, Japan und
Indien. Sie bringen die verloren gegangene Kenntnis vom sdlichen und
stlichen Asien wieder, so da man um 1350 den Stand der Kenntnis der
Alten Welt, wie er im Altertum vorhanden gewesen war, wieder erreicht
hatte.

Im weiteren Verlauf des Mittelalters nimmt nun der Seeverkehr in den
bekannten Gewssern zu. In Nord- und Ostsee betreiben vor allem die
Hansastdte mit ihren Kontoren an allen wichtigen Hafenstdten des
Auslandes die Seefahrt, aber auch Englnder, Hollnder und Dnen
befahren schon eifrig diese Meere. Alle diese Vlker liegen in groem
Mastabe der Seefischerei in den nordischen Gewssern bis nach Island hin
ob. Wie die italienischen Stdte zum Norden, so gehen auch die nordischen
Nationen nach Portugal und selbst ins Mittelmeer -- 1413 das erste
englische Schiff nach Marokko, 1458 nach der Levante --, ihre Schiffe,
besonders die Hansen, versorgten ganz Europa mit getrockneten Fischen und
brachten vom Sden die Waren des Orients heim; schon im 14. Jahrh. sollen
in Lissabon 400-500 Schiffe der verschiedenen Nationen des Nordens und
Sdens im Jahre verkehrt haben.

Der Hauptseehandel mit dem Orient im Mittelmeer lag in den Hnden Genuas
ber Konstantinopel und Kleinasien und Venedigs ber gypten und brachte
diesen Stdten groen Gewinn, bis die Eroberung Konstantinopels 1453 und
gyptens 1517 durch die Trken den Verkehr mit dem Innern Asiens und
Afrikas sehr erschwerten, wenn auch Venedig mit seinen Besitzungen im
Ostmittelmeer noch lngere Zeit groen Nutzen aus dem Orienthandel zog.
Indien und Ostafrika waren durch weitere Missions- und Handelsreisen
bekannter geworden, letzteres bis Sansibar, vielleicht bis zu den Komoren
hin, wodurch spter die Hoffnung, Afrika umschiffen zu knnen, wesentlich
bestrkt wurde.

[Illustration: Prinz Heinrich, der Seefahrer.]

Denn auch mit der planmigen Aufsuchung neuer reicher Lnder wurde schon
im Mittelalter begonnen und zwar war es Portugal, das den Drang dazu
erweckte. Die ersten Unternehmungen gingen hier nicht von Kaufleuten aus,
sondern von einem einzelnen, weitblickenden Manne, dem Infanten Dom
Enrique. =Prinz Heinrich, der Seefahrer=, 1394 als fnftes Kind des
Knigs Joo I. geboren, beschftigte sich eingehend mit mathematischen
und geographischen Studien, er zog alle erreichbaren Nachrichten alter
und neuerer Zeit ein und fate den Plan, das goldreiche Guinea, das
allerdings nur durch dunkle Gerchte bekannt war, zu erreichen;
politische und religise Erwgungen bestrkten ihn hierin. Er fand
zunchst wenig Beifall. Den Seeleuten schienen die Gefahren an der
Nordwestkste Afrikas zu gro -- Portugals Schiffahrt war erst im
Entstehen --, die Kaufleute versprachen sich nichts von Entdeckungen
weiter im Sden, da nach den berlieferungen des Altertums (Aristoteles,
Ptolemus) angenommen wurde, da der heie Erdgrtel unbewohnbar sei.
Die ersten Fahrten schienen diese Einwrfe zu besttigen: Mangel an
Hfen, unsichtige Atmosphre (Dunkelmeer), trauriges, drres Aussehen des
Landes, je weiter man nach Sden kam. Man hielt es fr unmglich, das Kap
Bojador zu umschiffen.

Aber der Prinz lie sich nicht abschrecken; seine Mittel als Gromeister
des Christusordens setzten ihn in den Stand, immer neue Expeditionen
auszursten, wenn auch die ersten wenig Erfolg brachten. Seine Ausdauer
wurde belohnt: 1434 wurde Kap Bojador umschifft, 1441 Kap Branco
erreicht, 1443 brachte man aus der Bucht von Arguin reiche Produkte und
auch Goldstaub heim. Nun schlug die Stimmung um, und schon 1444 wurde
eine Handelsgesellschaft fr Westafrika gegrndet. 1445 =erreichte man
Kap Verde=, und die tropische Pracht, die man hier vorfand, stie die
alte Theorie von der Unwirtlichkeit der Tropenlnder um, die Entdeckungen
wurden nun eifrig weiter gefrdert. Die Tatsache, da sich die Kste vom
genannten Vorgebirge nach Sdosten zieht, scheint nun auch dem Prinzen
Heinrich die berzeugung gegeben zu haben, da es mglich sei, auf diesem
Wege Indien zu erreichen; ob ihn dieser Gedanke schon vorher geleitet,
ist fraglich. Der Prinz starb 1460, er hatte seine Mittel vllig
erschpft, aber wahrlich nicht vergeudet: Portugal war zu einer leitenden
Seemacht geworden, und schon Joo II. (1481-1495) bezog ansehnliche
Einknfte aus Afrika.

Ppstliche Bullen von 1441, 1454 und 1481 sprachen alle Entdeckungen
zwischen Kap Bojador und Indien den Portugiesen zu, diese bauten an
geeigneten Stellen Forts und errichteten Steinkreuze als Zeichen ihrer
Hoheit, so 1484 am Kongo und bei Kap Cro; an dieser Reise nahm der
deutsche Kosmograph =Martin Behaim= teil, man kam bis zu 22 Sd-Breite.
1486/87 passierte =Bartolomeu Dias= mit zwei kleinen Karavellen von 50
tons, von der St. Helenabucht weiter segelnd, =das Kap der Guten
Hoffnung=, ohne es zu sichten. In einem Sturm sdlich vertrieben, suchte
er bei besserem Wetter die Kste mit Ostkurs wieder zu treffen, da er sie
nicht fand, steuerte er nrdlich und erreichte so die Fleshbay. Dann
segelte er stlich weiter, errichtete auf der Insel St. Cruz in der
Algoabay den letzten Wappenpfeiler und gelangte noch bis zum
Greatfishflu. Hier mute er wegen Mangel an Proviant und wegen
Unzufriedenheit seiner Mannschaft infolge der schweren Strme bei
Umsegelung des Kaps umkehren, bei der Rckfahrt sichtete er dieses und
taufte es Cabo tormentoso. Aber der Knig nderte den Namen in Cabo da
boa esperanza, denn der Umstand, da sich die Kste vom Greatfishflu
nach Norden zog, gab ihm die feste berzeugung, da der Weg nach Indien
-- zu den Gold- und Gewrzlndern -- nun offen stehe; bald darauf
eingehende Berichte von Portugiesen, die im Auftrage des Knigs von Aden
aus auf arabischen Schiffen Indien und die Ostkste Afrikas bis Sofala
hin besucht hatten, besttigten dies.

=Indien= war im Altertum und Mittelalter ein sehr weiter und
unbestimmter Begriff, er umfate eigentlich alle Lnder am Indischen
Ozean bis nach China hin, die Ostkste Afrikas eingerechnet; der
Hauptwunsch aller Entdeckungsfahrten war, die Gewrzinseln zu
erreichen. Neuen Ansto, auf dem beschrittenen Wege fortzuschreiten,
gaben fr Portugal die ersten Entdeckungen Spaniens im Westen, es galt
nun, diesem in Indien zuvorzukommen. Mit den Fahrten der Spanier und den
nun weiter folgenden der Portugiesen treten wir in die eigentliche Epoche
der groen Entdeckungen; die Seefahrt der westlichen Vlker Europas
verlt die Ksten und durchquert die Ozeane, eines der Kennzeichen des
nchsten Zeitabschnittes.

$Die Nautik.$ Mit der Vernichtung des Seewesens im Westen des
Mittelmeeres war auch die bisher erreichte Kenntnis der Nautik und ihrer
Hilfswissenschaften verloren gegangen. Die Byzantiner, bei denen sie
erhalten blieb, hielten sie geheim, und die Fortschritte der Araber in
dieser Wissenschaft waren zunchst den Vlkern am Mittelmeer noch nicht
zugnglich. So stand die Nautik derjenigen Nationen, die erst mit der
Seefahrt begannen, wohl lange auf der niedrigsten Stufe und entwickelte
sich nur langsam aufs neue wie im Altertum, bis die Vlker des Ostens,
des Westens und des Nordens mehr miteinander in Verbindung traten und
ihre Erfahrungen austauschten. Hierzu kam dann bald die Entdeckung der
=Richtkraft des Magneten=.

  Sicher drfte sein, da die Chinesen diese Kraft seit langer Zeit
  kannten und benutzten, und da die Araber von ihnen am Indischen Ozean
  frhzeitig, vielleicht schon im 8. Jahrh., den Gebrauch bernahmen.
  Aber nicht sicher ist, ob diese Kenntnis dem Abendlande durch die
  Araber berkommen ist. Denn zum ersten Male wird ihrer in Frankreich um
  1200 Erwhnung getan. Mglich ist also, da die Entdeckung
  selbststndig auch im Westen der Alten Welt gemacht ist, wo um diese
  Zeit mit der Aufnahme des Studiums der Schriften des Aristoteles den
  Naturwissenschaften wieder Aufmerksamkeit zugewandt wurde. Die
  Verwendung des Magneten als Nadel mit Windrose findet sich zuerst Ende
  des 13. Jahrh. und um die Mitte des 14. ist der Kompa, zunchst mit
  dem hollndischen Ausdruck Bussole bezeichnet, auf groen Schiffen
  vielfach im Gebrauch. Um diese Zeit scheint =Flavio Gioja= aus Amalfi
  irgend eine wesentliche Verbesserung, wohl zum praktischen Gebrauch an
  Bord, eingefhrt zu haben, und deshalb wurde er lange als Erfinder des
  Kompasses genannt. Da aber die Magnetnadel schon vor seiner Zeit
  benutzt ist, geht aus genauen Karten des Mittelmeeres, von 1320
  berliefert, hervor; sie knnen nur mit diesem Hilfsmittel in lngerer
  Zeitdauer aufgenommen sein.

Der Kompa war ein groer Gewinn fr die Navigation, aber auch in anderen
Hinsichten machte diese groe Fortschritte. Das Studium der Alten,
besonders des Ptolemus (vergl. S. 6) brachte die Erdkunde und die
Astronomie wieder auf den Standpunkt des Altertums und bildete die
Grundlage zur weiteren Entwicklung, auch der Nautik; durch diese
Wissenschaften im Verein mit dem Kompa wurde die =Kartographie=
wesentlich gefrdert, besonders zunchst bei den Portugiesen.

Bereits im 13. Jahrh. war man nach den Schwankungen im frheren
Mittelalter wieder allgemein zur Annahme der Kugelgestalt der Erde
zurckgekehrt. Von den Arabern hatte man den Gebrauch des Astrolabs --
zur Messung von Hhen der Gestirne, schon von Hipparch erfunden -- kennen
gelernt; =Regiomontanus= verbesserte dieses Instrument und berechnete
Ephemeriden fr die Sonnendeklination von 1473-1505, ebenso wurden in
Portugal um diese Zeit Hilfstabellen zur Berechnung der Breite nach
Polarsternhhen und, als die Portugiesen weiter nach dem Sden
vordrangen, auch Deklinationstabellen fr sdliche Breiten ausgearbeitet.
Gute Breitenbestimmungen am Lande und der Kompa ermglichten die
Herstellung immer besserer Seekarten, bei denen wieder die Marinische
Projektion (durch die Portugiesen im 15. Jahrh.) benutzt wurde. Bei
diesen platten Karten whlten die Portugiesen den quator als
Mittelbreite, da sich ihre Reisen etwa gerade soweit sdlich wie nrdlich
von ihm erstreckten. Fr Spezialkarten nahm man die entsprechende
Mittelbreite als solche, fr Karten der gesamten europischen Gewsser
behielt man nach Marinus den 36. Breitengrad bei, wohl weil das
Verhltnis des Breiten- zum Lngengrade, 4:5, am einfachsten war.

  Die Ausrstung der Schiffe mit Seekarten wurde mehr und mehr
  gebruchlich. Zuerst erwhnt werden sie bei Mittelmeerschiffen um die
  Mitte des 12. Jahrh.; in Spanien sollte um 1359 jedes Kriegsschiff
  solche besitzen; von 1448 sind uns die lteste englische Karte von den
  britischen Inseln bis zu den Kapverden sowie Segelanweisungen fr die
  Ksten von Schottland bis Gibraltar erhalten.

Bei Fahrten ber die hohe See wurde aber noch lnger dem Globus der
Vorzug gegeben wegen der durch die Fehler der platten Karte
hervorgerufenen Gefahren, bis diese durch Einfhrung der
Mercator-Projektion (1537) gehoben wurden; auch ist erwhnenswert, da
die Hanseaten ihre Fahrten in den nordischen Gewssern scheinbar nur nach
Segelanweisungen und Kstenbeschreibungen vornahmen. Seit etwa 1480 wurde
das Astrolab, zu diesem Zwecke von =Behaim= verbessert, auch an Bord
verwendet, und bald darauf konstruierte derselbe Gelehrte den Jakobsstab
(crostaff; auch schon von Regiomantanus erfunden) als ein fr den
Bordgebrauch einfacheres und geeigneteres Instrument fr Hhenmessungen.

Mit allen diesen Hilfsmitteln wurde die Seefahrt frei von der Kste und
konnte ins Weltmeer hinausgehen. Grere Sicherheit gewann sie allerdings
erst durch Verbesserung der Karten und Instrumente im nchsten
Zeitabschnitt; zeigten doch die Breitenbestimmungen auf See immer noch
unvermeidliche Fehler bis zu 3 Graden.

$Die Schiffe.$[17] Der Mangel an zuverlssigen berlieferungen lt uns
die Entwicklung des Schiffbaues, besonders der Segelschiffe, erst etwa
vom Jahre 1000 an verfolgen, genauere Angaben erst von weit spterer Zeit
machen; erschwert wird die Aufgabe dadurch, da bei den verschiedenen
Vlkern und zu verschiedenen Zeiten die Namen fr hnliche Schiffstypen
verschieden sind oder umgekehrt die gleiche Bezeichnung fr verschiedene
Typen gebraucht wird. Es soll hier deshalb nur soweit darauf eingegangen
werden, wie ntig ist, um den Wert der in den Kriegen zu den
verschiedenen Zeiten gebruchlichsten greren Schiffe beurteilen und
auerdem verfolgen zu knnen, wie sich aus den Haupttypen des
Mittelalters nach und nach das sptere Segelkriegsschiff herausgebildet
hat.

  [17] Hauptquellen: Arenhold; du Sein; Serre; Jurien; Clowes Tl. I; The
       ship. In allen Angaben von mehr technischen Quellen, aus denen sie
       geschpft haben, so besonders Clowes. -- Bei Clowes und in The
       Ship finden sich Angaben ber die vielen Schiffstypen der
       verschiedenen Vlker, die hier nicht erwhnt werden.

$Im Mittelmeer$ war, wie erwhnt, das Seewesen nach der Vlkerwanderung
nur im Osten auf dem Standpunkt des Altertums stehen geblieben, im Westen
war es vernichtet, die Kunst des Schiffbaues verlernt. Der Haupttyp der
Kriegsschiffe im Osten (Byzanz) wurde die =Dromone=. Sie ist scheinbar
ein Mittelding zwischen dem griechischen Vielreiher und der rmischen
Liburne gewesen, in der Gre mehr der letzteren entsprechend: Lnge 36
m; Breite 4,4 m; Tiefgang 1,1 m Deplacement 100 tons. Zwei Ruderreihen zu
25 Riemen an jeder Seite, also in Summa 100 Ruderer, die obersten Ruderer
waren nicht gedeckt; Gesamtbesatzung 130-150 Mann. Die Dromone war noch
im Gebrauch bis ins 10. Jahrh., dann wurde sie verdrngt durch die Galere
des Westmittelmeers, ein Erzeugnis des hier bei den italienischen Stdten
wieder gehobenen Seewesens.

Die =Galere= wird uns bekannt als das Kriegsfahrzeug dieser Stdte,
zunchst Venedigs, etwa seit dem Jahre 1000. Auch sie ist als eine
Tochter der rmischen Liburne anzusehen. Sie verdankt vielleicht ihren
Ursprung den berlieferungen aus altrmischer Zeit, es haben ja auch zur
Zeit der Vlkerwanderung in den germanischen Staaten am Mittelmeer
Flotten bestanden, aber zu grerer Ausbildung ist der Schiffbau wohl
nicht gekommen. Gerade das Seewesen braucht geordnete Verhltnisse, um zu
gedeihen, und so blieb der Bau tchtiger Kriegsschiffe erst wieder den
aufblhenden Stdten vorbehalten. Die Galere war ein Ruderfahrzeug mit
einer Reihe Riemen. Zur Bltezeit Venedigs im 13. und 14. Jahrh. hatte
sie sich dort zur =Galere  zenzile= ausgebildet (vergl. Liburnen und
Anm. dazu S. 15), d. h. von jeder der schrg zur Kielrichtung eingebauten
Ruderbnke wurden mehrere Riemen von verschiedener Lnge bedient. Die
gebruchlichste Galere dieser Art war, nach Serre, 41 m lang, 5 m breit,
180-200 tons, 25 Ruderbnke mit je einer Gruppe von 3 Riemen, fr
letztere je ein Ruderer. Da auf jeder Seite eine Gruppe ausfiel -- an B.
B. zur Unterbringung des Beibootes, an St. B. zur Aufstellung der Kombse
--, hatte man 48 Gruppen, also 144 Ruderer; Gesamtbesatzung etatsmig
220, jedoch wurden hufig mehr Soldaten eingeschifft.

Die an anderen Orten gebruchliche, =gewhnliche Galere= war im
allgemeinen von denselben Grenverhltnissen. Sie fhrte auf jeder Bank
nur einen langen Riemen, Summa 50 bezw. 48, der von 3 Mann bedient wurde.
Sie war leichter durch weniger gebte Mannschaften oder angekettete
Sklaven zu rudern, deshalb kehrten auch die Venetianer notgedrungen zu
ihr zurck, als sie im 16. Jahrh. Mietlinge an Stelle der Brger als
Ruderer verwenden muten. Die Galere  zenzile verschwand ganz im 17.
Jahrh. Alle Ruderer der Galere waren von oben unbeschtzt, nur seitlich
durch eine leichte Brustwehr gedeckt; zum Schutz gegen das Wetter wurde
bei Ruhe ein Zelt ausgespannt. Vorn und hinten hatten die Fahrzeuge eine
Plattform fr die Kmpfer und die Wurfmaschinen, spter die Kanonen; wie
im Altertum waren sie mit einem Sporn, spter mit einem weit
vorspringenden Gallion versehen, das als Enterbrcke, aber auch wohl
weiter zum Rammen diente. Die Takelage bestand aus zwei Masten mit groem
Lateinsegel, spter trat ein kleiner dritter hinzu (mezzana, daher wohl
der englische mizzen-mast); die Fahrzeuge waren sehr wenig stabil. Gegen
Ende des Mittelalters, namentlich auch infolge der Einfhrung der
Artillerie, wurden auch vereinzelt grere Galeren gebaut, bei denen die
Riemen von 5 Mann, ja sogar bis zu 8, bedient wurden, auch  zenzile mit
4 Riemen kamen vor; sie hatten 500-600 Mann Besatzung, fhrten etwa 3
schwere Geschtze (36- und 24-Pfnder) und 4 leichte (6-Pfnder) auf den
Plattformen, besonders nach vorn, und nach und nach auch eine groe Zahl
leichter Geschtze an den Seiten, die zwischen den Riemen durch Pforten
feuerten. Ihre Takelage ist nur als Hilfsmotor anzusehen. Die Galeren
waren wie die Kriegsschiffe im Altertum vorwiegend Ruderschiffe; unter
Riemen liefen sie 3-4 Seemeilen, sie sollen aber 10-12 Stunden haben
rudern knnen, ja bis zu 20 Stunden wird angegeben (ohne Ablsung? oder
wurden dann die Riemen nicht voll besetzt?).

[Illustration: Galere des XVI. Jahrhunderts.]

  Die Galeren blieben im Mittelmeer noch lange Zeit im Gebrauch, sie
  spielen aber auch in den Kmpfen der ersten Periode der neueren Zeit
  eine Rolle im Atlantik und Kanal, obgleich sie sich stets in der Nhe
  der Kste halten muten. Hier waren es zunchst von den italienischen
  Stdten gemietete, aber auch die Franzosen und selbst die Englnder
  bauten sie nach. Erstere hatten vom Ende des 15. Jahrh. bis 1749 im
  Mittelmeer eine Galerenflotte mit eigener Organisation, Etat und
  Offizierskorps. Die erwhnten, vollstndiger armierten Galeren gehren
  diesen spteren Zeiten[18] an, die Armierung im Mittelalter entsprach
  natrlich der der anderen Schiffe dieser Zeit. Die =Galeasse=, die sich
  aus der Galere entwickelte, behandle ich im nchsten Abschnitt.

  [18] Genauere Angaben ber die Galeren des 16. und 17. Jahrh., auch
       ber den Dienst an Bord derselben u. s. w. in Jurien: Les derniers
       jours.

ber den Stand der $Segelschiffe$, Kauffahrer, $im Mittelmeer$ Anfang des
Mittelalters sind Angaben nicht vorhanden. Da Byzanz whrend der
Vlkerwanderung den Seehandel aufrecht erhielt, ist anzunehmen, da das
ber die Segelschiffe im Altertum Gesagte auch fr diese Zeit zunchst
noch Gltigkeit hat. Verbesserungen mgen eingetreten sein, so die
Einfhrung der lateinischen Segel. Wesentliche Fortschritte scheinen erst
gemacht zu sein, als man mit dem Norden mehr in Verbindung trat.
Jedenfalls haben die Nordvlker einen groen Einflu auf die Entwicklung
der Segelschiffahrt gehabt, waren sie doch durch Wetter- und
Seeverhltnisse ihrer Gewsser mehr auf diese hingewiesen; bei ihnen ist
eine vorwiegende Ruderschiffsperiode nur sehr kurz gewesen. Die
Segelschiffe von 1300 an sollen deshalb spter gemeinschaftlich
betrachtet werden.

[Illustration: Wikingerschiff etwa 1000 n. Chr.]

$Die Schiffe im Norden bis 1300.$ Von den ltesten Fahrzeugen des Nordens
haben wir durch Ausgrabungen einige Originale erhalten, so das 1863 in
Nydam ausgegrabene Boot, das sich im Vaterlndischen Museum zu Kiel
befindet (Abbildung in Arenhold). Es wird als aus dem 3. Jahrh. n. Chr.
stammend angenommen, ist 22,5 m lang, 3,2 m breit, 1,2 m hoch und fhrt
30 Riemen. Fast dieselben Grenverhltnisse hat ein am Sandfjord
gefundenes Boot aus der Zeit etwa 900 n. Chr. stammend (Abbildung in
Clowes I). Jenes hat sehr elegante Formen und ist nicht zum Segeln
eingerichtet, dieses ist merklich breiter und hat einen Mast mit
Raasegel. bereinstimmend mit anderen berlieferungen geben uns diese
Boote einen Begriff von den Fahrzeugen, auf denen die Normannen
(=Wikinger=) ihre Raub- und Eroberungszge bis zum 11. Jahrh. unternommen
haben. Sie benutzten die Riemen zum Ein- und Auslaufen sowie im Kampf,
der Mast wurde dann niedergelegt. Die Fahrzeuge waren ungedeckt, hatten
aber vorn und hinten ein Halbdeck fr Aufstellung der Krieger im Gefecht,
die Reeling wurde durch die dort aufgehngten Schilde erhht und
verstrkt. Ihre Besatzung betrug 50-100 Mann; grer waren sie nicht, ein
Beweis dafr drfte sein, da Wilhelm der Eroberer 60000 Mann auf
700-1400 Fahrzeugen -- soweit schwanken die Angaben -- nach England
hinberfhrte.

hnlich bleiben die =Schiffe des= 12. =und= 13. =Jahrh.= Durch ihren
spitzen Bau vorn und hinten zeigen sie immer noch ihren Ursprung aus
Ruderbooten an, noch sind sie auf den Gebrauch von Riemen angewiesen,
sobald es auf sicheres Manvrieren ankommt. Jedoch werden auch schon
grere Schiffe gebaut, plumper und nun wohl schon ganz gedeckt und, wenn
sie vorzugsweise zum Kampf bestimmt sind, mit Plattformen auf Pfhlen fr
Kmpfer und Wurfmaschinen versehen; diese Gerste wurden um 1300 zu
festen Kastellen, die gleichzeitig der Besatzung als Unterkunftsrume
dienten.

  Dieser Art waren die 9 greren Schiffe, die neben etwa 200 anderen
  in Richard Lwenherz' Kreuzfahrerflotte genannt werden. Sie hatten eine
  Besatzung von 1 Kapitn, 14 Seeleuten, 40 Rittern mit ihren Pferden, 14
  Dienern, 40 Fuknechten und konnten fr lngere Zeit Proviant nehmen.

Auch die Takelage wurde verstrkt, der Mast war nicht mehr zum
Niederlegen, sondern trug feste Mastkrbe zur Aufnahme von Schtzen; die
Zahl der Riemen wurde nicht vermehrt. Im Norden blieb noch lnger nur ein
Mast mit einem oder mehreren viereckigen Segeln in Gebrauch, whrend im
Mittelmeer um diese Zeit schon zwei Masten mit lateinischen Segeln
vorkommen, von denen der vordere sehr weit vorn stand und starken Fall
nach vorn hatte.

Diese greren Schiffe, wie sie der auf Seite 36 abgebildete Kreuzfahrer
zeigt, mssen wir wohl als den Typ der Hochseeschiffe betrachten, auf dem
sich die Entwicklung des Segelschiffes im Norden weiter aufbaut; ihre
Gre war um die Mitte des 13. Jahrh. auf 80 tons, gegen das Ende
vereinzelt schon bis zu 200 tons gewachsen. Neben diesem Typ gab es
verschiedene andere fr kleinere Fahrzeuge der Kstenfahrt und Fischerei
u. s. w., und mu besonders erwhnt werden, da auch im Norden die
wenigen Schiffe, die die Staaten ausschlielich fr ihre Zwecke --
Kriegsdienst, vor allem aber Zolldienst, Seepolizei, Hafenverteidigung --
bauten und hielten, vorwiegend noch Ruderfahrzeuge waren. Dementsprechend
waren sie lnger im Verhltnis zur Breite als die groen Segelschiffe und
strker bemannt; auch Richards Kreuzfahrerflotte enthielt 50 solcher
galleys (Galeren?).

  $Die Entwicklung der Segelschiffe von 1300-1500.$ Eine Trennung der
  Schiffe in Kriegs- und Handelsschiffe erscheint in dieser Zeit nicht
  mehr am Platze. Die Staaten des Altertums, die Stdte und Staaten des
  Mittelalters am Mittelmeer unterhielten groe stehende Flotten von
  Ruderkriegsschiffen. Grere stehende Flotten von Segelkriegsschiffen
  werden in den jetzt aufblhenden Staaten des Westens und Nordens erst
  langsam im Laufe der nchsten Periode geschaffen. Zu Kriegszwecken
  griff man hier hauptschlich auf Kauffahrer zurck, die man aushob,
  kaufte oder mietete. Wenn ntig, wurden sie dazu hergerichtet, indem
  man sie verstrkte, Kastelle aufbaute, sie strker armierte. Der eigens
  fr den Krieg gebauten Segelschiffe waren nur wenige und sie
  unterschieden sich zunchst kaum von den Handelsschiffen, da auch
  diese, wenigstens die greren, zum eigenen Schutz stets armiert waren.
  Die Schiffe des Staates fr sonstige Hoheitszwecke waren auch nach 1300
  noch lange vorwiegend Ruderfahrzeuge. Zeitweilig wchst die Zahl der
  Kriegsschiffe in einzelnen Staaten, aber immer geht sie bald wieder
  zurck. So ist denn vorlufig die Entwicklung der Segelkriegsschiffe
  die gleiche wie die der Kauffahrteischiffe, erst im Laufe der nchsten
  Periode geht sie einen andern Weg.

[Illustration: Englisches Fahrzeug um etwa 1190 (Kreuzfahrer).]

Bedeutendere Fortschritte machte der Segelschiffbau von 1300 an aus den
S. 27 u. 34 angefhrten Grnden. Eine groe Errungenschaft war zunchst
die Erfindung des festen Ruders mit der Pinne am Achtersteven etwa um
1300. Mit den alten Steuerriemen an der Seite des Schiffes hinten war
das Steuern eines von den Segeln gepreten Schiffes bei einigermaen
bewegter See nicht mglich, erst mit dem neuen Ruder konnte an eine
Vergrerung der Takelage gegangen werden. Die neue Rudereinrichtung hat
sich sehr schnell allgemein eingefhrt, schon um 1356 war sie auf allen
greren englischen Schiffen im Gebrauch. Nun werden zwei Masten mit
viereckigen Raasegeln und einem Toppsegel gebruchlich; bald schon kommen
drei Masten vor, am hintersten Mast ein lateinisches Segel, um das Schiff
besser am Winde zu halten. Es ist dies der Vorlufer des Besan; das
Bugspriet fhrt noch keine Segel, es dient nur zur Sttze des weit nach
vorn stehenden Fockmastes. Die Schiffe werden hher und seefhiger, die
Kastelle wachsen; die Mitte des Schiffes blieb niedrig, solange man noch
nicht ganz vom Gebrauch der Riemen absehen konnte. Auf den Kastellen
standen kleine Wurfmaschinen, mittschiffs schwerere. Das gebruchlichste
Hochseeschiff im Norden war die =Kogge=, als Beispiel ist eine
Hansa-Kogge von 1380 hier abgebildet: ca. 250 tons, 50 Seeleute, 100
Bewaffnete, 20 Pferde.

[Illustration: Hansa-Kogge um etwa 1380.]

Um die Mitte des 14. Jahrh. werden im Mittelmeer die ersten leichten
Geschtze an Bord eingefhrt. Ende des Jahrhunderts auch im Norden. Im
15. Jahrh. nimmt mit ihrer Vervollkommnung die Verwendung der Artillerie
zu, allerdings zunchst hauptschlich nur an Anzahl der leichten
Geschtze. Die Schiffe werden nun grer und tragfhiger, sie werden vorn
und hinten rund. Die Kastelle, bisher turmhnlich, werden lnger und
reichen vom Heck bis zum Gromast, vom Bug bis zum Fockmast, das vordere
ragt weit ber den Vorsteven hinaus, sie erhalten Etagen mit
Geschtzpforten: alles, um die Artillerie vermehren zu knnen, besonders
in der Breitseite.

[Illustration: Hollndische Kogge, 15. Jahrh., 600 tons, 300 Mann.]

Die Takelage wird weiter vervollstndigt durch Stngen mit kleinen
Marssegeln, der dritte Mast wird allgemeiner. Aber der Ausbau der
Kastelle, ihre Hhe besonders, beeintrchtigte sehr die Segel- und
Seefhigkeit; die Schiffe trieben stark vor ihnen. Wegen des
hervorragenden Vorderkastells und des so weit vorn stehenden Fockmastes
waren sie schlecht am Winde zu halten, man findet deshalb nun oft 4
Masten, an den beiden letzten Lateinsegel. 400-700 tons drfte die Gre
der groen Schiffe Ende des 15. Jahrh. gewesen sein. Die Namen dieses
Typs der groen Seeschiffe waren, allgemein gesagt: im Norden Kogge
(engl. Cog), spter bald Schiff (Ship), in Spanien und Portugal
Galeon (auch Gallion), in Venedig und Genua Karrak. Vereinzelt kommen
schon Fahrzeuge bis zu 1000 tons vor; Spanien (vorlufig Kastilien) und
Portugal gingen hierin voran, doch mssen wir solche besser zur nchsten
Periode rechnen.

[Illustration: Karavelle des 15. Jahrhunderts.]

  Segel- und Seefhigkeit der greren, stark armierten Schiffe war sehr
  gering. Portugiesen und Spanier benutzten zu ihren ersten
  Entdeckungsreisen nicht einmal Fahrzeuge der sonst schon allgemeiner
  gebruchlichen Gren sondern kleinere. Die =Karavellen= des Kolumbus
  waren Fahrzeuge von 120-130 tons, 80-90' lang, 50 Mann, 3 oder 4
  Masten, nur der Fockmast mit Raaen.

  Kolumbus rhmt sie als gute Segler, auch beim Winde, als handliche und
  bequeme Seeschiffe.

[Illustration: Galeon des 15. Jahrhunderts.]

=Die= vorzugsweise leichten =Geschtze= -- noch 1514 fhrte der Great
Harry, wenn man von den schweren Geschtzen seiner zweiten Batterie
absieht, nur 8 Geschtze ber 3-Pfnder bei einer ungeheueren Zahl
leichterer -- waren also mit ihrer Vermehrung auf dem Deck, besonders
aber in den Etagen der verlngerten Kastelle aufgestellt und zwar so, da
man nach vorn, nach hinten, nach den Seiten und gegen Entern ber das
Mittschiffsdeck feuern konnte; diese Verteilung ist gut zu ersehen aus
der auf Seite 97 wiedergegebenen Abbildung des ebengenannten Schiffes.
Noch im Mittelalter begann man aber, die Schiffe mit schwereren
Geschtzen zu armieren, scheinbar besonders in den sdlichen Lndern.
Diese fanden jetzt Aufstellung auf dem Hauptdeck des Schiffes, zuerst
vorn und hinten, dann nach den Seiten, ja bald brachte man sie auch im
Schiffsrumpf unter und feuerte durch Pforten in der Schiffswand. Wie
durch die Verlngerung der Kastelle, so wird auch hierdurch die Kraft der
Artillerie immer mehr in die Breitseiten verlegt, die neue Waffe wird
durch ihre Vermehrung und Verstrkung mehr und mehr zur Hauptwaffe: zwei
Punkte, die fr den nchsten Zeitabschnitt kennzeichnend sind. Schiffe
der neueren Art waren im Mittelalter noch sehr selten, im Norden kamen
sie kaum vor; der Beginn der Fortbildung in dieser Hinsicht (vergl.
Abschnitt II Schiffe) fllt aber schon an das Ende des 15. Jahrh. Die
Abbildung auf S. 39 zeigt eine Galeon um die Wende des Jahrhunderts.

  Wie auf die Belebung der Seefahrt berhaupt, so haben die italienischen
  Stdte auch groen Einflu auf die Entwicklung des Schiffbaues gehabt.
  Schon die christlichen Knigreiche Spaniens zogen Genuesen und
  Venetianer zur Anlage von Werften heran, als sie im 12. Jahrh.
  anfingen, Schiffe fr den Seehandel und seinen Schutz zu bauen, ebenso
  waren solche die Lehrmeister der Portugiesen, als diese im 14. Jahrh.
  zur See gingen. Die Schiffe der italienischen Stdte werden auch als
  Muster zur Vervollkommnung der greren Seeschiffe im Norden gedient
  haben, als sie von 1300 an hufiger in diesen Gewssern erschienen.
  Lange noch galten ihre Schiffe als besonders gut und wurden hufig nach
  dem Norden vermietet oder verkauft. Zu Ende des Mittelalters hatten die
  Niederlnder im Norden einen hohen Ruf im Schiffbau errungen, ihre
  Schiffe und ihr Schiffbaupersonal waren jetzt gesucht, besonders in
  Schweden und Frankreich in der nchsten Periode, als in diesen Lndern
  das Seewesen staatlich begnstigt wurde.

Von =staatlichen Werften= hren wir im Mittelalter wenig; dies erklrt
sich daher, da keine Kriegsmarinen von Bedeutung bestanden. Wo grere
stehende Ruderschiffsflotten vorhanden waren, also in erster Linie wieder
in den italienischen Stdten, hatte man natrlich auch Werftanlagen fr
diese, wie wir sie fr das Altertum erwhnten: knstliche Hfen mit
eingeteilten Liegebassins (nasse Docks), Vorrichtungen zum Trockenlegen
der Schiffe, Arsenale fr die Ausrstung. hnliches wird auch in den
anderen Staaten fr die wenigen Regierungsschiffe vorhanden gewesen sein.
So wissen wir von England, da hier schon etwa um 1300 nasse Docks,
schtzende Schuppen und Ausrstungshuser fr die kniglichen Galleys in
Portsmouth, Rye, Winchelsea, Storeham bestanden. Von eigentlichen
Kriegswerften ist aber auch mit dem zunehmenden Gebrauch grerer
Segelschiffe noch nicht die Rede, der Bau der staatlichen Schiffe blieb
wohl fast ganz in Privathnden; berall werden nur Arsenale fr
Geschtze, Ausrstungs- und Kriegsmaterial erwhnt, so in Portugal das
Arsenal Heinrich des Seefahrers in Sagres, in England seit Heinrich VIII.
die Arsenale in Woolwich und Deptford an der Themse, in Portsmouth, in
Frankreich dort, wo die Kstenadmirale ihren Sitz hatten, und hnlich in
Holland; Kriegswerften erscheinen erst im nchsten Zeitabschnitt.

$Waffen.$ Im Mittelalter finden wir, auch im Norden, sobald hier die
erste Zeit des Kampfes nur mit Handwaffen berstanden war, berall die
Waffen des Altertums wieder. Kleinere und grere Wurfmaschinen, grere
Armbrste, die smtlich brennende Pfeile, Lanzen, Steine,
eisenbeschlagene Pfhle und Wurfdraggen schleudern, sind auf den
Kastellen, die schwereren Maschinen bei Segelschiffen auch mittschiffs,
aufgestellt; Stinktpfe und Gefe mit ungelschtem Kalk werden,
besonders aus den Mastkrben, auf das feindliche Deck geworfen. Manche
der Wurfmaschinen scheinen durch die Kreuzzge nach dem Norden gekommen
zu sein, wie denn auch erwhnt wird, da die Schiffe von Richard
Lwenherz das berhmte griechische Feuer[19] verwendet htten. Die
Bewaffnung der Kriegsleute war wie am Lande. Ritter und Knappen, durch
Helm, Harnisch und Schild geschtzt, fhrten Schwerter, Lanzen und xte,
die Leichtbewaffneten Armbrste, Hand- und Fubogen. Berhmt waren die
venetianischen und genuesischen Armbrustschtzen, oft von anderen Lndern
(Frankreich) gemietet, sowie die englischen Bogenschtzen, die jenen noch
berlegen gewesen sein sollen.

  [19] Griechisches Feuer: wahrscheinlich eine flssige Masse aus
       Schwefel, Salpeter, Naphtha, Pech gemischt, entzndlich durch
       Zutritt von Luft; durch Wasser nicht zu lschen, nur durch Essig
       oder Erde. Verwendet: Aus Spritzen; mittels umwickelter Pfeile; in
       Gefen als Handgranaten oder mit Wurfmaschinen geworfen.

Die seit etwa 1325 im Landkriege verwendeten =Pulvergeschtze= wurden
auch bald auf den Schiffen in Gebrauch genommen. Sie finden zuerst
Erwhnung im Westmittelmeer, 1333 in einem Gefechte des Bey von Tunis
gegen spanische Mauren, und bei den italienischen Stdten, bald darauf
auch bei den Hanseaten. Fr England sind 1338 einige wenige Schiffe mit 2
bis 3 Geschtzen, fr Holland die ersten um 1396 angefhrt. Die ersten
schwereren Geschtze am Lande waren Mrser, dann etwas verlngert
Bombarden, die mit geringer Ladung Steinkugeln bis zu 100 Pfund warfen.
Lange Feuerwaffen waren zunchst nur kleineren Kalibers, eigentlich
unbehilfliche Handfeuerwaffen von 1-2 Mann zu bedienen. Beide Arten
wurden anfangs aus der Lnge nach zusammengeschweiten und dann umringten
Eisenstben hergestellt, sie wurden von hinten geladen und durch Keile
oder eine Ladebchse, ein besonderes Verschlustck, geschlossen. Um 1400
kam der Gu der Rohre aus Bronze auf, und die Stabeisengeschtze wichen
mehr und mehr den spter auch aus Eisen gegossenen. Nun konnte man den
hinteren Abschlu des Rohres mit dem vorderen Teil in einem Gusse
herstellen, infolgedessen die Ladung verstrken, und es entwickelten sich
die lngeren Geschtze auch schwereren Kalibers, die Kanonen. Bei
leichteren Geschtzen blieb die Hinterladung noch lnger im Gebrauch, oft
waren dann zur schnelleren Bedienung zwei Bodenverschlustcke mit
Ladekammer vorhanden.

Whrend des 14. Jahrh. machte die Einfhrung der Artillerie an Bord nur
sehr geringe Fortschritte; 1421 hatten englische Schiffe von 400 bis 700
tons nur 3-6, kleinere nur 2 Geschtze, und wenn auch von der Mitte des
15. Jahrh. an berall hufiger solche -- von Bronze und Eisen, mit Stein,
Blei- und Eisengeschossen -- erwhnt werden, sowie auch Handfeuerwaffen,
so hatten doch die neuen Waffen die alten noch nicht verdrngt.
Pulvergeschtze und Wurfmaschinen stehen nebeneinander auf den Schiffen,
Handfeuerwaffen und Bogen werden gleichmig gebraucht. Die alten Waffen
waren noch lange, bis ins 16. Jahrh. hinein, an Schuweite und
Treffhigkeit berlegen; Geschtze, Lafetten und Pulver waren noch
mangelhaft.

  Wie gering die Bedeutung der Artillerie noch im Anfange des 15. Jahrh.
  war, kann man daraus ersehen, da um diese Zeit zuweilen besonders
  hervorgehoben wird, es seien in einem Gefecht auch Kanonen verwendet;
  sowie auch daraus, da bei der Schlacht von Harfleur 1416 alle Waffen
  erwhnt werden, nur diese nicht, obgleich einige englische Schiffe
  dabei sicher Geschtze fhrten und vor allem die beteiligten
  genuesischen Karraks; von diesen wird nur gesagt, da sie durch ihre
  Hhe im Gefecht Bord an Bord im Vorteil gewesen seien.

Immerhin aber nahm die Verwendung der Artillerie in der zweiten Hlfte
des 15. Jahrh. bedeutend zu; wir haben gehrt, da zu Ende des
Mittelalters erbaute Schiffe eine groe Zahl leichter Geschtze fhrten,
und da auch schon schwerere an Bord genommen wurden. Da aber die
Artillerie eigentlich erst eine Waffe des nchsten Zeitabschnittes ist,
so soll erst von dort ab nher auf sie eingegangen werden.

Ebenso verhlt es sich mit einer Spezialwaffe, den =Brandern=. Auch diese
werden schon im Mittelalter vereinzelt verwendet, so z. B. 1304 in einem
Gefecht zwischen Franzosen und Flamndern gegen festgelaufene Schiffe,
doch scheinen sie noch wenig Erfolg gehabt zu haben; ihre Blte fllt gar
erst in die Zeit unseres Abschnitts III.

$Die Seekriege.$[20] Da im Mittelalter keine Seekriege von groer
Bedeutung vorkommen, ist erklrlich. Das Seewesen im Mittelmeer war durch
die Vlkerwanderung grtenteils vernichtet, es konnte sich erst wieder
heben, als die Vlker zur Ruhe und wieder zu einer gewissen Kultur kamen;
im Norden Europas wurde es jetzt erst geboren. Seemchte im eigentlichen
Sinne gab es nicht. Die Kriegfhrung zur See beschrnkte sich auf
allerdings oft ganz bedeutende Eroberungszge ber See, sowie auf
Raubzge; spter, als der Handel wieder eine grere Rolle spielte, wurde
sie auch ein Mittel, um durch Strung der Schiffahrt und durch
Brandschatzung von Kstenstdten dem Feinde Abbruch zu tun oder um fr
erlittene Unbill Repressalien zu nehmen. Auch hierbei kam es zu Kmpfen
zur See, ja groen Seeschlachten, aber ber ihren Verlauf bieten die
Quellen selten genaueres.

  [20] Quellen: Das Sammelwerk du Seins gibt den besten berblick aller
       wichtigen Ereignisse; Henk fhrt die Hauptereignisse auf.

$Im Mittelmeer$[21] fand die =ostrmische Flotte=, die die
Vlkerwanderung berdauert hatte, im 5. und 6. Jahrh. Verwendung bei den
groen Expeditionen gegen Vandalen und Goten in Italien und Afrika, die
zu ihren Eroberungen ebenfalls Flotten geschaffen hatten; sie wirkte mit
zur Abwehr der Barbaren im Osten und vor allem spter gegen Araber und
Trken, als diese auf den Inseln und lngs der Kste sich ausbreiteten;
sie mute endlich auch den nach Osten vordringenden Normannen und den
aufblhenden Seemchten Venedig und Genua entgegentreten. Whrend der
Kreuzzge und der Kmpfe der Trken gegen das ostrmische Reich hatte
sich Venedig eines groen Teils Griechenlands und der griechischen Inseln
bemchtigt. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Trken 1452 ging
das ostrmische Reich zu Ende.

  [21] Hauptquellen: Jurien, gotische Flottillen, Doria; Manfroni, I
       und II, ber Zeit der Vlkerwanderung, neue Reiche, Kreuzzge,
       italienische Stdte; The Ship ber Venedig; de Veer ber Portugal;
       Nauticus 1900 und 1901 ber Venedig und die spanischen
       Knigreiche; Clowes I, England in den Kreuzzgen; in Roncire ber
       die Franzosen im Mittelmeer.

Seestreitkrfte, besonders Fahrzeuge der italienischen Stdte, aber auch
franzsische und selbst nordische -- englische und hanseatische --
spielten eine Rolle whrend der =Kreuzzge= durch berfhrung der Heere,
durch Untersttzung der Belagerungen von Kstenstdten und durch Abwehr
sarazenischer Flotten.

Als die wichtigsten Seekriege im Mittelmeer sind die =Kmpfe der
italienischen Stdte= unter sich -- besonders Genuas gegen Pisa; Venedigs
gegen Genua -- im 12., 13. und 14. Jahrh. anzusehen, weil sie vorwiegend
zur See und um die Vormacht auf der See ausgefochten wurden; sodann
spter die Kmpfe Venedigs mit den Trken um ihre Besitzungen im Osten,
die noch in dem nchsten Zeitabschnitt, in den die Glanzzeit der
trkischen Seemacht fllt, weitergefhrt werden, ferner Kriege Genuas
gegen die Mauren in Spanien, gegen die Raubstaaten in Afrika und gegen
Aragonien.

Schlielich sind noch die =Staaten auf der Pyrenischen Halbinsel= zu
erwhnen. Als sich im 10. Jahrh. der Seehandel des Kalifats von Cordova
entwickelte, wurde dort eine Kriegsflotte ntig, um ihn gegen die
Seeruber, die das Mittelmeer von Sardinien, Sizilien und der Nordkste
Afrikas aus unsicher machten, zu schtzen. Etwa zwei Jahrhunderte spter
entstanden aus demselben Grunde Flotten in den christlichen Reichen
Kastilien und Aragonien, die Verwendung fanden in den Kmpfen der
christlichen Staaten untereinander und mit den Mauren, bei der Eroberung
der Balearen, Sardiniens und Siziliens durch das Knigreich Aragonien, in
Fehden mit den italienischen Stdten und mit den Franzosen, von Kastilien
aus sogar im Atlantik im Kampfe mit England als Nachbar der englischen
Besitzungen in Frankreich. Auch Portugal bedurfte der Seestreitkrfte
gegen die Unglubigen.

Alle Kriegsschiffe im Mittelmeer waren Ruderschiffe, nur Portugal und die
baskischen Provinzen Kastiliens verwandten, weil am Ozean gelegen, schon
einige Segelschiffe; grere stehende Kriegsflotten besaen eigentlich
nur die Genuesen und Venetianer.

=Im Norden Europas= kann zunchst von einer Kriegfhrung zur See nicht
die Rede sein. In die frhesten Zeiten vom 9. bis 11. Jahrh. fallen die
Raub- und Eroberungszge der =Skandinavier=, besonders von Dnemark und
Norwegen ausgehend, nach allen Ksten der Ost- und Nordsee, nach England
und Frankreich, nach Spanien und Portugal und bis ins Mittelmeer. Diese
Volksflotten fanden im Norden nirgends nennenswerte gegnerische
Seestreitkrfte vor, bis die Hansa sich des Handels im Norden
bemchtigte, und in ihr ihnen ein berlegener Gegner erwuchs. Erst mit
dem allmhlichen Erstarken der nordischen Reiche war die =Hansa=
gezwungen, um ihre wirtschaftliche Herrschaft zu kmpfen. Nur durch
blutige Fehden zur See und ber See, besonders gegen Dnemark, konnte sie
diese behaupten; durch geschickte Einmischung in die inneren Kmpfe der
Vlker, hauptschlich durch Untersttzung Schwedens gegen den Plan einer
skandinavischen Union unter Dnemarks Fhrung, errang sie sogar eine
politisch leitende bedeutende Stellung im Norden; diese Zeit der
aufreibenden Kmpfe der beiden nordischen Nationen um die
Aufrechterhaltung der Union, an denen sich auch schon niederlndische
Stdte, anfangs auf seiten der Hansen, spter auf der der nordischen
Herrscher beteiligten, war die Periode der hchsten Blte der Hansa. ber
stehende Flotten geboten aber weder die nordischen Reiche noch die Hansa.
Fr besondere Gelegenheiten wurden die Streitkrfte erst aufgebracht, und
so haben auch diese Kriege mehr den Charakter von Expeditionen,
berrumpelungen, Brandschatzungen und Repressalien.[22]

  [22] Quellen: ber die Hansa: Schfer, Lindner. ber die
       skandinavischen Vlker: Tuxen (dnische), Gyllengranat
       (schwedische Flotte); ber beide: Nauticus 1900.

In der Geschichte =Englands und Frankreichs= wird der Seekrieg von
Bedeutung in den Kriegen zwischen beiden Nationen um die Besitzungen
Englands auf dem Festlande whrend des 13., 14. und 15. Jahrh. Die
dnische Invasion vorher, der Alfred der Groe durch eine bedeutende,
aber bald wieder =verfallende= Flotte ein Ende machte, und die Eroberung
Englands durch die Normannen sind gleichfalls unter die Eroberungszge
der Skandinavier zu rechnen. In diesen Kriegen, mit krzeren oder
lngeren Pausen und wechselnden Erfolgen fast drei Jahrhunderte hindurch
gefhrt, finden wir eine fortlaufende Reihe von Expeditionen ber See. In
erster Linie gehen diese natrlich von England aus, aber auch die
Franzosen unternehmen oft grere Einflle an der englischen Kste; der
kleine Krieg, Brandschatzungen an den Ksten und Wegnahme von Schiffen,
luft durch die ganze Zeit; von 1243 an sind auch die ersten Freibriefe
an einzelne Schiffe zur Schdigung des Feindes zu Wasser und zu Lande
bekannt. Die Kriegsfhrung zur See ist des fteren von groem Einflu auf
den Verlauf der Kriege. Es zeigt sich hier schon frh, =da groe Ziele
ber See nur erreicht werden knnen, wenn man die See beherrscht=, die
feindlichen Seestreitkrfte vernichtet oder vllig lahm gelegt hat:
franzsische Expeditionen scheitern oder werden im Keime erstickt, wenn
englische Flotten, oft nur verhltnismig kleine, ihnen entgegentreten;
der englische Krieg auf dem Festlande erlahmt infolge unsicherer
Verbindung mit der Heimat, sobald die franzsischen Seestreitkrfte die
mchtigeren sind.

Einige =hervorragende Beispiele=[23] =aus dem= 13. =Jahrh.= seien
angefhrt: 1212 sammelte =Philipp= II. in der Seine eine groe Flotte von
1700 Segeln und fhrte sie nach =Damme= in Flandern, um von dort eine
Exekutionsarmee gegen den vom Papst in den Bann getanen =Johann= nach
England berzusetzen. Eine englische Flotte von nur 500 Segeln
berraschte sie im Hafen und auf der Rhede, zum Teil von Mannschaften
entblt, vor Anker liegend und tat ihr solchen Abbruch, da Philipp II.
sein Unternehmen aufgeben mute. 1216 dagegen, als Johann, mit seinen
groen Vasallen im Streit, ber keine Schiffe gebot, gelingt es den
Franzosen, mit 700 Fahrzeugen ein Heer zur Untersttzung der Emprer und
zur Einsetzung des von ihnen herbeigerufenen Prinzen Louis von Frankreich
berzufhren; wiederum aber wird 1217 ein Transport von 180 Schiffen, der
nach einer Niederlage der Barone und der Franzosen (bei Lincoln, nach
Johanns Tode) Verstrkungen nach England bringen soll, von nur 40
englischen Schiffen unter =Hubert de Burgh= bei =South-Foreland=
vollstndig vernichtet. Dieses erste groe Gefecht auf offener See, auch
sonst in Hinsicht auf Taktik und Kampfweise bemerkenswert, zwang den
Prinzen Louis zum Rckzug aus England und fhrte zu einem fr England
gnstigen Frieden.

  [23] In Clowes I sind die kriegerischen Ereignisse der englischen
       Marine im Mittelalter smtlich behandelt. Gerade vom Beginn des
       13. Jahrh. an werden die Quellen fr diese Marine reichhaltiger.
       In Clowes auch die Verwendung der Seestreitkrfte in den Kmpfen
       mit Schottland und zur Eroberung Irlands. Franzsischerseits fr
       die Geschichte der Marine im Mittelalter Roncire I und II sehr
       eingehend.

  In den weiteren Kriegen Heinrichs III. und Eduards I. 1217-1307 gegen
  Frankreich finden wir keine so wichtigen Ereignisse. Die
  Seestreitkrfte wurden nur in dem allgemein gekennzeichneten Sinne
  verwendet; gegen Ende genannter Zeit und unter Eduard II. war England
  vorwiegend mit Schottland und Irland beschftigt. Einige Begebenheiten
  seien aber angefhrt, da sie einen Blick in die eigentmlichen
  damaligen Verhltnisse auf der See geben. Die Cinque-Ports Englands,
  der Hauptrckhalt der Krone in Beziehung auf Seestreitkrfte, trieben
  zur Zeit der Kmpfe der Barone gegen den Knig offene Piraterie und
  fhrten Privatkriege in Handelsinteressen gegen andere Nationen, auch
  wenn sonst Friede war; im Jahre 1275 herrschte sogar ein
  Freibeuterkrieg zwischen ihnen und den Bayonnesen, obgleich diese auch
  Untertanen Englands waren. Infolge eines Privatstreites englischer
  Seeleute in einem Hafen der Normandie wurde im Jahre 1293 in der Mitte
  des Kanals eine Seeschlacht geschlagen, in der 60 englische Schiffe --
  teilweise in Holland und Irland geworben -- unter dem Gouverneur von
  Nottingham-Castle 240 normannische, franzsische, flmische und
  genuesische Schiffe unter dem Grafen von Valois, Bruder des Knigs von
  Frankreich, vllig besiegten und reiche Beute machten. Die Folgen
  dieses Ereignisses, Verhandlungen und Repressalien, fhrten zu einem
  neuen Kriege.

  =Seeraub= und vllige Nichtachtung fremden Eigentums auf See war
  berhaupt bei fast allen Kstenvlkern gebruchlich; man liest von
  Seerubern der Schotten und Iren, der Niederlande, der Bretagne, der
  Normandie und der Basken. Unterdrckung des Seeraubes war die
  Hauptaufgabe der wenigen Kriegsschiffe.

In den englisch-franzsischen Kriegen des 14. =und= 15. =Jahrh.= -- =dem
sog. Hundertjhrigen Kriege= -- zeigt sich aufs neue der Einflu der
jeweilig berlegenen Seemacht. In der ersten Zeit seiner Regierung fhrte
=Eduard= III., selbst ein Seemann, den Seekrieg energisch. Whrend vor
und zu Beginn des Krieges (1339) die Franzosen zur See stark gewesen zu
sein und den Englndern viel Schaden getan zu haben scheinen, hob Eduard
1340 eine groe Flotte aus und versetzte den Feinden einen schweren
Schlag. Frankreich hatte im Hafen von =Sluys=, jetzt einer hollndischen
Binnenstadt, nach den niedrigsten Angaben eine Macht von 190 Segeln,
deren Kern eine grere Abteilung genuesischer Galeren bildete, und 35
000 Mann versammelt. Der Platz war als geeignet gewhlt, um dem in
Flandern stehenden englischen Heere die rckwrtigen Verbindungen
abzuschneiden und auch um einen Einfall nach England zu unternehmen.
Eduard griff diese Flotte mit 250 Fahrzeugen aller Gren am 24. Juni
1340 an und vernichtete sie. Ein kurzer Friede war die unmittelbare
Folge, aber wichtiger noch war das durch den Sieg gewonnene bergewicht
zur See. Nun gelang es den Englndern, 1347 =Calais= zu erobern und sich
hierdurch, sowie durch einen neuen Sieg im Kanal 1350 ber die 40 groe
und reichbeladene Schiffe starke Flotte des kastilischen Freibeuters =Don
Carlos de la Cerda= die Seeherrschaft wieder dauernd zu sichern. Ihr
Besitz, das Zusammenwirken von See- und Landstreitkrften hat viel zu dem
gnstigen Verlauf des Krieges in Frankreich bis zum Jahre 1360
beigetragen.

Lehrreich ist, da Eduard -- hnlich wie wir es im Altertum in Athen und
in Rom fanden -- erst den Widerstand des Parlaments berwinden mu, als
er die Flotte zu groen Offensivunternehmungen, dem Angriff auf Calais,
heranziehen will; das Parlament ist anfangs noch der Ansicht, diese sei
nur zur Verteidigung der Ksten da.

Nach diesen Erfolgen vernachlssigte aber Eduard III. die Kriegfhrung
zur See, und die Folge davon war, da sich schon 1360 die Franzosen
wieder regten und die englische Kste brandschatzten.

  Laird Clowes sagt darber, dem Sinne nach: der Krieg von 1359-1360 zu
  Lande war nur eine Reihe von bei der Erschpfung Frankreichs leicht
  errungenen Triumphen. Dies entsprach dem hitzigen Charakter Eduards
  mehr, als durch eine langsame, systematische Kriegfhrung auf dem
  Wasser, ohne groe ruhmreiche Ereignisse, den Feind zur See weiter bis
  zur vlligen Vernichtung niederzuwerfen. Trotz der Erkenntnis der
  Wichtigkeit der Seeherrschaft fr England vernachlssigte er den
  Seekrieg und die Seestreitkrfte.

In den letzten Kriegen Eduards III. von 1369 an, wo Frankreich in
Kastilien einen trefflichen Bundesgenossen zur See hat, zeigen sich dann
weiter die Folgen dieses schweren Fehlers. Eine englische Flotte, die
1372 das belagerte La Rochelle entsetzen soll, wird dort von einer 40
Schiffe starken kastilischen Flotte vernichtet, und die Blockade der
Stadt durch den inzwischen um 8 Galeren verstrkten Sieger beschleunigt
ihren Fall. 1374 durfte eine nach Guyenne bestimmte Armee es nicht wagen,
dorthin zu segeln, sondern war gezwungen, in Calais zu landen und einen
verlustreichen Marsch durch Frankreich zu machen; so gingen denn auch bis
1374 fast alle englischen Besitzungen in Sdfrankreich, auer Bordeaux
und Bayonne, verloren.

Seit 1374 baute nun Frankreich auf Anregung =Jeans de Vienne= sogar zum
ersten Male selbst eigens fr den Krieg bestimmte Schiffe und erhielt
dadurch ein bergewicht, das sich whrend der lssig und ergebnislos
gefhrten Kriege Richards II. besonders im kleinen Kriege im Kanal
zeigte, wo Franzosen und Spanier die bei weitem greren Erfolge
aufzuweisen haben. Sie beherrschen soweit die See, da es den Englndern
oft nicht mehr mglich ist, Verstrkungen nur ber den Kanal zu werfen.
Whrend der Friedenszeit unter =Heinrich= IV. mu sogar die Verfgung
erlassen werden, da englische Schiffe nach Bordeaux nur in greren
Konvois segeln drfen.

Noch einmal endlich spielt die englische Flotte unter dem tatkrftigen
=Heinrich= V. (1413-1422) eine Rolle. Er geht im August 1415 mit 1400
Fahrzeugen aller Gren nach Harfleur, belagert und nimmt es im
September, wobei die gefechtsfhigen Schiffe durch Blockade und
Aufrechterhaltung der Verbindung mit England mitwirken -- am 25. Oktober
wird die Schlacht von =Agincourt= geschlagen. Als die Franzosen 1416
ihrerseits Harfleur belagern, wird ihre Blockade-Flotte vor dem Hafen
durch die englische vernichtet.

Von besonderem Interesse ist eine =Expedition Heinrichs= V. =im Jahre=
1417. Eine Transportflotte von 230 Schiffen war in Southampton
versammelt, aber vor dem Absegeln sendet der Knig erst ein Geschwader
aus, um ein auf See befindliches feindliches zu suchen und zu schlagen.
Die Schlacht fand am 25. Juli statt (Ort des Zusammentreffens und Strke
der Gegner ist unbekannt). Die Englnder siegten, und sofort nach
Eintreffen der Nachricht geht die Transportflotte am 29. Juli in See und
landet wohlbehalten in Frankreich. Heinrich zeigt hierbei volles
Verstndnis fr die Wichtigkeit der Seeherrschaft und fr die
Schwierigkeit eines greren Einfalles in Feindesland, solange eine
feindliche Flotte die See halten kann. Um sich nicht mit dem Transport
einer Schlacht auszusetzen, in der dieser gefhrdet und seine
Streitkrfte behindert gewesen wren, lt er sich vorher den Weg
freimachen; Clowes bezeichnet (Tl. I, S. 380) diese Expedition als das
erste derartige Unternehmen, das auf wissenschaftlichen Grundstzen
beruhe. Mit der neu errungenen Seeherrschaft stellten sich auch die
Erfolge am Lande wieder ein.

Nach des Knigs frhem Tode 1422 trat vlliger Verfall der Seemacht
Englands ein, 1423 wurden sogar alle kniglichen Schiffe bis auf zwei
verkauft. Die englischen Besitzungen in Frankreich gingen bis 1456 mit
Ausnahme von =Calais= smtlich verloren. Die Brgerkriege der beiden
Rosen taten das brige; England war ohnmchtig zur See, Einflle von
allen Seiten gelangen. 1472 plnderte auch eine hanseatische Flotte die
Ksten und erzwang den Stdten weitgehende neue Vergnstigungen. Erst
unter den Tudors sollte sich die englische Seemacht wieder heben.

$Kampfweise und Taktik.$ Die Kampfweise der =Ruderschiffe im Mittelmeer=
war naturgem dieselbe wie im Altertum. Mit dem Motor an den Seiten, den
Kmpfern und Wurfmaschinen hauptschlich auf Bug und Heck, der Bug selbst
durch Sporn oder langes Entergallion armiert -- also die Seiten offensiv
und defensiv schwach, die Schiffsenden stark --, lag die Kampfrichtung in
der Kielrichtung. Da die Fahrzeuge nicht auf der Hhe der attischen
Triere standen und auch sonst mit ihrer Armierung und starken Besatzung
mehr den Schiffen des Altertums zur rmischen Zeit entsprachen, so war
ihre Kampfweise mehr dieser gleich: Erffnungsgefecht mit Fernwaffen;
Versuch, beim Anlauf die feindlichen Riemen zu zerbrechen, baldiges
Entern, Verwendung des Rammstoes, wenn die Gelegenheit gnstig. Auch die
Einfhrung der Artillerie, whrend des Mittelalters ja nur in geringem
Mae, nderte nichts an der Kampfweise; die wenigen Geschtze waren
gleichfalls im Bug und Heck aufgestellt.

Eine Taktik fr Schiffsverbnde gab es nach Ansicht aller Schriftsteller
noch nicht. Wir finden die vom Altertum berlieferten breiten
Gefechtsformationen -- Dwarslinie, Sichel, Halbmond -- formal angewendet
mit dem Bestreben, mglichst bald ins Gefecht und zur Mle zu kommen.
Von Beispielen angewandter Taktik, wie sie das Altertum zeigt, eine
vorzgliche Ausbildung der Schiffe zu benutzen, um an einer Stelle das
bergewicht zu erringen, oder im Gefecht eigene eigentmliche Waffen (z.
B. besondere Schiffstypen) mit Vorteil zu verwenden, wird nirgends
berichtet. Alte Erfahrungen scheinen verloren zu sein, der Sinn fr
Taktik geschlummert zu haben. Vielleicht ist der Grund darin zu suchen,
da den jeweilig starken Seemchten, erst den ostrmischen Flotten,
spter denen der italienischen Stdte, keine ebenbrtigen Gegner
gegenberstanden, oder auch darin, da sich die Kriegfhrung mehr auf
Expeditionen ber See als auf Schlagen auf See erstreckte.

Im =Norden= standen Kampfweise und Taktik am niedrigsten; die Flotten des
Mittelmeeres waren wenigstens stehende Marinen mit grerer Erfahrung der
Fhrer und mit beweglicheren Schiffen. Noch lange brauchten die Schiffe
des Nordens auch im Gefechte die Riemen, ohne aber den Galeren als
Ruderschiffe gleichzukommen; die =ersten Segelschiffe= aber waren fr
eine entsprechende Kampfweise und Taktik noch zu unbeholfen und
unhandlich. Ihre Kraft lag allein in ihrer Gre, ihrer Hhe -- je hher,
desto gnstiger fr den Enterkampf, offensiv wie defensiv --, ihrer
starken Besatzung. Auch ihre Kampfrichtung lag in der Kielrichtung; man
trachtete danach, so schnell wie mglich den Nahkampf mit Rammen,
Indengrundsegeln und vor allem Entern herbeizufhren.

Die Flottentaktik bestand auch nur darin, die Streitkrfte, in drei oder
vier Geschwader geteilt, nach Mglichkeit geordnet an den Feind zu
bringen; das vierte diente als Reserve und Verstrkung. Dann suchte sich
jedes Schiff seinen Gegner, gebrauchte Enterdraggen und Enterhaken, und
das blutige Handgemenge, bei dem kein Pardon gegeben wurde, begann. Es
ist also derselbe Gefechtsverlauf wie bei den Ruderschiffen, ja bei den
unhandlicheren Fahrzeugen wird von einer Verwendung der Schiffe selbst
als Waffe noch mehr abgesehen, sie bilden eigentlich nur den Kampfplatz.

  De Jonge gibt (I, S. 17) nach dem Bericht eines Zeitgenossen ber den
  Verlauf =einer Schlacht auf der Maas im Jahre= 1351 etwa folgende
  Schilderung: Das Anstimmen des Kriegsgeschreis -- bei den Hollndern:
  Holland! Holland! -- gab das Zeichen zum Beginn des Kampfes. Unter dem
  Kampfruf, dem Schmettern der Trompeten und dem Schall der Posaunen
  gingen die Schiffe aufeinander los. Nach Abschieen der Wurfmaschinen
  sucht jedes Schiff einen Gegner; die Armbrste und Bogen spielen,
  Draggen und Enterhaken werden geworfen und so der Feind festgehalten.
  Von diesem Augenblick an hrte sozusagen der Kampf auf ein Schiffskampf
  zu sein; nun mute Zahl und Tapferkeit der Besatzung im Kampfe Mann
  gegen Mann entscheiden. Das Schwirren der Armbrste, das Klirren der
  Schwerter, das Aneinanderschlagen der Schilde, das Brechen der Lanzen,
  das Krachen der geschleuderten Steine und das Kriegsgeschrei der
  Streitenden war schrecklich. -- Da kein Pardon gegeben wurde, so war
  der Verlust in den Schlachten weit grer als in den spteren Zeiten.

Aber =einige lehrreiche Ereignisse= berliefert uns die Geschichte doch.
Zunchst eins, das den wichtigsten Einflu der Segel auf die Kampfweise
zur See zeigt, nmlich den Vorteil des Gegners, der zu Luward steht --
d. h. ber dem Winde, der den Wind zuerst empfngt. Dieser hat Beginn
und Entfernung des Gefechtes in der Hand, ein Vorteil, der bald erkannt
werden mute. Da ein Flottenfhrer auf das Gewinnen der Luvstellung vor
dem Gefechte manvriert, wird uns zum ersten Male bei der =Schlacht von
Southforeland= 1217 berichtet. In dieser ersten Schlacht, die England auf
offener See ausfocht, steuerte Hubert de Bourgh so, da die Franzosen
glaubten, er wolle den Kampf vermeiden. Als er aber den Wind gewonnen
hatte, hielt er ab und griff mit seinen Ruder- und Segelschiffen vor
raumem Winde zunchst die feindliche Nachhut an, wobei mehrere feindliche
Schiffe gerammt und bersegelt wurden. Er benutzte also die Luvstellung
zur Verstrkung seines Stoes und zur Wahl des Angriffspunktes in der
feindlichen Aufstellung.

In der groen =Schlacht bei Sluys= 1340 ereignete sich hnliches. Die
franzsische Flotte, die in und vor dem Hafen gelegen hatte, lichtete bei
Annherung der Englnder Anker und ging in See. Sie war in vier
Geschwader formiert, die einzelnen Schiffe der Geschwader waren
miteinander durch Ketten und Kabel verbunden, um nicht durchbrochen zu
werden -- ein Beweis, wie sehr die Schiffe als Kampfplatz und nicht als
Waffe angesehen wurden. Als Eduard III. auf das Gewinnen der Luvstellung
manvrierte, nahmen die Franzosen auch hier wieder an, er wolle das
Gefecht vermeiden, warfen die Ketten los und folgten.

Eduard wirft sich nun von Luward aus auf die Vorhut des Feindes, die aus
den strksten Schiffen besteht, und vernichtet diese; auch das zweite und
dritte Geschwader, die anstatt einzugreifen entmutigt fliehen, werden
einzeln geschlagen, nur das Geschwader der genuesischen Galeren entkommt.
Bemerkenswert ist bei dieser Schlacht eine zweite taktische Manahme
Eduards. Er hatte in seine erste Schlachtlinie die schwersten Schiffe
gestellt, abwechselnd bemannt mit einer groen Zahl Bogenschtzen und mit
Schwerbewaffneten; jene erschtterten den Feind durch ihr Feuer, diese
schritten dann zum Entern. Die leichteren Schiffe mit Bogenschtzen
standen in einer zweiten Linie als Reserve und griffen ein, sobald der
erste Anprall erfolgt war. Endlich sollen auch bei dieser Schlacht zum
ersten Male im Norden Wurfgeschtze in groem Mastabe verwendet sein,
dagegen keine Ruderschiffe mit Sporn.

Der Angriff von Luward in derselben Weise, d. h. zum Sto, wird von jetzt
an fter erwhnt. Es fehlen aber alle Andeutungen, da der Wind sonst zu
taktischen Zwecken ausgentzt sei oder da die aufkommende Artillerie
Einflu auf Kampfweise und Taktik gehabt habe. Wie gering die Bedeutung
dieser noch im 15. Jahrh. war, ist schon frher (S. 42, Bemerkung ber
die Schlacht bei Harfleur) gekennzeichnet; Artillerie und Segelmanver
gewannen erst Einflu, als die Geschtze in den Breitseiten aufgestellt
waren und die Schiffe grere Segel- und Manvrierfhigkeit besaen.

$Strke, Zusammensetzung$ und $Bemannung der Flotten$. Es ist
verschiedentlich hervorgehoben, da es im Mittelalter stehende Flotten
nur in den italienischen Stdten und vielleicht in einzelnen anderen
Staaten am Mittelmeer gab.

Diese Stdte, insbesondere Genua und Venedig, bedurften solcher, da ihre
Interessen vorwiegend und andauernd auf der See lagen. Sie hielten
stndig eine Flotte von Galeren im Dienst. Um 1472, die Zeit der hchsten
Blte, besa =Venedig= einen festen Bestand von 45 Galeren mit 11000 Mann
(daneben 3300 Kauffahrer mit 25000 Matrosen), doch haben sowohl Venedig
wie Genua zu groen Unternehmungen 100, ja bis zu 200 Galeren
aufgestellt. Auch die wohl nur kleinen Flotten Aragoniens und Kastiliens
im Mittelmeer setzten sich, was die wirklichen Kriegsschiffe anbetrifft,
aus Galeren und einigen kleineren Schnellseglern zusammen.

Bei den Vlkern des Westens und Nordens kann vorlufig von stehenden
Marinen nicht die Rede sein. Die =Hansa=, die einzige Macht mit groem
Interesse auf See, gebot ber keine feste einheitliche Marine, sie konnte
selbst ihren Stdten rechtlich nicht die Gestellung von Seestreitkrften
auferlegen; freiwillige Bndnisse scharten die zum Kampf geeigneten
Schiffe der einzelnen Gemeinwesen im Bedarfsfalle zusammen. In den
anderen Staaten verfgte man ber einzelne staatliche Schiffe fr gewisse
Zwecke -- Hafenschutz, Zoll- und Polizeidienst --, kaum aber in erster
Linie fr den Krieg. Zunchst waren es meist Ruderschiffe, aber auch als
sich spter die Segelschiffahrt von 1300 an mehr entwickelte, sind
Kriegsschiffe nur in geringer Zahl vorhanden gewesen.

So hren wir in =England= zwar frhzeitig von Kings-Schiffen, zuerst
galleys, die indessen auch an Private vermietet wurden, selbst the Kings
great ship. Viele knnen es nicht gewesen sein, denn anderseits wurden
wieder von den Stdten Schiffe fr den kniglichen Dienst ausgehoben, und
nicht nur fr den Kriegsdienst, sondern auch fr den Transport von
Passagieren und Gtern. Fr den Kriegsdienst war man nahezu ganz auf die
Einstellung von Kauffahrern angewiesen; selbst schon zum Kstenschutz und
gegen Seeraub brauchte man ihre Untersttzung. In erster Linie lag ihre
Gestellung bei den =Cinque Ports=, den wichtigsten Hfen: Dover,
Sandwich, Hythe, Romney, Hastings (spter traten noch andere hinzu), die
seit Wilhelm dem Eroberer gegen Bewilligung verschiedener Vorrechte
verpflichtet waren, eine bestimmte Anzahl von Schiffen zu stellen (einige
fnfzig). Bei Mehrbedarf wurden noch andere Fahrzeuge geheuert oder man
legte Beschlag auf alle in den Hfen befindlichen, selbst fremde.

  Die ungeheure Zahl von Fahrzeugen, aus denen die Flotten in den
  englisch-franzsischen Kriegen bisweilen bestanden, darf uns nicht
  verwundern. Wenn es sich um eine Expedition mit einer Armee ber den
  Kanal oder um Abwehr eines solchen Einfalls handelte, wurden die
  Fahrzeuge bis zu 50 tons, ja selbst bis zu 20 tons hinunter,
  ausgehoben. Handelte es sich um eine Flotte zum Schlagen, so finden wir
  weit kleinere Zahlen (z. B. Englnder bei Southforeland 1217 und
  Kastilier bei La Rochelle 1372 nur 40 Schiffe); zu solchem Zweck waren
  eben nur grere Schiffe zu gebrauchen. Gewaltige Flotten grerer
  Schiffe, aber immerhin doch weit kleiner als die erwhnten
  Expeditionsflotten, treten erst im 17. Jahrh. auf, als die Schiffahrt
  und damit der Bestand grerer Kauffahrer ungemein zugenommen hatte.

Wie gering die Zahl der kniglichen Kriegsschiffe war, zeigt der kleine
Bestand um 1421 (vergl. Clowes I., S. 347), als Heinrich V. groen Wert
auf die Kriegfhrung zur See legte, nmlich: 17 ships, darunter nur 6 von
400-1000 tons; 7 Karraks von 500-600, Schiffe sdlichen Ursprungs, dem
Feinde abgenommen; 14 kleinere Fahrzeuge von 50-120 tons. Die 1416 vor
Harfleur genommenen Karraks sollen als Muster beim Bau grerer Schiffe
in England gedient haben. 1417 war nur etwa die Hlfte dieser Schiffe
vorhanden gewesen und 1423 wurden nach Heinrichs Tode wieder alle bis auf
zwei verkauft, so da unter Heinrich VI. selbst die Aufrechterhaltung der
Sicherheit an den Ksten und in den Kstengewssern kontraktlich an
Private vergeben und dann wieder die Stdte zu ihrer Untersttzung
herangezogen werden muten. Mglich, da im 14. Jahrh. schon mehr
Kriegsschiffe vorhanden gewesen waren, das Haus Lancaster hat im
allgemeinen Seefahrt und Handel vernachlssigt. Erst unter den Yorks
baute man wieder Kriegsschiffe, bis 1485 werden nach und nach 11
aufgefhrt. Heinrich VII. bernahm (1485) 7 groeSchiffe und baute
selbst das erste epochemachende Schiff des Nordens Regent (vergl. S.
97).

In =Frankreich= hrt man bis 1374 gar nichts von kniglichen
Kriegsschiffen. Das Land war ja auch hufig ganz oder doch fast ganz von
den Ksten abgeschnitten, so da selbst die Aufstellung von Flotten aus
Kauffahrern schwierig und beschrnkt war. Zur Verstrkung mute man
Schiffe in Holland und Flandern heuern, und eine Hauptkraft bildeten
vielfach genuesische Kriegsgaleren, im 15. Jahrh. auch Karraks. 1374
begann der Admiral Jean de Vienne in Rouen die ersten Kriegsschiffe zu
bauen und trat schon 1377 mit 35 fr damalige Zeit groen und wohl
armierten auf. Diese erste knigliche Marine hat jedoch keine Dauer
gehabt, erst unter Richelieu wurde eine neue geschaffen.

Auch =Portugal und Kastilien= scheinen keine nennenswerte Zahl von
Segelkriegsschiffen besessen zu haben. Die Schiffe Prinz Heinrichs des
Seefahrers trieben, wie wir sahen, bei ihren Entdeckungsreisen Handel;
die von den Englndern 1350 geschlagene Flotte de la Cerdas befand sich
reich beladen auf der Rckreise von Flandern; die vor La Rochelle 1372
mit Erfolg ttige kastilische Flotte war (vergl. du Sein II, S. 450) mit
franzsischer Besatzung bemannt. Alle diese Schiffe waren also wohl
geheuerte Kauffahrer.

ber die =Bemannung= der Schiffe im Mittelalter haben wir wenig genaue
Angaben, einige sind bei der Besprechung der Schiffe angefhrt. Wie es
keine stehenden Marinen gab, so gab es auch kein Marinepersonal im Sinne
der spteren Zeit. Die seemnnische Fhrung und die Bedienung der
Fahrzeuge lagen in der Hand des kleinen seemnnischen Personals, das wohl
meist mit den Schiffen geheuert oder ausgehoben wurde. Zum Kampf
schifften sich Kriegsleute -- Ritter, sonstige Schwerbewaffnete und
Leichtbewaffnete, besonders Bogenschtzen -- ein. Die Seeleute
beteiligten sich wohl am Kampf, doch war es eben nicht ihre Hauptaufgabe.
Nach Quellen aus verschiedenen Nationen drften im Durchschnitt gefhrt
haben:

           Schiffe von 120 tons: 25 Seeleute, gesamt  75 Mann
              "     "  200   "   50    "        "    150  "
              "     "  250   "   60    "        "    200  "
              "     "  300   "   80    "        "    250  "

  In den Seeleuten waren inbegriffen: Der Schiffer, ein oder zwei
  Steuerleute und Zimmerleute, Matrosen und Schiffsjungen; Kriegsleute
  waren etwa doppelt so viel vorhanden. Mit dem Grerwerden der Schiffe
  wuchs die Besatzung nicht in demselben Verhltnis wie in vorstehender
  Tabelle weiter; ein Schiff von 600 tons hatte am Ende der Periode nur
  etwa 300 Mann. Wir werden sehen, da die Besatzung relativ immer
  geringer wird, da dagegen die Zahl der Seeleute mit Zunahme der
  Armierung mit Geschtzen, und wohl auch infolge der Entwicklung der
  Takelage, absolut und im Verhltnis zur Gesamtbesatzung wchst.

Eingeschiffte Landungstruppen nahmen natrlich bei einem Zusammensto auf
See am Kampfe teil, aber auch sonst findet man fters eine betrchtliche
Vermehrung der Kriegsleute an Bord, wenn eine Flotte zu einem Schlage auf
See entsendet wird, wie z. B. auf der englischen, die 1416 zur
Vernichtung der franzsischen Blockadeflotte vor Harfleur in See ging.
Die Soldaten wurden wie zu den Landheeren ausgehoben oder geworben. Es
ist anzunehmen, da, da auch die Kauffahrer dieser Zeit zum eigenen
Schutz meist mit Kriegern besetzt waren, sich unter den Soldaten der
Schiffsbesatzung viele befanden, die gewerbsmig vorwiegend zur See
dienten.

Die Schiffe standen unter dem militrischen Kommandanten, dem Kapitn;
dem Schiffer fiel nur die seemnnische Leitung zu. Den Befehl ber
mehrere Schiffe fhrten =Admirale=. Dieser Titel, aus dem Mittelmeer
schon seit den Kreuzzgen bernommen und vom arabischen Amir oder Emir
stammend, bezeichnet zunchst nur die Ttigkeit fr bestimmte
Gelegenheiten; auch Kauffahrteischiffe waren, wenn sie im Konvoi
segelten, einem der Schiffsfhrer als Admiral unterstellt.

  In England standen die Ksten und der Kstenschutz unter einem Admiral
  des Nordens und einem des Westens (seit 1300 mit diesem Titel, die
  Einrichtung ist lter; vorher werden derartige Stellungen Captain of
  the kings sailors oder keeper of the sea coast genannt), die Grenze der
  Machtbefugnisse beider war die Themse. Sie mobilisierten die Flotte
  ihres Bereichs und fhrten sie; doch wurden fr besondere Zwecke auch
  andere Admirale bestellt, und zeitweise stand ber ihnen ein Admiral
  von England. Seit 1406 war ein solcher stets vorhanden und wurde spter
  Lordhighadmiral benannt, ihm unterstanden das ganze Seewesen und alle
  sonst zeitweis bestellten Admirale; die festen Kstenadmirale fielen
  weg. Auch in Frankreich finden wir stets einen Admiral von Frankreich
  und unter ihm solche fr die verschiedenen Kstenbezirke.

  Die Admiralstellungen bekleideten wie die Feldherrnstellungen der
  Landheere im Mittelalter im allgemeinen hochgestellte Edelleute. Es
  finden sich bei groen Flotten, entsprechend der Einteilung in
  Geschwader, schon die Funktionen der Vize- und Kontre-Admirale als
  Fhrer der Vorhut (rechter Flgel) und der Nachhut (linker Flgel);
  diese Stellungen wurden durch den Flottenchef mit den geeignetsten
  Kommandanten besetzt. Die Kommandanten der greren Kriegsschiffe waren
  aber gleichfalls selten Seeleute von Beruf.




                           Zweiter Abschnitt.

                         Die Zeit von 1492-1648.

                      Kennzeichen des Abschnittes.


Die groen Entdeckungen erschlieen die Erde, Seefahrt und Seehandel
treten in die Weltmeere. Die Vlker Westeuropas werden die Trger der
Schiffahrt; wesentliche Vervollkommnung der Segelschiffe; die
Ruderschiffe verschwinden auch als Kriegsschiffe. Die Artillerie wird,
auch als schwere in den Breitseiten aufgestellt, die Hauptwaffe der
Schiffe. Der Seehandel auf den Weltmeeren und die fernen Kolonien werden
Angriffsobjekte des Seekrieges.


[Illustration]

                             Erstes Kapitel.

Einleitung. Die groen Entdeckungen. Das Heraustreten der Englnder und
Hollnder (Franzosen) in die Ozeane. Die Unsicherheit auf den Meeren.


                               Einleitung.

Der Anfang der =Neueren Zeit= ist auch ein =Wendepunkt von hchster
Bedeutung fr die Entwicklung des Seewesens=. Mit dem Beginn der groen
Entdeckungen gegen Ablauf des 15. Jahrh. tritt die Seefahrt, die bis
dahin in ihrer Allgemeinheit nur in Kstenfahrt und in kleiner Fahrt
innerhalb begrenzter Gewsser bestanden hatte, ins offene Weltmeer
hinaus. Die groen Entdeckungen gehen aus von den Vlkern an der
Westkste Europas, deren Staaten gerade um diese Zeit gengend in sich
entwickelt und gefestigt sind; diese Vlker werden nun die Haupttrger
der Schiffahrt, die des Mittelalters, die Stdte Italiens und der Hansa,
verlieren an Bedeutung. Die Segelschiffahrt, die sich, solange es sich um
Fahrten in den begrenzten Gewssern des Mittelmeeres, der Ost- und
Nordsee oder um Kstenfahrten an den Ostgestaden des Atlantik handelte,
nur in geringem Mae im Vergleich zu ihrem Stand im Altertum eigentlich
erst seit dem 13. Jahrh. entwickelt hatte, tritt im 16. Jahrh. aus den
Kinderschuhen. Das Hinausgehen auf den Ozean stellte andere Anforderungen
an das Material und zeitigte eine schnelle Vervollkommnung des
Schiffbaues und der Takelung; see- und segeltchtigere Schiffe werden
geschaffen und in der Nautik, Geographie, Kartographie und hnlichen
Hilfswissenschaften bedeutsame Fortschritte gemacht.

Auf dem Ozean unbrauchbar, verschwinden mit der Vervollkommnung der
Segelschiffe die Ruderkriegsschiffe bei den jetzt fhrenden Staaten
allmhlich, nur im Mittelmeer bleiben sie neben Segelschiffen noch weiter
im Gebrauch. Die Artillerie, die allerdings schon vom 14. Jahrh. an mehr
und mehr an Bord verwendet wurde, wird Hauptwaffe und erhlt infolge
ihrer Vermehrung und Freiwerdens der Schiffsseiten durch Wegfall der
Riemen eine andere Aufstellung: Die Breitseitaufstellung an Stelle der
Bug- und Heckaufstellung auf den Ruder- und unvollkommneren
Segelschiffen. Hierdurch ndert sich die ganze Kampfweise und Taktik zur
See.

Die Grndung von Kolonien und die Ausbreitung des Seehandels ber die
ganze Erde tragen zur schnellen Weiterentwicklung der dabei beteiligten
Staaten bei, sie fhren aber auch zu groen Kmpfen zwischen den
Nebenbuhlern. Diese Kriege werden in erster Linie, ja fast
ausschlielich, zur See ausgefochten; der Sieger erreicht das Ziel des
Krieges -- dem Feinde seinen Willen aufzuzwingen -- durch die Folgen
seiner bermacht zur See, Momente, die wir in den lteren Zeiten,
namentlich im Mittelalter, nur in beschrnktem Mae vorfanden. Seekriege,
Beschtzung des Seehandels und der Kolonien rufen endlich groe,
wohlorganisierte Kriegsflotten ins Leben; in ihnen findet die
Weiterausbildung des Seewesens ihre Hauptpflege.

Vom Beginn der neueren Zeit an spielt das Seewesen eine hervorragende
Rolle in der Geschichte und hat sich von hier ab bis zur Gegenwart
ununterbrochen weiterentwickelt, zunchst in der Segelschiffahrt und
durch diese. In dem =Zeitabschnitt von= 1492 bis 1648 entstehen
allmhlich die politischen Verhltnisse, die spter zu den groen
Seekriegen des 17. und 18. Jahrh. fhrten. An greren kriegerischen
Unternehmungen zur See ist er arm, da Angriffsobjekte und Waffen noch
fehlen, ebenso wie das Verstndnis fr Anlage und Durchfhrung eines
Seekrieges, das sich erst whrend der nchsten Periode ausbildet. Wir
werden sehen, wie zunchst die Seefahrt in die Ozeane hinaustritt, welche
Ergebnisse und Folgen dies hat und wie sich die Seestreitkrfte der
beteiligten Vlker vervollkommnen. Die kriegerischen Ereignisse der
ersten Hlfte sollen, weil weniger wichtig, nur kurz behandelt werden;
erst auf die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien von der Armada
an mu nher eingegangen werden, weil sich in ihnen der bergang zu einer
neuen Kriegfhrung zeigt.

=Das Heraustreten der Seefahrt auf die Ozeane= und die =Zunahme der
Seefahrt berhaupt= lt sich in drei Phasen zerlegen.

In die erste fallen die groen Entdeckungen der Portugiesen und Spanier.
Beide Nationen werden durch die Ausbeutung dieser, durch Handel oder
Kolonialgrndung, reich und zu ansehnlichen Seemchten; Spanien im
besonderen gewinnt die Mittel, seine europische Gromachtspolitik zu
treiben. Aber auch Hollands und Englands Handel nimmt zu; diese Vlker,
zumal Holland, dehnen ihn auf Kosten der Hansa in der Nord- und Ostsee
aus, doch fhlen sie sich im allgemeinen noch nicht stark genug, den
beiden sdlichen Nationen das beanspruchte Monopol in deren Gewssern
streitig zu machen, und versuchen deshalb, auf eigenen Wegen Indien, d.
h. reiche Lnder in Asien, zu erreichen. Auch Frankreich beteiligt sich
zeitweise an solchen Bestrebungen.

In der zweiten Phase erscheinen aber auch diese Vlker hufiger in den
sdlichen Gewssern, um ihren Anteil an Handel und Besitz dort zu
nehmen: der heftige Widerstand, der ihnen berall entgegengesetzt wird,
fhrt zu blutigen Zusammensten. Besonders die Englnder schlagen sich
in Westindien mit den Spaniern (die Franzosen in Brasilien mit den
Portugiesen) herum und greifen ihren Handel im Atlantik an, ohne da
erklrter Krieg herrscht. Die Hollnder fhren um diese Zeit zunchst
ihren Unabhngigkeitskrieg an der eigenen Kste. Nachdem aber 1585 der
offene Krieg zwischen Spanien und England ausgebrochen war -- schon lange
hatte er gedroht, da England unter Elisabeth berall in der ueren
Politik als protestantische Macht der katholischen Vormacht Spanien
entgegentrat, so auch zugunsten der Niederlande -- und nachdem in diesem
Kriege die spanisch-portugiesische Seemacht -- beide Lnder seit 1580
vereinigt -- durch die Vernichtung der Armada an Macht und Schrecken
verloren hatte, wird das bergreifen der Englnder in die feindlichen
Gewsser planmiger und krftiger betrieben, und auch die Hollnder
suchen ihre Unterdrcker auf dem Ozean auf.

In der dritten Phase endlich, der ersten Hlfte des 17. Jahrh., fhren in
erster Linie die Hollnder den offenen Krieg auf den Weltmeeren weiter,
England tritt nach dem Frieden 1604 und dem Tode Elisabeths, der eifrigen
Frderin des Seewesens, unter den Stuarts mehr zurck. Macht und Ansehen
der sdlichen Vlker auf dem Meere sind aber schon gebrochen, so da es
den anderen Nationen gelingt, in den fernen Lndern jener festen Fu zu
fassen und den eigenen Welthandel auszudehnen. Holland legt in dieser
Zeit Portugal in Ostindien sogar schon lahm, und England grndet seine
Kolonien in Amerika.


                        Die groen Entdeckungen.

Gegen das Ende des 15. Jahrh. war die Geographie soweit vorgeschritten,
da der Wunsch, mit Indien -- d. h. zunchst den Gewrzinseln, aber auch
dem Festland Indiens, mit China und Japan -- ber See in Verbindung zu
treten, wohl erfllbar erschien. Karten und Globen (Behaim 1492)
berhmter Gelehrter zeigten die Erde als eine Kugel, auf der die Alte
Welt, roh der Wirklichkeit entsprechend, von einem groen Weltmeer
umflutet dargestellt war. Da Nautik und Seemannschaft ebenfalls derartige
Fortschritte gemacht hatten, da der Seemann es wagen konnte, die Ksten
zu verlassen und ins offene Meer zu steuern, muten Plne auftauchen, nun
auch von der Westkste Europas quer ber diesen Ozean hin nach West
segelnd Indien zu erreichen und nicht nur wie die Portugiesen bisher,
nach mittelalterlicher Weise in langer Kstenfahrt um Afrika herum, den
Weg zu suchen. Diesem neuen Wege wendete man jetzt um so grere
Aufmerksamkeit zu, als man die Ausdehnung der Alten Welt nach Osten hin
weit grer als in Wirklichkeit annahm. Auf dem Globus von Behaim liegt
Japan auf der Lnge von Mexiko; man htte demnach also von den Azoren und
Kapverden dahin nur etwa 60 Lngengrade zu segeln gehabt; alte, unter
Seeleuten und Gelehrten laufende Gerchte erzhlten von gar nicht fern im
Westen liegenden Inseln, so z. B. von einer groen Insel Antilia, die
auf genanntem Globus in etwa 60 W. Greenwich unter dem Wendekreis des
Krebses eingezeichnet war. Es war auch wohl anzunehmen, da Portugal, das
auf dem betretenen Wege weiter ging und sich auf diesem alle Rechte durch
ppstliche Bullen hatte sichern lassen, hier keine Mitbewerber dulden
wrde.

Wieder haben die Italiener groen Einflu auf den Aufschwung der Nautik
und Seefahrt gebt. Italiener wurden als theoretische und praktische
Lehrmeister herangezogen, als Portugal zur See ging, in anderen Staaten
gleichfalls; ein Italiener, der Gelehrte =Toscanelli= in Florenz, gab den
Hauptansto zu der Westfahrt nach Indien. Er unterbreitete schon etwa um
1474 dem Knig von Portugal einen Plan dafr nebst einer Weltkarte, die
auch wahrscheinlich Behaim bei seinem Globus vielfach benutzt hat; Plan
und Karte bersandte er spter dem Kolumbus auf seine Bitte. Dieser,
wiederum ein Italiener, fhrte das khne Unternehmen im Dienste Spaniens
aus. Italiener wurden die Leiter der ersten Unternehmungen Englands und
Frankreichs nach Nordwesten. Aber auer den Fahrten in den Ozean nach dem
Kanal und nach den Kapverden im 14. Jahrh. haben die italienischen
Seestdte selbst keine Rolle mehr bei dem Erffnen der Meere gespielt, es
blieb dies den Vlkern am Atlantik vorbehalten. Wie nun diese in einer
verhltnismig kurzen Zeit durch khne Seefahrten fast die ganze Erde
erschlossen, den Welthandel schufen und sich in den fernen Lndern
festsetzten, soll nur soweit geschildert werden, als ntig ist, um die
groen seemnnischen Leistungen, die erreichte Ausdehnung der Schiffahrt,
die Macht der europischen Staaten in fernen Lndern und Gewssern sowie
die ersten Reibungen und Zusammenste dort kennen zu lernen.[24]

  [24] Besonders benutzte Quellen: Oncken Teil IX; Zimmermann.

Da diese Unternehmungen berall zuerst nur von dem Gedanken, Indien zu
finden, geleitet wurden, sollen sie an der Hand der Wege betrachtet
werden, auf denen die verschiedenen Vlker das Ziel zu erreichen
strebten. Wenn nun auch der Zeit nach die Spanier auf dem Wege nach
Westen zuerst und vor Fortsetzung der bisherigen portugiesischen
Entdeckungen einen groen Erfolg durch die Auffindung Amerikas erzielten,
so beginnen wir doch mit den Portugiesen, da wir ihren Weg nach Sdosten
schon bis zum Eintritt in den Indischen Ozean verfolgt haben und sie auch
tatschlich Indien als erste erreichten. Ihnen war also der Plan
Toscanellis vorgelegt worden, und auch Kolumbus hat ihnen seine Dienste
angeboten. Da sie beides ablehnten, ist ihnen vorgeworfen worden; man
mu aber bedenken, da sie schon viel zur See erreicht hatten, aus ihrem
Handel mit Guinea bereits Vorteil zogen, da ihr Weg ihnen begrndete
Aussicht auf Erfolg bot, und da sie endlich schon zu sehr in Anspruch
genommen waren, um sich auf weitere, vorlufig noch unsichere und
kostspielige Unternehmungen einlassen zu knnen.

$Der Weg der Portugiesen nach Sdosten.$ Der Erfolg des Kolumbus spornte
Portugal an, nach einer Pause von einigen Jahren die Entdeckungsfahrten
wieder aufzunehmen, jedoch der Tod des Knigs =Joao= II. verzgerte sie
noch einige Zeit. Dagegen war es diesem noch gelungen, eine vorlufige
Einigung mit Spanien ber die beiderseitigen Rechte auf die zu
entdeckenden Lnder -- die =Teilung der Welt zwischen Portugal und
Spanien= -- herbeizufhren. Spanien hatte sich gleich nach der Rckkehr
des Kolumbus von seiner ersten Reise 1493 vom Papste die gefundenen und
noch zu findenden transatlantischen Gebiete zusprechen lassen. Da man
aber allgemein die Entdeckungen des Kolumbus fr Indien hielt, so
verstie dies gegen die Rechte Portugals nach den lteren Bullen (Seite
29), und Portugal ging deshalb sogar damit um, weitere Fahrten Spaniens
durch seine Seestreitkrfte zu verhindern. Nach lngeren Verhandlungen,
in denen Portugal seine Forderungen mehr und mehr abschwchte, kam 1494
der =Vertrag von Tordesillas= zustande, wonach Spanien die Lnder
westlich von etwa 48-1/2 W. Greenwich erhielt; diese Grenzlinie
berlieferte, wie sich spter zeigen sollte, auf der noch unbekannten
Erdhlfte durchgefhrt, den Portugiesen ganz Indien und den indischen
Archipel, fhrte aber bei den noch lange unsicheren Lngenbestimmungen zu
manchen Verwicklungen.

[Illustration: Vasco de Gama.]

Im Jahre 1497, unter der Regierung =Dom Manoels=, gingen dann 3 Schiffe
je von 100-120 tons mit 150-170 Mann Gesamtbesatzung, und ein
Proviantschiff unter dem Kommando =Vasco de Gamas= aufs neue in See. Nach
vier- oder gar sechsmonatiger, beschwerlicher Fahrt wurde im November das
Kap der Guten Hoffnung passiert; das schon geleerte Proviantschiff hatte
man an der Westkste Afrikas, wahrscheinlich in der St. Helenabay, wo man
zu Breitenbestimmungen gelandet war, als seeuntchtig verbrannt. Ende
Januar 1498 erreichte man den Sambesi, wo ein lngerer Aufenthalt zur
Ausbesserung der Schiffe und Erholung der Mannschaft genommen wurde, am
1. Mrz Mozambique und Ende April Mombas. Vom Sambesi an war man in den
Bereich des arabischen Handels getreten, in beiden Stdten traf man auf
arabische Niederlassungen und fhlte hier schon, da die Araber einen
Handelswettbewerb nicht ohne Kampf zulassen wrden. Es kam auch zu
Zusammensten, und der in Mozambique aufgenommene arabische Lotse
versuchte mehrfach, die Schiffe auflaufen zu lassen. Erst in Melinde,
einer damals reichen Stadt, fand Vasco de Gama freundliche Aufnahme. Er
traf hier auch die ersten Schiffe aus Indien und erhielt genaue
Nachrichten ber dieses Land; von hier erreichte er nach Verlassen der
Kste unter Fhrung eines zuverlssigen Lotsen nach einer Fahrt von 25
Tagen am 20. Mai =Kalikut=, die wichtigste Handelsstadt Indiens.

  Indien zerfiel damals in eine grere Zahl selbstndiger
  mohammedanischer oder Hindu-Reiche. Eines davon war =Malabar=, der
  Kstenstrich vom Sdkap Vorderindiens bis zum Mount Dellij auf 8 N.
  Breite; es bestand aus verschiedenen kleineren Herrschaften unter
  Radschahs, ber die der Samorin (Herr der See) von Kalikut die
  Oberhoheit besa. Das bergewicht dieser Stadt lag in ihrem Handel nach
  gypten und Persien. Ihn vermittelten in der Hauptsache arabische
  Kaufleute und Schiffer, doch auch Mauren aus Tunis und Algier sowie
  Juden des Mittelmeeres waren daran beteiligt. Im Mittelmeer aber
  standen sich Christen und Mohammedaner feindlich gegenber, und die
  Verdrngung dieser von der Pyrenischen Halbinsel hatte die ganze
  mohammedanische Welt bis nach Indien hin erregt.

Da die Portugiesen hier in den Mohammedanern Erbfeinde vorfanden, war es
begreiflich, da diese berall ihr bisheriges Handelsmonopol gegen die
christlichen Eindringlinge verteidigten. Die Fremdlinge wurden beim
Samorin, der ihnen zuerst gnstig gesinnt war und die Erlaubnis zum
Handel gegeben hatte, und bei den Indern berhaupt als Seeruber und
Kundschafter fr sptere Eroberungen verdchtigt. Die Lage der
Portugiesen wurde hierdurch in Kalikut bald unhaltbar; nicht nur der
Handel mute wieder abgebrochen werden, sondern man ging auch gewaltttig
gegen sie vor, und Vasco selbst wurde hier kurze Zeit gefangen gehalten.
Man verlie deshalb den Hafen, besuchte noch die Stadt Kananor, deren
Herrscher, auch ein Vasall des Samorin, die Fremden gut aufnahm, und
rstete dann auf den Anjediven-Inseln die Schiffe zur Rckreise aus. Auch
hier wurde vom benachbarten Goa, dem Haupthafen des Reiches Bidschapur,
ein durch Wachsamkeit jedoch glcklich vereitelter berfall auf sie
versucht. Im Dezember 1498 wurde mit dem Einsetzen des NO.-Monsune die
Rckreise ber Mogdischuh, Melinde, Sansibar angetreten und im Hochsommer
1499 Lissabon erreicht.

Der Jubel in Portugal war gro. Der Weg nach Indien war gefunden, und die
mitgebrachten Waren versprachen reichen Handelsgewinn; man sah aber auch,
da der Handel wegen der Mohammedaner nur mit den Waffen in der Hand und
mit Rstungen fr ernste Kriegsflle betrieben werden knne.
Dementsprechend wurden die nchsten Expeditionen ins Werk gesetzt.[25]

  [25] Genaueres ber diese Expeditionen, ber Ausbreitung der
       portugiesischen Macht und die damit verbundenen Kmpfe in
       Zimmermann. Band 1.

Schon am 9. Mrz 1500 lief ein Geschwader von 13 Schiffen unter =Pedro
Alvarez Cabral= aus. Nach Anweisung Vascos beabsichtigte Cabral, von der
Guineakste direkt sdlich bis zur Breite des Kaps zu steuern und dieses
dann mit den Westwinden zu umsegeln. Durch den quatorialstrom und
stliche Winde stark nach Westen versetzt, sichtete er im April unter 14
S. Breite die Kste =Brasiliens=; er nahm das Land in Besitz und sandte
ein Schiff mit der Meldung heim, worauf auch schon 1501 eine Expedition
zur nheren Erforschung dahin abging. Auf dem Wege zum Kap kenterten in
einem Sturme 4 Schiffe, 2 wurden versprengt, und nur mit 6 Schiffen
langte man Ende August in Kalikut an. Hier spielte sich derselbe Vorgang
wie bei der ersten Fahrt ab; zuerst wurde man gut aufgenommen, dann aber
fhrten die Umtriebe der Araber wieder zu Feindseligkeiten, die
schlielich die Zerstrung von 13 groen arabischen Schiffen, das
Bombardement der Stadt und den Abbruch aller Verhandlungen zur Folge
hatten. Aber verschiedene Frsten der Malabarkste, Vasallen vom Samorin
und eiferschtig auf ihren Oberherrn, erlaubten nun gerade den Handel in
ihren Stdten, ja sogar die Anlage von Faktoreien, so in =Kananor= und
=Cochin=. Mit reichen Gewrzladungen trafen die Schiffe am 31. Juli 1501
in der Heimat ein, so da die Reise trotz der groen Verluste -- auf der
Rckreise blieb noch ein Schiff -- ungeheuren Gewinn abwarf. Einem
kleinen, auch im ganzen erfolgreichen Geschwader von 4 Schiffen, das
bereits im Mrz 1501 abgegangen war und auf seiner Fahrt Ascension und
die wichtige Trinkwasserstation St. Helena entdeckt hatte, folgte nun im
Frhjahr 1502 eine mchtige Flotte von 20 wirklichen Kriegsschiffen mit
800 Soldaten unter =Vasco de Gama=, um in Indien dauernd festen Fu zu
fassen. Auf der Hinreise wurden Faktoreien an der Ostkste Afrikas in
=Sofala=, =Mozambique= und =Kilwa= gegrndet, in Indien wurden die
erlittenen Schdigungen an Kalikut und Goa gercht, die portugiesische
Stellung in Kananor und Cochin gestrkt, der arabische Handel nach
Mglichkeit geschdigt und bei der Rckkehr 1503 zu diesem Zwecke und zum
Schutz der Faktoreien zum ersten Male eine Flottenabteilung als stndige
Macht in den indischen Gewssern zurckgelassen. Die Unternehmungen der
nchsten Jahre brachten die Erbauung von steinernen Forts in den
genannten Stdten Ostafrikas, die Besetzung der Insel =Socotora= (jetzt
Sokotra) am Eingang des Roten Meeres, Festungsbauten auch in Kananor,
Cochin, Kollum, deren Radschahs sich von Kalikut losgesagt und sich zu
Vasallen Portugals erklrt hatten, sowie die Inbesitznahme der
=Anjediven-Inseln=, die einen besonders gnstigen Platz als Treff- und
Sammelpunkt der Schiffe bildeten; damit waren auch Sttzpunkte fr den
Handel und die weitere Ausdehnung der Macht geschaffen, und in derselben
Weise schritt man nun durch Anlage neuer Sttzpunkte ber Malabar hinaus
nach Norden und nach Osten in den indischen Archipel hinein fort.

Eine Grndung eigentlicher Kolonien, d. h. die Inbesitznahme weiter
Lndereien, ist fast nirgend erfolgt, es blieb nur das Bestreben
magebend, den Gewrzhandel ganz in die Hand zu bekommen. Dazu war es
vorteilhaft, mit den einheimischen Frsten nach Mglichkeit in Frieden zu
leben, aber notwendig, die Araber zu verdrngen. Diejenigen indischen
Herrscher, die die Errichtung von Forts in ihren Stdten zulieen oder
sich doch den Anordnungen Portugals fgten und die Anlage von Faktoreien
erlaubten, traten in das Verhltnis der Bundesgenossenschaft, die anderen
waren bestndigen Belstigungen und Angriffen ausgesetzt. In den von
Portugal beherrschten Hfen wurden Handelsvorschriften erlassen, Mae,
Gewichte und Preise fr die Waren festgesetzt und die Araber vom Geschft
ausgeschlossen. Man hob den Handel dieser Pltze dadurch, da man ihre
Schiffahrt schtzte, die Schiffe aller indischen Stdte zulie, ja sie
sogar, wenn sie auch fr andere Hfen bestimmt waren, zum Anlaufen zwang,
whrend man den Handel der Orte, die sich widerspenstig zeigten und wo
die Araber noch Zutritt hatten, schdigte.

Der ausgedehnte Sicherheitsdienst zum Schutz des eigenen Handels und des
der begnstigten Stdte in den indischen Gewssern, die Vernichtung des
arabischen Handels und die Unternehmungen zur Grndung neuer Sttzpunkte
zur Erweiterung und Erhaltung der Macht erforderten stndige
Seestreitkrfte; die Besetzung der Forts und die Kmpfe am Lande machten
die Einrichtung von Garnisonen und die Aufspeicherung von Kriegsmaterial
notwendig. Die Mittel zu allem diesem zu liefern, war die Aufgabe der
Flotten, die mit immer greren Schiffen nun ununterbrochen nach Indien
ausliefen und die Waren des Ostens heimbrachten.

Verhltnismig schnell, in etwa 40 Jahren, aber in ununterbrochenen
Kmpfen mit bedeutenden Streitmitteln auf beiden Seiten, erweiterte sich
die portugiesische Macht bis zur hchsten Blte. Flotten von 30-40
Kriegsschiffen wurden zur Eroberung groer Stdte, wie z. B. =Goas=,
=Malakkas=, zusammengezogen; gegen das Reich Kambaya, nrdlich vom Reiche
Bidschapur, wurde im Jahre 1529 eine Expedition von 400 Fahrzeugen
aufgeboten. Einheimische Frsten stellten hnliche Flotten und Heere bis
zu 40000 Mann, einmal sogar 90000, zur Vertreibung der Portugiesen auf.
Auer den Eingeborenen zeigte sich auch ein anderer mchtiger Feind, die
=gypter=. Nach der Festsetzung der Portugiesen in Malabar konnten die
arabischen und persischen Hndler die Gewrze nur auf dem viel weiteren
Wege aus Malakka und Sumatra beziehen, jedoch auch am Eingang zu diesen
Gewssern, vor den =Malediven= und =Ceylon=, erschienen schon 1505 die
Eindringlinge; den Eingang zum Roten Meere hatten sie besetzt und 1507
den ersten Versuch gemacht, sich der Stadt =Ormuz= am Eingang des
persischen Golfes zu bemchtigen. Da wandten sich die Herrscher von
Kalikut, Kambaya, Ormuz und Aden um Beistand an gypten und fanden hier,
untersttzt durch die Genueser und Venetianer, volles Entgegenkommen,
denn gypten, Venedig und Genua litten gleichfalls unter dem Abschneiden
des alten Verkehrsweges mit Indien. Der Sultan gyptens fhrte
infolgedessen beim Papst Klage ber Verfolgung des Mohammedanismus durch
die Portugiesen unter Androhung von Gewaltmaregeln in Palstina. Der
Papst schickte den Brief nach Lissabon, aber Portugal antwortete, es sei
gypten lediglich um seinen Handel zu tun, und im brigen sei es nur
Christenpflicht, den Unglubigen alle frheren Greueltaten zu vergelten.
Da sandte 1508 gypten eine Flotte von 12 Schiffen nach Indien; sie wurde
jedoch, trotz Vereinigung mit der Flotte vom Kambaya und nach einem
ersten Erfolge einer schwcheren portugiesischen gegenber, im Februar
1509 bei Diu durch 19 portugiesische Schiffe vollstndig vernichtet. Auch
sptere Untersttzungen von gyptischer Seite in den Jahren 1510 und 1515
(27 Schiffe) und 1538 eine Expedition -- nunmehr trkische, da die Trken
inzwischen gypten unterworfen hatten -- von 70 Segeln mit 7000 Mann
konnten die Fortschritte Portugals nicht aufhalten. Zwar blieben
Rckschlge infolge von Emprungen und miglckte Unternehmungen nicht
aus: in Malabar selbst mute bis 1540 immer wieder mit dem Samorin
gekmpft werden; manche Niederlassungen in Vorder- wie Hinterindien und
im Archipel gingen zeitweise wieder verloren; die endgltige Festsetzung
im Reiche Kambaya erforderte andauernde Kmpfe, bis sie schlielich auf
friedlichem Wege durch Untersttzung des Landes gegen das sich im Norden
ausbreitende Reich der Mongolen (des Gromoguls in Delhi), gelang -- um
das Jahr 1540 konnte sich Portugal aber doch als Herr des Handels im
Indischen Ozean ansehen.

Seit 1505 waren Vizeknige von Indien bestellt; von ihnen haben am
meisten zur Grndung der Macht beigetragen: =Almeida= 1505-1509, =Alfonso
d'Albuquerque= (der Groe genannt) 1509-1515 und =Nuo da Cunha=
1529-1539. Bei dem Tode des letztgenannten lag der Mittelpunkt der
=portugiesischen Macht im Osten= auf der Westkste Vorderindiens, wo
starke Festungen in Kananor (1504), Cochin (1504), Kalikut (1514), Goa
(1511), Bassein und Diu (1534) erbaut waren und alle Kstenstaaten die
Oberherrschaft anerkannt hatten.

  Bassein, mit der Insel Salsette und Goa waren sogar abgetretener
  Landbesitz. Goa war eine nach allen Regeln der Kunst befestigte Stadt
  mit Magazinen und Werften und die Hauptstation der Seestreitkrfte fr
  den Spezialdienst in den indischen Gewssern. Man hielt zu diesem Zweck
  eine betrchtliche Kriegsflotte, schon 1515 war sie 50 Segel stark von
  teilweise fr die damaligen Zeiten groen Schiffe; englische und
  hollndische Quellen sagen wenigstens, als ihre indischen Kompagnien
  dort im Anfange des 17. Jahrh. mit Schiffen von 500-800 tons
  aufgetreten seien, htten die Portugiesen weit grere gehabt. Es ist
  allerdings dabei zu bemerken, da die portugiesisch-spanischen
  Kriegsschiffe an Gefechtskraft den englischen und hollndischen, auch
  den Schiffen der groen Kompagnien, dem Grenverhltnis entsprechend
  nicht gleichwertig waren, wie wir auch spter sehen werden. Auerdem
  besaen die Portugiesen eine groe Zahl groer, offener
  Ruderschaluppen, Fregatten genannt, mit starker Bemannung von
  Eingeborenen; wenn auch ohne Geschtze, konnten diese Fahrzeuge bei
  Windstille dem Feinde sehr gefhrlich werden.

Der Indische Ozean wurde im Westen beherrscht durch den Besitz von Ormuz
(1516 erobert), durch die Sttzpunkte in Kilwa, Mozambique, Sofala (1504)
und auf der Insel Sokotora (1506); auch der Emir von Aden hatte (1530)
die Oberherrschaft anerkannt. Im Osten und im indischen Archipel sttzte
sich die Macht Portugals auf den Besitz von =Malakka= (1511 erobert), von
festen Pltzen auf Ceylon (z. B. Kolombo 1513), Sumatra, Java und auf den
eigentlichen Gewrzinseln, den Sundainseln und Molukken (erste
Niederlassung auf Ternate 1522).

  =Die Molukken= waren von den Portugiesen 1513 zuerst erreicht worden,
  aber bald darauf (1521) auch von den Spaniern durch Magalhaes'
  Expedition. Beide Nationen betrachteten sie als in ihrem Machtbereich
  liegend und versuchten, sich festzusetzen, bis durch Vertrag von 1529
  die Inseln gegen eine Abschlagssumme an Portugal fielen (vergl. Seite
  77).

Den damaligen Machtbereich Portugals zeigen ferner seine Faktoreien an
der Westkste Afrikas, an den Ksten Guineas, der Goldkste, Benins,
Kongos, Anguelas und Benguelas -- das Kapland war nicht besiedelt --,
und auch Brasilien war vom Amazonenstrom bis zum La Plata in Besitz
genommen.

  Auch Siam, China und Japan besuchten die Portugiesen. Mit Chinesen war
  man in Malakka zusammengetroffen, China selbst wurde 1515 zuerst
  erreicht, doch hatten die Versuche, einen regeren Verkehr mit China und
  Japan anzuknpfen, keinen Bestand, weil diese Lnder ihnen immer wieder
  verschlossen wurden; nur in Macao hielt sich eine Niederlassung. Auch
  die durch Zufall herbeigefhrte Entdeckung Neu-Guineas, das man fr die
  Nordkste eines groen Sdpolkontinents hielt, hatte fr den Handel
  keine weiteren Folgen.

  Auf dem Sdostwege waren also die Ksten und Gewsser Afrikas und
  Asiens bis nach China hin bekannt geworden; die Spanier hatten schon
  auf dem Sdwestwege die Philippinen erreicht sowie einen Teil der
  Sdseeinseln entdeckt, und der Schleier des fernsten Ostens war
  gelftet. Von diesem, von China und Japan bis zu den Kurilen hinauf und
  von Australien der Welt nhere Kenntnis zu geben, blieb den Hollndern
  im 17. Jahrh. beschieden.

Die Blte der =Macht Portugals in Indien= war von keiner langen Dauer,
schon von der Mitte des 16. Jahrh. an kann man den =Rckgang= erkennen.

  Seine Ursachen sind zurckzufhren auf die Miwirtschaft in der
  Verwaltung infolge zu hufigen Wechsels der Vizeknige und der Beamten,
  auf die Besetzung dieser Stellen mit unfhigen und unredlichen
  Gnstlingen; ferner auf eine falsche, engherzige Handelspolitik, die
  nur auf Ausbeutung der Kolonien im Interesse der Regierung -- und der
  Beamten! -- bedacht war. Einfuhr und Ausfuhr hatte die Regierung zu
  ihrem Monopol gemacht und betrieb sie nur mit verhltnismig wenigen
  groen Schiffen, auch der Handel der Eingeborenen war stark
  eingeschrnkt, was neben anderen bergriffen ihren Ha erregen mute.
  Mit der inneren Schwchung der Verwaltung nahmen deshalb auch die
  Emprungen, die Versuche zur Vertreibung der Bedrcker, zu. Schon in
  den Jahren 1570/71 stellte ein Aufstand in fast allen Besitzungen die
  ganze Herrschaft in Frage und wurde nur mhsam niedergeworfen. Im
  Norden wurde das Reich des Gromoguls immer mchtiger, die Trken
  entsandten wieder Flotten nach Indien und drangen gegen die Besitzungen
  in Ostafrika vor; ein Seeruberunwesen nahm berhand. Auch das Glck
  verlie die Portugiesen; in den Jahren 1579-1591 gingen 22 Schiffe von
  bis dahin unerhrter Gre auf den Fahrten nach Indien unter. Alle
  diese Mistnde, verbunden mit kostspieligen Kriegen in der Heimat
  gegen Marokko, erschpften das kleine Mutterland.

Von 1580 an war Portugal mit Spanien vereinigt; wenn ihm nun auch die
Verwaltung seiner Kolonien und selbst das Handelsmonopol mit diesen
belassen wurde, so mute es doch die Folgen der spanischen Politik mit
tragen. Es erschienen die Englnder und Hollnder in seinen Gewssern,
anfangs als Freibeuter, spter, im Anfang des 17. Jahrh., mit ihren
groen indischen Kompagnien als Nebenbuhler im Handel und als Eroberer.
Nun hatten sich die Portugiesen auch dieser zu erwehren, und dies ging
vollends ber ihre Krfte. Der Geldmangel wurde immer grer, Schiffe und
Festungen konnten nicht mehr im Stande gehalten werden, oft fehlten
selbst die Mittel, Waren aufzukaufen. Von 1640 vermochte der Vizeknig
wegen Mangels an Geld und Schiffen keine Frachtenflotte mehr nach Hause
zu senden, und am Ende unseres Zeitabschnittes hatten die genannten
Nationen den Handel der Portugiesen in Indien vllig lahmgelegt, von den
Hollndern war ihnen sogar schon ein groer Teil der Besitzungen
abgenommen (vgl. Seite 82 und Seite 86).

$Der Weg der Spanier nach Westen.$ Whrend man in Portugal seit der Zeit
Prinz Heinrichs des Seefahrers schon planmig mit Erweiterung des
Handels und der Schiffahrt, mit dem Suchen nach fernen Lndern
vorgegangen war, wo man Gold, Edelsteine und kostbare Gewrze zu finden
hoffte, dachte man in Spanien zu Ende des 15. Jahrh. noch nicht an groe
berseeische Unternehmungen. Das Land war schwach bevlkert, Industrie
und Handel waren wenig vorhanden, und der Ackerbau deckte kaum den
eigenen Bedarf. Es ist wohl unbedingt dem Auftreten und Drngen des
=Kolumbus= zuzuschreiben, da =Ferdinand= und =Isabella= sich unter
diesen Umstnden pltzlich und frhzeitig auf ein so weit aussehendes
Unternehmen, den Seeweg nach Indien auf dem Westwege zu suchen,
eingelassen haben, in der Hoffnung, dieselben Vorteile ber See
einzuheimsen wie Portugal.

[Illustration]

  Die berlieferung erzhlt, da Kolumbus, ein tchtiger und befahrener
  Seemann, mit besonderer Vorliebe allen Sagen und Gerchten ber im
  Westen liegende Inseln gelauscht, mit Eifer die geographischen Werke
  seiner Zeit studiert habe und den Fortschritten der Portugiesen mit
  Aufmerksamkeit gefolgt sei. Toscanellis Plan[26] scheint ihn zuletzt,
  vor allem von einer verhltnismig leichten Ausfhrung seines
  Vorhabens, berzeugt zu haben. Von verschiedenen Staaten,
  wahrscheinlich von Genua, Venedig, England, Frankreich, sicher von
  Portugal abgewiesen, gelang es ihm, aber erst nach lngerer Zeit, die
  Herrscher Spaniens fr sich zu gewinnen; die hohen Forderungen, die er
  fr seine Person im Falle des Gelingens stellte, haben ihm wohl berall
  geschadet.

  [26] Nheres ber diesen Plan, teils wrtlich, in Oncken Bd. IX.

Im Jahre 1492 erhielt Kolumbus 3 kleine Karavellen von je 120-130 tons
mit insgesamt 120 Mann Besatzung und ging am 3. August von Palos aus in
See. Zunchst steuerte er die Kanaren an, um dann auf der Breite dieser
Inseln ber die sagenhafte Insel Antilia und ber Cipangu (Japan) Indien
zu erreichen. Bei den Kanaren mute man wegen Ruderausbesserung des einen
Fahrzeuges vier Wochen liegen und konnte erst am 6. September, nun aber
bald im gnstigen Nordost-Passat, die Reise fortsetzen. Vom 9. September
an gab der Admiral in dem jedermann zugnglichen Schiffsjournal die an
einem Tage abgelaufene Meilenzahl um ein Viertel geringer an, als er sie
in der Tat schtzte, um die Besatzungen nicht durch die Gre der
Entfernung von Europa zu erschrecken. Schon vom 16. September an, als die
Schiffe ins Sargassomeer eintraten, glaubte er Anzeichen von der Nhe
eines Landes zu bemerken, wie im Journal verzeichnet ist: dunkler
Horizont, ohne Wind eintretender Nebel, selbst die schwimmenden
Tangmassen wurden als Anzeichen dafr gehalten; man glaubte sogar einmal,
Antilia gesehen zu haben, und hielt einen Tag daraufhin ab. Es unterliegt
keinem Zweifel, da, je lnger die Fahrt dauerte, die Mannschaft um so
lauter ihre Besorgnisse uerte; gerade der gnstige Wind lie eine
Rckkehr schwierig, wo nicht unmglich, erscheinen. Es mgen auch
Drohungen laut geworden sein, aber die Erzhlung von dem Vertrage des
Admirals mit der Mannschaft, nach drei Tagen umzukehren, falls das
gesuchte Land nicht gesichtet sei, ist doch wohl spter erfunden. Durch
den Zug zahlreicher Vgel bewogen, steuerte er vom 7. Oktober an
sdwestlich, weil er wute, da die Portugiesen diesem Umstande hufig
die Entdeckung von Inseln verdankt hatten. Am 9. Oktober glaubte man den
Duft von Bltenbumen in der Luft zu spren, am 11. fischte man einen
frischgrnen Zweig, einen weiteren mit Beeren und einen mit Feuer
bearbeiteten Stab auf; am Abend desselben Tages sah man einen Lichtschein
und einige Stunden spter, am 12. Oktober 2 Uhr morgens, im Mondschein
einen flachen sandigen Strand, dem man sich schon bis auf 2 Seemeilen
genhert hatte. Es war eine der Bahama-Inseln, von den Eingeborenen
=Guanahani= genannt, von Kolumbus S. Salvador getauft, wahrscheinlich das
jetzige Watlings-Island. Die Insel bot nichts, aber aus den Gebrden der
harmlosen Einwohner, von denen man krgliche Goldschmuckstcke
erhandelte, schlo Kolumbus auf die Nachbarschaft grerer goldreicher
Inseln im Sdwesten. So fuhr er am 14. weiter und fand verschiedene
andere Eilande mit ppiger Vegetation; jedoch nirgends zeigten sich
Spuren der erwarteten indischen Kultur, auch nicht, als er am 28. Oktober
Cuba und am 4. Dezember Haiti erreichte. Aber immer noch waren Kolumbus
und auch seine Kapitne der Ansicht, in den indischen Gewssern zu sein;
verschiedene falsch gedeutete Namen bestrkten diese Annahme. An der
Kste von =Haiti=, von Kolumbus Hispaniola getauft, lief das Flaggschiff
am 24. Dezember auf und mute verlassen werden, jedoch wurden Mannschaft
und Ladung an Land geborgen. Da man auf dieser Insel grere Mengen Gold
bei den Indianern fand, die Bewohner sehr gutmtig erschienen und der
Boden des Kstenlandes ppige Fruchtbarkeit zeigte, beschlo der Admiral,
hier eine Niederlassung zu grnden, zumal da er nicht alle Leute an Bord
seines letzten Schiffes nehmen konnte. Das dritte Fahrzeug hatte sich
nmlich einige Zeit zuvor heimlich entfernt, um auf eigene Hand das
Goldland zu suchen, doch wurde es am dritten Tage der Rckreise wieder
angetroffen; auch dieses hatte viel Gold auf Haiti eingetauscht.

Es wurde eine kleine Befestigung, Navidad genannt, erbaut und mit 40
Freiwilligen besetzt. Kolumbus selbst trat am 4. Januar 1493 die
Rckreise nach Europa an, auf der er noch bis zum 16. lngs der Kste
Haitis weitere Forschungen anstellte. Nach einem mehrtgigen schweren
Sturme dicht vor den Azoren wurde am 18. Februar Santa Maria erreicht, wo
der portugiesische Gouverneur an Land gesandte Leute verhaften lie und
erst nach einigen Tagen freigab; am 4. Mrz zwang ein neuer Sturm,
Lissabon anzulaufen, und am 15. Mrz ankerte man im Ausgangshafen Palos.
Kolumbus begab sich zum Hoflager in Barcelona; seine Reise durch Spanien
glich einem Triumphzuge. Nach seinen glnzenden Schilderungen der Neuen
Welt blieb man berall mit ihm berzeugt, da der Weg nach Indien
gefunden sei, wenn auch die mitgebrachten Gegenstnde -- nur zweifelhafte
Gewrze und auch nicht allzuviel Gold -- noch nicht den gehegten
Erwartungen entsprachen und auch die gesuchten Kulturlnder noch nicht
angetroffen waren. Whrend noch die Verhandlungen (Seite 59) mit Portugal
ber die Teilung der Welt schwebten, wurde sofort eine neue Expedition
ausgerstet, um auf dem betretenen Wege schleunigst Fortschritte zu
machen und die entdeckten Lnder in Besitz zu nehmen.[27]

  [27] Genaueres ber die weiteren Expeditionen, die Grndung und
       Entwicklung der spanischen Kolonien in Zimmermann, Band 1.

Es sei hier gleich auf einen groen Unterschied zwischen dem Vorgehen
Spaniens und Portugals hingewiesen. Whrend Portugal eigentlich nur
Sttzpunkte fr den Handel und die Beherrschung des Meeres schuf,
grndete Spanien wirkliche Kolonien. Die spanische Rasse nahm die
entdeckten und mit Waffengewalt eroberten Lnder vllig in Besitz und in
Kultur; sie wurde dort zur Hauptbevlkerung, indem sie die Eingeborenen
entweder durch Kriege und schlechte Behandlung vernichtete oder sich zum
Teil mit ihnen vermischte; sind doch aus den ehemaligen spanischen
Kolonien die jetzigen sd- und mittelamerikanischen Staaten mit
spanischer Bevlkerung hervorgegangen.

Schon die zweite Expedition des Kolumbus, die im Herbst 1493 Spanien
verlie, fhrte auf 14 Karavellen und 3 groen Lastschiffen auer den
Matrosen und Soldaten 1500 Auswanderer -- Ackerbauer mit Smereien,
Weinreben, Zuchtvieh -- mit sich. Auf Haiti, wo die zurckgelassenen
Kolonisten der ersten Reise infolge ihrer Ausschreitungen gegen die
Eingeborenen ermordet waren, wurde aufs neue fester Fu gefat, indem man
eine grere Niederlassung, Isabella, grndete. Als sich der Ort spter
gesundheitlich ungeeignet erwies, verlegte man den Sitz der Regierung
nach St. =Domingo=. Die Insel Haiti wurde nun gewaltsam in Besitz
genommen und hier zuerst eine Kolonie, die eigene Einknfte brachte,
geschaffen.

  Ein jeder Eingeborene Haitis wurde verpflichtet, vierteljhrlich eine
  gewisse Menge Goldstaub (in den Minenbezirken) oder Baumwolle (in den
  anderen Bezirken) abzuliefern; Saumselige oder Emprer wurden zur
  Zwangsarbeit auf den von Spaniern in Besitz genommenen Lndereien
  verurteilt oder als Sklaven nach Spanien gesandt. -- System der
  Repartimientos. -- Als bei dem Wachsen der spanischen Einwanderung und
  der Urbarmachung des Landes Arbeitskrfte mangelten, wurde einfach ein
  Teil der Indianer als Sklaven an die weien Besitzer verteilt -- System
  der Encomiendas --, obgleich von Spanien aus der Befehl gegeben war,
  die Eingeborenen als Freie zu behandeln, sie zur Arbeit nur durch ihre
  Kaziken anhalten zu lassen und sie zu lhnen. hnlich ist spter bei
  der Inbesitznahme der anderen Inseln und der Lnder des Festlandes
  verfahren worden. Mit unerbittlicher Hrte wurden die beiden Systeme
  nebeneinander durchgefhrt, wenn auch weiterhin die Regierung im
  Mutterlande hufig auf den Rat und die Vorstellung einsichtiger und
  menschlich fhlender Mnner Gesetze und Bestimmungen erlie, um das Los
  der Indianer zu mildern. Diese Hrte und die Grausamkeit, mit der
  Emprungen niedergeschlagen wurden, haben die Abnahme der eingeborenen
  Bevlkerung, auf den westindischen Inseln sogar ihre vllige
  Vernichtung, zur Folge gehabt. Der Mangel an Arbeitern veranlate dann
  die Einfhrung von Negersklaven, schon von 1501 an fr die
  Goldwschereien auf Haiti, die bekanntlich spter nach allen Kolonien
  in groem Mastabe betrieben wurde.

Kolumbus kehrte im Herbst 1496 von seiner zweiten Reise, auf der er noch
Cuba genauer erforscht und Guadeloupe, Puerto Rico, Jamaica gefunden
hatte, nach Spanien zurck. Fr kurze Zeit erlahmte hier das Interesse an
der Sache, da ein Teil der Auswanderer unbefriedigt mit ihm
zurckgekommen war. Sie hatten sich in ihrer Erwartung, schnell
ungeheuren Reichtum zu erlangen, getuscht gesehen: Nur Ackerbauer fanden
ihre Rechnung, nicht aber Goldsucher; die Einwanderer litten, besonders
an der Kste, unter dem Klima; die Verhltnisse der neuen Kolonie
entwickelten sich nur langsam infolge der hufigen Emprungen der
Eingeborenen, der Unbotmigkeit der Kolonisten selbst und der Intriguen
der Beamten gegeneinander. So konnte Kolumbus fr seine dritte
Expedition, auf der er bei der Ausreise Trinidad entdeckte, nur wenig
Kolonisten gewinnen, obgleich die Auswanderung allen Spaniern erlaubt und
denjenigen sogar ein Jahr Verpflegung zugesichert war, die sich zur
Abgabe von 2/8 des zu findenden Goldes und 1/10 der sonstigen Produkte
verpflichteten.

Nun wurde aber, gegen das dem Kolumbus versprochene Recht, von 1499 an
auch anderen Mnnern die Erlaubnis zu Entdeckungen erteilt, sowie der
Handel nach den Kolonien unter Aufsicht der Regierung und gegen Abgaben
vom Gewinn berhaupt freigegeben. =Alonso de Hojeda=, begleitet vom
Italiener =Amerigo Vespucci=, erreichte 1499 =Sdamerika= beim
Amazonenstrom und erforschte von dort die Kste bis Venezuela; =Pedro
Nio= brachte bald darauf von hier eine reiche Perlenladung heim;
=Rodrigo de Bastidas= entdeckte den Spuren Hojedas folgend den Golf von
Darien und kehrte mit Gold, Brasilholz und Sklaven zurck. Da um dieselbe
Zeit auch in Haiti reichere Goldlager gefunden wurden, stieg der
Unternehmungsgeist wieder, und es begann jetzt eine Periode von
Entdeckungsfahrten, Auswanderungszgen und Kolonisierungen, unternommen
von Abenteurern, oft auch Verbrechern, aber auch besseren Elementen mit
Familie, in der sich in verhltnismig kurzer Zeit die Macht Spaniens
ungemein ausdehnte. Kolumbus selbst besuchte auf seiner vierten und
letzten Reise 1502 Yucatan, Honduras und die Bai von Chiriqui, wo er von
neuen Goldlndern und zuerst vom Stillen Ozean hrte; er war berzeugt,
hier in der Nhe einer Wasserstrae nach Westen zu sein, wie er denn
berhaupt bis zu seinem Tode glaubte, Ostasien gefunden zu haben.

Bald wurden auf vielen westindischen Inseln, besonders den Groen
Antillen, an den Ksten Sd- und Mittelamerikas Niederlassungen
gegrndet; von einer dieser erreichte =Balbao= am 25. September 1513 den
Stillen Ozean beim Golf von St. Miguel und erhielt hier genauere Kunde
ber das Goldland =Peru=.

Seit 1511 war die Kolonisation =Kubas= energisch in die Hand genommen und
brachte reichen Gewinn, aber nirgends war man mit dem Ertrage zufrieden,
sondern suchte neue Goldlnder. Von Kuba aus wurden die Ksten von
Florida und =Mexiko= erforscht und dieses 1519-1521 durch =Cortez=
erobert. An der Westkste Mittelamerikas wurden Schiffe erbaut, mit denen
man weiter vordrang, bald auch ber den Stillen Ozean, was spter bei
Schilderung des Sdwestweges mit betrachtet werden soll. Von Mexiko aus
wurde Kalifornien aufgesucht, von Panama aus, wohin Kolonisten vom Golf
von Darien hinbergegangen waren, strebte man nach Peru. =Pizarro=
erforschte 1524 die Kste Kolumbiens, erreichte 1526 die Bucht von
Guayaquil und eroberte 1531-1536 das langersehnte =Peru=; von hier aus
wurde =Chile= in Besitz genommen.

So sehen wir um die Mitte des 16. Jahrh. Westindien, Mittelamerika, die
nrdlichen und westlichen Kstenlnder Sdamerikas bis Patagonien
hinunter in den Hnden der Spanier. Waren die Eroberungen der wichtigen
Reiche des Festlandes auch nur mit geringen Streitmitteln ausgefhrt,
so folgten doch bald Strme von Einwanderern. Ein wahres
Auswanderungsfieber, das das Mutterland zu entvlkern drohte, hatte
Spanien ergriffen, und die Forschung und die Kolonisation drangen schnell
von den Ksten ins Innere vor. Schon 1541 wurde der Amazonenstrom zum
ersten Male von Peru aus bis zur Mndung befahren und von Chile aus stie
man bald auf die von dem La Plata ausgehenden Kolonisten (vgl. Seite 74).

Anfangs war Haiti der Haupt- und Mittelpunkt der =Verwaltung der
Kolonien= gewesen; spter stellte man die einzelnen selbstndigen
Verwaltungsbezirke unter Vizeknige (Gouverneure, Generalkapitne), die
unmittelbar unter dem =Amt (Rat) von Indien= in Sevilla standen.

  Die Spanier haben durch ihre verkehrte Kolonialpolitik whrend der
  ersten Jahrhunderte die reichen berseeischen Besitzungen lange nicht
  zu einer ihren Anlagen entsprechenden Blte gebracht. Fr sie war nur
  die dauernd sichere Ausbeutung der Metallschtze im Interesse der Krone
  die Hauptsache, eine planmige Entwicklung der Kolonien war weder
  beabsichtigt noch erwnscht. Bald schon wurde die Auswanderung nicht
  mehr begnstigt, sondern sehr erschwert, und der Handel der Kolonien
  mit Spanien und unter sich durch allerhand Manahmen eingeschrnkt:
  Durch hohe Ein- und Ausfuhrzlle hben und drben, durch eine lstige
  Kontrolle der Regierung und durch Ausschlu aller fremden Schiffe vom
  Handel, die bis zur Mitte des 17. Jahrh. ohne weiteres als feindlich
  behandelt wurden; gestrandete Seeleute ttete man sogar oder sandte sie
  in die Bergwerke.

  Trotzdem ist diese Kolonialpolitik nicht ausschlielich auf Unfhigkeit
  oder Kurzsichtigkeit zurckzufhren, sie drfte den Verhltnissen und
  Bedrfnissen des Mutterlandes lange Zeit entsprochen haben. Spanien
  war durch die reichen Erwerbungen eine Gromacht geworden und hatte
  eine Weltpolitik begonnen, die nur weiter durchgefhrt werden konnte,
  wenn die Geldquellen in gleicher Strke weiter flossen; im brigen
  besa das Land weder eine berproduktion an Waren noch an Menschen,
  brauchte also keine groen Absatzmrkte und Auswanderungsgebiete, ja
  durfte diese nicht einmal voll ausnutzen. Es kam wie gesagt nur darauf
  an, mglichst groe Einknfte fr die Krone aus dem Minenbetrieb und
  dem Handel zu ziehen, sowie dafr zu sorgen, da die Lnder dem
  Mutterlande erhalten blieben. Eine Folge dieser Politik war zunchst,
  da die westindischen Kolonien und auch die an der Nordkste
  Sdamerikas, die in ihren Ertrgen nicht mit Mexiko, Peru usw. zu
  vergleichen waren, fr lange Zeit vernachlssigt wurden und
  zurckgingen. Viele der Weien zogen nach dem Festlande, Arbeitermangel
  trat mit Ausrottung der Indianer ein, und Neger wurden nicht genug
  eingefhrt. Die westindischen Gewsser wurden der Tummelplatz von
  Schmugglern, Seeruber machten Meer und Ksten unsicher, und andere
  Nationen setzten sich ungehindert in Besitz von noch nicht oder nur
  schwach besiedelten Inseln. Fr die reichen Festlandsbesitzungen lag
  aber die Gefahr nahe, da sich hier bei zu groer selbstndiger innerer
  Entwicklung Unabhngigkeitsgelste regen knnten: deshalb griff man zur
  Beschrnkung der Einwanderung. Aus demselben Grunde wurden die Klassen
  der Kreolen (d. h. Eingeborene von spanischen Eltern stammend) und der
  Mischbevlkerung, die stndig zunahmen und zum Teil ber groe Vermgen
  verfgten, soweit mglich in Unbildung erhalten, der Gegensatz und die
  Eifersucht zwischen den verschiedenen Klassen (Spanier, Kreolen,
  Mischlinge der verschiedenen Grade) genhrt und die amtlichen
  Stellungen, besonders die hheren Posten, fast nur mit Spaniern
  besetzt. Die Ansiedelung Fremder wurde tunlichst erschwert, wo sie
  nicht zu vermeiden war, wurde ihnen durch die Inquisition das Leben
  verbittert. -- Alles Manahmen, um Intelligenz, Einigkeit und
  Selbstbewutsein von der Bevlkerung fern zu halten; die Regierung der
  Lnder lag in den Hnden der wenigen Spanier.

  ber die Durchfhrung dieser Politik wachte der Rat von Indien mit
  unnachsichtlicher Strenge, in seiner Hand lag die oberste
  Gerichtsbarkeit und die ganze Verwaltung der Kolonien; selbst die
  Inquisition wirkte in seinem Dienste, wie denn wie berall unter
  spanischem Zepter auch in den Kolonien die Kirche eine bergroe Macht
  darstellte und ungeheure Reichtmer erwarb. Die Stellung der Vizeknige
  war zwar mit groen Ehren und reichen Einknften bedacht, aber ihre
  Machtbefugnisse waren sehr durch die ihnen beigegebenen Gerichts- und
  Verwaltungshfe beschnitten. Wie die Vizeknige, so wechselten auch die
  Mitglieder dieser Hfe hufig; waren fr jene Bestimmungen erlassen,
  da sie nicht zu populr wurden, so durften auch diese keine
  Familienbeziehungen und keinen Grundbesitz in den Kolonien haben. Alle
  Einrichtungen zielten darauf hin, die Beamten nicht selbstndig walten
  und auch nicht zu festen Fu fassen zu lassen. Diese Bevormundung
  fhrte zur Verkncherung der Verwaltung und hinderte doch nicht, da
  bei den Beamten Willkr und Unredlichkeit einrissen. Die Kolonien haben
  aber lange Zeit ihren Zweck erfllt; allein die Gewinnung von Gold und
  Silber soll von 1493-1600 einen Wert von 4027 Millionen Mark gehabt
  haben.

Von der 2. Hlfte des 16. Jahrh. an wurden auch die spanischen Kolonien
und der Handel mit ihnen, wie die der Portugiesen in Indien, durch die
Angriffe der Englnder und Hollnder schwer geschdigt. Die Absperrung
und die feindliche Behandlung der Fremden fhrten diese zu Versuchen, den
Verkehr durch Gewaltmaregeln zu erzwingen, was sich zunchst und
hauptschlich durch berflle und Wegnahme der mit den Schtzen Amerikas
heimkehrenden Schiffe zeigte. Der Verkehr Spaniens mit Amerika durch nur
einmal jhrlich ausgesandte Flotten hatte bei der Unsicherheit der Meere
eine gewisse Berechtigung. Aber gerade die Regelmigkeit dieser Fahrten
gab den Feinden die Mglichkeit, groe Operationen zum Abfangen dieser
Flotten vorzubereiten und durchzufhren. Zu einem bestimmten Zeitpunkt im
Jahre versammelten sich in Sevilla zwei starke Geschwader, aus den
grten Schiffen der Zeit bestehend, zur Verschiffung von Waren nach
Amerika. Die eine (Galeonenflotte) ging mit Ausfuhrartikeln fr Mexiko
und Mittelamerika nach Veracruz, die andere (=Silberflotte=) mit Waren
fr Peru und Chile, die auf Maultieren ber den Isthmus nach Panama
geschafft wurden, nach Portobello (oder Nombre de Dios). Am
Bestimmungsort hielten beide Flotten groe Messen ab, nahmen die dort
aufgespeicherten Naturerzeugnisse und Metallschtze als Rckfracht ein
und vereinigten sich in Havanna, von wo aus sie als =Silberflotte=
gemeinsam die Rckreise antraten.

[Illustration: FERDINAND MAGELLANUS.]

$Der Sdwestweg nach Indien.$ Auf der zweiten portugiesischen Reise nach
Indien (Cabral 1500; vgl. Seite 60) war Brasilien entdeckt und in Besitz
genommen. In Lissabon erkannte man sofort, da dieses Land als Station
fr die Reisen nach Indien von groem Vorteil sein wrde, und sandte 1501
eine Expedition, fr die =Vespucci= als Teilnehmer gewonnen war, zur
nheren Erforschung aus. Aus einer Kstenfahrt vom Kap S. Roque bis zu
32 S. Breite und der der Spanier vom Amazonenstrom bis zum Golf von
Darien (Seite 68) gewann man die berzeugung, da man einen groen
Kontinent vor sich habe, und Vespucci wies zuerst auf die Mglichkeit
hin, durch seine Umsegelung Indien zu erreichen. Er unternahm selbst in
portugiesischem Dienst 1503 eine Reise zu diesem Zweck, kam jedoch nur
bis zur Bai von Bahia, veranlate aber 1508, als Reichspilot in
spanischen Dienst zurckgetreten, ein gleiches Unternehmen von dort aus.
Ungnstige Umstnde, besonders Unfhigkeit und Uneinigkeit der Fhrer,
vereitelten den Erfolg; man kam nicht viel weiter als frher. Es war aber
doch festgestellt worden, da die Kste Sdamerikas bis 40 S.
sdwestlich lief. Dies und die Entdeckung des Stillen Ozeans durch Balbao
1513 lie den Plan Vespuccis durchfhrbar erscheinen und ermutigte den
Spanier Dias de Solis zu einem neuen Versuch; er kam indes nur bis zum La
Plata, wo er von Eingeborenen gettet wurde. Ihm folgte =Fernao de
Magalhaes=.

  Magalhaes, ein Portugiese, hatte mehrfach Fahrten nach Indien
  ausgefhrt und als Offizier in Marokko gefochten; in Ungnade gefallen,
  trat er aus dem Dienste und beschftigte sich mit Kosmographie und
  Nautik. Er verfolgte mit Aufmerksamkeit die ebengenannten Expeditionen
  sowie die Fahrten der Portugiesen in Indien nach Osten, auf denen diese
  die Molukken erreicht hatten. Da die portugiesischen Seeleute aus
  Ruhmredigkeit die Entfernung von Malakka nach den Molukken sehr
  bertrieben, kam Magalhaes auf den Gedanken, da die allseitig
  ersehnten Inseln schon in spanischem Machtbereich lgen, und erbot
  sich, sie fr Spanien auf dem Sdwestwege aufzusuchen.

Am 20. September 1519 trat Magalhaes mit 5 Schiffen -- 2 zu 130 tons, 2
zu 90 tons, 1 zu 60 tons -- die Reise an. Er verfolgte die brasilianische
Kste vom Kap Augustin ab sdlich und erforschte sie genauer -- besonders
die Bucht von Rio de Janeiro und die La Platamndung --, in der Hoffnung,
eine Strae nach dem von Balbao gefundenen Westmeere anzutreffen. Vom 31.
Mrz bis 24. August 1520 berwinterte er im St. Julian-Hafen (49 15'
S.). Wie alle seine Vorgnger auf ihren ersten groen Entdeckungsfahrten
hatte auch er mit der Zaghaftigkeit seiner Besatzungen zu kmpfen;
whrend des Winterquartiers kam es sogar zur offenen Meuterei eines
Teiles. Am 21. Oktober erreichte er nach Verlust eines Schiffes durch
Strandung das Kap Virgines und damit den Eingang der nach ihm benannten
Strae, deren Tiefenverhltnisse es bald nach dem Einsegeln
wahrscheinlich erscheinen lieen, da man es diesesmal nicht mit einer
Bucht, sondern mit einer Durchfahrt zu tun habe. Wiederum verlangte jetzt
ein Teil seiner Untergebenen umzukehren und die weitere Lsung der
Aufgabe einer neu und besser ausgersteten Expedition zu berlassen, aber
Magalhaes blieb fest und setzte die Reise fort. Eines seiner besten
Schiffe, das er zur Untersuchung eines Nebenkanals entsendet hatte,
verlie ihn hier und kehrte nach Spanien zurck, whrend der Admiral
schon nach zwlf Tagen -- den Zeitverbrauch durch Untersuchung der
verschiedenen Wasserstraen und Wiedersammeln der Flottille abgerechnet
--, am 28. November, bei Kap Pillar den =Stillen Ozean= erreichte.

Vom Kap Pillar aus richtete Magalhaes seinen Kurs gerade nach Norden,
behielt bis zu 47 S. Breite die Kste in Sicht und setzte erst auf 37
S. seinen Kurs nach Nordwesten. Die westliche Begrenzung des
sdamerikanischen Festlandes war hierdurch erkannt.

Bei schnem Wetter und gnstigem Winde, deshalb Stiller Ozean benannt,
aber unter harten Entbehrungen wurde das groe Weltmeer durchfahren.
Wasser und Proviant wurden knapp und kaum noch geniebar; Ratten und
selbst das zum Schutz in der Takelage angebrachte Schamfielingsleder
wurden gegessen, Skorbut trat infolgedessen auf und forderte Opfer. Der
Kurs fhrte zwischen den Paumotu- und Markesas-Inseln hindurch; von den
ersten wurde am 24. Januar 1521 ein unbewohntes Eiland (Puka-Puka?)
besucht und am 4. Februar auf einem zweiten (Flint?) eine zweitgige Rast
zum Fischen gemacht. Dann wurde die Reise zwischen den Gilbert- und
Marschall-Inseln und zwischen diesen und den Karolinen hindurch
fortgesetzt und nun der Kurs wieder nach Westen aufgenommen, bis man am
6. Mrz auf die Ladronen (Guam und St. Rosa) stie. Wohl wute Magalhaes,
da sein Ziel, die Molukken, unter dem quator lag, aber er zog es vor,
sich zunchst an Orten zu verproviantieren, die Schiffe auszubessern und
auszuruhen, wo er voraussichtlich noch nicht die Portugiesen antraf. Er
behielt deshalb den Westkurs bei und gelangte nach Ansegelung einiger
kleinen Inseln zu den =Philippinen= (Zebu). Die Kaufleute dort waren
bereits mit Portugiesen zusammengekommen, und man fand auch schon
arabische Hndler vor. Obgleich von den Arabern als Portugiese
verdchtigt, wurde der Admiral doch von dem malaiischen Huptling gut
aufgenommen, fiel aber beim Versuche, hier festen Fu zu fassen und den
Huptling als Vasallen Spaniens zum Oberherrscher der benachbarten Inseln
zu machen, in einem Kampfe auf der kleinen Insel Mactun.

  Wenn Magalhaes auch sein Ziel nicht mehr erreicht hat, so ist seine
  Expedition doch wohl =die grte nautische Tat jener Zeit=. Vasco da
  Gamas Reise bildete nur den Abschlu einer Reihe von Unternehmungen,
  die ihm schon tchtig vorgearbeitet hatten, und die einzige groe Fahrt
  ber See unternahm er mit Hilfe gebter Lotsen. Kolumbus fuhr zwar
  wagemutig ins offene Meer, aber mit frischen Krften und von Anfang bis
  zu Ende unter gnstigen Wind- und Wetterverhltnissen. Magalhaes
  dagegen trat seine Reise in ein unbekanntes Weltmeer mit Schiffen an,
  die schon eine fr damalige Zeit ungeheuere Leistung hinter sich
  hatten. So steht er von den drei khnen Seeleuten wohl am hchsten da,
  und er fand auch, whrend die Fahrten der beiden anderen sofort und
  dann ununterbrochen wiederholt wurden, erst 50 Jahre spter einen
  Nachfolger in Drake durch dessen Weltumsegelung.

Nach des Admirals Tode verlie das Glck die Expedition, deren Fhrung
=Sebastian de Elcano= bernommen hatte. Infolge Verrates muten die
Schiffe nach groem Verluste Zebu verlassen; das seeuntchtigste Schiff
wurde wegen Mannschaftsmangels verbrannt, die beiden letzten Fahrzeuge
erreichten unter Fhrung Eingeborener Borneo (Stadt Brunei). Trotz guter
Aufnahme zuerst muten sie auch von hier mit Zurcklassung einiger
Gefangener fliehen, segelten stlich um die Insel und kamen am 8.
November 1521 bei den =Molukken= (Insel Tidor) an. Hier stieen sie mit
den Portugiesen, die um diese Zeit auf der benachbarten Insel Ternate Fu
faten, zusammen, doch setzte man sich vorlufig friedlich auseinander,
und die beiden Schiffe nahmen reiche Ladung an Bord. Als man Mitte
Dezember die Weiterfahrt antrat, mute ein Schiff wegen Seeuntchtigkeit
zurckbleiben. Das letzte, die Viktoria, segelte am 21. Dezember mit
einer Besatzung von 47 Spaniern und 13 Indiern ab, erreichte ber Timor
und Neu-Amsterdam die afrikanische Kste, umschiffte am 18. und 19. Mai
1522 das Kap und traf, nach den grten Strapazen und Entbehrungen,
Verlusten an Toten durch Krankheit und an Gefangenen (zuletzt noch beim
Besuch der Kapverden von den Portugiesen gemacht), am 6. September in
Spanien ein. Die erste Erdumsegelung war vollfhrt, nur 18 Europer
hatten die nahezu drei Jahre dauernde Reise berstanden, jedoch soll die
Fracht an Gewrznelken des einen Schiffes die Kosten der ganzen
Expedition gedeckt haben.

  Das auf Tidor zurckgebliebene Schiff verlie die Insel am 6. April
  1522 mit einer Besatzung von 50 Spaniern. Man beabsichtigte, durch den
  Stillen Ozean zurckzukehren, und steuerte nach Nordosten. Nach
  monatelangem Umherirren war man aber gentigt, zu den Molukken
  zurckzugehen und sich in den Schutz der Portugiesen zu begeben. Das
  Schiff war wrack und nur noch 17 Spanier lebten. Sie und 12 Mann, die
  als Ansiedler auf Tidor zurckgelassen und bei der endgltigen
  Inbesitznahme Ternates durch die Portugiesen gefangen genommen waren,
  wurden absichtlich in ungesunden Orten festgehalten und erst nach
  langer Zeit nach Europa befrdert. Nur drei Mann erreichten nach
  mehreren Jahren Spanien.

Die =Kolonisation der auf dem Sdwestwege entdeckten Lnder= war zunchst
ziemlich bedeutungslos. =Brasilien= wurde von den =Portugiesen= im
wesentlichen nur als eine Station fr ihre indischen Flotten geschtzt.
Der Handel dorthin war nur gering und wurde mehr von Franzosen betrieben,
die sogar um 1516 auf kurze Zeit festen Fu gefat hatten. Erst als 1530
die Spanier am La Plata reiche Minen entdeckten, wuchs in Portugal das
Interesse fr Brasilien. Man trat schrfer gegen fremden Handel auf und
grndete planmig Niederlassungen, indem man groe Lehen (capitanias) an
Private gegen entsprechende Abgaben berlie. Jetzt begann die Kolonie
sich zu entwickeln. Das Land wurde in Kultur genommen; die Eingeborenen
behandelte man dabei hnlich, wie die Spanier in ihren Besitzungen es
taten, auch fhrte man wie diese Neger ein. Stdte wurden gebaut, und
nach und nach bildete sich ein lebhafter Handel mit dem Mutterlande aus.
Auch diese Kolonie hatte von der Mitte des 16. Jahrh. an unter Angriffen
der Englnder, Hollnder und Franzosen zu leiden und Versuche der beiden
letzten, sich festzusetzen, abzuwehren.

Im Sdosten Amerikas nahmen die =Spanier= vom =La Plata= aus die Lnder
in Besitz. Die Kolonisierung begann mit der Grndung von Buenos-Ayres
(1534) und Asuncion (1537) und machte rasche Fortschritte, so da bald
die Verbindung mit Peru und Chile hergestellt war und die Besiedelung der
La Plata-Staaten teilweise auch von dort geschah.

Der Stille Ozean gehrte zweifellos in den Machtbereich Spaniens, auf
die =Molukken= aber machten =beide= Nationen Anspruch. Eine 1524 zur
Regelung dieser Frage eingesetzte Kommission kam zu keinem Ergebnis, da
beide Parteien bei ihrer Ansicht ber die Lage der Inseln zur
Demarkationslinie blieben und keine die Mittel besa, der anderen ihre
Fehler zu beweisen; die Differenz der Ansichten betrug 46
Lngengrade.[28]

  [28] Die Insel Tidor liegt tatschlich auf 127-1/2 O. Greenwich; die
       Demarkationslinie war 131-1/2 O. Greenwich; Spanien nahm fr
       Tidor 158, Portugal 112 O. Greenwich an.

Die Portugiesen hatten sich schon auf Ternate festgesetzt, die Spanier
beabsichtigten ein gleiches auf Tidor. In Mittelamerika wurde eifrig nach
einer Durchfahrt geforscht, um den weiten Weg abzukrzen, aber auch eine
Expedition zur Besitzergreifung wurde 1525 von Spanien durch die
Magalhaesstrae gesandt. Von sieben Schiffen gelangte jedoch nur eins, an
Mannschaft geschwcht und vllig seeuntchtig, am 1. Januar 1527 nach
Tidor; die brigen waren verloren oder versprengt; eins war nach Mexiko
gekommen, gewissermaen auch ein Erfolg, weil hierdurch die westliche
Begrenzung Sdamerikas mehr bekannt wurde. Die schwache Besatzung des
wohlbehalten eingetroffenen Schiffes befestigte sich auf Tidor und hielt
sich auch einige Zeit, da sie von Mexiko aus Untersttzung bekam; aber
von den drei dazu entsandten Schiffen war ebenfalls nur eins angekommen,
und sein Versuch, dann noch weitere Untersttzungen heranzuholen,
milang. Mehrfach versuchte es, nach Osten zurckzusegeln, immer mute es
widriger Winde wegen umkehren und fiel schlielich den Portugiesen in die
Hnde. Der Rest der Spanier, 16 Mann, wurde von Tidor nach Hamalhera
vertrieben und behauptete sich hier bis zum Abschlu eines Vertrages.
1529 verzichtete nmlich Spanien gegen eine Summe von 350000 Dukaten auf
die Inseln, die Demarkationslinie wurde auf 17 Lngengrade stlich davon
angenommen. So war Portugal im alleinigen Besitz des Gewrzhandels und
blieb es bis zu seiner Verdrngung durch die Hollnder. Die bedeutende
von Portugal gezahlte Abfindungssumme mu man aber wohl als einen Erfolg
der ersten Erdumsegelung fr Spanien ansehen.

Die =Philippinen= htten nach dem letzten Vertrage zur Erdhlfte
Portugals gehrt, dennoch fielen sie =Spanien= zu. Von Mexiko aus wurden
von 1536 an Expeditionen dorthin entsendet, die auch verschiedene neue
Inselgruppen der Sdsee und sogar (1545) Neuguinea berhrten. Diese
Entdeckungen hatten aber weiter keine Folgen, und auch auf den
Philippinen wurde zunchst nichts erreicht. Den sich feindlich stellenden
Eingeborenen gegenber waren die Unternehmungen zu schwach; man war stets
zur Proviantierung auf die Molukken und somit auf die Gte der
Portugiesen angewiesen, und die Schiffe fielen schlielich immer diesen
in die Hnde, weil alle Versuche, nach Mexiko zurckzukehren, wie frher
an den widrigen Winden scheiterten; durch den Indischen Ozean aber nach
Europa zu segeln, verbot der Vertrag. Erst 1565 gelang es einer greren
Flotte, auf Zebu festen Fu zu fassen, und gleichzeitig ward der Rckweg
gefunden. Ein versprengtes Schiff entdeckte nmlich durch Zufall nrdlich
von 40 N. Breite den gnstigen Wind nach Mexiko; der Fhrer der Flotte
hatte diesen Weg gesucht in der berzeugung, wie beim Atlantik nrdlich
vom Passat westliche Winde anzutreffen. Damit war die Verbindung zwischen
Mexiko und den Philippinen hin und zurck gesichert; bald wurden alle
Inseln unterworfen, 1570 Luzon erobert und Manila gegrndet; Portugal
frchtete man auch nicht mehr, denn um diese Zeit war das kleine
Nachbarland erschpft und seine Macht in Indien schon im Rckgange.

  Fr den Sdwestweg nach Indien sind noch einige Punkte von nur
  =geographischer Bedeutung= zu erwhnen. Die Berhrung Neuguineas regte
  an, den vermuteten =groen Sdkontinent= zu suchen, als dessen
  Nordkste man Neuguinea ansah. Am Ende des 16. und zu Anfang des 17.
  Jahrh. entdeckten zu diesem Zweck von Peru ausgesandte Expeditionen
  neue Inselgruppen der Sdsee und auch die Torresstrae, doch sollten
  erst sptere Zeiten diese Entdeckung wiederholen und verwerten; die
  Kunde ber die Torresstrae blieb sogar berhaupt ein in den Archiven
  Manilas begrabenes Geheimnis (Cook entdeckte die Strae 1770 neu). 1616
  umsegelten die Hollnder zuerst das =Kap Hoorn= und fanden damit einen
  gnstigeren Weg zur Umschiffung Amerikas von Osten als die
  Magalhaesstrae mit ihren bestndigen Westwinden; 1642 umsegelte der
  Hollnder Abel Tasman von Mauritius aus =Australien= (und Tasmanien)
  und stellte damit fest, da dieser Kontinent, Neuholland getauft,
  nicht mit dem groen Sdpolkontinent zusammenhinge; das gleichfalls
  gesichtete =Neuseeland= wurde nun lange Zeit (bis zu Cook 1770) fr den
  Auslufer eines solchen gehalten.

$Der Nordwest- und der Nordost-Weg nach Indien.$ Der Gedanke, Indien auf
$nordwestlicher Bahn$ zu finden, wurde zuerst in England gefrdert, aber
die Anregung hierzu gab wieder ein Italiener. =Giovanni Cabotto= (=John
Cabot=), Genueser von Geburt, spter venetianischer Brger, lie sich
1490 in Bristol nieder. Bristol war durch seinen Stockfischhandel nach
Sdeuropa schon ein berhmter Hafen geworden. Englische und dnische
Fischer besuchten seit Anfang des 15. Jahrh. bereits regelmig Island,
und aus Island stammten berlieferungen von den alten Normannenfahrten
nach Lndern im Westen des Atlantischen Ozeans. Schon von 1491 an
unternahmen Bristoler Kaufleute auf Anregung Cabots Entdeckungsfahrten
nach dem Westen, 1496 erhielt er auch vom Knig Untersttzung und ein
Patent, das ihn gegen eine Abgabe ermchtigte, unter kniglicher Flagge
zu fahren, zu entdeckende Lnder in Besitz zu nehmen und sie im Namen des
Knigs zu regieren. Im Mai 1497 trat er die Reise an und erreichte
Amerika am Johannistage wahrscheinlich beim Kap Bonavista; er segelte
dann die Kste von =Labrador= entlang, bis ihn Treibeis zur Umkehr zwang.
Schon Anfang August traf er wieder in Bristol ein. 1498 folgte eine
zweite Fahrt mit 5 Schiffen, doch ist von ihrem Ergebnis nichts Sicheres
bekannt, ebensowenig von einer spteren seines Sohnes Sebastian, der
nachher fr lange Jahre in spanische Dienste trat. In den nchsten Jahren
folgten andere Schiffe, auch franzsische und portugiesische, den Spuren
Cabots nach =Neuschottland=, =Neufundland= und Labrador. Man lernte den
Fischreichtum dieser Ksten kennen, und Fischer der genannten Nationen
begannen dort ihre Ttigkeit. Zur eigentlichen Besiedlung erschien das
Land aber zu rauh und zu arm. Grere Unternehmungen ruhten etwa 20
Jahre, bis die Erfolge Magalhaes' wieder den Wunsch nach einer nrdlichen
Durchfahrt bei den Vlkern wachriefen, die sich noch nicht recht in den
Machtbereich der Spanier und Portugiesen wagten. Wir finden dann neue
Versuche Frankreichs (z. B. 1524 der Florentiner Verrazano in
franzsischem Dienste) und Englands (von 1527 an) zur Erforschung der
Kste; alle erreichten nur etwa 53 N. Breite, jedoch wurde die Kste von
hier bis zu 34 N. Breite (besonders durch den Franzosen =Cartier= 1534)
genauer bekannt.

So war man bis an die Entdeckungen der Spanier im Sden herangekommen;
die =Ostkste Nordamerikas= war festgelegt und sollte bald das Ziel der
Kolonisation von Frankreich, England und Holland werden. Neue Versuche,
den Weg nach Indien zu finden, wurden dagegen erst wieder nach einer
Pause von 50 Jahren gemacht: die frh angetroffenen Eismassen hatten
abgeschreckt. Die Englnder unter Elisabeth nahmen sie erst wieder auf,
doch wurde in dem Zeitabschnitt von 1576-1632 das Ziel ebensowenig
erreicht; durch die verschiedenen Entdeckungsfahrten hatte man aber von
den polaren Kstensumen Amerikas ein wesentlich klareres Bild gewonnen.
Die Namen der groen Seeleute, die diese Unternehmungen leiteten, sind in
der Karte verewigt: =Frobisher= (1576-1578), =Davis= (1585-1587),
=Hudson= (1609-1611), =Baffin= (1614-1616), =Fox= und =James= (1631 bis
1632).[29] Dann trat gar eine Pause von nahezu 200 Jahren (bis 1818) ein,
und erst 1850 (Mac Clure) wurde das Vorhandensein eines Wasserweges von
der Baffinsbai bis zur Beringsstrae festgestellt.

  [29] Genaueres ber diese Expeditionen siehe Clowes, Teil 1 und 2 in
       den Kapiteln Voyages and Discoveries.

Unternehmungen, Indien auf einem $Nordostwege$ zu erreichen, begannen
erst um 1553. Es knnte dies befremden, aber man nahm bis dahin im Westen
und Sden Europas an, da das Festland Europas mit Grnland
zusammenhinge. Vom Bestehen einer Kstenschiffahrt von der Nordwestkste
Norwegens bis zum Weien Meere und vom Weien Meere bis zum Karischen
Meerbusen erfuhr man erst um 1549 durch das Werk eines deutschen
Gesandten in Moskau. Wahrscheinlich hierdurch angeregt, rief =Sebastian
Cabot= bei seiner Rckkehr nach England eine Gesellschaft englischer
Kaufleute -- spter die moskowitische Handelsgesellschaft genannt -- ins
Leben mit dem Zweck, auf dem nordstlichen Wege Lnder dem Handel zu
ffnen, zu denen der Einflu der Hansa nicht reichte, und womglich um
den Norden Europas herum nach Indien zu gelangen. Die Hollnder folgten
bald nach. Das Hauptziel ist bekanntlich auch hier nicht erreicht und
Kolonien sind nicht gegrndet worden; auch der Handel wurde nie
bedeutend.

Eine erste englische Fahrt 1553 unter Sir Hugh Willoughby kam bis zum
=Weien Meere=, von wo aus man mit Moskau in Verbindung trat, eine zweite
bis Nowaja Semlja, eine dritte 1580 bis zum =Karischen Meer=; weiter
kamen auch die Hollnder bei verschiedenen Expeditionen 1566-1599 nicht.
Beide Nationen trieben aber regelmigen Handel mit und an den
neuentdeckten Gestaden und grndeten dort Agenturen, die bedeutendsten
seit 1584 in =Archangel=.

Die Versuche, Indien zu erreichen, wurden im Anfange des 17. Jahrh., als
die hollndisch-ostindische Kompagnie gegrndet war und den Handel mit
Indien auf dem Sdost- und Sdwestwege allein in der Hand hatte, von
hollndischen Kaufleuten, die dieser Kompagnie nicht angehrten,
erneuert, spter von der Kompagnie selbst und von der englischen
moskowitischen Gesellschaft fortgesetzt. Aber man kam nicht weiter als
frher, auch Versuche, von Nowaja Semlja aus oder lngs der Ostkste
Grnlands ber den Nordpol zu steuern, scheiterten an den
unberwindlichen Eismassen, und so wurde im Nordosten wie im Nordwesten
der Plan fr lange Zeit, fr 250 Jahre (Nordenskild und Palander,
1878-1879), aufgegeben.

Die Versuche, den Nordostweg zu finden, brachten aber ein sehr wichtiges,
praktisches Ergebnis. Es wurde =Spitzbergen= entdeckt und der Reichtum
seiner Gewsser an Walen und Robben erkannt.

  Schon von 1597 an sandten die Englnder vereinzelte Schiffe zum Fang
  nach dem hohen Norden, wobei ihnen Basken -- erfahren in Fang des
  damals noch vorhandenen Biskaya-Wals -- als Lehrmeister dienten. Von
  1608 an wurde die =Fischerei= in grerem Mastabe betrieben, und 1611
  erhielt die moskowitische Gesellschaft das alleinige Recht dazu sowohl
  englischen als fremden Fischern gegenber. Trotzdem erschienen 1612
  auch die Hollnder, neben ihnen Basken und Franzosen dort, und es
  entspann sich hier nun ein jahrelanger regelrechter Kampf, bis im Jahre
  1627 ein Vertrag den Englndern den Sdwesten, den Hollndern den
  Nordwesten der Inseln als Fischereibezirk zusprach.


     Das Heraustreten der Englnder und Hollnder (Franzosen) in die
                               Ozeane.[30]

Um die Mitte des 16. Jahrh. waren die Ozeane mit Ausnahme der
nrdlichsten und sdlichsten Gewsser befahren und die Entdecker auf den
verschiedenen Wegen nach Indien berall zusammengestoen; unbekannt waren
nur noch die arktischen Regionen, die Westkste Nordamerikas, die
Nordkste Asiens und Australien. Spanien und Portugal, die
Hauptentdecker, hatten sich in der Beherrschung der ergiebigsten Gebiete
der neuerschlossenen Erde geteilt und zogen reichen Gewinn aus den
berseeischen Besitzungen oder aus dem Monopol des Seehandels nach den
neuen Lndern. Sie sollten sich aber nicht lange ungestrt dieser
Vorteile erfreuen; bald erwuchsen ihnen gefhrliche Mitbewerber in den
=neu aufblhenden Seemchten England, Holland= und bis zu einem gewissen
Grade auch Frankreich. Holland und England waren seit Ende des 15. Jahrh.
als Nebenbuhler der =Hansa= in den nordischen Gewssern aufgetreten, die
bekanntlich im Laufe des 16. Jahrh. ihre Bedeutung und Macht verlor. An
ihrem Rckgange waren nicht vorwiegend, wie oft gesagt, die Umwlzungen
im Welthandel durch die Entdeckungen schuld. Diese sind in der 1. Hlfte
des 16. Jahrh. noch nicht tiefgreifend genug gewesen; Spanier und
Portugiesen, die Vlker der Entdeckungen, sind nie nach dem Norden
gekommen; nicht diese, sondern Hollnder und Englnder wurden die Erben
der Hansen. An der ersten Folge der Entdeckungen, nmlich der zunehmenden
Schiffahrt vom Norden nach der Pyrenischen Halbinsel, beteiligte sich
die Hansa in demselben Mae wie England und Holland. Sie sank, als die
skandinavischen Reiche sowie England erstarkten und die hansische
Handelsherrschaft abschttelten, gleichzeitig wuchs die Macht des
deutschen Frstentums und strebte erfolgreich danach, die verlorene
Herrschaft ber die deutschen Stdte im allgemeinen wiederzugewinnen. Die
Aufgabe des hansischen Stdtebundes, seine Herrschaft auf der See zu
verteidigen und seine politische Unabhngigkeit zu wahren, wurde zu gro
fr die immer kleiner werdende Zahl der Stdte; unglckliche Seekriege
offenbarten die innere Schwche des Bundes und untergruben die Achtung
vor seiner Macht. Die nordischen Staaten begnstigten die neuen Hndler,
Hollnder und Englnder, und beschnitten die der Hansa gewhrten Rechte,
wie es auch Elisabeth in England tat. Wenn die Hansen zu Anfang des 16.
Jahrh. die Ostsee als ihr Meer ansehen konnten, so waren sie an seinem
Ende dort nur noch geduldet.

  [30] Hauptquellen: Zimmermann, Band 1-5; Clowes, Teil 1 und 2, Kapitel
       Military History and Voyages; de Jonge, Teil 1; Nauticus 1900 und
       1901; Rodenberg.

  Um diese Zeit erlitten die Hansen nun noch zwei schwere Einbuen: die
  Heringszge wandten sich nach der Nordsee und wurden die Beute der
  englischen und noch mehr der hollndischen Fischer; diese betrieben den
  =Heringsfang= 1634 mit 2500 bis 3000 Fahrzeugen, selbst an den Ksten
  Schottlands, und erzielten daraus einen jhrlichen Gewinn von 20
  Millionen Mark. Ferner zog sich ein groer Teil des russischen Handels
  infolge der nordischen Kriege in der Ostsee nach den von den Englndern
  und Hollndern gegrndeten Agenturen in Archangel.

Mit dem Niedergange der Hansa wuchs die Schiffahrt Englands und Hollands
seit der Mitte des 16. Jahrh. ganz bedeutend. Whrend im Jahre 1531 nur
310 hollndische Schiffe nach der Ostsee gefahren waren, liefen im April
1587 gegen 800 dahin aus, und 1640 sollen gar 1600 den Sund passiert
haben; der englische Handel erreichte hier um diese Zeit bei weitem nicht
denselben Umfang, den 1600 hollndischen Schiffen stehen nur 430
englische gegenber.

Auch der Verkehr beider Nationen nach dem Sden und dem Mittelmeer wuchs
an, wiederum besonders der der Hollnder. Diese hatten bald den
Zwischenhandel zwischen der Pyrenischen Halbinsel und dem Norden in die
Hand genommen und trotz ihres Krieges mit Spanien erweitert; als ihnen im
Verlauf des Krieges die Hfen der Halbinsel geschlossen wurden, setzten
sie den Handel mittels Schmuggel fort, der Ausschlu von Spanien fhrte
auch ihre Schiffe mehr ins Mittelmeer. Von dem Bestreben der beiden
jungen Seemchte und Frankreichs, im Norden Wege nach Indien zu finden,
hrten wir bereits, auch wie dieses die Entwicklung einer blhenden
Hochseefischerei an verschiedenen Stellen mit sich brachte.

Die Ttigkeit auf allen diesen Gebieten in den nordischen Gewssern mit
ihren Beschwerden und Gefahren war fr die Hollnder und Englnder eine
gute Schule zur Ausbildung ungemein tchtiger Seeleute, die sich bald
stark genug fhlten, die Macht und die auf ppstlichen Bullen fuenden
Rechte der Spanier und Portugiesen nicht mehr zu achten. Ihre Schiffe
erscheinen in den sdlichen Meeren; zunchst sind es bewaffnete
Kauffahrer der Englnder, von den Spaniern Piraten genannt, die einzeln
und in Geschwadern -- in Kriegszeiten mit Kaperbriefen versehen und von
der Regierung untersttzt -- die mit Edelmetallen und Tropenerzeugnissen
heimkehrenden Schiffe und die Kolonien bedrohen, spter treten bewaffnete
kaufmnnische Expeditionen beider Vlker zur Grndung von Niederlassungen
und Anknpfung von Handelsverbindungen hinzu; eine endlose Reihe von
kleinen und groen Zusammensten in allen Teilen der Welt ist die Folge.
Dieser Kampf gegen die Spanier und Portugiesen wird geschrt durch
Glaubensha, die groe Frage des Zeitalters, und ist bei den Hollndern
gleichzeitig der auf das Meer bertragene Streit gegen ihre Unterdrcker,
in dem England ihnen als Bundesgenosse zur Seite steht.

[Illustration: Francis Drake.]

Von $England$ aus unternahm schon zwischen 1530 und 1540 William Hawkins
mit einem Schiff von 250 tons drei erfolgreiche Reisen nach Guinea und
Brasilien und brachte Gold, Elfenbein und wertvolle Naturerzeugnisse
heim. Seinem Beispiele folgten andere; lange Fahrten, schlechte
Verpflegung, Skorbut, auer den Gefahren zur See Zusammenste mit den
Portugiesen machten auch diese Reisen zu einer Schule fr die englischen
Seeleute, besonders fr die Kapitne. Die Unternehmungen mehrten sich
unter Elisabeth, die ja auch die Entdeckungen im Norden und die
Hochseefischerei frderte, und wurden bald in kleinen Geschwadern und mit
greren Schiffen ausgefhrt. Sie erzielten besonders groen Gewinn, als
mit ihnen der Negerhandel von Afrika nach Westindien verbunden wurde.
1562 brachte John Hawkins, Sohn des eben Genannten, mit 3 Schiffen zu 120
und 100 tons die ersten Sklaven hinber, 1565 mit 4 Schiffen, worunter
schon eins von 700 tons war. Auf einer dritten Reise 1568 hren wir, da
sich die Englnder zum ersten Male die Erlaubnis zum Handel in Rio de la
Hacha und Cartagena mit Waffengewalt erzwingen und infolgedessen in San
Juan de Ulloa, Mexiko, von den Spaniern berfallen und teilweise
vernichtet werden. Damit beginnt die =englische Freibeuterei=[31] in
grerem Mastabe. Einer ihrer berhmtesten Fhrer, =Francis Drake=, war
Kapitn eines der Schiffe Hawkins' gewesen; er soll den Spaniern Rache
geschworen haben fr die grausame Behandlung seiner Kameraden, die der
Inquisition in die Hnde gefallen waren. Es heit in England: Ob Krieg
ob Friede zwischen England und Spanien, Krieg zwischen Drake und den
Landsleuten der Inquisition war stets hinfort.

  [31] Besonders in Clowes, Teil I, viel ber die Freibeuterzge.

Im Jahre 1572 erschien er mit drei kleinen Schiffen -- zu 70, 25 tons und
einem noch kleineren -- sowie drei auseinanderzunehmenden Pinassen, wozu
noch ein einzelner Freibeuter stie, am Isthmus von Panama und griff
Nombre de Dios an, von wo aus die Reichtmer Perus nach Europa verschifft
wurden. Abgeschlagen gelang es ihm dennoch, mit Hilfe von entlaufenen
Sklaven (Indianern), auf dem Isthmus den Silbertransport abzufangen. Bei
dieser Gelegenheit sah er den Stillen Ozean und betete zu Gott, to give
him life and leave, once to sail an english ship on that sea.

  Als ein Beispiel der Khnheit englischer Freibeuter dieser Zeit
  folgender Vorfall: Drake kehrte nach England als reicher Mann zurck
  und tat einige Jahre in Irland Dienst. In dieser Zeit rstete sein
  Leutnant =John Oxenham= ein Schiff von 140 tons aus, um das eben
  gelungene Wagnis zu wiederholen. Da er hrte, da die Transporte jetzt
  stets von starker Bedeckung begleitet wrden, beschlo er, sich der
  Schtze Perus schon auf dem Wege nach Panama zu bemchtigen. Er
  marschierte ber den Isthmus, baute an der Westkste eine Pinasse und
  fing wirklich im Stillen Ozean, den er also als erster Englnder
  befuhr, zwei reichbeladene Schiffe. Da er aber die Besatzung entkommen
  lie, wurde er vor seinem Rckmarsch ber den Isthmus berfallen, ein
  Teil seiner Leute blieb im heftigen Kampf, er selbst mit dem Rest wurde
  in die Bergwerke von Lima geschickt.

Im Jahre 1577 erhielt Drake die Mittel, seine Hoffnung zu erfllen. Er
segelte am 13. Dezember mit fnf Schiffen -- sein Flaggschiff Pelican,
auf der Reise Golden Hind umgetauft, zu 100 tons, ferner je eins zu 80,
30, 50, und 15 tons --, aber ein Sturm nach Passieren der Magalhaesstrae
zerstreute das Geschwader; zwei Schiffe gingen verloren, zwei kehrten
nach England zurck, und nur mit dem Flaggschiff erreichte Drake Callao.
Whrend seiner weiteren Fahrt nahm er zwei reiche Kauffahrer weg und
suchte die Kste bis 48 N. Breite, weiter als die Spanier bisher
gekommen waren, nach einer Durchfahrt ab; dann segelte er als =erster
englischer Weltumfahrer= durch den Stillen und den Indischen Ozean heim.
Am 26. September 1580 traf er in Plymouth ein; die Knigin Elisabeth
speiste bei ihm an Bord des Golden Hind und schlug ihn zum Ritter.

Dieses erste Erscheinen der =Englnder im Stillen Ozean= erregte
natrlich in Spanien und seinen Kolonien Furcht und Zorn, doch
beantwortete Elisabeth einen Protest dagegen mit der Erklrung, sie
erkenne die durch Bullen verliehenen Rechte nicht an und wrde nur
wirklich besetztes Land als spanisches Eigentum achten. Spanien machte
infolgedessen Versuche, die stliche Einsegelung in die Magalhaesstrae
durch befestigte Niederlassungen zu sperren und sptere Expeditionen
schon im Atlantik abzufangen. Solche Expeditionen folgten bald.

  1582: 1 Schiff zu 400, 1 zu 300, 1 zu 40 tons, eine Pinasse; doch mute
  man nach Zusammensto mit den Spaniern schon in Brasilien umkehren;
  1586: 1 zu 120, 1 zu 60, 1 zu 40 tons; man kam bis Mexiko, plnderte
  Stdte, zerstrte Schiffe, nahm ein Silberschiff zu 700 tons, umsegelte
  ebenfalls die Erde und kehrte 1588 nach Verlust der beiden kleineren
  Fahrzeuge zurck (Thomas Cavendish); 1589, auer der Brandschatzung von
  Bahia ein Mierfolg; 1593 ging wieder ein Hawkins, Richard, in der
  dritten Generation, mit einem Schiff von 350 tons zur Westkste
  Amerikas, plnderte zahlreiche Warenhuser und machte reiche Prisen,
  erlag aber schlielich der spanischen bermacht.

Weit gefhrlicher aber als dieses Erscheinen vereinzelter Schiffe an der
Westkste Amerikas wurde den Spaniern das Auftreten der =Englnder in
Westindien= und im =Atlantik=. Der Ausschlu vom Handel in Westindien und
die verlockende Nhe der reichen spanischen Besitzungen reizten die
englischen Seefahrer, sich fr die ihnen entgehenden Vorteile auf
unrechtmigem Wege durch Wegnahme spanischer Schiffe und Plnderungszge
zu entschdigen. Den ersten Zgen Hawkins' und Drakes folgten andere,
Drake selbst brandschatzte 1585 nochmals St. Domingo, Cartagena und die
Niederlassungen in Florida. Von diesem Jahre an, in dem sich Elisabeth
offen auf die Seite der in Aufstand getretenen Niederlande stellte, war
auerdem offener Kriegszustand zwischen den beiden Nationen; man kann nun
die englischen Raubzge nicht gut mehr Piraterie nennen, denn die Schiffe
waren mit kniglichen Patenten zur Schdigung des Feindes versehen. Drake
erhielt als erster ein solches, und Privatpersonen wurden sogar
knigliche Schiffe zu Kaperzwecken zur Verfgung gestellt. Ganz besonders
mehrten sich diese Unternehmungen, als Macht und Ansehen der
spanisch-portugiesischen Seemacht infolge der Armadakatastrophe gesunken
war und England energisch den Krieg auf dem Meere gegen Spanien fhrte.
Private Zge mit kniglichen Patenten und Unternehmungen der Kriegsmarine
lassen sich jetzt kaum auseinanderhalten: in den Geschwadern der ersteren
werden Kriegsschiffe als Kern verwendet und die kniglichen Flotten
enthalten wiederum viele, oft sogar in der Mehrzahl, geheuerte Kauffahrer
(vgl. S. 133 England nach Abwehr der Armada). Auch Englands
Ansiedelungsversuche in Nordamerika und Westindien gingen nicht ohne
Gewaltttigkeiten ab, so da um das Ende des 16. Jahrh. Spaniens Seefahrt
und seine Kolonien ununterbrochen den Angriffen englischer Einzelschiffe
und Geschwader ausgesetzt waren, bis endlich mit dem Friedensschlu 1604
und dem Verbot Jacobs I., spanische Schiffe aufzubringen, wenigstens die
greren Zge dieser Art aufhrten.

In der ersten Hlfte des 17. Jahrh. beginnen dann aber =kaufmnnische und
kolonisatorische Unternehmungen= in Asien und Amerika; so erfolgte $das
Auftreten der Englnder in Indien$ und fhrte trotz des Friedens in
Europa zu weiteren Kmpfen mit Portugal.

  1587 hatte Drake bei den Azoren einen groen portugiesischen
  Ostindienfahrer San Felipe aufgebracht, der eine Ladung von 2
  Millionen Mark an Wert fhrte. Aber wichtiger war, da auf ihm Papiere
  gefunden wurden, die genauen Aufschlu ber die Art des Betriebes des
  ostindischen Handels sowie ber den enormen Gewinn, den er abwarf,
  gaben; diese Umstnde waren ebenso wie Karten und Segelanweisungen der
  indischen Gewsser von den Portugiesen stets geheim gehalten. Es soll
  dieser Fund viel dazu beigetragen haben, die Englnder nach Indien zu
  fhren.

Schon im Jahre 1591 segelte eine erste Expedition von 3 greren Schiffen
unter =James Lancaster= nach Indien. Zwar gingen smtliche Fahrzeuge nach
vielen Abenteuern verloren, aber man hatte doch das Ziel erreicht,
verschiedene reiche portugiesische Schiffe genommen und war mit dem
Sultan von Atchin, dem grten Feinde Portugals, in Verbindung getreten;
Lancaster selbst kam wohlbehalten zurck. Eine zweite Expedition 1596
hatte keinen Erfolg. Am 31. Dezember 1600 (nach Clowes 1599) erhielt eine
Gesellschaft von Kaufleuten als =ostindische Kompagnie=[32] den
kniglichen Freibrief mit verschiedenen Rechten zum Handel nach Indien.
Im Februar 1601 (nach Clowes 1600) verlie ihr erstes Geschwader -- 1
Schiff zu 600 tons, 1 zu 260, 1 zu 240 nebst 2 oder 3 Proviantschiffen --
unter Lancaster mit Briefen der Knigin an die indischen Frsten,
besonders an den Sultan von Atchin, England, schlo Handelsverbindungen,
grndete Faktoreien in =Atchin= und =Bantam= und kehrte September 1603
(1602) zurck. Eine zweite Reise derselben Schiffe (Mrz 1604) verlief
ebenso gnstig, beide warfen einen Gewinn von 95% ab; auf Fahrten 1606,
1607 und 1608 wurde ein noch hherer erzielt. Einige Mierfolge
abgerechnet, wuchs die Macht der Kompagnie schnell, besonders als man
sich nach dem Festlande, zunchst der Westkste Vorderindiens, wandte, wo
man von den bald auch in Indien erschienenen Hollndern weniger gestrt
wurde; berall machte man sich die Unzufriedenheit der Eingeborenen mit
den Portugiesen geschickt zunutze. 1612 wurde eine Faktorei in =Surat=
errichtet, Kompagnie und Regierung traten mit dem Gromogul in
freundschaftliche Verbindung. Jahr fr Jahr folgten sich die Reisen; 1618
betrug die Zahl der Schiffe der Kompagnie schon 36. Ihre Gre war
200-600 tons, besonders beliebt scheinen solche zu 500 tons, 20-30
Geschtze mittleren Kalibers, 200 Mann, hnlich den Kriegsschiffen der
Zeit, gewesen zu sein. Zusammenste mit den Portugiesen in wirklichen
Seegefechten von Geschwadern zu 4-8 Schiffen fielen meist zugunsten der
Englnder aus; wenn auch die Portugiesen an Zahl und Gre der Fahrzeuge
hufig berlegen waren und noch ber die erwhnten (Seite 63) groen
offenen Boote verfgten, so waren ihre Schiffe doch nicht so
gefechtskrftig und wurden auch wohl weniger geschickt gefhrt und
bedient.

  [32] Nheres in Clowes I und II, Kapitel Voyages; Zimmermann II, auch
       besonders ber die kriegerischen Ereignisse; die Gefechte selbst
       in Clowes II, >Military history<.

Gefhrlicher wurden der Kompagnie die Hollnder, die den Englndern nach
Indien gefolgt und dort bald weit mchtiger geworden waren. Beide
Nationen taten sich gegenseitig sowohl mit Gewalt wie durch Beeinflussung
der einheimischen Frsten mglichst viel Abbruch. Von 1619 an gingen sie
zu beiderseitigem Vorteil auf kurze Zeit zusammen gegen Portugal vor: Sie
setzten eine gemeinsame Behrde, "Council of defence", ein, organisierten
eine Flotte von 20 gemeinschaftlich gestellten Kriegsschiffen und teilten
sich die Kosten der Garnisonen an Pltzen, wo sie beide interessiert
waren; sie einigten sich ber Handelsgebiete und verabredeten, den Handel
nach China, Japan und den Philippinen -- der brigens von den Englndern
bald fr lngere Zeit wieder aufgegeben wurde -- gemeinsam zu betreiben.

Wie viel mchtiger Holland war, kann man daraus ersehen, da im Jahre
1622 28 englischen Schiffen 83 hollndische Fahrzeuge gleichzeitig auf
der Station gegenberstanden. So beanspruchten die Hollnder denn auch,
aus dem Vertrage den greren Vorteil zu ziehen. Schon 1623 war die
feindselige Stimmung schlimmer als je zuvor; im Februar dieses Jahres
wurden im hollndischen Amboina 10 dort angesessene Englnder mit ihren
Dienern unter der Anschuldigung, sich mit den Eingeborenen gegen die
Hollnder verschworen zu haben, von diesen gefoltert und hingerichtet.
Diese =Amboina-Affre= fhrte zu Vergeltungsmaregeln seitens Englands
selbst in den europischen Gewssern und sollte spter einer der Grnde
des ersten hollndisch-englischen Krieges werden.

In den nchsten Jahren erzielte die englisch-ostindische Kompagnie
eigentlich nur Erfolge den Portugiesen gegenber. Ihnen wurde ein
Handelsgebiet nach dem andern, besonders auf dem Festlande,
abgenommen.[33] Der schwerste Verlust wurde ihnen aber dadurch zugefgt,
da man 1622 die Perser bei der Eroberung des wichtigen Platzes =Ormuz=
untersttzte. Reibungen mit Holland vermied man nach Mglichkeit, indem
man seinem Hauptgebiet, der Inselwelt, fernblieb und dort schon Besetztes
grtenteils wieder aufgab.

  [33] Es wurden z. B. Faktoreien an der =Koromandelkste= und in
       =Bengalen= gegrndet.

Im Vergleich mit Holland war zu Ende des geschilderten Zeitabschnittes
der Einflu Englands in Indien noch gering; auer einigen Faktoreien mit
schwachen Forts besa die Kompagnie kein Eigentum. Von 1636 an hatte sie
auch unter dem Wettbewerb einer zweiten Gesellschaft, der Courtenschen,
zu leiden, die gleichfalls Rechte erhalten hatte und Faktoreien anlegte,
bis sie 1649 mit der ostindischen Kompagnie verbunden wurde. In arge
Bedrngnis versetzten endlich die Kompagnie, die auf eine Untersttzung
aus der Heimat nicht rechnen konnte, die berlegenen Hollnder whrend
des ersten englisch-hollndischen Krieges. Bis zu ihrer Erstarkung und
Blte verging noch manches Jahr.

$Das Festsetzen der Englnder in Nordamerika$ begann mit der gewaltsamen
Inbesitznahme der Fischerei auf den Neufundlandbnken. Diese hatte sich
so entwickelt, da 1578 dort etwa 50 englische, 100 spanische, 30
baskische, 100 portugiesische und 150 bretagnische Fahrzeuge fischten.
Knigin Elisabeth untersttzte die Hochseefischerei in jeder Hinsicht,
sie hatte sogar 1563 angeordnet, da jeder Englnder Mittwochs und
Sonnabends Fisch essen solle, wie die Akte besagt, zur Frderung der
Fischer und Seeleute, der Hfen und der Schiffahrt. 1583 wurde nun von
=Neufundland= (St. Johns), wo schon eine Fischerkolonie bestand,
feierlich Besitz genommen, bei Ausbruch des Krieges mit Spanien 1585
legte man auf alle spanischen und portugiesischen Fischerfahrzeuge
Beschlag und nahm die Besatzungen gefangen; damit waren diese Nationen
vom Fischereibetrieb ausgeschlossen.

1584 erhielt =Walter Raleigh= ein Patent zur Besitzergreifung aller zu
entdeckenden Lnder in Amerika, die noch nicht im Besitz christlicher
Frsten seien. Seine ersten Niederlassungen in Nordcarolina (Roanoke)
hatten aber keinen dauernden Bestand; erst als 1606 zwei Kompagnien, die
von Plymouth und die von London, das Besiedlungsrecht fr Nordamerika
erhielten -- die eine von 42-45 N., die andere von 34-38, die
dazwischen liegende Kste war beiden zugestanden --, kam die Kolonisation
vorwrts, wenn auch anfangs nur langsam infolge gegenseitiger Eifersucht
und Kmpfe mit Indianern und mit benachbarten Niederlassungen der
Hollnder und Franzosen. Die ersten Ansiedelungen wurden an der
Chesapeake-Bai (Virginia) und am Kennebec-Flusse (Maine) gegrndet;
andere Gesellschaften folgten, so da bis 1635 =die ganze Kste von
Virginia bis Maine= von Englndern besiedelt war, geteilt in eine Anzahl
Kolonien, fast genau den jetzigen Kstenstaaten der Union entsprechend,
mit getrennter, sogar bald dem Mutterlande gegenber ziemlich
selbstndiger Verwaltung. Nur am Delaware und am Hudson bestanden um
diese Zeit noch einige hollndische und eine schwedische Niederlassung,
die erst um 1664 an England fielen. Im Norden der englischen Kolonien
waren Acadia (Neubraunschweig und Neuschottland) und Kanada in
franzsischem Besitz, und auch Neufundland war nicht allein von
Englndern, sondern auch von Franzosen besiedelt, so da es trotz
formeller Besitzergreifung zu dieser Zeit noch nicht als englische
Kolonie angesehen werden kann. Carolina, zum spanischen Florida gehrig
und von franzsischen Hugenotten aufgesucht, wurde zwar bald auch von
Englndern, hauptschlich von Virginien aus, bevlkert, kann aber erst
vom Ende des 17. Jahrh. an als englische Besitzung betrachtet werden.
Virginia und die sogenannten Neuenglandstaaten (New Hampshire,
Massachusetts, Connecticut, Rhode Island) entwickelten sich mehr und
mehr; Virginia besonders nach Einfhrung des Tabakbaues mit Hilfe von
Negersklaven, von den Neuenglandstaaten vorzglich die, wohin sich aus
England ausgewiesene Puritaner wandten, wie z. B. Massachusetts.

Versuche Raleighs, 1594-1617 in =Sdamerika= (Guayana) Niederlassungen zu
grnden, und sptere hatten keinen dauernden Erfolg; erst 1652 gelang es,
hier festen Fu zu fassen. Dagegen nahm England in der ersten Hlfte des
17. Jahrh. noch von einigen $westindischen Inseln$ Besitz. In den Jahren
1605-1630 wurden St. Lucia, St. Christopher (dieses mit Franzosen
gemeinschaftlich), Barbados, Tabago, St. Martin, Nevis, Tortuga, Antigua
besiedelt. Einige dieser Kolonien hatten anfangs viel von spanischen
Angriffen zu leiden und gingen zeitweise wieder verloren, andere blhten
schnell auf, so besonders =Barbados=. Die fr die Zukunft wichtigste
Besitzung in Westindien erlangte England 1655 durch Eroberung der
langbegehrten Insel =Jamaica=. Auf dem Wege nach Amerika ist auch 1612
die erste Kolonie auf den =Bermudas= gegrndet, die sich ungestrt
schnell entwickelte und schon 1619 ihr Parlament hatte. Von hier wandte
man sich 1646 nach den Bahamas, wurde von dort aber spter von den
Spaniern wieder vertrieben.

$Holland$ ging, obgleich es in den europischen Gewssern die Englnder
berholt hatte, doch erst spter als diese auf die Ozeane hinaus. Zwar
soll schon 1585 dafr Stimmung gemacht worden sein, Spanien in seinen
Kolonien anzugreifen, aber man getraute es sich noch nicht. Als aber nach
der Armada-Katastrophe der eigentliche, bisher nur in den Kstengewssern
gefhrte Krieg auf die offene See berging, ja sogar im Verein mit
England an die feindlichen Ksten getragen wurde, wuchs die Zuversicht
und Unternehmungslust. Die Erfolge der englischen Freibeuter und die
Beeintrchtigung des Zwischenhandels durch Schlieen der
spanisch-portugiesischen Hfen veranlate auch die Hollnder, dem
Beispiel der Englnder zu folgen, den feindlichen Handel auf dem Ozean zu
stren, in den fernen Weltteilen Handelsverbindungen selbst zu suchen und
Kolonien zu grnden.

Die Haupterfolge errang man in $Indien$, wo England bald berflgelt
wurde. 1595 unternahm =Cornelis Houtman= im Auftrage einer
Handelsgesellschaft mit 4 Schiffen die erste Reise nach Indien, besuchte
Java und Sumatra und kehrte 1597 mit 3 Schiffen zurck; andere folgten.
1602 wurden die verschiedenen Gesellschaften zu einer, =der ostindischen
Kompagnie=,[34] vereinigt, die das Recht erhielt, vom Kap bis zur
Magalhaesstrae Handel zu treiben, im Namen der Generalstaaten Bndnisse
und Vertrge abzuschlieen, Festungen zu bauen, Militr zu halten und
Beamte anzustellen. Nun folgten sich die Expeditionen Jahr fr Jahr, und
der Machtbereich der Kompagnie wuchs ungemein schnell.

  [34] Nheres in Zimmermann, Band V.

Unter schweren Kmpfen mit den Portugiesen, die im Anfang an Zahl und
Gre der Schiffe berlegen waren und ihnen bereits Errungenes zeitweise
wieder entrissen, setzten die Hollnder sich zunchst auf den =Molukken=
fest: 1603-1610 erwarben sie Amboina, Banda, Tidor, Ternate; 1619 wurde
=Batavia= gegrndet und bald der Mittelpunkt der sich immer weiter auf
der Inselwelt ausbreitenden Besitzungen. Aber auch an der Sd- und
Ostkste Hinterindiens grndeten sie Faktoreien und wurden 1641 durch die
Eroberung =Malakkas= nun Herren der Gewsser des Malaiischen Archipels
und des Handels dort. Sie folgten den Englndern nach Vorderindien
(Surat) und nach =Bengalen= und bedrohten dort die letzten bedeutenden
portugiesischen Besitzungen; spter (1656) gelangten sie in den Besitz
Ceylons und einiger wichtiger Punkte der Malabarkste (Cochin 1663).

  =Ihre Handelsreisen= dehnten die Hollnder aus nach Formosa, den
  Philippinen, China und Japan; die englischen Versuche, in den letzten
  beiden Lndern Verbindungen anzuknpfen, wurden bald wieder aufgegeben;
  die Hollnder allein haben whrend zweier Jahrhunderte Zutritt auf
  einer kleinen japanischen Insel bei Nagasaki gehabt. Wenn sie auch in
  China jetzt noch keinen Einla fanden -- hier hat nur Portugal fr
  lange Zeit in Macao eine Niederlassung besessen --, so wurden doch
  durch sie die stlichen Umrisse Asiens bis zu den =Kurilen= (1634
  entdeckt) bekannt. Vom Malaiischen Archipel aus berhrten sie
  gelegentlich die Kste Neuguineas, auf ihren Reisen nach Indien die
  Westkste Australiens, und 1642 umsegelten sie Australien und
  Tasmanien. Es ist aber auch dies nur von =geographischem Interesse=.
  Neuguinea und Australien reizten nicht zu weiteren Unternehmungen,
  weshalb die Kenntnis von diesen Lndern wie von Neuseeland bis 1770
  (Cook) unvermehrt blieb; erst 1786 begann die Besiedlung Australiens
  von England aus.

Das Verhltnis der hollndisch-indischen Kompagnie zur englisch-indischen
wurde bereits geschildert. Wenn sie nach dem Vorfall in Amboina zuweilen
zusammengingen, wo es beiden Nutzen versprach, und ihre Seestreitkrfte
sich mehrfach zum Angriff auf die Portugiesen vereinigten, so wurden
anderseits die Kriege der beiden Nationen in Europa auch in Indien
zwischen den Kompagnien ausgefochten.

  Die ungeheuere =Macht der ostindischen Kompagnie=[35] und ihr Wachsen
  in kurzer Zeit kann man aus dem Bestande ihrer Schiffe ersehen. In den
  ersten fnf Jahren des Bestehens der Kompagnie gingen 40 Schiffe nach
  dem Osten ab; 1616 besa sie 45 grere Schiffe und viele kleinere;
  1622 waren in Indien 83 Fahrzeuge, und zwar 52 Schiffe, 18 Jachten, 13
  Fregatten (Ruderboote wie die der Portugiesen, Seite 63),
  folgendermaen verteilt: 16 vor Batavia; 8 nach den Molukken; 5 Kste
  Goa bis Surat; 2 in Bantam; 4 nach Sumatra; 3 in Surat; 16 nach China;
  4 in Patang; 1 in Mokka; 1 in Japan; 7 Koromandel; 10 Malakkagewsser;
  5 nach Manila; -- 12 Schiffe wurden von Holland erwartet. Die Schiffe
  hatten eine Gre von 300-900 tons, 20-30 Kanonen, die Jachten 100-200
  tons. Die kleineren Schiffe und Fahrzeuge waren mehr fr den
  Zwischenverkehr in Indien bestimmt, die greren fuhren von und nach
  der Heimat und zeigten die Flagge von den arabischen und persischen
  Gewssern bis Japan.

  [35] de Jonge, Teil I Seite 213 ff., sowie Beilage 37 gibt nhere
       Angaben: ber den Schiffbestand zu verschiedenen Zeiten; ber oft
       bedeutende Gefechte mit den Portugiesen in Indien sowie auch auf
       den Reisen nach Indien mit den Spaniern im Atlantik und an der
       Westkste Amerikas, wo die Hollnder jetzt der Schrecken der
       spanischen Kolonien geworden waren.

Seit 1595 hatten auch Fahrten der Hollnder nach $Westafrika$ begonnen,
und man hatte trotz des Widerstandes der Portugiesen befestigte
Faktoreien an der Goldkste angelegt und bald den Handel dort fast ganz
in die Hand bekommen. Diese Forts wurden 1631 der westindischen Kompagnie
bergeben, die schlielich die letzten Punkte der Portugiesen an der
Goldkste und auch die Insel St. Thom sowie St. Paolo de Loanda einnahm.
Die beiden letzten Eroberungen muten jedoch 1648 zurckgegeben werden,
Holland hielt sich aber schadlos, indem es 1652 das =Kapland=, das zwar
von Portugal beansprucht, aber nie besiedelt war, als einen wichtigen
Sttzpunkt fr die Fahrten nach Indien besetzte.

Auch in =Ostafrika= beunruhigte man die portugiesischen Kolonien, die so
schon im Anfang des 17. Jahrh. viel von Trken und Eingeborenen zu leiden
hatten; ein Versuch 1607, sich in Mozambique gewaltsam festzusetzen,
gelang jedoch nicht.

Nach $Nordamerika$ wandte sich Holland 1609. =Hudson= machte seine erste
Reise zur Erforschung eines Nordwestweges im Dienst der
hollndisch-ostindischen Kompagnie und erforschte dabei besonders die
Kste beim Delaware- und Hudson-Flusse. An beiden Flssen grndeten bald
darauf, trotz englischen Einspruchs, Amsterdamer Kaufleute
Niederlassungen mit Forts -- der Ursprung der jetzigen Staaten New Jersey
und New York --, der ganze Kstenstrich wurde Neu-Niederland genannt.
Diese Kolonie wurde der hollndisch-westindischen Kompagnie unterstellt
und war ein wichtiger Sttzpunkt fr die Kreuzer gegen den spanischen
Handel. Anfangs wuchs sie nur langsam und konnte selbst ein Niederlassen
der Schweden 1635 an der Mndung des Delaware nicht hindern. Infolge der
Erlaubnis der Einwanderung von Kolonisten aller Vlker hob sie sich dann
und vertrieb 1655 die Schweden, fiel aber doch schon 1664 den Englndern
zu.

Von weit grerer Bedeutung aber und den Spaniern sowie Portugiesen
gefhrlicher war das Auftreten der Hollnder in $Sdamerika$,
$Westindien$ und sonst im $Atlantik$, als man den Krieg auf das offene
Meer bertrug und den spanischen Handel angriff. Schon von 1604 an, also
gerade als die greren englischen Raubzge aufhrten, suchten
hollndische Geschwader besonders die brasilianische Kste auf. Um 1621
wurde die hollndische =westindische Kompagnie= gegrndet mit demselben
Zweck wie die ostindische, hauptschlich aber, um in organisiertem
Seeraub mit starken Geschwadern den Verkehr des Feindes mit seinen
Kolonien zu stren und zu unterbinden. Da der Reichtum Hollands in den
letzten Jahren sehr zugenommen hatte, wuchs sie noch schneller als ihre
ltere Schwester in Ostindien.[36]

  [36] de Jonge I Seite 217 ff., Beilage II. Nhere Angabe ber Gre,
       Armierung, Bemannung der Schiffe, ber Zusammensetzung der Flotten
       und einige ihrer Haupttaten.

  Schon in den Jahren 1624 und 1625 war sie imstande, vier Flotten in See
  zu schicken, die zusammen aus 72 Schiffen mit 1200-1300 Geschtzen und
  9000 Seeleuten und Soldaten bestanden. In den Jahren 1623-1636 hat sie
  mehr als 800 Schiffe mit 62000 Mann teils fr Handelszwecke, teils --
  die greren -- nur fr Kriegszwecke auslaufen lassen; der Bestand an
  Mannschaften war oft fr lngere Zeit 24000 Mann. Welchen Schaden diese
  Krfte dem feindlichen Handel zufgten, ersieht man daraus, da whrend
  dieser 13 Jahre mehr als 600 feindliche Kriegs- und Handelsschiffe
  genommen wurden, darunter z. B. 1623 30 Brasilienfahrer und 1628 die
  ganze Silberflotte, die dem Admiral =Pitt Heyn= vor Havanna in die
  Hnde fiel.

  Auch die Schiffe der westindischen Kompagnie waren, hnlich der
  ostindischen, aber teilweise schwerer armiert, Fahrzeuge von 200-1000
  tons, 10-44 Geschtzen, 60-250 Mann; die Hauptkraft bestand aus solchen
  von 500-700 tons, 30-40 Geschtzen, 200 Mann. Die Schiffe der
  Kompagnien waren zum groen Teil grer als die damaligen hollndischen
  Kriegsschiffe.

Einige der =Antillen= wurden 1625, und 1634 =Curaao= besetzt, auch in
$Brasilien$ wurde ein greres =Kolonialreich= geplant. Eine der
erwhnten 4 Flotten -- 23 Segel, 500 Geschtze, 1600 Mann --
hatte 1624 Bahia erobert; 1625 wurde diese Stadt zwar durch eine
spanisch-portugiesische Flotte von 67 Segeln mit 12000 Mann
zurckgewonnen, aber 1630 fate eine neue hollndische Expedition[37] in
=Pernambuco= (Olinda, Recife) wieder Fu. Von hier aus wurde in den
nchsten Jahren ein groer Teil der Ksten Brasiliens erobert und eine
Kolonie, Neu-Holland mit der Hauptstadt =Recife=, gegrndet, die aber
infolge des schwachen Zuzugs von hollndischen Kolonisten nicht lange
bestand. Als 1640 Portugal wieder frei von Spanien und damit ein
Verbndeter Hollands wurde, begann man, die militrischen Ausgaben fr
die Kolonie einzuschrnken. Die von England geschrte Grung unter den
nie bezwungenen Urkolonisten nahm zu und offene Emprung brach aus. In
jahrelangen Kmpfen vertrieben die Emprer, von Portugal heimlich
untersttzt, nach und nach die Hollnder, bis diese, auch noch durch den
ersten englisch-hollndischen Krieg behindert und geschwcht, im Januar
1654 die letzten Posten an Portugal zurckgaben.

  [37] Ihre Ausrstungskosten wurden durch einen Teil der Schtze der
       erbeuteten Silberflotte bestritten.

Auch an der Nordkste Sdamerikas, in =Guayana=, wurden in der ersten
Hlfte des 17. Jahrh. einige Niederlassungen gegrndet; die wichtigsten
lagen am Essequibo und Berbice, also im jetzigen Britisch-Guayana,
whrend die ersten englischen Niederlassungen im jetzigen
niederlndischen Surinam entstanden. Die Besitzverhltnisse in Guayana
haben sich in den nchsten 200 Jahren infolge der vielen Kriege zwischen
Hollndern, Englndern und Franzosen bestndig verschoben.

Auch $Frankreich$ hatte mit berseeischen Unternehmungen begonnen, wenn
auch nicht in demselben Umfange wie die Hollnder. Franzosen waren schon
im Mittelalter an den Fahrten nach den wiederaufgefundenen Kanarischen
Inseln beteiligt. 1402 grndete ein Hofbeamter Karls VI. dort ein kleines
Staatswesen; franzsische Seeleute aus Dieppe und Rouen haben um die
Mitte des 14. Jahrh. die Westkste Afrikas besucht und Faktoreien
angelegt, aber innere und uere Kriege lieen alles wieder verfallen.
Nach, allerdings nicht beglaubigten, berlieferungen sollen die Franzosen
vor den Portugiesen und Englndern Brasilien und Neufundland entdeckt
haben; sicher ist, da sie seit Anfang des 16. Jahrh. beide Lnder
besuchten. In =Brasilien= wurden bei Bahia Ansiedelungen gegrndet, aber
1516 von den Portugiesen zerstrt; der schon lebhafte Handel ging jedoch,
wenn auch unter Kmpfen mit den Portugiesen, weiter. Ebenso scheiterten
die ersten Versuche des Entdeckers =Cartier= 1535 und 1541, in Kanada
(Quebec) Fu zu fassen; eine 1555 auf Admiral Colignys Anregung
gegrndete Kolonie in Rio hielt sich nur bis 1566 und eine solche an der
Kste von Florida (1562) wurde bald (1565) von den Spaniern zerstrt. Die
Grausamkeit, die die beiden sdlichen Nationen bei diesen Gelegenheiten,
wie beim Vorgehen gegen den franzsischen Handel berhaupt, zeigten,
hatte zur Folge, da die franzsischen Seeleute der Bretagne (vorzglich
Dieppes) und der Gascogne auf spanische und portugiesische Schiffe Jagd
machten, wo sie nur immer konnten; aus ihnen vor allem entstanden die
=Flibustier=.

Grere berseeische Unternehmungen ruhten whrend des Religionskrieges
in Frankreich, und auch der Seehandel ging zurck, nur die Korsaren und
die Hochseefischer an der Kste Amerikas setzten ihre Gewerbe fort. Unter
=Heinrich= IV. wurden neue Versuche mit einigem Erfolge gemacht, indem
1605 die erste Niederlassung von dauerndem Bestande in Kanada (Quebec)
und in Neu-Schottland (Port Royal an der Fundybay, jetzt Annapolis
genannt) gegrndet wurden, aber erst unter =Richelieu= nahmen diese
Unternehmungen greren Umfang an. Die Ansiedelungen in Neu-Schottland
und Neu-Braunschweig, zusammen $Acadia$ genannt, und in $Kanada$ mehrten
sich, und man erforschte das Gebiet um und sdlich von den kanadischen
Seen. Zu einer rechten Blte kamen diese Kolonien immer noch nicht, zum
erfolgreichen Kampf mit den Indianern und den benachbarten Englndern
wurden sie zu schwach besiedelt.

Die Gesellschaften, von denen die Kolonisation betrieben werden sollte,
gaben der damaligen Volksneigung entsprechend mehr auf den Pelzhandel,
als auf Anlage fester Siedelungen. Erst unter =Colbert=, in der zweiten
Hlfte des 17. Jahrh., bevlkerten sich diese und gewannen an Bedeutung;
nun begannen die langdauernden Kriege mit den englischen Nachbarkolonien.

Richelieu hat aber sein Augenmerk auch wieder auf die sdlichen Meere
gerichtet, und hier hatte Frankreich schon zu seiner Zeit greren
Erfolg, nmlich in $Westindien$. Schon 1625 setzten sich Franzosen auf
St. Christopher fest und vertrugen sich dort mit den Englndern, auch
kehrten beide zusammen zurck, als sie 1629 von den Spaniern vertrieben
waren. Nach verschiedenen anderen Gesellschaften trat 1635 die
=westindische Kompagnie= (Compagnie des Iles de l'Amrique) ins Leben,
und dieser gelang es bald, =Martinique= und =Guadeloupe= zu besetzen.
Eine andere Gesellschaft hatte in Guayana, 1626 am Sinnamuri, 1634 in
Cayenne Fu gefat, und von hier aus wurde die Kolonisation Surinams
begonnen. Zu den schon erwhnten Antillen traten von 1643-1651 noch die
Inseln St. Lucie, Marie Galante, St. Barthlmy, Grenada und andere; um
1683 zhlte man 40000 Weie im franzsischen Westindien. Franzsische
Abenteurer lieen sich auf der Nordkste Domingos und der benachbarten
Insel La Tortue als Boucaniers oder Flibustier nieder.

In $Afrika$ war 1626 eine Faktorei am Senegal errichtet, etwas spter
bildeten sich Handelsgesellschaften nach Sierra Leone und Guinea, alle
diese Unternehmungen betrieben in erster Linie Sklavenhandel. Endlich
wurden auch die ersten Beziehungen mit $Indien$ angeknpft. Schon 1529
war eine Reise nach den Molukken gemacht worden; seit 1604 folgten
nacheinander Handelsunternehmungen verschiedener Gesellschaften nach
Indien. 1642 begnstigte Richelieu die Bildung einer Kompagnie; ihr
Versuch, sich auf Madagaskar niederzulassen, wurde jedoch bald fr fast
ein Jahrhundert wieder aufgegeben (Fort Dauphin bis 1672). Auch die
Versuche Colberts, unter dem die ersten Faktoreien und Niederlassungen in
Surat, Pondichry, Tonkin, Ceylon und auf der Insel Bourbon angelegt
wurden, hatten noch keinen groen Erfolg und schufen nur den Grund fr
den spteren Kolonialbesitz im fernen Osten.

Die Versuche $anderer kleiner Staaten$, berseeisch aufzutreten, sind von
keiner Bedeutung fr unsere Betrachtungen geworden, da ihnen die
Untersttzung einer ausreichenden Seemacht fehlte. Von =Dnemark= aus
wurde eine Niederlassung an der Koromandelkste (Trankebar 1620)
gegrndet, =Schweden=, schon am Delaware erwhnt, besa kurze Zeit eine
Faktorei an der Goldkste und unterhielt auch eine Zeitlang direkte
Verbindung mit China. Beide Nationen gingen nach den Antillen; Dnemark
nahm einige der Jungfern-Inseln (St. Thomas) in Besitz, aber im
allgemeinen blieben sie doch darauf angewiesen, ihre Kolonialwaren durch
England und Holland zu beziehen, und auch ihr Handel im Mittelmeer, der
aufzublhen begonnen hatte, ging unter dem Wettbewerb genannter Nationen
bald zurck. Die Bestrebungen des weitsichtigen Groen Kurfrsten, auch
=Brandenburg= Kolonialbesitz zu sichern, fallen erst in den nchsten
Zeitabschnitt.


                  Die Unsicherheit auf den Meeren.[38]

Zum Verstndnis mancher Verhltnisse und Vorflle, die uns spter
begegnen werden, mssen wir einige Punkte berhren, die auch von Einflu
auf Schiffe und Seeleute in diesem Zeitabschnitt gewesen sind: der
Seeraub, die Freibeuterei und das Konvoiwesen.

  [38] Quellen: Clowes, an verschiedenen Orten unter: pirates, privateers
       u. dgl.; ferner siehe im Quellenverzeichnis die Werke ber
       Barbareskenstaaten, Flibustier, Bucanier, Konvoiwesen. In
       Perels: Internationales Seerecht, wird Seeraub, Kaperei usw.
       juristisch behandelt.

Von alters her gab es dort, wo die Seefahrt blhte, =Seeruber=; schon im
Altertum wurde das Beispiel aufgefhrt, da Rom (67 v. Chr. unter
Pompejus) eine ungeheuere Flotte aufstellte, um dem Treiben der
cilicischen Seeruber, die den Handel im Mittelmeer vllig lahmlegten,
ein Ende zu machen, und bei der Besprechung der kriegerischen Ereignisse
im Mittelalter ist auf das Unwesen des Seeraubes an allen Ksten und in
allen Meeren Europas hingewiesen. Mit der Zunahme der Schiffahrt trat der
Seeraub auch auf die Ozeane hinaus. In diesem Zeitabschnitt war eine
Hauptaufgabe der Flotten aller Staaten, ihn zu unterdrcken, zunchst
wenigstens in den eigenen Gewssern. Die Geschichte der englischen Marine
zeigt, wie die Regierung schon vom Mittelalter an bestrebt ist, durch
Gesetze und mit Hilfe der kleinen Seekriegsmacht, die jhrlich mit Beginn
der Seefahrt aufgestellt wurde, Sicherheit in ihren Meeren zu schaffen.
Sie hatte es dabei nicht nur mit Seerubern fremder Vlker --
franzsischen, flmischen, hollndischen, schottischen -- zu tun, sondern
auch mit eigenen Untertanen; es gab in allen Lndern zahlreiche
Individuen, die auf See und an den Ksten das Eigentum anderer, selbst
eigener Landsleute, nicht achteten; ja, es herrschte dieses Unwesen fast
allgemein.

Wenn nun auch dieser mittelalterlich-barbarische Zustand und damit der
Seeraub im allgemeinen in den Kstengewssern nach und nach eingeschrnkt
wurde -- es wird brigens noch zu Anfang des 17. Jahrh. ber englische
und schottische Seeruber an den eigenen Ksten geklagt, denen
Fischerboote und kleinere Fahrzeuge zum Opfer fielen --, so blieb doch
das Unwesen auf offenem Meere bestehen. Bei dem Mangel an groen
stehenden Marinen war hier die Durchfhrung einer Seepolizei noch nicht
mglich. Der Seeraub wurde nicht nur von einzelnen Schiffen, sondern auch
von Gemeinwesen betrieben, sogar von solchen, die sich eigens zu diesem
Zweck bildeten.

Das Mittelmeer und der Ost-Atlantik waren der Schauplatz der Schiffe und
Flotten der =Barbaresken-Staaten=, =Korsaren= genannt. Stets,
vorzglich aber seitdem sich die Osmanen der Lnder Marokko, Tunis,
Algier und Tripolis bemchtigt hatten, wurde von hier aus der Seeraub,
verbunden mit der Jagd nach Christensklaven, organisiert betrieben. Die
Korsaren bedrohten Meere und Ksten bis zum Kanal.

  1609-1616 wurden 466 englische Schiffe von ihnen genommen, 1625 allein
  in 10 Tagen 25 nach Plymouth bestimmte Fahrzeuge. Sie landeten an
  englischen Ksten, brandschatzten und schleppten Menschen als Sklaven
  weg; eine englische Kompagnie erlitt in wenigen Jahren durch sie eine
  Einbue von 40000 Lstrl.; der hollndische Handel verlor von 1641-1650
  jhrlich eine Million Gulden allein fr die Schiffahrt nach dem
  Mittelmeer, allerdings einschlielich des Schadens durch franzsische
  Freibeuter im Kanal; 1627 kreuzte eine Barbareskenflotte von 30 Segeln
  im Atlantik, und 1640 erschienen gar 60 Schiffe an der Sdkste
  Englands.

Ihre Schiffe waren leicht und schnell segelnd, schwach armiert, aber fr
den Enterkampf stark bemannt; viele ihrer Prisen stellten sie ein, indem
sie diese durch Rasieren des oberen Decks und Herausnehmen mancher
Verstrkungen und Verbnde leichter machten.

Schon im Mittelalter unternahmen die italienischen Stdte groe
Kriegszge gegen die Raubstaaten; die Reiche der Pyrenischen Halbinsel,
Franzosen, Englnder und Hollnder folgten hierin, aber lange Zeit
hindurch ohne andauernde Erfolge. Erst als whrend der Seekriege zu Ende
des 18. Jahrh. stets groe Kriegsflotten im Mittelmeere ttig waren,
wurde dem Unwesen ein Ende gemacht, aber selbst noch im 19. Jahrh. war
ein Einschreiten europischer Flotten ntig. Die Trken verwendeten die
Flotten der Raubstaaten und deren Fhrer in ihren lteren Kriegen.

Der aufblhende Handel nach und in den amerikanischen Gewssern verlockte
auch hier zum Seeraub. Wir haben schon erwhnt, da namentlich Seeleute
der Bretagne und Gascogne, erbittert ber das grausame Auftreten der
Spanier gegen franzsische Kolonisationsversuche, spanische Schiffe
aufbrachten, wo sie konnten. Solche franzsischen Abenteurer lieen sich
im Anfang des 17. Jahrh. auf der Insel St. Christophe in Westindien
nieder, gingen aber schon 1630 wieder nach der Nordkste von Domingo und
der benachbarten kleinen Insel Tortue. Von hier aus betrieben sie den
Seeraub im groen. Sie sind bekannt unter dem Namen =Flibustier= --
wahrscheinlich nach ihren schnellen Schiffen: fly-boats; flibots -- oder
=Bukanier= -- da sie anfangs auf Domingo verwildertes Rindvieh jagten,
das Fleisch drrten (bukanierten) und mit den Fellen Handel trieben. Bald
erhielten sie Zuzug durch Seeruber anderer Nationen -- Englnder und
Hollnder --, die whrend der andauernden Kriege dieser Lnder mit
Spanien auftraten und einen Vereinigungspunkt suchten. So entstand eine
Seeraub-Republik, in der sich die Tapfersten zu Anfhrern emporschwangen.
Von Frankreich und auch oft von England untersttzt, um sie in eigenem
Interesse zu verwenden, wurde sie eine den Spaniern furchtbare Macht, die
Handel und Kstenstdte auf das schwerste schdigte. Als die Flibustier
in den englisch-franzsischen Kriegen auf seiten Frankreichs den
Englndern unbequem wurden, verfolgten auch diese sie, und es ging mit
ihnen abwrts, bis sie, spter von allen Seemchten unterdrckt, mit dem
Wachsen der stehenden Marinen im Anfange des 18. Jahrh. ganz
verschwanden.

  Wie gro das Seeruberunwesen in Westindien gewesen ist, ergibt sich
  daraus, da die Spanier, als sie 1630 einmal mit einer Flotte von 20
  groen Kriegsschiffen grndlich aufrumten, in kurzer Zeit gegen 2300
  Gefangene, englischer, franzsischer und hollndischer Abkunft,
  machten; 573 Kanonen und eine Beute von 20 Millionen Mark an Wert
  fielen ihnen dabei in die Hnde.

In den =asiatischen Gewssern= hausten Malaien des Archipels und
Chinesen; die Portugiesen und ihre Nachfolger muten ihretwegen
Flottenstationen halten; ihre vllige Unterdrckung ist ja bis in die
neueste Zeit nicht gelungen.

Aber nicht allein die Seeruber machten die Seefahrt unsicher, auch die
=Kriegfhrung dieser Zeiten= auf der See trug dazu bei. Bereits ehe sich
die Kriegsoperationen ganz besonders gegen den Handel des Gegners
richteten, war es der Brauch, in Kriegszeiten den eigenen Schiffen die
feindliche Schiffahrt preiszugeben; schon Reibungen zwischen zwei
Seestaaten fhren stets gleich zur Wegnahme der feindlichen
Handelsschiffe als =Vergeltungsmaregeln= fr erlittene oder vermeintlich
erlittene Unbill.

Bei der Schwche der Kriegsflotten wurden auch Kauffahrer hierzu
berechtigt, in den lteren Zeiten wohl alle ohne Auswahl, oder sie
beteiligten sich dem Zeitgeiste entsprechend alle von selbst an dem
kleinen Kriege. Da sie die =Freibeuterei= ohne feste Normen und ohne jede
Aufsicht betrieben, so war dies nichts anderes als Seeraub.

Erst nach und nach bei Ausbildung eines wenigstens durch den Brauch
verbindlichen Seerechtes und bei einer greren berwachung durch
regulre stehende Marinen entwickelte sich die =gesetzmige Kaperei=.
Von Kaperschiffen[39] dieser spteren Zeit verlangte man, da sie einen
Freibrief, auf die Person und auf ganz bestimmte Zeit lautend, fhrten,
sich an genaue Instruktionen und streng an Kriegsgesetze und Kriegsbrauch
hielten; die genommenen Prisen wurden prisengerichtlich behandelt. Diese
Kaper gehrten, wie Freikorps im Landkriege, zur Kriegsmacht.

  [39] Der Name soll von hollndischen Ostindienfahrern, die zum Kap
       gingen, um feindliche Indienfahrer abzufangen, stammen,
       franzsisch corsaires, englisch privateers genannt.

Aber lange Zeit ist doch die =Kaperei= nicht viel verschieden von der
Freibeuterei gewesen und bildete eine groe Gefahr fr die Schiffahrt;
die mit Kaperbriefen fr besondere Gelegenheiten und gegen bestimmte
Feinde ausgersteten Schiffe nahmen es nicht so genau mit der
Nationalitt ihrer Angriffsobjekte, und manche setzten ihr Geschft auch
nach dem Friedensschlu fort und vermehrten so die Zahl der Seeruber.

Auer den berhmten Beutezgen der englischen Privateers und denen der
hollndisch-westindischen Kompagnie spielen in der Geschichte der
=Freibeuterei= des 16. und 17. Jahrh. einige franzsische Stdte am
Kanal, besonders Dnkirchen, eine Rolle. Von Dnkirchen wurde in diesem
Zeitabschnitt whrend des Unabhngigkeitskrieges der Hollnder auf
spanischer Seite durch Freibeuter ein Krieg in solchem Umfange gefhrt,
da er die Ttigkeit der hollndischen Kriegsmarine fast ganz in Anspruch
nahm und Private (neue Geusen) besondere Schiffe gegen sie ausrsteten;
auch spter in den Kriegen Louis' XIV. machten die in dieser jetzt
franzsischen Stadt ausgersteten Kaper eine Beute von 22 Millionen
Franken.

Gegen die Unsicherheit auf den Meeren schtzte sich nun die Seefahrt
durch =das Konvoi-Wesen=. Die Gefahr vor Seerubern hat schon im Altertum
dazu gefhrt, da die Handelsschiffe sich bewaffneten und in grerer
Zahl zusammensegelten. Die Erkenntnis, da auch das Gemeinwesen unter den
Verlusten der Schiffahrt mitlitt, brachte sogar die Regierungen
frhzeitig dahin, wenigstens in Kriegszeiten das Zusammensegeln
anzuordnen, das Alleinsegeln zu verbieten -- den Konvoi-Zwang. Derartige
Bestimmungen findet man in Genua, den Hansastdten, England und Holland
schon im 15. Jahrhundert. Die vielen Kriege machten diese Maregel immer
notwendiger und fhrten in einigen Staaten, so in Holland, zu
Bestimmungen ber die Mindest-Gre und -Armierung der Handelsschiffe fr
gewisse Fahrten; die Regierung verstrkte die Besatzungen durch
Kriegsleute, so z. B. bei den Hansen, und gab besondere Konvoi-Schiffe
oder richtige Kriegsschiffe als Bedeckung mit. Erleichtert und begnstigt
wurde das Zusammensegeln dadurch, da man nach entfernteren Zielen nur zu
bestimmten Jahreszeiten segelte, namentlich im Norden Europas. Bei der
lange noch mangelhaften Seetchtigkeit der Schiffe wurden diese hier im
Winter aufgelegt, erst bei gnstiger Jahreszeit fuhr man ab. Da war es
denn natrlich, da -- um ein infolge der Lage des Landes besonders
kennzeichnendes Beispiel herauszugreifen -- von Holland aus im Frhjahr
die Schiffe gemeinsam, zuweilen 800-900 Kauffahrer mit bis zu 50
Kriegsschiffen Bedeckung, nach der Ostsee aufbrachen und im Herbst
zurckkehrten; die Schiffe, die in die Ozeane sollten, wurden gemeinsam
durch den Kanal gefhrt und steuerten dann in Gruppen ihren verschiedenen
Zielen zu; von den fernen Lndern Heimgekehrte sammelten sich wiederum,
ehe sie in die engen Gewsser einliefen, gewhnlich bei der Insel Rh in
der Biscaya, und segelten unter Bedeckung von Kriegsschiffen -- meist der
Flotte, die die Auslaufenden bedeckt hatte -- heim. hnlich war es bei
dem Betriebe der Hochseefischerei, auf deren Fischgrnden auerdem
stndig Kriegsschiffe weilten.

Das Konvoi-Wesen verlor an Wert, als die Schiffe nicht mehr an die
Jahreszeit gebunden waren und die Gefahr vor eigentlichen Seerubern in
den meisten Gewssern wegfiel. Es hatte ja auch groe Nachteile. Der
Handel ertrug nur ungern den Befehl, auf das Zusammenkommen eines Konvois
mit der Befriedigung seiner Bedrfnisse zu warten; das Zeit in Anspruch
nehmende Sammeln der Schiffe und die bestimmten Termine der Abfahrten
erleichterten dem Feinde das Abfangen. Zu Ende des 18. Jahrh. hren die
Konvoi-Fahrten auf.

Die Unsicherheit der Meere zwang also zunchst zur =Bewaffnung= der
=Handelsschiffe=, es kam aber noch ein Grund hinzu. Wir haben gesehen,
da sich der Handel jenseits der Ozeane nur durch Gewaltmaregeln
ausbreitete. Die Portugiesen muten die arabischen Hndler vertreiben und
ihren Handel den indischen Eingeborenen aufzwingen, die Spanier muten
Lnder erobern; da beide dann in ihrem Bereich die Alleinherrschaft im
Handel beanspruchten, traten die nachkommenden Nationen dort auch wieder
mit Gewalt auf und befehdeten sich untereinander. Es war dabei
gleichgltig, ob die betreffenden Vlker in Europa im Frieden oder im
Kriege lebten. Den Wahlspruch Drakes (Seite 80) erweiternd, sagte man in
England: Kein Friede gilt unter der Linie (no peace beyond the line),
d. h. in auereuropischen Gewssern, und diesem Grundsatze huldigten
auch die andern Vlker. Die Seefahrt wurde mithin aus offensiven und
defensiven Grnden bewaffnet getrieben; die =Seefahrer= muten auch
=Krieger= sein. Die charakteristischsten Figuren sind wohl die englischen
Abenteurer dieser Zeit; sie betrieben Krieg, Raub, Geschft, Entdeckung
und Kolonisation nebeneinander.

Dieses Leben erzog wagemutige tchtige, aber auch rauhe Mnner. Wenn die
Seeruber die Besatzungen genommener Schiffe als Sklaven verkauften oder
ber die Klinge springen lieen, so haben es die Spanier in den Gewssern
ihrer Kolonien nicht besser gemacht; kein Wunder, wenn es die Freibeuter
der nordischen Vlker mit Gleichem vergalten. Die Achtung von Eigentum
auf See war von alters her gering; von einzelnen der berhmten
Freibeuter, z. B. Drake, wird deshalb besonders hervorgehoben, da sie
Privateigentum geschont htten.

Die Kauffahrteischiffe waren brauchbar auch zu Kriegszwecken, die wenigen
Kriegsschiffe unterschieden sich anfangs kaum von ihnen; auch als diese
hufiger gebaut wurden, lieen sich die Kauffahrteischiffe lange noch
leicht fr den Kriegsdienst verbessern.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Zweites Kapitel.

                        Schiffe, Waffen, Nautik.

$Die Schiffe von 1492-1648.$[40] In diesem Zeitabschnitt schreitet der
Schiffbau ungemein schnell vorwrts. Das Herausgehen der Seefahrt auf die
Ozeane verlangt grere, see- und segelfhigere Schiffe, die Artillerie,
die von nun ab schnell zur Hauptwaffe wird, fhrt zu wesentlichen
nderungen.

  [40] Hauptquellen: Arenhold; Clowes, Teil I; Jurien: Les marins du XV
       sicle; de Jonge, Teil I; Troude, Teil I; in ihnen, besonders den
       beiden ersten, wieder Angaben weiterer, rein technischer Quellen.

  Was hier ber die Segelschiffe gesagt wird, gilt fr Kriegs- und
  Handelsschiffe. Zwar werden in den Staaten des Westens und Nordens
  jetzt stehende Kriegsflotten von Segelschiffen gegrndet, aber immer
  noch greift man im grten Mastabe auf Kauffahrer zurck, um grere
  Flotten im Bedarfsfalle aufzustellen. Man konnte dies auch: Die
  Kriegfhrung bestand meist in einzelnen Schlgen, dann wurden die
  aufgebotenen Streitkrfte wieder aufgelst. Die Handelsschiffe,
  besonders die greren, unterschieden sich immer noch nur wenig von den
  meisten Kriegsschiffen. Die Schiffe fr groe Fahrt muten, wie wir
  sahen (Seite 94, 95), armiert und stark bemannt sein. Um die Armierung
  tragen zu knnen und um im Kampfe widerstandsfhig zu sein, baute man
  sie strker, als rein seemnnische Ansprche erforderten. Leicht waren
  sie zum wirklichen Kriegsdienst noch mehr zu verstrken und
  einzurichten. Der grte Teil der Kriegsschiffe war nicht grer, nicht
  strker gebaut und nicht wesentlich strker armiert, viele waren
  berhaupt angekaufte Kauffahrer; besonders die Schiffe der groen
  Handelskompagnien in der zweiten Hlfte der Periode standen den
  Kriegsschiffen kaum nach, trieben diese Institute doch, gesttzt auf
  ihre Schiffe, gewissermaen eigene Politik im fernen Auslande.

Wir sahen, da zu Ende des Mittelalters die Schiffe mit einer groen Zahl
kleinerer Geschtze armiert waren, die auf dem Deck und in den Kastellen,
bei greren Fahrzeugen in mehreren Stockwerken, untergebracht waren, da
man aber auch schon begann, schwerere Kaliber einzufhren. Man stellte
diese folgerichtig auf dem strkeren, eigentlichen Schiffsdeck auf. Die
so entstehende durchlaufende Batterie wurde durch die darberliegenden
langen Kastelle fast ganz eingedeckt; sie bildet spter den Mastab fr
die Einteilung der Schiffe nach Batterien. Die leichteren Decks der
Kastelle verschwinden wieder bis auf eins und zhlen dabei nicht mit.

Das Bestreben, noch mehr schwere Geschtze an Bord zu haben, besonders
auch fr die Breitseiten, fhrte zu ihrer Aufstellung an verschiedenen
Stellen im Schiffe selbst, wo sie durch in die Schiffswnde
eingeschnittene Pforten feuerten (vgl. Skizze Seite 39). Der Einbau eines
zweiten, starken durchlaufenden Deckes war die Folge. Dieses (lowerdeck)
wurde anfangs der Stabilitt wegen sehr tief gelegt, um so mehr da man
hier die schwersten Kaliber unterbrachte; es hatte dies den Nachteil, da
die Geschtze dieser Batterie bei Seegang oder berliegendem Schiff
hufig nicht gebraucht werden konnten, weil die Pforten geschlossen
gehalten werden muten.

[Illustration: Englisches Kriegsschiff Henry Grace  Dieu.]

Wir haben Angaben ber einige sehr groe Kriegsschiffe der Periode,
woraus wir die allmhliche Vermehrung der Artillerie an Zahl und
Kaliberstrke gut ersehen und auch entnehmen knnen, in welchem Mae die
Gefechtskraft in den Breitseiten wchst. Der englische =Regent=, 1489
vom Stapel, angeblich nach einem franzsischen Muster, Colombe, 600
tons, gebaut, fhrte 225 ganz leichte Geschtze -- serpentines, Kaliber
1,5", Geschogewicht 1/2 Pfund -- auf dem Hauptdeck und in den Kastellen.
Als Ersatz desselben, er verbrannte 1512 in einem Gefecht bei Brest,
wurde der =Henry Grace  Dieu= (im Volksmund =Great Harry=) erbaut,
1514 vom Stapel. Seine Armierung bestand aus 13 schwereren Geschtzen
(18-Pfnder bis 42-Pfnder) auf einem zweiten, tiefer liegenden Deck und
8 Geschtzen (3-Pfnder bis 9-Pfnder) sowie einer sehr groen Anzahl
kleinerer auf dem Hauptdeck und in den Kastellen; Besatzungsstrke 700
Mann.

  Da dieses Schiff als ein epochemachendes gilt, hnliche Schiffe aber
  auch in anderen Lndern gebaut wurden, z. B. in Frankreich La
  Cordillre, sei die Armierung nher aufgefhrt: 4 bastard cannons
  (etwa 42-Pfnder), 3 demi cannons (32-Pfnder), 2 cannons Petro
  (24-Pfnder), 4 culverins (18-Pfnder) auf dem zweiten tieferen Deck; 2
  demi culverins (9-Pfnder), 4 sakers (6-Pfnder), 2 falcons (3-Pfnder)
  als schwerere Geschtze auf dem Hauptdeck -- alles Bronzegeschtze --
  und ferner auf Hauptdeck und in den Kastellen 14 portpieces, 4 slings,
  2 demislings, 8 fowlers, 60 bassils, 2 toppieces, 40 hailshotpieces,
  100 handguns; ber das Wesen dieser kleinen Feuerwaffen vgl. Seite 104.
  Die Besatzung setzte sich zusammen aus 301 mariners, 50 gunners, 349
  soldiers.

Auch der Fortschritt der Takelage ist an diesen Schiffen zu erkennen.
Beim Regent wird zum ersten Male ein Bramsegel im Gromast erwhnt; wie
die Abbildung auf Seite 97 zeigt, hatte Great Harry vier Masten mit
Stngen und Bramstngen, Fock und Gromast mit Mars- und Bramsegeln, 2
Besahnsmasten mit mehreren Lateinsegeln bereinander. Der Fockmast steht
noch ganz vorn, das Bugspriet fhrt noch keine klverartigen Vorsegel,
jedoch ist unter ihm ein groes viereckiges Raasegel hinzugekommen, und
zu seiner Bedienung oder vielleicht noch mehr in Anlehnung an die Form
der Galeren ein weitvorragendes Gallion (siehe auch Bild S. 101)
erschienen. Der zweite Besahnsmast steht ganz hinten, um beim Segeln die
ungnstige Wirkung des groen Gallions sowie des vorstehenden Vorkastells
auszugleichen.

Kriegsschiffe in dieser Gre gab es aber nur wenige. Die englische
Marine zhlte 1522 nur 5 Schiffe ber 500 tons -- 550, 600, 650, 800,
1000 --; im Jahre 1548 nur 6 ber 500 tons und, einschlielich dieser,
etwa 10 ber 400 tons (nach ihrer Gre mit 10-21 schwereren und 40-100
leichteren Geschtzen armiert) in einer Gesamtzahl von etwa 54
Kriegsschiffen. Die Besatzung betrug bei 1000 tons = 700 Mann, 700 tons =
400, 500-600 tons = 300, 400 tons = 250 Mann.

Die groen Kriegsschiffe dieser Zeit mit ihrer Anhufung von Geschtzen
in den Kastellen besaen, wie schon mehrfach angedeutet, nur geringe
Segel- und Seefhigkeit. Ihrer geringen Stabilitt wegen konnte die
ohnehin noch unvollkommene Takelage nur niedrig sein; infolge ihrer hohen
und vorragenden Kastelle oben und ihrer plumpen Formen unter Wasser
trieben sie stark und konnten nicht aufkreuzen. So waren sie bei
strmischem Wetter in besetzten Gewssern sehr gefhrdet, im Kanal und
der Nordsee zur Winterzeit bei den langen dunklen Nchten kaum brauchbar.

  Die Segelschiffe berhaupt waren noch so unvollkommen, da man im
  Norden im Winter die Schiffahrt einstellte, da bis ins 17. Jahrh.
  Flotten hufig die Ausfhrung wichtiger Aufgaben wegen widrigen Windes
  oder strmischen Wetters aufschoben oder fallen lieen, weil sie
  gezwungen waren, im Hafen zu bleiben oder dahin zurckzukehren. Die
  groen Kriegsschiffe standen in dieser Hinsicht den Kauffahrern und
  einfacheren kleineren Kriegsschiffen sogar nach, denn diese -- und zwar
  wohl alle unter 700-800 tons -- besaen nur eine Batterie auf dem
  Hauptdeck und niedrigere Aufbauten, hatten somit den Vorteil einer
  gnstigeren Takelage. Jurien nennt, nach dem Ausspruch eines Autors von
  1643, die grten Schiffe Schreckgebilde (pouvantail, Vogelscheuche)
  fr den Feind, aber selbst sehr gefhrdet.

Die Zahl der groen Kriegsschiffe wchst denn auch aus diesem Grunde im
Norden zunchst sehr langsam, trotz der ungeheueren Zunahme der Seefahrt.
In Spanien und Portugal baute man schon frher weit mehr groe Schiffe.
Bei der Armada 1588 befanden sich unter 128 Fahrzeugen, von denen etwa
100 als Kriegsschiffe anzusehen sind, 40 Schiffe ber 600 tons gegen 8
englische unter 34 Kriegsschiffen. Die spanische Seefahrt wurde aber auch
im allgemeinen unter gnstigeren Wind- und Wetterverhltnissen, zu
gnstiger Jahreszeit nach und von Westindien, betrieben und ihre Schiffe
waren nach Ausspruch von Zeitgenossen mehr fr Handels- als Kriegszwecke
geeignet, d. h. schwcher und leichter armiert; allerdings hatten gerade
sie sehr hohe Aufbauten.

Die englische Marine besa zu Ende der Regierung Elisabeths 1603 aber
doch schon 2 Schiffe zu 1000 tons und 500 Mann, 3 zu 900 tons und 400 bis
500 Mann, 3 zu 800 tons und 400 Mann, 2 zu 700 tons und 300-350 Mann mit
34-38 schweren Geschtzen -- schwere immer noch vom 3-Pfnder an
gerechnet -- und bis zu 30 leichten, ferner 8 Schiffe zu 500-600 tons und
250 Mann mit 26-36 schweren und bis zu 24 leichten Geschtzen in einer
Gesamtzahl von 42 Kriegsschiffen. Die Fahrzeuge werden von 700 tons
aufwrts zwei Batterien gehabt haben.

Whrend der zweiten Hlfte des 16. Jahrh. wurden Verbesserungen
eingefhrt, welche die Segel- und Seefhigkeit erhhten. Die Takelage
wurde wesentlich verbessert: Mars- und Bramsegel wurden grer, die
Stngen zum Streichen eingerichtet; Leesegel traten auf, und auf der
Spitze des Bugspriets erschien ein kleiner Mast mit Raasegel; der
Besahnsmast erhielt Raasegel ber dem untersten groen Lateinsegel; der
vierte Mast fiel auch auf den grten Schiffen weg, da er infolge
nderung des Schiffskrpers entbehrlich geworden war.

Mit der zunehmenden Verwendung schwererer Geschtze nahm die Zahl der
leichteren ab, wie aus den Angaben fr 1603 zu ersehen ist; die
schwereren wurden immer mehr im Schiffsrumpf aufgestellt. Es verschwinden
die mehretagigen und vorspringenden Kastelle, sie gehen als Back
(Vordeck, fore castle) und Halbdeck (Achterdeck, quarterdeck) in den
Schiffskrper ber. Vordeck und Halbdeck bleiben armiert und berdecken,
wie es frher die Kastelle taten, die Batterie des Hauptdecks bis auf den
Teil zwischen Fock- und Gromast. Das Heck bleibt noch hoch, da achtern
auf dem Halbdeck meistens eine Kampagne zu Unterkunftszwecken erbaut
wird; nur auf deren Deck und zuweilen auf einem schwachen ber der Back
fhrt man noch ganz leichte Geschtze. Spter werden dann oft Vordeck und
Halbdeck an den Schiffsseiten miteinander verbunden, um den Verkehr von
vorn nach hinten sowie die Bedienung der Takelage zu erleichtern. So
entsteht ein volles neues Deck, das Oberdeck (upperdeck) und deckt die
Batterie des Hauptdeckes vllig ein; auf ihm lagern vor dem Gromaste
mittschiffs die groen Boote und die Reserverundhlzer. Das bisher tief
liegende zweite Batteriedeck wird hher gelegt, und gegen das Ende des
Zeitabschnittes erscheint bei den grten Schiffen ein drittes
Batteriedeck (lower deck), das zweite wird dadurch zum Mitteldecke
(middle deck).[41]

  [41] Die Anordnung der verschiedenen Decke zeigt die schematische
       Skizze Seite 169.

Als Beispiele fr diese Entwicklung dienen wieder zwei hervorragende
Bauten: =Royal Prince= 1610 vom Stapel und =Royal Sovereign= 1637; in
ihnen sehen wir die nahezu fertigen Typen der sogenannten =Zweidecker und
Dreidecker=, die fast zwei Jahrhunderte hindurch die Schlachtschiffe --
Linienschiffe -- bildeten.

  Royal Prince: 1187 tons, Kiellnge 115', Breite 43', Tiefe 16', 500
  Mann, 55 Geschtze in zwei gedeckten Batterien und auf dem Halbdeck.

  Royal Sovereign (eigentlich Sovereign of the Seas); 1683 tons, Kiel
  167', Lnge ber alles 167-3/4', Breite 48-1/3', Tiefe 19-1/3', 600
  Mann, nominell 100 Geschtze folgendermaen aufgestellt:

                            Unterste Batterie
                     Breitseite    20 cannons
                     Bug            4 demi cannons
                     Heck           4   "     "

                             Mittel-Batterie
                     Breitseite    24 culverins
                     Bug            2     "
                     Heck           4     "

                            Oberste Batterie
                     Breitseite    24 demi culverins
                     Bug            2   "      "
                     Heck           2   "      "

                           Oberdecks-Batterie
                     Vordeck       10 demi culverins
                     Halbdeck       8   "      "

  Das Schiff wurde 1652 zum Zweidecker rasiert, da es zu rank war.

Man sieht, da die kleinen Geschtze -- selbst die kleineren Kaliber, die
frher zu den schwereren gerechnet wurden, 3-6-Pfnder -- verschwunden
sind, jedenfalls sind solche Geschtze bei der Gesamtangabe der Armierung
nicht mehr mitgezhlt, in den Quellen wird ihre Zahl gar nicht erwhnt.

[Illustration: Englisches Kriegsschiff The Royal Prince.]

Im Jahre 1649 besa die englische Marine: die beiden eben behandelten
Schiffe ber 1000 tons; 10 von 800-900 tons, 40-44 Kanonen; 5 von 700 bis
800 tons, 40-50 Kanonen; 10 von 500-700 tons, 30-38 Kanonen, insgesamt 70
Kriegsschiffe. Die Zahl der groen Schiffe hat also gegen 1603
zugenommen, aber ihr Verhltnis zur Gesamtzahl ist nahezu dasselbe
geblieben. Die zwei grten Schiffe, zwar sehr viel grer geworden gegen
die 1000 tons-Schiffe von 1603, stehen wieder vereinzelt da; die
Seeeigenschaften sehr groer Schiffe lieen eben immer noch zu wnschen
brig. Auch die Armierung ist durchweg strker geworden -- die Kanonen
werden nur noch wie beim Royal Sovereign gezhlt -- und die vorstehend
aufgefhrten Schiffe, also alle ber 30 Kanonen, werden Zweidecker
gewesen sein, wenigstens soweit sie in den letzten Jahren erbaut gewesen
sind, was bei den meisten der Fall war. In England wird dies mit dem
zunehmenden Bau von Kriegsschiffen fr die Schlachtschiffe Regel.

[Illustration: Englisches Kriegsschiff The Sovereign of the Seas.]

  Im Anfang des nchsten Zeitabschnittes baute man in England noch
  kleinere Schiffe, bis zu 20 Kanonen hinunter, als Zweidecker. In
  Holland scheint man mit dem Bau von Zweideckern, wie berhaupt mit dem
  grerer Kriegsschiffe erst spter vorgegangen zu sein, nmlich whrend
  des ersten englisch-hollndischen Krieges. 1639 befand sich in Tromps
  Flotte nur ein Zweidecker, ebenso wahrscheinlich noch 1652.

  Schiffe mit 30-40 Kanonen hatten bei ihnen nur eine Batterie und das
  armierte Oberdeck; dasselbe mssen wir von den greren Kauffahrern
  annehmen, die von beiden Nationen in ihre Flotten eingestellt wurden.

=So trennt sich der Bau der Kriegsschiffe wesentlich von dem der
Kauffahrer=, indem das Innere des Schiffes zur Aufstellung der Hauptwaffe
in Anspruch genommen wird und fr Ladung verloren geht.

Gleichzeitig begann sich auch ein System auszubilden, das nach der Gre
des Schiffes (Kanonenzahl) fr jedes Deck Anzahl und Kaliber, dieses
gleichmig in jeder Batterie, festsetzte. Damit war fr jedes Schiff der
Gefechtswert gegeben; man begann hiernach die Schiffe in Klassen
einzuteilen und zu erbauen.

  Whrend man in lteren Zeiten die Kriegsschiffe nach der Schiffsart
  bezeichnete -- eine Einteilung von 1576 fhrt z. B. in England ships,
  galeasses, pynasses, roobarges auf --, findet man eine Einteilung nach
  der Kraft der Schiffe zuerst in =England= um 1618. Man beschlo in
  diesem Jahre, eine Flotte zu halten von:

                     4 Ships Royal    zu 800-1200 tons
                    12 Great ships     " 600- 800  "
                     6 Middling ships  "      450  "
                     2 Small Ships     "      350  "
                     4 Pinnaces        "  80- 250  "

  Der Bestand um 1624 entsprach auch ungefhr diesem Beschlusse, wenn
  auch die Klassengrenzen, wohl infolge alter Bestnde, nicht genau
  innegehalten waren und auch bei Neubauten vorlufig nicht genau
  innegehalten wurden.

  Auch fr =Frankreich= kennen wir aus dieser Zeit eine Einteilung der
  Schiffe nach Klassen; sie ist sogar schon genauer. Hier sind jetzt
  schon Anleitungen fr Anzahl und Kaliber der Geschtze auf den
  verschiedenen Schiffsklassen vorhanden (Troude, Teil I, Introduction).

  =Pinassen= waren groe Segelboote, den Kstenfahrzeugen der Zeit
  entsprechend; wir werden sie in diesem Zeitabschnitt oft als
  Depeschen-, Aufklrungs-Fahrzeuge u. dgl. finden.

$Galeren und Galeassen.$ Im ersten Abschnitt ist erwhnt, da die Galere
des Mittelmeeres auch nach 1500 noch selbst im Norden hufiger zur
Verwendung kommt; ihre Entwicklung ist dort bereits abgeschlossen. Aus
der Galere hatte sich, wohl schon gegen Ende des Mittelalters, die
=Galeasse= herausgebildet in dem Bestreben, zahlreichere und schwerere
Artillerie aufstellen zu knnen. Galerenhnlich, Verhltnis der Breite
zur Lnge wie 1: 6, mit 30-50 Riemen je durch 5-8 Mann bedient, mit
200-300 Seeleuten und Soldaten, 600-1000 tons gro, waren die Galeassen
tiefergehend, langsamer und schwerflliger unter Riemen als die Galeren,
aber weit strker armiert; man rechnete eine Galeasse als gleichwertig
mit 5 Galeren. Die Geschtzaufstellung war dieselbe wie bei den spteren
Galeren: schwere Geschtze besonders vorn und achtern in Kastellen,
leichte auf diesen und zwischen den Riemen. Sie hatten drei Masten mit
Lateinsegeln; zwar sehr rank, segelten sie doch weit besser als die
Galeren und gebrauchten die Riemen vorzugsweise nur im Gefecht; sie
bildeten also gewissermaen auch einen bergang zum Segelschiff. Im
Mittelmeer waren sie die Hauptkraft der Flotten.

  Die Galeassen spielen eine wichtige Rolle bei Lepanto. Auch in der
  spanischen Armada befanden sich vier Galeassen von Neapel; sie sollen
  die weitstrksten Schiffe dieser Flotte gewesen sein. Ihr Flaggschiff
  San Lorenzo fhrte 4 Sechzig-Pfnder, 8 Dreiig-Pfnder, 6
  Achtzehn-Pfnder, 6 Neun-Pfnder, 10 Sechs-Pfnder und 16 kleinere
  Geschtze, so da das Gewicht der Chargierung (in spteren Zeiten
  Breitseite, broadside, genannt und hufig als Ma der Gefechtskraft
  benutzt) 370 Pfund gegen 195 Pfund des grten Segelschiffes des
  andalusischen Geschwaders betrug. San Lorenzo hatte eine Besatzung von
  124 Seeleuten, 262 Soldaten und etwa 300 Ruderern.

Mit der Grundlegung fr stehende Marinen[42] beginnt nun auch in den
Lndern, die mit der Vervollkommnung der Segelschiffahrt in den
Vordergrund treten, die Anlage von $staatlichen Werften$.

  [42] Vgl. die spteren Angaben ber Die wichtigsten Marinen.

In =Schweden= eilte man in dieser Hinsicht den brigen Lndern des
Nordens voraus. Schon Gustav Wasa hatte eine Werft in Westerwik
gegrndet, bald folgten solche in Stockholm, Kalmar, Helsingfors usw.
Schweden baute im Anfang des 17. Jahrh. vorzgliche groe Kriegsschiffe;
es zeichnete sich besonders durch Gieen von eisernen Geschtzen aus und
lieferte diese -- wie auch Schiffe -- nach anderen Lndern.

In =England= wurden auch an den Pltzen, wo wir Ausrstungsarsenale
kennen gelernt haben, Portsmouth, Woolwich, Deptford, Trockendocks gebaut
-- das erste war schon 1496 in Portsmouth fertiggestellt --, aber erst um
die Mitte des 17. Jahrh. waren solche an all diesen Orten vorhanden,
teilweise nun schon mehrere, sowie Plymouth und Chatam hinzugetreten.
Auch sonstige Einrichtungen waren getroffen, so da die Kriegsmarine
jetzt imstande war, ihre Schiffe in grerem Mastabe selbst auszursten
und zu erbauen.

In =Holland= beschrnkte man sich noch lnger auf Ausrstungsarsenale,
vorzugsweise auf Waffendepots; man hatte hier, was Schiffbau und alle
sonstigen Bedrfnisse anbetraf, gengenden Rckhalt an der
Privatindustrie. Erst zu Ende des 16. Jahrh. machte sich mit dem
gewaltigen Wachsen der Marine und dem zunehmenden Bau grerer Schiffe
das Bedrfnis nach eigenen Schiffbauwerften geltend, und man grndete sie
in den Hauptstdten aller Seeprovinzen.

In =Frankreich=, wo die Kriegsmarine die geringste Pflege fand und
langehin die greren Schiffe fast nur aus dem Auslande bezogen wurden,
legte erst Richelieu Schiffbauwerften in Marseille, Brest, Brouage, Havre
und Calais an.

$Die Waffen.$[43] Die Zeit von 1492-1648 ist auch eine bergangsperiode
von den alten Waffen zu den neuen.

  [43] Hauptquelle: Clowes, Teil I, fr englische Verhltnisse. Angaben
       in Troude, Teil I, Introduction Seite 62 und in de Jonge, Teil
       I, Seite 279 ber franzsische und hollndische Verhltnisse
       besttigen die nachstehenden Auslassungen als allgemein
       zutreffend.

Als zu Ende des Mittelalters infolge Erhhung der Kastelle und der
Anbringung von Etagen und Pforten in diesen mehr Geschtze aufgestellt
werden konnten, waren es zunchst nur kleinere: Der groe und starke
=Regent=, gebaut 1489, fhrte zwar 225 Geschtze, aber nur
Feldschlangen (serpentines) von 1,5" Kaliber = 1/2-Pfnder. Mit
Verlngerung der Kastelle, Einfhrung eines zweiten Decks und von Pforten
im Schiffsrumpf selbst tritt allmhlich die Verwendung schwerer Geschtze
auf: der =Great Harry=, gebaut 1514, fhrt 21 schwerere Kanonen, zu
denen allerdings noch alle ber 2-1/2" Kaliber = 3-Pfnder, gerechnet
werden, und daneben 130 leichtere.

Noch immer werden vielfach die alten Wurfgeschtze, Bogen und Armbrste,
neben den Feuerwaffen verwendet; in der Ausrstung des Great Harry sind
z. B. 500 Bogen mit Zubehr und Reserveteilen aufgefhrt. Trefffhigkeit
und Bedienung der Pulvergeschtze lie noch viel zu wnschen brig,
besonders die Bedienung. Unvollkommene Lafettierung -- Lagerung in
Blocklafetten und noch ursprnglicherer Art -- machte das Richten
schwierig und ungenau; die Rohre, namentlich die leichteren, waren sehr
lang; ein Grund, weshalb man an Bord der bequemeren Bedienung
wegen lnger als am Lande die aus zwei Stcken bestehenden
Hinterlade-Kammergeschtze verwendete.

  Einen Beweis fr die schwierige Bedienung der Geschtze sowie fr die
  geringe Rolle, die die Artillerie noch in der ersten Hlfte des 16.
  Jahrh. spielte, liefert die uerung eines militrischen Zeitgenossen.
  Er hebt hervor, da in einem Gefecht zwischen Englndern und Franzosen
  1545, wobei 200 Schiffe engagiert waren, innerhalb zweier Stunden
  nicht weniger als 300 Schu von beiden Flotten abgegeben seien. Es
  wrde dies, selbst wenn man es nur auf die damals schwereren Geschtze
  bezieht, hchstens 2-3 Schu fr das Geschtz ergeben.

Diese erste Zeit der Artillerie weist, wie aus der Armierung des Great
Harry zu ersehen ist (Seite 97), eine groe Zahl verschiedener
Geschtzarten auf. Es war auch noch nicht gebruchlich, diese nach
einheitlichem System zu benennen; die spter bliche, nach dem
Geschogewicht, konnte noch nicht benutzt werden, da man verschiedenes
Geschomaterial hatte: Stein, Eisen, Blei. Die beim Great Harry
aufgefhrten schwereren Kaliber finden wir auch spter noch vor. Von den
leichteren bedeuten: fowlers und portpieces = kurze leichte Waffen mit
Kammer; slings, demislings und toppieces = ganz leichte auf Pivots
aufgestellte; hailshotpieces feuerten Ladungen von kleinen Wrfeln;
handguns waren Handwaffen mit Pivot oder Gabel.

Von der Mitte des 16. Jahrh. an nimmt die Verwendung der schwereren
Geschtze zu, und die alten Wurfmaschinen verschwinden. Die Kammern waren
wegen ungengenden Verschlusses schon bei den strkeren Kalibern, die
meist aus Bronze gegossen wurden, weggefallen, jetzt gab man sie auch bei
den leichteren, vorwiegend eisernen Kanonen auf; auch der Gebrauch von
Steingeschossen verschwindet. Die Rohre werden im allgemeinen krzer, die
Bedienung wird auch sonst erleichtert durch Einfhrung von Radlafetten
und Kartuschbeuteln aus Zeug oder Papier. Die verschiedenen Arten der
Geschtze, an Zahl weit geringer geworden, erhalten Namen, die bei allen
Nationen ziemlich gleich lauten.

  Um 1580 waren die gebruchlichsten Geschtze in England folgende
  (Clowes, Teil I, Seite 411):

  =====================+===========+================+==================
                       |           | Geschogewicht |
        =Name=         |(In Zollen)| also annhernd | Mehlpulverladung
                       |  Kaliber  |    Pfnder     |
  =====================+===========+================+==================
  Cannon Royal[44]     |  8-1/2    |     66         |       30
  Cannon[44]           |  8        |     60         |       27
  Cannon Serpentine[44]|  7-1/2    |     53-1/3     |       25
  Bastard Cannon       |  7        |     41-1/4     |       20
  Demi Cannon          |  6-1/2    |     30-1/4     |       18
  Cannon Pedro[45]     |  6        |     24-1/4     |       14
  Culverin             |  5-1/2    |     17-1/3     |       12
  Basiliko             |  5        |     15-1/4     |       10
  Demi Culverin        |  4-1/2    |      9-1/3     |        8
  Bastard Culverin     |  4        |      7         |        6-1/4
  Saket                |  3-1/2    |      5-1/3     |        5-1/3
  Minion               |  3-1/4    |      4         |        4
  Falcon[46]           |  2-1/3    |      3         |        3
  Falconet             |  2        |      1-1/4     |        1-1/4
  Serpentine           |  1-1/2    |        1/3     |          1/3
  Robinet              |  1        |        1/2     |          1/2
  =====================+===========+================+==================

  [44] Die drei ersten Arten scheinen an Bord nicht verwendet zu sein.

  [45] Der Name ist verdorben aus Cannon pierrier, d. h. ursprnglich fr
       Steingeschosse bestimmt.

  [46] Bis zum Falcon einschlielich werden die Geschtze noch bis gegen
       Ende dieses Zeitabschnittes zu den schwereren gerechnet.

  Franzsische Angaben stimmen hiermit nahezu berein; nach hollndischen
  Angaben fhrten hollndische Schiffe um 1587 nur Geschtze bis zum
  13-Pfnder, wahrscheinlich Basiliko, und erst um 1616 sehr vereinzelt
  36-Pfnder, einige 24-Pfnder, viele 18-Pfnder, meist jedoch
  12-Pfnder und 8-Pfnder; auch im nchsten Abschnitt steht Holland in
  der Kaliberstrke zurck.

Diese Arten der Geschtze bleiben lange bestehen, aber sehr verschiebt
sich bei ihrer Verwendung an Bord das Verhltnis der schwereren Kaliber
zu den leichteren. Die ber die greren englischen Schiffe um 1548
gemachte Angabe zeigt noch ein Verhltnis der schwereren zu den
leichteren Geschtzen von 1: 5, hnlich wie beim Great Harry, bei den
kleineren Schiffen stellt es sich noch ungnstiger. In der Angabe fr
1603 berwiegen schon die schwereren, aber zu ihnen sind noch immer alle
vom 3-Pfnder (falcon) aufwrts gerechnet. Beim Royal Sovereign, gebaut
1637, sind unter den 104 Geschtzen nur solche von der Demi culverin
(8-Pfnder oder 9-Pfnder) aufwrts verstanden und dahin sind auch die
Geschtzangaben ber die englischen Schiffe um 1649 zu verstehen. Die
Artillerie, und zwar die mittlere und schwere, ist Hauptwaffe geworden;
es ist auch schon, wie das angezogene Beispiel zeigte, ein gewisses
System in der Aufstellung der verschiedenen Kaliber an den verschiedenen
Stellen im Schiff vorhanden, in Frankreich waren sogar um diese Zeit
schon Bestimmungen fr die verschiedenen Schiffsgren erlassen (vgl.
Troude, Teil I, Introduction).

Auch die verbesserten und leichter gewordenen =Handfeuerwaffen=, Musketen
und Haken, hatten die Bogen, deren grere englische Schiffe zur Zeit der
Armada (1588) noch 300 fhrten, verdrngt; die an Bord die freie Bewegung
hindernden Schutzwaffen, Helme, Harnische und Schilde, waren weggefallen.

Die im Mittelalter schon erwhnten =Brander=, Schiffe mit leicht
brennbaren Stoffen gefllt, erscheinen in diesem Zeitabschnitt hufiger
und werden auch zuweilen mit Erfolg verwendet (z. B. in der
Armada-Campagne); wir gehen im nchsten Abschnitt, ihrer
Hauptverwendungszeit, nher auf sie ein.

$Die Nautik.$ Im 16. und im Anfang des 17. Jahrh. werden endlich
wesentliche Fortschritte in der Nautik gemacht. Um 1537 entwarf Gerhard
Kremer (=Mercator=) die erste Karte nach der nach ihm benannten
Projektion und lie 1569 eine Weltkarte in dieser folgen. Vom Ende des
Jahrhunderts an wurden die =runden Seekarten= an Bord der Schiffe an
Stelle der platten allgemein, auch erscheinen in ihnen die Komparosen
zum leichteren Absetzen; 1573 werden zuerst =Log und Logglas= zum Messen
der Fahrt erwhnt.

Zahlreiche =Lehr- und Handbcher= sowie Hilfstabellen fr die praktische
Navigation erscheinen, Clowes, Teil I, Seite 402, fhrt eine groe Anzahl
davon an; seit Anfang des 17. Jahrh. fhrt man bei nautischen
Berechnungen die Anwendung der Logarithmen ein. Astrolab und Jakobsstab
werden weiter verbessert. 1594 erfand John Davis den =Davisquadranten=
(backstaff), der schnell die beiden lteren Instrumente verdrngte,
wenigstens auf greren Schiffen, und bis zur Erfindung des ersten
Spiegelinstrumentes (Hadleys Spiegeloktant 1731) im allgemeinen Gebrauch
verblieb. 1590 wurde das =Fernrohr= erfunden und schnell auf den Schiffen
eingefhrt. Die =Miweisung= der Magnetnadel war schon von Kolumbus
beobachtet, doch ma man ihr lange Zeit keine Bedeutung bei, was
natrlich sehr nachteilig fr die Besteckfhrung war.

Vllig im argen lag aber noch die =Lngenbestimmung= auf See. Der schon
um 1530 von einem Gelehrten gemachte Vorschlag, durch Vergleich der
beobachteten Ortszeit mit einer vom Lande mitgenommenen die Lnge
festzustellen, war wegen Ungenauigkeiten der Uhren noch lange nicht
ausfhrbar. Fr Beobachtungen von Monddistanzen, auch schon um 1500 von
Werner von Nrnberg vorgeschlagen, waren die Winkelinstrumente vorlufig
noch nicht genau genug. Diese einigermaen sichere Methode brach sich
erst nach und nach Bahn. Die erste Lngenbestimmung auf See nach
Monddistanzen soll 1580 von einem Spanier, die zweite 1615 von W. Baffin,
dem Lotsen und Beschreiber einer Reise der Discovery nach der
Hudsonstrae, gemacht sein.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Drittes Kapitel.

   Die Seekriege von 1492-1648. Kampfweise und Taktik. Die wichtigsten
                             Kriegsmarinen.

                      Die Seekriege von 1492-1648.

Dieser Zeitabschnitt ist ganz besonders in Hinsicht auf die Kriegfhrung
zur See eine bergangsperiode zu nennen.

=Was mu man unter einem Seekriege= -- unter wissenschaftlich betriebener
Kriegfhrung zur See -- =verstehen=? Einen Krieg, der ganz oder doch
wesentlich durch Erfolge zur See entschieden wird.

Es kann dieser Fall nur eintreten, wenn groe Interessen der Gegner auf
der See liegen. Diese Interessen knnen darin bestehen, da das Meer
notwendig ist als Marschstrae, um den Krieg in des Feindes Land zu
tragen, spter um die Verbindung mit dem eigenen Lande aufrecht zu
erhalten, also zur Untersttzung des Landkrieges, oder darin, da fr
einen oder beide Gegner von der freien Benutzung des Meeres der Wohlstand
des Landes, vielleicht gar seine Lebensfhigkeit oder doch die
Mglichkeit zur weiteren Durchfhrung des Krieges abhngt. Im ersten
Falle gleicht das Meer also den Marschstraen und den rckwrtigen
Verbindungen des Landkrieges, im zweiten ist es ein Angriffsfeld mit den
auf ihm schwimmenden Gtern als Angriffsobjekten.

Eine wissenschaftliche Kriegfhrung zur See mu sich nun, um
durchschlagende Erfolge -- sei es im ersten, sei es im zweiten Falle --
zu erzielen, in der Offensive die Aufgabe stellen, planmig die
=Herrschaft auf dem Meere= zu erringen und, zeitlich wie rtlich, voll zu
behaupten, in der Defensive, letzteres wenigstens zu vereiteln. Eine
solche Kriegfhrung kann nur eintreten, wenn die dazu geeigneten
Streitmittel vorhanden sind; sie wird, was die Bedrohung des Wohlstandes
des Gegners anbetrifft, nur gewhlt werden, wenn die Bedingungen dazu
gegeben sind. Damit finden wir die Erklrung, weshalb bislang von keinen
groen Seekriegen im angedeuteten Sinne oder doch nur von Ausnahmen in
beschrnktem Mae die Rede sein konnte.

Als solche Ausnahmen kann man mehrere Kriege im Altertum und auch
einzelne im Mittelalter (die der italienischen Stdte) ansehen; ihre
Beschrnkung liegt darin, da wir in ihnen wenig von planmiger
Unterbindung des feindlichen Handels hren, vorzglich aber darin, da
die Ruderkriegsschiffe dieser Zeiten nicht imstande waren, lngere Zeit
die See zu halten, und somit eine errungene Seeherrschaft nicht dauernd
behaupten und ausnutzen konnten. Auch die Segelschiffe des Mittelalters
waren hierzu noch nicht fhig, und bei den Vlkern des Nordens und des
Westens kam der Kampf um freie Benutzung des Meeres zu Handelszwecken
noch nicht in Frage, denn die Schiffahrt war noch an und fr sich gering
und fr den Handel und damit fr die Frderung des Wohlstandes der Lnder
noch keine Lebensfrage; Brandschatzungen an der Kste schdigten den
Feind mehr und brachten reichere Beute als das Aufbringen von
Handelsschiffen. So zeigte uns denn die bisherige Kriegfhrung vorwiegend
Expeditionen ber See zwecks Eroberungen oder Brandschatzungen, denen mit
wenig Ausnahmen weder von seiten des Angreifers eine Sicherung der
Herrschaft ber das Meer vorhergeht, noch von seiten des Angegriffenen
ein planmiger Widerstand entgegengesetzt wird. Von Ausnutzung grerer
Erfolge, insbesondere zur Behauptung einer fr den Augenblick errungenen
Seeherrschaft, ist fast nie die Rede; im Gegenteil sehen wir meist ein
geglcktes Unternehmen sofort von gegnerischer Seite ebenso glcklich
erwidert. Auch die Unternehmungen gegen den feindlichen Handel sind mehr
nebenschlich, hufig privater Natur mit dem Charakter der Freibeuterei.
Kaum anders spielen sich die Kriege der ersten Hlfte dieses
Zeitabschnittes ab, in der zweiten aber bereitet sich ein Umschwung vor,
als der Seehandel berall bedeutend zugenommen hatte, der Handel auf den
Ozeanen hinzugetreten und auch die Leistungsfhigkeit der Segelschiffe
gesteigert war.[47]

  [47] Vgl. Colomb, Kapitel I und II, deren Inhalt spter genauer
       angegeben wird. Colomb nennt die ltere Kriegfhrung bezeichnend
       Crossraiding.

$Kriege im Ostmittelmeer.$[48] Die =Trken= sind zwar keine seefahrende
Nation, aber unter krftigen Herrschern haben auch ihre Seestreitkrfte
viel geleistet. Ende des Mittelalters, nach der Eroberung von
Konstantinopel, schufen sie eine Flotte und begannen die Bekmpfung der
Abendlnder im Ostmittelmeer. Schon bis 1500 verlor Venedig eine Anzahl
wichtiger Positionen dort (1479 Argos, Negroponte, Lemnos; 1500 Modon und
Koron). 1522 vertrieb =Soliman= II. (1520-1566) den Johanniterorden von
Rhodus. Unter diesem grten Sultan war die trkische Marine auf ihrer
hchsten Macht, ihre Kriegs- und Raubzge dehnten sich bis zu den Ksten
Italiens und Spaniens aus, sie unterwarf die Barbareskenstaaten, ja sie
focht auf seiten Franz' I. gegen Karl V., und auch in Indien haben wir
sie als Gegnerin der Portugiesen getroffen (Seite 64). Venedig verlor in
spteren Kriegen, 1540 verbndet mit Karl V., noch weitere wichtige
Punkte.

  [48] Quellen fr Kriege im Mittelmeer: du Sein; The Ship; Jurien:
       Doria, Lepanto, Chevaliers de Malte (darin die Belagerung
       der Stadt durch die Trken); Manfroni; Roncire, sobald
       fortgesetzt. -- Genaue Angaben ber Gefechte usw. dieser Zeit sind
       sehr sprlich.

Wenn auch Malta, 1565 durch den Gromeister =La Valette= glorreich
verteidigt, dem trkischen Ansturm widerstand, ebenso wie das
venetianische Korfu, und die trkische Flotte 1571 bei =Lepanto= (siehe
Seite 144) durch die vereinten Streitkrfte Karls V., des Papstes und
Venedigs vllig geschlagen wurde, so blieb sie doch noch lange eine
furchtbare Macht, bis sie allmhlich mit dem Rckgang des osmanischen
Reiches verfiel. Trotz des groen, aber nicht ausgenutzten Sieges bei
Lepanto verlor =Venedig= noch 1573 Cypern und trat von nun an politisch
zurck, auswrtige gefhrliche Unternehmungen und Verwicklungen
vermeidend; erst um die Mitte des 17. Jahrh. entspann sich ein neuer
Krieg mit den Trken um Kreta.

$An sonstigen Kriegen im Mittelmeer$ sind zu nennen zahlreiche Kmpfe
Frankreichs, Spaniens und der deutschen Kaiser, diese letzten beiden
Mchte unter Karl V. vereint, um Interessen in Italien: die Feldzge
Karls VIII. und Louis' XII. von Frankreich nach Neapel, die Kriege Karls
V. und Philipps II. gegen Franz I. und Heinrich II., in denen
franzsische, spanische Flotten, solche der italienischen Stdte, auch
trkische als Verbndete der Franzosen Verwendung fanden. Unternehmungen
aller genannten Staaten gegen die Barbaresken traten hinzu. Als berhmte
Flottenfhrer der ersten Hlfte des 16. Jahrh. sind =Andreas Doria= auf
kaiserlicher Seite, =Barbarossa= (eigentlich Horuk) sowie sein Bruder
Cheir-Eddin -- die ersten trkischen Herrscher von Algier und Tunis und
berchtigte Seeruber -- auf trkischer Seite anzufhren. Grere
Ereignisse fallen dann erst wieder in das Ende dieses Zeitabschnittes,
als Frankreich unter =Richelieu= 1635 in den Dreiigjhrigen Krieg
eingriff und damit auch den Krieg gegen Spanien erffnete, der noch nach
dem Westflischen Frieden bis zum Pyrenischen Frieden 1659 fortdauerte.
(Siehe Abschnitt III, Nebenkriege 1654-1665.)

In allen diesen Kriegen spielen aber die Flotten nur eine untergeordnete
Rolle, und die Seegefechte usw. bieten nichts Besonderes. Nicht zu
unterschtzen ist der andauernde Kampf gegen die Raubstaaten, den auch
England und Holland bald aufnahmen; er war eine Schule fr die Seeleute
aller Vlker.

$In der Ostsee$[49] wurde eine Reihe von Kriegen gefhrt, deren Studium
lohnend sein drfte; wenn in ihnen auch noch nicht planmig um die
Beherrschung der See in erster Linie gekmpft wird, so hatte doch mit die
Frage um die Vorherrschaft in diesem Binnenmeere den Anla dazu gegeben.
Die Bltezeit der =Hansa= war, wie schon im Abschnitt Mittelalter
erwhnt, die Zeit der Kmpfe der nordischen Staaten, die durch das
Bestreben Dnemarks, diese unter seiner Fhrung zu vereinigen
(Kalmarische Union), hervorgerufen wurden. Diesem Bestreben stand die
Hansa im eigenen Interesse entgegen, sie untersttzte daher Schweden und
mischte sich in die inneren Wirren Dnemarks, wo es ihr Vorteil
versprach. Ihr politischer Hhepunkt war erreicht, als 1524 der
Brgermeister von Lbeck, =Thomas von Wickede=, gewissermaen die Kronen
des Nordens an Friedrich von Holstein und Gustav Wasa austeilte, wodurch
er der Kalmarischen Union ein Ende machte und von beiden Frsten die
weitestgehenden Handelsvorrechte erhielt. Nun aber machte die innere
Entwicklung der nordischen Staaten groe Fortschritte, ihr Seewesen lebte
wieder auf, und es begann ein Kampf um die Vorherrschaft in der Ostsee,
zunchst zum Nachteil der Hansa. Schon 1534, als Lbeck unter
Brgermeister Wullenweber wiederum Partei in einem Thronfolgestreit
Dnemarks, der =Dreigrafenfehde=, genommen hatte, standen ihm Dnemark
mit Schleswig-Holstein und Schweden gegenber, whrend es selbst nur von
wenigen Stdten untersttzt war. Die lbische Flotte wurde 1535 an der
fnenschen Kste vernichtet. Die Stdte muten froh sein, einen Teil der
frheren Zugestndnisse zu behalten; von hier datiert, in Verein mit den
frher angezogenen Grnden (vgl. Seite 78), der Niedergang der Hansa.

  [49] Quellen: Wie beim Mittelalter (Seite 44); es tritt hinzu fr die
       dnische Marine: Garde und Nauticus 1902.

Es folgen die Kmpfe =Dnemarks= und =Schwedens= um die Herrschaft in der
Ostsee, um die noch zu Dnemark gehrenden Provinzen Schwedens, um das
Erbe des gegen Ende der fnfziger Jahre zusammenbrechenden preuischen
Ordensstaates, das die Nordstaaten sowie Polen und Ruland an sich reien
wollten. Schweden war glcklich in seinen Kriegen gegen Ruland und
Polen, befestigte seine festlndischen Besitzungen in Finnland und
erweiterte sie durch Esthland, aber zur See war Dnemark die strkere
Macht. Hier hatte man zuerst Wert auf eine Marine gelegt. In dem ersten
Kriege zwischen beiden Lndern, dem =Dreikronenkrieg= 1563-1570, nahm
zwar auch die schwedische Marine unter Erich XIV. einen Aufschwung und
leistete wichtige Dienste; sie verfiel aber noch whrend des Krieges
unter Erichs Nachfolger, obgleich sie doch jetzt gerade zur Verbindung
mit den festlndischen Besitzungen notwendig war, und Dnemark blieb 1570
im Besitz der schwedischen Sdprovinzen sowie der wichtigen Inseln sel
und Gotland. Damit beherrschte es die Ostsee und den Eingang in diese;
der ganze Seeverkehr Schwedens ging durch dnische Gewsser. Die
berlegenheit der dnischen Flotte, unter Christian IV., war weiter
entscheidend durch Untersttzung des Landkrieges in dem =zweiten Kriege=
1611-1613 um die strittigen Provinzen; teuer mute Schweden den Frieden
erkaufen, und die eben erst gegen Dnemarks Sundherrschaft erbaute
Festung Gteborg ward zerstrt.

Die Seeherrschaft Dnemarks, das um 1630 eine der grten stehenden
Flotten Europas besa, dauerte bis 1645. Sie hatte sich auch im
Dreiigjhrigen Kriege (Niederschsisch-dnischer Krieg 1625-1630) dem
Kaiser (Wallenstein) gegenber geltend gemacht. Inzwischen hatte Gustav
Adolph whrend seiner glcklichen Kriege gegen Ruland, durch die er
dieses Land fr lange Zeit von der See abschnitt (Eroberung von
Ingermanland usw.), und gegen Polen (Eroberung von Livland) die
schwedische Flotte nach dem Vorbild der dnischen ausgebaut. Wenn sie
auch whrend dieser Kriege und im Dreiigjhrigen Kriege nur fr
Erhaltung der rckwrtigen Verbindungen von Bedeutung war, so stellte sie
nunmehr doch im Vereine mit den schwedischen Eroberungen an den Ost- und
Sdksten (hier in Pommern usw.) der Ostsee die Seeherrschaft Dnemarks
in Frage; ein =neuer schwedisch-dnischer Krieg= 1643 war die Folge. In
diesem wurde Dnemark, vom Kaiser untersttzt, zu Lande geschlagen
(Gallas, Torstenson). Die schwedische Flotte, verstrkt durch eine
hollndische, schtzte das wiederum angegriffene Gteborg und fhrte der
dnischen schwere Verluste zu, wenn diese auch heldenmtig widerstand und
auf den dnischen Inseln geplante Landungen abwehrte (Sieg auf der
Colberger Heide 1644).

  Bezeichnend fr die Verhltnisse der Zeit ist, da die 20-30 Segel
  starke hollndische Hilfsflotte nur ein staatlich konzessioniertes
  Privatunternehmen war; als Staat wollte Holland gegen das bisher zur
  Unterdrckung der Hansa mit ihnen meist verbndet gewesene Dnemark
  nicht auftreten.

Im Frieden von Brmsebro 1645 trat Dnemark sel und Gotland ab, mute
den Zoll bei Rgen und in der Elbe aufgeben und den Schweden die
Befreiung vom Sundzoll zugestehen. Als der Westflische Friede an
Schweden nun Bremen und Verden auerhalb der Ostsee berwies, ihm Wismar
und Pommern sicherte, war die Herrschaft Dnemarks ber die Ostsee
gebrochen.

Wie die Kmpfe mit den Raubstaaten im Sden, so bezeichnet Jurien de la
Gravire diese groen Seekriege in der Ostsee als eine Schule fr die
Seeleute der Zeit, was um so zutreffender ist, als sie mit groen,
wirklichen Kriegsschiffen ausgefochten wurden (vgl. Seite 148 Angaben
ber die wichtigsten Marinen).

$Englands und Frankreichs Kriege$[50] knnen wir kurz betrachten. Die bei
den Kriegen im Mittelmeer angefhrten politischen Verwicklungen waren
auch im Norden von Einflu. Mehrfach sehen wir England auf der Seite der
Gegner Frankreichs, zuweilen mit spanisch-niederlndischen
Seestreitkrften vereint, so 1512 auf seiten der ersten heiligen Liga,
1522-1525 und 1544-1546 auf seiten Karls V., 1556-1559 mit Philipp II.
(St. Quentin).

  [50] Quellen: du Sein, Clowes und andere Spezialwerke der beiden
       Marinen.

Es folgen die Kriege Englands mit Schottland um Thronfolgefragen, die
sich durch das ganze 16. Jahrh. hinziehen und worin Frankreich die
katholische Partei in Schottland unter der Hand oder in erklrtem Kriege
untersttzt. Von 1562-1628 treten die Hugenottenkriege in Frankreich
hinzu, worin umgekehrt England auf seiten der Protestanten erscheint,
namentlich bei den letzten Kmpfen um La Rochelle. Alle diese Kriege
zeigen uns eine fast ununterbrochene Ttigkeit von Seestreitkrften aber
nur im alten Sinne: Truppenberfhrungen, Belagerungen und Blockierungen,
Brandschatzung von Kstenstrichen, gelegentliche Seegefechte. Bald ist
die eine, bald die andere Partei kurze Zeit Herrin der See, aber
glckliche Unternehmungen der einen werden fast immer von der anderen
prompt erwidert.

  =Als wichtigere Ereignisse= seien aufgefhrt: 1513 eine grere
  englische Expedition gegen Brest, wobei die franzsische Flotte vor dem
  Hafen geschlagen wird; auf beiden Seiten werden Galeren verwendet, zum
  ersten Male waren solche der franzsischen Mittelmeer-Galerenflotte
  nach dem Atlantik gezogen. 1522 wurde bei Brandschatzungszgen die
  englische Flotte durch kaiserliche, niederlndische, Schiffe
  untersttzt. 1544 nahm England Boulogne mit Hilfe der Flotte. 1545
  sandte Frankreich als Erwiderung eine Flotte von 150-200 Segeln,
  darunter 25 Mittelmeergaleren, gegen Portsmouth. Die dort befindliche
  englische Flotte von 60 Schiffen wurde kurze Zeit blockiert, Wight und
  die Kste bis Dover gebrandschatzt, worauf man zur Belagerung von
  Boulogne zurckging. Vier Wochen spter folgt die jetzt 100 Segel
  starke englische Flotte; bei Wight kommt es am 15. August zum Gefecht,
  worin die Franzosen siegen, obgleich sich die Galeren bei Wind und
  Seegang nicht bewhren. Trotz dieses Sieges unternimmt die englische
  Flotte am 2. September einen erfolgreichen Einfall an der Kste der
  Normandie. 1547 wirft eine franzsische Flotte 6000 Mann nach
  Schottland und holt die junge Knigin Maria Stuart nach Frankreich zur
  Erziehung und (1558) Vermhlung mit dem Dauphin. 1549 wird noch auf See
  um Boulogne gefochten, 1550 die Stadt an Frankreich zurckgegeben.

  1554 kam Philipp II. nach England, um die Knigin zu heiraten. Es ist
  schon damals kennzeichnend fr die Ansprche Englands auf Oberhoheit in
  seinen Gewssern, da der zur Einholung entgegengesandte Lord
  Highadmiral den Knig durch einen scharfen Schu zwang, den geforderten
  Flaggengru zu geben.

  1558 geht =Calais=, der letzte Platz Englands auf dem Festlande, durch
  einen Handstreich des Herzogs von Guise verloren.

  Die Ereignisse der =Hugenottenkriege= im 16. Jahrh. sind von wenig
  Bedeutung, mehr die spteren, in denen die seemchtige Stadt =La
  Rochelle= das Hauptbollwerk der Hugenotten ist. 1622 fand eine Schlacht
  vor der Stadt, bei St. Martin de R, zwischen einer kniglich
  franzsischen und einer Hugenottenflotte statt; 1627-1628 wurde die
  Stadt unter persnlicher Leitung Richelieus belagert. Drei groe
  Entsatz-Expeditionen Englands wurden abgeschlagen; La Rochelle, und
  damit die Sache der Hugenotten, fllt durch Abschneiden von der See
  mittels Blockade und Aufschttung eines Deiches.

  Aus der Geschichte der =franzsischen Marine= sei noch ihre erste
  grere Seeschlacht auf dem Ozean erwhnt. Als sich Spanien 1580
  Portugals bemchtigt hatte, sandte Frankreich eine Flotte von 60
  Schiffen unter Admiral Strozzi nach den =Azoren= zur Untersttzung des
  dorthin geflohenen portugiesischen Kronprtendenten Dom Antonio,
  vielleicht wohl auch, um nach englischem Beispiel die Silberflotte
  abzufangen. Hier wurde diese von 50 spanischen Schiffen und 12 Galeren
  vllig geschlagen und verlor 8 Schiffe und viele Leute; die Spanier
  lieen alle Gefangenen als Piraten ber die Klinge springen. Die
  Franzosen schreiben die Niederlage der schwereren Armierung der
  Spanier, der Ungeschicklichkeit und der Indisziplin der eigenen
  Seeleute, namentlich nach dem Tode des Admirals, zu.

Eingehender mssen wir die $Kriege Englands und Hollands gegen Spanien$
behandeln, denn gerade sie geben diesem Zeitabschnitt den Charakter der
bergangsperiode zu einer neuen Kriegfhrung zur See.

Beim Ausbruch des =Aufstandes der Niederlande=[51] (1566) hatten sich
seebefahrene Bewohner Nordhollands und Seelands auf die See geworfen
(=die Wassergeusen=), um Spanien durch Aufbringen seiner Handelsschiffe
Abbruch zu tun. Sie waren mit Kaperbriefen =Wilhelms von Oranien=
versehen und verkauften die Prisen im Auslande, namentlich in England,
waren aber nach Sitte der Zeit nicht sehr whlerisch und arteten ohne
Ordnung und Kriegszucht zu Piraten aus, so da ihnen bald die
auslndischen Hfen geschlossen wurden. Notgedrungen scharten sie sich
nun unter einem Oberbefehlshaber, =Graf Wilhelm von der Mark=, zusammen
und suchten einen Sttzpunkt an der niederlndischen Kste; 1572 nahmen
die niederlndischen Seeleute =Briel= an der Maasmndung und legten
hiermit den Grundstein zur Befreiung ihres Vaterlandes.

  [51] Hauptquelle: de Jonge, Teil I, S. 121 ff. mit Angabe weiterer
       hollndischer Spezialquellen.

Whrend des weiteren Verlaufes des Befreiungskrieges waren die immer mehr
wachsenden Seestreitkrfte der Niederlande von grtem Nutzen. Sie
schdigten den feindlichen Handel und trugen dadurch gleichzeitig zur
Beschaffung der Geldmittel fr den Krieg bei, sie untersttzten
Belagerungen und Verteidigungen von Stdten am Meer oder an Flssen;
berhmt ist der =Entsatz Leydens= durch die Fahrzeuge der Geusen, nachdem
man die Deiche durchstochen hatte, um bis zur belagerten Stadt zu kommen.
Sie schlugen selbst mchtige spanische Flotten in den Kstengewssern --
schon in den ersten zwei Jahren drei bis zu 50 groen Seeschiffen starke
-- und gewannen damit die Herrschaft in diesen Gewssern; auch spter
entsandte spanische Geschwader wurden besiegt. Die Flotte der
Aufstndischen wuchs schnell an Zahl, doch waren die Schiffe nur 50-250
tons gro. Es war dies aber ein Vorteil den groen Fahrzeugen des Feindes
gegenber, denn in den ersten Jahrzehnten (bis zur Armada 1588) wurde der
Krieg zu Wasser nur auf den Flssen, den Meerbusen und zwischen den der
Kste vorgelagerten Bnken gefhrt.

Ungefhr seit Beginn des niederlndischen Aufstandes bereitete sich auch
der =Zusammensto Englands und Spaniens= vor. Grnde fr ihn waren seit
der Thronbesteigung Elisabeths gengend vorhanden, obwohl um 1558 noch
beide Nationen vereint gegen Frankreich (z. B. bei St. Quentin) fochten.
Schon der Versuch Englands, seit den sechziger Jahren, in den auswrtigen
Gewssern und Kolonien Spaniens Fu zu fassen, die dadurch
hervorgerufenen Gewalttaten gegen den spanischen Handel und die
Niederlassungen, muten auf der geschdigten Seite Emprung erregen.
Wichtiger noch war die schroffe Stellung der beiden Staatshupter
zueinander in der groen Weltfrage der Zeit: Philipp II. als fanatischer
Fhrer der Gegenreformation, Elisabeth als Schtzerin der Protestanten
stieen berall zusammen. =Elisabeth= untersttzte ebenso wie die
Hugenotten in Frankreich und die protestantische Partei in Schottland
auch die aufstndischen Niederlnder, wenn auch vorlufig nur unter der
Hand, besonders durch bereitwillige Aufnahme von Landesflchtigen.
=Philipp= trat fr Maria Stuarts Partei ein und begnstigte 1580 einen
Aufstand in Irland. Dieses Verhltnis spitzte sich immer mehr zu, und
1585 trat Elisabeth durch einen Vertrag offen auf die Seite der
Niederlnder. Nach diesem sollte England eine Untersttzung an Truppen
und Kriegsmaterial liefern, deren Kosten nach glcklich beendetem Kriege
zurckzuerstatten seien (die Nichterfllung dieser Bedingung wurde 1652
als einer der Kriegsgrnde von seiten Englands aufgestellt); Holland
verpflichtete sich, auf Forderung Englands zu gelegener Zeit Schiffe zur
englischen Flotte stoen zu lassen. Tatschlich fhrte 1586 Graf
Leicester ein Hilfskorps nach Holland, und die Niederlnder bestimmten
1588 ein Geschwader zur Untersttzung der Englnder gegen die Armada.

Der Abschlu des Vertrages wrde vielleicht schon gleich zu einem von
Philipp lngst beabsichtigten groen Schlage gegen England gefhrt haben,
wenn die schwer bewegliche Macht Spaniens fertig gewesen wre, immerhin
rief er die Beschlagnahme der englischen, hollndischen und deutschen
Schiffe in den Hfen Spaniens und Portugals und die Wegnahme englischer
Schiffe im Mittelmeer hervor. Diese Schiffe sollten auerdem dem
geplanten groen Unternehmen gegen England dienen. England antwortete mit
den Vergeltungsmaregeln in groem Mastabe, die wir schon erwhnt haben:
Unterdrckung der spanischen Hochseefischerei bei Neufundland und Ausgabe
von Kaperbriefen und Patenten zur Schdigung des spanischen Handels und
der Kolonien. Bevor wir uns jedoch mit dieser Art Kriegfhrung
beschftigen, ist eines Ereignisses zu gedenken, das ebenso bemerkenswert
in strategischer und taktischer Beziehung wie entscheidend fr den
weiteren Verlauf der Geschichte war: der Armada Entstehung und Ende.

$Die Geschichte der Armada.$[52] Lange vor der Entsendung der berhmten
Armada ging =Philipp= II. mit dem Gedanken einer Invasion in grtem
Mastabe gegen England um. Schon =Alba= hatte 1569 einen Plan dafr
entworfen, die Kriege Spaniens mit den Trken, Frankreich und Portugal
neben dem Kampfe gegen die aufrhrerischen Niederlande standen jedoch der
Ausfhrung noch entgegen. Als 1580 Portugal erobert und auch seine
Seemacht nun zur Verfgung war, nahm man den Gedanken lebhafter auf.
Besonders trat der Admiral =Marquis de Santa Cruz=, der 1580 die
Franzosen bei den Azoren geschlagen hatte, dafr ein: er stellte 1583 das
Unternehmen als den notwendigsten Schritt zur endlichen Unterdrckung der
Niederlnder hin. Der Gouverneur der Niederlande, =Herzog von Parma=,
untersttzte ihn und erklrte auch, die englischen Soldaten seien den
spanischen Veteranen nicht gewachsen. Santa Cruz verlangte zur Ausfhrung
die ungeheure Macht von 556 Schiffen -- darunter 150 groe Kriegsschiffe,
2 Galeassen und 40 Galeren -- von zusammen 77250 tons mit 94000 Mann.
Philipp war wohl dazu geneigt, beschlo aber, um die Expedition nicht
schon von Spanien aus in dieser Strke entsenden zu brauchen, die in den
Niederlanden stehende Armee mitzuverwenden. Die Rstungen in Spanien
begannen, und Parma erhielt den Befehl, in den Niederlanden eine groe
Zahl flachgehender Transportfahrzeuge fertigzustellen. Wenn die Rstungen
anfangs nicht so eifrig betrieben wurden, so mag dies seinen Grund in dem
Schwanken Philipps gehabt haben, ob der Erfolg einer so kostspieligen
Expedition voll seinen Interessen entsprechen wrde. Zwar war er stets
fr Maria Stuart eingetreten; wenn er ihr aber zur Herrschaft in England
verhalf, so hatte bei ihrer Hinneigung zu Frankreich vielleicht dieses
Land den Hauptnutzen davon. Der Tod Marias im Februar 1587 hob dieses
Bedenken auf, ihr Sohn Jakob war Frankreich nicht so zugeneigt. Es war
eher anzunehmen, da dieser auf dem englischen Throne zu Spanien halten
wrde. Tatschlich hat er, nachdem er schon 1586 gegen Zusicherung der
englischen Thronfolge die Sache seiner gefangenen Mutter preisgegeben
hatte, den Angriff der Armada nicht ausgenutzt, sondern war sogar bereit,
ihre Abwehr zu untersttzen. Nach dem Tode der Maria nun, auch wohl aus
Emprung ber die Todesart, betrieb Philipp die Rstungen mit grter
Kraft. Alles was in Spanien und seinen Besitzungen, in Portugal, in
Italien, an Schiffen, Kriegsmaterial und Personal aufzubringen war, wurde
aufgeboten und in verschiedenen Hfen, besonders in Lissabon und Cadiz,
gesammelt.

  [52] Hauptquellen: Clowes, Teil I; Colomb.

Diese Rstungen blieben in England nicht unbekannt, hatte man doch selbst
Kenntnis davon, da Philipp geheim um den Segen des Papstes fr das
Unternehmen gebeten hatte. Man beschlo, sie zu stren, und =Sir Francis
Drake= ward ausgewhlt, den Vorsto zu leiten. Ein Geschwader von 24-40
Schiffen, so schwanken die Angaben, wurde zusammengezogen. Grtenteils
waren es armierte Kauffahrer, wahrscheinlich haben nur 6 knigliche
Kriegsschiffe -- 1 zu 600 tons, 47 Geschtze, 250 Mann; 2 zu 500 tons, 54
und 38 Geschtze, 250 Mann; 1 zu 400 tons, 32 Geschtze, 190 Mann, und 2
Pinassen -- den Kern der Flotte gebildet. Fr wie khn der Zug gehalten
wurde,[53] geht daraus hervor, da eines der 500 tons-Schiffe auf der
Reise umkehrte, ausgesprochenermaen aus Furcht, und da Elisabeth die
Segelorder widerrief, aber zu spt. Drakes Order war, die Vereinigung der
spanischen Geschwader zu hindern und mglichst viel Schiffe und
Kriegsmaterial zu zerstren. Er segelte Anfang April 1587 und steuerte,
als er von Kauffahrern hrte, da in =Cadiz= groe Materialmengen zum
Transport nach Lissabon bereit seien, diesen Hafen an. Hier traf er am
19. April ein, trieb 6 Galeren unter den Schutz der Batterien, lief mit
Handlot an beiden Seiten in den inneren Hafen ein und zerstrte dort ber
100 beladene Schiffe fast ohne eigenen Verlust. Am 21. April verlie er
Cadiz und beunruhigte die Kste bis Lissabon, wobei er selbst die Fischer
nicht schonte. Er forderte auch Santa Cruz, der in dem Hafen lag, formell
zum Kampfe heraus, doch nahm dieser weder die Forderung an, noch hinderte
er weitere Unternehmungen an der Kste. Da diese jedoch keine
nennenswerte Beute brachten, ging Drake nach den Azoren, und dort fiel
ihm der wertvolle und wichtige Ostindienfahrer St. Felipe (Seite 82) in
die Hnde. Trotzdem da die Aufgabe des Admirals rein militrischer Natur
war, wurde die weitere Fahrt wieder ein Fall des alten Freibeuterkrieges.
Man sagt, vielleicht mit vollem Recht, Drake habe den geheuerten
Kauffahrern zuliebe so gehandelt, die sich der Expedition nicht
angeschlossen htten, nur um Pulvermagazine zu sprengen und
Kriegsmaterial zu vernichten, sondern um auch klingenden Lohn zu finden.

  [53] In der englischen Seekriegsgeschichte wird der Zug anerkennend als
       Singeing the king of Spain's beard bezeichnet.

Ob diese khne Tat die Abfahrt der Armada um ein Jahr verzgert hat, ist
fraglich, sie war wohl auch so noch nicht bereit; jedenfalls wurden die
spanischen Rstungen sehr verteuert und abgeschwcht, und der Schaden war
nicht so schnell zu ersetzen. Noch einen anderen Verlust erlitt Spanien:
im Februar 1588 starb Santa Cruz, ein erfahrener Seemann, an seiner
Stelle erhielt der =Herzog von Medina-Sidonia= den Befehl ber die
nunmehr fast segelfertige Flotte. Medina war, selbst nach Ausla eines
spanischen Autors, nur so oft zur See gewesen, um zu erkennen, da er
leicht seekrank wrde. Im brigen war er ein Mann von Fhigkeit und
Bildung, dabei von sanftem Charakter, weshalb man ihn vielleicht gerade
fr die Stellung, die ihm Parma gegenber zugedacht war, gewhlt hatte.
Seiner Kriegsunerfahrenheit sich bewut, versuchte er zuerst auch, das
Kommando abzulehnen. Am 22. Mrz[54] erhielt er seine Instruktionen ber
den Kriegsplan; die Abfahrt sollte beschleunigt werden, damit England
mglichst ungerstet angetroffen wrde.

  [54] Alten Stils, in England damals noch gebruchlich. Neuer Stil, in
       Spanien schon eingefhrt, wrde der 1. April sein. Im weiteren
       Verlauf der Armada-Affre wird stets alter Stil benutzt werden.

Am 20. Mai verlie Medina Lissabon und traf am 9. Juni in Corua, dem
Sammelplatz, ein; ein schwerer Sturm an der Kste hatte viele Schiffe
versprengt, die sich erst nach und nach, teilweise schwer beschdigt,
wieder einfanden. Schon dies entmutigte den Admiral, und da er auch sah,
da die Schiffe teilweise schlecht und ungengend ausgerstet waren, da
er viele Kranke hatte und manche der Offiziere und Mannschaften fr
ungeeignet hielt, riet er dem Knig zum Frieden; wohl ein Zeichen, mit
wie wenig Vertrauen er das Kommando fhrte. Trotzdem behielt er es und
Philipp sprach die Erwartung aus, da die Flotte nach Wiedersammeln aller
schweren Schiffe sptestens am 2. Juli in See gehen werde. Die Schiffe
wurden neu ausgerstet und am 12. Juli verlie die Armada -- die
offizielle Bezeichnung der Flotte war La felicissima Armada -- Corua.

Die Expedition war als Kreuzzug erklrt und dementsprechend wurden
verschiedene Anordnungen getroffen: Beichte und Abendmahl smtlicher
Teilnehmer vor der Abfahrt; Verbot von Hazardspielen und Zweikmpfen
whrend der Reise; leichtfertige Weiber wurden an Bord nicht geduldet,
katholisch-symbolische Flaggen gefhrt u. dergl.

$Die Instruktion$, die Philipp seinem Admiral gab, befahl: Er solle mit
der ganzen Armada direkt zum englischen Kanal gehen, diesen bis zur
Themsemndung (Margate) hinauflaufen, von dort mit Parma in Verbindung
treten und dessen berfahrt nach England sichern. Weitere Ausfhrungen
besagten: Die Ksten Frankreichs und Flanderns seien wegen ihrer
Untiefen zu vermeiden; die Kste Englands sei deshalb zu halten und die
Reise trotz etwaiger Diversionen englischer Streitkrfte fortzusetzen;
Zusammenste seien nicht zu suchen, um die eigenen Krfte mglichst zu
schonen, da die Flotte zu der Landung 6000 Mann an Parma abzugeben habe;
gefochten solle nur werden, wenn ohne Kampf die berfahrt der
Invasionsarmee nicht zu erreichen wre. Im Widerspruch hiermit wird aber
doch erwhnt, da Drake, falls er am Eingang des Kanals gesichtet wrde
oder im Kanal hart nachdrnge, angegriffen werden solle. Philipp scheint
angenommen zu haben, da nur Drake mit einem Teile der englischen Flotte
im Westen stehen wrde, auch scheint er diesen, als Person, besonders
gefrchtet zu haben. Es wird ferner gesagt, die Armada wrde auch stark
genug sein, die gesammelte englische Flotte, falls man noch vor Margate
auf sie stiee, zu schlagen. Wie die berfahrt Parmas zu sichern sei,
sagte die Instruktion nicht; der Admiral sollte wohl nach Umstnden
handeln. War die englische Flotte vernichtet, so konnte die berfahrt
ohne Hilfe vor sich gehen, waren die feindlichen Seestreitkrfte noch
ganz oder teilweise schlagfertig, so mute Medina begleiten. Da die
Untersttzung Parmas von der englischen Kste ausgehen sollte, war
beschlossen, da hier sicherere Ankerpltze fr die schweren Schiffe
vorhanden waren als an der flandrischen. Nach geglckter Landung und
Abgabe der 6000 Mann sollte die Armada in der Themse stationiert werden,
das Heer untersttzen und die Verbindung mit Flandern aufrecht erhalten.
Wenn Parmas berfahrt durch irgendwelche Umstnde verhindert wrde,
sollte Medina die Insel Wight als Basis fr sptere Unternehmungen
besetzen.

Aus der ganzen Order mu man entnehmen, da der Knig -- schlecht beraten
oder, wenn besser beraten, hartnckig auf seiner Ansicht bestehend --
entweder die Schwierigkeit der berfhrung einer groen Armee ber den
Kanal mit damaligen Mitteln, Ruder- und Segelfahrzeugen, unterschtzte
und vor allem die Wichtigkeit, hierzu vorher den Weg freizumachen, nicht
erkannte, oder da er die Armada fr fraglos stark genug hielt, allen
Widerstand in dieser Hinsicht mit Leichtigkeit zu berwinden. Dabei mu
noch in Betracht gezogen werden, da es sich nicht nur um die englischen
Seestreitkrfte handelte, sondern da auch die niederlndische Flotte
Parmas Transportflotte und seine geringen Seestreitkrfte blockierte, und
zwar, wie die Zukunft zeigte, mit Erfolg.

Der Armada ist nach dem Kriegsplane nur eine zweite Rolle zugeteilt: Die
Untersttzung der Expedition durch Sicherung der berfahrt, Verstrkung
des Landungskorps, Aufrechterhaltung der Verbindungen. Unabhngig war sie
nur, falls eine Seeschlacht notwendig wrde -- allerdings wird diese,
wieder im Widerspruch mit dem sonstigen Tenor der Order, darin
gelegentlich als eine Hauptsache erwhnt; vielleicht war dies nur eine
trstende Schmeichelei fr die Zuteilung der untergeordneten Rolle. Die
Erwgung, da der Kampf mit den feindlichen Seestreitkrften
voraussichtlich die Hauptsache werden wrde, da man deshalb den
strategischen Plan und selbst die Ordre de Bataille der Armada darauf
richten msse, zuerst mit den gefechtskrftigsten Schiffen die
Seeherrschaft im Kanal zu erringen und dann erst zur Ausfhrung der
Landung zu schreiten, scheint dem Knige[55] und anfangs auch den Fhrern
nicht gekommen zu sein.

  [55] In betreff dieses Punktes verweise ich aber noch auf den
       Schlusatz der gesamten Betrachtungen ber die Armada.

In der Zeit zwischen der Ausgabe der Instruktion im Mrz und der Abfahrt
im Juli scheint aber seitens der spanischen Fhrer den feindlichen
Flotten mehr Beachtung geschenkt zu sein. Im Mai erklrt Medina, er
hielte es fr gefhrlich, Truppen abzugeben, ehe der Feind zur See
unschdlich gemacht worden sei, und rt, nach der Vereinigung mit Parma
den Feind auf See zu suchen und zu schlagen und dann erst zu landen. Die
Vereinigung wird zwar immer noch an der englischen Kste und vor der
Vernichtung des Feindes gedacht, die Aufgabe der Flotte tritt doch jetzt
aber strker hervor, um so mehr als nach diesem Vorschlage Parma
scheinbar an der Seeschlacht nicht teilnehmen sollte; seine
Seestreitkrfte konnten auch die Armada nicht wesentlich verstrken.
Trotzdem mu es aber bei dem Hauptplan geblieben sein, denn Medina
schreibt bei Antritt der Reise immer noch an Parma: Er sei in See, habe
nur den Befehl, den Weg freizuhalten und nur zu fechten, wenn er
belstigt wrde. Er bitte auch Parma, in See zu gehen und Nachricht zu
senden, wo und wann die Vereinigung stattfinden solle.

Danach wnschte Medina sie also vor dem Eintreffen in Margate, falls der
Platz berhaupt zu dieser Zeit noch als Treffpunkt galt, was nmlich
fraglich ist.

Nach einem Berichte des Vizeadmirals Recalde, des zweitltesten
Seeoffiziers, knnte man annehmen, da schon bei Abfahrt der Armada die
Vereinigung an der Sdkste des Kanals gedacht war. Recalde nennt als
Platz dafr Las Dunas, was ebensogut die Dnen an der flmischen
Kste wie the Downs an der englischen bezeichnen kann.

  Dieser Bericht an den Knig enthlt noch einige bemerkenswerte Punkte.
  Recalde leitet seine Auslassungen darber, wie er die befohlene Aufgabe
  der Flotte auffat, damit ein: Soviel mir davon bekannt ist;
  scheinbar sind also die hchsten Fhrer nur unvollkommen unterrichtet
  gewesen. -- Er schreibt ferner, da er einen Kampf mit der englischen
  Flotte fr unumgnglich hielte und sogar berzeugt sei, da diese auch
  nach einer Niederlage bald wieder gefechtsbereit erscheinen wrde, also
  weiter mit ihr gerechnet werden msse. Endlich ist er der Ansicht, da
  die berfhrung der Armee Parmas mehrere Fahrten der Transportflotte
  erfordern wrde. Da scheint es doch, als ob die spanischen Seeoffiziere
  bei Aufstellung des Kriegsplanes nicht gengend zu Rate gezogen sind
  oder erst spter die Schwierigkeit der Ausfhrung erkannt haben.

Whrend der Fahrt ist der ursprngliche Plan in dieser Hinsicht
jedenfalls gendert. Beim Eintreffen vor dem Kanal (20. Juli) hatte
Medina beschlossen, bei Wight zu warten, bis Parma bereit sei,
auszulaufen, und ihn dann in der Nhe von Dnkirchen zu treffen. Parma
wurde gebeten, die Armada an der gefhrlichen Kste keinen Augenblick
warten zu lassen; am 26. Juli wurde Dnkirchen fest als Treffpunkt
bestimmt. Als die Flotte sich spter Calais nherte und die Lotsen ein
weiteres Folgen der Kste ber diesen Ort hinaus fr gefhrlich
erklrten, verlangte Medina sogar, Parma solle ihm bis hierher
entgegenkommen, auch scheint nun nicht mehr die Themsemndung, sondern
Wight zur Landung ausersehen zu sein.

Von Anfang an herrschte Unklarheit ber die wichtigsten Manahmen zur
Durchfhrung der Generalidee, nmlich ber die Vereinigung und ber die
berfhrung der Armee. Es ist nicht zu verwundern, da diese Unklarheit
immer schlimmer wird, je mehr die Angriffe der Englnder die Folgen des
grten Fehlers des Planes -- die Unterschtzung der feindlichen
Seestreitkrfte -- zeitigten.

Gnzlich unverstndlich ist, da von Anfang bis zu Ende die blockierende
hollndische Flotte auer Berechnung gelassen wird; ohne Hilfe der Armada
konnte Parma berhaupt nicht aufbrechen. Nach der ersten Idee war eine
solche Hilfe von Margate aus ja mglich. Der Treffpunkt wird aber immer
weiter ab verlegt und damit verlangt, da Parma ohne Untersttzung mit
seiner Transportflotte in See gehen solle. Man mute doch mit der Zeit
die Kraft der Blockade kennen gelernt haben, denn die beiden spanischen
Fhrer standen in Verbindung. Ebenso unbegreiflich ist, da trotz der
langen Vorbereitungen Parma nicht fertig war. Hatte man davon in Spanien
keine Kenntnis, oder legte man keinen groen Wert darauf?

Die $Zusammensetzung der Armada$ am 12. Juli war folgende:[56]

  ===========+====================================================+
             |                    Schiffe von                     |
             +------------+---------+--------+---------+----------+
  Geschwader | Tonnen-    | 1000 und|        |         |          |
     von     |     gehalt | darber |800-1000| 600-800 | 500-600  |
             | Geschtze  | 48-50   | 22-50  | 16-34   |  12-24   |
             | Mann       |ca. 4-500| 300-500|250-400  | 180-300  |
  ===========+============+=========+========+=========+==========+
  Portugal                |    2    |    3   |    2    |    1     |
  (Adm. Medina-Sidonia)   |         |        |         |          |
                          |         |        |         |          |
  Biscaya                 |    1    |   --   |    4    |    2     |
  (Adm. de Recalde)       |         |        |         |          |
                          |         |        |         |          |
  Castilien               |   --    |    2   |4(1 = 36 |7 (smtl. |
                          |         |  (24   |  3 = 24 | 530 tons |
  (Adm. Flores de Valdes) |         | Gesch.)| Gesch.) |24 Gesch.)|
                          |         |        |         |          |
  Andalusien              |    1    |    5   |    3    |    1     |
  (Adm. Pedro de Valdes)  |         |        |         |          |
                          |         |        |         |          |
  Guipuscoa               |    1    |    2   |    2    |    3     |
  (Adm. Miquel de Oquendo)|         |        |         |          |
                          |         |        |         |          |
  Levante                 |    2    |    5   |    3    |    --    |
  (Adm. M. de Bertendona) |         |        |         |          |
  ========================+=========+========+=========+==========+
  $Gesamt$                |    7 1) |   17   |   18    |   14     |

  ===========+====================================================
             |           Schiffe von           | Gesamtzahl
             +------------+---------+--------- +    der
  Geschwader | Tonnen-    |         |          |  Schiffe
  von        |     gehalt | 200-500 |kleinere  |    und
             | Geschtze  |  12-20  |  6-14    |Mannschaften 2)
             | Mann       | 140-220 | 40-120   |
  ===========+============+=========+==========+==================
  Portugal                |    2    |     2    | 12 = 4623
  (Adm. Medina-Sidonia)   |         |          |
                          |         |          |
  Biscaya                 |    3    |     4    | 14 = 2692
  (Adm. de Recalde)       |         |          |
                          |         |          |
  Castilien               |    1    |     2    | 16 = 4177
                          |         |          |
  (Adm. Flores de Valdes) |         |          |
                          |         |          |
  Andalusien              |    --   |     1    | 11 = 3105
  (Adm. Pedro de Valdes)  |         |          |
                          |         |          |
  Guipuscoa               |    2    |     2    | 12 = 2600
  (Adm. Miquel de Oquendo)|         |          |
                          |         |          |
  Levante                 |    --   |    --    | 10 = 3637
  (Adm. M. de Bertendona) |         |          |
  ========================+=========+==========+==================
  $Gesamt$                |    8    |    11    | $75$ 3) $= 20834$

  1) Darunter nach spanischem Brauch nur 1/5 bis 1/3 Seeleute. Im
      Geschwader von Kastilien aber ber 1/2; dieses Geschwader scheint
      auch sonst nach seiner gleichmigen Zusammensetzung und Armierung
      aus zeitgemen Kriegsschiffen bestanden zu haben. Im Geschwader
      von Portugal betrug der Bestand an Seeleuten 1/3, die Schiffe waren
      am strksten armiert; englische Quellen bezeichnen es als das
      Crack-squadron.

  2) 1 zu 1000, 1 zu 1050, 1 zu 1100, 1 zu 1150, 1 zu 1160 mit nur 30
     Geschtzen, 1 zu 1200, 1 zu 1250 tons.

  3) Im brigen darf man diese 75 Kriegsschiffe nicht alle fr als
      Kriegsschiffe erbaut ansehen, es waren manche Kauffahrer darunter,
      von einigen wei man es sicher.

  [56] Zusammengestellt nach den Listen in Clowes, Teil I, Seite 598 ff.,
       in denen auch die Schiffsnamen und die Einzelheiten in Hinsicht
       auf Tonnengehalt, Geschtzzahl, Besatzungen, Seeleute und Soldaten
       gegeben werden.

Der Bestand war also $75$ =Kriegsschiffe=, darunter $42$ ber 600 tons
und $56$ ber 500 tons. =Dazu kamen=:

  Spaltenberschriften: A = Tonnengehalt
                        B = Geschtze
                        C = Soldaten
                        D = Seeleute
                        E = Ruderer
                        F = Gesamtbesatzung des Geschwaders

                             A       B       C        D      E     F
  Galeassen von Neapel 4     ?     je 50  170-260  112-124  300  2541
  Galere von Portugal  4     ?     je  4     --      106    222  1250
  Leichtes Geschwader 22   50-300   4-12   20-100    5-50   --   1168
  Hulks (Transporter) 23  200-700   4-38   vorwiegend Soldaten   3729

=Der Gesamtbestand der Armada= war 128 Fahrzeuge mit etwa 2430 Geschtzen
und 29422 Mann (darunter etwa 8000 Seeleute und 2088 Ruderer), auerdem
hatte sich eine groe Anzahl Edelleute mit ihren Dienern als Freiwillige
und gegen 300 Priester eingeschifft. Die ganze Ausrstung soll an 180
Millionen Mark gekostet haben. Von den Schiffen sind allerdings einige
auf der Reise von der Flotte abgekommen, es sollen aber beim Einlaufen in
den Kanal immerhin von den Schiffen ber 500 tons, den Galeassen und
Galeren, also den =Gefechtsschiffen=, 59 zur Stelle gewesen sein.

In den Niederlanden stand unter =Parma= ein starkes Heer von 30000 bis
40000 Mann, wie die meisten Quellen sagen. Da einige Autoren nur von ber
20000 Mann sprechen, ist anzunehmen, da nicht die ganze Armee zur
Invasion in England bestimmt war; man konnte doch auch die Niederlande
nicht ganz entblen. In Dnkirchen, Sluys und Nieuweport waren
Transportfahrzeuge gesammelt, auch gebot Parma hier sowie im Norden, wo
Verduga in Grningen befehligte, ber die Seestreitkrfte, die im Kriege
gegen die aufrhrerischen Provinzen verwendet wurden.

Aber auch die $Niederlnder$ hatten gegen die Armada zur See ansehnlich
gerstet. Laut Vertrag waren sie verpflichtet, ein Kontingent zur
englischen Flotte stoen zu lassen. Hierzu war ein Geschwader von 27
Fahrzeugen unter Kapitn van Roozendal bestimmt; es scheint die Strae
Dover-Calais bewacht zu haben. Ein zweites beobachtete die Schiffe
Verdugas und die Hauptmacht unter dem Leutnant-Admiral Justin von Nassau,
den Vizeadmiralen van Wassenaer, van der Doos und de Moor blockierte die
Hfen der flmischen Kste. Vorgreifend sei bemerkt, da das Geschwader
Roozendals in den englischen und spanischen Berichten ber die Gefechte
keine Erwhnung findet, whrend in hollndischen Quellen die Mitwirkung
ihrer Flotte zur Vernichtung der Armada[57] hervorgehoben wird.

  [57] Erwhnung der Beteiligung der Hollnder in de Jonge, Teil I, Seite
       136, aber ohne nhere Angabe, und verwiesen auf Scheltema: de
       uitrusting en ondergang der Onoverwinnelijke vloot.

Nassaus Geschwader hat jedenfalls mit Erfolg blockiert und hollndische
Schiffe, von Nassau oder von Roozendal, haben nach der Schlacht von
Gravelines versprengte und gestrandete Spanier genommen.

$Englands Rstungen$ waren anfangs sehr vernachlssigt. Bei ihrer Neigung
zur Sparsamkeit gab sich =Elisabeth= leicht und gern der Hoffnung hin,
da der Krieg in der bisherigen Weise, also fern von Englands Ksten,
weitergefhrt werden wrde, auerdem schwebten fortlaufend
Friedensverhandlungen; jedenfalls dachte sie nach den Erfolgen Drakes
1587 wohl nicht an eine baldige Ausfhrung der groen spanischen
Expedition. Die tchtigsten Seeoffiziere aber lieen die Vorgnge in
Spanien und in den Niederlanden nicht aus den Augen, und auf ihr Drngen
begann man ausgangs des Winters 1588 ernstlicher zu rsten. Mehr konnten
sie nicht erreichen; der Vorschlag des Lordhighadmiral =Lord Howard of
Effingham=, ein Geschwader von 6 groen und 6 kleinen Schiffen mit
regelmiger Ablsung zur Beobachtung und zum Angriff auslaufender Gegner
stets an der spanischen Kste zu halten, sowie die noch offensivere
Absicht Drakes, mit dem grten Teil der kniglichen Schiffe und den
Fahrzeugen, die die Stadt London ausrsten lie, den Feind wie im Jahre
vorher in seinen eigenen Hfen anzugreifen, fanden keine Genehmigung.
Nach dem ersten miglckten Auslaufen der Armada befahl die Knigin sogar
die Abrstung der schwersten Kriegsschiffe, aber Howard hielt die
Ausfhrung der Order durch Vorstellungen hin, und infolge der
Nachrichten, da die Expedition nicht aufgegeben sei, bot nun die Knigin
auf, was das Land an See- und Landstreitkrften stellen konnte: An den
Sdksten wurden Truppen zusammengezogen und Signalstationen errichtet;
die kniglichen Schiffe wurden smtlich in Dienst gestellt und Kauffahrer
geheuert; die Seestdte bereiteten Fahrzeuge fr den Kstenschutz vor;
Private stellten Schiffe, wohl oft bisherige Freibeuter, zur Verfgung.
In dieser Weise wuchsen die englischen Seestreitkrfte bestndig, auch
noch whrend des spteren Feldzugs.

[Illustration: Lord Howard of Effingham.]

Den Oberbefehl auf See hatte der Lordhighadmiral Howard erhalten. Er
befehligte die Hauptflotte im Westen des Kanals, unter ihm dienten Drake,
der ein Geschwader von armierten Kauffahrern fhrte, Frobisher, Hawkins,
Fenner und andere schon berhmte Seeleute; weitere Geschwader, besonders
die Schiffe Londons, standen unter Seymour und Winter im Osten zur
Deckung der Themse und zur Beobachtung der flandrischen Kste.

=Howard= hatte nie den Plan aufgegeben, dem Feinde bis zur spanischen
Kste entgegen zu gehen, es fehlten jedoch Ausrstungsgegenstnde, vor
allem Proviant, die vom Osten erwartet wurden. Als er auf die Nachricht
vom ersten Inseegehen der Armada Ende Mai trotzdem segeln wollte,
obgleich er z. B. nur fr etwa 14 Tage Proviant hatte, erhielt er den
Befehl, nur am Eingange des Kanals zu kreuzen. Vergeblich stellte er vor,
da er von dort bei den vorherrschenden Westwinden nicht im stande sei,
dem Feinde gleichzeitig den Weg nach Irland und durch den Kanal zur
verlegen, beide Ziele aber knne dieser haben; es sei richtiger, sich
schon an der spanischen Kste an ihn zu hngen. Noch bis zum 22. Juni
klagt er ber das Ausbleiben der Transporter und wird um so besorgter, da
schon am 13. Juni spanische Schiffe zwischen Ouessant und den Scillys
gesehen wurden; es waren Fahrzeuge, die der Sturm bei dem ersten
Auslaufen bis hierher vertrieben hatte. Als am 23. endlich der Proviant
eingetroffen war, ging der Admiral am 24. in See und kreuzte am Eingange
des Kanals. Er hatte die Flotte in drei Teile geteilt: die Hauptmacht
stand in der Mitte des Kanals, der Vizeadmiral der Flotte Drake lag nach
Ouessant, der Kontreadmiral Hawkins nach den Scillys zu; stete Verbindung
wurde zwischen den drei Geschwadern aufrecht erhalten. Vom 8. bis 10.
Juli ging er sdlicher, da er aber frchtete, der Feind habe schon
ungesichtet passiert, kehrte er am 12. Juli, also gerade am Tage der
endgltigen Abfahrt der Armada, nach Plymouth zurck, um Wasser
aufzufllen; er lie jedoch einige leichte Fahrzeuge als
Beobachtungsposten drauen. Bemerkenswert, weil von Einflu auf das
Schicksal der spanischen Flotte, ist, da -- wie sowohl Howard als
Seymour am 12. und 13. Juli berichten -- das Wetter in diesem Sommer ganz
auergewhnlich schlecht und strmisch war und sie einen groen
Krankenbestand hatten; wie mute diese Witterung auf die Seeleute und gar
erst die Soldaten des Sdens wirken!

Die =gesamten englischen Seestreitkrfte=, die der Armada nach und nach
entgegentraten, zeigt die Zusammenstellung[58] auf der nchsten Seite.

  [58] Zusammengestellt nach den Tabellen Clowes, Teil I, Seite 588 ff.,
       in denen die Schiffe mit Namen und Tonnengehalt, die Kriegsschiffe
       auch mit Namen der Offiziere, ihr Mannschaftsbestand getrennt nach
       Seeleuten, Artilleristen, Soldaten und ihre Armierung mit Zahl und
       Kaliber der Geschtze angegeben sind.

                    *       *       *       *       *

Der Bestand war also $34$ =Kriegsschiffe=, darunter $8$ ber 600 tons und
$14$ ber 500 tons. Diese waren grtenteils als Hauptmacht unter Howard
vereinigt, einige der greren dienten aber auch als Flaggschiffe Drakes,
Winters, Seymours oder befanden sich bei den Geschwadern der beiden
letzten Admirale als deren Kern (Gruppenfhrer).

Der =Gesamtbestand der englischen Flotte= war 182 Segel mit 14520 Mann,
wozu noch 15 Transporter mit 810 Mann traten.

Bei der $Abwgung der Krfte$ der beiden Gegner hat sich das Urteil im
Laufe der Zeit mehrfach gendert. In den frheren Jahren wurden die Zahl
und die Gre der Schiffe auf seiten der Spanier ungebhrend
hervorgehoben. Die spteren genaueren Forschungen haben dagegen zunchst
ihre Gefechtskraft zu sehr unterschtzt, namentlich wenn in bezug auf die
Bestckung gesagt wurde, sie habe fast nur aus 4-9 Pfndern bestanden;
gegenwrtig drfte nachfolgende Beurteilung die verbreitetste und
wahrscheinlichste sein.

    ========+================+=======================================+
            |                |            Schiffe von                |
    --------+----------------+-------+---------+---------+-----------+
            | Tonnengehalt   |1000 u.| 800-1000| 600-800 |  500-600  |
    Verband |                | darb.|         |         |           |
            | Geschtze      | 40-42 |  42-55  |  36-48  |   30-54   |
            | Mann           |  500  | 430-490 |   250   |    250    |
    ========+================+=======+=========+=========+===========+
                             | 1000  |         |         |           |
    Knigliche Marine        | 2 und |    3    |    3    |     6     |
                             | 1100  |         |         |           |
               {Unter Drake  |  A   {| 4 zu 3-400 tons, 120-160 Mann |
               { im Westen   |  r   {|10 zu 200-250, 70-110          |
               {             |  m   {| 6 zu 150-200, 70-80; Rest 30 =|
    Armierte   {             |  i   {|bis 80, 30-50                  |
    Kauffahrer {Unter Howard |  e   {|                               |
               { im Westen   |  r   {| 11 zu 100-220 ton, 50-90 Mann |
               {             |  u   {| 7 zu 20-80, 10-30            =|
               { Der Stadt   |  n   {|                               |
               { London im   |  g   {|10 zu 2-300 tons, 90-120 Mann  |
               {   Osten     |      {|20 zu 60-180, 30-80           =|
               {             |  u   {|                               |
               {Unter Howard |  n   {|zu 40-180 tons, 20-70 Mann    =|
               { im Westen   |  b   {|                               |
    Ksten-    {             |  e   {|                               |
    Fahrzeuge  {Unter Seymour|  k   {|                               |
               { und Winter  |  a   {|zu 35-160 tons, 20-100 Mann   =|
               {  im Osten   |  n   {|                               |
                             |  n   {|2 zu 250-300 tons, 100-108 Mann|
    Freiwillige Schiffe 3)   |  t 2){|Rest zu 30-140, 20-65         =|
                             +-------+---------+---------+-----------+
                Gesamt       |   2   |    3    |    3    |     6     |

    ========+================+===================+=============
            |                |    Schiffe von    |
    --------+----------------+---------+---------+ Gesamtzahl
            |  Tonnengehalt  | 200-500 | kleinere| der Schiffe
    Verband |                |         |         |    und
            |  Geschtze     |  18-38  |  3-21   | Mannschaften
            |  Mann          | 100-180 | 20-100  |
    ========+================+=========+=========+=============
                             |         |         |
    Knigliche Marine        |    8    |    12   | 34 = 6289 1)
                             |         |         |
               {Unter Drake  |         |         |
               { im Westen   |         |         |
               {             |   14    |    20   | 34 = 2394
    Armierte   {             |         |         |
    Kauffahrer {Unter Howard |         |         |
               { im Westen   |         |         |
               {             |         |         | 18 = 530
               { Der Stadt   |         |         |
               { London im   |         |         |
               {   Osten     |   10    |    20   | 30 = 2180
    Ksten-    {             |         |         |
    Fahrzeuge  {             |         |         |
               {Unter Howard |         |         |
               { im Westen   |         |    20   | 20 = 993
               {Unter Seymour|         |         |
               { und Winter  |         |    23   | 23 = 1090
               {  im Osten   |         |         |
    Freiwillige Schiffe 3)   |         |         |
                             |         |    21   | 23 = 1044
                             +---------+---------+--------------
                Gesamt       |  34     |   134   |$182 = 14520$

  1) Auf den Kriegsschiffen befanden sich etwa 2/3 bis 3/4 Seeleute, auf
     den kleineren sogar noch mehr. Hierber einige Beispiele:

      Ark, Flaggschiff  Howards     800 tons  270 Seeleute
      Triumph,  "       Frobishers 1100  "    300    "
      Vanguard, "       Winters     500  "    150    "
      Tiger                         200  "     80    "

      Ark, Flaggschiff  34 Gunner  126 Soldaten = 430
      Triumph,  "       40   "     160    "     = 500
      Vanguard, "       24   "      76    "     = 250
      Tiger             12   "       8    "     = 100

  2) Die Armierung der Kauffahrer und Kstenfahrzeuge war wohl etwas
     schwcher als die der Kriegsschiffe gleicher Gre. Bei den greren
     war der Unterschied vielleicht nicht sehr bedeutend, da es ja
     gebruchlich war, solche fr den Kriegsdienst gebrauchsfhig zu
     machen   und manche auch wohl als Freibeuter benutzt waren.

  3) Die freiwilligen Schiffe, Eigentum von Privatpersonen, stieen nach
     und nach zur Flotte, als die Armada an der Kste war. Sie und alle
     armierten Kauffahrer wurden whrend der Campagne vom Staate erhalten
     und gelhnt, mit Ausnahme der Schiffe der Stadt London und der
     Kstenfahrzeuge im Osten, welche die Cinqueports gestellt hatten.

An Zahl der greren Kriegsschiffe war die Armada absolut weit berlegen
mit 56 Fahrzeugen ber 500 tons -- dazu noch 4 Galeassen, mchtige
Gefechtsschiffe, und 4 Galeren -- gegen nur 14 auf englischer Seite.
Wesentlich anders stellt sich dieser Vergleich aber schon, wenn wir auf
englischer Seite die Schiffe zwischen 200 und 500 tons, 8 knigliche und
26 Kauffahrer, dazu rechnen; nach ihrer Armierung ist man dazu
berechtigt, da sie hierin den spanischen Schiffen von 500-600, ja auch
vielen von 600-800 tons, gleichstanden.

In der Gre der Schiffe war die berlegenheit ebenfalls auf spanischer
Seite, wenn man die Zahl der Schiffe in den einzelnen Klassen nach
Tonnengehalt gegenberstellt. Fr die Beurteilung der Gefechtskraft ist
dieser Umstand jedoch nicht durchschlagend, weil die englischen Schiffe
alle weit schwerer armiert waren als die spanischen gleichen
Tonnengehalts. Auch boten die groen spanischen Fahrzeuge, die weit hher
ber Wasser waren als die englischen gleichen Tonnengehalts, im
Feuergefecht ein gutes Ziel, ein Nachteil, der durch den Vorteil beim
Enterkampf nicht aufgewogen wurde. Das auf Bildern jener Zeit zum
Ausdruck gebrachte bermchtige Aussehen der Spanier hat gerade frher
zur berschtzung der Armada gefhrt.

Zu dieser relativen berlegenheit der englischen Artillerie an Zahl der
Geschtze trat auch noch die ganz unzweifelhafte an Kaliberstrke,[59] d.
h. es befanden sich auf der englischen Flotte relativ sicher, vielleicht
sogar absolut, mehr Geschtze schwereren Kalibers als auf der spanischen,
wenn auch die Schwche der Spanier in dieser Beziehung nicht so bedeutend
war, wie lngere Zeit angenommen ist. Vor allem aber war die Bedienung
dieser Waffe bei den Englndern weit besser. Die Spanier hielten -- nach
Ausspruch eines spanischen Autors -- das Geschtz fr eine unedle Waffe,
gut genug zur Einleitung des Gefechts bis zum baldigen Kampfe Mann gegen
Mann. Die Pforten waren bei ihnen der Sicherheit gegen Gewehrfeuer wegen
so klein, da die Geschtze nur schlecht gerichtet, namentlich nicht
gengend inkliniert, werden konnten, bei Feuergefecht auf kurze
Entfernung fr die hohen Schiffe den niedrigeren gegenber ein groer
Nachteil. Die Schiffe fhrten nur wenig Munition. Die Bedienung war
instruiert, auf die Takelage zu schieen, um den Feind manvrierunfhig
zu machen und dadurch zum Enterkampf zu kommen; die Feuergeschwindigkeit
war gering. Bei den Englndern war die Artillerie schon zu einer
geachteten Waffe geworden, die Geschtze waren besser lafettiert und
wurden besser und schneller bedient. Man kannte diesen Umstand in Spanien
wohl; Philipp befahl in seiner Instruktion, bei einem Gefecht solle man
den Enterkampf erzwingen, der Feind wrde versuchen, ein Feuergefecht zu
fhren.

  [59] Clowes, Teil I, Seite 561. Colomb, Seite 236 ff. sind diese Punkte
       nher ausgefhrt.

Ebenso wichtig aber wie die berlegenheit im Gebrauch der Artillerie war
die der Englnder in der Bedienung der Schiffe. Hingewiesen ist auf den
groen Unterschied in der Bemannung mit Seeleuten, und sowohl als
Mannschaft wie als Fhrer waren die Englnder tchtiger. Bei den Spaniern
berwogen die Soldaten so sehr, da die Bedienung des Schiffes im Gefecht
in Frage gestellt war, Soldaten kommandierten teilweise die Schiffe. Die
spanischen Fahrzeuge manvrierten infolge ihrer Hhe ber Wasser und
ihrer hohen Kastelle an und fr sich schon schlechter.

Aus allem geht hervor, da die berlegenheit der Armada keineswegs so
bedeutend war, als sie auf den ersten Blick erscheint und lange
angenommen ist. Wenn man dies anerkennt, so tritt man dem Verdienst der
englischen Seeleute nicht zu nahe, die Abwehr der Armada bleibt immer
eine glorreiche Tat; die tchtigsten Fhrer der Englnder waren sich auch
der Strke auf ihrer Seite wohl bewut und haben dies vor dem
Zusammensto ausgesprochen.

$Am 12. Juli hatte die Armada Corua verlassen.$ Am 17. Juli wehte ein
schwerer Sturm, in dem etwa 40 Schiffe versprengt wurden. Der Admiral
sandte am nchsten Tage leichte Fahrzeuge auf dem Kurse nach Lizard
voraus, um nach nrdlich stehenden Schiffen auszusehen; es gelang auch
bis zum 20. Juli die Flotte wieder zu sammeln, nur etwa 9 Segel fehlten.

Am 19. 4^h pm.[60] kam die englische Kste in Sicht. Medina heite eine
Flagge mit Kruzifix, den Bildern der Heiligen Jungfrau und Maria
Magdalenas und ordnete ein allgemeines Gebet an. Nachts sah man die Kste
mit Signalfeuern bedeckt. Die versprengten Schiffe waren nmlich von
Kapitn =Flemyng=, Geschwader Drake, gesichtet; dieser hatte es am 19. in
Plymouth gemeldet. Auf der Armada war Lizard fr Ramhead gehalten, man
glaubte sich also sehr nahe bei Plymouth, lag deshalb whrend der Nacht
von der Kste ab und hielt am 20. einen Kriegsrat, in dem der Beschlu
gefat wurde, die Englnder im Hafen anzugreifen. Htte man Lizard
richtig erkannt und den Kurs whrend der Nacht mit vollen Segeln
fortgesetzt, so wrde man bei dem herrschenden Winde voraussichtlich
imstande gewesen sein, den Feind am 20. whrend des Auslaufens zu
berraschen und zum Enterkampf zu zwingen. Howard hatte zwar sofort nach
dem Eintreffen Flemyngs mit dem Inseegehen begonnen, da aber infolge
starken Gegenwindes die Schiffe gezwungen waren, sich aus dem Hafen zu
warpen, kamen im Laufe des 19. und in der Nacht nur 40-50 Fahrzeuge
heraus, weitere erst whrend des folgenden Tages. Die Spanier hatten die
Nacht vom 19. auf 20. und einen Teil des Tages verloren, auch am Abend
des 20. drehten sie wieder bei, um die Kste zu erkunden. So kam es, da
die Armada am 21. Juli morgens, einige Seemeilen westlich von Eddystone
stehend, etwa 60 englische Segel zu Luward sichtete -- es wehte WNW. --
und einige zehn weiter stlich unter Land, die bestrebt waren, sich mit
der Hauptmacht zu vereinigen, was ihnen auch gelang.

  [60] h = Uhrzeit, am. (Vormittag), pm. (Nachmittag) = Tageszeit.

=Die Armada= segelte in einem groen Halbmonde: das Gros unter Medina in
der Mitte, auf dem zurckgezogenen linken Flgel die Vorhut unter de
Leyva, auf dem rechten die Nachhut unter Recalde; die Spitzen des
Halbmondes sollen 6-7 Seemeilen voneinander entfernt gewesen sein.

  In den Schiffslisten (Clowes) wird de Leyva nicht angefhrt. Er mu
  lter gewesen sein als Recalde, da sein Flottenteil Vorhut genannt wird
  (obgleich er auf dem linken Flgel segelt), und da er spter einige
  Tage Recalde unter seinem Kommando hat.

Eine wrtliche Wiedergabe der genaueren Quellen ber den Verlauf der
spanischen Expedition wrde zu weit fhren; ich beschrnke mich darauf,
die $Ereignisse der Armadawoche$[61] kurz so zu schildern, da die in
taktischer und strategischer Hinsicht wichtigsten Punkte hervortreten:

=Medina-Sidonias= leitender Gedanke war, die Vereinigung mit Parma so
schnell und so ungeschwcht wie mglich herbeizufhren und nur gezwungen
zu fechten; war ein Zusammensto nicht zu vermeiden, den Enterkampf zu
suchen. =Howard= beabsichtigte vorlufig nur, eine Landung des Feindes zu
hindern und ihm mglichst Abbruch zu tun, sich aber sonst nicht frher
ernstlich zu engagieren, ehe er nicht die ganze Streitkraft Englands,
durch Heranziehung der noch berall in der Ausrstung befindlichen
Schiffe und vor allem der Geschwader Winters und Seymours, vereinigt
habe. Wie die Spanier mit den englischen Strken und Schwchen bekannt
waren, so war dies auch umgekehrt bei den Englndern der Fall; fr sie
war also die gegebene Taktik, im Feuergefecht auf wirksamster Distanz,
also bei dem damaligen Stande der Artillerie ziemlich nahe, jedoch unter
Vermeidung des Enterkampfes, den Feind an schwachen Stellen seiner
Formation anzugreifen, sich aber den Abbruch des Gefechtes stets sicher
zu halten.

  [61] In Clowes, Teil I, Kapitel 15, findet man wohl die eingehendste
       Schilderung der Ereignisse an der Hand von wrtlichen Auszgen aus
       A Relation of Proceedings, geschrieben nach den Direktiven
       Howards und aus der spanischen Quelle: Duro, La Armada
       invencible, Madrid 1884/85, worin Berichte Medinas enthalten
       sind.

       Diese von beiden Seiten verfaten Berichte gewhren nebeneinander
       gestellt und sich so ergnzend ein ziemlich klares Bild. Einen
       genauen Verlauf der Aktionen geben sie freilich nicht, das ist fr
       diese frhe Zeit der Seekriegsgeschichte und noch lnger hin auch
       nicht mglich, da in den Seegefechten die Ordnung noch nicht
       aufrecht erhalten wurde. Das Schlachtfeld grerer Flotten bot
       sofort ein groes wechselndes Bild verschiedener Gruppenkmpfe,
       und wissenschaftliche Zusammenstellungen auf Grund genauer
       Einzelberichte wurden noch nicht gemacht.

Dementsprechend erfolgte der erste $Angriff Howards Sonntag den 21. Juli
bei Plymouth$.

  Sonntag, 21. Juli 1588. -- Die englische Flotte steht etwa 70 Segel
  stark zu Luward. Um 9^h am. erffnet Howard die Feindseligkeiten
  dadurch, da er von einem kleinen Schiff einige Schsse als
  Herausforderung auf den Feind abgeben lt, dann greift er mit der
  Flotte an. Er wechselt mit dem feindlichen linken Flgel nur einige
  Schsse auf weitere Entfernungen und segelt quer hinter dem Halbmond
  durch. Drake (Revenge, 43 Kanonen) und Frobisher (Triumph, 42
  Kanonen) greifen mit der Vorhut den rechten Flgel, Recalde (St.
  Anna, 30 Kanonen), an. Recalde und einige seiner Schiffe nehmen das
  Gefecht auf, andere aber drngen zum Gros. Englnder fhren
  Feuergefecht auf nahe Distanz, weichen aber Entern aus; Spanier mssen
  zurck, da im Nachteil. Medina selbst ( St. Martin, 48 Kanonen) dreht
  mit einigen Schiffen bei, um Recalde aufzunehmen, kommt dadurch ins
  Gefecht mit Howard (Ark, 55 Kanonen); als Medina mehr Beistand
  erhlt, bricht Howard das ganze Gefecht ab; die Spanier rangieren und
  setzen die Reise fort. Dabei erleidet ein groes Schiff N. S. del
  Rosario (46 Kanonen, Flaggschiff von Andalusien) so schwere Havarie,
  da es in der Nacht zurckgelassen werden mu. Ein zweites Schiff S.
  Salvador (25 Kanonen, zweites Flaggschiff von Guipuscoa) wird durch
  Explosion (Unglck oder Rachetat eines flmischen Geschtzmeisters) so
  beschdigt, da es am 22. verlassen werden mu. Beide Schiffe fallen
  den Englndern in die Hnde.

In dem etwa achtstndigen Gefecht errang Howard einen kleinen Erfolg; die
spanischen Schiffe hatten mehr gelitten, zwei Flaggschiffe waren gar
verloren. Wichtiger aber war der moralische Erfolg. Die Englnder sahen
ihre Annahmen praktisch besttigt: ihre Schiffe waren handlicher,
ihre Artillerie besser. Die Spanier hatten bei der geringen
Inklinationsfhigkeit ihrer Geschtze meist zu hoch geschossen und
nirgend den Enterkampf erzwingen knnen, die Englnder hatten die hohen
Ziele getroffen. Wie beabsichtigt, war Howard, der zur Zeit noch nicht
einmal alle Schiffe aus Plymouth bei sich hatte, imstande gewesen,
abzubrechen und ein allgemeines Gefecht zu vermeiden. Der Mierfolg
wirkte auf die Armada niederdrckend. Wenn auch offizielle Berichte
darber schweigen, so geht es doch aus dem Benehmen einzelner Schiffe
Recaldes hervor und tritt auch schon in Privataufzeichnungen zu Tage; auf
englischer Seite hob der Erfolg die Stimmung.

Die Armada setzte ihren Kurs fort, die Englnder folgten. Da sie aber in
der Nacht die Fhlung unter sich und mit dem Feinde verloren, kam es am
$Montag den 22. Juli$ zu keinem Zusammensto.

  Drake hatte Befehl, whrend der Nacht am Feinde zu bleiben.
  Irregeleitet durch einige deutsche Kauffahrer, die er fr Spanier
  hielt, verliert er die Fhlung und dadurch ein groer Teil der brigen
  Flotte ebenfalls. Nur Howard selbst bleibt mit einer Gruppe am Feinde;
  erst am Abend des 22. ist die Flotte wieder vereint. Drake nimmt aber
  mit einer Gruppe seiner Kauffahrer an diesem Tage die erwhnte
  Rosario, und die S. Salvador wird verlassen aufgefunden; beide
  werden nach England eingebracht.

Medina ndert an diesem Tage seine Formation. Er bildet aus Vorhut und
Nachhut eine strkere Nachhut unter de Leyvas Befehl, 43 der besten
Schiffe, darunter die 4 Galeassen, um so jeden Angriff besser abschlagen
und mit dem Gros den Marsch unbehindert fortsetzen zu knnen. Auerdem
befiehlt er allen Kommandanten bei Strafe des Hngens, die befohlenen
Posten zu halten. Er sendet Nachricht an Parma ber die Position der
Armada.

In der Nacht vom 22./23. Juli wurde es fast windstill. Die 4 Galeassen
erhielten Befehl, dies zu einem Vorsto gegen einige von der englischen
Flotte getrennte Schiffe zu benutzen. Sie erreichten jedoch nichts,
wahrscheinlich aus Mangel an Schneid.

Nach der flauen Nacht sprang der Wind $Dienstag den 23. Juli$ auf NO.,
als sich die Flotten auf der Hhe von $Portland$ befanden. Nun stand die
Armada zu Luward, und Medina hoffte, den Enterkampf erzwingen und dem
Feinde einen empfindlichen Schlag zufgen zu knnen. Whrend die
Englnder manvrierten, um die Luvstellung wieder zu gewinnen, griff er
an.

  Dienstag den 23. Juli. -- Wind NO. Beide Flotten liegen ber B. B. Bug.
  Die Englnder wenden, die Spanier halten zum Angriff ab. Es entspinnen
  sich verschiedene Gruppenkmpfe. Eine englische Gruppe unter Frobisher
  (Triumph und Kauffahrer), etwas getrennt in Lee stehend, wird hart
  bedrngt durch die Galeassen, andere englische Gruppen eilen zur
  Untersttzung herbei, aber auch von spanischer Seite kommt Hilfe. Der
  wieder auf SO. und dann SW. drehende Wind bringt die Englnder in die
  Luvstellung, so da es Howard mglich ist, eine Gruppe der besten
  Kriegsschiffe in guter Ordnung auf diesen wichtigen Kampfplatz zu
  fhren, und die Spanier mssen, obgleich auch Medina mit einer Anzahl
  der besten Schiffe seines Geschwaders (Portugal) hier eintrifft, nach
  mehrstndigem, heftigem Kampfe abhalten. Die Englnder hatten wieder
  den Enterkampf vermeiden knnen, aber auch sie hatten diesmal schwer
  gelitten und waren knapp an Munition geworden. Nach dem spanischen
  Berichte waren sie es, die das Gefecht abbrachen.

Das Gefecht bei Portland brachte keiner Partei einen taktischen oder
strategischen Erfolg; bemerkenswert ist es aber, da Medina es jetzt doch
fr ntig gehalten hat, die englische Flotte bei gnstiger Gelegenheit
schon vor der Vereinigung mit Parma zu schlagen, und seinerseits angriff.

Nach dem Gefechte, das vom Morgen bis zum Abend gedauert hatte, setzte
die Armada in guter Ordnung die Reise fort; die Englnder folgten scharf,
aber sie unternahmen $Mittwoch den 24. Juli$, wohl wegen
Munitionsmangels, nichts von Bedeutung. Howard teilte an diesem Tage
seine Flotte, jetzt wohl 120 Segel stark, in vier Geschwader, unter
seinem, Drakes, Frobishers und Hawkins Befehl stehend; auch sandte er
kleinere Fahrzeuge und Boote an Land, um von den Kstenkastellen
Munition, sowie Leute und Proviant zu holen. Die spanische Nachhut wurde
wieder in die ursprnglichen Geschwader Leyvas und Recaldes geteilt. Am
$Donnerstag den 25. Juli$ war es fast still, die Flotten standen auf der
Hhe der $Insel Wight$. Um das zurckgebliebene Schiff des Admirals
Recalde entspann sich an diesem Tage ein Gefecht, woran sich nach und
nach eine groe Zahl der grten Schiffe von beiden Seiten beteiligte, so
da es der blutigste der bisherigen Zusammenste gewesen zu sein
scheint. Dabei waren bei der zeitweilig vlligen Stille verschiedene
Schiffe gentigt, sich ins Gefecht oder in gnstige Windposition durch
ihre Boote schleppen zu lassen. Wiederum brachen die Spanier das Gefecht
ab, als zunehmende Brise die Aussichten der Englnder erhhte; auch
Howard stand von weiterem Kampfe ab, im Hinblick auf seinen
Munitionsmangel und in der Aussicht auf die nun bald bevorstehende
Vereinigung mit den stlichen Streitkrften.

An diesem Tage sandte Medina einen Boten an Parma mit der Bitte, sich so
bereit zu halten, da die Vereinigung spter ohne jeden Verzug vor sich
gehen knne.

  Donnerstag den 25. Juli. -- St. Anna und eine groe portugiesische
  Galeon waren infolge frher erlittener Gefechtshavarien
  zurckgeblieben. Frobisher lt sich mit einer Gruppe durch Boote an
  diese Schiffe bis auf Musketenschuweite heranschleppen. Geschleppt
  oder mit eigenen Riemen kommen de Leyva und die Galeassen
  spanischerseits, Howard mit einer Gruppe Kriegsschiffen anderseits
  heran. Heftiges Gefecht auf nahe Entfernung; nach spanischen Angaben
  braucht Howard zum ersten Male seine unterste Batterie, wahrscheinlich
  war dieses vielen Schiffen, auch spanischen, bisher wegen Wind und See
  nicht mglich gewesen. Als etwas Wind aufkommt, greift eine grere
  Anzahl groer Spanier ein und befreit ihre Landsleute, ja Howard selbst
  wird hart bedrngt. Schon hoffen die Spanier dieses Mal zum Enterkampf
  zu kommen, aber der Wind frischt zugunsten der Englnder auf. An
  anderen Stellen sind die Flotten gleichfalls aneinander gestoen;
  Frobisher und einige andere Kriegsschiffe knnen sich einer ungnstigen
  Leestellung auch nur durch Tauenlassen entziehen.

Das Gefecht bei Wight brachte wieder keine Entscheidung, aber die
Englnder hatten doch neue Erfolge zu verzeichnen: das Schiff Recaldes
war gentigt, nachdem der Admiral von Bord gegangen, die Armada zu
verlassen, es strandete spter an der franzsischen Kste; auch sonst
hatten die Spanier mehr gelitten. Sie setzten aber doch ihre Fahrt in
guter Ordnung fort und wurden $Freitag den 26. Juli$ nicht angegriffen.
Howard erhielt an diesem Tage Munition und Mannschaften, auch neue
Schiffe stieen zu ihm. Medina sandte wieder einen Boten an Parma und bat
um Munition und um 40 leichte Segler, um die beweglicheren Feinde
leichter festhalten zu knnen; vor allem forderte er, Parma mge beim
Erscheinen der Armada vor Dnkirchen sofort herauskommen.

  Howard rief am Freitag fnf seiner Fhrer an Bord und schlug sie zum
  Ritter, unter ihnen Frobisher und Hawkins.

  Plymouth, Portland und Wight waren die Orte, wo man in England
  besonders Landungen gefrchtet hatte, und doch ist es wohl Zufall, da
  gerade hier die drei groen Gefechte stattfanden. Medina dachte an
  keine Landung und Howard verfolgte bis hierher nur dieselbe Taktik,
  zurckgebliebene oder ungnstig stehende Feinde mit bermacht
  anzugreifen. Er hatte Erfolg damit; wenn dem Gegner auch keine groen
  Verluste beigebracht waren, so wurde er doch mrbe gemacht. Jetzt
  fehlten schon 4 groe Schiffe (eigener Ausspruch Howards: we pluck
  their feathers little by little), whrend die englische Macht stndig
  wuchs.

  Wenn Medina bei Wight ein greres Gefecht annahm, so hatte dies darin
  seinen Grund, da er hoffte, zum Enterkampf zu kommen, und er wurde
  vielleicht auch dadurch in seinem Entschlu bestrkt, da es der Tag
  St. Dominiks, seines Schutzpatrons, war; die Absicht, bei Wight liegen
  zu bleiben, bis Parma fertig sei, hatte er jetzt schon aufgegeben.

Auch $Sonnabend den 27. Juli$ griffen die Englnder nicht an. Um 4^h pm.
bekam die Armada die franzsische Kste bei Boulogne in Sicht und hielt
auf Calais zu. Medinas Lage war bedenklich. Noch immer war keine Antwort
von Parma eingetroffen und die Lotsen erklrten, man wrde bei
Fortsetzung des Kurses durch die Strmung bei Dnkirchen vorbei in die
Nordsee getrieben werden. Der Admiral ankerte deshalb am Abend zwischen
$Calais$ und den vorliegenden Bnken und sandte als letzten Boten seinen
Sekretr an Parma mit der dringenden Aufforderung, sofort zu kommen, bei
lngerer Zgerung sei die Vereinigung, ja selbst die ganze Flotte aufs
uerste gefhrdet. Der franzsische Gouverneur von Calais, mit dem
Medina in Verbindung getreten war, um sein Erscheinen an der Kste zu
rechtfertigen, lie nmlich sagen, der Ankerplatz sei sehr unsicher und
gefhrlich. Die Englnder hatten auf Kanonenschuweite geankert und
erhielten am Abend die Verstrkung durch die Geschwader Winters und
Seymours, etwa 36 Schiffe, worunter 5 groe Kriegsschiffe, so da sie
jetzt zwischen 140 und 200 Segel stark waren. Die Entscheidung mute
fallen, denn auch fr Howard war es jetzt die hchste Zeit, der
spanischen Vereinigung entgegenzutreten, und sie fiel.

Zunchst wurde die Armada in der Nacht vom $Sonntag den 28. Juli$ auf
Montag durch einen Angriff mit Brandern von ihrem Ankerplatz vertrieben.

  Schon am 27. hatte Howard nach Besprechung mit Winter beschlossen, den
  Feind zu Anker mit Brandern anzugreifen. Da Brander aus Dover, nach
  denen man sofort gesandt hatte, doch wohl zu spt angekommen wren,
  lie er am 28. acht seiner schlechtesten Schiffe zu diesem Zweck
  herrichten. Medina hatte einen solchen Angriff vorausgesehen und
  angeordnet, Schiffe und Boote zum Abschlagen bereit zu halten. Um
  Mitternacht des 28. griffen die Brander an und hatten vollen Erfolg.
  Medina gab Befehl, Anker zu lichten, auszuweichen und wieder zu ankern.
  Ihm und einigen anderen Schiffen gelang dieses Manver, sonst aber trat
  Verwirrung mit vielen Kollisionen ein. Zwei Schiffe verbrannten, eine
  Galeasse kam havariert auf Grund, der grte Teil der Flotte trieb mit
  dem Strom die Kste entlang nach Gravelines zu, so da der Admiral bei
  Tagesanbruch mit dem Reste folgen mute.

Am 28. waren nun auch, morgens und abends, Nachrichten der zwei letzten
Boten eingetroffen, die aussagten: Parma selbst sei nicht in Dnkirchen,
noch sei nichts eingeschifft, an ein Auslaufen des Transports sei vor
vierzehn Tagen nicht zu denken, da die Transportfahrzeuge leck und auch
sonst die Vorbereitungen nicht fertig seien. Andere Untersttzung, die
gewnschten leichten Schiffe, war infolge der Blockade durch die
Hollnder auch nicht zu erwarten.

$Montag den 29. Juli$ sah sich Medina auf der Hhe von $Gravelines$
gentigt, die =entscheidende Schlacht= anzunehmen. Als er Calais verlie,
hatte sich =Howard= zwar zuerst, der alten Taktik folgend, mit dem
Versuch aufgehalten, die gestrandete Galeasse durch Boote zu nehmen.
=Drake= aber hatte sofort erkannt, da es jetzt, so dicht vor Dnkirchen
und den andern Hfen Parmas, ntig sei, den entscheidenden Schlag zu
fhren. Er folgte der Armada mit vollen Segeln und die anderen Geschwader
schlossen sich an. Es wehte stark aus NW., nahezu auflandig, ein
Ausweichen vor dem Kampfe mit raumem Winde wrde die Armada auf die
Untiefen vor Dnkirchen gefhrt haben. =Medina=, der die
Halbmond-Formation leidlich gut hergestellt hatte, gab deshalb den
Befehl, so hoch wie mglich an den Wind zu gehen; damit mute er sich dem
Feinde stellen. Um 9^h am. begann die Schlacht auf der ganzen Linie.
Drake, Frobisher und Hawkins greifen mit ihren Geschwadern den
feindlichen linken Flgel, Winter und Seymour den rechten und Howard bald
darauf die Mitte an. Die feindlichen Flgel werden auf die Mitte
gedrngt, durch Manver auf beiden Seiten zur Untersttzung besonders
bedrohter Schiffe geht bald jede Ordnung verloren. Auf Pistolenschuweite
wird gefochten; die Spanier, besonders die groen Schiffe, kmpfen
tapfer, sie werden aber furchtbar zerschossen und knnen teilweise bald
wegen Munitionsmangels nur noch mit Kleingewehrfeuer antworten;
Enterversuche gelingen nicht.

Um 6^h pm., nunmehr frei von den nchsten Untiefen, hielt Medina nach
schweren Verlusten ab. Die Englnder hatten kein Schiff verloren, aber
auch sie, ermdet und teilweise ohne Munition, brachen den Kampf ab; von
der Gre des Erfolges, von der jetzt auf der Armada herrschenden
Niedergeschlagenheit, von dem Umfange des Munitionsmangels beim Gegner
hatten sie zunchst noch nicht volle Kenntnis.

  Howards Boote hatten die gestrandete Galeasse (S. Lorenzo) geentert
  und ausgeplndert; Versuche sie flott zu machen und in Besitz zu
  nehmen, hinderten die Franzosen, weil sie in ihrem Hoheitsgebiet lag.
  In der Schlacht und am folgenden Tage sollen die Spanier etwa 16
  Schiffe mit 4000-5000 Mann verloren haben; 2 groe Galeonen (S.
  Felipe, 40 Kanonen und S. Marteo, 34, Geschwader Portugal) fielen
  havariert den =Hollndern= in die Hnde, die sich nach oder schon
  whrend der Schlacht an der Vernichtung der Spanier beteiligten.

Nach spanischem Bericht soll =Medina= $Dienstag den 30. Juli$
beabsichtigt haben, nochmals an den Feind zu gehen, um im Kanal bleiben
oder doch den Rckweg durch ihn einschlagen zu knnen, aber die Lotsen
htten erklrt, es sei nicht mglich, es msse alles getan werden, um die
Flotte frei von der Kste Seelands zu halten. Aus demselben Grunde htten
auch die Englnder an diesem Tage von einem Angriff abgesehen; es ist ja
auch auffallend, da sie ihre Erfolge nicht sofort weiter ausntzten.
Medina lie so hoch wie mglich am Winde (NW.) steuern, bis ein Drehen
des Windes auf SW. gestattete, abzuhalten; beschdigte Schiffe
mitzunehmen, war nicht mglich.

Ein Kriegsrat am 30. Juli entschied: da -- mit Rcksicht auf die
erlittenen Beschdigungen und Verluste, sowie den Munitionsmangel -- bei
der Verzgerung Parmas die Landung in England aufgegeben werden msse,
da ein Zurckgehen in den Kanal nur bei Eintritt gnstigen Windes
mglich sei, andernfalls msse man die Armada durch die Nordsee nach
Spanien fhren. =Die Aufgabe der Armada hatte man also fallen lassen, und
war nur noch auf ihre Rettung bedacht=; da der sdliche Wind auffrischte,
steuerte Medina zunchst in die Nordsee.

Zu Gefechten kam es nun nicht mehr. =Howard= folgte, entlie aber am 31.
Juli die Geschwader Winters und Seymours, um die Bewachung der Themse und
der Doverstrae wieder zu bernehmen. Der spanische Bericht sagt, die
Armada habe gute Ordnung gehalten; die Englnder htten am 31. Juli, am
1. und 2. August Versuche, die Nachhut anzugreifen, aufgegeben, sobald
das Gros Miene gemacht habe, das Gefecht aufzunehmen; am 2. August habe
der Gegner die Verfolgung abgebrochen. Howard ging tatschlich an diesem
Tage, auf 55 N. stehend, nach den Downs, Harwich und Yarmouth zurck,
nur einige Pinassen bis zu den schottischen Inseln am Feinde lassend. Er
war der berzeugung geworden, da die Armada keine Unternehmungen in
Schottland im Auge habe, und da ihre Kraft gebrochen sei. Medina hat
noch bis zum 10. August die Absicht gehabt, bei gnstigem Winde den
Rckweg durch den Kanal zu nehmen. Als er aber erst am 11., an der
Nordspitze Schottlands angelangt, Nordostwind bekam, beschlo er, um
Schottland und Irland zu segeln; er hoffte auch wohl, an diesen Ksten
seine notleidenden Schiffe mit Wasser und Proviant versehen zu knnen.

Diese $Rckfahrt$ -- durch unbekannte Gewsser ohne gute Karten und
Lotsen, mit schwer beschdigten Schiffen, ungengender seemnnischer
Besatzung, vielen Verwundeten und Kranken -- brachte der Armada weitere
schwere Verluste durch hhere Gewalt. Nach englischer Angabe soll whrend
der Fahrt stets schlechtes Wetter geherrscht haben und es sollen zwei,
fr die Jahreszeit ungewhnlich starke, Strme aufgekommen sein. Mit kaum
der Hlfte seiner Schiffe lief Medina-Sidonia Ende September in spanische
Hfen ein.

  Eine groe Zahl der Schiffe strandete an den Ksten und den
  vorliegenden Klippen, namentlich in Irland. Von vielen greren wei
  man die Strandungsstelle (vgl. Clowes, Teil I). Der Gouverneur von
  Connaught meldete am 1. Oktober nach London, in seinem Bezirke seien
  mindestens 16 Schiffe mit 6000-7000 Mann untergegangen, 1000 Mann, die
  sich an Land gerettet, seien gettet. Ein Mann vom S. Juan (50
  Kanonen, Flaggschiff Recaldes seit dem 24. Juli), der bei einem
  Versuche, mit Gewalt Wasser zu nehmen, gefangen war, sagte aus, auf
  seinem Schiff, einem der bestausgersteten, seien tglich 3-4 Mann an
  Hunger und Durst, andere an Krankheit gestorben, bis zu seiner
  Gefangennahme im ganzen 200. Admiral de Leyva strandete nacheinander
  mit 3 Schiffen, beim dritten Male ertrank er.

Nach den spanischen Angaben $hat die Armada$ von 128-130 Segeln 63
$verloren$, nmlich: 26 Galeonen oder Schiffe, 3 Galeassen, 1 Galere, 13
groe Transporter, 20 leichte Schiffe. Davon sind 2 dem Feinde
berlassen; 3 bei Calais, 2 an der Kste Hollands, 2 bei Gravelines, 19
auf der Rckfahrt gestrandet; 35 verschollen. Mit diesen Schiffen und
sonst im Gefecht oder an Krankheiten sind an 20000 Mann umgekommen. Die
Englnder verloren einige Hundert Mann, aber kein Schiff und keinen
Gefangenen.

Jahrelang war die Armada vorbereitet worden, in einer Woche des Kampfes
war sie aus dem Felde geschlagen, in drei Monaten nahezu vernichtet und
mit ihr das Prestige Spanien-Portugals zur See.

$Grnde des Mierfolges der Armada.$ Am 11. August sandte =Medina= einen
Bericht an Philipp II., worin er das Aufgeben der Expedition meldete:
Seine Flotte sei zum grten Teile versprengt, die Schiffe seien ohne
Munition, die Besatzungen ohne Vertrauen. Er fgt hinzu, die englische
Flotte habe mit ihrer eigentmlichen Kampfweise ihre berlegenheit
bewiesen, ihre Strke lge in Seemannschaft und Artillerie; die spanische
Strke, der Enterkampf mit Handwaffen, htte nicht zur Geltung gebracht
werden knnen. Wenn wir noch die bessere Kenntnis der Gewsser und
Strmungen seitens der Englnder hinzufgen, so sind damit die taktischen
Grnde der spanischen Niederlage erschpft.

Die strategischen Grnde des Fehlschlagens der Expedition sind bei der
Besprechung des spanischen Kriegsplanes hervorgehoben (S. 116 ff.). Zu
ihnen mu man auch -- er ist gewissermaen auch taktischer Natur -- den
Umstand rechnen, da Medina nicht ernstlich versucht hat, die anfangs
noch schwachen englischen Streitkrfte durch eigenen Angriff oder
wenigstens durch energische Durchfhrung der ihm aufgedrungenen Gefechte
zu vernichten; dieser Fehler entsprang den falschen strategischen
Dispositionen. In dieser Hinsicht mchte ich aber einen Punkt berhren,
der meines Erachtens nach in keiner Quelle gengende Beachtung gefunden
hat, nur von Colomb[62] wird er angedeutet. Verboten war Medina ein
solches Vorgehen nicht, ja es war sogar darauf hingewiesen, allerdings
vielleicht wegen Unterschtzung des Gegners und berschtzung der Armada
nur sehr oberflchlich. Hat Medina nicht die allgemein und unbestimmt
gehaltenen Dispositionen und Orders falsch ausgelegt oder sich zu sehr an
den Buchstaben gehalten? Ist nicht gerade ihm der Vorwurf zu machen, da
er selbst stets die berfhrung des Transportes in Gegenwart der intakten
feindlichen Flotte fr mglich hielt? Es sollen zwar noch weitere
Instruktionen von Philipp an Medina und Parma erlassen sein, die verloren
gegangen sind. Aber es ist doch wohl anzunehmen, da diese sich auf
andere Sachen bezogen haben, oder da in ihnen auf untergeordnete Punkte
des Hauptplanes nher eingegangen ist, nicht aber da sie die Hauptsachen
gendert haben, denn Medinas Handeln entspricht doch zu genau der
bekannten Instruktion. Aber selbst wenn in ihnen das Vermeiden des
Kampfes noch schrfer hervorgehoben sein sollte, htte doch Medina nach
seinen Erfahrungen auf der Reise die Notwendigkeit des energischen
Niederkmpfens der englischen Seestreitkrfte einsehen und anstreben
mssen.

  [62] Auch Colomb gibt eine kurze Schilderung der Armada-Affre,
       besonders aber, dem Hauptzwecke seines Werkes entsprechend,
       kritische Betrachtungen in Hinsicht auf Vergleichung der
       Streitkrfte, auf Taktik und Strategie.

                    *       *       *       *       *

$Nach der Abwehr der Armada$ brach sich in $England$ der von den
tchtigsten Seeleuten lngst vertretene Gedanke Bahn, den Krieg mit aller
Kraft in die feindlichen Gewsser zu verlegen und damit alle weiteren
Unternehmungen des Feindes im Keime zu ersticken. Es beginnt die Reihe
von staatlichen und privaten Kriegszgen, oft kaum auseinander zu halten,
gegen Spanien, auf die wir frher (Seite 82) hingewiesen haben. Schon im
April 1589 verlie eine Flotte von 80 Segeln -- nach anderen Quellen 146
-- unter =Drake= mit 11000 Mann Landungstruppen unter =Sir John Norreys=
den Hafen von Plymouth. Die Expedition war nur zum kleinsten Teil (6
Kriegsschiffe) von der Knigin ausgerstet, sonst von Privatpersonen. Sie
wandte sich $gegen Portugal$, da man dort am wahrscheinlichsten die
Aufstellung einer neuen Armada erwarten mute; auch sollte sie den nach
England geflchteten Kronprtendenten Dom Antonio als Knig einsetzen.
Die Armee wurde gelandet, man plnderte Corua und Peniche und
marschierte nach Lissabon. Nach vergeblicher Belagerung dieser Stadt
schiffte man das Landungskorps in Cascais an der Mndung des Tajo, wohin
die Flotte gesegelt war, wieder ein und kehrte nach England zurck.
Wesentliches, besonders in der Sache Dom Antonios, wurde nicht erreicht;
Landungskorps und Schiffe waren zu schwach und nicht gengend ausgerstet
gewesen, um das wohlbefestigte Lissabon zu nehmen. Der dem Feinde
zugefgte Schaden dagegen war betrchtlich; in Cascais und auf der
Rckfahrt wurden viele Schiffe genommen, darunter 15 mit Mannschaften und
60 hanseatische mit Proviant und Kriegsmaterial; alles war fr
Aufstellung einer neuen starken spanischen Flotte bestimmt.

In demselben Jahre begannen die $Privatunternehmungen gegen den Handel$
und die Kolonien Spaniens in groem Mastabe. Die berhmtesten sind die
des Abenteurers =George Clifford, Earl of Cumberland=. Schon vor der
Armada hatte er zwei solcher Zge unternommen, jetzt folgte im Juni 1589
ein dritter mit 7 Segeln, darunter ein von der Knigin geliehenes
Kriegsschiff. Er brachte Schiffe an der Kste Portugals und bei den
Azoren auf, nahm sogar die Stadt St. Michael und plnderte sie.

Fast jhrlich folgen sich nun die Unternehmungen, teils mit, teils ohne
Untersttzung der Krone: 1591 fhrte Cumberland 8 Schiffe hinaus; 1592 =
5; 1593 = 8; 1594 = 5 usw., bis er im Jahre 1598 seinen elften und
letzten Zug mit 20, nur eigenen, Schiffen bis nach Westindien ausdehnte
und dadurch in diesem Jahre sowohl die Ausfahrt wie die Heimfahrt der
Silberflotten verhinderte; ein Ausfall, der in Spanien stets auf das
schwerste empfunden wurde. Viele andere Mnner, teilweise berhmte Namen
der kniglichen Marine, wie Raleigh und Frobisher, taten gleiches.[63]
Unternehmungen gegen die Schtze der Spanier und Portugiesen mit
Geschwadern oder einzelnen Schiffen waren bis zum Friedensschlu 1604 ein
Hauptreiz fr abenteuerlustige englische Seeleute. Nicht nur auf den
Nordatlantik beschrnkten sie sich, in Brasilien wurden Bahia (1586),
Santos (1591), Recife (1595) geplndert; auch die erwhnten Entdeckungs-
und Kolonisationsreisen waren mit Angriffen auf feindliches Eigentum
verbunden. Welch eine Schdigung des Feindes und welch eine Bereicherung
des eigenen Landes mute dieser jahrelange kleine Krieg herbeifhren;
fiel doch z. B. 1590 englischen Kreuzern ein spanisches Schiff von drei
Millionen Mark Wert in die Hnde!

  [63] Clowes, Teil I, und Zimmermann (Teile: England und Spanien)
       schildern diese Zge, ebendort Genaueres ber die gleich zu
       besprechenden Zge mehr militrischer Natur.

Auch der $groe Krieg$ wurde jetzt $in den feindlichen Gewssern$
gefhrt. 1590 wurden zwei Geschwader von zusammen 10 Kriegsschiffen unter
=Lord Thomas Howard= und =Sir Martin Frobisher= entsandt. Sie machten
zwar keine reiche Beute, aber ihr Erfolg lag darin, da auch in diesem
Jahre die Silberflotte in Westindien zurckgehalten werden mute. Die
Geschwader kreuzten 7 Monate ununterbrochen im Atlantik, ein erster
Beweis fr die zunehmende Leistungsfhigkeit der Kriegsschiffe. Ein im
Jahre 1591 unternommener Versuch, mit 7 Schiffen die Silberflotte
abzufangen, milang infolge rechtzeitigen Eintreffens einer
entgegengeschickten spanischen Flotte, doch zeigte der Zusammensto mit
dieser weit strkeren aufs neue die berlegene Tchtigkeit der englischen
Seeleute.

Noch erfolgloser, ja unglcklich, war eine grere Expedition 1595. 26
Schiffe mit Landtruppen -- teils auf Kosten der Krone, teils von
Kaufleuten ausgerstet; nur 6 Kriegsschiffe waren darunter, da man wegen
Anwesenheit spanischer Schiffe in Brest nicht mehr missen konnte -- unter
=Drake= und =Hawkins= segelten nach Westindien. Man hatte die Absicht,
Nombre de Dios zu nehmen, ber den Isthmus von Panama zu marschieren und
sich an der Westkste der dort zur Heimsendung gesammelten Schtze zu
bemchtigen. Verzgerungen der Abfahrt und auf der Reise lieen das
Unternehmen scheitern. Die Spanier waren berall benachrichtigt und
vorbereitet, der dem Feinde durch Brandschatzung und Zerstrung einiger
Stdte zugefgte Schaden wog die Kosten nicht auf und vor allem nicht den
Verlust der beiden bewhrten Fhrer, die an Krankheit starben. Die Flotte
mute nach einem heien, unentschiedenen Gefecht mit starken spanischen
Streitkrften bei Kuba nach England zurckkehren.

Trotz dieser Mierfolge und obgleich der Krieg der Staatskasse groe
Summen kostete -- schon bis 1592 hatten die Kosten 1 200 000 Lstrl.
betragen --, blieb Elisabeth in der Offensive. Spaniens Seemacht hatte
sich nach und nach wieder erholt und England befrchtete neuen Versuch
einer Invasion (in Irland?) um so mehr, da 1596 Calais in die Hnde der
Spanier[64] gefallen war.

  [64] Im Kriege Spaniens gegen Frankreich, als jenes bei der
       Thronbesteigung Heinrichs IV. die Gegenpartei untersttzte; Calais
       fiel beim Friedensschlu wieder an Frankreich.

Um eine solche im Keime zu ersticken, wurde 1596 eine Flotte unter
gemeinsamer Fhrung des Lordhighadmirals =Charles Howard of Effingham=
und des =Grafen Essex= ausgerstet; beide Fhrer waren als
Jointadmirals koordiniert, wie es spter bei der Marine der Republik
gebruchlich wurde; als Vizeadmiral fungierte Thomas Howard, als
Kontreadmiral Raleigh. Den Kern der Flotte bildeten 17 englische
Kriegsschiffe -- darunter 1 zu 700 tons, 50 Kanonen; 2 zu 600 tons, 39
und 29 Kanonen; 4 zu 500 tons, 30-60 Kanonen; 2 zu 400 tons, 41 Kanonen
--, hinzu traten 24 hollndische Schiffe -- darunter 18 von 2-400 tons,
16-24 Kanonen -- unter Admiral van Duijvenvoorde und viele armierte
Kauffahrer; einschlielich der Transporter war die Flotte 150 Segel mit
6772 Seeleuten und 7360 Soldaten stark. Den Oberbefehl hatten die
englischen Fhrer. Ihre Instruktion lautete: die Strke der feindlichen
Rstungen erkunden; Schiffe und Material fr diese zerstren;
unbefestigte Stdte, in denen Beute zu machen wre, nehmen; heimkehrende
reiche Schiffe aufbringen -- alles dieses, ohne zu viel aufs Spiel zu
setzen.

Der erste Schlag der $Cadiz-Expedition$, wie sie spter genannt wurde,
glckte. Sie segelte am 1. Juni 1596; eine Vorpostenkette, die alle
gesichteten Schiffe nahm, bewirkte, da sie, ohne gemeldet zu sein, am
20. Juni Cadiz erreichte. Die Stadt wurde genommen, viele Schiffe wurden
im Hafen zerstrt, eine Kontribution erhoben und auch sonst reiche Beute
gemacht. Der Schaden der Spanier soll 2 Millionen Dukaten betragen haben.

  Es war beabsichtigt, auf der westlichen Spitze der Insel Leon, auf der
  die Stadt liegt, zu landen. Auflandiger Wind, hohe See sowie einige
  starke, unter dem Schutz der Batterien dort liegende Galeren machten es
  unmglich. Nun wurde am 21. Juni die Hafeneinfahrt forciert trotz des
  heftigen Feuers genannter Galeren, anderer weiter binnenliegender sowie
  der Forts und Batterien. Die Englnder trieben die Masse der sonstigen
  feindlichen Schiffe in den inneren Hafen, schossen sie in Grund oder
  verbrannten sie; andere wurden von den Spaniern selbst verbrannt. Die
  Hollnder bombardierten und nahmen das die Einfahrt deckende Fort
  Puntal. =Essex= landete, zerstrte die Zuazo-Brcke, die einzige
  Verbindung mit dem Festlande, und strmte dann die Stadt. Nur wenige
  Schiffe konnten sich durch den Kanal, der stlich von der Insel Leon
  ins offene Meer fhrt und nur durch ein englisches Schiff bewacht
  wurde, retten. Zwei groe Schiffe wurden genommen, die als St.
  Matthew und St. Andrew noch lange zu den grten der englischen
  Marine zhlten.

[Illustration: Der Hafen von Cadiz 1596.]

Weitere Erfolge wurden aber nicht erzielt, man kehrte nach England
zurck. =Essex= und =Duijvenvoorde= wollten Cadiz besetzen und halten, um
von dort weiteres an der Kste zu unternehmen oder doch bei den Azoren
die Silberflotte abzufangen; sie wurden jedoch von den anderen Fhrern
berstimmt.

So war denn auch der Erfolg der Expedition kein dauernder. Schon im
Frhjahr 1597 lief eine spanische Flotte mit Truppen fr Irland bestimmt
aus, und zwar so geheim und schnell ausgerstet, da sie wahrscheinlich
ihr Ziel erreicht haben wrde, wenn sie nicht durch schwere Strme zur
Rckkehr gezwungen wre. Um neue Rstungen zu verhindern, stellte England
eine neue Flotte auf -- Admiral =Graf Essex=, Vizeadmiral Thomas Howard,
Kontreadmiral Raleigh --, hnlich zusammengesetzt wie 1596, auch 10
Hollnder unter Duijvenvoorde befanden sich wieder dabei. Sie sollte die
Sammelpltze Corua und Ferrol angreifen und sich dann einer der Azoren
als Sttzpunkt zeitweise zum Abfangen der Silberflotte bemchtigen. Aber
auch sie wurde nach ihrem Auslaufen im Juli 1597 durch Sturm
zurckgetrieben, erst am 17. August ging sie aufs neue in See. Da sie
jedoch zu nahe an der Kste segelte und gesichtet wurde, war ein
berraschendes Auftreten ausgeschlossen. Sie ging deshalb gleich nach den
Azoren und lie so den spanischen Streitkrften die englischen Gewsser
in ihrem Rcken frei. Diese benutzten auch die Gelegenheit, auszulaufen
mit der Absicht, sich eines westlichen englischen Hafens zu bemchtigen,
um ihrerseits einen Sttzpunkt fr Operationen in Irland sowie gegen die
englische Expedition auf ihrer Rckkehr zu gewinnen, aber wiederum
zerstreute sie ein Sturm. Diese drei Fehlschlge von Flotten in einem
Jahre zeigen wieder die Unzulnglichkeit des damaligen Schiffsmaterials
und, da man im allgemeinen doch noch kein rechtes Vertrauen zu ihm
besa.

=Essex plnderte einige der Azoren=, hielt sie zeitweise besetzt, und
Teile seiner Flotte kreuzten in der Nhe der Inselgruppe; infolge
glcklicher Umstnde gelang es aber der 40 Segel starken Silberflotte,
unbemerkt in den wohlbefestigten Hafen von Angra auf Terreira
einzulaufen. Ein Versuch, sich ihrer dort zu bemchtigen, milang, nur
einige versprengte Schiffe fielen den Englndern in die Hnde, und diese
kehrten im Oktober in die Heimat zurck. 1598 wurde nichts von Bedeutung
unternommen, wir haben aber gesehen, da Cumberland in diesem Jahre den
Verkehr Spaniens mit Amerika unterband.

1599 rstete Spanien aufs neue und zog Galeren und Hochseeschiffe
zusammen. Wenn auch diese Krfte spter anders verwendet wurden -- die
Galeren gingen nach den Niederlanden, die Hochseeflotte folgte einer
groen hollndischen Expedition nach Westindien --, so war man doch in
England nicht mig gewesen, um so mehr, da man auch gegen Essex in
Irland den Verdacht verrterischer Umtriebe hatte. Es wurde eine Flotte
von 19 Kriegsschiffen in Dienst gestellt, in ihrer Zusammensetzung wohl
die mchtigste dieser Zeit, nmlich: 2 Schiffe zu 900-1000 tons; 4 zu
700-800 tons; 7 zu 500-600 tons; 6 zu 200-400 tons. Sie kam nicht zur
Verwendung, aber es ist bemerkenswert, da ihre Mobilmachung bis zum
Seeklarsein nur 12 Tage in Anspruch nahm, eine bisher noch nirgend
erreichte Leistung.

In den Jahren 1600 und 1601 wurde nichts Greres unternommen, es
schwebten Friedensunterhandlungen, doch befand sich =ein englisches
Beobachtungsgeschwader an der spanischen Kste= und mehrere groe
Privatexpeditionen waren unterwegs. Zu Ende 1601 gelang es einer
spanischen Flotte von 40 Segeln, trotz des Beobachtungsgeschwaders ein
Landungskorps nach Irland zur Untersttzung der Rebellen (=Earl of
Tyrone=) zu werfen; die Truppen richteten aber nichts aus und wurden
durch das englische Geschwader blockiert und zur Kapitulation gentigt.

1602 fhrte man die Beobachtung der feindlichen Ksten schrfer und
lnger im Jahre durch (auch Holland entsandte 1602 dazu ein Geschwader),
machte in diesem Jahre reiche Beute auf dem Wasser und an der Kste und
vernichtete verschiedene nach Flandern bestimmte Galeren. Fr das Jahr
1603 waren sogar 2 Geschwader vorgesehen, die sich in dem
berwachungsdienste ablsen sollten. Sie segelten aber nicht mehr, da man
nach dem schon zu erwartenden Tode Elisabeths Thronfolgestreitigkeiten
und mglicherweise Einmischungen von auen frchtete.

=Jakob= I. schlo 1604 $Frieden mit Spanien$ und verbot auch die
Freibeuterei gegen den spanischen Handel.

Die Abwehr der Armada und der weitere Krieg hatten Englands berlegenheit
zur See gezeigt. Die Seemacht Spaniens war schwer erschttert, ihr
Prestige verloren, aber sie war doch nicht gnzlich niedergeworfen; noch
mehrfach wurden Versuche gemacht, sich wieder aufzuraffen, wie wir auch
besonders noch bei der Geschichte Hollands sehen werden. Als =Jakob= I.
Frieden schlo, war dies nicht im Sinne der fr die Seemachtspolitik
Englands begeisterten Mnner. Aber unter den Stuarts wurde der Flotte
nicht mehr die Pflege zu teil wie bisher, wenigstens nicht unter Jakob,
und die Seekriege wurden nicht mit der Energie der Zeit unter Elisabeth
gefhrt; erst Cromwell sollte das Werk Elisabeths fortsetzen.

Wir knnen deshalb die $letzten Kriege Englands in diesem
Zeitabschnitt$[65] ganz kurz fassen. Das Bedeutendste sind die Kmpfe der
ostindischen Kompagnie mit Portugal in Indien, die trotz des Friedens
ausgefochten wurden. Wir kennen den Grundsatz der Zeit: Kein Frieden hat
Gltigkeit unter der Linie. So wurden denn auch die gegenseitigen
Handelsstrungen im Atlantik fortgesetzt und zwar allem Anschein nach
jetzt besonders von seiten Spaniens. Die englische Marine war unter Jakob
fast unttig, so da auch die Barbaresken ihre Raubzge mit Geschwadern
bis in den Kanal ausdehnten. Eine 1620 gegen Algier gesandte Expedition
-- 6 knigliche Schiffe und 12 Kauffahrer -- richtete nicht viel aus.

  [65] Eingehender vgl. Clowes, Teil II. Zeit 1603-1649.

Die Kriege Englands gegen Frankreich in dieser Zeit (Hugenottenkriege)
sind bereits, da unwesentlich nur kurz, erwhnt. Als =Buckinghams= von
persnlichen Motiven geleitete Politik =Karl= I. bald nach seiner
Thronbesteigung zunchst auf seiten Frankreichs gegen Spanien fhrte, so
da sogar englische Schiffe gegen die Hugenotten in La Rochelle verwendet
wurden, entsandte man 1625 nochmals eine $groe Expedition$ -- 9
Kriegsschiffe, 90 Transporter mit Landtruppen, dazu 16 Hollnder --
$gegen Spanien$ mit hnlichen Orders wie 1587 und 1596. Es war aber nur
eine traurige Nachahmung dieser Unternehmungen und endete als ein Schlag
ins Wasser ohne jeden Erfolg.

  Die Expedition war mangelhaft ausgerstet und wurde ebenso gefhrt. Die
  zahlreichen Kauffahrer waren nur mit 8-12 Kanonen armiert und standen
  ganz unter dem Befehl ihrer frheren Kapitne. Den Oberbefehl fhrte
  =Viscount Wimbledon=, ein Landoffizier, der nicht einmal als solcher
  ein hheres Kommando innegehabt hatte. Nach verschiedenen Plnen, die
  als unausfhrbar aufgegeben wurden, segelte man nach =Cadiz=, wo
  wiederum eine groe Anzahl feindlicher Schiffe (95) lag. Der
  Vizeadmiral der Flotte, =Graf Essex=, griff an und trieb sie in den
  Binnenhafen, wurde aber sofort zurckgerufen; der Flottenchef frchtete
  den groen Tiefgang seiner Schiffe, ohne zu bedenken, da Drake 1587
  mit Benutzung des Handlots den Hafen forciert hatte, da Howard und
  Essex (Vater) 1596 dasselbe mit ebenso groen Schiffen getan hatten,
  nur die Schiffe von 800 tons waren damals drauen geblieben. Die Flotte
  ankerte bei Puerto de S. Maria (Skizze Seite 136); etliche Hollnder
  erhielten wie 1596 den Befehl, gemeinsam mit einigen Kauffahrern Fort
  Puntal zu beschieen, dann ging der Flottenchef zu Bett. Die Hollnder
  erlitten nur Verluste, da die Kauffahrer, unbemerkt und unbestraft,
  fernblieben. Am andern Tage wurde gelandet und das Fort angegriffen, es
  ergab sich sofort; glcklicherweise, denn man hatte die Sturmleitern
  und den Proviant vergessen. Anstatt nun die Schiffe im Hafen zu
  vernichten, die Stellung durch Zerstrung der Zuazo-Brcke zu sichern
  und dann weiteren Nutzen aus der Landung zu ziehen, fielen die Truppen
  auf der Suche nach Proviant ber das groe Weinlager der westindischen
  Flotten her und betranken sich so, da alles aufgegeben und wieder
  eingeschifft werden mute. Der Versuch, jetzt die Silberflotte
  abzufangen, milang; diese lief in Cadiz zwei Tage nach Abgang der
  englischen Flotte von dort ein.

Die nchsten Jahre brachten nichts weiter gegen Spanien, da der Krieg mit
Frankreich (um La Rochelle; vgl. Seite 112) entbrannte; 1629 und 1630
schlo England mit beiden Lndern Frieden.

Mit dem $Beginn der ernstlichen Mistimmung zwischen dem Knige von
England und dem Parlament$ 1642 erhob sich auch der Streit ber die
Verfgung ber die Flotte; mehrfach besetzten Knig und Parlament die
Hauptkommandostellen mit verschiedenen Personen. Im allgemeinen war die
Stimmung in der Marine lange fr den Knig. Als aber die Endkatastrophe
hereinbrach, gelang es 1649 doch nur einem Admiral, Sir William Batton,
11 Schiffe nach Holland dem Prinzen von Wales zuzufhren, die brigen
Geschwader hielten zum Parlament, wohl infolge der Gesinnung ihrer
Admirale. Vier dieser Schiffe kehrten bald nach England zurck, der Rest
operierte mit einigen anderen Schiffen der kniglichen Partei, die schon
in Holland gewesen waren, in den nchsten Jahren unter =Prinz Ruprecht
von der Pfalz= gegen die Republik.

Auch von seiten $Hollands$[66] wurde der Krieg gegen Spanien $nach Abwehr
der Armada$ in anderer Weise gefhrt. Die Beteiligung an den englischen
Expeditionen 1596 und 1597 ist erwhnt; ermutigt durch den Erfolg,
rstete man 1599 eine eigene Flotte zu gleichem Zweck aus. Wenn man
infolge des Vertrages bisher bereitwillig seine Krfte unter englischen
Oberbefehl gestellt hatte, so war dies mit Rcksicht darauf geschehen,
da die englische Marine strker an groen Kriegsschiffen war, und weil
man der Knigin Elisabeth fr ihre Untersttzung Dank schuldete; jetzt
strebte man aber danach, selbst eine gebietende Seemacht zu werden. Man
hatte auch nach dem Untergang der Armada begonnen, grere Kriegsschiffe
fr die offene See zu bauen. Die Flotte, unter =van Doos=, war 73 Segel
stark und mit Landungstruppen versehen. Sie lief am 15. Mai 1599 aus,
fand aber die Spanier in Corua und auch sonst an der Kste
benachrichtigt, segelte deshalb nach den Kanaren und brandschatzte diese.
Von hier wurde eine Hlfte nach Haus gesandt, die andere ging nach
Westindien; sie hatte jedoch keinen Erfolg, da der Ausbruch einer Seuche,
der auch der Fhrer erlag, und das Nahen einer spanischen Flotte (Seite
137) zur Rckkehr zwang. 1606 wurden zwei Geschwader nach der spanischen
Kste gesandt; eines machte reiche Beute, das andere wurde durch
berlegene Krfte geschlagen. 1607 dagegen vernichtete eine 26 Segel
starke Macht unter =Jakob van Heemskerk= eine gleichstarke, aber aus
greren Schiffen bestehende spanische Flotte, die auf der Rhede von
=Gibraltar= zu Anker lag. Diese Tat trug nicht nur zur Hebung des
Ansehens der hollndischen Seemacht bei -- selbst den Trken gegenber,
der hollndische Handel im Mittelmeer hob sich infolge dessen
wesentlich --, sie beschleunigte auch wohl die schon begonnenen
Waffenstillstandsunterhandlungen.

  [66] Hauptquelle: de Jonge, Teil I.

In den heimischen Gewssern war der Krieg in Verbindung mit dem
Landkriege fortgesetzt, und es waren hier fr die Hollnder schwierigere
Verhltnisse entstanden. Der spanische Statthalter =Parma= hatte schon
1583 in =Dnkirchen= (dazu Nieuweport und Sluys) =eine Admiralitt=
gegrndet, um mit dort gebauten Kriegsschiffen, besonders aber mit dort
ausgersteten Kapern (Seite 93) den Handel und die Fischerei Hollands zu
unterbinden. Der Platz war vorzglich dazu geeignet, in unmittelbarer
Nachbarschaft der hollndischen Einfahrten an Kanal und Nordsee gelegen,
geschtzt durch vorliegende Bnke; die Bevlkerung lieferte eine
ausgezeichnete Besatzung der Schiffe. Holland mute einen blutigen und
kostspieligen Kampf gegen diese Macht fhren.

1609 wurde ein zwlfjhriger Waffenstillstand mit Spanien geschlossen. In
dieser Zeit blhte der Handel Hollands mchtig auf; es fallen in sie die
groen Fortschritte in Indien; im Mittelmeer bekmpfte man die Piraten
durch besonders dazu entsendete Expeditionen.

Mit dem Wiederbeginn des Krieges 1621 trat als Aufgabe an die Marine vor
allem heran $die Bekmpfung der Dnkirchener Seemacht$. Der Krieg auf den
Ozeanen lag fast allein in den Hnden der groen Kompagnien. 1621 wurde
allerdings noch eine groe Expedition der Kriegsmarine gegen die
spanische Kste unternommen, aber mit ungnstigem Ausfall: die Flotte
wurde vor Gibraltar von den Spaniern geschlagen; auch war Holland 1625 an
der englischen Expedition gegen Cadiz beteiligt. Im allgemeinen aber
hatte die Kriegsmarine neben der Untersttzung des Landkrieges in den
Binnengewssern mit dem Schutz von Handel und Fischerei im Kanal, der
Nordsee und Mittelmeer genug zu tun.

=Dnkirchen= hatte sich durch das Aufbringen von Schiffen so bereichert
-- in den ersten dreizehn Monaten nach dem Waffenstillstand wurden 143
Prisen gemacht --, da es immer mehr und immer grere Schiffe in Dienst
stellen konnte; ein Kaufmann z. B. stellte allein dem Knig 12
Kriegsfahrzeuge auf, nur um den Orden von St. Jakob zu erhalten. In
Dnkirchen waren im Dienst: 1634: knigliche Schiffe: 3 zu 30-40 Kanonen;
14 zu 24-26 Kanonen; 2 zu 18-22 Kanonen; 2 zu 6-14 Kanonen;
Privatschiffe: 11 zu 4-12 Kanonen. 1642: knigliche Schiffe: 7 zu 34-44
Kanonen; 9 zu 26-30 Kanonen; 7 zu 18-24 Kanonen; Privatschiffe: 4 zu
24-28 Kanonen; 9 zu 18-22 Kanonen; 15 zu 6-15 Kanonen.

Es war dies mithin eine gefhrliche Macht der hollndischen Marine
gegenber, die z. B. 1642 auch nur 11 Schiffe ber 30 Kanonen und etwa 90
ber 20 Kanonen im Dienst hatte, dabei aber stndige Geschwader auf den
Fischgrnden und zur Begleitung der Konvois in Ostsee und Mittelmeer
stellen mute.

Die Hauptkraft der Flotte mute Holland demnach notwendigerweise zur
Bewachung Dnkirchens bereit halten. 1634 bestand das Blockadegeschwader
aus 13 groen Schiffen -- 1 zu 54 Kanonen; 4 zu 38-44 Kanonen; 8 zu 30-34
Kanonen -- und 5 kleineren. Und lange Zeit war es doch unmglich, den
Handel wirksam zu schtzen; trotz der Blockade liefen die Dnkirchener
in dunklen Nchten und an strmischen Tagen aus und noch in den dreiiger
Jahren errangen sie innerhalb dreier Jahre eine Beute von 12 Millionen
Gulden an Wert. Aber Holland machte immer grere Anstrengungen; Private
rsteten Kreuzer aus, =neue Wassergeusen= genannt, das Blockadegeschwader
wurde immer mehr verstrkt, zeitweise bis zu 25 Segeln. Blutige Gefechte
wurden geliefert, in denen sich spter berhmte Fhrer -- =Martin Tromp=
und =Witte de Witt= -- auszeichneten; diese schlugen z. B. 1639 ein
starkes Dnkirchener Geschwader. Endlich wurde die gefhrliche Stadt 1646
von den Franzosen, durch eine hollndische Flotte unter Tromp
untersttzt, erobert.

Die hollndische Marine errang aber auch in dem zweiten Teile des
Unabhngigkeitskrieges $zwei groe Siege ber die Spanier$. Im Jahre 1631
wurde eine spanische Flotte von 90 Segeln, die in Antwerpen ausgerstet
war, um den Krieg in die Nordprovinzen zu tragen, $auf der Schelde$
vernichtet; nur 9 Schiffe entkamen, an 4000 Gefangene wurden gemacht. Es
ist bemerkenswert, da jetzt im Gegensatz zum ersten Teile des Krieges
die Spanier die kleineren, aber schwer armierten Fahrzeuge hatten und
damit in den engen Gewssern im Vorteil waren. Die greren hollndischen
Schiffe konnten ihnen nicht wirksam entgegentreten, und der groe Erfolg
wurde nur durch einen nchtlichen berfall erreicht. 1639 vernichtete
dann =Tromp= im Kanal eine mchtige spanische Hochseeflotte.

Dieses Kriegsereignis,[67] gipfelnd in der $Schlacht in den Downs$, ist
wenig bekannt, obgleich es nach seiner Gre und nach seinen Folgen fast
der Armada-Campagne zur Seite gestellt werden kann; hierdurch erst ist
der spanischen Marine der Todessto gegeben, eine Hochseeflotte stellte
sie nun fr lange Zeit nicht wieder auf.

  [67] Geschildert nach de Jonge, Teil I, Seite 352; dort Angabe weiterer
       Quellen.

  In den Niederlanden hatte man erfahren, da Spanien eine groe Flotte
  mit Landungstruppen ausrste; wieder war die Kraft aller spanischen
  Lnder aufgeboten, sogar Dnkirchener Schiffe waren herangezogen. Zwar
  war weder der Zweck noch der Abgangstermin genau bekannt, aber man
  mute sich gefat machen, da sie fr Flandern bestimmt war. Es wurden
  zwei Beobachtungsgeschwader unter =Tromp= (13 Schiffe) und =de Witt= (5
  Schiffe) im Kanal stationiert, whrend ein drittes unter =Banckers= (12
  Schiffe) Dnkirchen beobachtete. Am 15. September sichtete Tromp den
  Feind, der mit gnstigem Winde kanalaufwrts segelte.

  =Die spanische Flotte= unter =d'Oquendo= bestand aus 69 Segeln mit
  24000 Seeleuten und Soldaten:

   1 Schiff  von 2400 tons, 68 Kanonen, Admiral von Portugal,
   2 Schiffe  "  1200 und 1600 tons, 66 Kanonen, Admiral von Neapel und
                   Flottenchef,
   1 Schiff   "  1200 tons, 54 Kanonen, Admiral von Kastilien,
  24 Schiffe  "  400-1200 tons, 30-44 Kanonen, } fters ist erwhnt, da
  26   "      "     ?           10-28 Kanonen, } die Spanier leichtere
  16   "         kleinere.                     } Kaliber fhrten als
                                               } Englnder und Hollnder,
                                               } was auch wohl hier noch
                                               } zutrifft.
  Tromp hielt sich am Feinde und benachrichtigte die beiden andern
  Geschwader. Schon am 17. stie de Witt zu ihm und man engagierte den
  Gegner in laufenden Gefechten, so geschickt gefhrt, da er sich nach
  der englischen Kste hinberzog. Am folgenden Tage vereinigte sich auch
  Banckers mit der Flotte; die Spanier erlitten schwere Verluste und
  ankerten unter dem Schutz der englischen Kastelle in neutralem Wasser
  =in den Downs=. Hier blockierte sie Tromp, nur 12 Dnkirchener
  Schiffen, stark mit Soldaten bemannt, gelang es, durch die Nordpassage
  nach ihren eigenen Hfen zu entkommen. Vizeadmiral de Witt, dessen
  Schiff in den Gefechten stark beschdigt war, segelte zur Reparatur
  nach Holland und meldete hier die Sachlage. Sofort rsteten die
  Admiralitten, die groen Kompagnien und Private mit uerster
  Anstrengung, und in kaum vier Wochen war =Tromps Flotte= auf 105 Segel
  mit 5968 Seeleuten und 1866 Soldaten gebracht. Die Flotte setzte sich
  zusammen aus: 41 Kriegsschiffen, 36 Schiffen der Kompagnien, 18 anderen
  Kauffahrern und 11 Brandern. Die Gre der Schiffe kann man nach den
  Angaben ber die Schiffe der Kompagnien (Seite 87/88) und den Bestand
  der Kriegsmarine um 1642 (vgl. S. 151) ungefhr schtzen.

  =England= hatte sein Kanalgeschwader (19 Schiffe) zur Aufrechterhaltung
  der Neutralitt herangezogen und erklrt, es wrde die Partei
  angreifen, die den ersten Schu feuere.

  Nach Clowes (Teil II, Seite 76) wrden die englischen Besatzungen kaum
  fr Spanien gefochten haben; anderseits soll der Knig seine
  Untersttzung gegen eine Zahlung von 150000 Lstrl. zugesagt haben. Da
  d'Oquendo Hoffnung auf englische Hilfe hegte, ist anzunehmen; er htte
  doch sonst wohl nicht wochenlang der steten Strkung des Feindes
  unttig zugesehen. Tromp hatte den Befehl, den Feind ohne jede
  Rcksicht auf andere Nationen anzugreifen.

  Am 21. Oktober war =Tromp= stark genug und auch der Wind zum Angriff
  gnstig. Die Spanier, vom Angriff berrascht, gerieten beim
  Ankerlichten in Verwirrung und wurden nahezu vernichtet. Das grte
  Schiff wurde durch Brander aufgesprengt, das Flaggschiff von Kastilien
  lief mit 22 anderen auf den Strand, von den Schiffen, die die offene
  See erreichten, wurden noch 14 genommen, nur etwa 12 kamen nach
  Dnkirchen. Der Gesamtverlust der Spanier betrug ber 40 Schiffe und
  7000 Mann, die Hollnder verloren nur ein Schiff und etwa 100 Mann. Die
  englische Flotte hatte nicht eingegriffen, nach Clowes, weil d'Oquendo
  beim Angriff den ersten Schu gefeuert habe.

Wie der Sieg ber die Armada fr die englische Marine, so wirkte dieser
Erfolg fr die hollndische; ihre Achtung stieg im Auslande, ihr
Selbstbewutsein wuchs. Der Krieg gegen Dnkirchen wurde, wie erwhnt,
immer energischer und bald zu einem guten Ende gefhrt. Spanien hatte
wiederum eine mchtige kostspielige Flotte verloren; der Verlust machte
sich wohl noch fhlbarer als der der Armada, da die Finanzlage des
Staates jetzt schon weit schlechter war; im nchsten Jahre wurde Portugal
selbstndig und damit fiel dessen Flottenkontingent weg.

So mute Spanien die Angriffe auf die Niederlande von der See her, mit
Ausnahme von Dnkirchen aus, aufgeben und damit auch dem Friedensschlusse
geneigter werden.

Bis zum =Westflischen Frieden= kommen nun grere Ereignisse zur See
nicht mehr vor. $Als Portugal 1640 aufstand$, entsandten die Niederlande
1641 eine Flotte von 9 Schiffen zu 30-38 Kanonen, 8 von 20-28 Kanonen und
einigen kleineren, um mit der portugiesischen und einer franzsischen
gemeinsam zu operieren und um die Silberflotte abzufangen. Zu der
geplanten Vereinigung kam es nicht, da die Portugiesen unttig im Hafen
blieben und die Franzosen auch nicht erschienen. Die hollndischen
Schiffe kreuzten an der spanischen Kste und trafen nach einigen Wochen
mit einem feindlichen Geschwader -- 9 groen Spaniern, 10 guten
Dnkirchenern und einigen kleineren Fahrzeugen -- zusammen, das
ausgesandt war, um der Silberflotte den Weg freizuhalten. In einem
heftigen Gefechte zogen die Hollnder den krzeren, reparierten in
Lissabon und gingen in die Heimat zurck; bemerkenswert ist, da sich in
diesem Gefecht der Kapitn =de Ruyter= zum ersten Male als Flaggoffizier
auszeichnete; er war der Kontreadmiral des Geschwaders.

  ber Holland ist in diesem Zeitabschnitt noch zu erwhnen, da in den
  Jahren 1644 und 64 eine stattliche Flotte von Kriegsschiffen, etwa 40
  Segel unter de Witt, die groen jhrlichen Konvois von 800-900
  Kauffahrern nach der $Ostsee$ durch den Sund geleitete. Es scheint dies
  eine Demonstration gegen Dnemark gewesen zu sein, um Schwierigkeiten
  abzustellen, die dieser Staat dem hollndischen Handel machte; von der
  Untersttzung Schwedens durch eine aus Privatmitteln aufgestellte
  hollndische Flotte haben wir schon bei den skandinavischen Kriegen
  gehrt (Seite 111).

                    *       *       *       *       *

Die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien geben uns den $Anfang
einer neuen Kriegfhrung$, wie sie eingangs dieses Kapitels
gekennzeichnet ist.

Whrend die Spanier mit der Armadaexpedition noch ein groes, ja das
grte Beispiel der alten Kriegfhrung liefern, ein fremdes Land ber See
anzugreifen, ohne planmig vorher um die See zu kmpfen, gewinnt das
Vorgehen der Englnder und Hollnder einen anderen Charakter. Sie warten
nicht mehr ab, da der Feind sie im eigenen Lande, in den eigenen
Gewssern bedroht; ihre Unternehmungen zielen immer hufiger darauf hin,
solche Vorhaben im Keime zu ersticken, schon das Ausrsten und Auslaufen
zu verhindern. England war zu Ende seines Krieges soweit gekommen, stets
Geschwader an der feindlichen Kste zu haben, man versuchte also, sich
der See in weitem Sinne bemchtigt zu halten; schon der Empfang der
Armada zeigt eine wohlangelegte Bewachung des Eingangs zu den eigenen
Gewssern.

Ferner hat sich der Kampf der beiden nrdlichen Staaten gegen den
spanisch-portugiesischen Handel aus vereinzelten Raubzgen zu dem
Bestreben entwickelt, diesen Handel, der fr die Lnder schon Lebensfrage
geworden war, ganz zu unterbinden; Portugal war schlielich nicht mehr
imstande, Flotten von Indien zu senden, Spanien mute fters das Segeln
seiner Silberflotte verbieten.

  Da sich das Verstndnis fr die energische Fhrung eines
  ausgesprochenen Krieges auf See jetzt ausbildet, geht aus den
  Auslassungen bewhrter englischer Seeleute dieser Zeit hervor. hnlich
  wie Howard und Drake sprachen sich spter Admiral =Monson= und
  =Raleigh= -- beide waren Unterfhrer in den Expeditions- oder
  Beobachtungsflotten der Jahre 1590-1602 -- in Abhandlungen ber die der
  englischen Marine ntigen Pflege dahin aus, da nur ein offensiv auf
  der See -- und zwar in den feindlichen Gewssern -- gefhrter Krieg
  England vor Invasionen schtzen knne. Bemerkenswert ist es, da
  Raleigh fr seine Arbeiten die griechischen und rmischen Seekriege
  studiert hat. Die Erkenntnis der Wichtigkeit der Herrschaft auf dem
  Meere fr den Handel zeigt folgender Ausspruch Raleighs: Whosoever
  commands the sea, commands the trade; whosoever commands the trade of
  the world, commands the riches of the world and consequently the world
  itself.

Eine ganz stetige Durchfhrung der neuen Kriegfhrung finden wir noch
nicht, auch England fllt fters in die alte Art zurck; errungene
Erfolge werden nicht gengend ausgentzt, hhere Zwecke der
Brandschatzung hintangesetzt, z. B. bei den Expeditionen gegen Cadiz
1587 und 1596. Die neue Idee war noch nicht durchgedrungen, sie war auch
ohne eine groe stehende Marine mit seefhigen Schiffen nicht voll
durchzufhren. Beides geschieht erst im nchsten Zeitabschnitt, womit man
dann auch bald zu der Erkenntnis gelangt, da zur Erreichung aller groen
Ziele auf See zunchst die Niederkmpfung der feindlichen Seestreitkrfte
ntig ist.


                         Kampfweise und Taktik.

Bei den $Ruderschiffen$, die ja im Mittelmeer die Kriegsschiffe blieben,
trat im Bau und in der =Kampfweise des Einzelschiffes= keine nderung
gegen das Mittelalter (Seite 47) ein. Die neue Waffe der Artillerie hatte
keinen Einflu, ihre Hauptkraft lag ebenfalls nur im Bug und Heck; die
Schiffsenden blieben also offensiv und defensiv stark, die Seiten schwach
wegen der Rudereinrichtung; die Seiten wurden auch mit Einfhrung der
Breitseitartillerie nicht nennenswert strker. Hier standen nur ganz
leichte, wenig richtungsfhige Geschtze zwischen den Riemen; manvriert
wurde auf ihren Gebrauch nicht. Die Galeassen, eigentlich doch nur
schwere Galeren, hatten dieselben Eigenschaften.

In der =Taktik fr Schiffsverbnde= nderte sich infolgedessen auch
nichts. Wenn beim Mittelalter gesagt ist, da sie nicht auf der Hhe des
Altertums stand, so trifft dies jetzt noch zu. Von den wenigen genauer
berlieferten Beschreibungen zeigen die der grten Schlacht von
Ruderschiffen (Lepanto 1571) und die der letzten, worin ausschlielich
solche Fahrzeuge zur Verwendung gekommen sein sollen (Genua, 1. September
1638), ein starres Festhalten am Althergebrachten wie im Mittelalter.

  $Lepanto.$[68] Die verbndeten Mchte -- Spanien, Venedig und der Papst
  -- hatten 1571 eine Flotte von etwa 300 Fahrzeugen -- 6 Galeassen, an
  200 Galeren, der Rest Fahrzeuge aller Gren wohl meist Transporter --
  mit 50000 Mann Fuvolk und 4500 Reitern in Messina versammelt, um einen
  groen Schlag gegen die Trken in Griechenland zu fhren. =Don Juan
  d'Austria= befehligte die Expedition. Er verlie am 25. September den
  Hafen, landete in Griechenland fast an derselben Stelle, wo Octavian
  vor Actium gelandet hatte, und erfuhr hier, da die trkische Flotte im
  Golf von Korinth sei. Am 6. Oktober ging er dorthin ab. Die Trken
  lagen in Lepanto -- dem alten Naupactus, ihrer Flottenstation --, auch
  etwa 300 Segel stark und kamen den Christen entgegen. So trafen sich
  die beiden Flotten am 7. Oktober am Nordwesteingang des Golfes von
  Korinth bei den Kurtsolarischen Inseln (alt: Echinaden), die Christen 6
  Galeassen, 200 Galeren, die Trken etwa 250 Galeren an Schlachtschiffen
  stark. Wenn auch an Zahl unterlegen, so waren doch die Schiffe der
  Verbndeten strker armiert und besser bemannt; die Besatzungen waren
  zum Schutz und Trutz strker bewaffnet und enthielten die Blte der
  Ritterschaft ihrer Lnder. Die Trken hatten keine Galeassen.

  [68] Vgl. Jurien, Lepanto.

  Beide Flotten waren in vier Geschwader geteilt, drei davon in der
  Sichel formiert, das vierte stand als Reserve hinter dem Zentrum. Auf
  seiten der Verbndeten waren die Galeassen in Dwarslinie vor die Mitte
  gezogen; beide trkische Flgel und der linke christliche lehnten sich
  an Untiefen an. Die Trken versuchten den Gegner zu berflgeln, was
  auch besonders mit ihrem rechten Flgel gelang, der mit Hilfe von
  Lotsen die Untiefen vermieden hatte. Bei der geringeren Anzahl ihrer
  Schiffe war fr die Verbndeten die Wahl der Formation falsch, sie
  htten die Flgel zurckziehen mssen (Halbmond); die Trken nutzten
  aber ihren Vorteil nicht energisch genug aus. Im Zentrum erffneten die
  schweren Galeassen frhzeitig das Feuer und erschtterten den Feind,
  dann griff Don Juan mit voller Fahrt an, gab persnlich das beste
  Beispiel, indem er der Erste an Bord des trkischen Flaggschiffes war,
  und in der Melee errangen hier die Christen nach blutigem Kampfe einen
  vollstndigen Sieg. Auch ihr linker Flgel gewann bald wieder die
  Oberhand, obgleich sein Admiral Barbarigo gefallen war; der trkische
  linke war weniger zum Kampf gekommen. Die Trken verloren 200 Schiffe
  und mindestens 20000 Mann. 15000 Christensklaven sollen befreit sein.
  Der Verlust der Christen betrug 15 Galeren und 8000 Mann, darunter
  allerdings viele Fhrer und angesehene Ritter.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

Bei =Lepanto= kann von einer angewandten Taktik nicht die Rede sein: die
Verbndeten whlen die fr sie falsche der gebruchlichen
Gefechtsformationen, die Trken nutzen weder diesen Fehler noch ihre
berzahl aus; nur das Einleitungsgefecht mit Feuerwaffen hat mit deren
Vervollkommnung an Bedeutung gewonnen, sonst geben bessere Bewaffnung,
Krperkraft, Mut sowie das Beispiel der Fhrer im Handgemenge den
Ausschlag.

In der Schlacht vor =Genua= 1638 zwischen Franzosen und Spaniern bestand
jede der Flotten aus etwa 30 Galeren, rangiert in Dwarslinie. Es kam zum
sofortigen Enterkampf, weil der franzsische Admiral den Befehl gegeben
hatte, wie er das feindliche Flaggschiff, so habe eine jede Galere beim
ersten Anlauf das ihr in der Linie des Gegners gegenberstehende Fahrzeug
mit voller Ruderkraft anzugreifen. Hier ist also von jedem Gedanken, sich
einen taktischen Vorteil zu sichern, abgesehen. Es ist nur bemerkenswert,
da beide Gegner vor dem Gefecht versuchen, die Luvstellung zu gewinnen,
um durch den Angriff vor dem Winde ihre Stokraft zu vermehren.

Fr die $Segelschiffe$, deren Kampfweise und Taktik im Mittelalter kaum
von der der Ruderschiffe abwich, ja nicht einmal auf ihrer Hhe stand,
nderten sich in diesem Zeitabschnitte die Verhltnisse wesentlich. Als
die Kanonen in der Breitseite aufgestellt und zur Hauptwaffe wurden,
mute =an die Stelle des Kampfes in der Kielrichtung der in der
Querabrichtung treten=.

Bei Segelschiffen mit Breitseitarmierung waren im Gegensatz zu den
Ruderschiffen die Seiten offensiv und defensiv stark, Bug und Heck
dagegen schwach. Den Seiten war die Hauptschwche, die Rudereinrichtung,
genommen, die Schiffswnde wurden strker gebaut, die Hauptwaffe stand
dort. Bug und Heck konnte man bei zunehmender Leistung der Artillerie
wegen der verheerenden Wirkung eines Enfilierfeuers dem Feinde nur mit
groer Gefahr zuwenden. Den Bug zum Rammsto zu gebrauchen, war vom Winde
abhngigen Schiffen nur gelegentlich mglich; die feindlichen Riemen
waren als Angriffsobjekt weggefallen. Als der Artilleriekampf mit
Breitseitgeschtzen in den Vordergrund trat, wurde dies auch von Einflu
auf die =Angriffsformation einer Flotte=; um die Artillerie vor der Melee
ergiebig verwenden zu knnen, mute man eine tiefe Formation an Stelle
einer breiten haben: =die Kiellinie an Stelle der Dwarslinie=.

Der Einflu machte sich natrlich nur allmhlich bemerkbar. Wir wissen,
da die Spanier zur Zeit der Armada die Artillerie noch nicht als
Hauptwaffe betrachteten. Zahl, Kaliber, Montierung der Geschtze,
Ausbildung der Mannschaft an ihnen einerseits, die berwiegende Bemannung
mit Soldaten anderseits machen ihre Schiffe nur geeignet fr den
Enterkampf; seine Herbeifhrung war auch ausdrcklich angeordnet. Bei den
Englndern dagegen war die Artillerie schon Hauptwaffe geworden, ihre
beweglicheren Schiffe waren stark bestckt, bemannt mit guten
Artilleristen und vielen Matrosen; sie fhren schon ein Feuergefecht. So
finden wir auch als Flottenformation bei der Armada noch den
althergebrachten Halbmond; selbst auf dem Marsche wird er meistens
gehalten, wohl um jederzeit zum Schlagen bereit zu sein und um die
schwcheren Schiffe zwischen dem aus starken Kriegsschiffen bestehenden
Zentrum und den Flgeln besser schtzen zu knnen. ber die Formation der
Englnder haben wir keine Angaben. Bei ihrer whrend der ganzen Fahrt der
Armada durch den Kanal beobachteten Taktik -- die Luvstellung zu halten
und den Gegner an den zurckgezogenen Flgeln anzugreifen, vor allem aber
sich auf in ungnstiger Windposition zurckgebliebene Feinde zu strzen
-- ist anzunehmen, da sie keine starre Formation hielten. Die Fhrer der
Geschwader oder selbst die einzelner groer Kriegsschiffe nahmen
selbstndig jede gnstige Angriffsgelegenheit wahr. Nur bei Gravelines,
der einzigen rangierten Schlacht, wird der Feind auf der ganzen Linie
zugleich angegriffen, aber auch hier haben die einzelnen Geschwaderchefs,
durch die Verhltnisse geleitet, selbstndig gehandelt. Man kann in dem
Verhalten der Englnder vielleicht schon den Anfang der spteren
Gruppentaktik erkennen, jedenfalls aber den Hauptgrund, der zu ihrer
Einfhrung beigetragen hat: die Verschiedenheit der Schiffe. In der
englischen Flotte befanden sich nur wenige groe Kriegsschiffe, die fr
sich im Gefecht bestehen konnten; die weit grere Zahl der schwcheren
Fahrzeuge schlo sich diesen an, zugeteilt oder aus eigenem Antriebe, um
ihren Teil am Gefecht nehmen zu knnen; =so bildeten sich
Gefechtsgruppen=.

Wenn nun auch die Angaben ber den Verlauf spterer Seegefechte, nach der
Fahrt der Armada, nur sprlich sind, so kann man doch aus ihnen
entnehmen, da der Geschtzkampf allgemein mehr in die erste Linie tritt.
Es wird diese Tatsache hufig hervorgehoben und gleichfalls bemerkt, da
von den Flotten immer mehr Gewicht darauf gelegt wird, vor dem Gefecht
die Luvstellung zu gewinnen; oft wird tagelang daraufhin manvriert.

  Auch die Angaben ber Schiffe und Waffen zeigen die zunehmende
  Wichtigkeit der Artillerie; zu Ende dieses Zeitabschnittes war der Typ
  des Segelbreitseitschiffes fast endgltig festgestellt. Die geringer
  werdende Bedeutung des Enterkampfes kann man ferner daraus erkennen,
  da die Besatzung gleich groer Schiffe bei starker Zunahme der
  Geschtze an Kopfzahl whrend des Zeitabschnittes wesentlich
  hinuntergeht, z. B. hatte ein englisches 1000 tons-Schiff 1548 eine
  Besatzung von 700 Mann, 1603 von nur 500, und um 1637 war ein Schiff
  von 1680 tons nur mit 600 bemannt.

Da zeigt sich denn auch zu Ende des Zeitabschnittes schon deutlicher der
Einflu der neuen Kampfweise auf die Taktik. Der hollndische Admiral
=Tromp= soll seine Streitkrfte in Kiellinie ins Gefecht gefhrt haben
und auch die Gruppeneinteilung hat er planmig verwendet; die
hollndische Kriegsmarine besa damals gleichfalls nur wenige schwere
Schiffe. Er teilte um 1639 seine Flotte in 3-5 Geschwader und ein jedes
dieser wieder in 3-5 Unterabteilungen, die dann im Gefecht auch bei der
Melee als taktische Einheit zusammenhalten sollten; aus ihnen formierte
er die Linie. Von dieser Zeit an kann man von einer =Entwicklung der
Taktik fr Segelschiffe= sprechen und sie verfolgen; sie ist daher ein
Kennzeichen des nchsten Abschnittes.

Die Waffe der $Brander$, deren Wirkung wir bei der Armada kennen gelernt
haben, wurde auch sonst noch verschiedentlich mit Erfolg verwendet; aber
ihre Glanzzeit und damit ihr Einflu auf die Taktik fllt ebenfalls in
den nchsten Zeitabschnitt.


                     Die wichtigsten Kriegsmarinen.

Die ersten groen Marinen sind in $Portugal$ und $Spanien$ als Folge der
groen Entdeckungen geschaffen, sie erreichten sogar in diesem
Zeitabschnitt ihre hchste Blte, traten aber auch an seinem Ende fast
ganz vom Schauplatz wieder ab und spielten im nchsten nur eine sehr
unbedeutende Rolle. Portugal brauchte eine bewaffnete Macht zum Erringen
seiner Handelsherrschaft im fernen Osten, Spanien zur sicheren
berfhrung der in Amerika gewonnenen Schtze; seit 1580 waren beide
Mchte vereint. Die Strke ihrer Marinen kann man nach den Angaben
beurteilen, die bei der Besprechung der Armada gemacht sind (Seite 119,
120). Hier hatte Philipp II. alles an Streitkrften vereinigt, was
Spanien mit seinen Nebenlndern in europischen Gewssern aufbieten
konnte, eine ungeheure Zahl von teilweise sehr groen Schiffen.

Es erscheint aber zweifelhaft, ob man diese Marine als eine vollwertige
stehende Kriegsmarine ansehen darf. Sir W. Raleighs Worte, die
portugiesisch-spanischen Schiffe sind zwar gro, aber mehr geeignet fr
den Handel als fr den Krieg, sprechen dagegen und wohl mit Recht. Die
Schiffe sollten als Transporter dienen und waren, wenigstens bis zur
Armada, nur dazu gebaut, da sie Piraten abschlagen oder gegen indische
Frsten auftreten konnten, nicht aber ausschlielich fr den Kampf. Seine
Kriege im Mittelmeer focht Spanien in erster Linie mit Galeren (Anfang
des 17. Jahrh. 40-50 vorhanden) aus. Besttigt wird dieser Zustand
dadurch, da die spanisch-portugiesischen Schiffe nur schwach armiert und
mit weit mehr Soldaten als Kriegsschiffseeleuten bemannt waren.

Durch die Vernichtung der Armada erhielt die spanische Marine einen
schweren Sto. Die meist geuerte Behauptung aber, ihre Macht sei
dadurch vllig gebrochen, ist nicht ganz zutreffend. Ich whlte deshalb
den Ausdruck, das Prestige der Spanier und Portugiesen zur See sei
verloren gegangen. Zwar wird der Seekrieg gegen Holland hauptschlich mit
Dnkirchener Streitkrften gefhrt (Seite 140), aber doch auch im
Mutterlande werden noch starke Flotten aufgestellt. Wir sahen
hollndische und englische Expeditionen nach Westindien und Brasilien
scheitern infolge des Eintreffens starker spanischer Flotten, die Spanier
(1601) gar in Irland einfallen und 1639 die gewaltige Flotte d'Oquendos
im Kanal erscheinen. Erst die Vernichtung dieser hat wohl der alten
spanischen Marine von Hochseeschiffen den Todessto gegeben; Spanien
schuf dann erst im 18. Jahrhundert eine neue.

Im Norden entwickelten sich die Kriegsmarinen $Dnemarks$ und $Schwedens$
frher als in den westlichen Staaten zu einer ansehnlichen Strke. Schon
im Dreikronenkriege (1563) erscheinen auf beiden Seiten Flotten bis zu 70
Segeln, worunter etwa ein Drittel grere Kriegsschiffe; zur Zeit
Christians IV. und Gustav Adolfs enthielten beide Marinen etwa 30
Schlachtschiffe von ber 40 Kanonen, ein hoher Bestand verglichen mit den
Angaben fr Holland und England zu dieser Zeit. Dieser Bestand ist in der
Zukunft nur eine kurze Zeit um 1700 berschritten, um dann wieder
zurckzugehen; die Schlachtschiffe wurden allerdings wie berall auch
hier mchtiger. Die berlegenheit der Marine lag zeitweise bei Schweden,
zeitweise bei Dnemark, wie wir schon in den Kriegen[69] sahen. Die
dnische Marine erreichte ihren hchsten Stand zuerst unter Christian IV.
(1588-1648), die schwedische bald darauf unter Gustav Adolf. Christian
verfgte (1611) nicht nur ber 50-60 Kriegsschiffe, er hatte auch in den
Defensionsschiffen eine starke Untersttzung seiner Flotte geschaffen.
Es waren dies Fahrzeuge der groen Rhedereien, denen Zoll- und
Verkehrserleichterungen zugesichert waren, wenn sie als mittelstarke
Kriegsschiffe geeignet gebaut und im Kriege dem Staate zur Verfgung
gestellt wurden. Die dnische Marine ging aber noch unter Christian IV.
infolge des unglcklichen Krieges von 1643-1645 zurck; die schwedische
war 1655-1660 die strkere, und erst unter Christian V. (1675) stand die
dnische wieder an der ersten Stelle. Es darf nicht unerwhnt bleiben,
da die skandinavischen Seeleute schon zu dieser Zeit wegen ihrer
Tchtigkeit berhmt und da die nordischen Kriege, an denen ja auch die
Hollnder teilnahmen, lehrreich fr die Seeleute aller Nationen waren.

  [69] Vgl. Seite 109 ff. Dort auch Angabe von Quellen.

Die an Zahl der Schiffe grte Marine entstand in $Holland$[70] whrend
des Unabhngigkeitskrieges. Vorher werden nur sehr wenige staatliche
Schiffe erwhnt: z. B. um 1557 nur 2 zu 400 tons, 1 zu 300, 1 zu 200 und
eine grere Zahl von Ruderfahrzeugen, wie berall zu Zolldienst usw. Zu
Kriegszgen ergingen Aufgebote an die Seeprovinzen; Karl V. und Philipp
II. haben fters bei ihren Kriegen im Norden und Sden davon Gebrauch
gemacht. Der achtzigjhrige Krieg aber zwang die Niederlande bald zur
Beschaffung staatlicher Schiffe. Man nahm sie zwar zunchst wieder aus
der Kauffahrteimarine und nderte sie nur um, baute aber bald wirkliche
Kriegsschiffe. Jetzt war man auch gentigt, gute und feste Einrichtungen
fr Aufstellung und Erhaltung der Seestreitkrfte zu treffen.

  [70] de Jonge gibt die Entwicklung der niederlndischen Marine sehr
       genau.

In jeder Seeprovinz wurde hierzu eine =Admiralitt= eingesetzt, eine
Kommission von sieben Personen. Nach verschiedenen unwesentlichen
Verschiebungen bestanden, von Ost nach West aufgezhlt, folgende:
Friesland, Sitz in Harlingen; Norderquartier, oder auch Westfriesland
genannt, in Hoorn; Amsterdam; Maas, in Rotterdam; Seeland, in Middelburg.
Jede Admiralitt besa ihre eignen Kriegsschiffe, mobilisierte sie und
verstrkte ihre Flotte im Bedarfsfalle durch geheuerte Handelsschiffe. An
der Spitze der Seemacht stand der Generaladmiral, die Person des
Statthalters; in den ersten Zeiten fhrte er -- oder in der Praxis sein
Stellvertreter, der Admiralleutnant, ernannt von der Provinz Seeland --
nur den militrischen Oberbefehl ber die Streitkrfte; 1597 wurden ihm
auch die Admiralitten unterstellt, doch blieben sie in vielen
Angelegenheiten direkt von den Generalstaaten abhngig. Die Eifersucht
der beiden wichtigsten Seeprovinzen -- Seeland und Holland, dieses die
drei Admiralitten Amsterdam, Maas, Westfriesland umfassend -- fhrte
schon im Anfang des Aufstandes zur Bestellung von zwei Admiralleutnants,
je eines fr Seeland und Holland. Solange der Krieg in den
Binnengewssern gefhrt wurde, war dies von Nutzen, da zwei
Kriegstheater, Maas-Schelde-Mndung und Zuidersee, vorhanden waren. Als
es sich spter um Aufstellung von greren Seeflotten handelte, fhrte es
zu Reibungen zwischen den Befehlshabern selbst und zwischen den Staaten;
von 1627 an wurde deshalb fr lngere Zeit -- bis 1665, wo sogar jede
Admiralitt die Ernennung eines Admiralleutnants fr sich durchsetzte --
der Posten wieder von einer Person bekleidet, dem Titel nach zugunsten
Hollands; er hie Leutnant-Admiral von Holland und Westfriesland und
wurde auch der Admiralitt Rotterdam entnommen. Auerdem hatte man zwei
Vizeadmirale, wieder je einen fr Holland und Seeland. Die Geschfte der
Kontre-Admirale[71] bei zusammengetretenen Flotten wurden anfangs von dem
ltesten Kommandanten wahrgenommen, doch wurde spter auch dieser
Dienstgrad, zunchst wieder fr Holland und Seeland, eingefhrt.

  [71] In Holland Schout (Schouwt) by Nacht genannt, da ihm als Fhrer
       der Nachhut die Pflicht zufiel, bei Nacht die Flotte zu schlieen
       und nachzusehen, ob kein Schiff zurckblieb. Noch zutreffender
       ist vielleicht die Bezeichnung, die man in der deutschen
       bersetzung des Lebens Ruyters von G. Brandt, durch die Shne des
       Verfassers bersetzt, findet: Schulze (also Aufsichtsorgan) bei
       Nacht.

Den Anfang der Einrichtung eines =festen Offizierkorps= findet man um
1626. Im Kriege gegen Dnkirchen zeigte sich, da tchtige Kapitne
fehlten, da diese den gewinnreicheren Dienst als Freibeuter vorzogen,
hufig sogar auf seiten der Gegner. Nun wurde es Brauch, bei den
Admiralitten einen Stamm von alten, befahrenen Kapitnen zu halten, in
den Provinzen von Holland z. B. 60, und sie auch bei Nichtverwendung zu
besolden. Diese, ordinaris kapiteinen genannt, sollten in erster Linie
den Befehl ber die Kriegsschiffe der Schlachtflotte fhren; die
ltesten, als Fhrer von Unterabteilungen verwendet, hieen Kommandeure.
Fr andere Zwecke, z. B. Kommandanten der Konvoi-Begleitschiffe, wurden
nach Bedarf und nur auf Zeit extraordinaris kapiteinen angestellt. Das
smtliche brige Personal wurde erst bei den Indienststellungen
angeworben.

Das =Schiffsmaterial= bestand anfangs nur aus wenigen, aber bald aus
einer sehr groen Zahl von kleinen Fahrzeugen. Schon 1575 stellte Seeland
etwa 140 Schiffe, 40-140 tons mit 1 Mann pro Tonne Besatzung und 8-20
leichten (3-9-Pfnder) Geschtzen, grtenteils nur fr Flsse und
Flumndungen brauchbar. Holland besa weniger, aber grere, bis zu 250
tons mit 32 Kanonen. Bis zur Zeit der Armada wchst zwar die Zahl, nicht
aber die Gre der Schiffe, da man bei der Art der Kriegfhrung groe
Schiffe nicht unbedingt ntig hatte und auch die Geldmittel fr deren Bau
nicht reichten. Als aber dann der Krieg auf die offene See hinaustrat,
und mit dem Freiwerden der See der Wohlstand wuchs, wurden auch die
Schiffe grer. Bei dem Zug gegen Cadiz 1597 findet man schon 18 zu 200
bis 400 tons mit 16-24 Geschtzen und 100-130 Mann; 13 davon sind
allerdings noch geheuerte Handelsschiffe. Grere Kriegsschiffe sind also
noch nicht gengend gebaut, aber auch dieses geschieht. Die Angabe der
Streitkrfte, die gegen Dnkirchen im Anfang des 17. Jahrh. verwendet
wurden (vgl. Seite 140), zeigt schon die Vermehrung der greren
Kriegsschiffe, und der Stand der Marine um 1642 ist nach folgender
Tabelle der um diese Zeit in Dienst befindlichen Schiffe zu beurteilen:

  Admiralitt:  Rotterdam  Amsterdam  Seeland  Norderquartier  Vriesland
  Schiffszahl:     45        39         35          20            4
               =Summa=: 143 Segel =und zwar=

  Admiralitt:  Rotterdam   Amsterdam  Seeland  Norderquartier  Vriesland
  Schiffszahl:     1 1)      1     9     49          36           47
  Tonnen ca.     600 2)    500 2) 4-500      2-400              unter 200
  Kanonen         57        46   32-36  24-30      20-23         2-20
  Seeleute       200       140    110           100               ?
  Soldaten        40        30     30            20               ?

  1) Nur dieses Schiff war Zweidecker.

  2) Wahrscheinlich noch etwas grer.

Es war mithin, was Material anbetrifft, eine ansehnliche Marine.
Allerdings lag ihre Kraft in mittleren, ja kleinen Schiffen, die
keineswegs immer im Dienst waren; wenn die Schiffahrt im Herbst aufhrte
oder sonst kein Anla vorlag, wurde ein Teil aufgelegt. Auf dieser Hhe
blieb die Marine auch nur whrend des Kriegszustandes; nach dem
Westflischen Frieden wurde sie sofort auf 40 Schiffe verringert. Die
brigen wurden verkauft oder vernachlssigt, so da wir die Niederlnder
mit einer weit geringeren Anzahl wirklicher Kriegsschiffe in den ersten
englisch-hollndischen Krieg werden eintreten sehen.

Einen groen Rckhalt hatte die Kriegsmarine an den beiden indischen
Kompagnien, deren Schiffsbestand schon angefhrt ist (Seite 87, 88).
Diese Schiffe, an Gre im Durchschnitt den Kriegsschiffen berlegen,
allerdings verhltnismig schwcher armiert, waren die geeignetsten
Kauffahrer fr die Verstrkung der Kriegsflotte; sie waren fast
vollwertige Kriegsschiffe und werden deshalb bei Angaben ber
Zusammensetzung von Flotten auch immer getrennt von den anderen
Handelsschiffen aufgefhrt. Sie bildeten ferner eine Schule fr Offiziere
und Mannschaften zum spteren Dienst auf Kriegsschiffen; viele der
berhmten Flaggoffiziere in den Kriegen des 17. Jahrh. haben auf ihnen
ihre seemnnische und militrische Ausbildung erhalten. Hierzu traten die
Seeleute, die die harte Schule der Hochseefischerei durchgemacht hatten,
als vorzgliches Personal.

Die Marine $Englands$,[72] deren Anfnge wir schon betrachtet haben
(Seite 50), wuchs unter Heinrich VIII. besonders in Hinsicht auf die
Gre der Schiffe. Ihr Bestand zu verschiedenen Zeiten des hier
geschilderten Abschnittes (1522, 1548) ist angegeben (Seite 98 ff.), um
als Beispiel fr die Entwicklung des Schiffbaues zu dienen. Whrend
Heinrichs VIII. Regierung waren 23 Schiffe als Kriegsschiffe neu erbaut
und 15 geeignete Handelsschiffe angekauft. 1548 stellte die Gesamtzahl
von 53 Schiffen einen Tonnengehalt von 11268 tons dar. Unter Eduard VI.
und Mary ging der Bestand aber wieder so herunter, da 1558 nur 26 mit
7110 tons vorhanden waren. Auch die ersten Regierungsjahre Elisabeths
(seit 1558) brachten hierin keine wesentliche nderung: 1565 finden wir
29 Schiffe, 1575 gar nur 24 mit 10470 tons.

  [72] Clowes, Teil I und II, die Kapitel Civil history.

Von jetzt wuchs die Zahl wieder. Gegen die Armada fochten 34 knigliche
Schiffe, nahezu der Gesamtbestand, und um 1603 werden 42 aufgezhlt, und
zwar:

    Schiffszahl          2       6         10       12        12
    Tonnengehalt       1000   800-900   500-700   200-400  unter 200
    schwere Geschtze  48-38   38-30     38-26     30-15     21-3
    leichte Geschtze   0-30    2-18      0-24      0-12      3-21
    Seeleute            340   270-340   150-230    70-130      ?
    Gunner               40    32-40      30       12-20       ?
    Soldaten            120   100-120    70-90     20-50       ?

Da die Flotte Elisabeths trotz der vielen Unternehmungen in ihrer Zeit
so gering war, ist dadurch zu erklren, da bei den Expeditionen zur
Strung des feindlichen Handels wie gegen die Ksten die Kriegsschiffe
meist nur den Kern der Flotten, Flaggschiffe und Gruppenfhrer, bildeten;
als solche wurden sie auch zu den Privatzgen gestellt. Dagegen ist
hervorzuheben, da das Material auf der Hhe der Zeit gestanden haben
mu. Elisabeth hat viele neue Schiffe erbaut. Schon 1587 waren fast alle
Fahrzeuge zwischen 500 und 800 tons neu; im ganzen sind whrend ihrer
Regierung 55 erbaut, davon 38 nach 1586.

Unter Jakob I. wurden die Schiffe vernachlssigt, wenn auch ihre Zahl
sich nicht verringerte, unter Karl I. trat dagegen wieder ein Zuwachs
ein. 1649 war der Bestand:

  Schiffszahl     1     1     10      5      10     ca. 24   ca. 20
  Tonnengehalt  1683  1187   8-900   7-800   5-700   2-400  kleinere
  Kanonen        100   64   40-44   40-50   30-38   30-38

  Die Geschtze unter =3-Pfund-Kaliber= werden jetzt nicht mehr
  mitgezhlt; die Schiffe, namentlich die kleineren, sind oft
  berarmiert.

Wieder waren es zeitgeme Schiffe, darunter jetzt schon viele
Zweidecker; 30-40 sind whrend Karls Regierung erbaut. Auffallend ist der
Bestand an greren Schiffen gegenber den Angaben fr die hollndische
Marine um 1642, sowohl was die absolute Gre einzelner Schiffe wie auch
das Verhltnis zur Gesamtzahl anbetrifft.

An der Spitze der Marine stand, wie schon im Mittelalter, der
=Lordhighadmiral=, die Verwaltung leitete ein Clerk of the ships. Die
Entwicklung machte jedoch bald die Einrichtung grerer Behrden ntig,
und 1546 wurde ein Navy-board fr Verwaltungsangelegenheiten -- Bau,
Reparatur, Ausrstung und Armierung der Schiffe -- und ein
Admiralty-board zur Untersttzung des Admirals in Kommandosachen
gegrndet. Schon einmal von 1628-1638 ist das Amt des Lordhighadmirals
von einer Kommission wahrgenommen, wie es in spteren Zeiten (Admiralitt
mit erstem Lord) die Regel ward.

Fest angestellte =Offiziere= waren sonst nicht vorhanden, nicht einmal,
wie in Holland, ein Stamm von Kapitnen; die ganze Besatzung wurde bei
der Indienststellung angeworben. Auch in England hatte man ein
vorzgliches Personal an den Offizieren und Mannschaften, die auf den
Schiffen der Freibeuter, der Entdeckungsreisen und der Hochseefischerei
gedient hatten. Unter den Fhrern und Kapitnen im spanischen Kriege
finden wir die Namen der groen Entdecker und Freibeuter. Da die
Kapitne, die militrischen Kommandanten, Seeleute von Beruf waren, war
seit Beginn des Zeitabschnittes die Regel geworden.

In $Frankreich$[73] hatten die Versuche um 1374 (Seite 51) und spter
unter Franz I. und Heinrich IV., eine Marine zu grnden, keinen
nachhaltigen Erfolg; um 1626 werden nur 20 knigliche Schiffe erwhnt. An
der Spitze des Seewesens stand ein Admiral von Frankreich -- meist nur
ein Ehrenposten fr einen Prinzen von Geblt oder Granden --, unter ihm
Admirale -- chefs d'escadre -- fr die Kstenprovinzen Guyenne, Bretagne,
Normandie, Provence. Diese heuerten oder kauften im Kriegsfalle geeignete
Schiffe, oft in Holland und selbst in Schweden, und warben Kapitne und
Mannschaften. Das Personal bestand besonders aus Seeleuten der Stdte am
Kanal, die Freibeuterei betrieben, aber auch aus Reislufern aller
Lnder.

  [73] Quellen: Roncire; Chab-Arnault; Nauticus 1901.

Erst Richelieu, der den Mangel einer strkeren Marine in den Kriegen
gegen La Rochelle gefhlt hatte und auch einsah, da sie zur Durchfhrung
seiner Politik gegen Spanien-sterreich sowie fr seine Handels- und
Kolonialplne ntig sei, versuchte eine solche zu grnden. Er errichtete
Werften in den Haupthfen, setzte Kommissionen zur Beaufsichtigung des
Schiffbaues ein und vermehrte den Stab der Kstenadmirale fr
militrische und Verwaltungszwecke. Ferner versuchte er, ein
Offizierkorps zu schaffen, indem er tchtige Kapitne fest anstellte und
zwar mit dem Hauptzweck, durch sie junge Edelleute zu Seeoffizieren zu
erziehen. Auch sonst erlie er wichtige organisatorische Bestimmungen; er
schuf z. B. eine Truppe (200 Mann) seemnnischer Kanoniere in der Art der
Gunner in England. Richelieu fhrte eine Zeitlang selbst die Oberleitung
des Seewesens (als Admiral von Frankreich und Grand matre de la marine
et du commerce). Um 1644 besa die knigliche Marine 30 grere
Kriegsschiffe, 27 kleinere und 13 Brander. Da die Schiffe auf der Hhe
der Zeit standen, beweist der Umstand, da die Couronne dem Royal
Sovereign ebenbrtig genannt wird -- sie war 1636 gebaut, 1800 tons
gro; ihre Segeleigenschaften wurden gerhmt -- und da 1635 das
Flaggschiff eines Geschwaders von 39 Schiffen, allerdings meist
Kauffahrer, im Kriege gegen Spanien 1000 tons gro war mit 52 Kanonen.

Aber auch diese Marine verfiel wieder unter Mazarin. Der Versuch,
ein besseres Offizierkorps zu grnden, scheint sogar zum
Nachteil ausgeschlagen zu sein. Es wurde blich, Kapitns- und
Leutnants-Stellungen nach Gunst zu vergeben, so da diese Chargen
bekleidet wurden von Leuten ohne seemnnische Erziehung, die in der
Fhrung des Schiffes vllig abhngig vom seemnnischen Personal waren.
Erst Colbert rief etwa um 1660 eine neue Marine ins Leben, die in der
Organisation auf den Bestimmungen Richelieus aufgebaut war.

  =Eine= Schpfung in Frankreich hatte Bestand: die $Galerenflotte im
  Mittelmeer$ (Marseille). Sie war in den neunziger Jahren des 15. Jahrh.
  fr die Kriege gegen Spanien und die italienischen Stdte gegrndet
  worden und war eine stehende Marine wie die der Gegner. Sie stand unter
  dem =Gnral des galres=, hatte ein festes Offizierkorps, feste
  Verwaltung und Budget; die Ruderer waren Strflinge. Diese Galeren
  fanden nicht nur Verwendung im Mittelmeer, sie erscheinen bis zu 25
  Fahrzeugen stark auch im Atlantik (unter Franz I. 1544). Bei weiten
  Unternehmungen begleiteten sie eigene Transporter. Sie blieb lange
  vllig selbstndig, bis sie 1748 mit der Hochseemarine vereinigt
  wurde.[74]

  [74] Nheres ber die Galerenflotte: du Sein, Teil I, Seite 264;
       Jurien, Derniers jours.

Vorstehende Angaben zeigen uns, da den neu entstandenen
Segelschiffsmarinen doch noch zu viel fehlt, um sie voll als stehende
Marinen bezeichnen zu knnen. In dem Schiffsbestande ist keine
Stetigkeit, er schwankt unter dem Einflusse der inneren und ueren
politischen Verhltnisse der Lnder; die absolute Gre der Kriegsmarinen
ist meist so gering, da die Schiffe eigentlich nur den Kern der zur
Verwendung kommenden Flotten bilden knnen. Holland macht in dieser
Beziehung zwar eine Ausnahme, aber gerade hier tritt der erste Mangel
hervor: nach Beendigung der Krieges wird der Bestand auf ein Drittel
verringert und kommt nun wieder dem der anderen Marinen gleich.

Von einem organisierten oder nur festen Bestande beim =Personal= ist
berhaupt nicht die Rede. In der Praxis wird es wohl anders gewesen sein.
Fassen wir z. B. England und Holland ins Auge. Die kriegerischen
Ereignisse folgten sich nahezu ununterbrochen mit nur kurzen Pausen;
beide Lnder muten ferner jhrlich mit Beginn der Schiffahrt fast alle
vorhandenen Kriegsschiffe zum Schutze ihres Handels in Dienst stellen. Es
bot sich mithin stets Gelegenheit fr den Kriegsdienst zur See. -- Die
Besatzungsfrage war aber bei zunehmender Vervollkommnung der Schiffe in
seemnnischer und artilleristischer Hinsicht immer wichtiger geworden; es
gengte nicht mehr, eine kleine Zahl von Seeleuten zur Bedienung der
Schiffe und eine grere von Soldaten zum Kampf an Bord zu nehmen. Die
Bedienung erforderte ein strkeres seemnnisches Personal und dieses
bernahm bei der Herabsetzung der Zahl der Kriegsleute die Bedienung der
Artillerie mit, als seegewohnt hierzu geeigneter als die Soldaten. Zwar
wurden noch besondere Kanoniere (z. B. in England die Gunner)
eingeschifft, die Zahlenangaben zeigen aber, da sie nur fr die
Hauptgeschtznummern oder fr Unteroffiziersdienste bestimmt gewesen sein
knnen. Whrend im Mittelalter die Besatzung zu zwei Dritteln aus
Soldaten bestand, enthlt sie am Ende des hier geschilderten
Zeitabschnittes etwa drei Viertel Seeleute. Vor allem aber hatte man
Kapitne und Dienstgrade -- Ober- und Unteroffiziere -- ntig, die im
Kriegsschiffsdienste erfahren waren.

Auch die geheuerten Kauffahrer scheinen meistens mit kriegserfahrenen
Kapitnen besetzt gewesen zu sein. Zuweilen werden nmlich Mierfolge
damit begrndet, da solche Schiffe durch ihre frheren Kapitne gefhrt
gewesen seien; in England wird dies deshalb bald grundstzlich verboten.
Da ist denn wohl anzunehmen, da sich bei den Indienststellungen in
erster Linie Personen meldeten, die schon auf Kriegsschiffen gedient
hatten, namentlich was die Dienstgrade anbetrifft; in Holland muten sich
die Bewerber um wichtigere Stellen seit 1618 einer Befhigungsprfung
unterziehen. In England und in Frankreich wurden auch schon die ersten
Versuche gemacht, durch Einstellung von Aspiranten Seeoffiziere
heranzubilden. Es war also doch gewissermaen schon ein
Kriegsschiffspersonal vorhanden, auf dessen Eigenart und weitere
Entwicklung wir im nchsten Abschnitt nher eingehen werden.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *




Dritter Abschnitt.

Die Zeit von 1648-1739.

Kennzeichen des Abschnittes.

  Entwicklung grerer stehender Kriegsmarinen. Auftreten von Schiffen
  bestimmter Klassen nach Gre und Armierung und zu besonderen Zwecken.
  Entstehen einer Taktik fr Segelschiffs-Flotten, die aber nur
  schematisch durchgefhrt wird. Beginn einer Kriegfhrung zur See, die
  eine dauernde Beherrschung des Meeres zum Ziele hat; das Niederkmpfen
  der feindlichen Seestreitkrfte tritt in den Vordergrund.


[Illustration]


                             Erstes Kapitel.

              Geschichtlicher berblick ber den Abschnitt.

        Seine Bedeutung fr die Entwicklung des Seekriegswesens.

                               Einleitung.

Infolge des Dreiigjhrigen Krieges waren Frankreich und Schweden zu
besonderem Ansehen bei den europischen Staaten gelangt; Deutschland lag
schwer danieder und war durch die Selbstndigkeit der vielen kleinen
Staaten nach auen ohnmchtig. Portugal war 1640 wieder unabhngig von
Spanien geworden, die Niederlande wurden im Westflischen Frieden als
selbstndige Republik anerkannt und damit waren ihre Freiheitskriege
gegen Spanien erfolgreich beendet. Spanien war hierdurch und auch sonst
durch die Opfer, die seine katholische Weltmachtpolitik erfordert hatte,
erschpft und trat allmhlich in die zweite Linie der Staaten zurck.
England (Grobritannien) nimmt nach Vertreibung des Hauses Stuart als
Republik unter Cromwell einen neuen Aufschwung und gewinnt an Ansehen und
Macht.

Im Verlauf der ersten Hlfte des 17. Jahrh. (vgl. Seite 78-88) waren
Hollnder und Englnder als Nebenbuhler der Portugiesen und Spanier auf
den Ozeanen mchtig geworden, ja sie hatten diese Staaten schon berholt;
in den indischen Gewssern war Holland bereits als herrschende Nation an
die Stelle Portugals getreten. Die Hollnder waren wiederum den
Englndern unter den Stuarts weit vorausgeeilt und konnten um 1650 das
Meer als ihr Eigentum ansehen.

  1648 hatte Cromwell seine Gegner aus dem Parlament verjagt; das neue
  Parlament (Rump-Parlament) lie 1649 Karl I. hinrichten. Nach dem Tode
  Elisabeths (1603) war auch gegen Holland ein Stocken in den
  berseeischen Unternehmungen eingetreten. Der Handel Hollands berwog
  auf den Ozeanen und in den europischen Gewssern -- Mittelmeer und
  besonders Ostsee -- den Englands ganz bedeutend; noch Colbert nahm an,
  da die hollndische Kauffahrteiflotte 4/5 der gesamten europischen
  ausmache.

Als sich nun England unter =Cromwell= zu neuem Streben erhob und dieser
groe Staatsmann sein Augenmerk auch besonders auf die Verdrngung
Hollands aus der ersten Stelle als Seemacht richtete, erfolgte der
Zusammensto der beiden Staaten.[75] Wenn sie auch als protestantische
Mchte natrliche und aufeinander angewiesene Verbndete waren, so fhrte
doch ihr Wettbewerb im Welthandel in der zweiten Hlfte des 17. Jahrh. zu
den blutigsten Kriegen miteinander.

  [75] Ich weise bei diesen Betrachtungen auf Rodenberg, Seemacht in der
       Geschichte, hin, dessen kurz und klar gefate Auslassungen hier
       vielfach benutzt sind.

Die Englnder waren die Angriffslustigen und Angreifenden, teils durch
die gnstige Lage ihres Landes auf dem Kriegstheater dazu bewogen, teils
in der richtigen, sich immer mehr bahnbrechenden Erkenntnis, da die
Macht auf dem Meere das sicherste Mittel sei, um den Handel auf ihm zu
beherrschen (Raleighs Ausspruch, Seite 143). Wenn diese Kriege nun auch
noch keine endgltige Entscheidung zwischen beiden Staaten brachten, so
entwickelte sich doch in ihnen England zu einer Holland ebenbrtigen
Seemacht und arbeitete von nun an zielbewut und beharrlich daran, sich
die alleinige Herrschaft auf allen Meeren zu erringen und zu sichern. Die
erbitterten Kmpfe um die Vorherrschaft auf dem Meere hatten
natrlicherweise die grte Pflege der Kriegsflotten zur Folge; besonders
in England verlor man dieses wichtige Erfordernis nie mehr, auch nicht in
Friedenszeiten, aus dem Auge, whrend man in Holland hufig nur Notlagen
Rechnung trug.

Zur Zeit dieser englisch-hollndischen Kriege erschien aber auch
Frankreich als Macht auf dem Meere. Auf dem Festlande an die Stelle
Spaniens getreten, strebte es nach hchster Geltung in der Welt und
konnte einer Marine nicht entbehren. Schon =Richelieu= und dann =Colbert=
schufen eine solche zugleich mit der Absicht, dadurch Seehandel und
Kolonisation, fr deren Wert beide Mnner volles Verstndnis hatten, zu
heben und zu schtzen. Da aber die Neigung der Franzosen zu derartigen
Unternehmungen schwcher als die der germanischen Staaten war und die
Regierung erst dazu anleiten mute, so blieben die Ergebnisse hierin
zunchst gering. Frankreichs Politik war auerdem in der Hauptsache auf
kontinentale Ausbreitung nach Osten hin gerichtet, wo die beiden
innerlich zersplitterten Staaten Deutschland und Italien stets Aussicht
auf Machterweiterung boten. So ist fr =Ludwig= XIV. die Flotte mehr eine
Waffe zweiter Ordnung zur Untersttzung des Landkrieges gewesen; grere,
zur See allein erreichbare Ziele wurden der Flotte nur vorbergehend
gesteckt; die Macht zur See wurde nur fr bestimmte Zwecke angestrebt,
nicht aber als Selbstzweck dauernd im Auge behalten, hnlich der
Seekriegfhrung der frheren Zeiten. Diese Umstnde lhmten die
Entwicklung Frankreichs als Seemacht, seine Flotte erreichte nicht die
Leistungen der hollndischen und englischen. Sie war aber immerhin durch
militrischen Geist ausgezeichnet und wurde, da ihr die Mittel eines
absoluten Staates zur Verfgung standen, eine achtbare Waffe, die schon
beim zweiten englisch-hollndischen Kriege auf der Seite Hollands, im
dritten auf der Englands erscheint und um die Mitte dieses Abschnittes
(1689-1697) bei den Versuchen Ludwigs XIV., den aus England durch
Wilhelm von Oranien (Wilhelm III., 1688) vertriebenen Jakob II. wieder
einzusetzen, eine groe Rolle spielt.

Spanien tritt in den Kriegen zur See dieser Zeit wenig hervor, meist nur
als Bundesgenosse. Wenn es auch trotz sonstiger Erschlaffung seiner
Flotte immer noch Frsorge zu teil werden lie, weil es ihrer zur
Heimfhrung der ihm unentbehrlichen Einknfte (Edelmetalle) aus den
Kolonien bedurfte, so stand seine Flotte doch nicht mehr auf der Hhe der
Zeit und folgte auch der Entwicklung der jetzt aufstrebenden Marinen
nicht gengend. Portugals Macht war nach kurzer Blte unter den ersten
Knigen des Hauses Braganza infolge schlechter Verwaltung aufs neue
gesunken und geriet mehr und mehr als Englands Schtzling in dessen
Abhngigkeit. Seine Flotte war schon mit dem stetig fortschreitenden
Verlust der Kolonien verringert worden und wurde immer mehr
vernachlssigt.

Die militrisch-maritime Bedeutung Schwedens und Dnemarks, deren Flotten
in diesem Zeitabschnitt schon wohlorganisiert waren -- ja sogar frher
als die Englands und Hollands --, trat nicht aus der Ostsee heraus;
Ruland grndete erst unter Peter dem Groen eine Marine, die dann Anfang
des 18. Jahrh. ihre Feuertaufe erhielt. Im Mittelmeer ist fr diesen
Abschnitt, abgesehen von den Kmpfen, welche die neuen drei groen
Seemchte dort ausfochten, nur das Ende des Ringens Venedigs mit den
Trken um Besitzungen und Seemacht, besonders im Ostbecken, von
einigermaen seekriegsgeschichtlicher Bedeutung.

Die Entscheidung zwischen den drei groen Seemchten fiel am Ende dieses
Abschnittes im Spanischen Erbfolgekriege 1701-1714. Frankreich unterlag
darin England und Holland zur See und ihren festlndischen Verbndeten zu
Lande; seine Flotte verschwand nahezu wieder vom Meere. -- Den Gewinn auf
dem Meere zogen jedoch nur die Englnder. Holland hatte, da ihm von der
franzsischen Flotte keine Gefahr drohte und es im Landkriege von
Frankreich fast erdrckt war, seine Bundespflichten zur See nur lau
erfllt, England dagegen gern und wohlberlegt die ganze Last des
Seekrieges auf sich genommen. Beim Friedensschlu stand England als
unwiderstehliche Seemacht da und konnte durchsetzen, was es wollte. Es
verstrkte seine Stellung am Atlantischen Ozean (durch Erwerbung von
Neufundland, Neuschottland, Gibraltar, im Mittelmeer Minorca) derart, da
es diesen und damit den ganzen berseeischen Handel Europas beherrschte,
es war wiederum einen Schritt weiter auf dem Wege gekommen, sich zum
Gebieter auf allen Meeren zu machen. Holland fand nie wieder die Kraft,
nach hchster Macht auf dem Meere die Hand auszustrecken, es trat damit
wie Spanien in die Reihe der Staaten zweiten Ranges zurck; der Verlust
der Seemacht hatte auch den allmhlichen Rckgang des Seehandels zur
Folge, allerdings nicht sofort, denn dazu war die im Lande whrend seiner
groen Zeit angehufte Summe an Geld und Tatkraft noch zu bedeutend.

$Bedeutung des Abschnittes fr die Entwicklung des Seekriegswesens.$ Die
wichtigsten Seekriege fechten also zunchst England und Holland, dann
England und Frankreich aus. Diese Kriege zeitigen eine Entwicklung des
Seekriegswesens in allen den Punkten, die als Kennzeichen des Abschnittes
angegeben sind. An Stelle einer Kriegfhrung =ber= See, bestehend in
gegenseitigen Brandschatzungen und Einfllen, tritt die Kriegfhrung
=auf= See. Es werden groe Seekriege um Ziele gefhrt, die nur durch die
dauernde Herrschaft ber das Meer erreicht werden knnen. Die ersten
Anfnge hierzu zeigen sich schon in der zweiten Hlfte des vorigen
Abschnittes (Seite 143), aber erst in den jetzt folgenden Kriegen tritt
der Umschwung deutlich hervor.

An die Marine stellte man nunmehr weit hhere Anforderungen und widmete
ihr deshalb auch eine sorgfltigere Pflege als frher. Eine nur zu einem
bestimmten Zwecke aufgebotene Flotte konnte nicht mehr gengen, mchtige
stehende Flotten wurden notwendig.

Wenn auch zu Anfang noch vielfach Kauffahrteischiffe zur Kriegfhrung mit
herangezogen werden, so wchst doch in allen Marinen die Zahl und die
Gte der eigentlichen Kriegsschiffe, nach und nach verschwinden die
Kauffahrer in den Flotten. Auch beginnt man, die Kriegsschiffe nach ihrem
Gefechtswert und fr verschiedene Zwecke, taktischen und strategischen
Erwgungen folgend, in bestimmte Klassen einzuteilen. Dieser Proze kommt
im Verlauf des vorliegenden Abschnittes eigentlich schon zum Abschlu, in
der weiteren Zeit der Segelschiffe treten in dieser Hinsicht nur noch
Verschiebungen und Vervollkommnungen ein. Auch in Bau und Einrichtung des
einzelnen Schiffes erscheinen nach der Mitte des 18. Jahrh. im
wesentlichen nur noch Verbesserungen, whrend der Schiffstyp ebenfalls
schon in der jetzt zu besprechenden Zeit festgelegt war.

Mit der inneren Durchbildung und Festigung der stehenden Flotten, mit der
Heranbildung von Berufs-Seeoffizieren tritt nach und nach eine Taktik fr
die Fhrung von Segelflotten auf, deren Grundstze schon in Instruktionen
niedergelegt wurden; um die Mitte des Abschnittes erscheint sogar bereits
die erste wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet von Kaplan Hoste,
siehe Quellenverzeichnis. Diese Taktik wird aber dann bald nur
schematisch durchgefhrt, und die in genannter Schrift enthaltenen
wertvollen Hinweise zu sinngemer Anwendung und Erweiterung der Regeln
werden nicht bentzt; es bleibt dies dem nchsten Zeitabschnitt
berlassen.

Endlich sind die zu besprechenden Kriege lehrreich in strategischer
Hinsicht. Da in ihnen zuerst eine Kriegfhrung auftritt, die an Stelle
rtlicher und zeitlicher Erfolge die Erringung und Erhaltung der
Herrschaft ber das Meer zum Ziele hat, so kann man auch erst von jetzt
ab von einer Strategie zur See sprechen. =Ihre Entwicklung lehrte, da
alle groen Ziele im Seekriege nur durch das Niederkmpfen der
feindlichen Streitkrfte erreicht werden knnen.=

In dem vorigen Zeitabschnitt war der feindliche Handel ein
Hauptangriffsziel geworden. Er wird es zunchst noch immer mehr, aber
bald tritt der Kampf der Seestreitkrfte gegeneinander in den
Vordergrund.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Zweites Kapitel.

                  Die Entwicklung des Seekriegswesens.

    Schiffe, Waffen, Schiffsklassen, Personal, Kampfweise und Taktik.

  In diesem Kapitel sind in erster Linie die einschlgigen englischen
  Verhltnisse betrachtet, da ber diese die besten und neuesten Quellen
  zur Verfgung stehen; sie bieten uns auch gengend Anhaltspunkte zur
  Beurteilung der Verhltnisse der anderen Marinen. Jurien sagt: Die
  englisch-hollndischen Kriege gebaren die modernen Marinen." England
  begann whrend und nach diesen Kriegen seiner Marine die Pflege
  zuzuwenden, die sie nach und nach zu der mchtigsten gemacht hat. Seine
  Marine stand schon zu Ende dieses Zeitabschnittes fast auf dieser
  Stelle, und so kann ihre Entwicklung wohl als magebend fr die
  allgemeine Fortbildung des Seekriegswesens angesehen werden.


                            Die Schiffe.[76]

Wir haben die Entwicklung des Kriegsschiffbaues bis etwa 1648 verfolgt;
die Artillerie war Hauptwaffe geworden und in den Breitseiten
aufgestellt. Es sind Beispiele der grten englischen Kriegsschiffe
gegeben, die zu Ende des vorigen Abschnittes erbaut wurden -- der erste
Zweidecker und der erste Dreidecker (vgl. Seite 100 u. 101).

  [76] Hauptschlich bentzte Quellen: Clowes, Teil I, II, III; Troude,
       Teil I; Jurien: Les marins du XV sicle; Arenhold; de Jonge; alle,
       besonders Clowes, geben an, aus welchen technischen Quellen sie
       ihrerseits geschpft haben.

Diese groen Kriegsschiffe waren aber nur wenige, um 1648 zhlte die
englische Marine in einem Gesamtbestande von etwa 75 wirklichen
Kriegsschiffen nur 2 Schiffe ber 1000 tons, eben die besonders
beschriebenen, und etwa 8 zwischen 800 und 900 tons, whrend in dem Reste
eine sehr groe Zahl ganz kleiner, unter 400 tons, enthalten war. Bei der
berhaupt geringen Zahl von Kriegsschiffen werden zunchst auch noch
weiter in groem Mastabe Kauffahrer herangezogen, wenn es sich um
Aufstellung mchtiger Flotten handelt, ganz besonders in Holland. In
England beginnt man aber jetzt damit, wirkliche Kriegsschiffe in grerer
Zahl zu erbauen.

  In den elf Jahren der Republik wurden etwa 86 Schiffe neu erbaut, davon
  allein 59 in den Jahren 1649-1654, also dicht vor, whrend und dicht
  nach dem ersten Kriege.[77] Zu diesen Schiffen treten als Vermehrung
  des Bestandes noch etwa 12 Gekaufte, wohl als Freibeuter gebaute
  Kauffahrer, und eine sehr groe Zahl, ber 100, vom Feinde Genommene;
  diese werden gleichfalls meistens Kauffahrer gewesen sein, weil sie
  nach dem ersten Kriege grtenteils wieder verkauft worden sind.

  [77] Clowes gibt, Teil II, Seite 107 ein Verzeichnis dieser Schiffe.

Diesem Beispiele mssen dann die anderen Nationen folgen. Wenn auch noch
zu Beginn des Zeitabschnittes die greren Kauffahrer vielen kleineren
Kriegsschiffen an Gefechtskraft nicht sehr nachstanden, so macht sich
doch nun bald ein Unterschied bemerkbar. Die neuen Kriegsschiffe werden
nicht nur geeigneter fr den Kampf, sondern auch berhaupt sorgfltiger,
widerstandsfhiger gebaut und immer strker armiert; die Kauffahrer
werden damit minderwertig, selbst die groen Schiffe der Kompagnien
gengen nicht mehr, waren doch mit wenigen Ausnahmen sogar bei der
hollndisch-westindischen Kompagnie 30 Kanonen ihre strkste Armierung.
Auch die Kriegfhrung wird eine andere. Auf lngere Zeitdauer werden
groe Flotten beansprucht, denn es handelt sich nicht mehr um einzelne
Schlge, nach deren Ausfhrung die Streitkrfte wieder entlassen werden.

Die zu lange Inanspruchnahme der Handelsschiffe fr den Kriegsdienst
hatte bereits hufig in England Mistimmung, ja Widersetzlichkeit
hervorgerufen. So verschwinden denn nach und nach die armierten
Kauffahrer aus den Kriegsflotten; es verschwinden auch die bisher immer
noch zu gewissen Zwecken benutzten Kriegsruderschiffe und ebenso hrt der
gelegentliche Gebrauch von Riemen auf greren Segelschiffen auf.

Da in den Kriegen von jetzt an weit hhere Anforderungen an die
Kriegsschiffe gestellt wurden als bisher, so fhrte -- vor anderen
Nationen zuerst wieder in England -- die Zunahme des Baues auch zu
weiteren Verbesserungen.

Hervorzuheben ist, da die Englnder zunchst den Bau kleinerer,
hchstens mittelgroer Schiffe bevorzugten, scheinbar ein Rckschritt
gegen die bisherige Entwicklung. Wir kennen den Bestand um 1649 (Seite
152); die Zahl der Schiffe I. Klasse ber 800 tons wuchs jetzt ganz
unverhltnismig weniger als die der brigen.

Von den etwa 100 whrend der Republik beschafften Schiffen -- 86 gebaute,
12 gekaufte -- waren: 4 ber 800 tons (alle 1000 und darber), 60-80
Kanonen; 20 von 600-800 tons, 48-52 Kanonen; 25 von 400-600 tons, 36-40
Kanonen; 25 von 200-400 tons, 20-34 Kanonen; 25 noch kleinere.

  Smtliche Schiffe ber 20 Kanonen, wenigstens die Neubauten, fhrten
  ihre schwereren Geschtze auf zwei Hauptdecken und darber leichtere
  auf Vor- und Quarterdeck; sie waren also Zweidecker, wenn auch die
  obere Hauptbatterie nicht immer ganz eingedeckt war (vgl. Seite 169,
  Skizze ber Aufstellung der Geschtze).

  Die vier Schiffe der ersten Klasse und viele der zweiten sind erst nach
  dem Kriege gebaut.

Die groen Schiffe waren immer noch zu unhandlich und zu wenig seefhig,
zu gefhrdet an den Ksten und in schlechtem Wetter, auch der Umstand,
da man im ersten englisch-hollndischen Kriege den Hauptwert auf das
Bedrohen des feindlichen Handels durch Aufbringen von Kauffahrern legte,
lie die mittleren Schiffe geeigneter erscheinen; sie konnten berdies
schneller und billiger beschafft werden.

In Hinsicht auf die Taktik machte sich vorerst auch kein groes Bedrfnis
nach mchtigen Schiffen geltend; der Bedarf daran als Flagg- oder
Gruppenfhrer-Schiffe war vorhanden. Mit der neuen Kriegfhrung, die sich
in erster Linie gegen die feindlichen Streitkrfte richtete, und mit der
langsam fortschreitenden Verbesserung der Schiffe ndert sich dies. Nicht
nur grere Fahrzeuge, als bisher, und in grerer Anzahl werden wieder
gebaut, sondern die Schiffe mit einer bestimmten Kanonenzahl wachsen auch
immer weiter an Tonnengehalt. Noch durch das ganze 18. Jahrh. hlt sich
dieses Bestreben, so wird z. B. das 80 Kanonen-Schiff im nchsten
Zeitabschnitte vom Dreidecker zum Zweidecker, weil es derartige
Grenverhltnisse erhalten hat, da die Kanonen auf zwei Decken
aufgestellt werden knnen.

Bei Besprechung der Schiffsklassen spter wird man das mchtige Wachsen
des einzelnen Schiffes in jeder Klasse ersehen.

Die Englnder begannen ferner die Schiffe lnger im Verhltnis zur Breite
zu bauen -- frher 3: 1, jetzt 3-1/2: 1, Ende des 17. Jahrh. 4: 1 --,
niedriger ber Wasser, mit kleineren Aufbauten und mit besseren Linien
unter Wasser, um schnellere Schiffe und stabilere Geschtzstnde zu
erhalten; Ils les frgatrent, sagt darber ein alter franzsischer
Autor (Seignelay).

Als einer der ersten dieser moderneren Bauten ist wohl der =Constant
Warwick= anzusehen, 1646 als Freibeuter gebaut und 1649 von der Marine
angekauft, 379 tons, 90' lang, 28' breit, 30 Kanonen. Diesem Schiffe
folgten hnliche; als ein Muster weit grerer Schiffe derselben Art
zeigen die englischen Quellen den =Speaker=, gebaut 1649, 778 tons,
34-3/4' breit, 116' lang, 64 Kanonen. Es war dies ein schweres
Schlachtschiff (Zweidecker) der damaligen Zeit und erscheint noch 1660
unter dem Namen Mary als Schlachtschiff III. Klasse. Die Abbildung
zeigt im Vergleich mit den Schiffen des vorigen Abschnittes den
Fortschritt in den Formen des Schiffsrumpfes.

  Der =Constant Warwick= wird gemeiniglich als =erste Fregatte=
  bezeichnet. Das Fahrzeug war aber keine Fregatte im spteren Sinne. d.
  h. ein Schiff nicht fr die Schlachtlinie, sondern fr alle Dienste,
  die Schnelligkeit und doch eine gewisse Gefechtskraft erforderten, mit
  nur einer Hauptbatterie. Da nun bei der Schilderung der kriegerischen
  Ereignisse nach den Quellen oft der Ausdruck Fregatte gebraucht
  werden wird, seien hierber einige Worte gesagt. Schon zur Zeit der
  Ruderschiffe hatte man leichte und schnelle Galeren fr Nachrichten-
  usw. Dienst Fregatten benannt und behielt diese Bezeichnung in der
  ersten Zeit der Segel-Kriegsschiffe bei. Galeon bedeutete
  Gefechtskraft, Fregatte Schnelligkeit. Daher der Ausspruch ils les
  frgatrent, als England die Schiffe im allgemeinen auf grere
  Schnelligkeit baute, daher auch wohl die Bezeichnung Fregatte fr den
  C. Warwick und fr bald darauf hnlich gebaute Fahrzeuge, die
  smtlich zur Schlachtflotte zhlten. Nach Angaben ber Aufstellung der
  Geschtze auf Schiffen seiner Gre mu man annehmen, da Constant
  Warwick ein Zweidecker war, womit auch die uere hnlichkeit mit der
  spteren Fregatte fllt. Im ersten Kriege bauen auch die Hollnder eine
  groe Zahl neuer Kriegsschiffe, die als Fregatten erwhnt werden. Da
  in Holland aber gerade wirkliche Kriegsschiffe als Schlachtschiffe
  fehlten und wir wissen[78], da sie smtlich ber 40 Kanonen fhrten
  und die strksten Schiffe Hollands waren, ist wohl anzunehmen, da man
  sie nur im eben ausgefhrten Sinne Fregatten nannte. Die eigentliche
  Fregatte bildet sich erst im nchsten Zeitabschnitt aus, ihre Bltezeit
  erreicht sie Ende des 18. Jahrh. Ihren Dienst nehmen bis dahin, wenn
  auch Gefechtskraft verlangt wird, die kleineren Zweidecker wahr, wenn
  es nur auf Schnelligkeit ankommt, die noch kleineren Fahrzeuge. Diese
  sind meistens gemeint, wenn in der Folge von Fregatten die Rede ist;
  zuweilen scheint man aber, dem Vorstehenden entsprechend, mittelgroe
  neue Fahrzeuge damit zu bezeichnen, wo man ihre besonders gute
  Segelfhigkeit hervorheben will.

  [78] Clowes, Teil II, Seite 150.

Im allgemeinen mu man aber sagen, da sich die Vervollkommnung der
Kriegsschiffe zunchst mehr auf Verbesserung der Armierung und auf die
Ausbildung bestimmter Schiffsklassen erstreckte. Vom rein seemnnischen
Standpunkte aus geht die Entwicklung der Schiffe in diesem Abschnitt
langsamer vorwrts, als man bei dem gewaltigen Aufschwung der Kriegs- und
Handelsmarinen erwarten sollte. Noch lange blieben See- und
Segeleigenschaften der schweren Schiffe mig, sie wurden nur sehr
langsam besser. Infolge der anfangs immer noch recht plumpen Formen ber
und unter Wasser, mittschiffs mit fast ganz plattem Boden, waren die
Schiffe wenig stabil und rollten stark, auch ihre Segeleigenschaften
wurden hierdurch noch immer beeintrchtigt; der neue fregattenhnliche
Bau scheint erst nach und nach auf die schweren Zwei- und die Dreidecker
ausgedehnt zu sein.

[Illustration: Englisches Schlachtschiff The Speaker.]

  Noch 1740 klagen englische Seeoffiziere darber, da sie bei schwerem
  Wetter die unterste Batterie, in der doch das strkste Kaliber stand,
  nicht gebrauchen knnten. Wenn, auch nach franzsischen Angaben, die
  Englnder mit der Verbesserung des Schiffbaues begannen, so wurden sie
  doch frhzeitig von den Franzosen berholt. Bei Zusammentreffen mit der
  franzsischen Flotte als Freund oder Feind loben die englischen
  Seeleute bald den Bau der fremden Schiffe, und England nimmt sie,
  zuweilen als eroberte, in diesem und dem nchsten Abschnitt oft zum
  Vorbild. 1663 z. B. sah man, da die Franzosen auf ihren
  Hauptschlachtschiffen (70 Kanonen) die Pforten der untersten Batterie
  4' ber Wasser hatten und 3 Monat Proviant stauen konnten, gegen 3' und
  gegen 10 Wochen auf den eigenen; man whlte nun 4-1/2' und 6 Monat.
  Auch 1673 nahm man wieder franzsische Plne zum Vorbilde, um im
  Seegang gefechtsfhigere Schiffe zu erhalten.

Bis 1700 stellte man im Norden im allgemeinen die Seefahrt whrend des
Winters ein; die Strme und die langen, dunkeln Nchte waren besonders
fr grere Schiffe, die kaum aufkreuzen konnten und stark trieben, in
den beschrnkten Gewssern zu gefhrlich. Denn auch die Betakelung lie
viel zu wnschen brig. Noch lange glaubte man, die Segel recht bauchig
schneiden zu mssen, sie waren deshalb hher als die Masten und Stngen;
noch lange blieben die Untersegel die Hauptsegel. Bei zunehmendem Winde
barg man zuerst Bram- und Marssegel, dann wurde das Untersegel gefhrt
und gereeft, noch bis 1720 machte man es auf Deck fest.

Doch wird im Laufe des Zeitabschnittes das Marssegel das Hauptsegel;
gegen Ende des Abschnittes erscheinen Stagsegel zwischen den Masten und
die Vorsegel. Diese verdrngen den kleinen Mast auf dem Bugspriet; dann
tritt der Klverbaum[79] auf, und das groe Lateinsegel am letzten Mast
wird zum Besan[80], indem der unterste Teil der langen Raa wegfllt und
das Segel dort am Mast befestigt wird, zunchst noch ohne Besansbaum.
Auch die Schiffsformen unter und ber Wasser werden nach und nach
gnstiger. Der Fortschritt in allem wird um so stetiger, seit man um die
Mitte dieses Zeitabschnittes beginnt, den Schiffbau nach bestimmten
Regeln zu betreiben. Nach den gewonnenen Erfahrungen wird das Verhltnis
der Hauptmae zueinander fr Schiffskrper und Takelage festgesetzt,
sowohl fr das einzelne Schiff einer gegebenen Gre, wie auch fr die
verschiedenen Grenklassen. Gegen Ende des Abschnittes sind See- und
Segeleigenschaften erreicht, die zum Segeln beim Winde, zum Aufkreuzen
und zum Freihalten von Leeksten einigermaen gengen. Nur die greren
Dreidecker blieben immer noch unhandlich und rank, weshalb man diese
weiter bis zur Mitte des 18. Jahrh. unter gewhnlichen Umstnden im
Winter aufzulegen pflegte.

  [79] Nach Jurien Teil II, Seite 158, erst 1760 bezw. 1770

Wie schon angedeutet, zeichneten sich besonders die Franzosen bald im
Schiffbau aus; anfangs des nchsten Abschnittes (um 1760) verfgten sie
ber Schiffstypen, die eigentlich allen Anforderungen gengten. Als ein
um die Mitte des vorliegenden Zeitabschnittes (1692 whrend des
englisch-franzsischen Krieges) auf der Hhe der Zeit stehendes Schiff I.
Klasse sei der franzsische =Royal Louis= erwhnt und dargestellt
(Seite 166): 186' lang, 51' breit, 108 Kanonen, 900 Mann. Der Vergleich
mit der Abbildung des Royal Sovereign (Seite 101) zeigt die gnstigeren
Formen ber Wasser, kleineres Gallion, niedrigeres Heck; die Takelage
jedoch ist in der langen Zeit nur wenig verbessert. Weitere Fortschritte
sollen erst im nchsten Abschnitt zur Anschauung gebracht werden, da
Schiffe dieser Art in den groen Kriegen des vorliegenden, die mit 1714
abschlieen, noch keine Verwendung finden.

Die $Beiboote$ wurden zwischen Fock und Gromast mit Takeln eingesetzt.
Die feste Reeling war dort hufig unterbrochen, wie frher zum Gebrauch
der Hilfsriemen. Davits wurden erst viel spter eingefhrt; zu Anfang der
Periode scheinen die Schiffe nur 2-3 Boote gehabt zu haben.

[Illustration: Franzsisches Linienschiff Royal Louis.]

  Nach Clowes, Teil II, Seite 113 hatten die greren englischen Schiffe
  z. Zt. des ersten Krieges eine Pinnace von max. 29' Lnge, ein Skiff
  max. 20', ein Longboat max. 35'. Das Longboat wurde nie eingesetzt,
  sondern achteraus geschleppt. Im Gefecht war es, vielleicht auch die
  anderen, bemannt, um Brander abzuwehren oder abzuschleppen. Die Boote
  wurden auch hufig whrend des Gefechts wegen des mangelhaften
  Signalsystems zum berbringen von Befehlen und Meldungen, sowie
  gelegentlich zum Tauen des Schiffes ins Gefecht benutzt.

Noch einige $wichtige Verbesserungen$ zur Erhaltung und Fhrung der
Schiffe seien angefhrt.

In die Mitte des 17. Jahrh. fllt =die Einfhrung des Zwischendecks=. Bis
dahin waren nur die schweren Decke zur Aufstellung der Geschtze
vorhanden, bei Schssen in der Nhe der Wasserlinie konnte man nur mit
Leitern zum Leck gelangen. Die Englnder zuerst legten lngs der Bordwand
unterhalb der Wasserlinie ein leichtes Deck, einen Umlauf, fr den
Verkehr der Zimmerleute whrend des Gefechts. Aus diesem entstand das
Zwischendeck, das die Schiffe auch wesentlich wohnlicher gestaltete.
Verschiedene Versuche wurden gemacht, um den =Schiffsboden= vor dem
Bohrwurm =zu schtzen= und auch um eine glatte Oberflche zur Erhhung
der Fahrt zu erhalten. Das Belegen mit Bleiplatten, in Spanien und auch
in der englischen Kauffahrteimarine seit dem 16. Jahrh. viel im Gebrauch,
war in der englischen Kriegsmarine wegen des dadurch hervorgerufenen
galvanischen Stromes, der wichtige Eisenteile zerstrte (Ngel der
Beplankung, Ruderfingerlinge), nicht beliebt und ist nur zeitweise
versucht. Mehr verbreitet war ein Belag von doppelten dnnen Planken mit
einer Zwischenlage von geteertem Tierhaar. Auch Farbenkompositionen
wurden versucht, doch kam die Lsung dieser wichtigen Frage durch
Bekupferung erst in der nchsten Periode.

Am Ende des 17. Jahrh. wurde das =Ruderrad= an Stelle des direkten
Steuerns mit der Ruderpinne gebruchlich.

Fr die =Nautik=, ist zu erwhnen: Der Kompa wurde technisch verbessert,
und man begann der Miweisung Aufmerksamkeit zu schenken. Schon 1699-1700
wurde ein englisches Kriegsschiff eigens zu ihrer Bestimmung in den
Sdatlantik gesandt; das Fahrzeug fhrte auch viele Lngenbestimmungen
aus. 1731 konstruierte Hadley den Reflexions-Quadranten (Spiegel-Oktant),
der weit genauere Beobachtungen gestattete als der bisher allein
vorhandene Davis-Quadrant (verbesserter Jakobsstab); besonders wichtig
war dies fr die Beobachtung der Monddistanzen, der einzigen Methode zur
Bestimmung der Lnge auf See.

  Bereits 1598 hatten Spanien und bald darauf Holland Preise ausgesetzt
  fr die Erfindung einer sicheren Lngenbestimmung an Bord, England
  folgte 1714. Wie ungenau diese bisher war, kann man aus der geringen
  Anforderung bei dieser Ausschreibung ersehen. Es sollte gezahlt werden:
  10000 Lstrl. fr die Genauigkeit der Bestimmung auf 1 Lnge, 15000
  Lstrl. auf 2/3, 20000 auf 1/2. Da wurde denn schon frh der Versuch
  gemacht, die Lnge mittels Uhren zu bestimmen, aber erst 1761 erreichte
  man gute Ergebnisse. Ein Chronometer von Harrison verlor auf einer
  Reise nach Westindien und zurck whrend vier Monaten trotz schlechtem
  Wetter nur 1 m 54,5 s.

Die nautischen Hilfstabellen fr astronomische Beobachtungen wurden
verbessert; das 1675 gegrndete Observatorium zu Greenwich sollte sich
besonders dieser Aufgabe widmen. Genaue Journal- (Logbuch) Fhrung wurde
den Schiffen vorgeschrieben. Vermessungen wurden, namentlich von England,
vorgenommen und viel Sorgfalt auf Herstellung der Seekarten verwandt,
vorzugsweise allerdings zunchst fr die heimischen Gewsser und
allenfalls den Atlantik, andere blieben noch lange unvollstndig.
Betonnung, Bebakung und Beleuchtung der Ksten wurden gepflegt (der
berhmte Leuchtturm von Eddystone zeigte sein Licht zuerst im Oktober
1698).

In allen Lndern erweiterte man die =staatlichen Werften=; sie beginnen
sich zu solchen Einrichtungen auszubilden, wie man sie heute unter
Kriegswerften versteht, so da die Marinen immer freier von der
Privatindustrie wurden.


                               Waffen.[80]

Die Fortschritte der Artillerie in Hinsicht auf das $Geschtzmaterial$
selbst lagen in diesem Zeitabschnitt nicht in grundstzlichen
Vervollkommnungen oder in neuen Konstruktionen, dagegen wurden die
Anfertigung des Materials genauer und die Einrichtungen fr die Bedienung
verbessert. Man legte z. B. die Geschtzpforten hher ber Wasser und
weiter voneinander, letzteres damit die Nachbargeschtze sich nicht
hinderten oder gar gefhrdeten; man machte sie zum besseren Richten
grer. Der Spielraum der Geschosse wurde geringer, besseres Pulver wurde
eingefhrt; es ist dies aus den kleiner werdenden Ladungen zu entnehmen.
In England, wo frhzeitig der Ausbildung der Geschtzmannschaften
besondere Pflege zuteil wurde, setzte man 1670 ihre Kopfstrke fr jedes
Kaliber fest.

  [80] Hauptquelle: Clowes, Teil II und III, die Kapitel Civil history
       der Zeiten 1603 bis 1649, 1649-1714, 1714-1763; darin reiche
       Angabe von technischen Quellen, sowie Abbildungen von Schiffen I.
       und II. Klasse um 1670-1740.

Die vielen kleinen Geschtzarten waren grtenteils weggefallen, als
schwerere Geschtze blieben ungefhr dieselben Kaliber im Gebrauch, die
wir zu Ende des vorigen Zeitabschnittes (Seite 105) kennen gelernt haben;
von etwa 1700 an wurden sie allgemein nach dem Gewicht ihrer
Eisenvollkugeln benannt. Um diese Zeit fhrte man in England die
nachstehenden Kaliber; ein Vergleich mit den frheren Angaben zeigt, da
sie nach Seelendurchmesser und Geschogewicht den alten Arten
entsprechen, da aber die Pulverladung schwcher geworden ist.

   42-Pfdr. frher cannon serpentine
                     oder bastard     7"03 Kaliber 17     Pfd.-Lad.
   32   "     "    demicannon         6"43    "    14         "
   24   "     "    cannon Pedro       5"84    "    11         "
   18   "     "    culverin           5"3     "     9         "
   12   "     "    basilisko          4"64    "     6         "
    9   "     "    demiculverin       4"22    "     4-2/3     "
    6   "     "    saker              3"67    "     3         "
    4   "     "    minion             3"22    "     2         "
    3   "     "    falcon             2"91    "     1-2/3     "
  1/2   "     "    falconet           1"69    "       1/3     "

Falconets waren Reelingsgeschtze auf Pivots. Wie aus der folgenden
Tabelle zu ersehen ist, sind der 24-Pfnder, der 9-Pfnder und der
4-Pfnder erst spter hinzugekommen, 1652 waren sie noch nicht verwendet.
Der 24-Pfnder wurde spter in Unterklassen nach Gewicht und Lnge des
Rohres eingeteilt.

  In =Frankreich=, Spanien, Schweden, Dnemark und Holland hatte man
  entsprechend 48-Pfnder, 36-Pfnder, 24-Pfnder, 18-Pfnder, 6-Pfnder,
  4-Pfnder, doch fehlte in Holland der 48-Pfnder.

  Es ist wahrscheinlich, da sich die franzsischen 48-Pfnder und
  36-Pfnder kaum von den englischen 42-Pfndern und 32-Pfndern
  unterschieden; in Frankreich legte man der Benennung das theoretische
  Geschogewicht fr den Seelendurchmesser zu Grunde, ohne den Spielraum
  zu bercksichtigen.[81] Auch in Holland soll der 38-Pfnder annhernd
  dem englischen 42-Pfnder gleich gewesen sein, da das hollndische
  Pfund schwerer war als das englische.[81]

  [81] Vgl. Troude, Teil I, Seite 29 und de Jonge, Teil I, Seite 265.

An $Geschossen$ kamen bei den Schiffsgeschtzen zur Verwendung:
Vollkugeln; Stangen- und Kettenkugeln, Halbkugeln durch Stangen oder
Ketten verbunden und besonders gegen die Takelage bestimmt; eine Art
Karttschen, paquets de fer, aus eisernen Wrfeln zusammengesetzt. ber
Hohl- und Brandgeschosse wird bei den Mrserbooten gesprochen werden.

An $Handwaffen$ waren im Gebrauch: Musketen, Pistolen, Bajonette,
Enterbeile, Entermesser -- cutlasses, kurze schwere Seitengewehre zum
Hieb --; Enterpiken, zur Verteidigung der Pforten beim Enterabschlagen.

[Illustration: $Geschtzaufstellung bei Drei- und Zweideckern.$
(Abweichungen hufig.)]

  1. Unterstes Batteriedeck (lowerdeck), 2. Mittleres (middledeck), 3.
  Oberstes (maindeck), 4. Quarter- oder Halbdeck, 5. Vor- oder Backsdeck
  (fore castle), 6. Deck der Kampagne, 7. Deck ber der Back.

  ...... Oberkante der Reeling (Schanzkleid. Brstung).

  -- -- -- -- -- Decke, die nicht immer vorhanden sind; wenn sie fehlen,
  dort Oberkante der Reeling.

  Zu 1. Die unterste Batterie fehlt beim Zweidecker, die mittlere wird
  also zur untersten.

  Zu 3. Die oberste Batterie ist zwischen Gro- und Fockmast nicht immer
  eingedeckt; bei kleineren Schiffen dieser Art fehlen dann oft hier die
  Geschtze der obersten Batterie. Ist sie aber ganz eingedeckt, ist also
  Halbdeck (4) und Vordeck (5) verbunden, so entsteht das volle Oberdeck
  (upperdeck; vgl. S. 99).

  8. Fast platte Bugform, so da Geschtze gut nach vorn feuern knnen.
  9. Bugspriet. 10 Gallion.

     Ganz kleine Geschtze auf der Kampagne.

  Die Abbildung des Royal Charles --englisch, 1673, 100 Kanonen, 130'
  lang, 46' breit, 20' Tiefgang, 1531 tons, 780 Mann -- zeigt im
  Gegensatz zu Le Soleil Royal kein volles Oberdeck, auch fehlen die
  Kanonen auf dem Backsdeck. Bilder auf Seite 172.

=Verteilung der Geschtze nach Anzahl und Kaliber=
(Pfnder=Geschogewicht) =an Bord der englischen Schiffe=.

  =====+=======+===========+===========+===========+===========+========
   Im  |Schiffe|           |           |           |    Auf    |
  Jahre|  mit  | Unterste  |  Mittlere |  Oberste  | Back- und |  Be-
       |Kanonen|-----------+-----------+-----------|Quarterdeck|satzung
       |       |              Batterie             |           |
  =====+=======+===========+===========+===========+===========+========
  1652 |      {|26-42-Pfdr.|28-18-Pfdr.|28- 6-Pfdr.|14- 5 Pfdr.| 815
       |      {|           |           |           | 4-18  "   |
  1677 |  100 {|26-42  "   | 28-24 "   |28- 9  "   |16-16  "   | 815
       |      {|           |           |           | 4- 3  "   |
  1719 |      {|28-42  "   | 28-24 "   |28-12  "   |16- 6  "   | 780
  1652 |      {|26-42  "   | 26-18 "   |26- 6  "   |10- 5  "   | 730
       |      {|           |           |           | 2-18  "   |
  1677 |  90  {|26-32  "   | 26-24 "   |26- 9  "   |16- 6  "   | 600
       |      {|           |           |           | 2- 3  "   |
  1719 |      {|26-32  "   | 26-18 "   |26- 6  "   |12- 6  "   | 680
  1652 | (82) {|24-42  "   | 24-18 "   |24- 6  "   | 8- 5  "   | 560
       |      {|           |           |           | 2-18  "   |
  1677 |80(82){|24-32  "   | 24-18 "   |24- 6  "   | 2- 3  "   | 520
       |      {|           |           |           | 8- 6  "   |
  1719 |      {|26-32  "   | 26-12 "   |24- 6  "   | 4- 6  "   | 520
  1652 | (74) {|26-32  "   |    --     |26- 6  "   |18- 5  "   | 460
       |      {|           |           |           | 4- 3  "   |
  1677 |  70  {|26-32  "   |    --     |26-12  "   |16- 6  "   | 460
       |      {|           |           |           | 4- 3  "   |
  1719 |      {|26-24  "   |    --     |26-12  "   |18- 6  "   | 480
  1652 | (58) {|24-32  "   |    --     |22- 6  "   |10- 5  "   | 280
       |      {|           |           |           | 2- 3  "   |
  1677 |  60  {|24-24  "   |    --     |24-12  "   |10- 6  "   | 340
       |      {|           |           |           | 2- 3  "   |
  1719 |      {|24-24  "   |    --     |26- 9  "   |10- 6  "   | 365
  1652 |      {|20-32  "   |    --     |18- 6  "   |10- 5  "   | 180
       |      {|           |           |           | 2- 3  "   |
  1677 |  50  {|22-18  "   |    --     |22- 6  "   | 6- 6  "   | 240
  1719 |      {|22-18  "   |    --     |22- 9  "   | 6- 6  "   | 280
  1652 |      {|   --      |    --     |   --      |   --      |  --
  1677 |40(42){|20- 9  "   |    --     |18- 9  "   | 4- 3 "    | 180
  1719 |      {|20-12  "   |    --     |20- 6  "   |   --      | 190
  1652 | (34) {|18-32  "   |    --     |10- 5  "   | 4- 5 "    | 135
       |      {|           |           |           | 2- 3  "   |
  1677 |  30  {|18- 9  "   |    --     | 8- 6  "   | 4- 3  "   | 130
  1719 |      {|8-9    "   |    --     |20- 6  "   | 2- 4  "   | 135
  1652 |      {|16-32  "   |    --     |   --      | 4- 5  "   |  50
  1677 |  20  {|16-6   "   |    --     |   --      | 2- 4  "   |  85
       |      {|           |           |           | 2- 3  "   |
  1719 |      {|20- 6  "   |    --     |   --      |   --      | 115

           =Verteilung an Bord franzsischer Schiffe um 1683.=

       | 110  {|30-48-Pfdr.|32-18-Pfdr.|28-12-Pfdr.|20- 6-Pfdr.|1050
       | 100  {|28-36  "   | 28-18 "   | 28- 8 "    |16- 6 "   | 800
       |  88  {|28-36  "   | 28-18 "   | 26- 8 "    | 6- 6 "   | 700
       |  84  {|26-36  "   | 26-18 "   | 24- 8 "    | 8- 6 "   | 640
  1683 |  70  {|26-24  "   |   --      | 28-18 "    |16- 6 "   | 450
       |  60  {|24-24      |           |            |          |
       |      {|od. 18 "   |   --      | 26-12 "    |10- 6 "   | 360
       |  50  {|24 od.     |   --      | 22- 8 "    |          |
       |      {|22-18  "   |           | 24- 8 "    | 4- 6 "   | 320
       |  40  {|20-12      |           |            |          |
       |      {|od. 8  "   |   --      | 20- 6 "    |  --      | 220
       |  30  {|16- 8  "   |   --      | 14- 6 "    |  --      | 150
         Frgates mit 10-22 Kanonen, 4-8-Pfdrn., 40-120 Mann.

$Der Hauptfortschritt der Schiffsartillerie$ lag in der Entwicklung einer
=planmigen Armierung=. Mit der Einteilung der Schiffe in Klassen wurden
fr jede Schiffsgre Anzahl und Kaliberstrken der Geschtze festgesetzt
und hierbei jede Batterie mit gleichem Kaliber bestckt. Diese Anordnung
nderte man an der Hand der Erfahrung mehrfach, besonders was die
Verwendung der Kaliber anbetrifft. Aus der nebenstehenden Tabelle ist der
Verlauf der Entwicklung in der englischen Marine zu ersehen; man kann
ferner aus ihr entnehmen, welche Gefechtskraft ein Schiff, dessen
Gesamtkanonenzahl angefhrt wird, zu den verschiedenen Zeiten des
Abschnittes hat. Zum Vergleich folgt eine Angabe der franzsischen
Armierungen um 1683.

  Die Tabelle ist zusammengestellt nach Angaben im Clowes, Teil III,
  Seite 7-11 und im Troude, Teil I, Seite 19-30; dort finden sich noch
  weitere Aufzeichnungen, da man auch Schiffe mit anderer
  Gesamtgeschtzzahl hatte, als die hier herausgezogenen. Fr 1652 und
  1677 (1683) sind zum leichteren Vergleich die Geschtze schon als
  Pfnder angegeben, obgleich noch die alte Bezeichnung blich war.

  Die Angaben fr 1652 knnen keinen Anspruch auf Genauigkeit machen; sie
  sind wahrscheinlich, besonders die fr die groen Schiffe, auf mehr
  theoretischem Wege gewonnen. Erstens waren damals weder die
  Schiffsklassen schon scharf begrenzt noch die Armierung planmig
  festgelegt und zweitens gab es nur wenige grere Schiffe; in der
  Schlacht von Northforeland (1653) werden in der groen englischen
  Flotte von 105 Kriegsschiffen nur 1 zu 88 Kanonen, 1 zu 66 und 10 zu
  50-60 angefhrt, und dabei waren die Schiffe bei dieser Gelegenheit
  auergewhnlich berarmiert.

Wenn man nun den 42-Pfnder und 32-Pfnder (48-Pfnder und 36-Pfnder)
als schwere, die 24-Pfnder bis 9-Pfnder als mittlere und die geringeren
Geschtze als leichte Artillerie bezeichnet, so ersieht man aus den
Tabellen folgendes. Die Armierung mit schwerer Artillerie fllt auf den
kleinen Schiffen (20-40 Kanonen) weg, sobald diese, nach den
englisch-hollndischen Kriegen (vgl. Schiffsklassen Seite 176), nicht
mehr zu den Schlachtschiffen rechnen, und man geht bei ihnen selbst
gleich bis zu den leichtesten Kalibern der Mittelartillerie hinab. Aber
auch sonst werden die untersten Batterien leichter bestckt, der
42-Pfnder bleibt nur bei den wenigen Schiffen von und ber 100 Kanonen,
der 32-Pfnder weicht bei den 60-70 Kanonenschiffen immer mehr dem
24-Pfnder, bei den 50 Kanonenschiffen gar dem 18-Pfnder. Die zweiten
und dritten Batterien dagegen werden im allgemeinen mit strkeren
Kalibern versehen und ebenso wachsen die Kaliber der leichten Artillerie,
teilweise in die der mittleren bergehend. Die Mittelartillerie wchst
also auf Kosten der anderen, namentlich der schweren. Diese, auch in den
anderen Staaten vorhandene Tendenz bleibt weiter bestehen; im nchsten
Abschnitt verschwindet in Frankreich der 48-Pfnder ganz, dagegen tritt,
mit zeitlichen Schwankungen, dort und in England oft der 24-Pfnder an
Stelle des 18-Pfnders, der 18-Pfnder an Stelle des 12-Pfnders usw.

Man ersieht ferner, da sehr schwache Schiffe, hinunter bis zu solchen
von 20 und 30 Kanonen, noch zwei Batterien haben, doch ndert sich dies
gegen Ende des Zeitabschnittes; im Anfang des nchsten gab es Zweidecker
zu 40 Kanonen und darunter nicht mehr. Das 50-Kanonenschiff rechnete noch
bis etwa 1750 zu den Schlachtschiffen, dann scheidet es aus der Linie
aus; 44- und 50-Kanonenschiffe als Zweidecker werden aber zu besonderen
Zwecken noch beibehalten.

[Illustration: Englischer Dreidecker Royal Charles.]

$Brander$, schon frher gelegentlich ausgerstet, spielen in diesem
Zeitabschnitt eine hervorragende Rolle. Sie haben groe Erfolge zu
verzeichnen, hufig sogar nur durch ihre moralische Einwirkung: bei ihrer
Annherung setzen sich Schiffe auf den Strand, andere werden von ihren
Besatzungen in wilder Flucht verlassen. Ihnen ist auch ein nicht
unbedeutender Einflu auf die Entwicklung der Taktik und dadurch des
Systems der Schiffsklassen zuzuschreiben.

[Illustration: Franzsischer Dreidecker Le Soleil Royal.]

Brander waren mit leicht entzndlichen und lebhaft brennenden Stoffen --
Pech, Teer, l, Holz alter Fsser dieser Materialien, daher mit ihnen
getrnkt, Schwefel, Kampfer und dgl. -- gefllte Fahrzeuge. Sie segelten
an feindliche Schiffe heran oder lieen sich herantreiben, befestigten
sich mit Enterdraggen sowie an den Raaen angebrachten Haken und
vernichteten den Feind, indem sie sich selbst in Brand setzten; ihre
Besatzung barg sich in Booten. Um Bootsangriffe der bedrohten Feinde
abzuwehren und um bis zu ihrer eigentlichen Verwendung ins Gefecht
eingreifen zu knnen, waren die Brander auch mit Geschtzen armiert.

Anfangs nur aus wenigen und kleineren Fahrzeugen bestehend, wuchs die
Waffe an Zahl und Gre, wie einzelne herausgegriffene Angaben zeigen.

      =========+======================+=========+==================
      Im Jahre |      kamen auf       | Brander |  in der Schlacht
               |    Kriegsschiffe     |         |
      =========+======================+=========+==================
        1653   | englisch:        100 |     5   |  Northforeland
               | hollndisch:      98 |     6   |
        1660   | hollndisch:      75 |    36   | vor der Themse
               | hollndisch:      75 |    36   |
        1672   | engl-franzsisch: 98 |    30   |    Solebay

Spter nimmt die Bedeutung der Waffe wieder ab, da sie sich infolge der
nderung der Taktik und Kampfweise berlebt hat.[82] Man kann dies
deutlich aus den Bestnden in der englischen Marine ersehen.

  [82] =Colomb=, Seite 91, geht genauer auf diesen Punkt -- Wachsen und
       Abnahme der Zahl -- ein.

    1688 kamen auf  52 in Dienst gestellte Schiffe       26 Brander[83]
    1702   "    "  123 Schlachtschiffe im Gesamtbestande 87    "   [84]
    1714   "    "  125       "          "       "        50    "
    1741   "    "  129       "         im Dienst         17    "
    1783   "    "  273 Schiffe berhaupt im Dienst        7    "

  [83] Eine Liste dieser 26 Brander, Clowes, Teil II, Seite 246,
       verzeichnet Fahrzeuge von 70-320 tons, 6-12 Kanonen, 20-50 Mann.

  [84] Zur Zeit dieses Maximums war die Bedeutung der Brander schon
       gering, es ist mehr nur noch eine Folge ihrer Tradition.

Im Anfang des 18. Jahrh. verschwinden sie ganz.

Kurze Zeit, 1693-1695, wurde in England eine Art Vervollkommnung der
Brander versucht -- =machines= oder =infernals=. Diese sollten, mit einer
groen Pulvermenge an Bord, durch Explosion wirken. Man kam aber davon
ab, da sie sich nicht bewhrten. Wieviel von ihnen erwartet wurde, ist z.
B. daraus zu entnehmen, da man ein solches Fahrzeug 1693 gegen die
Befestigungen von St. Malo vorschickte; es flog aber wirkungslos auf,
weil es zu frh festkam (vgl. Krieg 1688-1697: St. Malo 1693; Dieppe
1694).

Endlich ist noch eine Waffe zu erwhnen -- die $Mrserboote$ (bombketches
oder bombs; galiotes  bombes oder bombardes). Mrser fr Spreng- und
Brandgeschosse (shells und carcasses[85] wurden vielfach in den
Kstenbefestigungen verwendet; von 1660 an findet man aber auch
Mrserboote bei den englischen Flotten, von 1674 bei den Hollndern und
von 1681 auch bei Franzosen. Es waren Fahrzeuge von 80-200 tons, mit 1
oder 2 Masten, 35-70 Mann, 8 kleineren Geschtzen auf Achterdeck. Sie
fhrten auf einer Plattform vor dem Gromast 2 Mrser; nach einer Angabe
hatte einer dieser beiden in Frankreich 12" Kaliber, 140 Pfd.
Geschogewicht. Der Bestand an Mrserbooten in den Marinen war nicht
gro, in England hatte er zu Anfang des nchsten Zeitabschnittes mit 14
Fahrzeugen seinen Hhepunkt erreicht; bei den Flotten werden hchstens 6,
meistens weniger, aufgefhrt. Sie fanden ihre Hauptverwendung oft mit
Erfolg gegen Kstenbefestigungen, Stdte und im Hafen liegende Schiffe;
ausnahmsweise greifen sie auch in Seegefechte ein. Auf den sonstigen
Kriegsschiffen wurden Mrser im allgemeinen nicht verwendet, doch scheint
man gelegentlich Versuche damit gemacht zu haben. 1748 wird erwhnt, da
ein englisches 80-Kanonenschiff ausnahmsweise 8 cohorns (kleine Mrser,
am Ende des 17. Jahrh. von dem hollndischen Genieoffizier Cohorn
konstruiert) gefhrt und sich ihrer in einem Seegefechte mit groem
Erfolge bedient habe. Vielfach lie wohl das Funktionieren der
Hohlgeschosse zu wnschen brig; bei dem eben erwhnten Angriff der
Englnder auf St. Malo wurden nach einem Bombardement aus Mrserbooten
230 Bomben gefunden, die nicht krepiert waren. Erfolgreicher war die
Verwendung der Mrserboote in groem Mastabe seitens der Franzosen gegen
Algier (1682-1683, vgl. dort) gewesen; gerade die Erfahrungen dieser
Ereignisse haben wohl zu einer greren Beachtung der Waffe gefhrt.

  [85] Brandgeschosse einfachster Art: Eiserne Gerippe mit Zeug bezogen
       und mit einem Brandsatz gefllt, der schon im Rohr Feuer fing.


                             Schiffsklassen.

Im vorliegenden Zeitabschnitt bildete sich ein System der Einteilung der
Schiffe in Klassen aus -- englisch: rates; franzsisch: rangs -- nach der
Gefechtskraft oder nach sonstigen Eigenschaften; es hing dies eng mit dem
Wachsen der stehenden Marinen und mit der Entwicklung einer eigentlichen
Kriegfhrung zur See in Hinsicht auf Taktik und Strategie zusammen. Man
wurde sich darber immer mehr klar, welche Krfte man zu den
verschiedenen Zwecken ntig habe, und die Kriegsschiffe wurden
dementsprechend gebaut. Die Fortschritte in der Taktik, in der Strategie
und im Schiffbau bewirkten fortlaufend nderungen in dem System.

  Die Hauptquelle fr diese Betrachtungen, Colomb, behandelt im Kapitel
  V The differentiation of naval force die Entwicklung der englischen
  Marine in dieser Hinsicht eingehend bis =1813= an der Hand folgender
  Disposition (frei bersetzt): Die ungeordnete Kampfweise in den
  lteren Seekriegen brachte eine Einfhrung besonderer Schiffsklassen
  nicht mit sich. Erst das Auftreten der Schlachtlinie bewirkte den Bau
  grerer und untereinander gleichwertiger Schiffe fr die Linie. Zu
  gleicher Zeit verlangten Angriff und Verteidigung des Handels leichtere
  Schiffe und eine dritte Gattung von Fahrzeugen wurde fr den
  Sicherheits- und Meldedienst der Flotten ntig.

  Wir folgen im nachstehenden dem Wege Colombs und werden dabei das
  Wachsen des Einzelschiffes an Gre und Gefechtskraft, die Ausbildung
  des Klassensystems in England sowie die Schiffsbestnde hier zu
  verschiedenen Zeiten und damit das Wachsen der stehenden Marine kennen
  lernen. Der jeweilige Bestand der anderen Marinen soll vor jedem Kriege
  unter Streitmittel der Gegner angefhrt werden.

Solange der eigentlichen Kriegsschiffe nur wenige waren, die
Seestreitkrfte im Kriegsfalle hauptschlich durch Ankauf, Miete oder
Aufgebot von Kauffahrteischiffen aufgestellt wurden, bildeten die
Flotten ein Gemisch von Fahrzeugen jeder Gre. Eine solche Flotte wurde
in Unterabteilungen geteilt -- diese Unterabteilungen waren vielleicht
ursprnglich schon durch das Zusammenhalten der Aufgebote der
verschiedenen Stdte oder Grafschaften usw. gegeben --, die Befehlshaber
der Unterabteilungen befanden sich auf dem strksten Schiffe, wohl
meistens einem Kriegsschiffe; um diese Fhrerschiffe scharten sich die
unterstellten Fahrzeuge jeder Gre, bis hinab zum allerkleinsten, auch
im Gefecht. Von einer Taktik im Gefecht war noch keine Rede; wenn die
Flotten aneinander gefhrt waren, suchte jedes Fahrzeug selbstndig sein
Bestes zu leisten, indem es sich, allein oder vereint mit andern, den
Gegner whlte, dem gegenber Erfolg zu erwarten war; das starke
Fhrerschiff war fr jede Gruppe der Rckhalt.

Wie Kauffahrer jeder Gre eingestellt wurden, so weist auch der geringe
Bestand der Kriegsmarinen dieser Zeit fast gleichmig Schiffe jeder
Gre auf, als ob fr jedes Schiff gleich gute Verwendung vorhanden
gewesen sei.

Der =Bestand der englischen Marine= um 1624 war:

          I. Klasse: 4 Schiffe -- 800-1187 tons -- 44-55 Kanonen
         II.   "    14    "    -- 600-922    "  -- 29-42    "
        III.   "     9    "    -- 343-683    "  -- 26-34    "
         IV.   "     4    "    --  80-250    "  --  6-20    "
        ------------------------
            Gesamt: 31 Segel.

So stand es auch noch um 1651, von welchem Jahr eine neue Einteilung
vorliegt, nur da die Armierung im allgemeinen strker geworden ist: I.
Kl. = 80 Kanonen und mehr; II. Kl. = 52-80 K.; III. Kl. = 44-60 K.; IV.
Kl. = 32-50 K.; V. Kl. = 12-32 K.; VI. Kl. kleinere Fahrzeuge. Man sieht,
da die Grenzen noch nicht genau gezogen sind und in jeder Klasse ein
groer Spielraum gelassen ist.

Um diese Zeit begann die groe Vermehrung der Kriegsschiffe. Da aber im
ersten englisch-hollndischen Kriege Taktik und Kampfweise im groen und
ganzen noch die alte blieb, wird auch die Klasseneinteilung zunchst kaum
gendert. Der Einflu des Krieges macht sich aber doch bemerkbar. Aus den
frher angefhrten Grnden -- nur geringes Vertrauen zu den groen
Schiffen; Hauptziel Angriff des feindlichen Handels; schnellerer und
billigerer Bau -- wird die Zahl der mittelstarken Schiffe in weit
grerem Mae vermehrt als die der schweren; diese Mittelschiffe sollten
wohl in erster Linie die bisher eingestellten Kauffahrer ersetzen;
Flaggschiffe und Gruppenfhrerschiffe waren fast gengend vorhanden. Auch
lt die nchste Einteilung, namentlich was Tonnengehalt anbetrifft, den
Klassen noch einen weiten Spielraum und sie greifen noch ineinander. Alle
diese ersten Klasseneinteilungen scheinen mehr auf einem administrativen
Bedrfnis beruht zu haben; den verschiedenen Klassen entsprechend
erhielten z. B. die Besatzungen vom Kapitn bis zum letzten Mann
verschiedenen Sold, ein Brauch, der noch lnger bestand. Am Ende des
ersten Krieges, =Dezember= 1653, waren Einteilung und =Bestand= der
englischen Marine:

            Klasse  Schiffe    Tons    Kanonen     Mann
                I      3     891-1556   64-104   350-700
               II     11     721- 875   54- 66   260-400
              III     11     532- 800   44- 60   200-300
               IV     63     301- 700   28- 50   100-220
                V     35     105- 500   12- 36    30-200
               VI      9      55- 255    6- 36    25-130
            ------------------------
             Gesamt: 132 Segel.

  Zu der strkeren Bestckung ist zu erwhnen, da die Schiffe z. Zt. des
  ersten Krieges fast durchgngig berarmiert waren.

  Wenn Angaben ber Gesamtbestand dieser frhen Zeiten, bei verschiedenen
  Gelegenheiten verschiedenen Quellen entnommen, nicht immer genau
  bereinstimmen, wie z. B. diese mit der Seite 162 ber die Vermehrung
  whrend der Republik angegebenen, so liegt dies daran, da eine Quelle
  Schiffe nur fr den Krieg eingestellt mitzhlt, eine andere nicht.
  Die vorstehenden Angaben sind aus Colomb, Seite 86, entnommen.

In derselben Weise wird bis 1660 weiter gebaut, whrend der spteren
englisch-hollndischen Kriege aber ndert sich die Taktik. Das Bestreben,
die Flotte besser geordnet an den Feind zu fhren und diese Ordnung im
Gefecht lnger zu bewahren, kurz die Schiffe besser in der Hand zu
behalten, fhrt immer weiter in der Durchbildung der Linienformation;
auch der Wunsch, die Erfolge der Brander einzuschrnken, sprach sehr fr
die Linie. In dieser war ein jedes Schiff an seine Stelle gebunden und
konnte sich nicht mehr seinen Gegner whlen; es mute eine gewisse
Gefechtskraft besitzen, damit die Linie nicht schwache Punkte bot.
Nachstehender Auszug aus einer Schiffsliste der englischen Marine um
1688, 15 Jahre nach Beendigung der englisch-hollndischen und unmittelbar
vor Beginn der englisch-franzsischen Kriege, zeigt denn auch wesentliche
Unterschiede gegen frher: Die Gesamtzahl der Kriegsschiffe ist nicht
gewachsen, eher zurckgegangen, aber die Schlachtschiffe sind sehr viel
grer geworden und die Klassengrenzen haben sich dementsprechend
verschoben; die Klassen sind schrfer begrenzt, namentlich was die
Armierung anbetrifft; von einem Schiffe wird eine gewisse Gre und
Geschtzzahl, mindestens 40-50 Kanonen, verlangt, um es als
Schlachtschiff geeignet erscheinen zu lassen.

  Das =Linienschiff= ist entstanden. Der Ausdruck, eigentlich Line of
  battle ship, bezeichnet eben ein Schiff, das fhig ist, seinen Posten
  in der Schlachtlinie auszufllen; fit for the line oder for lying in
  the line sagen die alten englischen Autoren.

Es ist ferner bemerkenswert, da in der Liste nur noch sehr wenig Schiffe
als angekauft, da dagegen die meisten angefhrten als nach der Mitte
der siebziger Jahre erbaut bezeichnet sind; es trifft dies besonders fr
die Schiffe der I. und II. Klasse zu, weshalb bei diesen auch schon eine
grere Gleichmigkeit in Kanonenzahl und Tonnengehalt herrscht.

=Schiffsbestand= der englischen Marine, =Dezember= 1688.[86]

        ======+========+================+=====================+
        Klasse|Anzahl  |   Geschtze    |     Tonnengehalt    |
        ======+========+================+=====================+
          I   |   9    |96-100          | 1100-1739           |
         II   |  11    |82-90 |90 1)    | 1029-1546|1400 1)   |
        III   |  39    |60-74 |70 1)    |  700-1174|1100 1)   |
         IV   |  40    |42-54 |b. 46 1)|  349-680 |b. 500 1)|
        ----------------------------------
                 99 Schlachtschiffe

          V   |   2 2) |28-32           |  229-333            |
         VI   |   6    |16-20           |  150-200            |
        ---------------------------
           Ges. 107 Segel

        ======+=======+======+===================
        Klasse| Lnge |Breite| Besatzung
        ======+=======+======+===================
          I   |125-146| 40-47|730-815
         II   |121-143| 41-45|530-660 |660 1)
        III   |108-140| 33-41|350-470 |460 1)
         IV   | 88-110| 27-35|180-280 |b. 230 1)

          V   | 75-86 | 24-27|105-133
         VI   | 74-85 | 18-22| 65-85


  1) Diese Zahlen gelten fr den greren Teil der Schiffe der
     betreffenden Klasse.

  2) Colomb fhrt fr Klasse V 12 an.

  Im Bestande waren ferner: 3 Mrserboote, 26 Brander sowie einige
  Jachten und sonstige kleinere Fahrzeuge zu besonderen Zwecken.

  [86] Nach Clowes, Teil II, Seite 243.

Da die Kraftvermehrung der Marine zunchst nur durch Zunahme der
Gefechtskraft der einzelnen Schlachtschiffe, nicht durch eine grere
Anzahl bewirkt wurde, hngt auch mit der nderung der Taktik zusammen.
Die Linie schlo nicht nur die kleineren Fahrzeuge aus, sie durfte auch
nicht zu lang werden; sie wre sonst unhandlich und, besonders bei
Windnderungen, zu schwer aufrecht zu erhalten gewesen. Auf eine grere
Zahl von Schiffen kam es also weniger an und schlielich spielte auch
wohl Material- und Personal-Beschaffung bei den jetzt greren Schiffen
eine Rolle.

  =Troude=, Teil I, Seite 16-19 gibt die Klasseneinteilung der
  =franzsischen Marine= fr 1661 zu 4 rangs, fr 1670 zu 6, fr 1683 zu
  6 an; diese gleichen den angefhrten englischen der entsprechenden
  Zeiten nahezu, doch scheint die Einteilung in Frankreich schon frh
  strenger durchgefhrt zu sein. In der fr 1683 sind die englischen
  Klassen I und II zusammengefat, die IV. Klasse ist jedoch geteilt: I.
  rang = 76-110 Kanonen; II. rang = 64-74; III. = 50-60; IV. = 40-46; V.
  = 30-36; frgates = 10-22 Kanonen.

  De Jonge, Teil III, Seite 158 gibt die Klasseneinteilung der
  =hollndischen Linienschiffe= fr 1683 folgendermaen: I. Klasse =
  80-96 Kanonen; II. = 70-74; III. = 60-68; IV. = 50-54.

Die spteren Kriege wirken zur Entwicklung in derselben Weise weiter, es
kommt immer mehr System in die Klasseneinteilung. Vom Beginn des 18.
Jahrh. an werden Bestimmungen ber Mae des Schiffskrpers und Strke der
Armierung fr die Klassen erlassen; es wird immer mehr auf grere
Gleichheit in ihnen hingestrebt, indem man Unterstufen in der Armierung
mglichst fallen lt. Der Inhalt einer dieser Bestimmungen, der von
1719, ist aus nachfolgender Zusammenstellung ber den =Bestand um= 1727
zu ersehen.

  ============+======+=========+============+=======+========+=========
    Klasse    |Anzahl|Geschtze|Tonnengehalt| Lnge | Breite |Besatzung
  ============+======+=========+============+=======+========+=========
    I Drei-  {| 7    | 100     |   1869     | 174'  | 50'    |   780
   II decker {|13    |90 u. 98 |   1566     | 164'  | 47'    |   680
  III        {|40   {|  80     |   1350     | 158'  | 44-1/2'|   520
              |     {|  70     |   1128     | 151'  | 41-1/2'|   440
   IV         |64   {|  60     |    951     | 144'  | 39'    |   365
              |     {|  53     |    755     | 134'  | 36'    |   280
  -------------------------------------------
            124 Schlacht-(Linien-)Schiffe.

    V         | 24   |  40     |    594     | 124'  | 33'    |   190
   VI         | 29   |  20     |    374     | 106'  | 28'    |   130
  Sloops      | 13   | 4-10    |            |       |        |
  -------------------------------------------
   Gesamt: 190 Segel, dazu Spezialschiffe.

  Nach Angaben im Clowes, Teil III, Seite 7, 9, 11 zusammengestellt
  (vgl. auch Colomb, Seite 97); in beiden Quellen noch andere Mae, sowie
  sonst bemerkenswerte Daten.

  Die Bestimmung von 1719 ist hier hervorgehoben, da nach ihr viel gebaut
  ist, whrend frher oder spter erlassene nicht so strenge befolgt
  sind. Der Schiffsbestand um 1727 ist gewhlt, da um diese Zeit die
  genannte Bestimmung einige Jahre in Kraft gewesen war. Nicht alle in
  diesem Jahre vorhandenen Schiffe entsprachen der Bestimmung, da ltere
  darunter; diese sind in vorstehender Zusammenstellung denen mit der
  nchstliegenden Geschtzzahl zugerechnet.

Auch aus dieser Zusammenstellung ersieht man, da die Zahl der
Schlachtschiffe nicht in demselben Verhltnis gewachsen ist wie die der
Kriegsschiffe berhaupt. Dagegen sind die Schiffe wieder mchtiger
geworden, die Klassen haben sich weiter dementsprechend verschoben, und
die untere Grenze der Schlachtschiffe (seit die Linie allgemein als
Gefechtsformation angenommen, =Linienschiffe= genannt) ist auf 50 Kanonen
heraufgerckt.

Ferner ist es auffallend, da die Zahl der Schiffe I. und II. Klasse,
ber 80 Kanonen, gar nicht zugenommen hat, der ganze Zuwachs der
Schlachtschiffe liegt in der nunmehrigen IV. Klasse von 50-60 Kanonen.
Gegen die ganz groen Schiffe sprach der Kostenpunkt sowie der Gedanke,
nicht zu viel auf eine Karte zu setzen. Man hielt mittelschwere Schiffe
-- hierzu wurden die 50-60-Kanonenschiffe zu dieser Zeit noch gezhlt --
als am geeignetsten fr die Schlachtlinie.

  In Frankreich scheint die Klasseneinteilung von 1683 lange Zeit
  bestanden zu haben, Troude fhrt die nchste erst fr 1758 an.

  In spterer Zeit rechnet man das Linienschiff nur bis zu 60 Kanonen, in
  Frankreich 56. Die IV. Klasse scheidet nach und nach aus der Linie aus
  und das Schiff der III. Klasse wird das bevorzugte Schlachtschiff. 1790
  bildet in England die III. Klasse 5/6 der ganzen Schlachtflotte und
  besteht selber zu 2/3 aus 74-Kanonenschiffen. Die Schiffe der I. und
  II. Klasse sind nur beliebt als Flaggschiffe, da sie geeignet sind, die
  Stbe usw. unterzubringen.

Neben der IV. Klasse ist auch der Bestand der kleineren Klassen sehr
gewachsen; sie sind eigentlich erst entstanden und zwar als die Folge
einer neuen Strategie, die in erster Linie nicht mehr die Bedrohung des
Handels, sondern das Niederkmpfen der feindlichen Seestreitkrfte ins
Auge fate. Diese Kriegfhrung erforderte starke Schlachtschiffe, die
sich dann nach taktischen Rcksichten herausbildeten. Es wurden nun aber
auch noch andere Fahrzeuge ntig. Eine nach neuer Art zusammengesetzte
Flotte brauchte besondere =Schiffe fr den Sicherheits=- und
=Nachrichtendienst=, leichter als die Schlachtschiffe, aber von grerer
Schnelligkeit, teils mit, teils ohne eine gewisse Gefechtskraft.
Anderseits verlangte auch die Strategie Fahrzeuge =fr den Handelskrieg=
(modern Kreuzerkrieg) -- Schutz des eigenen, Bedrohung des feindlichen
Handels --, gleichfalls verschiedener Gre gegen feindliche Kreuzer oder
gegen Freibeuter, sowie endlich Schiffe zur Besetzung fester Stationen im
Auslande, die fr alle Staaten an Wichtigkeit gewonnen hatten. Es waren
also aus taktischen wie aus strategischen Grnden =schwere und leichte
Kreuzer=, nach moderner Bezeichnung, notwendig.

Die kleineren Schiffe der IV. Klasse, 50 Kanonen, nehmen zunchst neben
ihrer Verwendung als Schlachtschiffe von diesen Aufgaben diejenigen wahr,
die Gefechtskraft verlangten; zu ihnen traten fr denselben Zweck die
greren der V. Klasse, 40, spter vorzugsweise 44-Kanonen-Zweidecker.
Fr die anderen Aufgaben dienten die kleinen Schiffe; daher die
bedeutende Vermehrung der IV.-VI. Klasse. Wenn es auffllt, da 1688 so
wenige derartige Schiffe, besonders leichtere Kreuzer, vorhanden sind,
obgleich man doch den Kreuzerkrieg auch in den englisch-hollndischen
Kriegen fhrte, so ist dies dadurch zu erklren, da diese Aufgabe damals
noch zum grten Teil von Privatschiffen (Kapern) wahrgenommen wurde; die
wachsenden Marinen machten sich spter von diesen mehr und mehr frei.

Die 40-60-Kanonen-Zweidecker, nach und nach aus der Linie entfernt,
zeigen sich aber im Laufe der Zeit fr eigentlichen Kreuzerdienst auch
nicht geeignet, weil sie zu schwer und zu unhandlich sind. Sie werden als
Kreuzer mit der Entwicklung der schnelleren, kleineren Schiffe
(Fregatten, Korvetten usw.) durch die schweren Fregatten (schon 1780 zu
38 Kanonen gebaut) verdrngt. Doch behielt man einige ihrer Stufen,
besonders 50- und 44-Kanonen-Zweidecker, noch bis Anfang des 19. Jahrh.
bei, da sie geeignet als Flaggschiffe fr weniger wichtige Stationen und
fr kleinere Detachierungen sowie bequem zu Friedenszeiten waren.

  Mit diesen letzten Betrachtungen ist etwas vorgegriffen. Es sollte aber
  damit, wie auch durch die Hinweise auf die sptere Entwicklung der
  Schlachtschiffe, gezeigt werden, da sich in den nchsten
  Zeitabschnitten das System der Klasseneinteilungen auf dem begonnenen
  Wege weiter ausbildet, so da man wohl sagen kann, zu Ende des
  vorliegenden Abschnittes war in dieser Hinsicht ein gewisser Abschlu
  erreicht; die folgenden Zeiten der Segelschiffahrt bringen eigentlich
  nur noch Verschiebungen und Vervollkommnungen.


                              Das Personal.

Mit der Vervollkommnung der Schiffe in seemnnischer und
artilleristischer Hinsicht hatte das seemnnische Personal immer mehr an
Wichtigkeit gewonnen (vgl. Seite 52 und 154). Fhrung, Bedienung und
Erhaltung des Schiffes verlangten mehr Krfte und mehr Fachkenntnisse;
auch die neue Hauptwaffe, die Artillerie, brauchte seegewohntes Personal,
sie war nach und nach ganz in die Hnde des seemnnischen bergegangen.
Wenn man die Schiffskanoniere, die noch lngere Zeit als
Hauptgeschtznummern und als Ausbildungspersonal eingeschifft wurden, mit
zum seemnnischen Personal zhlt, wozu man sicher berechtigt ist, so
bestand bei Beginn dieses Zeitabschnittes die Schiffsbesatzung
grtenteils aus Seeleuten. Soldaten zog man eigentlich nur noch bei
Mangel an Seeleuten heran, erst spter wurde wieder eine besondere
Seesoldatentruppe gegrndet. Der Seemann war auch vollwertiger Krieger an
Bord geworden; =der Kriegsschiffmatrose war erstanden=.[87]

  [87] Besonders benutzte Quellen: Clowes, Teil I, II, III, die Kapitel
       Civil history; de Jonge, I; Jurien: Les marins du XV sicle;
       Chab.-Arnault.

Den technischen Anforderungen entsprechend, hatten sich $Chargen$ fr die
Leitung des Dienstes in den $verschiedenen Zweigen$ herausgebildet:

Fr Handhabung des Schiffes: der Schiffer (englisch master; franzsisch
matre; hollndisch stuurman); fr Navigation: der Lotse (pilot; pilote;
shipper); fr Bedienung und Verwaltung der Artillerie der Konstabel
(constable, spter gunner; matre cannonier; constabel); fr Erhaltung
der Takelage und Bedienung des Ankergeschirrs der Bootsmann (boatswain;
esquiman; hoogbootsman); fr Erhaltung des Schiffskrpers und der
Rundhlzer der Zimmermann (carpenter; charpentier; timmermann). Mehr
untergeordneter Natur (Unteroffiziersrang): fr Verwaltung des Proviants
der Bottelier; fr Strafvollstreckung der Profo; fr Handwaffendienst
der Korporal; der Segelmacher; mehrere Quartiermeister (quartermaster;
quartiermatre; kwartiermeester) besonders zur Beaufsichtigung des
Steuerns auf den Wachen; endlich traten hinzu der Chirurg und der
Zahlmeister fr die Verwaltung (clerk, spter purser; crivain;
skrijver).

  Das Zusammenfassen der Verhltnisse bei verschiedenen Nationen und zu
  verschieden Zeiten fhrt bei diesen sowie den spteren Angaben ber
  Personal zu kleineren Ungenauigkeiten; so rangierte z. B. in Holland
  spter der Shipper vor dem Stuurman.

  Angaben ber den Sold um die Mitte des 17. Jahrh.[88] stellen den
  Master usw. weit ber die anderen Chargen; er ist in allen
  seemnnischen Fragen die rechte Hand des Kommandanten.

  [88] Clowes, Teil II, Seite 13, Seite 100; de Jonge, I, Seite 321.

  Der Lotse dieser Zeiten ist nicht der im jetzigen Sinne, der
  Kstenlotse. In Frankreich hie dieser schon damals pilote ctier,
  jener pilote hauturier. Der Lotse damaliger Zeit war eben der
  Navigateur fr groe Fahrt.

  Gunner bezeichnete in England anfangs alle Schiffskanoniere. Diese
  wurden in England zuerst wieder abgeschafft und die Bezeichnung wurde
  dort der Titel fr den Constable.

Die oberen Chargen, besonders die drei erstgenannten, hatten eine weit
grere Bedeutung, als ihre Titel nach jetzigem Brauch andeuten. Der
Kommandant (Kapitn), in erster Linie stets militrischer Befehlshaber
des Schiffes, war sehr von ihnen abhngig, weil der eine den andern
nicht ersetzen konnte und er selbst oft nicht jeden Dienstzweig
beherrschte -- ebensowenig sein Stellvertreter, der Leutnant. In
Frankreich waren lngere Zeit der Kapitn und der Leutnant meist keine
Seeleute von Jugend auf, auch in England scheint zuweilen noch der
Kapitnsersatz gleich als Leutnant zur Ausbildung zum Kapitn eingetreten
zu sein; in Holland rangierte der Steuermann anfangs vor dem Leutnant,
was auf hnliche Verhltnisse schlieen lt, aber bald wird hier
hervorgehoben, da alle Kapitne und Flaggoffiziere vom Schiffsjungen auf
gedient htten. Im allgemeinen jedoch sind bald wohl berall Kapitn und
Leutnant aus einem der hheren Zweige, im Kriegs- oder Handelsdienst
aufgewachsen, hervorgegangen.

Die Flottenfhrer waren noch hufiger und noch lngerhin nicht immer
Seeleute von Beruf, sondern infolge ihrer Geburt oder hervorragenden
Stellung auf ihren Posten berufen; diese bestimmten dann zu Unterfhren
tchtige und zuverlssige Kapitne. Vizeadmiral und Kontreadmiral waren
anfangs Funktionen in der gerade aufgestellten Flotte, keine festen
Dienstgrade.

Mit der Zunahme der Gre und Armierung der Schiffe erhielten die Leiter
der Dienstzweige Gehilfen: master-mates, contre-matres, 2. und 3.
stuurman; boatswains-mates, quartermaster-mates usw.

Von einem $Seeoffizierkorps$ im jetzigen Sinne war also vorlufig keine
Rede; ein fester Bestand an Chargen war berhaupt nicht vorhanden,
ausgenommen der erwhnte Stamm von Kapitnen in Holland; das Personal
wurde im Bedarfsfalle angeworben, kam aus dem Handelsdienst und trat nach
seiner Entlassung in diesen zurck.

Mit dem Wachsen der stehenden Marinen in unserem Zeitabschnitt wurde aber
der Dienst in ihnen ein Lebensberuf, sowohl in den hheren wie in den
niedrigen Zweigen, und es widmeten sich immer mehr Shne der besseren
Stnde dem Seemannsleben. Welchen Fortschritt und Vorteil dies fr die
Marine bedeutete, wurde bald erkannt, und die Regierungen frderten gern
das Interesse fr die seemnnische Laufbahn. Whrend bisher der Kapitn
und der Leutnant vor dem Maste aufgewachsen oder nicht von Jugend auf
als Seeleute erzogen waren, stellten jetzt die Marinen dieses bessere
Material als Offiziersaspiranten ein (midshipman, aspirant, adelborst);
Anfnge hiervon finden sich schon im Anfang des 17. Jahrh., im greren
Mastabe begann man damit nach dem ersten englisch-hollndischen Kriege.
Um dieselbe Zeit vermehrte man auch, im Interesse der Disziplin und der
militrischen Leitung im Gefecht, die Zahl der Leutnants an Bord auf 2
und bald auf 3; der erste Leutnant war der Vertreter des Kommandanten.
Immer mehr ergnzen sich nun die Leutnants aus den Offiziersaspiranten
und damit nach und nach auch die Kapitne, die Flaggoffiziere und endlich
die Flottenfhrer.

Spter bernahmen dann die Leutnants teilweise den Dienst der hheren
Zweige -- Navigation; Handhabung des Schiffes (als Wachoffiziere) und der
Artillerie (als Batteriekommandeure) --, die frheren Leiter
verschwinden oder treten, nur noch zur Untersttzung der Offiziere
bestimmt, in die Reihen der Leiter der niederen Zweige zurck. So haben
wir etwa von 1700 ab den Ursprung eines organisierten Marinepersonals,
des jetzigen Seeoffizierkorps, des den Marinen eigentmlichen
Deckoffizierkorps -- der Steuermann, Feuerwerker, Bootsmann, Zimmermann
-- und des Unteroffizierkorps, die Maate der Deckoffiziere.

  Gegen Ende des 17. Jahrh. bestand der obere Stab eines englischen
  Kriegsschiffes 1. Klasse aus: dem Kapitn, 3 Leutnants, 1 Master, 1
  Pilot, 3 Mastersmaaten, 3 Pilotmaaten, 8 Midshipmen, 1 Zahlmeister, 1
  Arzt und einem oder mehreren Seesoldaten-Offizieren.

  Master und Pilot verschmelzen spter zum Master, dem die Navigation
  obliegt, doch behielt er die Handhabung des Schiffes bei besonderen
  Gelegenheiten, z. B. im Gefecht. Er war, obwohl besser besoldet als die
  Leutnants, wie die Deckoffiziere nur warrantofficer, d. h. bestallter
  im Gegensatz zum patentierten Offizier, und wurde erst in viel spterer
  Zeit als navigating lieutenant diesen sozial gleichgestellt. In England
  blieb die Navigation bis vor wenig Jahrzehnten ein Spezialzweig, was
  besonders fr die Aufnahme der Seekarten aller Meere von gnstigem
  Einflu gewesen ist.

$Die Mannschaft$ wurde im allgemeinen angeworben. In Holland geschah es
durchweg, in England griff man bei Mangel zur gewaltsamen Aushebung, dem
Pressen von Seeleuten. Auch in Frankreich wurde das Pressen bis zu
Colberts Zeit angewandt; dieser fhrte neben der Anwerbung eine Art
gesetzlicher Dienstpflicht der seemnnischen Bevlkerung ein. Als aber
nach seinem Tode die hierfr festgesetzten Vorteile wegfielen, mute
wieder zum Pressen gegriffen werden.

Teils noch von lterer Zeit stammend, besonders aber wegen Mangels an
Seeleuten schiffte man zu Anfang des Zeitabschnittes noch =Landsoldaten=
ein, aber nur mit Unteroffizieren; in Holland geschah es stets, in
England nur im Notfalle. In Holland bewhrten sich diese Soldaten weder
in Disziplin noch Leistung, da sie erst unmittelbar vor dem Inseegehen an
Bord gesandt wurden und in ganz ungewohnte Verhltnisse kamen. In England
dagegen zeichneten sie sich in jeder Beziehung aus, wohl eine Folge des
guten Geistes in der Revolutionsarmee und der strengen puritanischen
Zucht, die in einem groen Teile des englischen Volkes herrschte. Diese
so entgegengesetzten Erfahrungen fhrten in beiden Staaten um 1664 zur
Grndung von =Seesoldaten=-Regimentern, von denen Abteilungen unter
eigenen Offizieren zur Auffllung der Besatzungen, zum Gebrauch der
Handwaffen und als Kern der Enterdivisionen und der Landungskorps an Bord
der Schiffe kommandiert wurden. Die neue Truppe zeichnete sich hier wie
dort nicht nur durch ihre eigene Disziplin aus, wohl eine Folge der rein
militrischen Ausbildung gegenber den ungebundeneren Dienstverrichtungen
der Seeleute, sie war auch von gutem Einflu in dieser Hinsicht auf die
ganze Besatzung.

Der =Geist des Personals=. Die Art und Weise, in der im 16. und 17.
Jahrh. die Seefahrt betrieben wurde, mit ihrer gesetzlosen
Gewaltttigkeit, erzog zwar ein tchtiges, tapferes und wagemutiges, aber
auch rauhes, ja rohes Personal. Die langen Ozeanfahrten, die Seefahrt in
den nordischen Gewssern auf noch schlechten Schiffen, der schwere
Dienst der Hochseefischerei bildete harte, erfahrene und ausdauernde
Seeleute heran; die fast ununterbrochenen Kriege und der notwendige
Selbstschutz des Handels auf See und an fernen Ksten machte sie auch zu
tchtigen Kriegsleuten. Der Ausdauer, Hrte und Tapferkeit des Personals
ist wohl die einzig dastehende, blutige und hartnckige Durchfhrung der
englisch-hollndischen Kriege zuzuschreiben. Aber dieses Leben trug gewi
nicht dazu bei, Sitte sowie Gefhl fr Ehre und Pflicht im Seemannsstande
zu heben, besonders nicht die Freibeuterei, doch gerade diese lieferte
den Kriegsmarinen den geeignetsten Ersatz an Mannschaft und an
Offizieren. Der militrische Geist und die Disziplin konnten deshalb auch
auf keiner hohen Stufe stehen und auch die Behandlung des Personals war
nicht geeignet, hier bessernd einzuwirken. Die Soldzahlung war
unpnktlich, die Verpflegung schlecht, die Frsorge fr Kranke,
Verwundete und Invalide mangelhaft; trotz harter Strafen waren deshalb
grobe Insubordination und Meutereien hufig.

Mit der inneren Entwicklung stehender Marinen und eines Seeoffizierkorps,
in dem sich infolge des besseren Ersatzes ein Standesbewutsein und eine
Standesehre ausbildeten, wurden diese Verhltnisse nach und nach besser.
Im Laufe der Zeit erlassen alle Staaten immer genauere und bessere
Vorschriften ber Ersatz und Heranbildung der Offiziere und ber die
Frsorge fr das gesamte Personal; ber Verpflegung, rztliche
Behandlung, Gottesdienst und Pensionen. Es erscheinen zeitgem
gemilderte Kriegsartikel sowie Instruktionen fr den Dienstbetrieb:
Routinen, die ersten wichtigsten Rollen, wie Gefechts- und Feuerrolle,
Speiserollen usw. Die Entwicklung der stehenden Marinen in allen diesen
Dingen kann man besonders von 1660 an rechnen; der erste
englisch-hollndische Krieg, der als erster groer Seekrieg berhaupt in
so vielen Hinsichten durchgreifenden Einflu auf das Seewesen gehabt hat,
ist auch hierin epochemachend gewesen.

  Erwhnenswert drfte noch sein, da =Uniformen= fr Offiziere und
  Mannschaften erst sehr spt eingefhrt sind. In England wenigstens
  erscheinen die ersten Bestimmungen ber Offiziersuniformen erst 1748
  (vgl. Clowes Teil III, Seite 20). Den Mannschaften war schon frher
  Gelegenheit gegeben, Kleider vom Staate nach bestimmtem Schnitt und
  Preise an Bord zu kaufen; es war aber nicht obligatorisch.


                         Kampfweise und Taktik.

Zu Ende des vorigen Zeitabschnittes war fr die Segelschiffe mit
Breitseitarmierung an die Stelle des Kampfes in der Kielrichtung der
alleinige =Kampf der Artillerie in der Querabrichtung= getreten (Seite
145); wegen der geringen Treffhigkeit der Geschtze wurde er auf nahe
Entfernung -- Musketen- und Pistolenschuweite -- gefhrt. Vom
Manvrieren whrend des Gefechts war bei den noch unhandlichen Schiffen
wenig die Rede, man focht unter kleinen Segeln oder backgebrat -- ein
groer Gegensatz gegen die Ruderschiffe, bei denen man gerade die
Bewegung ausnutzte. Wie der Rammsto nur noch gelegentlich, wenn gnstige
Umstnde dazu lockten, ausgefhrt wurde, so trat auch das Entern
zunchst zurck. Fast nur bewegungslose Schiffe werden auf diese Weise
genommen; erst spter, als die Fahrzeuge sehr viel besser waren, tritt es
wieder als Ziel des Einzelschiffskampfes auf. Mit zunehmender Segel- und
Manvrierfhigkeit der Schiffe, aber auch in artilleristischer Beziehung,
gewann die =Luvstellung= im Gefecht an Bedeutung. Dem Gegner zu Luward
boten sich viele Vorteile: Er konnte Beginn und Entfernung des Kampfes
bestimmen, jederzeit zum Entern oder Rammsto bergehen, der Pulverrauch
strte ihn weniger, brennende Rckstnde aus den Geschtzen gefhrdeten
die eigene Takelage nicht. Ein Nachteil war, da in der Luvstellung
zuweilen die Geschtze der untersten Batterie, also gerade die
schwersten, nicht zu gebrauchen waren, da man ihre damals sehr dicht ber
Wasser liegenden Pforten bei starkem Winde oder Seegang in Lee
geschlossen halten mute.

Auch Flotten muten jetzt in einer Lage an den Feind gefhrt werden, in
der sie diesem nicht den Bug sondern die Breitseiten darboten; an die
Stelle der breiten Formationen, Sichel oder Halbmond, war eine tiefe
getreten, =die Kiellinie=. Sie erleichterte das Manvrieren um die
Luvstellung, und diese bot fr Flotten dieselben Vorteile wie fr die
Einzelschiffe; dazu kam noch, da die Luvflotte gnstigere Gelegenheit
fr die Verwendung der Brander hatte. Die Vorteile, die eine Leestellung
fr Flotten bietet, wurden erst spter taktisch verwertet.

Vorlufig darf man aber hier nicht an die Kiellinie aus Einzelschiffen
denken. Die Grnde, weshalb sie zunchst nicht aus den einzelnen Schiffen
formiert wurde, wie es doch bei der Dwarslinie der Ruderschiffe geschehen
war, sind seemnnischer und militrischer Natur. Die Ruderflotten waren
aus an Gre, Geschwindigkeit, Manvrierfhigkeit fast gleichartigen
Fahrzeugen zusammengesetzt und mit geschultem Personal bemannt; mit
solchen konnte man gutausgerichtete Linien formieren und aufrecht
erhalten; die Art des Motors begnstigte dies ebenfalls. Auch die
Gefechtskraft der einzelnen Schiffe war ziemlich dieselbe, eine aus ihnen
gebildete Linie war also auf allen Stellen gleich stark. Das
Einzelschiff bildete in ihr die taktische Einheit. Fr die ersten
neueren Segelschiffsflotten -- von der Zeit der Armada bis zum ersten
englisch-hollndischen Kriege einschlielich -- hatten sich die
Verhltnisse vllig gendert. Die Flotten bestanden aus nur wenigen
Kriegsschiffen mit geschultem Personal und einer groen Zahl erst fr den
Krieg eingestellter Fahrzeuge. Die Segel- und Manvrierfhigkeit war zu
dieser Zeit im allgemeinen noch gering, und bei den an Gre und Gte so
ungleichen Schiffen sehr verschieden. Mit einer derart zusammengesetzten
Flotte war es nicht mglich, gut rangierte Formationen zu halten. Noch
mehr verschieden aber war die Gefechtskraft der Schiffe -- starke
Kriegsschiffe gab es nur wenige --, und man konnte nicht daran denken,
eine Schlachtlinie aus den einzelnen Fahrzeugen zu bilden; sie wrde zu
viele schwache Punkte geboten haben. Bei der ungeheuren Zahl der Schiffe,
aus denen die Flotten in diesen Zeiten bestanden, wre endlich eine Linie
aus Einzelschiffen auerordentlich lang und vllig unlenkbar geworden.
Somit war es geboten, aus den schwcheren Kriegsschiffen und den
Kauffahrern Gruppen zu bilden, die von den strkeren Kriegsschiffen
gefhrt wurden (Seite 175). =Die Gruppen waren jetzt die taktischen
Einheiten=, aus ihnen wurde die Schlachtlinie der Flotte formiert.

Von den Ruderschiffen war die =Einteilung einer Flotte= in drei
Geschwader bernommen: Mitte (der Hchstkommandierende), rechter Flgel
(der 2. Befehlshaber), linker Flgel (der drittlteste Admiral); zuweilen
trat ein viertes Geschwader als Reserve hinzu. Als die Kiellinie
allgemein geworden, wurden sie Mitte (centre; corps de bataille), Vorhut
(van; avantgarde) und Nachhut (rear; arriregarde) benannt. Die
Geschwader waren aus Unterabteilungen, den Gruppen zusammengesetzt, in
denen die Schiffe aller Gren ohne besondere Formation um ihr
Fhrerschiff zu gemeinsamem Wirken geschart segelten. Holland teilte um
die Mitte des 17. Jahrh. sehr groe Flotten in 5, ja 7 Geschwader;
wahrscheinlich war dies von Tromp eingefhrt und wurde erst von Ruyter
(1666) gendert.

  Die $Linie aus Gruppen$ eingefhrt zu haben, wird den Hollndern
  zugeschrieben. Englische Quellen[89] erwhnen ausdrcklich, da sie
  erst whrend des ersten Krieges englischerseits von jenen bernommen
  sei. Der Ursprung der Gruppen an und fr sich drfte lter sein. Wir
  haben sie ja schon bei der Armada auf englischer Seite gesehen, wo sie
  infolge der verschiedenen Gefechtskraft der Schiffe gebildet worden
  waren. Aber vielleicht auch die Art der Aufbietung von Flotten zu
  damaliger Zeit brachte sie mit sich: Die spanische Armada zeigt die
  Einteilung der Geschwader nach Provinzen; franzsische Flotten lterer
  Zeit werden geteilt in die Geschwader der Bretagne, Guyenne, Provence;
  hollndische in Geschwader der fnf Seeprovinzen; in England stellten
  die Grafschaften und Stdte ihre Kontingente, die wohl unter sich unter
  Fhrung von Kriegsschiffen zusammenhielten. Die Einteilung in Vorhut,
  Mitte und Nachhut der Flotte wurde, wie man verschiedentlich sehen
  kann, auer dieser Einteilung nach Provinz- usw. Abteilungen
  vorgenommen; diese bildeten also Gruppen in jenen. Vorstehende
  Behauptung bezieht sich wohl nur auf die Einfhrung der Flottenlinie
  aus Gruppen durch die Hollnder. Diese Flottenformation wurde zur
  Zeit der Armada von den Englndern noch nicht verwendet; ihre
  Geschwader und Gruppen arbeiten selbstndig mit nur lockerer Fhlung
  untereinander; von der Armada bis zum ersten hollndischen Kriege hat
  England dann keine groen Schlachten auf See geschlagen. Die
  Erfahrungen, insbesondere die Erfolge gegen die Armada, scheinen die
  Englnder sogar einer geschlossenen Flottenordnung abgeneigt gemacht zu
  haben. =Sir William Monson= schreibt 1635:[90] Eine starre
  Aufrechterhaltung der Flottenformation (Sichel und Halbmond sind
  gemeint) hatte Zweck, so lange man nur vor dem Winde segelte. Seit man
  nher am Winde segeln kann, nmlich seit Einfhrung der Bulin[91], kann
  man jederzeit an einer Stelle angegriffen und damit in Unordnung
  gebracht werden; eine solche Formation ist bei der ungleichen
  Segelfhigkeit der Schiffe an und fr sich schwer aufrecht zu erhalten.
  Ein Flottenchef soll den Wind gewinnen; im brigen hat er die
  Unterfhrer nur zu instruieren, sich mit ihren geschlossenen
  Geschwadern oder Gruppen die gnstigste Angriffsstelle auszusuchen,
  wobei sie sich gegenseitig Raum lassen mssen und nur zur Untersttzung
  bei dringender Gefahr aneinander herankommen drfen. Im Anfang des
  ersten englisch-hollndischen Krieges wurde dann vom Admiral Penn der
  Vorteil der Hollnder, in Flottenkiellinie ins Gefecht zu treten,
  erkannt und ihr Verfahren nachgeahmt.

  [89] Clowes, Teil II, Seite 151, 189; Colomb, Seite 88. Beide fhren
       alte Autoren an.

  [90] Vgl. Colomb, Seite 87.

  [91] Bulin ist ein Tau, das ein Segel straffer spannt.

Man kann wohl sagen, da um 1648 das Ziel einer guten Taktik darin
bestand, die Luvstellung zu gewinnen und von dieser aus die Flotte in
mglichst wohlrangierter $Flottenkiellinie aus Gruppen$ mit halbem Winde,
mehr leisteten die Schiffe im Durchschnitt kaum, an den Feind zu fhren;
die Brander standen, auf die Geschwader und Gruppen verteilt, in
Feuerlee, d. h. auf der dem Feinde abgewendeten Seite. -- Mit dem
Zusammenstoe aber hrte jede Oberleitung auf und auch die bisherige
Ordnung ging bald verloren. Taktische Regeln, um an einer Stelle mit
bermacht aufzutreten, gab es noch nicht, dazu fehlten den Fhrern die
Erfahrungen; zu geschickten taktischen Bewegungen wren auch die Schiffe
damals kaum geeignet gewesen. Die Flotten waren endlich zu gro zum
gemeinsamen Handeln, und das Signalsystem war zu wenig ausgebildet, um
einzelne Teile zu leiten.

  Nur mit sehr einfachen =Signalen= -- Kanonenschsse; einzelne Flaggen
  an verschiedenen Stellen geheit; Manvern mit Segeln u. dgl. -- konnte
  man die notwendigsten Befehle geben; lngere und wichtige Anordnungen
  wurden, sogar im Gefecht, durch Boote berbracht. Die Signale setzte
  anfangs jedesmal beim Zusammentritt einer Flotte der Kommandierende
  fest; spter entstand daraus ein festes Signalsystem, das sich aber nur
  langsam ausbildete, erst um 1691 scheint man in England soweit gewesen
  zu sein, da Flottenbewegungen damit geleitet werden konnten.[92]

  [92] Clowes, Teil II, Seite 225 ff.

An den Feind gefhrt, griff mit seinem Chef an der Spitze jedes der
Geschwader, die meist nicht einmal eng aufeinander geschlossen waren und
Nachzgler zurckgelassen hatten, fr sich an; jede Gruppe, ja wohl jedes
Schiff suchte sich seinen Gegner. Diese Art des Angriffs sowie das
Bestreben der einzelnen Gruppen oder Schiffe, sich zu untersttzen oder
feindliche Gruppen oder Schiffe zu dublieren[93], fhrte zum baldigen
Einbruch in die feindliche Linie. Es mute infolgedessen noch frher als
bei den bewegungsfhigeren Ruderschiffen die Melee eintreten, und um so
mehr, als die Fahrzeuge, unter kleinen Segeln nur wenig Fahrt laufend,
bei dem dichten Pulverdampf durcheinander trieben. Abbildungen von
Schlachten zeigen uns rtlich oft weit getrennte Gruppenkmpfe und
Schiffsduelle; Beschreibungen erzhlen fast nur von geschickten Vorsten
einzelner Gruppenfhrer und von besonderen Taten einzelner Kommandanten.

  [93] Zwischen zwei Feuer nehmen.

=Es ist die Zeit der Gruppentaktik.= Auf den verschiedenen Stellen wird
der Kampf fast ohne Bewegung ausgefochten, Lagen werden auf
Pistolenschuweite gewechselt, Brander greifen an, bis derjenige Teil,
der durch Artilleriefeuer, Brand und Explosionen die meisten Leute und
Schiffe verloren hat, oder dem die Munition knapp wird, Segel setzt und
das Feld rumt. Infolge der langsam und unsicher schieenden Artillerie
dauert der Kampf stundenlang und es tritt oft Munitionsmangel ein;
Explosionen sind wegen der ungengenden Sicherung der Munitionsrume
hufig; es ist dagegen auffallend, wie wenig Schiffe in den groen
Schlachten durch Entern genommen werden.

Ebensowenig, wie von planmigen taktischen Bewegungen whrend des
Gefechts die Rede ist, tritt nach der Entscheidung eine taktisch
angelegte =Verfolgung= ein, weil auch die Schiffe des Siegers zu sehr
gelitten haben und die Oberleitung ganz verloren gegangen ist.

Wenn nun den Hollndern zugeschrieben wird, die Linie aus Gruppen
eingefhrt zu haben, so stammt von den Englndern ein weiterer wichtiger
Fortschritt in der Taktik. Whrend die Hollnder noch lnger im
allgemeinen gleich nach dem Zusammensto althergebrachterweise durch
rcksichtsloses Draufgehn und Einbrechen in die feindliche Linie die
Entscheidung suchen (1653, Schlacht bei Scheveningen), wodurch sie den
Feind zwar oft verblffen, aber doch nur Teilerfolge erzielen, fangen die
Englnder schon im ersten Kriege an, Wert auf lngere Ausnutzung des
Artilleriefeuers in geschlossener Ordnung zu legen und den Feind zu
erschttern, ehe sie in die Melee eintreten (ebendort und schon in der
Schlacht bei Northforeland-Nieuport). Es ist diese wichtige Erkenntnis
unzweifelhaft dem Umstande zuzuschreiben, da sich in England die
stehende Marine und damit das Verstndnis fr militrische Gesichtspunkte
frher entwickelte, wie auch der Ausbildung der Schiffsartillerie dort
frher groe Aufmerksamkeit zugewendet wurde.

In den schnell aufeinander folgenden Kriegen des Zeitabschnittes erkannte
man bald die Nachteile der Gruppenformation und ihrer Kampfweise. Neben
der Unmglichkeit der bersicht, Leitung und Innehaltung der Ordnung gab
sie bei Windvernderungen und auergewhnlichen Vorfllen Anla zu
Kollisionen und Havarien, die Schiffe hinderten sich gegenseitig an der
Verwendung ihrer Artillerie, den Brandern bot sich in den fast ohne
Bewegung zusammenliegenden Haufen von Schiffen ausgezeichnete Gelegenheit
zum Angriff. Alles wies auf Verwendung dnnerer Linien im Gefecht hin.

Es fhrte dies, wie uns bekannt, zum Bau besonderer, starker und
gleichwertiger Schlachtschiffe, die ihren Platz in der Linie ausfllen
konnten. Jetzt bildete man die $Kiellinie aus den einzelnen Schiffen$;
diese wurden wieder an Stelle der Gruppen die Gefechtseinheiten. Mit dem
Ausscheiden der kleinen Schiffe wurden die Flotten kleiner, so da
bersicht, Leitung und Aufrechterhaltung der Formation leichter war.

Die =Einteilung einer Flotte= in Vorhut, Mitte und Nachhut blieb
bestehen; jedes dieser Geschwader wurde bei groer Schiffszahl in drei
Divisionen geteilt; die Flaggoffiziere segelten gewhnlich in der Mitte
ihrer Division.

  Eine derartige Einteilung ist gut aus den spteren Angaben ber die
  englische Flotte in der Schlacht von Northforeland, 12. Juni 1653, zu
  ersehen. Dort wird auch darauf hingewiesen, wie aus dieser Einteilung
  die englischen Flaggoffizierchargen, die Admirale der verschiedenen
  Flaggen, hervorgegangen sind.

Mit zunehmender Segelfhigkeit der Schiffe wurde die $Kiellinie beim
Winde$ die Gefechtsformation, denn sie entsprach am besten allen
Anforderungen: Mglichkeit der bersicht und Aufrechterhaltung und grte
Freiheit zu weiteren Manvern; sie war auch ntig zum Gewinnen und
Erhalten der vorlufig allgemein angestrebten Luvstellung. Sie bleibt die
Normalformation whrend der ganzen Segelschiffszeit. Zunehmende
Kriegserfahrung fhrt zur Aufstellung von Regeln fr Angriff und
Durchfhrung des Kampfes unter verschiedenen Umstnden und fr die
erforderlichen Bewegungen, um an einer Stelle mit bermacht aufzutreten.
So bildet sich eine Taktik aus, die zu Ende des Zeitabschnittes einen
gewissen Abschlu erreicht hat.

=Das Gefecht nimmt einen anderen Verlauf.= Der Artilleriekampf wird immer
lnger von den geschlossenen, parallel zueinander liegenden Flottenlinien
gefhrt, die Melee wird nicht mehr gesucht; an ihre Stelle treten
Bewegungen zum Abschneiden und Dublieren einzelner Teile des Feindes, um
sie zu vernichten, ehe sie Untersttzung erhalten; die Brander verlieren
ihre Bedeutung.

  Mit der besseren Ordnung in der Schlacht fiel die $Bedeutung der
  Brander$ zunchst noch nicht. In den wirren Kmpfen des ersten
  englisch-hollndischen Krieges bot sich ihnen zwar manche gnstige
  Gelegenheit zum Angriff, aber sie muten auf eigene Faust handeln,
  wurden von den eigenen Schiffen nur schlecht beschtzt und konnten sich
  leicht in Freund und Feind irren. Als die Ordnung besser aufrecht
  erhalten wurde, konnten sie von den eigenen Schiffen bis zum Angriff
  gedeckt und beim Angriff untersttzt werden; sie waren auch im stande,
  ihr Opfer besser zu whlen und im Auge zu behalten, da auch dieses
  jetzt an seine Stelle gebunden war. So werden die Erfolge der Brander
  im zweiten Kriege grer. Im weiteren Verlaufe aber wurden sie dadurch
  entwertet, da die Kriegsschiffe infolge besserer Manvrierfhigkeit
  und schneller sowie sicherer feuernder Artillerie ihnen leichter
  ausweichen und erfolgreicher begegnen konnten, um so mehr, als sich nun
  auch der Artilleriekampf der Flottenlinien auf greren Entfernungen
  abspielte. Ihre Verwendung wurde immer seltener mglich, und so wurden
  sie den besser segelnden Kriegsschiffen schlielich ein lhmender
  Ballast.

  Mahan (Seite 102, 105) fhrt die hnlichkeit des Wesens der Brander mit
  dem der Torpedofahrzeuge an, deren Entwicklung durch hnliche Grnde
  beeinflut ist.

Die eben beschriebene Entwicklung vollzog sich natrlich nach und nach.
Die Anweisungen englischer Admirale[94] fr das Verhalten im Gefecht,
besonders beim Angriff, zeigen, wie zunchst gegen die Halbmond- und fr
die Gruppenformation und ihre Gefechtsweise gesprochen, wie dann aber
immer mehr Wert auf Aufrechterhaltung der Ordnung in der ganzen Flotte
und auch schon auf taktische Bewegungen gelegt wird. Aus der Beschreibung
der Schlachten werden wir ersehen, da, allgemein gesagt, im ersten
englisch-hollndischen Kriege die Kiellinie aus Gruppen und der
Gruppenkampf vorherrscht, da im zweiten Kriege die Kiellinie beim Winde
Regel geworden ist und die Bildung der Linie aus Einzelschiffen
angestrebt wurde, und im dritten diese durchgefhrt war.

  [94] Colomb, Seite 87 ff: Auszge aus den fighting instructions von
       1635, 1655, 1665.

In vorstehendem ist die $Entwicklung des Seekriegswesens$ whrend des
Zeitabschnittes im allgemeinen besprochen, unter Zugrundelegung der
englischen Verhltnisse. Vor jedem Kriege sollen spter die Streitmittel
der Gegner betrachtet werden; es veranschaulicht dies gleichzeitig die
Entwicklung der verschiedenen Marinen. Auf die Ausbildung der Taktik wird
an gleicher Stelle, sowie bei der Schilderung der Schlachten und in den
Schlubemerkungen zu den Kriegen nher eingegangen werden.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Drittes Kapitel.

            Der erste englisch-hollndische Krieg 1652-1654.

                            Die Kriegsgrnde.

Holland und England waren zwar natrliche Verbndete gegen die
katholische Weltpolitik Spaniens gewesen, als aber diese ihr Ende
gefunden hatte, fhrte Eifersucht zum Zusammensto zwischen den beiden
Seemchten; Grnde waren auf allen Meeren vorhanden.

Beide Vlker strebten danach, den Spaniern und Portugiesen den Handel auf
den Weltmeeren zu entreien, beide traten ihrem Anspruch, allein Kolonien
zu grnden, entgegen; sobald sie darin Erfolge erzielt hatten, blieben
Reibungen nicht aus. Beide hatten ferner ihr Augenmerk darauf gerichtet,
nach dem Niedergang der Hansa den Seeverkehr in den nordischen Gewssern
in die Hand zu bekommen, und endlich bestanden von altersher
Zwistigkeiten ber die Ausbung der Fischerei in der Nordsee. Schon seit
langer Zeit beanspruchte England die Oberherrschaft in den britischen
Gewssern, deren Begriff es sehr weit ausdehnte. Nun war der Heringsfang
in der Nordsee fast ganz in den Hnden der Hollnder, sogar nahe an der
englischen Kste; an 3000 Fischerfahrzeuge waren dort beschftigt, die
jhrlich gegen eine Million Lstrl. verdienten. Karl I. hatte 1636 diese
Fischerflotte verjagt und erreicht, da Holland nur gegen eine hohe
Entschdigung die Nordseefischerei betreiben durfte. Whrend der
Revolution hatte England notgedrungen diesen Anspruch fallen lassen,
jedoch keineswegs aufgegeben. Im Seehandel hatten die Hollnder schon
unter der spanischen Herrschaft und auch weiter trotz ihrer schweren
Kmpfe gegen diese bis zur Mitte des 17. Jahrh. den Englndern berall
den Rang abgelaufen; ein zeitweiser Aufschwung der Englnder war immer
wieder durch innere Wirren oder durch Wechsel in den Grundstzen der
Regierung gehemmt worden.

  Die bedeutendste Reibung in fernen Gewssern war die sog.
  =Amboina-Angelegenheit= (Seite 83). Die andauernde Entrstung in
  England ber diesen Vorfall, der nicht geshnt wurde, trug nicht wenig
  zur Schrung des Hasses gegen Holland bei.

  Die Grenzen der =britischen Gewsser= oder der four seas, ber die
  England die Herrschaft verlangte, waren: Im Norden der 63. Breitengrad
  von der Kste Norwegens bis 23 W. Lnge Greenwich und im Sden die
  Breite von Kap Finisterre bis zu genanntem Lngengrade. Das Gebiet
  umfate also etwa 20 Lngengrade im Atlantik, die Biscaya, den Kanal
  und die ganze Nordsee; hiermit hing die Forderung an Holland, fr die
  Fischerei in der Nordsee eine Abgabe zu zahlen, zusammen.

  Fr die =Gre des hollndischen Handels= dienen folgende Angaben: 1640
  standen im Verkehr durch den Sund 1600 hollndischen Schiffen nur 430
  englische gegenber; 1650 verhielt sich der Gesamthandel Hollands zu
  dem Englands wie 5: 1; Colbert nahm sogar an, da die hollndische
  Handelsmarine 4/5 der gesamten europischen betrge.

Als sich nun unter der tatkrftigen Regierung =Cromwells= ein neuer
Aufschwung Englands in maritimer Hinsicht vorbereitete, wurde die
Eifersucht auf beiden Seiten in grerem Mae entfacht, namentlich auch
in Holland. Die der Entwicklung der Seemacht Englands ungnstigen inneren
Wirren whrend der Revolution waren den Hollndern sehr gelegen gekommen.
Sie veranlaten sie sogar, obgleich selber Republik, der Sympathie fr
das vertriebene Knigshaus Stuart Ausdruck zu geben. Dies fhrte zwar
nicht zu ttiger Untersttzung, offenbarte sich aber in verschiedener
Weise; so wurde Cromwells Gesandter im Haag ermordet. Auch wurden
Vorschlge Englands zu einer engeren Verbindung beider Republiken nach
dem Siege der Generalstaaten-Partei ber die oranische und nach
Abschaffung der erblichen Statthalterwrde in Holland zurckgewiesen; die
Bedingungen, unter denen diese Verbindung erfolgen sollte, waren
allerdings zu sehr zum Vorteil Englands. Alle diese Umstnde trugen
wiederum dazu bei, in England den Ha gegen den Nebenbuhler zu vermehren.

Schon im Frhjahr 1651 machte es sich bemerklich, da beide Nationen sich
auf einen Zusammensto vorbereiteten, wenn auch beide andere Grnde fr
ihre Rstungen angaben; das gegenseitige Mitrauen wuchs und fhrte im
Juni zur Abberufung der Gesandten. Der letzte, entscheidende Ansto zum
Kriege ging endlich von England aus, als am 9. Oktober 1651 Cromwell die
berhmte $Navigationsakte$ erlie, die zum Schutz und zur Hebung der
englischen Schiffahrt allen Zwischenhandel verbot. Sie richtete ihre
Spitze besonders gegen Holland, in dessen Hand sich eben der
Zwischenhandel in erster Linie befand.

  Aus dieser Akte ist hervorzuheben[95]: Von auereuropischen Pltzen
  drfen Waren aller Art nach England und nach allen englischen
  Besitzungen nur auf Schiffen, englischer Nationalitt, deren Kapitne
  und 3/4 der Besatzung Englnder sind, verladen werden -- bei Strafe der
  Konfiskation von Schiff und Ladung. Europische Waren drfen, unter
  demselben Prjudiz im Falle des Zuwiderhandelns, nach England und nach
  allen englischen Besitzungen nur gebracht werden von englischen
  Schiffen oder von Schiffen des Landes, von dem sie stammen oder zuerst
  verschifft werden knnen. Seefische und sonstige Produkte des
  Fischfanges drfen nach England nur von Schiffen des Landes gebracht
  werden, dessen Untertanen sie gefangen oder bereitet haben; von
  englischen Fischern gefangen usw. drfen sie nur auf englischen
  Schiffen exportiert werden. Ferner: Erhhte Einfuhrzlle fr die an
  Bord fremder Schiffe nach England eingefhrten Waren, Erneuerung des
  schon von der Knigin Elisabeth erlassenen Verbots des Kstenhandels
  fr Fremde.

  [95] Nach Perels, Das internationale Seerecht. Seite 16 und Seite 18
       Anm.

  Diese Akte wurde nach dem zweiten englisch-hollndischen Kriege
  zugunsten Hollands etwas eingeschrnkt, im Laufe der Zeiten durch
  Handels- und Schiffahrtsvertrge auch anderen Nationen gegenber etwas
  gemildert, aber erst 1854 ganz aufgehoben.

  Die Navigationsakte erforderte zunchst auch von England groe Opfer.
  Teuer mute man selber vieles produzieren, was man bisher billig vom
  Auslande bezogen; selbst die Schiffahrt, die doch gerade gehoben werden
  sollte, mute Opfer bringen, der Schiffbau wurde um 30 Prozent teurer,
  die Matrosenlhnung stieg wesentlich. Aber doch wurde durch sie die
  maritime Entwicklung angebahnt, die England die Beherrschung aller
  Meere verschaffen sollte. Cromwell hat das Britannia rules the waves
  zur Geltung gebracht, wie er auch kategorisch erklrte: England drfe
  nicht dulden, da ohne seine Genehmigung eine andere Flagge als die
  englische auf den Ozeanen wehe. Anderseits kann man von Holland sagen,
  da es den Gedanken der Freiheit des Meeres -- zuerst gelehrt von
  Grotius, 1609, als Nachweis der Berechtigung Hollands zum Handel nach
  Indien gegen die auf die ppstlichen Bullen von 1493 gesttzten
  Bestrebungen Portugals -- zuerst mit Waffengewalt vertrat, allerdings
  im eigensten Interesse.

Holland erhob sogleich Einspruch gegen die Navigationsakte, jedoch ohne
Erfolg. Es wurden ihm vielmehr englischerseits eine groe Zahl
Klagepunkte entgegengehalten, worunter die noch nicht geshnte
Amboina-Angelegenheit, die Untersttzung Karls II., die Ermordung des
Gesandten, verschiedene Schdigungen des englischen Handels und die
Ausstnde staatlicher Gelduntersttzungen von der Zeit Elisabeths her
(vgl. Seite 113) die hauptschlichsten waren. Eine Einigung wurde nicht
erzielt, vielleicht auch beiderseits kaum beabsichtigt oder erwartet.

$Der Kriegszustand begann$ mit der an englische Private erteilten
Erlaubnis, fr vermeintliche Schdigungen Vergeltungsmaregeln durch
Aufbringen hollndischer Schiffe zu treffen, und mit der Beschlagnahme
hollndischer Schiffe auf Grund der Navigationsakte sowohl in englischen
Hfen wie in den Kolonien. Die Hollnder antworteten mit Gewaltmaregeln
ihrerseits und mit verschiedenen Versten gegen das alte, von England
beanspruchte Flaggenrecht. Im Verein mit dem Anspruch auf die Oberhoheit
in den britischen Gewssern verlangte nmlich England in ihnen den
=Flaggengru= fr seine Kriegsschiffe von allen fremden Fahrzeugen, sowie
das Recht, diese zu untersuchen; dieses Recht gewann durch die
Navigationsakte noch an Bedeutung. Beide Forderungen waren um so lstiger
fr Holland, weil alle seine Handelswege durch die britischen Gewsser
fhrten, ein Umstand, der auch sonst England zu einem besonders
gefhrlichen Nebenbuhler zur See machte.

Schon seit 1202 gab es ein englisches Edikt, nach dem jeder Kommandant
eines kniglichen Schiffes jedes fremde, selbst befreundete, Fahrzeug
nehmen sollte, das vor ihm nicht die Flagge dippte und gewisse Segel
striche; Cromwell, erneuerte diese Bestimmung. Am 28. Mai 1652 zwangen 3
englische Kriegsschiffe 3 hollndische, die einen Konvoi Kauffahrer
begleiteten, nach kurzem Gefecht zur Befolgung dieser Forderung und
wenige Tage spter schon fhrte dieselbe Frage zu einer Seeschlacht
(Dover), ohne da der Krieg erklrt war.

  In seinen Kolonien konnte England die Navigationsakte zunchst nicht
  streng durchfhren, weil man nicht ber gengende Schiffe verfgte und
  in vielen die Royalisten die bermacht hatten. Mehrere Kolonien
  hielten sogar den Handel mit Holland whrend des Krieges aufrecht.


                    Die Streitmittel der Gegner.[96]

$Holland$ glaubte nach dem Westflischen Frieden, nunmehr mit allen
Nachbarn im Frieden und zur See die mchtigste Nation, die ungeheueren
Ausgaben, die bisher Heer und Marine gefordert hatten, einschrnken zu
knnen; es rstete in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit in jeder Beziehung
ab. In Frankreich erwuchs ihm an Stelle Spaniens ein gefhrlicher Gegner
zu Lande; trotzdem lie man die Festungsbarriere, die das Bollwerk gegen
Spanien gewesen war, verfallen. Englands wetteifernde Bestrebungen zur
See erhielten gerade jetzt einen neuen Ansto und man wute um die
Pflege, die dort dem Seewesen zugewendet wurde; trotzdem lste man die
Marine, den Grundpfeiler des Seehandels und der Macht, nahezu auf.

  [96] Anschlieend an Kapitel II Die Entwicklung des Seekriegswesens,
       sowie an Die wichtigsten Kriegsmarinen (Seite 148-151).
       Hauptquellen: Clowes, Teil II; de Jonge, Teil I.

Von den 130-150 Kriegsschiffen, die um 1648 den Bestand bildeten, wurden
40 fr den Schutz des Handels, der Fischerei und der Hfen als gengend
erachtet, die brigen wurden verkauft oder aufgelegt; die letzten
verdarben schnell, da die Hilfsmittel zur Erhaltung zu jenen Zeiten
berhaupt noch im argen lagen und die Provinzen kein Geld hierfr
auswerfen wollten. Die in Dienst bleibenden Schiffe erhielten nur die
geringst zulssige Bemannung; die berzhligen Offiziere und
Mannschaften, ein kostbares und bewhrtes Material, wurden abgedankt und
gingen in den Kauffahrteidienst, viele auch in fremden Staatsdienst ber.

Von schwerwiegender Bedeutung war ferner der Umstand, da mit der
Abschaffung der Statthalterwrde (1650) zugleich die Stellung des
Generaladmirals fiel. Die Admiralitten der Provinzen traten nun ohne
Mittelpunkt und ohne gemeinsame Vertretung in allen Dingen wieder
unmittelbar unter die Generalstaaten, was bei der hufigen Eifersucht der
Provinzen vom grten Nachteil fr die Einheitlichkeit im Seewesen wurde.
Den militrischen Oberbefehl erhielt bei Zusammentritt grerer Flotten
weiter der Admiralleutnant von Holland und Westfriesland, aber das
Vorhandensein von zwei Vizeadmiralen (des von Holland und des von
Seeland) fhrte, trotz erlassener Bestimmungen ber deren Anciennitt, zu
Reibungen zwischen ihnen und den Provinzkontingenten, besonders wenn es
sich um Vertretung des Admiralleutnants handelte.

Als sich im Jahre 1651 das Verhltnis mit England so verschrfte, da man
auf einen Zusammensto ernstlich gefat sein mute, wurde zunchst der
Befehl gegeben und auch schnell ausgefhrt, weitere 36 Schiffe in Dienst
zu stellen, und im Mrz 1652 beschlo man, noch 150 auszursten. Von
diesen sollten die Provinzen sofort 50 zwangsweise durch Heuern
aufbringen, und zwar Fahrzeuge nicht unter 28 Kanonen, 85 Seeleute und
25 Soldaten, den Rest aber sobald als mglich. Doch kaum die
erstgenannten wurden zur beabsichtigten Zeit fertig, die Zahl der
letzteren ist whrend der ganzen Dauer des Krieges nicht erreicht worden;
es fehlte an geeigneten, d. h. gengend starken Kauffahrern, an
Mannschaft und an Geld.

Vor und whrend des Krieges schwankte die Volksstimmung zwischen
Begeisterung fr energische Durchfhrung der Rstungen und Hoffnung auf
Erhaltung oder Wiederherstellung des Friedens und dementsprechend die
Opferwilligkeit; ein planmiger Ausbau der Flotte wurde unmglich, da
keine krftige einheitliche Oberleitung vorhanden war; den Admiralitten
waren oft die Hnde durch Geldmangel gebunden. Geldforderungen der
Generalstaaten bei den Provinzen fhrten zunchst meist zu endlosen
Schreibereien. Die Geldmittel spielten aber in diesem Kriege gegen das
erstarkende England eine grere Rolle als in den Kriegsluften der
letzten Jahre gegen das ermattende Spanien oder gegen die einzelne Stadt
Dnkirchen.

Beim Ausbruch des Krieges war, den Verhltnissen der Zeit entsprechend,
ein Teil der Flotte zum Schutz des Handels und der Fischerei gegen
Seeraub und Freibeuterei abgezweigt. Besonders das Mittelmeer, in dem die
Barbaresken den Handel aller Nationen und die Franzosen den der Hollnder
im besonderen strten, war stark besetzt; wir werden sehen, da Holland
infolgedessen dort beim Ausbruch des Krieges England gegenber sehr
gnstig stand. So war die schlagfertige Flotte, die im Mai 1652 unter
Admiralleutnant Tromp auslief, nur einige fnfzig Schiffe stark.

=Im Juli= 1652 war sie durch die neuen Rstungen auf 92 Segel
angewachsen, sie enthielt aber nur ein Schiff mit 56 Kanonen -- das
Flaggschiff Brederode, den einzigen Zweidecker Hollands --, 19 Schiffe
mit 30 bis 40 Kanonen, 12 kleinere Kriegsschiffe mit 8-10 Kanonen, 6
Brander; den Rest von 52 bildeten die von den Handelskompagnien
gestellten und die sonst geheuerten Kauffahrer, deren Kanonenzahl man im
allgemeinen nur zwischen 20 und 30 annehmen kann.

=Im Mrz d=es Jahres 1653 setzte sich der $Gesamtbestand$ zusammen:

    Kanonenzahl      56  40-46  30-38  22-28  14-18
    Kriegsschiffe     1   13     24     25        3 =  66
    Eingestellte     --    1     18     67        2 =  88
              -------------------------------------------------
              Summe:  1   14     42     92        5 = 154 Segel

    =Beim Friedensschlu= 1654 waren $an Kriegsschiffen$ vorhanden:

    Kanonenzahl      66  50-58  40-48  30-38  20-28  8-18
    Zahl der Schiffe  1    9      27     33     16    15   = 101

Man ersieht, da whrend des Krieges viele Schiffe hinzugekommen sind und
zwar meist neu als Kriegsschiffe erbaut. Es waren beim Friedensschlusse
noch ber 30 Schiffe im Bau; auch manche, namentlich grere, der
angefhrten haben im Kriege keine Verwendung mehr gefunden, da die letzte
Zeit keine groe Unternehmung brachte.

  Vorstehende Angaben sind entnommen aus de Jonge, Teil I, Beilage XXII
  und XXIII. Wenn Clowes, Teil II, Seite 150, fr Mrz 1654: 112 Schiffe
  von 24-48 Kanonen gegen obige 86 von 20-48 Kanonen angibt, so ist
  anzunehmen, da er die Schiffe in Bau -- etwa 30, wovon die Hlfte ber
  40 Kanonen -- mitzhlt; er spricht selber von vielen neuen Schiffen,
  die bei lngerer Dauer des Krieges die hollndische Flotte um die
  Hlfte strker hingestellt haben wrden.

Dieser $Neubau von wirklichen Kriegsschiffen$ und auch besonders von
solchen hherer Klassen war die Folge des gleichen Vorgehens in England,
wo man schon von vornherein ber Fahrzeuge mit grerer Gefechtskraft
verfgte. Aber nicht allein in der schwcheren Bestckung lag die
Schwche der lteren hollndischen Schiffe; sie waren auch leichter
gebaut, aus Fichtenholz mit Holzngeln, so da sie keine lange
Lebensdauer und wenig Widerstandsfhigkeit gegen Geschtzfeuer hatten.
Auf diese letzte Eigenschaft hatte man bisher, sparsamkeitshalber und
noch an die ltere Kampfweise Draufgehn und Entern gewhnt, kein Gewicht
gelegt. Endlich hatten die hollndischen Schiffe, entsprechend den
flachen Kstengewssern und Hfen, wenig Tiefgang, flache Bden und waren
dafr breiter; infolgedessen segelten sie schlecht beim Winde und waren
rank. Die neuen Kriegsschiffe baute man nach Vorbild der Englnder
widerstandsfhiger, besser segelnd, grer und strker armiert; alle
Schlachtschiffe waren jetzt Zweidecker. Die alten Fahrzeuge hatten nur
den Vorteil gehabt, da sie sich gebotenenfalls bei ihrem geringen
Tiefgang hinter Untiefen an der Kste zurckziehen konnten, wovon des
fteren Gebrauch gemacht ist.

In der =Verwendung schwerer Kaliber= stand Holland noch weiter hinter
England zurck (vgl. Seite 105). Noch 1654, als in dieser Hinsicht schon
wesentliche Verbesserungen eingetreten waren, fhrte nur das Flaggschiff
36-Pfnder und zwar nur 4, von den Schiffen ber 50 Kanonen hatten nur
einige 10-12 Stck 24-Pfnder, die brigen 2-4 Stck; Schiffe von 40-50
und von 30-40 Geschtzen fhrten durchweg nur 2-4 Stck 24-Pfnder, die
brige Mittelartillerie bestand bei allen aus 18- und 12-Pfndern oder
nur aus 12-Pfndern.[97] Es kommt hinzu, da Schiffe gleicher Gre von
den verschiedenen Provinzen nicht gleichmig in den Kalibern armiert
wurden und da die eingestellten Kauffahrer noch weit schwcher bestckt
waren: Fahrzeuge von 28-32 Kanonen fhrten als schwerste Geschtze nur
6-10 Stck 12-Pfnder, solche von 22-24 oft nur 8-Pfnder.

  [97] Angaben nach de Jonge, Teil I, Beilage XXIV.

Auch die $Bemannung der Flotte$ machte Schwierigkeit. Man war ganz auf
Freiwillige angewiesen, weil Gesetze und Volkswille das Pressen
ausschlossen. Da das Hauptbestreben Hollands whrend des ersten Krieges
dahin ging, Handel und Fischerei im vollsten Mae weiter zu betreiben, so
meldeten sich nicht gengend Freiwillige, wenn auch der Dienst auf
fremden Schiffen verboten war.

Die Schiffe waren infolgedessen oft ungengend bemannt, und es muten,
besonders auf den eingestellten Handelsschiffen, auch minderwertige Leute
angeworben werden, wodurch dann die Disziplin litt. So stand in Holland,
obgleich doch sonst wahrlich im Lande kein Mangel am vorzglichsten
Material war, die Bemannung der Flotte nicht auf der Hhe, die man htte
erwarten knnen; man besa allerdings in der eigentlichen Kriegsmarine
eine groe Zahl tchtiger Fhrer sowie Ober- und Unteroffiziere.

In $England$ lagen die Verhltnisse in jeder Hinsicht weit gnstiger. Wir
wissen (Seite 161 ff.), da die Republik sogleich in groem Mastabe mit
dem Bau von Kriegsschiffen vorgegangen war -- 60 wurden whrend des
Krieges gebaut -- und da man die Fahrzeuge leistungsfhiger,
fregattenhnlich, konstruierte.

Man war sich klar, da der Strau mit Holland zu seiner Durchfhrung eine
groe Macht verlangen wrde. Infolge des stets wachsenden Einflusses
Cromwells war kein Mangel an Mitteln; Einheit des Willens begnstigte
einen planmigen Ausbau der Flotte.

Mit dem Knigtum war die Stelle des Lordhighadmirals gefallen. Eine
Behrde von =Kommissren der Admiralitt und Marine= bte das Amt aus,
nach und nach immer abhngiger vom Parlament oder eigentlich von
Cromwell, dessen Machtwort entschied. Das Kommando ber die mobilen
Streitkrfte lag in der Hand einer Kommission von 3-5 =Generalen zur
See=, was jedoch hier nicht zu Reibungen fhrte.

$Der Schiffsbestand$ der englischen Marine war im Mrz 1651 noch schwach:
3 Schiffe ber 60 Kanonen; 10 mit 50-54; 12 mit 40-46; 24 mit 30-34 und
kleinere. Da auch hier Schiffe im Auslande waren, mute ebenfalls auf
Kauffahrer zurckgegriffen werden. In wie viel geringerem Mae dies
jedoch in England geschah, wird aus einigen Angaben zu ersehen sein.
Obige Geschtzzahlen zeigen im Vergleich mit den Angaben ber Holland fr
Mai und Juli 1652 die weit strkere Armierung auf englischer Seite, und
dementsprechend enthlt auch die sonst nur schwache englische Flotte beim
ersten Zusammensto am 29. Mai 1652 unter 21 Segeln: 8 Schiffe ber 40
Kanonen; 7 ber 30, dazu 3 kleinere Kriegsschiffe und 3 Kauffahrer. Noch
weit ungnstiger fr Holland stehen die Verhltnisse im Jahre 1653.
Vergleichen wir die Angaben ber Holland fr Mrz 1653 mit der Flotte
Moncks in der Schlacht von Northforeland am 12. Juni 1653. Beide Flotten
bildeten in der Schlacht nicht den Gesamtbestand der Marinen, denn zur
englischen stieen am nchsten Tage noch 18 Schiffe und vom
Gesamtbestande der hollndischen Marine nahmen nur 98 teil, man kann aber
die ungeheure berlegenheit der Englnder, was die Strke der Schiffe an
Geschtzzahl anbetrifft, dennoch beurteilen.

Die englische Flotte bestand in der Schlacht aus 100 Schiffen, der
hollndische Gesamtbestand war 154 (wovon 98 anwesend); nun hatte:

             England in der Schlacht        Holland im Gesamtbestande
    Schiffe    12 zu 50-88 Kanonen             1 zu 56    Kanonen
               25 zu 40-46   "                14 zu 40-46   "
               55 zu 30-40   "                42 zu 30-40   "

Da bleibt fr England in der Schlacht nur ein Rest von 8 Schiffen unter
30 Geschtzen, fr Holland aber gegen den Gesamtbestand ein solcher von
92, und fr die Schlacht mindestens von 40; wahrscheinlich aber waren es
noch weit mehr, denn man kann nicht annehmen, da in der Schlacht nur
schwchere Schiffe vom Gesamtbestande fehlten, es werden auch strkere
Kriegsschiffe detachiert oder in Ausbesserung gewesen sein. Bei der
englischen Flotte in der Schlacht kamen ferner auf 60 Kriegsschiffe nur
29 Kauffahrer gegen 88 Kauffahrer auf 66 Kriegsschiffe im hollndischen
Gesamtbestande. Endlich seien noch die Angaben ber die hollndische
Marine gegen Ende des Krieges (1654, Juli) und ber die englische im
Dezember 1653 (vgl. Seite 176; dort nach Klassen, hier nach Kanonenzahl
aufgefhrt), gegenbergestellt:

Es besa danach an wirklichen Kriegsschiffen:

      Kanonenzahl         100 88 60-66 50-58 40-46 30-39 20-29 6-10

      England (Dez. 1653)   1  1   8     16    32    43    16   14
      Holland (Juli 1654)  -- --   1      9    27    33    16   15

Welch eine bermacht auf englischer Seite, besonders an schweren Schiffen
ber 50 Kanonen!

Es mssen aber auch die in beiden Marinen =verwendeten Kaliber=
verglichen werden, wobei wir nur die schwere Artillerie bercksichtigen
wollen. Nach den Aufzeichnungen fr England von 1652 (vgl. Seite 170,
Tabelle) und nach denjenigen fr Holland von 1654 fhrten bei einer:

  Gesamtzahl Kanonen     80-100   60-66        50-58  30-46   unter 30
  Englische Schiffe  min. 24-42- min. 24-32-   20-32- 18-32- 16-32-Pfdr.
  Hollndische "          --     4-36-  max. 12-24- max. 4-24-Pfdr. --

Das bergewicht der englischen Artillerie an Zahl und Kaliber der
Geschtze wurde endlich noch verstrkt durch die =bessere Ausbildung der
Besatzung=. Diese wird den ganzen Zeitabschnitt hindurch von dem Gegner
anerkannt; unter anderen wird gesagt, da ein englisches Geschtz in
derselben Zeit 5 gegen 4 Schsse bei Hollndern und Franzosen abgegeben
habe, und es wird hervorgehoben, da auf den englischen Schiffen
smtliche Matrosen durch nur wenige Spezialisten am Geschtz ausgebildet
seien, so da somit die Hauptwaffe durch Verluste nie lahmgelegt werden
konnte. Wir hrten schon, da die Schiffskanoniere zuerst in England
(hier gunner) abgeschafft wurden oder im seemnnischen Personal
aufgingen. Zu bemerken ist ferner, da sich schon im ersten
englisch-hollndischen Kriege das englische Feuer hauptschlich gegen die
feindliche Besatzung, das hollndische gegen die Takelage richtet. Bis in
die spteste Zeit der Segelschiffe hat sich die englische Flotte, meist
zu ihrem Vorteil, hierin von ihren Gegnern unterschieden;
Mannschaftsverluste auf der einen Seite, Beschdigungen der Takelage auf
der anderen besttigen dies. Hollndische Quellen heben im ersten Kriege
einmal besonders hervor, da die Englnder auf die Takelage geschossen
htten. Es war dies bei einem Verfolgungsgefecht nach der Schlacht bei
Portland und somit richtig, denn hier wollte man einzelne Feinde
verkrppeln und die dann Zurckgebliebenen nehmen.

Abgesehen von der Artillerie war das englische =Schiffsmaterial= auch
sonst besser. Grtenteils neu und nur zum Kriegszweck gebaut, waren die
Schiffe grer, fester, stabiler, besser segelnd und manvrierend; die
Hollnder sagen, ihre Gegner htten in den neuen fregattenhnlich
gebauten Fahrzeugen ein Material gehabt, geeignet, Gruppen ihrer Flotte
auszumanvrieren und abzuschneiden. Selbst in Hinsicht auf die
eingestellten Kauffahrer war England besser daran. Von den 29
Handelsschiffen in der Schlacht von Northforeland fhrten 26 eine Zahl
von 30-46 Kanonen, von den 88 des hollndischen Gesamtbestandes hatten
nur 19 dieselbe Zahl, der Rest von 69 aber unter 30. Holland verwendete
also nicht nur weit mehr Kauffahrer, sondern diese waren auch
grtenteils minderwertiger; es scheinen demnach auch die englischen
Handelsschiffe dieser Zeit, zwar an Zahl weit geringer, den hollndischen
berlegen gewesen zu sein, die der beiden groen Kompagnien ausgenommen.
Ein Nachteil der englischen Schiffe war vielleicht, da man gerade in
dieser Zeit im Gegensatz zu Holland dazu neigte, sie zu stark zu
armieren. Es wird berichtet, da englische Kriegsschiffe fters gentigt
waren, auf greren Reisen einen Teil ihrer Geschtze zum Ballast zu
verstauen. Da aber der Krieg in den heimischen Gewssern ausgefochten
wurde, kam nur der Nutzen der berarmierung zur Geltung.

Zeitweise auftretende Schwierigkeiten, die =Flotten zu bemannen=, wurden
in England durch das Pressen leichter gehoben; es scheint wenigstens, als
ob die Schiffe stets gengend besetzt gewesen sind. Allerdings zog man
auch Landsoldaten heran, die sich aber, wie bereits erwhnt, besser
bewhrten als in Holland.

Aus allem kann man =den Schlu ziehen=, da die Streitkrfte Hollands bei
annhernd gleicher Schiffszahl denen Englands unterlegen waren. Das
Schiffsmaterial war es entschieden. Mit Recht beklagen sich die
hollndischen Admirale dauernd darber; sie fhren fters an, der Feind
stelle ihnen 20 Schiffe gegenber strker als ihr mchtigstes. Dieser
Umstand trug zuweilen dazu bei, die Zuversicht auf hollndischer Seite zu
erschttern, und ist wohl der Grund gewesen, wenn mehrmals eine grere
Zahl von Schiffen dem Kampfe auswich.

Beiden Nationen stand ein vorzgliches Personal zur Verfgung, in
gleicher Weise aufgewachsen und wohl gleich in den Vorzgen und Fehlern
der Seeleute damaliger Zeit; aber in Holland machte die Einstellung mehr
Schwierigkeit, in England waren dagegen Ausbildung und Disziplin besser.
An erfahrenen Flottenfhrern und hheren Offizieren war Holland anfangs
berlegen, galt doch der Admiralleutnant Tromp als der tchtigste
Admiral seiner Zeit. In England dagegen lag die Fhrung in der Hand von
3-5 Generalen zur See, von denen die meisten nicht Seeleute, sondern
Landoffiziere waren, und gerade solche fhrten im ersten Kriege den
Oberbefehl.

  Diese Generale waren: Popham (Seemann), ernannt 1649; Dean, 1649, fiel
  1653; Blake, 1649; Monck, 1652; Penn (Seemann), 1654; Montagu, 1654. --
  Blake und Monck zeichneten sich als Hchstkommandierende aus.

Gewi zogen diese ihre erfahrenen Unterfhrer und Kapitne, Seeleute von
Beruf, zu Rate; es war jedoch nicht immer mglich, namentlich nicht in
den Gefechten, und so mgen manche Fehler diesem Umstande zuzuschreiben
sein. Aber die Generale, mit einer trefflichen Schule aus den
Revolutionskriegen, lernten schnell; anderseits trugen sie als Mnner von
besserer Erziehung und Bildung als die Seeleute, dazu bei, den Geist in
der Flotte, besonders im Offizierkorps, zu heben. Als erfahrene Militrs
und Leute von weiterem Blick verbesserten sie die Disziplin und haben
groen Einflu auf die Strategie, auf die nderung der Kriegfhrung,
gehabt.

  $Die Verwendung der Flotten Englands und Hollands von 1648-1652$[98]
  sei kurz angefhrt.

  [98] Anschlieend an Seite 139 und 143. Nheres ber England siehe
       Clowes, Teil II, Seite 118; ber Holland in Indien und Brasilien,
       Zimmermann, Band I und V.

  In =England= war die Flotte der Republik von hervorragendem Nutzen zur
  Vereitlung der Versuche der kniglichen Partei, das Knigtum wieder
  aufzurichten. Sie eroberte die Inseln des Kanals, auf denen sich die
  Royalisten lnger hielten und von denen aus sie Freibeuterei trieben;
  es waren dies unter =Blakes= Fhrung die ersten greren Unternehmungen
  von Seestreitkrften gegen Landbefestigungen. Die Flotte unterwarf die
  Kolonien Amerikas und Westindiens mit royalistischen Gesinnungen. Ein
  Teil der ehemaligen Flotte war dem Knigtum treu geblieben (vgl. Seite
  139) und wurde vom =Prinz Rupert= gefhrt. Anfangs im Kanal und spter
  im Mittelmeer, von Portugal aus, wo sie Untersttzung fanden,
  operierten diese Streitkrfte gegen England und gegen den englischen
  Handel. Der Kampf gegen sie war eine Schule fr die Flotte der Republik
  und fr manche der spteren Fhrer, insbesondere Blake; aus dieser Zeit
  stammt auch die erste englische Flottenstation im Mittelmeer (aber noch
  keine dauernde).

  Die =hollndische Flotte= fand in diesen Jahren mannigfache Verwendung
  in auerheimischen Gewssern, hauptschlich aber die Schiffe der beiden
  groen Kompagnien. Im Mittelmeer hatte sie den Handel nicht nur gegen
  die Barbaresken, sondern auch gegen franzsische Freibeuter zu
  schtzen.

  Obschon in Europa mit Portugal Frieden herrschte, wurden doch die
  Kmpfe in den fernen Kolonien, die im Unabhngigkeitskriege mit Spanien
  begonnen hatten und fortgesetzt wurden, als Portugal wieder selbstndig
  geworden, nur selten auf kurze Zeit unterbrochen. In =Indien= wuchs die
  hollndische Macht weiter auf Kosten Portugals, und in Afrika besetzte
  Holland 1652 das von Portugal als Eigentum angesehene, wenn auch nicht
  besiedelte =Kapland=. Weniger glcklich war Holland in =Brasilien=.
  Hier emprte sich ihre von der westindischen Kompagnie gegrndete, aber
  fast nur von portugiesischen Urkolonisten bewohnte Kolonie (vgl. Seite
  88).

  Grere Flotten wurden dahin entsandt; sie richteten aber wenig aus,
  und von Beginn des englischen Krieges an konnte man nichts mehr fr die
  Kolonie tun. Auch in Portugal war 1649 eine
  portugiesisch-brasilianische Kompagnie gegrndet worden. Untersttzt
  durch deren Schiffe, wurde 1653 Recife von den Aufstndischen genommen,
  und die Hollnder zogen sich Ende Januar 1654 ganz aus Brasilien
  zurck.


                      Der Verlauf des Krieges.[99]

  Ehe wir in die Beschreibung des ersten groen Krieges eintreten, ist es
  ntig, einige Worte ber $Mngel in den Quellen$ zu sagen.

  [99] Hauptquellen: Clowes, Teil II; Vie de Tromp; Leben Ruyters.
       Zum Vergleich auch Schomberg, Teil I; Allen, Teil I; Yonge,
       Teil I.

  Die besten alten Werke ber die englisch-hollndischen Kriege stammen
  aus Holland vom Ende des 17. Jahrh., ihre Angaben machen den Eindruck
  der Treue. Sptere englische Bcher, die meist auf diesen begrndet
  scheinen, machen einen weit parteiischeren Eindruck, so z. B. in den
  Angaben ber Zahl der Schiffe und ber Verluste in den Gefechten; diese
  werden fr die hollndischen Streitkrfte meist sehr hoch, fr die
  Englnder mglichst niedrig angegeben. Erst das neueste Buch, Laird
  Clowes, lt dem Gegner mehr Gerechtigkeit widerfahren; er vermeidet
  stets bertriebene Zahlenangaben. Wir folgen seinem Beispiel.

  Die sichersten alten berlieferungen sind die Berichte und Briefe der
  Admirale usw. Man kann aber daraus den Verlauf der Schlachten und
  Gefechte nicht bersehen, weil sie meist nur Angaben enthalten ber:
  das Sichten; die Windrichtung, aber nicht immer die Kurse; die Lage der
  Gegner zueinander in Beziehung auf den Wind (d. h. wer zu Luward
  stand); die Einteilung der Flotten in Geschwader, aber nicht immer, wie
  die Unterabteilungen zueinander standen (also nicht die
  Flottenformation). Dann folgen Aufzhlungen hervorragender Taten
  einzelner Admirale und Kommandanten und Schilderungen von geschickten
  und mutigen Angriffen oder heldenmtigem Widerstand. Taktische
  Bewegungen whrend des Gefechtes werden selten erwhnt und dann auch
  nur in angedeutetem Sinne, wenn es z. B. einem Geschwader- oder
  Gruppen-Fhrer gelingt, sich in eine gnstige Position zu setzen. Eine
  chronologisch fortlaufende Erzhlung fehlt fast immer. Der Grund
  hierfr ist wohl darin zu suchen, da zu dieser Zeit noch das Gefecht
  nach dem Zusammensto meist gleich zur Melee, zu Einzelkmpfen der
  Gruppen oder gar der Schiffe wurde; die Oberleitung und damit auch der
  berblick ging verloren, man erfuhr spter nur, was eine jede
  Gefechtseinheit fr sich erlebt hatte. Diese Angaben stehen nun hufig
  nach den verschiedenen Quellen, ja selbst nach ein und derselben, in
  scharfem Widerspruch. Wo es mglich war, sie einigermaen in Einklang
  zu bringen, habe ich versucht, den Verlauf der Schlachten darzustellen,
  wobei ich mich oft an Clowes anlehne, sonst mute ich mich auf
  vermutende Andeutungen und auf Hervorheben wichtiger Einzelheiten
  beschrnken. Dieser Mangel tritt besonders zur Zeit des ersten Krieges
  auf und verliert sich erst spter allmhlich.

  Die Angabe der Daten weicht in den verschiedenen Quellen oft um zehn
  Tage voneinander ab, je nachdem die Autoren den alten oder neuen
  Kalender bercksichtigt haben; der Gregorianische Kalender ist in den
  katholischen Lndern schon Ende des 16., in den protestantischen erst
  im Laufe des 18. Jahrh. eingefhrt. Ich gebe nach bestem Wissen die
  Daten nach dem neuen Stil. Ferner kommen noch Unterschiede von einem
  Tage vor; wahrscheinlich sind diese dadurch hervorgerufen, da aus den
  Berichten und namentlich aus den Logbchern das astronomische anstatt
  des brgerlichen Datums entnommen ist.

$Das Gefecht bei Dover am 29. Mai 1652.$ Die englische Flotte im Kanal
zur Zeit des Beginns der Feindseligkeiten kommandierte =Blake=. Er hatte
mit ihr 1651 die von Royalisten besetzt gehaltenen Kanalinseln zur
bergabe gezwungen, dann war Admiral =Ayscue= mit einigen Schiffen der
Flotte nach Westindien gesandt, um die dortigen Kolonien dem Parlamente
zu unterwerfen. Am 28. Mai 1652 lag ein Teil der Kanalflotte unter
=Bourne= in den Downs (Rhede von Deal, geschtzt durch die davorliegenden
Goodwin-Snde, dem blichen Ankerplatz fr Schiffe, um die Themsemndung
zu sichern), Blake selbst lag auf der Rhede von Rye.

  =Robert Blake=, 1599 in Bridgewater als Sohn eines wohlhabenden
  Kaufmanns geboren, bernahm nach kurzem Studium mit 26 Jahren das
  vterliche Geschft, fhrte als Oberst in der republikanischen Armee
  mit Erfolg die Truppe seiner Heimat und wurde 1649 von Cromwell zum
  General at Sea (mit Dean und Popham) ernannt. Verfolgt 1650 Prinz
  Ruperts knigliche Schiffe bis ins Mittelmeer, zwingt 1651 die
  Kanalinseln (die Scillys und Jersey) zur bergabe, kommandiert 1652-54
  gegen Holland, bekmpft 1655 die Seeruberstaaten Tunis und Algier,
  nimmt 1657 die spanische Silberflotte in Teneriffa unter den Kanonen
  von St. Cruz. Er stirbt auf der Rckreise 1657 und wird in Westminster
  begraben. Obgleich bis 1649 dem Seewesen fremd, wurde er einer der
  grten Seehelden Englands, fast immer siegreich auch den berhmtesten
  Admiralen gegenber. Seine Angriffe auf die Kstenwerke -- Kanalinseln,
  Tunis, Teneriffa -- waren die ersten dieser Art, und die Flotten
  begannen nach seinen Erfolgen solche Befestigungen gering zu schtzen.
  Blake tat auch viel fr die Vermehrung und die Organisation der Marine.
  Er war ein ernster, pflichttreuer Puritaner, nicht ehrgeizig,
  wohlwollend und frsorglich fr seine Untergebenen, ein beliebter
  Vorgesetzter.

[Illustration: Robert Blake.]

Bourne hatte 9 Schiffe, 7 Kriegsschiffe von 32-52 Kanonen und 2 kleinere
Kauffahrer; Blakes Geschwader war 8 Kriegsschiffe von 36-64 Kanonen, 3
kleinere und einen Kauffahrer stark. Am 29. Mai sichtete =Bourne= eine
hollndische Flotte von 42 Fahrzeugen, die von der flandrischen Kste
herberkam. Zwei von ihr detachierte Schiffe kamen auf die Rhede,
salutierten die englische Flagge und berbrachten vom hollndischen
Admiral =Tromp= die Nachricht, da er nur durch das Wetter gezwungen sei,
zur englischen Kste zu kommen, er habe nicht lnger vor Dnkirchen
liegen knnen. Bourne gab zur Antwort, Tromp knne die Harmlosigkeit
seiner Absichten am besten durch schleunige Entfernung beweisen; gleich
beim Sichten der Hollnder hatte er Klar zum Gefecht machen lassen und
die Nachricht an Blake gesandt, da er einen Angriff befrchte; nachts
lie er den Feind durch leichte Schiffe beobachten. Mittlerweile hatte
Tromp vor Dover geankert, aber die Aufforderung (durch Schsse) der
Befestigung dort, die Flagge zu streichen, unbercksichtigt gelassen.

  =Martin Tromp, der ltere=, Sohn eines Seeoffiziers, 1597 in Brielle an
  der Maasmndung geboren, ging mit 9 Jahren zur See und wurde mit 11
  Jahren von einem englischen Kaper gefangen, auf dem er 2-1/2 Jahre
  dienen mute. Er wurde mit 21 Jahren Offizier, mit 23 Jahren Kapitn,
  40 Jahre alt Admiralleutnant. Tchtiger Seemann, unerschrockener
  Fhrer, vom Feinde gefrchtet, von den Untergebenen geliebt. Fllt am
  10. August 1653 durch eine Gewehrkugel in der Schlacht bei
  Scheveningen. Er soll in 32 Schlachten und Gefechten siegreich gewesen
  sein; die wichtigste Tat war die Vernichtung der letzten spanischen
  Hochseeflotte unter d'Oquendo in den Downs 1639 (Seite 141). In der
  Biographie seines Sohnes Cornelis Vie de Tromp auch Nheres ber ihn
  z. B. Seite 155.

Da der Wind NO. war, so erhielt =Blake= die Meldung bald. Er lichtete
sofort Anker und kreuzte nach Osten auf, gleichzeitig sandte er Befehl an
Bourne, ihm entgegenzukommen, woraufhin dieser am 29. Mai gegen Mittag
ankerauf ging. Zu derselben Zeit verlie =Tromp=, als er Blake sichtete,
seinen Ankerplatz und steuerte nach Calais hinber; nachdem er jedoch mit
einem von Westen kommenden hollndischen Schiffe gesprochen, halste er
pltzlich und hielt auf Blakes Geschwader ab.

[Illustration: Martin Tromp, der ltere.]

Als sich die beiden Flaggschiffe, englisch James (48 Kanonen),
hollndisch Brederode (56 Kanonen) etwa querab von Folkestone einander
nherten, feuerte Blake als Aufforderung, die Flagge zu streichen,
nacheinander drei Schu, aber ohne Erfolg. Im Gegenteil, auf den dritten
Schu antwortete Tromp mit einer Breitseite, die vom James prompt
erwidert wurde. In das so entstandene Gefecht griffen die nchsten
Schiffe sofort ein; es war aber ein Kampf ohne jede taktische Anlage. Als
Tromp seinen Kurs auf die englische Flotte nahm, hatte er sich mitten
durch seine Schiffe fahrend an die Spitze gesetzt, ohne Innehaltung einer
Ordnung folgten die Seinigen; von der englischen Flotte anderseits waren
verschiedene Schiffe weit in Lee und kamen erst nach und nach auf. Die
Spitzen stieen aufeinander; die Hollnder wrden mit ihrer berzahl die
Schiffe der englischen Spitze erdrckt haben, wenn nicht fast
gleichzeitig =Bournes= Geschwader herangekommen wre und den wirren
Haufen der hollndischen Schiffe seitlich hinten angegriffen htte. Hei
wurde gefochten, englische Kstenfischer gingen whrend des Gefechts an
Bord der Schiffe und halfen bei der Bedienung der Geschtze; erst die
hereinbrechende Dunkelheit trennte die Gegner. Die Englnder sammelten
sich vor Hythe, besserten ihre Beschdigungen aus und segelten dann nach
den Downs, Tromp steuerte am anderen Morgen zur franzsischen Kste
hinber.

[Illustration: Gefecht bei Dover, 29. Mai 1652.]

Die englischen Schiffe haben bei diesem Gefecht schwerere Beschdigungen,
besonders auch in der Takelage, davongetragen (namentlich das
Flaggschiff), dagegen nahm Bourne zwei hollndische Schiffe; es scheinen
auch die Verluste an Mannschaft auf hollndischer Seite grer gewesen zu
sein, so da man im ganzen wohl den Englndern den Erfolg zusprechen mu.

Wenn $das Gefecht$ auch taktisch wenig bietet, so ist es doch $in
verschiedener Hinsicht bemerkenswert$. Es war das erste grere
Zusammentreffen der beiden Nationen und zeigt schon die Hartnckigkeit im
Kampf, die die drei groen englisch-hollndischen Kriege kennzeichnet und
ihre Schlachten so blutig macht. Die Hollnder waren an Zahl der Schiffe
doppelt so stark und siegten nicht, ein Beweis fr die berlegenheit der
englischen Schiffe (Gre, Armierung, Segelfhigkeit, Strke und
Ausbildung der Besatzungen) im allgemeinen und auch wohl die der
Kriegsschiffe ber eingestellte Kauffahrer. Bei den Englndern kamen hier
auf 15 Kriegsschiffe nur drei Kauffahrer, in der groen Zahl der
Hollnder werden weit mehr gewesen sein; man kann dies mit Sicherheit
nach der Zusammensetzung der Flotte annehmen, mit der Tromp einen Monat
spter auftritt.

Das Fehlen jeglicher Taktik mag seinen Grund darin haben, da Blake noch
wenig seemnnische Erfahrung hatte, der sonst erfahrene, bisher stets
siegreiche Tromp aber auf die berzahl rechnete, und da der Vorfall
durch die strmische Natur des Angriffs den Charakter eines zuflligen
Zusammenstoes erhielt.

Endlich ist zu fragen, weshalb es zum Gefecht kam. Der Krieg war zur Zeit
noch nicht erklrt, es waren sogar durch einen auerordentlichen
Gesandten Hollands in London neue Unterhandlungen im Gange, die eine
friedliche Beilegung in Aussicht stellten. Tromps Order lautete deshalb,
den Handel im Kanal zu schtzen, der englischen Kste aber fern zu
bleiben und Reibungen zu vermeiden. In betreff des Flaggengrues war ihm
berlassen, nach eigenem Ermessen zu handeln, nachdem er auf eine Frage
hierber seiner Regierung geantwortet hatte, der Flaggengru sei zur Zeit
des englischen Knigtums wohl blich gewesen, besonders wenn beim
Begegnen die hollndische Macht die schwchere war. Da der Krieg noch
nicht erklrt war und beide Teile die Schuld des Zusammenstoes dem
Gegner zuschrieben -- auf hollndischer Seite wird behauptet, Blake habe
zuerst eine Breitseite abgegeben --, wurden beide Befehlshaber zur
Verantwortung[100] gezogen. Tromp gab an, zu keiner Zeit feindliche
Absichten gehabt zu haben, andernfalls wrde er schon am 28. den
schwcheren Bourne in den Downs haben vernichten knnen, er sei sogar, um
Reibungen zu vermeiden, nicht einmal auf die dortige Rhede gegangen; am
29. sei der Kampf durch Blakes Breitseite hervorgerufen, die dieser
abgegeben habe, obgleich er, Tromp, durch Wegfhren der Segel und Dippen
der Flagge gegrt habe. Beides ist mit Vorsicht aufzunehmen; der Angriff
auf Bourne wre nicht so einfach gewesen, da die Hollnder gegen Wind und
Strom unter dem englischen Feuer htten aufkreuzen mssen, und bei der
Untersuchung des Falles englischerseits bezeugten auch die gefangenen
hollndischen Kapitne, da Tromp zuerst eine Breitseite gefeuert habe.
Tromp fhrte endlich an, er habe am 29. aufs neue den Kurs zur englischen
Kste genommen, weil er von dem ihm begegnenden hollndischen Schiffe
erfahren htte, da von Westen eine Anzahl reich beladener Kauffahrer
kme, die durch englische Schiffe gefhrdet werden knnte.

  [100] Vie de Tromp: Berichte beider Fhrer Seite 15 u. ff., ebendort
        Briefwechsel zwischen ihnen und Vorstellungen der hollndischen
        Gesandten den Fall betreffend. =Clowes=, Teil II, Seite 148.

So ist denn anzunehmen, da Tromp am 28. an der englischen Kste
erschien, um Stand und Strke der englischen Flotte zu erkunden, am 29.
wollte er wohl zum Schutz der Kauffahrer seine gewaltige Macht zeigen,
dabei darauf vertrauend, da angesichts seiner Strke die Englnder den
Flaggengru nicht fordern wrden. Als dies doch geschah, kam es zum
Zusammensto, was bei dem herrschenden Ha auf beiden Seiten und bei der
damaligen allgemeinen Neigung zu gesetzlosem, gewaltttigem Vorgehen auf
See nicht sehr zu verwundern ist.

$Weitere Ereignisse bis zur Kriegserklrung.$ Der Zusammensto bei Dover
erregte in England groe Entrstung, das Haus des hollndischen
Botschafters mute vor dem Pbel geschtzt werden, und die neuen
Unterhandlungen[101] zerschlugen sich. Auch die Englnder zogen jetzt
Kauffahrer in groer Zahl zum Kriegsdienste ein und preten in den
sdstlichen Grafschaften alle Seeleute zwischen 15 und 50 Jahren.
Auerdem traf Anfang Juni =Ayscue= auf seiner Rckkehr von Westindien in
Plymouth ein; er fhrte 36 auf Grund der Navigationsakte genommene Prisen
und zwar hauptschlich Hollnder mit sich.

  [101] ber diese Verhandlungen, in denen England seine Forderungen
        verschrfte, nheres in Vie de Tromp, Seite 27 ff.

=Blake=, dessen Flotte jetzt stark vermehrt und von ihm in den Downs
sorgfltig organisiert war, erhielt Befehl auszulaufen, um die
hollndische Heringsfischerei an der Nordostkste Schottlands zu
zerstren und feindliche Handelsschiffe auf ihrem Wege von der Ostsee
oder bei den Shetlands abzufangen. Viele aus dem Atlantik kommende
hollndische Schiffe whlten zu dieser Zeit den Kurs nrdlich um
Grobritannien, um die Scherereien und Gefahren -- Visitation und etwaige
Beschlagnahme durch die Englnder -- im Kanal zu vermeiden.

=Ayscue= erhielt Befehl, damit die Themsemndung nicht ganz unbeschtzt
bliebe, =nach den Downs= zu gehen, wo er am 30. Juni eintraf; vorher nahm
er noch die Gelegenheit wahr, am 22. Juni bei Lizard ein Konvoi
hollndischer Portugalfahrer anzugreifen, von denen er einige nach
heftigem Kampf mit den begleitenden Kriegsschiffen nahm.

=Blake= segelte am 7. Juli nach Norden mit nunmehr 39 Kriegsschiffen, 2
Brandern, 2 Schaluppen und 18 armierten Kauffahrern; Ayscue blieb mit nur
14 Schiffen, wovon die Hlfte Kauffahrer, in den Downs zurck; die
Absicht, ihn von der Themse aus zu verstrken, mute aufgegeben werden,
da Tromp an der Kste erschien.

=Tromp=, der jetzt auch den Befehl erhalten hatte, den Feind nach
Mglichkeit zu schdigen, wurde von dem aus London zurckkehrenden
Gesandten ber Ayscues Schwche unterrichtet und beschlo, diesen
anzugreifen. Tromps Flotte war 92 Segel stark: 20 Kriegsschiffe (30-40
Kanonen), 12 kleinere (Fregatten, 8-10 Kanonen), 6 Brander und 54
armierte Kauffahrer. Sein Angriff, von Norden bei gnstigem Winde
angesetzt, milang jedoch, da Ayscue dicht unter Land, geschtzt durch
das Kastell von Deal und verschiedene behelfsmige Batterien unmittelbar
am Strande, lag und der Wind sich zu seinen Gunsten nderte. Tromp folgte
nun Blake, kam aber auch hier zu spt; bereits war die hollndische
Fischerflotte vor dem Firth of Moray in alle Winde zersprengt, die 13
schtzenden kleinen Kriegsschiffe (Fregatten) waren bis auf eins genommen
und ebenso etwa 100 Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann; diese wurden jedoch
von Blake wieder freigegeben, um seine Flotte nicht zu schwchen, als er
weiter bis zu den Shetlands segelte. Hier fand ihn Tromp am 5. August, es
kam aber nicht zum Gefecht, weil ein schwerer NW.-Sturm einsetzte. Die
englische Flotte fand Schutz unter Land, die hollndische litt schwer.
Nur mit 39 Schiffen kehrte Tromp nach Holland zurck; von den brigen war
ein Teil gesunken, der Rest stark beschdigt und zerstreut, und die
Heimkehr der letzten Schiffe zog sich bis in den September hinein.

Der Vergleich der beiden Flotten hier zeigt deutlich die mehrfach
erwhnte Schwche Hollands. Bei Blake kamen auf 41 Kriegsschiffe 18
Kauffahrer, bei Tromp auf 32 aber 54.

=Blake= folgte zwar der hollndischen Flotte, aber er verfolgte sie
nicht. =Tromp= wurde nach seiner Rckkehr vom Kommando entsetzt: er hatte
den endgltigen Bruch herbeigefhrt, den Handel nicht schtzen knnen,
gegen die feindliche Flotte nichts erreicht und endlich die halbe Flotte
verloren; auerdem war er als Anhnger der Oranier der Regierung
unbequem. An seine Stelle trat =Witte de Witt= als Oberbefehlshaber und
unter ihm Ruyter.

$Die Kriegserklrung. Gefecht bei Plymouth am 26. August 1652.$ Erst am
28. Juli war der Krieg erklrt. Das Bisherige war eigentlich nur ein
Vorspiel gewesen; auch der kleine Krieg, das Aufbringen von
Handelsschiffen durch Kreuzer und Kaper, hatte lange schon vor der
Kriegserklrung begonnen. Auch hierin war England durch seine greren
Schiffe im Vorteil; eine hollndische Verfgung, die verbot, Kaperbriefe
an Schiffe unter 200 tons und unter 20 Geschtze zur eigenen Sicherheit
dieser auszugeben, mute wegen Mangels an besserem Material zurckgezogen
werden. Die kriegerischen Unternehmungen nach der Kriegserklrung trugen
zunchst denselben Charakter wie die des Vorspiels, nmlich: Schutz des
eigenen Handels, Bedrohung des feindlichen. Auf englischer Seite wurde
=Ayscue= zu diesem Zweck nach dem Westen des Kanals gesandt, =Blake=
stand mit der Hauptmacht im Osten. Von beiden Nationen kreuzten
zahlreiche einzelne Schiffe zum Aufbringen feindlicher Kauffahrer und zur
Warnung der eigenen.

Auf hollndischer Seite erhielt =Ruyter= den Befehl, mit einem
Geschwader, das whrend Tromps letzter Fahrt ausgerstet war, 50-60 nach
auswrts bestimmte Handelsschiffe durch den Kanal zu geleiten.

  =Michael de Ruyter=,[102] 1607 zu Vlissingen in drftigen Verhltnissen
  geboren, ging mit 11 Jahren als Kauffahrtei-Schiffsjunge zur See, kurze
  Zeit diente er auch im Heere und 1637 fhrte er einen Kaper gegen
  Frankreich. 1640 trat er in den Staatsdienst und wurde der
  hervorragendste Admiral der Niederlande. Er war unerschrocken,
  beharrlich, umsichtig, pflichttreu und ein vorzglicher Seemann;
  politisch gemigter Republikaner. Sein liebenswrdiger, einfacher und
  doch vornehmer Charakter erwarb ihm die Hochachtung seiner Gegner, die
  Liebe seiner Untergebenen. Er fiel 1676 als Leutnant-Admiral-General
  bei Agosta und wurde in Holland mit frstlichen Ehren unter Teilnahme
  aller Schichten der Bevlkerung begraben.[103]

  [102] Siehe das Titelbild.

  [103] Bei Agosta spter noch einige Angaben ber Ruyter. Beste
        Biographie: Leben Ruyters, vgl. Quellenverzeichnis.

  Ruyter bernahm das Kommando nur ungern;[104] 1652 zum dritten Male
  verehelicht, hatte er sich vom Seefahren zurckziehen wollen. Auch
  scheinen ihm der schlechte Zustand der Flotte sowie das Parteiwesen,
  das in ihr wie im Lande herrschte, Bedenken gemacht zu haben; nur durch
  Anruf seiner Vaterlandsliebe ward er gewonnen.

  [104] Leben Ruyters, Seite 19.

Als =Ruyter= das Kommando am 10. August bernahm, bestand die Flotte nur
aus 15 Schiffen. Er erklrte verschiedentlich, mit so wenigen und
auerdem den Schiffen der Feinde an Strke nachstehenden Fahrzeugen die
Aufgabe nicht ausfhren zu knnen; er hatte nmlich Angaben ber die
Strke Ayscues, die allerdings hinsichtlich der Gre der Schiffe
bertrieben waren. Whrend er bis zum 21. August auf die zu begleitenden
Kauffahrer wartete, wurde seine Flotte durch zwei Nachschbe verstrkt.
Am genannten Tage segelte er von Gravelines mit groer Vorsicht und mit
Verwendung zahlreicher Aufklrungsschiffe den Kanal hinab. Am 26. August
traf er sdlich von =Plymouth= in der Mitte des Kanals auf =Ayscue= und
beide Teile gingen sofort zum Angriff ber.

=Ruyters Flotte bestand= aus 30 Kriegsschiffen:[105] 16 zu 28-26 Kanonen
mit 120-180 Mann (nur das Flaggschiff Neptun hatte bei 28 Kanonen 134
Mann); 4 zu 24 Kanonen, 70-100 Mann; 2 unbekannter Gre; 6 zu 30
Kanonen, 100-110 Mann; 2 zu 40 Kanonen, 200 Mann. Die beiden zu 40
Kanonen waren Schiffe der ostindischen Kompagnie; aber auch sonst werden
Kauffahrer darunter gewesen sein, so z. B. die 30 Kanonenschiffe, die
eine so geringe Zahl an Mannschaften im Verhltnis zur Kanonenzahl haben.
Ein Vergleich der genauen Liste aller Schiffe Ruyters mit englischen
Listen, z. B. fr Dover oder spter Northforeland, zeigt, wieviel
schwcher die Hollnder armiert und bemannt waren. Ein englisches Schiff
von 36 Kanonen (allerdings berarmiert) entsprach an Gre vielleicht
einem hollndischen von 28 Kanonen; jenes hatte 120-160 Mann, dieses nur
80-120 Besatzung. Hinzu traten noch 3 Gallioten und 6 Brander. Von den
Schiffen seines Konvois whlte Ruyter ferner etwa 20 verhltnismig
stark armierte aus und stellte sie in die Gefechtsformation, die blichen
drei Geschwadergruppen, ein; den Rest sandte er nach Lee. Die Brander
wurden zu je 2 auf die Geschwader verteilt mit dem Befehl, die grten
Schiffe des Feindes anzugreifen; die Gallioten waren beauftragt,
brennenden oder sinkenden Schiffen Hilfe zu leisten.

  [105] Leben Ruyters, Seite 22.

=Ayscue= war etwa 40 grere Kriegsschiffe (darunter 2 zu 60 Kanonen, 8
zu 36-40 Kanonen), 8 kleinere und 4 Brander =stark=, also an Zahl und
Strke der Kriegsschiffe, wie die Englnder selbst zugeben, berlegen; da
aber, wie anderseits die Hollnder zugestehen, die eingestellten Schiffe
des Konvois zum groen Teil voll ihre Pflicht taten, kann man wohl die
Krfte als gleich ansehen.

Der Wind war NO., die Englnder standen beim gegenseitigen Sichten zu
Luward. ber den taktischen =Verlauf des Gefechts= ist sonst nichts
bekannt, die berlieferungen rhmen nur die Taten einzelner
Kommandanten; es scheint sofort die Melee eingetreten zu sein. Vom
frhen Nachmittag bis zur Dunkelheit wurde hei gekmpft, wieder scheinen
die Hollnder den greren Verlust an Leuten, die Englnder die greren
Beschdigungen an den Schiffen, besonders in der Takelage erlitten zu
haben. Beide Teile behaupten, zwei oder drei Gegner vernichtet, selbst
aber kein Fahrzeug verloren zu haben. Beide schreiben sich den Sieg zu,
da aber Ayscue am andern Tage zum Ausbessern nach Plymouth ging, Ruyter
dagegen seinen Konvoi sammelt und mit nur zwei Kriegsschiffen aus seinem
Schutze entlt, weil er keine ernstliche Belstigung fr ihn mehr
befrchtet, ist wohl den Hollndern der Erfolg zuzuschreiben; da Ayscue
trotz seines bisherigen guten Rufes nicht mehr aktiv verwendet wird,
zeugt von dieser Auffassung auch englischerseits.[106]

  [106] Clowes, Teil II, Seite 157, nimmt an, da beide Gegner kein
        Schiff verloren htten. Vie de Tromp, Seite 67, und Leben
        Ruyters, Seite 23, sagen, die Englnder wrden vernichtet sein,
        wenn es Ruyter gelungen wre, die Luvstellung zu gewinnen und von
        dort aus seine Brander zu verwenden.

=Ruyter= teilte sogar am 28. August seinen Kommandanten mit, da er
beabsichtige, den Feind in Plymouth aufzusuchen;[107] dieser Angriff
sollte am 30. stattfinden, aber ein in der Nacht vorher einsetzender
sdlicher Sturm zwang die Hollnder, den Plan aufzugeben und von der
Leekste frei zu segeln. Ruyter kreuzte noch bis Ende September im Westen
des Kanals, dann kehrte er nach Holland zurck, da er die Nachricht
erhalten hatte, da Blake mit der feindlichen Hauptmacht in See sei, um
ihn abzufangen; auch hatte seine Flotte in einem dreitgigen schweren
Sturme sehr gelitten und verschiedene Kommandanten zeigten sich
unbotmig[108] oder ungeschickt[108] in der Fhrung ihrer Schiffe. Auf
der Rckreise sichtete er einen Teil der Flotte Blakes (unter Penn), er
wich jedoch einem Gefechte aus, wohl mit Rcksicht auf seine durch die
Schlacht und die Strme geschwchten Schiffe und weil er den anderen Teil
der englischen Macht in der Nhe wute. Am 2. Oktober trat er bei
=Dnkirchen= unter den Befehl =Witte de Witts=, der die Flotte Tromps
bernommen hatte. Diese war aber, wie uns bekannt, eben erst wieder
vllig versammelt und bedurfte der Ausbesserung; so hatte Blake schon im
Rcken Ruyters mit seinen unversehrten Schiffen den Kanal beherrscht,
viele Prisen aufgebracht und war dann westlich gesegelt, um Ayscues
ausbesserungsbedrftiges Geschwader dort zu ersetzen. Nach Ruyters
Rckkehr war der ganze Kanal in den Hnden Englands.

  [107] In Vie de Tromp, Seite 69, und Leben Ruyters, Seite 26,
        wrtliche Wiedergabe seiner Ansprache. Er spricht darin die
        Hoffnung aus, den Feind zu berraschen, indem viele Offiziere und
        Leute am Lande sein wrden, und da diejenigen seiner
        Kommandanten, die sich in der Schlacht weniger gut benommen, dies
        wieder gutmachen knnten. ber seine Kapitne klagte er spter
        noch einmal, als beim Kreuzen hufig Schiffe zu weit abkommen; er
        spricht dabei von mutwilligen und dummen Kommandanten.
        (Leben Ruyters, Seite 28.) Unbotmigkeit, Lauheit und
        Ungeschick wird im ersten hollndisch-englischen Kriege den
        Kommandanten fters vorgeworfen, wohl eine Folge der politischen
        Parteien im Lande und miverstandener republikanischer Ansichten
        oder auch des Mangels an eigentlichen Marineoffizieren.

$Blake vernichtet am 7. September 1652 ein franzsisches
Geschwader.$[108] Dieser Vorfall kennzeichnet wiederum die Kriegfhrung
zur See und das Verhltnis der Vlker auf dem Meere zueinander in dieser
Zeit. England war zwar im Frieden mit Frankreich, aber auf der See waren
Reibungen an der Tagesordnung. Belstigung des englischen Handels durch
franzsische Freibeuter, die Untersttzung, die den Royalisten in
Frankreich zu teil geworden war, die Nichtanerkennung der Republik und
endlich Streitigkeiten ber die Fischerei auf den Neufundlandbnken
hatten seit 1650 zu Gewaltmaregeln und Aufbringen von Schiffen
englischerseits gefhrt. Es bestand jetzt zur See eine Art Kriegszustand,
der Zusammenste einzelner Kriegsschiffe, im Mittelmeer gar kleinerer
Geschwader, zur Folge hatte. Nun war Frankreich mit Spanien im Kriege
(1635-1659, vgl. S. 109). =Dnkirchen=, seit 1646 von Frankreich besetzt,
wurde von den Spaniern belagert. Ein franzsisches Geschwader unter dem
=Herzog von Vendme= sollte Truppen, Munition und Vorrte in die in
hchster Bedrngnis befindliche Stadt werfen; =Blake= stie am 7.
September 1652 auf dieses Geschwader, griff sofort an und schlug es in
einem laufenden Gefechte. Er nahm oder zerstrte 7 von den 8 begleitenden
Kriegsschiffen und zerstreute die Transporter; Dnkirchen fiel
infolgedessen wenige Tage spter.

  [108] Clowes, Teil II, Seite 159; du Sein, Teil II, Seite 572; Troude,
        Teil I, Seite 104.

Diese Tat war denn doch ein Kriegsakt, der selbst ber die Grenzen der
damals blichen Gewaltmaregeln hinausging, dennoch erfolgte seitens
Frankreichs nichts als diplomatische Vorstellungen; Spanien dagegen
sprach dem englischen Parlamente seinen Dank aus. Diesen Staat sich
geneigt zu erhalten, war auch wohl der Grund zu der unerhrten Tat
gewesen; im Mittelmeer nmlich lagen die Verhltnisse nicht zu Englands
Gunsten.

=Der Krieg im Mittelmeer.= Im Mittelmeer war der englische Handel, einige
gelegentliche Expeditionen gegen afrikanische Piraten abgerechnet, bis
zum Jahre 1650 unbeschtzt gewesen; im genannten Jahre verfolgte, wie
schon frher erwhnt, Blake (spter Penn) den Prinzen Rupert bis dorthin,
und von dieser Zeit an wurde ein stndiges Mittelmeergeschwader gehalten,
das neben dem Schutz des Handels auch dort Zwangsmaregeln gegen
Frankreich ausbte. Bei Ausbruch des Krieges mit Holland aber war dieses
Geschwader recht schwach, nur 6 Kriegsschiffe (30-42 Kanonen) und 2
armierte Kauffahrer, whrend die Hollnder gegen 30 Schiffe an
verschiedenen Stellen des Westmittelmeeres hatten; von ihnen war die
Station kurz vor Kriegsbeginn wesentlich verstrkt worden. Das englische
Geschwader war sogar noch in zwei Teile geteilt, der eine Teil unter
=Appleton= lag in =Livorno= und wurde nach der Kriegserklrung sofort
durch 14 oder 18 Hollnder unter =van Galen= blockiert, nur die
freundliche Haltung des Groherzogs von Toskana schtzte ihn vor
Wegnahme. Der andere Teil, 4 Kriegsschiffe unter =Badiley=, begleitete
einen Konvoi vom Orient her. Badiley, vom Kriegszustand unterrichtet,
versuchte nun ebenfalls nach Livorno zu kommen, wurde jedoch am 6.
September 1652 von van Galen, der nur einige Schiffe vor Livorno
zurckgelassen hatte, mit groer bermacht bei =Elba= angegriffen und
nach mehrstndigem harten Kampf gezwungen, in =Porto Longone=
einzulaufen, wohin er seinen Konvoi bei Beginn des Gefechts vorausgesandt
hatte; hier schtzte ihn gleichfalls der Gouverneur Elbas.

Ein Schiff (Phnix) war bei dem Gefecht in die Hnde der Hollnder
gefallen, wurde aber bald darauf, nachdem es in das hollndische
Geschwader eingestellt war, auf der Auenrhede von =Livorno= (am 30.
September 1652) =durch Boote= des englischen Geschwaders wieder
=genommen=. Es ist dies das erste genauer bekannte Beispiel jener khnen
Unternehmungen dieser Art, in denen die Englnder sich spter so
auszeichneten.

  =Kapitn Cox= fhrte die Expedition; er armierte 3 Boote mit je 30
  Mann, nur mit xten und Entermessern bewaffnet sowie versehen mit
  Mehlscken, um die Gegner zu blenden. In dunkler Nacht fuhr man ab und
  erreichte, zweimal durch die Dunkelheit getrennt, beim dritten Male das
  Schiff, auf dem infolge eines vorangegangenen Festes schlechte Wache
  gehalten wurde. Verabredungsgem hatte die Besatzung des einen Bootes
  die Ankertaue zu kappen, die des zweiten aufzuentern und Segel zu
  setzen, die des dritten Bootes alle Luken zu schlieen und den Feind
  niederzuhalten. Es gelang vollkommen, fast ohne Widerstand; der in
  seiner Kajte berraschte Kommandant, =Cornelius Tromp= (der Sohn
  Martins), sprang aus dem Kajtenfenster und erreichte schwimmend oder
  mit Hilfe des Bootes am Heck ein anderes hollndisches Schiff. Kapitn
  Cox segelte mit dem wiedergenommenen Schiff nach Porto Longone zu
  dessen altem Geschwader.

Man hatte keine Feuerwaffen gebraucht, um die Neutralitt des Hafens
nicht zu verletzen, ein Grundsatz, den der ltere Tromp selbst
aufgestellt haben soll. Der =Groherzog von Toskana= beschwerte sich aber
bitter darber und war von nun ab den Englndern weniger gnstig gesinnt,
was ble Folgen haben sollte. Vorlufig blieben beide englische
Geschwader in Livorno und Porto Longone von den hollndischen
Streitkrften, die sich durch Zuzug aus dem Westmittelmeer verstrkten,
blockiert und zur Unttigkeit gezwungen; man versuchte nun sich durch
Armieren von Kauffahrern gleichfalls zu verstrken, was auch in geringem
Mae gelang.

$Die Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.$ =Witte de Witt=[109],
der neue hollndische Oberbefehlshaber, zeigte sich am 21. September
zuerst im Kanal. =Blake= wurde sofort davon benachrichtigt, aber es
gelang ihm bekanntlich nicht, =Ruyter= vor seiner Vereinigung mit der
hollndischen Hauptmacht abzufangen; die beiden hollndischen Fhrer
trafen sich am 2. Oktober zwischen Dnkirchen und Nieuport. Sie
unterzogen ihre Schiffe zunchst einer genauen Besichtigung und sandten
alle nicht vllig gefechtsfhigen (10 Schiffe und 5 Brander) zur
Ausbesserung in die Hfen. Es blieben ihnen etwa 64 Fahrzeuge, whrend
Blake etwa 68 im Osten des Kanals zusammenzog. Obgleich die Unterfhrer
der Hollnder, besonders de Ruyter, darauf hinwiesen, da man dem Feinde
namentlich in der Gte und Gefechtskraft der Schiffe unterlegen sei,
beschlo de Witt doch, den Feind aufzusuchen. Er glaubte wohl, weil er an
Tromps Stelle gesetzt war, unter allen Umstnden dessen Mierfolge
ausgleichen und durch einen entscheidenden Schlag, dieses Mal unmittelbar
auf die feindlichen Hauptstreitkrfte gerichtet, dem Handel im Kanal Luft
schaffen zu mssen. Er beabsichtigte, den Feind auf seinem Sammelpunkte,
den Downs, anzugreifen, aber =Blake= war gleichfalls fertig und suchte
auch den Kampf.

  [109] Witte Cornelius de Witt, 1599 in Brielle geboren, ging mit 17
        Jahren zur See und stieg bis zum Admiralleutnant; tchtig,
        kampflustig aber hartnckig, schroff und unbeliebt. Vom
        Oberkommando entsetzt, diente er spter weiter auch unter
        frheren Untergebenen. Er fiel 1658 in der Schlacht im Sunde.

[Illustration: Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.]

Blake hatte am 8. Oktober morgens bei frischem Westwinde seinen
Ankerplatz verlassen und sichtete den Feind gegen Mittag nordstlich von
Northforeland. =De Witt= lag hart beim Winde ber St. B. Bug hinter der
Bank von =Kentish Knock=, damit beschftigt, seine Flotte zu rangieren.
Es hatte Tags zuvor schwer geweht, und wie gewhnlich waren verschiedene
Schiffe versprengt. De Witt wurde gewissermaen berrascht und konnte nur
durch schnelle Fahrzeuge noch Befehle zur Herstellung der Ordnung
ausgeben. Seine Flotte war in 4 Geschwader geteilt: de Ruyter, de Witt,
de Wildt; das vierte unter Evertsen bildete eine Reserve mit dem Befehl,
an der bedrngtesten Stelle einzugreifen. Der Wind war sdwestlich und
flauer geworden. Blake fhrte seine Flotte in drei Geschwadern (Blake,
Penn, Bourne) heran und schob sich mit den beiden ersten zu Luward
zwischen den Feind und die Untiefen; Bourne stand etwas zurck. Das
Gefecht wurde an der Spitze sofort sehr scharf, zwei Hollnder waren
gleich entmastet, aber verschiedene englische Schiffe, besonders von
Penns Geschwader einschlielich des Flaggschiffes, kamen auf der Bank
fest oder stieen wenigstens auf sie. De Witt wendete mit allen Schiffen
zugleich, wahrscheinlich um die schwersten Schiffe Blakes zu vermeiden
und um sich auf das Geschwader Bourne zu werfen; als er aber mit Bourne
zusammenstie, wurde er auch von =Penn= angegriffen. Whrend nmlich
Blakes Schiffe durch ihren Kurs fast vor dem Winde zunchst nach Lee
gefhrt waren, hatte sich das Geschwader Penn, um von der Bank frei zu
liegen oder wieder freizukommen, gentigt gesehen, ber B. B. Bug an den
Wind zu gehen, und war nun in gnstiger Lage zum Eingreifen. Penn selbst
schreibt: Der Umstand des Unklarkommens von der Bank, der so
verhngnisvoll htte werden knnen, trug zum glcklichen Entscheide bei.

Der Kampf wtete etwa von 3 Uhr nachmittags bis zum Eintritt der
Dunkelheit, die Verluste waren schwer auf beiden Seiten, doch waren die
Hollnder in jeder Hinsicht im Nachteil. Nach englischen Angaben wurden 2
Hollnder genommen, 1 verbrannt, dagegen kein englisches Schiff verloren;
hollndische Quellen geben 600 Tote und Verwundete, sowie schwere
Beschdigungen an Schiffen und Takelage zu, behaupten aber, der englische
Mannschaftsverlust sei grer gewesen. De Witt wollte am nchsten Tage,
hartnckig und fr seine Stellung besorgt, den Kampf wieder aufnehmen,
aber im Kriegsrat stimmten seine Admirale entschieden dagegen unter
Hinweis auf die erlittenen Verluste und Beschdigungen, auf die
minderwertigen und unvollstndig bemannten Schiffe sowie darauf, da die
hollndischen Schiffe nicht beisammen seien, die Englnder aber
Verstrkung erhalten htten.

  Am 9. morgens standen etwa 20 Schiffe weit in Lee und kamen auch nicht
  heran. hnlich hatten schon einige der Versprengten am 8. gehandelt,
  andere hatten sich im Gefecht lau erwiesen; die bekannte Unbotmigkeit
  und Unfhigkeit einzelner Kommandanten. De Witts Beschwerde spter
  fruchtete nichts; ihre groe Zahl und ihre politischen Freunde
  schtzten die Beschuldigten.

  Nach Vie de Tromp und Leben Ruyters stie in der Nacht eine
  Verstrkung von 16 Segeln zu Blake, wahrscheinlich die ausgebesserten
  Schiffe Ayscues.

=De Witt= mute sich fgen und segelte mittags der heimischen Kste zu.
Die Englnder wurden vormittags durch den flauen Wind verhindert, den
Feind ernstlich zu engagieren; spter folgten sie, brachen dann aber am
Abend die Verfolgung ab, um die Gefahren der hollndischen Kste zu
vermeiden. Sie gingen nach den Downs zur Auffllung von Vorrten und zur
Ausbesserung.

Der Versuch de Witts, den Handel durch Angriff auf die feindlichen
Seestreitkrfte frei zu machen, war gescheitert. Der Erfolg der Englnder
befestigte ihre Herrschaft ber den Kanal noch mehr; ihre kleinen Kreuzer
machten reiche Beute.

$Niederlage der Englnder bei Dungeness, 10. Dezember 1652.$ Nach dem
letzten Erfolge hoffte man in England, Holland wrde geneigt zum Frieden
sein, wenigstens erwartete man bei der vorgerckten Jahreszeit zunchst
von dort keine greren Unternehmungen mehr. Die Flotte Blakes wurde
deshalb ohne Bedenken sehr geschwcht. Man sandte ein Geschwader von 18
Schiffen in den Sund, da Reibungen mit Dnemark[110] entstanden waren,
und 12 Schiffe wieder nach dem Westen des Kanals; Penn begleitete mit 20
Schiffen Kauffahrer und mehrere Schiffe gingen in die Themse, um
ausgebessert zu werden; sogar die behelfsmigen Batterien bei Deal, die
Ayscue in den Downs so gut geschtzt hatten, wurden als unntig
eingezogen. In Holland dagegen rstete man trotz des herannahenden
Winters mit aller Kraft, um durch Einstellung von Begleitschiffen den
vllig brachliegenden Handel zu schtzen. Schon vor der letzten Schlacht
war es ntig gewesen, das Auslaufen von Kauffahrern ohne Schutz von
Kriegsschiffen zu verbieten; so hatten sich jetzt an 300 nach auswrts
bestimmte Schiffe angehuft, die ihre Reise vor dem Winter antreten
muten, und bei der Insel R vor La Rochelle sammelten sich zahlreiche
Heimkommende, um durch den Kanal geleitet zu werden, denn auch an diesem
blichen Sammelpunkt war das Verbot des Alleinsegelns bekannt gemacht
worden.

  [110] Dnemark hielt zu Holland, indem es mit vertragsmig dazu
        bestimmten Kriegsschiffen hollndische Kauffahrer schtzte, ja
        sogar konvoiierte, englische Fahrzeuge dagegen aufbrachte. Das
        erwhnte englische Geschwader wurde durch Sturm verhindert, etwas
        zu leisten.

Anfang Dezember war eine Flotte von 73 Schiffen mit kleineren Fahrzeugen
und Brandern seeklar.[111] Der Oberbefehl war wieder an =Tromp= gegeben,
unter ihm standen Ruyter, Jan Evertsen und Floriszoon; de Witt war
erkrankt. =Blake= verfgte in den Downs nur ber 37 Schiffe nebst einigen
kleineren Fahrzeugen. Wahrscheinlich hatte =Tromp= Kenntnis von Blakes
Schwche. Er lie den Konvoi, die 300 nach auswrts bestimmten
Kauffahrer, an der flmischen Kste und erschien am 9. Dezember in der
Frhe mit seiner ganzen Flotte hinter Goodwin-Sands; Blake lichtete nach
kurzem Kriegsrat Anker. Beide Flotten steuerten sdlich.

  [111] Im Leben Ruyters, Seite 30, wird gerade bei dieser Gelegenheit
        hervorgehoben, da sich in der Flotte sehr viel eingestellte
        Kauffahrer befanden, und da um diese Zeit zuerst dringende
        Antrge fr den Bau von Kriegsschiffen gestellt seien.

Verschiedentlich ist darber geschrieben, weshalb der sonst so wohl
berlegende =Blake= bei seiner Schwche diesen Schritt tat. Das
Wahrscheinlichste drfte sein, da er seinen Ankerplatz nicht fr sicher
hielt, namentlich da die schtzenden Batterien am Lande eingegangen
waren; er dachte wohl daran, da Tromp 1639 hier den Spanier d'Ocquendo
wie in einer Falle gefangen hatte. Auch ist es mglich, da er an dem
trben Wintermorgen die Strke des Feindes nicht erkannte; spter konnte
er nicht zurck, da der anfnglich sdwestliche Wind nach NW. drehte und
stark auffrischte.

Am 9. Dezember verhinderte der starke Wind einen Kampf, Blake ankerte am
Abend vor Dover, Tromp einige Seemeilen leewrts von ihm. Am 10. Dezember
morgens lichteten beide Flotten Anker und steuerten auf Parallelkursen,
ber B. B. Bug beim Winde, der Kste entlang, doch konnten die Hollnder
den Feind erst erreichen, als etwa um 1 Uhr der Lauf der Kste (vgl.
Skizze: Dover, Seite 202) die Spitze der Englnder bei =Dungeness=
zwang, sich ihnen zu nhern. Es kam zu einem heftigen Kampfe der auf
beiden Seiten fhrenden und schwersten Schiffe, in dem die Hollnder an
Zahl weit berlegen waren. Die berlieferungen melden blutige
Schiffsduelle;[112] besonders die Admiralschiffe sind beteiligt; erst
werden Breitseiten gewechselt, dann wird zum Entern lngsseit gegangen;
mehrfach liegen 3 auch 4 Schiffe nebeneinander. Wie gewhnlich trennt
erst die Dunkelheit die Gegner. Der Erfolg war auf seiten der Hollnder;
Blake verlor 5 Schiffe (2 genommen, 3 gesunken), von den Hollndern war
nur ein Schiff durch einen Zufall aufgeflogen. =Blake= war gentigt, das
Feld zu rumen, er ankerte auf Dover Rhede und ging spter nach den Downs
zurck. =Tromp= machte keinen Versuch, den Sieg bis zur Vernichtung des
Feindes auszuntzen, sei es, da er doch auch stark gelitten, sei es, da
fr eine derartig energische Kriegfhrung eben noch kein Verstndnis war;
man dachte nur an den Konvoi und war mit dem Teilerfolge zufrieden. Er
lag einige Tage zur Ausbesserung bei Dungeness und hatte Gelegenheit,
einige ostwrts segelnde Englnder abzufangen; er lie sogar landen, um
Vieh zu rauben; dieses Unternehmen brachte jedoch nur Verluste. Dann
fhrte er seinen Konvoi bis zur Insel R, von wo aus er die Biscaya
beherrschte, whrend heimwrts bestimmte Fahrzeuge sich dort weiter
sammelten.[113]

  [112] Unter den sich besonders auszuzeichnenden Schiffen findet man
        Namen, die seitdem in der englischen Flotte stets wieder
        erscheinen: Victory, Vanguard, Triumph (Blakes
        Flaggschiff).

  [113] Bei diesen Fahrten soll Tromp einen Besen im Topp gefhrt haben,
        als Zeichen, da er den Kanal reingefegt habe. Nach Clowes, Teil
        II, Seite 174, ist dies eine Sage: Ein Besen im Topp sei damals
        das Zeichen gewesen, da das betreffende Schiff zum Verkauf
        stehe. So sei die Erzhlung wohl ein Witzwort von jemandem, der
        Tromp in St. Martin auf R seine Prisen habe verkaufen sehen.
        Aber auch dann bezeugt der lange Glaube an die Erzhlung, da die
        Hollnder nach Dungeness einige Zeit die Herrschaft im Kanal
        hatten.

Wahrscheinlich sind bei Dungeness nicht alle Hollnder im Gefecht
gewesen, da die schlechteren Segler beim Beginn zu weit in Lee waren;
erwiesen ist, da verschiedene englische Kommandanten sich absichtlich
ferngehalten haben, nicht nur solche von armierten Kauffahrern, sondern
auch solche von Kriegsschiffen und mit sonst gutem Ruf. Blake bat,
bedrckt durch die Niederlage, um Entsetzung von seinem Kommando und
forderte eine Untersuchung gegen die Pflichtvergessenen. Sein erster
Wunsch wurde nicht erfllt, es wurde ihm im Gegenteil ein Vertrauensvotum
zuteil. Die Untersuchung[114] aber wurde sofort eingeleitet und hatte
wichtige Folgen: die Entlassung und Bestrafung mehrerer Kapitne; die
Verordnung, da Kauffahrteischiffer in Zukunft ihre Schiffe nicht mehr im
Gefecht fhren sollten; den Neubau zahlreicher Kriegsschiffe, unter
anderen von 30 Fregatten (d. h. gut segelnden Schiffen, vgl. Seite 164).

  [114] Die Untersuchungsakten liegen nicht mehr vor, so da der Grund
        fr das Verhalten der Kriegsschiffkommandanten unbekannt ist. Man
        glaubt, es Einflssen der royalistischen Partei zuschreiben zu
        mssen.

$England gibt das Mittelmeer auf.$ Die Schlacht bei Dungeness hatte auch
ble Folgen fr die Englnder im Mittelmeer; dies sei, zeitlich etwas
vorgreifend, hier kurz geschildert. Zunchst war es nicht mglich, eine
Verstrkung, wie beabsichtigt, dorthin zu senden, ferner aber wurde die
Haltung des =Groherzogs von Toskana= ernster. Holland hatte ihm
Vorstellungen ber den Neutralittsbruch durch Wiedernahme des Phnix
gemacht, und jetzt, wo die Hollnder im Norden im Vorteil waren, wollte
sich der Groherzog nicht mehr mit Entschuldigungen und Desavouierung der
Offiziere englischerseits begngen, sondern forderte Wiederherausgabe des
Schiffes oder Verlassen des Hafens seitens des englischen Geschwaders;
die Hollnder blockierten deshalb mit ihrer ganzen Macht Livorno.
=Badiley= versuchte nun verabredungsgem, am 14. Mrz 1653, durch sein
Erscheinen vor dem Hafen den Feind abzulenken, um =Appleton= den Weg zu
beiderseitiger Vereinigung freizumachen. Die Hollnder gingen auch
scheinbar zum Angriff auf Badiley vor, als aber =Appleton= nunmehr bei
ablandigem Winde zu frh den Hafen verlie, wandten sie sich sofort gegen
diesen und vernichteten ihn, ehe Badiley zur Untersttzung herankommen
konnte. Appletons Flaggschiff Leopard, das einzige Kriegsschiff, und 4
armierte Kauffahrer wurden genommen, ein Schiff flog auf, nur einem
gelang es, Badiley zu erreichen. Wie hei das Gefecht[115] war, kann man
daraus ersehen, da Leopard von 200 Mann Besatzung 150 Tote und
Verwundete verlor. =Badiley= wurde nicht weiter verfolgt, da seine 4
Kriegsschiffe und 2 armierten Kauffahrer an Gre allen Hollndern
berlegen waren. Er ging zunchst nach Elba zurck, spter nach Messina
und endlich im Mai nach England in der richtigen Erkenntnis, da er, ohne
Untersttzung, im Mittelmeer ohne jeden Nutzen sei. Tatschlich war seine
Rckberufungsorder auch schon unterwegs; England hatte sich gentigt
gesehen, die Mittelmeerstation vorlufig aufzugeben.

  [115] ber das Gefecht etwas genauer: Clowes, Teil II, Seite 176;
        Allen, Teil I, Seite 44; Vie de Tromp, Seite 105. Im letzten
        Angaben ber die Schicksale der einzelnen Schiffe und ber den
        Gesamt-Mannschaftsverlust: Englnder 286 Tote, 293 Verwundete;
        Hollnder 123 Tote, etwa ebensoviel Verwundete. Der hollndische
        Admiral van Galen wurde tdlich verwundet.

$Die Schlacht bei Portland am 28. Februar 1653.$ Wenn auch nach der
Schlacht bei Dungeness fr einige Wochen der Kanal in den Hnden der
Hollnder war und zahlreiche hollndische Schiffe dort mit Erfolg
kreuzten, so mssen doch neue Rstungen und Maregeln in England bald
wieder einen Umschlag herbeigefhrt haben; es ist z. B. bekannt, da
schon im Januar 1653 Genua die englische Regierung um einen Freipa durch
den Kanal zur berfhrung zweier in Holland erbauter Kriegsschiffe bat.

Mitte Februar 1653 war eine englische Flotte von etwa 70 Schiffen
seeklar, darunter viele der neuerbauten schnellen Schiffe
(fregattenhnliche!), die sich gut bewhren sollten. Zur Bemannung der
Schiffe hatte man stark auf die Armee zurckgreifen mssen. Die Flotte
stand unter den Generalen zur See =Blake=, =Deane= und =Monck=. Blake
fhrte das Zentrumgeschwader (rote Flagge), Monck die Vorhut (weie
Flagge), und =Penn= die Nachhut (blaue Flagge); Deane blieb bei Blake an
Bord. Jedes Geschwader war wieder in drei Divisionen geteilt, die unter
dem betreffenden Geschwaderchef sowie einem Vizeadmiral und einem
Kontreadmiral standen.

  =Monck= und =Deane= waren wie Blake aus der Armee hervorgegangen; Deane
  fiel schon 1653 in der Schlacht bei Northforeland-Nieuport. =Monck=,
  geboren 1608, zeichnete sich als Feldherr bereits unter Karl I. aus,
  wurde dann aber ein besonderer Vertrauter Cromwells. Nach dessen Tode
  und seines Sohnes Sturz trat er fr Karl II. und Wiedereinsetzung des
  Knigtumes auf; der neue Knig erhob ihn zum =Herzog von Albemarle=. Er
  fhrte im ersten und zweiten Kriege mehrfach den Oberbefehl zur See mit
  Ruhm, doch erreichte er Blake nicht; er starb 1670.

  =William Penn=, geboren 1621, war Berufsseemann; er wurde 1644 Kapitn,
  1648 Kontreadmiral, 1650 Vizeadmiral und 1653, nach Deanes Tode,
  General zur See; er zeichnete sich gerade als Seemann aus. Clowes
  schreibt hierber z. B.: Es war (bei Portland) ein Glck fr England,
  da Deane von seinem Rechte keinen Gebrauch machte, sondern Penn die
  Fhrung des blauen Geschwaders berlie; so blieb wenigstens dieses in
  den Hnden eines Seemannes. Penn starb 1670. Ebenso war =Lawson=, der
  Vizeadmiral des roten Geschwaders, Seemann von Beruf; auch er zeichnete
  sich hier, sowie spter noch in den hchsten Stellungen aus. Er fiel
  1665.

[Illustration: Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653.

Erster Zusammensto.]

Die nchste Aufgabe der englischen Flotte war, die hollndische auf ihrer
Rckkehr von R abzufangen. =Tromp= war an Zahl der Schiffe, etwa 80,
wohl etwas berlegen, doch waren diese wie bisher minderwertig und durch
den Konvoi von etwa 250 Handelsfahrzeugen sehr behindert. Am 28. Februar
1653 sichteten sich die Gegner in der Mitte des Kanals auf der Hhe von
=Portland=. Tromp geht sofort zum Angriff ber, da er die Englnder in
einer Lage sieht, die ihm Erfolg verspricht.[116] Die berlieferungen
sind sehr lckenhaft, sie lassen aber doch den Verlauf ungefhr
verfolgen; besonders aber kann man erkennen, welchen Einflu ein
selbstndiges Handeln befhigter Unterfhrer, hier Penns und Lawsons,
hat. Es ist das erste Mal, da derartige Flle genauer bekannt sind.

  [116] Schilderung der Schlacht nach Clowes, Teil II, Seite 168; Vie de
        Tromp und Leben Ruyters geben nur Taten hollndischer Schiffe;
        die wenigen Andeutungen anderer Art weichen oft von Clowes ab.

=Tromp= kam mit frischem Westnordwestwinde den Kanal hinauf, die
englische Flotte steuerte sdwestlich, wahrscheinlich in breiter
Formation mit halbem Winde. =Monck= war whrend der Nacht mit seinem
Geschwader einige Seemeilen nach Lee geraten, =Penn= stand zwar in Blakes
Nhe, aber auch bei diesen beiden Geschwadern waren die Divisionen
getrennt und Nachzgler zurckgeblieben, die besseren Schiffe hatten die
schlechteren ausgesegelt; bei =Blake= waren nur 10 oder 12 Schiffe in
unmittelbarer Nhe. Somit war Tromp die Gelegenheit gegeben, den Feind
auf schwachen Punkten mit bermacht anzugreifen. Er befahl seinem Konvoi,
zu Luvard auerhalb des Feuerbereichs zu bleiben, und hielt in
Flottendwarslinie aus Geschwadergruppen (vielleicht auch eine Art
Halbmondformation) auf den Feind ab, wobei er selbst mit dem Zentrum auf
Blake zusteuerte.

Wohl htte =Blake= dem Angriff ausweichen und sich auf Moncks Geschwader
einheitlich zum Gefecht formieren knnen, aber er verschmhte dies, ging
an den Wind und nahm den Kampf an. So kamen seine wenigen Schiffe
zunchst mit Tromps ganzem Geschwader ins Gefecht, wurden gleich darauf
von =Ruyters= Geschwader seitlich angegriffen und =Evertsens= Schiffe
drohten die vllige Umschlieung zu vollenden.

Der letzteren Gefahr begegnete =Penn=. Auch er war sofort an den Wind
gegangen und kam gegen Evertsen mit den St. B. Seiten zum Gefecht, um
aber nicht von Blake getrennt zu werden und um Evertsen von diesem
abzuhalten, wendete er, segelte durch den Gegner durch und griff in
Blakes Kampf ein; Evertsen behielt seinen Kurs bei und griff Monck an.
Eine zweite Untersttzung erhielt Blake durch richtiges Manvrieren
seines Vizeadmirals =Lawson=. Dieser stand mit seiner Division etwas
zurck und wre, wenn auch er gleich an den Wind gegangen, durch Ruyter
von Blake getrennt gewesen. Er lief deshalb zunchst weiter, bis er
imstande war, ber St. B. Bug auf Tromp zuzuliegen, dann erst wendete er
und verstrkte so den Sto Penns kurze Zeit nachher.

Auf diesem Hauptkampfplatze wurde mit der Hartnckigkeit, wie sie eben
die Kmpfe dieser Zeit kennzeichnet, in der Melee gefochten; furchtbares
Feuergefecht in nchster Nhe, Schiffe werden geentert und
wiedergenommen. Als immer mehr Englnder herankommen, die noch fehlenden
Divisionen und die Nachzgler des roten und blauen Geschwaders, bricht
Tromp gegen 4 Uhr nachmittags das Gefecht ab. Er fhlte sich wohl diesen
frischen Krften nicht mehr gewachsen und frchtete, da sich ein Teil
gegen den Konvoi wenden wrde; er sagt spter in seinem Bericht, um 4^h
pm habe der Gegner eine Gruppe schneller Schiffe zu diesem Zwecke
abgesandt. Verfolgt wurde er nicht, wohl da die strksten Schiffe der
Englnder in dem fr sie so harten ersten Zusammensto sehr gelitten
hatten; es waren auch Blake und Bourne schwer verwundet. Bei dem weien
Geschwader wurde der Kampf bis zur Dunkelheit fortgesetzt, scheinbar
jedoch ohne groe Erfolge.

[Illustration: Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653.

Hauptmoment.]

Die Verluste waren auf beiden Seiten schwer. Die Hollnder verloren nach
eigenen Angaben an Schiffen: 1 genommen, 1 aufgeflogen, 3 gesunken, doch
sollen noch einige verbrannt sein; von den Englndern ist 1 gesunken,
mehrere, darunter 3-4 grere, muten sofort nach Portsmouth zur
Ausbesserung gesandt werden. Der Mannschaftsverlust war beiderseitig auf
einzelnen Schiffen ungeheuer gro.

Whrend der Nacht bessern beide Flotten aus. Aus =Tromps= Berichte kann
man entnehmen, da er nach einem Kriegsrat beschlo, von weiteren
Angriffen abzusehen und nur seine Aufgabe, den Schutz des Konvois, zu
verfolgen. Er konnte diesen nicht entlassen, weil er frchtete, da die
Englnder noch weitere Streitkrfte im Osten htten, und er war nicht
stark genug, eine Bedeckung fr ihn abzuzweigen; auerdem wurde auf
vielen seiner Schiffe die Munition knapp, so da er sogar den Befehl zu
sparsamer Verwendung geben mute. Er segelte deshalb am 1. Mrz weiter
und hielt sich mit der Flotte in Halbmondformation zwischen dem Konvoi
und dem Feinde, um jedem ernstlichen Nachdrngen entgegentreten zu
knnen. Die Englnder folgten mit der Absicht, mglichst viele Schiffe
abzufangen; sie schieen deshalb bei Zusammensten gegen ihren
sonstigen Brauch auf die Takelage,[117] um die Schiffe zu lhmen (vgl.
Seite 197).

  [117] Vie de Tromp, Seite 95.

Am 1. Mrz kommt es auf der =Hhe von Wight= zwischen Teilen zu einem
schweren Gefecht, in dem besonders =Ruyter= den Feind mehrfach
zurckwirft; sein Schiff wird dabei so zerschossen, da es am Abend in
Schlepp genommen werden mu. Dagegen gelingt es =Lawson= mit einigen
Fregatten -- neuere gute Segler sind gemeint -- 2 Kriegsschiffe und 10
oder 12 Handelsschiffe vom rechten Flgel abzuschneiden und zu nehmen.
Viele Schiffe des Konvois verlieren das Zutrauen auf ihren Schutz und
brechen aus, um die franzsische Kste zu erreichen; manche von ihnen
werden genommen. Auch am dritten Tage (2. Mrz) greifen die Englnder
mehrfach an; die Zahl der hollndischen Kriegsschiffe wird immer kleiner,
denn viele derjenigen, die die Munition verschossen hatten, suchen ihr
Heil auf eigene Faust. Am Abend dieses Tages standen die beiden Flotten
unter Land sdwestlich von =Kap Grisnez=. Die Englnder ankern, da nach
Ansicht ihrer Lotsen dem Feinde whrend der Ebbe in der Nacht ein
Dublieren des Kaps unmglich sein mute; der Wind war schon am 2. Mrz
flau und stlich geworden. Am Morgen des 3. Mrz aber sind alle Hollnder
auer Sicht, die Englnder gehen deshalb nach ihrer Kste zurck.

Der grere =Verlust in dieser dreitgigen Aktion= war sicher auf seiten
der Hollnder, die mindestens 12 Kriegsschiffe gegen nur eins der
Englnder verloren. Beide Fhrer schrieben sich in ihren Berichten,[118]
die unmittelbar nach den Begebenheiten und vor Eingang genauer Meldungen
abgesandt sind, den Sieg zu. =Tromp= hatte ja auch seine Aufgabe, den
Konvoi heimzubringen, gelst, aber er hatte auer den Kriegsschiffen
wenigstens 30 seiner Schutzbefohlenen verloren.

  [118] Vie de Tromp, Seite 99 und 101, wrtliche Wiedergabe der
        Berichte Tromps und Blakes.

  Tromp gibt den Mannschaftsverlust der Englnder auf 2000 Tote und
  Verwundete gegen 600 Tote und etwas mehr Verwundete der Hollnder an;
  es ist dies gewi berschtzt, vielleicht unter dem Eindruck der
  Verluste der Englnder am 28. Februar an der Stelle, wo Tromp selbst
  focht. Der groe Verlust der Hollnder an Schiffen ist damit leicht zu
  erklren, da das fechtende Material der Englnder weit besser war,
  mehr und auch neuere Kriegsschiffe, und da die Hollnder sich
  zurckzogen, wobei verkrppelte und versprengte Fahrzeuge dem Verfolger
  leicht in die Hnde fallen muten.

$Neue Rstungen.$ In beiden Lndern wurden die grten Anstrengungen
gemacht, ihre Flotten baldigst wieder schlagfertig herzustellen.
=England= verfgte noch ber mehr Schiffe, als bei Portland gefochten
hatten, aber die Bemannung machte Schwierigkeit. Die Lhnung war gering
und wurde unregelmig gezahlt, die Folge davon war Unzufriedenheit, ja
Meuterei auf den Schiffen; viele Englnder dienten sogar in Holland,
wobei sie, wie Schotten und Iren im gleichen Falle, ihr Gewissen damit
entlasteten, da sie fr die Sache ihres rechtmigen Knigs kmpften.
Man mute wiederum in groem Mastabe auf das Heer zurckgreifen;
brigens hatten die eingeschifften Soldaten bei Portland durch ihr
Gewehrfeuer sehr gute Dienste geleistet. Auch in =Holland= machte die
Bemannung zunchst Schwierigkeit, die aber bald durch Lohnerhhung
gehoben wurde; man hatte ferner die Walfischfahrt nach Grnland verboten,
um mehr Leute fr die Flotte zu erhalten und auch um die Grnlandsfahrer
dem Angriff der Englnder zu entziehen. Im Schiffsmaterial blieb Holland
weiter im Nachteil. Auf die bestndigen Klagen der Admirale hin hatte man
zwar eine groe Zahl wirklicher Kriegsschiffe auf Stapel gelegt, diese
Schiffe waren aber noch nicht fertig. Die Admirale klagten sogar darber,
da die Ausbesserung der in den Schlachten beschdigten Schiffe
vernachlssigt[119] wrde.

  [119] Nach Vie de Tromp war der Bau von 30 Schiffen, nach Leben
        Ruyters Seite 40, sogar der von 60, in zwei Raten, angeordnet;
        sie werden dort Fregatten genannt (vgl. Seite 164.)

Da eigentlich in beiden Lndern in einem groen Teil der Bevlkerung
Neigung zum Frieden war, knpfte Holland neue Verhandlungen an, auf deren
Erfolg man namentlich rechnete, als Cromwell im April 1653 das lange
Parlament aufgelst und sich der Alleinherrschaft bemchtigt hatte, aber
sie zerschlugen sich, weil Cromwell von seinen 1651 aufgestellten
Forderungen nicht abging. Bald wurden nun die Feindseligkeiten wieder
aufgenommen. =Tromp= erhielt den Befehl, Mitte Mai einen Konvoi von 200
Schiffen, von den verschiedenen Hfen Hollands nach Frankreich und
Spanien bestimmt, bis zum Norden Schottlands zu geleiten und in den
dortigen Gewssern angesammelte Fahrzeuge heimzubringen. Die englische
Flotte unter =Monck= und =Deane=[120] hatte Kenntnis davon erhalten und
ging zur hollndischen Kste, um womglich schon das Sammeln der
Handelsschiffe und ihre Vereinigung mit der Flotte, sonst aber den Marsch
des Feindes zum Angriff zu benutzen.

  [120] Blake war zur Zeit der Parlamentsauflsung an der Ostkste
        Englands stationiert, wie man sagt, da Cromwell seiner Zustimmung
        zu erwhntem Staatsstreiche nicht sicher war. Yonge, Teil I,
        Seite 72.

Zur Strung des Sammelns kam man zu spt, auch zu einem Zusammenstoe kam
es nicht, da man sich nicht sichtete, obgleich die Flotten am 15. Mai nur
wenige Meilen voneinander entfernt waren. =Tromp= fhrte den Konvoi
wohlbehalten nach Norden; wenn er auch den Rckkonvoi verfehlte, so kam
er doch mit der Flotte und ebenso der Konvoi Ende Mai ungehindert nach
Holland zurck. Die englische Flotte hatte nach seiner Abfahrt die
hollndische Kstenschiffahrt und Fischerei gestrt, einen erfolglosen
Versuch gemacht, Schiffe in dem Vlie zu nehmen und die ganze feindliche
Kste alarmiert.

Nach der Rckkehr, Ende Mai, erfuhr =Tromp=, da in den Downs ein
kleines englisches Geschwader lge -- es war =Badiley= mit dem
Mittelmeergeschwader und einem kleinen Konvoi von 18 Schiffen, kurz
vorher aus dem Mittelmeer eingetroffen -- und ging mit der ganzen Flotte
hinber, mit der Absicht, den Feind von beiden Seiten anzugreifen und zu
erdrcken. Aber Badiley war gewarnt und in die Themse eingelaufen. Die
zuerst ankommenden hollndischen Geschwader unter =Ruyter= konnten nur
noch einige der Kauffahrer, die nahe am Lande bei Dover und Deal lagen,
unter heftigem Feuer der dortigen Befestigungen erbeuten (4. Juni).
Inzwischen war auch =Monck= in See gewesen, um Tromp zu suchen. Als
dieser erfuhr, da die englische Flotte am 3. und 4. Juni bei Nieuport an
der flandrischen Kste, und am 8. Juni vor Walcheren gesehen und nach
Norden gesegelt sei, folgte er. Am 11. Juni lag die englische Flotte auf
der Rhede von Yarmouth, die hollndische etwa 12 Seemeilen nordstlich
von Northforeland; beide hatten Kenntnis voneinander und beabsichtigten
den Kampf, Tromp wollte sich zwischen den Feind und die Themsemndung
schieben. Monck ging noch an demselben Tage Anker auf und ankerte wieder
auerhalb des Gabart-Sandes etwa 15 Seemeilen sdstlich von Orfordness.
Zum ersten Male standen sich jetzt fast die vollen Streitkrfte der
beiden Staaten gegenber, die Hollnder dieses Mal nicht, wie bisher in
allen groen Schlachten, durch einen Konvoi behindert. Es schien die den
Krieg entscheidende Schlacht bevorzustehen.

       $Die englische Flotte bei Northforeland am 12. Juni 1653.$

          I. =(rotes) Geschwader: Die Generale Monck und Deane
                         (Admirale der Flotte).=

                   +================================+
                   |   I. Division: Die Generale    |
                   |                                |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1(Resolution)|   88   |  550  |
                   |1              |   50   |  220  |
                   |4              | 40-42  |160-180|
                   |1              |   38   |  140  |
                   |1              |   26   |  100  |
                   |1              |   14   |   90  |
                   |3 Brander      |   10   |   30  |
                   |4 arm. Kauff.  | 36-44  |140-180|
                   +---------------|        |       |
                   |16 Segel       |        |       |
                   +================================+
                   |     II. Division: Peacock      |
                   |         (Vizeadmiral)          |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1 (Triumph)  |    62  |  350  |
                   |4              |  40-48 |160-200|
                   |4              |  33-37 |120-150|
                   |3 arm. Kauff.  |  34-44 |120-180|
                   |---------------|        |       |
                   |12 Segel       |        |       |
                   +================================+
                   |    III. Division: Howett       |
                   |       (Kontreadmiral)          |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1(Speaker)   |    56  |  300  |
                   |1              |    46  |  180  |
                   |3              |  40-50 |170-180|
                   |3              |  30-38 |120-160|
                   |1              |    26  |  100  |
                   |2 arm. Kauff.  |  30-34 |110-120|
                   |---------------|        |       |
                   |11 Segel       |        |       |
                   +===============+========+=======+

    II. =(weies) Geschwader: Admiral Penn (Vizeadmiral der Flotte).=

                   +================================+
                   |   I. Division: Penn (Admiral)  |
                   |                                |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1(James)     |   88   |  550  |
                   |1              |   50   |  220  |
                   |3              | 40-42  |  180  |
                   |2              | 32-38  |100-170|
                   |1              |   12   |   90  |
                   |1 Brander      |   10   |   30  |
                   |5 arm. Kauff.  | 30-46  |100-180|
                   +---------------|        |       |
                   |14 Segel       |        |       |
                   +===============+========+=======+
                   |       II. Division: Lane       |
                   |          (Vizeadmiral)         |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1 (Victory)  |    60  |  300  |
                   |1              |    42  |  200  |
                   |5              |  30-38 |110-140|
                   |3 arm. Kauff.  |  28-34 |100-125|
                   |---------------|        |       |
                   |10 Segel       |        |       |
                   +================================+
                   |    III. Division: Graves       |
                   |       (Kontreadmiral)          |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1(Andrew)    |    56  |  360  |
                   |1              |    40  |  160  |
                   |4              |  30-38 |120-170|
                   |2              |  24-26 | 90-100|
                   |1 arm. Kauff.  |    30  |  100  |
                   |---------------|        |       |
                   |9 Segel        |        |       |
                   +===============+========+=======+

  =III. (blaues) Geschwader: Admiral Lawson (Kontreadmiral der Flotte).=

                   +================================+
                   | I. Division: Lawson (Admiral)  |
                   |                                |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1(George)    |   58   |  350  |
                   |1              |   50   |  180  |
                   |3              |   40   |170-200|
                   |2              | 30-38  |120-150|
                   |1 Brander      |   10   |   30  |
                   |4 arm. Kauff.  | 30-38  |100-160|
                   +---------------|        |       |
                   |12 Segel       |        |       |
                   +===============+========+=======+
                   |      II. Division: Jordan      |
                   |          (Vizeadmiral)         |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1 (Vanguard) |    56  |  390  |
                   |1              |    43  |  200  |
                   |5              |  30-38 |120-160|
                   |1              |    30  |  100  |
                   |3 arm. Kauff.  |  30-36 |110-140|
                   |---------------|        |       |
                   |11 Segel       |        |       |
                   +================================+
                   |   III. Division: Goodsonn      |
                   |       (Kontreadmiral)          |
                   +---------------+----------------+
                   |    Anzahl     |       mit      |
                   |  der Schiffe  | Kanonen| Mann  |
                   |               |   pro Schiff   |
                   +===============+========+=======+
                   |1(Rainbow)  |    58  |  300  |
                   |1              |    44  |  210  |
                   |4              |  30-36 |120-150|
                   |1              |    12  |   40  |
                   |4 arm. Kauff.  |  30-36 |110-120|
                   |---------------|        |       |
                   |11 Segel       |        |       |
                   +===============+========+=======+

  $Insgesamt$: 105 Segel; darunter 5 Brander und 29 armierte Kauffahrer
  (englisch genannt: hired merchantmen) mit 16459 Mann und 3840
  Geschtzen.

  $Die Tabelle$ ist ein Auszug der im Clowes, Teil II, Seite 187,
  gegebenen, in der die Schiffe einzeln mit Namen, Namen der
  Kommandanten, Strke der Armierung und Besatzung aufgefhrt sind.

  Clowes hebt hervor, da die Schiffe sogar fr die damalige Richtung in
  der englischen Marine auergewhnlich berarmiert gewesen seien.

  In der Tabelle ist das rote Geschwader als Erstes vorangestellt,
  whrend es doch wahrscheinlich die Mitte der Flottenformation bildete
  (vgl. Seite 215); ebenso sind die Divisionen, die von den
  Geschwaderchefs gefhrt wurden, als Erste bezeichnet, obgleich sie
  doch in der Mitte ihrer Geschwader segelten. Wenigstens war es in
  beiden Fllen spter stets so.

  Aus dieser Einteilung einer groen Flotte und aus der Verteilung der
  Flaggoffiziere ihrem Alter nach kann man die $englischen
  Admiralschargen der verschiedenen Flaggen$ herleiten. Wir haben die
  Funktionen: Admiral, Vizeadmiral und Kontreadmiral der Flotte
  (Mitte; Vorhut; Nachhut) und dann dieselben in jedem Geschwader. Daher
  kommen die Admirale der roten, weien und blauen Flagge als Chefs der
  Geschwader und die Vize- sowie Kontreadmirale der verschiedenen Flaggen
  als Chefs der entsprechenden Divisionen. Hierbei ist an die
  Gesamtflotte Englands oder doch an eine ungeheuer groe Flotte, wie z.
  B. bei Northforeland, gedacht. Da die Flotten spter kleiner wurden und
  kaum je nur eine aufgestellt wurde, entsprachen in der Praxis durchaus
  nicht immer die Chargen der zu einer Flotte kommandierten
  Flaggoffiziere ihren Funktionen in dieser.

Die vorstehende Tabelle gibt die $Zusammensetzung der englischen Flotte$.
Sie ist so eingehend gehalten, da sie gleichzeitig die Zusammensetzung
und Einteilung einer der ungeheuer starken Flotten damaliger Zeit
veranschaulichen soll. Die englische Marine teilte jetzt schon fast stets
die Flotten in 3 Geschwader und 9 Divisionen (vgl. Seite 187), whrend
die Hollnder noch bis 1666, in welchem Jahre Ruyter den Oberbefehl
bernahm, hufig mehr Geschwader bildeten (vgl. Seite 147, Tromp).

$Die hollndische Flotte$ bestand am 12. Juni, nach Tromps Bericht, aus
98 Schiffen und 6 Brandern. Sie war in 5 Geschwader unter Tromp, de
Ruyter, de Witt, Jan Evertsen und Floriszoon geteilt; jedes Geschwader
zerfiel in 3 Divisionen.[121] Wir mssen uns wieder vergegenwrtigen, da
die hollndischen Schiffe kleiner, schwcher armiert und bemannt waren
und da sich weit mehr eingestellte Kauffahrer in der Flotte befanden.

  [121] Genauer Vie de Tromp, Seite 118.

Die englische Flotte stellt nahezu den ganzen Schiffsbestand ihrer Marine
dar. Holland htte wohl mehr aufstellen knnen, wenn die Neubauten,
besonders aber auch die Ausrstungen und Ausbesserung der vorhandenen
Krfte eifriger betrieben wren. Die Admirale hatten aus Mimut ber die
geringe Bercksichtigung ihrer stndigen Klagen nur ungern ihr Kommando
angetreten.

$Die Schlacht[122] bei Northforeland-Nieuport, 12. und 13. Juni 1653.$ Am
12. Juni mit Tagesanbruch lichten beide Flotten bei leichtem Nordostwinde
Anker; die Englnder halten mit achterlichem Winde auf den Feind zu, die
Hollnder erwarten sie ber St. B. Bug hart am Winde liegend, wohl mit
dem Bestreben, womglich gleich die Luvstellung zu gewinnen. =Monck=
scheint zuerst die Absicht gehabt zu haben, in breiter Halbmondformation
anzugreifen, er hatte dazu seine Geschwader auseinandergezogen; als er
aber den Feind eng geschlossen sah, zog auch er seine Krfte wieder
zusammen, was vielleicht bei dem flauen Winde zunchst nicht ganz
gelungen ist.

  [122] Diese zweitgige Schlacht ist sehr verschieden benannt:
        Lowestoft; Nieuport; Dnkirchen. Nach dem Ort, an welchem sie
        begann, scheint mir die Bezeichnung nach Clowes: Northforeland
        die beste; fr den zweiten Tag kann man dann wohl Nieuport
        annehmen.

Von dem Versuch, eine Schilderung des Verlaufes der Schlacht zu geben,
mu abgesehen werden, da die berlieferungen sehr lckenhaft und voll von
unverstndlichen und unlslichen Widersprchen sind. Es ist dies sehr zu
bedauern, da anderseits in den berlieferungen hervorgehoben wird, da in
dieser Schlacht auf beiden Seiten verschiedentlich dahin gestrebt sei,
durch taktische Bewegungen Vorteile zu erringen; sie wird deshalb ein
Markstein[123] in der Geschichte der Seetaktik genannt. So soll mehrfach
um die Luvstellung manvriert sein. Hierin scheint zuerst die
hollndische Flotte Erfolg gehabt zu haben, wenigstens Ruyters Geschwader
Lawson gegenber. Dieser Vorteil geht aber infolge Verwirrung in der
hollndischen Flotte wieder verloren, und die ganze englische Flotte
gewinnt die Luvstellung. Es wird ferner erwhnt, da =Lawson= zum ersten
Male mit einigen Fregatten, also gut segelnden Fahrzeugen, das
Durchbrechen der feindlichen Linie, dieses im folgenden Jahrhundert so
wichtige taktische Manver, mit Erfolg ausgefhrt habe. Es wird endlich
und vor allem hervorgehoben, da englischerseits lnger als in frheren
Aktionen die Ordnung aufrecht erhalten und zum Nahkampf (Melee) erst
bergegangen wre, als der Feind in Verwirrung geraten sei. Dies ist
wohl so zu verstehen, da die Englnder, sobald sie die Luvstellung
hatten, in Kiellinie aus den Schiffsgruppen gebildet, solange ein
Feuergefecht fhrten, bis der Gegner infolge ihrer strkeren und besser
bedienten Artillerie gengend erschttert war; der flaue Wind an diesem
Tage begnstigte die volle Ausntzung der berarmierung. Aber es ist, wie
gesagt, nicht mglich, die einzelnen Abschnitte des Gefechtes
festzulegen. Bei dem ersten Zusammensto Ruyters und Lawsons etwa um 11
Uhr werden zwar beide untersttzt durch Tromp und Monck, doch scheinen
sonst die anderen Geschwader infolge des flauen Windes nicht voll mit
eingegriffen zu haben; spter, als die Englnder die Luvstellung hatten,
entbrannte der Kampf auf der ganzen Linie, und es wurde hartnckig
gefochten. Ein Beispiel mge dies veranschaulichen: Tromp entert Penn,
wird aber zurckgeschlagen und selbst geentert; da klart er sein Schiff
durch Aufsprengen des Oberdecks von den Feinden.[124] Erst die Dunkelheit
trennt die Gegner; beide bessern whrend der Nacht notdrftig die Schiffe
aus. Zur englischen Flotte stie in der Nacht Blake mit 18 Schiffen.

  [123] Nach Yonge, Teil I, Seite 73, schon in frheren Zeiten in der
        englischen Marine so bezeichnet.

  [124] Nach Vie de Tromp, Seite 123 und Allen, Seite 95, trug sich
        dies erst am 13. zu.

Am 13. Juni steuert =Tromp= der hollndischen Kste zu, da in seiner
Flotte, besonders in den Geschwadern Ruyters und de Witts, die Munition
knapp geworden war. Wenn einzelne Quellen sagen, ein Kriegsrat frh
morgens habe beschlossen, noch eine Schlacht zu schlagen, so ist dies
wohl nur dahin zu verstehen, da Tromp beabsichtigte,[125] wenn ntig und
unter gnstigen Umstnden, noch einmal krftig vorzustoen, um sich dann
in einem Rckzugsgefechte mglichst unbelstigt zwischen die Untiefen
unter Land zurckziehen und dort Munition auffllen zu knnen. Der Wind
war sdwestlich geworden. Die Englnder trachteten, mglichst Luv zu
gewinnen, um sich dann zwischen den Feind und die Kste schieben zu
knnen; schon um 8 Uhr beginnt teilweise ein Feuergefecht auf weitere
Entfernungen. Gegen Mittag war Tromp fast imstande, sich hinter die der
Kste zwischen Ostende und Sluys vorgelagerten Snde (die =Wielings=)
zurckzuziehen, da wurde es ganz flau. Er liegt hilflos in Lee des
Feindes und es gelingt ihm eben noch, seine zerstreuten Schiffe in
leidlicher Ordnung zu sammeln, ehe er angegriffen wird. Wieder erffnen
die Englnder in guter Ordnung ein wirksames Feuergefecht und gehen dann
mit auffrischendem Winde zum Nahkampf ber.

  [125] Vie de Tromp, Seite 128, Tromps Bericht.

Sie haben vollen Erfolg, bei den Hollndern ist die grte
Verwirrung[126] und teilweise Panik eingerissen. Die Schiffe sind unklar
voneinander gekommen, Fhrer von Brandern versenken oder verbrennen ihre
eigenen Fahrzeuge und retten sich in Booten; viele hollndische Schiffe
fliehen, obgleich Tromp auf sie feuert. Die Englnder wrden vielleicht
den grten Teil der Flotte vernichtet haben, wenn sie nicht wegen der
anbrechenden Dunkelheit und wegen der Nhe der Snde, besonders mit
Rcksicht auf ihre groen Schiffe, gezwungen gewesen wren, den Kampf
abzubrechen und zu ankern. So gelingt es der hollndischen Flotte am
nchsten Morgen mit Tagesgrauen, sich zwischen den Untiefen zu bergen und
dann die Hfen zu erreichen.

  [126] Auch Tromp nennt in seinem Bericht die Verwirrung eine Folge der
        Unwissenheit und Unerfahrenheit vieler Kommandanten.

=Verluste=: Die Englnder haben in den zwei Tagen 11 Schiffe mit 1350
Gefangenen genommen, 6 versenkt, 2 verbrannt; sie selbst haben kein
Schiff verloren, auch nur wenige mssen zur Ausbesserung in die Heimat
gesandt werden. Ihr Mannschaftsverlust war nicht unbedeutend: 120 Tote,
darunter =Deane=, der am ersten Tage durch eine Kettenkugel (in dieser
Schlacht zum ersten Male von den Hollndern mit besonderem Erfolg gegen
die Takelage verwendet) gettet wurde, und 236 Verwundete. Der
Menschenverlust auf hollndischer Seite ist nicht bekannt.

Die Niederlage der Hollnder war zwar nicht so, da der Krieg dadurch
entschieden wrde, aber die =Nachwirkung der Schlacht= war doch
bedeutend. Die englische Flotte blieb bei der gnstigen Jahreszeit an der
hollndischen Kste und hielt diese unter strenger Blockade; sie wurde
zum ersten Male an einer feindlichen Kste neu ausgerstet und mit
Munition und Vorrten versehen. =De Witt=, der erneute Klagen Tromps und
seiner Admirale der Regierung berbrachte, erklrte in der Versammlung
der Generalstaaten nachdrcklich, =die Englnder seien
jetzt unbestritten die Herren der See=. Wieder angeknpfte
Friedensunterhandlungen kamen nicht vorwrts, da Cromwell nach diesem
Erfolge seine Bedingungen noch verschrfte.

  Die Klagen der Admirale gipfelten zunchst wieder in der
  Unzulnglichkeit der Schiffe: die Englnder htten 50 Schiffe, die dem
  besten der ihrigen berlegen seien, in ihrer Flotte dagegen fnden sich
  an 30 vllig unbrauchbare, deshalb seien schwerere Schiffe, besser
  armiert und bemannt, ntig. Ferner wurden bessere Lhnungsverhltnisse,
  Mitgabe von Munitions- und Proviant-Fahrzeugen verlangt (Leben
  Ruyters, Seite 43).

  Wenn unter den frheren Verhandlungspunkten sich nur die Forderung
  einer more intimate alliance zwischen den beiden Staaten fand, so
  wurde jetzt eine complete coalition verlangt; eine vllige
  Vereinigung unter einer Regierung, aber mit einem solchen bergewicht
  auf englischer Seite, da Holland aufgehrt haben wrde, ein
  selbstndiger Staat zu sein (Clowes, Teil II, Seite 193).

$Gefecht bei Kattwijk und Schlacht bei Scheveningen, 8. und 10. August
1653.$ Der geschilderte Zustand war fr Holland unertrglich. Der Handel
und die fr den Nationalwohlstand fast ebenso wichtige Heringsfischerei
waren jetzt vllig lahmgelegt. Die Englnder brachten viele sehr reiche
Prisen auf; man mute sogar auf feindliche Expeditionen in die inneren
Gewsser und auf Landungen gefat sein und sah sich gentigt, Truppen an
die Kste und auf die Inseln bei der Texelmndung zu werfen. Auerdem
grte es in verschiedenen Orten an der Kste, ein groer Teil der
Bevlkerung schob die Schuld des unglcklichen Krieges der Regierung zu
und verlangte wieder einen Statthalter.[127] Die Regierung arbeitete
deshalb mit uerster Anstrengung an der Wiederbereitstellung der Flotte,
um den Feind von der Kste zu vertreiben; auch wurden Verfgungen[128]
erlassen, die besondere Belohnungen fr kriegerische Leistungen und hohe
Entschdigungen fr schwere Verwundungen versprachen.

  [127] Vie de Tromp, Seite 133; Leben Ruyters, Seite 44, geben
        Nheres.

  [128] Diese Verfgungen ebendort, Seite 136 bezw. Seite 44.

Die Aufstellung der neuen Flotte erfolgte unter =Tromp= in der Maas und
unter =de Witt= in der Texelmndung; die nchste Aufgabe der beiden
Fhrer war, sich zu vereinigen. Am 3. August ging =Tromp= mit 80-90
Schiffen und 5 Brandern in See, er hielt sich mehrere Tage vor der
Maasmndung und segelte dann an der Kste entlang, die Englnder zu
suchen. Diese hatten, vor Texel liegend, am 5. August bemerkt, da =de
Witt= seine Krfte, 27 Schiffe nebst 4 Brandern, bei Helder dicht an der
Mndung zusammengezogen hatte, um jede gnstige Gelegenheit (z. B. Nebel)
zum Auslaufen benutzen zu knnen. =Moncks=[129] Kriegsrat beschlo
deshalb am 7. August, mit der ganzen Flotte Tromp entgegenzusegeln und
seine Vereinigung mit de Witt zu hindern. Man ging am Abend Anker auf und
sichtete am 8. August vormittags Tromps Flotte auf der Hhe von Egmond,
etwa 20 Seemeilen sdlich von Texel. Die englische Flotte war durch
Nachschub an Stelle der ausbesserungsbedrftigen Schiffe etwa gerade so
stark wie bei Northforeland, also rund 100 Segel, nach Tromps Bericht vom
8.: 90 grere, 26 kleinere Fahrzeuge.

  [129] Monck fhrte jetzt allein den Oberbefehl, da Deane gefallen,
        Blake schwer erkrankt nach England gesandt, ein neuer General zur
        See noch nicht ernannt war; im Dezember 1653 erfolgte Penns
        Ernennung nebst der eines dritten, der jedoch nie zur See diente.
        (Clowes, Teil II, Seite 192.)

Tromp steuerte nrdlich bei Westsdwestwind, er wrde also die
Luvstellung gehabt haben; zunchst lief er auch noch etwas weiter, als
aber der Wind nach Nordwesten drehte, wendete er und steuerte an der
Kste entlang sdlich, denn seine Absicht war, den Feind von der
Texelmndung abzuziehen, um de Witts Auslaufen zu erleichtern, und
deshalb vorlufig ein Gefecht zu vermeiden. Die Englnder folgten scharf
und griffen um 5 Uhr mit ihren schnellsten Schiffen (den neuen Fregatten)
die letzten hollndischen, schlechte Segler,[130] =auf der Hhe von
Kattwijk= an. Von englischer Seite kamen nach und nach an 30 Schiffe
heran, die Hollnder untersttzten ihrerseits die angegriffenen Kameraden
nach Krften. So nahm das Gefecht weit grere Ausdehnung an, als Tromp
beabsichtigt hatte; alle Flaggschiffe waren beteiligt und erlitten
schwere Verluste. Wie gewhnlich trennte erst die Dunkelheit die Gegner.
Es war =Tromp= nicht gelungen, ein Gefecht ganz zu vermeiden und seine
Flotte unversehrt zu erhalten, doch war es nicht zu einer entscheidenden
Schlacht gekommen, und =de Witt= war entsetzt; dieser war in der letzten
Nacht in See gegangen, nachdem er das Fahrwasser durch Boote mit Laternen
und Fackeln ausgebojt hatte.

  [130] Vie de Tromp, Seite 139; Tromps Bericht; Leben Ruyters, Seite
        45.

Am 9. August wehte es hart aus Nordwesten, beide Flotten hatten genug zu
tun, sich von der Leekste freizuhalten. So kam es zu keinem ernsten
Schlage; ein groer Vorteil fr die Hollnder, da de Witt Zeit gewann,
heranzukommen. Tromp nherte sich zwar morgens mit einigen Schiffen und
wechselte Schsse, er ging aber wieder auf seine Flotte zurck, als der
Feind Miene machte, das Gefecht ernstlich aufzunehmen. Um 5 Uhr
nachmittags stie de Witt zu ihm. Die Gegner blieben die Nacht ber in
grter Nhe. Am 10. August hatte der Wind abgeflaut und war nach Sd
gegangen. Die Flotten lagen bei =Scheveningen=, beide gingen um 7 Uhr zum
Angriff vor; =die Schlacht= wurde gleich allgemein und sollte =die letzte
und blutigste= des ersten Krieges werden.

  Leider sind auch ber diese Schlacht die Schilderungen
  widersprechend[131] und nicht in Einklang zu bringen. Es ist dies
  wiederum zu bedauern, weil man aus den Andeutungen schlieen kann, da
  auf beiden Seiten eine gut rangierte Formation eingenommen war, da
  diese englischerseits gut aufrecht erhalten wurde, und da auch
  mehrfach wohldurchdachte taktische Manver ausgefhrt sind. Es sei ber
  den Verlauf nachstehendes als wahrscheinlich erwhnt.

  [131] Vgl. Clowes, Teil II, Seite 195; Allen, Teil I, Seite 48; Vie de
        Tromp, Seite 140.

Beide Gegner waren in Flottenkiellinie aus Schiffsgruppen formiert, auf
hollndischer Seite fhrte =Tromp= an der Spitze. Vor dem Zusammensto
gelingt es ihm mit den meisten Schiffen, nur einige Nachzgler
abgerechnet, die Luvstellung zu gewinnen. Er hlt jedoch diese Stellung
nicht durch, sondern bricht in die feindliche Linie ein. Es war aber
nicht das Durchbrechen, um einen Teil des Feindes abzuschneiden, sondern
nach altem Brauch ein Einbrechen, Zurcksegeln und Wiedereinbrechen. Die
hollndischen Quellen der Zeit heben ausdrcklich hervor, da viele
Schiffe 3 bis 4 mal wie bei den Ruderschiffen die feindliche Linie
durchbrochen htten. Sein Flaggschiff Brederode wird dabei schlecht
untersttzt und leidet schwer unter konzentriertem Feuer. Als sich der
dichte Pulverdampf einen Augenblick lichtet, weht an Bord die Flagge fr
Kriegsrat. Die hollndischen Flaggoffiziere, die in der Nhe sind, eilen
an Bord und finden =Tromp= durch eine Musketenkugel =gettet=. Es wird
beschlossen, seine Flagge wehen zu lassen, um die Hollnder nicht zu
entmutigen, die Englnder dagegen anzuspornen. =Jan Evertsen= bernimmt
den Oberbefehl.

Der Kampf wird mit uerster Erbitterung fortgesetzt. Bis gegen 1 Uhr
mittags stehen die Chancen gleich; die Hollnder sind mit den meisten
Schiffen immer noch zu Luward und verwenden von hier aus ihre Brander mit
Geschick und Erfolg besonders gegen die feindlichen Flaggschiffe. 2
englische Schiffe werden verbrannt, 2 Admiralschiffe leiden schwer durch
Feuer; Admiral Graves verbrennt, Peacock stirbt spter an den
Brandwunden. Aber auch die Hollnder haben starke Verluste, Ruyters und
Evertsens Schiffe mssen entmastet nach der Maasmndung geschleppt
werden. Gegen 1 Uhr gewinnen die Englnder, scheinbar noch wohl geordnet,
die Luvstellung, die hollndischen Nachzgler in Lee kommen dadurch noch
weiter ab und halten sich dann absichtlich fern. Die Hauptmacht, jetzt
unter =de Witts= Oberbefehl, versucht wieder nach Luward zu gelangen; da
dies nicht gelingt, hlt es de Witt fr richtiger, nur hinhaltend zu
fechten, um die Schlacht abzubrechen; bald aber kann er nur noch mit
einigen dreiig wacker fechtenden Schiffen die Flucht der anderen
decken. Er feuert auf die Fliehenden und ruft aus: Htte man die
Kommandanten gehngt, als sie es frher getan, so knnten sie es jetzt
nicht wieder tun! Mit Munitionsmangel konnte sich dieses Mal niemand
entschuldigen, auf Drngen der Admirale waren der Flotte Munitionsschiffe
mitgegeben worden. Um 8 Uhr abends wird die Flucht allgemein; die Schiffe
setzen Untersegel und was sie sonst tragen knnen und steuern der
Texelmndung zu. Die Englnder verfolgen bei hellem Mondschein bis
Mitternacht aber doch nur lau, auch sie mssen zunchst ihre schwer
beschdigten Schiffe von der Kste freisegeln. Am 11. August melden die
englischen Aufklrungsschiffe das Einlaufen des Feindes in den Texel, und
=Monck= fhrt seine Flotte nach Yarmouth, da sie nicht imstande ist,
lnger die See zu halten.

=Die Verluste= waren auf beiden Seiten schwer. Die Hollnder haben nach
eigenen (de Witts) Angaben 14 Schiffe verloren (wahrscheinlich sind darin
5 eingerechnet, die nur sehr schwer havariert waren), 500 Tote, 700
Verwundete, 700 Gefangene; die englischen Angaben ber den Verlust des
Gegners gehen sogar bis zu 26 Schiffen, 4000 Toten und Verwundeten (8
Kommandanten) und 1300 Gefangenen (1 Admiral und 4 Kommandanten).

Die Englnder verloren nach den eigenen Angaben wenigstens 250 (nach
Penn) oder 400 Tote (2 Admirale, 5 Kommandanten), 700 Verwundete und 2
Schiffe; hollndischerseits werden als englischer Verlust 8-11 Schiffe,
worin wohl auch die halbverbrannten oder sonst schwerbeschdigten
eingerechnet sind, und bis zu 3000 Tote und Verwundete angegeben. Aber
kein hollndisches Schiff war genommen und auch die englische Flotte war
gentigt, die Hfen aufzusuchen.

  Wie schwer die Verluste der hollndischen Schiffe waren, die wacker
  durchgehalten hatten, zeigt Ruyters Flaggschiff: 43 Tote, 53 Verwundete
  von 150 Mann Besatzung; Gro- und Fockmast ber Bord.

  Die hollndischen Gefangenen waren smtlich von den sinkenden Schiffen
  aufgefischt. Es ist behauptet, Monck habe befohlen, keine Prisen zu
  machen und keinen Pardon zu geben. Dies ist nicht erwiesen;
  wahrscheinlich ist, da er erklrt hat, es sei richtiger, die
  feindliche Flotte zu vernichten, als durch Besetzen von Schiffen Kraft
  und Ordnung der eigenen Flotte zu gefhrden.[132]

  [132] Clowes, Teil II, Seite 196.

$Die Folgen der Schlacht bei Scheveningen und der Friedensschlu.$ Bis zu
einem gewissen Grade war die Schlacht trotz der Niederlage ein
strategischer Erfolg der Hollnder. Die englische Flotte war nicht
imstande, die Blockade weiter durchzufhren; sie hat sie auch im weiteren
Verlaufe des Krieges nicht wieder ernstlich aufgenommen. Schon im
September geleitete =de Witt= mit 40 weniger beschdigten Schiffen einen
starken Konvoi durch die Nordsee, bernahm bei Skagen von dnischen
Kriegsschiffen eine groe Zahl Ostseefahrer und holte dann heimkehrende
Atlantikfahrer ab, die sich in den norwegischen Hfen angesammelt hatten.
Seine Flotte war nach und nach bis an 70 Schiffe verstrkt; mit ihr
brachte er im Anfang November den bis gegen 400 Fahrzeuge angewachsenen
Heimkonvoi unbelstigt nach Holland zurck, obgleich die Englnder ihre
wieder instandgesetzte Flotte, allerdings nur 40-50 Segel stark, an der
hollndischen Kste zeigten. Aber doch war die den Krieg entscheidende
Schlacht geschlagen; es war den Hollndern nicht mehr mglich, sich noch
einmal zum Widerstande in groem Mastabe aufzuraffen; um so weniger, als
de Witts Flotte bald nach seiner Rckkehr durch einen dreitgigen Sturm,
vor der Texelmndung liegend, fast zur Hlfte kampfunfhig gemacht wurde.
Derselbe Sturm ntigte auch die Englnder, in die Hfen zu gehen; es
wurde dann ein groer Teil ihrer Schiffe fr den Winter aufgelegt.

  Da England die Blockade aufgeben mute, sah die Regierung in Holland
  die Schlacht bei Scheveningen nicht als Niederlage[133] an und wollte
  durch die Entsendung de Witts sowie dadurch, da man die Flotte noch im
  November drauen lie, der ganzen Welt zeigen, da Holland nicht
  unterlegen sei; auch wurde Tromp als Nationalheld mit groen Ehren
  begraben. Das Abweichen von dem alten Brauch, die Flotte im Sptherbst
  in die Hfen zu nehmen, wurde anderseits von der Volksmeinung der
  Regierung zum Vorwurf gemacht.[134]

  [133] Vie de Tromp, Seite 147; ebendort das Begrbnis Tromps.

  [134] Leben Ruyters, Seite 52.

Im Winter 1653-54 begannen neue Friedensunterhandlungen und beide Gegner
beschrnkten sich bis zum Friedensschlu auf den kleinen Krieg: Entsenden
von Kreuzern gegen die feindlichen Handelsschiffe und Kreuzer. Die
hollndische Regierung mute unter allen Umstnden Frieden schlieen,
auch aus Grnden der inneren Politik. Die aufrhrerischen Bewegungen
mehrten sich, das Verlangen nach einem Statthalter trat schrfer hervor.
Die Folgen des Krieges lasteten zu schwer auf dem Lande und der Handel
lag hoffnungslos danieder. In dem kleinen Kriege jetzt mute Holland
weiter im Nachteil bleiben, denn sein Handel war der grere und fhrte
berall durch englische Gewsser.

  Der Krieg hat neben den unmittelbaren Kosten fr die Rstungen dem
  Lande ungeheuere Verluste gebracht. Man nimmt an, da die Englnder im
  Laufe der zwei Kriegsjahre 1700 Prisen im Werte von 6 Millionen Lstrl.
  aufgebracht haben, whrend sie kaum den vierten Teil verloren. Nur in
  den auerheimischen Gewssern war der englische Handel der
  gefhrdetere. Wir sahen, da England das Mittelmeer aufgab, ebensowenig
  hatte seine Kraft hingereicht, den Handel in Ostindien zu schtzen und
  die Navigationsakte in den amerikanischen Kolonien durchzufhren.

Auch =Cromwell= war jetzt dem Frieden geneigter. Seine neue Stellung als
Alleinherrscher wurde durch einen ruhmreichen Abschlu des blutigen
Krieges befestigt; es lag ihm ferner jetzt daran, sich mit Holland, das
bisher Sympathie fr die Stuarts gezeigt, gut zu stellen -- der
Friedensschlu war somit ein schwerer Schlag fr die Royalisten. Er lie
sehr in seinen Forderungen nach und sah ab von den Bedingungen, freien
Handel in der Schelde zu geben;[135] die Kriegsflotte zu vermindern; die
Fischereiabgabe aufs neue zu zahlen und dem beanspruchten Rechte, die
hollndischen Schiffe in englischen Gewssern auf ihre Ladung zu
untersuchen. Vor allem wurde der Gedanke, beide Republiken zu vereinigen,
fallen gelassen.

  [135] Das Abschlieen des spanischen Antwerpens von der Schiffahrt --
        die Sperrung der Schelde -- war eine wichtige Errungenschaft
        Hollands im Westflischen Frieden gewesen.

Am 15. April 1654 wurde der $Frieden von Westminster$ geschlossen. Hart
waren die Bedingungen immer noch; von den 32 Punkten sind folgende fr
uns die wichtigsten: Holland mute die Navigationsakte anerkennen, den
Gru der englischen Flagge in englischen Gewssern durch Dippen der
Flagge, Wegfhren der Marssegel und Abgabe von Salutschssen zugestehen
und sehr bedeutende Entschdigungen zahlen. Diese setzten sich zusammen
aus den alten Forderungen, die schon als Grnde des Krieges erwhnt sind
(Seite 191), und neu hinzutretenden: Entschdigung an die
englisch-ostindische Kompagnie fr Verluste whrend des Krieges und an
die Erben der in Amboina 1623 ermordeten Englnder sowie Ersatz fr den
Schaden, den der englische Ostseehandel whrend des Krieges durch die
Dnen erlitten hatte.[136] Auerdem verpflichteten sich die
Generalstaaten durch eine anfangs geheimgehaltene Klausel, die
Angehrigen des Hauses Oranien von allen hohen Staatsmtern und
militrischen Kommandos auszuschlieen.

  [136] Zimmermann, Band II, Seite 142, nennt 85 000 Lstrl. (und
        Herausgabe der Banda-Insel Palaroon) an die ostindische Kompagnie
        und 3600 Lstrl. an die Erben der Amboinakaufleute. Clowes, Teil
        II, Seite 200, spricht von 140 000 Lstrl. fr den Schaden des
        Ostseehandels und von 900 000 Lstrl. als Gesamtbetrag aller
        Forderungen.

In diesen Frieden wurde =Dnemark= eingeschlossen. Auch =Portugal= hielt
es nach den Erfolgen Englands fr ntig, sich mit diesem gut zu stellen;
es ersetzte die Schden, die dem englischen Handel durch Prinz Rupert von
portugiesischen Hfen aus zugefgt waren. Selbst =Frankreich= ntigte
Cromwell zu Gefallen Karl II., Paris zu verlassen und sich nach Kln zu
begeben. Die Reibungen zur See zwischen Frankreich und England nahmen
ihren Fortgang, bis 1655 ein Handelsvertrag abgeschlossen wurde, nachdem
Blake und Penn mit groem Erfolge gegen die franzsischen Freibeuter
vorgegangen waren.

$Bemerkenswertes in diesem Kriege.$ Der erste englisch-hollndische Krieg
ist fr die Seekriegsgeschichte in verschiedener Hinsicht von groer
Bedeutung, vor allem durch den Umschwung in der Kriegfhrung. Bei der
Wichtigkeit dieses Umstandes sei das an verschiedenen Stellen schon
Gesagte (Seite 107, 143, 160) nochmals kurz zusammengefat.

In den Kriegen der lteren Zeiten war das Meer mit wenigen Ausnahmen nur
eine Marschstrae fr die Heere, um den Krieg zu Eroberungen oder
Brandschatzungen in Feindesland zu tragen; daneben schdigte man den
Feind durch Wegnahme seiner Handelsschiffe. Von einer planmigen Anlage
und Durchfhrung dieser Kriegsart war jedoch keine Rede, weder von einer
vlligen Inbesitznahme und dauernden Behauptung dieser Marschstrae, noch
von einer gnzlichen Unterbindung des feindlichen Seehandels. Beides
erlaubten die unzulnglichen Streitmittel nicht. Weder die Ruderschiffe
noch die lteren Segelschiffe waren imstande, lngere Zeit die See zu
halten und so auf dem Meere errungene Erfolge zu behaupten und
auszunutzen. Den feindlichen Seehandel zu einem Hauptangriffsziel zu
whlen, hatte keinen Zweck, so lange er nicht so betrchtlich war, da
man in ihm die Lebensbedingungen des feindlichen Landes ernstlich
bedrohen konnte.[137]

  [137] Colomb, Kap. I. The nature of naval warfare mit folgender
        Disposition: Ein wirklicher Seekrieg ist erst mglich, wenn im
        Seehandel ein groer Teil des Reichtums eines Landes ruht und
        wenn Schiffe vorhanden sind, die die See halten knnen. Er war
        mithin vor der Zeit Elisabeths ausgeschlossen. Erst im Spanischen
        Kriege wurden diese Voraussetzungen erkannt, besonders von den
        Admiralen Raleigh und Monson, Das erste Ziel des Seekrieges ist
        also die Beherrschung der See.

Zu Ende des 16. und im Anfang des 17. Jahrh. wurden die Schiffe
seefhiger und der Handel nahm wesentlich zu; infolgedessen sehen wir
auch die Kriegfhrung in ein neues Stadium treten. Es ist aber erst eine
bergangsperiode. Die Unternehmungen gegen den Handel bleiben im
allgemeinen noch rtlicher und gelegentlicher Natur, oft mit dem
ausgesprochenen Charakter der Freibeuterei; die sonstigen militrischen
Unternehmungen sind meist noch Expeditionen gegen das feindliche Land im
alten Sinne -- das hervorragendste Beispiel, der Zug der Armada -- oder
vereinzelte Vorste zu ihrer Verhinderung. Selbst die Englnder, sonst
auf dem neuen Wege am weitesten fortgeschritten, fallen oft in die alte
Kriegfhrung -- Brandschatzung als Hauptzweck -- zurck. Es wird noch
nicht gengend darauf Bedacht genommen, durch eine planmige und
andauernde Durchfhrung des Seekrieges, durch Aus- und Abschlieen des
Feindes vom Meere, den Krieg mglichst schnell zu beendigen; es gibt noch
keine Strategie, die Erringung und Erhaltung der Seeherrschaft zum Ziele
hat.

=Der erste englisch-hollndische Krieg aber ist nur zur See gefhrt= und
warf doch Holland so nieder, wie es ein siegreicher Landkrieg mit
Invasion nicht rger htte bewirken knnen, ohne dem Sieger die Opfer an
Menschen und Vermgen aufzuerlegen, die ein Landkrieg gefordert htte;
der Wert der von England gemachten Prisen entsprach allein dem vierfachen
Betrage des damaligen jhrlichen Staatseinkommens Englands. Die
Bedingungen fr eine erfolgreiche Kriegfhrung zur See im neueren Sinne
waren hier gegeben; beide Staaten boten dem Gegner einen groen Seehandel
als Angriffsziel dar, Schiffe einigermaen fhig, die See andauernd zu
halten, waren vorhanden; der Schiffbau hatte in dieser Hinsicht schon
gengende Fortschritte gemacht, wenigstens ausreichend fr den
beschrnkten Kriegsschauplatz. Dieser Krieg war der erste, der andauernd
hohe Anforderungen an die Seestreitkrfte stellte und der zahlreiche
Erfahrungen sammeln lie; er gab den Ansto zur greren Pflege der
stehenden Marinen und dadurch zu der Vervollkommnung des ganzen
Seekriegswesens -- des Schiffbaues, des Personals, der Taktik --, wie wir
sie im vorigen Kapitel kennen gelernt haben. Die erste Entwicklung einer
Strategie zur See whrend dieses Krieges wird auf Seite 231 betrachtet
werden.

Es ist ferner bei diesem Kriege bemerkenswert die Ausdauer und
Hartnckigkeit, mit der man ihn auf beiden Seiten fhrte und die
Rstungen betrieb. Bei der wichtigen Rolle, die das Material auf See
spielt, liegt es in der Natur der Seekriege, da nach ernsten
Zusammensten der Hauptstreitkrfte eine lngere Pause in greren
Unternehmungen eintritt, die ntig ist, um das Material wieder
instandzusetzen. Hier aber werden in einem Zeitraum von 13 Monaten -- von
der Kriegserklrung bis Scheveningen -- 6 groe Schlachten geschlagen,
von denen einige mehrere Tage dauern. Hervorragende Fhrer, seemnnisch
tchtige und tapfere Besatzungen waren auf beiden Seiten vorhanden;
gerade auch in Holland wurde stets wieder mit uerster Anspannung
gerstet. Wenn dieses schlielich doch unterlag, so war es eine Folge
seiner schon mehrfach erwhnten Schwchen: der minderwertigen Schiffe,
des weniger geschulten und weniger disziplinierten[138] Personals
(namentlich auch vieler Kommandanten), kurz, der mangelhafteren
eigentlichen Kriegsmarine, sowie des Umstandes, da Holland in seiner
greren Handelsflotte einen gnstigeren Angriffspunkt bot und schwerer
geschdigt werden konnte. Dieser Umstand war weit wichtiger als die
anderen Schwchen. Die Beschtzung des Handels, der whrend des Krieges
nicht, wie es spter geschah, aufgegeben wurde, hinderte die hollndische
Leitung strategisch und oft auch taktisch; der unmittelbare Verlust an
Vermgen und die Unterbindung der Lebensbedingungen zwangen Holland zum
Frieden.

  [138] Als ein krasses Beispiel der Unbotmigkeit in der hollndischen
        Marine sei noch erzhlt, da, als 1652 der beliebte Admiral Tromp
        durch den unbeliebten de Witt im Oberbefehl ersetzt wurde, das
        bisherige Flaggschiff Brederode sich weigerte, de Witt an Bord
        zu nehmen; er war gentigt, seine Flagge auf einem anderen
        Schiffe zu heien.

Eine $Strategie$[139], die eine dauernde Beherrschung des
Kriegsschauplatzes zum Ziele hat, finden wir zunchst auch in diesem
Kriege noch nicht. Im ersten Jahre geschehen auf beiden Seiten nur und
unter Hintansetzung aller anderen Rcksichten groe Unternehmungen, um
den feindlichen Handel zu schdigen oder den eigenen zu schtzen, und
auch dieses nur, wenn eine besondere Gelegenheit, wie die Fahrt eines
groen Konvois, dazu herausfordert; nebenher schwrmen zahlreiche Kreuzer
und Kaper im kleinen Kriege gegen vereinzelte Handelsfahrzeuge. Es werden
denn auch von den ersten vier Schlachten drei durch den Angriff
englischerseits auf einen Konvoi hervorgerufen, den Holland schtzt und
verteidigt (Plymouth; Dungeness; Portland); hnliche Zusammenste
hindert nur der Zufall (Shetlands, August 1652; hollndische Kste, Mai
1653).

  [139] Colomb, Kap. II, The struggle for the command of the sea
        bespricht die Strategie im ersten Kriege nach folgender
        Disposition: Ein wirklicher Seekrieg kann gefhrt werden, wenn
        gengend Eigentum auf dem Meere liegt, um dem Verluste eine
        ernste Bedeutung zu geben, und wenn seefhige Schiffe zum Angriff
        vorhanden sind. -- Der Seehandel kann unmittelbar angegriffen und
        verteidigt werden, wie im ersten Abschnitt dieses Krieges; er
        kann vernichtet werden, nachdem zunchst die Seeherrschaft durch
        Niederkmpfung der feindlichen Flotte errungen ist, wie im
        spteren Abschnitt. -- Mit einzelnen Siegen aber wird die
        Seeherrschaft nicht dauernd errungen, wenn die besiegte Macht
        nicht auch vernichtet ist. Die Siege, die von beiden Parteien
        errungen sind, waren nur Schritte auf dem Wege zur Seeherrschaft;
        der Kampf um diese war beim Friedensschlusse noch nicht beendet.

        Wir folgen im groen ganzen dieser Disposition.

Die Flotten beider Staaten waren ungefhr gleich stark. Da jedoch der
hollndische Handel grer und infolge seiner Wege mehr gefhrdet war,
brauchte er die Seestreitkrfte Hollands ganz zu seinem Schutze; England
mit seinem kleineren und infolge seiner geographischen Lage vom Feinde
weniger bedrohten Handel konnte freier ber seine Flotte verfgen. So
wurden die Englnder im allgemeinen die Angreifenden, die Hollnder sahen
sich in die Defensive gedrngt. Aber zunchst beschrnkten sich die
Englnder darauf, den feindlichen Handelsschiffen in den englischen
Gewssern, die sie passieren muten, aufzulauern; es werden deshalb alle
Schlachten dieses Abschnittes an der englischen Kste geschlagen, selbst
wo die Hollnder ohne Konvoi den Feind suchen, um den Weg frei zu machen
(Kentish Knock).

Wir finden auch in dieser ersten Zeit des Krieges nie die strategische
Ausnutzung eines Sieges; stets begngt man sich auf beiden Seiten mit dem
augenblicklichen Erfolge und erhlt sich damit eine stndig drohende
Gefahr vor Rckschlgen, die auch oft genug eintreten. Der Gedanke,
zunchst die feindliche Kriegsflotte vom Meere zu vertreiben, dadurch den
eigenen Handel frei zu machen und den feindlichen vllig lahm zu legen,
bricht sich aber im Verlaufe des Krieges Bahn; es wird damit dann die
Kriegfhrung krftiger offensiv. So suchen sich die Gesamtstreitkrfte
beider Staaten im Juni 1653 zur Entscheidungsschlacht (Northforeland) auf
und England trgt, als es im allgemeinen das bergewicht gewonnen hat,
berhaupt den Krieg an die feindlichen Ksten. Nachstehendes mge dies
veranschaulichen.

=Rckblick auf den Krieg.= Die erste Maregel Englands war die Entsendung
Blakes mit der Hauptmacht gegen die hollndische Fischerei und Schiffahrt
in der Nordsee, Ayscue wird nur mit schwachen Krften berufen, die
Sicherung der Themse zu bernehmen. Der Gefahr durch die ganze feindliche
Flotte, der dadurch Ayscue und die Holland naheliegenden englischen
Ksten ausgesetzt wurden, scheint man sich gar nicht bewut gewesen zu
sein. Tromp macht aber auch nur einen schwachen Versuch, Ayscue zu
vernichten; als ihm dies nicht leicht gelingt -- allerdings berschtzte
man damals noch den Wert von Landbefestigungen Schiffen gegenber sehr
--, gibt er den Plan auf und folgt Blake bis zu den Shetlands, in erster
Linie doch nur, um hollndisches Eigentum zu verteidigen. Ungnstiges
Wetter verhindert den Zusammensto. Nach Blakes Rckkehr sendet man
Ayscue wieder nach dem Westen des Kanals, anstatt mit beiden Flotten
gemeinsam die Hollnder anzugreifen, wozu sich eine so gnstige
Gelegenheit bot, da Tromps Flotte schwer gelitten hatte. So gelingt es
Ruyter, einen Konvoi wohlbehalten durch den Kanal zu fhren, den nur etwa
gleichstarken Ayscue bei Plymouth mit Erfolg abzuwehren und den heimwrts
bestimmten Konvoi zurck zu geleiten.

[Illustration: Schauplatz des ersten englisch-hollndischen Krieges
1652-1654.]

De Witt, an Tromps Stelle zum Oberkommando berufen, macht nun zum ersten
Male den Versuch, eine grere Entscheidung durch einen Angriff auf die
Hauptmacht des Feindes herbeizufhren; Kentish Knock wird geschlagen,
ohne da es sich um einen Konvoi handelt. Die Nebenumstnde lassen aber
vermuten, da de Witt mehr unter dem Antriebe, etwas Bedeutendes zu
leisten, gehandelt hat, als infolge strategischer Einsicht. Die
hollndische Regierung verfolgte diese Art der Kriegfhrung jedenfalls
nicht weiter, sondern ordnete auch fernerhin wieder nur die Begleitung
groer Konvois durch die Kriegsflotte an. Aber auch die Englnder ntzen
ihren Sieg nur in altem Sinne aus durch Aufbringen feindlicher
Kauffahrer. Wenn auch der hereinbrechende Winter ihren Schiffen den
Aufenthalt an der feindlichen Kste unmglich machte, man sich wenigstens
noch nicht zu bleiben getraute, und wenn man auch vom Feinde bei der
vorgerckten Jahreszeit nichts Ernstliches mehr erwartete, so durfte doch
die englische Flotte nicht zersplittert werden, wie es geschehen ist. Man
berschtzte den Erfolg einer einzelnen siegreichen Schlacht, die
allerdings fr den Augenblick die Herrschaft ber die See gebracht hatte.
Diese Kurzsichtigkeit fhrte zur Niederlage Englands bei Dungeness.

Tromp verfllt nach dieser Schlacht derselben irrigen Auffassung. Schon
sein Angriff entsprang nur der Absicht, seinen Konvoi sicher weiter zu
fhren und die sich bietende gnstige Gelegenheit einem schwcheren
Feinde gegenber zu benutzen. Anstatt nach dem Siege dahin zu streben,
den geschlagenen Feind gnzlich zu vernichten -- die Position in den
Downs war nach Abbruch der behelfsmigen Batterien nicht mehr so stark
--, berhaupt die Offensive den getrennten englischen Geschwadern im
Kanal gegenber aufrecht zu erhalten, beschrnkt er sich auf die
defensive Aufgabe, seinen Konvoi nach R zu geleiten und einen
heimkehrenden zurckzufhren. Whrend seiner Abwesenheit geht die
hollndische Herrschaft ber den Kanal schnell wieder verloren, England
hat Zeit, seine Krfte zu sammeln und ihm bei seiner Rckkehr (bei
Portland) entgegenzutreten. Den Zusammensto bei Portland htte Tromp mit
dem gnstigen Winde vielleicht vermeiden knnen; er tat es wohl nicht,
weil er der Bestndigkeit des Windes sowie der Segelfhigkeit vieler
seiner Kauffahrer nicht vertraute und daher frchtete, von den Englndern
auf dem Marsche eingeholt und angegriffen zu werden, wie sie es ja auch
bei der Verfolgung nach der Schlacht mit groem Erfolge taten. Eine
weitere Ausnutzung des Sieges wagen aber die Englnder wiederum mit
Rcksicht auf die Jahreszeit nicht.

Im letzten Abschnitt des Krieges wird nun Tromp noch einmal beordert,
Kauffahrer auswrts und heimwrts zu geleiten (Mai 1653). Jetzt aber
erwarten die Englnder den Feind nicht mehr in ihren eigenen Gewssern,
sondern versuchen, schon die Sammlung der Kriegs- und Handelsschiffe an
der hollndischen Kste zu verhindern. Sie kommen zwar zu diesem Zwecke
zu spt und begngen sich mit Aufbringen von Kstenfahrern und
Alarmierung der Ksten, immerhin war es eine bedeutsame Erweiterung der
Offensive. berhaupt zeigen sich die Englnder von jetzt an mehrfach
unmittelbar vor den feindlichen Hfen (Ende Mai, Anfang Juni 1653) und
halten in den eigenen Gewssern ihre Flotte der feindlichen Kste nher
(Yarmouth, Juni). Als nun auch Tromp nach seiner Rckkehr zur Offensive
bergeht, indem er zunchst den Vorsto gegen die Downs macht und dann
die englische Hauptmacht sucht, kommt es am 12.-13. Juni 1653 zur
Schlacht bei Northforeland-Nieuport, zum Kampf der Gesamtkrfte beider
Staaten, ohne da ein Konvoi den Anla gegeben hat. Nach dieser Schlacht
nutzen die Englnder den Sieg aus, indem sie den Feind bis vor seine
Hfen verfolgen und dann die feindliche Kste unter Blockade halten; ja,
zu diesem Zwecke bessern und rsten sie zum ersten Male dort ihre Flotte
aus und kehren dazu nicht wie bisher nach jeder greren Schlacht in die
heimischen Hfen zurck. Der Ausfall Tromps, um die Blockade aufzuheben,
fhrt zur Schlacht bei Scheveningen dicht an der hollndischen Kste (10.
August). Trotz ihres taktischen Sieges hier muten die Englnder die
Blockade aufgeben, da auch sie zu sehr geschwcht waren. Da sie dann
spter den Krieg nicht wieder tatkrftig aufnahmen, ja, sogar mit
geringeren Streitkrften als die Hollnder auftraten, wird auf Cromwells
Neigung zum Frieden zurckzufhren sein.

Beim Friedensschlu war der Kampf um die Seeherrschaft noch nicht
entschieden, die hollndische Flotte war keineswegs niedergekmpft; nicht
sowohl militrische Grnde als die allgemeine Erschpfung und die
Volksstimmung zwangen Holland, Frieden zu schlieen. Da aber die
Kriegfhrung im allgemeinen energischer geworden ist, beweist wohl auch
die Tatsache, da beide Nationen, abweichend vom bisherigen Brauch,
versuchen, im Herbst 1653 eine Flotte bis in den Winter hinein stndig
auf See zu halten; der erste schwere Wintersturm zeigt dann allerdings,
da die damaligen Schiffe dem noch nicht gewachsen waren.

Der Verlauf dieses Krieges lehrt, da zur Erreichung groer Ziele auf
oder ber See -- hier die vllige Lahmlegung des feindlichen Handels, der
Schutz des eigenen -- die =unbestrittene Beherrschung der See durch
Niederkmpfen der feindlichen Seestreitkrfte= ntig ist. Die Englnder,
von Anfang an mehr auf die Offensive hingewiesen und weniger an ihrer
Durchfhrung behindert, tragen zuerst diesem Grundsatz Rechnung. Whrend
sie in der ersten Hlfte des Krieges nur auf mglichst starke Schdigung
des Handels, nicht auf schleunigere Beendigung des Krieges hinzielen,
richten sie in der zweiten Hlfte ihre Ste mehr gegen die Streitkrfte
des Feindes. Aber auch die Hollnder versuchen gegen das Ende, zunchst
die feindliche Kriegsflotte aus dem Felde zu schlagen. Sie geben dann in
den spteren Kriegen ihren Handel ganz auf, weil sie eingesehen haben,
da ihre Krfte nicht ausreichen, gleichzeitig diesen zu schtzen und um
die Seeherrschaft zu ringen. Der Kampf der Seestreitkrfte miteinander
tritt in den Vordergrund.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Viertes Kapitel.

                         Nebenkriege 1654-1665.

        $England-Spanien 1654-1659. Holland-Portugal 1656-1661.$

      $Schweden-Dnemark 1655-1660. Frankreich-Spanien 1635-1659.$

Vor der Schilderung des nchsten groen Seekrieges zwischen England und
Holland mssen wir uns mit einigen Nebenkriegen beschftigen, in denen
die Flotten dieser Staaten eine Rolle spielen.

$England$[140] befand sich nach dem Frieden von Westminster und nach dem
Abschlu des franzsischen Handelsvertrages mit allen Vlkern im Frieden,
es hatte berall seinen Willen erreicht (Seite 229). =Cromwell= jedoch
wnschte einen auswrtigen Krieg, um die Aufmerksamkeit des Volkes von
der inneren Politik -- der gegen ihn gerichteten Bestrebungen der
strengen Republikaner und der Royalisten -- abzulenken; er brach einen
$Krieg mit Spanien$ vom Zaune. Reibungen mit diesem Staate hatten in
Westindien nie aufgehrt, da England hier seinen Einflu und seine
Besitzungen zu erweitern fortfuhr und Spanien dies mit den alten
grausamen Mitteln zu vereiteln suchte. So war gerade dieser Krieg von
religisem und kommerziellem Standpunkte aus volkstmlich; er versprach
auerdem reiche Beute.

  [140] Nheres Clowes, Teil II, Seite 201; Zimmermann, Band II,
        Seite 136.

Schon im Sommer 1654 wurde die Ausrstung zweier Flotten betrieben; ihr
Zweck ward streng geheim gehalten, so da man sowohl in Frankreich wie in
Spanien in Erwartung eines gegen sich gerichteten Unternehmens stand.

=Penn= erhielt den Befehl ber eine dieser Flotten: 18 Kriegsschiffe -- 1
zu 60, 4 zu 54, 3 zu 44, 3 zu 40, 2 zu 36, 4 zu 30 Kanonen --, 20
Transporter. Die kleineren Kriegsschiffe und die Transporter waren
vorzugsweise mit Soldaten bemannt, deren insgesamt 3000 Mann unter
General =Venables= eingeschifft waren. Die Expedition segelte am
Weihnachtstage 1654 nach Westindien, ihr Erfolg war die $Eroberung
Jamaicas$.

  Auf Barbados und anderen englischen Besitzungen wurde die Strke der
  Landtruppen nahezu verdoppelt und ein Landungskorps von Matrosen unter
  dem Vizeadmiral der Flotte formiert. Am 31. Mrz 1655 verlie die
  Expedition Barbados und landete am 13. und 14. April 7000 Mann auf
  Haiti in der Nhe der Stadt Domingo unter Venables Befehl, Penn mit
  der Flotte als Rckhalt. Am 25. wurde jedoch das Landungskorps mit
  einem Verlust von 1700 Mann vllig geschlagen, die gnzliche
  Vernichtung soll nur das Matrosenkorps verhindert haben. Die
  Landoffiziere gaben nun weitere Unternehmungen hier auf, weil sie ihren
  Truppen, Strafgefangenen und unzuverlssigen kniglichen Soldaten,
  nichts zutrauten.

  Um nicht ganz ohne Erfolg heimzukehren, wandte sich die Expedition nach
  =Jamaica= und eroberte in wenig Tagen, 10.-17. Mai, die schwach
  kolonisierte und nur von einer Miliz verteidigte Insel. Diese blieb von
  jetzt an in englischem Besitz, wenn auch Spanien verschiedene
  Wiedereroberungsversuche machte und die in die Berge geflchteten
  spanischen Kolonisten mit ihren Negersklaven lange noch einen
  Guerillakrieg gegen die Englnder fhrten.

  Die Landtruppen auf der Insel und einige Schiffe auf der westindischen
  Station, behufs Schdigung der Spanier, zurcklassend, kehrte Penn nach
  England heim; er wie Venables kamen wegen des Mierfolges auf Haiti
  trotz der wichtigen Eroberung Jamaicas auf kurze Zeit in den Tower.

Die zweite Flotte unter =Blake= segelte am 29. September 1654 nach dem
=Mittelmeer=. Sie bestand aus 25 Segeln: 1 zu 60, 2 zu 54, 3 zu 50, 1 zu
46, 2 zu 40, 4 zu 36, 2 zu 34, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 22 Kanonen und 5
kleineren.

Blake hatte den Befehl, vorlufig nichts gegen Spanien zu unternehmen.
Der Krieg war ja noch nicht erklrt und man wollte die Abfahrt der
spanischen Silberflotte nicht stren, um sie womglich in die Hnde Penns
fallen zu lassen -- Penns Expedition geschah wieder einmal nach dem alten
Grundsatz: Kein Frieden gilt unter der Linie, d.h. in auereuropischen
Gewssern --, im Gegenteil, es sollte den Anschein haben, als ob die
Flotte Blakes nur zum Nutzen Spaniens wirke, indem sie gegen die
Barbaresken vorging. Ihre erste Tat war auch die in ihrer Art berhmte
$Vernichtung einer tunesischen Flotte unter den Befestigungen von Tunis$.

  =Blake= machte zunchst eine Demonstration gegen den Papst und gegen
  den Herzog von Livorno wegen ihrer Untersttzungen des Prinzen Ruprecht
  nach der Revolution und der Hollnder im ersten Kriege. Spter ging er
  nach Tunis, wo eine Flotte fr den Sultan ausgerstet wurde. Am 4.
  April 1655 griff er diese, neun noch ungetakelte aber armierte Schiffe,
  unter den Kanonen der Forts von Porto Farina an, die =erste groe Tat
  dieser Art=, wie er uns schon als erster Angreifer von
  Landbefestigungen aus den Operationen gegen die knigstreuen
  Kanalinseln bekannt ist (Seite 198). Er teilte seine Flotte in zwei
  Divisionen und schickte die leichten Schiffe gegen die feindlichen
  Fahrzeuge, die schweren gegen die Forts. Seine schweren Schiffe nahmen
  trotz des heftigsten Feuers in vollster Ordnung ihre Pltze ein und
  kmpften vermge ihrer guten artilleristischen Ausbildung die Forts
  nieder, dann wurden die feindlichen Schiffe durch die armierten Boote
  genommen.

Mittlerweile war =Penns= Auftreten in Spanien bekannt geworden, und nun
erhielt =Blake= den Befehl, die spanischen Ksten zu blockieren, um die
Silberflotte abzufangen und das Entsenden von Verstrkungen nach
Westindien zu hindern. Der Zustand der Schiffe und seine eigene
Gesundheit zwangen ihn jedoch, im Oktober nach England zurckzukehren.

Dem Abschlu des Friedens und des Handelsvertrages mit Frankreich 1655
lie England bald ein Bndnis mit diesem Staate, der im Kriege mit
Spanien war, folgen. Nun wurde auch englischerseits der Krieg erklrt;
er sollte die letzte groe Tat Blakes, die $Vernichtung der Silberflotte
vor Teneriffa, 1656$, bringen.

  Im Frhjahr 1656 fhrte =Blake= eine groe Flotte an die spanische
  Kste und hielt dort trotz seiner gebrochenen Gesundheit ein Jahr die
  Blockade aufrecht. Einige seiner Schiffe brachten zwei Fahrzeuge der
  spanisch-westindischen Flotte auf, so reich beladen, da der Transport
  der Beute an Gold, Silber und Juwelen von Portsmouth nach London 38
  Wagen erforderte. Im Frhjahr 1657 erhielt Blake die Nachricht von der
  Heimkehr einer neuen Silberflotte, er ging ihr entgegen und traf sie in
  =Sta. Cruz auf Teneriffa=. Die Spanier waren auf den Angriff
  vorbereitet, hatten die Schtze gelandet, die Befestigungen verstrkt
  und die Schiffe zur Rckfahrt nach Westindien klargemacht. Zur eigenen
  und der Stadt Verteidigung waren 10 Schiffe im Halbkreis lngs der
  Bucht nrdlich von der Stadt verankert, die 6 schwersten Galeonen
  dagegen vor diesen in Linie vermoort, was ein Fehler war, denn sie
  maskierten das Feuer der anderen 10 Schiffe.

  Die Windverhltnisse der Rhede von Sta. Cruz sind einem Angriff unter
  Segel sehr ungnstig. Entweder weht ein unbestndiger Landwind, der
  angreifende Schiffe der Gefahr aussetzt, bekalmt[141] zu werden, oder
  eine gleichmige frische Seebrise, die wieder ein Abbrechen des
  Gefechts schwierig, fr beschdigte Schiffe fast unmglich macht. Um so
  khner war Blakes Plan: Mit Seewind und Flut anzugreifen, die Schiffe
  zu zerstren und dann mit der Ebbe wieder das freie Wasser zu gewinnen.
  Er gelang. Der Admiral selber beschftigte die Befestigungen nrdlich
  und sdlich von der feindlichen Flotte, sein Vizeadmiral ankerte querab
  der Galeonen, setzte diese auer Gefecht und enterte sie. Als nun die
  Forts ihr Feuer auf die Prisen richteten, lie Blake diese und auch die
  kleineren Schiffe in Brand setzen. Das Glck begnstigte das
  Unternehmen. Als die Ebbe einsetzte, kam eine sonst seltene, stetige
  Landbrise auf und fhrte die englischen Schiffe sicher von der Rhede;
  sie hatten zwar nur 40 Tote und 110 Verwundete gehabt, waren aber doch
  stark beschdigt. Wenn auch keine Beute gemacht werden konnte, so war
  doch der Verlust der Spanier durch Vernichtung der ganzen Flotte gro.

  [141] Durch die Nhe des Landes in Windstille zu geraten.

Blake hatte hier wiederum gezeigt, da Schiffe mit Erfolg
Kstenbefestigungen bekmpfen konnten; schon Schriftsteller seiner Zeit
bezeichnen ihn als den ersten Fhrer, der solches gewagt habe. Er starb,
nachdem er noch bis zum Juli die Blockade an den spanischen Ksten
geleitet hatte, auf der Rckreise nach England am 7. August 1657
unmittelbar vor dem Einlaufen in Plymouth.

Die $Geschichte Englands$ bietet nun $bis 1665$ besonderes nicht mehr.
Die spanischen Ksten wurden weiter blockiert. Die englische Flotte
untersttzte durch Blockade die Wegnahme =Dnkirchens= durch die
Franzosen 1658. Die Stadt fiel nach dem Pyrenischen Frieden 1659 laut
Vertrag an England, doch verkaufte sie Karl II. 1662 an Louis XIV.; ein
ungeheurer Fehler, denn sie wurde ein wichtiger Sttzpunkt fr die
Franzosen, besonders spter fr den Freibeuterkrieg gegen England.

Die Jahre 1658 und 1659 brachten =Flottendemonstrationen nach der
Ostsee=, wo England, Holland und Frankreich bestrebt waren, weder
Dnemarks noch Schwedens Macht zu gro werden zu lassen, sich aber auch
gegenseitig eiferschtig beobachteten (schwedisch-polnischer Krieg). Im
Anfang der sechziger Jahre endlich wurden weitere Expeditionen gegen die
=Barbaresken= sowie zur Einsetzung der englischen Macht in =Tanger=, das
als Mitgift seiner portugiesischen Gemahlin an Karl II. (wie auch Bombay)
gefallen war, bernommen. 1660 fhrte ein Geschwader unter Montagu den
Knig =Karl= II. von Holland nach =England= hinber; in der Marine waren
Montagu, Lawson und Penn die Hauptfrderer der kniglichen Sache gewesen.

$Holland.$[142] Nachdem im ersten englisch-hollndischen Kriege die
Englnder das Mittelmeer gerumt hatten, waren auch die hollndischen
Seestreitkrfte dort sehr vermindert. Infolgedessen nahm der Seeraub
durch die =Barbareskenstaaten= wieder berhand; kleinere Flotten
derselben schlossen fast die Strae von Gibraltar und dehnten ihre Zge
bis zur portugiesischen Kste aus. Nach dem Friedensschlu wandte sich
auch Holland, wie England, gegen dieses Unwesen und =Ruyter= fhrte in
den Jahren 1654-1657 mit Erfolg drei Zge dorthin.

  [142] Hauptquellen: De Jonge, Teil I; Vie de Tromp; Leben Ruyters,
        in beiden letzten genaue Beschreibung der Zge nach Mittelmeer,
        Portugal und Ostsee.

$1656 erklrte Holland den Krieg an Portugal$, nachdem es vergeblich die
Rckgabe seiner frheren Besitzungen in Brasilien und Westafrika sowie
eine groe Geldentschdigung verlangt hatte. Noch in demselben Jahre
wurde eine Flotte unter dem Leutnantadmiral =Wassenaer= zur feindlichen
Kste gesandt, die, als Ruyter vom Mittelmeer aus zu ihr gestoen war,
aus 28 Segeln bestand. In drei Geschwader geteilt, blockierte sie die
Ksten und brachte viele reiche Kauffahrer, besonders Zuckerschiffe aus
Brasilien, auf; 1658 fhrte =Ruyter= 22 Schiffe, alle von der Admiralitt
Amsterdam gestellt, zu gleichem Zweck dorthin. Zum Schlagen kam es nie,
da die portugiesische Flotte die Hfen nicht verlie. -- Dieser Krieg
konnte jedoch berhaupt nicht mit voller Energie fortgefhrt werden, da
man bald die Seestreitkrfte im Norden ntiger brauchte; weitere
Feindseligkeiten spielten sich nur in Indien ab, bis 1661 ein Frieden
geschlossen wurde, in dem Holland gegen eine Zahlung von 8 Millionen
Gulden und freien Handel in allen portugiesischen Kolonien auf Brasilien
und die strittigen Punkte in Westafrika verzichtete.

Im Norden spielte sich seit 1655 der
$schwedisch-polnisch-brandenburg-dnische Krieg 1655-1660$ ab, in den
Holland ttig eingriff, weil es die Erfolge Schwedens mit Besorgnis fr
seinen so wichtigen Ostseehandel ansah. Wie immer ein Freund der
schwcheren Macht in der Ostsee -- wir sahen es auf seiten Dnemarks
gegen die Hansa, dann auf seiten Schwedens gegen Dnemark --, trat
Holland jetzt auf seiten Dnemarks.

  $Der schwedisch-polnische Krieg$:[143] Die Kmpfe um die Herrschaft in
  der Ostsee, das Erstarken Schwedens in ihnen haben wir bis 1648
  verfolgt (Seite 110). 1655 griff =Karl X. Gustav= von Schweden den
  Knig =Johann Kasimir= von Polen, der Ansprche auf die Thronfolge in
  Schweden erhob, von Pommern und Litauen aus an. Da ein Teil der Polen
  zu ihm berging, hatte er zunchst groen Erfolg; nach kurzer Zeit war
  fast ganz Polen in seiner Hand, und der Kurfrst von Brandenburg zur
  Neutralitt gezwungen. 1656 wurde auch Westpreuen bis auf die Stadt
  =Danzig=, die von einer hollndischen Flotte geschtzt wurde, erobert.
  Durch Wiederabfall der Polen gefhrdet, gewann der Schwedenknig sich
  den Beistand Brandenburgs und erfocht mit ihm den glnzenden =Sieg bei
  Warschau= 28./30. Juli 1656.

  [143] Genaueres ber die Ttigkeit der nordischen Flotten in den auf
        Seite 44 u. 109 gegebenen Quellen. ber ihre Strke um 1655
        vergl. Seite 148.

  Nun aber trat ihm eine Liga von Ruland, dem Kaiser und Dnemark
  entgegen, der sich spter auch Brandenburg anschlo. Dnemark glaubte,
  diese Gelegenheit benutzen zu knnen, um die Verluste des Friedens von
  Bromsebr 1645 wieder gut zu machen.

  Karl Gustav warf sich mit aller Kraft auf Dnemark. Seine Flotte wurde
  zwar zunchst von der dnischen in Schach gehalten, aber mit der Armee
  eroberte er ber Pommern, Mecklenburg, Holstein, schlielich im Januar
  1658 ber die gefrorenen Belte vordringend, Fnen, Langeland, Laaland,
  Moen, ging nach Seeland ber und belagerte, nun auch von der Flotte
  untersttzt, Kopenhagen.

  So erzwang er den $Frieden von Roeskild$, 26. Februar 1658, worin
  Dnemark die Provinzen Bleckingen, Schonen, Halland, Bohusln,
  Drontheim, sowie die Insel Bornholm abtrat und dem Vorschlage
  beistimmte, gemeinsam mit Schweden den Sund fr fremde Kriegsschiffe zu
  schlieen. Schweden war zum Frieden geneigt geworden, weil ein
  polnisch-brandenburg-kaiserliches Heer Dnemark zu untersttzen drohte.

  Die Sperrung des Sundes durchzufhren, zeigte sich aber Dnemark nicht
  gewillt, wozu es wohl durch Holland und England in deren eigenem
  Interesse bewogen oder gar gentigt wurde. Da griff =Karl Gustav= im
  August 1658 unversehens aufs neue an. Nach den schnellen Erfolgen des
  vorigen Feldzuges hoffte er wohl durch vllige Niederwerfung Dnemarks
  den alten Gedanken der Kalmarischen Union jetzt verwirklichen zu
  knnen. Er bemchtigte sich Korsrs und belagerte wiederum
  =Kopenhagen=, von den anderen Inseln waren seine Truppen noch gar nicht
  zurckgezogen. Die Stadt verteidigte sich tapfer und wurde durch die
  blutige =Schlacht im Sunde= von einer hollndischen Flotte wenigstens
  auf der Seeseite entsetzt; die Belagerung zu Lande dauerte fast bis zum
  Friedensschlusse.

  Im weiteren Verlaufe des Krieges (1659) eroberten die festlndischen
  Verbndeten Dnemarks: Pommern, Schleswig-Holstein, Jtland, Alsen,
  Fnen (Nyborg 14. November); an dieser letzten Waffentat nahm wiederum
  eine hollndische Flotte groen Anteil.

  =Holland=, =England= und =Frankreich=, die keine der beiden Mchte in
  der Ostsee zu stark werden lassen wollten, hatten sich im =Haager
  Konzert=, Mai 1659, vereinigt, um Frieden zu vermitteln. England und
  Frankreich war der von Holland im Norden erlangte Einflu zu bedeutend
  geworden, und so mischten auch sie sich krftiger ein, sobald die
  Aussicht auf Frieden mit Spanien ihnen freiere Hand lie. Die
  Vermittlung blieb bei der Hartnckigkeit des Schwedenknigs lngere
  Zeit ohne Erfolg und eine schnellere kriegerische Entscheidung durch
  die hollndische Flotte auf seiten Dnemarks wurde wieder durch die
  Anwesenheit einer englischen Beobachtungsflotte und durch die
  diplomatische Vertretung Frankreichs gehindert. Erst nach dem Tode
  Karls X. Gustavs, im Februar 1660, kam es im Juni 1660 zum $Frieden von
  Kopenhagen$ zwischen Dnemark und Schweden (im Mai schon zu Oliva
  zwischen Schweden und Brandenburg-Polen). Die Bedingungen fr das
  geschlagene Schweden waren sehr gnstig: dieselben, die das siegreiche
  im Frieden von Roeskild errungen hatte; nur blieben jetzt Bornholm und
  Drontheim bei Dnemark und, das Wichtige fr die Vermittler, die
  geplante Sundsperre fiel weg.

  =Schweden= hatte seine Grenzen endgltig an den Sund und an das
  Kattegat gerckt, hatte die Mitherrschaft ber die Einfahrt in die
  Ostsee errungen, ja, war die =erste Macht in der Ostsee= geworden.

Die $Beteiligung der hollndischen Marine$ an diesem Kriege ist sehr
bedeutend, whrend die zur Ostsee entsandten englischen Flotten nirgends
ttlich eingriffen. In der ersten Zeit des schwedisch-polnischen Krieges
verstrkte Holland nur den Schutz seiner Handelsschiffe in der Ostsee,
als aber Karl X. Gustav 1656 =Danzig= bedrohte und man frchtete, da
diese Kornkammer geschlossen, sowie Ein- und Ausfuhr im Osten zu sehr von
den Schweden abhngig werden knnte, beschlo man einzugreifen, um wie
elf Jahre vorher zur Erhaltung des Gleichgewichtes in der Ostsee
beizutragen. Der Leutnantadmiral =Wassenaer=,[144] unter ihm Ruyter als
Vizeadmiral, fhrte eine groe Flotte nach Danzig, deren Erscheinen im
Juli 1656 die Stadt vor der bergabe rettete und die hollndischen
Handelsverhltnisse vorlufig sicherstellte, bis Dnemark im
unglcklichen Frieden von Roeskild gezwungen wurde, dem Vorschlage
Schwedens, fr fremde Kriegsschiffe den Sund zu sperren, beizustimmen.

  [144] Nach dem Tode Tromps in der Schlacht von Scheveningen wurde
        =Jakob van Wassenaer=, Heer van Opdam, ein Kavallerieoffizier von
        hoher Geburt, zum Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland
        ernannt. Die drei Provinzen von Holland wagten nicht, ihren
        nchstltesten Vizeadmiral Witte de Witt dazu zu befrdern, da er
        zu unbeliebt bei seinen Untergebenen war. Um alle Unzufriedenheit
        durch ein bergehen zu vermeiden, whlten sie diesen Mann von
        hoher Geburt. Aus denselben Grnden den Admiralen Seelands
        gegenber besttigten die Generalstaaten Wassenaer auch in der
        Stellung als Oberbefehlshaber der Gesamtstreitkrfte, er trat
        aber als solcher whrend des ersten Krieges nicht mehr in
        Ttigkeit. Die Ernennung erregte bses Blut bei allen
        Seeoffizieren. W. selbst versuchte den Posten abzulehnen; spter
        wurde ihm, wie wir sehen werden, oft der Vorwurf gemacht, seine
        Stellung nicht richtig ausgefllt zu haben.

[Illustration: Jakob van Wassenaer.]

Zunchst griff Holland hierauf jedoch noch nicht wieder ein, hoffend, da
diese Bedingung bei Dnemarks Abneigung dagegen nicht durchgefhrt werden
wrde. Als aber nach dem neuen Angriff Schwedens 1658 die Kriegslage
sofort fr Dnemark so ungnstig stand und Karl Gustav Kopenhagen zu
Wasser und zu Lande hart bedrngte, ergriff man die =Offensive=. Wieder
fhrte =Wassenaer= eine Flotte von 35 Kriegsschiffen nach dem Sunde mit
dem Befehle: Truppen zur Untersttzung Kopenhagens zu landen,
beschlagnahmte Kauffahrer zu befreien und die schwedische Flotte bei
gnstiger Gelegenheit zu schlagen; sollten Kopenhagen und Kronenburg
schon genommen sein, sei der Sache Dnemarks nach eigenem Ermessen bis
zum Eintreffen weiterer Befehle zu ntzen.

  Die Flotte setzte sich zusammen aus: 1 Schiff zu 72 Kanonen; 1 zu 59; 1
  zu 50 -- die drei Flaggschiffe --; 10 zu 40-42; 12 zu 30-38; 8 zu
  26-28; 2 zu 22-23 Kanonen. Hierzu traten 6 Transporter zu 16-24 Kanonen
  mit 2000 Soldaten, 28 Transporter mit Proviant usw. fr die Flotte und
  fr Kopenhagen. Die Vorhut -- 11 Schiffe, 1 Brander -- fhrte
  Admiralleutnant de Witt; das Zentrum -- 13 Schiffe, 2 Brander -- der
  Flottenchef, die Nachhut -- 11 Schiffe, 1 Brander -- Vizeadmiral
  Floriszoon.

Wassenaer erschien am 3. November 1658 vor dem Sunde und mute hier wegen
widriger Winde zu Anker gehen. =Kronenburg= war bereits gefallen und der
Sund hinter der Linie Kronenburg-Helsingborg durch die schwedische Flotte
gesperrt. Diese unter dem Admiral =Karl Gustav Wrangel= war in vier
gleichstarke Geschwader geteilt und bestand aus 38 (44?) Kriegsschiffen,
die den hollndischen mindestens gewachsen waren, wahrscheinlich waren
sogar mehr schwerere darunter; ein groer Teil der Schiffsbesatzungen
bestand aus englischen und deutschen Seeleuten, viele der Schweden hatten
in Holland gedient.

Am 8. November kam frischer Nordwind auf, =Wassenaer= lichtete mit
Tagesanbruch Anker und passierte zwischen den beiden Befestigungen, wider
Erwarten ohne von ihrem Feuer zu leiden, da die meisten Kugeln die Mitte
des Fahrwassers nicht erreichten -- =Karl Gustav= befand sich auf
Kronenburg und soll eigenhndig das erste Geschtz abgefeuert haben.
Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags stie die hollndische Flotte auf die
schwedische. Der Verlauf der $Schlacht im Sunde$ ist aus den sonst
ausfhrlichen Quellen nicht zu ersehen; sie geben wie blich nur die
Erlebnisse einzelner Schiffe, besonders der Flaggschiffe (Gruppentaktik).

  Anzunehmen ist, da beide Flotten in Kiellinie waren, die Schweden
  beim Winde den Feind erwartend, und da die Hollnder durch
  Einbrechen in die feindliche Linie sofort die Melee herbeifhrten, wie
  wir es meist bei ihnen sahen. Kurze Andeutungen scheinen dies zu
  besttigen: de Witt luft bei der feindlichen Vorhut vorbei, ohne ihr
  Feuer zu erwidern, und greift den feindlichen Oberbefehlshaber an.
  Gleich darauf erscheint Wassenaer an derselben Stelle, und de Witt
  finden wir im Kampf mit dem feindlichen Vizeadmiral. Diese beiden
  Gegner treiben mit dem Strom auf Grund, de Witt wird von einer Anzahl
  Feinde umringt, enfiliert, geentert, ohne Hilfe zu erhalten, und fllt
  mit dem Degen in der Faust. Wassenaer setzt Wrangel auer Gefecht
  (Ruderhavarie), der sich unter Kronenburg zurckziehen mu, wird aber
  selbst hart bedrngt und erhlt erst spter Entsatz. Besonders
  hervorgehoben wird, da berall die hollndischen Flaggschiffe am
  krftigsten angegriffen werden; auch Floriszoons Schiff ist lngere
  Zeit in groer Gefahr, er selber fllt. Es scheint also, als ob die
  Schweden ihre Ordnung besser bewahrt, ihre Schiffe besser
  zusammengehalten haben, vielleicht untersttzt durch Kenntnis des
  Fahrwassers und der Stromverhltnisse. Schlielich mu aber doch die
  grere Kriegstchtigkeit der Hollnder den Ausschlag zu ihren Gunsten
  gegeben haben.

Der Kampf endete mit dem Siege der Hollnder. Der Verlust der Schweden
war: 3 Schiffe genommen, 8 vernichtet, 1000 Tote, 450 Gefangene; die
Hollnder verloren nur das Schiff de Witts (die alte berhmte
Brederode; sie wurde geentert, sank aber spter), 400 Tote, 3 Brander.
Obgleich die Schweden nach etwa 5-6 Stunden zu Luward standen und die
Hollnder mit Wind und Strom sdlich getrieben waren, brechen jene das
Gefecht ab und gehen unter den Schutz von Kronenburg. Sie gaben also den
hollndischen Kriegsschiffen und den mit Proviant versehenen Transportern
den Weg nach Kopenhagen frei und standen zur See von der Belagerung der
Stadt ab. Von Kronenburg aus ging die schwedische Flotte, mit dem Knig
an Bord, bald darauf nach Landskrona, allerdings ihrerseits nun auch
unbelstigt durch die hollndische oder dnische Flotte.

=Wassenaer= war nach der Schlacht sundaufwrts gegangen, traf bei der
Insel Hven einen Teil der dnischen Flotte unter Admiral =Bielke=, der
durch den Nordwind am Erscheinen in der Schlacht verhindert worden war,
und ankerte an der Kste Seelands nrdlich von Kopenhagen; verschiedene
Schiffe muten zur Ausbesserung nach der Stadt. Am 9. trafen dort auch
die Transporter mit den Soldaten und Lebensmitteln ein, wodurch die
Verteidigung der Stadt wesentlich untersttzt wurde.

An einem der nchsten Tage ging =Bielke= mit seinen und einigen
hollndischen Schiffen nach Hven, um die schwedische Flotte abzufangen
oder doch in =Landskrona= durch Versenken von Fahrzeugen einzuschlieen.
Zum Abfangen kam man aber zu spt und das Einschlieen wurde auch nur
unvollkommen erreicht; ein Angriff mit Brandern wurde abgeschlagen.

  =Wassenaer= fhrte in seinem =Berichte= an, viele der Kommandanten
  htten nur lau gefochten und die Admirale im Stich gelassen, wenigstens
  nicht gengend untersttzt -- eine Klage, die wir bereits aus dem
  ersten groen Kriege kennen. Es erregte diese uerung rgernis in den
  Provinzen von Holland, besonders in Amsterdam, da doch bei etwa
  gleichen Krften ein groer Erfolg erzielt war. Wassenaer wurde deshalb
  nach seiner Rckkehr zur Rede gestellt und ihm dabei vorgehalten, er
  habe vor der Schlacht, wie doch vorgeschrieben oder blich, keinen
  Kriegsrat gehalten; seine Unterfhrer htten keine Instruktionen
  gehabt, andernfalls wrden seine Schiffe nicht so bald nach dem
  Zusammensto ber den ganzen Sund zerstreut gewesen sein und die
  Niederlage der Feinde wre eine noch weit grere geworden.

  Man nahm auch die Gelegenheit wahr, ihm eine nicht gengende Ausntzung
  des Sieges vorzuwerfen; er habe ein zweites Mal angreifen oder doch dem
  Feinde den Weg nach Landskrona verlegen mssen; wenigstens habe er
  spter die Operationen gegen genannten Hafen energischer betreiben und
  selbst leiten mssen, anstatt sogar hollndische Schiffe einem
  dnischen Admiral zu unterstellen. Die Angelegenheit verlief im Sande,
  vielleicht durch den Einflu der Generalstaaten, aber auch die
  Untersuchung gegen die angeklagten Kapitne wurde niedergeschlagen.

Man mu wohl zugeben, da die hollndische Flotte mehr htte leisten
knnen. =Aber lag dies in der Politik der Generalstaaten=? Der Wunsch,
Schweden nicht ganz niederzuwerfen, zeigt sich whrend des ganzen
Krieges, wie wir noch sehen werden; auch Dnemark sollte nicht zu mchtig
werden, nur Frieden und Gleichgewicht wollte man in der Ostsee haben. So
erhielt Wassenaer jetzt schon den Befehl, die genommenen Kriegsschiffe an
Dnemark auszuliefern, aufgebrachte Kauffahrer aber an Schweden
zurckzugeben, falls von dort das Gleiche geschhe. Im Sinne dieser
Politik war es auch, da man nach der Schlacht den Beschlu fate, zwar
noch mehr Truppen unter Bedeckung einiger Kriegsschiffe nach Kopenhagen
zu werfen, den grten Teil der Flotte jedoch aus Sparsamkeitsgrnden
zurckzuziehen. Diese Absicht wurde scheinbar nur aufgegeben, da auch
England die Entsendung einer =groen Flotte= vorbereitete. Der Transport
erschien hierdurch gefhrdet, die weitere Anwesenheit starker Krfte
anderseits ntig. England war, wie auch Frankreich, argwhnisch auf den
in der Ostsee erlangten Einflu Hollands geworden; schon 1658 hatte sich
dort ein englisches Geschwader gezeigt und 1659 ging in der Tat wiederum
eine starke Flotte (42 Segel) unter =Montagu= dahin ab, die wohl in
erster Linie die Aufgabe hatte, die Hollnder zu beobachten und
gegebenenfalls in Schach zu halten.

So sandte man denn trotz des in der Heimat auftretenden
Mannschaftsmangels -- die Hochseefischerei mute teilweise eingestellt
werden -- eine zweite starke Macht von 39 Kriegsschiffen, 3 Brandern mit
1743 Geschtzen und 7700 Mann unter =Ruyter=, der eben aus dem Mittelmeer
zurckgekehrt war, zur Verstrkung Wassenaers ab. 4000 Mann, auf einigen
Transportern meist aber auf den Kriegsschiffen eingeschifft, waren zur
Verstrkung Kopenhagens bestimmt; ein Konvoi von Kauffahrern schlo sich
an. Als Ruyter im Juni 1659 zu Wassenaer gestoen war, zhlte die
Gesamtflotte 80 Kriegsschiffe mit 12 900 Mann, ausschlielich der
erwhnten 4000 Soldaten; sie war stark genug, wenn erforderlich, der
eingetroffenen englischen Macht entgegenzutreten. Vorlufig sollte jedoch
die Flotte nicht eingreifen und auch die Truppen durften nicht
ausgeschifft werden. Im Haager Konzert war unmittelbar nach Ruyters
Abfahrt vereinbart, da zunchst nichts unternommen, sondern nur durch
die Anwesenheit der Flotten auf einen Frieden -- mit den Bedingungen von
Roeskild, aber ohne die Sundsperre -- hingewirkt werden solle. Die Frist
der Waffenruhe fr die hollndischen Streitkrfte wurde in der Folge
immer weiter verlngert, und es ist interessant, ihre Bewegungen[145]
unter steter Beobachtung der englischen zu verfolgen. Die franzsischen
Diplomaten wirkten in demselben Sinne. Die Friedensverhandlungen kamen
aber nicht vorwrts. Vor allem wollte Karl Gustav die Sundschlieung
nicht aufgeben, obgleich der hollndische Gesandte auf die Nutzlosigkeit
dieser Manahme hinwies, indem er sagte: Ich habe die Schlssel zum
Sunde (die hollndischen Kriegsschiffe) doch schon in Amsterdam liegen
sehen.

  [145] Sehr genau im Leben Ruyters; dort auch die Orders der
        Generalstaaten, der Verlauf der Friedensverhandlungen usw.

Erst als am 5. September 1659 Montagu mit der englischen Flotte nach der
Heimat abging -- unter dem Vorwande, neu ausrsten zu mssen, in Wahrheit
aber, um Monck bei Einsetzung Karls II. zu untersttzen --, kam die
hollndische Flotte wieder in Ttigkeit. Es folgen nun Operationen an der
Kste Schwedens und der Teile Dnemarks, die noch in schwedischem Besitze
waren. Sie werden grtenteils geleitet von =Ruyter=, unter ihm Cornelis
Evertsen jun., da Wassenaer Anfang November nach Abgang der Englnder
gleichfalls mit etwa 20 Schiffen zurckgezogen war, wie denn auch ein
weiterer Teil der Flotte zum Handelsschutz abgezweigt wurde.

Die erste und Hauptaktion war die Untersttzung des Angriffs der
festlndischen Verbndeten Dnemarks von Deutschland aus, der Haupterfolg
die $Eroberung Fnens mit der Stadt Nyborg 1659$.

  =Ruyter= fhrte auf seinen und den dnischen Schiffen ein dnisches
  Heer von 5200 Reitern und 4600 Mann Fuvolk unter General Schack von
  Kiel nach dem stark besetzten Fnen. Ein Teil seiner Schiffe war nach
  dem kleinen Belt gesandt worden, um die Aufmerksamkeit der Schweden
  dorthin zu ziehen und um den bergang eines
  brandenburgisch-kaiserlich-polnischen Heeres -- General von Eberstein
  mit 4000 Reitern und wenig Fuvolk[146] -- nach Fnen bei Middelfart zu
  untersttzen.

  [146] Ich erinnere daran, da seit der letzten Zeit des Dreiigjhrigen
        Krieges eine Zeitlang die Kavallerie in den Heeren hufig
        berwog, da aber ein Teil davon, die Dragoner, vorzugsweise zu
        Fu focht.

  Auf Fnen standen etwas ber 7000 Schweden, davon 4500 Reiter, unter
  dem General Steenbock und dem Prinzen von Sulzbach. Ruyter und Schack
  versuchten am 8. November vergeblich, die Landung bei Nyborg zu
  erzwingen, aber am 10. gelang es unter Ruyters persnlicher Fhrung,
  bei =Kerteminde= trotz schwedischer Schtzengrben Fu zu fassen und in
  zwei Tagen auch die ganze Reiterei auszuschiffen. Am 14. war Eberstein
  nach Fnen hinbergegangen, und beide Heere vereinigten sich am 19. bei
  =Odense=. Die Schweden wurden auf Nyborg gedrngt und am 22. unter
  schweren Verlusten aus ihrer starken Stellung eine Meile vor der Stadt
  in diese hineingeworfen; bei dem Treffen sollen sich besonders die
  Hollnder ausgezeichnet haben. Bei der nun folgenden =Belagerung
  Nyborgs= bringt die hollndische Flotte die, Stadt und Hafeneinfahrt,
  deckenden Werke zum Schweigen, legt sich zum Teil in den inneren Hafen
  und bombardiert, so da die Stadt am 25. auf Gnade und Ungnade
  bergeben werden mu und die Insel fr die Schweden verloren ist. Die
  Schweden verloren 2000 Tote und 5000 Gefangene, die Verbndeten nur 500
  Tote.

Ruyter ging dann zum Ausrsten nach Lbeck und von dort nach Kopenhagen.
Die naheliegende weitere Untersttzung, die Truppen nach Seeland zum
Entsatze der Hauptstadt berzufhren, scheint wiederum unterblieben zu
sein, um Schweden nicht zu sehr niederzuwerfen, England und Frankreich
nicht zu reizen, wenn auch als Grund die vorgerckte Jahreszeit angegeben
wurde.

=Im Winter= 1659/60 fror die Flotte vor Kopenhagen ein, und nun
untersttzte =Ruyter= die Verteidigung, da mit dem Falle der Stadt auch
seine Flotte arg gefhrdet gewesen wre; er sandte Soldaten und Matrosen
in die Werke und lie die Schiffe durch Aufhauen des Eises gegen Entern
schtzen. Vom Aufgehen des Eises bis zum Friedensschlusse erfolgten nur
noch kleinere Bewegungen zur berwachung der schwedischen Flotte, da sich
mit dem Tode Karl Gustavs die Friedensaussichten sofort gnstiger
stellten.

Die Erfolge in der Ostsee hatten den alten Ruf der hollndischen Marine,
der durch den unglcklichen englisch-hollndischen Krieg gelitten hatte,
wieder hergestellt.

In den Jahren 1661-1663 und auch 1664 wurde =Ruyter=, einmal auch Tromp
jun., ins $Mittelmeer$ gesandt. Whrend Holland im Norden beschftigt
war, hatten die Seerubereien der Barbaresken aufs neue berhand
genommen. Verschiedentlich wurden zwar Vertrge abgeschlossen oder
Vertrge erzwungen, doch wurden diese immer wieder von den Barbaresken
gebrochen. Im ersten Jahre hatte der Admiral noch den geheimen Befehl,
Spaniens Silberflotten zu schtzen, als England und Portugal mit Spanien
im Kriege waren. Es ist dies wieder ein bemerkenswertes Kennzeichen
damaliger Verhltnisse, denn eben hatte Holland mit Portugal Frieden
geschlossen. Dieser Friede wurde aber erst 1662 ratifiziert und
gegenseitige Schdigungen, sowie dadurch hervorgerufene Gewaltmaregeln
hrten selbst dann noch nicht auf. In den spteren Jahren kam es in den
spanischen Gewssern, sogar bei gemeinsamem Vorgehen gegen die
Barbaresken, schon zu Reibungen mit England, oft nur wegen
Etikettenfragen. 1664 erfolgte ein Zusammensto ernsterer Art an der
Westkste Afrikas, der mit Anla zum zweiten Kriege gab (vergl. Seite
252).

Wir mssen auch $Frankreich$[147] kurz berhren. Der =Krieg mit Spanien=,
der 1635 ausgebrochen war, als Richelieu auf seiten Schwedens in den
Dreiigjhrigen Krieg eintrat (Seite 109), wurde nach dem Westflischen
Frieden fortgefhrt. Er spielte sich zu Lande in den spanischen
Niederlanden, an der spanischen Grenze aber auch in den spanischen
Besitzungen Italiens und in den nrdlichen Provinzen Spaniens ab, da
Frankreich verschiedene Aufstnde in Katalonien, Aragonien, dem
Knigreich beider Sizilien sowie auch den Abfall Portugals fr seine
Zwecke ausnutzte. Die von =Richelieu= neu gegrndete Flotte nahm daran
lebhaften Anteil durch Untersttzung der Landheere, durch Angriffe auf
Kstenstdte und auf die feindliche Flotte, um die Verbindung Spaniens
mit seinen Nebenlndern abzuschneiden. So kam es zu verschiedenen
Gefechten nicht unbedeutender Flotten -- Kampf um die Lerinischen Inseln,
Schlachten bei Guetaria und bei Genua, Cadiz, Tarragona -- besonders
solange die franzsische Marine die unter Richelieu ([+] 1642)
erlangte Strke hatte. Bei den Kmpfen im Mittelmeer spielten zwar die
Galerenflotten die Hauptrolle; beide Nationen waren etwa gleich stark in
dieser Waffe. Es treten aber auch Flotten von Segelkriegsschiffen oder
armierten Kauffahrern auf, sowohl in der Biscaya wie im Mittelmeer; in
der Schlacht bei Cadiz 1640 soll der franzsische Admiral =de Brz=, zu
Luward stehend, sogar schon das Manver gemacht haben, durch einige
seiner Schiffe den Feind dublieren zu lassen. Doch bieten im allgemeinen
die Ereignisse nichts derart Wichtiges, um hier nher darauf einzugehen.

  [147] Du Sein, Teil II, zhlt die Gefechte auf; Chab.-Arnault etwas
        genauer.

=Der Brgerkrieg der Fronde= lhmte den Krieg gegen Spanien sehr,
besonders auch zur See, da =Mazarin= nicht mehr die ntigen Mittel fr
die Marine flssig machen konnte, und 1652 traf diese der schwere Verlust
des Geschwaders unter Vendme durch Blake (Seite 208), wodurch auch
Dnkirchen in die Hnde der Spanier fiel. Anderseits wirkte die Flotte
mit zur Unterwerfung der Fronde in Bordeaux (1649 und 1653), bei einem
letzten Aufstande in Neapel (1653) und schlug die spanische bei Barcelona
(1655). Die Macht der spanischen Marine erlahmte immer mehr, weil dieser
Staat seit 1654 mit England im Kriege war und seine Ksten blockiert
wurden. Nachdem 1657 das Bndnis mit England abgeschlossen war, wurde,
wie schon erwhnt, 1658 =Dnkirchen= mit Untersttzung der englischen
Flotte zurckerobert (durch Turenne), zunchst laut Vertrag an England
abgetreten, aber 1662 von diesem gekauft. Louis XIV. schuf hier durch
Ausbau und Befestigung des schon von den Spaniern gegrndeten
Kriegshafens einen mchtigen Sttzpunkt fr seine Seestreitkrfte. 1659
war Spanien gezwungen, Frieden zu schlieen -- den $Pyrenischen
Frieden$, ratifiziert 1661. Es verlor die Provinzen nrdlich von den
Pyrenen, sowie Teile und verschiedene wichtige Pltze seiner
Niederlande; hierdurch nherte sich das immer mchtiger werdende
Frankreich den Grenzen Hollands. Der Krieg hatte die Wichtigkeit einer
starken Marine fr Frankreich gezeigt und Louis XIV. (Colbert) wandte ihr
von jetzt ab, allerdings auch fr kolonialpolitische Ziele, die grte
Sorgfalt zu. In Hinsicht auf diese Punkte hat der franzsisch-spanische
Krieg wohl Interesse fr uns. Verwicklungen mit Holland sollten bald
eintreten und die neue franzsische Marine kam zur Geltung; vor ihrem
Auftreten im Norden erhielt sie ihre Feuertaufe in Kmpfen gegen die
=Barbaresken= 1664 und 1665.

Auf einen =venetianisch-trkischen Krieg= 1645-1669, in dem Frankreich
auftrat, soll bei spteren Kriegen zwischen diesen Staaten am Ende des
Abschnittes nher eingegangen werden.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Fnftes Kapitel.

            Der zweite englisch-hollndische Krieg 1665-1667.

$Die politische Lage um 1662. Grnde des Krieges.$ Die Betrachtung der
Nebenkriege hat uns bis in den Anfang der sechziger Jahre gefhrt und
gezeigt, da um diese Zeit in den europischen Gewssern berall Frieden
war. Aber der zweite englisch-hollndische Krieg lag in der Luft, und in
diesem trat Frankreich (sowie auch Dnemark) auf die Seite Hollands.

In $England$ war 1660 das Knigtum wieder eingesetzt. =Karl= II. stellte
die alte Regierung wieder her, Ober- und Unterhaus sowie die bischfliche
Kirche, und erstrebte den Ausgleich zwischen den Bischflichen, den
Presbyterianern und den Katholiken. Ohne feste Grundstze jedoch, lie er
sich in seiner inneren wie ueren Politik vornehmlich durch die
Geldbedrfnisse fr seine ppige Hofhaltung leiten. So war seine uere
Politik schwankend. Obgleich er von Frankreich, noch unter Mazarin, auf
Cromwells Forderung ausgewiesen war, verkaufte er doch 1662 das fr
England so wichtige Dnkirchen an Frankreich und neigte immer mehr zu
Louis XIV. hin, da dieser ihn auch sonst mit Geld untersttzte und
dadurch teilweise vom Parlament unabhngig machte.

Wenn Karl II. aber auch in erster Linie mehr auf seinen als auf Englands
Vorteil bedacht war, so gab er doch, sobald die Lage bedenklich wurde,
der Volkstimmung nach, um nicht dem Schicksal seines Vaters zu verfallen,
auch fhrte ihn sein Ha gegen Holland mit der ffentlichen Meinung
zusammen. Ihm war ein Krieg mit Holland erwnscht. Er hate das Land als
Republik, er hate die augenblickliche Regierung dort, da sie ihn auf
Cromwells Forderung ausgewiesen hatte und auch seinen Verwandten, dem
Hause Oranien, feindlich gegenberstand. Es wird ihm aber auch
nachgesagt, er habe den Krieg gewnscht, um dafr bewilligte Gelder fr
sich zu verwenden.

Die Stimmung des Volkes, wenigstens eines wichtigen Teiles, war feindlich
gegen Holland. Der erste Krieg hatte den Kampf der beiden Lnder nicht
zum Austrage gebracht. Besonders auf englischer Seite blieb die
Eifersucht auf den immer noch weit greren und trotz der Navigationsakte
weiter zunehmenden hollndischen Handel bestehen; die wichtige und
erfolgreiche Rolle, die Holland in der Ostsee gespielt hatte, konnte
England nicht vergessen. Als sich nach der Thronbesteigung Karls II. im
Innern Ruhe eingestellt hatte, trat die Neigung zur Fortfhrung des
Kampfes um die erste Stelle auf den Meeren wieder krftig hervor; an
ueren Anlssen, diese kriegerische Stimmung zu schren, fehlte es
nicht.

$Holland$ hatte sich von den Folgen des ersten Krieges erholt. Sein
Besitz in Indien war weiter gewachsen; der Handel blhte auf allen Meeren
wie nie zuvor; seine Finanzen waren geordnet. Letzteres war vornehmlich
das Verdienst =Jan de Witts=, der seit dem Tode Wilhelms II. von Oranien
whrend der sogenannten ersten statthalterlosen Zeit (1650-1672)
Ratspensionr (erster Beamter) der Provinz Holland, aber in Wirklichkeit
durch den Einflu seiner bedeutenden Gaben der oberste Leiter der ganzen
Republik war. Das erfolgreiche Auftreten in der Ostsee, die neu bewiesene
Tchtigkeit der Flotte, die Geschicklichkeit und Festigkeit seiner
Diplomatie -- wieder de Witts Verdienst -- hatten Holland berall neues
Ansehen verschafft.

Dennoch war es in einer milichen Lage. Solange Spaniens Macht gro
dastand, hatte es im Interesse Englands und Frankreichs gelegen, die
Republik stark und unabhngig zu sehen, als aber Spanien nicht mehr zu
frchten war, drohten Holland gerade von diesen Mchten Gefahren. England
gelstete nach Hollands Handels- und Seeherrschaft, Frankreich wollte die
spanischen Niederlande haben. Der Verlust der Handels- und Seeherrschaft
mute der Ruin Hollands werden; das erstarkte Frankreich an Stelle des
geschwchten Spaniens als unmittelbaren Nachbar zu erhalten, war
militrisch und auch fr den Handel nicht unbedenklich, selbst wenn die
spanischen Niederlande geteilt wurden, wie es Frankreich zunchst
vorschlug. Kam Antwerpen in franzsischen Besitz, so hatte die Schlieung
der freien Schiffahrt dorthin wohl ein Ende; aber auch in hollndischem
Besitz mute Amsterdam, der Hauptsitz der regierenden Partei, den
Wettbewerb dieser in frheren Zeiten so bedeutenden Handelsstadt
frchten. Diesen Gefahren gegenber hatte es der Leiter der Politik nicht
leicht. Im Volke bestanden zwei Parteien: die eine war fr das Haus
Oranien, die andere fr die republikanische Verfassung, wie sie
augenblicklich bestand; jene neigte zu England und wnschte eine starke
Armee, diese war fr Frankreich und eine starke Marine; sie bestand aus
den Kaufleuten in den Seeprovinzen und hier vornehmlich in Holland mit
Amsterdam und Rotterdam, welche Provinz mehr als die Hlfte der Ausgaben
des ganzen, lose geknpften Staatenbundes trug. Da nun diese Partei, also
die Handelsaristokratie, die herrschende war, so konnte die Regierung ihr
Hauptaugenmerk auf die Flotte richten und die englische Gefahr war ja
auch die ernstere und nchste; es wurde ihr jedoch nicht leicht, schon im
Frieden gengend Mittel fr die Wehrkraft aufzubringen, da selbst ihre
Anhnger nur in der Not zu greren Opfern bereit waren. Wie es bei einem
reinen Handelsvolke ganz natrlich ist, war man in Holland berhaupt
einem neuen Kampfe abgeneigt, wenn auch gerade die herrschenden Kreise
infolge des demtigenden Friedens und der groen Verluste im ersten
Kriege England grollten; man wollte doch die Frchte des Verkehrs im
Frieden einheimsen. Die Regierung hatte denn auch Karl II. den Hof
gemacht, sobald seine Aussichten auf den Thron stiegen, aber vergeblich,
sein Ha berwog. Whrend die Verhltnisse sich zuspitzten, versuchte man
immer noch, durch Unterhandlungen dem Kriege vorzubeugen. Man nahm auch
die Vermittlung des scheinbar wohlgesinnten Frankreichs in Anspruch;
alles blieb fruchtlos, weil England den Krieg durchaus wollte.

So brach infolge der Handelseifersucht ein zweiter blutiger Krieg aus
zwischen den beiden Vlkern, die als protestantische und parlamentarische
Staaten gegen das katholische und absolute Frankreich htten
zusammengehen sollen; erst die allgemeiner werdende Erkenntnis der Plne
Louis' XIV. fhrte sie nach dem Kriege fr kurze Zeit zusammen, dauernd
und ernstlich erst nach der Vertreibung Jakobs II. aus England (1688).

In $Frankreich$ hatte =Louis= XIV. nach dem Tode Mazarins 1661, also bald
nach dem Pyrenischen Frieden, die Regierung allein ergriffen und seinen
Ministern erklrt, er werde fortan sein eigener Premierminister sein. Von
diesem Zeitpunkte an begann er die Plne Richelieus und Mazarins mit
aller Kraft zu verfolgen: Frankreich an Stelle sterreich-Spaniens zur
ersten Macht Europas zu machen und sie auf Kosten dieser Lnder
auszudehnen. Die absolute knigliche Herrschaft besa er nach Beendigung
der letzten inneren Wirren -- durch die Unterdrckung der Fronde --;
tchtige Minister (Louvois, Colbert) schmiedeten ihm die Waffen zu seinen
nun bald folgenden Eroberungskriegen.

Zunchst fate er die Erwerbung der spanischen Niederlande ins Auge;
seine Ansprche leitete er von seiner Gemahlin Maria Theresia, der
ltesten Tochter des Knigs Philipp IV. von Spanien, her. Zwar hatte
diese allen Erbansprchen entsagen mssen, aber diese Entsagung erklrte
Louis XIV. aus verschiedenen Grnden fr nichtig und hielt den
Erbanspruch auf die Niederlande auch aufrecht, als dem Knig Philipp
spter noch ein Sohn geboren wurde. Er sttzte sich hierbei auf die
eigenwillige Auslegung eines alten Lehnsbrauches in diesen Provinzen,
wonach die Tochter erster Ehe vor einem Sohne zweiter Ehe erbte, das jus
devolutionis, und griff spter Spanien in seinen Niederlanden an (1667
der Devolutionskrieg). Noch bei Lebzeiten Philipps ([+] Sept.
1665) begann er diesen Eroberungskrieg politisch vorzubereiten. Von
England frchtete er bei dem Charakter seines Knigs keinen Widerstand,
wichtiger war das Verhalten des geld- und seemchtigen Hollands. Um sich
die dort regierende Partei gnstig zu stimmen, schlo er 1662 ein
Defensivbndnis mit der Republik. Auf einen Offensivvertrag lie sich de
Witt nicht ein, um nicht gezwungen zu sein, zu der sehr unerwnschten
Eroberung selbst mitzuwirken. So aber gewann er die Untersttzung
Frankreichs gegen England und behielt doch freie Hand, sich der
Vereinigung Belgiens mit Frankreich zu widersetzen. Vor Ausbruch des
Krieges bernahm nun Louis XIV. die Vermittlung und trat spter (1666)
sogar offen auf Hollands Seite.

Es ist aber sehr fraglich, ob seine Vermittlung ernstlich gemeint war und
so durchgefhrt ist. Es konnte ja nur in seinem Vorteil liegen, wenn die
beiden Gegner sich schwchten; jedenfalls hat seine Flotte nicht in den
Krieg eingegriffen, als er spter als Verbndeter auftrat. Louis wollte
wohl diese eben von Colbert geschaffene und in der Entwicklung begriffene
Waffe noch nicht aufs Spiel setzen, sondern sie fr spter bewahren. Je
geschwchter Holland aus dem Streite hervorging, um so leichter mute es
der von Louis zunchst vorgeschlagenen Teilung Belgiens geneigt werden.
Sein zweideutiges Spiel geht nicht nur aus dieser lauen Haltung Holland
gegenber hervor, sondern auch daraus, da er, wie schon angedeutet und
wie wir noch weiter sehen werden, whrend der ganzen Zeit mit Karl II. in
Verbindung stand. Und wie er die Zwietracht zwischen den beiden Gegnern
nhrte, so schrte er auch den Hader der Parteien in Holland.


          Die ueren Anlsse zum Kriege. Die Kriegserklrung.

Es fehlte nicht an Anlssen, die kriegerische Stimmung zu steigern,
besonders in England. Die Handelskompagnien der beiden Lnder stieen
berall in den auereuropischen Gewssern zusammen und bei der
berlegenheit der hollndischen meistens zum Nachteil der englischen.
Diese erhoben denn auch zuerst Klagen und brachten es dahin, da England
in einer Weise auftrat, die wiederum Holland zwang, scharfe
Gegenmaregeln zu ergreifen. Die Schilderung der Ereignisse[148] wird
zeigen, da sich die Vlker schon vor der Kriegserklrung im
Kriegszustande befanden.

  [148] Leben Ruyters (besonders die Ereignisse), Vie de Tromp
        (besonders die Verhandlungen der Staaten), krzer: de Jonge, Teil
        I, und Clowes, Teil II, Seite 254 und 422.

  Den englischen Handelskompagnien wurde es in allen Meeren schwer, neben
  den schon weit mchtigeren hollndischen festen Fu zu fassen; sie
  wandten sich oft Hilfe heischend an das Parlament. Solche Forderungen
  traten besonders 1663 auf. -- Die englisch-ostindische Kompagnie
  beschwerte sich, da die Hollnder noch immer die laut Friedensschlu
  von 1654 abzutretende Bandainsel Polaroon in Besitz htten, da sie
  feindlich gegen die indischen Frsten und Stdte auftrten, die ihr die
  Anlage von Faktoreien gestattet htten, da sie in jeder Hinsicht
  selbst mit Waffengewalt den englischen Handel hinderten. Groer Schaden
  sei der Kompagnie, mittelbar und unmittelbar, schon zugefgt; ungeheure
  Summen wurden dafr vorgerechnet. Man war auerdem in England der
  Ansicht, da der berchtigte Vorfall in Amboina noch nicht gengend
  geshnt sei. hnliche Klagen liefen gleichzeitig beim Parlament ein von
  der nach dem Mittelmeer fahrenden trkischen Kompagnie und von der 1662
  gegrndeten afrikanischen Kompagnie; auch bei dieser handelte es sich
  um Zurckgabe einiger Pltze, die -- frher in englischem Besitz, dann
  aufgegeben -- von Holland eingenommen waren, so z. B. Capecoastcastle.

Unberechtigt sind die Klagen wohl nicht gewesen. Wir haben den Verkehr
auf dem Weltmeer gengend kennen gelernt, um zu wissen, wie gewaltttig
der schon Mchtigere drauen dem Nachkommenden entgegentrat; jedoch lie
auch England nicht ruhig alles ber sich ergehen, sondern antwortete, wo
es ging, mit Vergeltungsmaregeln, zu welchem Zweck z. B. 1661 ein
kleines Geschwader an die Westkste Afrikas gesandt wurde. Zur
Herbeifhrung des Krieges waren diese Zusammenste aber nur ein Vorwand.
Die ffentliche Meinung in England und damit der wirkliche Kriegsgrund
finden deutlich ihren Ausdruck in den Monck zugeschriebenen Worten: Was
kommt es auf diesen oder jenen Kriegsgrund an? Was wir brauchen, ist ein
Stck mehr von dem Handel, den die Hollnder jetzt haben!
Dementsprechend begann man in England zu rsten -- auergewhnlich
zahlreiche Indienststellungen, lebhafte Ttigkeit auf den Werften, Fllen
der Magazine -- und unternahm 1663-1664 eine grere $Expedition gegen
hollndische Kolonien In Westafrika und Nordamerika$, durch die die
befestigte Insel Gore am Kapverde, Capecoastcastle sowie einige andere
Pltze an der Goldkste und vor allem Neuamsterdam (New York) den
Hollndern abgenommen wurden.

  Die Expedition zhlte 22 Segel, teils Schiffe der afrikanischen
  Kompagnie, teils knigliche; letztere hatte der =Herzog von York=
  gestellt, der gleichzeitig Protektor der Kompagnie und Lordhighadmiral
  war. Sie segelte 1663 unter =Admiral Holmes=, der schon den Zug 1661
  befehligt hatte. Holmes machte vom Januar 1664 an die aufgefhrten
  Eroberungen in Afrika und brachte dort viele Schiffe auf. Dann ging er
  nach Nordamerika und nahm im August mit Hilfe der benachbarten
  englischen Kolonien Neu-Niederland in Besitz; dem Entsender der
  Expedition zu Ehren nannte Holmes Neu-Amsterdam jetzt Neu York.

Hollands Vorstellungen wegen der Gewalttat in Afrika fruchteten nichts.
Die englische Regierung betrachtete den Zug als eine Privatangelegenheit,
versprach Untersuchung, setzte aber ihre Rstungen fort. Auch in Holland
hatte man im Mai 1664 eine grere Flotte als sonst im Frhjahr unter
Wassenaer zusammengezogen; wie man sagte, gegen die Barbaresken und
spanischen Freibeuter. Sie wurde bestndig verstrkt, und bald
verlautete, da sie Befehl habe, an der hollndischen Kste zu bleiben,
zu ben und durch leichte Schiffe die englische Flotte zu beobachten. Man
frchtete nmlich, diese wrde gegen die heimkehrenden Ostindienfahrer
vorgehen, die wie stets im Frhjahr von der Biscaya abgeholt wurden;
brigens hatte man die entgegengesandte Bedeckung auch wesentlich
verstrkt und befohlen, um Schottland zurckzusegeln. Als nun Holmes' Zug
bekannt geworden war, beschlo man zuerst, mit den Frhjahrsschiffen der
westindischen Kompagnie eine Verstrkung der Kriegsschiffe nach Afrika zu
senden. Da dies aber zu lange gedauert haben wrde und auch nicht geheim
gehalten werden konnte, gab man gleich darauf Befehl an =Ruyter= im
Mittelmeer, nach Guinea zu gehen, die verlorenen Pltze wiederzunehmen
und den englischen Handel in auereuropischen Gewssern zu schdigen.
Dieser Befehl war streng geheim, damit man in England nicht aufmerksam
wrde und damit das englische Mittelmeergeschwader unter Lawson nicht
folge. Die Geheimhaltung ging so weit, da selbst einige Mitglieder des
Rates, die den Befehl unterschrieben, ihn nicht kannten; er war ihnen
nach einer sehr arbeitsreichen Sitzung zur Unterschrift mit
untergeschoben worden.[149]

  [149] Leben Ruyters, Seite 222.

=Ruyter= gelang es, die afrikanischen Besitzungen zurckzuerobern und
auch sonst den Englndern in Westindien und im Atlantik groen Schaden
zuzufgen.

  $Ruyters Zug 1664-1665 nach Westafrika und Amerika$ ist bemerkenswert,
  weil er die schwierige Aufgabe mit groem Geschick lste.[150] Ruyter
  war im Mittelmeer gegen die Barbaresken stationiert, englischerseits
  befand sich Admiral Lawson zu gleichem Zwecke dort. Als Ruyter den
  Befehl erhalten hatte, nahm er unter allerlei Vorwnden an der
  spanischen Kste Proviant fr ein Jahr. Es gelang ihm, Lawson ber
  seine Bestimmungen zu tuschen, und so erschien er ungehindert und
  unerwartet Ende Oktober an der =westafrikanischen Kste=. Hier eroberte
  er zunchst Gore zurck, dann, auf die hollndische Station Elmina
  gesttzt, die an der Goldkste verlorenen Punkte und auch das englische
  Cormantyne; Capecoastcastle widerstand mit Erfolg. Im Februar 1665 ging
  er, 12 Schiffe und 1 Brander stark, nach =Westindien=. Nach einem
  vergeblichen Angriff (29. April) auf eine groe Zahl englischer
  Kauffahrer unter dem Schutz der Batterien auf Barbados verproviantierte
  er sich auf hollndischen und franzsischen Inseln und ging dann nach
  =Neufundland=. Vor Guinea, in Westindien und in den nrdlichen
  Gewssern brachte er viele Schiffe auf, die teils verkauft, teils
  heimgesandt wurden, so da der Zug reiche Beute eintrug. Ende Juni trat
  er die Rckreise nach Holland an.

  [150] Nheres Leben Ruyters und in Vie de Tromp.

  Schon in Westindien hatte er vom Ausbruch des Krieges gehrt; er
  beabsichtigte deshalb, durch die Nordsee zu segeln und gab als
  Treffpunkt die Farer Inseln und dann die Kste Norwegens (Stadtland)
  an. Wohlbehalten hier angekommen, erhielt er die Nachricht von der
  unglcklichen Schlacht bei Lowestoft (14. Juni). Da er nun die
  Englnder in der Nordsee vermutete, um ihn abzufangen -- dies war in
  der Tat der Fall --, steuerte er mit allen Vorsichtsmaregeln lngs den
  Ksten der deutschen Bucht und lief am 6. August 1665 in die Westerems
  ein.

Sobald man in England das Auftreten Ruyters in Afrika erfuhr, lie man
die Maske fallen. Die in den englischen Hfen liegenden hollndischen
Schiffe wurden mit Beschlag belegt, englische Kriegsschiffe und
Freibeuter brachten in kurzer Zeit an 130 feindliche Schiffe auf.

Holland antwortete mit Beschlagnahme von Fahrzeugen, lie aber den
Befehl, feindliche Schiffe auf See aufzubringen, noch nicht in Kraft
treten. Immer noch hoffte man, den Frieden erhalten zu knnen, wobei man
besonders auf die Vermittlung Frankreichs rechnete. Die Rstungen wurden
aber ununterbrochen fortgesetzt. Anfangs hatten die Generalstaaten den
Provinzen hierfr noch andere Grnde angeben mssen, um sie geneigt zu
machen: es wrde ntig sein, die Konvois -- z. B. den schon erwhnten
nach Guinea -- mit starken Flotten durch den Kanal zu fhren; bald aber
wurde doch von allen Stellen der Krieg selbst ins Auge gefat -- der
Konvoi nach Guinea segelte tatschlich nur mit gewhnlicher Bedeckung,
weil eine Verstrkung der westafrikanischen Station nach Ruyters Erfolg
nicht mehr ntig war --, und nun rsteten alle Admiralitten mit einer
seltenen Einmtigkeit und unter Aufbietung aller Mittel. Es wurde
beschlossen, 24 Kriegsschiffe erster Klasse zu bauen, fr das kommende
Jahr (1665) die Indienststellung aller Schiffe vorzubereiten und dazu die
Mannschaften der Flotte von 1664 im Dienst zu behalten. Wassenaers Flotte
hatte man auf Wunsch Louis' XIV. whrend der Verhandlungen wie
alljhrlich mit Beginn des Winters zurckgezogen, es war jedoch ein
grerer Teil der Schiffe als sonst im Winter in Dienst belassen. Am 23.
Dezember 1664 wurde ferner smtlichen Kauffahrern und Fischern das
Auslaufen verboten, um sie nicht der Gefahr aufgebracht zu werden,
auszusetzen und um die Leute fr die Bemannung der Flotte zu haben.

Auch Karl II. zgerte noch mit der Kriegserklrung, wohl der vorgerckten
Jahreszeit wegen und um die Rstungen zu vollenden, zu denen das
Parlament noch mehr Mittel bewilligen sollte. Da aber schlug eine letzte
Gewalttat Englands dem Fa den Boden aus. Am 29. Dezember 1664 $griff der
Admiral Allin$ in der Strae von Gibraltar $den heimkehrenden
hollndischen Smyrna-Convoi an$.

  Der Konvoi bestand aus 30 Kauffahrern mit nur 3 Kriegsschiffen
  Bedeckung. Allin berfiel ihn mit 7 Kriegsschiffen. Als der
  hollndische Admiral =van Brakel= lngsseit kam, um zu salutieren,
  wurde er mit einer scharfen Breitseite empfangen und dann der Konvoi
  angegriffen. Dank der tapferen Gegenwehr, auch der Handelsfahrzeuge,
  fielen nur 3 Schiffe in die Hnde der Englnder -- eines war im Kampf
  vernichtet; zwei versprengte, die ohne Befehl vorausgesegelt waren,
  wurden abgeschnitten --, die brigen retteten sich in spanische Hfen,
  van Brakel fiel.

Nach diesem Gewaltakt in europischen Gewssern beschlo Holland den
Krieg. Es erlie nun auch den Befehl, alle feindlichen Kriegs- und
Handelsschiffe in europischen Gewssern anzugreifen (24. Januar 1665)
und brach die diplomatischen Beziehungen ab; =der Krieg war erklrt=. Die
englische Kriegserklrung erfolgte im Februar; beide Staaten
wetteiferten, ihre Schlachtflotten aufzustellen. -- $Frankreich$ trat
erst im Januar 1666 durch frmliche Kriegserklrung auf die Seite
Hollands, ebenso Dnemark. Es ist bereits darauf hingewiesen, da die
franzsische Flotte keinen ttigen Anteil an den Kriegsoperationen nahm;
du Sein erwhnt in der Geschichte der franzsischen Marine diesen Krieg
berhaupt nicht.

Auch $Dnemark$ kam mit England nur zu kleinen Zusammensten in der
Ostsee.

  Holland sandte die englische Kriegserklrung an alle seefahrenden
  Mchte mit dem Hinweis darauf, da auch deren Seehandel durch den von
  England heraufbeschworenen Krieg schwer leiden wrde.


                    Die Streitmittel der Gegner.[151]

In $Holland$ war es dem Wirken des Ratspensionrs de Witt zu danken, da
nach dem Frieden 1654 die Marine nicht wieder wie um 1648 in Verfall
geriet. Er verstand es, in allen Provinzen seinen Einflu geltend zu
machen und die Bewilligung der ntigen Mittel zu erreichen. Die
Unternehmungen in der Ostsee und im Sden hielten die Flotte in bung.

  [151] Anschlieend an Seite 195 (Holland) und Seite 197 (England) gibt
        die Betrachtung gleichzeitig ein Bild der Fortentwicklung der
        Marinen. Quellen: de Jonge, Teil I, und Clowes, Teil II, Kapitel
        XXII; erstere gibt fr diese Zeit genauere Angaben ber die
        englische Marine als letztere.

Das =Schiffsmaterial= wurde wesentlich besser. Wir wissen, da beim
Friedensschlu 1654 70 Kriegsschiffe zu ber 30 Kanonen vorhanden waren:
1 zu 60, 9 zu 50-58, 27 zu 40-48, 33 zu 30-38 Kanonen. Es wurden nun die
whrend des ersten Krieges begonnenen (30) und zu bauen beschlossenen
(30) Schiffe fertiggestellt; unmittelbar vor und dann whrend des zweiten
Krieges ordnete man weitere Neubauten an: 1664 von 24, Juni 1665 von
nochmals 24 und 1666 von 12 Schiffen. Anfangs wurden zwar nur wenige
Fahrzeuge ber 50 Kanonen gebaut, erst 1664 ging man an solche von 60 bis
80 Kanonen; in der 1665 aufgestellten Flotte waren nur 2 zu 70-80 und 5
zu 60-70 Kanonen, so da man noch Schiffe dieser Gre von der
ostindischen Kompagnie einstellen mute, aber 1666 konnten schon 2
Schiffe ber 80, 11 zu 70-78, 21 zu 60-68 Kanonen verwendet werden. Der
Bestand war also an Zahl und Strke der Schiffe wesentlich gewachsen;
1665 brauchte man nur auf etwa 20 Kauffahrer zurckzugreifen, 1666 war
man ganz frei von ihnen. Eine Angabe ber den Gesamtbestand zu irgend
einem Zeitpunkt fehlt in den Quellen; zum Vergleich mit den englischen
Streitkrften ist Seite 258 die Zahl der Schiffe aufgefhrt, die an den
Hauptschlachten der beiden ersten Kriegsjahre teilnahmen. Es hatten beide
Gegner ihre Gesamtkraft aufgestellt, nur wenige Schiffe fehlten, die in
fernen Gewssern sich aufhielten oder nicht gefechtsfhig waren. Die
Angaben bieten also einen Anhalt ber die Strke der beiden Marinen
berhaupt.

Die neueren Kriegsschiffe waren besser gebaut als im ersten Kriege; alle
Schlachtschiffe (ber 40 Kanonen) waren jetzt auch hier Zweidecker,
Dreidecker besa man jedoch noch nicht. Es ist ferner sehr bemerkenswert,
da man in Holland, wenn auch den Verbesserungen im Schiffbau -- so auch
in den Schiffsformen -- im allgemeinen Rechnung getragen wurde, doch
nicht zum fregattenhnlichen Bau in demselben Mae bergegangen war wie
in England. Man zog immer noch weniger tiefgehende, breitere und weniger
scharfe Schlachtschiffe vor, teils der Hafenverhltnisse wegen, teils
weil man annahm, so stabilere Geschtzstnde zu haben, wenn auch die
Fahrzeuge weniger schnell waren. Dagegen baute man jetzt
fregattenhnlich eine grere Zahl von Schiffen zu 20-40 Kanonen, meist
26-36 Kanonen. Die Englnder hatten ja ihre grere Segelfhigkeit --
fregattenhnlicher Bau selbst bis zu den mittleren Schlachtschiffen --
des fteren benutzt, um Schiffe abzuschneiden. Da man nun in Holland den
Bau der Schlachtschiffe nicht dahin ndern wollte, sollten diese
Fregatten dem belstande bis zu einem gewissen Grade abhelfen. Sie
sollten in gefhrdeter Lage befindlichen Schiffen zu Hilfe kommen und zum
Abfangen von Kauffahrern geeignet sein. Sie hatten (wahrscheinlich?) nur
eine gedeckte Batterie, nherten sich also schon dem Begriff der spteren
Fregatte. Der Schiffsbestand wurde endlich auch vervollstndigt durch den
Bau besonderer kleiner Fahrzeuge fr Melde- und Aufklrungsdienst
(Advijsjagten) und einiger Ruderfahrzeuge zu hnlichen Zwecken
(Roeijagten und Galeijen) sowie von Transportern fr Proviant und
Munition, Postschiffen fr die Flotten und zahlreichen Brandern.

Man baute aber nicht nur Schiffe mit grerer Kanonenzahl, auch die
=Armierung= wurde noch in den Jahren vor und whrend des zweiten Krieges
durch die zunehmende Verwendung schwererer Kaliber verstrkt; die schwere
Artillerie (32-Pfnder) und die hheren Kaliber der Mittelartillerie (24-
und 18-Pfnder) wurden fast verdoppelt. Auch strebte man dahin, auf
gleich groen Schiffen dieselbe Armierung und in den einzelnen Batterien
Geschtze gleichen Kalibers einzufhren; besonders seit 1666. 1665
standen auf den Schiffen einzelner Admiralitten noch 3-4 Kaliber in
einer Batterie. Die Admiralitt von Amsterdam, die berhaupt den dritten
Teil der Gesamtflotte stellte, ging hierin wie in allen Verbesserungen
voran; ihre neueren Schlachtschiffe von 48-58 Kanonen waren schon nach
englischem Vorbilde in dieser Beziehung armiert. Im allgemeinen lie
alles dies aber noch zu wnschen brig, vor allem fehlte Gleichheit
zwischen den Schiffen der verschiedenen Admiralitten, und wie sehr die
Strke der Armierung der der englischen Flotte noch immer nachstand,
werden die vergleichenden Angaben spter zeigen.

Auch in der =Bemannungsfrage= hatten sich im zweiten Kriege die
Verhltnisse fr Holland weit gnstiger gestaltet. Im Frieden war stets
gengend Personal fr die Flotte vorhanden gewesen; nach Beendigung der
Kriege in der Ostsee fanden sich viele kriegserfahrene Seeleute in
Holland ein: Hollnder, die dort gedient, und auch Fremde, denn der
Dienst in der Marine war im Lande sehr beliebt geworden. Da bei Ausbruch
des Krieges Seefahrt und Hochseefischerei untersagt wurden, war reichlich
Personal vorhanden. Nach der groen Niederlage im ersten Jahre schwand
allerdings die Neigung zum Dienst, diesem belstande wurde aber durch
hheren Sold, Aussetzung hoher Belohnungen fr besondere Auszeichnungen
und hoher Pensionen fr Invalide usw. abgeholfen. Als endlich durch das
Freigeben eines Teiles der Schiffahrt zu Ende des Jahres 1666 wieder die
Gefahr des Mannschaftsmangels eintrat, wurde sie durch die Bestimmung
abgewendet, da jedes in See gehende Schiff ein Viertel seiner Besatzung
zur Marine abgeben oder da die Rhederei Mannschaften in dieser Hhe
stellen mute. Ferner wurde 1664 eine Seesoldatentruppe gegrndet und
bald stark vermehrt. So trat ein Mannschaftsmangel in diesem Kriege nicht
ein, ntigenfalls wurden weiter Landsoldaten eingeschifft. Die Schiffe
waren auch strker bemannt als frher; da aber auch hierin England noch
immer besser stand, werden wir sehen, und auch in der Kopfzahl der
Besatzungen herrschte keine Gleichmigkeit bei den Admiralitten.

Endlich hatten sich auch die Verhltnisse bei den =Kommandanten und
Chargen= gebessert. Die Maregel der Admiralitt Amsterdam (Seite 149),
sich einen Stamm von Kapitnen zu halten, war dadurch erweitert, da man
noch eine zweite Art Kapitne schuf. Diese wurden zwar nicht im Dienst
behalten, durften sich aber nur mit Erlaubnis der Admiralitt auf
Seereisen begeben und erhielten fr diese Verpflichtung ebenfalls ein
Jahrgeld. Dieselbe Behrde hatte ferner erlaubt, da sich nach dem ersten
Kriege andere obere Dienstgrade, die nicht verwendet werden konnten,
beretatsmig auf indienstgestellten Fahrzeugen einschifften. Die
Admiralitt der Maas bernahm teilweise diese ntzlichen Bestimmungen; so
trat bei Ausbruch des Krieges kein Mangel an Kommandanten usw. ein, es
war sogar eine Reserve vorhanden.

Eine groe organisatorische Vernderung vollzog sich bei den
=Flaggoffizieren=. Bis gegen das Ende des ersten Krieges hatten die
Niederlande nur einen Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland, der
beim Zusammentreten der Gesamtstreitkrfte der Republik den Oberbefehl
fhrte, und je einen Vizeadmiral sowie je einen Kontreadmiral von Holland
und von Seeland. Dann setzten die Staaten von Holland, deren Seemacht
auerordentlich gewachsen war, durch, da ein Vize- und ein Kontreadmiral
fr jede ihrer drei Admiralitten (Maas, Amsterdam, Norderquartier
[Westfriesland]) ernannt wurde; es gab also jetzt 1 Leutnantadmiral, 4
Vize- und 4 Kontreadmirale. Vor Ausbruch des zweiten Krieges (Dezember
1664) nahm Seeland sein altes Recht wieder auf und ernannte einen
Leutnantadmiral von Seeland; sofort verlangte und erreichte Holland
dasselbe fr jede seiner Admiralitten; Friesland, dessen frher sehr
unbedeutende Krfte auch gewachsen waren, folgte bald. So hatten die
Niederlande 1665: 1 Admiralleutnant von Holland und Westfriesland, 5
Leutnantadmirale, 5 Vize-, 5 Kontreadmirale fr die 5 Admiralitten. Bei
der Eifersucht der Provinzen sollte dies zu manchen Reibungen fhren;
auch sonst war die Anwesenheit so vieler Flaggoffiziere, teilweise vom
hchsten Range, bei der Flotte fters von groem Nachteil.

  Die Entwicklung dieser Verhltnisse findet man in de Jonge, Teil I,
  Seite 527; 687. Fr die Generalstaaten war es schwer, die Anciennitt
  festzusetzen; es fhrte zu scheinbar verwickelten Bestimmungen. Den
  Oberbefehl ber die vereinigten Kontingente fhrte weiter der
  Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland. Die zweite Stimme im
  Kriegsrat stand dem Leutnantadmiral von Seeland zu, die Vertretung des
  Oberbefehlshabers im Kommando bernahm aber der Leutnantadmiral der
  Maas. Seeland war die lteste Admiralitt, sein ltester Admiral fhrte
  stets die aus Seelandschiffen bestehende Vorhut; er war also der
  zweitlteste Offizier der Gesamtflotte. Den Hchstkommandierenden
  stellte aber seit langer Zeit (Seite 149) die Admiralitt der Maas;
  daraus wurde gefolgert, da sie auch den Stellvertreter stellen msse.

  Der Streit ber Anciennitt der Flaggoffiziere fhrte zu Verwirrung in
  Schlachten; er ging soweit, da Seeland einmal erklrte, sein
  Kontingent nicht eher auslaufen zu lassen, bis eine Frage zugunsten
  seines Chefs entschieden sei.

In $England$ hatte man unter =Cromwell= auch nach dem ersten Kriege
weiter gebaut, zu seiner Zeit wurde mehr als die Hlfte des
Staatseinkommens auf die Marine verwendet. Die Republik fand England
schwach zur See vor und bertraf es schon als die strkste Seemacht, was
das Material anbetrifft. Auch =Karl= II. hatte Interesse fr die Marine,
besonders aber sein Bruder, der =Herzog von York=, der von Jugend auf fr
sie bestimmt war. So stand auch die englische Flotte bei Beginn des
zweiten Krieges weit mchtiger da als zu Ende des ersten. Leider fehlt
auch hier eine Bestandsliste[152] fr diese Jahre, und man mu deshalb
wie bei Holland als Anhalt die Strke der zu den Schlachten
zusammengezogenen Flotten nehmen; ich fhre also die Angaben fr Holland
zum Vergleich hier mit auf:

1654 hatte England (Holland vergl. S. 255) Schiffe zu

           Kanonen: 100 86-90 70-80 60-70 50-60 40-50 30-40 20-30 6-16
  Zahl der Schiffe:  1    1    --     8     16    32    43    16   14

1665 in der Schlacht am 13. Juni setzten sich die Flotten zusammen:

  England[153]       --    4      3     4     23    30    16    15    6
  Holland[154]       --   --      6     5     26    36    24     6    7

1666 vor der Viertageschlacht:

  England[155]       1     3     7    14      25    22     8     ?    ?
  Holland           --     2    11    21      18    19    13     1    8

  [152] Auch de Jonge z. B. klagt ber den Mangel. Clowes gibt die
        nchste erst fr 1688, und da sind es fast nur Schiffe, die nach
        dem dritten Kriege gebaut sind. Die hier gemachten Angaben sind
        entnommen: de Jonge, Teil I, Beilagen XXVIII, XXX, XXXII, XXXIV;
        in XXXa. Namen der hollndischen Schiffe und Kommandanten,
        Kanonenzahl, genaue Einteilung in Geschwader fr 1665.

  [153] Dazu 8 Kauffahrer unbekannter Armierung, scheinbar grere, denn 1
        zu 60 und 1 zu 44 Kanonen werden erwhnt.

  [154] Darin enthalten 10 Kauffahrer der ostindischen Kompagnie: 4 zu
        70-80, 5 zu 50-60, 1 zu 41 Kanonen. -- 9 Kriegsschiffe und 7
        Ostindienfahrer waren auerdem noch in der Ausrstung.

  [155] In der Schlacht fehlte etwa ein Drittel dieser Zahl, als unter
        Prinz Ruprecht detachiert; als er am dritten Tage wieder zur
        Flotte stie, brachte er noch 10 weitere Schiffe mittlerer Gre
        mit.

Wir sehen also ein starkes Wachsen in beiden Marinen, was die Zahl der
Schiffe ber 50 Kanonen und besonders die ganz schweren Schiffe
anbetrifft. Namentlich die hollndische Marine hat ungeheure Fortschritte
gemacht und fhrt weiter darin fort: 1667 befinden sich in Ruyters Flotte
schon 6 Schiffe zu 80-90 Kanonen. Sie ist 1666 mit Schiffen ber 60
Kanonen sogar der englischen berlegen. Die englischen 50-60
Kanonen-Schiffe waren jedoch mit ihren schwereren Kalibern den
hollndischen Schiffen mit 60-70 Kanonen berlegen; Holland hatte eben in
der Verwendung schwererer Geschtze England noch nicht erreicht.

Stellen wir zum Vergleich die =Armierung= der hollndischen Schiffe um
1666 der der englischen um 1677 gegenber.

Es fhrten an schwerer und mittlerer Artillerie Schiffe mit =Kanonen=:

              100       90    80    70    60    50    40    30
            {26-42    26-32 24-32 26-32 24-24 22-18 38-9  18-9-Pfdr.
  England   {28-24-18 26-24 24-18 26-12 24-12  --    --    --   "
            { 28-9    26-9   --    --    --    --    --    --   "

             100  90    80     70     60     50      40     30
           { --   --  12-36   6-24  22-18   8-18    4-18   4-18-Pfdr.
  Holland  { --   --  16-24  20-18  22- 8  12-12   14-12  12-12  "
           { --   --  14-18  26-12   --    20- 8    --     --    "
           { --   --  12-12   --     --     --      --     --    "

  Die Angaben ber Holland 1666 aus de Jonge, Teil I, Beilage XXXIII. Bei
  der Ungleichheit in den verschiedenen Admiralitten habe ich die
  strksten Armierungen ausgezogen.

  Die Angaben fr England 1677 nach der Tabelle Seite 170 (auch de Jonge,
  Beilage XXXI). Die Angaben fr 1677 sollen auch fr den zweiten und
  dritten englisch-hollndischen Krieg schon beinahe zutreffen. Aber wenn
  wir selbst die Angaben fr 1652 der Tabelle nehmen, stellt sich der
  Vergleich fr Holland kaum gnstiger. Nur das eine der hollndischen 80
  Kanonen-Schiffe 1666 fhrte 36-Pfnder.

Es zeigt sich mithin bei den Schlachtschiffen eine groe berlegenheit
auf englischer Seite, nur die Nichtschlachtschiffe zwischen 30 und 40
Kanonen stehen in Holland sehr viel besser da; es sind dies wohl die
erwhnten Fregatten.

  Nach oberflchlicher Berechnung fhrten die fr das Jahr 1666
  angefhrten Schiffe ber 60 Kanonen in Summe:

                       42-Pfdr.  32-Pfdr.     24-Pfdr. 18-Pfdr. 12-Pfdr.
  Auf 25 englischen
        Schiffen          26        256          372       48      518

  Auf 34 hollndischen
        Schiffen          --    12 (36-Pfdr.)    276      586      354

  Die Hauptkraft lag bei den Englndern also in 42-Pfndern -- deren
  wahrscheinlich noch 56 mehr vorhanden waren, die dann von den
  32-Pfndern abgehen --, in 32-Pfndern und 24-Pfndern, bei den
  Hollndern in 18-Pfndern; dem englischen 12-Pfnder steht dann wieder
  an Zahl der hollndische 8-Pfnder etwa gleich. Die hollndische
  Schwche wird dadurch ein wenig verringert, da die englischen
  Kaliberangaben den hollndischen gegenber etwas zu verkleinern sind,
  weil das englische Pfund leichter war: der 42-Pfnder wrde ein
  38-Pfnder, der 24- ein 22-Pfnder usw. werden (vgl. de Jonge, Teil I,
  Seite 626).

Auch die bessere Bedienung der englischen Artillerie wird weiter gerhmt,
und es kommt hinzu, da die englischen Schiffe strker bemannt waren.
1666 hatten Schiffe genannter Gren eine =Besatzung von Kpfen=:

        England   700  600  520-650  450  320  200-250  150    130
        Holland   --   --     470    330  260  200-250  200  120-200

Es konnten also die englischen Geschtze, namentlich bei gleichzeitigen
Schiffsmanvern, besser bedient werden und die Schiffe waren beim
Enterkampf berlegen; nur die hollndischen Fregatten stehen in dieser
Hinsicht besser da, sie waren ja auch gleichzeitig zum Manvrieren und
Fechten gebaut. Wie im ersten Kriege, so scheint auch im zweiten in
England im allgemeinen kein Mangel an Personal eingetreten zu sein; auch
hier waren jetzt Seesoldaten vorhanden, von einem Auffllen mit
Landsoldaten verlautet nichts mehr.

Die bessere =Segel- und Manvrierfhigkeit= der englischen
Schlachtschiffe infolge schrferer Formen, vielleicht mit Ausnahme der
schwersten, ist uns schon bekannt; der nach hollndischer Ansicht damit
verbundene Nachteil, da man bei Wind und Seegang die untersten Batterien
nicht gebrauchen konnte, tritt allerdings in diesem Kriege mehrfach
hervor.

Von sonstigen Einrichtungen in der englischen Marine ist noch
hervorzuheben, da Karl II. die Stelle des =Lordhighadmiral= wieder
besetzte, und zwar mit seinem Bruder, dem Herzog von York. Dieser soll
manche Verbesserungen in der Verwaltung bewirkt haben. Er kommandierte
1665; 1666 wurde das Kommando ber die mobile Flotte wieder in die Hnde
zweier Admirale -- Prinz Ruprecht von der Pfalz und Herzog von Albemarle
(Monck) -- gelegt.

In =beiden Marinen= begann in der Zeit zwischen dem ersten und dem
zweiten Kriege (vgl. Seite 181) die Entwicklung eines =stndigen
Kriegsschiffpersonals=. Es fllt in diese Zeit die Vermehrung der
Dienstgrade fr die verschiedenen Dienstzweige und auch schon die erste
Vermehrung der Leutnants sowie der Beginn des besseren Ersatzes dieser
eigentlichen Offiziere. Die Anstellung von Offiziersaspiranten wird
allgemeiner; gerade in Holland treten Personen aus den hchsten Stnden
ein, einige von ihnen tun schon im zweiten Kriege als zweite selbst als
erste Leutnants Dienst. Die Bauten -- =Werften= und =Magazine= -- wurden
wesentlich verbessert; York verwandte in England Sorgfalt darauf, in
Holland wurden -- besonders wieder in Amsterdam -- die Einrichtungen zum
Selbstbau und zum Docken weit grerer Kriegsschiffe als bisher
getroffen.

Wichtig vor allem ist das wachsende Verstndnis fr die Fhrung der
Flotten, die =Taktik=. =In England= erlie der =Herzog von York= 1665
eingehende Instruktionen ber das Segeln und das Fechten im
Flottenverbande, Verbesserungen der Instruktion von 1655, durch die
besonders Aufrechterhaltung der Ordnung im Gefecht -- enggeschlossene
Kiellinie beim Winde -- angestrebt wird. Im allgemeinen wird
beabsichtigt, den eignen Angriff stets gleichzeitig auf die ganze Linie
des Feindes zu richten, doch ist auch schon ein Fall vorgesehen, die
feindliche Linie zu durchbrechen und an einer Stelle dann mit bermacht
aufzutreten.

  Colomb, Seite 89-90, gibt wrtlich die Artikel dieser instructions for
  the better ordering of the fleet in sailing and in fighting, die sich
  auf die verschiedenen Gefechtslagen beim Zusammensto beziehen; sie
  folgen hier im Auszuge:

  Ist die eigene Flotte zu Luward und der Feind erwartet den Angriff ber
  denselben Bug liegend, soll die Flotte so an den Feind gefhrt werden,
  da Schiff gegen Schiff steht. Liegt der Feind ber den andern Bug, so
  soll die Flotte (auer Schuweite) bis etwa querab der feindlichen
  gefhrt, dann zugleich gewendet und zum Gefecht herangegangen werden,
  so da also wieder Schiff gegen Schiff steht. In beiden Fllen soll
  whrend des Kampfes die Luvstellung gehalten werden; zu diesem Zwecke
  mssen etwaige Manver des Feindes -- Wenden im Kontremarsch,[156]
  Wenden zugleich oder Wenden einzelner Geschwader -- in derselben Weise
  ausgefhrt werden.

  [156] Das heit: Wenden der Schiffe einer Kiellinie nacheinander auf
        derselben Stelle, auf der das erste Schiff gewendet hat.

  Steht der Feind zu Luward und greift an, so soll er in guter,
  enggeschlossener Linie erwartet werden. Greift die eigene Flotte von
  Lee aus an, was ja bei besseren Segeleigenschaften oder infolge
  leichter Windnderungen mglich ist, so soll die Vorhut versuchen, die
  feindliche Linie zu durchbrechen und dann die abgeschnittenen hinteren
  Schiffe des Feindes von Luward aus angreifen; Mitte und Nachhut sollen
  das Manver durch Dublieren der abgeschnittenen Schiffe von Lee her
  untersttzen, dabei aber die Bewegungen der vorderen Schiffe des
  Feindes im Auge behalten.

Hervorzuheben ist, da in der neuen englischen Instruktion im Gefecht
stets von der ganzen Flotte die Rede ist, whrend in der alten von dem
Verhalten der Geschwader gesprochen wurde. Es ist ferner bemerkenswert,
da den Schiffen befohlen wird, Linie mit ihrem Geschwaderchef zu
halten, falls ein Geschwaderchef ausgefallen ist, mit dem
Oberbefehlshaber oder mit dem vorn segelnden Flaggoffizier.

Auch in =Holland= ist der Fortschritt in der =Taktik= zu bemerken. Gleich
nach der unglcklichen Schlacht 1665 wurden auch hier Bestimmungen ber
das Segeln in der Flotte, besonders bei Annherung an den Feind,
erlassen.[157]

  [157] Durch Bevollmchtigte der Generalstaaten, wie denn berhaupt, bis
        Ruyter 1665 den Oberbefehl bernahm, dem Flottenchef die
        genauesten Vorschriften selbst ber den inneren Dienstbetrieb
        gemacht wurden.

Vor der genannten Schlacht war die Flotte in 7 Geschwader geteilt, ein
jedes mit 3 Flaggoffizieren; der Grund soll die Anwesenheit so vieler
Admirale gewesen sein. Es ist wohl mglich, da man Unzufriedenheit bei
ihnen vermeiden wollte, sollte es aber nicht auch eine Folge der lteren
Gruppentaktik sein? Tromp der ltere teilte auch in so viele Abteilungen,
und damals lag der andere Grund nicht vor. Nach der Schlacht teilte man
die Flotten nun stets wie in England in 3 Geschwader (selten 4) und diese
wieder bei groer Schiffszahl in 3 Divisionen. Jetzt befanden sich bei
jedem Geschwader viele Flaggoffiziere und zwar bis zu je 2
Leutnantadmiralen, Vize- und Kontreadmiralen. =Ruyter= vervollstndigte
diese Instruktionen, sie enthielten in der Hauptsache aber eigentlich nur
Bestimmungen, die auf die Ordnung beim Marsch und beim Eintritt ins
Gefecht hinzielten.

  Im Leben Ruyters, Seite 305, 315, 361 und auch Vie de Tromp, findet
  man genaue Vorschriften ber die Positionen der Geschwader und
  Divisionen in der Flotte, auch auf dem Marsche strenge innezuhalten;
  Befehle an die Geschwaderchefs, den Brandern und Fregatten ihre Posten
  fr das Gefecht genau anzuweisen; das strenge Verbot von Manvern oder
  Angriffen ohne Befehl, dagegen Signale, auf die die einzelnen
  Geschwader, oder das Ganze, anzugreifen htten. Es wird ferner
  befohlen, da jedes Geschwader tglich einige Fregatten zum Erkunden
  des Feindes auszusenden htte; im Gefecht sollten diese Fahrzeuge so
  postiert werden, da sie beschdigten oder bedrohten Schiffen Hilfe
  leisten und die Branderangriffe untersttzen knnten.

Es fehlten jedoch, wie es scheint, eigentliche Dispositionen fr die
verschiedenen Gefechtslagen. Der Chef will zwar die Teile seiner Flotte
in der Hand behalten, die Angriffe scheinen jedoch noch immer
vorzugsweise geschwaderweise und mit Einbrechen in den Feind gedacht zu
sein. Es ist ferner auffallend, da in den Instruktionen nie das Wort
Linie vorkommt. Die Einzelschiffe werden nur angewiesen, sich bei
ihrem Divisionschef zu halten, sich nicht gegenseitig in den Weg zu
kommen oder im Feuer zu hindern. Ein Ausrichten auf den Flottenchef wie
in England wird nicht erwhnt.[158]

  [158] Bemerkenswert ist es, da Ruyter Gelegenheit nahm, seine Flotte
        zu exerzieren; er lie taktische Bewegungen machen (Leben
        Ruyters, Seite 325: rechts um, links um, ffnen, Schlieen wie
        bei Landsoldaten!) und ordnete Gefechtsbungen an.

In beiden Lndern fhrte der Fortschritt in der Taktik begreiflicherweise
zur Vervollstndigung des Signalsystems.

So hatten sich beide Marinen weiter zu stehenden im modernen Sinne
entwickelt, besonders die hollndische, die im ersten Kriege darin sehr
zurckgestanden hatte. Beide Lnder hatten auf das nachdrcklichste fr
den bevorstehenden Kampf gerstet, nicht nur durch Aufstellen von
Streitmitteln, sondern auch durch Fllen der Magazine usw., denn man war
auf beiden Seiten noch sehr abhngig vom Auslande, besonders von
Deutschland und Schweden. Da Holland in vielem England noch nicht
erreicht hatte, haben wir gesehen, und hierbei mssen wir noch einer
Frage nher treten: =der abwgenden Beurteilung des Personals=.

In den Geschichtswerken beider Nationen wird behauptet, das eigene
Personal sei im zweiten Kriege das in Seemannschaft berlegene gewesen;
ich glaube, beide Teile haben in ihrem Sinne recht. Was die rein
seemnnische Ausbildung anbetrifft, so ist es wohl mglich, da das
hollndische Personal berlegen war, da Holland wenigstens ber eine
grere Zahl tchtiger Seeleute -- Vorgesetzte wie Mannschaften --
verfgte; war doch sein Seehandel noch bei weitem grer. Zwar sagt ein
englischer Schriftsteller dieser Zeit, der grere Teil der hollndischen
Kommandanten seien Shne angesehener Leute, Brgermeistershne gewesen,
die ihre Stellung nur aus politischen Rcksichten erhalten htten, doch
ist nach allen anderen Quellen im Gegenteil anzunehmen, da die bei
weitem grere Zahl aus dem Kauffahrteidienst herstammte und aus solchem
eine reiche seemnnische Erfahrung hatte; ebenso die brige Besatzung.
Aber diesem Ersatze, besonders den Kommandanten und Dienstgraden,
mangelten noch die militrischen Haupttugenden: Subordination und
militrische Treue im Beruf, Berufsbildung und Berufsstolz. Der Umstand,
da die niederlndische Marine keine einheitliche, sondern ein loser
Flottenbund war, da die republikanischen Verhltnisse berhaupt nicht
geeignet waren, diese belstnde zu beseitigen und auerdem, wie erwhnt,
zu Eiferschteleien zwischen den Fhrern und den Kontingenten fhrten,
alles dies lhmte das militrische Zusammenwirken. Von einer
eigentlichen, Berufsbildung ist zu dieser Zeit in England zwar auch noch
nicht die Rede. Hier aber war noch viel von der militrischen Zucht
Cromwells erhalten geblieben, viele der hheren Fhrer, vor allem Monck,
stammten noch aus der lteren Zeit; in dem monarchischen Lande
entwickelte sich leichter unter den Offizieren der Kastengeist, der das
militrische Element hob und die mangelnde Berufsbildung teilweise
ersetzte; die Marine war endlich aus einem Gu. So war die englische
Flotte militrisch-seemnnisch die leistungsfhigere.

Wenn Holland vielleicht die besseren, wenigstens zahlreicheren, Seeleute,
Teerjacken, hatte -- soll doch der Herzog von York 1667 bei Ausfhrung
eines schwierigen Manvers verschiedener hollndischer Schiffe ausgerufen
haben: that never was or would have been undertaken by ourselves! --,
so besa England die besseren Seeoffiziere; ein Vorteil, der im
Gefecht, besonders aber im Gefecht grerer Verbnde, hervortrat. Was die
hollndische Marine im zweiten Kriege leistete, ist wohl in erster Linie
dem Genie Ruyters zuzuschreiben; im dritten Kriege hatte sich manches
zugunsten Hollands und zuungunsten Englands gendert. Wenn auch noch
nicht in der Flotte selbst, so trat doch, wie wir sehen werden, an
anderen Stellen ein fr sie hchst nachteiliges Nachlassen der alten
Pflichttreue und Ordnung in England schon whrend dieses Krieges ein.

  $Frankreich$ tritt zwar in diesem Kriege als Verbndeter Hollands auf.
  Da jedoch seine Flotte erst im dritten Kriege an den Kmpfen teilnimmt,
  so soll ber die Entwicklung und den Stand der franzsischen Marine
  erst im nchsten Kapitel gesprochen werden. Um jedoch zu zeigen, von
  welchem Werte eine wirkliche Untersttzung fr Holland gewesen sein
  wrde, ist vor dem Jahre 1666 die Strke des fr den Krieg scheinbar
  bestimmten Geschwaders angegeben.


                      Der Verlauf des Krieges.[159]

$Die Schlacht bei Lowestoft, 18. Juni 1665.$ Nach der Kriegserklrung
begannen die Operationen der Flotten nicht sogleich. Es war Winter und
demzufolge der grere Teil der Schiffe auer Dienst gestellt; beide
Nationen wetteiferten aber in der Ausrstung aller zur Verfgung
stehenden Fahrzeuge, um im Frhjahr gleich zu groen Schlgen bereit zu
sein. Wie es in England schon vor der Kriegserklrung geschehen war, so
gaben jetzt auch die Hollnder Kaperbriefe aus, und bald erschienen ihre
Freibeuter im Kanal und in der Nordsee; besonders in Seeland regte sich
das alte Wassergeusenblut, es bildeten sich Gesellschaften zu diesem
Zweck, deren eine allein 25 Segel stellte, Schiffe von 20-36 Kanonen.

  [159] Hauptquellen: Clowes, Teil II; Leben Ruyters; Vie de Tromp;
        de Jonge, Teil II; Mahan. Teil I. ber Mngel der Quellen vgl.
        Seite 199.

Erst im Mai rhrten sich die $Kriegsflotten$, deren genaue
Zusammensetzung schon genannt ist (Seite 258); insgesamt betrugen die
$Strken$ unter dem Lordhighadmiral =Herzog von York= und Leutnantadmiral
=Wassenaer=:

=England=: 80 Schlachtschiffe ber 30 Kanonen, 29 kleinere, 21 Brander,
mit 21000 Mann und 4192 Geschtzen.

=Holland=: 97 Schlachtschiffe und Fregatten ber 30 Kanonen, 13 kleinere
Segel, 12 Ruderfahrzeuge -- mit 21631 Mann und 4869 Geschtzen.

  Die englische Flotte war in 3 Geschwader geteilt: Vorhut Admiral Prinz
  Ruprecht, Mitte Herzog von York mit Admiral Sir William Penn als
  captain of the fleet, Nachhut Admiral Montagu, Earl of Sandwich; hierzu
  traten die 3 Vizeadmirale, unter ihnen Lawson beim Zentrum, und die 3
  Kontreadmirale der Geschwader.

  Die hollndische Flotte war in 7 Geschwader geteilt, gefhrt von:
  Wassenaer, den Leutnantadmiralen Johann Evertsen (Seeland), Cortenaer
  (Maas), Stellingwerff (Friesland) und den Vizeadmiralen Tromp, Cornelis
  Evertsen jun., Schram; hierzu traten weitere 10 Flaggoffiziere und 4
  als solche diensttuende als Vize- und Kontreadmirale der Geschwader.
  (Die Leutnantadmirale Ruyter (Amsterdam) und Meppel (Norderquartier)
  waren zurzeit zusammen abwesend auf dem Zuge nach Afrika und
  Westindien.) -- Es wehten mithin in der ersten Schlacht 9 englische und
  21 hollndische Admiralsflaggen.

[Illustration: Herzog von York.]

  Der =Herzog von York=, 1633 als zweiter Sohn Karls I. geboren, war von
  Jugend auf als Seemann erzogen. Er floh 1648 nach den Niederlanden und
  nach seines Vaters Hinrichtung nach Frankreich. 1660 wurde er von Karl
  II. zum Lordhighadmiral ernannt, mute aber als Katholik 1673 das Amt
  niederlegen. 1685 bestieg er als Jakob II. den Thron. Als Groadmiral
  und als Knig tat er viel fr die Marine.

  Prinz =Ruprecht von der Pfalz= (engl. Prince Rupert), 1619 als Sohn des
  Kurfrsten Friedrich V. (des Winterknigs) geboren, focht im
  Dreiigjhrigen Kriege auf protestantischer Seite. Im englischen
  Revolutionskriege diente er als Reiterfhrer und spter zur See als
  Parteignger der Royalisten. 1666 fhrte er mit Monck die englische
  Flotte, 1673 war er erster Lord der Admiralitt, er starb 1682. Er war
  ein tchtiger Seeoffizier, aber doch nicht von der peinlichen
  Pflichttreue wie die Generale der Cromwellschen Schule; zu sehr
  Kavalier.

  =Cornelis Tromp=, 1629 als Sohn Martin Tromps geboren, wurde bald nach
  der Schlacht bei Lowestoft an Stelle des gefallenen Cortenaer
  Leutnantadmiral. 1675 wurde er von Karl II. zum Baronet und 1676 vom
  Knig von Dnemark zum Grafen erhoben; 1677 folgte er Ruyter in der
  Stellung als Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland. Er
  zeichnete sich in den Kriegen gegen England und Frankreich sowie im
  dnisch-schwedischen Kriege 1675-1679 in dnischem Dienste aus. Mutiger
  und tchtiger Seeoffizier und beliebt bei den Untergebenen, jedoch
  unvorsichtig, eigenmchtig und ehrgeizig. Biographie: Vie de Tromp.

Die englische Flotte ging am 1. Mai zuerst in See, infolge alarmierender
Gerchte ber die Bewegungen des Feindes, obgleich sie noch nicht
vollzhlig bemannt und auch nur notdrftig mit Proviant usw. ausgerstet
war. =York= beabsichtigte, den Feind in dessen eigenen Gewssern zum
Kampf zu stellen, vor allem die Vereinigung der Flottenabteilungen, die
in der Maas-Scheldemndung zusammentraten, mit den bei Texel versammelten
zu verhindern; auerdem hoffte er, heimkehrende Kauffahrer und das
zurckerwartete Geschwader Ruyters abfangen zu knnen. Er blockierte etwa
14 Tage lang die feindlichen Ksten, wurde dann aber durch
Proviantmangel und durch einen schweren Sturm, in dem die Schiffe sehr
litten, gezwungen, am 19. Mai nach England zurckzugehen.

Gleich darauf, am 22. Mai, fhrte Leutnantadmiral Evertsen die westlichen
Flottenabteilungen nach Texel, und =Wassenaer= ging an den beiden
nchsten Tagen mit der Gesamtflotte in See. Er hielt sich zunchst
mehrere Tage an der Kste. Einige Quellen sagen, er sei durch flaue
Gegenwinde festgehalten, andere geben an, er habe es bei der ihm
wohlbekannten Neigung zur Indisziplin und Eifersucht im Personal nach so
kurzem Zusammensein der Flotte noch nicht fr ratsam erachtet, schon
Greres zu unternehmen. Jedenfalls wurde ihm dieses Zgern sehr verdacht
-- er wre ja auch unter Umstnden der schwachbemannten, von Vorrten
entblten und durch den Sturm beschdigten englischen Flotte sehr
gefhrlich geworden --, und er erhielt von den Generalstaaten ein
Mitrauensvotum sowie den ausdrcklichen Befehl, sobald wie mglich
anzugreifen. Man glaubte die feindliche Flotte sehr geschwcht und ihre
weitere Bemannung und Ausrstung sehr in Frage gestellt, weil gerade
jetzt in London die Pest ausgebrochen war. Durch die Vorwrfe erbittert,
soll Wassenaer nun den Entschlu gefat haben, gegen seine sonstige
Ansicht den Feind zu suchen und unter allen Umstnden zu fechten; nach
erhaltenem Befehl ging er zur englischen Kste hinber. Inzwischen war es
ihm am 30. Mai gelungen, eine grere Anzahl Hamburger Kauffahrer mit
Material fr die englische Marine nebst dem sie deckenden Kriegsschiffe
wegzunehmen.

Die englische Flotte lag noch in der Ausrstung begriffen bei Harwich.
Auch sie erhielt auf die Nachricht des hchst unangenehmen Verlustes des
Konvois Befehl, wieder auszulaufen; auerdem glaubte =York=, sich auf dem
augenblicklichen Ankerplatze keinem Angriffe aussetzen zu drfen, um
nicht zwischen den Bnken gefangen zu werden. Er ging deshalb mit seinen
Proviantschiffen nach der =Solebay= (Southwoldbay, damals vermutlich eine
grere Bucht als jetzt und deshalb ein beliebter Flottenankerplatz).
Hier ankerte er am 11. Juni und hatte das Glck, sofort Fahrzeuge mit
Auffllungsmannschaften anzutreffen, denn schon an demselben Tage wurden
die Hollnder etwa 18 Seemeilen ab in Ostsdost gesichtet, bei stlichem
Winde zu Luward stehend; York sandte die Transporter nach Harwich zurck
und ging weiter in See hinaus. =Wassenaer= war am 11. durch Flaute
gehindert anzugreifen, und so fand der Morgen des 12. Juni beide Flotten
etwa 8 Seemeilen Sdost von =Lowestoft=, die Hollnder etwa 5 Seemeilen
Sdost von den Englndern stehend. Aber auch an diesem Tage kam es nicht
zum Gefecht, es war weiter flau; Wassenaer htte wahrscheinlich angreifen
knnen, er zog es aber vor, weiter vom Lande abzuliegen, um seine infolge
des flauen Windes auseinander gekommene Flotte zu sammeln; erst abends
nherten sich die Gegner. In der Nacht ging der Wind durch Sd auf
Sdwest und am 13. Juni 2-1/2 Uhr morgens standen die Flotten etwa 18
Seemeilen Nordnordost von Lowestoft, nun aber die englische zu Luward.
=York= ging zum Angriff ber, aber auch =Wassenaer= wollte jetzt trotz
der ungnstigen Windstellung und der noch immer geringen Ordnung seiner
Flotte fechten, und so begann am $13. Juni 1665$ um 3-1/2 Uhr frh die
$Schlacht von Lowestoft$.

Die berlieferungen sind nur drftig und widersprechend. Wir folgen im
allgemeinen den Schilderungen Clowes' und de Jonges. Aus ihnen ist,
bereinstimmend mit anderen Quellen, zu entnehmen, da die Englnder in
guter Ordnung waren und diese lngere Zeit aufrecht erhielten, da aber
schlielich wieder die Melee eintrat, namentlich, weil die Ordnung der
Hollnder aus verschiedenen Grnden immer mehr verloren ging.

  Als die Flotten ins Gefecht eintraten, war die hollndische Flotte
  keinesfalls in guter Ordnung. Sptere kriegsgerichtliche Feststellungen
  erklren: Verschiedene Flaggoffiziere befanden sich nicht bei ihren
  Verbnden, sondern segelten zusammen; viele Schiffe, selbst Verbnde,
  waren nicht auf ihren Posten, der Befehl zum Angriff kam unerwartet.
  Ein Zeuge sagt sogar: Es war eine Lust, die englische, aber ein Jammer,
  die hollndische Formation zu sehen. Also Ordnung und Aufsicht waren
  mangelhaft. Dies gab verschiedenen Schiffen die Mglichkeit, sich nur
  flau am Gefecht zu beteiligen. Sie hielten sich in Lee auerhalb der
  Gefahr; mehrere Fahrzeuge blieben vllig unbeschdigt, ja, einige
  sollen nicht einmal die Mundpfropfen aus den Geschtzen genommen haben.

  Die beiden Flotten passierten sich zuerst um 3-1/2 Uhr unter lebhaftem
  Feuer, in Kiellinie beim Winde ber verschiedene Buge liegend.
  Hierbei war die Entfernung ziemlich gro, doch litten die Hollnder
  mehr durch die schwerere, weitertragende Artillerie des Gegners. Sie
  hatten nur den Erfolg, ein zu weit nach Lee gekommenes englisches
  Schiff zu nehmen; es sollte ihre einzige Trophe bleiben. Nach dem
  Passieren wendeten beide; die Hollnder im Kontremarsch, die Englnder
  zugleich, so da bei diesen die Nachhut (Sandwich) an die Spitze kam.
  =Wassenaer= strebte danach, die Luvstellung zu gewinnen. Bei der
  geringeren Segelfhigkeit seiner Schiffe gelang dies nicht, dagegen
  fhrte es dahin, da die hherliegenden und schnelleren Schiffe
  vorliefen, andere zurckblieben oder mehr nach Lee kamen. So wurde die
  Ordnung weiter gestrt, wozu auch noch das Bestreben der tchtigsten
  Kommandanten, so auch Wassenaers und der brigen Admirale, schneller
  und nher an den Feind zu kommen, beitrug. Wassenaer und Tromp sollen
  bald das Schiff des vor ihnen segelnden Cortenaer (Vorhut) erreicht
  haben; da ihre besten Schiffe ihnen gefolgt waren, befanden sich nun 3
  Geschwader untereinander gemischt.

  Es ist nicht klar aus den Quellen zu entnehmen, ob es sich jetzt weiter
  um ein oder um mehrere Passiergefechte gehandelt und ob vor- und
  nachstehendes sich demgem zur Zeit des zweiten Passierens oder bei
  spterem ereignet hat. Schon um 5 Uhr fiel =Cortenaer=, der an Stelle
  des Oberbefehlshabers den Befehl htte bernehmen mssen. Sein
  Flaggschiff floh mit wehender Admiralsflagge, etwa 10 Schiffe dieses
  Geschwaders folgten, so da eine Lcke entstand. Gegen Mittag brach
  =Sandwich= durch eine Lcke in der Nhe des Zentrums, vielleicht die
  eben erwhnte, und teilte damit die feindliche Flotte. Es ist fraglich,
  ob er dieses Manver mit Absicht oder durch Zufall -- vielleicht
  infolge des Pulverdampfes, die Flotten waren sich an dieser Stelle sehr
  nahe gekommen -- ausgefhrt hat. Jedenfalls hatte es den
  nachdrcklichsten Erfolg, die Verwirrung der Hollnder wurde immer
  grer. Die Englnder greifen nunmehr die standhaftesten Feinde,
  insbesondere die Admirale, an; die Melee ist da.

  Als =Wassenaer= (Eendracht, 70 Kanonen) sah, da das Kriegsglck sich
  gegen ihn wandte, scheint er von Verzweiflung erfat zu sein. Er
  versucht York (Royal Charles, 80 Kanonen) zu entern, wird
  abgeschlagen, kmpft aber mit Erfolg weiter -- York selbst wird leicht
  verwundet, neben ihm fallen 3 Kriegsfreiwillige hoher Geburt, sein
  Schiff wird arg zerschossen --, bis die Eendracht um 2 Uhr
  nachmittags auffliegt. Die Explosion ist wahrscheinlich durch
  Entzndung von Kartuschen erfolgt, doch sagt das Gercht, sie sei durch
  einen Negerdiener des Admirals aus Rache veranlat worden. Durch diesen
  Vorfall entmutigt, halten wieder einige Schiffe ab; andere folgen, weil
  sie glauben, der Befehl zum Rckzug sei gegeben. Einzelne Verbnde und
  Einzelschiffe halten aber noch wacker stand trotz weiterer Verluste: an
  einer Stelle werden 4 zusammengetriebene Fahrzeuge durch einen Brander
  vernichtet, an einer anderen trifft 3 oder 4 vereinzelt dasselbe Los.

  Leutnantadmiral =Evertsen= bernahm nach Wassenaers Tode den
  Oberbefehl. Aber auch =Tromp=, der den Tod Cortenaers und
  Stellingwerffs erfahren hatte, setzte die Admiralsflagge und bernahm
  das Kommando ber die Schiffe in seiner Nhe; er behauptete spter,
  nicht gewut zu haben, was aus Evertsen geworden sei. Es wrde dies
  bezeichnend fr die Verwirrung sein; vielfach glaubte man jedoch, er
  habe nur nicht unter einem seelndischen Admiral stehen wollen, denn
  hnlicher Eigenmchtigkeiten machte er sich in der Zukunft mehrfach
  schuldig. Der Versuch dieser beiden Fhrer und anderer besonnener
  Mnner, das Gefecht in Ordnung abzubrechen, war vergeblich; der Rckzug
  artete in Flucht aus, die um 7 Uhr abends allgemein wird.

  =Evertsen= steuert mit 17 Schiffen, wohl hauptschlich vom Seelnder
  Kontingent, nach der Maasmndung, dem nchsten Schutzplatz, der
  auerdem bei dem Stand der Gezeiten ein sofortiges Einlaufen gestattete
  und auch als Sammelpunkt ausgegeben war. =Tromp= ging mit dem greren
  Teil der Flotte nach Texel und dem Vlie, wo erst mit wechselndem Strom
  nach einer gefahrvollen Nacht das Einlaufen mglich war. Er whlte, wie
  er sagte, diesen Kurs, um die vorher dorthin geflohenen Schiffe zu
  decken; tatschlich hat er auch mit einigen seiner besten Fahrzeuge den
  Rckzug der dorthin Segelnden und gewissermaen den der ganzen Flotte
  geschtzt.

  =Die Verluste= der Hollnder betrugen nach englischen Angaben: 14
  Schiffe vernichtet, 18 genommen -- die Hollnder gaben nur 16-20
  insgesamt zu --; 4000 Tote, darunter 3 Leutnantadmirale; 2000
  Gefangene. Die Englnder verloren: 2 Schiffe; 600 Tote und Verwundete,
  unter den Toten Vizeadmiral Lawson und 1 Kontreadmiral, und einige
  Hundert Gefangene.

=Die Schlacht bei Lowestoft ist bemerkenswert= als die erste, in der
beide Flotten in Kiellinie beim Winde ins Gefecht eintreten und sich in
dieser Formation mehrfach passieren, ehe die Melee beginnt; die Englnder
haben dabei scheinbar die Linie in guter Ordnung aus Einzelschiffen
gebildet. Die Schlacht war eine vllige Niederlage fr die Hollnder;
ihre Flotte hatte stark gelitten und war versprengt in ihre Hfen
zurckgetrieben; bei energischer Verfolgung wre ihr Verlust wohl noch
weit grer geworden.

=Die Englnder verfolgten= zwar, doch wurde die Verfolgung whrend der
Nacht lau. Als Grund wird angegeben, der stark auffrischende und
auflandige Wind habe es verboten, sich den flachen Gewssern zu nhern,
auch seien alle Brander verbraucht gewesen.

  Eine mysterise Geschichte spielt mit (Clowes, Teil II, Seite 265). Im
  Kriegsrat nach der Schlacht soll =Penn= geuert haben, man msse sich
  noch auf ernstes Werk gefat machen, die Hollnder seien nie tapferer
  als in der Verzweiflung. Daraufhin habe die persnliche Umgebung Yorks
  gesagt, es sei auch Ehre genug errungen. Als sich der Herzog in die
  Kajte zurckgezogen hatte, berbrachte ein Offizier seiner Begleitung
  den Befehl an Penn, die Flotte solle Segel mindern. Es geschah. Spter
  wunderte sich der Herzog ber den ausgefhrten Befehl und behauptete,
  ihn nicht gegeben zu haben, doch nun war es zu spt. Untersucht ist die
  Sache nicht; Penn blieb in Yorks Gunst, der berbringer des Befehls
  wurde entlassen. Man sagt, die Umgebung des Herzogs habe von seiner
  Gemahlin und auch vom Knig den Auftrag gehabt, dafr zu sorgen, da
  sich York nicht zu sehr gefhrde; er war ja der voraussichtliche
  Thronerbe.

Wie von einer taktischen Verfolgung, so wurde auch von sonstiger
strategischer Ausnutzung des Sieges abgesehen; als Tromp bei Texel
eingelaufen war, ging York am 14. Juni nach England zurck.

=In Holland=, wo man die eigene Flotte der feindlichen berlegen geglaubt
hatte, erregte die Niederlage im Volke groe Entrstung. Diese ging
soweit, da =Evertsen= in Brielle vom Pbel angegriffen, durch die
Straen geschleift und ins Wasser geworfen wurde, nur knapp entging er
dem Tode. Von den Kommandanten, die sich im Kampf feige benommen hatten,
wurden verschiedene mit Gefngnis bestraft, andere infam kassiert, einige
erschossen.

Auch dem gefallenen =Wassenaer= -- dem man zwar spter in der groen
Kirche im Haag ein prachtvolles Denkmal errichtete -- wurde =die Schuld=
an der Niederlage =zugeschoben=: Er habe unter ungeeigneten Umstnden
gefochten; ihm habe die Umsicht gefehlt, er habe die Leitung aus der Hand
gegeben und nur mit dem eigenen Schiff den Kampf gesucht. Man verga,
welchen strikten Befehl man ihm zum Fechten gegeben, da man ihn, einen
Reiterfhrer, trotz seiner Einwendungen zum kommandierenden Admiral
gemacht hatte. Wie nach der Schlacht im Sunde (1658) wurde ihm
vorgeworfen, er habe vor der Schlacht keinen Kriegsrat gehalten,
infolgedessen seien die Admirale und Kommandanten nicht ber seine
Absichten unterrichtet gewesen. Man verga, da er nach dem
Zusammenziehen der Flotte gern etwas Zeit gehabt htte, um ein gewisses
Zusammenschmelzen der verschiedenen Verbnde zu erzielen. Liegen nicht
auch andere Grnde fr die Niederlage ebenso nahe, ja noch nher? Die
Unordnung schon bei Beginn des Gefechts darf man doch Wassenaer nicht
allein zum Vorwurf machen; es waren noch 20 Flaggoffiziere da, die auf
dem Marsch fr Ordnung sorgen konnten. Diese groe Zahl von Unterfhrern
war anderseits wohl mit schuld, da Ordnung und Leitung whrend des
Gefechts immer mehr verloren gingen. So viele Unterabteilungen, zunchst
schon die 7 Geschwader, von einer Stelle zu leiten, war unmglich,
besonders bei dem damaligen Stande des Signalsystems. Die Einteilung
mute zum selbstndigen Auftreten der Abteilungen fhren, was ja auch der
Kampfweise der bisherigen Gruppentaktik entsprach. Dies konnte aber einem
einheitlicheren Wirken gegenber, wie es der englischen Flotte ihre
Instruktion jetzt schon vorschrieb, nur bei groer militrischer Einsicht
und Schulung aller Fhrer und Kommandanten von Erfolg sein. Solche fehlte
jedoch gerade dem grten Teile des Personals, daneben vor allem der Sinn
fr militrische Ordnung, Treue und Disziplin. Dieser Mangel, der schon
Bilden und Halten einer Formation auerhalb eines Gefechtes schwierig
machte, ist wohl in erster Stelle an der Niederlage schuld.

$Weitere Ereignisse der Jahre 1665 und 1666 bis zur Viertage-Schlacht.$
Ebensowenig wie unmittelbar nach der Schlacht wurde auch spter die
errungene Seeherrschaft englischerseits energisch ausgenutzt. Der =Herzog
von York= hatte den Oberbefehl abgegeben, auch Prinz Ruprecht hatte seine
Flagge niedergeholt. =Montagu, Earl of Sandwich=, kommandierte jetzt die
Flotte und ging am 15. Juli hinber zur hollndischen Kste wieder mit
der Absicht, Ruyter und zahlreich erwartete Ostindien- und
Mittelmeerfahrer abzufangen. Er fhrte aber eine Blockade nicht durch,
obgleich sie doch fr seinen Zweck und zur Verhinderung der
Wiedervereinigung des Gegners der sicherste Weg gewesen wre. Ob man das
Schiffsmaterial nicht fr geeignet hielt, eine lngere Blockade
durchzufhren und dann noch der neuausgersteten feindlichen Flotte
gegenberzutreten, oder ob der aus der Armee stammende Kommandierende den
Wert der Schlieung der feindlichen Hfen verkannte, ist nicht
festzustellen. Da man inzwischen erfahren hatte, da die zurckerwarteten
Kauffahrer sich in =Bergen= sammelten, schickte Montagu den Kontreadmiral
=Tyddiman= mit 14 Kriegsschiffen und 3 Brandern dorthin zum Angriff,
whrend er sich selbst mit dem greren Teil der Flotte bis zu den
Shetlands hinauf auf die Lauer legte. Da =Ruyter= unbemerkt Holland
erreichte, haben wir schon gehrt, auch die Expedition gegen Bergen
sollte fehlschlagen, wie wir sehen werden.

In =Holland= hatte man nach der groen Niederlage sofort begonnen, aufs
neue zu rsten. Besonders =Jan de Witt= bemhte sich, dies zu frdern und
auch den Geist in der Marine wieder zu heben. Lebhaft untersttzt wurde
er durch =Tromp=, obgleich dieser anfangs erklrt hatte, mit
Kommandanten, wie sie sich in der Schlacht gezeigt htten, knne er nicht
fechten. Er war sogar gegen den Befehl der Generalstaaten, mit seinen
Schiffen bei Texel liegen zu bleiben, in die Hfen eingelaufen. Schon 10
Tage nach der Schlacht lief ein Geschwader von 17 Schiffen unter
Kontreadmiral =Bankers= aus, um etwa heimkehrende Kauffahrer aufzunehmen.
Den Oberbefehl ber die neuaufzustellende Flotte erhielt vorlufig
=Tromp= -- er war an Stelle Cortenaers zum Leutnantadmiral der Maas
ernannt und wurde spter in gleicher Eigenschaft auf seinen Wunsch nach
Amsterdam versetzt --, doch wurde ihm eine Kommission von drei
Deputierten der Generalstaaten, darunter de Witt, zur Seite gestellt.

  Diese echt republikanische Manahme, einem Oberbefehlshaber
  =Deputierte= zur Seite zu stellen, war schon in den Dnkirchener
  Kriegen Brauch gewesen. Bei Tromp dem lteren hatte man im ersten
  Kriege davon abgesehen, obgleich er selbst darum bat, um sich
  gegebenenfalls der Volksmeinung gegenber besser rechtfertigen zu
  knnen; es war dies ein Zeichen groen Vertrauens. Wassenaer hatte sich
  gestrubt, Deputierte zuzulassen.

  Tromp der Jngere aber hatte sehr viele Gegner in den leitenden
  Kreisen. Zwar waren sein Mut, seine Tchtigkeit und seine Beliebtheit
  bei den Mannschaften allgemein bekannt, jedoch man frchtete seine
  Unvorsichtigkeit, seine Eigenmchtigkeit, und er war Oranier. Gern
  hatte man ihm das Kommando berhaupt nicht gegeben, aber er war der
  einzige Leutnantadmiral der Provinzen von Holland, da Ruyter und Meppel
  noch abwesend waren. Ein neuer Leutnantadmiral von Holland und
  Westfriesland war noch nicht ernannt und nach altem Brauch trat ja der
  Leutnantadmiral der Maas als Vertreter ein. Der viel ltere Cornelis
  Evertsen sen. (Seeland), der an die Stelle seines Bruders Jan getreten
  war, stellte sich rhmenswerterweise bereitwillig unter Tromp; Jan
  Evertsen hatte infolge der schmhlichen Behandlung in Brielle den
  Dienst quittiert.

Man beeilte die Rstungen, um den wertvollen Konvoi in Bergen sichern zu
knnen; als die Flotte seeklar war, hie es zwar, sie knne widriger
Winde wegen nicht auslaufen, doch auch hier zeigte sich die Tatkraft des
=Ratspensionrs de Witt=.

  Althergebrachte Ansicht der Lotsen war, da man mit schweren Schiffen
  die Rhede von Texel bei allen westlichen Winden durch die blichen
  Fahrwasser, Landstief und Schlnge nicht verlassen und ein drittes, das
  spanische Gat, berhaupt nicht benutzen knne. De Witt bewies die
  Unhaltbarkeit dieser Behauptungen, insbesondere der letzten, indem er
  das Fahrwasser unter eigener Leitung ausloten lie und es dann mit dem
  schwersten Schiffe passierte; es wurde von nun an das Jan de Witt-Tief
  genannt.

Seinem Einschreiten war es zu danken, da die Schiffe vom 14. bis 16.
August in See gingen und die Flotte nun segelfertig lag. Am 6. August war
=Ruyter= in der Ems angekommen; er wurde sofort zum Leutnantadmiral von
Holland und Westfriesland ernannt, welche Stelle man fr ihn freigehalten
hatte, und bernahm am 18. =den Oberbefehl=. Tromp weigerte sich anfangs,
in die zweite Stelle zurckzutreten, nachdem er die Flotte organisiert
htte, er fgte sich aber doch. Die Flotte[160] bestand aus 93
Kriegsschiffen, 11 Brandern, 20 Jachten usw. mit 4337 Kanonen, 15051
Seeleuten, 1283 Seesoldaten und 3300 Landsoldaten; sie war in 4
Geschwader geteilt, von denen das eine (Ruyter selbst) als Reserve dienen
sollte. Ihre Segelorder war: die Kauffahrer von Bergen abzuholen und den
englischen Streitkrften mglichst Abbruch zu tun; schon am 17. waren
leichte Schiffe in die Nordsee gesandt, um alle heimkehrenden
Handelsschiffe nach Bergen zu leiten. =Ruyter= ging lngs der englischen
Ostkste bis zu 58 Nordbreite hinauf und hrte hier am 25. August, da
Montagu an der Kste Norwegens gesehen sei; er habe dort einen Teil
seiner Flotte zurckgelassen (=Tyddiman=) und sei mit dem Rest nach
Westen gesegelt. Am demselben Tage sichtete man auch ein englisches
Schiff; die beiden Flotten mssen dicht beieinander gewesen sein, ohne
sich sonst zu sehen. Jetzt steuerte der Admiral nach Norwegen hinber.

  [160] Leben Ruyters, Seite 309, Namentliche Auffhrung der Schiffe
        mit Angaben ber ihre Strke.

Die $Kauffahrer in Bergen$ -- 10 groe Ostindienfahrer von ungeheurem
Wert und etwa 60 andere, besonders Levantefahrer -- waren aber schon der
Gefahr entzogen; sie $hatten den Angriff$ Tyddimans glnzend
$abgeschlagen$; es war nur noch ntig, sie sicher in die Heimat zu
fhren.

  Die Gesandten Knig Karls hatten vom Knig Friedrich III. von Dnemark
  die Zusicherung erhalten, dnischerseits solle ein Wegnehmen der
  hollndischen Schiffe in Bergen nicht gehindert werden. Beide Knige
  wollten dann die Beute teilen; Friedrich beabsichtigte, sich Holland
  gegenber damit zu entschuldigen, da man ein Bombardement Bergens
  durch die englische Flotte habe frchten mssen. --

  Die Kauffahrer waren aber auf den Angriff vorbereitet. Sie hatten die
  Ostindienfahrer und die schwersten sonstigen Schiffe in
  Halbmondformation vermoort, mglichst viele Geschtze auf den dem
  Angriff ausgesetzten Seiten aufgestellt, am Lande flankierende
  Geschtzstnde errichtet und auch Leute zur Verstrkung der dnischen
  Befestigungen gelandet.[161] Der dnische Befehlshaber, General =von
  Alefeld=, gestattete alles dieses und beteiligte sich auch an der
  Abwehr; er soll zwar von der Abmachung seines Knigs schon gewut, aber
  noch keinen Befehl erhalten haben; so handelte er, wie es ihm
  Vlkerrecht und Kriegsbrauch vorschrieben. Am 12. August (10.? 13.?)
  griff =Tyddiman= an. Er hatte sich mit Alefeld noch nicht in Verbindung
  gesetzt, entweder in der Annahme, da dieser auch ohne Befehl den
  Absichten seines Knigs folgen werde, oder gar in der Erwartung, da er
  unter diesen Umstnden dann auch die Beute nicht zu teilen brauche. Die
  Verhltnisse waren dem Angriff sehr ungnstig. Der aus dem Hafen
  stehende Wind erschwerte das Herankommen und hinderte die Verwendung
  der Brander, der auf den Schiffen lagernde Pulverdampf beeintrchtigte
  ihr Feuer. Nach einem Gefechte von etwa vier Stunden mute das
  englische Geschwader die Anker kappen und sich mit schwerbeschdigten
  Schiffen und groem Mannschaftsverluste zurckziehen. General von
  Alefeld forderte nun allerdings von den hollndischen Schiffen 100000
  Taler fr den gewhrten und noch weiter zu gewhrenden Schutz. Er
  erhielt auch vorlufig 3000, und man war dabei, noch mehr auf den
  Schiffen aufzubringen, als die Flotte unter =Ruyter= erschien. Jetzt
  muten sich die Dnen mit dem feierlichen Dank der Staatendeputierten
  begngen; sie hielten aber wenigstens die gelandeten 41 Geschtze
  zurck: sie mten diese zur eigenen Sicherheit behalten, da ihnen im
  Gefecht sehr viele eigene gesprungen oder zerschossen wren. (Leben
  Ruyters, Seite 318.)

  [161] Vermooren heit: Ein Schiff mit Bug- und Heckanker verankern, um
        ein Drehen bei Wind- oder Stromwechsel zu verhindern.

Auf der Rckfahrt wurden =Flotte und Konvoi= durch einen mehrtgigen
Nordweststurm =zersprengt=, nur mit 36 Kriegsschiffen stand Ruyter am 13.
September sdlich von der Doggerbank. Weiter auf den Schutz der
zerstreuten Kauffahrer bedacht, kreuzte er noch einige Tage. Von wieder
zu ihm stoenden Kriegsschiffen erfuhr er, da die englische Flotte in
der Nhe sei. =Montagu= war zu rechter Zeit vom Norden zurckgekehrt, um
aus der Zerstreuung der Hollnder Nutzen ziehen zu knnen; 8
Kriegsschiffe, 2 Brander, 2 Ostindienfahrer und mehrere andere Schiffe
wurden aufgebracht. Weiteres konnte er nicht unternehmen, da auch seine
Flotte infolge des Absuchens des Sturmfeldes, vielleicht schon durch den
Sturm selbst, zerstreut war. Beide Flotten sammelten sich nach und nach
in ihren Hfen.

$Das Jahr 1665$ bringt um nichts mehr von Bedeutung. In =England= scheint
infolge der Pest, die in London und einigen anderen Stdten wtete,
nichts geschehen zu sein, um die Flotte wieder schlagfertig aufzustellen;
in kleinen Gruppen lagen die Schiffe auf den verschiedenen Ankerpltzen
an der Kste und in den Hfen, ohne ihre Neuausrstung zu betreiben.
Ruyter lief Mitte Oktober zur englischen Kste hinber, um die
vereinzelten Teile des Feindes zu vernichten. Er erschien vor Harwich,
Yarmouth, Lowestoft, vor der Solebay und den Downs, wo seine
Aufklrungsschiffe Feinde gesehen hatten. Aber berall kam er zu spt,
sie hatten sich jetzt in sichere Hfen, meist in die Themse,
zurckgezogen; so wurden nur die Ksten alarmiert. Schlielich ging
Ruyter vor die Themse in der Erwartung, die englische Flotte
herauszulocken, doch vergeblich. Er blockierte die Flumndung einige
Tage und nahm auch Lotungen vor. Da aber jetzt der Winter nahte und auf
der Flotte binnen kurzer Zeit der Krankenbestand bedenklich stark zunahm
-- in wenig Tagen ein Krankenzugang von ber 1000 Mann und 140 Todesflle
--, beschlo der Kriegsrat in bereinstimmung mit den Deputierten, am 1.
November nach Holland zurckzukehren und die Kontingente zu entlassen.
Nur ein Geschwader von 18 Schiffen, deren Gesundheitszustand gut war,
wurde sdlich von der Doggerbank stationiert, um feindliche Hamburg- und
Ostseefahrer abzufangen und eigene aufzunehmen; bald wurde es zu einer
Winterflotte auf 34 Segel verstrkt und hielt sich bis in den Februar in
der Nordsee und an der flmischen Kste. Sonst war der Feldzug fr 1665
beendet und die Flotte wurde aufgelegt. Das Jahr hatte eigentlich nur die
eine groe Schlacht von Bedeutung gebracht, trotz der groen Flotten, die
aufgestellt und von Holland bis zu Ende erhalten wurden; fr Holland war
es in der Hauptsache unglcklich verlaufen.

Auf die gegenseitigen =Handelsschdigungen= und die kleineren, wenn auch
oft blutigen Zusammenste dabei in Kanal, Nordsee und Mittelmeer nher
einzugehen, wrde zu weit fhren; man findet Ausfhrlicheres in den
Geschichten der beiden Marinen.

Sofort nach dem Auflegen der Flotte beschlo man in $Holland$ die
Indienststellung einer ebenso starken Flotte wie im Vorjahre fr das
Frhjahr $1666$. Man zog jetzt keine Schiffe der ostindischen Kompagnie
mehr heran; diese zahlte statt dessen eine besondere Kriegssteuer.
Infolge der Neubauten waren gengend Kriegsschiffe, besonders auch der
schwersten Art, vorhanden. Die Fertigstellung der Fahrzeuge wurde den
Winter ber auf das eifrigste betrieben, und Hollands Aussichten schienen
sich wesentlich gnstiger gestalten zu wollen, da $Frankreich und
Dnemark$ ein Offensivbndnis mit ihm schlossen und den Krieg an England
erklrten. Die drei verbndeten Mchte waren imstande, eine ungeheure
Seemacht aufzustellen; wie bereits angedeutet ist, griffen aber weder
Franzosen noch Dnen ernstlich in den Krieg ein.

  Nach dem Vertrage mit =Dnemark= sollte dieses den Sund und die Belte
  fr die Englnder schlieen und eine Flotte von 40 Schiffen aufstellen.
  Die Flotte wurde zwar in Dienst gestellt, unternahm aber nichts von
  Belang.

  =Frankreich= sammelte eine Flotte von 40 Schiffen: 11 zu 50-80 Kanonen,
  29 zu 30-40 Kanonen, einige kleinere und 15 Brander[162] -- unter dem
  Befehl des =Herzogs von Beaufort=, dem berhmte Seeleute, wie Chevalier
  =St. Paul=, =Abraham du Quesne= und =Chteau-Renault= unterstellt
  waren. Die Flotte lief schon im Januar 1666 von Toulon aus, erreichte
  aber erst Ende August La Rochelle, kam nie weiter als bis nach Dieppe,
  im September, und ging dann nach Brest zurck. Obgleich whrend der
  ganzen Zeit Unterhandlungen mit Holland ber das Zusammentreffen der
  beiderseitigen Flotten gefhrt waren, kam es zu keiner Vereinigung.

  [162] Clowes, Teil II, Seite 286, gibt ein Verzeichnis der Schiffe mit
        Namen, Kanonen- und Mannschaftszahl, als bemerkenswert, da es
        die erste grere Flotte Frankreichs in den nrdlichen Gewssern
        sei; andere Quellen weichen unbedeutend davon ab.

$England$, von einer so mchtigen Liga bedroht, machte gleichfalls mit
grter Anspannung mobil und nahm dafr eine bedeutende Anleihe zu hohem
Zinsfue auf.

Die $Flotten der beiden Hauptgegner$ waren zu gleicher Zeit, Ende Mai
$1666$, seeklar. Ihre Strken sind bereits frher (Seite 258) genauer
angegeben:

       ber 40 K.  30-40K.   Kleinere Brander
    England 72       8          unbekannt     = 4460 K.; 21085 Mann
    Holland 71      13          9       9     = 4615 K.; 21909 Mann

Die englische wurde kommandiert von den Joint-Admiralen =Prinz Ruprecht=
und =Herzog von Albemarle= (Monck); diese fhrten die Mitte, die Admirale
Ayscue und Allen Vorhut und Nachhut. Jedes Geschwader war in 3 Divisionen
geteilt. Die hollndische Flotte war jetzt auch in 3 Geschwader geteilt;
ihre Mitte fhrte =Ruyter=, die Vorhut Cornelis Evertsen der ltere, die
Nachhut Tromp. Bei jedem Geschwader befand sich noch ein Admiralleutnant,
bei der Mitte noch ein Vize- und ein Kontreadmiral, bei Vorhut und
Nachhut je zwei Offiziere dieses Dienstgrades.

  Im Leben Ruyters, Seite 362, ist die Order des Flottenchefs
  wiedergegeben, die die Folge enthlt, in der die Flaggoffiziere vor und
  hinter ihm zu segeln haben. Ich mchte sie als Beispiel anfhren

           {              1 Vizeadmiral     } Aus dieser Segelfolge geht
           { =Evertsen=   1 Kontreadmiral   } die Einteilung in 3
  Vorhut   {              1 Vizeadmiral     } Geschwader klar hervor,
           {              1 Admiralleutnant } die Einteilung in 3
           {              1 Kontreadmiral   } Divisionen aber doch nur bei
                                              der Mitte. Bei Vorhut und
           {              1 Admiralleutnant   Nachhut sollte man eher eine
  Mitte    { =Ruyter= und 1 Kontreadmiral     Einteilung in 2 Divisionen,
           {              1 Vizeadmiral       die dann wieder in je 3
                          1 Vizeadmiral     } Unterabteilungen geteilt
           { =Tromp=                        } sind, annehmen; also fr
  Nachhut  {              1 Kontreadmiral   } jedes dieser Geschwader hier
           {              1 Vizeadmiral     } wieder 6 Gruppen. Jedoch
           {              1 Admiralleutnant } sprechen die Quellen
           {              1 Kontreadmiral   } ausdrcklich von der
  Einteilung in 3 Geschwader zu 3 Divisionen. Ruyters Anordnungen fr das
  Gefecht beziehen sich nur auf die Verwendung der 3 Geschwader.

  Um Irrtmern vorzubeugen, sei erwhnt, da der Leutnantadmiral und der
  Kontreadmiral der Mitte den Namen van Nes fhrten.


             Die Viertage-Schlacht am 11. bis 14. Juni 1666.

  =Diese Schlacht gilt mit Recht als eine der berhmtesten.= Auf beiden
  Seiten ist eine ungeheure Zahl schwerer Schiffe vorhanden; an vier
  aufeinander folgenden Tagen wird hei gerungen; die beiden Flottenchefs
  waren die berhmtesten Seebefehlshaber ihrer Lnder. Monck hat fr
  England vielleicht nicht dieselbe Bedeutung wie Blake, Ruyter aber
  nimmt nicht nur in der hollndischen Marine, sondern auch unter allen
  Seeoffizieren jener Zeit zweifellos den ersten Platz ein. Gerade ber
  diese Schlacht geben auch die alten Quellen genauere und
  zusammenhngendere Schilderungen als sonst, und sie ist deshalb auch in
  neuerer Zeit oft bearbeitet worden. Ich folge bei der Beschreibung in
  der Hauptsache Mahan, einer neueren Bearbeitung; Clowes gibt fast die
  gleiche Schilderung. Mahan hat einen Aufsatz der Revue maritime et
  coloniale[163] zugrunde gelegt, in dem der erst neuerdings
  aufgefundene Brief eines Hollnders, Kriegsfreiwilligen bei Ruyter an
  Bord, ber die Viertageschlacht verffentlicht ist. Diese Schilderung
  ist noch klarer und zusammenhngender als die anderer alten Quellen,
  die aber zum Teil in den Hauptzgen die Richtigkeit besttigen, so da
  es einigermaen mglich ist, die vielen Widersprche, die sich in den
  alten Berichten finden, zu klren.[164]

  [163] Siehe Chabaud-Arnault im Quellenverzeichnis.

  [164] Clowes, Teil II, Seite 276, fhrt die Hauptwerke ber die
        Schlacht auf, etwa 20. Mir haben von diesen vorgelegen: de Jonge,
        Teil II, darin eine neuere Schilderung; Leben Ruyters, genaue
        Beschreibung einzelner Episoden; Vie de Tromp mit Berichten
        Tromps und Ruyters, einigen Briefen sowie einer amtlichen
        hollndischen Relation, etwa 14 Tage nach der Schlacht
        geschrieben. Nach jedem Schlachttage werde ich etwaige wichtigere
        Abweichungen dieser Werke gegen Mahan kurz anfhren.

Die hollndische Flotte war am 3. Juni in den Wielingen, Bnken vor
Ostende, zusammengetreten und am 5. vollzhlig versammelt.[165] Sie wurde
jedoch durch flaue auflandige Winde einige Tage an der Kste
festgehalten, erst nach und nach gelang es durch Segeln bei Ebbe und
Ankern bei Flut vom Lande abzukommen. Am 10. Juni setzte =Ruyter= bei
nordstlichem Winde seinen Kurs auf Northforeland, um die seit dem 8. in
den Downs liegende englische Flotte aufzusuchen.

  [165] Als bemerkenswert fr uns Deutsche sei erwhnt, da das
        Kontingent Amsterdam vor dem Auslaufen am 16. Mai vom Groen
        Kurfrsten und dem Prinzen von Oranien besucht wurde. Die Schiffe
        lagen in Flaggengala, der hohe Besuch speiste bei Ruyter,
        besichtigte verschiedene Schiffe sowie eine Gefechtsbung zweier
        Fregatten u. a. Leben Ruyters, Seite 359.

[Illustration: Herzog von Albemarle (Monck).]

Die Flotten der Gegner waren nahezu gleichwertig; wenn die Hollnder
etwas an Zahl berlegen waren, so wurde dies durch die bessere Armierung
der Englnder reichlich ausgeglichen. =Englischerseits= wurde jetzt aber
vor dem Zusammensto ein groer =strategischer Fehler= gemacht. =Knig
Karl II.= hatte die, wie sich spter herausstellte, falsche Nachricht
erhalten, die franzsische Flotte nhere sich schon dem Eingange des
Kanals behufs Vereinigung mit der hollndischen. Er gab deshalb von
London aus den Befehl, =Prinz Ruprecht= solle mit dem weien Geschwader
(Vorhut) nach dem Westen gehen, wahrscheinlich bis Wight, hier noch etwa
10 Schiffe aus Plymouth an sich ziehen und den Franzosen entgegentreten.
Diese Order erreichte die Flotte bei ihrem Eintreffen in den Downs; der
Prinz ging sofort (8. oder 10. Juni) mit etwa 20 Schiffen der Vorhut, die
Flaggschiffe jedoch bei der Flotte lassend, nach dem Westen ab,
=Albemarle= (am 10.) aber Ruyter entgegen. Ruprecht war den Franzosen
gerade gewachsen, Albemarle jedoch mit jetzt nur 58 Schiffen ber 30
Kanonen wesentlich schwcher als die Hollnder.

=Ruyter= war, da der Wind bei dickem Wetter auf Sdwest herumging und
auffrischte, in der Nacht vom 10. auf 11. ungefhr in der Mitte zwischen
Dnkirchen und den Downs zu Anker gegangen, Albemarle ebenso einige
Meilen zu Luward von ihm; beide Flotten sichteten sich am $11. Juni$ um 9
Uhr $vormittags$. =Albemarle= lichtete sofort Anker, um anzugreifen,
obgleich er schwcher war. Bei seiner Luvstellung rechnete er mit dem
Vorteil, die Wahl des Angriffspunktes sowie Umfang und Dauer des Gefechts
in der Hand zu haben. Seine Seeoffiziere waren gerade wegen der
Luvstellung gegen den Angriff, da sie richtig voraussahen, da man bei
dem starken Winde und der bewegten See die untersten Batterien nicht
wrde gebrauchen knnen. Die Hollnder erwarteten aus denselben Grnden
auch keinen Angriff und lichteten zunchst nicht Anker, so da sie spter
grtenteils kappen muten; sie strebten auch whrend der Schlacht nicht
danach, die Luvseite zu gewinnen.

[Illustration: Der 11. Juni der Viertage-Schlacht 1666.]

Die hollndische Flotte lag mit dem Bug nach Sdsdwest, die Nachhut
(Tromp) zu Luward, Mitte und Vorhut staffelfrmig mehr und mehr in Lee.
Albemarle fhrte seine Flotte ber Backbord-Bug an dem Gegner entlang,
lie aber dessen Mitte und Vorhut auer Schuweite und nherte sich erst,
als er querab der Nachhut war. Die Hollnder gingen nun ber denselben
Bug auch unter Segel, aber das Gefecht entbrannte zunchst nur, gegen
Mittag, zwischen der englischen Flotte und =Tromp=. Wenn auch bei der
langen Linie Albemarle nur etwa 35 Schiffe gut aufgeschlossen bei sich
sah, weil seine Nachhut etwas zurckgeblieben war und ihre Linie sich
geffnet hatte, so war er doch in den ersten Stunden des laufenden
Gefechts der berlegene (Skizze S. 275: Position 1).

Die hollndische Mitte konnte erst allmhlich herankommen und in das
Gefecht eingreifen, die Vorhut erst gegen Ende der Schlacht. Tromps
Schiffe litten schwer; der Admiral selbst mute noch in der Schlacht auf
ein anderes Schiff bergehen, ein (oder gar zwei) Fahrzeuge verbrannten,
ein Kontreadmiral fiel. Nach etwa 4 Stunden halste die englische Flotte,
alle Schiffe zugleich, da man frchtete, den Bnken vor Dnkirchen zu
nahe zu kommen; Tromp folgte diesem Beispiel. Die fechtenden Schiffe
beider Gegner waren etwas nach Lee getrieben, dadurch war es =Ruyter=
leichter mglich geworden, heranzukommen (Position 2). Whrend nun die
Englnder ber Steuerbord-Bug nach Westen zogen, stie ihre jetzt
schlieende Vorhut scharf mit Ruyter zusammen; ihre Schiffe hatten wohl
am meisten gelitten und auch die Fhlung verloren, sie wurden nun bel
zugerichtet (Position 3), verschiedene Schiffe wurden hier abgeschnitten
und auer Gefecht gesetzt; der Vizeadmiral =Berkeley= fiel. Hier konnten
jetzt auch schon die ersten Schiffe der hollndischen Vorhut eingreifen;
ihr Chef, Leutnantadmiral =Evertsen=, wurde dabei gettet (Position 4).

  Einige Einzelheiten mgen folgen, um die Kampfweise zu
  veranschaulichen: Eins der abgeschnittenen Schiffe Swiftsure,
  Flaggschiff des Vizeadmirals Berkeley, wurde umringt und von
  verschiedenen Seiten geentert. Der Admiral focht schlielich fast
  allein auf dem Quarterdeck, weil alles um ihn gefallen war, bis ihn
  eine Pistolenkugel durch die Gurgel traf. Darauf zog er sich in die
  Kajte zurck und wurde hier auf dem Kajtstisch ausgestreckt tot
  aufgefunden. -- An dem bewegungslosen Schiff des Kontreadmirals Harman
  machte sich ein Brander fest. Dem ersten Leutnant gelang es aber mitten
  in den Flammen die Fangeisen zu lsen und sich unbeschdigt aufs eigene
  Schiff zurckzuschwingen. Ein zweiter Brander setzte die Segel in
  Brand, fast 50 Mann sprangen im Schreck ber Bord. Der Admiral selbst
  trieb mit gezogenem Sbel die Besatzung zum Lschen an; es gelang, aber
  eine herabfallende Marsraa zerbrach dem Admiral ein Bein. Ein dritter
  Brander wurde in den Grund geschossen. Jetzt naht Evertsen und fordert
  zur bergabe auf. Harman antwortet: Soweit sind wir noch nicht, gibt
  eine Breitseite ab, wodurch Evertsen gettet wird, bringt dann sein
  Schiff aus dem Gefecht nach Harwich und sucht nach nur eintgiger
  Ausbesserung und trotz seines gebrochenen Beines die Flotte wieder auf;
  er kommt aber zum Kampfe zu spt. hnliche Beispiele hartnckiger
  Ausdauer und unbeugsamen Mutes finden wir auch auf hollndischer Seite
  im Leben Ruyters.

Erst die Nacht trennte die Gegner, doch scheint es sich zuletzt nur noch
um den Kampf in der Melee einiger Schiffe Ruyters und Evertsens mit den
Schluschiffen der Englnder gehandelt zu haben. Das englische Gros zog
Nordwest steuernd ungehindert an dem Evertsenschen Geschwader, das zum
grten Teil nicht ins Gefecht gekommen war, vorber und die Hollnder
machten sich daran, ihre Beschdigungen auszubessern, darunter Ruyters
bel zugerichtetes Schiff.

  Mahan sagt zu diesem Tage: Der Angriff Albemarles war ein taktisches
  Meisterstck, hnlich dem Nelsons bei Abukir. Mit schnellem Blick hatte
  er einen schwachen Punkt des Feindes erkannt und eine betrchtlich
  strkere Streitmacht so angegriffen, da nur ein Teil dieser ins
  Gefecht kam. Wenn auch die Englnder die greren Verluste erlitten, so
  nahmen sie doch das Bewutsein einer glnzenden Waffentat mit sich,
  whrend bei den Hollndern rger und Niedergeschlagenheit herrschen
  mute.

  Er fgt ferner hinzu: Der (schon erwhnte) Augenzeuge sagt, das
  Migeschick der Englnder habe seinen Grund darin gehabt, da ihre
  Linie zu lang gewesen sei; wenn Monck aufgeschlossener gefahren wre,
  so htten die Hollnder nicht einige Schiffe abschneiden knnen. Die
  Bemerkung ist richtig, die Kritik kaum. Das Auseinanderkommen war bei
  soviel Segelschiffen unvermeidlich und eine der Zuflligkeiten, mit
  denen Monck rechnen mute.

  Ich mchte in dieser Beziehung darauf hinweisen, da der Sto auf Tromp
  allerdings noch wuchtiger gewesen sein wrde, wenn beim Angriff Moncks
  Flotte vllig aufgeschlossen gewesen wre; dies war durch das zu
  schnelle Heranfhren einer langen Linie von Segelschiffen verhindert.
  Abgeschnitten wurden nachher aber nur Schiffe, die geschlossen ins
  Gefecht gefhrt waren und beschdigt zurckblieben, als Monck der Snde
  wegen halsen mute. Hierin kann man also keinen Fehler erblicken.

Beide Flotten benutzten die Nacht, um Beschdigungen auszubessern,
Kartuschen zu fllen, kurz, sich auf einen neuen Kampf vorzubereiten;
dieser folgte bereits am nchsten Tage.

Die Englnder hatten die Nacht ber nach der englischen Kste zu gelegen
und kehrten am Morgen zurck; die Hollnder waren nach Abbruch des
Gefechts zunchst sdstlich gesteuert und standen dann wieder nach
Westen hin. Beim $Zusammensto am 12. Juni$ lagen die Englnder ber
Backbord-Bug, die Hollnder ber Steuerbord; die Englnder standen bei
leichtem Sdwestwinde zu Luward. Die hollndische Linie war weit lnger,
mindestens 75 Schiffe standen 44 gegenber, aber sie war nicht gut
geordnet, einzelne Fahrzeuge maskierten das Feuer anderer.

[Illustration: Der 12. Juni der Viertage-Schlacht 1666.]

=Tromp= sah dies und ging, um den Nachteil auszugleichen, mit der Nachhut
auf die Luvseite der Englnder hinber, als die Spitzen der beiden
Flotten querab voneinander waren; er konnte dieses Manver ausfhren,
weil die Englnder nicht beim Winde lagen, um die feindliche Linie auf
Parallelkurs zu passieren. Er scheint sogar einen kurzen Schlag ber
Backbord-Bug gemacht zu haben (Skizze S. 278: Position 1). Sein Benehmen
mute Ruyter irremachen; es kam hinzu, da gleich darauf zwei
Flaggschiffe der Vorhut hart abhielten, als sie etwa querab vom
feindlichen Zentrum waren; um seine Flotte einigermaen beieinander zu
halten, mute auch er abhalten (Position 2). So kam Tromp durch die in
guter Ordnung weiter segelnden Englnder in groe Gefahr; einer seiner
Vizeadmirale fiel, er selbst mute wiederum sein Flaggschiff wechseln.
Vielleicht wre er vernichtet worden, wenn nicht =Albemarle= die
Ausnutzung seiner gnstigen Lage htte aufgeben mssen, da =Ruyter= die
wiedergesammelten Teile seiner Flotte ber Backbord-Bug heranfhrte und
die Luvstellung zu gewinnen drohte (Position 3). Wie schmerzlich Ruyter
das Benehmen seiner Unterfhrer empfand, kam zum Ausdruck, als Tromp in
einer Pause nach diesem Gefecht zu ihm an Bord kam: die Matrosen
jubelten ihm zu, Ruyter aber sagte: Es ist jetzt keine Zeit zu
Freudenbezeugungen, eher fr Trnen. Die Lage war auch weiter noch
hchst ungnstig. Die Ordnung der Hollnder war gnzlich zerstrt, eine
Linie gab es nicht, die Schiffe lagen wie eine Herde Schafe zusammen.
Die Englnder htten bei rechtzeitiger Rckkehr den unbehilflichen Haufen
umzingeln und zusammenschieen knnen; Albemarle scheint jedoch noch
lngere Zeit ber Backbord-Bug weiter gelegen und dann wieder passiert zu
haben, ohne ernstlich anzugreifen (Position 4). Wahrscheinlich fhlte er
sich bei der geringen Zahl seiner Schiffe, die wohl auch vielfach durch
Beschdigungen in der Takelage im Manvrieren gehindert waren, nicht
stark genug, auf eine solche Weise die Entscheidung herbeizufhren.

Ruyter gewann also Zeit, seine Linie wieder herzustellen, bis Albemarle
zum zweiten Male zurckkam. Bei diesem dritten Passieren verlor Ruyters
Schiff Groraa und Grostnge, so da bei einem vierten =van Nes= die
Flotte fhren mute; dieser befand sich bei der Mitte und war als
Leutnantadmiral der Maas stellvertretender Chef. Nach dem letzten
Zusammentreffen brach =Albemarle= ab und zog sich nach Westen zurck.
=Der Verlust= an Schiffen scheint am zweiten Tage annhernd gleich
gewesen zu sein, 3 oder 4 auf jeder Seite gesunken oder verbrannt. In
ihrer Gesamtheit hatten die englischen Schiffe wohl mehr gelitten. Der
Rckzug Albemarles war jedoch, auch nach den hollndischen Aussagen, ein
ehrenvoller, in vollster Ordnung ausgefhrt. Mit einer Dwarslinie seiner
am wenigsten beschdigten Schiffe (16 oder 28) deckte er die schwerer
beschdigten; drei davon verbrannte er, damit sie nicht hinderten und
auch nicht dem Feinde in die Hnde fielen (Position 5).

  Fr diesen zweiten Tag sind die =Abweichungen= in den lteren Quellen
  und Werken nicht unwesentlich. Zunchst sprechen diese von ein oder
  zwei Passiergefechten, ehe vorstehende Beschreibung einsetzt; dann habe
  Windstille den Kampf bis gegen Mittag unterbrochen. Dies ist nicht so
  wichtig, weil hierbei keine ausschlaggebenden Ereignisse vorgekommen
  sind; wichtiger aber ist, da bei der Wiederaufnahme des Kampfes, der
  dann im allgemeinen wie geschildert verluft, nach einigen Quellen beim
  ersten Passieren (Position 1) die Hollnder zu Luward gestanden haben
  sollen (so nach der Relation und nach Leben Ruyters; de Jonge und
  Ruyters Bericht heben es nicht hervor); nur Tromp sei in Lee gewesen,
  entweder weil er eigenmchtig den Feind durchbrochen habe oder weil er
  die Luvstellung nicht mit habe gewinnen knnen, Ruyter habe ihm durch
  Einbrechen in die feindliche Linie zu Hilfe kommen wollen. Die
  Verwirrung in der hollndischen Flotte sei nach einigen Quellen dann
  herbeigefhrt, weil zu wenig Schiffe Ruyter gefolgt seien, nach andern,
  weil Ruyter seine Absicht wieder habe aufgeben mssen, da die Englnder
  Miene machten, ihn von dem Rest der Flotte zu trennen. Von der Position
  4 einschlielich an stimmen die Angaben dann berein. Die Verwirrung in
  der Flotte, die schlimme Lage bei Position 4, ist in hollndischen
  Quellen nur zwischen den Zeilen zu lesen. Die Eigenmchtigkeit Tromps
  wird nur von de Jonge angedeutet, Ruyter selbst erwhnt sie in seinem
  Bericht nicht, was wohl mit seinem vornehmen Charakter zu erklren
  wre, um so mehr, falls Tromp nur in bester Absicht so gehandelt hatte.

$Am 13. Juni$ setzten die Englnder in derselben Weise (Position 5) bei
stlichem Winde den Rckzug fort. =Albemarle= wollte ein Gefecht
vermeiden, bis er durch das Geschwader des Prinzen Ruprecht verstrkt
wre. Diesem war sofort beim Erscheinen der hollndischen Flotte von
London aus der Befehl zur Rckkehr nachgesandt, aber, wie man sagt, aus
Unachtsamkeit nicht durch Kuriere und Eilschiffe, sondern mit der
gewhnlichen Post nach Plymouth. Die Hollnder setzten alle Segel zur
Verfolgung bei, verloren aber in dem Bestreben, am Feinde zu bleiben,
infolge ihrer im allgemeinen geringeren Segelfhigkeit jede Ordnung. Es
kam am 13. zu keinem Zusammensto, nur auf weitere Entfernungen wurden
einige Schsse gewechselt. Am Nachmittag kam im Westen ein Geschwader von
etwa 25 Segeln in Sicht; zum Glck fr die Englnder war es =Ruprecht=
und nicht die Franzosen.

  Einen Erfolg brachte dieser Tag doch fr Holland. Am Nachmittag lief
  das Schiff des Admiral Ayscue (Vorhut) bei Galloper auf und wurde von
  Tromp, untersttzt von 2 Brandern, zum Streichen der Flagge gezwungen
  (Position 5); von seinen Kameraden konnte es nicht untersttzt werden,
  ohne den ganzen Rckzug zu gefhrden. Gern htte Tromp sein Opfer --
  den Royal Prince, das stolzeste Schiff Englands -- als Beute
  heimgefhrt, aber Ruyter befahl die Verbrennung. Anhnger Tromps legten
  dies als eine Migunst des Flottenchefs aus, was aber bei Ruyters
  Charakter hchst unwahrscheinlich ist, und der Vorfall erhhte die
  Spannung zwischen den beiden Admiralen. Ruyter war jedoch im Recht; er
  gab den Befehl, weil er im Hinblick auf das gesichtete Geschwader einen
  Verlust der Beute frchten mute.

Beim Einbruch der Nacht vereinigten sich die beiden englischen Fhrer und
beschlossen, am andern Tage wieder anzugreifen. Die Entscheidung stand
bevor, auch Ruyter wollte sie herbeifhren, obgleich die Verhltnisse
jetzt nicht mehr so gnstig fr ihn lagen. An Zahl der Schiffe waren die
Gegner zwar nahezu gleich, es standen sich etwa 64 Hollnder und 60
Englnder gegenber -- auer den vernichteten waren viele beschdigte von
den Flotten abgekommen --, aber die Englnder verfgten ber gut 20
unversehrte Schlachtschiffe mit frischen Besatzungen; schon in der
Minderzahl hatten sie sich infolge ihrer besseren Flottendisziplin fast
gleichwertig gezeigt. Ruyter steuerte die Nacht ber stlich, um freieres
Wasser zu erreichen, rief am Morgen seine Kommandanten an Bord, ermahnte
sie noch einen Tag auszuhalten und suchte dann auch den Feind auf.

$Am 14. Juni$ wehte es frisch aus Sdsdwest, die Hollnder waren zu
Luward, beide Flotten lagen ber Steuerbord-Bug. Die Englnder machen
keinen Versuch, die Luvstellung zu gewinnen; beide Fhrer manvrieren
nicht darauf hin, ein Passiergefecht herbeizufhren, sondern benutzen
einerseits die Luvstellung, anderseits die bessere Segelfhigkeit dazu,
ihre Flotte zum Angriff genau querab vom Feinde zu fhren. So entbrennt
ein laufendes Gefecht der ganzen Linien unter kleinen Segeln und auf
nchste Entfernungen; teilweise berhren sich die Raaen (Skizze: Position
1).

Infolge des Pulverrauchs und der Beschdigungen geht bald die Ordnung
verloren, besonders gewinnen viele englische Schiffe die Luvstellung
einigen Hollndern gegenber, da sie ja hher beim Winde liegen konnten.
So kommt =Tromp= mit 6-8 wahrscheinlich beschdigten Schiffen der Nachhut
nach Lee und ist lngere Zeit nicht imstande, sich am Gefecht zu
beteiligen. Eine zweite Gruppe hollndischer Schiffe (14?) unter dem
Kontreadmiral =van Nes= kommt dadurch von der Flotte ab, da sie unter
vermehrten Segeln eine, sehr nach Luward aufgesteuerte, englische Gruppe
(4? Schiffe) von ihrer Hauptmacht abschneidet, verjagt und verfolgt. Der
Rest der hollndischen Flotte war so einem berlegenen Feinde
gegenbergeblieben. Glcklicherweise hatte =Ruyter= immer noch gegen 35
Schiffe der verschiedenen Geschwader bei sich und stand mit seiner
Hauptmacht zu Luward der feindlichen (Position 2); immerhin war es
lngere Zeit eine schwere Lage fr ihn. Hart am Winde, vielleicht auch
aufkreuzend, steuerte unter heiem Kampf und teilweise in der Melee diese
Hauptschlacht nach Luward auf.

Inzwischen hatte Tromp seine Schiffe in stand gesetzt. Um wieder auf den
Kampfplatz zu kommen, prete er Segel, lief in Lee der kmpfenden Flotten
vorbei und riet auch van Nes von der Verfolgung ab. Beide wendeten. Zwar
konnten sie die Luvstellung nicht gewinnen, aber sie erschienen doch fast
gleichzeitig in Lee der Hauptflotten, so da die Englnder dubliert waren
(Position 3). Als Ruyter dies sah, gab er das Signal zum allgemeinen
Angriff, Einbruch in den Feind, wodurch die englische Ordnung vllig
zerstrt wurde (Position 4). Noch eine kurze Zeit wurde hei gefochten;
nach und nach gelang es aber den englischen Schiffen, sich aus der nun
allgemeinen Melee nach Luward in eine gewisse Sicherheit zu ziehen und
sich gegen 7 Uhr abends wieder zu sammeln. Einige 20 Segel kamen so
zusammen; an 10 bis 12 Schiffe waren an diesem Tage verloren gegangen,
viele andere von der Flotte abgekommen. Es wehte jetzt sehr schwer, so
da auch die ermatteten Hollnder mit ihren beschdigten Schiffen nicht
mehr an eine Erneuerung des Kampfes dachten.

[Illustration: Der 14. Juni der Viertage-Schlacht 1666.]

  Die =lteren Schilderungen= weichen nur unwesentlich ab: der Wind wird
  auf Sdsdost angegeben. Dann sagen diese, Ruyter habe gleich bei
  Beginn des Gefechts den Befehl gegeben, in die feindliche Ordnung
  einzubrechen; dies sei von den drei Geschwadern an drei verschiedenen
  Stellen geschehen. Die englische Ordnung sei hierdurch gestrt, aber
  gleich wieder hergestellt worden. Das Manver sei dann wiederholt
  worden, aber nicht allen Schiffen gelungen, und Tromp habe sich mit
  einigen Schiffen aus dem Gefecht zurckziehen mssen. So kommen wir auf
  diese Weise zu Position 2, von der an dann, einschlielich des
  Vorfalles van Nes, die Beschreibung die gleiche bleibt. -- Wenn Mahans
  Augenzeuge[166] sagt, van Nes habe das Manver mit der Vorhut
  ausgefhrt, so drfte dies ein Irrtum sein. Nach der Ordre de bataille
  standen beide van Nes bei der Mitte; da der Leutnantadmiral die erste
  Division dieses Geschwaders fhrte, hat vielleicht eine Verwechslung
  der Personen zu dem Irrtum Veranlassung gegeben.

  [166] Mahan, Teil I., Seite 118, dagegen Leben Ruyters Seite 362
        und 374.

Abends war Nebel aufgekommen, die Hollnder frchteten die englischen
Bnke, und so verloren sich die Gegner whrend der Nacht aus Sicht. Als
man am 15. Juni morgens auch von den Toppen kein feindliches Segel mehr
sah, fhrte =Ruyter= seine Flotte nach den Wielingen zurck; sie war
nicht mehr imstande, ohne grndliche Ausbesserungen lngere Zeit die See
an feindlicher Kste zu halten. Es mangelte auch an Munition, doch diese
htte man kommen lassen knnen. Munitionsschiffe waren vorhanden.

=Die Viertageschlacht war eine groe Niederlage der Eng1nder.= Sie
selbst geben zu, da ihr =Verlust= 17-19 Schiffe (die Hollnder sagen 32)
-- darunter 6 in Feindeshand gefallen --, 5000 Tote und Verwundete, 3000
Gefangene betragen habe und da die brigen Schiffe ganz auerordentlich
gelitten htten. Die Hollnder verloren 4-7 Schiffe (sie selbst sagen nur
4) und 2-3000 Mann.

Der den Englndern zugefgte Verlust war aber auch der einzige Erfolg der
Hollnder. Die eigene Flotte war nicht imstande, den Sieg auszuntzen,
und vernichtet war die feindliche Seestreitkraft nicht, wie sich bald
zeigen sollte. Ruyter hatte sich als groer Fhrer gezeigt, die meisten
Hollnder hatten wie stets brav gefochten, aber Mangel an Einsicht und
Disziplin war doch wieder zutage getreten, whrend sich die englische
Flottendisziplin auch in ungnstigen Lagen glnzend bewhrt hatte.


       Die zweite Schlacht bei Northforeland am 4./5. August 1666

               (Schlacht vor der Themse; St. James' Fight)

              und die weiteren Ereignisse des Jahres 1666.

In =Holland= ging man mit groem Eifer an die Wiederherstellung der
beschdigten Schiffe oder ihren Ersatz. Schon am 4. Juli waren 59
Kriegsschiffe und 1 Brander, am 6. gar 75 und 7, segelfertig; nach dem
Auslaufen traten noch weitere Fahrzeuge, besonders Brander, hinzu.
=Ruyter= hatte den Befehl, so schnell wie mglich zur englischen Kste zu
gehen, um die Wiederaufstellung der englischen Flotte und die Vereinigung
ihrer verschiedenen Teile zu hindern. Zu diesem Zweck waren Vorste
gegen die Ausrstungshfen und Ankerpltze ins Auge gefat; man dachte
sogar im Haag an eine Landung bei Northforeland unter der Anleitung eines
Englnders[167], der als geflohener Republikaner in Holland lebte, und
schiffte hierzu 6000-7000 Landsoldaten auf Transportern ein. Fr den
weiteren Feldzug hoffte man nun fest auf die Untersttzung der Franzosen.
Vom 4. Juli an bestand die Absicht, in See zu gehen, aber wiederum
erschwerten flaue und auflandige Winde das Auslaufen aus den Wielingen
und hielten die Flotte an der Kste fest; erst am 13. erschien Ruyter vor
der Themse. Jedoch man hatte den letzten Erfolg berschtzt. Auch
=England= hatte seine Schiffe wieder hergestellt und sie infolge des
verzgerten Auslaufens des Gegners in der Themse und in Harwich
zusammenziehen knnen, so da sie an anderen Orten keine Angriffspunkte
mehr boten.

  [167] Leben Ruyters, Seite 383: Samuel Raven in Rotterdam glaubte
        dort Freunde zu finden, mit deren Hilfe er einen Aufstand erregen
        knnte.

Die Schiffe in Harwich, etwa 20, anzugreifen, wagte =Ruyter= nicht, da
die enge Hafeneinfahrt stark befestigt war. In die Themse sandte er am
13. ein Geschwader von 7 Schlachtschiffen und 10 Gallioten. Diese
=Erkundungsabteilung= drang auslotend bis in die Hhe des Mittelgrundes
vor, englische Vorposten zogen sich auf ihre Flotte bei Sheerness zurck.
Man fand alle Seezeichen aufgenommen und alle vielleicht zu einer Landung
geeigneten Pltze stark besetzt; ebenso hatte sich die beabsichtigte
Landung bei Northforeland als undurchfhrbar gezeigt. Eine weitere
Forcierung der Themse schien bei dem unbekannten Fahrwasser, besonders
fr schwere Schiffe und mit dem Feinde in Harwich in der Flanke,
unmglich. Der Landungsplan wurde aufgegeben und die Transporter mit
Soldaten zurckgesandt, wie man auch ein um diese Zeit ergangenes
Anerbieten Ludwigs XIV., in Dnkirchen 2000 Mann zur Einschiffung zu
stellen, ablehnte. =Ruyter= blockierte nun den Flu und beschlo, das
Herauskommen des Gegners abzuwarten. Er gab fr diesen Fall den Befehl
fr alle Schiffe aus, sich dann aus der Themsemndung zurckzuziehen, um
dem Feinde frei von den Snden im offenen Wasser entgegenzutreten.
Dementsprechend wurde verfahren, als man die Englnder am 1. August mit
der Ebbe den Flu herabkommen sah. Beide Flotten ankerten am Abend dieses
Tages, die Englnder noch im Flurevier. Am 2. kamen diese in See, flaue
Winde hinderten jedoch eine gegenseitige Nherung. In der folgenden Nacht
setzten schwere Gewitterben ein, die auf beiden Seiten Beschdigungen
verursachten; Ruyter war froh, seine Flotte gerade vorher noch frei von
den Gallopersnden gefhrt zu haben. Am 3. wurde bei umspringenden Winden
um die Luvstellung manvriert, auch strebte Ruyter weiter dahin, von den
Snden abzukommen; Abends ankerten beide Flotten wiederum, wahrscheinlich
ostnordstlich von $Northforeland$ in freiem Wasser. Die =englische
Flotte= war 89 Schiffe, 20 Brander (nach Clowes 81 und 18) stark; sie
stand unter dem gemeinsamen Befehle von =Albemarle= und =Prinz Ruprecht=
(beide auf Royal Charles 90 K.), die Vorhut fhrte Admiral Allen, die
Nachhut Admiral Smith. Die =hollndische Flotte= zhlte 72
Schlachtschiffe zu 37-80 Kanonen, 16 Fregatten zu 26-30 Kanonen, 10
Advisjachten und 20 Brander; =Ruyter= (7 Provinzen 80 Kanonen)
kommandierte die Mitte, Jan Evertsen die Vorhut, Tromp die Nachhut.

  Es waren also hnliche Flotten wie vor der Viertageschlacht,
  englischerseits 4460 Geschtze, hollndischerseits 4704. ber die
  englischen Schiffe sind genauere Angaben nicht vorhanden. Die
  hollndischen findet man nach Kanonenzahlgruppen nher aufgefhrt in de
  Jonge, Teil I, Beilage XXXV. In Leben Ruyters Seite 378 steht die
  hollndische Ordre de Bataille, die aber belanglos ist.

  =Jan Evertsen= hatte sich trotz seiner Mihandlung wieder zum Kommando
  gemeldet: um wie sein Vater, einer seiner Shne und seine vier Brder,
  wenn ntig, fr das Vaterland zu sterben; er fand auch seinen Tod in
  dieser Schlacht.

Am frhen $Morgen des 4. August$[168] lichteten beide Flotten Anker. Es
war flau mit hufig eintretenden Stillen. Der Wind scheint zwischen
Nordost und Nordwest gespielt zu haben, nur so sind die Widersprche in
den Quellen bei den Windangaben zu verschiedenen Zeiten und an den
verschiedenen Orten des Gefechtes zu erklren. Nach den lteren
hollndischen Angaben haben die Englnder nordstlich der Hollnder zu
Anker gelegen und nachher die Luvstellung gehabt; nach Clowes ist der
Wind bei Erffnung des Gefechts Nordwest gewesen und die Hollnder haben
zu Luward gestanden, aber auch hier wird bald von nrdlichem und
nordstlichem Winde gesprochen. Die im brigen ziemlich gleiche
Beschreibung der Schlacht lt die Luvstellung der Englnder
wahrscheinlicher erscheinen. Die englische Flotte war in gut rangierter
Kiellinie. Die Ordnung der Hollnder lie viel zu wnschen brig. Infolge
des Ankerlichtens bei flauem Winde mit Stillen und scheinbar erst
ausgefhrt, als der Feind schon unter Segel gesichtet, waren Vorhut und
Mitte zwar aufeinander aufgeschlossen, hatten aber verschiedene Schiffe
in Lee stehen; die Nachhut unter Tromp war weiter zurckgeblieben.

  [168] Quellen wie bei der Viertage-Schlacht, nur Mahan beschreibt sie
        nicht. Die in England auch gebruchliche Bezeichnung St. James'
        fight rhrt daher, da sie am St. James-Tage geschlagen wurde.

Mehrere Stunden vergingen, bis die Gegner zusammentrafen, erst zwischen
10 und 11 Uhr begann das Gefecht. Beide Flotten lagen ber
Steuerbord-Bug, die Englnder wie gesagt wahrscheinlich zu Luward. Zuerst
stieen die =Vorhuten= zusammen, dann die =Mitten= und zwischen diesen
Flottenteilen entbrannte ein sofort heftiger Kampf; der leichte Wind
erlaubte dieses Mal die vollste Ausntzung der schwereren Artillerie
seitens der Englnder. Besonders die hollndische Vorhut leidet schwer
und mit verhngnisvollen Zufllen: Der Chef, =Jan Evertsen=, und ein
Vizeadmiral fallen, der zweite Leutnantadmiral =de Vries= wird tdlich
verwundet, das Flaggschiff des zweiten Vizeadmirals mu verlassen werden
und sinkt dann. Die Folge ist, da die Vorhut gegen 1 Uhr zu weichen
beginnt; sie ist durch Signale Ruyters nicht zu halten, sondern mehrt
Segel, hlt ab und flieht. Die Mitte hlt sich besser, der Flottenchef
selbst kmpft hartnckig gegen die beiden schwersten englischen Schiffe
(Royal Charles 90 und Royal Sovereign 100 Kanonen). Als er aber in
einer kurzen Gefechtspause die allgemeine Flucht der Vorhut bemerkt,
seine Nachhut nur in weiter Ferne sieht, beschliet er, das Gefecht
abzubrechen. Er war um so mehr dazu gentigt, als der Angriff auf seine
Mitte noch strker zu werden drohte. Die englische Vorhut verfolgte
nmlich nicht ihren fliehenden Gegner, sondern wandte sich richtigerweise
auch gegen Ruyters Geschwader, worauf auch von diesem einzelne Schiffe
weichen. Mit etwa 20 Schiffen tritt =Ruyter= unter kleinen Segeln in
bester Ordnung den Rckzug an. Er beabsichtigte so, die Fliehenden zu
decken, und hoffte sich mit diesen und whrend der Nacht auch mit Tromp
wieder zu vereinigen und dann am nchsten Tage dem Feinde aufs neue
entgegentreten zu knnen.

=Tromp= war, wie erwhnt, weiter zurckgeblieben. In die so entstandene
Lcke der hollndischen Linie brach nun die englische Nachhut (Smyth) ein
-- so sagt Ruyter in seinem Bericht; er wirft auch Tromp vor, das
Zurckbleiben selbst verschuldet zu haben -- oder Tromp manvrierte
daraufhin, seinen Gegner von dessen Hauptmacht abzuschneiden, oder wie am
zweiten Tage der Viertageschlacht zu Luward von diesem und berhaupt
schneller an den Feind zu kommen -- so sagt Tromp in seinem
Rechtfertigungsbericht. Jedenfalls entspann sich zwischen den =beiden
Nachhuten= ein besonderes Gefecht, das sich zunchst ber Backbord-Bug
mehr und mehr vom Hauptschlachtfelde fortzog. =Smyth= soll dies mit
Absicht herbeigefhrt haben, da sein Geschwader das schwchste der
englischen Flotte, dagegen das Tromps (das Amsterdam-Kontingent) das
mchtigste der hollndischen war. Tromp war auch im Vorteil, ein groes
englisches Schiff ("Resolution 62) wurde verbrannt. Er lie sich immer
mehr verlocken, verfolgte den Gegner immer weiter, scheinbar spter mit
westlichem Winde, nach Nordosten hin, so da die Hauptflotten schlielich
aus Sicht kamen. Erst am anderen Morgen brach er das Gefecht in der Nhe
von Galloper ab und suchte seine Flotte wieder auf; den nun seinerseits
hart folgenden Smyth hinter sich, entging er nur durch Zufall der Gefahr,
von diesem und der englischen Hauptflotte in die Mitte genommen zu
werden.

$Am Morgen des 5. August$ sah sich =Ruyter= mit nur 7 oder 8 Schiffen von
den Englndern mit einigen zwanzig Segeln zu Luward, in Lee und achtern
im Halbmond umgeben und wieder angegriffen; vor ihm liefen seine brigen
Schiffe und die der Vorhut auf die Wielinge zu und waren durch kein
Signal zum Stehen zu bringen. Tapfer fechtend deckte er das Einlaufen der
Fliehenden zwischen die Bnke; der Angriff richtete sich besonders auf
sein eigenes Schiff, ein Brander konnte nur durch seine und der nchsten
Fahrzeuge Boote abgeschlagen werden. Als auch er eingelaufen war, sandte
er sofort ein kleineres Geschwader wieder in See, um Versprengte
aufzunehmen. Tromp traf erst am 6. auf der Rhede ein; sein Einlaufen
wurde nicht gehindert, da die Englnder zu weit in Lee standen.

=Die Schlacht war eine vllige Niederlage der Hollnder.= Doch scheint
ihr =Verlust= nicht so bedeutend gewesen zu sein. Englische Quellen geben
ihn zwar auf 20 Schiffe (genommene werden aber nicht erwhnt) und 7000
Tote und Verwundete an, aber die Hollnder selbst sprechen nur von 2
Schiffen und z. B. bei der Mitte nur von 518 Mann. Die eigenen Verluste
beziffern die Englnder auf ein Schiff und 300 Mann. Die =Grnde der
hollndischen Niederlage= waren: Die mangelnde Ordnung -- in diesem Falle
allerdings wohl den ungnstigen Windverhltnissen beim Ankerlichten
zuzuschreiben --, die nach dem Fall der Fhrer eingerissene Mutlosigkeit
in der Vorhut -- der alte Mangel an militrischer Einsicht und Gefhl,
sowie die mangelnde Erziehung zu einer Flottendisziplin -- endlich das
Verhalten Tromps.

Es wurde denn auch gegen mehrere Kommandanten der Vorhut die Untersuchung
eingeleitet, jedoch nicht ernstlich durchgefhrt. Tromp wurde
verabschiedet, allerdings auf sein Gesuch. Man war sich doch klar
geworden, da der im brigen so tchtige Mann mit Ruyter nicht
zusammenwirken knne. Da er sich auch sonst oft eigensinnig gezeigt hatte
und weil er Oranier war, bedauerte die Regierung seinen Verlust nicht
allzusehr. Ruyters Verdienst, die Rettung der Flotte vor gnzlicher
Vernichtung durch seine Rckzugsgefechte an beiden Tagen, wurde dagegen
allgemein anerkannt; sogar Ludwig XIV. verlieh ihm einen hohen
militrischen Orden.

  =Ruyter beschuldigte Tromp=, dem er die Hauptschuld der Niederlage
  zuschrieb, schwer. Wie milich er die Lage der Flotte angesehen, geht
  daraus hervor, da er im Gefecht am zweiten Tage ausrief: Will denn
  keine der tausend Kugeln mich treffen. Auf den Vorschlag seines
  Schwiegersohnes aber, dem Feinde entgegenzugehen und einen ehrenvollen
  Tod zu suchen, antwortete er, es sei seine erste Pflicht, die
  Fliehenden zu decken und auch die Schiffe bei ihm dem Vaterlande zu
  erhalten. Ferner sagt er in seinem Berichte, am zweiten Tage habe er
  die vllige Vernichtung der Flotte vor Augen gesehen, nur die lauer
  werdende Verfolgung -- wohl die Besorgnis der Englnder vor den nahen
  Snden -- habe eine solche verhindert.

  Er warf nun Tromp vor, durch eigene Schuld sein Zurckbleiben veranlat
  zu haben; auch spter habe dieser immer noch das Gefecht rechtzeitig
  abbrechen und leicht, da er zu Luward stand, mit seinem so starken
  Geschwader zur Untersttzung herankommen knnen. Es wurden in Holland
  selbst Stimmen laut, Tromp habe bswillig aus Eifersucht und Ha gegen
  Ruyter, ja sogar aus politischen Grnden so gehandelt, da er Oranier,
  Ruyter dagegen eifriger Anhnger de Witts war. Es ist aber anzunehmen,
  und so auch aus Tromps Rechtfertigungsbericht zu lesen, da es wieder
  ein Ausflu seines Ehrgeizes und seines hitzigen Temperamentes gewesen
  ist: Durch die Umstnde zuerst zurckgehalten -- Windstille beim
  Ankerlichten, whrend die beiden andern Geschwader leichten Wind hatten
  und absegelten --, versucht er dann ohne Rcksicht auf die Flotte,
  mglichst schnell an den Feind zu kommen. Durch den ersten Erfolg
  berauscht, beit er sich fest, in der Hoffnung, die englische Nachhut
  gnzlich zu vernichten. Er hielt Ruyter fr gengend stark an sich
  (eigener Ausspruch); auch seine Unterfhrer haben spter ausgesagt, mit
  dem Vorgehen ihres Chefs ganz einverstanden gewesen zu sein. Sein
  Hauptfehler war, da er ohne Befehl und Wissen Ruyters gehandelt und
  da er nicht rechtzeitig abgebrochen hat.

  Zwar war er ein Gegner Ruyters und Oranier, aber es ist kein Beweis
  vorhanden, da es ihm an Vaterlandsliebe selbst bei einer ihm
  unsympathischen Regierung mangelte. Als er nach seiner Verabschiedung
  ein sehr vorteilhaftes Anerbieten erhielt, in franzsische Dienste zu
  treten, lehnte er es ab und zog sich vorlufig ins Privatleben zurck.

=Die Englnder waren nach der Schlacht die Herren der See= und benutzten
dies zu einem Unternehmen gegen die Kste. Nachdem sie einige Tage bei
Schooneveld-Bank, einem beliebten Ankerplatz der Hollnder, zu Anker
gelegen und von hier aus die feindliche Flotte in den Wielingen
beobachtet hatten, gingen sie nrdlich, brachten Kauffahrer auf und
alarmierten die Kste. Auf dem Wege erfuhren sie von einem kassierten
frheren hollndischen Kapitn, da in dem =Vlie-Strome=, zwischen
Vlieland und Terschelling, eine groe Zahl reichbeladener Kauffahrer von
nur zwei Kriegsschiffen gedeckt lge und da wertvolle Magazine des
Staates und der ostindischen Kompagnie auf genannten beiden Inseln leicht
zu zerstren seien. Kontreadmiral =Holmes=, uns schon von Westafrika her
bekannt, wurde am 18. August mit 9 kleineren Kriegsschiffen, 7 leichten
Fahrzeugen und 5 Brandern zu einem Angriff auf diese Objekte abgeschickt.
Holmes legte die beiden schwersten Schiffe vor die Einfahrt, um jedes
Entweichen nach See zu verhindern, lie durch ein leichtes Schiff
Fahrwasser und Lage der Dinge erkunden und ging dann am 19. trotz
Gegenwindes und schwieriger Navigation auf die Rhede von Terschelling.
Hier setzte er mittels der Brander die Kriegsschiffe und schwersten
Kauffahrer, durch seine Boote die brigen Fahrzeuge -- in Summe etwa 150
Segel -- in Brand. Am nchsten Tage landete er auf Terschelling und legte
eine grere Stadt mit Magazinen sowie verschiedene Ortschaften am
Strande in Asche; von einem Unternehmen gegen Vlieland mute des Wetters
wegen abgesehen werden. Da man zu einem zweiten Versuch oder sonstigen
weiteren Unternehmungen der Gezeiten wegen lnger htte warten mssen und
eine dem Auslaufen ungnstige Windnderung frchtete, ging Holmes zu
seiner Flotte zurck.

  Es war eine seemnnisch geschickt ausgefhrte Tat, die mit nur einem
  Verluste von 20 Mann und den verbrauchten Brandern dem Feinde einen
  Schaden von 12 Millionen Gulden zufgte, nach damaligen Verhltnissen
  einen auerordentlich groen; da man auch die armen Fischerdrfer
  verbrannte, war grausam aber wohl der Kriegfhrung der Zeit
  entsprechend. Aus Rache verbrannten hollndische Kriegsschiffe einige
  Tage spter verschiedene englische Kauffahrer bei Glckstadt an der
  Elbe.

Es ist unverstndlich, da die Hollnder nicht wenigstens dem Verluste
der Schiffe vorgebeugt haben. Wenn sie wirklich die wenigen
Kriegsschiffe, die zu sicherem Schutz ntig gewesen wren, nicht zur
Stelle hatten, so htten sich doch die Kauffahrer zurckziehen knnen.
Der Befehl dazu war gegeben, aber nicht auf die Ausfhrung gedrungen.
Hatte die Regierung nicht die Macht dazu, oder unterschtzte man die
Gefahr, obgleich man doch selbst solche Anschlge plante?

Die englische Flotte kehrte nach diesem Unternehmen in ihre Hfen zurck,
um auszubessern, auch weil eine ansteckende Krankheit an Bord ausbrach.

$Das Jahr 1666$ sollte nichts von Bedeutung mehr bringen, wir knnen die
$weiteren Ereignisse$ kurz zusammenfassen.[169] Die Hollnder hatten zwar
ihre Flotte schleunigst wieder instandgesetzt, doch war der
Gesundheitszustand auf der Flotte schlecht. Am 5. September bereits ging
=Ruyter= mit 79 Schiffen und 27 Brandern in See. Seine Aufgabe war: fr
heimkehrende Fahrzeuge die Ksten freizuhalten, sobald der Zeitpunkt
gnstig, den Feind anzugreifen, vor allem aber sich mit =Beaufort= zu
vereinigen.

  [169] Nheres in den angezogenen Quellen, insbesondere den
        hollndischen.

Die Ankunft der franzsischen Flotte war gerade jetzt als nahe bevor
stehend in Aussicht gestellt, freilich schwebten immer noch endlose
Verhandlungen, u. a. auch ber Etikettenfragen bei und nach der
Vereinigung. So richtete Ruyter seinen Kurs nach dem Westen. Die
Englnder folgten ihm von Harwich und Solebay aus; sie waren ebenfalls
etwa 100 Segel stark, sollen jedoch in nicht besonders gutem Zustande
gewesen sein, vor allem fehlten Brander. Der hollndische Admiral hielt
sich an der franzsischen Kste, teils um Beaufort um so sicherer zu
treffen, teils um nicht gezwungen zu werden, an der englischen zu
fechten. Auf seinem Wege nach Dnkirchen sichten sich am 10. September
die Flotten, es kommt aber nicht zum Zusammensto. Beiderseits scheint
man ihn vermieden zu haben: Ruyter wollte wohl versuchen, erst die
Vereinigung mit den Franzosen herbeizufhren, die Englnder manvrierten
daraufhin, den Feind von der Kste abzuziehen; auerdem war es strmisch.
=Monck= und =Ruprecht= wollten auch wohl ein Gefecht vermeiden mit
Hinblick auf den schlechten Zustand ihrer Flotte sowie auf das doch
mgliche pltzliche Erscheinen der Franzosen, sie hielten vielleicht
anderseits ihre bloe Nhe fr gengend, eine Vereinigung zu verhindern,
worin ihnen der weitere Verlauf rechtgab. Am 10. und 11. manvrieren die
Flotten in Sicht voneinander; einige Schsse werden gewechselt, ein durch
Sturm beschdigtes Schiff fllt den Hollndern in die Hnde. Am 11.
September abends ankerte Ruyter vor Boulogne, die Englnder gingen zu
ihren Ksten zurck, wenigstens kamen sie aus Sicht. Ruyter lag mehrere
Tage vor Boulogne. Er erfuhr hier, da Beaufort am 13. La Rochelle
verlassen habe, um nach Brest zu gehen. Den franzsischerseits geuerten
Wunsch, ihm weiter entgegenzugehen, lehnte Ruyter ab, er versprach
jedoch, noch 4 Tage vor Dnkirchen zu warten, und ging am 18. dorthin.
Whrend eines dreitgigen schweren Sturmes hier erhielt er Befehl, nach
Holland zurckzukehren. Der Grund hierfr war wohl der schlechte
Gesundheitszustand, auch hatte man vielleicht an magebender Stelle die
Hoffnung auf die Untersttzung der Franzosen aufgegeben.

Diese Order wurde aber gleich darauf widerrufen infolge des groen
Brandes in London; vom 12.-16. September war fast die ganze City
niedergebrannt.

Neigung zum Frieden hatte sich schon in England bemerklich gemacht; in
Holland hoffte man, da dieses Nationalunglck sie bestrken wrde, und
beschlo deshalb, die Flotte weiter in See zu halten, um durch drohende
Unternehmungen noch mehr Druck auszuben. Ehe aber etwas Derartiges
unternommen wurde, ging =Ruyter= nochmals westwrts. Er hatte am 26.
gehrt, es habe ein Zusammensto zwischen den Englndern und Franzosen
stattgefunden. Tatschlich hatte ein Teil der englischen Flotte nach dem
letzten Sturm einige Nachzgler Beauforts berrascht und mehrere Schiffe
vernichtet. Aber schon am 28., bei strmischem Wetter westwrts
aufkreuzend, erhielt Ruyter vom franzsischen Admiral die Nachricht, er
sei bei Dieppe gewesen, habe 24 Stunden gewartet, knne wegen der Nhe
der Englnder nicht weitergehen und kehre nach Brest zurck. Nun gingen
die Hollnder wieder ostwrts; die Krankheiten hatten sehr zugenommen und
der Admiral selbst mute sich (3. Oktober) ausschiffen. =Van Nes= fhrte
die Flotte nochmals zur englischen Kste hinber, am 5. Oktober wurden
etwa 60 feindliche Segel gesichtet, aber ein Sturm trennte whrend der
Nacht die Gegner. Die Flotten gingen in ihre Hfen. Auf beiden Seiten
begngte man sich damit, den Winterdienst einzurichten, d. h. die Schiffe
im allgemeinen aufzulegen und nur kleinere Geschwader zur Sicherheit der
Ksten, zum Decken eigener sowie zum gelegentlichen Abfangen feindlicher
Kauffahrer in Dienst zu behalten. In Holland wurde der Winterdienst in
diesem Jahre in grerem Mastabe als sonst blich angesetzt; es war hier
jetzt die groe Schiffahrt freigegeben. Um die Mitte des Oktober begannen
$Friedensunterhandlungen$. Beide Nationen waren des Krieges mde, da er
ihren Handel und ihre Flotten zugunsten der mchtig aufstrebenden
Franzosen schdigte.

  Der Ansto zu den Friedensunterhandlungen scheint von England
  ausgegangen zu sein. Als von Holland aus ein ritterliches Anerbieten
  erging, die Leiche des gefallenen Vizeadmirals Berkeley feierlich zu
  bestatten oder nach England berzufhren, erfolgte ein Dankschreiben,
  das Neigung zum Frieden zeigte. Gerade in England hatte das Volk neben
  den Kriegsfolgen auch schwer unter der Pest und durch den Brand in
  London gelitten. Der Knig unterschlug ferner einen Teil der fr den
  Krieg bestimmten Gelder, so da selbst der Sold der Flottenmannschaften
  unregelmig gezahlt wurde. In Holland ging man gern auf Verhandlungen
  ein, wenn auch hier die Verhltnisse gnstiger lagen. Bei dem Zutrauen
  auf die Zuverlssigkeit der Regierung und der Kaufleute fanden bisher
  beide genug Geld; die eine zu Rstungen, die anderen zum berstehen der
  schweren Zeit.

$Das Jahr 1667. Ruyter in der Themse. Friedensschlu.$ Die
Friedensunterhandlungen kamen nicht weiter, obgleich Schweden die
Vermittlung bernahm und zum Mai 1667 Gesandte Englands, Hollands,
Frankreichs, Dnemarks und Schwedens zu einem =Friedenskongre in Breda=
zusammenberufen wurden. =Karl= II. stellte zu hohe Anforderungen, weil er
ganz bei denen blieb, durch die er den Krieg heraufbeschworen hatte. Er
hate Holland zu sehr und hoffte, da die immer mehr hervortretenden
Absichten Ludwigs XIV. bald zu einem Bruche zwischen Frankreich und
Holland fhren wrden und er dann seine Forderungen durchdrcken knne.
=Ludwig= XIV. wirkte auch gegen den Frieden. Er hatte tatschlich fr den
Sommer dieses Jahres den Angriff auf die spanischen Niederlande geplant,
und deshalb mute es ihm willkommen sein, wenn Holland weiter anderwrts
beschftigt blieb.

  Er erffnete im Mai 1667 den sogenannten =Devolutionskrieg= (vgl. Seite
  250) durch den Einbruch eines Heeres von 50000 Mann unter Turenne in
  Flandern und den Hennegau. Obgleich er in einem neuen Vertrage mit
  Holland wieder versprach, ihm seine Flotte zu stellen, bot er doch
  schon am folgenden Tage Karl II. Geld und Truppen zum Umsturz der
  englischen Verfassung -- Abschaffung des Parlaments -- an, wenn sich
  dieser verpflichtete, der Einverleibung der spanischen Niederlande
  nichts in den Weg zu legen.

Er riet deshalb de Witt, noch einen krftigen Sto gegen England zu
unternehmen, und versprach aufs neue die Mitwirkung seiner ganzen Flotte.
Der Ratspensionr de Witt ging darauf ein, da die Verhandlungen doch
nicht weiter kamen. Dieser kluge und stets gut unterrichtete Staatsmann
wute, da England schwcher sein wrde als bisher, weil Karl II. in noch
grerem Mae als frher die fr den Krieg bewilligten Gelder fr seine
Zwecke verwendete. Somit hielt er es fr mglich, ntigenfalls auch ohne
franzsische Hilfe, durch einen groen pltzlichen Erfolg gnstigere
Friedensbedingungen zu erreichen.

=Der kleine Krieg= war fortgefhrt worden. Whrend des Winters hatten
Zusammenste kleinerer Flottenabteilungen im Kanal und der Nordsee
stattgefunden. In Westindien hatten die Hollnder sogar grere Erfolge
errungen; sie hatten den Englndern die Niederlassung in =Surinam=
abgenommen und auch sonst sie empfindlich geschdigt. In jenen Gewssern
waren sie gemeinsam mit den Franzosen vorgegangen, die sich auch in
Besitz verschiedener englischer Inseln gesetzt hatten. Als nun am 5. Mai
ein neuer Vertrag mit Frankreich abgeschlossen war, beschlo man in
Holland ein Unternehmen gegen die Themse. Ein am 4. Juni auf dem Kongre
zu Breda seitens Englands geforderter Waffenstillstand wurde abgelehnt
und $Ruyters Angriff auf die Themse$ ins Werk gesetzt. Die Verhltnisse
lagen fr Holland sehr gnstig. Man hatte hier den Winter ber die
Rstungen trotz der Friedensunterhandlungen, ja gerade um diese zu
frdern, mit groem Eifer betrieben. Fr das Jahr 1667 war die
Aufstellung einer noch greren Flotte als in den Vorjahren beschlossen.
Es sollten 88 Kriegsschiffe -- darunter wieder 16 auf Kosten der
ostindischen Kompagnie --, 12 Fregatten, 24 Brander und zahlreiche
kleinere Fahrzeuge in Dienst gestellt und 18 Kriegsschiffe fr Ausflle
nach Gefechten bereit gehalten werden; die Mannschaften des Jahres 1666
waren in Dienst behalten.

In =England= dagegen war die Lage anders; de Witt war richtig
unterrichtet gewesen. Wenn =Karl= II. im Gegensatz zu seinem Volke nicht
ernstlich an Frieden dachte oder doch seine Forderungen durchsetzen
wollte, so htte gerade er die Flotte auf der Hhe ihrer
Leistungsfhigkeit halten mssen. Statt dessen hatte er sich einen Plan
zurechtgelegt, der ihm zu seinem bestndigen Geldmangel pate: Er wollte
nur einen =Kreuzerkrieg= fhren, und von einer Verwendung der
Schlachtflotte ganz absehen.

  Der =Standpunkt des Knigs= -- vom Lordkanzler und Lordschatzmeister
  untersttzt, dagegen von York und wohl auch von Monck hart angegriffen
  -- war: da der Handel eine Lebensbedingung Hollands sei, da die
  Versorgung seiner Marine von diesem Handel abhinge und da, wie die
  Erfahrung gelehrt, nichts das Volk mehr erbittert htte, als die
  Schdigung des Handels, so wrde man sich englischerseits auf den
  Kreuzerkrieg beschrnken knnen. Die Hollnder wrden durch diesen
  wirksam genug gedemtigt werden, whrend England nicht wie bisher durch
  die Ausrstung groer Flotten erschpft wrde. Da der Gedanke, nur
  einen Kreuzerzug zu fhren, zu allen Zeiten seine Vertreter gefunden
  hat, werde ich bei den strategischen Betrachtungen am Schlu des
  Krieges darauf zurckkommen, nachdem wir die Folgen der Manahmen
  Englands kennen gelernt haben.

Infolge dieses Beschlusses blieben nun auch mit dem Eintritt des
Frhjahrs die meisten Schiffe und darunter gerade die schwersten
aufgelegt, und es wurden fr den Sommerdienst nur schwache Geschwader
kleinerer Schlachtschiffe und leichterer Fahrzeuge in Dienst gestellt.
Sonst waren natrlich Hollands Rstungen in England wohl bekannt sowie
auch, da man dort etwas gegen einen der greren Hfen plane. Es wurde
deshalb schon im Mrz der Befehl gegeben, die Befestigungen von
Portsmouth und Harwich, namentlich aber die an den wichtigsten Stellen
der Themse, zu verstrken, hier die auer Dienst gestellten Schiffe
soweit wie mglich den Flu hinaufzufhren, Vorbereitungen zum Sperren
des Fahrwassers zu treffen und gengend Brander bereit zu halten. Der
Knig und der Herzog von York hatten die notwendigen Maregeln in der
Themse persnlich an Ort und Stelle angeordnet. Zu allen diesen Arbeiten
war Zeit genug. Zwar scheint de Witts Plan schon viel frher fertig
gewesen zu sein, der Vertrag mit Ludwig XIV. sich schon im besonderen auf
einen Angriff der Themse bezogen zu haben, aber man war noch nicht
bereit. Ein lang andauernder, im Mai noch einmal einsetzender harter
Winter hatte die Mobilmachung verzgert. Obgleich also der Angriff nicht
unerwartet kam, waren doch die Vorbereitungen zur Verteidigung in England
arg vernachlssigt. Albemarle, der bei Chatham kommandierte, als der
Angriff erfolgte, beklagte sich spter bitter darber, da die
Anordnungen durchgngig nur lssig oder gar nicht ausgefhrt seien.

  Nach englischen Quellen sollen zu dieser Vernachlssigung besonders
  zwei Umstnde Anla gegeben haben: die Hollnder htten in den
  Friedensverhandlungen erklrt, sie rsteten schon ab, und die
  Aufmerksamkeit der Englnder sei durch eine andere Diversion von der
  greren Expedition abgezogen. Im April unternahm nmlich der
  Leutnantadmiral =van Ghent=, von der Begleitung eines Konvois bis zum
  Norden Schottlands zurckkehrend, einen =Vorsto gegen Leith=, um die
  dort liegenden Schiffe, besonders Freibeuter, zu zerstren; es wurden
  dabei nur einige wertlose Prisen gemacht und Burntisland ohne greren
  Erfolg bombardiert.

  Diese Grnde knnen jedoch eine derartige Sorglosigkeit nicht
  entschuldigen, man wird sowohl gewut haben, da Holland weiter
  rstete, als auch da Ghents Geschwader keineswegs die ganze
  Streitmacht des Feindes war. Die Nachlssigkeit ist wohl der seit Karls
  Thronbesteigung einreienden Oberflchlichkeit im Dienstbetriebe
  zuzuschreiben; selbst der Herzog von York, der sonst Interesse und
  Verstndnis fr Marinefragen hatte, soll seinen Dienst etwas
  oberflchlich getan haben.

=De Witt= war auch hierber wieder gut unterrichtet und beeilte mit
Ruyters Untersttzung die Abfahrt der Expedition, obgleich die ganze
Streitmacht der Niederlande noch nicht versammelt war. Das ganze
bedeutende Kontingent Seelands und auch der grere Teil von dem
Frieslands fehlte, sie waren noch nicht fertig. Uneinigkeiten zwischen
den Provinzen, das Parteiwesen in der Republik, Trotz gegen de Witts
Machtstellung, waren daran schuld. Seeland war wie die Landprovinzen des
Seekrieges mde; als Grnde wurden angegeben: Mangel an Geld und Leuten,
die Gefahr des Vordringens der Franzosen usw.

So bestand =Ruyters Flotte= nur aus 64 Kriegsschiffen zu 32-84 Kanonen,
20 kleineren Fahrzeugen, 15 Brandern mit 3330 Kanonen und 17416
Mann,[170] hinzutraten einige Transporter mit Landsoldaten; Vor- und
Nachhut fhrten die Leutnantadmirale van Ghent (Amsterdam), van Nes
(Maas). Fr Einschiffung zahlreicher Lotsen, die die Themse kannten, war
gesorgt, 2 oder 3 Englnder befanden sich darunter; bei den
Unternehmungen gegen die Themse in den beiden Vorjahren waren Lotungen
vorgenommen und auch sonst hatte man sich nach Mglichkeit Kenntnis des
Fahrwassers verschafft.

  [170] Nhere Angaben de Jonge, Teil I, Beilage XXXVI und Leben
        Ruyters Seite 423.

=Ruyters Order= war: Soweit wie mglich die Themse hinaufzugehen;
Schiffe, Magazine, Befestigungen zu zerstren und dem Feinde in jeder
Beziehung Abbruch zu tun; die Art der Ausfhrung war dem eigenen Ermessen
anheimgestellt. Als Deputierter der Generalstaaten befand sich nur
=Cornelis de Witt=, Bruder des Ratspensionrs, fr die Provinz Holland an
Bord; Friesland und Seeland hatten keinen Vertreter gestellt, scheinbar
zur grten Zufriedenheit des leitenden Staatsmannes. Die Flotte ging am
13. Juni von Schooneveld, wo sie noch einige Tage auf das Kontingent
Seelands gewartet hatte, in See, ritt am 15. vor der Themse einen
Sdwest-Sturm ab und lief am 17. in den Kings-channel ein.

Am 18. Juni gab =Ruyter= die hier kurz mitgeteilte =Disposition= aus:
Die Hauptflotte bleibt vor der Themsemndung als Rckhalt liegen. Eine
Flottenabteilung geht den Flu hinauf und vernichtet die bei Gravesend
und Tilbury (the Hope) liegenden Schiffe -- etwa 20 Westindienfahrer
unter Bedeckung von 10-12 Kriegsschiffen zu 30-40 Kanonen --. Dann kommt
sie zurck, geht in den Medway, nimmt Sheerness und zerstrt die Schiffe
und Arsenale in diesem Nebenflu. Die zu detachierende =Abteilung= wurde
=van Ghent=, unter ihm Vizeadmiral de Liefde, unterstellt und bestand
aus: 2 Schiffen zu 60, 6 zu 50, 4 zu 40-45, 5 zu 32-36 Kanonen; 5
Advisjachten sowie fast allen kleinen Fahrzeugen und Brandern. Die
Landungstruppen wurden auf die Kriegsschiffe verteilt, leider waren
mehrere Transporter whrend des Sturmes von der Flotte abgekommen; C. de
Witt schlo sich der Expedition an. Der erste Teil der Aufgabe gelang
infolge ungnstiger Windverhltnisse nicht, der zweite und Hauptteil
aber, die $Forcierung des Medway$, wurde ein groer Erfolg.[171]

  [171] Wir besitzen zahlreiche Beschreibungen dieses Unternehmens in den
        lteren Quellen und neueren Werken, die in Clowes, Teil II, Seite
        293, aufgefhrt sind. Ich habe von diesen bei meiner Schilderung
        dieselben wie zu den vorhergehenden Schlachten benutzt. Man
        findet wieder in Clowes, de Jonge und Ruyters Leben eine genaue
        Schilderung, im Vie de Tromp die Berichte usw.

  =Frh morgens am 19. Juni= ging =Ghent= mit der Flut stromauf, kam
  jedoch wegen ungnstigen und dabei flauen Windes und wegen der spter
  einsetzenden Ebbe nur bis etwa zwischen Leigh und Gravesend und mute
  hier ankern; die englischen Schiffe gewannen hierdurch Zeit, sich noch
  weiter stromaufwrts in Sicherheit zu bringen. =Ruyter= war mit der
  Flotte bis zum Mittelgrunde gegangen; er detachierte Schiffe in alle
  Fahrwasser und bestimmte noch 10 grere Schiffe zur Untersttzung fr
  das Unternehmen gegen den Medway.

  Am 20. morgens kam Ghent von dem verfehlten Unternehmen zurck und
  wandte sich gegen =Sheerness=. Drei Schiffe bombardierten das Fort, 800
  Mann unter Oberst =Dollman=, einem englischen Republikaner, landeten.
  Ein ernster Widerstand wurde bei dem schlechten Zustande der
  Befestigung nicht geleistet, die Besatzung zog ab und besetzte spter
  eine Schanze bei Gillingham; auch ein kleines Kriegsschiff und 2
  Brander, die bei Sheerness gelegen, hatten Anker gekappt und waren den
  Medway hinaufgegangen. Die Hollnder machten die Geschtze und die
  Befestigung unbrauchbar und rumten oder zerstrten die Magazine; sie
  glaubten aber die Stellung mit ihrer geringen Zahl Soldaten nicht
  halten zu knnen. An demselben Tage wurde auch noch das Fahrwasser des
  Medway durch leichte Schiffe ausgelotet.

  Das Erscheinen der Hollnder in der Themse und die Einnahme von
  Sheerness hatten London natrlich in grte Aufregung versetzt. =Monck=
  eilte mit Truppen nach =Chatham=, wo er, wie schon gesagt, wenig
  gemacht fand. Er tat nun sein mglichstes, eine feste Stellung zu
  schaffen, obgleich er kaum Arbeitskrfte bekam, die halbe Bevlkerung,
  selbst ein Teil der Arsenalbeamten, war geflohen. Er lie eine schon
  lngst vorbereitete, aber nicht in Gebrauch genommene Sperrkette
  oberhalb Gillingham ziehen, deckte sie durch zwei kleine Batterien und
  legte ein Kriegsschiff, die Unity, davor. Sodann verstrkte er die
  Befestigungen von Upnor-Castle und verankerte die vorhandenen schweren
  Schiffe, etwa 17, oberhalb der Kette auf dem ganzen Revier in
  Verteidigungsstellung; auch ordnete er das Versenken von Schiffen an,
  was aber in der Eile weder durchweg noch richtig ausgefhrt wurde, wie
  es auch nicht mehr mglich war, frhere Unterlassungssnden noch gut zu
  machen, z. B. die Verstrkung der ungengenden Armierung der Batterien.

[Illustration: Ruyter im Medway, 20.-23. Juni 1667.]

  Am 21. Juni unternahmen die Hollnder noch nichts. Der Grund hierfr
  ist nirgend zu ersehen. Vielleicht geschah es, um Ruyter abzuwarten,
  der auf ausdrcklichen Wunsch C. de Witts weiter stromauf segelte und
  schlielich mit einigen seiner Schiffe bis Queenborough kam. Am 22.
  Juni 7 Uhr segelte =Ghent= den =Medway= hinauf. Die Spitze der Vorhut,
  gefhrt vom Kapitn Tobias, begann ein Feuergefecht mit der befestigten
  Stellung an der Kette, das jedoch nicht recht vorwrts kommen wollte.
  Da erbot sich Kapitn =van Brakel=, mit dem Schiff Vrede und 2
  Brandern vorzugehen. Er enterte die Unity, und der eine Brander
  sprengte die Kette. Verschiedene kleine Schiffe und Brander segelten
  nun durch; Brakel bestieg ein kleineres Fahrzeug, enterte das nchste
  groe englische Schiff und brachte dann, auf sein Schiff zurckgekehrt,
  die kleinen Kettenbatterien zum Schweigen.

  Mittlerweile kommen immer mehr Hollnder unter Ghents und Liefdes
  persnlicher Fhrung heran. Mit Schiffen und Fahrzeugen, mit
  ausgesetzten Booten wird die erste englische Stellung genommen; die
  Batterien am Lande werden durch Landungsabteilungen zerstrt, von 5
  groen hier postierten Schlachtschiffen werden 4 verbrannt, der Royal
  Charles (100 Kanonen) wird genommen. Dieses stolze englische Schiff
  wurde als Trophe nach Holland gefhrt; Monck hatte angeordnet, es
  weiter stromauf zu bringen, aus Nachlssigkeit oder Mangel an
  Hilfsmitteln war dies aber nicht geschehen. Der Kampf, zu dessen
  Auslufern auch Ruyter auf einem kleinen Fahrzeuge herangekommen war,
  wurde abends abgebrochen, weil bei fallendem Wasser viele Hollnder
  festkamen. Die Szene auf dem Kampfplatz wird als furchtbar geschildert:
  Der Flu voll von fahrenden Schiffen, Booten und brennenden Trmmern;
  ununterbrochenes Geschtz- und Gewehrfeuer, und doch bertnt vom
  Klagen der Verwundeten; Trompetengeschmetter, Trommelschlag und
  Hurraruf der Hollnder nach jedem Erfolge; ber allem dunkler
  Pulverrauch und erleuchtet von den Flammen und dem Blitzen der
  Feuerwaffen. Am 23. Juni wurde das Vernichtungswerk fortgesetzt. Mit 4
  Schlachtschiffen, einigen Jachten und den Brandern wurden die drei bei
  Upnor liegenden Englnder angegriffen. Die Befestigungen hier unter
  Major =Scott= und die gegenberliegenden unter Vizeadmiral =Spragge=,
  der in Sheerness kommandiert hatte, kmpften tapfer, konnten aber das
  Verbrennen der Schiffe durch Brander und Boote nicht hindern; Ruyter
  und die anderen Admirale leiteten von Booten aus das Gefecht, an dem
  sich in dem engen Gewsser von greren Schiffen ja nur wenige
  beteiligen konnten.

  Mit diesem =Erfolge= begngten sich die Hollnder, sie hielten es nicht
  fr ratsam, den Flu noch weiter hinaufzugehen. Das Fahrwasser wurde
  immer enger und schwieriger, Schiffe waren versenkt und der Flu an
  beiden Seiten mit Batterien und Truppen besetzt, die Brander bis auf
  zwei verbraucht. So waren die brigen englischen Schiffe und die
  Arsenale bei Chatham gerettet.

  Immerhin hatte man 2 Schiffe genommen und 6 oder 7 verbrannt, fast alle
  diese waren bisherige Admiralschiffe; die Englnder selbst hatten
  auerdem einige versenkt. Erinnert mu daran werden, da die Schiffe im
  Medway nur halb armiert und bemannt, einige sogar ganz aufgelegt waren;
  man hatte diese mit Soldaten besetzt. Auch der Mannschaftsverlust der
  Englnder mu bedeutend gewesen sein, whrend die Hollnder nur etwa
  150 Tote und Verwundete hatten.

  Am 24. Juni ging die hollndische Flotte in die Themse zurck.

Als die hollndische Flotte nach der Durchfhrung dieses Unternehmens am
24. Juni wieder auf der Themse selbst und in der Mndung des Medway lag,
wurde sie verstrkt durch einige friesische Schiffe und durch einen Teil
des seelnder Kontingents unter Leutnantadmiral Bankers, so da sie nun
gegen 80 Kriegsschiffe stark und auch wieder im Besitz einiger Brander
war. Hiervon wurde gleich ein Geschwader unter Ghent nach dem Norden
Schottlands detachiert, um heimkehrende Indienfahrer zu begleiten.
=Ruyter= blieb mit dem Gros noch einige Tage liegen, ging dann aber auch
stromabwrts, um sich nicht Branderangriffen in dem engen Revier
auszusetzen, und bernahm eine strenge =Blockade der Themse=. Er selbst
lag vor dem Flu, ein Geschwader kreuzte zwischen Harwich und den
Hoofden, ein anderes zwischen Harwich und der Themse.

Das Erscheinen in der Themse und die Waffentat im Medway waren von der
grten moralischen Wirkung in England, selbst aus London waren Einwohner
geflohen; von dieser Zeit soll sich die zuweilen bertrieben auftretende
Furcht eines Angriffs auf London herschreiben. Die zunehmende Neigung zum
Frieden zeigte sich sofort in den Verhandlungen zu Breda, die Blockade
der Themse trug weiter dazu bei. Diese war so wirkungsvoll, da die
Preise von Kohlen und anderen Materialien in London bis auf das Zehnfache
des sonst blichen Satzes stiegen. Die Generalstaaten begngten sich
jedoch damit nicht, sondern ordneten weitere Unternehmungen an, um immer
mehr Druck zur Beschleunigung der Friedensunterhandlungen auszuben.
Vielleicht hoffte man auch immer noch auf eine wirkliche Untersttzung
durch die Franzosen; wre sie erfolgt, so wrde England wohl aufs tiefste
gedemtigt worden sein. Aber die franzsische Flotte lag ruhig in Brest
und die jetzt noch bis zum Friedensschlu von den Hollndern ins Werk
gesetzten $weiteren Unternehmungen$ hatten keine anderen Erfolge als die
fortgesetzte Blockade der Themse und die Alarmierung der englischen
Kste; sie seien deshalb nur kurz erwhnt. =Ruyter= erhielt den Befehl,
=nochmals in die Themse= einzudringen. Er verfuhr hnlich wie frher und
kam mit einem Geschwader leichter Schiffe an der Spitze am 6. Juli bis
unterhalb Gravesend. Hier hrte er von auslaufenden flmischen Schiffen,
da in Woolwich eine grere Zahl Kriegsschiffe und 15 Brander bereit
lgen, da das Fahrwasser bis auf eine schmale Rinne gesperrt sei -- fr
grere Schiffe nur im Schlepp zu passieren -- und da die Ufer bei
Gravesend mit starken Batterien und zahlreichen Truppen besetzt wren.

  Bemerkenswert ist, da diese flmischen Schiffe Truppen abgeholt
  hatten, die fr Spanien geworben waren, obgleich sich England in einer
  so traurigen Lage befand und obgleich Karl II. doch, wie wir erwhnt,
  mit Ludwig XIV. in Unterhandlung zuungunsten Spaniens stand.

Der Admiral gab deshalb diesen Plan auf und ging wieder vor die Themse
zurck. Er beabsichtigte nun, =Harwich= und die dort liegenden Schiffe zu
Wasser und zu Lande =anzugreifen=; seit kurzem hatte er eine Verstrkung
von 8 Kompagnien zu Landungsunternehmungen erhalten. Aber auch dieser
Anschlag am 12. =Juli= miglckte. Eine Flottenabteilung war bestimmt,
das die Stadt deckende Fort zu bombardieren, eine zweite, in den Hafen
einzudringen; beide erreichten ihren Zweck nicht. Infolge ungnstiger
Windverhltnisse und ungengender Kenntnis des auerdem gesperrten
Fahrwassers konnte die eine nicht nahe genug heran, die andere nicht
hinein. Da so der Landangriff nicht von der Flotte untersttzt werden
konnte, wurde er zweimal abgeschlagen und die gelandeten Truppen, gegen
2000 Mann, wurden dann von englischen Entsatztruppen zur Einschiffung
gezwungen; alles ging nicht ohne betrchtliche Verluste ab.

=Ruyter= teilte nun auf Befehl seine Flotte. =Ein Geschwader unter van
Nes= setzte die Blockade der Themse fort. Auch dieses unternahm nochmals
einen =Vorsto in die Themse=. Am 2. August ging van Nes wieder bis
Gravesend und fand dort Schiffe unter =Spragge= vor. Beim Angriff wichen
sie zurck; es wurde ein Hauptkampf nur von Brandern ausgefochten, deren
die Englnder 11, die Hollnder 6 oder 7 verloren; die Befestigungen
setzten dann dem Vordringen ein Ziel. Die Hollnder gingen bis zum Nore
zurck und nahmen hier eine Kampfaufstellung zu Anker ein; Spragge
folgte, ohne sich in ein ernstliches Gefecht einzulassen. Der
hollndische Admiral hielt es aber doch fr geboten, die Themse ganz zu
verlassen, als am 5. August etwa 20 Schiffe von Harwich aus zu Spragge
stieen und er ernstlich angegriffen wurde; das hollndische Geschwader
wrde an diesem Tage in groer Gefahr gewesen sein, wenn die
verschiedenen englischen Abteilungen von der Themse, Harwich und dem
Medway aus einmtiger operiert und wenn besonders die Brander ihre
Pflicht besser getan htten. Van Nes vollfhrte seinen Rckzug durch das
enge Fahrwasser militrisch und namentlich seemnnisch bei Gegenwind
musterhaft; es ist dieses jener Fall, der frher bereits als ein
Meisterstck hollndischer Seemannschaft erwhnt wurde (vgl. Seite 263).
Die Blockade der Themse blieb dann ohne weitere Zwischenflle bis zur
Ratifizierung des Friedens in Kraft.

=Ruyter fhrte den Rest der Flotte.= Seine Aufgabe war, durch
=Beunruhigung der feindlichen Kste= einen Druck auszuben und zu
versuchen, verschiedene starke Konvois abzufangen, deren Rckkehr man
erfahren hatte. Er kreuzte stndig im Kanal, namentlich im Westen und bei
den Scillys. Erkundungsfahrten wurden bis dicht vor die Hfen von
Portsmouth, Dartmouth, Torbay, Plymouth und Foway (Cornwall) vorgenommen;
auf einer der Scillys wurde gelandet, aber nur um Vieh wegzunehmen. Nach
den alten Quellen scheinen diese Erkundungen nur den Zweck gehabt zu
haben, eine Vereinigung der englischen Seestreitkrfte zu hindern und die
Konvois zu suchen; von diesen hrte man immer wieder, ohne sie jedoch auf
See anzutreffen. Am 8. August erfuhr Ruyter vor Plymouth durch einen
Parlamentr den Friedensschlu, am 13. erhielt er dienstlich die
Besttigung und am 31. die Nachricht von der Ratifizierung. Da jedoch
nach den Bedingungen der Frieden erst am 5. September in Nordsee und
Kanal, im Atlantik bis zum Kap Vincent gar erst am 5. Oktober (von dort
bis zur Linie am 2. November, auf der ganzen Erde am 24. April 1668) in
Kraft trat, hatte er Befehl, bis zu diesem letzten Termin am Eingange des
Kanals zu kreuzen. Wegen schlechten Wetters und Krankheit an Bord hielt
er sich aber bald den heimischen Hfen nher und lief am 10. Oktober ein.

Der $Frieden zu Breda$, 21. Juli 1667 geschlossen und am 24. August
ratifiziert, ist fr das siegreiche Holland kaum ein gnstiger zu nennen:
England behielt die genommene Kolonie Neuniederland (Neuyork), Holland
bekam das englische Surinam, obgleich es kurze Zeit nach der
hollndischen Besetzung durch englische Schiffe zurckerobert war.
Holland mute aber das Flaggenrecht weiter anerkennen (vgl. Seite 229
und Seite 189, 191). Nur mit Beziehung auf die Navigationsakte erlangte
Holland einen wesentlichen Vorteil: das Verbot, mit seinen Schiffen keine
auerhollndischen Waren einzufhren, sollte nicht mehr fr deutsche
Produkte gelten, die Holland auf der Achse oder auf dem Rhein bezogen
hatte. Dieser materielle Vorteil trstete wohl manche in dem ideellen
Schmerz ber das Flaggenrecht. In dem Frieden mit Frankreich gab dieses
an England die genommenen westindischen Inseln zurck, dagegen wurde
seine Oberhoheit in Acadia (vgl. Seite 85 und Seite 89) anerkannt.

$Bemerkenswertes beim zweiten Kriege.$ Bei der Betrachtung der
=Streitmittel= ist gezeigt worden (Seite 254 ff.), da die Marinen der
Gegner groe Fortschritte seit dem ersten Kriege gemacht hatten.
Kauffahrer wurden nur noch in ganz geringem Mae verwendet, die Schiffe
waren leistungsfhiger und gleichmiger und das Personal besser
geworden. Besonders hatte Holland in diesen Hinsichten Fortschritte
gemacht, ohne indes England zu erreichen.

Beim Manvrieren vor und whrend der Schlachten um die Luvstellung,
besonders aber wenn sie nach gnstig verlaufenen Gefechten verfolgen
wollen, sind die Hollnder im Nachteil; auch der oft hervortretende
Mangel an Ordnung in ihrer Flotte ist zum Teil eine Folge der
schlechteren Schiffe. Die berlegenheit der englischen Artillerie tritt
weniger zutage; fters knnen die Englnder ihre schwerste Batterie nicht
gebrauchen, da deren Pforten noch zu nahe ber Wasser liegen; einige Male
jedoch leiden die Hollnder mehr durch die weitertragenden und strkeren
Kaliber des Feindes. Eine weit grere Rolle spielt die Schwche des
hollndischen =Personals=. Der Mangel an Subordination, an militrischer
Treue, Einsicht und Erziehung bei den Kommandanten und Dienstgraden
zeitigt die schlimmsten Folgen: In bedrngter Lage, bei auergewhnlichen
Vorfllen verlieren selbst Fhrer von Flaggschiffen den Kopf, manvrieren
falsch, ja fliehen sogar; die sonst mutigen Taten Tromps sind doch auch
Zeichen fehlender Disziplin. Die Unordnung in den Gefechtslinien ist vor
allem der mangelnden Einsicht, zuweilen sogar dem bsen Willen der
Schiffsfhrer zuzuschreiben.

  Wie weit diese Vorwrfe auch die Mannschaft treffen, ist nicht sicher
  festzustellen. Doch erzhlt z. B. eine Quelle (Leben Ruyters, Seite
  394): Als Ruyter nach der Schlacht von Northforeland und den beiden
  heftigen Rckzugsgefechten auf seinem Schiffe die Verluste feststellte,
  fand man nur 38 Tote und 30 Schwerverwundete bei rund 500 Mann
  Besatzung. Whrend des Gefechts waren ihm weit grere Verluste
  gemeldet, weil in der Hitze des Kampfes und whrend der grten Not
  viele sich hier und da verstecket und aus groer Angst weggekrochen
  waren, die nun, durch den Hunger getrieben, wieder hervorkamen. Und
  dies war Ruyters Schiff!

Wo =Ruyter= in Person war, war das Verhalten des Personals schon besser
und wenn es sich spter weiter hob, so ist dies seinem Einflusse zu
verdanken. Es wird mehrfach hervorgehoben, da er jede Gelegenheit
benutzte, belehrend und ermahnend auf seine Untergebenen einzuwirken. In
den englischen Flotten kommen Verste hnlicher Art um diese Zeit noch
nicht vor. Da in England unter der neuen Regierung die Cromwellsche
Zucht und Pflichttreue schwindet, bemerken wir zuerst bei den Behrden am
Lande: die Ausrstung der Flotten lt mehrfach zu wnschen brig; im
Jahre 1667 sind die Befehle zur Sicherung der Ksten nur nachlssig
ausgefhrt worden. Bei beiden spielte allerdings wohl auch der Geldmangel
mit.

Bei der Besprechung der Streitmittel ist ferner auf den Fortschritt in
der =Taktik= hingewiesen; die Schlachten zeigen dies deutlich. Die
Kiellinie beim Winde ist die Normalgefechtsformation geworden; wir
finden sie in allen Gefechten auf beiden Seiten. Zwar gilt noch immer die
Luvstellung als die unbedingt vorteilhaftere, aber es wird doch fast
ebensoviel Wert darauf gelegt, in guter, enggeschlossener Linie an den
Feind zu kommen und diese dauernd zu erhalten; beide Flotten sehen
gelegentlich ganz davon ab, die Luvstellung zu gewinnen.

Besonders bei den Englndern wird auf die Erhaltung der Formation
gesehen, ihre Gefechtsinstruktionen zielen gerade hierauf hin. Ihre
Kiellinie scheint auch schon gut aus Einzelschiffen gebildet zu sein.
Wenn bei ihnen am ersten Tage der Viertageschlacht die Schiffe der
Nachhut nicht so eng auf- und in sich geschlossen waren, so war dies bei
der groen Zahl der Schiffe erklrlich. Das Verbessern der Entfernungen
der Fahrzeuge voneinander mu bei einer so langen Linie von Segelschiffen
leicht zum Lockern in der Nachhut fhren, ganz abgesehen davon, da um
diese Zeit das Schiffsmaterial nicht so gleichmig war wie spter.

Das vorzgliche Festhalten der Ordnung hat sicher zu den Erfolgen der
Englnder -- sei es zum Siege, sei es zu nachhaltendem Widerstande gegen
bermacht -- in erster Linie beigetragen. Die Hollnder waren auch hierin
noch nicht so weit; oft standen Schiffe in Lee der Gefechtslinie oder
segelten in mehreren Linien nebeneinander und hinderten sich so
gegenseitig im Feuer oder trieben auch im Gefecht zusammen.

Zwei Erklrungen fr die oftmalige mangelhafte Ordnung sind bereits
gegeben worden: die mindere Gte der Schiffe, die Schwchen der
Schiffsfhrer. Die hollndische Flotte wurde aber auch weniger daraufhin
angeleitet. Die englische Gefechtsinstruktion verlangte von den Schiffen
Liniehalten mit dem Flottenchef und hatte stets die Verwendung der
ganzen Flotte im Auge. Die hollndischen Vorschriften weisen mehr auf
das Zusammenhalten der Unterabteilungen unter sich hin und sehen noch
die Verwendung der einzelnen Geschwader im Gefecht vor. Die
hollndischen Schiffe hielten sich unter diesen Umstnden zu ihrem
nchsten Vorgesetzten, und dies fhrte -- besonders bei der Anwesenheit
so vieler Flaggoffiziere -- unwillkrlich zur Bildung von Gruppen wie
frher; in diesen war man geneigt, die Richtung in der ganzen Flotte
auer acht zu lassen, im Gefecht eigenmchtiger zu handeln, ja sogar bei
Ausfall des Gruppenfhrers den Kampf ganz zu verlassen. Der Gruppenkampf
lag den Hollndern scheinbar noch nher. Wir finden in den Schlachten
einige kennzeichnende Flle fr die verschiedene Auffassung der Pflichten
der Unterabteilungen gegenber der Flottenleitung: Am 4. August 1666
schlgt die englische Vorhut die hollndische aus dem Felde, folgt ihr
aber nicht, sondern bleibt beim Flottenchef und greift in dessen Kampf
ein. Demgegenber steht das eigenmchtige Verhalten Tromps an demselben
Tage und am 12. Juni 1666 und ebenso auch der Fall des Admirals van Nes
am 14. Juni 1666, wo er mit 14 Schiffen 4 englische Fahrzeuge abdrngt
und verfolgt und so seine Hauptflotte sehr schwcht.

  Die vorzgliche Ordnung der Englnder bei Lowestoft habe ich schon
  erwhnt. Der Franzose de Guiche, Kriegsfreiwilliger bei Ruyter an Bord,
  sagt ber die Viertageschlacht: Man konnte nichts Schneres sehen, als
  die prachtvolle Ordnung der Englnder auf See. Niemals gab es eine
  geradere Linie, als die von ihren Schiffen gebildete. So vereinigen sie
  ihr gesamtes Feuer auf jeden, der sich ihnen nhert. Sie fechten wie
  eine Linie Kavallerie, die von einer bestimmten Regel geleitet wird und
  nur darauf bedacht ist, den Feind zurckzuwerfen; die Hollnder dagegen
  gehen wie eine Kavallerie vor, deren einzelne Abteilungen ihren Platz
  verlassen und getrennt zum Angriff kommen.

Immerhin war aber auch in der hollndischen Flotte schon mehr Ordnung als
frher, besonders seit Ruyter fhrte. Und auch sonst sehen wir
Fortschritte in der Taktik: Versuche, ungnstige Lagen und Fehler des
Feindes auszunutzen. Hierher gehrt vor allem der Angriff =Moncks= am
ersten Tage der Viertageschlacht, durch den er einen Teil des Feindes
anfangs allein engagiert und fast auer Gefecht setzt; doch in jeder
Schlacht finden wir planmig angelegte Manver, um an einer Stelle mit
bermacht aufzutreten, auch Tromps Eigenmchtigkeiten hatten nur diesen
Zweck. Das stete Bestreben =Ruyters=, die Gefechte entfernt von Snden in
zum Manvrieren freiem Wasser zu fhren, mu man auch als taktische
Maregel ansehen. Durch derartige Manver und das Bestreben, die
Formation zu erhalten, ist der Charakter der Schlacht ein anderer
geworden; die Taktik ist nicht mehr damit erschpft, die Flotten
aneinanderzufhren und dann den Kampf in der Melee entscheiden zu lassen.
Gerade die Viertageschlacht wird von einzelnen Schriftstellern als der
=bergang von lteren Methoden zu einer neuen Taktik= angesehen.

  Mit Beziehung hierauf sagt Chaband-Arnault (Revue maritime usw. 1885;
  hier krzer zusammengefat): Mehr wie irgend eine andere Schlacht
  bezeichnet gerade diese einen bergang. Zum ersten Male sehen wir
  bestimmte Plne und knnen die Hauptbewegungen der kmpfenden Flotten
  danach verfolgen. Wir fhlen, da jeder General nur sein Geschwader in
  der Hand hat und da auch der Oberbefehlshaber ber die
  Unterabteilungen nach seinem Belieben verfgt. (Wir sagen wohl besser:
  wenigstens dahin strebt.) Der Admiral hlt die Luvseite noch fr einen
  Vorteil, aber sie ist nicht mehr die Hauptsache -- das einzige --,
  womit er sich beschftigt. Er trachtet vor allem danach, seine Flotte
  in guter Ordnung und geschlossen zu halten, um whrend der Schlacht
  nach einheitlichem Plane zu leiten.... Als bei Northforeland spter
  groe Zwischenrume zwischen den Geschwadern sich bildeten und sich die
  Nachhut sogar ganz von der Mitte trennte, beklagte Ruyter diesen Fehler
  als die Hauptursache der Niederlage.

Infolge des besseren Zusammenhaltens der Streitkrfte whrend der
Schlacht tritt nun auch die taktische Ausnutzung des Sieges mehr hervor;
wir finden schrfere Verfolgungen als frher und dadurch hervorgerufene
Rckzugsgefechte.

Endlich mu in taktischer Beziehung noch auf die Verwendung der
Spezialwaffen hingewiesen werden. Der zweite englisch-hollndische Krieg
ist die Bltezeit der =Brander=; gerade die zunehmende Ordnung war ihrer
Verwendung zunchst gnstig (vgl. Seite 188). Sie spielen in den
Schlachten und bei den Unternehmungen in feindlichen Gewssern eine groe
Rolle; Schlachten werden vermieden, Unternehmungen abgebrochen wegen
Mangels an Brandern oder wegen Strke des Gegners in dieser Waffe. Auch
bei den anderen Schiffen beginnt eine Trennung sich zu vollziehen, nicht
mehr sind wie zur Zeit der ausgesprochenen Gruppentaktik alle Schiffe
gleich gut im Kampfe zu verwerten. Das Schlachtschiff geht zwar im
allgemeinen noch hinunter bis zu 40 Kanonen, aber kleinere und doch immer
noch mit einer gewissen Gefechtskraft, 26-36 Kanonen, werden jetzt mehr
zu besonderen Zwecken gebraucht: Zur Bedeckung von Brandern im Gefecht
und bei Angriffen feindlicher Schiffe in Hfen usw., zu regelrecht
angesetztem Erkundungsdienst, zur Untersttzung beschdigter
Schlachtschiffe. Auf solche =Spezialschiffe= haben besonders die
Hollnder Wert gelegt; sie sind mit ihren zu diesem Zweck gebauten
Fregatten hierin berlegen; bei ihnen wenigstens stehen Schiffe dieser
Gre nicht mehr in der Schlachtlinie.

$ber Strategie.$[172] Auch dieser zweite Krieg war ein reiner Seekrieg.
Zwar war es Karl II. gelungen, in dem Bischof von Mnster einen
Bundesgenossen zu Lande zu finden, doch wurde dessen Angriff von Holland
schnell abgeschlagen.

  [172] Colombs Disposition fr Kapitel III, in dem dieser Krieg
        besprochen wird: Der schwchere Gegner hat die Unmglichkeit
        erkannt, gleichzeitig den Handel zu schtzen und um die
        Seeherrschaft zu kmpfen; er verbietet das Auslaufen der
        Handelsschiffe. Von beiden Seiten richtet man den Angriff auf die
        See streitkrfte. Wenn die Seeherrschaft errungen ist, erfolgen
        Angriffe auf die Schiffe in den Hfen, auch Landungstruppen
        werden eingeschifft. -- Wir folgen wieder dieser Disposition.

  =Der Bischof von Mnster= -- ein ehrgeiziger, unruhiger und
  ausschweifender Prlat -- stellte fr Hilfsgelder, die England ihm bot,
  in Eile ein Heer von 20000 Mann auf und fiel in Holland ein. Da die
  regierende Partei hier das Landheer vernachlssigt hatte, konnte selbst
  diesem Gesindel kaum Widerstand geleistet werden. Die Verheerungen des
  Feindes erregten besonders in den Landprovinzen groen Schrecken und
  Zorn gegen die Regierung und strkten so die Partei der Oranier. Da
  aber gerade dies Ludwig XIV. nicht genehm war, stellte er ein
  Hilfskorps von 6000 Mann; zu diesem nahm man 12000 Mann von
  Braunschweig-Lneburg in Sold. Dem Bischof, der nach der ersten Zahlung
  von Karl II. kein Geld mehr erhielt, liefen viele Soldaten davon, um so
  mehr da es sich jetzt nicht mehr um Plndern, sondern um Fechten
  handelte. Er wurde nun ohne Mhe zurckgetrieben und schlo, auch von
  Brandenburg bedroht, April 1666 gern Frieden.

[Illustration: Schauplatz des zweiten und dritten englisch-hollndischen
Krieges.]

Dieser Krieg unterscheidet sich aber wesentlich von dem ersten. Die
Hollnder hatten eingesehen, da sie nicht gleichzeitig ihren Handel
schtzen und um die Herrschaft auf dem Meere kmpfen konnten. Bei einem
Kampf um Durchfhrung des Handels waren sie im Nachteil, da der ihrige
immer noch weit grer und wegen seiner Straen leichter anzugreifen war.
Sie verboten deshalb Handel und Fischerei (bis gegen Ende 1666) und
trugen den dadurch hervorgerufenen Schaden freiwillig, um einem
greren Verlust und der damit noch verbundenen Bereicherung des Gegners
vorzubeugen; auerdem stand nun das ganze seemnnische Personal des
Landes der Kriegsflotte zur Verfgung. So wurde im zweiten Kriege von
beiden Seiten um die Seeherrschaft gekmpft, bis England im dritten Jahre
zu seinem Verderben davon abging. Whrend im ersten Kriege vier groe
Schlachten um Konvois geschlagen wurden, finden wir im zweiten den Kampf
um den Handel nur als kleinen Krieg nebenherlaufend; die Schlachtflotten
beteiligten sich daran nur, wenn sich eine besonders gnstige Gelegenheit
bot, den feindlichen Handel empfindlich zu schdigen. Von Anfang an
werden von beiden Seiten mchtige Ste auf die feindlichen
Seestreitkrfte gefhrt. Erst wenn eine der Parteien die Seeherrschaft
errungen hat, geht sie zu greren Unternehmungen gegen den feindlichen
Handel oder gegen das feindliche Land vor; Holland versucht das letztere
mit Erfolg, als England freiwillig auf die Seeherrschaft verzichtet hat.

In beiden Staaten ist das Bestreben, dem Feinde mit dem ersten Schlage
zuvorzukommen, so gro, da ihre Flotten, ohne gengend schlagfertig zu
sein, zum Angriff vorgehen. Die Englnder gehen $1665$ zuerst in See, um,
wie in dem letzten Abschnitte des ersten Krieges, den jetzt beginnenden
gleich an die feindliche Kste zu tragen und schon die Vereinigung der
feindlichen Flotte zu hindern. Die noch unvollstndig ausgersteten
Schiffe sind aber unter ungnstigen Wetterverhltnissen nicht imstande,
eine lngere Blockade durchzufhren, und mssen, bald durch Sturm
beschdigt, zur Ausbesserung nach einem Heimathafen zurckkehren. Wohl
wre dies ein gnstiger Zeitpunkt zum Vorgehen der nun vereinigten
hollndischen Streitkrfte gewesen, aber der Chef der Flotte hielt auch
diese fr noch nicht gengend bereit. Trotzdem wird er von seiner
Regierung gedrngt und geht in See. Zwar wirft ihm der Zufall eine reiche
Beute -- den fr den Gegner wertvollen Hamburger Konvoi mit
Kriegsmaterial -- in den Weg, als er aber, durch das ihm ausgesprochene
Mitrauensvotum gekrnkt, unter ungnstigen Verhltnissen die erste
Schlacht annimmt, um unter allen Umstnden zu fechten, erleidet er die
schwere Niederlage (Lowestoft, 13. Juni), die die See den Englndern
vllig preisgab.

  Mahan (Teil I, Seite 101) sagt hierzu: Es scheint, da Wassenaer sehr
  bestimmten Befehl hatte, zu fechten; die einem Hchstkommandierenden
  zustehende Vollmacht, nach eigenem Ermessen zu handeln, war ihm nicht
  erteilt. Diese Art, sich in die Befugnisse des Kommandierenden im Felde
  oder zur See einzumischen, ist eine der gewhnlichsten Versuchungen,
  denen Regierungen unterliegen; sie ist immer verhngnisvoll. Mahan
  fhrt noch zwei bedeutsame Beispiele dieser Art aus der spteren
  Seekriegsgeschichte an.

Die Englnder versuchen nun, ihren Erfolg strategisch auszunutzen, aber
nicht in der richtigen Weise. Abgesehen von dem Nutzen einer Blockade
berhaupt war es mglich, das zurckkehrende Geschwader Ruyters und den
groen Konvoi abzufangen. Anstatt hierzu die Gesamtkrfte an der
feindlichen Kste zu halten, werden sie zersplittert. Die feindliche
Flotte vereinigt sich wieder, und beide Objekte entgehen den Englndern;
durch Zufall aber erbeuten sie trotzdem einige Schiffe. Im weiteren
Verlauf mu England sogar infolge der Pest dem Gegner das Meer
berlassen, aber auch dieser wird durch Krankheit auf der Flotte
verhindert, greren Nutzen daraus zu ziehen. Bemerkenswert ist, da
Ruyter (d. h. wohl auf Anregung des Staatsmannes de Witt) schon jetzt ein
groes Unternehmen gegen die Themse ins Auge gefat zu haben scheint. Der
Winter bringt die bliche Pause im Kriege, doch rsten beide Staaten fr
das nchste Jahr; England namentlich, nachdem ihm auch von Frankreich und
Dnemark der Krieg erklrt ist.

$Im Jahre 1666$ sind es die Hollnder, die zuerst den Feind suchen;
England macht vor dem Zusammensto den groen Fehler der Detachierung
Ruprechts. Die englische Flotte war der hollndischen etwa gleich, sie
befand sich ihr und dem auch nicht zu unterschtzenden franzsischen
Geschwader gegenber in einer inneren Stellung. Es wre also das einzig
Richtige gewesen, sich auf die Hollnder zu werfen, ehe deren Verbndete
eintreffen konnten; unter Umstnden auch mit der ganzen Macht den
Franzosen entgegenzugehen. Es ist aber nicht zu entschuldigen, die an
sich schon schwchere Kraft zu teilen und so zu teilen, da man dem
nchsten und strksten Feinde bedeutend unterlegen gegenberstand. Es ist
dies immer falsch, besonders zur See, wo hhere Gewalten -- wie Nebel
oder Sturm -- leichter als zu Lande das Herankommen des zweiten Feindes
aufhalten knnen.

  Mahan (Teil I, Seite 110) sagt hierzu: Eine Lage wie die der
  englischen Flotte, in der sie von zwei Seiten bedroht war, bietet eine
  groe Versuchung fr den Befehlshaber. Man ist sehr leicht geneigt,
  seine Krfte zu teilen und beiden Feinden entgegenzugehen, wie Karl es
  tat. Wenn man jedoch nicht eine erdrckende bermacht hat, ist dies
  stets ein Fehler, da man beide Teile der Gefahr aussetzt, getrennt
  geschlagen, zu werden. Dies trifft auch hier zu. Die beiden ersten Tage
  der Viertageschlacht waren verhngnisvoll fr die grere englische
  Division unter Monck, die gezwungen wurde, sich auf Ruprecht
  zurckzuziehen; wahrscheinlich rettete nur seine sehr gelegen kommende
  Rckkehr die englische Flotte vor schweren Verlusten oder zum mindesten
  vor der Einschlieung in ihre Hfen. Einen hnlichen Fehler des
  englischen Admirals Cornwallis vor Trafalgar bezeichnete Napoleon als
  ein hervorragendes Beispiel von Dummheit! Die Lehre bleibt zu allen
  Zeiten gleich richtig.

Die Folge dieses Fehlers war denn auch die Niederlage in der
Viertageschlacht. Monck mute sich dann auf Ruprecht zurckziehen, und
da die Verluste nicht noch weit grer wurden, ist wohl nur dem
rechtzeitigen Wiedererscheinen Ruprechts und der berlegenen Taktik der
Englnder zu verdanken. Was wre aber geschehen, wenn Ruprecht
gleichzeitig in hnlicher Weise durch die Franzosen auf Monck
zurckgeworfen wre?

Holland beeilt sich, seinen Sieg zu verfolgen, und plant wieder einen
Sto in das Herz des Feindes, ein Eindringen in die Themse. Aber man hat
Hilfsquellen und Energie des Gegners unterschtzt; als die hollndische
Flotte bereit ist und zunchst noch durch ungnstige Winde etwas
aufgehalten, vor der Themse erscheint, tritt ihr auch die englische
wieder schlagfertig entgegen. Die Schlacht von Northforeland wird infolge
der alten Schwchen der Hollnder eine vllige Niederlage dieser. Die
Englnder bentzen jetzt die augenblickliche Seeherrschaft dazu, dem
Feinde in dem Vlie groen Schaden zuzufgen. Es ist nicht klar, weshalb
sich die Englnder hiermit begngten; Andeutungen in alten Quellen lassen
annehmen, da die immer weiter zunehmende Nachlssigkeit im
Verwaltungsbetriebe die nach jeder Schlacht notwendige Instandsetzung der
Flotte und ihre Erhaltung in gutem Zustande hinderte.

Die Kriegfhrung wird jetzt berhaupt auf beiden Seiten lau. Als Ruyter
am 5. September wieder ausluft und die englische Flotte ihm folgt, kommt
es zu keinem Zusammensto. Jeder der Gegner behauptet, der andere Teil
habe ein Gefecht vermieden und Wetterverhltnisse seien hindernd gewesen,
aber keiner hat einen Kampf ernstlich gesucht. Der Wunsch, sich vor einer
Schlacht erst mit den Franzosen zu vereinigen, auf der einen Seite und
das Gefhl der Schwche (Mangel an Brandern und other deficiencies[173]
auf der anderen sind mutmalich die wahren Grnde gewesen; vielleicht
haben auch schon Friedensaussichten sowie der auf beiden Flotten
herrschende schlechte Gesundheitszustand dazu beigetragen. Die Franzosen
hielt Zaghaftigkeit oder bser Wille zurck. Die Englnder gingen zuerst
in ihre Gewsser, die Hollnder hielten noch einige Zeit die See, um
Druck auf den Fortgang der Friedensverhandlungen auszuben, aber schon
Anfang Oktober trat die Winterruhe ein.

  [173] Colomb, Seite 58.

$Das Jahr 1667$ bietet ein ganz neues Bild. Wir haben gehrt, da und
weshalb Karl II. den Kampf mit Flotten vllig aufgab. Die damit
verbundene Freigabe der See ermglicht nun de Witt und Ruyter, ihren
Lieblingsplan, einen Sto in das Herz des Feindes, auszufhren; die
Unvollkommenheit der Manahmen zur Abwehr ist ihnen bekannt, das
Fahrwasser ist nach Mglichkeit genau erforscht. Das mit Tatkraft
durchgefhrte Unternehmen in Themse und Medway und gegen die ganze Kste
berhaupt htte bei Verwendung strkerer Mittel noch weit
verhngnisvoller fr England werden knnen. Immerhin war der dem Feinde
zugefgte Schaden gro und vor allem bewirkte der moralische Eindruck der
Waffentat, da England nun ernstlich den Frieden suchte; die weitere
Blockade der Themse, die bestndige Bedrohung der Ksten beschleunigten
die Verhandlungen. Auch diese spteren Unternehmungen waren fr Holland
nur mglich, weil keine groe schlagfertige englische Flotte vorhanden
war. Sie wurden wohl nicht schrfer durchgefhrt, um nicht zu viel mehr
aufs Spiel zu setzen; man hatte seinen Zweck erreicht.

=Der Besitz der Seeherrschaft hat den Krieg entschieden.= Der Kampf um
diese ist nicht bis zu Ende gefhrt worden; so lange darum gefochten
wurde, standen die Aussichten ziemlich gleich, der Erfolg war bis dahin
bald auf der einen, bald auf der andern Seite. Entscheidend zuungunsten
Englands war der falsche Gedanke Karls II., die Niederwerfung des Gegners
allein im =Kreuzerkriege= erreichen zu knnen.

  Mahan lt sich (Teil I, Seite 126-132) ber den $militrischen Wert
  des Kreuzerkrieges$ folgendermaen aus (im Auszuge wiedergegeben): Der
  Kreuzerkrieg -- commerce destroying; guerre de course -- hat stets
  Verlockendes, wenn Sparsamkeit beobachtet werden soll. Er braucht nur
  schnelle Kreuzer und man kann auch darin noch durch Ausgabe von
  Kaperbriefen dem Staate weitere Erleichterung schaffen. Trotzdem kann
  man durch ihn dem Gegner groen Schaden zufgen, der fremden Regierung
  bedeutende Verlegenheiten bereiten, ihre Bevlkerung ins Elend bringen.

  Aber der Kreuzerkrieg bedarf Sttzpunkte: Heimatshfen, Hfen in
  entfernten Besitzungen oder eine mchtige Kriegsflotte. Besitzt er nur
  Sttzpunkte in Hfen, so kann er sich nur auf kurze Entfernungen
  herauswagen. Auch so kann diese Kriegfhrung zwar vielen Schaden tun,
  aber sie verwundet nur, sie ttet nicht; ja man darf wohl sagen, sie
  veranlat nur unntze Leiden. Es leiden nur gewisse Klassen der
  Bevlkerung: Nicht die Wegnahme einzelner Schiffe oder Convois, seien
  es wenige oder viele, bringt die Zahlungsfhigkeit einer Nation in
  Gefahr, sondern der Besitz der Macht, die die feindliche Flotte (besser
  wohl Flagge) von der See verjagt und dem feindlichen Handel die
  Ksten schliet; dann erst leiden die Regierung und die Nation im
  ganzen. Fhrt der eine Gegner den Kreuzerkrieg ohne, der andere aber
  mit Untersttzung einer starken Flotte, so kann dieser weit mehr
  erreichen, selbst wenn er gentigt ist, auf den Schutz seines Handels
  zu verzichten.

  Zur Bekrftigung dieser Stze fhrt Mahan kurz die Kriege an, in denen
  der Kreuzerkrieg eine hervorragende Rolle gespielt hat. ber die Kriege
  unseres Abschnittes sagt er in dieser Hinsicht: Nicht die englische
  Politik von 1667, sondern die mchtigen Flotten Cromwells im ersten
  Kriege, durch die die Hollnder in ihre Hfen eingeschlossen wurden,
  lieen Gras in den Straen Amsterdams wachsen und fhrten den Frieden
  herbei. Wenn auch sein Handel durch Unterbrechung und Preisgabe schwer
  litt, so war Holland im zweiten Kriege doch imstande, mchtige Flotten
  zu halten, und zwang mit ihnen endlich den Gegner zum Frieden, als
  dieser nur Kreuzerkrieg fhrte. Auch den dritten Krieg konnte Holland
  trotz Verlust im Handel gegen England und Frankreich ausfechten. In dem
  Kriege 1689-1697 litt England unter dem Kreuzerkriege ganz ungemein,
  weil Frankreich auch groe Kriegsflotten in See hatte. Als 1702-1712
  Louis XIV. sich wegen Geldmangels auf den Kreuzerkrieg beschrnken
  mute, wurden zwar ungeheuer viele englische Schiffe genommen, aber das
  Land und auch besonders die handeltreibenden Kreise gediehen trotzdem
  weiter; die englischen Flotten hatten zwar den Handel preisgegeben,
  nahmen aber Gibraltar und Minorca und wirkten auch sonst weit
  wesentlicher auf den Verlauf des Krieges ein. -- Die Beispiele werden
  bis in die neueste Zeit (Sezessionskrieg) fortgesetzt.

Blicken wir nun nochmals auf die =Angriffe gegen das feindliche Land=
zurck. Sie werden strategisch richtig nur ins Werk gesetzt, wenn man die
Seeherrschaft besitzt. Sie werden taktisch wohl berlegt ausgefhrt: das
Gros der Flotte liegt in freierem Wasser als Sttzpunkt und um den Rcken
freizuhalten, ein Geschwader aus leichteren Schiffen wird mit Brandern
vorgeschickt. Der erste Angriff gilt der Zerstrung feindlicher Schiffe,
dann folgt die Landung. Das erste wird also fr das Wichtigere und auch
das zweite nur als ein Mittel zu weiterer Zerstrung feindlichen
Eigentums betrachtet; ein Festsetzen in Feindesland fr grere
Unternehmungen scheint nie beabsichtigt zu sein.

Genau wie oben angedeutet, verluft die einzige derartige englische
Expedition im Vlie, zu der Landung stehen nur ganz geringe Krfte zur
Verfgung; nahezu so spielt sich die Hollndische in Themse und Medway
ab. Hier milingt der erste Angriff auf die Schiffe in der Themse, dann
wird Sheerness genommen, da man sonst an die Fahrzeuge im Medway nicht
herankommen konnte. Zu einem dauernden Festsetzen wrden die Truppen
auch hier nicht gengt haben, selbst wenn alle dafr bestimmten zur
Stelle gewesen wren; hchstens htte man dann wahrscheinlich Chatham und
die dort liegenden Schiffe auch vom Lande her angreifen und so einen
greren Erfolg erzielen knnen. Die frheren und spteren Versuche gegen
die Themse waren nicht zu einer greren Invasion ausgerstet, und
endlich wurde auch, wie die geringe Zahl der Landungstruppen zeigt, der
Landangriff auf Harwich nur unternommen, um leichter und sicherer die
Schiffe im Hafen zu vernichten. Wie gesagt, handelte es sich in diesem
Kriege bei derartigen Unternehmungen nur darum, den Feind durch einen
kurzen Schlag zu schdigen, nicht den Krieg in sein Land zu tragen;
wollte man eine Invasion greren Umfanges ausfhren, so htte dazu ein
starkes Heer vorher eingeschifft oder zur Einschiffung bereit sein
mssen, um nach der Besetzung eines festen Sttzpunktes auf dem Lande
sofort folgen zu knnen. Den Hollndern wre dies bei der Schwche ihres
Landheeres nur mit einer starken Untersttzung von seiten Frankreichs
mglich gewesen. Es ist kaum anzunehmen, da man darauf gehofft hat, wenn
auch gerade Ludwig XIV. scheinbar fr das Eindringen in die Themse
sprach. Nur im Juli 1666 hat man mglicherweise eine grere Landung mit
Untersttzung der Franzosen im Auge gehabt. Im nchsten Kriege werden wir
aber auf englischer Seite die Absicht finden, durch eine Landung in den
Landkrieg einzugreifen.

Zum Schlu mchte ich noch einen =Vergleich zwischen dem ersten und dem
zweiten Kriege= ziehen. Beim ersten ist hervorgehoben, mit welcher
Energie er durchgefhrt wurde: die sechs groen Schlachten folgen schnell
aufeinander; im letzten Abschnitt versuchen beide Gegner, zum ersten Male
in jenen Zeiten, den Krieg sogar im Winter fortzufhren. Im zweiten
Kriege wird zwar in den Schlachten selbst mit gleicher Hartnckigkeit
gefochten, aber wir finden nur drei groe Schlachten und die Winterpausen
dauern sehr lange, wohl eine Folge der vernderten inneren Verhltnisse
beider Lnder. Durchweg volkstmlich war der Krieg weder hier noch dort:
In England waren nur gewisse Kreise, die groen Kompagnien besonders,
interessiert und das Verhltnis zwischen Knig und Volk war nicht das
beste; in Holland waren ebenfalls die Landprovinzen berdrssig, die
Lasten eines Krieges zu tragen, der scheinbar nur den Seeprovinzen -- und
hier besonders Holland -- von Nutzen war. In beiden Nationen gelangte man
zur Erkenntnis, da Frankreich bei dem Streite im trben fische und am
meisten gewinne.

Franzsische Schriftsteller versuchten es stets und versuchen es noch,
nachzuweisen, da von einem absichtlichen Zurckhalten der franzsischen
Flotte keine Rede gewesen sein knne; ein Unparteiischer mu dies jedoch
nach allen Quellen annehmen, es pate ja auch ganz in Ludwigs XIV.
Politik, wenn die beiden Gegner sich schwchten und er unberhrt blieb.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Sechstes Kapitel.

           Der dritte englisch-hollndische Krieg. 1672-1674.

      Die politischen Verhltnisse, die diesen Krieg herbeifhrten.

Wie wir sahen, trug zur Beendigung des zweiten englisch-hollndischen
Krieges der Umstand wesentlich bei, da beide Nationen die zunehmende
Macht Frankreichs mit Mitrauen betrachteten; die Erfolge Ludwigs XIV. im
Devolutionskriege fhrten bald (1668) nach dem Friedensschlu sogar zu
einem Zusammengehen Hollands und Englands, aber nur fr kurze Zeit. Schon
1672 standen sich die alten Gegner aufs neue in einem Seekriege
gegenber, in dem Frankreich jetzt auf Englands Seite erschien. Es war
Ludwig gelungen, Karl II. gegen die Neigung des englischen Volkes zur
Durchfhrung seiner Politik zu gewinnen, Holland zu isolieren und ihm
auer England auch noch andere Gegner zu schaffen. Um diese politische
Strategie Ludwigs XIV. zu veranschaulichen, ist es ntig, die
=Entwicklung der politischen Verhltnisse bis zum Kriege= kurz zu
betrachten.

Der =Devolutionskrieg= (vgl. Seite 289) -- der erste Eroberungskrieg
Ludwigs XIV. --, der Einfall in die spanischen Niederlande Ende Mai 1667,
verlief ungemein schnell zugunsten Frankreichs. =Turenne= -- der Knig
fhrte zwar scheinbar selbst den Oberbefehl -- nahm bis Ende Oktober ohne
groen Widerstand eine Reihe der wichtigsten Stdte: z. B. Charleroi,
Tournay, Douay, Oudenaarde, Lille; Brssel und Dendermonde hielten sich.
Die Staatsschrift, in der Ludwig seine Ansprche auf die fraglichen
Landstriche darlegte, zeigte unverhllt den ehrgeizigen Charakter des
jungen Knigs und versetzte ganz Europa in Besorgnis. Besonders Holland
mute sich arg bedroht fhlen; aus Grnden, die wir schon erwhnt haben
(Seite 249), war Frankreich wohl gut als Freund, aber nicht als Nachbar.
Auch in England frchtete man, da Frankreich nach Erlangung des
bergewichtes auf dem Kontinente, nach Eroberung der spanischen
Niederlande oder gar Hollands ein gefhrlicherer Nebenbuhler um die
Seeherrschaft werden knnte als Holland. Zwei groe Staatsmnner der
bisher feindlichen Nationen verbanden sich deshalb im geheimen, um den
franzsischen Eroberungen Schranken zu setzen. Der Ratspensionr =de
Witt= und der englische Gesandte in Holland, =Sir William Temple=. De
Witt berwand dabei seinen alten Ha gegen England, die franzsische
Gefahr war ja auch jetzt die grere; er wagte viel bei den geheimen
Unterhandlungen, da nach den Gesetzen ein jedes Bndnis von den
Magistraten aller Stdte beraten werden mute. Temple, ein Mann voll
inniger Vaterlandsliebe, aber auch auf das Wohl aller Staaten bedacht,
beachtete nicht die Hinneigung seines Knigs zu Frankreich. In kurzer
Zeit brachten diese beiden Mnner einen Vertrag zustande (23. Januar
1668), dem dann der Gesandte Schwedens beitrat. Diese =Tripelallianz=
forderte von Ludwig, da er von weiteren Eroberungen abshe, und von
Spanien die Abtretung der bereits genommenen Gebiete an Frankreich. Die
Bundesgenossen verpflichteten sich, den Knig zu Wasser und zu Lande zu
bekriegen, falls er auf die Forderung nicht einginge, und dann Frankreich
auf den Stand des Pyrenischen Friedens zurckzubringen.

Das schwache Spanien stellte sich zwar emprt, da man so ber sein
Eigentum verfge, sah aber die Unmglichkeit ein, dieses selbst zu
schtzen. Auch Ludwig wagte nicht, der Allianz zu trotzen, ging auf die
Verhandlungen ein und bot auf Verlangen der Verbndeten dem spanischen
Gouverneur der Niederlande einen Waffenstillstand an, aber zunchst nur
bis Ende Mrz. Dieser lehnte ihn jedoch ab mit dem Bemerken, es sei ein
Hohn, eine Waffenruhe anzubieten, die der Winter den Franzosen von selbst
auferlege. Um zu zeigen, da er trotz der ungnstigen Jahreszeit seine
Eroberungen fortsetzen knne, lie nun Ludwig die Grafschaft Burgund
(Franche-Comt?), die, wenn auch nur dem Namen nach, noch zu Spanien
gehrte, im Februar durch den Prinzen Cond besetzen; es geschah fast
ohne Schwertstreich. Nach diesem so leichten Erfolge machte der Knig
Miene, die Verhandlungen wieder abzubrechen, aber das energische
Auftreten der Allianz und ihre Drohung, alle Staaten Europas seien
bereit, sich gegen Frankreich zu waffnen, bewogen ihn doch zum Nachgeben;
noch hatte er sich nicht an den Gedanken gewhnt, ganz Europa zu trotzen.
Im =Frieden zu Aachen=, 2. Mai 1668, gab Frankreich die Franche-Comt
zurck und behielt die zwlf genommenen Stdte Belgiens. Diese wurden
sofort durch =Vauban= zu wichtigen Sttzpunkten fr weitere Eroberungen
ausgebaut; besonders galt Lille als eine Musterfestung nach dem System
des berhmten Ingenieurs.

=Ludwig= XIV. war erbittert ber die Strung seines Planes. Sein Ha
richtete sich besonders gegen Holland, in dem er mit Recht die Seele des
Dreibundes und wegen dessen geographischer Lage das Haupthindernis seiner
Absichten sah; auch erschien es ihm als ein unertrglicher Schimpf, da
eine Republik von Krmern und Schiffern, die ihm und seinen Vorfahren so
viel zu verdanken habe, den grten Knig Europas in seinem Siegeszuge
hemme; Arger ber in Holland erschienene Spottbilder und -schriften usw.
trat hinzu.

Er beschlo, vorerst Holland zu zchtigen und zu unterwerfen, und dann
Belgien; mit allen Mitteln zielte seine =politische Strategie= darauf
hin, Holland nicht nur zu isolieren, sondern ihm auch Feinde zu schaffen;
dazu brauchte er vor allem die =Auflsung des Dreibundes=. Er versuchte,
die alte Verbindung Frankreichs mit Schweden zu erneuern. Zwar war hier
im Reichsrate, der fr den minderjhrigen Karl XI. regierte, anfangs
wenig Neigung vorhanden, sich dem unruhigen und kriegslustigen Ludwig
anzuschlieen, aber nach und nach gewann eine andere Stimmung die
Oberhand, wohl infolge Bestechung gewisser Kreise; im April 1672, als
auch Ludwigs sonstige Rnke zum Ziel gefhrt hatten, schlo Schweden mit
ihm den Vertrag, gegen Zahlung von Subsidien das Deutsche Reich an einer
Untersttzung Hollands zu hindern und hierzu 16000 Mann in Schweden und
Pommern bereit zu halten. Ebenso leichtes Spiel hatte Ludwig in England.
Karl II. hatte hier 1669 die Minister entlassen und neue genommen, die
seinen Plnen gegen Verfassung und Religion des Landes willfhrig waren
-- deshalb das Kabalministerium genannt --: das Parlament sollte
abgeschafft, das Knigtum absolut gemacht und die Nation zur katholischen
Religion gezwungen werden. Zu diesem Plane pate die Vernichtung des
republikanischen und evangelischen Hollands, infolgedessen gelang es
Ludwig XIV., den englischen Knig am 11. Juni 1670 zu einem Vertrage fr
die Ausfhrung der beiderseitigen Absichten zu gewinnen: Gemeinschaftlich
erst Holland zu erobern, dann England politisch und kirchlich zu
knechten. Auch wurde Karl berzeugt, da diese beiden Aufgaben gerade in
dieser Reihenfolge leichter und sicherer auszufhren seien, da dann das
englische Volk keine Untersttzung an dem hollndischen finden knne. Von
den Niederlanden sollte Seeland, also insbesondere die wichtigen
Flumndungen der Schelde und Maas, an England fallen, die Provinz
Holland wollte man dem Prinzen von Oranien als souvernes Frstentum
geben; alle brigen Provinzen sollten franzsisch werden. Fr den Krieg
wollte Frankreich an England 200000 Lstrl. zu Rstungen und jhrlich
350000 Lstrl. Subsidien zahlen, gegen Holland seine Flotte mit der
englischen -- unter englischem Oberbefehl -- vereinigen und zur
Unterdrckung Englands spter Truppen stellen.

  Der Abschlu der schon lnger laufenden Verhandlungen und besonders die
  Abmachung, Holland zuerst anzugreifen, war das Werk der Herzogin von
  Orleans, Schwgerin Ludwigs und Schwester Karls. Wesentlich untersttzt
  soll diese sein durch das ihr zu diesem Zweck mitgegebene schne
  Frulein de Kerhouent, das die Lieblingsmaitresse Karls wurde.

  Der franzsische Geschichtschreiber Martin (Histoire de France) sagt zu
  dem Vertrage: Diese Verhandlungen sind falsch beurteilt. Man hat
  gesagt, Karl habe England an Frankreich verkauft. Dies ist nur fr die
  innere Politik richtig, er plante mit Hilfe Frankreichs England zu
  knechten. Die Interessen des Landes nach auen verkaufte er indessen
  durchaus nicht (d. h. dieses Mal nicht, beim Verkauf Dnkirchens tat er
  es), da der grere Gewinn bei Niederwerfung Hollands von England
  eingeheimst sein wrde. Man darf wohl sagen, da der Vertrag ein
  grerer politischer Fehler Frankreichs als Englands war. England
  bekmpfte doch immer seinen derzeit bedeutendsten Nebenbuhler zur See,
  der ihm sogar im Handel noch berlegen war, wenn ihm dadurch auch ein
  neuer in Frankreich zu erwachsen drohte. Frankreich aber hatte, durch
  seine Festlandpolitik in Anspruch genommen, wenig Aussicht, ohne einen
  Verbndeten dem vom Festland unabhngigen England gegenber eine
  Seemacht zu werden, wonach Colbert gerade jetzt strebte. Ein solcher
  Verbndeter war in Holland gegeben, mit ihm htte man das Wachstum der
  englischen Seemacht vielleicht unterbinden knnen, und dieser
  Verbndete sollte jetzt vernichtet und sogar seine fr die Seemacht
  wichtigste Provinz an England abgetreten werden. Richelieu hatte aus
  diesem Grunde Freundschaft mit Holland gesucht, auch, um dort
  technische Untersttzung zur Schaffung einer Marine zu finden.

Dieser englisch-franzsische Vertrag wurde streng geheim gehalten. Als de
Witt, der doch von Verhandlungen gehrt hatte, in London um Auskunft
ersuchte, uerte sich Karl dem hollndischen Gesandten gegenber: Er
halte fest an der Tripelallianz; diese sei so heilsam, da sie
geschlossen werden msse, wenn es nicht schon geschehen wre. hnliche
Versicherungen wurden auch in der Folge noch gegeben, und ihre
Aufrichtigkeit schien dadurch Besttigung zu finden, da Karl Ende 1670
vom Parlament bedeutende Mittel fr die Flotte in diesem Sinne forderte.
Er sagte: da die franzsische Flotte in den letzten Jahren verdreifacht
sei, verlangten die Verpflichtungen, die die Tripelallianz England
auferlege, auch eine groe Schlagfertigkeit seiner Flotte fr das nchste
Jahr. In England hatten die Zunahme des Seehandels und die
Kolonialbestrebungen Frankreichs Eifersucht erregt, die Tripelallianz
besa die allgemeine Sympathie, und so bewilligte das Parlament die
geforderten Gelder. Das englische Volk und de Witt waren getuscht.

Wenn nun =de Witt= noch lngere Zeit auf den Bestand des Dreibundes und
besonders auf Untersttzung durch England rechnete, so versuchte er doch
rechtzeitig, sich daneben in Deutschland Bundesgenossen gegen Frankreich
zu sichern; aber auch hier trat ihm Ludwig entgegen. Der Herzog von
Lothringen, die Kurfrsten von Mainz und Trier fanden sich anfangs
bereit, Truppen fr Holland aufzustellen. Ehe jedoch die Werbungen
begannen, fiel Ludwig (August 1670) in Lothringen ein und besetzte das
Land; trotz Einspruch des Kaisers blieb es damals schon 27 Jahre in
franzsischem Besitz. Die Kurfrsten wagten jetzt nicht, zu rsten und
auch nicht auf dem Reichstage fr die bedrohten Niederlande aufzutreten;
sie wrden fast allein dagestanden haben. Die brigen Frsten im Westen
Deutschlands frchteten Ludwig oder waren ihm verpflichtet. Auch am
kaiserlichen Hofe legte der franzsische Gesandte goldene Ketten
(Ausdruck Ludwigs) an; die Minister, vor allen der Premier Frst
Lobkowitz, berredeten den Kaiser zu einem Vertrage mit Frankreich
(November 1671), wonach keine der beiden Mchte einen Gegner der anderen
untersttzen sollte; der Kaiser wollte sich besonders nicht in einen
Krieg mischen, der ber den Frieden von Aachen etwa entstehe.

Endlich gewann =Ludwig= XIV. sogar offene =Verbndete in Deutschland= in
dem Erzbischof von Kln und dem Bischof von Mnster. Da er beim Angriff
auf Holland die spanischen Niederlande nicht betreten wollte, um sich
selbst in dem schwachen Spanien keinen Gegner zu schaffen, sollte sein
Heer den Weg durch das Klner Land nehmen. Die beiden Prlaten
verpflichteten sich aber auch (Anfang 1672), 30000 Mann zu stellen, wofr
ihnen bedeutende Gelder und Teile Hollands zugesagt wurden. -- Nur an
der Einsicht und der deutschen Gesinnung des =Groen Kurfrsten=
scheiterten Ludwigs Knste. Dieser wies den Antrag eines Bndnisses, fr
das man ihm das Herzogtum Geldern bot, mit Verachtung zurck; er warnte
Holland und war entschlossen, fr die Rettung der Republik und zur
Sicherung Deutschlands zu tun, was in seinen Krften stand.

So hatte Ludwig XIV. im Frhjahr 1672 =Holland vllig isoliert= und ihm
auer England noch zwei festlndische Gegner geschaffen; das der Republik
wohlgesinnte Brandenburg hoffte er durch Schweden in Schach zu halten.

  Als bemerkenswert vom Standpunkt der Seekriegsgeschichte sei hier eines
  von =Leibniz= dem Knig von Frankreich unterbreiteten =Planes= gedacht.
  Dieser deutsche Gelehrte weilte 1672 in Paris, als sich schon erkennen
  lie, da die Plne Ludwigs auch Deutschland bedrohen wrden. Er wollte
  deshalb den Ehrgeiz des Knigs in andere Bahnen leiten, von einer
  Ausdehnung seiner Macht in Europa zu Lande ablenken und auf Erweiterung
  der berseeischen und des Seehandels, kurz auf die Erringung der
  Seeherrschaft, hinfhren. Zur Erreichung dieses Zieles sollte
  Frankreich gypten nehmen und mit diesem Lande als Basis die Vormacht
  im Mittelmeer, in der Levante sowie im fernen Osten gewinnen; Holland
  wrde damit auch am leichtesten und sichersten vernichtet. Der Plan
  weist also auf eine hnliche Entwicklung Frankreichs hin, wie sie bald
  England nahm. Nach Eroberung gyptens wre Frankreich zur Schaffung
  einer groen Seemacht und zur Besitzergreifung vieler berseeischer
  strategischer Punkte gezwungen worden, wie es England durch den Besitz
  Indiens wurde.

  (Einen genaueren Auszug aus dieser Denkschrift -- Concilium Aegyptiacum
  --, insbesondere auf die Grnde mehr eingehend, durch die Leibniz vor
  200 Jahren den ehrgeizigen Knig fr den Gedanken gewinnen wollte, gibt
  Mahan, Teil I, Seite 135.)

Nachdem der Krieg so vorbereitet war, wurden =Grnde zur Kriegserklrung=
seitens der beiden Knige leicht gefunden; man kann wohl sagen, an den
Haaren herbeigezogen. =Ludwig= XIV. hatte schon vor der Tripelallianz
1667 den Einfuhrzoll fr hollndische Waren erhht. Als nun Holland 1671
eine Zollerhhung seinerseits vornahm, verlangte der Knig im Tone des
Zorns Zurcknahme und Genugtuung. Obgleich Holland um diese Zeit noch auf
England rechnete, war man doch zu billigem Ausgleich bereit, aber Ludwig,
der gerade damals sein politisches Werk bei den deutschen Frsten zu Ende
gebracht, antwortete: Im nchsten Frhjahr werde ich tun, was mir fr
meinen Ruhm und fr den Vorteil meines Staates angemessen erscheint.
(Januar 1672.)

Am 7. =April= 1672 erklrte er den Krieg nur mit dem Bemerken: das
Betragen der Republik sei den groen Wohltaten nicht angemessen, mit
denen er und seine Vorfahren diese berhuft htten. Der =Bischof von
Mnster= kndigte Krieg an, weil sich vier hollndische Staatsbeamte
gegen sein Leben verschworen htten. =Karl= II. hatte schon im August
1671 einen Streit wegen des Flaggenrechts herbeigefhrt. Eine kleine
knigliche Jacht, die die Gemahlin des englischen Gesandten Temple vom
Haag abholte, erhielt den Befehl, in offenkundiger Absicht durch die
hollndische Flotte zu fahren und zu feuern, wenn die Flagge nicht vor
ihr gedippt wrde. Die Jacht lief durch die vor der Maasmndung liegende
Flotte und salutierte die Flagge Ruyters. Der Admiral konnte nicht gleich
danken, da sein Schiff gekrngt[174] war, doch Leutnantadmiral Ghent
beantwortete den Salut und auch Ruyter folgte hierin, sobald sein Schiff
wieder auf ebenem Kiel lag. Dennoch scho der Englnder scharf auf Ghent.
Dieser sandte seinen Flaggkapitn ab, um Aufklrung zu fordern, ging
sogar dann selbst, da er gleichzeitig die ihm bekannte Dame begren
wollte. Der englische Kommandant erklrte, er habe scharf geschossen,
weil Ghent die Flagge nicht gestrichen, worauf dieser antwortete, das
knne doch von einem groen Geschwader einer einzigen kleinen Jacht
gegenber nicht verlangt werden. Diesen, noch durch die Erdichtung dabei
gefallener unehrerbietiger uerungen Ghents aufgebauschten Vorfall nahm
Karl wahr, um Genugtuung zu verlangen, obwohl weder der bisherige Brauch
noch der Wortlaut des Vertrages eine so demtigende Auslegung des
Flaggenrechtes rechtfertigten; der Vorfall hatte sich ja auerdem in
hollndischen Kstengewssern abgespielt. Einige andere nichtige
Beschwerden Karls traten hinzu, z. B. Klagen ber Medaillen, Bilder,
Gedichte, die in Holland zu Ehren des letzten Krieges angefertigt waren.

  [174] Krngen bedeutet, ein Schiff auf die Seite legen, um den
        Schiffsboden zu reinigen oder auszubessern.

Holland war bereit, in allem nachzugeben; so sollten in Zukunft auch
Flotten die Flagge streichen als Zeichen der Ehre fr einen
Bundesgenossen und groen Monarchen. Als aber die Regierung ihre
Vorschlge dem englischen Gesandten unterbreitete, erklrte dieser, es
sei zu spt, und reiste ab (Januar 1672). Weitere demtige Schritte in
London ntzten nichts; im =Mrz= 1672 griff =England= einen hollndischen
Convoi an und =erklrte= am 29. desselben Monats =den Krieg= fr den 7.
April, denselben Tag, an dem die franzsische Kriegserklrung erging. Der
Vorfall mit der englischen Jacht im August 1671 hatte Holland schon
veranlat, die englische Freundschaft mit Argwohn zu betrachten; in den
Januar-Verhandlungen war die Maske Karls gefallen.

Bei der $Betrachtung der Streitmittel Englands und Hollands$ in diesem
Kriege knnen wir uns krzer fassen als bisher (Seite 254 ff.), weil die
wenigen Friedensjahre keine wesentlichen Vernderungen in beiden Marinen
gebracht haben, wenn diese sich auch in der allgemein besprochenen Weise
(Seite 161 ff.) fortentwickelten.

Was das $Material$ anbetrifft, so wurden in =Holland= grere
Schlachtschiffe nicht neu erbaut. Man glaubte, an den whrend des letzten
Krieges so zahlreich gebauten genug zu haben. Es mangelte auch an Geld,
obgleich der Handel bald wieder in vollster Blte stand; die Staaten
hatten noch Schulden abzuzahlen, einige Admiralitten waren gar mit
Rechnungen, Arbeitslhnen und Gehltern im Rckstande. In =England= aber
sorgte man hauptschlich fr den Ersatz der vielen verlorenen groen
Schlachtschiffe. Angaben ber den Gesamtbestand fehlen wieder fr beide
Marinen; nach der Strke der im dritten Kriege aufgestellten Flotten
drfte die Gesamtzahl auf beiden Seiten annhernd gleich geblieben sein.
Zum Beweise hierfr und zum Vergleich sei eine hnliche
Zusammenstellung[175] wie frher gegeben.

  [175] Die Angaben fr 1672 entnommen aus de Jonge, Teil II, Beilage II
        und IV; die kleineren englischen Schiffe sind aus diesen Angaben
        nach Schtzung gruppiert. Beilagen V-VII geben die Flotten fr
        die spteren Schlachten 1672-1674.

Vor der Viertageschlacht 1666 setzte sich zusammen:

  Schiffe von Kanonen ber   90    80-90    70-80    60-70    50-60
  Die englische Flotte        2      2        7       14       25
  Die hollndische Flotte    --      2       11       21       18

  Schiffe von Kanonen      40-50   30-40    20-30  kleinere  Brander
  Die englische Flotte       22      8        ?        ?        ?
  Die hollndische Flotte    19     13        1        8        9

In der Schlacht bei Solebay 1672:

  Schiffe von Kanonen ber   90    80-90    70-80    60-70    50-60
  England                     6      2        3        8       21
  Holland                    --      3       14       26       12

  Schiffe von Kanonen      40-50   30-40    20-30  kleinere  Brander
  England                     5      8        4       30       16
  Holland                     6      6        8       22       36

=Schlachtschiffe= mssen wir von jetzt ab allgemein ber 40 Kanonen stark
rechnen, dann zhlte die hollndische Flotte bei Solebay an solchen
Linienschiffen 61, die englische 45. -- Die Hollnder hatten
beabsichtigt, noch 18 Linienschiffe (meist kleinere?) in Dienst zu
stellen, damit kommen wir als Gesamtbestand auf etwa 80, was der Strke
im zweiten Kriege entspricht; auch die Gre der Schiffe ist ziemlich
dieselbe. Bei den Englndern sind mehrere ganz neue Schiffe der
schwersten Klasse hinzugetreten, dagegen fehlt gegen 1666 eine groe Zahl
mittlerer und kleiner Schlachtschiffe, die jedoch sicher vorhanden waren.

  Vermutlich war man infolge der schlechter gewordenen Verwaltung nicht
  imstande, seine ganze Kraft zu entfalten; man rechnete auf die
  Franzosen, die gerade Schiffe dieser Gren stellten. Einige solcher
  Fahrzeuge waren auch in den Hfen, besonders der Themse, stationiert.
  Da die Zahl der 40-50 Kanonenschiffe so heruntergegangen, hatte wohl
  auch seinen Grund darin, da man sie nicht mehr als vollwertige
  Schlachtschiffe ansah; wir finden dasselbe bei Holland.

Ungefhr dieselbe Strke zeigen die Flotten bei den spteren Aktionen
dieses Krieges, doch erscheinen dann die Hollnder mit 5-7 Schiffen zu
80-90 Kanonen. Bemerkenswert ist die groe Zunahme an kleinen
Fahrzeugen in den Flotten fr den Melde- und Sicherheitsdienst.

ber die =Armierung= ist schon gesagt, da die Angaben und Auslassungen
fr die Zeit des zweiten Krieges auch jetzt noch zutreffen; zu beachten
ist aber, da mit der Vermehrung der Schiffe ber 90 Kanonen das
bergewicht der Englnder an schwerstem Kaliber noch gewachsen ist. Auf
beiden Seiten sehen wir in noch grerem Mae als zu Ende des zweiten
Krieges eine Zunahme der =Brander=.

$Das Personal.$ Der Verlauf des Krieges wird zeigen, wie schwierig es
dieses Mal infolge des gleichzeitigen Landkrieges den =Hollndern= wurde,
groe Flotten aufzustellen und sie zu bemannen. Um so bewundernswerter
ist es, da die Republik dem vereinigten England und Frankreich doch zur
See mit Erfolg gegenberstand. Es ist ferner fraglos, da die
hollndische Marine in militrischer Beziehung groe Fortschritte gemacht
hatte. Alle Quellen bezeugen die grere Disziplin in ihren Flotten im
dritten Kriege. Wenn auch Reibungen zwischen den hheren Befehlshabern
vorkommen, so hrt man doch nichts mehr von groben Versten gegen
Disziplin und Taktik von den Kommandanten und von Unzuverlssigkeit der
Mannschaften; die Leistung ihrer Artillerie ist besser als die der
Englnder. Dies alles und die Fortschritte in der Taktik sind zweifellos
das =Verdienst Ruyters=, der dabei von hervorragenden Flaggoffizieren,
wie z. B. Ghent, den beiden van Nes, Bankers, Liefde u. a. m.,
untersttzt wurde. Auch eine wichtige Organisationsnderung trug dazu
bei. Im Jahre 1672 bernahm der Prinz von Oranien durch seine Einsetzung
als Statthalter auch wieder die Wrde des =Generaladmirals= mit den alten
Befugnissen (Seite 149), er entfernte mit Ruyters Hilfe ungeeignete
Kapitne und hob die Stellung des tatschlichen Oberbefehlshabers, durch
Ernennung Ruyters zum =Leutnantadmiralgeneral=, den anderen
Leutnantadmiralen gegenber.

Auch in =England= vollzog sich whrend des Krieges eine wichtige
organisatorische nderung. Als 1673 die Testakte im Parlament durchging
-- wonach kein Katholik ein Staatsamt bekleiden durfte --, mute der
Herzog von York seine Stellung als =Lordhighadmiral= niederlegen. Karl
II. besetzte die Stellung nicht wieder. Er ernannte den Prinzen Rupert
zum Oberbefehlshaber der Flotte, gab ihm zwar manche der Befugnisse, die
spter dem ersten Lord der Admiralitt zufielen, behielt sich aber selbst
den grten Einflu im Marinedepartement vor. Diese Teilung soll nach
englischen Quellen ungnstig fr den Dienst, besonders fr die Verwaltung
(Ausrstung der Flotten!) gewesen sein. Das Personal hatte hier an Gte
eingebt. Die geringere Sorgfalt und Zuverlssigkeit in der Verwaltung
haben wir schon im zweiten Kriege kennen gelernt. Jetzt zeigte sich der
verderbliche Einflu eines ausschweifenden Hofes mit Gnstlingswirtschaft
und des Parteiwesens im Lande auch beim Offizierkorps. Die Cromwellsche
Zucht lt immer mehr nach; die sonst tchtigen Fhrer, die Kavaliere
York und Rupert, ersetzen doch nicht den alten Soldaten Monck
([+] 1670) in der Aufrechterhaltung der Disziplin. Alles wird
schlimmer, je mehr sich das Verhltnis zwischen Volk und Knig zuspitzt.
Als Rupert den Befehl bernahm, erhielt der tchtige Admiral Holmes,
obgleich Rupert selbst es wnschte, keine Stelle in der Flotte, weil er
ein Liebling Yorks gewesen war. Anderseits machten jetzt Offiziere der
Hofpartei dem protestantischen Prinzen Opposition, und es ereignen sich
hnliche Flle von Eigenmchtigkeit wie frher bei den Hollndern. Die
Mannschaft endlich war nicht mehr so gut wie ehemals. Bei der
Unpopularitt des Krieges mute der Bedarf grtenteils durch Pressen
gedeckt werden. Diese Manahme lieferte aber weder gengend noch gutes
Material; Auffllen mit Soldaten war ntig, denn gute kriegserfahrene
Seeleute fehlten sehr.

Zum ersten Male mssen wir die $franzsische Marine$, ihre =Entwicklung
und Bestand=[176] um diese Zeit in den Kreis unserer Betrachtungen
ziehen.

  [176] Quellen: Chab.-Arnault, besonders Colberts Wirken; de Jonge, Teil
        II, Schiffsbestnde, Seite 290 ff.; Mahan, Teil I, ber
        Offizierkorps, siehe dort Sachregister Marine; Troude, Teil I,
        und sonst im Quellenverzeichnis die franzsischen.

Wir haben gesehen (Seite 152), da in Frankreich verschiedene Versuche,
eine Marine zu grnden, ohne dauernden Erfolg blieben. Die letzte und
grte Schpfung dieser Art, die Richelieus, verfiel schon unter Mazarin
wegen Geldmangels, besonders whrend der Fronde; =Colbert= belebte sie
wieder nach dem Pyrenischen Frieden (1659). Wenn Richelieu, als
eigentlicher Regent Frankreichs, die Marine mehr als Werkzeug der ueren
Politik begnstigt hatte, wandte Colbert ihr seine Sorgfalt besonders als
Handelsminister zu. Es ist bekannt, da Colbert an der Spitze der
Verwaltung dahin strebte, Frankreich aus finanzieller Zerrttung
herauszubringen und seine Wirtschaft auf der festen Grundlage nationalen
Wohlstandes sicherzustellen. Zu diesem Zweck wollte er sein Vaterland
auch zu einer Seehandelsmacht ersten Ranges machen und hierzu bedurfte er
einer starken Marine.

  Es liegt natrlich auerhalb unserer Aufgabe, auf die =Ttigkeit
  Colberts= nher einzugehen, es seien aber doch einige Worte ber seine
  Manahmen zur Frderung des arbeitenden Volkes, zur Durchfhrung seiner
  Wohlfahrtspolitik gesagt:

  Eine gleichmigere Besteuerung und eine gerechtere Erhebung der
  Steuern wurde eingefhrt; das Heer der Beamten und Pensionre
  beschrnkt. Um die Produktion des so reichen Landes zu heben, wurden
  Landwirtschaft und besonders Industrie untersttzt, zu letzterem Zweck
  wurden Manufakturen unter staatlicher Aufsicht gegrndet und durch
  Schutzzlle gesichert.

  Zugleich wurden Handels- und Verkehrswesen nach allen Seiten, im Innern
  und nach auen, gefrdert durch: Handelsgesetze, Assekuranzkammern,
  Schiffahrts- und Zollordnungen, die das Speditionsgeschft in
  franzsische Hnde bringen und so den Schiffbau heben sollten, durch
  den dann wieder die einheimischen und die Kolonialerzeugnisse befrdert
  werden sollten, denn den Kolonien wurde gleiche Pflege zuteil; gnstige
  Handels- und Zollvertrge; Grndung groer Handelskompagnien nach Ost-
  und Westindien, Levante; Prmien fr im Lande erbaute Schiffe; Grndung
  von Freihafengebieten, um Frankreich an Hollands Platz als groes
  Lagerhaus Europas zu setzen, wozu es durch seine geographische Lage
  hervorragend geeignet erschien; Verordnungen fr die Kolonien, die den
  franzsischen Schiffen den Alleinhandel von und nach ihnen sicherten;
  endlich Grndung einer starken Kriegsmarine zur Beherrschung der Meere.

  Colbert verfolgte sein Ziel in durchaus franzsischem Geiste; alles war
  organisiert, alles ging von dem Kabinett des Ministers aus. Eine
  mchtige Armee von Kaufleuten und Fabrikanten zu organisieren, die
  einer ttigen und einsichtigen Leitung unterstellt war, um so durch
  Ordnung und Vereinigung der Krfte einen industriellen Sieg zu
  gewhrleisten und die besten Erzeugnisse dadurch zu erhalten, da alle
  Arbeiter zu dem Verfahren angehalten wurden, welches von den
  erfahrensten Mnnern als das beste anerkannt war... und
  Seebevlkerung und Seehandel ebenso wie Industrie und Binnenhandel zu
  organisieren, sowie der Handelsmacht Frankreichs als Sttze eine Marine
  auf fester und bisher ungeahnt breiter Grundlage zu geben, waren
  Colberts Ziele. (Mahan, Teil I, Seite 65/66.)

  Da alles von einem Manne, gewissermaen als Ausfhrung eines logischen
  Gedankenganges, ausging, und dieser Mann eine absolute Macht hinter
  sich hatte, entwickelte es sich sehr schnell. Bald trug es Frchte, der
  allgemeine Wohlstand wuchs; insbesondere blhte die Handelsschiffahrt
  schnell auf, Frankreich begann ein gefhrlicher Konkurrent Hollands und
  Englands als Seehandels- und Seekriegsmacht zu werden.

  Aber das Wachstum war auch knstlich und hing von der absoluten Macht
  ab, die es bewachte. Colbert war nicht Knig und seine Macht zu Ende,
  als ihm der Knig seinen Rckhalt entzog; hiermit wurde auch sein Werk
  erschttert und brach mit seinem Tode (1683) zusammen.

Bei der Grndung der Marine hatte =Colbert= die bereits vorgeschrittene
Entwicklung der hollndischen und englischen als Beispiel; wie bei allen
seinen Organisationen ging er folgerichtig, geschickt und sorgfltig vor,
eine absolute Regierung stand ihm mit ihrer ungehemmten Kraft zur
Verfgung; so =erreichte= er =in kurzer Zeit kaum Glaubliches=. Anfangs
wurden seine Reformplne vielfach durch den Admiral von Frankreich,
derzeit Herzog von Beaufort, (uns bekannt als Herzog von Vendme, Seite
208) behindert. Nach dessen Tode 1669 wurde dieser Posten auf Colberts
Veranlassung mit einem vierjhrigen Kinde -- Graf von Vermandois, Sohn
der Lavallire -- besetzt, whrend Colbert selbst Marineminister wurde.
Von nun an hatte er, wie einst Richelieu, freie Hand fr seine Plne und
baute auf dem Grunde, den dieser gelegt, weiter.

Zunchst wandte er seine Sorgfalt den alten =Kriegshfen= zu, wo alles
gewissermaen in Ruinen lag. Befestigungen, Hafenanlagen, Werften und
Arsenale wurden ausgebaut: in Brest und Toulon als den Hauptkriegshfen
im Norden und Sden, daneben in Havre und Dnkirchen -- diese beiden
waren leider fr schwere Schiffe nicht zugnglich, so da sich in den
kommenden Kriegen fters der Mangel eines Rckzugshafens am Kanal fhlbar
machte; fr das versandete Brouage wurde La Rochelle an der Biskaya
gegrndet; die Station der Galerenflotte verlegte man von Toulon nach
Marseille, um Reibungen mit der Hochseeflotte zu vermeiden. Ebenso
wichtig war die Neueinrichtung der Verwaltung der Anlagen der Marine, wo
Trgheit, Schlendrian, selbst Untreue eingerissen waren. Hierbei wich
Colbert von Richelieu ab: Bislang stand die Verwaltung unter der
militrischen Behrde, dem Chef d'Escadre der Provinz; jetzt wurden alle
technischen und Verwaltungsgeschfte einem Intendanten in jedem
Kriegshafen bertragen, die Stationschefs behielten nur die rein
militrischen Angelegenheiten. Dies fhrte zwar oft zu Verdrielichkeiten
und Streit zwischen beiden Behrden, war aber bei der damaligen
Beschaffenheit des Offizierskorps ntig; die Leistungen der franzsischen
Werften sollen infolge der herrschenden neuen Ordnung bald die der
englischen bertroffen haben.

Bei der schnellen Vermehrung des =Schiffsbestandes= war es anfangs
notwendig, die Fahrzeuge wie frher im Auslande, besonders in Holland,
bauen zu lassen, aber bald waren die eigenen Werften dazu imstande und
die Vermehrung ging nun noch schneller vor sich. Zur Zeit Richelieus,
etwa 1640, besa man 30 grere und 27 kleinere Kriegsschiffe; 1661 waren
nur 30 Fahrzeuge berhaupt, darunter nur 3 ber 60 Kanonen, vorhanden.
Aber nun begann der Bau, und der Bestand an Schiffen war:

  Kanonenzahl ber 100      80-90      70-80      60-70    50-60
  1666             --         4         --          6        3
  1669              5         5          2         23       13

  Kanonenzahl     30-40     20-30     kleinere       Brander
  1666              17        3          ?              ?
                  -------------+--------------
                               |
  1669                         44                       20

  Da sich Ludwig XIV. die Schaffung einer Marine ersten Ranges als Ziel
  gesetzt hatte, ging der Bau in derselben Weise fort. Das Ziel war etwa
  1681 erreicht, man zhlte in diesem Jahre 170 Segel, darunter 70
  Linienschiffe ber 50 Kanonen.

=Das Jahr= 1669 zeigt also schon einen dem englischen und dem
hollndischen Bestande vllig ebenbrtigen. Die Schiffe waren neu und
gut; es ist schon darauf hingewiesen, da sich die Englnder diese neuen
Schiffe als Muster zu Verbesserungen nahmen, was See- und
Segeleigenschaften sowie Hhe der Pforten ber Wasser anbetraf; die
franzsischen Schiffe waren von grerem Deplacement im Verhltnis zur
Kanonenzahl. Ein Vergleich der frher (Seite 168 ff., Seite 259) ber die
Armierung gemachten Angaben ergibt, da die Franzosen in Verwendung
schwererer Kaliber zwischen den Hollndern und Englndern standen. Die
=Bemannung= war bei den Franzosen strker als bei den beiden anderen
Nationen, besonders auf den ganz schweren Schiffen, obgleich auch die
Englnder bei diesen den Etat erhht hatten. Es waren eingeschifft auf:

                  Schiffen   ber 90    ber 70    ber 50 Kanonen

        Holland                --       400-500    200-400 Mann
        England              600- 850   500-600    280-400  "
        Frankreich           700-1200   600-700    300-500  "

Dieselbe Sorgfalt wie dem Material wandte Colbert der Organisation des
=Personals= zu. Es ist schon angedeutet, da unter ihm versucht wurde,
eine regelrechte Rekrutierung fr die Marine aus der Bevlkerung der
Kstenbezirke sicherzustellen (mit Vorteilen: Halbsold, Witwen- und
Waisenpensionen u. dgl.); Colbert strebte sogar an, da die
Eingeschriebenen stets auf demselben Schiffe dienen sollten. Aber
obgleich in den Listen 1672 schon 60000 Mann gefhrt wurden, war die
Sache doch noch so wenig durchgebildet, da bei der Mobilmachung zum
Pressen zurckgegriffen werden mute. Colbert grndete auch
Seesoldatenkompagnien, doch mute er diese bald wieder dem eiferschtigen
Kriegsminister (Louvois) abtreten, und die Soldaten an Bord -- etwa ein
Drittel der Besatzung -- wurden wieder vom Kommandanten angeworben. Der
Minister sorgte auch, wie schon Richelieu es getan, fr Ausbildung
tchtiger Schiffskanoniere auf Schulen mit mehrmonatigen
Unterrichtskursen. Endlich stellte er eine regelmige Lhnungszahlung
sowie eine bessere Verpflegung sicher und erlie mehr zeitgeme
Kriegsartikel.

Die Bildung eines Unteroffizier-, Deckoffizier- und =Seeoffizierkorps=
vollzog sich hier in Frankreich jetzt leichter als in den beiden anderen
groen Marinen, da die Organisation sich nicht wie dort langsam aus sich
entwickelte, sondern eben die Erfahrungen dieser Marinen schon vorlagen.
1660 bestand das hhere Offizierkorps aus 1 Admiral von Frankreich, 2
Vizeadmiralen -- alle drei, namentlich aber der erste, Herren von hoher
Geburt, selten seeerfahren --, 3 Generalleutnants und den 4 Chefs
d'Escadre, d. h. Stationschefs der Seedistrikte. Diesen unterstanden die
Hauptkriegshfen und die Unterhaltung sowie Mobilisierung der
Streitkrfte ihres Distriktes, sie fhrten dann auch das betreffende
Geschwader; zur Untersttzung hatten sie einen Kapitn und einige
Leutnants des Hafens. Das Offizierkorps fr die mobilen Schiffe:
Kapitne, Leutnants, Enseignes (Unterleutnants) und Aspiranten (auch
schon von Richelieu eingefhrt) war nur sprlich. Colbert trennte also
die Administration vom Offizierkorps und vermehrte dieses sehr,[177] wozu
er namentlich auch Elemente der hheren Stnde heranzog. Er grndete ein
Aspirantenkorps, gardes de marine, von 200 Kpfen, davon drei Viertel
Edelleute, auch zog er Offiziere der Armee in die Marine. Eine
Marineschule mit Prfungen wurde geschaffen; Schulschiffe zur Ausbildung
der Offiziere wurden in Dienst gestellt und genaue Bestimmung ber den
Dienst an Bord erlassen: Alles mit dem ausgesprochenen Zweck, in den
Offizieren Seeleute und Soldaten, also Seeoffiziere zu erziehen.

  [177] Die beiden Vizeadmirale -- der des Ponant (Atlantische Ksten)
        und der der Levante (Mittelmeer) -- waren Oberbefehlshaber der
        Seestreitkrfte in ihren Gewssern; sie fhrten auch die groen
        Flotten dort. Doch war dies nicht immer der Fall; wie in England
        waren die Funktionen in den Flotten durchaus nicht an die
        Dienstgrade gebunden. Generalleutnants fhrten oft als Admiral
        die Flotte, meist als Vizeadmiral die Vorhut, aber auch als
        Kontreadmiral die Nachhut. Die Chefs d'Escadre -- wohl dem
        jetzigen Dienstgrade des Kontreadmirals entsprechend -- nahmen in
        den Flotten oft die Geschfte des Kontreadmirals wahr, meist die
        Stellungen der Divisionschefs.

Natrlich lie sich ein greres Korps nicht so schnell schaffen. 1672
war man gentigt, viele Offizierstellen mit Personal aus der
Handelsmarine zu besetzen, obgleich nur ein Teil der Schiffe zum Kriege
in Dienst gestellt wurde. Auch lieen sich die guten Grundstze fr einen
strengen Dienstbetrieb nicht immer durchfhren. Gerade mit dem Adel
traten auch Elemente ein, die, gesttzt auf ihre hohen Verbindungen, den
Dienst leicht nahmen; die Bevorzugung des Adels erregte anderseits
Unzufriedenheit bei den andern Offizieren. So stand die franzsische
Marine 1672 im Material wohl stark da, aber der Personalmangel --
vorzglich an Offizieren und Chargen -- verbot noch die volle Verwendung.
Das fr den Krieg gestellte Kontingent betrug bei Solebay 1672[178] nur:

    Schiffe zu Kanonen  78  70  60-68  54-58  50  38-46  12-14  Brander
    Anzahl               1   7    3      2    10    7      5       8

von den schon vorhandenen 10 ganz schweren Schiffen ist keines vertreten.

  [178] Jal: du Quesne, Teil II, Seite 64 bringt die Schiffsnamen
        dieses Kontingents mit Kanonenzahl und Namen der Kommandanten der
        Schiffe; Seite 98 fr das Jahr 1673.

Ferner mangelte der franzsischen Flotte die Kriegserfahrung; ihre
Fhrer, auch die tchtigen lteren Seeleute, hatten keine bung in der
anderen Flottentaktik; die franzsischen Quellen heben diesen Umstand
ganz besonders hervor, die Flotte hatte nur gegen die Barbaresken
gefochten. Es ist dies wohl mit ein Grund der auffallenden Fhrung der
franzsischen Seestreitkrfte: der ngstlichen Vorsicht im zweiten
englisch-hollndischen Kriege; der Lauheit und der Fehler im dritten, in
dem sogar ein erst krzlich zur Marine bergetretener Landoffizier das
Geschwader fhrte. Wie beim zweiten, so drngt sich aber auch beim
dritten Kriege der Verdacht auf, da Ludwig XIV. seine neue, noch
unsichere Waffe schonen wollte; vielleicht stellte er auch deshalb kein
strkeres Kontingent, um so weniger, da er doch die ganze Last des
Landkrieges allein trug.

  Es ist beachtenswert, da sich in der franzsischen Marine das
  =eigentliche Seeoffizierkorps= -- die Verschmelzung von Soldat und
  Seemann -- frhzeitig strker ausbildet als anderswo. Schon zu
  Richelieus Zeiten hatten die Schiffe 1 Kapitn, 1 Leutnant, 1
  Unterleutnant, und 1672 findet man auf einem 60-Kanonenschiff schon 1
  Kapitn, 1 zweiten Kapitn, 2 Leutnants, 2 Unterleutnants; die
  Offiziere scheinen um diese Zeit den Dienst der Matres, die
  seemnnische Fhrung des Schiffes, schon vllig bernommen zu haben.
  Diesem frhzeitig erstarkten Seeoffizierkorps gab nun die Art seines
  Ersatzes -- hauptschlich aus dem Adel, einer damals gerade in
  Frankreich hervorragend militrischen Kaste stammend --, die hier
  sorgfltigere Erziehung fr den Seekriegsdienst und auch wohl die
  Eigentmlichkeiten des Volkes den Charakter, den es stets beibehalten
  hat. Es berwiegt beim franzsischen Seeoffizier der Soldat gegenber
  dem Seemann. In England gewann bei der Verschmelzung der Seemann die
  berhand; der englische Seeoffizier des nchsten Jahrhunderts suchte
  seinen Stolz mehr in geschickten Segelmanvern als in der Entwicklung
  der militrischen Leistungsfhigkeit seines Schiffes. Dieser Umstand
  sollte besonders die Leistungen der franzsischen Flotten in taktischen
  Beziehungen eine Zeitlang -- in den Kriegen des nchsten Abschnittes --
  sehr begnstigen.

$Die Verwendung der drei Marinen von 1867-1672.$ Die Seestreitkrfte
=Hollands= und =Englands= fanden in den wenigen Friedensjahren zwischen
dem zweiten und dem dritten Kriege im wesentlichen nur Verwendung im
Mittelmeer gegen die Seerubereien der Raubstaaten. In derselben Weise,
wie wir es frher gesehen, besonders nach dem ersten Kriege, hielten
beide Nationen stndige Geschwader an der nordafrikanischen Kste. Man
war zeitweise gezwungen, diese bis zu einer Strke von 18 Schiffen zu
30-60 Kanonen aufzustellen, da auch die Afrikaner mit Geschwadern von
Schiffen gleicher Gre auftraten; es kam zu richtigen Seegefechten, zu
gemeinsamen greren Operationen, die dann fr einige Zeit wenigstens dem
Unwesen ein Ende machten.[179]

  [179] Nheres darber. De Jonge, Teil II; Clowes, Teil II: minor
        operations 1660-1714.

Auch die aufstrebende =franzsische Marine=[180] fand ihre erste
Verwendung im Kampf mit den Barbaresken. Eine =erste grere Expedition=
brachte das Jahr 1669. Ludwig XIV. sandte unter dem =Herzog von
Beaufort= eine Flotte von 20 Schiffen -- 1 zu 94, 3 zu 72, 12 zu 36-60, 4
zu 20 Kanonen -- und 12 Galeren mit einer Armee von 7000 Mann -- gute
Regimenter -- =nach Kreta= zur Untersttzung der Venetianer. Die Flotte
als solche fand hierbei keine Gelegenheit zur Aktion; auch die Landung
wurde, zwar anfangs glcklich, schlielich zu einem Fehlschlage; der
Herzog von Beaufort fiel (vgl. Nebenkriege, Kapitel X, unter
Venedig).

  [180] Quellen wie Seite 246 angefhrt. -- Bonfils, Teil I, genaue
        Angaben ber die Flotte usw. der Kreta-Expedition.


                      Der Verlauf des Krieges.[181]

Der dritte englisch-hollndische Krieg war nicht wie die beiden
vorhergegangenen ein reiner Seekrieg, sondern fr Holland auch ein
Landkrieg; wir mssen deshalb bei der Beschreibung auch die Ereignisse am
Lande fortlaufend kurz berhren. Nach den $Kriegsplnen der Verbndeten$
sollte die Republik von drei Seiten angegriffen werden: Durch Frankreich
im Sdosten, durch Mnster und Kln im Osten und durch eine Landung der
englisch-franzsischen Flotte im Norden.

  [181] Hauptquellen wie Seite 263. Hierzu Jal: du Quesne; Bonfils.

=Holland war in einer schwierigen Lage= (Holland in Not!). Wir wissen
bereits, da die regierende Partei das Heer sehr vernachlssigt hatte,
und auch die Flotte, die es nun mit zwei mchtigen Gegnern aufnehmen
mute, konnte, wie die Verhltnisse im Innern jetzt lagen, nicht mit
gleicher Kraft auftreten wie bisher. Die Uneinigkeiten zwischen den
Provinzen waren gewachsen, die Parteien stieen immer schroffer
aufeinander. De Witts Einflu schwand mehr und mehr, die oranische Partei
wurde mchtiger; diese setzte sogar am 24. Februar 1672 die Ernennung des
Prinzen =Wilhelm von Oranien= zum Generalkapitn der Armee fr den
bevorstehenden Feldzug durch, wie die Folge zeigen sollte, zum Heile des
Landes. Man zankte sich ber diese Ernennung, ber abzuschlieende
Bndnisse, ber die ntigen Rstungen zu Wasser und zu Lande.
Insbesondere wollten die Landprovinzen ihre Mittel fr die
Landbefestigungen behalten, aber selbst Seeland zeigte sich wenig geneigt
zu Rstungen auf dem Wasser, nur Holland tat wie bisher seine Pflicht.
Auf diese Weise wurden die Rstungen und im besonderen die Aufstellung
einer starken Flotte sehr erschwert.

1668 hatte man nach dem Vertrage der Tripelallianz eine Flotte von 40
Kriegsschiffen im Dienst gehalten, aber nach dem Aachener Frieden wurde
sie verringert. Im Jahre 1670 seitens der Provinzen von Holland
eingebrachte Antrge, sich gegen Frankreich durch Aufstellung grerer
Seestreitkrfte zu sichern, fanden keine Zustimmung, und erst 1671, als
man auch England zu mitrauen begann, wurde eine Flotte von 36
Kriegsschiffen mit den ntigen Fregatten und Brandern in Dienst gestellt;
dies war die Flotte Ruyters, von der die englische Jacht im August 1671
den Flaggengru forderte. Infolge dieses Falles verlangte die Provinz
Holland sofort wiederum umfangreiche Rstungen -- 72 Schlachtschiffe, 24
Fregatten, 24 Brander --, aber nicht vor dem Februar 1672, als man an
dem Ausbruch eines Krieges mit Frankreich nicht mehr zweifeln konnte,
ging der Beschlu durch, 40 Schlachtschiffe -- darunter 36 ber 60
Kanonen -- und 24 Brander in Dienst zu stellen, -- nur eine kleine
Flotte, obgleich der Verlauf der Januar-Verhandlungen mit England auf das
rgste von dieser Seite schlieen lie; erst ein $Gewaltakt Englands$ --
ganz wie beim zweiten Kriege der Angriff eines Convois $vor der
Kriegserklrung$ -- war ntig, um eine Verstrkung der Rstungen zur See
herbeizufhren.

  Ein =Convoi Smyrnafahrer=,72 Segel gedeckt durch nur 5 Kriegsschiffe
  von 38-50 Kanonen und eine leichte Fregatte, wurde whrend des Monats
  Mrz im Kanal erwartet. Der Knig von England hatte den Befehl
  erlassen, ihn zu berfallen; 32 Schiffe unter =Admiral Holmes= waren
  dazu bestimmt. Infolge nachlssig betriebener Ausrstung waren jedoch
  bei weitem nicht alle bereit, als Holmes Mitte des Monats bei Wight
  liegend von dem aus dem Mittelmeer zurckkehrenden Admiral Spragge
  hrte, da der Convoi ihm auf dem Fue folge. Anstatt nun Spragge seine
  Order mitzuteilen und sich mit ihm zu verbinden, lie er ihn
  weitersegeln, um allein den Ruhm zu ernten. Er hatte nur 8
  Schlachtschiffe, unter denen sich aber mindestens 3 zu 70-90 Kanonen
  befanden, und 3 kleinere Segel. Der Convoi war beim Eingange des Kanals
  durch leichte Segler von der Heimat her auf die gespannten Verhltnisse
  mit England aufmerksam gemacht worden und nicht unvorbereitet. Von den
  Kauffahrern waren 24 armiert; der Fhrer des Convois, =den Haen=, traf
  die ntigen Manahmen, um mit jenen und seinen Kriegsschiffen einem
  Angriff entgegentreten zu knnen.

  Die Gegner trafen sich am 23. Mrz auf der Hhe von Wight. Holmes rief
  den Haen zu sich an Bord, doch dieser sandte nur einen Offizier; der
  nchsthhere englische Kommandant verlangte dasselbe vom Fhrer der
  hollndischen Vorhut, ebenfalls ohne Erfolg. Nun griffen die beiden
  englischen Flaggschiffe die hollndischen an und der Kampf wurde sofort
  allgemein, dauerte als laufendes Gefecht bis zur Nacht und wurde am
  nchsten Tage fortgesetzt. Trotz der Behinderung durch die nicht
  armierten Kauffahrer, trotz des Todes den Haens am ersten, der schweren
  Verwundung des Vorhutfhrers und des Todes des Nachhutfhrers am
  zweiten Tage und endlich trotzdem, da Holmes am zweiten Tage noch eine
  Verstrkung von 4 Schlachtschiffen und einigen kleineren erhielt,
  gelang es den Englndern nur, ein Kriegsschiff und 3 Kauffahrer zu
  nehmen. Die Hollnder setzten ihren Kurs in bester Ordnung fort -- der
  erste Offizier den Haens hatte dessen Flagge wehen lassen, um
  Verwirrung zu vermeiden -- und erreichten durch Nebel begnstigt am
  dritten Tage Holland. Die englischen Schiffe waren teilweise sehr
  beschdigt, einige muten schon whrend des Gefechtes heimgesandt
  werden. Das genommene Kriegsschiff sank gleich nach dem Entern; die
  Beute htte eine ungeheuere sein knnen, schon so betrug sie gegen
  60000 Lstrl.

  Bemerkenswert fr die Stimmung in England, vielleicht auch das
  zunehmende Verstndnis fr Vlkerrecht kennzeichnend, ist, da dieser
  Angriff vor der Kriegserklrung selbst hier stark verurteilt wurde.
  Knig Karl versuchte abzuleugnen, da er den Befehl dazu gegeben, der
  Zusammensto sei die Folge der Widerspenstigkeit der hollndischen
  Fhrer gewesen; Holmes selbst soll dem aber seines eigenen Rufes wegen
  widersprochen haben.

Nun wurde in Holland eine Vermehrung der Flotte auf 48 Schiffe zu 60-80
Kanonen, 24 kleinere, 24 Fregatten und 24 Brander beschlossen; diese
Strke ist auch nach und nach erreicht worden. Eine im April auf de Witts
und Ruyters Antrag beschlossene weitere Verstrkung um 18 Schlachtschiffe
konnte nicht mehr durchgefhrt werden; der Verlauf des Landkrieges zwang
spter, noch im Jahre 1672, sogar zu einer wesentlichen Verminderung der
Flotte. Gleichzeitig ward die Schiffahrt teilweise -- nach Ostsee,
Norwegen, England, Frankreich und durch den Kanal --, sowie die Ausfuhr
von Kriegsmaterial und das Dienen der Untertanen in fremden Lndern
verboten. Als bald darauf die =Kriegserklrungen= erfolgten (7. April),
die Gegner zu Lande ihre Truppen an den Grenzen zusammenzogen und die
Ausrstung ihrer Flotten betrieben, ergriff man weitere Manahmen: die
groen Kompagnien wurden ermchtigt, im Auslande die Schiffe und
Besitzungen der Feinde anzugreifen; die Kaperei in europischen
Gewssern, besonders von den Seelndern gern betrieben, wurde jedoch
untersagt und mit Gewalt unterdrckt (bis Ende 1672), um der Flotte Leute
und Kriegsmaterial zu erhalten. Baken und Tonnen wurden eingezogen, fr
Bewachung der Einfahrten und der Kstenpltze mit Magazinen durch
Fregatten, durch zahlreich aufgebotene kleinere Fahrzeuge sowie durch
Sperren gesorgt. Durch Agenten und kleinere Schiffe lie man den
Fortschritt der feindlichen Rstungen und die Schiffsbewegungen
beobachten. Vor allem aber drngte de Witt auf Fertigstellung der Flotte.
Bei der Schwche der Republik zu Lande war es durchaus ntig, die
Seeseite vor einer Landung zu schtzen, und uerst erwnscht, wenigstens
zur See gleich einen groen Erfolg zu erringen. Nach =de Witts Plan=
sollte die hollndische Flotte den Gegnern zuvorkommen, womglich nach
dem Vorbilde des Jahres 1667 in die Themse und andere englische Hfen
eindringen und die Schiffe dort vernichten oder der englischen Flotte,
falls diese schon ausgelaufen wre, folgen und sie schlagen, ehe eine
Vereinigung mit den Franzosen stattgefunden habe; er scheint auch unter
Umstnden, z. B. bei hierfr gnstigeren Windverhltnissen, einen
hnlichen Schlag gegen Frankreich (Brest) ins Auge gefat zu haben. Wenn
nun auch der Rckstand in den Rstungen die Durchfhrung dieses
strategisch so wichtigen Planes vereitelte, so sollte doch Ruyter die
Aufgabe, eine Landung zu hindern, glnzend lsen. Er leistete damit bei
dem Verlaufe des Landkrieges seinem Vaterlande einen groen Dienst.

Die Bewegungen der Flotten begannen frher als der Einbruch der Feinde
vom Lande her, wenden wir uns deshalb zunchst jenen zu.

$Die Schlacht bei Solebay, 7. Juni 1672.$ Der Plan de Witts hatte
verlangt, da die hollndische Flotte frher bereit war als die
feindlichen. Wir sahen aber, da berhaupt schon spt der Beschlu gefat
war, eine groe Flotte in Dienst zu stellen; nun traten noch
Verzgerungen beim Ausrsten und Auslaufen ein. Nur die Schiffe der
Provinzen Hollands waren Ende April seeklar; in Friesland und Seeland
fehlte Geld und es mangelte an Leuten; es stellten sich nicht gengend
Matrosen, und die Soldaten waren zur Landverteidigung ntig -- in Seeland
soll die seemnnische Bevlkerung ber das Verbot der Freibeuterei
erbittert gewesen sein. Die Regierung von Seeland machte auch
Schwierigkeiten beim Auslaufen der fertigen Schiffe: Man wolle die
eigenen Ksten nicht entblen und die Schiffe nicht der bermacht des
Feindes aussetzen. Endlich erschwerten ungnstige Wasserverhltnisse das
Auslaufen der in dem Vlie versammelten Schiffe Amsterdams und der schon
am 3. Mai in Texel eingetroffenen Fahrzeuge der Maas. So kam es, da
=Ruyter=, trotz eifriger Untersttzung seitens de Witts und der
Deputierten auf der Flotte, erst am 10. Mai imstande war, den allgemeinen
Sammelplatz Texel mit 35 Schlachtschiffen (nur 1 von Friesland) zu
verlassen; zwei Tage mute er dann vor Seeland auf das Kontingent von
dort, vorlufig nur 6 Schiffe, warten und wurde endlich weitere zwei Tage
durch Nebel und Stille an der Kste festgehalten. Da inzwischen
Aufklrungsfahrzeuge gemeldet hatten, da die in der Themse ausgersteten
Englnder den Flu bereits am 12. verlassen htten, ging Ruyter am 15.
Mai nach den Downs hinber. Er fand hier keine Feinde, erfuhr dagegen,
da bereits am 14. die Vereinigung der englischen und franzsischen
Flotte bei Wight stattgefunden habe. =Ruyters Order= enthielt die
Ausfhrung der erwhnten Absichten de Witts fr die Verwendung der Flotte
zu einem Schlage gegen England oder seine Streitkrfte =vor= einer
Vereinigung der Gegner. Sollte diese aber schon stattgefunden haben, so
sei eine Schlacht zu vermeiden, falls nicht die Umstnde einen gnstigen
Ausgang sicher voraussehen lieen.

Der Admiral war am 15. vor Dover zu Anker gegangen, strmisches Wetter
hinderte bis zum 17. den Zusammentritt des Kriegsrates. In diesem wurde
dann der Order entsprechend beschlossen, die Flotte zwischen den
Wielingen und der Maasmndung, 5-6 sm von Land, zu halten und von dort je
nach den Umstnden zu operieren, bei der bermacht des Feindes mglichst
nur an der eigenen Kste zu fechten, um in den Gefechten beschdigte
Schiffe leichter bergen zu knnen. Es beginnt damit die =strategische=
und =taktische Fhrung des Krieges hollndischerseits=, wie sie fr den
dritten Krieg kennzeichnend ist: Die flacheren Wassertiefen und die Snde
der eigenen Kste als Ausgangspunkt einer Defensive mit krftigen
Offensivsten zu machen. Gleichzeitig war es so leichter mglich, die
noch in der Ausrstung befindlichen Schiffe heranzuziehen; es sei
vorausgeschickt, da whrend der Bewegungen der Flotte vom 17. Mai bis 5.
Juni der Bestand nach und nach auf die bei Solebay vorhandene Strke
gebracht wurde. Der grere Teil der neu hinzutretenden Schlachtschiffe
wurde wieder von den Admiralitten Amsterdams und der Maas gestellt.
Obgleich nun Cornelis de Witt, der wieder einer der Deputierten war,
seinem Bruder gemeldet hatte, da die englische Flotte die Themse bis auf
wenige Schiffe verlassen htte und diese sich bei einem Angriff hinter
die seit 1667 wesentlich verstrkte Stellung von Gravesend zurckziehen
wrden, kam der Ratspensionr doch immer wieder auf einen Vorsto in die
Themse zurck; er rechnete mit der moralischen Einwirkung auf die
Bevlkerung Londons, wie sie das Vorgehen gegen die Schiffe und Arsenale
im Medway 1667 hervorgerufen hatte. Um diesem Wunsche Rechnung zu tragen,
beschlo der Kriegsrat am 20. Mai, wenigstens ein kleines Geschwader in
die Themse zu senden. Ruyter ging zur englischen Kste hinber, ankerte
am 23. vor der Themsemndung beim Knigstief und sandte am 24. =van
Ghent= mit 15 leichteren Kriegsschiffen und Fregatten, 8 Brandern und 16
Avisojachten das Revier hinauf, whrend er das Gros bereit hielt, den
feindlichen Flotten entgegenzutreten. Wie in der Flotte vorausgesehen,
blieb das Unternehmen gnzlich ohne Erfolg; van Ghent sah sich noch an
demselben Tage gentigt, es aufzugeben, auch stie er infolge ungnstiger
Umstnde erst am 26. wieder zum Gros.

  Die englischen Fahrzeuge, 6 kleinere Kriegsschiffe und 5 Brander,
  hatten sich hinter Sheerness zurckgezogen, und die Befestigungen
  erwiesen sich derartig verstrkt, da nichts zu machen war. Der Rckzug
  wurde durch Gegenwind sehr erschwert, zumal da die Schwierigkeit des
  Fahrwassers infolge Verlegung der Seezeichen noch gewachsen war. -- Die
  Expedition scheint wirklich nur, um dem Wunsche de Witts nachzukommen,
  unternommen zu sein, ohne groe Hoffnung auf einen Erfolg zu setzen.
  Noch am 19. Mai hatte C. de Witt seinem Bruder geschrieben: Wenn wir
  unbestrittene Herren der See wren, wrde ich den Plan gutheien, aber
  den Flu hinaufzugehen mit einem so mchtigen Feinde im Rcken, halte
  ich fr sehr gefhrlich. Die ganze Flotte setzte man zwar nicht ein,
  aber leicht konnte van Ghents Geschwader als Opfer fallen.

Am 27. meldete eine Fregatte, sie habe tags zuvor die feindliche Flotte
sdlich von Godwinsand gesichtet. Da =Ruyter= plangem nur unter
gnstigen Umstnden von der eigenen Kste aus fechten wollte, keineswegs
aber auf Legerwall[182] der feindlichen, so fhrte er seine Flotte
stlich bis zum Galloper und dann sdlich zur hollndischen Kste
hinber; hier hielt er sich, bei westlichem Winde an- und abstehend,
zwischen Ostende und Walcheren. Schon am 29. kam die feindliche Flotte zu
Luward in Sicht und blieb es fast stndig bis zum 31. Sie bentzte aber
die gnstige Stellung nicht, folgte auf Parallelkursen auer Schuweite
den Bewegungen Ruyters und kam am 31. aus Sicht.

  [182] Ein Schiff ist auf Legerwall, wenn es durch die Nhe der Kste in
        Lee in seinen Bewegungen behindert, bei Sturm sehr gefhrdet ist.

Es ist aus den Quellen nirgend zu ersehen, weshalb der =Herzog von York=
-- Oberbefehlshaber der seit dem 14. Mai vereinigten Flotten -- nicht
angegriffen hat. Man mu annehmen, da er whrend der Bewegungen der
Hollnder gegen die englische Kste durch die damals herrschenden
stlichen Winde bei Wight festgehalten ist und da er spter durch seine
Manver den Gegner von der hollndischen Kste hat abziehen wollen; auch
soll er die Hoffnung gehabt haben, einen durch die Nordsee
zurckerwarteten Convoi Ostindienfahrer abzufangen. Am 31. ging er in die
Nordsee (bis zur Doggerbank?) und dann =nach der Solebay= (3. Juni), um
Wasser und Proviant aufzufllen. Ruyter hatte Gruppen von Fregatten zum
Suchen des Feindes entsandt, war selbst mit der Flotte am 2./3. Juni bis
Northforeland gesegelt und erhielt hier am 6. frh die Meldung, da York
in schlechter Ordnung und ungnstig auf Legerwall in Solebay lge. Sofort
sah der Kriegsrat hierin eine der in der Order ausdrcklich erlaubten
gnstigen Gelegenheiten, den Feind anzugreifen -- selbst an seiner Kste
--, die eigene Flotte war ja wesentlich strker geworden. Gleich nach
diesem Beschlu brach Ruyter auf; stlicher Wind begnstigte die Fahrt
und lie erwarten, da man den Feind auf Legerwall berraschen wrde.

Die =Zusammensetzung der Flotten= ist bereits genauer gegeben (Seite 313,
318); danach bestand:

                     ber   ber   kleinere        Brander    Besatzung
                     40 K.  20 K.     u.          = Kanonen
                                  Transporter
  Die englische:      45     12       30          16 = 3376     22442
  Die franzsische:   26      4        5           8 = 1724     10744
                     --------------------------------------------------
  Verbndeten =       71     16       35          24 = 5100     33186
  Die hollndische =  61     14       22     36(44?) = 4484     20738


In Dnkirchen standen 2000 Franzosen zur Einschiffung bereit, um nach
gelungener Landung bergefhrt zu werden; fr England wird diese Maregel
nicht erwhnt, ist jedoch wahrscheinlich: 1673 werden 6000 Mann angefhrt
und auch 1672 hatten die Franzosen Orders ber Zusammenwirken mit den
englischen Landungstruppen; jedenfalls befanden sich auf den englischen
Transportern reichlich Soldaten. -- Beide Flotten waren in 3 Geschwader
zu je 3 Divisionen geteilt. Bei den Verbndeten fhrte der =Herzog von
York= den Oberbefehl und die Mitte (Royal Prince 120 Kanonen), die
Nachhut Montagu, Earl of Sandwich (Royal James 100 Kanonen); das
franzsische Kontingent bildete unter dem Vizeadmiral =Comte d'Estres=
(St. Philippe, 78 Kanonen) die Vorhut, der zweite im Kommando war
Generalleutnant =Abraham du Quesne=[183] (Le Terrible, 70 Kanonen). Bei
den Hollndern hatte =Ruyter= Oberbefehl und Mitte (7 Provinzen 82
Kanonen), Leutnantadmirale Bankers Vorhut, van Ghent Nachhut, hinzutraten
Leutnantadmiral von Nes, 5 Vize- und 5 Kontreadmirale. Die Geschwader
waren auf beiden Seiten etwa gleich stark; Ruyter hatte aber eine
besondere Anordnung getroffen, wohl in der Hoffnung, den Feind zu Anker
oder doch in Unordnung zu berraschen. Von jeder der 9 Divisionen waren 2
Kriegsschiffe und 2 Brander abgesondert; diese bildeten eine besondere
Gefechtslinie, um einen Branderangriff in groem Mastabe auszufhren,
unter dessen Wirkung dann die Flotte angreifen sollte.

  [183] ber d'Estres und du Quesne finden sich Angaben gelegentlich der
        Schlachten von Texel und Stromboli, Seite 349, 367.

$Der Verlauf der Schlacht$: Die Kste bei Southwold luft annhernd
Nordsd; die englisch-franzsische Flotte lag ihr parallel, die Vorhut am
sdlichsten. Noch am 6. Juni soll Montagu den Herzog von York auf die bei
dem herrschenden Winde, frischer Ostnordost, gefhrliche Lage aufmerksam
gemacht haben, aber mit einer krnkenden Bemerkung, bergroe Vorsicht,
abgewiesen sein. Auch sonst war man sorglos; am 5. war die Meldung
eingegangen, Ruyter sei zur hollndischen Kste zurckgekehrt, am 7. war
ein Teil der Besatzungen mit Booten an Land, um Wasser zu holen. Da lief
frh morgens eine franzsische Vorpostenfregatte mit vollen Segeln vor
dem Winde ein; sie meldete durch Kanonenschsse und Signale das Nahen des
Feindes. =Ruyter= kam mit achterlichem Winde heran in zwei Dwarslinien,
die erste durch die Branderdivision gebildet. (Skizze Lage 1); die
Verbndeten muten in grter Eile unter Segel gehen.

[Illustration: Schlacht bei Solebay. 7. Juni 1672.]

Der Wind stand recht auf den Strand; dieser war so nah, da es nicht
mglich war, abzuhalten, um eine gute Linie zu bilden. Zum Glck war es
flau oder flaute ab, so da der hollndische Angriff wenigstens nicht
whrend des Ankerlichtens und Segelsetzens erfolgte; der so gut
vorbereitete Branderangriff htte sonst verhngnisvoll werden knnen. Der
=Herzog von York= hatte Befehl gegeben, oder gab ihn jetzt durch Signal,
ber Backbord-Bug nach Norden zu liegen; Nachhut und Mitte verfuhren
dementsprechend, die Vorhut (d'Estres) dagegen ging ber Steuerbord-Bug
nach Sdosten und trennte sich so von der Flotte. Ruyters Angriff war,
wie blich, so angesetzt, da Geschwader auf Geschwader stie, so griff
Ruyter York und Ghent Montagu an; Bankers wandte sich gegen d'Estres
(Lage 2). Es wird gewhnlich angenommen, da Ruyter die englischen
Geschwader mit bermacht angegriffen habe; ich habe aber nirgend
ausgesprochen gefunden, da er zu diesem Zweck eine andere Einteilung
seiner ursprnglich gleichstarken Geschwader vorgenommen habe. Es ist
jedoch wahrscheinlich, da die ganze erste hollndische Dwarslinie, in
der auch 6 Schlachtschiffe und 6 Brander der Vorhut standen, ihren
Angriff auf die englischen Geschwader richtete, als das franzsische sich
von seiner Flotte entfernte. Um diese Zahl war dann Bankers schwcher,
Ruyter strker und somit seinem Gegner gleich oder gar etwas berlegen,
wenn auch seine Gesamtflotte schwcher als die des Feindes war.

Der =Hauptkampf zwischen den Hollndern und Englndern= begann zwischen 7
und 8 Uhr morgens und wurde ein uerst blutiger; Ruyter erklrte ihn
spter fr den erbittertsten und hartnckigsten seines Lebens. Wieder
einmal ist leider der Verlauf nicht genau zu verfolgen, da die alten
Quellen mehr die Schilderungen einzelner Vorflle geben, er drfte
ungefhr folgender gewesen sein:[184] Die englische Nachhut (Montagu)
hatte ziemlich gleichmig Anker gekappt, Segel gesetzt und so den Sto
des Feindes in guter Ordnung aufgenommen. Die englische Mitte, die
zunchst in Verwirrung war, fand auch noch Gelegenheit, die Ordnung
einigermaen herzustellen -- teilweise wurden die Schiffe durch Boote auf
ihre Posten geschleppt --, da der Angriff Ruyters sich infolge der Flaute
verzgerte. Bei dem Angriff stieen die entsprechenden Geschwader und
Divisionen, Flaggschiffe gegen Flaggschiffe, ziemlich genau aufeinander,
und es entspann sich ein laufendes Gefecht in grter Nhe, bei dem aber
die Schiffe bald durcheinander trieben.

  [184] Hauptquellen fr die nachstehende Schilderung: Leben Ruyters;
        de Jonge, Teil II; Jal: du Quesne; Bonfils, Teil I; Mahan, Teil
        I; Clowes, Teil II.

In dem Kampf der Vorhuten gewannen die Englnder die Oberhand; =Ghent=
fiel und nun wurde, obgleich auch =Montagu= beim Verlassen seines
brennenden Flaggschiffes ertrank, von verschiedenen Schiffen der
hollndischen Nachhut flauer gefochten, so da eine grere Zahl der
englischen Nachhutschiffe in den Kampf der Mitten eingreifen konnte.
Hierdurch kam =Ruyter= in bedrngte Lage, bis der Vertreter Ghents dessen
Geschwader aufs neue gesammelt heranfhrte und das Gleichgewicht
herstellte. Nach einigen Stunden waren die kmpfenden Geschwader dem
Strande immer nher gekommen und, mit den Snden bei Lowestoft voraus,
gentigt zu wenden. Der Wind frischte nachmittags etwas auf; dieser
Umstand sowie das freiere Wasser gaben Gelegenheit, die Ordnung wieder
besser herzustellen. Es geht aus der Beschreibung einzelner Kmpfe
hervor, da beide Gegner davon Gebrauch machten: bedrngte Schiffe oder
Gruppen werden herausgehauen und zur Gefechtslinie zurckgefhrt; es wird
also darauf hingewirkt, eine entstandene Melee wieder zu entwirren. Das
allgemeine Gefecht entbrannte dann wieder auf das heftigste, sich nun
nach Sden hinziehend. Ruyter und wohl auch York strebten danach, sich
den fechtenden Vorhuten zu nhern.

Der =Kampf der beiden Vorhuten= war ein Ferngefecht geblieben. Es ist
nicht aufgeklrt, weshalb d'=Estres= den Kurs nach Sdosten gewhlt hat.
In England und Holland tauchte (wie gegen Beaufort 1666) der Verdacht
auf, er habe geheime Instruktion gehabt, seine Flotte zu schonen; dieser
Verdacht wird sogar von einzelnen franzsischen Autoren geteilt (Sue).
D'Estres selbst hat berichtet, er habe wohl berlegt so gehandelt, weil
sein Gegner ber Steuerbord-Bug herangekommen sei; er habe diesen
angreifen, durchbrechen und sich mit York vereinigen wollen. Andere
Berichterstatter (Augenzeugen) sagen, es sei fr die franzsischen
Schiffe, als am weitesten nach Lee liegend, zu schwer, wenn nicht
unmglich gewesen, den Kurs parallel mit dem nahen Strande durchzuhalten.
Dieser Grund erscheint stichhaltig, ja, fr die ganze Flotte wre der St.
B. Bug der richtigere gewesen, da er frei von der Kste fhrte und so
auch Raum zum Manvrieren gegeben htte. =Bankers= folgte den Franzosen
auf Parallelkurs, fhrte aber ein Feuergefecht auf halbe
Kanonenschuweite, scheinbar, um sie nur zu beschftigen und von einer
Wiedervereinigung mit York abzuhalten.

  Dieses Verfahren entsprach wahrscheinlich einer Anordnung Ruyters, denn
  Bankers und seine Seelnder waren kampflustige Mnner. Ruyter achtete
  wohl die Franzosen gering oder rechnete mit der erwhnten geheimen
  Instruktion. In Holland selbst wurde auch gesagt, Ruyter habe Anweisung
  gehabt, die Franzosen zu schonen, um Ludwig XIV. nicht zu erbittern und
  dadurch Verhandlungen zu erschweren. In diesem Falle war es aber nicht
  richtig, den Franzosen die Seelnder gegenber zu stellen, weil diese
  vorwiegend oranisch und somit antifranzsisch gesinnt waren.

Diese Absicht gelang. D'Estres war nicht imstande, ein Nahgefecht
herbeizufhren oder gar die Luvstellung zu gewinnen. In seinem Bericht
machte er =du Quesne= -- seinem tchtigsten Flaggoffizier, der die Spitze
fhrte -- den Vorwurf, ihn in seinen Absichten nicht untersttzt, nicht
hoch genug gesteuert zu haben; du Quesne wurde auch im nchsten Jahre
nicht verwendet, blieb aber in Colberts Gunst. Der franzsische Admiral
mag ein entscheidenderes Gefecht gesucht haben, denn auch er war ein
tapferer Mann, aber ihm und seiner Flotte fehlte die ntige Schulung; ein
Versuch des Durchbruchs wrde den kriegstchtigen Hollndern gegenber
auch wohl sehr ungnstig ausgefallen sein.[185] Gegen Abend brach Bankers
das Gefecht ab, steuerte seiner Flotte zu und vereinigte sich bald mit
dieser.

  [185] Mahan, Teil I, Seite 142, verweist auf einen gleichartigen
        Versuch der Spanier bei St. Vincent 1797, der verhngnisvoll
        wurde.

Die Nacht trennte auch die Hauptgegner in der Schlacht zwischen 8 und 9
Uhr abends; beide Teile behaupten, der andere habe abgebrochen. Bei den
beiderseitigen Verlusten, Beschdigungen, der Erschpfung, dem
Munitionsmangel und der Dunkelheit war dazu Grund vorhanden. Auerdem war
besonders Ruyters Flaggschiff stark beschdigt und anderseits scheint
d'Estres nicht so frh zur verbndeten Flotte gestoen zu sein als
Bankers zur hollndischen.

  Ruyter setzte beim Angriff seinen Kurs auf York mit den Worten:
  Steuermann, das ist unser Mann; dieser antwortete: Mein Herr, Ihr
  sollt ihn haben. Die 7 Provinzen wurden auf Pistolenschuweite an
  den Royal Prince herangefhrt und beide Schiffe begrten sich mit
  einer Breitseite. Zwei Stunden wurden weitere Breitseiten gewechselt --
  Ruyters Schiff soll an dem Tage 3500 Kugeln verschossen haben --, dann
  mute Yorks Schiff schwer beschdigt weichen und er seine Flagge auf
  St. Michael setzen; abends war er gentigt, auf London berzugehen.
  -- Van Nes, Vizeadmiral der Mitte, nahm das Schiff des Vizeadmirals
  der feindlichen Mitte (Royal Catherine 80), doch wurde es bald
  zurckerobert. Van Brackel, uns schon vom Medway her rhmlichst
  bekannt, griff mit der Hollandia (60 Kanonen), einem der Schiffe der
  Branderlinie, und ihrem Brander den weit strkeren und hheren Royal
  James (100 Kanonen, Flaggschiff Montagus) an. Lange whrte der
  ungleiche Kampf, bis van Ghent und 2 Brander der Hollandia zu Hilfe
  kamen. Auch jetzt noch wehrte sich Montagu tapfer, scho 2 Brander in
  den Grund und lste die Enterhaken der Hollandia; van Ghent fiel. Der
  dritte Brander aber setzte den Royal James in Flammen, und Montagu
  ertrank, wie bereits erwhnt, beim Verlassen des Schiffes. Der
  gerettete Kommandant klagte spter, der Vizeadmiral der Nachhut habe
  seinen Chef in der hchsten Not zu Luward mit einigen Schiffen
  passiert, ohne Hilfe zu bringen; der Angeklagte ist einigermaen zu
  entschuldigen, er war es, der einen Teil der Nachhut mit richtigem
  Blick zur Verstrkung Yorks heranfhrte.[186]

  [186] Weitere lesenswerte Schilderungen im Leben Ruyters.

Am 8. Juni manvrierten die Flotten in Sicht voneinander, beide wollen
vergeblich die Erneuerung des Kampfes gesucht haben; am 9. ging =Ruyter
zur hollndischen Kste zurck=, ohne da die Feinde ihm folgten.

Der =Verlust= der Englnder betrug 4 Schiffe und etwa 2500 Mann an Toten
und Verwundeten, der der Hollnder 2 Schiffe und weniger Leute; der
Verlust der Franzosen war unwesentlich. Auf beiden Seiten waren viele
Schiffe schwer beschdigt, da aber nach einem so heftigen Kampfe der
Verlust an Schiffen so viel geringer ist, als in den beiden ersten
Kriegen, kann doch wohl als ein Beweis des Fortschrittes im Schiffbau
gegen den der Artillerie angesehen werden.

=Beide Teile schrieben sich den Sieg zu=! Die Verbndeten behaupteten
gewissermaen das Feld; Ruyter ging zurck, da er durchaus ausbessern und
ausrsten mute. Er hat aber seine strategische Aufgabe gelst, denn auch
der Feind war fr lngere Zeit auerstandgesetzt, sein Hauptziel, die
Untersttzung des Landkrieges durch eine Landung, zu verfolgen; dies war
gerade zu dieser Zeit eine Lebensfrage fr Holland.

$Die weiteren Ereignisse des Jahres 1672.$ Der =Landkrieg= hatte sofort
beim Beginn einen Verlauf genommen, der verhngnisvoll fr die
Niederlande zu werden drohte. Ende Mai und Anfang Juni erffneten die
feindlichen Armeen -- 120000 Franzosen, 30000 Mann von Mnster und Kln
-- den Feldzug. Die Hauptmacht der Franzosen unter =Turenne= und =Cond=
erschien vom Kurfrstentum Kln aus vor den Festungen der Sdostgrenze,
z. B. Wesel; die spanischen Niederlande wurden vermieden und nur ein
Beobachtungskorps gegen sie aufgestellt. Die bischflichen Truppen
griffen die Provinz Grningen an; ein franzsisches Korps unter dem
Marschall von =Luxembourg= operierte zwischen beiden. In den Niederlanden
war whrend der 21 jhrigen statthalterlosen Zeit die Armee arg
zurckgegangen: die Offizierstellen waren nach Gunst aus den regierenden
Familien besetzt, die Soldaten meist Fremde, sonst minderwertiges und
nicht geachtetes Material; die Festungen und ihre Armierung waren
vernachlssigt. Der neuernannte Generalkapitn, =Wilhelm von Oranien=,
zhlte erst 21 Jahre, seine Befugnisse waren beschrnkt; er fand nur ein
Heer von etwa 70000 Mann vor, von dem die Hlfte auf die vielen Festungen
verteilt war, ohne aber diesen damit eine gengende Besatzung zu geben.
So fielen denn auch in wenigen Tagen den Franzosen fast alle
Grenzfestungen in die Hnde und die Bischflichen bemchtigten sich
verschiedener Grenzstdte Grningens. Die feindlichen Armeen drangen dann
in die Landprovinzen ein. Im Laufe des Juni besetzten die Franzosen ganz
Geldern und Utrecht, lieen vor einigen sich haltenden Festungen
Beobachtungskorps zurck und standen somit an der Grenze der Provinz
Holland. Die Bischflichen, denen sich die Provinz Oberyssel ergeben
hatte, belagerten Grningen, die einzige Festung der Provinz gleichen
Namens und Frieslands. Prinz Wilhelm hatte sich mit nur etwa 9000 Mann
nach Holland zurckziehen mssen, nachdem die Besatzung der sich
haltenden Stdte verstrkt worden war.

Infolge dieser schweren Schlge verbreiteten sich in den 14 Tagen nach
der Schlacht bei Solebay Schrecken und Verwirrung in den Niederlanden,
und der innere Hader wuchs. Die Partei der Regierung, namentlich in
Holland mchtig, war fr schleunigen Friedensschlu und knpfte schon
Mitte Juni Verhandlungen mit England und Frankreich an; ihre Anhnger
waren zu den grten Demtigungen bereit, um sich vor den unmittelbaren
Folgen einer Invasion und dem Emporkommen der Gegenpartei auf ihre Kosten
zu bewahren. Die oranische Partei aber wollte sich den schroffen
Forderungen der Feinde nicht unterwerfen.

  De Witts Partei war zu folgenden =Friedensbedingungen= bereit:
  Abtretung aller Landstriche auerhalb der 7 Provinzen in Deutschland,
  Flandern, Brabant, und Limburg; dies anzunehmen soll Turenne Ludwig
  XIV. geraten haben. Ludwig XIV. verlangte aber auf Louvois' Antrieb
  noch: Abtretung eines Teiles von Geldern mit wichtigen Festungen,
  Zollfreiheit fr franzsische Waren, groe Vorteile fr die Katholiken
  in den Niederlanden, 16 Millionen Gulden Kriegskosten, eine jhrliche
  Deputation demtigender Art und endlich die Erfllung der Forderungen
  Englands. Diese nun bestanden in: 1 Million Lstrl. Kriegskosten,
  jhrlich 10000 Lstrl. fr die Heringsfischerei, die Erhebung Oraniens
  zum Souvern und als Pfand fr die Erfllung dieser Bedingungen die
  Abtretung dreier groer Inseln an der Maas- und Scheldemndung. Trotz
  der ihm zugedachten Erhebung zum Souvern war es gerade Wilhelm von
  Oranien, der zur Ablehnung der Vorschlge und zum uersten Widerstande
  ermahnte.

Von der oranischen Partei wurde der schlechte Zustand der
Landesverteidigung, wohl mit Recht, der Hinneigung der Gegenpartei zu
Frankreich zugeschrieben, der Fall der Festungen sogar dem Verrat. Der
Hauptha fiel auf de Witt, schon am 22. Juni erfolgte ein Attentat auf
diesen, die Partei gewann immer mehr an Macht, und nun sollte gerade von
Amsterdam -- dem Hauptsitz der Gegenpartei bisher -- der Ansto zu einer
Verteidigung des Vaterlandes auf Leben und Tod ausgehen: Muyden am
Zuidersee -- der Schlssel zum Hafen der Stadt und wichtig fr die
Beherrschung der Hauptdeiche -- war durch ein feindliches Streifkorps
genommen, der Magistrat war geneigt, zu kapitulieren, da zwang man ihn zu
energischen Verteidigungsmaregeln und stellte 60 Brgerkompagnien auf;
Muyden wurde wiedergenommen, die Deiche wurden durchstochen. Diesem
Beispiele folgten smtliche Stdte Hollands, und Wilhelm von Oranien
besetzte die schmalen Wege, die aus Geldern und Utrecht zwischen den
Gewssern nach Holland hineinfhrten, mit hinreichender Mannschaft.

Es war der =Wendepunkt des Landkrieges=, der Invasion war eine Schranke
gesetzt. Was wre aber die Folge gewesen, wenn in diesem Monat der Not
und Uneinigkeit die verbndete Flotte einen Angriff auf die Ksten
gemacht htte? Hiervon blieb man durch die Schlacht bei Solebay bewahrt.

Sonst aber hatte $die hollndische Marine im Jahre 1672$ keine
Gelegenheit mehr, sich auf ihrem eigentlichen Felde hervorzutun, wenn
auch nochmals eine Landung drohte. Das Zurckgehen der Flotte nach der
Schlacht von Solebay wurde von den Gegnern der Gebrder de Witt wieder
als eine Art von Verrat ausgelegt: man habe die Franzosen schonen wollen.
Gewi wre es richtig gewesen, dem Feinde zur See weiter Abbruch zu tun,
aber es war unmglich; die Flotte bedurfte dringend der Ausbesserung und
Neuausrstung. Nach dem Einlaufen wurde sofort hiermit begonnen, jedoch
die Ereignisse am Lande griffen hindernd ein. Man brauchte in den
Festungen die vorhandene Munition und auch Mannschaften; auch hoffte man
auf Frieden mit England, und die Franzosen allein frchtete man zur See
nicht. So wurde am 24. Juni beschlossen, die Flotte auf 48
Schlachtschiffe und 18 Fregatten herabzusetzen und die Besatzungen der in
Dienst bleibenden Schiffe zu vermindern. Die so frei gewordenen
Mannschaften stieen in besonderen Verbnden unter ihren bisherigen
Fhrern -- See- und Seesoldaten-Offizieren -- zur Armee oder bildeten die
Besatzungen kleinerer Fahrzeuge auf den Flssen und Binnengewssern.
Schon bei Ausbruch des Krieges hatte man diese Schiffe zur Untersttzung
des Heeres in Dienst gestellt (auf Maas, Rhein und Yssel); jetzt wurde
die Zahl vermehrt, namentlich auf dem Zuidersee (auch im Dollart), weil
der Feind dessen stlichen Strand im Besitz hatte. Zu Lande und auf den
Flottillen haben die Marinemannschaften whrend des weiteren Krieges
wesentliche Dienste geleistet.

=Ruyters Flotte= -- 47 Schlachtschiffe, 12 Fregatten, 20 Brander, schwach
an Munition und Besatzung -- konnte nicht daran denken, sich weit von den
Ksten zu entfernen. Der Admiral, dem von dem Prinzen vllig freie Hand
gelassen wurde, hielt sich zwischen den Snden vor der Maasmndung (auf
der Goede-Rhede oder der Schooneveld-Rhede), die Seegatten bei Texel und
Vlieland wurden durch Fregatten und leichte Fahrzeuge gedeckt; was man an
Truppen erbrigen konnte, es war wenig, hatte man nach Texel und
Hellevoetsluis geworfen. Die =verbndete Flotte= erschien Anfang Juli, 90
Schlachtschiffe und Fregatten stark und mit einer groen Zahl
Landungstruppen an Bord, versuchte zunchst, Ruyter herauszulocken und
zeigte sich dann vor Texel. Am 13. und vom 18-20. Juli erschienen
kleinere Fahrzeuge, das Fahrwasser untersuchend. Die Hollnder muten
hier, wo sie so schwach waren, eine Landung erwarten; Ruyter hatte
Anweisung, seine Flotte erst einzusetzen, wenn der Feind wirklich lande.
Weshalb dieser zwischen dem 13. und 20. nicht ernstlich vorging, lt
sich nicht erkennen. Vielleicht waren die Windverhltnisse ungnstig, es
wehten scheinbar meist frische ablandige Winde; wahrscheinlicher ist es,
da man die segelfertige Flotte Ruyters in der Flanke frchtete und
hoffte, sie durch Scheinbewegungen zunchst herauslocken und dann
schlagen zu knnen. Die berlieferung schreibt die Abwendung der Gefahr
der Vorsehung zu: Als die Verbndeten an dem zur Landung bestimmten Tage
auf die Flut warteten, habe die Ebbe 12 Stunden gelaufen. Neuere Quellen
verweisen diese Erzhlung in den Bereich der Sage. Tatschlich trat die
Vorsehung spter fr Holland ein. Am 21. Juli begann ein schwerer
Sdweststurm, der drei Tage mit uerster Kraft wehte und dann noch fast
drei Wochen mit nur kurzen Unterbrechungen anhielt. Die feindliche Flotte
wurde durch diesen Sturm nach Norden vertrieben und so zugerichtet, da
sie wie nach einem scharfen Gefecht in englische Hfen zurckkehren
mute.

Das Jahr 1672 brachte weitere wichtige Ereignisse zur See nicht mehr.
Ruyter blieb in seiner Defensivstellung[187] und seitens der Verbndeten
war der Plan zu einer Landung, aus nicht bekannten Grnden, fr dieses
Jahr aufgegeben. Die Franzosen gingen am 28. September von der Themse
nach Frankreich ab. Karl II. wollte sie gern in England behalten; es
wurde abgelehnt, da die Ausbesserungen dort teurer als in den heimischen
Hfen kommen wrden.[188] Ein Teil der englischen Flotte machte noch den
Versuch, den lang erwarteten Convoi Ostindienfahrer auf der Doggerbank
abzufangen, man verfehlte ihn aber; Ruyter, der die Kste entlang ihm
entgegengegangen war, fhrte die Schiffe glcklich heim. Ende September
wurde in Holland der Winterdienst zur Bedeckung der Seegatten
eingerichtet und die Flotte sonst aufgelegt; man gab aber jetzt die
Kaperei frei. Ein geplantes Unternehmen, mit einem kleinen Geschwader
franzsische Hfen anzugreifen, kam nicht zur Ausfhrung.

  [187] Die Bewegungen Ruyters von nun an und auch schon frher in seiner
        Defensivstellung fast tageweise im Leben Ruyters.

  [188] Nach Jal: du Quesne, Teil II, Seite 91, nur ein Vorwand.

Wir mssen uns nun nochmals den $inneren Verhltnissen Hollands$ und dem
$Landkriege$ zuwenden. Die schimpflichen Friedensbedingungen, die die
Gegner stellten, und auch der Schaden, den die berschwemmung hervorrief,
hatten das niederlndische Volk aufs hchste erbittert. Es war
entschlossen, das, was der Feind und das Wasser noch vom Lande brig
gelassen, aufs uerste zu verteidigen, ja, wenn dies nicht mehr zu
halten sei, auszuwandern und in Ostindien ein neues Holland zu grnden.
Die oranische Partei gewann ganz die Herrschaft; Anfang Juli wurde
=Wilhelm von Oranien= -- zuerst in Seeland, dann in Holland, schlielich
von den Generalstaaten -- zum =Statthalter=, Generalkapitn und
Generaladmiral auf Lebenszeit ernannt.

  Der Parteiha fhrte aber zu blutigen Taten. =Cornelis de Witt= wurde
  eines Attentatsversuchs gegen den Statthalter angeklagt, gefoltert und
  zur Verbannung verurteilt; als sein Bruder, =der Ratspensionr=, ihn im
  Gefngnis besuchte, wurden beide (19. August) auf abscheuliche Weise
  =ermordet=. Selbst auf Ruyter fiel der Ha eines Teiles des Volkes als
  einen Freund der Brder, obgleich er das volle Vertrauen des
  Statthalters besa. Der Pbel wollte im September sein Haus strmen,
  nur ein in der Nhe liegendes Kriegsschiff konnte es hindern, im
  Oktober versuchte sogar ein Mann, ihn zu ermorden.

Die Friedensverhandlungen hatte man vorsichtigerweise noch lngere Zeit
fortgefhrt, um die nur langsam zunehmende berschwemmung erst wirksam
werden zu lassen. Whrend dieser Zeit hatten sich auch sonst die
Verhltnisse im Landkriege bedeutend gnstiger gestellt. Der =Groe
Kurfrst= hatte schon am 6. Mai einen Vertrag mit der Republik
geschlossen, wonach er sie mit 20000 Mann untersttzen wollte. Er bewog
auch den =Kaiser= zu einem Bndnis (25. Juni) behufs Aufrechterhaltung
des Besitzstandes in Europa, wie dieser im Westflischen, Pyrenischen
und Aachener Frieden festgesetzt war. Im Juli rckten die
brandenburgischen und die sterreichischen Truppen heran, so da sich
=Ludwig= XIV. gentigt sah, den Prinzen von Cond mit 18000 Mann den
sterreichern im Elsa und Turenne mit 20000 den Brandenburgern in
Westfalen entgegenzustellen. Nach dem Plane Friedrich Wilhelms sollten
sich die Brandenburger und sterreicher in Hessen-Kassel vereinigen, ber
den Rhein gehen und so den Franzosen in den Rcken fallen. Aber durch den
bestochenen Minister Lobkowitz zurckgehalten, kamen die sterreicher
unter Montecuculi nur langsam heran; der Groe Kurfrst allein war zu
schwach; so bezog man ohne vorherige Waffentaten spter berall
Winterquartiere.

Immerhin waren die Niederlande entlastet. Wenn auch die brigen Franzosen
unter Luxembourg in Utrecht und Geldern zurckgeblieben waren, so kam
doch ihr Vordringen zum Stehen, ja =Oranien= konnte sich einiger Stdte
wieder bemchtigen. Auch der Angriff der bischflichen Truppen scheiterte
an dem hartnckigen Widerstande der Festung Grningen; mit groem Verlust
zogen sie nach 40tgiger Belagerung ab; die Provinzen Grningen und
Friesland waren gerettet. Im Dezember 1672 machte Oranien sogar mit 30000
Mann einen allerdings erfolglosen Vorsto gegen die wichtige franzsische
Festung Charleroi. Mittlerweile hatte starker Frost die Gewsser der
berschwemmungen mit Eisbrcken belegt. =Luxembourg= wollte diesen
Umstand und die Abwesenheit Oraniens zur Eroberung Leydens und des Haags
bentzen, um sich so im Herzen der Provinz Holland festzusetzen.
Pltzlich einsetzendes Tauwetter zwang ihn aber zu eiligem Rckzuge auf
den Dmmen und nur die Feigheit eines hollndischen Oberst entzog die
11000 Franzosen der vlligen Vernichtung. Damit waren auch hier die
Feindseligkeiten fr den Winter vorbei.

Die Lage der Niederlande war zu Ende des Jahres weit gnstiger, als man
bei Beginn des Krieges htte erwarten knnen. Unter der krftigen
Fhrung Wilhelms von Oranien verweigerte jetzt die Republik die Annahme
der Friedensbedingungen, $die sie selbst frher angeboten$ hatte.


         Die Schlachten bei Schooneveld am 7. und 14. Juni 1673.

Das Jahr 1673 brachte jedoch wieder einen Umschlag zuungunsten der
Niederlande. Die =Kriegsereignisse am Lande= begannen in Westfalen. Der
Groe Kurfrst war nicht imstande, von hier aus der Republik Hilfe zu
bringen, da ihn die sterreicher ohne Untersttzung lieen und die
Niederlande die versprochenen Gelder nicht zahlten; die Macht Frankreichs
und der Bischfe war ihm berlegen, sein Land wurde verwstet. Er schlo
am 6. Juni mit den Franzosen einen Neutralittsvertrag, wonach diese
seine Lande rumten und 800000 Lire zahlten, um den geschdigten
Provinzen wieder aufzuhelfen. Die Unttigkeit der sterreicher im Elsa
hatte auch hier die Franzosen frei gemacht und Conds Armee konnte
gleichfalls zur Untersttzung Luxembourgs herangezogen werden. Die
vereinigten Streitkrfte sollten nun die Provinz Holland angreifen und
die Seestreitkrfte wiederum gleichzeitig eine Landung in dieser Provinz
oder in Seeland bewerkstelligen. Zum Angriff der Provinz Holland von
Utrecht und Geldern aus war auch eine groe Zahl flachgehender, platter
Fahrzeuge auf dem Zuidersee hergestellt -- diese zeigten sich spter
vllig unbrauchbar --, Oranien sah sich deshalb gentigt, mit seinem
Heere auch die ganze Ostgrenze der Provinz Holland zu besetzen und die
Abwehr einer Landung wieder nur den Seestreitkrften zu berlassen. Auch
die in Holland wohl noch gehegte Hoffnung, wenigstens mit England zum
Frieden zu kommen, erfllte sich nicht; der englische Kanzler erklrte im
Parlament am 14. Februar mit Beziehung auf Holland: Delenda est
Carthago. --

So wurde denn am 10. Mrz die Indienststellung von 48 tchtigen
Kriegsschiffen, worunter 36 zu 60-80 Kanonen, 12 Fregatten und 24
Brandern beschlossen; ein Geheimbeschlu von demselben Tage -- nach de
Jonge geheim, um auch den Feind zu einer weniger starken Rstung zu
verleiten -- fgte noch 24 Schiffe und 12 Fregatten hinzu.

Wieder beteiligten sich nur Holland und Seeland an dieser Rstung;
Friesland und Grningen waren durch den Landkrieg zu sehr mitgenommen und
noch immer vom Lande her arg bedrngt; erst vor der letzten Schlacht
dieses Krieges stellten sie einige wenige Schiffe.

Die Indienststellung wurde mglichst beeilt, die Kaperei und die
Schiffahrt in den europischen Gewssern aufs neue eingestellt, und
Anfang Mai waren 31 Kriegsschiffe -- darunter 4 zu 80 Kanonen, 3 zu
70-76, 9 zu 60-68 -- 12 Fregatten, 18 Brander unter Ruyters Kommando
segelfertig. Die Flotte bestand zunchst nur aus Schiffen der
hollndischen Kontingente, Seeland war infolge Geldmangels noch nicht
bereit. Die =Absicht= war, wie im Vorjahre dem Auslaufen der englischen
Flotte zuvorzukommen, und im besondern =englische Hfen= durch Versenken
von groen, schwerbelasteten Fahrzeugen =zu sperren=.

Schon am 10. Mai erschien =Ruyter= vor der Themse und sandte sofort die
Kontreadmirale van Nes und Vlugh mit 2 Schlachtschiffen, 6 Fregatten, 6
Brandern, sowie einigen kleineren Segeln stromauf, um 8 solcher
Senkschiffe an zwei wichtigen Stellen des Fahrwassers zu versenken.
Nebeliges Wetter hinderte das Vordringen, und am 13. zeigten sich
betrchtliche englische Streitkrfte: nach Meldung hiervon zogen sich die
detachierten Admirale auf Befehl zur Flotte zurck.

Ruyter und der Kriegsrat hatten beschlossen, das Versenken der Schiffe
aufzugeben, weil es sich angesichts des Feindes nicht mit der ntigen
Sorgfalt ausfhren liee, und mit der Flotte zur eigenen Kste
zurckzukehren, da berraschende Unternehmungen berhaupt nicht mehr
mglich erschienen. Man hatte erfahren, da die Ausrstung der Englnder
in der Themse und in Portsmouth zu weit vorgeschritten und dem bisherigen
Mannschaftsmangel abgeholfen sei; auch das Eintreffen der Franzosen mute
man erwarten.

  Wohl ist es auffallend, da die Flotte der Verbndeten nicht frher
  bereit gewesen ist, um gegen die hollndische Kste zur Blockade und
  Landung vorzugehen, obgleich schon im Februar vom englischen Parlament
  die Mittel zur Ausrstung bewilligt waren. Die Verzgerung scheint der
  Verwaltung zur Last zu fallen, die nach dem Ausscheiden des Herzogs von
  York als Lordhighadmiral nicht mehr besonders sorgfltig arbeitete. Die
  Franzosen sollen nicht geneigt gewesen sein, Brest zu verlassen, ehe
  die englische Flotte in See wre. Nur der Energie des neuen englischen
  Oberbefehlshabers, =Prinz Rupert=, gelang es, durch Zusammenraffen
  aller fertigen Streitkrfte auf der Themse wenigstens den Vorsto
  Ruyters abzuwehren. Auch hatte es der englischen Flotte an Seeleuten
  gefehlt; unmittelbar vor dem Erscheinen der Hollnder waren aber
  verschiedene groe Convois vor London eingetroffen, deren Besatzungen
  nun gepret wurden; die bevorstehende Ankunft dieser Convois war Ruyter
  unbekannt oder er hat sie verfehlt.

Wenn die Verbndeten eine Landung unternehmen oder der Republik ihre
Hilfsquellen zur See vllig abschneiden wollten, so mute ihre erste
Aufgabe sein, =Ruyters= Flotte zu schlagen. Dieser wute sich, wie im
Vorjahre nach Verminderung der Flotte, zu schwach, die beiden Gegner auf
offener See zu erwarten, zumal da er sich zwischen beiden befand. In
bereinstimmung mit dem Kriegsrat, dem Statthalter und den Generalstaaten
beschlo er wiederum, eine Defensivstellung (bei Schooneveld oder etwas
sdlicher bei Ostende) einzunehmen, von hier aus den Feind zu beobachten,
Landungsversuchen entgegenzutreten und nur unter gnstigen Verhltnissen
zu fechten. Er ging am 14. Mai nach =Schooneveld= zurck und fhrte in
der Folge diese =offensive Defensive= (vgl. Seite 323) meisterhaft durch.

Die nach und nach verstrkte =hollndische Flotte=[189] =bestand= am 7.
Juni aus:

     52          5            9           20          8           10
  Schlacht- zu 80-82 K.     70-78 K.    60-68 K.    50-58 K.    42-48 K.
  schiffen:   340-530Mann  320-420Mann 240-400Mann 230-280Mann 170-225Mann

      12       22-36 K.        14         4-12 K.     25      2-4  K.
  Fregatten:   90-160 Mann Avisojachten: 25-34 Mann Brander: 12-45 Mann

mit im ganzen 3600 Kanonen, 18000 Mann.

  [189] Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, bereinstimmend mit anderen
        Quellen.

  Whrend der Ausrstung erklrten sich die Admiralitten von Holland
  bereit, mehr Schiffe zu stellen als ihnen zufiel, jedoch dann schwcher
  bemannt; bemerkenswerterweise lehnte Ruyter es ab und riet,
  berflssige Mannschaft an Seeland abzugeben, wo Mangel herrschte: Er
  wolle lieber weniger, aber in jeder Hinsicht tadellos ausgerstete
  Schiffe fhren.

Die Flotte war in 3 fast gleichstarke Geschwader zu je 3 Divisionen
geteilt[190]: Vorhut Leutnantadmiral =Bankers=, Vizeadmirale Evertsen und
Star; Mitte =Ruyter= (7 Provinzen 82 Kanonen), Leutnantadmiral van Nes
und Vizeadmiral de Liefde: Nachhut Leutnantadmiral =Tromp= Gouden Leeuw
80 Kanonen), Vizeadmirale Sweers und Schram, Sweers war aber zur Zeit der
ersten Schlacht noch nicht eingetroffen; zur 3. (Nachhut-) Division eines
jeden Geschwaders trat noch ein Kontreadmiral.

  [190] Einteilung nach Leben Ruyters und Vie de Tromp. In ersterem
        auch die Instruktion Ruyters ber die Segelordnung bei
        verschiedener Lage zum Feinde: in Luv oder Lee, ber St. B. oder
        B. B. Bug. -- De Jonge und (danach?) englische Quellen geben
        Tromp die Vorhut; nach genannter Order war dies aber nur in
        gewissen Lagen der Fall, wie denn stets der Leutnantadmiral von
        Seeland, also hier Bankers, den rechten Flgel oder die
        eigentliche Vorhut fhrte.

  =Tromp= war am 30. April wieder als Leutnantadmiral von Amsterdam
  angestellt. Wilhelm von Oranien hielt viel von ihm als treuem Anhnger
  seiner Partei, wie es schon sein Vater gewesen. Der Prinz hatte jedoch
  vorher dringend eine Vershnung mit Ruyter verlangt und diese in seiner
  Gegenwart herbeigefhrt. Die Ernennung Ruyters zum
  Leutnantadmiralgeneral war wohl gerade auch deshalb mit erfolgt, um
  ferneren Streitigkeiten mit Tromp vorzubeugen. Die beiden tchtigen
  Admirale haben sich auch in Zukunft vertragen.

Die =Flotte der Verbndeten= hatte sich Ende Mai bei Wight vereinigt; am
29. Mai wurde sie von Karl II. und York besucht.

Sie bestand aus etwa[191] 81 Schlachtschiffen, 11 Fregatten und 34 (42?)
Brandern.

  [191] Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, und Clowes, Teil II, Seite
        310. Genaue Angaben ber England sind nicht vorhanden; die
        franzsischen Schiffe mit Namen, Kommandanten und Kanonen in Jal:
        du Quesne, Teil II, Seite 48, dort auch die Namen der
        englischen Schiffe.

  =England= stellte 54(?) Schlachtschiffe, darunter 3 mit ber 100
  Kanonen, 4 mit 90, 16 mit 60-80, 9(?) mit 50-58 Kanonen; 8 Fregatten;
  24 Brander.

  =Das franzsische Geschwader= zhlte 27 Schlachtschiffe, eins mit 100
  die brigen mit 50-70 Kanonen, 3 Fregatten und 10 (18?) Brander.

Die englischen Schiffe fhrten eine groe Zahl Soldaten fr die Landung
an Bord, 6000 Mann standen in Yarmouth zum Einschiffen bereit. Die
Gesamtflotte war eingeteilt: Vorhut =Prinz Rupert=[192] (Royal Charles
100 Kanonen), Vizeadmiral Harman, Kontreadmiral Chichely; Mitte =Comte
d'Estres= (Reine 104 Kanonen), Vizeadmiral des Ardens (Terrible 70
Kanonen), Kontreadmiral de Grancey (Orgueilleux 70 Kanonen), (Ardens
und Grancey waren dem Range nach Chefs d'Escadre); Nachhut =Admiral
Spragge=, Vizeadmiral Kempthorne, Kontreadmiral Butler.

  [192] Angaben ber Prinz Rupert Seite 264.

  Obgleich Rupert den Oberbefehl hatte -- sein Geschwader fhrte auch die
  rote Flagge -- nahm er doch die Vorhut und lie d'Estres -- Geschwader
  mit der weien Flagge --, die Mitte. Nach den englischen und den
  hollndischen Quellen soll es geschehen sein, um die Franzosen zwischen
  den beiden englischen Geschwadern zu haben, da man ihnen nach den
  Erfahrungen im Vorjahre nicht traute. Die neuesten englischen Autoren,
  wie z. B. Clowes, nehmen sogar als feststehend an, da in der Schlacht
  am 7. Juni die Division des Ardens in das rote, die Division de Grancey
  in das blaue Geschwader und dafr englische Divisionen in die Mitte
  eingestellt seien; Angaben im Leben Ruyters scheinen dies zu
  besttigen. Die franzsischen Quellen aber wissen hiervon nichts; da
  die Franzosen in die Mitte genommen wurden, geben sie zu; einige von
  ihnen fhren auch als Grund das Mitrauen der Englnder an.

Die $erste Schlacht bei Schooneveld$, 7. Juni 1673. Am 1. Juni hatte
=Ruyter= zur bung mit seiner Flotte taktische Bewegungen gemacht und war
mittags auerhalb der Snde zu Anker gegangen; abends meldeten die
Vorposten das Nahen der Verbndeten. Auch diese ankerten, weil es schon
zu spt war, um etwas zu unternehmen. Am folgenden Tage gingen zwar beide
Flotten unter Segel, es kam aber wegen flauen Windes nicht zur
Annherung, und vom 3. bis zum 6. hinderte strmisches Wetter weitere
Unternehmungen; den 6. bentzten beide Flotten, ihre Ankerordnung wieder
herzustellen, weil viele Schiffe vertrieben waren. Am =7. Juni= lichteten
die Verbndeten vormittags Anker und kamen in Halbmondform (Dwarslinie?)
heran. Ruyter hatte den Angriff fr diesen Tag erwartet und kurz Stag
hieven lassen,[193] um zum Gegensto im geeigneten Augenblick bereit zu
sein.

  [193] Die Ankerkette so weit einwinden, da der Anker nur eben noch
        hlt.

[Illustration: Prinz Rupert.]

Die Nachrichten ber diese Schlacht -- geschlagen an einem hollndischen
Butage und am Jahrestage von Solebay -- sind mangelhaft; ihr
wahrscheinlicher Verlauf sei kurz geschildert.[194]

  [194] Die beste ltere Beschreibung im Leben Ruyters, die beste
        neuere bei de Jonge, Teil II.

  Die Kste erstreckt sich Nordost-Sdwest; der Wind war westlich, also
  gnstig zum An- und Abstehen. =Rupert= rechnete, entweder den Feind zum
  Fechten von der Kste abzulocken, oder ihn zum Rckzug zwischen die
  Snde bewegen und dabei dann mit Brandern angreifen zu knnen. Zu
  diesen Zwecken zweigte er von allen Geschwadern 35 kleinere
  Schlachtschiffe und Fregatten mit 10 Brandern ab, die vor seiner
  Schlachtlinie auf den Feind zuliefen und auf groe Entfernung das Feuer
  erffneten (dies erinnert sehr an Ruyter bei Solebay).
  Auffallenderweise waren diese vorausgesandten Schiffe keinem
  gemeinsamen Oberbefehl unterstellt; sie kamen in Unordnung heran und
  gingen in noch grerer auf ihre Flotte -- jedes Schiff nach dem ihm
  zunchst befindlichen Geschwader -- zurck, als =Ruyter= ihnen in
  voller Ordnung entgegentrat. Infolgedessen und auch wohl infolge
  lngerer Fahrt in schwer zu haltender Dwarslinie war die englische
  Flotte nicht gut ausgerichtet, als gegen 1 Uhr mittags der hollndische
  Angriff erfolgte. =Tromp= auf dem rechten, nrdlichen Flgel stie
  zuerst mit Rupert zusammen; beide Gegner gingen ber Steuerbord-Bug an
  den Wind und es entspann sich ein heftiges Gefecht dieser Geschwader.
  Auch Ruyter ging mit Mitte und Nachhut (jetzt =Bankers=) an den Wind,
  um mit Tromp aufgeschlossen zu bleiben; das Gefecht wurde allgemein. Um
  2 Uhr gab Ruyter durch Signal den Befehl zum Wenden, er wollte seinem
  Hauptplane entsprechend den Kampf in der Nhe der Kste halten.

  =Tromp= wendete nicht, obgleich er den Befehl sogar noch durch eine
  Jacht erhielt. Er hatte sich wohl wieder festgebissen, bei seinem
  ehrgeizigen Charakter diesmal um so erklrlicher, da sein Gegner das
  englische Geschwader unter Rupert war. In dem Kampf der Hauptflotte
  durchbrachen Ruyter und Bankers die feindliche Linie; Ruyter brachte
  dadurch groe Verwirrung in das Geschwader d'=Estres=', Bankers jedoch
  war dem englischen Geschwader gegenber weniger glcklich, sein
  Flaggschiff ward schwer beschdigt und seine Ordnung ging verloren.
  Ruyter nutzte deshalb seinen Erfolg nicht aus, sondern entsetzte
  Bankers und stellte zunchst die Ordnung wieder her. Auch dann nutzte
  er hier die gnstige Lage des Gefechts nicht aus -- verschiedene
  feindliche Schiffe waren abgeschnitten, der grere Teil der Feinde
  stand in Lee -- sondern er fhrte die wiedervereinigte Mitte und
  Nachhut Tromp zu Hilfe (etwa 6 Uhr). Er sagte: Das Wichtigste zuerst;
  es ist besser, dem Freunde zu helfen, als dem Feinde zu schaden.
  Tromps Geschwader war arg mitgenommen. Der Admiral selbst hatte zweimal
  sein Flaggschiff wechseln mssen, nach der Schlacht mute er nochmals
  auf ein anderes bergehen; sein Vizeadmiral Schramm war gefallen.
  Gerade zu rechter Zeit kam Ruyter heran, so da Tromp ausrief: Kinder,
  da kommt unser Grovater (so wurde Ruyter von den Leuten genannt), uns
  zu helfen! Ich werde ihn auch nie verlassen, so lange ich lebe!

  Nach der Vereinigung mit Tromp wendete Ruyter mit der ganzen Flotte
  wieder nach Sdwesten. Die Verbndeten folgten; sie scheinen aber,
  obgleich zu Luward stehend, den Nahkampf nicht mehr gesucht zu haben;
  die Dunkelheit trennte gegen 10 Uhr die Gegner. Ruyter ankerte etwa auf
  der Stelle, wo der Kampf begonnen hatte, die Verbndeten standen einige
  Seemeilen nach Norden hin von der Kste ab und gingen dann auch zu
  Anker.

Die =Schlacht= wurde bis in die neueste Zeit meist =unentschieden=
genannt, beide Teile schrieben sich den Sieg zu. An Schiffen haben, auer
Brandern, scheinbar nur die Franzosen 2, die Hollnder 1 (nach der
Schlacht gesunken) verloren; die Beschdigungen waren etwa gleich;
genommen wurde kein Schiff. Der Mannschaftsverlust ist unbekannt, der
englische soll infolge der berbemannung mit Landsoldaten der weit
grere gewesen sein. Die Verbndeten rhmten sich, den Feind zum
Rckzuge gezwungen zu haben, aber die neueren Autoren auch dieser Lnder
erkennen den =Erfolg Ruyters= an: Er hat einen berlegenen Feind
angegriffen und ihm gleiche Verluste zugefgt; er hat fr den Augenblick
den Hauptzweck des Gegners vereitelt. Auch hat er sich keineswegs zu
seinem Schutz zwischen die Snde zurckgezogen, sondern ist kampfbereit
in See geblieben; da er wieder auf seinem alten Platze ankerte, aber
doch einige Seemeilen weiter seewrts, lag in seinem Hauptplane. Die
Verbndeten haben seinen Rckzug nicht gehindert und auch in den
nchsten Tagen nichts unternommen.

  Das Benehmen der Franzosen in dieser Schlacht wurde von den Englndern
  als vorwurfsfrei anerkannt. Nur die Verwendung der Brander ihrerseits
  tadelte man; Sie htten zu frh mit mehr Mut als berlegung
  angegriffen, ehe feindliche Schiffe gengend niedergekmpft oder doch
  bewegungslos gemacht seien.

$Die zweite Schlacht bei Schooneveld, 14. Juni 1673.$ Beide Gegner
besserten auf ihren Ankerpltzen aus. Die Hollnder waren dabei im
Vorteil; sie konnten Material vom Lande beziehen, die Verwundeten von
Bord geben, Munition und Mannschaften ergnzen. Auch stieen an Stelle
des verlorenen und zweier sehr beschdigten Schiffe (zu 60, 50 und 40
Kanonen) zwei Schlachtschiffe 1. Klasse (zu 84 und 82 Kanonen, eins davon
mit Admiral Sweers, Geschwader Tromp), einige Fregatten und Brander zur
Flotte, so da diese fast genau die alte Strke wieder hatte. Durch
bestndig am Feinde gehaltene Aufklrer erfuhr Ruyter, da dem Gegner
etwa 30 Segel fehlten, meist kleinere Kriegsschiffe und Brander, die zur
Ausbesserung nach Haus gesandt oder verbraucht waren. Ferner waren die
Hollnder, dicht unter der Kste, kaum einem Angriff ausgesetzt und
konnten mit Ruhe arbeiten und sich erholen, whrend die Verbndeten Tag
und Nacht auf einen Angriff gefat sein muten. Die Aussichten der
Hollnder standen also jetzt in allem gnstiger als bei der ersten
Schlacht und =Ruyter= beschlo, je eher je besser anzugreifen. Der 14.
Juni wurde dazu angesetzt, falls die Windverhltnisse gnstig; die Flotte
war schon am 12. bereit, man mute aber die Zustimmung angekndigter
Staatendeputierter haben. Diese trafen rechtzeitig ein, und am
festgesetzten Tage um 11 Uhr vorm. ging Ruyter bei frischem stlichen
Winde unter Segel. Die Berichte ber =diese Schlacht= sind nicht nur
mangelhaft, sondern auch widersprechend; am wahrscheinlichsten scheint
mir folgender =Verlauf=:[195]

  [195] Schilderung nach Vergleich von: Leben Ruyters; de Jonge,
        Teil I; Clowes, Teil II; Jal: du Quesne.

  Die Verbndeten wurden teilweise durch den Angriff berrascht. Rupert
  war zwar auf ihn gefat; da der Wind am 13. abends stlich geworden
  war, hatte er Vorbereitungen zum schnellen Untersegelgehen getroffen
  und war selbst die Nacht ber aufgeblieben. Admiral Spragge war
  lssiger und begab sich sogar am 14. frh mit seinem Kontreadmiral an
  Bord des Flottenflaggschiffes; hier verweilte er zu lange oder konnte
  nicht schnell genug zurckkommen, als die Hollnder erschienen.

  Die Kste luft Nordost-Sdwest; der Wind war steif aus Ost, spter
  Nordost; die Verbndeten lagen in Nordwesten der Hollnder, das blaue
  Geschwader (Spragge) am meisten zu Luward. Rupert hatte jetzt mit dem
  roten Geschwader die Mitte bernommen; ob dieses Mal Englnder und
  Franzosen in den Geschwadern gemischt waren, ist unsicher. Die
  hollndische Flotte kam in guter Ordnung heran, Tromps Geschwader
  fhrte. =Rupert= gab Befehl, Anker zu lichten und ber Backbord-Bug die
  Linie zu bilden. Das rote und das weie Geschwader fhrten den Befehl
  schnell aus; das blaue, das auf seine Flaggoffiziere wartete,
  verzgerte sich. Die Hollnder sagen, die Gegner schienen zuerst den
  Kampf haben aufnehmen zu wollen, dann aber htten sie nach Nordwesten
  abgehalten. Es ist also anzunehmen, da Rupert zuerst ber Backbord
  beim Winde steuerte, entweder, um die Luvstellung zu gewinnen
  (hollndische Quellen) oder um das noch ungeordnete blaue Geschwader zu
  decken (franzsische Quellen). Das erstere milang, da Tromp sofort
  auch hoch beim Winde steuerte, die Deckung wurde unntig, weil Spragge
  sich noch rechtzeitig -- wenn auch in Unordnung, es sollen Teile des
  blauen Geschwaders in die beiden anderen versprengt sein (franzsische
  Quellen) -- auf seinen Platz vor dem roten Geschwader begab. Nun hielt
  Rupert ab, um den Feind von der Kste abzuziehen (englische Quellen).

  Die Hollnder folgten, das Feuer wurde auf weite Entfernungen erffnet,
  aber erst zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags kam es zum ernsteren Kampf;
  sei es, da Rupert sich jetzt weit genug von der Kste glaubte, sei es,
  da Tromp das blaue Geschwader eingeholt hatte und Rupert nun gentigt
  war, den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen. Es ist klar, da Tromp
  dem Gegner am nchsten sein mute, und Spragge stand wohl auch noch
  immer etwas zurck. Jedenfalls kam um diese Zeit die Spitze Tromps mit
  Spragge ins Gefecht; aufeinanderfolgend griff Tromp selbst ein, Ruyter
  stie mit Rupert und Bankers mit d'Estres zusammen.

  Vizeadmiral Sweers, der Fhrer der ersten Division Tromps, war mit
  seinem Flaggschiff (Weier Elephant, 82 Kanonen) und 3 Fregatten
  vorgelaufen. Er kam zuerst an den Feind und wurde so zugerichtet, da
  er bald darauf das Gefecht verlassen mute. Tromp legte dies als Mangel
  an Tapferkeit aus, eine Untersuchung ergab aber die schweren Verluste
  und Beschdigungen des Elephant und Oranien legte den Streit bei.

  Es entspann sich nun ein laufendes Gefecht ber Backbord-Bug, das
  jedoch nur auf mittlere Entfernungen gefhrt wurde, so da die wirksame
  Verwendung der Brander ausgeschlossen war; auch der schon begonnene
  Nahkampf der Vorhuten wurde infolge schwerer Beschdigungen der
  Takelage auf Tromps Flaggschiff wieder getrennt. Schon der englischen
  Kste nahe, wendete Ruyter nach sechsstndigem Feuergefecht bei
  Eintritt der Dunkelheit (10 Uhr) mit seiner ganzen Flotte und ging
  unter kleinen Segeln auf seinen Ankerplatz zurck, den er am nchsten
  Nachmittage unbelstigt erreichte.

Auch diese =Schlacht= galt als =unentschieden=. Auf keiner Seite war ein
Schiff verloren. Der Mannschaftsverlust war nicht so schwer als in der
ersten und scheint bei den Gegnern etwa gleich gewesen zu sein; bei den
Hollndern betrug er nur 216 Tote und 285 Verwundete.[196] Zum Nahgefecht
war es im allgemeinen nicht gekommen. Die Hollnder wollen stets den
Nahkampf erstrebt und insbesondere soll Ruyter versucht haben, in das
rote Geschwader einzubrechen. Die Gegner jedoch sollen jeden Versuch
durch Abhalten vereitelt haben; als die Gelegenheit sich endlich bot,
wre es zu dunkel gewesen. Nach franzsischen Angaben habe Ruyter
berhaupt nur die Absicht gehabt, den Feind fr lngere Zeit aus dem
Felde zu schlagen und ihn zu ntigen, infolge Munitionsverbrauchs und
Beschdigungen seiner Schiffe die eigenen Hfen aufzusuchen, ohne dabei
im Gefecht die hollndische Flotte groen Verlusten auszusetzen.
Allerdings scheint Rupert dem Nahkampf ausgewichen zu sein, obgleich er
den Vorteil hatte, da die Hollnder vielfach ihre untersten Batterien
nicht gebrauchen konnten. Der schlechte Zustand seiner Schiffe, die
vielen Verwundeten von der ersten Schlacht an Bord und das Bestreben, den
Feind von der Kste abzuziehen, erklren dies wohl. Es wird aber auch
auf den Geist in seiner Flotte geschoben, nmlich: Mistimmung zwischen
Englndern und Franzosen -- vom Lobe der Franzosen englischerseits hrt
man dieses Mal nichts; d'Estres klagt ber Mangel an Untersttzung und
mibilligt in der Folge verschiedene Manahmen Ruperts -- sowie
Opposition mancher englischen Offiziere, die der katholischen Hofpartei
angehrten, gegen Rupert; schon vor dieser zweiten Schlacht waren Stimmen
laut geworden, zur Ausbesserung und Ausrstung nach England zu gehen; am
15., als der Prinz nochmals fechten wollte, drang diese Ansicht im
Kriegsrate durch.

  [196] Nach hollndischen Angaben betrug in =beiden Schlachten= der
        =Verlust= der Englnder 3000 Tote und Verwundete, bei den
        Hollndern kaum die Hlfte, bei den Franzosen (franzsische
        Angabe) 500 Mann.

Ruyter brach das Gefecht ab und ging auf den alten Ankerplatz, die
Verbndeten liefen in die Themse ein. Wiederum behaupten diese, den
Gegner zum Rckzug gezwungen zu haben, aber =der Erfolg spricht= dieses
Mal doch noch mehr =fr Ruyter=. Von einem gezwungenen Rckzuge kann
nicht die Rede sein. Er brach ab, weil es Nacht wurde und sich der Kampf
zu weit von seinem Sttzpunkte entfernt hatte. Er ging mit kleinen
Segeln zurck, zur Fortsetzung des Kampfes am nchsten Tage bereit, und
ist nicht verfolgt worden. Zwar scheinen die Verbndeten nach einigen
Stunden auch gewendet zu haben, sie gingen aber am nchsten Tage nach
England, ohne etwas zu unternehmen; am 15. sind sie von den Hollndern
nicht mehr gesichtet worden. Seinen strategischen Zweck hatte Ruyter in
noch hherem Mae als in der ersten Schlacht erreicht; wir werden gleich
sehen, da die Verbndeten fr sechs Wochen die See ganz frei gaben,
whrend die Hollnder bald wieder weitere Unternehmungen ins Auge fassen
konnten.

  De Jonge fhrt an, nach Privatbriefen (z. B. Tromps) sei die
  hollndische Flotte nach der Schlacht wegen Mangels an Munition auch
  nicht schlagfertig gewesen. Dieser Zustand sei aber von den Behrden
  geheim gehalten worden; ihm wurde auch nach Mglichkeit schnell
  abgeholfen.

$Die Schlacht bei Texel. 21. August 1673.$ (In Holland auch Schlacht bei
Kijkduin genannt.) Whrend Ruyter bei Schooneveld ausbesserte, ergnzte
und nach und nach nicht unwesentlich durch neue Schiffe verstrkt wurde,
hielt er bestndig leichte Schiffe an der englischen Kste; am 19. Juni
sandte er sogar ein Geschwader von 12 Kriegsschiffen und Fregatten, 2
Brandern und 4 Jachten unter Kontreadmiral den Haen zu einer, wenn ntig
gewaltsamen, Erkundung ab. Den Haen trieb feindliche Vorposten in die
Themse zurck und meldete am 25., da die verbndeten Flotten eifrig
ausrstend zwischen Queensborough und Gravesend lgen, und da groe
Truppenkrper zur Einschiffung zusammengezogen wrden.

  Clowes sagt, die Franzosen seien im Juni nach Brest gegangen und htten
  sich erst Mitte Juli wieder mit den Englndern vereinigt. Alle anderen
  Quellen erwhnen dies nicht, so auch nicht die sonst so genauen alten
  Hollnder, die stets nur von den kniglichen Flotten in der Themse
  sprechen. Ein Gegenbeweis drfte auch zu finden sein in Jal: du
  Quesne, wo vermerkt ist, da Generalleutnant Martel -- vom Mittelmeer
  gekommen -- am 18. Juni Brest verlt, um mit einigen Schiffen zu
  d'Estres zu stoen, am 25. an die englische Kste kommt, Dover anluft
  und endlich bei bestndigem Gegenwinde die vereinigte Flotte in der
  Themse trifft. Auch die Operationen der hollndischen Flotte lassen
  vermuten, da die Franzosen in England geblieben sind.

=Ruyter= glaubte nicht, da der Feind schon bald wieder bereit wrde, die
Zukunft sollte ihm recht geben. Seine Flotte war Ende Juni seeklar, und
Kriegsrat wie Deputierte beschlossen, an die englische Kste zu gehen, um
dort mglichst viel Schaden anzurichten, vor allem aber um dem Feinde und
ganz Europa zu zeigen, da man nicht in die Hfen oder zwischen die
Sandbnke getrieben sei -- wie die Verbndeten ausgesprengt hatten --,
sondern die See beherrsche. Es wurde sogar in Erwgung gezogen, sich
eines franzsischen Hafens zu bemchtigen, um die Franzosen vom
Landkriege abzuziehen, besonders von der Belagerung Maastrichts, doch kam
die Sache vorlufig nicht zum Beschlu und auch nicht wieder zur Sprache;
Maastricht fiel am 10. Juli. Am 3. Juli ging Ruyter in See, kreuzte etwa
10 Tage vor der Themse, trieb feindliche Vorposten den Flu hinauf,
kehrte aber dann nach der eigenen Kste zurck, weil sich eine
ansteckende Krankheit schnell auf seinen Schiffen verbreitete; sie war
zuerst unter den Leuten ausgebrochen, die im vorhergegangenen Winter zum
Dienst am Lande und auf den Binnengewssern herangezogen und schweren
Strapazen ausgesetzt gewesen waren. Er schiffte die Kranken aus, ersetzte
sie nach Mglichkeit und hielt sich wieder in der Nhe Walcherens, um
leichte Verbindung mit dem Lande zu haben und um bei den vorherrschend
westlichen Winden zu Luward der ganzen hollndischen Kste und der
Themsemndung zu stehen, weil er die Nachricht erhalten hatte, die
Verbndeten wrden etwa am 24. Juli seeklar sein; am 28. meldeten dann
auch Aufklrer, da sie am Tage zuvor das Auslaufen beobachtet und bis
zum Abend etwa 130 Segel gezhlt htten.

So lange hatte man gebraucht, die englische Flotte schlagfertig zu
machen. Wiederum soll der Grund in dem mangelhaften Arbeiten der
Verwaltung gelegen haben; es machte aber auch besondere Schwierigkeit,
Mannschaften zu erlangen, die Volksstimmung wurde mehr und mehr einem
Kriege gegen Holland und dem Bndnisse mit Frankreich abgeneigt; das
Pressen brachte minderwertiges Personal, nur wenige gute und
kriegserfahrene Seeleute.

=Die Flotten der Gegner= waren strker als bei den vorhergegangenen
Schlachten des Jahres 1673, sie bestanden aus:[197]

  England:    60-62 Schlachtschiffen und Fregatten }
  Frankreich: 28-30   "               "      "     } 28 Brandern
              -----------------------------------------
  Verbndete:  90     "               "      "       28     "
                              20-25 Transportern und kleineren Fahrzeugen

  Holland:     75     "               "      "       22     " 18 Jachten.

  [197] Nach de Jonge, Teil II, Beilage VII.

Die Klassen entsprachen dabei den frheren Verhltnissen, es waren aber
jetzt 6 englische Schiffe ber 90 Kanonen und 6 hollndische ber 80
Kanonen darunter.

Wieder waren auf der englischen Flotte etwa 7000 Mann Landungstruppen
eingeschifft und trotz der schlechten Erfahrung im Juni auch wieder auf
den Schlachtschiffen. 30000 Mann standen in England, besonders an der
Themse, zum Einschiffen bereit und in Frankreich war gleichfalls ein
Landungskorps aufgestellt. Die Geschwader und Divisionen wurden von
denselben Flaggoffizieren wie im Juni gefhrt, nur war auf hollndischer
Seite Kontreadmiral den Haen an Stelle des gefallenen Vizeadmirals
Schramm getreten und eine Division des franzsischen Geschwaders hatte
der Generalleutnant de Martel bernommen -- wie du Quesne ein alter, sehr
tchtiger Seeoffizier -- die dritte behielt der Chef d'Escadre des
Ardens. Das franzsische Geschwader bildete die Vorhut der Verbndeten,
auf ausdrckliches Verlangen Ludwigs XIV. wie man sagt, auch focht es
dieses Mal jedenfalls unvermischt.

Das nchste Zusammentreffen der Gegner sollte entscheidend fr den Krieg
werden, aber drei Wochen vergingen, ehe es stattfand. Ruyter ging am 29.
Juli unter Segel, hielt sich in der Nhe der Kste und bekam den Feind am
30. abends in Sicht. Am 31. Juli und 1. August manvrierten die Flotten
in Sicht voneinander, die Verbndeten waren bestrebt, den Gegner von der
Kste abzuziehen. =Ruyter= aber hatte neue Nachrichten erhalten, da in
der Themse Kauffahrteischiffe zusammengezogen wrden, und nahm an, da
Rupert ihn verlocken wolle, in den Kanal hinein zu folgen, damit dann in
seiner Abwesenheit die Truppen von der Themse aus nach Holland
hinbergeworfen werden knnten; er ging deshalb getreu seinem alten Plan
=nach Schooneveld= zurck und der Feind kam am 1. August abends aus
Sicht.

=Die verbndete Flotte= zeigte sich nun am 2. vor der Maasmndung, am 3.
vor Scheveningen, am 4. vor Egmond, Helder und Texel, zuweilen leichte
Schiffe nahe unter Land sendend. Die ganze Kste war alarmiert. Der
Strand wurde durch Brgerkompagnien der naheliegenden Stdte besetzt,
aber auch regulre Truppen und Geschtze wurden herangezogen; ein
berittener Meldedienst und ein Signalsystem wurden lngs der Kste
organisiert, um die ernste Bedrohung eines bestimmten Punktes
weitermelden zu knnen. Am 4. August erschien der Prinz von Oranien von
der Feldarmee selbst im Haag. Auch die Flotte wurde nher herangezogen;
sie ankerte am 8. bei Scheveningen, und hier bat Ruyter um nhere Order.
Seine bisherige, den Feind anzugreifen, falls es zum Vorteil des Landes
wre, erschien ihm zu unbestimmt, der bermacht des Feindes gegenber
war ihm die Verantwortung zu gro. Schon die Nhe seiner Flotte hatte ja
bisher ernste Unternehmungen des Feindes gehindert; die Gefahr einer
Landung war wesentlich abgeschwcht, weil man Zeit gehabt hatte, die
bedrohten Punkte zu besetzen. Ruyter lag mithin wohl der Gedanke am
nchsten, weiter in seiner abwartenden Stellung zu bleiben und seine
Flotte nur im dringendsten Falle einzusetzen.

Aber Holland drohte noch eine andere Gefahr. Man erwartete die Heimkehr
des groen ostindischen Convois durch die Nordsee zu jeder Stunde, und
der Feind stand zwischen der eigenen Flotte und den dem Convoi
nchstliegenden Hfen; das glckliche Einlaufen der Handelsschiffe sollte
neue Mittel zur Weiterfhrung des Krieges liefern. Der Kriegsrat der
Flotte sah wohl ein, da dieser Umstand dafr sprche, alles zu
versuchen, um den Feind von der Kste zu vertreiben. Die Generalstaaten
traten gleichfalls hierfr bei dem Prinzen ein und ersuchten ihn, die
schwachen Besatzungen der Schiffe durch ein Regiment Seesoldaten, das am
Lande wohl fr kurze Zeit zu einem entscheidenden Schlage auf See zu
entbehren sei, zu verstrken.

Beratungen am Lande und auf der Flotte[198] -- Oranien begab sich selbst
am 12. August, strmisch begrt, auf Ruyters Flaggschiff -- fhrten
endlich zu dem Beschlu, den Feind zur See je eher je besser anzugreifen,
um die Kste freizumachen. Wieder sah das ganze niederlndische Volk auf
die Flotte als letzte Rettung; in allen Stdten wurden tgliche
Betstunden fr den glcklichen Ausgang der bevorstehenden Seeschlacht
abgehalten und man ordnete an, zum allgemeinen Gottesdienst zu luten,
sobald der Donner der Kanonen den Kampf der Flotte verknde.

  [198] Die schriftlichen und mndlichen Verhandlungen, Erlasse und
        Ansprachen an die Flotte sowie die Bewegungen dieser bis zur
        Schlacht genau im Leben Ruyters.

Am 13. August ging =Ruyter= unter Segel, um den Feind zu suchen, der
unter Texel oder Vlieland liegen sollte. Die Windverhltnisse -- sowohl
Stille wie Sturm und im allgemeinen stets Gegenwinde -- lieen nur
geringen Fortschritt machen, da Ruyter sehr vorsichtig segelte: er war
stets bestrebt, nahe der Kste zu bleiben, Beschdigungen zu vermeiden
und seine Flotte gut beieinander und in Formation zu halten; mute er
doch bei dem fr den Feind gnstigen Winde jederzeit auf einen Angriff
gefat sein.

Erst am 18. ankerte der Admiral wegen frischen Gegenwindes etwa 15 sm.
sdlich von Helder, zwischen Petten und Camperduin, und blieb hier,
besseres Wetter abwartend, am 19. liegen; seine Vorposten hatten den
Feind nrdlich von Texel, gleichfalls vor Anker liegend, gesichtet. In
diesen Tagen fingen die Franzosen einen Ostindienfahrer ab, der dem
Convoi vorgelaufen war.

$Der Verlauf der Schlacht.$[199] Am 20. August lichtete =Ruyter= Anker
und steuerte bei flauem stlichen Winde Nordnordost. Um 10 Uhr vormittags
kam der Feind nrdlich voraus in Sicht und hielt mit Kurs Sdsdost auf
die Hollnder zu, bestrebt, die Luvstellung zu halten oder zu gewinnen.
Die Angaben ber die Windverhltnisse dieses Tages sind nicht sicher; die
alten und neuen Hollnder sprechen nur von stlichem Winde, die neueren
Englnder und Franzosen sagen, der Wind sei im Laufe des Tages nach
Nordwest gegangen. Es ist dies ohne Bedeutung, der Wind scheint sehr flau
gewesen zu sein, da die Schiffe zuweilen nur mit dem Strom trieben; nur
bei flauem Winde auch konnte Ruyter so manvrieren, wie er tat.

  [199] Schilderung nach Vergleich der Quellen Seite 339; besonders Jal:
        du Quesne, hinzu tritt Mahan, Teil I.

Es kam an diesem Tage noch nicht zur Schlacht: Ruyter hielt zurck, weil
einige Schiffe nicht auf Position waren; die Verbndeten, die nach
bereinstimmenden Aussagen zwar den ganzen Tag die Luvstellung hatten,
griffen nicht an, weil sich der Gegner stets nahe unter der Kste hielt.
Ruyter wendete am Nachmittag wieder nach Sden, fhrte unter sorgfltigem
Loten seine Flotte bis ganz dicht an den Strand heran und hielt dann nach
Mitternacht wieder ab. Die Gegner folgten allen Bewegungen, aber stets in
vorsichtig bemessener Entfernung von der Kste. =Ruyters= Manver nun,
gesttzt auf seine Kenntnis des Fahrwassers und den geringeren Tiefgang
seiner Schiffe sowie auf richtige Beurteilung der Wind- und
Stromverhltnisse, hatten den Erfolg, da er am Morgen des 21., als der
Wind aus Ostsdost auffrischte, zu Luward des Gegners stand -- nur 2
Seemeilen von Land (zwischen Petten und Camperduin), so da der Seeraum
des Feindes nach Luward hin beschrnkt war; er =hatte seinen Gegner= in
der Dunkelheit =ausmanvriert=.

Als die Hollnder jetzt mit vollen Segeln zum Angriff herankamen,
wendeten die Verbndeten und erwarteten sie ber Steuerbord-Bug beim
Winde. Ruyter steuerte zunchst etwas nach Norden, wendete dann
geschwaderweise, hielt khn auf den Feind ab und legte sich ihm querab
ber St. B. Bug. Geschwader stand gegen Geschwader: Bankers gegen
d'Estres, Ruyter gegen Rupert, Tromp gegen Spragge; die Mitten und die
Nachhuten der Gegner waren sich ziemlich gleich, Bankers jedoch war
wesentlich schwcher als d'Estres.

  Die allgemeinere Annahme geht nmlich dahin, da an diesem Tage auf
  Anordnung Ruyters das Geschwader Bankers nur aus 10 oder 12 Schiffen
  bestand, die beiden andern hollndischen aus je 32 oder 33. Auf diese
  Weise war die bermacht der Verbndeten bei Mitte und Nachhut
  ausgeglichen, whrend den 30 Franzosen eben nur 10 oder 12 Schiffe
  gegenberstanden; Ruyter soll die Absicht gehabt haben, diesen Gegner
  nur zu beschftigen. Nehmen wir dies vorlufig als zutreffend an.

Infolge der verschiedenen Art, mit der die Geschwaderchefs der
Verbndeten den Angriff aufnahmen, entwickelten sich in dem =ersten
Abschnitt der Schlacht drei getrennte Gefechte=:

D'=Estres= steuerte hoch am Winde, um die Luvstellung zu gewinnen oder
doch die Spitze des Feindes von Luward her zu dublieren -- wie er spter
sagt, auf Anordnung Ruperts; =Rupert= hielt whrend des Gefechtes
bestndig ab, um den Feind von der Kste abzuziehen, damit dieser sich
bei etwa umspringendem Winde nicht wieder ihres Schutzes bedienen knne;
=Spragge= drehte bei, um mglichst schnell zum Kampf auf nchste
Entfernungen zu kommen -- er soll aus irgend einem Grunde persnlichen
Ha auf Tromp gehabt haben und hatte seinem Knig versprochen, jenen tot
oder lebendig zurckzubringen oder das eigene Leben zu lassen. Diese
Gegner trieben natrlich schnell nach Lee (Lage 1 der Skizze). So muten
sich die Einzelgefechte der Geschwader bald voneinander rtlich trennen
(Lage 2).

Bei dem =Kampf der Vorhuten= gelang es wirklich dem Fhrer der ersten
franzsischen Division (Martel) vorzulaufen, zu wenden und die Hollnder
von Luward aus zu dublieren. =Bankers= aber erkannte die Gefahr. Er hielt
sofort ab -- scheinbar ehe =Martel= von Luv aus angriff, da dessen
Schiffe infolge etwas umspringenden Windes lange in der Wendung liegen
geblieben sein sollen --, lief mit seinen 12 Schiffen durch die in Lee
gebliebenen 20 Franzosen, die in sich schlecht aufgeschlossen waren,
hindurch und steuerte nach dem Gefechtsfelde der Mitten zur Untersttzung
Ruyters. Das kurze Gefecht hier war sehr heftig gewesen, Bankers selbst
entging nur knapp der Vernichtung durch einen mit hervorragendem Schneid
gefhrten Brander, aber d'=Estres= folgte nicht. Die Franzosen brauchten
lange Zeit, die Ordnung herzustellen und auszubessern; tatschlich
hrte ihre Teilnahme an der Schlacht auf, obgleich Rupert versuchte, sie
durch Signal heranzuziehen.

[Illustration: Schlacht bei Texel, 21. August 1673.]

  Von dieser Darstellung weichen die hollndischen Angaben -- alte wie
  neue -- wesentlich ab. Sie erwhnen nicht, da Bankers' Geschwader
  schwcher gewesen sei. Sie sagen sonst: Anfangs nahmen die Franzosen
  den Kampf mit Mut auf, dann zog sich d'Estres nach einem
  Branderangriff zurck und mit ihm die meisten Schiffe, endlich auch
  Martel; die Franzosen brachen das Gefecht ab; Bankers lie 8 Schiffe zu
  ihrer Beobachtung zurck und segelte mit den brigen zu Ruyter.

  Fr diese Auffassung drfte sprechen, da Ruyter vor der Aktion kaum
  genau wissen konnte, welches Geschwader den Franzosen gegenberstehen
  wrde. Ursprnglich waren die Geschwader gleich stark, Ruyter htte die
  nderung also erst am Morgen vornehmen mssen, und es ist auffallend,
  da die sonst gerade in solchen Angelegenheiten so genaue alte Quelle
  (Leben Ruyters) nichts davon erwhnt. Gegen diese Auffassung spricht,
  da die englischen und franzsischen Quellen ausdrcklich so erzhlen,
  wie vorstehend geschildert, auch die alten, z. B. ein Bericht Colberts
  an seinen Knig. In einem Bericht des Intendanten von Brest --
  beauftragt mit Untersuchung eines Streites zwischen d'Estres und
  Martel, von dem spter noch die Rede sein wird -- heit es sogar: Man
  konnte glauben, da sich in allen diesen Schlachten Ruyter niemals die
  Mhe gab das franzsische Geschwader anzugreifen, so hatte er in der
  letzten Schlacht (also hier) nur 10 Schiffe des seelndischen
  Geschwaders geschickt, um d'Estres zu beschftigen. In diesem Falle
  fiele also das Verdienst der so erfolgreichen taktischen Maregel
  Ruyter zu; Bankers zeigte dann im Gefecht durch sein Verfahren groe
  Umsicht. Nach der hollndischen Erzhlung stnde Bankers in erster
  Linie das Verdienst zu. Aber sein Verhalten ist auch dann eine Frucht
  der Erziehung Ruyters; hatte doch dieser dazu das Beispiel am 7. Juni
  gegeben und immer wieder, so noch einige Tage vor der letzten Schlacht,
  darauf hingewiesen, den Zusammenhang der ganzen Flotte zu wahren und
  darauf zu achten, wo gegenseitige Untersttzung ntig sei.

=Der Kampf der Nachhuten= wurde whrend dieser Zeit auf nchste
Entfernungen mit grter Hartnckigkeit von beiden Seiten durchgefochten,
auch =Tromp= hatte beigedreht. Die beiden Geschwaderchefs waren hnliche
Charaktere, wie denn =Spragges= fehlerhaftes Vorgehen hier ganz dem
Tromps bei frheren Gelegenheiten gleicht. Sie lagen 3-1/2 Stunden mit
ihren Flaggschiffen backgebrat nebeneinander. Hierbei soll Tromp whrend
der ersten drei Stunden gar keine Verluste gehabt haben -- auch der
Verlust einiger anderer Schiffe, z. B. Ruyters, in dieser Schlacht war
gering --, was nicht fr die bisher so berhmte englische Artillerie
spricht; es war wohl eine Folge des erwhnten schlechten Ersatzes. Die
beiden Geschwader kmpften in voller Melee; beide Chefs muten ihre
Flaggschiffe wechseln und strzten dann wieder aufeinander ein; bei einem
abermaligen Verlassen seines Schiffes ertrank Spragge, aber auch auf
hollndischer Seite fiel Vizeadmiral Sweers. Die Englnder hatten im
allgemeinen die greren Verluste und Beschdigungen.

=Im Gefecht der Mitten= scheinen die Aussichten zuerst gleichgestanden zu
haben, infolge des bestndigen Ausweichens Ruperts kam es nicht zu so
nahem Kampfe wie bei der Nachhut; doch wird die gute Ordnung in Ruyters
Geschwader hervorgehoben, nur einige Schiffe der Division van Nes waren
lau. Als aber Bankers herankam, nderte sich die Lage, nun standen 42
Hollnder gegen 30 Englnder. Dabei behielt Ruyter seine Krfte in der
Hand, schnitt durch Abzweigung von 8 Schiffen die Division Chicheley ab
und dublierte so die beiden anderen des Feindes. Es spricht fr die
Englnder, da diese Divisionen nicht vernichtet wurden, sondern sich
sogar nach und nach, allerdings unter schweren Verlusten, der Lage wieder
entzogen (Lage 3).

Beide Flottenchefs waren in Unsicherheit und in Besorgnis ber das
Schicksal ihrer Nachhut, und so steuerten beide nach dem Gefechtsfelde
dieser hin; auf Parallelkursen in Schuweite aber wie in
stillschweigender bereinkunft ohne zu feuern. Beide sparten wohl
Munition; die Schlacht hatte um 8 Uhr morgens begonnen und die
Wiedervereinigung der Mitten mit den Nachhuten fand etwa um 4 Uhr nachm.
statt. Wahrscheinlich war es die hchste Zeit fr das blaue Geschwader,
da Rupert eintraf. Tromp lste seine Melee, beide Flotten ordneten sich
und um 5 Uhr begann ein =neues Gefecht=, von dem die Quellen nur melden,
da es bis 7 Uhr sehr blutig gewesen sei.

=Ruyter= scheint um diese Zeit den Rckzug eingeleitet zu haben,
wahrscheinlich weil nun endlich die Franzosen herankamen und weil es
dunkel wurde, aber auch die Englnder brachen ab. Die hollndische Flotte
kreuzte am 22. August vor Texel und ankerte am 23. in See zwischen Texel
und Vlieland, um von hier aus die Einfahrten fr den erwarteten Convoi zu
decken. Ein sofort eingerichteter und ununterbrochen durchgefhrter
Aufklrungsdienst ergab whrend der nchsten Tage, da vom Feinde in
gefahrdrohender Nhe nichts zu sehen sei. =Die Verbndeten= hatten gleich
nach der Schlacht zur englischen Kste hinbergehalten, um ihre
schwerbeschdigten Schiffe in Sicherheit zu bringen. In dieser Schlacht
verlor keine Partei Schiffe, auer verbrauchten Brandern; die
Beschdigungen scheinen auf englischer Seite grer gewesen zu sein --
nach hollndischen Angaben waren hier 12 Schiffe entmastet, whrend nur 2
hollndische gezwungen waren, einzulaufen. Die Hollnder verloren die
Admirale Liefde und Sweers sowie 6 Kommandanten, die Englnder den
Admiral Spragge und 7 Kommandanten; der Offizier- und Mannschaftsverlust
war sonst auf englischer Seite wieder weit strker (nach hollndischen
Angaben etwa 2000 Tote und Verwundete); wiederum sprach wohl die
berfllung der Schiffe mit Landsoldaten hierbei mit.

Der =Sieg der Hollnder=, so glaube ich das Ergebnis dieser Schlacht
bezeichnen zu knnen, ist in erster Linie der Umsicht Ruyters und Bankers
einerseits, der schlechten Fhrung auf seiten der Gegner anderseits
zuzuschreiben. Wie allgemein blich, hatte Ruyter den Angriff so
angesetzt, da Geschwader auf Geschwader stie; wenn nun Bankers und
Tromp zunchst von ihrer Mitte abkamen, so war das dieses Mal natrlich,
es war hervorgerufen durch die Manver ihrer Gegner. Bankers erfllte
damit auch zugleich seinen Zweck, die Franzosen zu beschftigen; mit
Umsicht und zum allgemeinen Besten wute er aber abzubrechen und zur
Mitte zurckzukehren, als seine Lage gefhrlich wurde. Ruyter verstand es
dann, die erlangte bermacht auszunutzen. Auch Tromp ist dieses Mal wohl
zu entschuldigen, wenn er den angebotenen Nahkampf annahm; als er dies
tat, konnte er wohl kaum bersehen, da er sich dadurch dauernd von
Ruyter trennen wrde, spter war er zu hei engagiert, um abzubrechen.

Auf seiten der Verbndeten liegt die Sache ganz anders. Spragge lie
seinen Flottenchef weiter segeln, um, wie bereits gesagt, persnlichen
Ha oder Ehrgeiz zu befriedigen. Rupert beschwerte sich bitter ber ihn
und ebenso ber die Handlungsweise d'Estres'. Dieser warf dagegen Rupert
vor, durch sein Abhalten die Trennung herbeigefhrt zu haben. Es ist ja
auch richtig: Beabsichtigte der Flottenfhrer, durch solche Manver den
Feind von der Kste abzuziehen, so htte er es vorher den Geschwaderchefs
bekannt geben mssen.

D'=Estres' Verhalten= gab Anla zu vielen Berichten, Verhandlungen und
Untersuchungen,[200] deren Ergebnis ungefhr folgendes ist: Warum
trennte sich d'Estres? Er habe Anweisung gehabt, die Luvstellung zu
gewinnen; dies habe er mit seiner Spitzendivision erreicht. Der Fhrer
dieser aber, Martel, habe zu spt gewendet, zu spt von Luward
angegriffen und dadurch Bankers Durchbruch mglich gemacht. Hiergegen
wendet sich Martel schroff, da er seine Aufgabe ausgefhrt und den Gegner
zu dem verzweifelten Manver gezwungen habe, d'Estres' Aufgabe wre nun
gewesen, jenen dabei zu vernichten; ja, d'Estres habe von Anfang an die
Schwche des Feindes bersehen mssen, ihn (Martel) allein demselben
gegenberstellen und sich zu Rupert begeben knnen -- dies ein Vorwurf,
den auch Prinz Rupert erhob. Warum kam d'Estres spter nicht heran? Er
habe geglaubt, gut zu tun, wenn er sich die Luvstellung fr einen
spteren Kampf (am nchsten Tage?) mglichst sichere; das Signal Ruperts,
das ihn heranrief, habe er nicht verstanden. Er sagt, es sei
signalisiert: venir mouiller (ankern) dans les eaux de l'amiral; Rupert
sagt, das Signal habe bedeutet venir dans les eaux de l'amiral. Mglich,
da das Signal das erste bedeutete, da bei der Unvollkommenheit des
Signalsystems Rupert es zum Heranruf benutzte, und er hat wohl recht mit
der Behauptung, es wre nicht mizuverstehen gewesen; d'Estres kam ja
aber auch nicht zum Ankern heran! Im brigen behauptet dieser, er habe
nur etwa eine Stunde ausgebessert, dann aber Rupert erst am Abend
erreichen knnen, da dieser immer abgehalten habe; Bankers hat doch aber
die Mitten bald erreicht, und auerdem sagen die meisten Quellen (auch
franzsische), das franzsische Geschwader habe mehrere Stunden rangiert.
Es liegen doch wohl grobe Fehler d'Estres' vor; Martels Ausflle gegen
ihn waren derart, da dieser wegen derselben in die Bastille kam.

  [200] Sehr genau in Jal: du Quesne, Teil II, Seite 115.

Wiederum ging das Gercht, der franzsische Chef habe geheimen Befehl
gehabt, seine Flotte zu schonen, worauf wir spter zurckkommen werden;
anderseits geben =Personalnotizen ber d'Estres= vielleicht auch einige
Aufklrung:

  D'Estres war einer jener von der Armee bernommenen Offiziere, bis
  1668 Generalleutnant und gleich als Vizeadmiral angestellt, tchtig und
  tapfer, aber ohne jede seemnnische Erfahrung. Von den alten
  Seeoffizieren, vor denen er einrangiert, wurde er natrlich scheel
  angesehen, und dabei stie er sie durch hochmtiges Wesen vor den Kopf.
  So hatte ihm 1672 du Quesne weichen mssen, Martel hatte er gleich bei
  dessen Eintreffen im Juli 1673 durch Unterlassung zustehender
  Ehrenbezeugungen und spter durch den Tenor in schriftlichen Befehlen
  beleidigt. Er war ferner in bergroem Selbstbewutsein unzugnglich
  fr Ratschlge erfahrener Seeleute und mischte sich doch in technische
  Einzelheiten. Ein schlagendes Beispiel der Art sei gegeben, das auch
  ein Bild der Seegebruche dieser Zeit zeigt, ehe sich ein
  Seeoffizierkorps voll ausgebildet hat: 1678 strandete d'Estres mit
  allen 8 Schiffen seines Geschwaders in Westindien. Sein Flaggkapitn
  erzhlt darber: Mittags hatte der Admiral mit den Steuerleuten das
  Besteck in die Karte eingetragen. Als ich in die Kajte treten wollte,
  traf ich auf den weinend herauskommenden dritten Steuermann. Er sagte
  mir, er sei vom Admiral beschimpft, weil er mehr Abtrift angenommen
  habe als die anderen. Mir sagte dann der Admiral: der Lump lt mich
  einen Kurs laufen, der Teufel wei wohin. Naiv fgt der Flaggkapitn
  hinzu: Da ich nicht wute, wer recht habe, sagte ich nichts, um nicht
  einen gleichen Sturm auf mich zu laden. -- Einige Stunden spter ging
  das Geschwader auf einer Reihe von Felsen, den Avesinseln, verloren.

Einen =Sieg der Hollnder= knnen wir also die Schlacht nennen. Alle die
Umstnde, die nach den beiden Schlachten von Schooneveld zugunsten der
Hollnder sprachen, treten hier in =taktischer und strategischer
Beziehung= noch weit schrfer hervor: Die Verbndeten haben dieses Mal
das Feld geradezu gerumt, weder in der Nhe des Schlachtfeldes geankert,
noch eine Verfolgung auch nur scheinbar versucht; sie sind sofort nach
der englischen Kste gegangen, um ihre vielen beschdigten Schiffe in
Sicherheit zu bringen; ihr Mannschaftsverlust war wieder grer. Der
strategische Erfolg der Schlacht war noch bedeutender. Nicht nur war
wiederum die augenblickliche Gefahr einer Landung abgewendet, die
Verbndeten gaben vielmehr den Plan, von der Kste aus in den Landkrieg
einzugreifen, jetzt ganz auf. Wie wir gleich sehen werden, zeigten sich
ihre Flotten nicht mehr auf dem Meere, so waren auch die niederlndischen
Hfen dem Handel wieder geffnet; der ostindische Convoi kam glcklich
ein, einige Schiffe waren den Englndern im Atlantik (bei St. Helena) in
die Hnde gefallen. Der moralische Einflu des endgltigen Abschlagens
der verbndeten Flotten ging noch weiter, er fhrte zum Frieden mit
England; Knig Karl konnte das schon lange unpopulre Bndnis mit den
Franzosen nicht lnger aufrecht erhalten, nachdem diese sich in den Augen
seines Volkes als ungengende, unzuverlssige, wenn nicht sogar
verrterische Verbndete gezeigt hatten.

  Die groe Bedeutung, die diese letzte Schlacht haben wrde, war in
  Holland allgemein erkannt. Wie angeordnet, strmte das Volk in den
  Kirchen zusammen, als der Donner der Kanonen in Amsterdam und ganz
  Nordholland den Zusammensto der Flotten meldete, und wohl aus vollem
  Herzen stieg das Gebet um den Sieg des Vaterlandes und der gerechten
  Sache zum Himmel auf. Den Eindruck auf das englische Volk hatte
  Oranien vorausgesehen; als er am 12. August die Flotte besuchte, wies
  er die hheren Offiziere und die Besatzung des Flaggschiffes darauf
  hin, da noch ein Erfolg zur See den Frieden mit England und damit eine
  wichtige Wandlung im Kriege bringen wrde.

$Der kleine Krieg gegen den Handel und in den Kolonien$ war gleichfalls
zugunsten der Hollnder ausgefallen. Wir wissen, da sie den eigenen
Handel in den nrdlichen Gewssern verboten hatten; es wird ausdrcklich
gesagt im Kanal und Nordsee, die fernen Meere werden dieses Mal nicht
erwhnt. Die anfnglich untersagte =Kaperei= wurde im Herbst 1672
freigegeben und sofort lebhaft aufgenommen. Allein von Seeland, das wie
stets darin voranging, liefen gegen 100 Fahrzeuge aus; sie machten reiche
Beute, hatte sich doch der englische Handel in den letzten Jahren sehr
gehoben. Whrend der Indiensthaltung der groen Flotte im Sommer 1673
aufs neue verboten, wurde das Auslaufen der Kaper im Herbst auch wieder
erlaubt.

In =Indien= gelang es den Hollndern, den Fortschritten der Franzosen
wirksam entgegenzutreten. In =Westindien= griff 1673 ein kleines
Geschwader, freilich ohne dauernden Erfolg, englische und franzsische
Niederlassungen an. =New York= wurde den Englndern entrissen, diese
nahmen die damals noch unwichtige Insel Tabago; die beiden Eroberungen
wurden beim Friedensschlu zurckgegeben. Dagegen behielten die
Englnder =St. Helena= als wichtigen Sttzpunkt gegen die hollndische
Kapkolonie und fr den Weg nach Indien. Die Insel war ursprnglich von
Holland besetzt, fiel 1657 an England, wurde 1672 von Holland, aber schon
1673 wieder von England erobert (vgl. ber Kolonien auch Kapitel XII).

$Der weitere Verlauf des Krieges bis zum Frieden mit England$
(Westminster 19. Februar 1674) bringt keine wichtigen Ereignisse zur See
mehr. Die hollndische Flotte wurde schleunigst wieder schlagfertig
gemacht und whrend dieser Zeit der Feind stets beobachtet. Erkundungen
und Nachrichten von Kauffahrern ergaben, da die verbndete Flotte
infolge strmischen Wetters und Gegenwindes erst Anfang September in die
Themse eingelaufen sei, spter, da die englische Flotte abrste und die
franzsische nach ihren Hfen abgegangen wre. In Holland beabsichtigte
man zuerst, sobald als mglich in See zu gehen und den Convoi auf der
Doggerbank zu erwarten; als man dann aber vermutete, dieser sei mehr oder
weniger versprengt, wurde beschlossen, die Flotte vor die Themse zu
senden, um so die einzeln zurckkehrenden Indienfahrer besser schtzen zu
knnen und zugleich dem Gegner und Europa zu zeigen, da man schlagfertig
geblieben sei.

Ruyter ging am 12. September in See, aber bestndig strmisches Wetter
hinderte die Ausfhrung des Planes; die Flotte wurde mehrmals versprengt.
Am 22. September wurde sie aufgelst und der Winterdienst eingesetzt,
dagegen gab man jetzt die Kaperei frei. Die einlaufenden Kriegsschiffe
wurden mit Jubel und Ehren begrt; Ruyter und verschiedene Admirale
erhielten Dotationen. Die Marine hatte aber auch ihre Pflicht getan; der
=Landkrieg= mit Frankreich nahm jetzt eine andere Wendung, da die Truppen
von der Kste und auch Mannschaften von der Flotte frei wurden. Wenn er
auch noch vier Jahre dauern sollte, so waren doch die Niederlande bald
nicht mehr der Schauplatz.

  =Oranien eroberte= Naarden am Zuidersee (12. September); wie Muyden
  wichtig war zum Halten der durch die berschwemmung geschaffenen
  Defensivstellung, so war es Naarden zu Offensivunternehmungen, die
  jetzt von hier aus ins Werk gesetzt wurden. Die Franzosen hielten nicht
  lange mehr stand, sie waren auch sonst bedroht. Infolge ihres
  Auftretens im Deutschen Reich, Verletzung der Neutralitt in
  verschiedenen Gebieten, mute der Kaiser endlich Ernst machen und auch
  Spanien raffte sich auf; um noch rechtzeitig seine Niederlande vor der
  Eroberungspolitik Ludwigs XIV. zu sichern. Der =Kaiser= und =Spanien=
  schlossen am 30. August 1673 ein =Bndnis mit Holland=.

  Ludwig versuchte jetzt unter milderen Bedingungen mit der Republik
  Frieden zu schlieen und gab seine Plne hier vorlufig auf, um den
  Krieg mit dem Hause sterreich in Deutschland und Spanien durchfhren
  zu knnen; Holland weigerte sich.

  Montecuculi kam den Rhein herab, um Oranien die Hand zu reichen; dieser
  drang nach Belgien ein und vereinigte sich, durch ein spanisches Korps
  verstrkt, bei Andernach mit den sterreichern. Gemeinschaftlich
  eroberten sie Bonn (12. November) und mehrere Festungen am Unterrhein;
  sie drohten so, den Franzosen den Rckzug abzuschneiden. Ludwig XIV.
  gab deshalb auf Rat Turennes die gefhrliche vorgeschobene Stellung in
  den Niederlanden auf, seine Truppen rumten schleunigst die Provinzen
  Utrecht und Geldern -- nicht ohne diese noch grndlich zu
  brandschatzen; Marschall Luxembourg brachte nur mit Mhe seine Armee
  an Montecuculi und Oranien vorbei in Sicherheit. Auch die Bischfe
  rumten Oberyssel; =das Gebiet der Niederlande war frei vom Feinde=.

Der =Krieg mit England=, und damit der eigentliche Seekrieg, kam bald =zu
Ende=. Von Holland angeknpfte Verhandlungen wurden von Spanien
untersttzt. Dieses drohte bei weiterem Kriege sein friedliches
Verhltnis mit England abzubrechen; wenn man nun hier auch diesen Gegner
nicht hoch einschtzte, so frchtete man doch, da dadurch dann der
eigene blhende Handel mit Spanien den Niederlanden zufallen wrde. Aber
auch sonst war schon lnger, wie bereits angedeutet, die Volksstimmung
fr die Hollnder und gegen die Franzosen. Jene hatten sich als brave und
tchtige Gegner die Sympathie erworben, diese waren mindestens
unzuverlssige Verbndete gewesen; auerdem regte sich immer mehr der
protestantische Geist und das Mitrauen gegen den Knig und seine Partei
mit ihren Plnen hinsichtlich der inneren Politik. Endlich frchtete man
einen neuen Wettbewerb des Seehandels Frankreichs, dessen Aufblhen durch
zu groes Schwchen der Republik begnstigt werden wrde, mehr als den
alten mit Holland. Als Karl II. im Januar 1674 neue Mittel fr Rstungen
verlangte: nur um dadurch den Frieden schneller herbeizufhren,
erwiderte das Haus der Gemeinen einstimmig, es wrde nur dann Gelder
bewilligen, wenn Holland billige Friedensbedingungen ausschlge. In
Holland hatte man zwar fr das Jahr 1674 die Ausrstung einer sehr
starken Flotte -- 84 Schlachtschiffe ber 40 Kanonen usw. -- beschlossen,
was wohl auch einen Druck auf Beschleunigung der Verhandlungen ausben
sollte und auch ausbte, man war aber doch sehr zum Nachgeben bereit. So
mute auch Karl sich fgen und am 19. Februar 1674 wurde der =Frieden in
Westminster= geschlossen.

Wie viel Holland am Frieden lag, zeigen die =Bedingungen=, die immer noch
sehr gnstig fr England waren, wenn sie auch bei weitem nicht den von
Karl frher geforderten entsprachen: Holland mute auf fr England
vorteilhafte Vereinbarungen ber den Handel in Ostindien eingehen und die
whrend des Krieges wiedergenommene Kolonie New York (von nun ab fr
immer) zurckgeben; 2 Millionen Gulden an Karl zahlen und vor allem das
Flaggenrecht in ausgedehntem Mae anerkennen. Sogar die in England
geworbenen Regimenter blieben beim franzsischen Heere; sie wurden nur
auf den Aussterbe-Etat gesetzt, ihre Mannschaft durfte nicht weiter
ergnzt werden.

  =Das Flaggenrecht= wurde strenger und genauer festgesetzt. Der
  Flaggengru (Seite 229) wurde jetzt von allen hollndischen
  Kauffahrern, Kriegsschiffen und Flotten jedem englischen
  Kriegsfahrzeuge gegenber in den englischen Gewssern verlangt. Da der
  Umfang dieses Machtbereichs in den frheren Vertrgen unerrtert
  geblieben war, wurde er jetzt auf das uns bekannte weite Gebiet (Seite
  189) festgesetzt. Auch wurde jetzt besonders betont, da Holland damit
  Englands Vorherrschaft zur See anerkenne, whrend nach dem zweiten
  Kriege gesagt war, der Gru gelte der Majestt des Knigs.

So endete der fr lange Zeit letzte Krieg zwischen England und Holland.
Die Beziehungen der beiden hartnckigen Gegner wurden bald noch inniger
durch Abschlu eines Handelsvertrages (Dezember 1674) und durch die
Verheiratung =Wilhelms von Oranien= mit =Maria= von York, der ltesten
Tochter des spteren Knigs Jakob II. Infolge dieser Heirat wurde
Oranien, schon durch seine Mutter ein Enkel Karls II., neben Maria Knig
von England (1688).

  Mit dem Frieden zwischen England und Holland hrt der weitere Krieg
  Frankreichs und Hollands auf, ein groer Seekrieg zu sein. Diese beiden
  Lnder fhrten jetzt vorwiegend einen Landkrieg. Zusammenste zur See
  fanden fast nur in fernen Gewssern statt; sie sollen unter Kolonien
  (Kapitel XII) oder unter Nebenkriegen (im nchsten Kapitel;
  insbesondere Ruyters letztes Auftreten bei Stromboli und Agosta)
  angefhrt werden. Der weitere Krieg brachte aber England noch
  unmittelbar groe Vorteile, da ihm whrend seiner Dauer der europische
  Zwischenhandel Hollands grtenteils zufiel.

$Bemerkenswertes im dritten Kriege.$[201] Beim =Material= ist zwar keine
groe nderung in der Anzahl der Schiffe eingetreten, aber es sind doch
Fortschritte zu verzeichnen. Auf beiden Seiten hat sich die =Vertretung
der Klassen= in der Gesamtzahl der Schiffe nicht unbedeutend verschoben.
Die Hauptkraft der Englnder liegt jetzt in Schiffen von 50-60 Kanonen
und in den ganz schweren ber 80 Kanonen. Die alte berlegenheit der
englischen Flotte in ihrer Bestckung ist durch die Vermehrung dieser
schwersten Schiffe noch gewachsen, da diese auch das schwerste Kaliber
fhren, das Holland gar nicht besitzt. Die Hauptkraft der Hollnder liegt
in Schiffen von 60-70 Kanonen, die aber, wie wir wissen, artilleristisch
nicht viel mchtiger als englische 50-60 Kanonen-Schiffe sind; die
Franzosen haben bei der Grndung ihrer Marine besonders 60-70
Kanonen-Schiffe und solche ber 80 Kanonen gebaut -- diese letzteren
treten allerdings nicht auf. Wir rechnen zwar zu den Schlachtschiffen
noch immer alle Schiffe ber 40 Kanonen, aber die zu 40-50 Kanonen haben
bei Englndern und Hollndern in den Flotten sehr abgenommen, bei den
Franzosen sind sie berhaupt nicht vorhanden. Dagegen ist die Zahl der
Schiffe mit 20-40 Kanonen -- bei den Hollndern und Franzosen schon
ausdrcklich Fregatten genannt -- nicht zurckgegangen, die der noch
kleineren (in Holland Advisjachten genannt; von 1674 an werden statt
ihrer meist Snauwen erwhnt: Fahrzeuge mit 8 Kanonen, 36 Mann,
Kuttertakelage) ist sogar wesentlich gestiegen. Man ersieht daraus, das
einerseits von dem Schlachtschiff (Linienschiff) immer mehr Gefechtskraft
verlangt wird -- die Linie wird dadurch mchtiger und auch schon etwas
krzer --, da anderseits dem Aufklrungs- und Meldedienst mehr Wert
beigelegt wird.

  [201] Jurien de la Gravire sagt in einem seiner Werke: in den
        hollndisch-englischen Kriegen werden die stehenden Marinen
        geboren; Colomb fhrt aus, da erst in diesen Kriegen eine
        Kriegfhrung um die Beherrschung der See auftritt. In unseren
        Betrachtungen ber die Entwicklung der Seestreitkrfte und in den
        Schlubetrachtungen zu den ersten beiden Kriegen haben wir
        gesehen, wie zutreffend diese Aussprche sind; der dritte und
        letzte englisch-hollndische Krieg zeigt gleichfalls groe
        Fortschritte im Seekriegswesen.

Wir haben frher gesagt (Seite 168 u. 171), der Fortschritt in der
=Artillerie= lge in der Zeit des dritten Abschnittes mehr in der
planmigen Bestckung der Schiffe als in der Verbesserung der Waffe
selbst. Im dritten Kriege haben wir nun die auffallende Erscheinung, da
trotz schrfster Aktionen in nchster Nhe der Verlust an Schiffen weit
geringer ist als in den beiden ersten Kriegen; die Artillerie mu also
mit dem Fortschritt im =Schiffbau= nicht Schritt gehalten haben. Ein
Hauptfortschritt im Schiffbau ist in diesem Zeitabschnitt ja ebenfalls
die Durchfhrung einer Klasseneinteilung, aber die Schiffe selbst wurden
doch auch besser gebaut. Die Mglichkeit, taktische Manver besser
durchzufhren, spricht ferner fr grere Segelfhigkeit der Schiffe;
endlich ist es nicht unwahrscheinlich, da, wenn die Winterruhen noch
immer lange innegehalten werden, dieses mehr eine Folge alten Brauches
als der ungengenden Seefhigkeit der Schiffe ist.

Sehr bedeutend ist die Zahl der =Brander= gewachsen. Es werden grere
Angriffe mit dieser Waffe geplant (Solebay; erste Schlacht bei
Schooneveld), deren Erfolge allerdings durch die Umstnde vereitelt
werden. Es ist berhaupt bemerkenswert, da ihre Leistungen gegen den
zweiten Krieg zurcktreten; es ist den Schlachtschiffen leichter
geworden, ihnen auszuweichen und sie abzuschlagen (Seite 188).

ber die Bewertung des =Personals= zur Zeit dieses Krieges ist bereits
bei Betrachtung der Streitmittel (Seite 313 u. 317) gesprochen; das
Wichtigste wird in nachstehendem nochmals mit hervorgehoben werden.

Was nach dem zweiten Kriege ber den Fortschritt in der =Taktik= gesagt
ist, trifft in erhhtem Mae fr den dritten zu: das Bestreben, die
Kiellinie beim Winde aus Einzelschiffen zu bilden, diese Linie gut
geordnet und eng aufgeschlossen zu erhalten, die Geschwader zusammen zu
behalten und die ganze Flotte einheitlich zu leiten; die Melee wird
vermieden oder doch, wenn schon eingetreten, wieder entwirrt und die
Ordnung hergestellt, um dann zu neuem Kampfe berzugehen. Die Hollnder
sind jetzt in der Durchfhrung dieser Grundstze, in der
Gefechtsdisziplin berhaupt, den Englndern gleichwertig, ja berlegen;
wenn in den Schlachten getrennte Geschwaderkmpfe eintreten, so ist es
bis auf einen Fall (Tromp, 7. Juni 1673) die Schuld der Geschwaderchefs
der Verbndeten (Solebay, Texel). Dieser Fortschritt auf seiten der
Hollnder ist unbedingt das =Verdienst Ruyters=; er gebot ja auch von
allen Fhrern dieser Zeit ber die grte Erfahrung. Von Jugend auf als
Seemann erzogen und durch alle Dienstgrade gelaufen, war er stets im
Kriegsdienste ttig gewesen und hatte die ganze Entwicklung der bis jetzt
geschaffenen Taktik in den letzten Kriegen als Divisions-, Geschwader-
und Flottenchef durchgemacht. So ist denn =Ruyters Taktik= als der
hchste Stand der Taktik jener Zeit anzusehen, und es ist wohl wert, ihre
Hauptgrundstze nochmals hervorzuheben. Ruyter bringt seine Flotte nicht
mehr ungestm nur zum Schlagen an den Feind; er bereitet seine Schlachten
bedchtig vor und fhrt sie dann planmig und doch energisch durch; der
berfall bei Solebay und die drei rangierten Schlachten des Jahres 1673
liefern gleichmig die Beweise hiervon.

  Der berfall bei Solebay glckte infolge guter Beobachtung des Feindes
  und vorzglicher taktischer Navigierung, er wrde unter gnstigeren
  Windverhltnissen noch weit verhngnisvoller fr den Feind geworden
  sein; dadurch, da Ruyter die Franzosen nur beschftigte, war er
  imstande, dem gefhrlicheren Gegner krftig entgegenzutreten.

  In der ersten Schlacht bei Schooneveld wartet Ruyter kampfbereit den
  Angriff ab und benutzt dann einen gnstigen Augenblick zum
  energischsten Gegensto auf den weit berlegenen Feind. Mit seinem
  eigenen Geschwader den Franzosen gegenber erfolgreich, ntzt er dies
  nicht aus, sondern entsetzt nacheinander seine beiden weniger
  glcklichen Geschwader, ordnet die Flotte wieder, bricht ab, als er
  seinen Zweck erreicht hat und -- seinem strategischen Plane
  entsprechend -- nichts mehr aufs Spiel setzen will. In der zweiten
  Schlacht bei Schooneveld greift er unter den gnstigeren Verhltnissen
  und berraschend an. Die Art, wie der Feind den Angriff aufnimmt --
  unter bestndigem Ausweichen -- wrde in frheren Zeiten sicher zu
  einer Lockerung der hollndischen Ordnung gefhrt haben. Ruyter aber
  hlt jetzt die Flotte zusammen, bricht wieder ab, als es ihm passend
  erscheint, bleibt aber vllig kampfbereit. Mglich sogar, da er
  berhaupt nicht entscheidend kmpfen wollte, um seine Flotte unversehrt
  zu erhalten; er erreichte dennoch seinen strategischen Zweck.

  Die Schlacht bei Texel ist sein Meisterstck zu nennen. Hier bentzt er
  seine Stellung unter der eigenen Kste nicht nur, wie vor dem Eintreten
  in die vorhergegangenen Schlachten, zum Schutz, sondern auch dazu, den
  Feind auszumanvrieren und dann aus gnstiger Windstellung anzugreifen.
  Wieder beschftigt er nur durch Bankers die Franzosen, erringt selbst
  durch Abschneiden eines feindlichen Teiles groen Erfolg und bricht
  endlich wiederum in vollster Ordnung ab, als er seinen Zweck erreicht
  hat.

  Gleich hier sei hingewiesen auf Ruyters letztes Auftreten im
  Mittelmeer. Dort liefert er uns noch ein fr die Geschichte der
  Seetaktik hchst bemerkenswertes Beispiel (vgl. Seite 378/79).

Untersttzt wurde Ruyter bei der Durchfhrung seiner Taktik dadurch, da
die Unterfhrer und Kommandanten in diesem Kriege seinen Befehlen und
Absichten folgten. Aber auch dies ist ein Verdienst seiner Erziehung und
seines Vorbildes; er hatte fr Strkung der Disziplin und Einbrgerung
eines gesunden militrischen Geistes in der hollndischen Marine gesorgt.
Sein vorgeschrittener militrischer Standpunkt ist schlielich noch
daraus zu erkennen, da er bei der Indienststellung 1673 lieber weniger,
aber gute Schiffe haben wollte.

Begnstigt wurden seine Erfolge allerdings durch die =Fehler der
feindlichen Fhrer= und durch den schlechteren Zustand der verbndeten
Flotten in mancher Hinsicht; diese Fehler und Mngel, sowie ihre
wahrscheinlichen Ursachen haben wir bei den Schilderungen bereits
gengend hervorgehoben. Gefochten haben die Englnder mit ihrer alten
Bravour, wie die Hollnder es frher getan, als sie im inneren Wert und
in der Taktik unterlegen waren. Die Gegner hatten eben die Rollen
gewechselt; York und Rupert, sonst schneidige Mnner und tchtige
Seeleute, waren keine Blakes, Moncks und Ruyters, der innere Wert der
englischen Marine war gesunken, der der hollndischen gestiegen -- diese
stand 1673 auf ihrem Hhepunkt.

Es fhrt uns dies nochmals auf das =Verhalten der Franzosen=, auf den
allgemein verbreiteten Verdacht, da d'Estres seine Flotte auf Befehl
geschont habe. Beweise dafr sind nicht vorhanden. Etwaige Befehle
mten streng geheim gewesen und vernichtet sein; die vorhandenen weisen
im Gegenteil alle auf tapferes Fechten hin.

  Es ist ja mglich, da Ludwig XIV. im Jahre 1673 dem Bndnis mit
  England nicht mehr recht traute; von verschiedenen Seiten ging ihm die
  Warnung zu, da in England nur noch der Knig und sein Hof daran
  hingen. Aber immer bleibt es schwer, anzunehmen, da ein Kriegsherr
  seinem Admiral und seiner Flotte zumuten knnte, eine solche Rolle zu
  spielen. Jedoch sagt selbst ein franzsischer Autor (Troude), in der
  Untersuchung des Streites d'Estres' gegen Martel habe jener zu
  verstehen gegeben, da der Knig gewnscht habe, seine Flotte erhalten
  zu sehen und den Englndern nicht zu sehr zu trauen. Wie volkstmlich
  diese Ansicht war, zeigt ein Gesprch hollndischer Matrosen. Als
  einige dieser bei Texel ihre Verwunderung aussprachen, da die
  Franzosen den Englndern nicht zu Hilfe kamen, sagt ein anderer: Ihr
  Narren! Sie haben die Englnder geheuert, fr sie zu fechten; ihr
  ganzes Geschft hier ist, zu sehen, da sie auf ihre Kosten kommen.

Die franzsischen Schriftsteller, die die Ausgabe solcher Geheimbefehle
bestreiten, schieben das eigentmliche Verhalten ihrer Flotte in beiden
Jahren auf die mangelnde Erfahrung ihrer Offiziere im Flotten- und
Geschwaderkampf, insbesondere auf die Unfhigkeit d'Estres' in dieser
Hinsicht und auf seine Unzugnglichkeit fr Ratschlge erfahrenerer
Untergebener. Dem sei nun wie ihm wolle, immerhin werden wir auf zwei
wichtige Punkte hingewiesen; zunchst auf ein =neues Verdienst Ruyters=.
Im Bericht ber die mehrfach erwhnte Untersuchung gegen Martel sagt der
Intendant von Brest: Man konnte glauben, da Ruyter sich in allen diesen
Schlachten nie die Mhe gab, das franzsische Geschwader anzugreifen, und
da er bei Texel 10 Schiffe lediglich zu dessen Beschftigung abgeschickt
habe. Ruyter hat dann also diesen Gegner richtig eingeschtzt, dessen
Untchtigkeit oder Unzuverlssigkeit erkannt und seinen Nutzen daraus
gezogen; eine wichtige Eigenschaft fr einen hheren Fhrer.

Das Benehmen der Franzosen deckt ferner eine $Schwche der Bndnisse$
auf. Augenblickliche politische Interessen knnen zwei Staaten zu
Verbndeten in einem Kriege machen. Dabei kann aber bei ihnen eine fr
die Waffenbrderschaft gefhrliche Abneigung gegeneinander bestehen, und
es kann politische Eifersucht dahin fhren, da einer von ihnen die
vllige Niederwerfung des gemeinschaftlichen Gegners sowie zu groe
Erfolge seines Verbndeten gar nicht wnscht. Man ist also nicht sicher,
ob und wie weit der Bundesgenosse dasselbe Ziel -- in der Schlacht wie im
Kriege berhaupt -- verfolgt, ob er bereit ist, das Gleiche einzusetzen.
Es ist dieses in erster Linie ein Punkt politischer, also gewissermaen
strategischer Natur und den Bndnissen fr Land- wie fr Seekriege in
gleicher Weise eigentmlich.

Den =Bndnissen zur See= haftet aber noch eine andere Schwche in
taktischer Beziehung an. Wenn in einer Landschlacht verbndete
Streitkrfte auftreten, so spielen die Verschiedenheit und ein ungleicher
Grad der Ausbildung, die Schwierigkeit gegenseitiger Verstndigung keine
so groe Rolle wie zur See; den verschiedenen Truppenkrpern knnen
verschiedene Aufgaben, wenn auch unter gemeinschaftlichem Oberbefehl und
aneinander anlehnend, gestellt werden; sie schlagen dann bis zu einem
gewissen Grade getrennte Schlachten. Anders zur See; strategisch knnen
natrlich verbndete Flotten auch hier miteinander arbeiten, taktisch
kaum. Hier ist, bei der Schlacht im offenen Meere wenigstens, nur ein
Schlachtfeld; die ganze Streitmacht mu in einer Hand bleiben, kann
taktisch nur gemeinsam verwendet werden. Da werden sich Verschiedenheit
in Art und Stand der Ausbildung und in formaler Taktik, die Schwierigkeit
der Befehlsbermittlung durch ein bisher nicht gemeinschaftliches
Signalsystem, der Mangel am gemeinsamen ben taktischer Bewegungen sehr
fhlbar machen; die vorhin angefhrten gefhrlichen Einflsse moralischer
oder politischer Natur werden gleichfalls schwerer wiegend einwirken. --
Der zweite und der dritte englisch-hollndische Krieg lassen die Schwche
von Bndnissen zur See in allen diesen Hinsichten klar erkennen.

$ber Strategie.$[202] Im ersten hollndisch-englischen Kriege griffen
die Englnder den hollndischen Handel an; zunchst, indem sie den
Convois auflauerten, spter als der Gegner erlahmte, indem sie schon
seine Ksten blockierten; die Schlachten entspannen sich um Convois oder
bei den Versuchen, fr diese den Weg freizumachen. Im zweiten Kriege
hatten die Hollnder den Handel gnzlich eingestellt, da sie die
Unmglichkeit, ihn gengend zu schtzen, erkannt hatten. Das Bestreben
beider Parteien ging dahin, die Seeherrschaft zu erringen; erst wenn dies
gelungen -- sei es durch siegreiche Schlachten, sei es durch freiwillige
Aufgabe seitens des Gegners --, suchte man den Feind durch grere
Angriffe auf Handel oder Kstenpltze und durch Blockaden zu schdigen.
Im dritten Kriege aber beabsichtigten die Verbndeten, den Feind, der zu
Lande von allen Seiten bedroht war, auch von seiner Kste her mit groer
Truppenmacht anzugreifen. Die Durchfhrung dieser Absicht war einerseits
fr die Angreifer viel schwieriger, der Angegriffene anderseits sah sich
in weit grerem Mae bedroht als in den frheren Kriegen; der Kampf um
die Herrschaft auf den trennenden Gewssern war deshalb noch wichtiger
als bisher. Die Seestreitkrfte der Verbndeten hatten den Weg ber See
zur sicheren berfhrung und ungestrten Landung der Invasionsarmee
vllig und dauernd freizumachen; die Hollnder, infolge ihrer schwcheren
Flotte in die Defensive gedrngt, muten dahin streben, bei aller Energie
im Kampfe um die Seeherrschaft doch ihre Seestreitkrfte mglichst
unversehrt zu erhalten, um sie stets im uersten Falle -- bei der
Landung -- noch mit Erfolg einsetzen zu knnen.

  [202] Anschlieend an Seite 231 und Seite 300. Plan des
        Kriegsschauplatzes Seite 301. -- Colomb bespricht (Kapitel IV)
        den Krieg nach folgender Disposition: die Erfahrung hat gelehrt,
        da der grere Handel von einer dem Gegner nur gleichen Flotte
        nicht geschtzt werden kann; Holland verbietet wieder den Handel,
        bis eine grere Strke erreicht ist. Der unmittelbare Kampf um
        die Seeherrschaft wird bei Solebay wieder aufgenommen. Es ist
        unntz, Landungen vorzubereiten, ehe die feindliche Flotte
        vertrieben ist; das Einschiffen von Truppen seitens der
        Verbndeten war nutzlos.

Der Strategie auf beiden Seiten war also eine bedeutende Aufgabe
gestellt. Diese wurde von der hollndischen Marine trotz der sonstigen
Schwierigkeiten, mit der sie zu kmpfen hatte, glnzend gelst, wie denn
die hollndische Kriegfhrung berhaupt die einsichtsvollere war. Um eine
grere Armee sicher an der feindlichen Kste zu landen, war es fr die
Angreifer ntig, die feindliche Flotte unschdlich zu machen; es war dies
mglich: durch Abziehen derselben von der Kste; durch Festhalten an
einem Punkte; durch Vernichtung. Es ist nichts davon gelungen. Der Feind
lie sich nicht weglocken, obgleich der Versuch dazu in beiden
Kriegsjahren gemacht wurde; er lie sich auch nicht verleiten, unter
ungnstigen Umstnden zu fechten; ihn trotzdem zu vernichten, war die
Kriegfhrung der Angreifer nicht energisch genug, und, ihn an einem Orte
dauernd festzuhalten, waren sie nicht stark genug. Diese beiden letzten
Punkte sind die wichtigen bei Beurteilung der =Kriegfhrung seitens der
Verbndeten=, denn sie lagen in ihrer Hand; sie hngen auerdem eng
miteinander zusammen.

Von den vereinigten Mchten mu man annehmen, da sie imstande gewesen,
bedeutend strkere Seestreitkrfte aufzustellen. Die englische Flotte
allein htte der Hollands berlegen sein knnen; aber sie war
vernachlssigt, und man benutzte hier die Bundesgenossenschaft
Frankreichs nicht zur Erlangung einer wuchtigen bermacht, sondern zum
Sparen an Rstungen. Auch Frankreich besa schon im Material eine gleich
starke Marine, aber sie war entweder noch nicht schlagfertig, oder man
hatte andere Grnde, ihre Kraft nicht voll zu entfalten; vielleicht
sprach beides zusammen.

  Ich verweise hierbei auf das, was Seite 356 ber die =Schwche von
  Bndnissen= gesagt ist. Ein Beweis, da England (der Knig) die
  Bundesgenossenschaft Frankreichs zum Sparen an den eigenen Rstungen
  benutzte, drfte darin zu finden sein, da Holland mit diesem Umstande
  rechnete: Es fate den Beschlu zu greren Rstungen 1673 geheim, um
  England zu verleiten, auch weniger zu rsten. England berschtzte dann
  den Wert des Bndnisses, anstatt sich auf eigene Kraft zu verlassen.

  Die anderen Grnde, weshalb Frankreich nicht strker zur See auftrat,
  sind dagegen Beispiele zu der Behauptung von der Schwche der Bndnisse
  in politischer und strategischer Hinsicht; man wollte die eigene Flotte
  schonen, die beiden Nebenbuhler um die Seeherrschaft im groen Sinne
  sich gegenseitig schwchen lassen.

Wenn nun von Seiten der Verbndeten die Rstungen nicht bis zum hchsten
Mae betrieben wurden, so lt dies darauf schlieen, da man den Feind
oder die Schwierigkeit der Aufgabe unterschtzte. Mit einer gemeinsamen
Flotte noch einmal so stark als die hollndische htte man versuchen
knnen, den Feind festzuhalten und dennoch gleichzeitig die Truppen unter
gengender Bedeckung hinberzufhren und zu landen; nach der
notgedrungenen Herabsetzung der hollndischen Flotte im Juli 1672 wren
die Verbndeten aber imstande gewesen, mit einer noch weit bedeutenderen
bermacht aufzutreten. Infolge der ungengenden Rstungen aber war es
notwendig, als ein Ablocken von der Kste nicht gelang, sogar das
Blockieren der feindlichen Flotte aufzugeben, um sie durch
Demonstrationen an anderen Orten wenigstens zum Verlassen ihrer sicheren
Stellung und zum Folgen lngs der Kste zu zwingen (1673).

  Eine Unterschtzung der Schwierigkeit der Aufgabe ist auch darin zu
  erkennen, da man Juni 1673 und, trotz bler Erfahrung, auch im Juli
  die Flotte selbst mit Anbordnahme von Landungstruppen belstigte. Es
  erinnert dies an die alte Kriegfhrung -- handstreichartige Einflle in
  Feindesland ohne hheren Zweck als Brandschatzung --, whrend Holland
  schon bei seinem Zuge 1667 gegen Themse und Medway die zur Landung
  bestimmten Truppen nur auf besonderen Fahrzeugen einschiffte.

Tatkraft vermit man aber auch bei der Kriegfhrung selbst. In beiden
Jahren zeigt sich, da man mit Recht eine Landung fr untunlich hielt,
solange die feindliche Flotte unversehrt an der Kste stand. Dachte man
nun ernstlich an eine Landung, so mute auch schrfer vorgegangen werden,
sobald sich gezeigt hatte, da sich der Feind nicht zum Schlagen von der
Kste abziehen lie. Aber nur einmal (Schooneveld, 7. Juni 1673) ist der
Versuch gemacht, diesen in seiner geschtzten Stellung anzugreifen; nach
dem Fehlschlagen wird der Versuch nicht etwa gleich wiederholt, man lt
sich sogar selbst berraschen (Schooneveld, 14. Juni). Mangel an Energie
zeigt sich endlich darin, da die verbndeten Flotten in beiden Jahren
erst spt auftraten und nach Mierfolgen stets lngere Zeit, endlich
sogar ganz, von der See verschwanden; die wahrscheinlichen Grnde hierfr
sind im Laufe der Schilderung des Krieges angefhrt.

=Die Kriegfhrung der Hollnder= zeigt sich in einem ganz anderen Lichte;
sie ist weit tatkrftiger und dabei planmig whrend des ganzen Krieges.
Durch alle Verhltnisse zur Defensive gezwungen, verlieren doch die
Leiter -- de Witt und Ruyter; Oranien und Ruyter -- nicht aus dem Auge,
welche Vorteile zuvorkommende Offensivste haben knnen.

Im Jahre 1672 wird versucht, die Ausrstung der Englnder in ihren Hfen
zu stren oder sie wenigstens vor ihrer Vereinigung mit den Franzosen zu
schlagen, spter beabsichtigt man, hnlich wie im letzten Kriege gegen
die Themse vorzugehen; 1673 will man die Themse durch versenkte Schiffe
sperren. Alle diese, strategisch so richtigen Plne konnten leider nicht
durchgefhrt werden, da die Flotte nicht rechtzeitig fertig wurde; auch
den grten Bemhungen der leitenden Personen war es nicht gelungen, die
Schwierigkeiten zu berwinden, die sich infolge des Mangels an
Zentralisation in der Marineverwaltung und des Streites der Parteien im
Lande einer schnelleren Ausrstung entgegenstellten.

  Ein glcklicher Schlag 1672 gegen die englische Flotte in ihren
  Gewssern vor Ankunft der Franzosen wrde wahrscheinlich den Verlauf
  des ganzen Krieges wesentlich beeinflut haben, wenn man nach seiner
  spteren Geschichte urteilen darf: England wre wohl frhzeitig zum
  Frieden geneigt gewesen; Frankreich htte dann allein zur See kaum
  etwas unternommen, wie wir es nach 1674 sehen werden; Holland htte
  alle Mittel fr den Landkrieg frei, die Ksten und damit seine
  Lebenskraftquelle offen gehabt.

Aber der Wachsamkeit, der Umsicht und der Tatkraft Ruyters gelingt es
doch, im Jahre 1672 den Feind bei Solebay zu berraschen und dadurch
Holland zur Zeit der hchsten Not von der Gefahr einer Landung zu
befreien.

Nach den Offensivsten fhrt dann in beiden Jahren Ruyter meisterhaft
eine offensive Kstenverteidigung durch. Den Feind scharf beobachtend,
liegt er an seiner Kste auf Wassertiefen, in denen dieser ihn nicht
anzugreifen wagt; er lt sich nicht herauslocken, bricht aber hervor,
sobald die Umstnde gnstig sind. Im Jahre 1672 gengt seine
Anwesenheit, den Feind von ernsten Unternehmungen gegen die Kste
abzuhalten, obgleich Holland gentigt war, seine Flotte zu vermindern, um
Mannschaften und Kriegsmaterial fr den Landkrieg freizumachen.
Frhzeitig gehen die Verbndeten in englische Hfen zurck und Ruyter
gelingt es, einen Convoi Ostindienfahrer aus der Nordsee heimzuholen. Im
Jahre 1673 vertreibt er, rechtzeitig von seinem Sttzpunkte aus
vorbrechend, durch die Schlachten bei Schooneveld den Feind von den
Ksten; er folgt aber nie weiter, als sein Plan, die flacheren Gewsser
taktisch und strategisch auszunutzen, erlaubt.

  Da er diesen Plan fr den einzig richtigen hielt, zeigt sich auch
  sonst bei verschiedenen Gelegenheiten: Nur auf Drngen de Witts
  unternimmt er 1672 noch nach der Vereinigung der feindlichen Flotten
  den Vorsto in die Themse; er setzt dabei aber nicht die ganze Flotte,
  sondern nur ein kleines Geschwader unter Ghent ein. Ebenso fanden auch
  die Vorschlge -- November 1672 und Ende Juni 1673; wahrscheinlich von
  Befehlshabern der Armee ausgegangen --, gegen einen franzsischen Hafen
  zu operieren, nicht seine Zustimmung.

Stets geht Ruyters Bestreben dahin, die Flotte zum unmittelbaren Schutz
der Kste unversehrt zu halten. Selbst als im Juli 1673 die Gefahr einer
Landung sehr ernst wird -- eine Armee steht in England bereit -- will
er nur schlagen, wenn diese wirklich ausgefhrt werden sollte; sein
schlagfertiges Bereitliegen lt Zeit gewinnen, die Ksten in
Verteidigungszustand zu setzen. Erst als es sich gleichzeitig darum
handelt, die Kste fr das Einlaufen des groen Convois -- wichtig fr
die Weiterfhrung des Krieges -- freizumachen, ist er bereit, die Flotte
einzusetzen. Er fhrt diese nun mit grter Vorsicht heran, benutzt
meisterhaft die taktischen Vorteile, die ihm seine Stellung unter der
Kste bietet, und vertreibt durch die Schlacht bei Texel den Feind
endgltig von der See.

Einen weiteren Fortschritt in der Kriegfhrung der Hollnder, der
wesentlich zur erfolgreichen Durchfhrung ihrer Strategie beitrug, zeigt
der =vervollkommnete Aufklrungsdienst= (brigens auch von den Englndern
mehr als bisher gepflegt). Durch Agenten und Erkundungen ist man ber den
Stand der feindlichen Rstungen unterrichtet; whrend des ganzen Krieges,
besonders auch gleich nach jeder Schlacht, sind Aufklrungsschiffe oder
kleinere Geschwader am Feinde, um seine Bewegungen zu beobachten. Die
Hollnder waren so vor berraschungen sicher, konnten selbst berraschend
auftreten (Schooneveld II; Solebay) und waren imstande, Demonstrationen
an der feindlichen Kste zu unternehmen, wenn der Gegner die See gerumt
hatte. Diese Beunruhigungen sowie der Beschlu zur Ausrstung einer sehr
starken Flotte fr 1674, obgleich schon Friedensunterhandlungen mit
England schwebten, zeigen auch die energischere Kriegfhrung des
schwcheren Hollands und haben zur Beschleunigung des Friedensschlusses
beigetragen.

Auch =im kleinen Kriege= war Holland im Vorteil. Sein Handel war in
Gewssern, in denen er gefhrdet war, eingestellt; seine Kaper machten
reiche Beute. Da in beiden Jahren die wertvollen Ostindienconvois nach
siegreichen Schlachten glcklich einkamen, ist ein lehrreicher Beitrag
zur Beurteilung des Kreuzerkrieges (vgl. Seite 305).

$Eine Zusammenstellung der Hauptereignisse$ mge vorstehende
Betrachtungen belegen und nochmals veranschaulichen, in welcher
ruhmreichen und wirkungsvollen Weise die hollndische Marine unter
schwierigen Verhltnissen in den Krieg eingegriffen hat:

  Frhjahr $1672$ Krieg mit Frankreich und England unvermeidlich, dennoch
  nur die Indienststellung von 40 Schiffen beschlossen. 23. Mrz greifen
  die Englnder den Smyrnaconvoi an; nun Ausrstung von 96 Schiffen
  angeordnet, aber die Ausfhrung, auer in der Provinz Holland,
  saumselig; 7. April Kriegserklrung.

  15. Mai Ruyter an der englischen Kste; zurck, da die feindlichen
  Flotten schon vereinigt; 23. Mai Ruyter vor der Themse; nach Ghents
  Vorsto, auf Wunsch de Witts unternommen, zurck. 29.-31. Mai
  vergebliche Versuche der Verbndeten, die hollndische Flotte von ihren
  Ksten abzuziehen.

  7. Juni berrascht Ruyter (75 Schiffe) den Feind (87 Schiffe) bei
  Solebay und geht unverfolgt zurck: hierdurch die Gefahr einer Landung
  in Holland zur Zeit der hchsten Not abgewehrt. Die Flotte, auf 59
  Segel herabgesetzt, wird an der Kste gehalten; die Verbndeten,
  13.-20. Juli in Sicht, wagen keine Landung, werden durch Sturm
  zerstreut und rumen fr dieses Jahr die See. Ruyter holt den
  Indienconvoi ein; Kaper in Ttigkeit.

  Zu Lande im Juli die Deiche durchstochen, um die Provinz Holland zu
  halten. Brandenburg und sterreich schreiten ein und die Niederlande
  erhalten Luft; Luxembourgs Einfall im Dezember schlgt fehl.

  $1673$ Brandenburg und sterreich treten zurck, die Niederlande aufs
  neue arg bedrngt; wiederum droht eine Landung. 10. Mai versucht
  Ruyter, die Themse zu sperren; durch Prinz Ruperts Tatkraft vereitelt.
  29. Mai verbndete Flotten vereinigt, haben Truppen an Bord und weitere
  stehen bereit; sie erscheinen 1. Juli an der hollndischen Kste (91
  Schiffe). Am 7. Juli ihr Angriff mit Brandern bei Schooneveld (erste
  Schlacht) durch Ruyter (64 Schiffe) abgeschlagen; 14. Juni greift
  Ruyter berraschend an (zweite Schlacht), die Verbndeten laufen in die
  Themse ein.

  3.-13. Juli Ruyter vor der Themse, dann in seiner Defensivstellung. Die
  Verbndeten erscheinen Ende Juli: Truppen an Bord, eine Armee zur
  berfhrung bereit; sie versuchen am 31. August und 1. September
  vergeblich, die hollndische Flotte in den Kanal zu ziehen und bedrohen
  dann die Ksten (90 Schiffe). Ruyter (75 Schiffe) geht zum Angriff vor,
  um dem Indienconvoi die Einfahrt frei zu machen. 21. August sein Sieg
  bei Texel: Verbndete zur Themse, Franzosen bald nach Brest; sie geben
  den Landungsplan endgltig auf. Ruyter zu Demonstrationen in See, der
  Convoi luft glcklich ein.

  19. Februar 1674 Frieden mit England.

  Holland ist zur See frei und kann mit Spanien und sterreich zur
  Offensive bergehen; der weitere Landkrieg wird auerhalb der
  Niederlande gefhrt.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                           Siebentes Kapitel.

                         Nebenkriege 1674-1688.

  $Der franzsisch-hollndische Krieg 1674-1678. Der schwedisch-dnische
  Krieg 1675-1679. Kmpfe gegen die Barbaresken. Die Franzosen vor Genua
                                 1684.$

Nach dem Frieden von Westminster setzte Holland mit Spanien und
sterreich verbndet den Kampf mit Frankreich fort. Durch die Parteinahme
anderer Mchte -- das Reich, Brandenburg, Schweden, Dnemark -- wird der
Krieg fast zu einem europischen und bringt uns, wenn auch die
Kriegfhrung zur See nicht mehr die Rolle wie bisher spielt, zwei
wichtige Nebenkriege.

  Der weitere Verlauf dieses Krieges -- $der zweite Eroberungskrieg
  Ludwigs XIV$. $1672-1678$ --, von uns bis Ende 1673 (zuletzt Seite 351)
  verfolgt, sei hier zusammengefat. Zunchst schlo sich (1674) der
  =Groe Kurfrst= wieder dem Kaiser an, als sterreich wirklich Ernst
  machte, und auch das Reich erklrte den Krieg, nachdem Ludwig XIV. das
  Bistum Trier berfallen hatte; die Bischfe von Mnster und Kln, vom
  Reiche und sterreich bedroht, schlossen Frieden mit Holland und traten
  zu den Gegnern Frankreichs.

  Nun stellte =Ludwig= 4 Armeen auf: die erste unter =Cond= gegen
  Holland und die spanischen Niederlande; die zweite unter =Turenne=
  gegen sterreich und Brandenburg am Oberrhein; mit der dritten
  bemchtigte er selbst sich der Franche-Comt; die vierte unter
  =Schomberg= schtzte die Provinz Roussillon gegen Spanien. Auf den
  verschiedenen Kriegsschaupltzen wurde mit wechselndem Glck gefochten.
  Im allgemeinen lag der Erfolg auf seiten Frankreichs -- jetzt schon
  unter schrecklicher Verwstung der deutschen Lande --, besonders als
  der Groe Kurfrst (1675) durch den Einfall der Schweden gezwungen
  wurde, vom Rhein nach der Mark zurckzukehren (Fehrbellin).

  =Schweden= hatte sich mit Frankreich verbndet, in der Hoffnung, so den
  verlorenen Einflu in Deutschland wieder zu gewinnen; nun aber trat
  =Dnemark= auf die Seite Brandenburgs, um womglich seine an Schweden
  verlorenen Provinzen (Seite 240) zurckzuerhalten. Der Krieg zwischen
  Schweden und Dnemark -- dieses durch eine hollndische Flotte
  untersttzt -- wurde auch wesentlich zur See ausgefochten.

  Wenn nun auch Dnemark und Brandenburg Erfolge Schweden gegenber
  erzielten (Eroberung Pommerns; Einfall in Schonen; Niederbruch der
  schwedischen Flotte), so blieben doch sterreich und das Reich am Rhein
  im Nachteil, Oranien konnte nur eben Holland verteidigen und Spanien
  war zu schwach, Frankreich ernstlich anzugreifen oder selbst nur seine
  Niederlande zu schtzen. =Spanien= mute gleichzeitig gegen einen
  =Aufstand in Sicilien= kmpfen, der von Frankreich durch die Flotte und
  Landtruppen untersttzt wurde, hier traten hollndische Seestreitkrfte
  fr Spanien ein; dem Kaiser hatte Ludwig einen neuen Feind in den
  Trken geschaffen, die in Ungarn angriffen. Schlielich kam hinzu, da
  der Kaiser eiferschtig und argwhnisch auf den Erfolg Brandenburgs
  sah. Anstatt im engsten Bunde mit ihm ganz Deutschland in den Kampf zu
  rufen, um Franzosen, Schweden und Trken zurckzuschlagen, schlo er
  den Frieden von Nymwegen (1678). Holland trat diesem bei, da ihm
  Frankreich gnstige Bedingungen stellte; es war durch den langen Krieg
  erschpft. Ludwig XIV. war ebenfalls zum Frieden geneigt; auch sein
  Land hatte schwer gelitten, und seit Anfang 1678 drohte =England=, sich
  zu den Gegnern zu gesellen. Karl II. hatte auf Drngen des Parlaments
  ein Offensiv- und Defensiv-Bndnis mit Holland schlieen und seine
  Regimenter vom franzsischen Heere zurckziehen mssen; er rstete nun
  sogar gegen Frankreich. Die englische Nation sah, neben anderen
  Eifersuchtsgrnden, da die franzsische Marine der eigenen berlegen
  geworden war. Ludwig frchtete nun zwar die Englnder zu Lande nicht,
  aber zur See fhlte er sich doch den vereinigten Seemchten nicht
  gewachsen. Er rumte deshalb Sicilien, verdoppelte aber seine Angriffe
  gegen die spanischen Niederlande. Bisher hatte er diese wegen der
  englischen Empfindlichkeit in Hinsicht auf die belgische Kste
  geschont; jetzt brauchte er hierauf keine Rcksicht mehr zu nehmen und
  bedrohte nun Holland dort, wo es ihn am meisten frchtete; auch dies
  bestrkte Hollands Neigung zum Frieden.

  Der =Frieden von Nymwegen= (11. August 1678) bezeichnet die Hhe von
  Ludwigs Macht. Die Hauptzeche muten Spanien und das Reich zahlen.
  Spanien verlor die Franche-Comt und weitere zwlf Stdte seiner
  Niederlande; der Kaiser gab die elsssischen Reichsstdte (Straburg
  ausgenommen) auf und trat Freiburg ab, welcher strategische Punkt
  sofort durch Vauban stark befestigt wurde, ebenso blieb Lothringen
  tatschlich in Frankreichs Hand. Auch Brandenburg und Dnemark bten
  in dem von Ludwig diktierten Frieden (St. Germain und Fontainebleau
  1679) mit Schweden die Frchte ihrer Erfolge wieder ein. Holland verlor
  nur einige unwichtigere Kolonien, aber auf dem Festlande nichts; da
  jedoch dieser weitere Krieg nach 1674 ihm mittelbar groen Schaden
  brachte, werden wir spter sehen. Ludwig XIV. nutzte nun noch in den
  nchsten Jahren die Schwche des Reiches und Spaniens aus, indem er --
  auf Grund der Rechtssprche der berchtigten =Reunionskammern= --
  seinen Besitz im Elsa, der Pfalz und den spanischen Niederlanden
  erweiterte und befestigte, er nahm sogar mitten im Frieden Straburg
  weg.


       Der franzsisch-hollndische (-spanische) Krieg 1674-1678.

Nach dem Rcktritte Englands zog =Frankreich= seine Flotte vom Ozean
zurck; Ludwig hielt sie mit Recht noch nicht fr leistungsfhig genug,
allein den Hollndern gegenberzutreten, und er fate den Entschlu,
diesen die Herrschaft im Kanal und Atlantik zu berlassen. Hier wurde nur
ein geringer Teil der Seestreitkrfte zur Untersttzung der Verteidigung
wichtiger Kstenpltze bestimmt, die Hauptmacht zog man =im Mittelmeer=
zusammen, um den Landkrieg gegen Spanien zu untersttzen. Auch whrend
der folgenden Kriegsjahre stellten die Hfen am Atlantik weiter
Verstrkungen fr das Mittelmeer, sonst nur kleinere Geschwader fr
Westindien. =Holland= verminderte seine Rstungen zur See, als man sich
jetzt dort nicht mehr unmittelbar bedroht sah. Wie wir wissen, war vor
dem Frieden mit England beschlossen, fr 1674 eine besonders starke
Flotte -- 84 Linienschiffe -- in Dienst zu stellen; dieser Etat wurde im
April auf 54 Linienschiffe, 12 Fregatten und 18 Brander herabgesetzt. Die
dadurch gemachten Ersparnisse sollten verwendet werden, 10 Regimenter
(10700 Mann) zur Einschiffung fr Expeditionen aufzustellen.

  Nach de Jonge, Teil II, Beilage IX, sind tatschlich ausgelaufen: 3
  Schiffe zu 80 Kanonen; 6 zu 70; 14 zu 60-70; 26 zu 40-56, 10 Fregatten
  zu 28-36 Kanonen; 15 Brander; 12 Bombenfahrzeuge und 66 kleinere
  Fahrzeuge, Jachten und Transporter. Frieslands Kontingent fehlte wieder
  wegen Geldmangels, auch waren in der Eile nur 6000-7000 Soldaten zu
  beschaffen.

Man =beabsichtigte= nmlich, gleichzeitig unter Ruyter -- mit oder ohne
die hierzu zugesagte Untersttzung Spaniens --, Frankreich in seinen
aufblhenden Besitzungen Westindiens und seinem zunehmenden Handel dort
anzugreifen und unter Tromp gegen die franzsischen Ksten vorzugehen,
sich hier festzusetzen, um den Feind vom Landkriege abzuziehen. Diese
Plne wurden sorgsam geheim gehalten; sie kamen aber dennoch zur Kenntnis
Ludwigs, da dieser fr Spione und Verrter nie Geld sparte. Die
Gesamtflotte sammelte sich schon nach vier Wochen in den Wielingen, ging
am 24. Mai in See und ankerte am 8. Juni vor Torbay. Hier nahm Ruyter die
Teilung fr die beiden Expeditionen vor und trat dann selbst mit dem
kleineren Teile schon an dem gleichen Tage die Reise nach Westindien an.
Da diese Expedition mit anderen Ereignissen in den Kolonien zusammen
besprochen werden soll, wenden wir uns zuerst Tromp zu.

$Tromp an der franzsischen Kste und im Mittelmeer[203] 1674.$ Tromps
Flotte setzte sich zusammen aus: 36 Linienschiffen und Fregatten (es
traten spter noch einige hinzu), 9 Brandern, 12 Mrserbooten (hier fr
Holland zum ersten Male erwhnt), zahlreichen kleinen Segeln und
Transportern; unter ihm kommandierten 3 Leutnant-, 3 Vize-, 3
Kontreadmirale; die Vorhut fhrte Leutnantadmiral Bankers, die Nachhut
Leutnantadmiral van Nes; 3000-4000 Soldaten unter dem Artilleriegeneral
Graf van Hoorn waren eingeschifft. Die Franzosen hatten fr den Atlantik
nur 14 Linienschiffe in Dienst gestellt. Der Vizeadmiral des Atlantik
d'=Estres= fhrte den Oberbefehl, er befand sich in Brest, die Schiffe
lagen aber getrennt in Brest, La Rochelle und Rochefort; sie haben sich
auch nicht vereinigt, sie hatten eben den Befehl, im Verein mit den
Landstreitkrften die Kste ihres Bezirkes zu verteidigen; spter wurden
sie zu Angriffen auf den hollndischen Handel verwendet.

  [203] Hauptquellen: de Jonge, Teil II; Vie de Tromp. -- Bonfils; Jal:
        du Quesne.

=Tromp= verlie erst am 18. Juni Torbay; 10 Tage hatte er auf Transporter
warten mssen, die Feldgeschtze und Kriegsmaterial brachten; ein bler
Vorgang fr berraschendes Auftreten. Der Admiral hielt deshalb auch
Brest fr in zu guten Verteidigungszustand gesetzt, um etwas gegen die
Stadt oder auch nur gegen die im Hafen liegenden Schiffe zu unternehmen.
So erschien er am 23. =vor der Insel Belle-Isle=; es wurde auf Vorschlag
Hoorns hier eine Landung beschlossen und, durch steife stliche Winde
verzgert, am 27. ins Werk gesetzt. Unter dem Feuer von 4 Fregatten gegen
einige Schanzen, die der Feind am gnstigsten Landungsplatze aufgeworfen
hatte, wurde gelandet, der Gegner aus den Befestigungen vertrieben und
auf ein festes Schlo zurckgeworfen. Dieses aber war gut armiert (200
Kanonen?), hoch und so gelegen, da die Schiffe es nicht unter Feuer
nehmen konnten, sowie durch regulre Truppen nebst dem Aufgebot von Adel-
und Bauernmiliz der Kste stark besetzt. Die Stellung erwies sich als zu
fest; die Hollnder schifften sich nach zwei Tagen wieder ein, nachdem
sie die ganze Insel durchstreift und viel Vieh fr die Flotte
weggetrieben hatten.

[Illustration: Cornelis Tromp.]

Am 30. Juni ging Tromp wieder unter Segel, um die Kste zu beunruhigen
und einen geeigneteren Landungsplatz zu suchen. Als solcher wurde
=Noiremoutiers= ausersehen, eine Insel vor dem Loir, nur durch einen bei
Ebbe trockenfallenden Meeresarm vom Festlande getrennt. Auch hier wurde
die Landung trotz mancherlei Schwierigkeiten -- Schanzen am Strande; ein
Teil der Boote verfehlte den durch Bankers ausgesuchten Landungsplatz und
traf auf beschwerlichen steinigen Grund, Gewehre und Munition wurden
dabei na -- und tapferer Gegenwehr ausgefhrt; die schwache feindliche
Streitmacht rumte das Kastell (nur 17 Kanonen) und die Insel. Die
Hollnder schufen sich hier eine Stellung, fest genug, um einem Angriff
vom Festlande her zu widerstehen; Abteilungen der Flotte erkundeten und
beunruhigten von hier aus die Kste, sie brachten auch manche Kauffahrer
und Fischer auf. Das war aber auch alles. Franzsischerseits war hier
gleichfalls berall die Bevlkerung unter Fhrung ihrer Edelleute
zu den Waffen gerufen und die Kstenpltze hatte man in guten
Verteidigungszustand gesetzt; die Hollnder waren weder an
Seestreitkrften noch an Truppen stark genug, um etwas gegen die
Seestdte zu unternehmen oder um von Noiremoutiers aus den Krieg nach dem
Festlande hinberzutragen. Nach drei Wochen (am 26. Juli) gab man den
gewonnenen Sttzpunkt als unntz wieder auf und =die Flotte segelte nach=
St. Sebastian (=Spanien=).

Hier wurden Tromp und Hoorn von der spanischen Regierung aufgefordert,
=ins Mittelmeer= zu gehen, um den Krieg in den Grenzprovinzen durch
Vertreibung der franzsischen Seestreitkrfte zu untersttzen. Im
Mittelmeer standen im August etwa 18 spanische Kriegsschiffe und 22
Galeren -- vermutlich nicht in bester Verfassung -- 22 Linienschiffen, 24
Galeren und 8 Brandern Frankreichs gegenber; die franzsische Flotte war
nicht nur dem Landkriege schon von wesentlichem Nutzen gewesen, sie
bedrohte auch die spanischen Silberflotten und den Handel Hollands. Da
nun die Instruktion den hollndischen Fhrern die Erlaubnis gab, mit
ihrer ganzen Flotte oder einem Teile ins Mittelmeer zu gehen, falls es
sehr vorteilhaft erschiene, so faten sie einen dementsprechenden
Entschlu. Ein Geschwader von 15 Kriegsschiffen, 3 Brandern und 35
anderen Segeln wurde unter =van Nes im Atlantik= belassen, um weiter den
franzsischen Handel zu schdigen und die Ksten zu beunruhigen; auch die
Mrserboote lie man zurck, sie hielten die Flotte auf und waren nur fr
etwaige grere Bombardements mitgenommen. =Tromp= segelte mit 24
Kriegsschiffen, 5 Brandern und 14 der bessern anderen Fahrzeuge, auf
denen sich der grere Teil der Landungstruppen befand, am 9. August ber
Cadiz =nach Barcelona=.

  =Van Nes= blieb bis Anfang Oktober an der franzsischen Kste und ging
  dann heim; besondere Ereignisse fanden in dieser Zeit nicht statt.

Die Franzosen blockierten diese Stadt und hatten Werke zur Belagerung
aufgeworfen; bei der Annherung der Hollnder wurden Blockade und
Belagerung schleunigst aufgegeben. Tromp segelte weiter nach der Bay von
=Rosas=. Hier hielten die Franzosen (jetzt scheinbar 28 Linienschiffe)
die Hauptflotte der Spanier fest, die bestimmt war, 7000 Mann zur
Unterdrckung des Aufstandes nach Sicilien berzufhren. Tromp hoffte
hier, vereinigt mit den Spaniern dem in Madrid gemeinsam gefaten Plane
gem, zum Schlagen zu kommen (Ankunft 2. Oktober), aber auch diese
Blockade war von den Franzosen aufgegeben; die Spanier hatten sofort
Nutzen daraus gezogen und waren nach Sicilien abgegangen. Dieses
Imstichlassen seitens der Spanier emprte Tromp und Hoorn; ihre
Entrstung wuchs, als die spanische Regierung nun das Ansinnen an sie
stellte, mit ihrer Flotte nach Sicilien zu gehen und bei der Wiedernahme
des emprten Messinas mitzuwirken.

  Schon mit der Fahrt nach dem Mittelmeer berhaupt hatten die
  hollndischen Chefs eine groe Verantwortung bernommen, und
  tatschlich wurde Tromp spter von der Admiralitt Amsterdam -- da der
  Zug nur so wenig Erfolg gehabt -- wegen der dadurch veranlaten
  lngeren Indienststellung der Schiffe zur Verantwortung (pekuniren)
  gezogen; Oranien glich die Sache aus.

Trotzdem erklrten sie sich bereit, 1500 Mann zum Entsatz der belagerten
Stadt Rosas zu landen und einige Schiffe zu ihrer spteren
Rckbefrderung zurckzulassen. Die Flotte selbst ging =nach Holland= und
traf dort am 3. Dezember ein; die zurckgelassenen Schiffe folgten bald,
da die Franzosen gleich nach der Landung der Truppen die Belagerung der
Stadt abgebrochen hatten.

=Die Expedition Tromps hat also wenig Erfolg gehabt=; Die franzsische
Kste ist beunruhigt worden, aber nichts deutet darauf hin, da hierdurch
franzsische Truppen von den stlichen Kriegsschaupltzen abgezogen
wurden; das verbndete Spanien ist aus einigen Verlegenheiten befreit;
das wichtigste Ergebnis war vielleicht, da man Europa zeigte, wie trotz
des vorhergegangenen schweren Krieges die hollndische Marine noch immer
der franzsischen gegenber berlegen auftreten konnte. Aber entsprach
dieser Erfolg den Erwartungen, die man auf dies kostspielige Unternehmen
gesetzt hatte? Anstatt wie man geplant und gehofft, einen wichtigen
franzsischen Hafenplatz zu nehmen und zu halten oder doch die Schiffe
und Anlagen dort zu zerstren, mute man sich mit der zeitweisen
Besetzung einiger unwichtiger Inseln begngen. Warum das eine und nicht
das andere geschah, ist dunkel, sagt de Jonge. Als wahrscheinliche
Grnde fhrt derselbe Autor an: Infolge des lngeren Winters -- diesen
Grund haben wir nun schon recht oft gehrt -- war die Flotte zu spt
fertig; trotz aller Geheimhaltung hatte Ludwig Kenntnis erhalten und
konnte Gegenmaregeln treffen; man hatte auf eine Erhebung in der
Normandie und Bretagne gerechnet, die die eine oder die andere Stadt den
Hollndern ausliefern sollte -- dies wurde rechtzeitig entdeckt und
unterdrckt. Daran endlich, da nicht wenigstens der franzsischen
Seemacht im Mittelmeer ein schwerer Schlag zugefgt werden konnte, war
das Verhalten der Spanier schuld. Alles dieses trifft wohl zu, man mu
aber doch sagen, da das Hauptunternehmen gegen die franzsische Kste
mit weit strkeren Mitteln htte ins Werk gesetzt werden mssen; so hatte
es mehr den Charakter der Brandschatzungseinflle in Feindesland lterer
Zeiten.

$Der Krieg in den Kolonien$ (Ruyter vor Martinique 1674; Kampf um
Guayana, Tabago und Westafrika 1676 und 77). =Ruyter=[204] war von Torbay
gleich nach der Teilung der Flotte am 8. Juni $1674$ in See gegangen, um
keine Zeit zu verlieren. Im Frieden von Westminster hatte Holland
Neu-Niederland (New York) an England abtreten mssen. Man betrachtete
dies mit Recht als einen groen Verlust fr die Ausbreitung des Handels
und wnschte, durch Erweiterung der Kolonien in Westindien diesen Schaden
wieder wett zu machen. Die Eroberung franzsischer Besitzungen dort,
insbesondere =Martiniques=, schien dazu sehr geeignet; Ruyter selbst soll
gerade auf diese Insel hingewiesen haben.

  [204] Hauptquellen: de Jonge, Teil II, und Leben Ruyters, in
        letzterem der Bericht Ruyters ber die Expedition mit genauen
        Dispositionen fr die Landung auf Martinique.

Das fr Westindien bestimmte Geschwader bestand aus 18 Linienschiffen und
Fregatten, 6 kleineren Segeln, 6 Brandern und 24 Transportern mit
zusammen 1100 Kanonen, 4000 Matrosen, 3380 See- und Landsoldaten. Der
Admiral beschleunigte seine Reise in jeder Beziehung; so sandte er
einige der schnellsten Schiffe nach Teneriffa voraus, um dort alles zu
schneller Proviant- und Wasserergnzung vorzubereiten, auch lie er durch
vier andere gute Segler langsame Fahrzeuge in Schlepp nehmen. In
Teneriffa verweilte er nur einen Tag (25. Juni) und traf am 19. Juli vor
Martinique ein. Es war einem vorausgesandten Schiffe gelungen, einige
Einwohner beim Fischen abzufangen; von ihnen erfuhr man, da seit etwa
vier Wochen auf allen franzsischen Inseln Ankunft, Strke und Absicht
der Hollnder bekannt sei; die Besatzungen seien berall verstrkt, die
Schiffe (Kriegs- und Handelsfahrzeuge) unter den Schutz der Batterien
gebracht. Man beschlo im Kriegsrat, =Fort de France= als den wichtigsten
der drei Hfen der Insel anzugreifen. Sein Besitz war ntig, wenn man die
Insel dauernd halten wollte, seine Eroberung vom Lande her, falls man
zuerst einen andern Platz genommen, schwierig; hier lagen ferner die
wertvolleren Schiffe und hier waren am leichtesten Wasser und Brennholz
fr die Flotte zu erhalten, endlich wute man, da die Befestigungen
dieses Punktes noch nicht ganz fertig waren. Am 20. schritt man zur
Landung und hatte anfangs Erfolg.

  Ruyter hatte geplant, in den Hafen einzulaufen, doch zeigte sich die
  Einfahrt fr schwere Schiffe zu seicht, durch zwei versenkte Fahrzeuge
  teilweise gesperrt und durch das Fort (20 Kanonen) sowie durch ein
  Kriegs- und ein armiertes Kauffahrteischiff zu gut geschtzt. Man mute
  deshalb in einer benachbarten Bucht, die aber auch durch das Fort und
  die genannten Schiffe bestrichen werden konnte, landen und das Fort vom
  Lande her angreifen. Nach einem schon auf der Reise ausgearbeiteten
  Plane wurde unter dem deckenden Feuer der Schiffe mit allen Booten in
  breiter Formation eine Brigade von 1000 Soldaten an Land geworfen; es
  kostete schwere Verluste -- der Feind war 5 Kompagnien stark, der
  Strand war steil, schlpfrig und schmal -- aber es gelang, den Feind in
  den Busch zu treiben, festen Fu zu fassen und das Landen zweier
  gleichstarker Abteilungen zu decken. Verstrkungen von Matrosen wurden
  sofort nachgesandt und der Feind auch aus dem mit Verhauen gesperrten
  Busch vertrieben. Die Stellung des Gegners beim Fort war jedoch stark,
  begnstigt durch eine mit Infanterie besetzte Anhhe; mehrere Strme
  wurden abgeschlagen, eine Umgehung, um das Fort in der Kehle
  anzugreifen, wurde durch das Feuer der feindlichen Schiffe vereitelt.
  In den Kmpfen fielen der Chef des Landungskorps, zwei Brigadefhrer
  und mehrere andere hhere Offiziere oder wurden verwundet: ein Teil der
  Truppen ging fluchtartig nach den Booten zurck. Franzsische Berichte
  sagen, viele Hollnder htten sich in Wein- und Branntweinmagazinen am
  Strande betrunken.

Infolge groer Verluste aber, besonders an hheren Dienstgraden der
Soldaten, hielt Ruyter am Abend die Eroberung des Forts fr unmglich, ja
sogar das Landungskorps fr gefhrdet; er befahl deshalb die
Wiedereinschiffung, die dann whrend der Nacht in voller Ordnung vor sich
ging.

Nach diesem milungenen Versuch segelte der Admiral nach =Domingo=, um
Wasser aufzufllen. Die berzeugung, da auch die andern Inseln zu gut
vorbereitet wren, das Vorhandensein der vielen Verwundeten an Bord, der
Mangel an Fhrern fr das Landungskorps und endlich das Herannahen der
Orkanzeit bestimmten ihn, =nach Holland zurckzukehren=; er lie 5
Schiffe in den westindischen Gewssern. Seine Reise nach Holland (Ankunft
30. September) wurde durch Stillen und Strme verzgert; die Rationen
muten herabgesetzt werden und die Flotte litt sehr unter Ruhr und
Skorbut.

Das =Milingen dieser Expedition= wird wiederum der zu spten
Seebereitschaft der Schiffe und dem Umstande zugeschrieben, da der Feind
rechtzeitig Kenntnis erhielt. Dies braucht nicht allein eine Folge von
Verrat gewesen zu sein, die Ausrstung der Flotte konnte kein Geheimnis
bleiben. Da sich die Franzosen nicht nur auf einen Vorsto gegen ihre
Ksten, sondern auch gegen ihre auswrtigen Besitzungen gefat machten,
ist nicht wunderbar, hatte doch gerade Ruyter im Jahre 1664 einen
hnlichen Zug erfolgreich gegen englische Kolonien unternommen und die
alten Expeditionen der Englnder sowie eigene der Art gegen Spanien und
Portugal, seitdem die Kolonien eine Rolle spielten, waren wohl
unvergessen. Wre es aber fr Holland nicht richtiger gewesen, seine
Krfte 1674 nicht zu zersplittern, die Expedition Ruyters strker zu
machen oder die ganze Flotte gegen die franzsische Kste oder noch
besser gegen die feindlichen Seestreitkrfte im Mittelmeer zu verwenden?
Wir kommen darauf zurck.

  Das Milingen der Unternehmung gegen Martinique im besonderen wird dem
  Mangel an Kenntnis der rtlichkeit zugeschrieben. Ein franzsischer
  Edelmann, der auf der Insel gewohnt hatte, soll den Zug begleitet
  haben, um Rat zu geben. Dieser uerte sich spter, man habe nicht auf
  ihn gehrt und einen sehr ungnstigen Landungsplatz gewhlt.

Die $Plne, Frankreich in Westindien zu schdigen$[205] und die eigene
Macht dort zu erweitern, wurden keineswegs aufgegeben; die Provinzen von
Holland, besonders Amsterdam, legten groen Wert darauf. $1676$ grndete
eine von Amsterdam ausgerstete Expedition in =Guyana= am Cyapoco eine
Niederlassung (Oranje), doch wurde diese bereits nach 9 Monaten eine
Beute der Franzosen in Cayenne. In demselben Jahre wurde aber noch ein
zweites Unternehmen gegen franzsische Besitzungen ins Werk gesetzt.
Unter =Jacob Binckes= eroberte ein Geschwader von 3 Linienschiffen, 3
Fregatten und 3 Jachten -- ausgerstet unter dem Vorwande, den Handel im
Mittelmeer zu schtzen -- nebst einem Transporter mit 700 Soldaten das
=Fort Cayenne= (Mai 1676); diese Kolonie wurde mit 200 Soldaten besetzt.
Auch die Insel Marie Galante wurde genommen, man brandschatzte sie aber
nur und fhrte alle brauchbaren Sachen, sogar die Sklaven hinweg, um sie
zur Besiedlung von =Tabago= zu verwenden. Ein Anschlag auf Guadeloupe
milang infolge Herankommens einiger starker Linienschiffe von Martinique
-- 1675 war ein kleines Geschwader unter de Grancey von La Rochelle nach
den Antillen gesandt --, mit denen man ein scharfes Gefecht zu bestehen
hatte. Endlich brandschatzte Binckes noch St. Martin und nahm einige
bewaffnete Kauffahrer an der Nordkste von Domingo. Dann fhrte er seine
Hauptaufgabe aus, die Inbesitznahme Tabagos. Hier hatte schon 1655 eine
aufblhende hollndische Kolonie bestanden, sie war aber, im vorletzten
Kriege verschiedentlich den Herrn wechselnd, verwstet und fast ganz
wieder verlassen. Binckes brachte nun hollndische Pflanzer anderer
Inseln dorthin, landete seine Truppen und setzte die alten Befestigungen
wieder instand; es sollte auch sofort der Kampf um die Insel beginnen.

  [205] Hauptquellen: de Jonge, Teil II, dort auch genauere Angaben ber
        die beiderseitigen Streitkrfte; Chab.-Arnault; Bonfils.

Ludwig XIV. sandte schon im Oktober 1676 ein Geschwader aus, um Cayenne
zurckzuerobern, Tabago zu nehmen und auch sonst Beute zu machen. Admiral
=d'Estres=, eiferschtig auf die von du Quesne im Mittelmeer errungenen
Lorbeeren, hatte den Ansto dazu gegeben und selbst einen Teil der Kosten
beigetragen; er fhrte den Oberbefehl. Ende Dezember nahm er leicht
Cayenne und Oranje, er erschien dann am 20. Februar 1677 =vor Tabago=.
Binckes hatte seine Ankunft in Westindien erfahren, war aber zu schwach,
ihm auf See entgegenzutreten. D'Estres' Geschwader bestand aus 7
Linienschiffen, 3 Fregatten, 3 Jachten und 1 Brander, auch waren die
franzsischen Linienschiffe weit mchtiger, alle Schiffe weit strker
bemannt und auf ihnen 450 Soldaten sowie 400 Freiwillige von den
franzsischen Inseln eingeschifft. Als eins der ersten Beispiele
derartiger Kmpfe um Kolonien, von dem genauere Angaben vorliegen, sei
etwas nher auf diese Aktion eingegangen; sie wird auerdem in der
Geschichte der hollndischen Marine mit Recht als eine hervorragende
Waffentat angesehen.

  =Binckes= hatte wegen Mangels an Material und wegen der
  vorhergegangenen Regenzeit das Fort noch nicht vllig herstellen
  knnen. Die Lage war aber gnstig, an Busch und Morast gelehnt; zur
  Bestreichung der Bucht war noch eine behelfsmige Batterie vor dem
  Fort gebaut. Da die Besatzung ungengend erschien -- die Zahl der
  Soldaten war durch Abgabe der Cayenne-Garnison sowie durch Verluste und
  Kranke sehr vermindert --, verstrkte der Admiral sie von den Schiffen.
  Er hielt die Stellung am Lande fr die wichtigere; die Schiffe konnten
  die Insel nicht halten und waren mit dem Verlust der Befestigungen
  selbst verloren. Dementsprechend erwartete er auch den Hauptangriff am
  Lande, um so mehr da fr einen Angriff das Segeln auf die Rhede zwar
  leicht, das Wiederabsegeln aber sehr schwer, oft nur vermittels
  Warpen[206] mglich war. Binckes bernahm selbst auch das Kommando am
  Lande. Die Schiffe waren im Grunde der Bucht in Linie verankert: eng
  geschlossen, mit den Breitseiten nach See zu vermoort, die Flgel der
  Linie an den Strand und an eine Bank mit Klippen gelehnt.

  [206] Ein Schiff fortbewegen, indem man mit Booten leichte Anker
        auslegt und sich an diese heranholt.

  Am 21. landete =d'Estres= etwa 1000 Mann, stellte Geschtze auf einem
  Hgel auf und bescho, allerdings ohne groen Erfolg, Fort und Schanze;
  das Geschwader blockierte die Bucht und lotete das Fahrwasser aus. Nach
  Ansicht Binckes' wrden die Franzosen Erfolg gehabt haben, wenn sie den
  Hauptwert auf die Eroberung des Forts gelegt, dazu das Landungskorps
  durch Ausschiffen nach Mglichkeit verstrkt und die hollndischen
  Schiffe nur beschftigt htten. So aber ordnete d'Estres, wieder
  seemnnischem Rate unzugnglich, fr den 3. Mrz einen gleichzeitigen
  Angriff zu Lande und zu Wasser an. Der Angriff wurde mit groem Mute
  durchgefhrt, erreichte aber den Zweck nicht. Am Lande knnen die
  Franzosen kaum die ntige bermacht gehabt haben, um eine feste
  Stellung zu nehmen. Auerdem griffen sie -- gegen den Befehl -- zu frh
  und an einer anstatt an mehreren Stellen an. Ein dreimaliger Sturm
  wurde mit groen Verlusten (200 Tote, viele Verwundete), darunter der
  Fhrer und fast alle Offiziere, abgeschlagen. Das Landungskorps mute
  sich whrend der Nacht zurckziehen und wurde spter in einer
  benachbarten Bucht wieder eingeschifft.

  Die franzsischen Schiffe segelten in zwei Kolonnen auf die Rhede und
  legten sich lngsseit der Hollnder, teilweise Bord an Bord. In einem
  hartnckigen Kampfe verbrannten smtliche hollndischen Schiffe bis auf
  2 Linienschiffe und 1 Fregatte, die sich aber entmastet und leck auf
  den Strand setzen muten. Jedoch auch auf franzsischer Seite flog das
  Flaggschiff mit seinem Gegner zugleich auf, ein zweites Linienschiff
  verbrannte, zwei andere und der Brander gerieten auf Strand, die
  brigen wurden schwer beschdigt, 3 Kommandanten fielen. Gegen Abend
  zog d'Estres die Schiffe aus dem Feuerbereich der Befestigungen; zwei
  grere Linienschiffe wurden noch 2 Tage durch den Gegenwind in
  Tragweite der feindlichen Geschtze zurckgehalten und wechselten
  Schsse mit diesen. Auch dieser Angriff war mit Bravour ausgefhrt,
  aber es wird darber geklagt, da die Offiziere die brennenden Schiffe
  zuerst verlassen htten. In den nchsten Tagen zerstrten die Hollnder
  die franzsischen Schanzen und nahmen die gestrandeten und verlassenen
  Schiffe in Besitz; ein Versuch d'Estres', diese Fahrzeuge und den Rest
  der hollndischen durch einen neuhergerichteten Brander zu zerstren,
  milang (11. Mrz); er verlie Tabago.

  Der Gesamtverlust der Franzosen betrug ber 1500 Mann, der der
  Hollnder 350 Tote und Verwundete; trotzdem wurde in Paris eine
  Siegesdenkmnze geprgt.

[Illustration: Der Angriff auf Tabago, 3. Mrz 1677.]

Der Angriff war also abgeschlagen; infolge groer Verluste und der
schweren Beschdigungen seiner Schiffe mute d'Estres nach Frankreich
zurckgehen, ohne weiteres in Westindien zu unternehmen. In Holland
beschlo man, sofort Verstrkungen nach Tabago zu senden. Geldmangel
verzgerte die Ausrstung, obgleich man hrte, da auch Frankreich eine
neue Expedition fr Westindien rste, der Winter kam dazwischen; als ein
kleines Geschwader endlich die Antillen erreichte, war die Insel
gefallen.

Schon im Oktober $1677$ war d'=Estres= mit 13 Linienschiffen und
Fregatten wieder ausgelaufen. Er bemchtigte sich zunchst der
hollndischen Besitzungen in =Senegambien= (Gore, Pertudal, Joal u. a.)
und segelte dann nach den Antillen, wo er durch 12 Flibustier verstrkt
wurde. Am 6. Dezember erschien er =vor Tabago=, wo nur 2 hollndische
Kriegsschiffe lagen; diese wurden blockiert und 1500 Mann gelandet.
=Binckes= verfgte nur ber 350 gesunde Soldaten und mute sich ganz auf
die Verteidigung des Forts beschrnken. Am 11. erffneten die Franzosen
aus Belagerungsbatterien das Feuer, schon die dritte Bombe sprengte das
Pulvermagazin auf, wobei Binckes und mehrere Offiziere umkamen. Das Fort
wurde erstrmt, die Niederlassung verwstet, die Schiffe verbrannt.
Weiter aber erreichte d'Estres nichts. Als er nach einigen Monaten Ruhe
in Martinique im Frhjahr 1678 aufbrach, um =Curaao= anzugreifen,
erfolgte die schon erwhnte Strandung seines Geschwaders auf den
=Aves-Inseln= (Seite 349). Auch bei dieser Gelegenheit verlieen (nach
franzsischen Angaben) Admiral, Kommandanten und Offiziere die
gefhrdeten Schiffe und gaben die Mannschaften dem Untergange preis.
D'Estres kam (franzsische Angabe) der franzsischen Marine teuer zu
stehen, wurde aber trotzdem wegen der Eroberung von Tabago zum
Marschall ernannt.

$Der Krieg im Mittelmeer 1675-1678$[207] (Stromboli, Agosta, Palermo).
=Ludwig= XIV. hatte also nach dem Austritt Englands aus dem Bndnis den
Entschlu gefat, seine Seestreitkrfte hauptschlich im Mittelmeer zu
verwenden; dementsprechend wurde im $Frhjahr 1674$ von den Hfen am
Ozean ein Geschwader von 10 Schiffen unter dem Chef d'Escadre Valbelle
nach dem Mittelmeer gezogen. In Toulon waren die Galeren und eine
Hochseeflotte -- vorlufig 8 Linienschiffe, 2 Fregatten, 4 Brander, aber
nach und nach betrchtlich vermehrt -- in Dienst gestellt. Den Oberbefehl
fhrte =Graf de Vivonne= (Bruder der Montespan), General der Galeren --
der Posten des Vizeadmirals der Levante war nicht besetzt; unter ihm
befehligten auf der Hochseeflotte Generalleutnant du Quesne als
Vizeadmiral und Chef d'Escadre de Preuilly als Kontreadmiral. Die
Hochseeflotte und das Geschwader vom Atlantik trafen sich (Anfang Sommer)
in Tanger, um den Hafen von =Cadiz= zu forcieren und die dort liegenden
spanischen Kriegsschiffe zu zerstren, wie es frher die Englnder und
Hollnder auch getan hatten. Dieser Plan wurde jedoch aufgegeben, weil
die Spanier davon Kenntnis erhalten -- du Quesne und Valbelle sollen den
Angriff bei den gegen frher sehr verstrkten Befestigungen fr untunlich
erachtet haben. Vivonne ging nach Toulon zurck und von dort an die
Ksten von Rousillon und Catalonien zur Untersttzung des Landkrieges --
Schutz franzsischer (z. B. Collioure), Angriff spanischer Seestdte;
Festhalten der spanischen Seestreitkrfte --, wir haben die Flotte oder
Teile davon bei Tromps Operationen vor Barcelona und Rosas gesehen.

  [207] Hauptquellen: de Jonge, Teil II; Ruyters Leben; Jal: du
        Quesne, sehr genau; Bonfils.

Ihre Hauptverwendung sollte die franzsische Flotte aber in dem =Kampf um
Sicilien= finden. Die Stadt =Messina=, damals etwa 80-100000 Einwohner,
hatte sich gegen Spanien erhoben, den Vizeknig verjagt und bat nun
Ludwig um Untersttzung. Dieser ging gern darauf ein: Der Aufstand auf
der Insel zog Spanien vom Kriege gegen ihn ab; Frankreich gewann, wenn es
in Sicilien Fu fate, einen wichtigen Sttzpunkt fr Unternehmungen
gegen Italien und fr die Herrschaft im Mittelmeer berhaupt.
Infolgedessen sahen wir im September 1674 franzsische Seestreitkrfte
eine spanische Flotte vor Rosas festhalten, die die Truppen nach Sicilien
berfhren sollte. Vor allem aber war es wichtig, dem schwerbedrngten
Messina Lebensmittel zuzufhren. =Valbelle= brachte Ende September mit 6
Kriegsschiffen und 3 Brandern ein groes Getreideschiff unbehindert
hinber. Das Erscheinen der Hollnder unter Tromp hatte inzwischen die
spanische Flotte freigemacht, sie gelangte wohlbehalten nach Messina, und
die Belagerung ward mit aller Kraft aufgenommen. Valbelle ward deshalb
aufs neue hinbergesandt; er fhrte nur auer Getreideschiffen 500
Soldaten zur Verstrkung der Stadtbesatzung mit sich. Dieses Mal fand er
hinter der Strae von Messina (am 30. Dezember) die spanische Flotte,
Hochseeschiffe und Galeren. Er wartete gnstige Wind- und
Stromverhltnisse ab und lief am 3. Januar $1675$ durch die Strae und in
den Hafen ein, ohne da die Spanier ihm entgegentraten; kleine Batterien,
die Strae und Einfahrt bestrichen, waren leicht zum Schweigen gebracht
worden. Es war die hchste Zeit fr Ankunft dieser Untersttzung, die
Stadt war fast ausgehungert; die Verteidigung erhielt nun neues Leben,
die Belagerung ward lauer; die spanische Flotte machte nur einen
erfolglosen Nachtangriff mit Brandern und Booten auf die franzsischen
Schiffe.

Messina stellte sich jetzt unter den Schutz Frankreichs, und im Februar
fhrte =Vivonne=, zum =Vizeknig von Sicilien= ernannt, eine mchtigere
Untersttzung heran. Mit 9 Linienschiffen, 1 Fregatte und 3 Brandern
begleitete er -- unter ihm du Quesne und de Preuilly -- 8 Transporter mit
Lebensmitteln und Truppen. Ihm endlich trat die spanische Flotte -- 16
oder 17 Hochseeschiffe unter =de la Cueva= (ein Landoffizier) und 14
Galeren unter =del Viso= (Generalkapitn der Galeren und
Oberbefehlshaber) -- entgegen, aber ohne Erfolg.

  Am 11. Februar kommt es zu einem wenig Bemerkenswertes bietenden
  $Gefecht zwischen Stromboli und Lipari$. stlicher Wind, die Spanier zu
  Luward. Nur 6 franzsische Linienschiffe sind in Linie, die Nachhut ist
  mit dem Convoi weiter in Lee. Die Spanier umzingeln in Gruppen. Die
  Franzosen wenden, vereinigen sich mit der Nachhut und bilden eine neue
  Linie. Whrend des neuen Gefechts kommt Valbelle mit seinem Geschwader
  von Messina und greift die Spanier von Luward her an. Die Galeren
  ziehen sich zuerst mit Hilfe der Riemen nach Luward aus dem Gefecht;
  auch die Schiffe brechen ab und lassen ein 40-Kanonenschiff zurck, das
  von du Quesne mit Booten genommen wird; die Spanier gehen nach Neapel
  (Verlust 4 Schiffe?), die Franzosen laufen in Messina ein. Wieder war
  es die hchste Zeit, die Stadt stand auf dem Punkte, zu kapitulieren.

Weitere Verstrkungen folgten nach; auch neue Kriegsschiffe stieen zur
Flotte, gefhrt von Leutnantgeneral d'Almras, der jetzt das Amt des
Kontreadmirals bernahm (eines der Schiffe fhrte der bald berhmte de
Tourville).

=Die franzsische Flotte beherrschte die See=, fhrte Lebensmittel fr
die Stadt heran und hinderte die Zufuhren der Spanier. Vivonne eroberte
dann am 17. August fast ohne Schwertstreich =Agosta= durch eine Landung
unter dem Schutz der Seestreitkrfte, jedoch warf man ihm vor, da er
nichts gegen die spanische Flotte in Neapel unternommen habe; er
verfgte im August ber 29 Schiffe, 24 Galeren, 12 Brander. Das
eigentliche Kommando ber die Flotte hatte er, durch seine Geschfte an
Messina gebunden, brigens bald an =du Quesne= abgegeben; franzsische
Quellen sagen aber wegen seiner Neigung zu Ruhe und Vergngungen. sein
Beiname war le gros crev (Dickwanst). Auch den Landkrieg fhrte
Vivonne lau, die Stadt blieb belagert. Weitere Untersttzungen an
Lebensmitteln und Truppen waren ntig; auch die Flotte mute
instandgesetzt werden, weil man erfuhr, da Holland den Spaniern Hilfe
zur See unter Ruyters Kommando zugesagt hatte. Am 16. September wurde
deshalb du Quesne mit zwei Dritteln der Flotte nach Toulon gesandt, um
seine Schiffe zu berholen, die Untersttzungen zu beschleunigen und sie
sicher heranzufhren. Verwaltung, Werften und Arsenale arbeiteten aber
noch nicht zuverlssig, und so konnte der Admiral erst am 16. Dezember
mit 20 Kriegsschiffen, 6 Brandern und verschiedenen Transportern Toulon
wieder verlassen. Ruyter war schon Ende September in Cadiz angekommen, so
da die Absendung du Quesnes mit dem grten Teile der Flotte recht
gewagt war; zu Vivonnes Glck wurde Ruyter lange aufgehalten.

Wenden wir uns nun zu diesem Eingreifen Hollands. Spanien hatte =Holland=
um =Untersttzung in Sicilien= gebeten. Wir wissen, da schon Tromp im
Herbst 1674 ersucht worden war, nach Messina zu gehen; nach Einmischung
der Franzosen und besonders nach dem Siege Vivonnes (Februar 1875) wurden
die Bitten um Untersttzung durch eine hollndische Flotte immer
dringender, ja man bat direkt um =Ruyter=. Die meisten niederlndischen
Provinzen waren nicht geneigt, hierfr Mittel zu bewilligen; die
Generalstaaten aber und auch wohl die Provinzen von Holland, besonders
Amsterdam, frchteten mit Recht, da ein Festsetzen der Franzosen in
Sicilien ihre Seeherrschaft im Mittelmeer sehr strken und den
hollndischen Handel mit Italien und der Levante sehr gefhrden wrde.
Auerdem sah man die alte Gefahr heraufziehen, Frankreich als
unmittelbaren Nachbar zu erhalten: es verlautete nmlich, Spanien wrde
unter Umstnden selbst seine Niederlande opfern, um Sicilien zu retten.

Die Verhandlungen im Lande fhrten zu der auergewhnlichen Maregel, da
nur eine Admiralitt die erbetene Hilfsflotte stellte: Amsterdam erklrte
sich bereit, die Schiffe zu liefern; von den 1-1/2 Millionen Gulden
Kosten sollte Spanien die Hlfte zahlen, 450000 wollte Amsterdam auf sich
nehmen, so da fr die brigen Provinzen nur 300000 blieben; die
Admiralitt der Maas wollte das Flottenflaggschiff stellen, aber nur um
ihr altes Recht darauf zu wahren. Genannte Summe reichte nur zu der
Indienststellung von 18 Kriegsschiffen, 4 Brandern, 6 kleinen Segeln und
2 Transportern; Spanien verpflichtete sich, 22-24 Kriegsschiffe und seine
Galeren zu stellen.

Ruyter hielt die hollndische Flotte fr zu klein. Ihm war wohl bekannt,
da die franzsische Marine in jeder Hinsicht Fortschritte gemacht hatte;
er achtete du Quesne hoch; er wute, was von den Spaniern zu erwarten
war. Die Generalstaaten aber hatten keine Aussicht, mehr Mittel zu
erhalten, und beurteilten auch wohl den Verbndeten und den Gegner
anders. Ruyter mute sogar krnkende uerungen hren; er beantwortete
sie mit der ihm eigenen einfachen Wrde, und die Zukunft sollte zeigen,
wie richtig sein Urteil gewesen war.

Schon die Ausrstung und die Ausreise der Expedition verlief ungnstig
und langsam, dann waren die Spanier nicht fertig.

  Kurz diese Ereignisse: Die Verhandlungen begannen im Frhjahr 1675 und
  waren im Juni zum Beschlusse gediehen, trotzdem konnte Ruyter erst am
  29. August in See gehen. Als Vizeadmiral der Flotte war Jan den Haen
  kommandiert, ein tchtiger Offizier, aber mit Ruyter nicht recht im
  Einverstndnis; Kapitn Verschoor, selbst in seinem Dienstgrade noch
  jung, erhielt durch Gunst das Amt als Kontreadmiral. Ruyter war
  krnklich, erklrte aber auf abratende Vorstellungen seiner Verwandten,
  die Pflicht rufe, und er wrde den Zug mitmachen, wenn er auch an Bord
  getragen werden msse; ebenso hatte er auf die krnkenden uerungen
  geantwortet, er ginge, ohne Rcksicht auf sein Schicksal, wohin man ihn
  kommandiere, aber er wundere sich, da man die Ehre der hollndischen
  Flagge so leichtsinnig aufs Spiel setze. Als bses Omen knnte man
  fast ansehen, da sein altes ruhmreiches Flaggschiff (7 Provinzen)
  nicht seetchtig war; er ging an Bord der Eendragt (76 Kanonen).

  Sturm und widrige Winde verzgerten die Reise. Erst am 26. September
  kam er in Cadiz an und mute hier 11 Tage ausbessern; die Ausrstung
  der Schiffe war schlecht, wie sich whrend der weiteren Indiensthaltung
  immer mehr herausstellte. In Cadiz erhielt er Befehl, von der
  Ebromndung 7 spanische Linienschiffe abzuholen, den fr Sicilien als
  Vizeknig bestimmten Don Juan d'Austria an Bord zu nehmen und sich in
  Palermo mit der spanischen Hauptflotte zu vereinigen. Die Reise wurde
  zu einer Argonautenfahrt, auf die wir nicht genauer eingehen
  wollen[208]: Sturm und Gegenwinde; den Haen mit 7 Schiffen im Sturm
  abgesprengt; keine spanischen Schiffe an der Ebromndung, auch nicht in
  Barcelona (14. November); hier 14 Tage durch Befehle und Gegenbefehle
  aufgehalten; d'Austria kommt nicht wegen Krankheit, in Wahrheit, weil
  er in Rnke gegen die Knigin-Regentin verwickelt war. Am 4. Dezember
  ist Ruyter in Cagliari, den Haen in Neapel; am 20. Ruyter in Melazzo
  (Nordkste Siciliens), hrt hier, da die Spanier in Palermo noch nicht
  schlagfertig sind und da sie es auch wegen Uneinigkeit zwischen
  Vizeknig und Admiral, wegen Lauheit der Behrden und Materialmangels
  sobald nicht sein wrden; selbst den Haen wurde dort festgehalten.
  Endlich gegen Ende Dezember treffen den Haen und mit diesem 9 spanische
  Galeren sowie ein Kriegsschiff bei ihm ein; er kann am 31. in See
  gehen, um vor der Strae von Messina zu kreuzen und der Stadt die
  Zufuhren von Norden abzuschneiden; die spanische Hochseeflotte soll
  folgen, sobald sie bereit ist.

  [208] Sehr genau in de Jonge und im Leben Ruyters, hier auch die
        genaue Instruktion, die der Admiral erhalten.

=Anfang Januar= 1676 endlich vor der Strae von Messina angekommen,
erfhrt =Ruyter= (ber Neapel), da =du Quesne= von Toulon aufgebrochen
und schon an der Kste Sardiniens gesehen sei; er beschlo, ihm
entgegenzutreten. Da der Wind verhinderte, die Strae zu passieren, und
den Feind hinter dieser zu erwarten, so suchte er ihn auf. Am 6. befand
er sich dicht unter der Insel Lipari und hrte von Kstenschiffern, man
knne die Franzosen von den Bergen aus in Nordwest sehen; ein auf die
Insel Salina gesandter Offizier besttigte dies. An demselben Tage erfuhr
der Admiral auch, da die Spanier von Palermo ausgelaufen seien. Am 7.
frh sichtete man die Franzosen im Norden Salinas, bei Sdsdwest-Wind
ber Steuerbord-Bug liegend und aufkreuzend. Ruyter hielt mit vollen
Segeln auf sie zu, drehte aber um 3 Uhr nachm. auer Kanonenschuweite
bei und bildete die Gefechtslinie gleichfalls ber Steuerbord. Dann rief
er die Kommandanten an Bord und gab Anweisungen und Ermahnungen fr die
bevorstehende Schlacht; den Erschienenen soll sein sehr ernstes, ja
gedrcktes Wesen aufgefallen sein.

Trotz der Luvstellung griff er an diesem Tage nicht an, sondern hielt
sich auf Parallelkurse mit dem Feinde. Ein leichtes Schiff war whrend
der Nacht nah am Gegner stationiert, um dessen Bewegungen zu
signalisieren. Um Mitternacht sprang der Wind auf Westsdwest und
frischte so auf, da die spanischen Galeren unter Lipari Schutz suchen
muten. Gegen Morgen wendeten beide Flotten, die Franzosen zuerst. Durch
das Umspringen war der Wind fr die Franzosen zur Fortsetzung der Reise
gnstig geworden, und sie standen jetzt zu Luward; du Quesne sandte seine
Transporter voraus mit Kurs nach Messina, bildete mit der Flotte die
Schlachtlinie und nherte sich den Hollndern.

Jetzt erst konnte Ruyter die Strke des Feindes genau feststellen,
bisherige Nachrichten hatten von nur 12 Linienschiffen gesprochen.

=Die Flotten setzten sich zusammen=:

               ber   80 K.  70-74  60-64   50   36  Kleinere Brander
  Franzosen; Schiffe  7 1)      6      4     3   --      ?       6
  Hollnder;    "     --      4 2)     2   9 3)   4    6 4)

                      Galeren Transporter
  Franzosen; Schiffe    4(?)
  Hollnder;    "        9        --

  1) Darunter 3 zu 90 Kanonen, aber fraglich, ob vollarmiert;
  2) darunter 2 zu 76 Kanonen; 1 zu 68 Kanonen; 3) darunter 1 zu 47
  Kanonen und 1 spanisches; 4) Snauwen zu 8 Kanonen, 36 Mann; seit
  1674 an stelle der Advijsjachten aufgefhrt; kuttergetakelte Fahrzeuge.

Die Franzosen waren also an Gre der Schiffe und damit in der Armierung
wesentlich berlegen; da die franzsische Armierung auch in der
Kaliberverwendung strker war, ist uns bekannt. Die Besatzungsstrke --
d. h. die gleicher Schiffsgren -- war diesmal annhernd gleich. Die
Flotten, in 3 Geschwader geteilt, wurden gefhrt auf hollndischer Seite:
Vorhut Verschoor; Mitte =Ruyter=; Nachhut den Haen; auf franzsischer
Seite: Vorhut de Preuilly; Mitte =du Quesne=; Nachhut de Gabaret -- d. h.
so war die Rangierung in der Schlacht, da beide Flotten in Kehrt
standen.[209]

  [209] Nach de Jonge, Teil II, Beilagen X und XI; Jal: du Quesne und
        Bonfils geben die Namen der franzsischen Schiffe.

  Abraham du Quesne, 1610 in Dieppe geboren, Sohn eines Seemannes, der
  zur See gefallen war, diente in der kniglichen Marine und auch mehrere
  Jahre zu Kriegszeiten in der schwedischen. Nach Frankreich
  zurckgekehrt, zog er die Freibeuterei dem Dienst in der verfallenen
  Marine vor; erst unter Colbert trat er wieder ein. 1672 bis 1674 der
  befhigtste Admiral der Flotte im Kanal; 1674-1678 hervorragend im
  Mittelmeer, zeichnete sich auch spter noch gegen die Barbaresken aus.
  Nur weil er Protestant war, wurde er nicht zum Vizeadmiral der Levante
  ernannt, obgleich er diesen Posten ausfllte -- dieser Posten blieb so
  lange unbesetzt; er erhielt auch nicht den Marschallsstab trotz seiner
  Taten. Von Charakter fest und gerecht, war er ein vorzglicher
  Vorgesetzter und Organisator der jungen Marine, aber kein bequemer
  Untergebener, besonders nicht den durch Hofgunst Bevorzugten gegenber.
  Er starb 1688. -- Da Ruyter ihn als tchtigen Gegner anerkannte, zeigt
  dessen Antwort auf die Frage eines englischen Kapitns, was Ruyter vor
  Messina mache: Ich erwarte den tapfern du Quesne.

Trotz der Stellung in Lee und trotz der bermacht des Feindes nahm Ruyter
den Kampf zwischen den Inseln Stromboli und Panaria an. Die $Schlacht bei
Stromboli am 8. Januar 1676$[210] ist besonders bemerkenswert wegen
Ruyters Verhalten.

  [210] Schilderung nach Ruyters Leben; de Jonge, Teil II; Jal: du
        Quesne: Bericht desselben, viele Privatbriefe, Aktenauszge ber
        diese Aktion; Bonfils. -- Vgl. auch Mahan, Teil I, Seite 155,
        hier besonders der Hinweis auf die Wahrscheinlichkeit, da Ruyter
        mit Absicht die Defensive whlte.

Warum benutzte er die gnstige Windstellung am 7. nicht zum Angriff?
Warum nahm er am folgenden Tage den Kampf unter scheinbar ungnstigen
Umstnden an? Zwar haben wir ihn im letzten Kriege seine Schlachten
behutsam vorbereiten aber dann doch -- selbst gegen bermacht -- mit
uerster Energie, ja Tollkhnheit durchfhren sehen, wenn ein Schlagen
ntig war. Da er auch hier unbedingt dem Feinde den Weg nach Messina
verlegen wollte, wird durch sein Bleiben am Feind und sein Schlagen am
anderen Tage bewiesen.

[Illustration: Abraham du Quesne.]

Die hollndischen Quellen sagen nun: Am 7. habe Ruyter zunchst beidrehen
mssen, um Nachzgler zu erwarten, spter sei der Tag zu weit
vorgeschritten gewesen; als er am 8. die Strke des Feindes genau
erkannt, sei ein Rckzug zu gefhrlich gewesen. Beides erscheint nicht
unbedingt zutreffend: Ruyter mute am 7. damit rechnen, da der Wind sich
bis zum nchsten Tage zu seinen Ungunsten ndern knne; sein gedrcktes
Wesen lt darauf schlieen, da er auch an diesem Tage schon die Strke
des Gegners erkannt hatte und deshalb vom Angriff absah. Ich mchte
andere Beweggrnde fr wahrscheinlicher halten. Ruyter brauchte nicht
durchaus anzugreifen, um seinen strategischen Zweck zu erreichen. Du
Quesne mute es, wenn er seine Reise fortsetzen wollte; zgerte dieser
mit dem Angriff, so konnte jeden Augenblick die spanische Flotte zur
Verstrkung der hollndischen eintreffen. Hierin ein Grund fr Ruyters
Verhalten am 7. Januar.

Hierzu kommt nun, da ein so erfahrener Seemann wie Ruyter vielleicht
schon die Vorteile der Defensive -- auch in der Leestellung --, die in
der bisher blichen Taktik noch nicht gewrdigt wurden, erkannt hatte;
Vorteile, die besonders ins Gewicht fielen, wo es sich darum handelte,
mit schwcheren Krften einem Gegner von feurigem Mut, aber mangelnder
Seemannschaft entgegenzutreten. Dies kann den Admiral des weiteren
bestimmt haben, dem Feinde am 7. den Angriff zu berlassen und am 8. den
Kampf in einer scheinbar ungnstigen Stellung -- der Leestellung --
anzunehmen.

Die =Schilderung der Schlacht= wird zeigen, da die Hollnder tatschlich
infolge der Vorteile einer Defensive in der Leestellung imstande waren,
dem starken Angriffe zu widerstehen; die Schlacht bei Stromboli gibt
teilweise ein Bild der Defensivtaktik, die die Franzosen in der zweiten
Hlfte des 18. Jahrh. den Englndern gegenber oft mit groem Erfolge
durchfhrten.

[Illustration: Die Schlacht bei Stromboli, 8. Januar 1676.]

  Die beiden Flotten lagen ber Backbord-Bug in Kiellinie beim Winde.
  Gegen 9 Uhr vorm. hielt =du Quesne= ab und lief mit der ganzen Linie
  schrg auf die Hollnder zu; ein Manver, das schwer mit Genauigkeit
  auszufhren ist und den Angreifer in ungnstiger Lage dem
  Breitseitfeuer aussetzt, weil dieser selbst wenig Geschtze verwendbar
  hat und den Bug dem Enfilierfeuer darbietet; die bisher vorzgliche
  Ordnung ging denn auch verloren. Das franzsische Spitzenschiff strzte
  sich (gegen 10 Uhr) tollkhn auf die Mitte der feindlichen Vorhut,
  erlitt sofort schwere Beschdigungen in der Takelage und war gentigt,
  aus der Linie zu holen; nicht besser erging es dem zweiten Schiffe,
  beide waren wohl etwas voraus. Der dann folgende Admiral Preuilly hatte
  beim Abhalten zu wenig Raum gelassen, seine nachfolgenden Schiffe waren
  infolgedessen zu nahe aufgeschlossen, als sie querab vom Feinde wieder
  an den Wind gingen; sie schoben sich zum Teil nebeneinander und
  hinderten sich gegenseitig im Feuer (Lage 1). Auerdem kamen die
  franzsischen Schiffe nacheinander ins Gefecht; es ist dies eine fast
  unvermeidliche Folge der gewhlten Angriffsart. Der Angriff du Quesne's
  auf die hollndische Mitte verlief deshalb hnlich, auch hier wurden
  die beiden ersten Schiffe durch berlegenes Feuer sehr
  zusammengeschossen. Sonst scheint die franzsische Mitte mit mehr
  Ordnung wieder an den Wind gegangen zu sein; auch bei der Vorhut wurde
  die Ordnung bald wiederhergestellt. Die Hollnder leisteten berall
  krftigen Widerstand und keines ihrer Schiffe sah man, das nicht einen
  Gegner dicht an der Seite hatte.

  =Ruyter= soll nun aber doch mit seinen beiden vorderen Geschwadern
  fortwhrend Raum gegeben haben. Es ist nicht ersichtlich, ob dies ein
  Gestndnis der Schwche oder ein taktisches Manver war, um den Gegner
  aufs neue zum Herangehen in ungnstiger Lage zu verleiten.

  (In spteren Zeiten verfuhren nmlich die Franzosen so, allerdings mit
  mehr Methode: Eine Gruppe von 2-3 Schiffen hielt ab, gedeckt durch
  Pulverrauch und das Feuer der brigen. Nach und nach bildete sich so
  eine neue Linie, die dann die letzten Schiffe der ursprnglichen Linie
  bei ihrem Abhalten durch Feuer deckte und aufnahm.)

  Das Gefecht whrte hier bis gegen 4-1/2 Uhr nachm.; drei franzsische
  Brander, zwei davon auf Ruyters Schiff angesetzt, wurden zwischen den
  kmpfenden Linien entmastet und verbrannten nutzlos. Das Ende des
  Kampfes ist nicht genau aus den berlieferungen zu erkennen; Ruyter
  brach ab, die Franzosen verfolgten nicht. Wahrscheinlich waren sie zu
  sehr beschdigt, wenigstens bedauerten sie den Mangel an Galeren zur
  Verfolgung. Die nachgekommenen spanischen Galeren schleppten stark
  beschdigte Hollnder aus dem feindlichen Feuer, sonst hatten sie sich
  nur durch Abgabe einiger Schsse aus den Buggeschtzen auf weite
  Entfernung am Gefecht beteiligt.

  Auch ber den Kampf der Nachhuten sind die Angaben ungengend; er
  trennte sich frhzeitig von dem der anderen Geschwader. Infolge der
  Angriffsart mute er natrlich zuletzt beginnen, die Trennung scheint
  aber auch noch andere Grnde gehabt zu haben. Du Quesne warf Gabaret
  vor, den Anschlu an die Mitte verloren und nicht mit derselben Energie
  angegriffen zu haben; Gabaret entschuldigte sich mit der Lauheit
  einiger seiner Schiffe und deren ungeschickten Manvern.

  Es gab dies und ein anderer Vorfall -- einige Tage spter auf dem
  Marsche beschdigten zwei Schiffe der Nachhut einander so, da sie fast
  entmastet wurden -- du Quesne Anla, dem Knige zu berichten, da
  manche Kommandanten aus Mangel an bung, aber auch infolge nicht
  gengender Beachtung der Instruktionen durch nachlssige Fhrung ihrer
  Schiffe die Aufrechterhaltung der Schlachtlinie gefhrdeten. Mit
  ziemlich deutlichen Worten bittet er, Maregeln zur Abstellung dieses
  belstandes zu ergreifen.[211]

  [211] Jal: du Quesne, Teil II, Seite 205.

  Auf hollndischer Seite scheint aber der Fhrer der Nachhut auch an der
  Trennung schuld gewesen zu sein. Anstatt auf seine Mitte aufgeschlossen
  zu bleiben und das Manver des Abhaltens dann mitzumachen, scheint er
  seinen Gegner erwartet zu haben; ein Fehler, dem wir schon fters als
  Grund der Trennung eines Geschwaders von der Flotte begegnet sind. Er
  htte dadurch in eine gefhrliche Lage kommen knnen, denn du Quesne
  sandte gegen Ende des Kampfes den Kapitn Tourville (Kommandant von Nr.
  5 der Mitte) mit 3 oder 4 Schiffen ab, um ihn von Lee aus anzugreifen
  und ganz von seiner Flotte zu trennen. Zu den Haens Glck gelangte
  infolge abflauenden Windes nur ein franzsisches Schiff (Nr. 7 der
  Mitte) zum Angriff; dieses kam nun selbst in schwierige Lage, entzog
  sich ihr jedoch durch geschickte Manver und vereinigte sich mit der
  Nachhut (Lage 2). Hier brach das Gefecht mit Eintritt der Dunkelheit
  ab; beide Nachhuten stieen wieder zu ihren Flotten.

  =Die Verluste= sind nicht ganz sicher bekannt. Die geringsten Angaben
  sprechen von 400 Toten und Verwundeten bei den Franzosen und von 250
  bei den Hollndern; hier fiel Verschoor, dort waren du Quesne
  verwundet und zwei Kommandanten gettet. Ein hollndisches Linienschiff
  sank, whrend es schwer beschdigt nach Palermo geschleppt wurde; die
  Franzosen behaupten, nur ihre drei Brander eingebt zu haben. Gerchte
  von einem greren Verluste sollen durch den vorhin erwhnten
  Zusammensto auf der Weiterreise entstanden sein. Beide Parteien rhmen
  den Mut und die Geschicklichkeit des Gegners in der Schlacht; auf
  franzsischer Seite zeichnete sich besonders =Tourville= aus, und du
  Quesne schlug ihn zur baldigen Befrderung (Chef d'Escadre) vor; wie
  wir sehen werden, lohnte Tourville seinem Chef diese Anerkennung spter
  schlecht.

  Fr die =Geschichte der Seetaktik= ist die Schlacht bemerkenswert. Sie
  zeigt die =Vorteile der Leestellung= bei einem Angriff, wie die
  Franzosen ihn ansetzten, mit ihren Folgen fr den Angreifer: Unordnung
  in der Linie; die Vorhut zuerst der ganzen Heftigkeit des feindlichen
  Feuers ausgesetzt, die Schiffe nacheinander ins Gefecht eintretend;
  lahmgeschossene Schiffe vorn, die die folgenden in Verwirrung bringen.
  Hier fielen sofort zwei franzsische Schiffe aus, zwei wurden schwer
  beschdigt, wodurch die berlegenheit der Zahl nahezu aufgehoben war.

=Ruyter= hatte durch die Schlacht den Feind wohl aufgehalten, die
Fortsetzung seiner Reise konnte er jedoch nicht hindern. Am 9. besserten
beide Flotten aus, vormittags noch in Sicht voneinander. Gegen Abend
stieen 9 Spanier zu den Hollndern, allerdings fast nur Fregatten; man
beschlo, dem Feinde weiter den Weg zu verlegen. Schon am Abend des 10.
sichtete man die Lichter der Franzosen, aber am anderen Morgen sah man,
da auch diese Verstrkung erhalten hatten; es war der in Messina bei du
Quesne's Abgang im September zurckgebliebene Teil der Flotte: 10
Linienschiffe, 1 Fregatte, 3 Brander unter Generalleutnant d'Almras, die
am 10. abends herangekommen waren. Ruyter fhlte sich nun nicht stark
genug, anzugreifen; er ging nach Melazzo zurck, um weitere Spanier
heranzuziehen. =Du Quesne= erreichte wohlbehalten Messina aber erst am
22. Januar. Er hatte es doch vorgezogen, den Weg westlich um Sicilien zu
nehmen: gnstigerer Windverhltnisse wegen? Es ist dies ebenso
auffallend, wie, da er nach dem Siege am 8. trotz der erhaltenen
Verstrkung den Feind nicht aufsuchte. Er hat den weiteren Weg doch wohl
gewhlt, weil er nicht wagte, mit dem Feinde in der Flanke durch die
Strae zu gehen. Nun lieen ihn allerdings gnstige Windverhltnisse in
verhltnismig kurzer Zeit die wieder in groer Bedrngnis befindliche
Stadt erreichen; andernfalls wre vielleicht Messina gefallen. Es war
also ein Zufall, da die Schlacht nicht ein strategischer Erfolg Ruyters
wurde.

Nach der Schlacht von Stromboli trat im Seekrieg eine lngere Pause ein.
Wie schon erwhnt, wurde der Landkrieg lau gefhrt. Die Franzosen hatten
nur in Messina und in Agosta festen Fu gefat; Messina wurde weiter
belagert und bedurfte stets der Zufuhren, die die franzsische Flotte
ermglichen mute. Sonst aber unternahm diese nichts von Bedeutung, und
auch Ruyter war lngere Zeit unttig an der italienischen Kste.

  Da die vertragsmige Zeit fr die Gestellung der hollndischen Flotte
  abgelaufen war, rstete Ruyter zur Rckreise, um nicht wie Tromp 1674
  die Frist der Indiensthaltung zu berschreiten. Aus verschiedenen
  Grnden -- behufs besserer Ausrstung; um gegebenenfalls einen Convoi
  mit Schiffen zu verstrken, den sein Sohn in Livorno sammelte; um
  schneller Nachrichten aus Holland zu erhalten -- ging er zur
  italienischen Kste; hier erhielt er Befehl, noch lnger bei den
  Spaniern zu bleiben. Aufs neue hatte er sich bitter ber diese beklagt:
  ber ihre schwache Beteiligung und darber, da sie weder fr die
  Ausrstung der eigenen Schiffe, noch fr die der hollndischen gengend
  sorgten.

  Holland drngte Spanien, mehr zu tun; es erbot sich auch, neue Schiffe
  gegen Erstattung eines Teiles der Kosten hinaus zu senden, stie aber
  auf passiven Widerstand.

Am 23. Februar 1676 kehrte =Ruyter= nach Palermo zurck und trieb zu
=neuen Operationen= an. Man wute einerseits, da Frankreich den Abgang
groer, fr Messina sehr notwendiger Untersttzungen in Toulon
vorbereite, anderseits, da jetzt viele Einwohner Messinas mit der
Herrschaft Frankreichs unzufrieden waren. Der Zeitpunkt erschien gnstig,
einen krftigen Angriff zu =Lande und zu Wasser= gegen die Stadt zu
unternehmen. In Melazzo, wo sich der spanische Vizeknig mit dem
Hauptquartier der Landarmee befand, wurde am 24. Mrz der Entschlu
hierzu gefat. Die Flotte der Verbndeten ging am nchsten Tage in See,
passierte am 26. ungehindert die Strae und legte sich der Stadt
gegenber an die Kste Kalabriens, aus seemnnischen Grnden einige Tage
spter an die Siciliens sdlich von Messina, um den Landangriff
abzuwarten. Die Operationen zu Lande hatten jedoch keinen Erfolg, und
Ruyter sah ein, da von See her berhaupt nichts zu machen sei, weil die
starke feindliche Flotte in und vor dem Hafen lag; er ging deshalb in
See, um die von Sden her erwarteten Convois abzufangen.

Es ist nicht zu ersehen, warum die franzsische Flotte unttig blieb;
franzsische Quellen sagen, sie sei durch Windverhltnisse bis zum 29.
festgehalten. An diesem Tage ging Vivonne an Bord, um selbst den Feind
aufzusuchen; er lie sich aber -- scheinbar sehr gern -- durch die
Vertreter der franzsischen Partei in der Stadt zurckhalten und bergab
wiederum das Kommando der Flotte an du Quesne. Dann herrschte lngere
Zeit sehr strmisches Wetter, das auch fr Ruyter sehr beschwerlich war
und ihn hinderte, einen inzwischen ins Auge gefaten Angriff auf =Agosta=
auszufhren. Als er endlich am 20. April vor dieser Stadt erschien,
erfuhr er, da sie jetzt zu gut vorbereitet sei, da die spanischen
Landtruppen auch hier zu schwach zur Untersttzung seien und da die
franzsische Flotte herankomme. Diese war am 19. und 20. endlich
ausgelaufen; Ruyter ging ihr am 21. abends entgegen, obgleich sie ihm
wesentlich berlegen war.

Zusammensetzung der Flotten[212] in der $Schlacht von Agosta$[213] 22.
April 1676:

  Schiffe ber  80 K.  70-80  50-70  30-40  kleinere  Brander  Galeren

  Franzosen: 1)  9     10     10      2       2         8       (9?)

  Hollnder: 2) --      3     10      4       6         4        --
                                     -----+-----
                                          |
  Spanier: 3)   --      1      3          5             1         9

  1) Franzsische Galeren sind nicht dabei gewesen, wie einige Quellen
     sagen; sie kamen erst spter als Bedeckung des groen Transportes
     nach Messina.

  2) Die Hollnder sind dieselben wie bei Stromboli, also meistens
     50-Kanonen-Schiffe.

  3) Nach franzsischen Angaben waren die Spanier noch schwcher
     armiert, als hier in den Klassen einrangiert; jedenfalls fhrten sie
     sehr schwache Kaliber -- nur sechs 32-Pfnder in Summa --, waren
     sehr schwach bemannt und ungengend mit Munition etc. versehen. den
     Haen berichtete z. B., da sie keine Reservesegel an Bord gehabt,
     da die Offiziere Teile der Munition, des Proviants und Materials
     verkauft htten.

  [212] Nach de Jonge, Teil II, Beilage XII, nahezu bereinstimmend mit
        den anderen Hauptquellen; A. Jal gibt in du Quesne, Teil II,
        Namen der franzsischen und spanischen Schiffe und Kommandanten,
        fr letztere die Armierung nach offiziellen spanischen Angaben.

  [213] Schilderung der Schlacht nach de Jonge, Teil II; Leben Ruyters;
        Jal: du Quesne; Bon fils. Diese Quellen weichen etwas
        voneinander ab, aber kaum wesentlich fr die Beurteilung der
        Schlacht.

Auf seiten der Verbndeten bildeten die Hollnder Vor- und Nachhut unter
=Ruyter= und den Haen, die Spanier die Mitte (von den Hollndern ihnen
aus Ehrerbietung fr den Knig berlassen) unter =de la Cerda=; die
Galeren standen unter de Bayona. Bei den Franzosen befanden sich als
Flaggoffiziere: Vorhut Generalleutnant d'Almras; Mitte =du Quesne=;
Nachhut de Gabaret; hinzutraten als Divisionsfhrer die Chefs d'Escadre
de Valbelle, de Tourville, de Preuilly.

Am 22. April morgens sichteten sich die Gegner; die Franzosen standen
etwa 18 Seemeilen nrdlich von Agosta bei flauem Nordwestwinde zu Luward;
du Quesne bildete die Gefechtslinie und steuerte heran, Ruyter hielt
zunchst von der Kste ab. Gegen Mittag wurde es still, dann kam leichter
Sdwind auf; jetzt stand Ruyter zu Luward und nherte sich seinerseits
zum Gefecht. Bei der Flaute gebrauchte er lngere Zeit, um Mitte und
Nachhut zur Bildung der Gefechtslinie heran kommen zu lassen; um 3 Uhr
Nachmittags hielt er dann zum Angriff ab.

  $Der Verlauf der Schlacht.$ =Ruyter= fhrte sein Geschwader auf die
  Vorhut des Feindes. Sein Sto (4 Uhr) war sehr erfolgreich. Bald fllt
  d'Almras, 2 Kommandanten werden schwer verwundet und einige Schiffe
  zeitweise auer Gefecht gesetzt; das franzsische Geschwader gert
  infolgedessen in Unordnung. Ruyter soll beabsichtigt haben, die
  feindliche Vorhut zu durchbrechen und von ihrer Mitte abzuschneiden;
  dies gelang nicht und htte auch nicht dazu gefhrt, die feindliche
  Mitte mit bermacht anzugreifen. Die Spanier nmlich folgten nicht eng
  aufgeschlossen der Vorhut, hielten nicht zum Nahkampf ab, sondern
  fhrten ein Feuergefecht auf weite Entfernung. So kam auch =den Haen=,
  der seinerseits auf die Spanier aufgeschlossen fuhr, zunchst nicht ins
  Gefecht. Aufgebracht hierber und ungeduldig setzte er sich an die
  Spitze seines Geschwaders (gegen 5 Uhr) und suchte den Nahkampf,
  gleichzeitig mit dem Bestreben, sich an Ruyter anzuschlieen; um dieses
  Manver zu untersttzen, brate Ruyter back.[214] Auch auf
  franzsischer Seite strebte =du Quesne=, von den Spaniern nicht
  angegriffen, nach vorn seiner bedrngten Vorhut zu; so hatte Ruyter das
  Feuer der an ihm vorberziehenden feindlichen Mitte auszuhalten. Der
  zweite und Hauptmoment der Schlacht scheint dann ein Kampf zwischen den
  beiden hollndischen Geschwadern und der franzsischen Mitte und
  Nachhut gewesen zu sein; lngere Zeit lagen sich Ruyter, untersttzt
  von einem Schiff unter Graf Styrum, und du Quesne, untersttzt von
  Tourville und Preuilly, gegenber.

  [214] Backbrassen heit, das Schiff durch Stellen der Segel eines
        Mastes gegen den Wind zum Stillstand bringen.

  Eine halbe Stunde etwa, nachdem der Kampf heftig geworden war, also
  dicht vor oder dicht nach dem Backbrassen, =fiel Ruyter=; ihm war der
  linke Fu und der rechte Unterschenkel zerschmettert, die erste
  Verwundung in seinem Leben. Sein Flaggkapitn, =Callenburgh=, fhrte
  das Geschwader mit Umsicht weiter, aber auch der Admiral gab noch
  Anordnungen, wie er auch spter noch den Bericht ber die Schlacht
  aufsetzte.

  Die Dunkelheit trennte die Gegner; wie gewhnlich behaupten beide, der
  Feind habe abgebrochen. Die spanischen Galeren schleppten whrend des
  Gefechts beschdigte Schiffe der Vorhut mit Mut und Tapferkeit aus dem
  Feuer; von den Hochseeschiffen der Mitte haben sich einige
  flmisch-spanische bei dem Kampfe Ruyters mit der feindlichen Mitte
  wacker beteiligt, nachdem Callenburgh den spanischen Admiral dringend
  um Herankommen ersucht hatte. Das laue Verhalten der Spanier im
  allgemeinen wurde von den Hollndern hart verurteilt, jedoch spter
  etwas mit der Schwche und dem schlechten Zustande ihrer Schiffe
  entschuldigt; aber selbst der Vizeknig berichtete dem Knige, da
  seine Flotte nicht ihre Schuldigkeit getan habe -- im damaligen Spanien
  eine seltene und gewagte Aufrichtigkeit.

=Die Schlacht mu man als unentschieden bezeichnen=; beide Gegner
wollen das Schlachtfeld behauptet haben, was zutrifft. Die verbndete
Flotte blieb die Nacht in der Nhe, beigedreht und ausbessernd, und ging
am andern Morgen nach Syrakus, teilweise im Schlepp der Galeren. Die
Franzosen sah man von den Toppen aus unter kleinen Segeln ebenfalls
ausbessernd; beide Parteien waren eben nicht imstande, etwas zu
unternehmen. Du Quesne zeigte sich zwar einige Tage spter vor Syrakus,
ging dann aber nach Messina (Ankunft 1. Mai).

Man mu wohl fragen, was Ruyter bewogen hat, bei der eigenen Schwche und
der Strke des Gegners diese Operation gegen Messina zu unternehmen.
Hoffte er auf einen erfolgreichen Landangriff, wollte er dabei die
franzsische Flotte nur beschftigen und rechnete er hierbei dann wieder
auf einen groen Nutzen der Galeren? Vertraute er spter bei einem Kampfe
in offener See auf seine und der Seinigen grere Seemannschaft; dieses
vielleicht gerade nach den Erfahrungen bei Stromboli? Man sagt, er habe
gewnscht, bei einer Seeschlacht die spanischen Schiffe zwischen die
hollndischen zu verteilen; jedenfalls befahl er spter noch, die
hollndischen Geschwader nie wieder zu trennen.

  $Ruyters Tod.$ Die Verwundung gab anfangs noch Hoffnung auf Heilung.
  Bald aber verschlimmerte sich der Zustand, er konnte den Bericht ber
  die Schlacht nicht mehr unterschreiben und starb am 29. April abends.
  Er war 69 Jahre alt, hatte 58 Jahre zur See gedient, ber 40 Gefechte
  mitgemacht -- darunter 15 groe -- und in 7 Schlachten kommandiert.
  Zunchst in Syrakus begraben, wurde die Leiche Ende 1676 von der
  heimkehrenden Flotte nach der Heimat bergefhrt und am 16. Mrz 1677
  in Amsterdam mit groer Feierlichkeit beigesetzt (Denkmal in der Neuen
  Kirche). Auch auerhalb Hollands wurden Ruyters Verdienste anerkannt;
  alle Verbndeten sandten Beileidschreiben an die Regierung und an die
  Witwe.[215] Der Knig von Spanien hatte ihn nach der Schlacht von
  Stromboli zum Herzog ernannt und ihm eine jhrliche Pension ausgesetzt;
  beides ging auf den Sohn ber, der Titel wurde auf dessen Wunsch in
  Baron gendert. Selbst Ludwig XIV. gab den Befestigungen Befehl, das
  Schiff mit der Leiche zu salutieren, falls es nahe genug passiere und
  angekndigt sei.

  [215] Wrtlich im Leben Ruyters, darunter auch die Schreiben des
        Groen Kurfrsten.

  Das Interesse, das wohl jeder Leser fr den groen und sympathischen
  Seehelden gewonnen hat, lt es angebracht erscheinen, hier am Schlu
  seiner Laufbahn noch einige Urteile ber ihn hinzuzufgen. (Personalien
  vgl. Seite 205.) =Mahan= sagt (Seemacht, Teil I, Seite 142): In der
  Schlacht bei Solebay bewies Ruyter einen Grad der Geschicklichkeit und
  Tatkraft, wie man sie nach ihm bis zu den Zeiten Nelsons und Suffrens
  zur See nicht wieder zu sehen bekam. Seine Schlachten 1672-1674 waren
  keine behutsame Unternehmungen, wenn sie auch behutsam ins Werk
  gesetzt wurden; sein Ziel war stets die vollste Niederwerfung des
  Feindes, indem er taktische Geschicklichkeit mit ungestmem Draufgehn
  vereinigte. Bei Solebay war er etwas schwcher als sein Feind, spter
  war er es immer in viel hherem Grade. Derselbe Verfasser nach der
  Schlacht bei Texel (Seite 152 abgekrzt): Texel schliet die lange
  Reihe der Kriege ab, in denen England und Holland um die Seeherrschaft
  kmpften; die hollndische Marine stand auf ihrem hchsten Punkt und
  ihre grte Zierde, Ruyter, auf dem Gipfel seines Ruhmes, das Alter von
  66 Jahren hatte ihm nichts von seinem kriegerischen Feuer geraubt; sein
  Angriff war noch ebenso ungestm wie vor acht Jahren, aber Erfahrung
  hatte sein Urteil gereift, wie die grere Klarheit seiner Plne und
  sein scharfer militrischer Blick erkennen lassen. Er unternahm, um das
  Vaterland zu retten, den Kampf gegen einen berlegenen Gegner mit einer
  Marine, die ihm ihre Tchtigkeit verdankte; er vollbrachte die Aufgabe
  nicht durch Mut allein, sondern durch Mut, Voraussicht und
  Geschicklichkeit. Der Angriff bei Texel war in den allgemeinen Zgen
  derselbe wie bei Trafalgar: Vernachlssigung der Vorhut des Feindes,
  Angriff mit ganzer Macht auf Mitte und Nachhut; sein Erfolg war
  geringer als der Nelsons, da sein Gegner ihm in grerem Mae berlegen
  war als diesem. Ebendort: Noch einmal wird uns dieser einfache und
  heldenhafte Mann begegnen und, wenn auch unter traurig vernderten
  Verhltnissen (Mittelmeer 1676), in seinem Wesen immer derselbe. --
  Dieser hohen Anerkennung seiner Fhigkeiten aus magebender Feder mgen
  einige Angaben folgen, die =Ruyters Charakter= kennzeichnen. Der schon
  frher angezogene Graf von =Guiche=, Kriegsfreiwilliger im zweiten
  Kriege, schreibt nach der Viertageschlacht: Ich sah ihn niemals anders
  als ruhig und gleichmig; wenn der Sieg gesichert war, so sagte er
  stets, der liebe Gott htte ihn uns geschenkt. Als die Flotte in
  Unordnung war und beim Anblick der Verluste schien ihn nur der Gedanke
  an das Unglck seines Landes zu bewegen; aber stets unterwarf er sich
  dem Willen Gottes. Es mge noch erwhnt sein, da er etwas von der
  Einfachheit unserer Patriarchen hatte. Einen Tag nach dem Siege traf
  ich ihn, wie er sein Zimmer ausfegte und seine Kken ftterte.

  =Brand= (Leben Ruyters, Teil II, Seite 165) fhrt -- als er davon
  gesprochen, da sonst unverzagte Kriegsleute sich auch einmal weniger
  tapfer zeigen knnten -- eine Erzhlung Ruyters an, die er aus des
  Admirals eigenem Munde habe. Kurz gefat ist sie folgende: Vor einem
  greren Treffen fhlte sich Ruyter gegen alle Gewohnheit kleinmtig
  und zgerte, die letzten Befehle zu geben. Er begab sich deshalb allein
  in seine Kajte, fiel auf die Knie und bat Gott in kurzem, aber
  andchtigem Gebet, ihn in dieser Stunde nicht zu verlassen, sondern ihm
  zum Besten seines Vaterlandes beizustehen. Nach diesem Gebet verlie
  ihn alle Bangigkeit, und die gewhnliche Ruhe und Freudigkeit seines
  Geistes bekam wieder die Oberhand. Er gab seine Befehle mit
  standhaftem Mut und fhrte die Aktion glcklich durch, den Erfolg
  nachher Gottes Beistand zuschreibend.

  Ergreifend ist endlich die Schilderung seiner letzten Tage: wie er noch
  whrend der Schlacht fr seine Flotte betet, spter die Schmerzen mit
  Geduld ertrgt und mit Ergebung dem Tode entgegensieht.

=Die verbndete Flotte= ging am 6. Mai sdlich um Sicilien =nach
Palermo=; es spricht nicht fr die franzsische Leitung, da dies nicht
verhindert wurde, obgleich am 21. April sogar noch 25 Galeren in Messina
eingetroffen waren. Erst Ende Mai beschlo =Vivonne= in Person, den Feind
in Palermo anzugreifen -- nach franzsischen Quellen endlich angetrieben
durch Eifersucht auf du Quesnes Erfolge und auf die Nachricht, da man in
Paris damit umginge, ihn durch einen schneidigeren Mann ablsen zu
lassen; er schiffte sich auf dem Flaggschiffe Tourvilles ein, um dessen
Rat zur Hand zu haben. Die ganze Flotte der Hochseeschiffe -- 29
Kriegsschiffe, 9 Brander -- sowie 25 Galeren liefen am 28. Mai aus; die
Nachricht hiervon traf am 30. in Palermo ein. Auf Antreiben =den Haens=,
auf den der Befehl ber die Hollnder bergegangen war, nahmen die
Verbndeten eine Verteidigungsstellung ein, die Hollnder sofort, die
Spanier nach und nach bis zum 1. Juni: Die Schiffe -- 27 aller Gren --
wurden in der Bucht im Halbmond verankert, durch Warpanker mit den
Breitseiten nach See zu gehalten; den rechten Flgel bildeten nur
spanische Schiffe, die Mitte und den linken Flgel hauptschlich
hollndische, aber einige Spanier darunter; die Flgel lehnten sich an
Batterien auf der Mole und an kleinere Befestigungen, die Mitte wurde
durch das Hauptfort des Hafens verstrkt; die Galeren waren auf die
Flgel und zwischen den Schiffen verteilt, um Brander abzuwehren.

Die $Schlacht vor Palermo[216] am 2. Juni 1676$ sollte eine der grten
Erfolge dieser Waffe werden, die allerdings unter sehr gnstigen
Umstnden verwendet wurde.

  [216] Quellen wie bei Agosta.

  Die Verbndeten hatten beschlossen, vor Anker zu fechten, weil
  verschiedene Schiffe infolge von Mangel an Material noch nicht wieder
  seeklar waren; das hollndische und das spanische Flaggschiff (jetzt
  Admiral d'Ybarra) wechselten Masten. Ruyter wrde wahrscheinlich mit
  den segelfertigen Schiffen in See gegangen sein; noch vor Agosta hatte
  er erklrt, unter keinen Umstnden ein Gefecht vor Anker zu liefern,
  selbst nicht den Feind in einer Bucht zu erwarten; die Folgen
  besttigten die Richtigkeit seiner Ansicht. Die Hollnder hatten aber
  wohl zu wenig Vertrauen auf die Spanier, waren selbst niedergedrckt
  durch Ruyters Tod und rechneten mit einem krftigen Rckhalt an den
  Befestigungen.

  Vivonne lie am 1. Juni durch Tourville und Gabaret auf einem kleinen
  Fahrzeuge, gedeckt durch die Galeren, die feindliche Stellung erkunden
  und griff am Morgen des 2. an. Ein Geschwader von 9 Schiffen nebst 6
  Brandern ging unter Preuilly gegen den rechten Flgel vor und legte
  sich ebenfalls auf Spring[217] den Schiffen auf Kabellnge querab; die
  Brander griffen durch Pulverrauch gedeckt an. So bedroht kappt der
  spanische Vizeadmiral zuerst sein Kabel und treibt auf den Strand; die
  meisten seiner Schiffe folgen dem Beispiel; 3 Schiffe verbrennen, 2
  Galeren werden vernichtet. Das Gros der Franzosen ist inzwischen gegen
  Mitte und linken Flgel ebenso vorgegangen. Es findet zwar krftigeren
  Widerstand, doch das Schicksal des rechten Flgels wirkt entmutigend,
  um so mehr, da auch hier die Brander Erfolg haben: ein hollndisches
  Flaggschiff fngt Feuer, treibt und entzndet 2 andere Schiffe, alle 3
  fliegen auf; das spanische Flaggschiff (bei der Mitte) schlgt zwar 2
  Brander ab, 2 andere aber kommen heran, die ganze Besatzung springt
  ber Bord, d'Ybarra (und auch de la Cerda, als Freiwilliger weiter an
  Bord verblieben) ertrinken dabei, das Schiff fliegt auf. So entsteht
  auch hier Panik; 4 Hollnder kappen und treiben an Land, die meisten
  Spanier und alle Galeren flchten in den inneren Hafen; auch Teile der
  Stadt werden in Brand geschossen und eine Batterie wird aufgesprengt.
  Nur wenige Schiffe unter den Haen (Mitte) und Callenburgh (linker
  Flgel) kmpften tapfer weiter; den Haen fiel.

  [217] Um ein Schiff vor Anker in jeder beliebigen Lage zum Winde
        festlegen zu knnen, wird vom Heck aus eine Trosse auenbords
        herum nach vorn genommen, auf die Ankerkette gesteckt und nach
        Bedarf eingeholt.

  Vivonne brach das Gefecht ab, als seine Brander smtlich verbraucht
  waren. Der Verlust der Verbndeten wre wohl noch bedeutender gewesen,
  wenn dem Feinde mehr Brander zu Gebote gestanden htten; der Angriff
  auf das spanische Flaggschiff war schlecht ausgefhrt, er kostete
  allein 4 Brander. Die Hollnder schreiben die Hauptschuld an der
  Katastrophe der mangelhaften Untersttzung seitens der Befestigungen
  und der Galeren zu; diese htten die Brander unschdlich machen knnen.
  Die Franzosen haben das Manver des Lngsseitgehens und Ankerns trotz
  heftigen Feuers unter Preuilly, Tourville mit dem Flaggschiff der
  Flotte und du Quesne mit dem Spitzenschiff des Gros vorzglich
  ausgefhrt.

  =Die Verluste der Verbndeten waren ungeheuer.= Die Hollnder verloren
  2 Flaggoffiziere, 260 Tote und viele Verwundete, mindestens 3
  Linienschiffe; die Spanier 4 Flaggoffiziere, 8 Kommandanten, 1700 Mann,
  mindestens 4 Linienschiffe, 2 Galeren und verschiedene kleinere
  Fahrzeuge. Der Verlust der Franzosen war unbedeutend, an Fahrzeugen nur
  1 Schiff und die Brander.

Wiederum ist es auffallend, da die Franzosen den Kampf nicht bis aufs
uerste durchfhrten. Vivonne konnte mit seiner Artillerie auch nach
Verbrauch der Brander den Erfolg noch erhhen; er konnte -- wie ihm
vorgeschlagen wurde -- an einem der nchsten Tage mit neuhergestellten
Brandern die Zerstrung fortsetzen. Statt dessen ging er nach Messina
zurck, und wiederum schreiben dies franzsische Angaben seiner
Lssigkeit (insouciance) zu; nach seiner uerung hatte er genug getan,
es zog ihn nach seiner Residenz zurck. Immerhin war mit dieser
Niederlage der Verbndeten die Kriegfhrung zur See um Sicilien zu Ende.
Die Franzosen beherrschten die See, eine ebenbrtige Flotte stand ihnen
nicht mehr gegenber. Holland wollte, nach all den Opfern und von Spanien
nicht untersttzt, seine Schiffe nicht mehr einsetzen, die Spanier waren
weder imstande, ihre Seestreitkrfte zu verstrken, noch mit den
vorhandenen ohne die Hollnder etwas zu unternehmen; sie verblieben in
dem mglichst verstrkten Palermo.

  Auch fr den =Landkrieg auf Sicilien= htte diese Schlacht entscheidend
  werden mssen. Die franzsische Flotte hatte ihre Hauptaufgabe erfllt,
  sie beherrschte die See und hinderte jede Untersttzung der spanischen
  Armee auf der Insel, falls man berhaupt zu einer solchen imstande
  gewesen. Frankreich brauchte nur gengend Truppen und einen tchtigeren
  General hinberzusenden. Vivonne aber fhrte den Krieg in der
  bisherigen Weise fort: vereinzelte Vorste, um die Lage Messinas zu
  verbessern; Angriffe auf andere Kstenstdte, um dort Fu zu fassen;
  alles jedoch ohne Nachhalt, auch wenn vereinzelte Erfolge errungen
  waren. Man darf ihm aber die Schuld nicht allein zuschieben. Er
  verfgte zwar zunchst noch ber eine starke Flotte, seine Landmacht
  dagegen war gering und litt sehr unter Krankheiten. Allerdings erhielt
  er von Zeit zu Zeit Nachschub, dieser war jedoch stets nur schwach und
  minderwertig; seine Klagen hierber -- selbst bei Frau von Montespan,
  seiner Schwester -- blieben erfolglos. Der Knig und Louvois -- dieser
  eiferschtig auf Colbert -- betrachteten die Operationen in Sicilien
  immer mehr nur als eine Diversion fr ihren Krieg mit Spanien an den
  Landesgrenzen; sie hatten ungeheure Kosten verursacht und als Erfolg
  eigentlich nur einigen Ruhm fr die junge Marine gebracht.

  Als sich England 1678 Frankreichs Feinden zuneigte und mit Holland in
  Verhandlungen ber eine gemeinsam ins Mittelmeer zu entsendende Flotte
  eintrat, zog man die Truppen aus Messina zurck und berlie die Stadt
  den Spaniern.

$Die weiteren Ereignisse zur See$[218] seien nur kurz erwhnt. Nach dem
Kampfe bei Palermo befahl die hollndische Regierung ihrer Flotte, nach
Neapel zu gehen, um hier auszursten und um einen neuen Admiral
(Kontreadmiral van Almonde, ber Land kommend) zu erwarten. Der
interimistische Chef, Kapitn =Callenburgh=, fhrte den Befehl Anfang
August aus; er stie dabei auf die mchtige franzsische Flotte unter du
Quesne, entzog sich aber ihr sehr geschickt.

  [218] Genauer in de Jonge, Teil II, und du Quesne, Teil II.

  Am 13. August sichtete Callenburgh nicht weit von Neapel den Feind, 24
  Kriegsschiffe mit einem Convoi. Tagsber manvrierte er, als ob er die
  gnstige Windstellung fr ein Gefecht gewinnen und halten wolle. Nachts
  aber nderte er nach und nach den Kurs nach Westen, kam so dem Feinde
  aus Sicht, hielt sich noch einige Tage fern von der Kste und erreichte
  dann wohlbehalten Neapel am 20. August.

Inzwischen begann Holland wieder Unterhandlungen mit Spanien ber
Entsendung einer neuen Flotte. Da diese aber nicht vorwrts kamen und
auch die Gelder fr die erste Expedition nicht gezahlt wurden, rief man
=Almonde= zurck. Dieser verlie am 4. Oktober Neapel, blieb einige Zeit
in Cadiz -- falls Spanien sich noch besinnen sollte --, mute wegen Sturm
und Eis England anlaufen und kam endlich, Ende Januar 1677, in Holland
an.

Auf franzsischer Seite wurde =du Quesne= wenige Tage nach der Schlacht
von Palermo mit der ganzen Hochseeflotte nach Toulon gesandt, um Zufuhr
an Truppen, Kriegsmaterial und Proviant zu holen. Ende Juli kehrte er mit
24 Kriegsschiffen und einigen Transportern (6 Schiffe mit weiteren
Truppen folgten bald) zurck und traf, wie erwhnt, auf Callenburgh, ohne
da es zum Zusammensto kam.

  Wohl hatte er die Absicht, die Hollnder anzugreifen. Als diese sich
  ihm aber entzogen, sah er von weiterem Suchen ab; er mute zunchst die
  sehnlichst erwarteten Zufuhren abliefern, auerdem drohte der Flotte
  durch den schlechten Gesundheitszustand der eingeschifften Truppen
  Gefahr.

Von jetzt ab treten in dem Kriege keine greren franzsischen Flotten
mehr auf; auffallenderweise werden keine Versuche gemacht, die Reste der
spanischen und hollndischen Seestreitkrfte zu vernichten. Nur kleinere
Geschwader beteiligen sich an Unternehmungen gegen sicilianische Stdte
-- z. B. 1676 Scaletta und Taormina genommen; 1676 und 1677 vergebliche
Versuche gegen Syrakus --, die Hauptaufgabe bleibt, die Zufuhren von
Frankreich nach Messina zu decken. In den Jahren 1677 und 1678 werden
auch wieder kleinere Geschwader zur Untersttzung des Landkrieges an der
spanischen Grenze verwendet. Grere Aktionen zur See kamen auch hier
nicht vor, selbst nicht als 1678 nochmals die Hollnder hier erschienen,
wie wir gleich hren werden. Es hat den Anschein, als ob die franzsische
Flotte infolge von Reibungen zwischen den militrischen und den
administrativen Behrden in Toulon weniger leistungsfhig geworden war.

Im Februar 1678 ging ein greres Geschwader nach Messina unter dem
Marschall de la Feuillade, der Vivonne ablsen sollte; man wollte diesem
die Demtigung ersparen, Sicilien zu rumen. Um Unruhen in der Stadt
vorzubeugen, ordnete der neue Vizeknig zunchst Maregeln an, die auf
eine energischere Kriegfhrung hinzudeuten schienen. Als aber unter
diesem Vorwande alles zur Einschiffung bereit war, erklrte er auf einem
Gastmahle mit den Behrden pltzlich, da sein Knig die Truppen
zurckzge. Der Abzug aus den verschiedenen besetzten Pltzen begann
Mitte Mrz, am 1. April verlieen die letzten Franzosen die Insel.

$Die Rumung Siciliens$ war, wie wir wissen, beschlossen, da man das
Erscheinen einer englisch-hollndischen Flotte im Mittelmeer befrchten
mute; sie wurde beschleunigt, als man erfuhr, da ein =hollndisches
Geschwader= schon ausgerstet werde. Dieses Geschwader hatte nur noch
wenig Gelegenheit zu ntzen, doch fhrte seine Reise zu einem =letzten
Zusammensto mit den Franzosen=.

  Don Juan d'Austria hatte in Spanien an Stelle der Knigin-Mutter die
  Regierung fr den unmndigen Knig bernommen; er bat im Jahre 1677
  Holland wieder um Untersttzung unter den frheren Bedingungen und
  zahlte auch einen Teil der rckstndigen Gelder ab. Holland war aber
  vorsichtig geworden, die Unterhandlungen zogen sich hin und die
  Rstungen wurden nur fortgesetzt, wenn die Geldraten eintrafen. So war
  die Flotte -- 18 Kriegsschiffe, 6 Schnauven, 6 Brander -- erst im
  Februar 1678 fertig und wurde dann noch teilweise durch Eis
  festgehalten. Dennoch erhielt der Fhrer, Vizeadmiral =Cornelis
  Evertsen= (genannt der Jngste als der dritte dieses Namens, Sohn des
  Leutnantadmiral Jan E.) Mitte Februar den Befehl, mit 9 Schiffen und 5
  Brandern auszulaufen; der Rest sollte baldmglichst folgen. Es geschah
  wohl, um Frankreich zu zeigen, da man Ernst mache, und um England
  anzufeuern. Mit der Entsendung einer so kleinen Macht verscherzte man
  die Gelegenheit, den Franzosen eine Schlappe zuzufgen, und setzte sie
  selbst einer Gefahr aus. Evertsen, einige Zeit in England aufgehalten,
  traf am 17. Mrz, etwa 30 sm. westlich von Kap Ouessant auf den Chef
  d'Escadre =Chateau-Renault= mit 6 schweren Linienschiffen. Auch dieses
  Geschwader war von Brest nach Sicilien bestimmt, um bei der Rumung
  mitzuwirken, und gleichfalls durch verzgerte Ausrstung versptet. Die
  Franzosen griffen an. Infolge schweren Seeganges, der das ffnen der
  untersten Pforten verbot, blieb das etwa sechsstndige Gefecht ohne
  groe Folgen und ohne Entscheidung; die Nacht trennte die Gegner und
  Evertsen erreichte Cadiz, wo er die in Holland zurckgelassenen Schiffe
  schon antraf.

Die hollndische Flotte traf erst am 26. Mrz 1678 in Cadiz ein. Sie war
also fr Sicilien nicht mehr ntig und kam auch zu spt, um gegen den
Abzug der Franzosen verwendet zu werden, wenn sie nicht sofort
weiterging. Aber wie zu Ruyters Zeit wurde sie durch mangelnde
Untersttzung, durch Befehle und Gegenbefehle von Madrid festgehalten.
Erst Ende Mai fhrte sie Truppen nach Barcelona, blieb dort etwa drei
Wochen an der Kste, ohne mit dem Feinde zusammenzustoen, und wurde dann
nach Holland zurckgerufen, weil Spanien wiederum seinen Verpflichtungen
nicht nachkam.

=So endeten die hollndischen Unternehmungen im Mittelmeer.= Sie hatten
groe Summen gekostet, groe Verluste -- besonders den Ruyters --
gebracht und fast keine Erfolge gehabt, wenn auch die verhltnismig
schwachen, zu schwachen Krfte ihre Pflicht getan und die Ehre ihrer
Flagge hoch gehalten hatten. Die grere Schuld an dem Mierfolge trifft
wohl die Spanier, und die Folgen des Zusammengehens mit ihnen fhlte
Holland noch lange nach: Spanien zahlte nur drftig ab. Noch 1684 bestand
eine Forderung an diesen Staat von 6 Millionen Gulden, 1713 von 4
Millionen und die Zinsen von 30 Jahren; die Schulden der hollndischen
Admiralitten waren aufs neue vermehrt worden, was von grtem Nachteil
fr das Seewesen der Republik wurde.

Ehe wir die Schilderung dieses franzsisch-hollndischen Krieges
schlieen, mssen ber den $kleinen Krieg[219] gegen den Handel$ wenige
Worte gesagt werden. Holland gab bekanntlich in den Jahren 1672 und 1673
die Freibeuterei stets frei, sobald im Herbst die Operationen der Flotten
aufhrten. Die Freibeuterei richtete sich von 1674 natrlich gegen die
Franzosen und wurde wie immer hauptschlich von den Seelndern betrieben;
vom Mittelmeer bis zum Kanal schwrmten ihre Fahrzeuge, oft in kleinen
Geschwadern. Sie haben auch dem Gegner groen Schaden getan; so wurden z.
B. allein im Jahre 1676 in spanischen Stdten 71 von seelndischen
Freibeutern aufgebrachte franzsische Handelsschiffe verkauft. Aber auch
die Niederlande erlitten im kleinen Kriege schwere Verluste, weil ihr
Handel unverhltnismig grer war. Wenn man auch stets Geschwader am
Eingange des Mittelmeeres hielt, um die Levantefahrer zu sichern -- die
schon der Barbaresken wegen stets unter Bedeckung segeln muten -- und
ferner die Handelsschiffe durch den Kanal begleiten lie, so wurden doch
viele von ihnen durch Freibeuter der franzsischen Kste oder durch
kleine Kriegschiffsgeschwader von St. Malo und Brest abgefangen.

  [219] Nheres de Jonge, Teil II, Seite 653 mit Schilderung kleiner
        Gefechte zwischen Kriegs- und Freibeuter-Geschwadern beider
        Seiten, besonders auch der Operationen gegen die Freibeuterei
        Dnkirchens; auch Bonfils, Teil I, Seite 223, hier erstes
        Auftreten Jean Barts.

Der grte Feind des niederlndischen Handels wurde seit 1674 wieder
=Dnkirchen=, wie die Stadt es zu Anfang des Jahrhunderts gewesen war.
Sie hatte, wie wir wissen, seit jener Zeit mehrfach ihren Herren
gewechselt und war dadurch sehr heruntergekommen. England soll
absichtlich ihren Hafen haben verfallen lassen, so da ihn nur kleine
Fahrzeuge benutzen konnten; Ludwig XIV. stellte wohlweislich, im Hinblick
auf die wichtige Lage, diesen belstand wieder ab. Solange der Krieg
zwischen England und Holland whrte, konnten die Dnkirchener ihr
Lieblingsgewerbe noch nicht aufnehmen, die Hollnder hatten meistens ihre
Schiffahrt eingestellt und auch zu starke Kriegsflotten in See; sobald
aber der hollndische Handel nach dem Frieden von Westminster wieder
krftig betrieben wurde, erschienen auch die Freibeuter der Stadt in
groer und immer grer werdender Zahl von schnellsegelnden Jachten und
Fregatten mit 2-24 Kanonen, oft in Geschwadern. Jetzt schon tat sich der
spter berhmte =Jean Bart= hervor. Holland sah sich bald gentigt, wie
in den lteren Zeiten einen frmlichen Krieg gegen dieses Gemeinwesen zu
fhren. Anfangs sandte man einige leichte Schiffe gegen die Freibeuter
aus, spter war man gezwungen, stndige Geschwader aufzustellen, deren
Kern kleinere Linienschiffe bildeten. Der Krieg wurde wie vor 30 Jahren
gefhrt: Mit vorzglichem Personal aller Nationen bemannt, holten die
Dnkirchener selbst Fahrzeuge aus den niederlndischen Seegatten heraus,
griffen groe Convois an, ja planten 1676 sogar, sich Briels oder
Hellevoetsluis' zu bemchtigen; die hollndischen Geschwader muten immer
strker gemacht werden, um Dnkirchen zu blockieren, die eigenen Ksten
reinzuhalten, ihre Ostseefahrer durch die ganze Nordsee zu geleiten und
die Fischereigrnde zu berwachen. Trotz alledem fgten die verwegenen
Gegner dem Handel schweren Schaden zu; trotz der Blockade liefen sie
nachts und im Sturm ein und aus.

$Rckblick auf die Kriegfhrung zur See von 1674-1678.$ In seiner
Geschichte des niederlndischen Seewesens erhebt de Jonge Einwand gegen
den Vorwurf in den meisten Geschichtswerken, da nach dem Frieden von
Westminster in dem hollndischen Seewesen kein rechtes Leben mehr gewesen
und von seinen Seestreitkrften nicht viel mehr geleistet sei. Er
erinnert an alle die hier besprochenen Unternehmungen, zu denen noch die
Beteiligung am schwedisch-dnischen Kriege tritt. Er weist dann darauf
hin, welche Anstrengungen besonders von der Admiralitt Amsterdam gemacht
seien, indem von dieser die ganze Flotte Ruyters im Mittelmeer und der
grte Teil der Schiffe gegen Schweden, gegen Dnkirchen, zum Schutz der
Convois sowie fr die Expeditionen nach Westindien gestellt wre; dieser
Admiralitt seien solche Leistungen mglich gewesen, da man hier die
ntigen Mittel habe aufbringen knnen. Als Grnde hierfr fhrt de Jonge
an, da die Provinzen von Holland stets die fr das Seewesen bestimmten
Gelder zahlten. Dies kam nun den Admiralitten von Amsterdam, Maas und
Norderquartier zu gute; so waren auch die beiden letzten imstande, sich
an den Rstungen zu beteiligen, Amsterdam aber am meisten, weil sein
Handel bei weitem der eintrglichste war. Der Zuschu der Landprovinzen
fehlte allen Admiralitten, und da die beiden anderen Seeprovinzen auch
schon seit Jahren unregelmig und ungengend zahlten, so waren ihre
Admiralitten, Seeland und Friesland, derart in Schulden geraten, da
ihre Kontingente nach und nach ganz ausfielen; ihre immer schwcher
werdende Beteiligung haben wir schon im 2. und 3. englisch-hollndischen
Kriege gesehen. Soweit de Jonge.

Alles dieses besttigt doch aber nur, da die Rstungen zur See im
allgemeinen zurckgegangen sind, auch die Angaben ber die
Indienststellungen beweisen dies: Schon 1674 zhlten die Flotten Ruyters
und Tromps zusammen nur 45 Linienschiffe und Fregatten; fr 1676 gibt die
Zusammenzhlung der Krfte im Mittelmeer, Ostsee, Westindien und gegen
Dnkirchen kaum eine grere Zahl. Im Kriege 1672-1674 aber waren Flotten
von 64-75 Schiffen aufgestellt.

Der Hauptgrund fr diese Herabsetzung war wohl die Erschpfung des
Landes, sahen wir doch selbst Ruyter nach dem Frieden mit England fr
eine Verminderung der Flotte sprechen. Es mgen aber doch auch die
Verhltnisse eingewirkt haben, die schon in den frheren Kriegen oft
dahin fhrten, da die uersten Anstrengungen nur gemacht wurden, wenn
das Feuer auf den Ngeln brannte. Sonst aber wurde es der Regierung --
den Generalstaaten und dem Prinzen von Oranien --, in einer Republik von
Kaufleuten, in der stets eine groe friedliebende Partei vorhanden sein
wird, schwer, Beschlsse durchzubringen, die die Entfaltung einer groen
Macht und damit die Durchfhrung grerer strategischer Plne
ermglichten; der Mangel an Zentralisation in der Marineverwaltung
erschwerte dies noch mehr, es hatten eben in allen Dingen zu viele
mitzusprechen.

  Wenn sich Amsterdam am meisten an den Rstungen beteiligte, so ist dies
  nicht allein seinen reichlicheren Mitteln zuzuschreiben, sondern auch
  dem Umstande, da hier das grere Verstndnis fr die Wichtigkeit der
  Kriegfhrung zur See vorhanden war. Es zeigte sich dies schon in den
  frheren Kriegen, und auch jetzt in den Jahren 1674-1678 gehen die
  Forderungen, zur See etwas zu unternehmen, stets von den Provinzen von
  Holland aus; de Jonge sagt: Hier war der Geist de Witts noch nicht
  ganz verschwunden.

Da im brigen die Republik erschpft war, kann nicht wundernehmen. Die
Hlfte ihrer Provinzen war lange Zeit in Feindeshand gewesen, und doch
hatte sie den grten Teil der Kosten eines fast europischen Krieges
getragen. Sie mute mit ihrem Gelde auch die Armeen der Verbndeten
wesentlich untersttzen und viele stets geldbedrftige deutsche Frsten
dem Bunde gegen Frankreich treu erhalten; da dies berhaupt mglich war,
ist das Verdienst der Marine, die dem Lande immer wieder das Meer
freigemacht hat.

Kommen wir nun zu den =Leistungen der hollndischen Marine=, so drngt
sich die Frage auf, ob diese nicht trotz der notgedrungen schwcher
gewordenen Krfte htten grer sein knnen. Bei allen Operationen wird,
auch von hollndischer Seite, der Vorwurf erhoben, sie seien mit zu
schwachen Krften unternommen; gleichzeitig wird geklagt, da der Handel
so sehr durch franzsische Freibeuter geschdigt wre. Wrde es nicht
richtiger gewesen sein, die Krfte nicht zu zersplittern?

Ruyters Zug nach Westindien konnte nicht bedeutend auf den Verlauf des
Krieges einwirken -- noch weniger die spteren kleinen Expeditionen --,
mit den hierfr verwendeten Krften wre wohl besser das Unternehmen
Tromps verstrkt und dem sich wieder regenden Dnkirchen, sowie der
feindlichen Freibeuterei berhaupt, rechtzeitig fest entgegengetreten.
Wenn sich auch dann herausgestellt htte, da Tromp nichts von Bedeutung
gegen die Ksten ausrichten konnte, htte man der franzsischen Flotte im
Mittelmeer ernstlich zu Leibe gehen mssen. Dasselbe ist von den spteren
Jahren zu sagen, Ostsee und Mittelmeer zu gleicher Zeit war zu viel fr
die vorhandenen Krfte. Stets fehlte ein Plan zu einheitlicher Verwendung
der Seestreitkrfte, um ein wichtiges Ziel unbedingt zu erreichen; immer
folgte man mehr augenblicklichen Antrieben, die oft wohl von
interessierten Kreisen ausgingen. Die Zersplitterung fhrte nur zu
Teilerfolgen (Ostsee), die auch nicht einmal immer dem Einsatz
entsprachen (Tromp 1674), oder gar zu Verlusten (Mittelmeer, Westindien)
und daneben konnte man den Handel nicht gengend schtzen, was doch
wichtig fr die Fortsetzung des Krieges war.

ber =die Kriegfhrung der Franzosen= ist folgendes zu bemerken. Wohl war
es richtig, da sie sich im Atlantik auf die Defensive beschrnkten --
ausgenommen die Expeditionen nach Westindien, die mehr den Charakter der
Privatzge lterer Zeiten hatten. Wenn sie gezeigt htten, da sie hier
den Seekrieg ernstlich zu fhren beabsichtigten, so wrde Holland ihnen
seine ganze Macht entgegengestellt haben, und dieser waren sie nicht
gewachsen. Im inneren Wert stand ihre Marine noch nicht auf der Hhe der
hollndischen und auch an Schiffen konnten sie noch nicht dieselbe Zahl
aufstellen, weil das Personal fehlte; wir zhlen in den Kriegsjahren
1674/78 kaum mehr als 40 Linienschiffe und Fregatten gleichzeitig im
Mittelmeer und Atlantik: nur sind mehr schwerere Schiffe darunter als in
den Jahren 1672/73. Im Mittelmeer aber war die franzsische Flotte
mchtig und stets ihren Gegnern an Strke und Zahl der Schiffe berlegen,
so besonders bei dem Kampfe um Sicilien. Deshalb ist es befremdend, da
man von dieser bermacht keinen tatkrftigeren Gebrauch gemacht hat.

Bei der Schilderung der Ereignisse wurde hierauf mehrfach hingewiesen.
Schon bei Stromboli macht du Quesne keinen ernsten Versuch, Ruyter zum
zweiten Male entgegenzutreten, obgleich er unmittelbar nach der Schlacht
bedeutende Verstrkung erhielt; in noch hherem Mae erscheint es
auffallend, da er im nchsten Jahre nicht alles daransetzt, den weit
schwcheren Callenburgh vor Neapel zu vernichten. Doch kann man in diesen
beiden Fllen wenigstens annehmen, er habe zunchst den wichtigen
Zufuhrtransport sicher nach Messina fhren wollen. Aber auch sonst
vermit man fast durchgehend eine energische Offensive, meist liegt die
franzsische Flotte ohne grere Aufgabe tatenlos vor der belagerten
Stadt. Als Ruyter an der italienischen Kste war, htte sie gegen die
getrennten Gegner vorgehen knnen; die Spanier wenigstens wren ihnen
gewi leicht zum Opfer gefallen. Nach Agosta machen die Franzosen eine
lange Pause, ehe sie den Schlag gegen Palermo fhren, obgleich sie auch
nach dieser Schlacht wiederum durch ihre Galerenflotte verstrkt waren.
Der Sieg wird dann nicht vllig ausgentzt, und es wird spter nicht
daran gedacht, die Reste der aufs neue getrennten feindlichen Flotten
gnzlich zu vernichten.

Du Quesne war ein tchtiger Mann. War er es nur in der Schlacht --
Tourville uert sich spter bei der Expedition gegen Algier ber du
Quesne derart, als ob dieser grere eigene Verantwortung gescheut habe;
ein Vorwurf brigens, der gegen ihn selbst im nchsten groen Kriege auch
erhoben wurde -- oder konnte er den lauen Vivonne, der stets den
Oberbefehl auch ber die Flotte fhrte, nicht zu energischen Taten
bewegen? Spielte Eifersucht Vivonnes auf du Quesne, Louvois' auf Colbert
hierbei mit? Wenn die franzsische Flotte endlich in den letzten
Kriegsjahren an der spanischen Kste so wenig hervortrat, so scheint
dies allerdings seinen Grund in ihrem weniger schlagfertigen Zustande
gehabt zu haben; da es aber dahin gekommen war, macht ebenso wie ihr
Verhalten bei Sicilien den Eindruck, als ob man die neue Waffe doch noch
nicht zu schtzen verstanden habe.

ber =Spanien= ist nichts weiter zu sagen; der Krieg zeigt, in welchem
Zustande das ganze Reich und seine Marine im besonderen war.

$Der Frieden von Nymwegen$ schlo diesen Krieg ab. Seine Bedingungen
kennen wir bereits (Seite 363). Es ist aber gerade fr unseren Standpunkt
wichtig, die =mittelbaren Folgen dieses Krieges= fr Holland, Frankreich
und auch England zu betrachten.

Scheinbar war der Friedensschlu fr =Holland= unerwartet gnstig; es
verlor in Europa nichts, im Auslande nur wenige bedeutende Besitzungen.
Aber sein Schaden whrend dieser Kriegsjahre nach dem Frieden mit England
war doch sehr gro. In dieser Zeit ging ein groer Teil seines
europischen Zwischenhandels in englische Hnde ber; die hollndische
Schiffahrt war zu gefhrdet und Frankreich begnstigte in jeder Weise die
Englands, um Holland zu schdigen und England neutral zu erhalten.
=England= machte dadurch als Seemacht einen Schritt weiter auf Kosten
Hollands; Holland begann, von der Stelle einer Seemacht ersten Ranges
abzutreten, und als im nchsten Kriege die beiden Nationen vereint
gekmpft hatten, sicherte sich England als der nun strkere Verbndete
wiederum den greren Gewinn zur See.

Aber auch =Frankreich= zog aus dem Kriege keineswegs nur Nutzen,
wenigstens nicht fr sein Seewesen; durch ihn ward das Werk Colberts
gehemmt. Dieser wollte bekanntlich durch Begnstigung der Produktion und
durch Anregung des Seehandels mit Hilfe einer starken Handels- und
Kriegsmarine den Wohlstand des Landes heben. Bis zu diesem Kriege war
alles gut gegangen; man befand sich auf dem Wege, Holland und England mit
Erfolg Konkurrenz zu machen; die Einnahmen des Landes vermehrten sich
mchtig.

Ludwigs Politik gegen Holland strkte aber, wie eben gesagt, den
Seehandel Englands schon whrend des Krieges. Die Friedensbedingungen
waren dann zwar sehr vorteilhaft fr Landzuwachs und militrische
Machtstellung -- Frankreich stand jetzt an der ersten Stelle auf dem
Festlande --, sie waren es aber nicht fr Industrie und Handel des
Landes, weil die Schutzzlle zugunsten Englands und Hollands herabgesetzt
wurden. Dies traf die Weiterentwicklung der Schiffahrt schwer und die
Kriegsmarine war, ohne Rckhalt an eine starke Handelsmarine, wie ein
Baum ohne Wurzeln. Zwar wuchs sie in den nchsten Jahren noch sehr und
wurde selbst fr kurze Zeit der englischen berlegen; sie schwand aber in
dem nchsten groen Kriege schnell dahin. Das Scheitern des Planes
Colberts, Frankreich zu einer groen Handelsmacht zu machen, ist auch von
Einflu gewesen auf den finanziellen Ruin des Landes im nchsten
Jahrhundert, der durch die weiteren kostspieligen Kriege Ludwigs
eingeleitet wurde.


  $Der schwedisch-dnische$[220] (-hollndisch-brandenburgische) $Krieg
                               1675-1679$.

Im zweiten Eroberungskriege Ludwigs XIV. trat =Schweden= auf die Seite
Frankreichs und griff 1675 Brandenburg an; =Dnemark= untersttzte diesen
Staat. Da es sich hierbei fr Dnemark darum handelte, dem Groen
Kurfrsten bei der Eroberung Pommerns zu helfen, den Schweden die
rckwrtigen Verbindungen von dort abzuschneiden, vor allem aber auch die
im letzten Kriege mit Schweden verlorenen Provinzen (z. B. Schonen;
deshalb auch der schonische Krieg genannt) und die Vorherrschaft in der
Ostsee wiederzugewinnen, so spielte der Krieg zur See eine groe Rolle.

  [220] Die frheren Kriege Dnemarks und Schwedens und ihre Marinen vgl.
        Seite 44, 109, 148, 239. Die Quellen dort auch hier gltig. ber
        die Beteiligung der Hollnder siehe de Jonge, Teil II, Seite 153,
        und Vie de Tromp.

$Die dnische Marine$ war im letzten Kriege nicht imstande gewesen, ihr
Land vor Invasion zu schtzen; Christian V. aber (1670-1699) brachte sie
hoch, ja er fhrte sie zu ihrem hchsten Glanze. Schon 1675 besa
Dnemark an Kriegsschiffen: 2 zu 80-90 Kanonen; 11 zu 58-78; 7 zu 36-54;
6 zu 24-32; 4 zu 8-20. Dazu traten 46 Defensionsschiffe der groen
Rhedereien (darunter 20 zu 34 Kanonen). Infolge der engen politischen
Verbindung mit Holland, der Untersttzung durch seine Flotten, hatten
hollndisches Wesen und hollndische Seeleute in groem Mae Eingang in
die dnische Marine gefunden; in dem jetzt ausgebrochenen Kriege wurde
sogar 1676 =Cornelis Tromp= als Oberbefehlshaber berufen, nachdem der
bisherige -- der tchtige Admiral Adolar, auch im hollndischen Seedienst
erzogen -- gestorben war.

  Nach de Jonge waren die neueren dnischen Schiffe nach hollndischem
  Muster und teilweise von hollndischen Schiffbauern gebaut; fast alles
  Kriegsmaterial ward aus den Niederlanden bezogen. In der dnischen
  Flotte unter Niels Juel im Jahre 1677 waren der Vizeadmiral, der
  Kontreadmiral und 17 Kommandanten (von 26) Hollnder; 1676 hatte man
  3000, 1677 gar ber 5000 Seeleute in den Niederlanden angeworben. Kein
  Wunder, wenn nun dieselbe Quelle, auf ltere gesttzt, sagt: Es htten
  die Schweden in diesem Kriege eigentlich nur gegen Hollnder gefochten;
  es htten die dnischen Seeleute von diesen gelernt -- auch Juel von
  Tromp --; selbst die von den dnischen Schiffen allein erreichten
  Erfolge seien den aus Holland stammenden Offizieren oder doch deren
  Unterweisung zuzuschreiben.

Gegen diesen hollndischen Einflu, gefrdert durch Admiral Adolar, trat
von jetzt an eine nationale Partei in der Marineleitung auf und drang
nach und nach durch. Sie bewirkte 1678 die Entfernung Tromps, ihr Haupt
=Niels Juel= bernahm die Oberleitung und sorgte fr die Schaffung eines
tchtigen nationalen Offizierkorps.

$Die schwedische Marine$ war 1675 der dnischen noch an Zahl und Gre
ihrer Schiffe berlegen, aber minderwertig im Personal. Unter der
vormundschaftlichen Regierung fr Karl XI. (seit 1660) wurden die
Offiziersstellen, namentlich die hheren, vielfach nach Gunst an
Angehrige der regierenden Adelspartei vergeben, die nicht Seeleute, oft
nicht einmal Soldaten waren. Es sollte sich bald zeigen, da die dnische
Flotte auch ohne Untersttzung durch die hollndische, die dnischen
Fhrer auch ohne Tromp, den Schweden berlegen waren.

$Holland$ griff in den Krieg ein, um seinem treuen Verbndeten, dem
Groen Kurfrsten, zu helfen; es geschah aber auch wohl, damit Schweden
nicht wieder zu mchtig an der Ostsee werde. In allen frheren Kriegen
war es Hollands Bestreben gewesen, keine Macht zu hoch kommen zu lassen,
sei es Hansa, Dnemark oder Schweden. Gerade von Holland aus erging an
Dnemark die Anregung zum Kriege, Subsidien fr die dnische Flotte
wurden zugesagt (wie auch von Spanien) und das Werben von Seeleuten in
den Niederlanden bereitwilligst gestattet. Endlich wurden auch in den
Jahren 1675, 1676 und 1677 Geschwader in die Ostsee gesandt, um mit den
Dnen gemeinsam zu operieren. Diese Geschwader waren jedoch nicht gro
und erreichten in keinem Jahre die Strke, die ursprnglich beschlossen
war. Die Grnde hierfr -- sowohl fr die nur gering bemessenen wie auch
fr die dann nur teilweise durchgefhrten Rstungen -- waren dieselben,
die wir bei den anderen Unternehmungen nach 1674 kennen gelernt haben:
Geteilte Meinungen in den Provinzen ber fernerliegende Unternehmungen;
Mangel an Geld bei einzelnen Admiralitten. Die spanische Untersttzung
blieb natrlich auch hier aus.

So betrug die =Strke der Geschwader= nur:

        1675 Schiffe: 3 zu 70 K.; 2 zu 50-60; 2 zu 40;
        1676    "     3 "  70 " ; 6 "  60-64; 6 " 40-44;
        1677    "     1 "  76 " ; 5 "  60-70; 4 " 40-50;

        1675 Schiffe: 6 kleinere; 2 Brander; Admiral Binckes
        1676    "     6     "   ; 3    "   ;    "    C. Evertsen
        1677    "     3     "   ; 3    "   ;    "    Scheppers.

Schlielich mssen wir auch noch die $Seestreitkrfte Brandenburgs$
erwhnen. 1675 erteilte der Groe Kurfrst dem Hollnder =Benjamin Raule=
(in Middelburg, Seeland) Kaperbriefe gegen Schweden. Dieser trat bald --
deshalb der Seeruberei angeklagt und landesflchtig -- als
Marinedirektor in brandenburgischen Dienst. Mit ihm schlo nun der
Kurfrst in den Kriegsjahren stets fr einige Monate die Gestellung von
Kriegsschiffen ab. Es waren dies immer 3 Fregatten, in ihren Gren
zwischen 16-20 und 18-24 Kanonen schwankend, sowie einige (3-10) kleinere
Fahrzeuge zu 4-10 Kanonen. Im Jahre 1675 traten noch 3 Linienschiffe von
40-44 Kanonen fr fnf Monate hinzu, die von der Admiralitt Amsterdam
geheuert waren.

$Der Verlauf des Krieges$ brachte im Jahre $1675$ zur See nichts von
Bedeutung. Das hollndische Geschwader traf Ende Juni in Kopenhagen ein,
aber erst am 23. August lief die vereinigte Flotte, die Dnen unter
Adolar, aus. Sie kreuzte meistens zwischen Bornholm und Rgen und fing
auch einige schwedische Zufuhrschiffe ab. Die schwedische Flotte zeigte
sich zunchst nicht. Sie ging erst am 19. Oktober in See -- 44
Kriegsschiffe, mit 9000 Mann Truppen fr Pommern oder fr einen Einfall
in Seeland --, kehrte aber bald um infolge strmischen Wetters, in dem
einige Schiffe verloren gingen, und infolge einer erschreckend
zunehmenden Epidemie unter den Soldaten und Matrosen; der Untergang der
Schiffe und die Krankheit sollen 5000 Mann gekostet haben. Die Hollnder
gingen dann in die Heimat zurck und begleiteten dabei eine groe Zahl
ihrer Ostseefahrer.

  =Zu Lande= wurden die Schweden aus der Mark vertrieben (Fehrbellin 28.
  Juni) und in Pommern von Brandenburg und Dnemark angegriffen. Der
  Groe Kurfrst nahm in diesem Jahre noch die Inseln Usedom und Wollin
  sowie Peenemnde und Wolgast, teilweise unter Mitwirkung seiner kleinen
  Flottille; die Dnen eroberten Wismar und Damgarten.

$Im Jahre 1676$ trafen die Hollnder schon im Mai in Dnemark ein. Es
waren aber zunchst nur 9 Schiffe und 2 Brander der Provinzen Hollands
unter Kontreadmiral =Almonde=, das Kontingent Seelands war wieder einmal
noch nicht seeklar; mit ihnen kam =Tromp= als Passagier. Er wurde mit
groen Ehren[221] empfangen, bernahm den Oberbefehl ber die dnische
Flotte und schiffte sich auf Christian V. (86 Kanonen) ein, dessen
erster und zweiter Kapitn Hollnder waren; das Geschwader brachte auch
Matrosen fr die dnischen Schiffe mit. Whrend Tromp vorlufig die
Ausrstung weiterer Schiffe berwachte, stie Almonde zu =Niels Juel=,
der schon am 29. April =Wisby= zur bergabe gezwungen hatte. Die so
vereinigte Flotte zhlte 10 Linienschiffe, 7 Fregatten, 4 Brander und
einige Jachten; sie begegnete am 4. Juni abends bei $Bornholm$ den
Schweden, diese 25 Linienschiffe, 10 Brander und Jachten stark unter den
Admiralen =Creutz= und =Ugla=. Am 4. wurden nur einige Schsse auf
weitere Entfernung gewechselt, es scheint flau gewesen zu sein; $am 5.
Juni$ 6 Uhr frh kam es zu einem wirklichen Gefecht, das aber auch ohne
grere Folgen und ohne Entscheidung blieb.

  [221] Schon jetzt erhielt er den Elefantenorden. Als er dafr aber an
        Gebhren 2000 Taler zahlen mute, soll er, sparsam veranlagt,
        gesagt haben: Maar duivel! het beestje komt mij een beetje duur
        te staan. (De Jonge.)

  Die Schweden standen zu Luward, griffen aber nicht an, sondern
  steuerten hoch am Winde. Die Hollnder, die Vorhut der Verbndeten,
  versuchten, nahe an den Feind heranzukommen; sie waren gezwungen, unter
  seinem Feuer vorzulaufen, zu wenden und dann wieder an der feindlichen
  Linie entlang zu segeln. Diesem Manver sollen nun nur 2 Dnen, von
  Hollndern kommandiert, gefolgt sein; Niels Juel soll sich auf weiteren
  Entfernungen gehalten haben: Das hollndische Flaggschiff wurde sehr
  beschdigt und Almonde sah sich gentigt, das Nahgefecht abzubrechen;
  Juel zog sich gegen 10 Uhr vorm. zurck, Almonde will diesen Rckzug
  gedeckt haben. Auch die Schweden drangen nicht auf Fortsetzung des
  Kampfes. Dies ist die Schilderung nach Almondes Bericht; wie hufig
  beschwert sich ein Verbndeter ber den andern: Die dnische
  berlieferung rhmt Niels Juel, da er den berlegenen Angriff mit
  Erfolg abgewiesen habe, und erwhnt nichts von hervorragendem Auftreten
  der Hollnder. Neuere hollndische Quellen geben zu, da der dnische
  Admiral den Befehl gehabt haben knne, gegen berlegene Krfte und vor
  Tromps Eintreffen nichts einzusetzen. Hierber sagt aber schon Almonde
  sehr richtig, dann htte Juel schon am 4. das Gefecht vermeiden mssen;
  es mu dann auch auffallend erscheinen, da der dnische Admiral solche
  Absicht dem hollndischen nicht bekannt gegeben.

Die Schweden segelten nach dem Gefecht nrdlich, die Verbndeten
westlich. Zu diesen stie am 7. bei Falsterbo =Tromp=, der auf die
Nachricht von dem Gefecht sofort mit 4 schweren dnischen und 3
neuangekommenen hollndischen Linienschiffen in See gegangen war. Tromp
sucht jetzt mit der so verstrkten Flotte den Feind, sichtet ihn am 9.
unter der schwedischen Kste und verfolgt ihn. In der Nacht aus Sicht
gekommen, wird er am 10. mittags durch die Fregatten wiedergefunden, am
11. vormittags endlich erreicht und zwischen Bornholm und land bei
gnstigem Winde (Westnordwest) angegriffen.

  In dieser $Schlacht bei Ertholm$ (Christians) $oder land$ wurde nicht
  lange rangiert gefochten. Die Verbndeten griffen von Luward an; Tromp
  selbst (Christian V. 86 Kanonen) engagierte das schwedische
  Flottenflaggschiff 3 Kronen (120 Kanonen; 800 Mann, wohl mit das
  mchtigste Schiff damaliger Zeit). Dieses wollte nach Abgabe der ersten
  Breitseite wenden, um die andere Lage zu feuern; die Luvgeschtze
  wurden bei Bemannung der anderen Seite zu frh verlassen und nicht
  festgesetzt, sie gingen ber und das Schiff lag zum Kentern; die
  brennenden Lunten fielen dabei zwischen aufgehufte Kartuschen und das
  Schiff flog auf. Der Unfall rief Schrecken und Unordnung in der Flotte
  hervor, verschiedene Schiffe hielten ab. Der Vizeadmiral Ugla, einer
  der wenigen Seeleute in hheren Stellen, leistete mit einigen Schiffen
  krftigen Widerstand, aber auch sein Schiff (86 Kanonen) flog in die
  Luft. Es hatte im Kampfe mit Tromp so schwer gelitten, da es die
  Flagge strich. Als schon ein Boot unterwegs war, um es in Besitz zu
  nehmen, wurde es durch einen hollndischen Brander ohne Befehl in Brand
  gesetzt (Tromp uert sich emprt ber diesen Versto gegen
  Kriegsbrauch). Nun erfolgte regellose Flucht der Schweden; jedes Schiff
  trachtete nur danach, sich dem Kampfe zu entziehen und irgend einen
  Hafen zu erreichen; dabei wurden 2 Linienschiffe und 2 kleinere
  eingeholt und genommen. Die Verbndeten verfolgten 2 Tage, sie sahen 4
  Schiffe an der Kste stranden; zwei davon gingen verloren, darunter das
  dritte Flaggschiff. Die Hollnder und Dnen hatten keine nennenswerten
  Verluste und Beschdigungen.

Mit Verlust von 8 Linienschiffen, darunter die 3 Flaggschiffe der
Geschwader, wurden die Schweden in voller Auflsung und schwer beschdigt
in ihre Hfen gejagt; Tromp ging dann in die Kjgebucht, um weitere
Befehle einzuholen. Der Sieg wurde auch sofort strategisch ausgenutzt.
Die Schweden zeigten sich in diesem Jahre nicht mehr auerhalb der Hfen,
und so konnte eine schon vorbereitete =Landung in Schonen= ausgefhrt
werden. Tromp ging mit einem Teil der Flotte nach Ystadt, warf 4000
Soldaten und Matrosen an Land und nahm die Stadt; dann landete der Knig
selbst unter dem Schutz von 11 Kriegsschiffen auf 600 Fahrzeugen 16000
Mann zwischen Helsingborg und Landskrona und eroberte auch diese Stdte
sowie spter Christianstadt leicht. Von See aus wurden durch die Flotte
noch Karlshamn und Christianopolis genommen.

  Zur Zeit der Landung in Schonen war auch Evertsen mit dem Rest der
  hollndischen Hilfsflotte in Kopenhagen eingetroffen. Er war durch
  Mannschaftsmangel (hufig in Seeland; infolge des
  Freibeutereidienstes?) so lange aufgehalten, dann hatte er im Verein
  mit dem Geschwader fr Schutz der Fischerei in der Nordsee vergeblich
  ein schwedisches Geschwader vor der Elbe und an der Kste Norwegens
  gesucht. Er bernahm nun den Oberbefehl ber die Hollnder; Almonde
  ging, wie uns bekannt, nach dem Mittelmeer, um hier den Oberbefehl zu
  fhren.

Hiermit fanden fr 1676 die wichtigen Ereignisse zur See ein Ende.
Hollnder und Dnen kreuzten noch bis zum Herbst an den pommerschen und
schwedischen Ksten, dann gingen jene heim und diese legten auf. Es trat
die bliche Winterruhe ein, die Hollnder waren auch wohl der Ansicht,
Schweden fr ihre Zwecke vorlufig gengend geschwcht zu haben.

  =Im Landkriege= war jedoch das Glck den Dnen nicht bestndig, ihr
  Fortschritt in Schonen kam zum Stehen. Ein Versuch, sich Gothenburgs
  und der dort liegenden Schiffe zu bemchtigen, schlug fehl;
  Christianopolis, Karlshamn und Helsingborg gingen wieder verloren.

$Im Jahre 1677$ betrieb Schweden eifrigst mit franzsischem Gelde die
Rstung seiner Flotte; Dnemark erbat und erhielt wiederum Untersttzung
von Holland. Tromp war in Person zu diesem Zweck und um weitere Leute
anzuwerben nach Holland gegangen; er selbst, seit Ruyters Tod zum
Generalleutnantadmiral befrdert, erhielt ein weiteres Jahr Urlaub. Das
neue hollndische Geschwader, mit Tromp und 1500 Matrosen fr Dnemark an
Bord, traf am 11. Juli bei Kronenburg ein.

[Illustration: Niels Juel.]

Schon vorher hatte =Niels Juel= mit seinen Dnen =groe Erfolge=
errungen. Er verlegte einem schwedischen Geschwader von 17 Segeln,
worunter 8 Linienschiffe, das sich von Gothenburg durch den Belt nach
Osten begeben und mit der Hauptflotte vereinigen wollte, auf der Linie
=Warnemnde= -- =Gjedser= den Weg (11. Juni) und nahm in zweistndigem
Kampfe 5 Linienschiffe sowie 2 kleinere. Am 11. Juli erschien die
Hauptflotte der Schweden -- 37 Linienschiffe, 10 Fregatten, 2 Brander
unter =Admiral Horn= -- bei Falsterbo und griff bei gnstigem Winde die
ihm in der $Kjgebucht$ entgegentretenden Dnen -- 25 Linienschiffe, 5
kleinere, 3 Brander unter Niels Juel -- an. Der Angriff dieser
berlegenen Macht wurde mit Tapferkeit ausgefhrt, aber mit wenig
Ordnung; es zeigte sich dann die grere Kriegsfertigkeit der Dnen. Juel
hielt, obgleich man gerade besonders ihn angriff und er dreimal sein
Flaggschiff wechseln mute, stets die Ordnung aufrecht, gewann den Wind,
schnitt einen Teil des Feindes ab und dublierte diesen. Die Schweden
wurden vollstndig geschlagen -- mindestens 4 Linienschiffe wurden
genommen, 4 vernichtet -- und zogen sich grtenteils schwer beschdigt
fluchtartig in ihre Hfen zurck. Bastiansze =Scheppers=, der mit seinen
Hollndern gerade den Sund heraufkam, erfuhr, da 3 Schweden der
geschlagenen Flotte auf dem Wege nach Gothenburg in =Malm= eingelaufen
seien. Er teilte sein Geschwader, besetzte das Fahrwasser bei Kronenburg
und bei den Drogden, der Rest suchte die genannten Schiffe. Man traf sie
noch in Malm an, nahm eins und vernichtete die andern durch Brander.

Dieser groe Seesieg war von bedeutendem Nutzen fr den =Landkrieg=. Auch
1677 war das dnische Heer nicht erfolgreich. Ein Versuch nach dem Siege
bei Warnemnde, sich Malms zu bemchtigen, milang, und am 24. Juli
griffen die Schweden die Hauptstellung vor Landskrona an. Nach blutiger
Schlacht, an der beide Knige teilnahmen, behaupteten sie das
Schlachtfeld; die Dnen muten sich auf die Stadt zurckziehen. Die
vllige Niederlage der schwedischen Flotte erlaubte nun aber eine
Diversion mit der eigenen; diese erhielt den Befehl, die $schwedische
Kste$ im Rcken der feindlichen Armee zu beunruhigen und $zu
brandschatzen$, insbesondere $Kalmar anzugreifen$.

  Der Sto wurde gegen die Kste von Smaland und gegen die Insel land
  gefhrt. Der grere Teil der dnischen Flotte unter Juel traf am 11.
  August in diesen Gewssern ein, die Hollnder folgten erst spter und
  ebenso Tromp mit dem Rest der Dnen. (Der Grund der Verzgerung lag
  wohl in Reibungen, die gerade nach dem Erfolge der Dnen entstanden zu
  sein scheinen: Scheppers wollte nicht unter dnischem Oberbefehl stehen
  und Tromp begann zu fhlen, da man ihm nicht mehr die bisherige
  Hochachtung zollte.) Nun begann ein barbarisches Werk der Zerstrung,
  das man nur mit dem alten Ha zwischen den Dnen und Schweden erklren
  und in etwas damit entschuldigen kann, da auch auf den genommenen
  schwedischen Schiffen die Order vorgefunden war, im Falle des Sieges
  die dnischen Lande mit Feuer und Schwert zu verwsten.

  Die dnische Flotte hatte schon vor Tromps Ankunft verschiedene Drfer,
  Schlsser und die kleine Stadt Mnsters an der Kste Smalands
  verbrannt. Nun versuchten die Dnen von Norden, die Hollnder von Sden
  in den Kalmarsund vorzudringen, um die dort liegenden Kriegsschiffe
  (etwa 12) zu zerstren; es war jedoch nicht mglich, weil die Schweden
  im Fahrwasser die Seezeichen entfernt und Schiffe versenkt hatten. Auch
  ein Versuch, durch eine Landung von 2000 Mann sich der Stadt Kalmar zu
  bemchtigen, schlug fehl, man konnte nur die Vorstadt verbrennen und
  die Umgegend verwsten. Endlich wurde (28. August) im Norden und Sden
  auf land gelandet; ein Festsetzen, um von hier aus gegen Kalmar
  vorzugehen, war jedoch wieder nicht mglich, da man die Feste der Insel
  nicht zu nehmen vermochte. So verbrannte man smtliche Huser auf der
  Insel, die Kirchen ausgenommen, trieb alles Vieh, an 2000 Khe und
  Schafe, weg und schiffte sich wieder ein.

Nach Verwstung der Umgegend Kalmars und der Insel land wurde Tromp mit
einem Teil der dnischen Flotte und der gesamten hollndischen nach
Kopenhagen zurckgerufen (Anfang September); =Niels Juel= verblieb an der
Kste Smalands. Er brandschatzte hier weiter in der Nhe Westerviks,
erzwang sich am 11. September mit kleineren Kriegsschiffen Eingang in den
befestigten Hafen und verbrannte den Ort sowie die dort liegenden Kriegs-
und Kauffahrteischiffe; dann lag er bis zum Winter zur Beobachtung des
Feindes bei Gothland.

Damit enden in diesem Kriege die wichtigeren Unternehmungen zur See, die
von seiten Dnemarks und Hollands gegen Schweden unmittelbar gerichtet
waren. Die schwedische Flotte verlie $1678$ ihre Hfen nicht. Sie hatte
genug mit der Ausbesserung der wenigen noch kampffhigen Schiffe zu tun;
die Nation hatte das Vertrauen auf ihre Marine verloren, es war nicht
mglich, brauchbaren Personalersatz zu erhalten. Auch als sie sich 1679
wieder zeigen wollte, wurde sie von Juel im Schach gehalten. =Dnemark
beherrschte= bis zum Schlu des Krieges =die Ostsee=, so da Schweden
auch nicht imstande war, nach Pommern die so ntige Untersttzung zu
senden.

$Der Krieg In Pommern$ dagegen bringt in den Jahren 1677 und 1678 noch
einige erwhnenswerte Ereignisse. Die im September $1677$ von Smaland
zurckgezogenen dnisch-hollndischen Seestreitkrfte wurden bestimmt,
$Rgen zu erobern$. Sie erschienen unter dem Knig und =Tromp= am 17.
September 1677 zwischen Wittow und Jasmund und landeten 4000 Mann; nur
etwas Kavallerie, bald durch das Feuer der Schiffe vertrieben, versuchte
vergeblich die Landung zu hindern. Verstrkungen trafen von Dnemark und
auch vom Groen Kurfrsten ein -- dieser belagerte seit Juli Stettin,
Tromp stellte sich ihm Ende September dort vor -- und so wurde die Insel
leicht erobert; die Schweden unter Graf =Knigsmark= muten sich auf
Stralsund zurckziehen. Von hier aus aber eroberten sie Ende 1677 die
Insel wieder, wobei die dnischen Truppen fast smtlich gefangen genommen
wurden. Die dnischen Schiffe kreuzten im brigen bis zum Winter vor der
pommerschen Kste; die Hollnder gingen im Herbst, wiederum einen groen
Convoi geleitend, heim.

Die kleinen =brandenburgischen Flottillen= fanden 1676 und 1677
Verwendung zur Blockade der Hfen von Stralsund, Greifswald und Stettin.
Im Juni 1676 hatten sie das Glck, eine schwedische Fregatte und einen
Brander zu nehmen, die nach einem der Gefechte von ihrer Flotte
abgekommen waren; diese wurden als die ersten kurfrstlichen Schiffe in
Dienst gestellt.

  Fr das Jahr 1678 gelang es Dnemark nicht, die Untersttzung durch
  eine hollndische Flotte zu erhalten, nur neue Werbungen in den
  Niederlanden wurden gestattet; Holland stand schon in
  Friedensunterhandlungen mit Frankreich. Infolgedessen setzte nun die
  nationale Partei der dnischen Marine die Abdankung Tromps durch.
  Dieser war ber den Undank sehr emprt, trotzdem bewog er den grten
  Teil der hollndischen Offiziere und Mannschaften, die in dnischem
  Dienste standen, zu bleiben; ber die Entlassung ihres Admirals
  gleichfalls entrstet, hatten auch sie den Abschied verlangt; es war
  fast zu Meuterei gekommen. Nach Holland zurckgekehrt, trat =Tromp=
  nicht mehr auf, er zog sich bald ins Privatleben zurck. 1691 wurde er
  zwar als Oberbefehlshaber der vereinigten englisch-hollndischen Flotte
  in Aussicht genommen, er war jedoch krank und starb am 29. Mai dieses
  Jahres. Vor dem Verlassen der Ostsee sollte er aber das letzte grere
  Unternehmen zur See hier noch mitmachen.

Im Januar $1678$ war Stettin nach langer Belagerung gefallen, die
Schweden verloren immer mehr Boden in Pommern und die Verbndeten planten
$aufs neue die Eroberung Rgens$; der =Groe Kurfrst= hatte hierzu Tromp
zu sich berufen.

  Zu dieser Expedition hatte der Kurfrst in Peenemnde 350 Fahrzeuge fr
  den Transport von 4000 Mann unter =Derfflinger= gesammelt; die
  Flottille -- 7 Segel mit 107 Kanonen -- sollte berfahrt und Landung
  decken. Tromp befand sich als Kriegsfreiwilliger an Bord des
  Flaggschiffes, Dnemark stellte ein kleineres Geschwader -- 7
  Linienschiffe und einige kleinere -- unter Niels Juel. Am 22. September
  wurde aufgebrochen, jedoch segelten die Dnen (schon am 21.?!) nach
  Wittow, der Kurfrst nach Palmerort. Er wollte hier einen Scheinangriff
  machen, die Truppen aber bei Putbus landen. Die Landung konnte an
  diesem Tage nicht ausgefhrt werden; Flaute zwang zum Ankern und hielt
  sogar die Flottille eine Zeitlang im Feuer von am Lande aufgefahrenen
  Geschtzen fest, doch taten diese kaum Schaden. Den Dnen dagegen war
  es am 22. gelungen, ohne wesentlichen Widerstand auf Wittow Fu zu
  fassen und Juel meldete dies in Person am 23. dem Kurfrsten. Hierauf
  ging auch dieser mit seiner ganzen Macht dorthin, die Kriegsschiffe
  wurden zeitweise wegen neuer Flaute durch Boote getaut. Dann wurde die
  Landung ausgefhrt, obgleich die Schweden Kavallerie bereit hielten und
  auch Geschtze auffuhren: Die Boote und kleinen Fahrzeuge gingen in
  bester Ordnung -- wo ntig mit Weiterstaken -- so nah wie angngig
  heran, die Truppen wateten oder schwammen an Land und formierten sich
  schnell; alles ohne Verlust, weil die Schweden keinen ernstlichen
  Widerstand leisteten, auch Kavallerie kam bald an Land. Der Feind wich
  und rumte schon am 24. die Insel, nachdem er in einem kurzen aber
  heftigen Gefechte um die Stellung, die den bergang nach Stralsund
  deckte, geschlagen war.

Nach der Eroberung Rgens wurde der Dnholm genommen; nun =kapitulierte=
Ende Oktober =Stralsund=, von der Land- und Wasserseite eingeschlossen,
und im November nach zweistndiger Beschieung mit glhenden Kugeln auch
=Greifswald=; ganz Schwedisch-Pommern war erobert. 1679 ward nur noch in
Ostpreuen gefochten -- Friedrich Wilhelms Zug ber das Kurische Haff.

=Schweden bte in diesem Kriege schwer die Vernachlssigung seiner
Marine.= Wre seine an Material so mchtige Flotte schlagfertig gewesen,
so drfte den Gegnern der Krieg in Pommern weit schwerer geworden sein
und an Stelle eines dnischen Einfalls in Schonen htte die Geschichte
vielleicht einen schwedischen in Seeland gesehen. Die innerlich
tchtigere und besser gefhrte dnische Flotte, noch whrend des Krieges
weiter gepflegt, fhrte schlielich den Sieg ihres Staates trotz der
eigentlich nur geringen Erfolge des Landheeres herbei.

Es ist bereits erwhnt, da in den =Frieden von Fontainebleau= (oder
Lund, September 1679) und =St. Germain= (Juni 1679) sowohl Dnemark wie
Brandenburg ihre Eroberungen zurckgeben muten; von den brigen
Verbndeten -- Holland; Kaiser; Reich -- verlassen, hatten sie sich den
Forderungen Ludwigs XIV. zu fgen.

Es sei an dieser Stelle noch die =weitere Geschichte der
brandenburgischen Marine=[222] kurz geschildert, wenn sie auch an keinem
Seekriege mehr teilnimmt.

  [222] Nheres z. B. von Borke, Die brandenburg-preuische Marine und
        die afrikanische Kompagnie.

  Da im Frieden von St. Germain Stettin und Stralsund an Schweden
  zurckfielen, blieben dem Groen Kurfrsten nur Pillau und Knigsberg
  zu Hafen- und Werftanlagen fr handelspolitische und kriegsmaritime
  Zwecke; hier wurden dann auch Warenhuser und Arsenale errichtet; 1682
  grndete Friedrich Wilhelm eine afrikanische Handelsgesellschaft. Um
  auch einen Hafen an der Nordsee zu haben, legte er 1683 Besatzungen
  nach Emden und Gretsiel; er benutzte dazu Zwistigkeiten zwischen den
  Frsten und den Stnden von Ostfriesland und folgte einem Wunsche der
  letztgenannten. Emden wurde nun der Sitz der Kompagnie, die Ostfriesen
  erhielten dafr das Recht, unter dem Schutz der brandenburgischen
  Flagge zu fahren.

  1684 wurde die bisher gemeinschaftliche Verwaltung der eigentlichen
  Kriegsmarine und der Handelskompagnie getrennt; die Marine zhlte dann
  bald 10 Segel: 2 zu 50 Kanonen; 1 zu 40; 1 zu 36; 1 zu 20; 1 zu 40; 1
  zu 10; 2 zu 6 Kanonen. Der grte Teil dieses Bestandes gehrte zur
  Station der Nordsee; der hchste Bestand war 1688 erreicht: 35 Schiffe
  mit 210 Kanonen und 40 Fahrzeuge mit 80 Kanonen. Nach dem Tode des
  Groen Kurfrsten 1688 ging die Marine schnell zurck, da Friedrich
  III. keinen Wert auf Entwicklung des Seehandels legte; die Hauptsttze
  ihres Grnders, Raule, starb 1707; als 1708 noch Soldaten nach Afrika
  gesandt wurden, muten sie unter hollndischer Flagge fahren. Friedrich
  Wilhelm I. sah sich gentigt, den Schutz des Seehandels ganz aufzugeben
  und die Kolonien an Holland abzutreten; damit verschwindet die
  brandenburgisch-preuische Marine bis zu einem schwachen Versuch 1756.

  Von der Verwendung der brandenburgischen Marine nach dem Frieden sei
  noch folgendes erwhnt: 1680 kreuzte ein Geschwader -- 5 Schiffe zu
  16-40 Kanonen; 1 Brander; 515 Matrosen, meist Hollnder; 180 Soldaten
  -- gegen Spanien im Kanal, um auf diese Weise die nicht gezahlten
  Subsidien fr den letzten Krieg einzutreiben, und nahm ein Schiff zu 50
  Kanonen; spter segelte das Geschwader nach Westindien und brachte
  verschiedene Kauffahrer auf. 1682 gingen 2 Fregatten nach der Westkste
  Afrikas und grndeten dort die Niederlassung Gro-Friedrichsburg (am
  Kap der drei Spitzen), andere Faktoreien folgten hier. Versuche, auch
  in Westindien Fu zu fassen -- auf St. Thomas wurde eine Faktorei
  angelegt --, scheiterten an der Eifersucht Hollands und Frankreichs.


   $Kmpfe gegen die Barbaresken 1674-1688 und die Franzosen vor Genua
               1684$ (Bombardements von Algier und Genua).

Wir wissen, da jedesmal nach greren Kriegen an die westeuropischen
Marinen die Aufgabe herantrat, krftiger gegen die Raubstaaten Afrikas
vorzugehen; wenn man sich whrend der Kriege mit der notwendigsten
Sicherung der Kauffahrer gegen Seeraub begngen mute, nahm dieses
Ruberunwesen stets zu.

Von 1675 an hielten $die Englnder$[223] ein strkeres Geschwader an der
Nordkste Afrikas, unter dessen Druck Verhandlungen mit Algier, Tunis und
Tripolis gefhrt wurden. Blockade der Hfen, Wegnahme einzelner Schiffe,
Gefechte mit Seerubergeschwadern, auch Bedrohung oder gar Bombardement
der Hauptstdte (z. B. 1677 der Stadt Tripolis durch Admiral Narbrough)
fhrten dann zur Befriedigung der englischen Forderungen: Rckgabe von
Gefangenen, Zahlung von Entschdigungen, Abschlu von Vertrgen; doch
wurden seitens der Barbaresken stets die Vertrge gebrochen und die
Raubzge wieder aufgenommen. Im Jahre 1681 hren diese greren
Unternehmungen auf, wohl weil die Franzosen von jetzt an sehr energisch
vorgingen.

  [223] Clowes, Teil II, Seite 450, gibt die Operationen und manche recht
        interessante Gefechte genau. Es findet sich dort auch die
        Bemerkung, da England 1674-78 sehr von franzsischen Freibeutern
        im Kanal zu leiden hatte. Diese, gegen Holland bestimmt, nahmen
        es wie blich mit ihren Angriffsobjekten nicht so genau. Der
        Knig beschrnkte sich auf erfolglose Vorstellungen in Paris. Das
        Volk mute den Schaden tragen, merkte es sich aber. -- Ebendort
        auch Angaben ber Gefechte mit Piraten in Ost- und Westindien.

Das englische Geschwader wirkte auch mit zur Verteidigung von =Tanger=,
welche Besitzung fters von Marokko angegriffen wurde. 1683 rumte
England Tanger, weil die Kosten der Erhaltung und Verteidigung seinem
Werte nicht zu entsprechen schienen. Man gab es auch nicht an Portugal,
den frheren Besitzer, zurck, sondern schleifte die Hauptwerke; die
Mauren befestigten es aber sofort wieder. Dieses Aufgeben eines
strategisch wichtigen Punktes ist selten in der englischen Marinepolitik
und wurde auch spter bedauert; selbst wenn die Stellung wenigstens von
den Portugiesen gehalten wre, wrde es von Nutzen gewesen sein, da diese
vom nchsten Jahrhundert an ganz von England abhngig wurden.

Unwesentlicher waren die $Operationen der Hollnder$.[224] In den ersten
Jahren nach dem Frieden 1678 mute man sich wegen Geldmangels und
Schulden der Admiralitten wie whrend des Krieges auf den
allernotwendigsten Schutz der Kauffahrer beschrnken. Von 1686 an wurden
zwar grere Geschwader entsendet; erwhnenswerte Ereignisse fanden
jedoch auch dann nicht statt.

  [224] Nhere Angaben in de Jonge, Teil III.

Weit bedeutender aber sind die $Unternehmungen der Franzosen$.[225] Sie
sind besonders bemerkenswert, da bei ihnen zum ersten Male im Seekriege
die Bombe eine wichtige Rolle spielt; ferner zeigen gerade sie, mit
welcher Hartnckigkeit und auch Kraft die Barbaresken auftraten, wie
schwer es den europischen Mchten wurde, diese niederzuhalten.

  [225] Geschildert nach du Sein, Bonfils und Jal: du Quesne, hier
        besonders die Expeditionen sehr genau, die dieser Admiral fhrte.

Auch die Franzosen hielten seit dem Frieden 1678 Geschwader an der
afrikanischen Kste, die ihre Fahrten zum Schutz des Handels bis zur
Levante ausdehnten. So zerstrte =du Quesne= 1681 im Hafen von $Chios$
eine Anzahl Schiffe von Tripolis, ohne sich um die Trken zu kmmern; die
trkischen Batterien, die eingriffen, wurden zum Schweigen gebracht. Zwar
entstand darob groer Zorn in Konstantinopel, aber der Sultan, mit
sterreich im Kampfe, wnschte keine Zerwrfnisse mit Frankreich; du
Quesne drckte sogar mit seiner Flotte weiter darauf, da der Sultan
Tripolis zum Frieden bewge. Auch die Freibeuter des Kanals, jetzt
unbeschftigt, wurden gegen die Barbaresken verwendet; =Jean Bart=, schon
seit 1679 in der kniglichen Marine angestellt, tat hier 1681 den ersten
Dienst als Fhrer kleiner Geschwader solcher Schiffe, die teils von
Unternehmern, teils von der Krone unterhalten wurden. Die Erfolge waren
aber wie bei den Englndern immer nur von kurzer Dauer; besonders Algier
war schwer zu bndigen, der Dey erklrte sogar im Oktober 1681 frmlich
den Krieg an Frankreich.

Man erwog nun den Plan zu einem groen Schlage gegen die Stadt Algier;
der spter an du Quesne gegebene Befehl lautete: Diese anzuznden und
von Grund aus zu zerstren. Gut befestigt wie die Stadt war, glaubte man
nicht, ihn mit der Flotte allein ausfhren zu knnen, und fate schon
einen greren Einfall in das Land ins Auge, um sie dann regelrecht zu
belagern. Um diese Zeit aber hatte ein junger Edelmann, =Renau
d'Eliagarey=, der sich mit Schiffbaufragen beschftigte, einen Plan fr
verbesserte Mrserboote vorgelegt.

  Wir haben gehrt (Seite 173), da man um diese Zeit wohl schon in allen
  Marinen Mrserboote kannte. Sie waren aber nicht gengend segel- und
  seefhig, um Flotten auf weite Entfernungen begleiten zu knnen, auch
  erlaubten Lafettierung und Aufstellung bei schwereren Mrsern wegen des
  Rckstoes keine hohen Elevationen. In diesen Hinsichten machte Renau
  nun Verbesserungen, besonders durch die Konstruktion einer schrgen (um
  45 geneigten) und gut federnden Bettung. Die Boote waren etwa 23 m
  lang und 8 m breit, hatten etwas vor der Mitte zwei Bettungen fr je
  einen Mrser mit der Feuerrichtung nach vorn; sie fhrten daneben 4
  leichte Kanonen und waren mit einer Takelage versehen, die im Gefecht
  (vor Anker) teilweise niedergelegt werden konnte. Nach den ersten
  Erfahrungen 1682 wurden sie verbessert; so erhielten sie eine Brustwehr
  von Netzen mit altem Tauwerk gefllt, wie man spter auf den Schiffen
  die Hngematten und Kleiderscke als Schutz verwandte, das
  Ankergeschirr wurde sehr vermehrt, um die Boote gut festlegen zu
  knnen. (Jal: du Quesne, Teil II, Seite 414 ff.)

Fnf solcher =Galiotes  bombes  la Renau= wurden 1681/82 in Havre und
Dnkirchen gebaut; sie bewhrten sich bei den Proben. Man beschlo nun,
zu versuchen, mit ihnen Algier durch ein groes Bombardement
niederzuzwingen oder zu vernichten, und zog sie 1682 ins Mittelmeer. Wir
werden sehen, da auch ihr Erfolg den Erwartungen nicht vllig entsprach:
Geschtze und Munition waren noch zu unvollkommen; immerhin ist es die
erste groe Verwendung von Sprenggeschossen im Seekriege. Ehe wir zur
Besprechung der verschiedenen Unternehmungen gegen Algier (und auch gegen
Tunis und Tripolis) schreiten, sei die =taktische Verwendung dieser
Mrserboote= geschildert, wie sie du Quesne 1682 und 1683 anordnete.

  Ich whle zu dieser Schilderung die Anordnung des Bombardements im
  Jahre 1683, da diese nach den Erfahrungen des Vorjahres sehr verbessert
  war (Plan vergl. Seite 405).

  Die Mrserboote (1683 waren es 7) sollten ein konzentrisches Feuer auf
  die Befestigung der Mole (150 Kanonen?), auf die dahinter liegenden
  Schiffe und auf die Stadt selbst richten: die Beschieung sollte nur
  whrend der Nchte vor sich gehen, tagsber wollte man die Boote dem
  feindlichen Feuer entzogen halten. Auf die Liegepltze der Galioten --
  etwa 1100 m von der Mole -- wurden durch Schiffsboote schwere Anker
  gelegt und von diesen Leinen -- mehrere aufeinandergesteckt -- zu 7
  Linienschiffen gefhrt, die radial hinter der Galiotenposition,
  auerhalb Schuweite der Befestigungen, verankert waren. Mit diesen
  Leinen, ber ihr Deck genommen, verholten sich die Fahrzeuge; sie waren
  somit imstande, ohne fremde Hilfe leicht und sicher erst kurz vor dem
  Gefecht ihre Posten einzunehmen und sich nach Schlu in den Schutz
  eines starken Schiffes zurckzuziehen; auch konnten sie whrend des
  Kampfes ihre Lage ndern, falls das feindliche Feuer es wnschenswert
  machte. Zur Sicherung gegen einen Angriff mit Booten oder Galeren
  wurden jeder Galiote 2 armierte Schiffsboote oder schwere Schaluppen,
  die zu diesem Zweck besonders mitgenommen waren, zugeteilt.

  Die ganze Stellung ward noch dadurch verstrkt und bewacht, da auf
  jedem Flgel ein Linienschiff ankerte; auch fr diese waren Anker
  ausgelegt und auch sie lagen nur nachts dort. Vor den Linienschiffen
  endlich lagen Boote auf Vorposten, und zwischen den Galioten und der
  Mole gingen 4 schwere Schaluppen vor, die mit Geschtzen fr
  Brandgeschosse armiert waren.

Am 23. Juli $1682$ traf $du Quesne$ zum $ersten Angriff$ vor $Algier$
ein; mit den Schiffen, die bereits die Stadt blockierten, zhlte seine
Flotte 11 Linienschiffe, 2 Brander, 5 Mrserboote und 15 Galeren. Durch
Erkundungen und ungnstiges Wetter hingehalten, konnte er erst am 13.
August zum Angriff bergehen. Dieser war folgendermaen angesetzt: Zwei
Gruppen -- je 2 Linienschiffe im Schlepp von Galeren -- sollten die
detachierten Forts im Norden und Sden der Stadt beschftigen, die
brigen Linienschiffe mit den Galioten, diese zu beiden Seiten des
Admirals, sollten von Galeren auf Ankerpltze in Front der Mole
geschleppt werden; als aber eben die ersten Schiffe zu Anker gehen
wollten, mute das ganze Unternehmen aufgegeben werden, da pltzlich sehr
starker ablandiger Wind aufkam. Am 15. meldete der Chef der Galeren, auf
seinen Fahrzeugen ginge das Wasser zu Ende. Du Quesne, der diese Art
Schiffe berhaupt wegen mangelnder Seefhigkeit, hufigen Mangels an
Wasser und Proviant fr hemmender als ntzlich bei einer Flotte hielt,
sandte sie nach Frankreich zurck und entschied sich nun fr eine
Verwendung der Mrserboote, wie sie oben beschrieben ist.

[Illustration: Bombardement von Algier, 1683.]

Am 18. August wurden 5 Anker ausgelegt, am 20. abends nahmen die Galioten
zum ersten Male ihre Position ein und erffneten das Feuer. Die
Beschieung dauerte bis zum 12. September, allerdings fters
unterbrochen. Anfangs muten die Anker umgelegt werden, sie lagen
einander zu nahe und zu weit von der Stadt; mehrfach traten
Wetterverhltnisse hindernd auf, einmal mute ein nchtlicher
Bootsangriff abgeschlagen werden; auch Verhandlungen mit dem Dey wurden
dazwischen gefhrt. Immerhin wurden einige hundert Bomben geworfen, aber
der Erfolg war nicht bedeutend. Viele Geschosse erreichten das Ziel
nicht, einige krepierten nicht und eine nicht geringe Zahl krepierte bald
nach dem Verlassen des Rohres. Eins setzte sogar sein Boot in Brand;
dieses wurde nur durch die Kaltbltigkeit des Kommandanten gerettet,
whrend der grte Teil der Besatzung ber Bord sprang. Am 13. September
verlie du Quesne der vorgerckten Jahreszeit wegen, besonders mit
Rcksicht auf die Mrserboote, Algier. Auch mit den Verhandlungen hatte
er nichts erreicht, doch lie er einige Schiffe zur Blockade zurck.

Auf Befehl des Knigs berichtete =du Quesne= jetzt, welche Krfte er fr
einen $zweiten Angriff 1683$ fr notwendig erachte.

  =Jal= gibt im Abraham du Quesne einen ziemlich genauen Auszug aus
  dieser Denkschrift; sie ist bemerkenswert, weil man daraus die Umsicht
  des erfahrenen Admirals ersehen kann. Er verlangte, kurz gefat,
  folgendes: 15 Linienschiffe, 2 Fregatten, 2 Brander auer den
  Mrserbooten; einen Sttzpunkt auf den Balearen als stndigen
  Sammelplatz und hier: 3 Schiffe mit Proviant usw., ein Zeltlager fr
  Kranke, Vorrat an frischem Proviant, Ausbesserungsgegenstnde; ein
  Lazarettschiff zum Verkehr der Flotte mit dem Sttzpunkte; nur etwa 6
  Galeren fr Polizei- und Wachdienst, dafr aber 6 schwere Schaluppen --
  gleich geeignet zum Rudern und Segeln -- zum Bugsieren der Galioten und
  zu ihrer Verteidigung; bessere Munition fr die Mrser, reichlicheres
  Ankergeschirr fr die Fahrzeuge behufs sicheren Festlegens; 5 mit
  Steinen gefllte Schiffe, um die Einfahrt zu sperren (mit der Absicht,
  den Hafen unbrauchbar zu machen, selbst wenn die Vernichtung der Stadt
  geglckt wre); diese sollten auch mit Sprengstoffen gefllt sein, um
  die Hafensperre und die Befestigungen auf der Mole zu zerstren. Auch
  ersuchte er, nicht zu viel Gardes de la marine (Offiziersaspiranten)
  und keine Kriegsfreiwilligen einzuschiffen, diese nhmen nur Platz
  fort und brauchten zu viel Erfrischungen und Wasser, weil sie so oft
  seekrank wren.

  Er erhielt nahezu alles, was er verlangt hatte. An Mrserbooten waren
  jetzt 7 vorhanden; die Senkschiffe fehlten -- es sind 2 vorbereitet,
  doch werden sie spter nicht mehr erwhnt --, dagegen erhielt er 2
  Kupferminen -- sehr schwere Gefe mit Pulver, Projektilen und
  Feuerwerkskrpern gefllt, sonst Konstruktion unbekannt --, die in
  Fahrzeugen gegen die Hafensperre herangefhrt werden sollten. Auch 16
  Galeren stieen zur Flotte; sie waren jedoch bei Beginn der Operationen
  noch nicht zur Stelle, wurden spter wiederum zur Auffllung von Wasser
  und Proviant zurckgesandt und kamen nicht wieder (Grund: zu
  vorgerckte Jahreszeit oder die bekannte Spannung zwischen der Galeren-
  und Hochseeflotte). Der Sttzpunkt auf den Balearen scheint nicht
  eingerichtet zu sein. Trotz des Admirals Bitte wurden aber mehrere
  berzhlige Kapitne und eine groe Zahl Gardes de la marine zur
  Belehrung auf die Flotte kommandiert und zwar besonders an Bord der
  Schiffe, auf die sich die Mrserboote sttzen sollten. Legendenhaft --
  auch nach Jal -- ist endlich die Mitgabe von 2 groen Bomben;
  mitgegeben sind sie, aber es ist nicht zu sagen zu welchem Zweck; ein
  besonderer Mrser war nicht vorhanden, vielleicht war ihre Verwendung
  hnlich gedacht wie die der Kupferminen, oder es sind diese.

Die Ausrstung der neuen Flotte wurde mit Eifer betrieben; der Sekretr
des Marineministeriums, =de Seignelay= (Sohn Colberts), erschien selbst
in Toulon, aber infolge von Verzgerungen und widrigen Winden traf =du
Quesne= erst am 18. Juni 1683 vor Algier ein.

Am 23. waren unter =Tourvilles= Leitung alle Vorbereitungen fr die
Bombardementsstellung getroffen, jetzt genau in der Seite 404
beschriebenen Weise; starker ablandiger Wind und Seegang hinderten jedoch
bis zum 26. abends das Vorschicken der Mrserboote. Dann wurden, wieder
unter Tourvilles Leitung, in dieser und der nchsten Nacht 200 Bomben
geworfen. Der Feind antwortete lebhaft aber mit wenig Erfolg, die
Franzosen dagegen hatten bessere Ergebnisse als im Vorjahre; die Munition
war besser, nur etwa 25 Bomben krepierten zu frh, und die Elevation war
richtiger bemessen. Obgleich am 28. frh Wind und See so zunahmen, da
verschiedene Mrserboote vertrieben und beim Verlassen der Stellung
mehrere der Verholleinen brachen, sandte der Feind doch Parlamentre. Du
Quesne weigerte sich, auf Verhandlungen einzugehen, ehe nicht smtliche
Sklaven franzsischer Nation freigelassen seien, worauf whrend der
nchsten Tage gegen 600 auf der Flotte abgeliefert wurden; die
Verhandlungen zogen sich aber trotzdem hin. Nach den mitgegebenen und
weiter eingehenden Instruktionen sollte der Admiral nicht nur die
Herausgabe der Sklaven und die Zahlung von einer Million Franken fr
franzsischen Untertanen zugefgten Schaden verlangen, sondern auch, da
der Dey demtig Abbitte tue fr die Unverschmtheit (insolence),
berhaupt gegen den Knig Krieg gefhrt zu haben; endlich war du Quesne
streng untersagt, die Auslieferung mohammedanischer Sklaven auf
franzsischen Galeren zu versprechen. Gerade dieser letzte Punkt scheint
die herrschenden Elemente in Algier, die Janitscharen, emprt zu haben;
am 23. Juli brach eine Militrrevolution aus, der Dey wurde ermordet und
der Fhrer der Emprung brach die Verhandlungen ab.

Nach einigen Tagen vergeblichen Wartens erffnete du Quesne die
Beschieung von neuem. Der Kampf wurde jetzt von den Barbaresken auf das
energischste und grausamste gefhrt: das Feuer wurde noch heftiger und
nun auch mit mehr Erfolg erwidert; ein nchtlicher Ausfall wurde gemacht
und hierbei ein Wachtboot genommen; franzsische Sklaven und Gefangene,
darunter der Konsul, wurden vor die Mndungen der Kanonen gebunden. Bis
zum 18. August warfen die Franzosen ber 1000 Bomben -- dann wurde die
Munition knapp --, die Stadt lag halb in Trmmern, aber sie ergab sich
nicht. Da auch die Batterien noch nicht zum Schweigen gebracht waren,
hielt du Quesne eine Forcierung des Hafens nicht fr ratsam.

  Fr ein Forcieren war der Admiral nie gewesen, wenn nicht die
  Befestigungen vorher niedergekmpft seien. Ludwig XIV. war emprt, da
  die Stadt nicht schneller bezwungen wurde; er machte (Ende Juli) du
  Quesne die schwersten Vorwrfe und schrieb dabei: er msse annehmen,
  da dieser nicht forcieren wolle, weil er stets dagegen gewesen; er
  befhle es nunmehr. Wenige Tage spter schrieb de Seignelay, im Namen
  des Knigs, etwas milder, wies aber auch auf gewaltsamen Angriff hin
  und sandte gleichzeitig an Tourville unmittelbar den Befehl, einen
  solchen auszufhren: mit Hilfe der beiden Minen die Hafensperre (Kette
  und Pfahlwerk) zu sprengen, die Schiffe im Hafen und die Stadt
  anzuznden; Galeren und Schiffsboote seien ihm dazu unterstellt. Es
  unterliegt keinem Zweifel, da Tourville -- jetzt auch Generalleutnant
  und Zweiter im Kommando --, der sich hier sonst sehr auszeichnete,
  gegen du Quesne intriguierte. In Briefen an den Marinestaatssekretr
  und an den Hof warf er dem Oberbefehlshaber Fehler und Lauheit (z. B.
  die lange Pause) beim Bombardement vor, auch erklrte er, da ein
  Forcieren wohl mglich sei. Das erste war ungerecht, du Quesnes Aufgabe
  war gewesen, einen Frieden herbeizufhren, und er stand ja in
  Unterhandlungen; das letzte war mindestens fraglich. Ein gewaltsamer
  Angriff wrde jedenfalls viel franzsisches Blut gekostet haben, so
  betrug der Verlust in der Hauptzeit der Beschieung, nmlich bis zum
  29. Juli, nur 20 Tote und 78 Verwundete; darunter allerdings 13
  Offiziere der Mrserboote und Schaluppen.

  Auch nach Eingang dieser ausdrcklichen Befehle geschah nichts. Du
  Quesne war beleidigt, und die Forcierung ging ihn nach der Order an
  Tourville nichts mehr an. Tourville selbst erklrte jetzt aber auch die
  Sache fr nicht ausfhrbar: Es fehlten die Galeren (die, wie wir
  wissen, nicht wiedergekommen waren); die Minen seien unbrauchbar, da
  nach Aussage der damit vertrauten Offiziere keine Fahrzeuge fr deren
  Verwendung vorbereitet seien. Hiermit wurde ein neuer Vorwurf gegen du
  Quesne verbunden: Diese Offiziere htten ausgesagt, der Admiral habe
  trotz ihrer Vorstellung die Herrichtung geeigneter Fahrzeuge in Toulon
  nicht abwarten wollen.

Im September erhielt du Quesne Befehl, beim Eintritt der ungnstigen
Jahreszeit die Belagerung aufzugeben; Anfang Oktober ging er deshalb nach
Toulon, Tourville mit 7 der bestsegelnden Linienschiffe zur Blockade
zurcklassend. So endete auch dieser Angriff ohne Erfolg; Algier
unterwarf sich den Friedensbedingungen erst infolge der bestndigen
Blockaden im Frhjahr 1684. Die Machthaber der Stadt sollen stets gesagt
haben, ein Bombardement schade ihnen nichts, die Stadt sei reich genug
und mache so gute Beute, da sie sich nach einer Beschieung besser als
vorher wieder aufbauen knne; auch gab Ludwig etwas nach, da er gerade
andere Plne im Mittelmeer hatte (Angriff auf Genua 1684). $Die weiteren
franzsischen Operationen gegen die Barbaresken$ seien hier noch kurz
geschildert.

Tourville hatte im Frhjahr 1684 einen hundertjhrigen (!) Frieden mit
dem Dey geschlossen, aber schon $1685$ nahmen die Rubereien, zuerst von
=Tunis= und =Tripolis= aus, wieder berhand. Im Juni dieses Jahres
erschien deshalb d'=Estres= mit einem Geschwader vor beiden Stdten und
zwang sie durch Beschieung zur Zahlung groer Entschdigungssummen.
$1688$ griff er auch =Algier= an; vom 1.-14. Juli wurden aus 10
Mrserbooten gegen 10000 Bomben geworfen. Da sich aber die Boote in
schlechtem Zustande befanden und auch sonst die Beschieung weniger
sorgfltig vorbereitet war, erreichte man noch weniger als frher du
Quesne. Die Stadt weigerte sich zu unterhandeln und gab erst im nchsten
Jahre aus anderen Grnden nach.

  Diese Zge kommandierte d'Estres, obgleich er Vizeadmiral des Atlantik
  war, da sich du Quesne 1684 vor Genua mit de Seignelay berworfen
  hatte. De Seignelay hatte sich hier zu sehr in die Befehlsbefugnisse du
  Quesnes gemengt, so da dieser zeitweise seine Kajte nicht verlie.
  Der Staatssekretr hatte nach den leichten Erfolgen 1685 an d'Estres
  geschrieben, wenn er 1682 und 1683 kommandiert htte, wrde die Sache
  wohl besser verlaufen sein; der Mierfolg des Jahres 1688 war also eine
  groe Genugtuung fr du Quesne.

$1684 griff Ludwig XIV. Genua an.$ Die Stadt hielt zu sterreich und
Spanien, baute um diese Zeit Galeren fr letztgenannten Staat und hatte
auch Kriegsmaterial an die Barbaresken verkauft. Ludwig verbot die
Lieferung der Galeren unter Androhung schwerster Zchtigung. Genua lehnte
ab, stand aber ohne jede Untersttzung da, als Spanien 1684 (Regensburg)
mit Frankreich einen Waffenstillstand abgeschlossen hatte.

Nun wurde =du Quesne= mit einer Flotte -- 13 Linienschiffe, 2 Brander, 20
Galeren, 10 Mrserboote -- gegen die Stadt gesandt; =de Seignelay=
schiffte sich selbst mit ein. Die Flotte erschien am 17. Mai vor Genua
und begann am 18. die Beschieung, nachdem die harten und demtigenden
Friedensbedingungen abgelehnt waren; die Stellung der Mrserboote war
dieselbe wie vor Algier. Vom 18.-22. und am 24. warf man 4000 Bomben; am
letzten Tage wurde eine Scheinlandung im Osten, eine ernsthafte (2500
Mann) im Westen der Stadt unternommen und die Vorstadt San Pier d'Arena
verbrannt. Die Stadt hatte durch das Bombardement schwer gelitten, doch
waren die Franzosen nicht imstande, sie einzunehmen. Infolge Androhung
einer neuen Beschieung unterwarf sich Genua aber doch 1685 den durch
Vermittlung des Papstes etwas gemilderten Friedensbedingungen: man
lieferte die streitigen Galeren an Frankreich aus und der Doge mute mit
einer Abordnung der edelsten Geschlechter in Paris um Verzeihung bitten.

  Es war dies die letzte grere Ttigkeit =du Quesnes=; er zog sich bald
  ins Privatleben zurck und starb 1688. Als Hchstkommandierender im
  Mittelmeer folgte ihm Tourville, der sich auch vor Genua wieder
  ausgezeichnet hatte. Dieser wurde 1689 zum Vizeadmiral der Levante
  ernannt, welchen Dienstgrad du Quesne wegen seiner Religion nie erlangt
  hatte.

Ein $venetianisch-trkischer Krieg 1684-1699$ soll im Kapitel X
besprochen werden (vergl. Seite 297).

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                             Achtes Kapitel.

       Der franzsisch-englisch-hollndische Krieg von 1688-1697.

$Die politischen Verhltnisse, die den Krieg herbeifhrten.$ Der jetzt zu
besprechende Seekrieg ist der Anteil, den die Kriegfhrung zur See an dem
groen europischen Kriege 1688-1697 -- dem =Pflzischen
Erbschaftskriege=, auch la guerre de la Ligue d'Augsbourg oder der
Orleanssche Krieg genannt -- genommen hat. Die Kriegfhrung zur See in
diesem spielt scheinbar eine untergeordnete Rolle. Wenig groe
Seeschlachten werden geschlagen, nur bei den Versuchen Ludwigs XIV., in
England die Stuarts wieder einzusetzen. Der Einflu der Kriegfhrung zur
See war aber tatschlich fr den Verlauf des ganzen Krieges doch so
bedeutend, da wir ihn wohl zu den groen Seekriegen rechnen knnen; die
eben hochgekommene franzsische Marine verschwindet in Folge dieses
Krieges wieder auf ein halbes Jahrhundert fast ganz von dem Meere.

Mit dem Frieden von Nymwegen (1678) stand =Ludwig= XIV. auf der Hhe
seiner Macht und nutzte sie aus. Durch die berchtigten Reunionskammern
-- 1678 und 1679 von ihm in Metz, Breisach, Besanon und Tournay
eingesetzt -- lie er sich alle Gebiete zusprechen, die vormals
irgendwann und irgendwo mit den durch den Westflischen oder Nymweger
Frieden von Frankreich neuerworbenen Lndern zusammengehangen hatten
(deshalb eben: Wiedervereinigungs-Kammern). Auf Grund dieser Ansprche
nahm er dann an 600 Herrschaften, Stdte und Orte in Deutschland und in
den spanischen Niederlanden (hier auch Luxemburg) in Besitz. Das Deutsche
Reich konnte nur Einspruch dagegen erheben; hierauf antwortete Ludwig gar
mit der Besetzung Straburgs am 30. September 1681. sterreich war seit
1678 durch Emprungen in Ungarn bedrngt. Hier hatte man die Trken zu
Hilfe gerufen, die bis Wien kamen (entsetzt durch Sobieski 1683); auch
der Groe Kurfrst lie den Kaiser im Stich, aus Verdru ber das ihm
widerfahrene Unrecht. So sah sich der Kaiser, und mit ihm Spanien und
Holland, sogar gezwungen, 1684 mit Frankreich einen Waffenstillstand
(Regensburg) abzuschlieen, in dem die Ansprche auf die Reunionen
anerkannt wurden. Ludwig behielt auch Straburg, Luxemburg und das 1681
vom Herzog von Mantua gekaufte Casala: drei wichtige strategische Punkte
fr Unternehmungen nach Norden, Osten und Sden; von seiner gewaltttigen
Zchtigung der kaiserlich und spanisch gesinnten Stadt Genua (1684) haben
wir gehrt.

Ludwig hatte sich aber durch sein Vorgehen neue Feinde geschaffen und
alte Freunde entfremdet; alles sah sich geschdigt -- selbst der Knig
von Schweden im Herzogtum Zweibrcken und der Papst durch die Grndung
der selbstndigen franzsischen Kirche -- oder doch bedroht. Auch seine
innere Politik sollte dazu beitragen, die Machtstellung Frankreichs zu
gefhrden; auf diesen Punkt wird spter nher eingegangen werden.
Trotzdem trat er mit einer neuen Forderung hervor. Als 1685 der Kurfrst
Karl Ludwig von der Pfalz starb, beanspruchte Ludwig die Allodialgter
der ausgestorbenen Linie; er erhob diesen Anspruch, bald auf die ganze
Pfalz ausgedehnt, im Namen seiner Schwgerin Elisabeth Charlotte
(Schwester des verstorbenen Kurfrsten und Gemahlin des Herzogs von
Orleans).

Wenn nun aber auch die Erbitterung in allen Staaten Europas tief und
allgemein war, so fehlte ihr zur Bettigung doch noch die Organisation
und Leitung; auch durfte Ludwig immerhin mit einem Rckhalt an den
Stuarts in England rechnen. Die Vernderung der Verhltnisse hier -- die
Revolution, die Wilhelm von Oraniens Thronbesteigung zur Folge hatte --
sollte das Vorgehen Gesamteuropas gegen Frankreich nun beschleunigen.

  Karl II. hatte immer noch gengend monarchische Gewalt gehabt, die
  politische und religise Feindschaft des englischen Volkes gegen
  Frankreich einzudmmen. Er starb 1685. Sein Nachfolger Jakob II. schlo
  sich nun noch enger an Ludwig an und lie sich durch seinen
  katholischen Glaubenseifer zu Handlungen hinreien, die das Volk dahin
  brachten, des Knigs protestantische Tochter Maria (Gemahlin Wilhelms
  von Oranien; dieser selbst Enkel Karls I. von mtterlicher Seite) fr
  den Thron ins Auge zu fassen.

=Wilhelm von Oranien= war von seinem ersten Auftreten an vor die Aufgabe
gestellt, den Eroberungsplnen Ludwigs entgegenzutreten; er blieb ihr bis
zu seinem Tode treu. Von einer Besteigung des englischen Thrones erhoffte
er nicht nur eine Erhhung seiner Stellung, sondern auch die Erfllung
seines glhendsten politischen Wunsches, die Macht des franzsischen
Knigs zu brechen. Er wurde die Seele der grenden Bewegung in Europa.
Zunchst vershnte er Brandenburg mit dem Kaiser und mit Schweden,
Holland mit Spanien und brachte ein Bndnis dieser Staaten zustande, dem
die meisten deutschen Frsten beitraten (den =Augsburger Bund=, Juli
1686).

  Whrend dieser diplomatischen Schachzge fand von seiten Hollands und
  Frankreichs eine Flottendemonstration statt. Ludwig versuchte Dnemark
  an sich zu ziehen, den einzigen Staat, der von ihm nicht geschdigt
  war. Dadurch entstand (1683) eine Spannung zwischen Dnemark und
  Schweden; jenes rstete zu Lande und zu Wasser mit franzsischer
  Untersttzung und nherte sich Brandenburg, das noch nicht mit dem
  Kaiser vershnt war. Nun beschlo Holland die Sendung einer Flotte von
  24 Linienschiffen nach der Ostsee zum Schutze seines Handels, aber auch
  gegebenen Falles zur Untersttzung Schwedens, oder gar um Truppen nach
  Deutschland zu fhren. Frankreich kam ihm zuvor, Juni 1683 traf ein
  Geschwader von 13 Linienschiffen zum Schutze Dnemarks in Kopenhagen
  ein. Die hollndische Flotte ging im August in See, kreuzte in der
  Nordsee und erreichte erst Ende Oktober Gothenburg; die ffentliche
  Meinung in Holland billigte aus Furcht vor Frankreich den Schritt
  nicht. Da sich die Verhltnisse zwischen Dnemark und Schweden
  friedlicher gestaltet hatten, ging das franzsische Geschwader schon im
  September in die Heimat zurck; auf die Kunde hiervon kehrten auch die
  Hollnder heim.

Vorlufig war es nur ein Defensivbndnis und noch nicht stark genug zum
Handeln. Noch war sterreich nicht frei im Osten, wenn es auch 1683 die
Trken in Ungarn in die Defensive gedrngt und immer weitere Erfolge
gehabt hatte (Ofen erobert, September 1686). Noch fehlte es an Geld, die
Niederlande waren trotz Oraniens Wunsch nicht willens, wieder den Bankier
fr einen Staatenbund abzugeben; sie waren auch noch nicht geneigt,
Oraniens Absichten auf England mit Schiffen und Geld zu untersttzen,
weil sie wuten, da dies sofort einen Krieg mit Frankreich herbeifhren
wrde; Oranien selbst war auch wohl seiner Sache dort noch nicht sicher
genug. Neue Ereignisse brachten die Angelegenheit in Gang.

Im November 1687 nahm Ludwig die Handelszugestndnisse zurck, die er im
Frieden von Nymwegen den Hollndern gemacht hatte, und drohte dadurch
ihren Handel schwer zu schdigen.

Nun schlug die Stimmung in den Niederlanden um; es gelang Oranien mit
Hilfe einiger vertrauter Staatsmnner, sich die Bereitschaft von
Kriegsschiffen fr das kommende Jahr zu sichern sowie Gelder zum Mieten
von Truppen und Transportern zu verschaffen; beides geheim und unter
anderen Vorwnden.

Im Juni 1688 wurde in England ein Thronfolger geboren. Die Furcht, das
katholische Knigstum auch nach Jakob II. fortgesetzt zu sehen, brachte
die englische Nation fast allgemein dazu, jetzt Maria und Wilhelm
wirklich herbeizurufen. In Kln starb 1688 der Kurfrst. Die franzsische
Partei whlte den franzsisch gesinnten Wilhelm von Frstenberg; Kaiser
und Reich (auch der Papst) erkannten ihn nicht an, franzsische Truppen
setzten ihn ein und beschtzten ihn in Bonn, whrend Kln ihm die Tore
verschlo und mit Hilfe Brandenburgs entgegentrat. So war ein erster
Zusammensto da und Ludwig erachtete berhaupt die Zeit fr den Angriff
seinerseits gekommen, ehe der Augsburger Bund vllig kampfbereit sein
wrde und einen tatkrftigen Fhrer erhielte. sterreich hatte 1687 neue
Erfolge gegen die Trken errungen (Sieg bei Mohacs) und Ungarn wieder
ganz unterworfen, konnte also bald seine volle Kraft nach Westen
verwenden; anderseits wute Ludwig Oranien zur Zeit in erster Linie mit
seinen englischen Plnen beschftigt.

=Ludwig erklrte= deshalb am 24. September 1688 =den Krieg an
Deutschland= und fiel sofort in die Rheinlande ein. Diese Gelegenheit
benutzte wieder =Oranien=, seinen =bergang nach England= auszufhren;
die Vorbereitungen waren nahezu vollendet, die Niederlande stimmten jetzt
auch offiziell zu, die Ausfhrung wurde allerdings durch
Wetterverhltnisse verzgert. Er landete am 15. November bei Torbay und
trat dann, sobald er schnell und unblutig festen Fu gefat hatte (18.
Februar 1689 wurden Wilhelm III. und Maria zu gleichem Recht auf den fr
erledigt erklrten Thron erhoben; Jakob floh nach Frankreich), auch fr
England dem Augsburger Bunde bei; an Holland hatte Ludwig den Krieg
erklrt, als er von dem Zuge Oraniens Kenntnis erhielt. Durch Englands
und endlich Savoyens Beitritt wurde der Bund zur =groen Wiener Allianz
von= 1689 erweitert.

  Ein franzsischer Autor sagt zutreffend: Die Revolution in England
  fhrte den Krieg von 1688 herbei und dieser Krieg ermglichte wiederum
  die englische Revolution.

So mute Frankreich gegen ganz Europa einen Krieg ohne einen einzigen
Bundesgenossen fhren, und es war eingetreten, was seine Politik sonst
stets gefrchtet und deshalb bisher verhtet hatte: die Seemchte England
und Holland waren verbndet. Sie waren sogar unter demselben Herrscher
vereinigt.

  Diese letzte Tatsache war die Folge kaum begreiflicher =Fehler der
  Knige Ludwig und Jakob=: Ludwig hatte Jakob unablssig und dringend
  vor den Plnen Oraniens gewarnt und ihm Untersttzung durch Truppen,
  Geld und Schiffe angeboten. Der englische Knig schlug alles ab,
  entweder weil er seiner Flotte unbedingt traute (hiervon spter) oder
  weil er frchtete, da bei der Stimmung des englischen Volkes das
  Eingreifen der Franzosen eine Katastrophe beschleunigen wrde.
  Vielleicht trat eine Unterschtzung der Gefahr hinzu, um so mehr, da
  ein frherer Versuch gegen seinen Thron leicht niedergeschlagen worden
  war.

  (1685 hatten der Herzog von Monmouth und der Graf von Argyll einen
  Versuch gemacht, Aufstnde in England und Schottland zu erregen. Sie
  landeten von Holland aus mit einigen wenigen Schiffen und Truppen in
  Dorsetshire und an der Westkste Schottlands, wurden jedoch beide bald
  berwltigt und hingerichtet.)

  Aber auch Ludwig scheint bei der Hartnckigkeit, mit der er seine Ziele
  auf dem Festlande im Auge hatte, diesen Umstand nicht gengend
  gewrdigt zu haben. Er begann einen schweren Krieg im Osten und
  bedachte dabei nicht, da die im Herzen feindliche englische Nation in
  seiner Flanke darauf brannte, in den Kampf gegen ihn einzutreten, und
  hierzu nur eines Fhrers bedurfte. Wenn er Holland zu Lande angriff und
  seine Flotte -- zu dieser Zeit selbst der vereinten englischen und
  hollndischen berlegen -- in den Kanal schickte, so konnte er Oranien
  in den Niederlanden festhalten; wenn dies rechtzeitig geschah, so wre
  auch vielleicht das Verhalten der englischen Flotte ein anderes
  gewesen. Whrend der Vorbereitungen zu Oraniens Expedition und whrend
  der spteren Verzgerung ihres Abganges bestrmten der franzsische
  Gesandte im Haag und der Marineminister Seignelay den Knig, die Flotte
  auslaufen zu lassen, aber vergeblich. (Des Kriegsministers Louvois
  Einflu gegenber dem Seignelays'?)

$Allgemeiner Verlauf des Pflzischen Erbschaftskrieges und Kennzeichnung
der Kriegfhrung zur See in diesem.$ Wenn der Kampf zur See scheinbar nur
eine untergeordnete Rolle spielt und ihm deshalb auch in den meisten
Geschichtswerken (selbst seekriegsgeschichtlichen) nur eine
dementsprechende Beachtung geschenkt wird, so hat dies seinen
Grund darin, weil nur wenige groe Seeschlachten auf einem
Nebenkriegsschauplatze geschlagen werden. Der Landkrieg und der Seekrieg
stehen nur wenig im Zusammenhange, besonders nicht in den Jahren, in
denen der Landkrieg am erbittertsten gefhrt wurde; nur im Kampfe um
Irland und gegen Ende um Katalonien greifen sie ineinander ein. So gengt
es denn, von dem =Verlaufe des groen europischen Landkrieges= hier
nachstehende kurze Zusammenfassung zu geben und auch spter nur andeutend
auf ihn zurckzukommen.

  Die Schaupltze des Landkrieges waren die spanischen Niederlande, der
  Unterrhein, die Pfalz, Savoyen (Piemont) und Spanien (bes. Katalonien);
  Irland trat durch den Einfall Jakobs II. dort hinzu. Wie im vorigen
  Kriege waren die Waffen Frankreichs im allgemeinen glcklich: Ludwig
  gebot ber tchtige, von Cond und Turenne erzogene Generale, ber eine
  gute und einheitliche Armee von 150000 Mann; Vauban hatte Frankreich --
  in dessen Besitz berall wichtige Sttzpunkte und Waffenpltze
  bergegangen waren -- zu einem verschanzten Lager gemacht.

  Am Oberrhein erfolgte die furchtbare =Verwstung der Pfalz= im Herbst
  1688 und Frhjahr 1689 =unter Melac=, wobei Speier, Worms, Heidelberg,
  Mannheim und Hunderte von kleinen Orten verbrannt wurden. Ein ernster
  Widerstand war nicht mglich: Bayern zeigte sich lssig; der grere
  Teil der sterreichischen Macht war noch in Ungarn beschftigt; den
  Verbndeten mangelte das Zusammenwirken, da der sterreichische Fhrer
  (Caprara) mit dem brandenburgischen (Schning) stets im Streite lag und
  der hollndische (Waldeck) sich unfhig erwies. 1689 gelang es nur,
  Mainz wieder zu erobern (Sachsen und Bayern) und die Franzosen mit dem
  von ihnen eingesetzten Kurfrsten aus dem Klnischen zu vertreiben.
  Sonst drangen die Franzosen weiter vor bis Frankfurt, Rothenburg,
  Gppingen und Ulm, welche Pltze sich hielten; selbst von Bamberg,
  Nrnberg und Wrzburg wurde mit Erfolg Kontribution gefordert, und in
  Stuttgart lie die Regierung den Feind hinein; Melac wollte auch diese
  Stadt verbrennen, wurde aber durch Karl von Baden mit schwbischen
  Kreistruppen und aufgestandenen Bauern aus Schwaben vertrieben. 1690
  wurde auch Waldeck (Hollnder, Spanier, Reichstruppen) bei =Fleurus=
  vom Marschall =Luxembourg= geschlagen und die Franzosen errangen
  Erfolge in Piemont und an der spanischen Grenze.

  Die Seele des Bundes, =Oranien=, war bisher noch in England
  =unabkmmlich= gewesen. Jakob II. war im Mrz 1689 in Irland gelandet,
  von Frankreich untersttzt und gedeckt durch eine franzsische Flotte
  (Seegefecht vor Bantrybay). Mit Ausnahme des vorwiegend
  protestantischen Ulster fiel ihm ganz Irland zu. Oranien aber gelang
  es, trotz der franzsischen Flotte Truppen hinberzuschaffen und im
  Juni 1690 selbst hinberzugehen, Jakob schlielich in der =Schlacht am
  Boyne= (11. Juli 1690) vllig zu schlagen und aufs neue zur Flucht nach
  Frankreich zu zwingen; Oraniens Herrschaft war von diesem Zeitpunkt an
  als gesichert anzusehen. Selbst der Seesieg der Franzosen bei
  Beachyhead (10. Juli 1690), in dem die vereinigte englisch-hollndische
  Flotte fr dieses Jahr vollstndig auer Gefecht gesetzt wurde, konnte
  Jakobs Sache nicht mehr retten; schwache Versuche der franzsischen
  Flotte, nach ihrem Siege an der englischen Kste aufzutreten, blieben
  erfolglos.

  =Das Jahr= 1691 brachte auf dem Festland einen Stillstand der
  franzsischen Erfolge, auch ein Zurckgehen der Franzosen am Oberrhein.
  =Oranien erschien= eben nun mit einem Hilfskorps =in Holland= und, was
  vielleicht noch mehr Einflu hatte, Louvois starb. Dieser Stillstand
  war aber nur von kurzer Dauer; Oranien mute bald nach England zurck
  und sofort errang =Luxembourg= Vorteile ber Waldeck (z. B. =Sieg bei
  Leuze= im Hennegau, September 1691) und =im Jahre= 1692 erffnete
  Ludwig den Feldzug wieder mit uerster Energie.

  Es wurde eine groe Landung in England geplant -- ein letzter mchtiger
  Versuch im Interesse Jakobs -- und zugleich auf dem Festlande berall
  krftig vorgestoen. Gegen Holland zog der Knig selbst, unter ihm
  Vauban und Luxembourg; hierher war Oranien Anfang des Jahres mit neuen
  Truppen zurckgekehrt, er war jedoch nicht glcklich im Felde. Namur
  wurde genommen (Vauban gegen Coehoorn, die beiden berhmten
  Ingenieure), =Oranien= selbst mit einem 75000 Mann starken
  spanisch-hollndisch-deutschen Heere =bei Steenkirchen= von Luxembourg,
  wenn nicht geschlagen, so doch unter starkem Verluste aufgehalten.
  Catinat drang siegreich in Piemont (Schlacht bei Marsaille in der Nhe
  Turins), Noailles in Spanien (Schlacht am Terr) vor; auf beiden Flgeln
  so im Vorteil, brachen die Franzosen in der Mitte wieder in Deutschland
  den Neckar entlang ein. Auch 1693 konnten die Franzosen noch Erfolge
  verzeichnen: Im Juli siegte =Luxembourg= nochmals =bei Neerwinden= ber
  Oranien, dieser jedoch behauptete stets mit Hartnckigkeit und Ausdauer
  das Feld; am Oberrhein erfolgten neue Raubzge, ungestraft wegen
  Uneinigkeit der gegnerischen Fhrer; aber auch hier setzte Ludwig von
  Baden, als kaiserlicher Feldherr jetzt, in einer Verteidigungsstellung
  bei Heilbronn dem Vordringen eine Grenze.

  Dagegen hatte der Plan einer Invasion in England mit einer vlligen
  Niederlage der Franzosen (Seeschlacht bei Barfleur und La Hogue, 29.
  Mai 1692, und die nchsten Tage) geendet. Der Seekrieg hatte bis dahin
  mit dem Landkriege auf dem Festland in keinem Zusammenhang gestanden.
  Die franzsische Flotte war verwendet zur Untersttzung des Aufruhrs in
  Irland und zu Versuchen, England anzugreifen; die Seestreitkrfte der
  Verbndeten zur Abwehr. Jetzt verschwand die franzsische Flotte als
  solche vom Meere. Man focht auf dem Meere in erster Linie um den
  Handel, und die Verbndeten versuchten daneben, von See her in den
  Landkrieg einzugreifen: Durch Bedrohung der franzsischen Ksten und
  durch Untersttzung der Spanier in Katalonien. Das letztere setzte den
  Erfolgen der Franzosen ein Ziel, als Ludwig =im Jahre= 1694 hier noch
  einmal krftig vorstie. Der Kampf um den Seehandel war aber von noch
  bedeutenderem Einflu; besonders von Frankreich mit groem Erfolge
  gefhrt, schdigte er England und Holland sehr. Von 1694 an wurde der
  Krieg von beiden Seiten lauer gefhrt, auer der Rckeroberung Namurs
  1695 durch Oranien treten keine Ereignisse von Bedeutung mehr ein; auf
  beiden Seiten wnschte man den Frieden. Ludwig gelang es schon 1696,
  Savoyen durch Rckgabe seines ganzen Gebietes zu befriedigen und so den
  Bund zu schwchen. Spanien zeigte sich am hartnckigsten, wurde aber
  dadurch zum Nachgeben gezwungen, da Ludwig 1697 noch einmal ihm
  gegenber Vorteile errang. Von den englisch-hollndischen
  Seestreitkrften nicht mehr untersttzt, wurde es in die Enge getrieben
  (Barcelona fiel), gleichzeitig bedrohte ein franzsisches Geschwader
  seine westindischen Kolonien (Cartagena). Durch Schwedens Bemhungen
  trat im Mai 1697 ein erfolgreicher Friedenskongre in Ryswijk zusammen.

Der Krieg endete mit dem $Frieden von Ryswijk$ (20. September 1697,
Spanien, Holland, England; 30. Oktober Kaiser und Reich), da beide
Parteien erschpft und des Kampfes mde waren.

In Deutschland war der gute Wille, sich der Franzosen zu erwehren, durch
Neid unter den Frsten und durch franzsische Umtriebe immer mehr
erlahmt. England und Holland, die auf seiten der Verbndeten allein die
Kosten getragen hatten, waren durch den Kreuzerkrieg schwer geschdigt
worden. Sie waren unter diesen Umstnden (in Holland brach 1695 gar ein
Volksauflauf wegen der hohen Kriegssteuern aus) zum Frieden geneigt und
rechneten wohl damit, besonders England, auch jetzt schon gengende
Vorteile zu erringen. Frankreich war trotz des Reichtums, den das Land
barg, erschpft durch den Riesenkampf gegen ganz Europa, verbunden mit
dem Rckgange der wirtschaftlichen Verhltnisse im Lande.

  Diese =Erschpfung Frankreichs=, unter der besonders auch seine Marine
  litt -- der tatschliche Verlust an Schiffen war keineswegs der Grund
  ihres schon whrend des Krieges eintretenden Verfalls; diese
  Materialeinbue wre leicht zu verschmerzen gewesen --, war eine
  natrliche Folge der Politik Ludwigs, seiner inneren wie seiner
  ueren. Selbst die ungeheuern Opfer, die der Riesenkampf forderte,
  htte das an sich sehr reiche Land wohl tragen knnen, wenn Colberts
  Plne voll verwirklicht wren und Zeit gehabt htten, gengend zu
  wirken. Colberts Reformen (vgl. Seite 315 Colberts Ttigkeit) hatten
  bis zum Jahre 1672 schon groen Erfolg gehabt. Die Produktion auf
  landwirtschaftlichem und industriellem Gebiet hatte zugenommen, die
  westindischen Kolonien blhten auf, der Seehandel hatte sich
  verdoppelt; der allgemeine Wohlstand war gewachsen. Frankreich, das bei
  Ludwigs Thronbesteigung unter Schulden und Unordnung seiner Finanzen
  litt, erfreute sich bei Ausbruch des Krieges 1672 gerade geordneter
  Verhltnisse.

  Der sechs Jahre dauernde Krieg untergrub aber schon die von Colbert
  geschaffene Grundlage: Die ackerbauende Bevlkerung, die Industrie,
  Handel und Kolonien wurden durch ihn zu lange lahm gelegt; die
  ungeheuren Kosten erschtterten die Ordnung in den Staatsfinanzen, nur
  mhsam konnte Colbert diese von nun an noch aufrecht erhalten. Beim
  Frieden von Nymwegen wre es wohl noch wieder gut zu machen gewesen,
  aber wie erwhnt, wurden nur Bedingungen durchgesetzt, die zwar
  vorteilhaft fr Landzuwachs, aber nicht fr Hebung der Produktion und
  des Handels waren. Nach Colberts Tode wurden seine Wege ganz verlassen
  und an die Stelle der produktiven Wohlfahrtspolitik trat immer mehr ein
  nur nach Steuerkraft ringendes Verfahren. Auch durch sein Vorgehen
  gegen die Hugenotten (Dragonaden 1683; Aufhebung des Edikts von Nantes
  1685) hatte Ludwig die Produktionskraft des Landes geschdigt, indem er
  ein Element geistiger und wirtschaftlicher Kraft zerstrte.

  Die Feindschaft mit ganz Europa schlo nun von 1688 an auf lange Jahre
  Frankreich zu Lande und zu Wasser von dem Verkehr mit allen anderen
  Vlkern ab und kein Land kann sich auf die Dauer aus sich allein heraus
  gedeihlich erhalten; nicht ohne Grund hatten Richelieu und Colbert eine
  eigene Macht zur See und ein freundschaftliches Verhltnis mit Holland
  angestrebt. Ludwig verwarf dieses mchtige Hilfsmittel im stolzen
  Vertrauen auf seine Strke und auf seine unumschrnkte Herrschaft im
  Lande.

  In diesem Kriege rechtfertigte Frankreich noch dieses Vertrauen durch
  seine, im ganzen genommen, standhafte Haltung ganz Europa gegenber. Es
  machte im Felde zwar keine dauernden Fortschritte, wich aber auch nicht
  zurck; die Friedensbedingungen fielen aber doch schon recht nachteilig
  aus. Im bald folgenden nchsten Kriege aber war wohl noch dieselbe
  Tatkraft, jedoch nicht mehr die ntige Lebenskraft vorhanden;
  Frankreich wurde berall zurckgeschlagen und an den Rand des
  Verderbens gebracht.

=Die Bedingungen des Friedens= -- zum ersten Male in franzsischer, nicht
wie bisher in lateinischer Sprache abgeschlossen -- waren fr Ludwig XIV.
ungnstig: Frankreich verlor fast alles, was es im Frieden von Nymwegen
gewonnen, was es in den Friedensjahren sich angeeignet oder in den
Kriegsjahren erobert hatte; nur die Reunionen im Elsa sowie Straburg
blieben in seiner Hand. Es erkannte Oranien als Knig von England an und
gewhrte den beiden Seenationen Handelsvorteile, die dem Gedeihen der
eignen Seemacht hchst nachteilig waren.

Vergegenwrtigen wir uns nun nach der kurzen Zusammenfassung des
Gesamtkrieges die Beteiligung der Seestreitkrfte an ihm und damit den
=Einflu der Seemacht=[226], um an der Hand dieser Betrachtung spter die
kriegerischen Ereignisse zur See der Zeit nach zu besprechen.

  [226] Vgl. Mahan, Teil I (Seite 168 ff.), von mir bei Vorstehendem zu
        Rate gezogen und auch stellenweise angefhrt.

Zuerst fanden die Flotten Verwendung in den Kmpfen, die die englische
Revolution hervorrief: Mit Hilfe der hollndischen Flotte ging Oranien
nach England hinber, untersttzt durch die franzsische Marine fiel
Jakob in Irland ein; die Flotten beider Parteien muten dann ihre Armeen
auf dieser Insel untersttzen. 1690 versucht die franzsische Flotte, dem
bis dahin erfolgreichen Unternehmen Jakobs in Irland durch einen
mchtigen Schlag gegen die Hauptmacht der englisch-franzsischen
Seestreitkrfte auch in England eine gnstige Wendung zu geben, jedoch
ohne Erfolg; der hnliche Versuch 1692 -- eine Landung in England --
endet mit der Niederlage der franzsischen Flotte.

Nach dieser Niederlage gibt Frankreich den Seekrieg mit Flotten ganz auf
und verlegt sich auf den Kreuzerkrieg in groem Mastabe, den es schon
1691, noch auf die Flotte gesttzt, begonnen hatte. Es fgt dem Handel
der Gegner andauernd solchen Schaden zu, da diese zum Frieden geneigt
werden. Anderseits schlieen aber auch die Verbndeten die Franzosen vom
Seehandel ab und greifen mit starken Flotten in den Landkrieg ein; in
Spanien mit Erfolg. Endlich gegen Ende des Krieges trgt das Auftreten
franzsischer Seestreitkrfte gegen Spanien zur Beschleunigung des
Friedensschlusses bei.

Die Kriegfhrung zur See zeigt sich also in diesem Kriege doch recht
einflureich, ja, sogar mitentscheidend. Die Beschreibung des Seekrieges
und die sich daranschlieenden Betrachtungen werden lehren, da dieser
Einflu noch weit bedeutender htte sein knnen, wenn nicht auf beiden
Seiten Fehler in der Verwendung der Seestreitkrfte gemacht wren und
wenn nicht diese selbst, ebenfalls auf beiden Seiten, in ihrer
Leistungsfhigkeit zu wnschen brig gelassen htten. Ganz besonders
lehrreich ist aber dieser Krieg auch durch die Folgerungen, die man aus
ihm ber den Kreuzerkrieg ziehen kann.

$ber die Streitmittel$ (anschlieend an Seite 312 ff.).

In $England$ hatte der Knig Karl II. 1678 die Verwaltung der Marine in
die Hand einer Kommission gelegt (an ihrer Spitze stand Prinz Rupert),
deren Macht jedoch sehr durch den Einflu des Knigs eingeschrnkt war;
die schon erwhnten Mistnde -- Lockerung der Disziplin, Verminderung
und Verwahrlosung des Materials -- erreichten eine solche Hhe in den
nchsten 5 Jahren, da ein englischer Autor (Campbell) sagt: Wenn diese
Zustnde noch weitere 5 Jahre gedauert htten, so wrde die Marine so
weit heruntergebracht sein, da weitere Fehler in ihrer Verwaltung nicht
mehr begangen werden konnten. Dies sah schon Karl II. 1684 und griff
bessernd ein; nach seinem Tode (1685) setzte Jakob II. das Werk fort.
Selbst hervorragender Seemann, war dieser sein eigener Marineminister; er
erreichte, da bei Ausbruch des Krieges 1688 wenigstens reichliches
Material vorhanden war. Er sollte aber fr seine Person keinen Nutzen
daraus ziehen, da die Flotte ihn verlie. Mitte Dezember 1688 stand die
ganze Marine Wilhelm von Oranien zur Verfgung.

  Clowes sagt: Jakob II. war gegen Ende seiner Regierung als tchtiger
  Seemann wohl noch populr in der Marine, erfreute sich aber als Knig
  nur geringer Loyalitt. Die Marine als Ganzes war sehr antikatholisch
  und nun machte der Knig, als Oraniens Einfall drohte, im Juni 1688
  einen Katholiken -- Sir Roger Strickland -- zum Befehlshaber der
  Flotte; er sandte auch Priester an Bord, um Messe lesen zu lassen;
  diese entgingen nur mit knapper Not krperlichen Mihandlungen. Es war
  kein Ersatz an Mannschaften zu erhalten, da niemand fr die katholische
  Sache fechten wollte. Im September wurde ein anderer Chef ernannt --
  der Earl of Dartmouth; es war zu spt, das Mitrauen war zu weit
  eingerissen, der Einflu der mit der Revolution einverstandenen
  Offiziere war zu gro geworden: Cabals in every fore-castle; political
  meetings in every cabin. Es ist fraglich, ob auch nur ein Drittel der
  Besatzungen, wenn vor die Frage gestellt, gefochten haben wrde.

  Admiral Herbert (spter Earl of Torrington) und Kapitn Russell (spter
  Admiral Earl of Oxford) gehrten zu den Hauptparteigngern Oraniens;
  dieser war unter den Abgeordneten, die Oranien herbeiriefen, jener
  befehligte zu Wasser dessen Expedition.

Der =Schiffsbestand=[227] war (vgl. genauer Seite 177):

           Schiffe: Klasse   I.      II.   III.    IV.    V.
           Kanonen:        96-100  80-90  60-74  40-54  28-32
           Anzahl:           9       11     39     40   2(12?)

           Schiffe: Klasse   VI.  Brander Mrserboote
           Kanonen:
           Anzahl:            6      26        3

  [227] Clowes, Teil II, Seite 244. Er gibt hier zum letzten Male eine
        genaue Gesamtliste, spter nur noch Vernderungen.

Es wrden dies also etwa 100 Schlachtschiffe (ber 40 Kanonen) sein. In
den whrend des Krieges aufgestellten Schlachtflotten werden wir aber
keine Schiffe unter 50 Kanonen finden, auch bei den Hollndern nur
wenige; das Linienschiff rechnet also tatschlich von 50 Kanonen ab.
Selbst die Schiffe von 50-60 Kanonen sind schwach vertreten, sie
erscheinen ebenso sprlich wie im vorigen Kriege die 40-50
Kanonenschiffe. Die Hauptkraft der Flotten liegt in 70 Kanonenschiffen
und auch die noch schwereren sind vermehrt. Vergleichen wir z. B. den
Bestand von Solebay 1672 = 8 zu 80 Kanonen und darber, 11 zu 60-80
Kanonen und den von Barfleur 1692 = 19 zu 80 Kanonen und darber, 31 zu
60-80 Kanonen.

Aus der letzten Angabe sehen wir auch, da 1692 fast alle Linienschiffe
ber 60 Kanonen bei der Hauptflotte waren, und so war es in den meisten
Kriegsjahren der Fall. Auch von den kleineren Linienschiffen (40-60
Kanonen) und von den anderen Fahrzeugen war wohl der grte Teil im
Dienst; man hatte stets kleine Geschwader in Westindien und den
amerikanischen Gewssern, mit den Hollndern vereint ein Geschwader vor
Dnkirchen, Kreuzer im Kanal und Nordsee und endlich auch Begleitschiffe
fr Convois (hiervon wohl eine groe Zahl, wie genauere Angaben bei den
Hollndern zeigen werden). Die =Armierung= der Schiffe ist frher
(Tabelle Seite 170) fr 1677 gegeben, vielleicht ist bei der jetzt
gebruchlichsten Schiffsklasse die fr 1719 mitgeteilte schon mehr
entsprechend. Die =Mrserboote= wurden stark vermehrt, gerade in diesem
Kriege spielten sie eine groe Rolle.

Wilhelm III. bergab die Verwaltung und Leitung der Marine -- die
Geschfte des Lordhighadmiral -- wieder einer Kommission, wie es schon
sehr frh 1638, dann unter der Republik und endlich, eben gesagt, unter
Jakob II. geschehen war. So entstand =die Admiralitt= mit dem Ersten
Lord an der Spitze (der Marineminister) und diese hat seitdem -- mit
kurzer Unterbrechung unter Knigin Anna -- fortbestanden. (Von 1696 an
erscheint auch fortdauernd der Admiral of the Fleet.) Die Mistnde in
der Verwaltung dauerten aber noch lnger fort, gerade in diesem Kriege
werden wir oft von verzgerter und mangelhafter Ausrstung der Schiffe
hren. Auch in einer anderen Hinsicht lagen die Verhltnisse ungnstig.
Wohl weil die innere politische Lage im Lande noch nicht geklrt war, die
neue Regierung noch keineswegs feststand, scheint vielfach Mitrauen in
Hinsicht auf Zuverlssigkeit und guten Willen mancher hheren Offiziere
geherrscht zu haben. Wir werden sehen, da Frankreich mit solcher
Unzuverlssigkeit rechnete, da von hollndischer Seite die Schuld an
Verzgerungen militrischer Operationen dem Einflu englischer Fhrer
zugeschoben wird; auffallend ist es jedenfalls, wie hufig man einen
Wechsel im Oberkommando eintreten lie -- zweimal wird es sogar wieder in
die Hnde dreier Admirale gleichzeitig gelegt --, wie sehr der jeweilige
Chef abhngig von Befehlen der Admiralitt war und scheinbar nicht wagte,
nach eigener Ansicht zu handeln: Mierfolge konnten ihn verdchtig
machen.

Es ist nicht zu verwundern, da unter der Einwirkung dieser Umstnde die
englische Marine in diesem Kriege nicht das leistete, was man bei ihrer
Strke htte erwarten mssen.

Man liest wohl, da die $hollndische Marine$[228] von Wilhelm von
Oranien vernachlssigt sei, namentlich nachdem dieser den englischen
Thron bestiegen habe; es wird sogar angedeutet, da dies nicht nur
geschehen, weil er mehr Interesse fr den Landkrieg und somit fr das
Heer gehabt habe, sondern auch -- eben spter als Knig von England -- um
diesen Nebenbuhler der englischen Marine zu schwchen; man kann aber
diese Behauptung nicht anerkennen. In Holland wurden whrend des jetzt zu
besprechenden Krieges recht bedeutende Anstrengungen gemacht, die
Seestreitkrfte mchtig zu erhalten, und diese sind smtlich der Anregung
und Einwirkung Oraniens zuzuschreiben. In den ersten Jahren nach dem
Frieden von Nymwegen wurde allerdings wenig getan, die Schiffe,
namentlich die schweren, in gutem Zustande zu erhalten oder fr Ersatz zu
sorgen; doch haben wir stets gesehen, da man in dieser Hinsicht nicht
sehr vorsorglich war, wenn die Gefahr vorber; bei der Erschpfung des
Landes und den Schulden der Admiralitten nach dem letzten Kriege kann es
besonders dieses Mal nicht wundernehmen. Aber schon von 1680 an setzte
Oranien seinen Einflu ein, um die Flotte wieder herzustellen; vielleicht
bewogen ihn gerade seine Plne auf England hierzu.

  [228] Hauptquelle: de Jonge, Teil III.

1682 brachte er den Beschlu durch, 36 Linienschiffe in zwei Raten zu
bauen, von denen auch sofort die erste Hlfte auf Stapel gelegt wurde
(die zweite Rate folgte erst 1688), und 1685 brachte auf sein Drngen
eine Kommission von Abgeordneten der Generalstaaten und der
Admiralitten den Antrag ein, den =Gesamtbestand= auf 96 Linienschiffe --
20 I. Klasse (80-96 Kanonen), 28 II. Klasse (70-74 Kanonen), 24 III.
Klasse (60-68 Kanonen), 24 IV. Klasse (50-54 Kanonen) -- und 90 Fregatten
usw. (14 bis 44 Kanonen) zu bringen und zu erhalten; hiervon waren zur
Zeit nur 50 und 32 vorhanden. Wenn dieser Antrag auch nicht durchging, so
wurden doch bis 1692 41 Linienschiffe (ber 50 Kanonen), darunter
besonders zunchst viele der schwereren, und 31 Fregatten usw. gebaut, so
da in diesem Jahre die geplante Strke fast erreicht war, obgleich
inzwischen schon Verluste eingetreten waren; whrend der weiteren
Kriegsjahre kamen noch gegen 20 Linienschiffe zum Bau.[229]

  [229] De Jonge, Teil III, Beilage VII und VIII.

  Im ganzen sind unter Oranien von 1683-1701 93 Linienschiffe (I. Klasse
  = 15 zu 90-96 Kanonen; 2 zu 80-86 Kanonen; 21 II. Klasse; 29 III.
  Klasse; 26 IV. Klasse und hiervon 40 allein in Amsterdam, in Friesland
  nur 4, in den 3 anderen Admiralitten je 14-18) und 65 leichtere
  Schiffe (meist zu 30-46 Kanonen) fertiggestellt -- diese mit den
  gewhnlichen Mitteln der Admiralitten, fr die Linienschiffe hatte
  Oranien auergewhnliche Gelder beschafft -- und zwar besonders seit
  1688, also whrend des langdauernden kostspieligen Krieges.

  Es ist anzumerken: =Der hollndische Schiffbau=, der in frheren Zeiten
  als Muster fr die brigen Nationen dastand, hatte sich nur wenig
  weiter entwickelt. In England und namentlich in Frankreich wurde dieser
  mehr und mehr als Kunst, auf Erfahrung und Theorie gesttzt, betrieben,
  in Holland baute man handwerksmig nach altem Brauche weiter; die
  Schiffe besaen infolgedessen weniger gute See- und Segeleigenschaften,
  was sich z. B. besonders den Dnkirchenern gegenber zeigte. Beweise
  hierfr findet man: in den Berichten der Admirale; in dem Umstande, da
  erwogen wurde, aus England einen Chef des Schiffbauwesens kommen zu
  lassen (der Vorschlag scheiterte am hollndischen Nationalstolz); in
  dem spteren Ausspruch Peters des Groen, da er Holland verlassen
  habe, da hier der Schiffbau nicht auf der Hhe stehe. Im brigen wurden
  unter Oranien sonst Hafen- und Werftanlagen erweitert und verbessert.

In betreff der =Armierung= der Schiffe ist schon fters erwhnt, da sie
in den Kalibern hinter England und auch Frankreich zurckstand; fr die
Zeit von 1690-1697 liegen Angaben vor, die dies im Vergleich mit
genannten Marinen (Tabelle Seite 170) auffallend zeigen.

  De Jonge, Teil III, Beilage X (dort genauer): Es fhrten

  Ein Seelnder 94 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.; 30:18-Pfdr.; 6:12-Pfdr.;
  22:8-Pfdr.; 8:6-Pfdr. Ein Maas 90 K.-Schiff = 12:36-Pfdr.; 18:24-Pfdr.;
  30:18-Pfdr.; 24:6-Pfdr.; 4:4-Pfdr. Ein Maas 84 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.;
  28:18-Pfdr.; 22:6-Pfdr.; 6:4-Pfdr. Ein -- 74 K.-Schiff = 14:24-Pfdr.;
  12:18-Pfdr.; 26:12-Pfdr.; 10:6-Pfdr.; 10:4-Pfdr.

  36-Pfdr. scheinen nur die Schiffe der Maas gehabt zu haben, bei
  Amsterdam wahrscheinlich nicht, bei den anderen Admiralitten sicher
  nicht; bei letzteren fhrten die 80 Kanonen-Schiffe an Stelle der
  24-Pfdr. nur 18-Pfdr.

Im Jahre 1695 wurden auch in Holland die neuaufgekommenen seefhigen
Mrserboote gebaut (10 oder 12).

Holland hat in diesem Kriege auch noch stets zu der
englisch-hollndischen Hauptflotte sein vertragsmiges Kontingent
gestellt (etwa 30 Linienschiffe = 3/8:5/8) und dazu traten stets ein
Geschwader vor Dnkirchen, Kreuzer im Kanal und Nordsee (alles
Linienschiffe von 40-50 Kanonen, einige von 50-60 Kanonen) sowie 30-35
Convoi-Begleitschiffe (20-50 Kanonen, meist 30-40 Kanonen).

  1690 fehlten bei der Hauptflotte in der Schlacht bei Beachyhead etwa 10
  Linienschiffe -- sie waren, wie auch in England, nicht fertig und
  traten erst spter hinzu --, es waren aber 10 im Mittelmeer. 1692: bei
  La Hogue waren 29 Linienschiffe, darunter 8 ber 80 Kanonen. 1693: 29
  Linienschiffe bei der Flotte, 9 ber 80 Kanonen; 6 im Mittelmeer; 14
  vor Dnkirchen usw. 1694: Gesamt 49, 11 ber 80 Kanonen; 1695: 43;
  1696: 40 Linienschiffe. Also waren meistens 45-50 Linienschiffe ber 50
  Kanonen im Jahre im Dienst.

Es mu schlielich erwhnt werden, da in diesem Kriege zwar wiederum in
einzelnen Jahren Verzgerungen bei der Ausrstung der Schiffe eintraten
(Geldmangel bei den Admiralitten), da aber ber die Ausfhrung nicht
geklagt wird wie zu Ende des vorigen Krieges; wenn die verbndete Flotte
durch mangelhaften Zustand der Schiffe gelhmt wurde, scheint es stets an
den englischen gelegen zu haben; auch waren die Hollnder in der
Innehaltung des Termins fr die Aufstellung der Jahresflotte pnktlicher.

Was das =Personal= anbetrifft, so verfgte die hollndische Marine ber
tchtige Admirale aus der Schule Ruyters, wie z. B. Almonde, Callenburgh,
Evertsen (der Jngste); sie traten nicht so hervor, da die Hollnder
dem Vertrage gem stets unter englischem Oberbefehl fochten. In der
inneren Organisation waren durch Oraniens Einflu verschiedene
Einrichtungen verbessert und erweitert, die den Geist des Personals heben
sollten: Vermehrung der Kapitne und Offiziere auf Halbsold, um immer
unabhngiger von Aushilfskrften zu werden; beretatsmige Kommandierung
dieser an Bord, um sie in bung zu erhalten; Instruktionen fr
Dienstbetrieb und Disziplin, fr Verpflegung und Gesundheitspflege. Die
Bemannungsfrage war wieder schwierig: der Krieg war nicht so volkstmlich
wie der gegen England; Seefahrt und Fischerei wurden im allgemeinen nicht
eingestellt, man wollte die Einknfte daraus nicht verlieren und
frchtete bei der langen Dauer des Krieges, der Handel wrde in andere
Hnde bergehen; die Freibeuterei lockte mehr durch freieres Leben und
greren Gewinn; der Zudrang aus Schweden und Dnemark fiel aus, da auch
hier infolge eines drohenden Zusammenstoes grere Flotten in Dienst
gehalten wurden, Fremde kamen nur noch zahlreich von Bremen und Hamburg.
hnliche Manahmen wie frher wurden ergriffen: Zeitweises Verbot der
Schiffahrt, wenn die Flotte in Dienst gestellt wurde, oder Verpflichtung
der Rhedereien, Leute zu stellen. Der Versuch, ein festes Matrosenkorps
zu grnden (1688 etwa 7000 Mann), scheiterte an der Abneigung der
seemnnischen Bevlkerung, doch gelang es meist, schon im Winter, wenn
die Schiffahrt daniederlag -- und die Matrosen der Kauffahrer oder der
vorjhrigen Flotte ihr Erspartes nach Seemannsart bald verjubelt hatten
--, eine Reserve von etwa 9000 Mann fr das nchste Frhjahr anzuwerben.
So wurde der Bedarf, 16-18000 Mann in einigen Jahren 20000, stets
gedeckt, man findet keine Klagen hierber und das hollndische Personal
errang in diesem Kriege mehrfach das Lob Oraniens.

  Das in den beiden letzten Kriegen vorhandene Seesoldatenkorps war
  wieder aufgelst, obgleich es sich so gut bewhrt hatte. Da die
  Seeoffiziere besonders den Verlust des gut geschulten Gewehrfeuers
  bedauerten, sicherte sich die Admiralitt von Amsterdam einige
  Kompagnien der Landtruppen dieser Provinz zur Einschiffung.

So kann man wohl nicht sagen, da die hollndische Marine schon unter
Oranien vernachlssigt sei, um so weniger, wenn man die doch schon
beginnende Erschpfung des Landes in Betracht zieht. Auch wenn der Knig
in England war, verhandelte er eifrig -- auch mndlich -- mit den
Vertrauten, die jetzt die Seele des Seewesens in Holland waren: Der
Ratspensionr von Holland, Heinsius (vor ihm Fagel, der unmittelbare
Nachfolger de Witts), und der Sekretr der Admiralitt Amsterdam, de
Wildt; dieser war Vertreter des Statthalters im Seewesen, ein
Generalleutnantadmiral wurde nach Tromps Tode nicht wieder ernannt.

  Da die Ansicht (sogar durch hollndische Schriftsteller) spter
  ausgesprochen ist, Oranien habe die Marine verfallen lassen, erklrt de
  Jonge mit folgenden Umstnden: Mit Ruyters Tode habe Brand, dem die
  besten berlieferungen der frheren Kriege zu danken (Leben Ruyters),
  aufgehrt zu schreiben, Archive usw. seien frher schwer zugnglich
  gewesen und so htten genaue Angaben ber den Umfang der
  Indienststellungen und ber die Leistungen der Marine gefehlt. Groe
  Ereignisse und Erfolge seien in diesem Kriege selten gewesen; England
  sei mehr hervorgetreten, da es die grere Zahl der Schiffe und die
  Oberbefehlshaber gestellt habe.

  Wenn Oranien damit einverstanden war, da Holland so eine zweite Rolle
  spielte, so braucht man darin allerdings noch keine bse Absicht zu
  erkennen. Es ist nicht auffallend, da die Republik mehr zu dem
  Landkriege, der ihre Grenzen berhrte, herangezogen wurde als England;
  hiermit aber war die jetzt einflureiche Partei, die aristokratische,
  wohl sehr einverstanden; wir wissen, da sie stets das Landheer vor der
  Marine begnstigte.

  De Jonge hebt dann ausdrcklich hervor: Was in Marinesachen geleistet,
  sei nur Oranien zu verdanken, er habe stets auf noch mehr hingestrebt;
  wenn dieses nicht erreicht sei, so seien andere Grnde schuld gewesen.
  (Es sind die uns bekannten: Parteiwesen, Uneinigkeit der Provinzen,
  Vielkpfigkeit der Regierung; eine uerste Anstrengung war nur zu
  erreichen, wenn der Republik das Feuer auf den Ngeln brannte.) Der
  Verfall der Marine sei erst nach Oraniens Tode eingetreten.

Wir haben die Entwicklung der $franzsischen Marine$[230] bis zum Beginn
des dritten englisch-hollndischen Krieges verfolgt und gesehen, wie
Colbert in wenigen Jahren die Seestreitkrfte Frankreichs auf fast
gleiche Hhe mit denen Englands oder Hollands brachte, wenigstens was das
Material anbetrifft. In derselben Weise arbeitete er weiter.

  [230] Hauptquellen: Chab.-Arnault; Bonfils, Teil I und II; Delarbre:
        Tourville.

Fr das Jahr 1681 wird der =Schiffsbestand= auf 70 Linienschiffe ber 50
Kanonen und auf 170 Segel insgesamt angegeben; unter Colbert wurden die
verbesserten Mrserboote gebaut, die dann auch die anderen Marinen
einfhrten. Mit du Quesne wirkte er fr die Ausbildung und
Disziplinierung des =Personals=, besonders der Offiziere; der Krieg mit
Holland im Mittelmeer (1674-78), der Kampf mit den Barbaresken spter
gaben Gelegenheit zum Sammeln von Erfahrungen, und seit dem Frieden von
Nymwegen wurden stets groe bungsgeschwader im Dienst gehalten; in
Kriegs- und Friedenszeiten waren nichtbeschftigte Offiziere, auch
Kommandanten, beretatsmig an Bord kommandiert. Wie frher Artillerie-
und Navigationsschulen, so wurde 1680 eine Schiffbauschule gegrndet; mit
Bau der Mrserboote errichtete man besondere Bombardierkompagnien. So
schritt die Entwicklung der Marine unter Colbert stetig fort, trotzdem
da er in seinen letzten Jahren schon mit Finanzschwierigkeiten im Lande
zu kmpfen hatte; wenn wir sahen, da schon 1678 die Ausrstung der
Flotte zu wnschen brig lie, so scheint dies mehr an Reibungen zwischen
den Verwaltungs- und Kommandobehrden gelegen zu haben, denn die
franzsischen Quellen heben ausdrcklich hervor, da Colbert noch
leistungsfhige Werften und wohlgefllte Magazine hinterlassen habe.

Nach Colberts Tode aber (1683) ging mit dem Verfall seiner anderen
Schpfungen auch die Marine bald zurck. Ludwig hatte kein Interesse fr
das Seewesen; er wnschte zwar eine Kriegsmarine fr seine Kriege, aber
er konnte oder wollte nicht einsehen, da die Kriegsmarine wenig Zweck
und keine Lebensfhigkeit habe, wenn Industrie, Handel und friedliche
Schiffahrt zugrunde gingen. Es kam hinzu, da die Nachfolger Colberts als
Marineminister wie Ludwig dachten oder gar die Flotte selbst als Waffe
gering achteten.

Der Marquis =de Seignelay= (1683-1690; Sohn Colberts und schon seit 1672
unter seinem Vater im Marineministerium ttig) strebte zwar auch noch
eine Vergrerung der Marine an, aber nicht im Interesse des Handels
sondern wie Ludwig, um mit ihr als Waffe seinen Ehrgeiz zu befriedigen;
wir sahen ihn schon vor Genua selbst an Bord auftreten. Colbert hatte
versucht, der seemnnischen Bevlkerung fr ihren Dienst Vorteile
zuzuwenden -- Halbsold, Witwen- und Waisenpensionen usw. --, unter
Seignelay fielen diese weg, er nutzte die Menschen nur aus.

Der =Schiffsbestand= war hoch; 1690 sehen wir in der Schlacht bei Beachy
Head: 12 Schiffe von 80 bis ber 100 Kanonen, 48 von 60-80 Kanonen und 17
von 50-60 Kanonen. Aber die Werften und Arsenale waren schon um 1688
nicht mehr voll und pnktlich leistungsfhig (Unordnung und Verschwendung
ri ein), und um die Schiffe zu bemannen, mute wieder zum Pressen
gegriffen werden (vergl. Seite 182). Dies wurde selbst in Friedenszeiten
mit solcher Hrte durchgefhrt, da Emprungen vorkamen; das System der
Rekrutierung bestand nur noch auf dem Papier. Zur teilweisen Abhilfe des
Mannschaftsmangels grndete Seignelay 80 stndige Freikompagnien von
Soldaten, je 100 Mann unter Fhrung eines Seeoffiziers, die als Ersatz
fr Matrosen gute Dienste leisteten. Nur eins wird ihm nachgerhmt, da
er durch Sammlung und Vervollstndigung der Reglements seines Vaters ein
Mittel hinterlie, mit dem sich viel spter -- unter Choiseul 1760 -- die
Marine aus dem von ihm durch Vergeudung des vorgefundenen Materials und
Personals vorbereiteten Niedergang wieder erheben konnte. Er starb, erst
39 Jahre alt, am 6. September 1690.

  Chabaud-Arnault sagt von Seignelay: Seignelay besa einen festen
  Willen, groe Intelligenz und Arbeitskraft, aber unleidlichen Stolz,
  Hrte und Vergngungssucht. Colbert war selten zufrieden, tadelte
  stets, aber strafte ungern; Seignelay tadelte beleidigend und strafte
  hart. Eins war gut bei ihm: er wute die Disziplin, namentlich im
  hheren Offizierkorps, aufrecht zu erhalten, die einzufhren Colbert
  und du Quesne so viele Mhe gemacht hatte.

In den Krieg 1688 trat nach Vorstehendem die franzsische Marine also
noch als eine mchtige ein. Sie besa gengendes und gutes
Schiffsmaterial wie Personal, insbesondere waren die Flaggoffiziere und
Kommandanten in Fhrung der Geschwader und Schiffe auf der Hhe. Die
Marine war den Feinden gewachsen, wenn nicht berlegen, aber ihr Rckgang
war schon im Entstehen.

  Admiral von Frankreich war dem Namen nach bis 1683 =Vermandois= (Sohn
  der Lavallire). Als dieser, 16 Jahre alt, starb, folgte der
  fnfjhrige =Comte de Toulouse= (Sohn der Montespan). Dieser sprach
  vorlufig also auch noch nicht mit, sollte aber spter ein ganz
  tchtiger Seeoffizier werden.

  Was Ludwig von seiner Seemacht hielt, geht daraus hervor, da er
  hnlich wie England verlangte, alle Nationen (ausschlielich England)
  sollten auf See die Lilienflagge salutieren; 1688 zwang Tourville, von
  der Barbareskenkste zurckkehrend, ein spanisches Geschwader mit
  Waffengewalt hierzu.

Auf Seignelay folgte =Louis de Pontchartrin= 1690-1699 und unter ihm
schritt der Verfall der Marine fort.

  Chabaud-Arnault sagt: Auf einen Minister jung, kriegerisch,
  ruhmschtig, zwar verschwenderisch aber doch wohl bekannt mit der
  Organisation der Verwaltung und der Flotte folgte ein lterer Mann (47
  Jahre) kalt, berechnend, sparsam, friedlich gesinnt und vllig dem
  Kriegswesen, insbesondere dem Seewesen, fremd. Obgleich wohlwollend und
  gutem Rate zugnglich, wurde er durch die Umstnde gezwungen, mehrfach
  und ungerecht gegen die tchtigsten Fhrer aufzutreten und bei der
  Verwendung der fr die Marine bestimmten Mittel teils unangebrachte
  Knauserei, teils zwecklose Verschwendung zu zeigen.

Pontchartrin hatte ganz andere Ansichten ber die Verwendung der Marine
als seine beiden Vorgnger; zum Heben des eigenen Handels konnte er bei
den herrschenden Verhltnissen nichts tun, von einer Kriegfhrung zur See
in groem Mastabe hielt er nichts -- vielleicht unter Louvois' Einflu
stehend --; er glaubte die Marine am besten zum Angriff auf den
feindlichen Handel zu verwerten und dadurch die ffentlichen und privaten
Kassen zu bereichern. Anfang 1691 schlugen Louvois und Pontchartrin gar
dem Knige vor: Die Marine, die so teuer kme und doch nur die Ksten
schtze, durch 25000 Mann Infanterie und 4000 Reiter zu diesem Zwecke zu
ersetzen![231]

  [231] Delarbre Tourville, Seite 194.

Die Schiffszahl wurde zwar, um Ludwigs Wnschen zu gengen, noch
erhalten, auch wurden zunchst noch groe Flotten in Dienst gestellt. Der
=Bestand= wird fr 1692 auf 120 Linienschiffe ber 40 Kanonen angegeben.
In diesem Jahre verlor Frankreich bei La Hogue 15 Linienschiffe. Oft ist
gesagt, hier sei die franzsische Marine vernichtet! Der Verlust wre
doch wohl zu verschmerzen gewesen, auch waren andere Schiffe im Bau;
schon 1693 finden wir 70 Linienschiffe im Atlantik und gegen 17 im
Mittelmeer im Dienst, weitere waren noch auf den Werften und fr 1696,
also gegen Ende des Krieges, wird der Bestand sogar auf 135 Linienschiffe
ber 40 Kanonen und auf 20 Fahrzeuge von 24-36 Kanonen angegeben; es ist
dies der hchste Stand, der erreicht worden ist. Von einer Vernichtung
bei La Hogue kann man also nicht sprechen, aber nach dieser Schlacht
brach die Ansicht Pontchartrins immer mehr durch; die groe Flotte 1693
wurde nur zu einem Schlage gegen den feindlichen Handel (Angriff auf den
Smyrna-Convoi) verwendet, und von da an stellte man jhrlich nur noch
verschiedene kleinere Divisionen auf. Die groe Schiffszahl stand bald
sozusagen nur noch auf dem Papier; auch wurden die Schiffe
vernachlssigt, da Werften und Arsenale sich immer weniger leistungsfhig
zeigten. Unter einem in den Seesachen gnzlich unerfahrenen Minister trat
zu der schon unter Seignelay eingerissenen Verschwendung in der
Verwaltung auch wieder Nachlssigkeit und selbst Untreue wie vor Colberts
Zeiten; auch nahm der Hader zwischen den Verwaltungs- und
Kommandobehrden zu. Ebenso ging =das Personal= nach und nach zurck. Der
reine Kreuzerkrieg mit kleinen Divisionen und einzelnen Schiffen,
besonders wenn er mit Kniglichen Schiffen, Offizieren und Mannschaften
gefhrt wurde, die an Private vermietet waren (vgl. spter
Kreuzerkrieg), mute schdigend auf Disziplin und Geist einwirken; bei
vielen wurde doch wohl mehr Lust nach Beute als Ehre und Vaterlandsliebe
die Triebfeder. Im Offizierkorps gingen ferner bung und Erfahrung in
Exerzitien und Taktik verloren -- nur eine kleine Elite bewahrte das
Interesse daran und damit die berlieferung fr die spteren Zeiten
Choiseuls. Zwar warf Pontchartrin als gleichzeitiger Generalkontrolleur
der Finanzen noch ein groes Budget fr die Marine aus, aber die
schlechte Verwaltung verschlang noch mehr und die zunehmende Zerrttung
der Geldwirtschaft im Lande machte es oft unmglich, die ntigen Mittel
zu beschaffen. Da konnten denn auch unter ihm der seemnnischen
Bevlkerung die von Colbert eingefhrten Vergnstigungen nicht zu teil
werden, selbst die Lhnungszahlung wurde wieder unregelmig; die Folge
war, da der Dienst immer unbeliebter wurde, das Pressen immer hrter
durchgefhrt werden mute; die Fahnenflucht wurde eine Plage, die mit den
schrfsten Mitteln nicht zu steuern war.


                       Der Verlauf des Seekrieges.

$Wilhelm von Oraniens bergang nach England[232] 1688.$ Es ist erwhnt,
da Oranien frhzeitig dafr sorgte, im gegebenen Augenblick ber die
erforderlichen Krfte zur Besitzergreifung des englischen Thrones
verfgen zu knnen. An die Generalstaaten konnte er sich nicht wenden,
weil die Angelegenheit mglichst geheim gehalten werden mute und die
Nation vorlufig nicht geneigt war, sich durch Untersttzung seiner Plne
mit Frankreich zu verfeinden. Er gewann aber einflureiche Vertraute in
dem Ratspensionr von Holland, Fagel, in den drei Brgermeistern von
Amsterdam, in Mitgliedern der Admiralitten usw. Mit ihrer Hilfe gingen
schon Ende 1687 Beschlsse durch, im nchsten Jahre eine strkere Flotte
in Dienst zu stellen als in den letzten Jahren, sowie Gelder zu
bewilligen, um die Festungen in Stand zu setzen. Die strkere
Indienststellung wurde fr den Handelsschutz, besonders gegen Piraten der
Raubstaaten, die sich wieder bis in den Kanal zeigten, verlangt; zu
diesem Zweck war ein Beschlu der Generalstaaten nicht ntig, solange es
die Admiralitten aus ihren eigenen Mitteln bestreiten konnten. Die
Gelder fr die Festungen verwandte Oranien zum Mieten von Truppen bei
fremden Frsten und zum Heuern von Transportern. Die Vertrauten, die
Einflu in den Admiralitten besaen, sorgten ferner dafr, da auch die
nicht in Dienst zu stellenden Schiffe bereit gehalten wurden und da man
im Laufe des Sommers 1688, nachdem der Prinz im Juli die Adresse aus
England erhalten hatte, die bewilligte Flotte nach und nach noch weiter
verstrkte.

  [232] Nach de Jonge, Teil III, und Clowes, Teil II, worin die
        Ereignisse fr die betreffende Nation genannt; in ersterem auch
        besonders ber die Vorbereitungen, z. B. Geheimhaltung und
        Beschaffung der Mittel, sowie in Beilage I, Aufzhlung der
        hollndischen Schiffe fr die Expedition, genaue Angabe der
        Truppen, Instruktionen fr Herbert und Evertsen.

=Mitte Oktober= 1688 lag in Hellevoetsluis eine Flotte von 13 Schiffen zu
60-68 Kanonen, von 7 zu 50-56, 11 zu 40-48, 16 zu 32-36, 10 Brandern und
in verschiedenen benachbarten Hfen waren gegen 340 Transporter zur
berfhrung der Truppen sowie 60-70 kleine Fahrzeuge fr die Landung
selbst bereit. Die Befehlshaber -- Leutnantadmiral Cornelis Evertsen und
Vizeadmiral Almonde -- erfuhren erst jetzt den wahren Zweck der Flotte
sowie, da der nach Holland geflchtete englische Admiral Herbert (spter
Earl of Torrington) als Leutnantadmiralgeneral mit dem Tage der Abfahrt
den Oberbefehl bernehmen solle, wie es auch am 27. Oktober geschah. Die
Order fr die Flotte war: Die berfahrt der Transporter und die Landung
zu decken und dann Diversionen an der Westkste Englands und in
Schottland zugunsten Oraniens zu machen.

  =Tromp= war nach Ruyters Tode Leutnantgeneraladmiral geworden. Wenn ihm
  nicht der Oberbefehl ber die immer mehr anwachsende Flotte bergeben
  wurde, so hatte dies gleichfalls seinen Grund darin, da man kein
  Aufsehen erregen wollte; es war ja kein Krieg -- auch soll er nicht
  mehr gut mit Oranien gestanden haben. Der englische Oberbefehlshaber
  war lediglich aus politischen Grnden gewhlt worden; bis zum Tage der
  Abfahrt befehligte Herbert nur ein Geschwader.

Ende Oktober war alles bereit; die Truppen wurden eiligst und heimlich
zusammengezogen und eingeschifft (11090 Mann und 4092 Pferde); Oranien
ging am 27. mit Leutnantadmiral Scheppers und Marschall Schomberg auf die
ganz neue Fregatte den Briel (30 Kanonen). Bezeichnend fr den
politisch-religis gemischten Charakter der Expedition ist, da, wie
Wilhelms Oberbefehlshaber am Lande, eben der frhere franzsische
Marschall Schomberg, so auch ein groer Teil der Armeeoffiziere
Hugenotten waren.

  Erst unmittelbar vorher hatte Oranien den Generalstaaten seine Plne
  erffnet und nun auch ihre Zustimmung gefunden. Bis dahin soll diesen
  und auch England gegenber alles geheim gehalten sein, was jedoch kaum
  glaublich ist; wei man doch, da der franzsische Gesandte schon
  lnger darber an Ludwig berichtet hatte; der englische Gesandte soll
  allerdings sehr harmlos gewesen sein.

Die Flotte setzte bei Sdwestwind den Kurs nach Norden, weil die Ostkste
Englands (Humber?) zur Landung in Aussicht genommen war, aber schon in
der nchsten Nacht zersprengte sie ein schwerer Sdweststurm; man mute
zum Wiedersammeln nach Hellevoetsluis zurckkehren. Groe Freude war in
England und Frankreich, wo bertriebene Berichte ber Verluste einliefen;
der franzsische Gesandte im Haag schrieb: Enfin la flotte du Prince
d'Orange est au diable; diese Gerchte wurden von hollndischen
Zeitungen absichtlich genhrt, um die Feinde einzuschlfern. Tatschlich
hatte wohl ein schrecklicher Zustand auf den berfllten Schiffen
geherrscht, die Beschdigungen aber waren nur gering und Verluste fast
gar nicht zu beklagen; 500? oder 900? Pferde sollen ber Bord geworfen
sein. Schnell wurde allem abgeholfen.

=Am= 10. =und= 11. =November= ging man wiederum in See mit demselben
Ziele; wegen schweren stlichen Windes aber wurde bald beschlossen, in
den Kanal zu steuern und bei Torbay und Dartmouth zu landen. Am 13.
wurden die Hoofden passiert, die Nachzgler gesammelt und dann mit
Trompetenschall und Geschtzsalut lngs der englischen Kste kanalabwrts
gesteuert; voran die Transporter von 4 Fregatten gedeckt, die Flotte zum
Schutz gegen die englische hinterher. Den Briel fhrte im Grotopp eine
Flagge mit der Inschrift: Fr den protestantischen Gottesdienst und
Englands Freiheit; darunter Oraniens Devise: Je maintiendrai. Der
Prinz hatte beabsichtigt, schon am 14. November, seinem 38. Geburtstage,
zu landen; die ihn begleitenden Englnder beredeten ihn zur Wahl des 15.,
des Jahrestages der Pulververschwrung. In der Nacht vom 14. auf 15.
berlief die Flotte Dartmouth infolge Unachtsamkeit der englischen Lotsen
(die Englnder sagen, Fehler der hollndischen Navigateure). Dies konnte
bei dem steifen Ostwinde sehr nachteilig werden, weil man frchten mute,
an anderen Landungspunkten mehr westlich Widerstand von englischen See-
und Landstreitkrften zu finden. Der Zufall kam zu Hilfe; der Wind sprang
auf Sd um, man erreichte Torbay und konnte noch am 15. den grten Teil
der Truppen ausschiffen; Oranien wurde am Lande mit Jubel begrt. Am 16.
wurde der Rest gelandet, nach einem Feldgottesdienst der Marsch auf
Exeter angetreten und diese Stadt noch am Abend besetzt. Gleich nach
beendeter Ausschiffung der Truppen kam Sturm auf, so da die Landung der
Geschtze und des Kriegsmaterials verhindert wurde.

=Wo waren die Englnder=? Jakob II. hatte eine ansehnliche Flotte im
Dienst. Diese hatte den Sommer ber unter dem katholischen Admiral
Strickland vor Dover gelegen mit Vorposten im Kanal und vor der Themse;
spter aber war sie unter dem protestantischen Admiral Earl of Dartmouth
in die Themse zurckgezogen; die hollndische Expedition hatte sie beim
Steuern in den Kanal fast in Sicht passiert. Der Wind soll an diesem
Tage ein Ankerlichten verhindert haben; erst am 15. konnte sie dem Feinde
folgen, wurde dann aber, gegen den Sturm aufkreuzend, festgehalten, bis
es zu spt war. Es ist wohl anzunehmen, da weder vom Knig strikte
Befehle eingegangen, weil dieser der Marine nicht mehr traute (auf den
Werften usw. hatten schon ungnstige Kundgebungen stattgefunden), noch in
der Flotte ernstliche Absichten, einzugreifen, vorhanden waren. Bald nach
den geschilderten Ereignissen wurden infolge eines Kriegsrates die
katholischen Kommandanten an Land gesetzt und eine Adresse an Oranien
gesandt; Mitte Dezember stellte sich die Flotte diesem vllig zur
Verfgung.

Oranien marschierte auf London; Truppen, die bei Salisbury standen,
gingen zu ihm ber. =Jakob= verkndigte eine Amnestie und versprach,
allen Beschwerden abzuhelfen; zu spt, alles verlie ihn, er mute nach
Frankreich fliehen. Am 18. Dezember zog =Oranien= in London ein und wurde
am 18. Februar 1689 =als Knig anerkannt=.

Die hollndische Flotte kehrte in zwei Abteilungen im Januar und Mrz
1689 nach Holland zurck.

$Jakobs II. Einfall in Irland und die Operationen 1689.$ Ludwig XIV.
hatte nach Oraniens bergang an Holland den Krieg erklrt, aber nicht an
England, weil er Oranien nur als einen Eindringling betrachtete, der
keineswegs das ganze englische Volk hinter sich habe, jedoch war er
bereit, Jakob in seinem Versuche, sein Knigreich wiederzugewinnen, zu
untersttzen. Tatschlich besa Jakob in England noch viele Anhnger; die
besten Aussichten hatte er aber in den schottischen Hochlanden und vor
allein in Irland; von hier aus wollte er versuchen, seine verlorene Macht
wiederzugewinnen. Es wre nun die beste Gelegenheit gewesen, den Fehler
von 1688 -- da man Oranien berhaupt hinbergelassen hatte -- wieder gut
zu machen, indem man die berlegenheit der franzsischen Flotte jetzt
noch voll ausnutzte, zunchst den Seekrieg gegen England und Holland
fhrte und damit eine groe Invasion in Irland, Schottland oder gar
England selbst ermglichte; dies geschah aber nicht.

=Im Mrz= 1689 brachte ein kleineres franzsisches Geschwader -- Chef
d'Escadre de Gabaret -- =Jakob= mit 8000 Mann =in Cork= an Land (22. bis
24. Mrz). Er wurde mit Jubel begrt, zog in Dublin ein, nur in
einzelnen Stdten hielten sich die englischen Besatzungen; gleichzeitig
erhoben sich unter Viscount Dundee die Hochlnder in Schottland. Jakob
verstand es aber nicht, seine Sache richtig zu fhren -- er lebte mehr
der Entgegennahme von Huldigungen usw. -- und wurde auch in der Folge
nicht richtig von der franzsischen Flotte untersttzt, sonst htte er
mit Hilfe Irlands und Schottlands Wilhelms III. Stellung sehr erschttern
knnen. Sein Einfall war ohne jeden Widerstand seitens der
englisch-hollndischen Seestreitkrfte ausgefhrt, da diese nicht fertig
waren.

  =England und Holland= hatten allerdings schon im Beginn des Jahres
  einen =Vertrag= ber Ausrstung einer gemeinsamen Flotte von 80
  Linienschiffen, 24 Fregatten, 12 Brandern geschlossen; 50 Schiffe waren
  fr den Kanal, 30 fr das Mittelmeer bestimmt. Wie schon im Jahre 1668
  (Tripelallianz, Seite 308) wurde dabei auch jetzt und auch spter immer
  das Verhltnis auf 5/8 (England) und 3/8 (Holland) festgesetzt; England
  sollte 50 Linienschiffe, 15 Fregatten, 8 Brander stellen, Holland 30
  Linienschiffe, 9 Fregatten und 4 Brander. Wie 1668 so war auch jetzt
  als Grund des schwcheren Kontingents Hollands angenommen, da dieser
  Staat mehr durch den Landkrieg in Anspruch genommen werden wrde, und
  dementsprechend wurden die aufzustellenden Armeen auf 100000 Hollnder
  gegen 40000 Englnder normiert. Man braucht darin also, wie schon
  erwhnt, noch keinen Beweis des Rckganges der hollndischen Marine zu
  sehen, aber es kennzeichnet doch wohl schon ein Zurcktreten der
  Seemacht Hollands hinter die Englands, und ganz besonders tun dies die
  sonstigen Bestimmungen des Vertrages. Nach diesen nmlich sollten nicht
  nur die Hauptflotte der Verbndeten, sondern auch alle selbstndigen
  Geschwader oder sonstige detachierte Krfte stets unter dem Oberbefehl
  eines englischen Offiziers stehen; ja, bei gemeinschaftlichem Kriegsrat
  hatten die englischen Flaggoffiziere und Kommandanten am oberen Ende
  des Tisches zu sitzen (diese Bestimmungen entschuldigt de Jonge mit der
  damaligen hheren Auffassung der Wrde des Knigtums).

  Aber erst nach und nach sammelten sich die Schiffe der beiden Staaten.
  Die ersten Hollnder trafen im Juni bei Wight ein. Die Schiffe, die
  1688 im Dienst gewesen, waren erst im Januar und Mrz zurckgekehrt und
  bedurften der berholung; die kleineren Admiralitten hatten berhaupt
  nicht gengend Kriegsschiffe und muten Kauffahrer umbauen; den
  greren mangelte Geld, bis die ostindische Kompagnie aushalf. In
  England hatten wohl die noch unsicheren inneren Verhltnisse eine
  rechtzeitige Indienststellung verhindert.

Erst als Jakobs Landung bekannt geworden, erhielt =Admiral Herbert= in
Portsmouth den Befehl, mit den segelfertigen englischen Schiffen =nach
Irland= zu gehen. Er erschien Mitte April vor Cork mit nur 12
Linienschiffen, hrte hier, da das franzsische Geschwader bereits
zurckgesegelt sei, kreuzte dann im Kanaleingang an der franzsischen
Kste und hielt endlich wieder nach Cork hinber, da er durch
Aufklrungsschiffe erfahren hatte, da eine neue franzsische Flotte
unterwegs sei; am 9. Mai kam auch fr kurze Zeit eine grere Zahl von
Schiffen in Sicht.

Es war dies eine =zweite franzsische Expedition=, die am 6. Mai wiederum
mit Truppen (5000?, 6000?, 7000? Mann, Munition und Kriegsmaterial) Brest
verlassen hatte. Diese ihrerseits erfuhr am 9. vor Cork, da Herbert in
der Nahe sei; da man bei dem herrschenden Ostwinde auf den Ankerplatz
htte aufkreuzen mssen, steuerte der Chef Generalleutnant
=Chteau-Renault= nach West und ankerte am 10. Mai 2 Uhr nachm. in der
=Bantrybay=. Herbert war am 9., den Feind suchend, auch nach Westen
gesegelt und sichtete die Franzosen am Abend des 10. in genannter Bucht.
Chteau-Renault hatte sofort mit dem Ausschiffen begonnen, und als um 6
Uhr abends seine Vorposten das Herankommen der Englnder meldeten, waren
fast alle Truppen schon am Lande. Er warf den Rest, der sich noch auf den
Linienschiffen befand, auf die Transporter, lichtete Anker und hielt sich
mit kleinen Schlgen gefechtsbereit im Eingang der Bucht, um das weitere
Landen des Kriegsmaterials von den Transportern und Brandern zu decken.
Die Nacht verbot auf beiden Seiten weitere Operationen; am 11. kam es zum
Gefecht. =Strke der Gegner=:

  Englnder = 3 Schiffe zu 70 Kanonen; 5: 60-68; 5: 50-54; 5: 46-48;
              1: 36; 1 Brander; 2 Mrserboote.

  Franzosen = 4: 60-66; 12: 50-60; 8: 40-48; 2 Fregatten, 10 Brander.

  Das $Gefecht vor Bantrybay$[233] 11. Mai 1689: Herbert beginnt morgens
  in die Bucht hinein aufzukreuzen. Als er aber die Strke des Feindes
  genau erkennt, hlt er es fr ungeeignet, in der Leestellung und im
  beschrnkten Wasser zu fechten. Er hlt unter kleinen Segeln wieder in
  See, dabei bestrebt, seine noch nicht tadellose Linie zu verbessern und
  die Luvstellung zu gewinnen; das erste gelingt, das zweite jedoch nicht
  infolge Gegenmanver der vordersten Franzosen. Chteau-Renault hatte
  bis 11 Uhr gewartet und ging dann erst an den Feind heran; auch seine
  Linie scheint nicht besonders gut gewesen zu sein infolge des
  Manvrierens in der Bucht.

  [233] Nach Clowes, Teil II, Bonfils, Teil I, Troude, Teil I; sie
        stimmen nicht ganz berein, selbst nicht die franzsischen
        Quellen unter sich. Doch ist dies von wenig Belang, da das
        Gefecht ohne taktisches Interesse.

  Um 11-1/2 Uhr vorm. begann das Gefecht. Es wurde auf franzsischer
  Seite nur von der Mitte mit Nachdruck gefhrt, whrend Vorhut -- Chef
  d'Escadre de Gabaret -- und Nachhut -- Chef d'E. de Forant -- sich lau
  zeigten. (Franzsische Quellen sagen wegen Eifersucht der Unterfhrer
  gegen den Geschwaderchef -- alte Seeleute gegen einen Protegierten;
  nach Troude berichtete Chteau-Renault, Gabaret habe die Befehle zum
  Angriff nicht sofort befolgt, so da er selbst mit der Mitte die Spitze
  habe nehmen mssen, und Forant sei nicht im Kielwasser geblieben; beide
  hatten Entschuldigungen fr ihr Benehmen. Chabaud-Arnault sagt:
  Gabaret und Forant gaben an, Renault habe das Gefecht schlecht
  geleitet, die ntigen Orders nicht zu geeigneter Zeit gegeben, dann war
  es aber Pflicht der Offiziere mit mehr Erfahrung, ihren Chef zu
  untersttzen. Herbert dagegen verstand es nicht, aus dem Fehler der
  Franzosen Nutzen zu ziehen.) Herbert versuchte nun, den Feind von der
  Kste abzulocken; Ch. Renault jedoch brach um 5-1/2 Uhr nachm. 21 sm.
  von der Kste das Gefecht ab, um seine Transporter nicht allein zu
  lassen. Das Gefecht war ziemlich scharf gewesen: ein franzsisches
  Schiff (54 Kanonen) war durch eine Explosion angehufter Kartuschen
  fast ganz zerstrt, auch die Englnder verloren ein Schiff sowie 100
  Tote und 300 Verwundete. Fr diese war es von groem Vorteil gewesen,
  da die franzsischen Brander nicht zur Stelle waren, da sie noch
  Munition fr die gelandeten Truppen lschten.

Das Gefecht war kein voller Sieg der Franzosen, aber auch keine besondere
Leistung der Englnder, soviel schwcher waren diese nicht; dennoch wurde
aus politischen Grnden Herbert zum Earl of Torrington ernannt und an
zwei Kommandanten die Ritterwrde verliehen.

Auf beiden Seiten hatten viele Schiffe so gelitten, da nichts weiter
unternommen wurde: Herbert segelte nach Plymouth; Renault, der eigentlich
nach beendeter Landung an der Kste bleiben und die englischen
Seestreitkrfte verjagen sollte, ging nach Brest zurck (16. Mai dort).
Er hatte zwar die erste Aufgabe trotz feindlichen Eingreifens in nur 10
Tagen gelst, ein Verbleiben in den irischen Gewssern wre aber von
groer Wichtigkeit gewesen. Herbert schickte nmlich bei seiner Abfahrt
ein =kleines Geschwader= in die =irische See=, nur zwei Schiffe (54 und
48 Kanonen) =unter Kapitn Rooke=, um dort einige kleinere Fahrzeuge an
sich zu ziehen und sich dann dem Landkriege zur Verfgung zu stellen.
Diese kleine Flottille leistete nun Wesentliches ohne Strung durch
franzsische Seestreitkrfte; sie unterbrach die Verbindung zwischen
Irland und Schottland fr die Jakobiten und hielt eine solche zwischen
Irland und England fr Wilhelm III. offen, auch griff sie in den Kampf um
Kstenpltze ein.

  =Londonderry= -- im Norden Irlands am Lough Foyle -- wurde von den
  Jakobiten belagert und hart bedrngt; General Kirke stand in England
  mit Truppen zur Verstrkung; Rooke ankert am 10. Mai im Clyde (genauer
  unter der Halbinsel Cantine) und bestellt hierher die Transporter
  Kirkes vom Solway. Zunchst stoen einige kleinere Fahrzeuge zu ihm,
  dann kommt am 8. Juni der Transport, gedeckt durch drei
  48-Kanonenschiffe und ein 36-Kanonenschiff. Rooke geht nun nach dem
  Lough Foyle, trifft Mitte Juni dort ein; Kirke (frher Seesoldat)
  versucht nach Londonderry hinaufzukommen, findet aber das Fahrwasser
  durch Ketten und Sperren mit flankierenden Batterien gesperrt. Rooke
  luft in den Lough Swilly ein und belstigt von dort den Feind (lt
  nebenbei an der Kste auf kleinere franzsische Kriegsfahrzeuge
  kreuzen); Kirke forciert infolge eines antreibenden Befehles vom
  Marschall Schomberg am 28. Juni die Sperre mit einem Kriegsschiff und
  zwei Transportern. Es gelingt, die Verstrkungen in die Stadt zu werfen
  und die Jakobiten geben am 31. Juli die Belagerung auf.

  =Rooke= kreuzt weiter zwischen der Nordspitze Irlands und der Insel Man
  im Nordkanal und =fhrt= den Transport mit =Schombergs Hauptheer= zur
  Niederwerfung Irlands nach Belfast Lough =ber=. Nach und nach
  verstrkt, teilt er seine Flottille und beherrscht auch die irische See
  sowie den St. Georgskanal; am 18. September nimmt er sogar die
  wichtigste Insel im Hafen von Cork; erst im Oktober geht er nach den
  Downs, da seine Schiffe der Ausbesserung und Ausrstung bedrfen.

Diese Erfolge der kleinen Flottille sind um so bemerkenswerter, als sonst
die =Beteiligung der Seestreitkrfte= beider Gegner im Kampfe um Irland
1689 =unbegreiflich gering= ist. Die Franzosen htten das Hinbergehen
englischer Truppen hindern mssen, wahrscheinlich wre dann im Sommer
1689 ganz Irland fr Jakob gewonnen worden; die Verbndeten taten nach
Bantrybay wenig, um sich die Herrschaft im Kanal zu sichern. Die
Unttigkeit beider Gegner ist um so unverstndlicher, als sie nach und
nach ber nicht unbedeutende Flotten verfgten; diese mssen wohl nicht
recht kriegsbereit gewesen sein.

Zu =Herbert= stieen im Laufe des Juni bei Wight die Hollnder, und die
vereinigte Flotte war nun 61 Kriegsschiffe (34-92 Kanonen) und 17 Brander
stark; die festgesetzte Strke von allein 80 Linienschiffen war also bei
weitem nicht erreicht, und von einer Entsendung nach dem Mittelmeer mute
abgesehen werden, dazu war man nicht stark genug. Die Flotte ging in See,
um die franzsische Kste zu beunruhigen und um ein in Brest von Toulon
erwartetes Geschwader -- 20 Linienschiffe unter Tourville; am 9. Juni
abgegangen -- abzufangen; sie kehrte bald nach Torbay zurck, da sie
schlecht ausgerstet war. Unmittelbar darauf (31. Juli) traf =Tourville=
in Brest ein und bernahm den Oberbefehl ber 70 Schiffe ber 40 Kanonen.

  Nach Delarbre waren die Verbndeten noch bei Cap Ouessant, als
  Tourville herankam; in grerer Nhe Brest zu blockieren, erschien
  ihnen zu gefhrlich. Durch Aufklrung gut ber den Feind unterrichtet,
  hielt sich Tourville bei nrdlichem Winde 5 Tage lang in der Nhe, aber
  aus Sicht der Gegner, wartete, bis Sdwestwind aufkam und lief dann in
  Sicht des Feindes in die Bucht (Iroise) ein.

Im August liefen die Verbndeten nochmals aus und Tourville trat ihnen
bei den Scillys entgegen (Mitte des Monats); der Minister Seignelay
befand sich an Bord. Die Verbndeten standen zu Luward, vermieden aber
das von den Franzosen gesuchte Gefecht. Es kam nur zum Zusammensto je
eines vorgeschickten Linienschiffes in Sicht der Flotten.

  Nach hollndischen Angaben wollten sie sich wegen ihrer Minderzahl
  durchaus defensiv verhalten; nach franzsischen Quellen schonten sie
  sich, um einen erwarteten Smyrnaconvoi beider Nationen decken zu
  knnen. Dieser Convoi lief auch spter unbelstigt in den Kanal ein.
  Beide Erklrungen stimmen also gut berein. Nach einer anderen
  franzsischen Angabe endlich waren auch die Franzosen nicht geneigt, in
  einer groen Schlacht zuviel aufs Spiel zu setzen.

Dann trennten sich die Gegner, gingen nach einigen Tagen in ihre Hfen
und rsteten bis auf kleine Wintergeschwader ab.

$Das Jahr 1690. Die Schlacht bei Beachy Head$ (oder Bveziers). Fr 1690
rstete Frankreich gewaltig zur See mit der Absicht, die
englisch-hollndischen Streitkrfte zu vernichten -- womglich einzeln
vor ihrer Vereinigung; die Englnder berraschend in ihren Hfen --, die
Seeherrschaft vllig zu erringen und dann in England einzufallen. In
Rochefort wurden innerhalb dreier Monate 15 Galeren zur Untersttzung der
Segelflotte gebaut und Truppen an den Ksten zusammengezogen; es waren
zwar nur 8000 Mann, man rechnete aber mit Erhebung der Jakobiten in
England und hielt fr diese Waffen zur berfhrung bereit. In Brest lagen
ber 60 Linienschiffe unter =Tourville=, eine Verstrkung aus Toulon
wurde erwartet; infolge Mangels an Personal und an Material in den
Arsenalen war aber die Flotte (70 Linienschiffe) nicht vor Ende Juni
fertig.

[Illustration: Tourville.]

  Tourville (nach Chabaud-Arnault) geboren 1637; in der harten Schule der
  Malteser-Ritter erzogen, besonders zum tchtigen Seemann; 1666 Kapitn
  in der franzsischen Marine, trat frh hervor; im Frieden mehrfach
  Kommandant von Schulschiffen fr Seeoffiziere; zeichnete sich aus im
  Kriege 1674-1678 im Mittelmeer, spter vor Algier und Genua. --
  Krftige, schne Erscheinung und aristokratisches Auftreten; ehrenhaft,
  vielleicht nicht ganz aufrichtig (siehe sein Benehmen gegen du Quesne);
  gehorsam, scheute sich aber nicht, seine Ansicht auszusprechen;
  persnlich mutig bis zur Tollkhnheit; klug und geschickt bei Entwerfen
  von Operationen; lie sich nicht beeinflussen beim Fassen von
  Entschlssen und scheute sich nicht vor Verantwortung; in allen Zweigen
  des Dienstes erfahren, aber kein Organisator wie du Quesne.

  Wir finden aber auch andere Urteile: Seignelay, dessen Befehle vom
  grnen Tisch er nicht immer ausfhrte, sagte von ihm brave de coeur,
  mais poltron de tte, wogegen Sue wohl richtiger sagt brave de sa
  personne et poltron pour ses matelts.

  1689 wurde er Vizeadmiral der Levante und nach d'Estres' sen. Abgang
  als ltester Vizeadmiral Chef der groen Flotten, 1693 Marschall,
  gestorben 1701. -- Biographie von Delarbre.

Die Verbndeten hatten die Indienststellung einer gleich starken Flotte
wie im Vorjahre (80 Linienschiffe) beschlossen; hier blieb man noch mehr
im Rckstande. Am 1. Juli lagen nur etwa 50 Linienschiffe -- darunter nur
erst 18 Hollnder -- unter =Herbert= bei Wight; allerdings waren ein
greres und ein kleineres Geschwader detachiert und einige Schiffe in
Plymouth bereit, zur Flotte zu stoen. Weitere hollndische Schiffe,
deren Ausrstung wieder wegen Geldmangels nicht rechtzeitig fertig wurde,
kamen erst im Laufe des Juli nach und nach hinzu. Auch in England war die
Rstung mit einer unverstndlichen Lauheit betrieben worden, scheinbar
ein Fehler der Regierung. Admiral Herbert hatte whrend des ganzen
Winters vergeblich auf rechtzeitige Ausfhrung gedrungen; der
Premierminister =Nottingham= nahm in Unterschtzung der Franzosen die
Sache leicht (vgl. z. B. Colomb, Seite 110: Herberts Verteidigung in
seinem spteren Proze); auch in Holland scheint der Feind unterschtzt
worden zu sein.

Das =grere= der genannten =Geschwader= war =an der spanischen Kste=.
Schon bei der Abrstung 1689 war es im Dienst behalten, 16 englische und
9 hollndische Linienschiffe stark. Es sollte Anfang 1690 nach dem
Mittelmeer gehen, um einen groen gemeinsamen Convoi dahin zu geleiten
und dann die franzsischen Streitkrfte von Toulon dort festzuhalten.
Verschiedene Umstnde -- Ausrstung; Wetter; Erwarten der Braut des
Knigs von Spanien (Maria Anna, Tochter des Kurfrsten von der Pfalz),
die nach Corua gebracht werden sollte; Sammeln des Convois --, in der
Hauptsache aber scheinbar Unschlssigkeit in England (die Hollnder
klagen darber), verzgerten die Abfahrt; erst Mitte Mrz ging man mit
einem groen Convoi in See. An der spanischen Kste wurden Schiffe
abgezweigt, um die Prinzessin zu geleiten, andere zur weiteren Begleitung
der Kauffahrer; ein Sturm trennte die brigen Schiffe und brachte
Verluste, so da erst am 18. April etwa 15 Linienschiffe -- die Englnder
unter Admiral =Killigrew=, die Hollnder unter =Almonde= -- zur Erfllung
der Hauptaufgabe, Abfangen des Toulon-Kontingents, wieder vereint in
Cadiz lagen. Whrend man hier ausrstete und ausbesserte, wurde am 19.
Mai die Ankunft des franzsischen Geschwaders -- 14 Segel, darunter 6(?)
Linienschiffe -- unter =Chteau-Renault= gemeldet. Killigrew ging am
nchsten Tage in See und sichtete die Franzosen am 22. Mai zwischen
Gibraltar und Ceuta. Chteau-Renault, der schwcher war und seine
Vereinigung mit der Flotte in Brest im Auge hatte, entzog sich
richtigerweise einem Gefecht; er konnte es, weil seine Schiffe bodenrein
waren, die der Gegner (besonders der Englnder) jedoch in schlechtem
Stande. Killigrew hatte den Befehl, ihm zu folgen, und tat dies auch,
aber nicht im Sinne der Order. Er kehrte zunchst nach Cadiz zurck,
besserte aus, sammelte einen Convoi von 150-200 Schiffen und segelte dann
am 19. Juni. Die Folge war, da Renault seine Verstrkung wohlbehalten
und rechtzeitig zur Vereinigung nach Brest fhren konnte, whrend
Killigrew erst am 23. Juli in Plymouth eintraf, als die Schlacht bei
Beachy Head geschlagen war.

Das =kleinere Geschwader=, 6 Kriegsschiffe unter Admiral =Shovel=, war
fr die =irischen Gewsser= abgezweigt und sollte wie im Vorjahre sehr
ntzlich werden. Es kam allerdings zu spt, oder war nicht stark genug,
um einen ersten Erfolg der Franzosen zu hindern. Im Anfang Mrz schon
brachte der Chef d'Escadre d'=Amfreville= mit 30 Linienschiffen, die auch
zu diesem Zweck von 1689 im Dienst belassen waren, unbehindert einen
Transport von 7000 Mann sowie Kriegsmaterial nach Cork. Er ging dann aber
nach Frankreich zurck, und in der Zukunft zeigten sich keine Franzosen
mehr hier, um den Englndern die Verbindung mit Irland zu unterbrechen.
So wurde es =Wilhelm= III. mglich, unter Shovels Bedeckung auf 288
Fahrzeugen seine Armee im Juni von Chester nach Irland hinberzufhren;
er landete am 24. Juni in =Carrikfergus=. Shovel wurde am 28. Juni zur
Hauptflotte entlassen, erreichte diese aber auch erst nach Beachy Head.

  =Mahan= sagt zu vorstehenden Ereignissen: Whrend des ganzen
  Kriegsabschnittes, in dem es sich um den Besitz von Irland handelt, ist
  nichts auffallender als die von beiden Seiten an den Tag gelegte
  Sorglosigkeit in bezug auf die Verbindung des Gegners mit der Insel.
  Besonders merkwrdig erscheint dies bei den Franzosen, die die
  strkeren Seestreitkrfte hatten und von denen man annehmen mu, da
  sie durch die Unzufriedenen in England genau ber alle Vorgnge
  unterrichtet waren. Es scheint, da ein Geschwader von 25 Fregatten
  nebst einigen Linienschiffen fr den Dienst im St. Georgs-Kanal
  bestimmt war; aber nur 10 Fregatten kamen nach Kingsale und auch dies
  erst, als durch die Schlacht am Boyne alles fr Jakob verloren war.
  Wir kommen auf diesen Umstand noch zurck.

Die Verzgerung des Seeklarwerdens hatte die Franzosen gehindert, ihrer
Absicht gem vor Vereinigung der Gegner aufzutreten; =Tourville= erhielt
nun =Befehl=, trotzdem auszulaufen und den Feind aufzusuchen. Ein groer
Schlag zur See versprach die grten Erfolge: Die Lage in England war
bedenklich. Irland war ber ein Jahr in erfolgreichem Aufstande, und es
war den Franzosen geglckt, eine neue Truppenmacht auf die Insel zu
werfen; Wilhelm III. war mit dem grten und besten Teile seiner Truppen
dort; die Anhnger Jakobs traten in England, wo die Knigin die Regierung
fhrte, mit ihren Kundgebungen mehr und mehr hervor. Die Vernichtung der
verbndeten Flotte und darauf ein Festhalten des Knigs in Irland, sowie
eine Landung in England muten voraussichtlich fr Oraniens Stellung
verhngnisvoll werden. Die franzsische Flotte war hierzu der feindlichen
ungemein berlegen -- die stolzeste, die Frankreich je ins Gefecht
gefhrt hat.

Am 23. Juni lief =Tourville= von Brest aus; starke Gegenwinde im Kanal
hielten ihn auf, auch waren die Galeren gentigt, unter der Kste der
Bretagne Schutz zu suchen. Am 3. Juli morgens sichteten seine
Aufklrungsschiffe die feindliche Flotte zu Anker bei St. Helens
(Wight). =Herbert= war so wenig kriegsbereit und unterrichtet, da er
nicht einmal Vorposten im Westen hatte. Erst am 2. Juli hatte er
Nachricht erhalten, da die Franzosen in See gegangen seien; jetzt waren
sie wenige Seemeilen von ihm.

  Er sagte spter aus: Da alle unsere Schiffe noch mit Ausrsten (z. B.
  auch mit Einschiffen eines Regimentes) beschftigt waren, hatte ich die
  Hollnder mit dem Sicherheitsdienst betraut (wohl am 2. Juli); die von
  diesen dazu befehligten Schiffe scheinen aber auch durch Ergnzen von
  Bedrfnissen festgehalten zu sein. Sicher ist, da ich erst durch das
  Sichten der feindlichen Vorposten von dem Erscheinen der franzsischen
  Flotte Kenntnis erhielt. Auch ihre Strke war mir unbekannt; da
  Chteau-Renault mit dem Toulon-Geschwader dabei war, zeigte mir erst
  seine Flagge. (Z. B. Colomb, Seite 113.)

Herbert lichtete sofort Anker, mute aber bald wieder bei Dunose
(Sdostspitze Wights) ankern, da der leichte Nordostwind ganz einschlief;
hier stieen am 4. Juli noch einige englische und hollndische Schiffe zu
ihm, ebenso whrend der nchsten Tage. Am 5. Juli 9 Uhr vormittags
meldete eine Fregatte das Nahen des Feindes. Herbert ging Anker auf und
formierte bei leichtem sdlichem Winde die Gefechtslinie ber
Backbord-Bug; bald sichteten sich die Flotten. Als nun aber die Strke
der Franzosen erkannt war, beschlo der Kriegsrat der Verbndeten, einem
Gefecht auszuweichen, um die Flotte fr eine Defensive unversehrt zu
erhalten. Dementsprechend wurde an die Knigin in London berichtet und
nach Osten gesteuert; die Franzosen folgten.

  Herbert berichtete[234] (kurz gefat): Er habe zuerst beabsichtigt, ein
  Gefecht anzunehmen, die Franzosen htten jedoch nicht angegriffen,
  obgleich sie zu Luward standen. (Vielleicht hielten sie zurck, weil
  sie infolge des flauen Windes nicht in guter Ordnung waren, vielleicht
  um auch erst die Strke des Feindes kennen zu lernen; sie hatten
  nmlich am 4. das Salutieren der zu Herbert gestoenen Schiffe gehrt.)
  Als die Strke des Gegners erkannt war, sei vorstehender Beschlu
  gefat worden. Man habe dabei in Erwgung gezogen, da man in einer
  Schlacht die ganze Flotte und damit die Seeherrschaft aufs Spiel setze.
  Es sei fr richtiger erkannt worden, auszuweichen und bei gnstiger
  Gelegenheit zu versuchen, nach West zu steuern, um sich mit Killigrew,
  Shovel sowie den Schiffen in Plymouth zu vereinigen und so dem Feinde
  eher gewachsen zu sein, oder sich nach Osten, wenn ntig bis zur Themse
  hinter die Gunfleet[235], zurckzuziehen, um von dort aus mit der
  unversehrten Flotte den Feind im Schach zu halten und erst geeigneten
  oder notwendigen Falles hervorzubrechen; auch hier knnten die
  Streitkrfte im Westen ber die Bnke trotz der Franzosen zur Flotte
  stoen.

  [234] Diese und noch folgende Auszge aus Berichten Herberts und
        Befehlen von London vgl. z. B. Colomb, Seite 115.

  [235] Gunfleet: Bnke stlich von der Themse von Foulness bis Harwich;
        ein geeigneter, sicherer Ankerplatz fr groe Flotten.

  Herbert weist jetzt noch einmal auf seine im Winter vergeblich
  geuerten Bedenken und Ermahnungen hin; er bittet um Verstrkungen und
  entsprechende Orders an die Schiffe im Westen.

Flaue Winde hinderten an den nchsten Tagen ein Nherkommen der
verfolgenden Franzosen, um so mehr als die Englnder die
Stromverhltnisse besser kannten; beide Flotten muten hufig ankern. Da
traf am 9. Juli abends ein =Befehl der Knigin= ein, der Herbert =zum
Fechten= ntigte; in London war man ber die Lage -- ber die zu
whlende Strategie -- anderer Ansicht und man unterschtzte den Feind.

  Nottingham schrieb: Die Franzosen htten nach sicherer Nachricht nur 60
  Linienschiffe, diese seien schlecht bemannt. Shovel und die Schiffe von
  Plymouth seien bereits unterwegs; Killigrews Ankunft stnde ganz nahe
  bevor. Alle diese aber -- und mit ihnen Killigrews groer Convoi --
  seien sehr in Gefahr, wenn sich die Flotte nach Osten zurckzge; die
  Franzosen wrden dadurch ferner imstande sein, ganz oder teilweise nach
  Schottland zu gehen, wo dann ein groer Aufstand erfolgen knne.

  Die angeschlossene Order der Knigin besagte, da sie die Absicht, sich
  bis zur Themse zurckzuziehen, durchaus mibillige. Ein nach Westen
  Gehen verbiete sie nicht, wenn es sich mit folgendem vereinigen liee.
  Vor allem sei nmlich die franzsische Flotte nie aus Sicht zu
  lassen, damit sie nicht etwas gegen die Ksten oder gegen die Themse
  unternehmen oder berhaupt ohne Gefecht absegeln knne (wohin? nach
  Schottland oder nach Hause?), eher sei unter gnstigen
  Windverhltnissen (d. h. in der Luvstellung) zu schlagen. In welcher
  Eile diese Befehle verfat wurden, zeigt die Tatsache, da Nottingham
  sich nicht einmal Zeit nahm, Konzepte oder Abschriften anzufertigen.

  Herbert antwortete sofort: Die Ansicht in London ber Strke und
  Bemannung des Feindes sei nach seiner Beobachtung und seinen
  Nachrichten falsch. Er hielte die Schiffe im Westen und die Ksten fr
  nicht gefhrdet; er beabsichtige ja gerade, alle Unternehmungen des
  Feindes zu hindern (durch seine fleet in being; dieser jetzt so oft
  gebrauchte Ausdruck stammt von Herbert); wenn er aber geschlagen wrde,
  dann sei alles bedroht; im brigen werde die Flotte auf den Befehl hin
  ihre Pflicht tun.

=Am 10. Juli= morgens bildete Herbert bei frischem Nordostwind etwa 10-12
sm. sdlich von =Beachy Head= die Schlachtlinie ber Backbord-Bug und
hielt dann auf die in Lee stehenden Franzosen ab, die ihn ber denselben
Bug backgebrat erwarteten.

=Strke und Einteilung der Flotten=

                             100 K. 80-92 70-80 60-70 50-60 40-50 Brander
  =Verbndete= 1) Vorhut 3)    --     2     4     8     7     1     4?
                  Mitte         1     4    10     4     2     1     4?
                  Nachhut 3)    1     2     7     1     2    --     3?
                 -------------------------------------------------------
                  Gesamt        2     8    21    13    11     2    11? 2)

                  57 Schiffe; 11 Brander; 3842 Kanonen; 23157 Mann

  =Franzosen= 1) 104-110 K. 80-90 70-80 60-70 50-60 40-50 Brander
      Vorhut        1         3     2    10     6    --     6
      Mitte         1         4     1    14     5    --     6
      Nachhut      --         5     3     8     6     1     6
    -----------------------------------------------------------
     Gesamt         2        12     6    32    17     1    18

              70 Schiffe; 18 Brander; 4624 Kanonen, 27-28000 Mann

  1) Die verschiedenen Quellen weichen ab. Ich gebe hier die Verbndeten
     nach de Jonge, Teil III, Beilage XI, ziemlich bereinstimmend mit
     den englischen Quellen, die Franzosen nach Bonfils, Teil I. De Jonge
     gibt fr diese 6 Schiffe mehr an, Colomb 5 weniger: de Jonge, weil
     er mehr 40-50 Kanonenschiffe zur Linie rechnet, Colomb
     wahrscheinlich, weil Tourville sogar einige 50-60 Kanonenschiffe als
     zu schwach gebaut nicht in die Linie nahm; Angaben ber die
     Schiffe auerhalb der Linie sind sonst nirgend vorhanden.

  2) Die Brander der Verbndeten gibt Clowes als 4 + 8 + 8 = 20.

  3) Die Vorhut der Verbndeten bestand aus Hollndern; die Nachhut
     geben franzsische Quellen als von beiden Nationen gemischt an,
     Clowes und de Jonge erwhnen es nicht, nach den Namen der Schiffe
     scheint es nicht der Fall. (Namen der Schiffe und Kommandanten im
     Clowes fr alle 3 Nationen; in Bonfils und Delarbre fr die
     Franzosen.)

[Illustration: Schlacht bei Beachy Head, 10. Juli 1690.]

  =Die Flaggoffiziere nach Segelorder= der Geschwader und Divisionen.

  =Verbndete.= Vorhut: Vizeadmiral von Callenburgh, Leutnantadmiral
  Cornelis Evertsen, Vizeadmiral v. d. Putte (zu jeder Division ein
  Konteradmiral).

  Mitte: Vizeadmiral Sir John Ashby, =Admiral Herbert, Earl of
  Torrington=, Kontreadmiral Rooke.

  Nachhut: Vizeadmiral Sir Ralph Delaval (Divisionschefs nicht
  angegeben).

  =Franzosen.= Vorhut: Generalleutnant de Villette, Generalleutnant
  Chteau-Renault, Chef d'Escadre de Langeron.

  Mitte: Chef d'E. de Nesmond, =Vizeadmiral der Levante Tourville= und 2
  Chefs d'E. als Vorder- und Hintermann, Generalleutnant d'Amfreville.

  Nachhut: Chef d'E. de Flacourt, Vizeadmiral des Atlantik d'Estres
  (seinem Vater im Dienstgrade gefolgt), Leutnantgeneral de Gabaret und 1
  Chef d'Escadre als Schluschiff.

$Die Schilderung der Schlacht bei Beachy Head$ ist in allen Quellen[236]
ziemlich klar, nahezu bereinstimmend, und kann sehr kurz gegeben werden.

  [236] Hier benutzt: Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III, am
        ausfhrlichsten, was die Hollnder betrifft; Delarbre; Bonfils,
        Teil I; Mahan, Teil I.

  Die verbndete Flotte hielt zugleich auf den Feind ab, Geschwader gegen
  Geschwader. Die Vorhut, Evertsen, ging dicht heran, holte an den Wind
  (9 Uhr vormittags), und es entspann sich ein blutiges Gefecht auf nahe
  Entfernung mit wenig Fahrt (unter Backen und Fllen). Genau so
  verfuhr die Nachhut, Delaval; sie stie 9^{30} Uhr vorm. mit ihrem
  Gegner zusammen. Herbert mit der Mitte steuerte nicht genau Schiff auf
  Schiff auf den Feind, sondern zuerst etwas sdlicher; dadurch entstand
  eine Lcke zwischen ihm und seiner Vorhut. Die erste Division der
  Mitte, Ashby, sah diese Lcke zu gro werden und versuchte sich der
  Vorhut zu nhern, ihm folgten dann auch Herbert und Rooke. Die drei
  Divisionen der Mitte sind infolge dieses Manvers, wenn auch in sich
  gut geschlossen etwas voneinander getrennt; auch halten sie sich auf
  weitere Entfernung vom Feinde, bis sie um 10 Uhr vormittags ins Gefecht
  eingreifen.

  Im Kampfe der Nachhuten blieben sich die Aussichten etwa gleich; da
  bald nach dem Zusammensto einige Schiffe der Franzosen aus dem Gefecht
  holen muten, wurde ihre berlegenheit ziemlich ausgeglichen.

  Die Hollnder aber kamen in eine ble Lage. Beim Heransegeln hatten
  sie, wie gewhnlich, mehr gelitten als ihre Gegner (vielleicht hatten
  sie auch nicht genau Spitze auf Spitze getroffen); Chteau-Renault sah
  dies, lie seine erste Division (de Villette) vorsegeln, wenden und die
  Hollnder von Luward aus dublieren (1 Uhr nachmittags). Von der
  franzsischen Mitte, die durch Herbert ja nicht scharf engagiert war
  und die den Angriff Ashbys abgeschlagen hatte, kam die erste Division
  (de Nesmond) von hinten auf und dublierte gleichfalls; so war die
  Vorhut der Verbndeten fast ganz in die Mitte genommen und litt schwer.
  Bald darauf versuchte dann auch Tourville selbst, mit seiner Division
  hier einzugreifen; Herbert, der jetzt nher herankommen wollte, war
  hierzu bei dem flauer gewordenen Winde zu weit ab.

  Die Hollnder wrden vllig vernichtet sein, wenn nicht der Zufall und
  Evertsens Geschicklichkeit ihnen zu Hilfe gekommen wren. Um 3 Uhr
  nachmittags wurde es nmlich still, Tourville mute sich mit Booten
  tauen; Evertsen aber benutzte die Stille, um sich aus der bedrngten
  Lage zu befreien, er gab Befehl, mit stehenden Segeln zu ankern, als um
  5 Uhr nachmittags die Ebbe stark lief. Die ganze Flotte folgte dann
  diesem Beispiel; die Franzosen bemerkten oder verstanden dieses Manver
  nicht sogleich. Als auch hier der Befehl zum Ankern gegeben wurde,
  waren sie schon durch den Strom nach Lee (Sdwest) aus Schuweite
  getrieben; damit endete der Kampf.

  Die Franzosen geben ihren =Verlust= auf 500 Tote und Verwundete an. Der
  der Verbndeten wird grer gewesen sein, besonders aber hatten die
  Schiffe der Vorhut und Nachhut sehr gelitten; verschiedene der
  Hollnder waren ganz oder teilweise entmastet, andere mit allen Pumpen
  kaum noch ber Wasser zu halten, zwei hollndische Kontreadmirale waren
  gefallen. Zwar war nur ein hollndisches Schiff, das nicht geankert
  hatte und mit forttrieb, genommen worden (es sank spter), aber der
  Zustand der Schiffe -- nach de Jonge waren nur noch drei vllig
  gefechtsfhig; noch nie sei eine Flotte im ganzen so zugerichtet --
  sollte in der Folge die Schlacht zu einer vlligen Niederlage machen.

  Die =Grnde der Niederlage= liegen auf der Hand. Wie stets bei dieser
  Art des Angriffs kam die Vorhut zuerst und allein ins Gefecht, hatte
  die heftigste Wirkung des feindlichen Feuers auszuhalten und wurde
  nicht rechtzeitig entlastet. Was bewog Herbert, der Vorhut nicht zu
  folgen? Nach Hoste (tactique navale) hat Herbert die Absicht gehabt,
  besonders die franzsische Nachhut anzugreifen und sie zu dublieren
  (die franzsische Mitte soll zufllig oder mit Absicht etwas nach Lee
  eingebogen zur Vorhut und Nachhut gestanden haben; dies soll dem
  englischen Admiral den Gedanken eingegeben haben). Dann aber war es
  falsch, zu diesem Zweck zwischen sich und seiner Vorhut eine Lcke
  entstehen zu lassen und der Vorhut zu erlauben, auf ein ernstes
  Nahgefecht einzugehen. Er htte wie Ruyter bei Texel soviel Schiffe des
  Feindes, von hinten gerechnet, angreifen mssen, wie er niederkmpfen
  zu knnen glaubte. Die Vorhut mute den Befehl haben, die vorderen
  Feinde nur zu beschftigen; die geringere Zahl ihrer Schiffe mute
  hierzu durch grere Abstnde zwischen ihnen, nicht aber durch Lcken
  zwischen den Geschwadern ausgeglichen werden. Wenn Herbert diese
  Absicht gehabt hat, so mu er sie doch gleich wieder aufgegeben haben,
  wohl weil er erkannte, da Tourville imstande war, die englische
  Nachhut zu dublieren; um dies stets hindern zu knnen, hielt er dann
  vielleicht seine Mitte berhaupt zurck. Zu diesem Verfahren kann und
  wird ihn aber auch -- trotz des Befehls der Knigin -- seine uns
  bekannte Ansicht ber die Wichtigkeit der Erhaltung der Flotte bewogen
  haben; wir kommen hierauf bei den Betrachtungen ber Strategie (am
  Schlu des Kapitels) nochmals zurck.

  Die Leistungen der Hollnder in der Schlacht wurden von den Franzosen
  und Englndern, von Wilhelm III. und der Knigin besonders, anerkannt;
  Herbert wurde in Haft genommen, zwar kriegsgerichtlich freigesprochen
  aber nicht wieder verwendet.

Die Schilderung zeigt uns die Niederlage der Verbndeten, der
=Hauptverlust= trat erst =nach der Schlacht= ein. Ein zusammengerufener
Kriegsrat sah ein, da ein zweites Gefecht unmglich sei, ja da man
selbst nicht um zurckbleibende Schiffe kmpfen knne, sondern diese
zerstren msse. Abends 9 Uhr mit Einsetzen der Flut trat man den Rckzug
nach Osten an, die schwerstbeschdigten Schiffe im Tau von Fregatten. Der
flaue Gegenwind zwang hufig whrend der Ebbe zu ankern, aber mit der
besseren Kenntnis der Stromverhltnisse entzog man sich immer mehr den
folgenden Franzosen. Tourville hatte zur Verfolgung erst etwas spter
Anker gelichtet und segelte stets in Formation, anstatt eine allgemeine
Jagd anzuordnen; immerhin fiel ihm ein groer Teil der beschdigten
Schiffe zum Opfer.

  Im Laufe der nchsten Tage muten zwei mastenlose Hollnder verbrannt
  werden; eins sank vor Anker. Vier setzten sich bei Rye auf den Strand:
  drei verbrannten sich, nur eins wurde durch Geschicklichkeit und
  Umsicht seines Kommandanten gerettet. Er lie sein Schiff halb voll
  laufen, brachte Kanonen am Lande in Stellung und schlug verschiedene
  Branderangriffe ab. Auch ein englisches Schiff ging verloren.

Sicher wrde der Verlust grer gewesen sein, wenn Tourville seine
Galeren zur Stelle gehabt, und vor allem auch, wenn er anders verfahren
htte. Einen geschlagenen und in voller Flucht zurckgehenden Feind soll
man mit Ungestm verfolgen, auf die eigene Ordnung nur soweit Rcksicht
nehmen, als ntig ist, um den verfolgenden Schiffen die gegenseitige
Untersttzung zu sichern.

=Warum nutzte Tourville die Verfolgung nicht besser aus=? Mahan sagt
(gekrzt): Die Vorsicht bei der Verfolgung entsprang demselben
Charakterzuge Tourvilles, der ihn zwei Jahre spter bei La Hogue seine
Flotte der fast sicheren Vernichtung entgegenfhren lie, blo weil er
den Befehl seines Knigs in der Tasche hatte, so verschieden auch beide
Handlungen zu sein scheinen. Er war tapfer genug, um alles zu tun, aber
nicht stark genug, um die schwersten Lasten zu tragen. (Man denke an
Seignelays Ausspruch: Poltron de tte, mais brave de coeur.) Er war
nach Beachy Head mit seinen Leistungen in der Schlacht zufrieden, aber
kein Nelson, der sagte: Wenn wir von elf Schiffen zehn genommen und das
elfte htten entwischen lassen, whrend wir es nehmen konnten, so wrde
ich dies niemals fr ein gutes Tagewerk halten. Tourville war der
Vorgnger der geschickten aber vorsichtigen Taktiker der kommenden Zeit,
allerdings noch voll jener Lust zum Draufgehen, die fr die Flottenfhrer
des 17. Jahrh. so bezeichnend ist.

Am 18. Juli gaben die Franzosen die Verfolgung ganz auf; die Verbndeten
ankerten am 20. bei Sheerness. Tourville ging, da auch viele seiner
Schiffe schwer beschdigt und knapp an Munition[237] waren, nach Havre;
es erregte dies das Mifallen Seignelays, aber der Admiral war der
Ansicht, hier die Flotte schneller wieder gefechtsfhig machen zu knnen.
Nach erfolgter Wiederausrstung unternahm =Tourville= nichts von
Bedeutung mehr, obgleich man wute, da die Verbndeten vor dem 10.
September nicht auslaufen wrden. Auf Drngen Seignelays, der mit der
Leistung der Flotte nach dem groen Siege durchaus nicht zufrieden war,
ging er schon am 29. Juli, jetzt mit den Galeren, =wieder in See=,
richtete aber nichts aus. Er erschien vor Torbay, landete (5. August)
eine kleine Abteilung, verbrannte einige Huser und kleine Fahrzeuge in
Teignmouth, wurde jedoch durch die aufgebotene Miliz bald zum
Wiedereinschiffen gezwungen, anstatt die gehoffte Untersttzung im Lande
zu finden. Er zeigte sich auch vor Plymouth, wo Killigrew mit seinem
Geschwader und dem Convoi (150-200 Schiffe) lag, hielt es aber nicht fr
angebracht, den Hafen zu forcieren wie ihm befohlen; nach de Jonge hatten
sich dort die Kriegsschiffe in guter Verteidigungsstellung vermoort,
Forts und Batterien waren durch die Mannschaften der Kauffahrer
verstrkt. Ende August kehrte Tourville =nach Brest zurck=.

  [237] Munitionsmangel herrschte bei allen drei Nationen und wird
        berall der schlechten Ausrstung, nicht der Dauer der Aktion
        zugeschrieben.

So war die Schlacht bei =Beachy Head= zwar ein =groer Sieg= gewesen --
der hervorragendste Einzelerfolg, den die Franzosen je ber die Englnder
errungen --, =aber kein entscheidender= geworden, weil er weder taktisch
noch strategisch gengend ausgenutzt wurde. Die Flotte der Verbndeten
war zunchst vllig auer Gefecht gesetzt. Die Schiffe beider Nationen
besserten in England aus und erst am 26. September lag wieder eine
aktionsfhige Macht -- jetzt unter dem Befehl von =drei Joint-Admirals=:
Haddock, Killigrew, Ashby -- in Spithead; sie zhlte gegen 50
Linienschiffe, weil das Mittelmeergeschwader hinzugestoen war. Also zehn
Wochen lang hatten die Franzosen unbestritten die Herrschaft im Kanal --
auch in Holland frchtete man eine Landung und bot die Brgerwehren auf,
um die wichtigsten Kstenpltze zu besetzen --; sie nutzte ihnen nur
dadurch, da ihre Freibeuter unbehindert den feindlichen Handel
schdigten.

Fr den =Landkrieg in Irland= war der Seesieg ohne jede Folge, hier war
fast an demselben Tage am Boyne die Lage zugunsten Wilhelms schon
entschieden.

  Jakob II. hatte sich unntz mit der Belagerung von Stdten (z. B.
  Londonderry) aufgehalten. Nach Wilhelms Landung in Irland hatte ihm
  Ludwig (dessen Flotte besser die Landung gehindert htte) geraten, eine
  entscheidende Schlacht zu vermeiden und sich an den Shannon, in einen
  ihm vllig ergebenen Teil des Landes, vorlufig zurckzuziehen. Aber
  =Jakob= wollte Dublin nicht aufgeben, um seiner Sache nicht moralisch
  zu schaden; er nahm zur Deckung seiner Hauptstadt eine Stellung am
  =Boyne= ein. Hier wurde er am 11. Juli =vollstndig geschlagen= und
  schiffte sich in Kingsale auf der erwhnten Flottille franzsischer
  Fregatten, die eigentlich den St. Georgs-Kanal htten bewachen sollen,
  nach Frankreich ein. Er bestrmte nun den Knig, den Sieg von Beachy
  Head zu benutzen und ihn mit einer greren Armee in England landen zu
  lassen. Ludwig aber, ungehalten ber ihn, schlug dies ab und befahl
  sogar, die franzsischen Truppen aus Irland zurckzuziehen.

Inwieweit die Rcksicht auf die Trmmer der verbndeten Flotte als immer
noch einer fleet in being Tourvilles Lauheit im August hervorgerufen
hat, entzieht sich der Beurteilung; Herbert legte in seinem Proze groen
Wert auf diesen Umstand. Fr die frhe Heimkehr der franzsischen Flotte
im August wurden als Grnde der Zustand der Schiffe und die
herannahende schlechte Jahreszeit angegeben; vielleicht hat auch die
augenblickliche Verstimmung Ludwigs gegen Jakob dazu beigetragen. Ende
September ging nur noch ein Teil der Flotte unter d'Amfreville nach
Irland hinber und holte die franzsischen Truppen zurck. Die Flotte der
Verbndeten war noch nicht imstande, dies zu hindern. Am 30. September
erschien dann ein Teil mit 7000-8000 Mann unter Marlborough vor Cork.
Unter Mitwirkung leichter Schiffe ward diese Stadt genommen, 300
Offiziere und 5000 Mann Jakobs wurden zur Kapitulation gezwungen, bald
darauf fiel auch Kingsale und damit die letzte Stadt Jakobs im Sden
Irlands. Ein anderer Teil der Flotte hatte den Handelsschutz gegen die
Freibeuter Dnkirchens bernommen; die unbedingte Seeherrschaft
Frankreichs war also zu Ende.

Im Oktober legte man, wie blich, mit Ausnahme der Wintergeschwader auf,
einige englische Schiffe blieben ferner in den irischen Gewssern.

$Das Jahr 1691. Tourvilles Hochsee-Kreuztour.$ Fr das Jahr 1691 rsteten
beide Gegner mit Macht. Die Franzosen zogen wieder fast alle Streitkrfte
in Brest zusammen. Hier lag unter Tourville im Juni eine Flotte von 120
Segeln, darunter wie im Vorjahre 70 Linienschiffe; im Mittelmeer fanden
nur etwa 12 Linienschiffe zur Untersttzung des Krieges gegen Spanien
Verwendung. Die Verbndeten entwickelten jetzt trotz oder gerade infolge
der Niederlage und der Verluste bei Beachy Head eine weit bedeutendere
Kraft als im Vorjahre; es kennzeichnet dies wohl im Gegensatz zu
Frankreich spter den Unterschied zweier Marinen, von denen die eine eine
rein militrische Einrichtung ist, whrend die andere ihre Grundlage in
dem Charakter und der Beschftigung des Volkes hat. Die Flotte der
Verbndeten bestand aus etwa 100 Linienschiffen mit Zubehr, darunter 39
Hollnder; daneben waren ein gemeinsames Geschwader von 11 Linienschiffen
nebst reichlich Fregatten gegen die Freibeuter Dnkirchens sowie
zahlreiche Convoischiffe (Hollnder 20 zu 20-50 Kanonen) in Dienst
gestellt. Aber obgleich die Rstungen frhzeitig beschlossen und eifrig
betrieben wurden, um den Franzosen zuvorzukommen, war die Flotte doch
erst wieder Anfang Juni in den Downs seeklar.

  In den Niederlanden war der Ansto zu starker Rstung wie stets von der
  Provinz Holland ausgegangen. Die Grnde der Verzgerung waren die
  alten: Geldmangel infolge des daniederliegenden Handels und Lssigkeit
  der Landprovinzen; Personalmangel infolge der eigenen Freibeuterei,
  besonders in Seeland. In England war immer noch der mangelhafte Zustand
  der Verwaltung ein Hemmnis.

  So ist es in den Quellen zu lesen! Wenn man aber immer wieder bei
  neueren Schriftstellern aller Vlker die Klage ber versptete
  Operationsbereitschaft liest, so drngt sich doch die Frage auf, ob
  wirklich immer unbeabsichtigte Verzgerungen die Schuld trugen. Auch
  in den Landkriegen begannen in jenen Zeiten die Operationen hufig erst
  im spten Frhjahr, selbst noch im Siebenjhrigen Kriege.

Die Flotte stand unter dem Befehl des Admiral of the Fleet =Russell=, das
hollndische Kontingent unter =de Almonde=; Tromp war zum Chef bestimmt,
starb aber am 29. Mai. Gegenwinde und andere Umstnde -- wohl
hauptschlich diese, d. h. Nichtbereitschaft -- hinderten das Auslaufen
bis zum 20. Juni, auch dann brauchte man zehn Tage, um bis Torbay
zukommen.

So waren die =Franzosen zuerst in See=, aber mit ganz anderen Orders als
im Vorjahre. Der feurige und ehrgeizige Marineminister Seignelay, der
stets die schrfste Offensive gegen die feindlichen Seestreitkrfte im
Auge gehabt hatte, war gestorben; sein Nachfolger =Pontchartrin= war
anderer Ansicht. Er bestimmte die Flotte fr den Schutz der eigenen
Ksten und fr die Vernichtung des feindlichen Handels; demgem war der
Befehl, da hauptschlich ein im Juni im Kanal erwarteter groer Convoi
englischer und hollndischer Levantefahrer abgefangen werden sollte.

  =Der Befehl=[238] =lautete= (gekrzt): Der englisch-hollndische
  Smyrnaconvoi, auf 30 Millionen Lire Wert geschtzt, am 7. Mai bei
  Alicante gemeldet und Anfang Juni im Eingange des Kanals erwartet, ist
  erstes Angriffsobjekt. Der Fang dieses reichen Convois ist fr den
  Knig ntzlicher als ein zweiter groer Seesieg. Auch andere Convois
  knnen der Flotte in die Hnde fallen, ohne etwas aufs Spiel zu
  setzen.

  [238] In Delarbre Tourville, Seite 349 ff., findet man den Befehl
        (vom 20. Mai) sowie Berichte Tourvilles mit Vorstellungen
        dagegen; aus diesem Schriftwechsel ist das geringe seemnnische
        Verstndnis des Ministers zu ersehen.

  Die feindliche Kriegsflotte wird an Zahl strker sein, aber der Knig
  hlt die seinige in jeder Hinsicht fr besser. Dennoch ist der Feind
  nicht zu suchen, sondern zu vermeiden. Zu schlagen ist nur, wenn man
  auf wesentlich schwchere Krfte trifft oder wenn der Feind gegen die
  franzsischen Ksten operiert. Dieses letzte aber auch nur, wenn
  westlich von La Hogue; wenn der Feind stlich im Kanal operiert, sind
  erst Befehle einzuholen (vielleicht, weil dort keine Zufluchtshfen
  waren?).

  Wenn bis August nichts vorgefallen ist, wird der Feind viele Kranke
  haben, dann soll offensiv vorgegangen werden; deshalb grte Sorgfalt
  fr Erhaltung eines guten Gesundheitszustandes auf der eigenen Flotte.
  Jedenfalls soll die Flotte bis zum 1. September in See bleiben und darf
  bis dahin nur einige (angefhrte) Rheden anlaufen, keinenfalls den
  Hafen von Brest, falls nicht die Folgen einer Schlacht dies verlangen.
  (Ist der letzte Teil des Befehls nicht ein Mitrauensvotum fr
  Tourville?)

=Tourville= wandte verschiedenes gegen den Befehl ein, so vor allem, da
das Abfangen des Smyrnaconvois ein Kreuzen bei den Scillys verlange, die
Aufgabe, die Ksten unter allen Umstnden zu sichern, aber ein Verlassen
der Ksten nicht erlaube. Er erhielt nur ausweichende Antworten und
scheint dann stets die zweite Aufgabe als die wichtigere angesehen zu
haben. Dementsprechend operierte er auf seiner sogenannten
=Hochseekreuztour=, durch die er den Feind fnfzig Tage lang
beschftigte; diese =Campagne du large= lebt noch heute als eine der
glnzendsten strategischen und taktischen Leistungen in der franzsischen
Marine.

  =Tourville= lief am 25. Juni von Brest aus und kreuzte etwa 20-40
  Seemeilen westlich vor der Mitte der Linie Scillys-Ouessant; er
  richtete einen vorzglichen Aufklrungsdienst nach allen Seiten ein,
  um sowohl nach dem erwarteten Convoi wie nach der feindlichen Flotte zu
  sphen. =Russell= erfuhr dies Anfang Juli in Torbay und beeilte sich
  auch, nach dem Eingang des Kanals zu kommen, um den Convoi aufzunehmen;
  er kreuzte auf der genannten Linie, ohne vom Feinde Kundschaft zu
  erhalten.

  Tourville bekam am 16. Juli (oder kurz vorher) Meldung, da der Convoi
  am 8. sdlich von der franzsischen Flotte gestanden habe. Da aber seit
  dem Tage sdwestliche Winde mit unsichtigem Wetter geweht hatten und er
  auch von der Anwesenheit Russells rechtzeitig unterrichtet war, nahm er
  an, da der Convoi bereits Irland erreicht habe und unter dem Schutz
  der feindlichen Flotte stehe; er sah deshalb von einer ernstlichen
  Verfolgung ab, zumal da er auch durch Stillen und Nebel behindert war.
  Seine Annahme war richtig; der Convoi war am 16. in Kingsale
  eingetroffen; Russell, der um diese Zeit gerade sein erfolgloses Suchen
  eingestellt hatte und unter die irische Kste gegangen war, traf auf
  ihn und fhrte ihn zunchst etwas den Kanal hinauf.

  Dagegen erfuhr Tourville von einem aufgegriffenen Kauffahrer, da ein
  englischer Transport von zwlf Schiffen nahe, mit Munition und andern
  Bedarfsartikeln fr Westindien, nur gedeckt durch zwei Kriegsschiffe;
  oder es war ein etwa gleichstarker Convoi von Jamaica; die Quellen
  weichen ab, doch ist dies wohl ohne Belang. Es gelang ihm whrend
  Russells Abwesenheit, die zwei Kriegsschiffe und einige der Transporter
  zu fangen; dann hielt er sich sdlicher, zu Luward von Brest, etwa auf
  dem 48. Breitengrade. Auch Russell kehrte auf seine alte
  Beobachtungslinie zurck und suchte den Feind. Es begann nun ein Spiel,
  das von dem franzsischen Admiral vorzglich durchgefhrt wurde. Die
  Kreuzer Russells scheinen stets durch geschickte Manver getuscht zu
  sein; nie wute man genau, wo Tourville stand. Dieser jedoch war stets
  unterrichtet, und so gelang es ihm, den Feind die ganze zweite Hlfte
  des Juli und die erste Hlfte des August hinter sich herzuziehen -- auf
  einem Seeraum vom 49. Breitengrade bis zu dem von Lorient und nach
  Westen bis auf 120 sm. von Ouessant --, sich dabei stets die
  Luvstellung und eine Entfernung von 15-30 sm. zwischen den beiden
  Flotten wahrend. Am 14. August lief Tourville wieder in Brest ein, um
  neu auszursten, und auch Russell ging auf die Kunde hiervon zu
  gleichem Zweck nach Torbay.

Es war also Tourville nicht gelungen, den reichen Smyrnaconvoi
wegzunehmen; nur ein Teil des englischen Transports nach Westindien und
einige wenige andere Kauffahrer fielen ihm in die Hnde. Er hat aber
erreicht, da die Verbndeten den ganzen Sommer ber von ihrer bermacht
keinen Gebrauch machen konnten. Auch zwang er sie, ihre Streitkrfte
zusammenzuhalten, und die franzsischen Freibeuter fanden so die See
frei. Wie stets zeichnete sich =Dnkirchen= im kleinen Kriege aus; das
gegen diesen Hafen aufgestellte Geschwader der Verbndeten war nicht
imstande, ein Auslaufen vllig zu hindern. Allerdings war der Verlust des
englischen Handels nicht so bedeutend, wie er in den nchsten Jahren
werden sollte, aber der hollndische Nordseehandel litt schwer (auf den
kleinen Krieg und besonders auch diesen Umstand kommen wir noch zurck).
Endlich war der Verkehr zwischen Frankreich und Irland frei; verschiedene
Transporte gingen hinber.

  Ludwig XIV. war von seinem in der ersten Verstimmung ber Jakobs
  Ungeschicklichkeit gefatem Beschlusse zurckgekommen und sandte 1691
  doch wieder Untersttzung nach Irland. Die vermehrten Anforderungen des
  Festlandskrieges gestatteten ihm jedoch nicht, dies in ausreichendem
  Mae zu tun. Im Laufe des Jahres =unterwarf Wilhelm III. die
  ganze Insel= und im Anfang Oktober ergab sich der Rest der
  irisch-franzsischen Truppen bei Limerik unter der Bedingung freien
  Abzuges nach Frankreich.

Die englisch-hollndische Flotte ging am 7. September nochmals nach dem
Eingange des Kanals. Am 9. aber setzte ein schwerer Sturm ein und
versprengte sie vllig; 3 englische Linienschiffe gingen verloren, die
Mehrzahl der Schiffe erlitt schwere Beschdigungen und erst nach und nach
sammelte man sich wieder in Spithead. Bald darauf wurde mit der Abrstung
begonnen, zunchst durch Auerdienststellung der schweren Schiffe. Ein
Geschwader von 24 Linienschiffen wurde fr das Mittelmeer bestimmt,
jedoch vor Abgang festgehalten; ein anderes gleich starkes blieb bis Ende
November an der irischen Kste, ein Teil davon brachte dann einen Convoi
nach Gibraltar und fhrte Ostindienfahrer zurck. Im Dezember wurde sonst
bis auf ein kleines gemischtes Wintergeschwader allgemein aufgelegt.

=Weshalb Tourville nicht wieder in See ging=, ist aus den Quellen nicht
recht zu ersehen. Allerdings war nach Auffllung der Vorrte und nach
Ausfhrung der ntigen Ausbesserungen wohl fast der 1. September
herangekommen, der in seiner ersten Order als Schlu der Operationen
vorlufig angesetzt war; er erhielt jedoch keine neuen Befehle. Wir
wissen, da 1691 auch der Landkrieg im allgemeinen lauer gefhrt wurde,
und franzsischerseits scheinen die Sommerfeldzge zur See stets noch
krzer, als so schon blich, bemessen zu sein. Wiederum mute er sich
darber verantworten, da er nicht genug getan habe, und er hatte doch
seinem Befehle entsprochen; freilich war ihm der Smyrnaconvoi entgangen
-- aber doch hauptschlich, weil dieser vom Wetter begnstigt -- und an
leitender Stelle hatte man gerade gehofft, hierdurch dem Gegner einen
schweren Schlag zu versetzen und die eigenen Kassen zu fllen. Sein
Einlaufen in Brest vor dem erlaubten Zeitpunkt begrndete Tourville
damit, da er dort die Flotte htte schneller und sicherer wieder
schlagfertig machen knnen als auf Rhede.

Von der franzsischen Atlantikflotte ging 1691 nur noch ein Geschwader im
November nach Irland, um die Trmmer der Armee, gem den
Kapitulationsbedingungen, und einige Tausend auswandernder Irlnder nach
Frankreich zu holen.

$Im Mittelmeer$[239] beteiligte sich whrend des Sommers $1691$ ein
Geschwader von 12 Linienschiffen, einigen Fregatten und Mrserbooten
sowie 26 Galeren unter d'=Estres= an Catinats Belagerung von Villafranca
und bombardierte Oneglia; dann unternahm man Demonstrationen mit
Beschieungen gegen einige andere spanische Kstenstdte (Alicante und
Barcelona). Bei der letzteren Gelegenheit wurden die franzsischen
Seestreitkrfte durch ein berlegenes spanisches Geschwader -- 17
Linienschiffe -- vertrieben, als Barcelona fast zur Zahlung einer
bedeutenden Kontribution gezwungen war; zum Zusammensto auf See kam es
jedoch hierbei nicht.

  [239] Etwas Genaueres hierber in Troude, Teil I.

$Das Jahr 1692. Schlacht bei Cap Barfleur-La Hogue.$ Im Frhjahr 1692
wurde der Krieg, wie bereits erwhnt, berall wieder besonders heftig
aufgenommen. Wilhelm III. war in Holland eingetroffen und belebte die
Kriegfhrung auf seiten des Bundes; Ludwig griff energisch auf allen
Kriegstheatern des Kontinents an und plante daneben eine Invasion in
England -- einen letzten groen Versuch zugunsten Jakobs, der
gleichzeitig Wilhelm und dessen Truppen vom Festlande abziehen sollte.

=Zum Einfall in England= wurde eine Armee von 20000 Mann -- nach den
neuesten franzsischen Quellen gar 30000 -- unter =Knig Jakob= und dem
=Marschall de Belfonds=, denen in der Person des Generalintendanten der
Justiz und Finanzen der Marine de Bonrepaus (ursprnglich Seeoffizier)
ein seemnnisch-technischer Beirat gegeben war, an den Ksten des Kanals
zusammengezogen -- die Infanterie in der Nachbarschaft der Rhede von La
Hogue, in Can und Cherbourg; die Kavallerie, die Munition usw. der
leichteren Einschiffung wegen in Havre -- und eine Transportflotte von
300 (neuere Angabe 500) Fahrzeugen gesammelt. Eine Flotte von 70
Linienschiffen, in Brest, Rochefort und Toulon in Dienst gestellt, sollte
unter =Tourville= die berfhrung der Truppen nach England gegen Ende
April sichern.

=Ludwig rechnete= fr den Erfolg der Expedition =mit folgenden
Umstnden=: Da seine Flotte der feindlichen an Kraft und Leistung
berlegen wre; da sie vor der Vereinigung der Seestreitkrfte Englands
und Hollands auftreten wrde; da man in England eine wesentliche
Untersttzung durch einen groen Aufstand der Jakobiten fnde und da im
besonderen ein groer Teil der englischen Flotte -- etwa die Hlfte --
nicht gegen ihn fechten wrde. In allen diesen Vermutungen tuschte er
sich; zunchst wurden seine =Rstungen nicht rechtzeitig fertig= und der
Beginn der Operationen mute verschoben werden.

  Die Befehle fr die Rstungen waren am 20. Februar erlassen, am 25.
  April sollte die Flotte von Brest in See gehen und den Armeetransport
  von La Hogue abholen; man hatte also nur zwei Monate ungnstiger
  Jahreszeit, um die Flotte in Dienst zu stellen, in Brest zu vereinigen,
  die Truppen und Transporter zu versammeln.

  Bei dem mangelhaften Zustande in der Verwaltung der Werften wurden die
  Schiffe nicht rechtzeitig fertig. In Rochefort und Toulon waren sie
  erst Anfang Mai seeklar; auch in Brest konnte eine grere Zahl der
  Schiffe wegen Personalmangels nur nach und nach bemannt werden. Am 23.
  April erging deshalb der Befehl an Tourville, die Abfahrt wenigstens
  bis zum Eintreffen der Rochefort-Schiffe aufzuschieben.

=Tourville lag Anfang Mai= mit nur erst 39 Linienschiffen segelfertig vor
Brest, die Ankunft von 5 Schiffen aus Rochefort stand bevor und von Brest
hoffte man noch Verstrkungen zu erhalten; so ging er am 12. in See. An
leitender Stelle glaubte man, da die Gegner auch noch nicht fertig seien
und schtzte diese, selbst wenn vereinigt, nur auf 60 Schlachtschiffe;
man rechnete immer noch mit der Unzuverlssigkeit vieler englischer
Offiziere, mit der Spannung zwischen Englndern und Hollndern, mit der
berlegenheit der eigenen Flotte an Zahl und Gte der Schiffe.

  Wie sehr der Knig auf die berlegenheit seiner Flotte baute, geht aus
  dem Tenor seiner =Instruktion an Tourville=[240] vom 16. Mrz hervor:
  Der Admiral soll am 25. April mit den Schiffen, die bereit sind, in
  See gehen; soll durch ein vorauszuschickendes Detachement gut segelnder
  Schiffe die Transporter mit der Kavallerie nach La Hogue holen lassen;
  er selbst soll auf dieser Rhede die Infanterie -- auch auf den
  Kriegsschiffen -- einschiffen; soll nach England gehen, Ort der Landung
  nach Angabe Jakobs, Bellefonds' und Bonrepaus'; soll nach der Landung
  die Transporter zurcksenden und selbst zur Verfgung der Armee im
  Kanal bleiben; soll die Seeherrschaft wahren.

  [240] Nach Delarbre Tourville im Auszuge; dieses Werk ist hier
        besonders benutzt, vergleichend mit anderen franzsischen
        Quellen, aber auch mit Clowes, Mahan, de Jonge.

  Er soll unbedingt am 25. April auslaufen, auch wenn er gehrt, da
  der Feind strker als er selbst in See sei, in diesem Falle nur nichts
  detachieren. Trifft er den Gegner unterwegs, so soll er ihn unter
  allen Umstnden angreifen und vernichten oder in seine Hfen treiben;
  liegt der Feind bei Wight, so soll er zu demselben Zweck dorthin gehen;
  in beiden Fllen die Armee dann berfhren.

  Kommt der Feind, wenn der Transport unterwegs oder schon in der Landung
  begriffen ist, soll angegriffen und so hartnckig gefochten werden, da
  die Landung doch ausgefhrt werden kann, es koste was es wolle.

  Nur wenn der Gegner nach vollendeter Landung erschiene, darf der
  Admiral einem Gefechte ausweichen, falls der Feind mehr als 10
  Linienschiffe strker sei; hiervon habe er sich aber persnlich,
  nicht nur durch Aufklrungsschiffe, zu vergewissern.

  Dieser Befehl ward noch verschrft durch den handschriftlichen Zusatz
  des Knigs: Ich fge eigenhndig hinzu, da dies mein strikt zu
  befolgender Wille ist.

Aber auch =die Verbndeten= hatten =stark gerstet= und waren infolge der
Verzgerung auf franzsischer Seite noch rechtzeitig fertig geworden.
Wilhelm III. war gleichfalls mit dem Gedanken einer Landung in Frankreich
umgegangen, um den Feind vom Landkriege abzuziehen. Diesem Plane waren
die Niederlande nicht geneigt, da sie frchteten, da dann englische
Truppen vom Festlande zurckgezogen wrden; anderseits sahen sie ein, da
eine England drohende Landung dieselbe Manahme nach sich ziehen msse.
Sie waren deshalb bereit, ein starkes Kontingent zur gemeinsamen Flotte
zu stellen und beschlossen die frhzeitige Indienststellung von 48
Linienschiffen mit reichlichem Zubehr. Die alten Grnde verzgerten
wieder die Ausrstung; erst Anfang Mai gingen die ersten Schiffe nach dem
Sammelpunkt bei Rye, nach und nach folgten weitere, doch fehlten bei
Beginn der Operationen noch etwa 20 Linienschiffe, die erst nach der
groen Schlacht zur Flotte stieen. In England hatte man bei Portsmouth
zusammengezogen, was an Truppen aufzustellen war, und die Knigin drckte
persnlich auf Beschleunigung der Indienststellung einer groen Zahl von
Schiffen. Auch hier hinderten die Verhltnisse wie im Vorjahre die
Ausrstung; erst am 18. Mai trafen etwa 30 Linienschiffe bei Rye ein. So
kam es wohl, da die Franzosen noch Mitte Mai immer nur mit 50-60
Schiffen der Gegner rechneten; es waren aber noch zwei englische
Geschwader im Dienst und nahe bei der Hand.

  Diese kreuzten schon seit April unter Delaval und Carteret im Kanal zur
  Beobachtung der franzsischen Kste bis La Hogue; eins war mit Convoi
  aus dem Mittelmeer zurckgekehrt, das andere eigens zu diesem Zweck aus
  den zuerst fertigen Schiffen zusammengestellt.

Diese vereinigten sich am 23. Mai auf der Rhede von St. Helens mit der
Hauptflotte unter =Russell=, die dadurch 88 Linienschiffe ber 50 Kanonen
stark wurde. Da man Tourvilles Auslaufen erfahren hatte, wurden sofort
Fregatten vorgeschickt und die Hauptflotte =ging= am 28. mittags =zur
franzsischen Kste hinber=. Die Hollnder sagen, Russell habe hierzu
erst Befehl von London einholen wollen, der hollndische Chef =Almonde=
aber im Kriegsrate auf sofortigem Segeln bestanden; wenn dies richtig, so
ist es der Sache sehr dienlich gewesen.

Die Franzosen traten somit weder berlegen noch berraschend auf.
=Tourville= war nach dem Inseegehen noch durch Westwinde unter der Kste
festgehalten, dann mute er im Eingang des Kanals gegen steifen Nordost
aufkreuzen. Whrend dieser Zeit stieen zwar die 5 Schiffe von Rochefort
zu ihm, aber weitere Verstrkungen aus Brest und vor allem die Schiffe
aus Toulon kamen nicht.

[Illustration: Edward Russell.]

  Von Toulon waren Anfang Mai 13 Linienschiffe unter d'Estres
  ausgelaufen. In der Strae von Gibraltar traf sie am 18. Mai ein
  schwerer Sturm; 2 Schiffe strandeten bei Ceuta, die brigen wurden
  schwer beschdigt: erst im Juli erreichte das Geschwader Brest.

Am 27. Mai endlich wurde der Wind gnstig und =Tourville steuerte
kanalaufwrts=. Es war =zu seinem Verderben=; lnger festgehalten, wrde
ihn voraussichtlich noch rechtzeitig der Befehl erreicht haben, weiter
vor Brest zu kreuzen, bis d'Estres und andere Verstrkungen eingetroffen
seien. (Dasselbe wre mglicherweise der Fall gewesen, wenn die
Verbndeten gegen Almondes Rat nicht sofort gesegelt wren.) Ludwig, der
bei der Belagerung von Namur anwesend war, hatte sich Anfang Mai doch
berzeugt, da alle seine Voraussetzungen fr einen Erfolg in die Brche
gegangen seien. Seine Flotte hatte nicht die beabsichtigte Strke
erreicht; die Vereinigung der Gegner stand bevor; die Hoffnung auf den
Abfall englischer Offiziere war erschttert. Infolgedessen wurden bald
Befehle gegeben, die den vernderten Verhltnissen Rechnung trugen (nach
Delarbre datiert vom 9. und 12. Mai). Sie erreichten Tourville nicht und
ebensowenig ein letzter, der ihm Kenntnis von nderungen im
Operationsplan sowie von der nun schon erfolgten Vereinigung der Gegner
geben sollte und den Befehl des Zurckgehens wiederholte. Dieser letzte
Befehl wurde am 27. Mai durch 10 Schnellsegler von verschiedenen
Kanalhfen aus abgesandt; die Fahrzeuge stieen, teilweise durch Nebel
behindert, nicht auf die Flotte.

  In England waren allerdings die Jakobiten eifrig am Werke gewesen. Es
  sollen die Aufstellung verschiedener Regimenter fr Jakob vllig
  vorbereitet gewesen und hohe Personen, die bisher zu Oranien hielten,
  fr ersteren gewonnen oder doch unsicher gemacht sein. (Marlborough!
  Russell!?) Ludwig war ber alles dieses gut unterrichtet; freilich wird
  gesagt, da derartige Gerchte teilweise auch von Gutgesinnten
  ausgesprengt seien, um Ludwig zu tuschen. Doch selbst die Knigin
  hegte Befrchtungen; sie schrieb diese an Russell mit dem Hinzufgen,
  sie knne sich nicht denken, da die Flotte ihre Pflicht verge.
  Daraufhin aber traten am 25. Mai die Flagg- und Stabsoffiziere zusammen
  und unterzeichneten eine Ergebenheitsadresse (Russell war abwesend
  durch Zufall oder mit Absicht? Seine politische Zuverlssigkeit wird
  von mehreren Autoren angezweifelt). Auch dies kam sofort zu Ludwigs
  Kenntnis. Schon frher war das Triumvirat der Fhrer in La Hogue durch
  die Verzgerung der Expedition unsicher geworden und hatte den
  Operationsplan gendert; wir brauchen nicht darauf einzugehen, da die
  Beschlsse nie zur Ausfhrung kamen (Nheres vgl. Delarbre).
  Bemerkenswert ist nur, da auch in diesen, vom Knig genehmigten
  Beschlssen immer noch eine Unterschtzung des Feindes (65 Schiffe) und
  eine berschtzung der eigenen Kraft (augenblicklich 52, nach Ankommen
  der Verstrkungen 70 Schiffe) zu ersehen ist.

Am 29. Mai, zwischen 3 und 4 Uhr morgens, =sichteten sich die Gegner=
einige Seemeilen =nrdlich vom Cap Barfleur=; es wehte leichter Sdost
und war diesig; die Franzosen standen zu Luward. Beide Flotten formierten
die Gefechtslinie ber Backbord-Bug und Tourville fhrte dann die seinige
zum Angriff heran, Geschwader gegen Geschwader und Flaggschiff gegen
Flaggschiff.

Die Strke der Flotten.[241]

           Schiffe von 90-b. b. 100 K. 80-90 70-80 60-70 50-60 26-46 4)

               {Vorhut 1))     5          3     5     8     5     8
    Verbndete {Mitte          8 2)       2    11     3     6     6
               {Nachhut        8 3)       1    13     4     6
                            ---------------------------------------
                              21          6    29    15    17    20


           Schiffe          kleinere  Brander

               {Vorhut 1))    10         7
    Verbndete {Mitte          ?        12
               {Nachhut        ?        11
                            -----------------
                               ?        30

  88 Linienschiffe ber 50 K.; 30 Brander; 6756 Geschtze; 38-39000 Mann.

           Schiffe von 90-b. b. 100 K. 80-90 70-80 60-70 50-60 26-46 4)

              {Vorhut          2          1     2    10    --
    Franzosen {Mitte           3          3     2     4
              {Nachhut         1          1     4     5     3
                            --------------------------------------------
                               6(9) 5))   5(6)  8(8) 19(16) 7(5)

           Schiffe          kleinere  Brander

              {Vorhut               }
    Franzosen {Mitte           ?    }   13
              {Nachhut              }
                            -----------------
                                        13

  45(44) Linienschiffe ber 50 K.; 13 Brander; 3083(3248) Geschtze;
  (21400) Mann.

  1) Vorhut der Verbndeten das hollndische Kontingent.

  2) Darunter 5 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen.

  3) Darunter 1 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen.

  Es ist bemerkenswert, da in allen Quellen die englischen Schiffe
  gleichstark armiert angegeben werden: zu 100, 90, 80, 70 usw. Kanonen;
  also scheinbar sehr gleichmig.

  4) Nicht in der Linie; vielleicht nur bei den Hollndern einige ber
     40 Kanonen.

  5) Die eingeklammerten Zahlen nach de Jonge; die Hauptzahlen nach
     Troude.

  [241] Nach de Jonge, Teil III, Beilage XV; Clowes, Teil II; Troude,
        Teil I; Bonfils, Teil I; Delarbre. Mit Ausnahme de Jonges geben
        diese Quellen die Namen der Schiffe und der Kommandanten.

  =Die Flaggoffiziere=:

  =Verbndete=   I. Division        II. Division         III. Division

  Vorhut:  V.-Adm. Callenburgh      Lt.-Adm. v. Almonde  V.-Adm.
                                                            v. d. Putte
             (1. Kontreadm.)           (1. Kontreadm.)    (1. Kontreadm.)
  Mitte:   V.-Adm. Sir R. Delaval   =Adm. Russell=       K.-Adm.
                                                            Sir C. Shovel
  Nachhut: V.-Adm. Rooke            Adm. Sir J. Ashby    K.-Adm. Carteret

  =Franzosen=
  Vorhut:  Chef d'Esc. de Nesmond   Lt.-Gen. d'Amfreville  Chef d'Esc.
                                                              de Relingue

  Mitte:   Lt.-Gen. de Villette     V.-Adm. =Tourville=     "
                                                              de Langeron

  Nachhut: Chef d'Esc. de Cotlogon Lt.-Gen. de Gabaret     "
                                                              Pannetier

Die Verbndeten waren also mindestens doppelt so stark als die Franzosen.
Sie waren erstaunt ber den Angriff; viele Offiziere, namentlich
hollndische, sollen in dem Augenblick der Ansicht gewesen sein,
Tourville msse begrndete berzeugung haben, da ein Teil der englischen
Schiffe zu ihm bergehen wrde. Nach Bonfils fragte Almonde bei Delaval
an, ob er sich auf die Englnder verlassen knne; dieser antwortete: Ich
wei nicht, worauf sich der Verdacht grndet, kann aber fr mich
einstehen.

Es ist von lteren und neueren Autoren viel darber geschrieben =weshalb
Tourville= unter solchen Umstnden =den Kampf suchte=, den er doch bei
seiner Luvstellung vermeiden konnte. Alle Auslassungen hierber abwgend,
mu ich mich der Ansicht anschlieen, die immer die meistverbreitete
gewesen ist: Tourville hat blindlings nach der ersten, der einzigen ihm
zugegangenen, Instruktion gehandelt, und zwar nach folgendem Satze in
dieser[242]: En cas qu'il (der Admiral) les (die Feinde) rencontre  la
Hogue (auf dem Wege, den Transport abzuholen), Sa Majest veut, qu'il les
combatte en quelque nombre qu'ils soient, qu'il les poursuive jusque dans
leurs ports usw.

  [242] Delarbre Tourville, Seite 197.

Er wurde darin bestrkt dadurch, da er die Zahl der Feinde
unterschtzte, da er glaubte, nur auf die englische oder nur auf die
hollndische Flotte gestoen zu sein -- er konnte die Strke bis dicht
vor dem Zusammensto nicht feststellen, da es neblig war -- und da er
mit der Unzuverlssigkeit eines Teils der Englnder rechnete. Von allen
Vernderungen in der Lage der Dinge hatte er ja keine Nachricht; dagegen
zog er aber auch nicht in Erwgung, da der ihm gegebene Befehl mit 70,
ja selbst ohne das Mittelmeergeschwader doch mit nahe an 60 franzsischen
Linienschiffen gerechnet hatte. Er frchtete vielleicht auch, da ein
Ausweichen niederdrckend fr den Geist auf der eigenen, aufmunternd fr
den auf der anderen Seite sein wrde. Als sicher aber kann man annehmen,
da seine eigene Gemtsverfassung eine groe Rolle bei dem Entschlusse
gespielt hat: Sein vorsichtiges Verhalten 1690 und 1691 war von leitender
Stelle herb beurteilt. Als er in diesem Jahre Bedenken in Hinsicht auf
seine Instruktion geuert hatte, da die Zeit unbenutzt verflo und seine
Flotte so schwach blieb, ergingen hnliche krnkende Antworten; so
schrieb Pontchartrin[243] z. B.: Es ist Ihre Pflicht zu gehorchen,
nicht die Befehle zu diskutieren, sonst wird man einen gehorsameren und
weniger behutsamen(!) Mann finden. Er wute, da man dem Knig nahe
gelegt hatte, ihm (Tourville) fehle der Mut -- man denke an den
eigenhndigen Zusatz des Knigs unter der Instruktion --; so glaubte er,
es seiner Ehre schuldig zu sein, dem Befehle dem Wortlaute gem und ohne
weitere berlegung nachzukommen. Persnlich mutig war er, doch hatte ja
schon Seignelay von ihm gesagt, er wage nicht, groe Verantwortung zu
bernehmen (Poltron de tte); eine solche Verantwortung war hier, von dem
Buchstaben des Befehls abzuweichen.

  [243] Chab.-Arnault, Seite 94.

  Im Mahan, Teil I, Seite 184 steht -- allerdings nur in einer Anmerkung
  --, da nach einem neueren franzsischen Schriftsteller de Crisenoy die
  Instruktion, wenn auch fr gewisse Verhltnisse bindend, Tourville doch
  nicht gezwungen htte, unter solchen Umstnden wie am 29. Mai zu
  fechten (Clowes deutet hnliches an). Meines Wissens ist die Schrift
  Crisenoys nicht neuer als die Biographie Tourvilles von Delarbre, und
  dieser gibt nur die frher im Auszuge gebrachte Instruktion, nach der
  ein Ausweichen allein unter bestimmten Umstnden nach erfolgreicher
  Landung erlaubt war.

  In Betreff eines anderen Punktes scheint Crisenoy recht zu haben. Die
  meisten bisherigen Schilderungen sagen nmlich, vor der Schlacht habe
  Tourville seine Admirale zusammengerufen und gefragt, ob man fechten
  drfe. Als alle dieses verneinten, habe er die Order des Knigs gezeigt
  und nun htten alle mit Vive le roi (die Szene wird sehr dramatisch
  geschildert) dem Entschlusse Tourvilles zugestimmt. Crisenoy verweist
  diesen ganzen Kriegsrat in das Gebiet der Fabel und auch Delarbre sagt
  nach den Memoiren Bonrepaus': Tourville griff an wie ein Rasender,
  ohne einen Kriegsrat zu versammeln, wie es doch bei solchen
  Gelegenheiten der Brauch ist.

In der $Schilderung der Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692$, weichen
die Quellen sehr voneinander ab. Englische geben meist nur den Anfang,
spter einige Momente; sie sagen, ein Festlegen des Verlaufes sonst sei
schon zu jenen Zeiten des diesigen Wetters, zuweilen vlligen Nebels
wegen nicht mglich gewesen; es wird dies seine Richtigkeit haben. Die
genaueste Schilderung fand ich im Delarbre (nach Sue); ich gebe
diese,[244] da sich die Angaben der anderen im allgemeinen damit wohl in
bereinstimmung bringen lassen. Sues Schilderung mag gefrbt sein, aber
auch aus den brigen ist zu ersehen, da sich die Franzosen ausgezeichnet
geschlagen haben und von allen ihren Fhrern gut geleitet sind; sie
htten sich sonst auch nicht so aus ihrer verzweifelten Lage ziehen
knnen, wie sie es taten.

  [244] Zustze nach anderen Quellen gebe ich in [--], besonders nach
        Clowes und de Jonge, weitere Hauptquellen sind Bonfils; Troude.
        Kurz in Mahan, Teil I.

  [Russell lag die Nacht vom 28. auf 29. Mai ber Backbord-Bug, Kurs
  Sdsdost, nach der franzsischen Kste zu; Wind Sdwest, nebelig. Um 3
  Uhr frh hrte man Schsse der Vorposten im Westen, bald meldeten zwei
  das Nahen des Feindes.] Mit Sonnenaufgang sichteten sich die Gegner auf
  etwa 21 Seemeilen. Tourville konnte die Zahl der Feinde nicht genau
  feststellen, setzte seinen Kurs mit raumen Winde fort und entschlo
  sich, auch als er den Feind zhlen konnte, doch zum Angriff. Russell
  erwartete ihn beigedreht. Da es flau war, ging die Annherung nur
  langsam vor sich; beide Gegner benutzten die Zeit zum Ausrichten, so
  da vor dem Zusammensto die Gefechtslinien recht gut formiert waren,
  soweit es auf franzsischer Seite der Angriff und auf
  englisch-hollndischer Seite der flaue Wind gestatteten.

  Der Angriff war im allgemeinen, wie blich, Geschwader auf Geschwader
  angesetzt, wurde aber nicht genau so durchgefhrt. Tourville steuerte
  direkt auf Russell zu und somit Mitte auf Mitte beider Gefechtslinien.
  Die erste Division der Vorhut (Nesmond) aber segelte auf die vordersten
  Schiffe der feindlichen Vorhut (Callenburgh) zu, um zu verhindern, da
  diese bei der bedeutend lngeren Linie der Verbndeten ohne Gegner
  blieben und imstande wren, die franzsische Spitze zu dublieren. [In
  der Tat hatten die Hollnder den Befehl, dieses sofort anzustreben.]
  Dadurch entstand eine Lcke zwischen der I. Division (Nesmond) und der
  II. (d'Amfreville), namentlich aber auch eine solche zwischen der III.
  der Vorhut (Relingue) und der I. der Mitte (de Villette), und es war
  die Gefahr vorhanden, da die III. Division der Hollnder (v. d. Putte)
  bei nherem Herangehen ohne Gegner bleiben, durch diese Lcke
  durchbrechen und die franzsische Vorhut von achtern oder die
  franzsische Mitte von vorn dublieren wrde; standen in den
  Gesamtvorhuten doch nur 15 (14?) Schiffe der Franzosen, 26 der
  Hollnder gegenber. D'Amfreville hielt sich deshalb sehr richtig mit
  seiner II. und III. Division weiter ab, um einem solchen Manver stets
  von Luward her entgegentreten zu knnen. [Er erweiterte auch die
  Abstnde zwischen den einzelnen Schiffen, um seine Linie zu
  verlngern.] Von der franzsischen Nachhut war die III. Division
  (Pannetier) -- wie so oft bei dieser Art Angriff, der ja stets etwas
  schrg angesetzt werden mu -- zurckgeblieben und konnte dies trotz
  Segelpressen nicht mehr ausgleichen. Die I. (Cotlogon) und II.
  (Gabaret) ihrer Divisionen hielten sich aber aufgeschlossen hinter der
  III. Division der Mitte; so kam es, da der grere Teil der
  englisch-hollndischen Nachhut keine Gegner erhielt -- standen doch
  auch in den Mitten nur 16 Franzosen 30 Englndern gegenber.

[Illustration: Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692.]

  Ungefhr um 10^{30} Uhr vormittags gingen die I. Division der Vorhut,
  die Mitte und die I. und II. der Nachhut quer ab vom Feinde an den
  Wind; kein Schu war bisher gefallen, jetzt scho ein Hollnder, und
  sofort entbrannte der allgemeine Kampf.

  Die franzsische Vorhut lste ihre Aufgabe vollkommen, allerdings auch
  durch die Windverhltnisse begnstigt. Sie hinderte sowohl das
  Dublieren von vorn wie das Durchbrechen vor der Mitte. Ihre I. Division
  hielt die feindliche Spitze im Schach; die brigen Hollnder versuchten
  zwar nher an ihre sich hoch am Winde haltenden Gegner heranzukommen,
  wurden aber durch die Flaute daran gehindert. [So kam nur ihre I.
  Division in heftiges Feuer, die II. (Almonde) nur auf weitere
  Entfernung, die III. (v. d. Putte) soll keinen Schu abgegeben oder
  erhalten haben.]

  Tourville war mit seinen drei Divisionen der Mitte auf 3/4
  Musketenschuweite (Pistolenschu) herangegangen. [Die beiden ersten
  Divisionen der Nachhut scheinen sich auch hnlich wie d'Amfreville
  richtigerweise etwas weiter abgehalten zu haben, um ein Dubliertwerden
  von achtern zu erschweren.] Der Kampf der Mitten war der heftigste,
  standen doch fast jedem Franzosen zwei Gegner gegenber; Tourville
  (Soleil Royal 104) focht mit Russell (Britannia 100) und dessen
  Vorder- und Hintermann (je 100). Es scheint hier jetzt schon die Melee
  teilweise eingetreten zu sein, da es ganz still wurde und die Gegner
  durcheinander trieben. [Nach etwa zwei Stunden versucht Soleil Royal
  sich durch Boote nach Westen abschleppen zu lassen, Russell folgt;
  Soleil Royal findet Untersttzung durch Schiffe Cotlogons.]

  Um 2 Uhr nachmittags kam etwas Nordwestwind auf. Diesen benutzten die
  nicht angegriffenen Schiffe der englischen Nachhut -- etwa 25 --, die
  bisher infolge der Stille auch ihrerseits nicht imstande gewesen waren,
  einzugreifen, um hinter der II. Division der franzsischen Nachhut
  vorzubrechen. Sie gingen aber nicht zu Luward der kmpfenden Linie, um
  die Franzosen von achtern zu dublieren, was ihnen mglich gewesen wre,
  sondern sie versuchten, an die noch immer zurckstehende Division
  Pannetier heranzukommen. Es gelang nicht, da Pannetier geschickt
  steuerte; er zog sie absichtlich hinter sich her, so da diese 25
  Schiffe bis 7 Uhr nachmittags weiter nutzlos blieben.

  In der Schilderung tritt nun eine Pause ein. [Um 3 Uhr nachmittags
  dichter Nebel und wieder still; allgemeine Unordnung, nur durch Zufall
  treffen sich die durcheinander treibenden Schiffe; um 5 Uhr nachmittags
  wird es klarer und etwas Wind aus Ost; man sieht die Franzosen westlich
  steuern, teilweise durch Boote geschleppt. Russell gibt Signal zum
  Folgen, kurze Zeit neuer Kampf.] Auch die Zeitangaben schwanken;
  Delarbre fhrt erst mit 7 Uhr nachmittags fort. Um diese Zeit
  erscheinen einige der englischen Schiffe, die Pannetier gefolgt waren,
  zu Luward der Franzosen und ankern hier. Tourville in groer Bedrngnis
  wird wieder von Cotlogon untersttzt, auch Gabaret kommt heran; also
  vllige Melee der Mitten und der Nachhuten. Jetzt etwa setzte die Flut
  ein; Tourville lie ankern, wie es die zu Luward angekommenen Englnder
  getan hatten. Auch die franzsische Vorhut ankerte; sie hatte bis dahin
  ihre Stellung gegen die Hollnder gehalten und hielt sie so weiter,
  jedoch jetzt ohne Kampf. Die englischen Schiffe in Lee der Franzosen
  (Russell usw.) ankerten zu spt, so da sie auer Schuweite trieben.
  Dennoch kam Tourville nochmals in arge Bedrngnis, als es um 8.^{30}
  Uhr abends wieder aufklrte und der Kampf -- zu Anker und durcheinander
  treibend -- nochmals bei Mondschein entbrannte. Auch Shovel war es
  geglckt, mit einigen seiner Schiffe zu Luward zu kommen. Er schickte
  fnf Brander gegen Tourville, die nur mit Mhe abgeschlagen wurden
  (zwei durch Boote; einmal kappte Tourville). Sonst aber waren die zu
  Luward stehenden Englnder jetzt im Nachteil, da der Feind in Lee nicht
  mehr bedrngt wurde; aus Furcht, bei aufkommendem Winde gefhrdet zu
  sein, kappten sie und lieen sich durch die Feinde zur eigenen Flotte
  treiben, wobei sie enfilierend arg beschossen wurden. Zwischen 9 und 10
  Uhr abends wurde es wieder ganz dick und die Schacht war beendet.
  [Englische und hollndische Quellen erwhnen ein Ankern whrend des
  Kampfes nicht; sie sagen, beide Flotten ankerten bei dem letzten Nebel
  und die Schiffe zu Luward lieen sich dann durchtreiben; doch heben
  alle franzsischen Berichte, die unmittelbar nach der Schlacht
  aufgesetzt sind, gerade das Ankern hervor.]

In dem zehnstndigen Kampfe gegen die ungeheure bermacht verloren die
Franzosen kein Schiff, keines war vllig auer Gefecht gesetzt; die
Verbndeten sollen, nach Aussage franzsischer Offiziere, zwei Schiffe
verloren haben, jedenfalls verbrauchten sie mehrere Brander ohne Erfolg.
Keiner der franzsischen Fhrer hat einen wesentlichen Fehler gemacht,
tchtig haben sie sich gegenseitig untersttzt; die richtige Verwendung
der Vorhut hinderte ein Dublieren von vorn; auf seiten der Verbndeten
mu man doch wohl das Verfolgen Pannetiers als Fehler bezeichnen.

  Clowes, also ein englisches Urteil, sagt: Russell verdient Anerkennung
  fr das rechtzeitige Zusammenziehen der Flotte; in der Schlacht und in
  der Verfolgung konnte er kaum weniger leisten. Er gewann einen
  wichtigen aber keinen glorreichen Sieg. Tourville verlor nur wenig von
  seinem Ruf; Russell gewann nicht mehr.

  Auch Ludwig erkannte Tourvilles Verdienst an, indem er sagte: Ein
  Glck, da Tourville gerettet ist; Schiffe lassen sich wieder bauen.
  Er ernannte ihn zehn Monate nach der Schlacht zum Marschall; wohl ein
  Beweis, da der Admiral nach seinem Sinne gehandelt hatte.

Die Schlacht bleibt eine glorreiche Tat fr Tourville und die
franzsische Marine, wenn auch ihre unmittelbaren Folgen verhngnisvoll
wurden.

$Die Vernichtung vieler Schiffe bei La Hogue und Cherbourg.$ Am 30. Mai 1
Uhr vormittags kam leichter Ostnordost auf. =Tourville= gab Befehl zum
Ankerlichten und die Schiffe sammelten sich bei dem nchsten
Geschwaderchef: bei Tourville 8, bei Villette 15, bei d'Amfreville 12. Um
7 Uhr nachmittags vereinigten sich die Admirale, nun also 35
Linienschiffe stark; von den fehlenden 9 waren 6 unter Nesmond nach La
Hogue und 3 unter Gabaret nach der Kste Englands gegangen; diese drei
erreichten wohlbehalten Brest.

=Russell= hatte mit Einsetzen der Ebbe gleichfalls Anker gelichtet und
allgemeine Verfolgung befohlen. Am 30. Mai blieben sich die Flotten in
Sicht -- ankerten whrend der Flut --, kamen aber nicht auf
Gefechtsdistanz, sondern blieben etwa 3 Seemeilen auseinander.
=Tourville= bemerkte jedoch, da die Verbndeten nach und nach aufkamen,
er beschlo deshalb, von dem Rckzuge nach Brest zunchst abzusehen und
die bessere Kenntnis der Strom- und Kstenverhltnisse zu benutzen, um
sich dem Gegner zu entziehen. Er wollte =durch den Blanchard-Kanal= --
zwischen dem Festlande und den Inseln d'Aurigny (Aldernay) und Jersey --
unter die Kste der Normandie laufen und nahm an, da die Verbndeten die
schwierige Passage scheuen wrden, der starke Strom, der in diesem Kanal
luft, wrde ihm dann schnell einen groen Vorsprung gegeben haben. Aber
er beging einen groen Fehler dabei. Sein Flaggschiff Soleil Royal, das
er fr seine Person verlassen hatte, und zwei andere groe Schiffe waren
schwer beschdigt; sie hielten die Flotte auf und der Admiral wagte
nicht, die Verantwortung zu bernehmen, jene allein einen Zufluchtsort
aufsuchen zu lassen. Infolge des Wartens auf sie stimmten beim Einlaufen
in den Kanal (31. Mai, morgens) die Stromverhltnisse nicht mehr; zwar
gelang es 12 Schiffen noch mit der Ebbe den Kanal zu passieren, aber 13
-- unter ihnen der l'Ambitieux, auf dem sich Tourville jetzt befand --
waren gentigt, beim Einsetzen der Flut im Kanal zu ankern. Die Lotsen
whlten einen ungnstigen Platz; die Anker hielten nicht oder die Taue
brachen; da im Gefecht verschiedentlich gekappt war, besaen manche
Schiffe nur noch ungengendes Ankergeschirr. Der Admiral mute mit den 13
Schiffen zurckgehen und beschlo nun, auf der Rhede von La Hogue, wo
einige Batterien aufgeworfen waren, mglichst dicht unter Land Schutz zu
suchen; auf dem Wege dahin schickte er jetzt die 3 beschdigten Schiffe
in den Hafen von Cherbourg, den sie auch erreichten. Er ankerte am 31.
abends auf der Rhede und fand hier 2 Schiffe de Nesmonds vor; die 4
anderen Schiffe dieses Admirals waren soeben kanalaufwrts gesegelt und
gelangten um Schottland herum glcklich nach Brest.

=Russell= war tatschlich vor dem Blanchard-Kanal geblieben. Er sandte
nun Ashby mit der Nachhut und einigen Hollndern westlich um die
Kanalinseln herum zur Verfolgung der Schiffe, denen die Durchfahrt
geglckt war, doch entkamen sie unbelstigt nach St. Malo; er selbst
folgte Tourville, schickte Delaval nach Cherbourg, und es gelang, die 12
Schiffe vor La Hogue (unter den Augen Jakobs) und die 3 in Cherbourg zu
vernichten.[245]

  [245] In Delarbre Tourville findet man die genauen englischen,
        hollndischen und franzsischen Berichte.

  =Delaval= griff am 31. die 3 Schiffe vor =Cherbourg=, damals noch ohne
  Wellenbrecher und ohne Hafen, mit kleineren Linienschiffen und Brandern
  an, wurde aber durch heftiges Feuer abgeschlagen. Am 1. Juni gelang es,
  gedeckt durch Feuer der Linienschiffe mit Booten 2 Brander
  heranzubringen; ein dritter wurde durch das feindliche Feuer zu frh
  entzndet, doch steckten die begleitenden Boote auch das dritte Schiff
  in Brand.

  =Tourville= war auf der Rhede von =La Hogue= mit Jakob und den Fhrern
  des Heeres in Verbindung getreten; man hatte beschlossen, die
  Kriegsschiffe auf das uerste zu verteidigen, sowie mglichst
  Mannschaften, Material und Munition zu retten. Die Schiffe wurden bei
  Flut mit Leinen von Land in der Nhe zweier Forts mglichst hoch auf
  den Strand geholt und man begann mit Lschen von Material usw. Um sie
  gegen Brander- und Bootsangriffe besser schtzen zu knnen, wurden alle
  ihre Boote sowie Fahrzeuge von Land mit Matrosen besetzt, am Lande
  Batterien gebaut und die Truppen zusammengezogen. Aber die Zeit war nur
  kurz, groe Unordnung herrschte, einheitliche Leitung fehlte; nach
  einem hochgestellten Augenzeugen soll Tourville den Kopf verloren
  haben. Russell beauftragte =Rooke= mit dem Angriff. Am 2. Juni
  versuchte dieser auch hier, mit leichteren Linienschiffen Brander an
  eine Gruppe von 6 Schiffen heranzufhren; es milang, da das Wasser zu
  flach war; auch ein Versuch, die Brander mit Booten heranzuschleppen,
  blieb fruchtlos. Darauf wurden bei Eintritt der Nacht gegen 200 Boote
  armiert, die feindlichen Boote zurckgeschlagen, die Schiffe geentert
  und angezndet; in den Bootskampf auf seichtem Wasser sollen selbst
  franzsische Reiter eingegriffen haben. Am 3. vormittags wurde,
  wiederum mit Booten, die andere Gruppe von Schiffen unter dem zweiten
  Fort vernichtet, auch einige Transporter fielen zum Opfer. Noch im
  Jahre 1833 waren die Spanten der vernichteten Schiffe zu sehen; bei
  niedrigem Wasser sind damals verschiedene berreste geborgen und ins
  Pariser Marinemuseum geschafft worden.

Der Verlust dieser 15 Linienschiffe, worunter viele der strksten, war
aber kaum die wichtigste Folge der Schlacht: er wre bei der groen Zahl
der vorhandenen Schiffe zu ertragen gewesen und wurde auch zum groen
Teil durch Neubau ersetzt. Der Eindruck, den die Niederlage auf die an
Ludwigs Erfolge gewhnte ffentliche Meinung und auch an leitender Stelle
hervorbrachte, war bedeutsamer. Eine volkstmliche Waffe war die Marine
in Frankreich noch nicht geworden, und wir haben schon gehrt, da
Pontchartrin und andere nicht viel von ihr hielten. Jetzt drang die
Ansicht dieser Personen, den Krieg zur See nur gegen den feindlichen
Handel zu fhren, mehr durch und der Marine wurde immer weniger Sorge
zugewendet; =die franzsische Flotte trat den feindlichen nicht mehr
entgegen=. Zunchst hren wir in diesem Jahre gar nichts mehr von ihr;
vielen Mannschaften wurde erlaubt, auf Freibeutern zu dienen, die
gesammelten Transporter wurden teilweise als solche verwendet und der
kleine Krieg blhte.

Aber auch die =Verbndeten= blieben unttig. Nach den letzten Vorfllen
ging das Gros ihrer Flotte zum Instandsetzen nach Wight. Ein kleineres
gemischtes Geschwader unter Ashby und Callenburgh kreuzte noch an der
Kste, um etwa versprengte Franzosen oder die nach St. Malo geretteten
auf ihrem Wege nach Brest abzufangen; es ging auch nach Havre, wo man die
Schiffe Nesmonds vermutete, fand diese jedoch -- wie wir wissen -- nicht
und wagte auch nicht, etwas gegen die Transporter dort zu unternehmen;
dann vereinigte es sich wieder mit dem Gros. Dieses lief am 28. Juni
wieder aus, teilte sich in zwei Teile, von denen der eine westlich im
Kanal gegen die St. Malo-Schiffe kreuzte, der andere stlich, um die
Verbindung zwischen England und Holland zu sichern.

  Nach Colomb (Seite 268) waren die englischen Seeoffiziere der Ansicht,
  ohne einen gleichzeitigen Landangriff nichts gegen die in St. Malo
  geborgenen franzsischen Schiffe unternehmen zu knnen; es gelang
  diesen, spter unbewacht, nach Brest durchzukommen.

Die englisch-hollndische Flotte beherrschte also den Kanal und es wurde
auch wieder der Plan einer Landung in Frankreich ins Auge gefat. Truppen
wurden bei Portsmouth versammelt und Anfang August mit der Einschiffung
auf der dort wieder vereinigten Flotte begonnen. Der Plan kam aber
nicht zur Ausfhrung: Befehle und Gegenbefehle von London,
Kriegsratsversammlungen der Armee und Marine verzgerten die Manahmen;
endlich erachtete man die Jahreszeit fr die schweren Schiffe zu weit
vorgeschritten; hollndische Quellen deuten wieder an, da Russell an der
Verzgerung schuld gewesen sei. (Er habe zu denen gehrt, die es durch
Entfaltung zu groen Eifers nicht ganz mit Jakob verderben wollten.) Das
Ergebnis war die berfhrung einiger englischer Truppen nach Holland.
Gegen die immer zahlreicher auftretenden Freibeuter des Feindes hatte man
auch keine ernste Maregeln ergreifen knnen, da man die Flotte --
schlielich unntz -- stets zusammengehalten hatte.

Im September wurden die schweren Schiffe abgerstet, andere kreuzten noch
im Kanal, bis endlich die Flotte auf die kleinen Wintergeschwader
vermindert wurde.

$Die Ereignisse der Jahre 1693-1697.$ Whrend der weiteren Kriegsjahre
fhrten =die Franzosen=, wie schon mehrfach erwhnt, den Krieg in der
Hauptsache nur gegen den feindlichen Handel, besonders in den nrdlichen
Gewssern. Wenn auch zuweilen noch grere Flotten zusammengezogen wurden
-- im Jahre 1693 sogar noch eine solche von 70 Linienschiffen, aber auch
nur um einen groen Schlag gegen den feindlichen Handel in fhren --, so
versuchten diese doch nicht mehr, dem Feinde die Seeherrschaft streitig
zu machen. Im Mittelmeer wurden wie bisher stets noch etwas strkere
Geschwader im Dienst gehalten, um an den Ksten im Landkriege zu wirken;
im Atlantik waren die Streitkrfte meistens in kleineren Divisionen auf
die verschiedenen Hfen verteilt, um diese zu schtzen und von ihnen aus
gegen die feindlichen Handelsfahrzeuge zu kreuzen. Der Kreuzerkrieg wurde
dabei durch die vom Staate in jeder Hinsicht untersttzte Freibeuterei
ungemein verstrkt; je weniger Pflege der Marine im Laufe der kommenden
Jahre zuteil wurde -- wegen Geldmangels, und wegen fehlenden Interesses
an magebender Stelle --, um so mehr entwickelte sich die Freibeuterei.

Die Ttigkeit der =englisch-hollndischen Flotten= uerte sich nach drei
Richtungen: Unternehmungen gegen franzsische Kstenstdte, um hierdurch
auf den Landkrieg einzuwirken; Untersttzung des Landkrieges in Spanien;
Schutz des eigenen Handels. Mit den Angriffen auf die Kstenstdte
beabsichtigte man in den meisten Fllen und hauptschlich, den
Kreuzerkrieg des Gegners in seinen Sttzpunkten anzugreifen. Um die
Gesamtrstungen der Verbndeten in diesen Jahren richtig beurteilen zu
knnen, sei vorausgeschickt, da neben den Hauptflotten, deren Ttigkeit
uns zunchst beschftigt, stets ein starkes Geschwader -- bis zu 20
Linienschiffen -- gegen Dnkirchen aufgestellt war.

$Das Jahr 1693$ zeigt uns die =Kriegfhrung der Verbndeten= in einem
sehr trben Lichte. Unentschlossenheit an leitender Stelle in England --
schon Ende 1692 bemerkbar --, der Zustand der Verwaltung in der Marine
hier und Uneinigkeit in der Fhrung der Flotte lieen es nicht nur zu
keinerlei Erfolg kommen, sondern fhrten sogar einen groen Verlust
herbei.

Im Oktober 1692 war von England und Holland =mit Spanien ein Vertrag=
abgeschlossen, wonach die schwachen spanischen Seestreitkrfte durch
englisch-hollndische verstrkt werden sollten, um den Angriffen der
Franzosen auf die spanischen Ksten sowie der Bedrohung der Silberflotten
entgegenzutreten; England und Holland gedachten dadurch auch ihren
Mittelmeerhandel zu sichern und einer Vereinigung der Flotten von Brest
und Toulon stets vorzubeugen.

  Nach dem Vertrage sollte Spanien 16 Linienschiffe und 25 Galeren
  stellen, England und Holland je die gleiche Zahl Schlachtschiffe;
  Spanien sollte in einem seiner Hfen Magazine einrumen, damit die
  Verbndeten sich einen Sttzpunkt schaffen knnten. Dieser Vertrag
  blieb grundlegend fr sptere whrend des ganzen Krieges, doch wurde
  Spanien bald lau in der Erfllung seiner Pflicht.

Das schwache Spanien kam zunchst seiner Pflicht nach, die Verbndeten
nicht. Zwar wurden schon im Mrz Schiffe zu diesem Zwecke bestimmt -- 4
Hollnder, 11 Englnder --, aber sie kamen nicht fort. Befehle wechselten
mit Gegenbefehlen. Erst sollte das Geschwader auf Kauffahrer warten, dann
hielt man es fr nicht stark genug den Franzosen in Toulon gegenber und
endlich wollten die Rhedereien ihm ihre Schiffe nicht anvertrauen.

Auer diesem Mittelmeergeschwader war die Indienststellung einer ebenso
groen Hauptflotte wie im Jahre 1692 beschlossen, weil man wute, da
auch die Franzosen stark rsteten. Von Mitte April an sammelte sich
diese Flotte bei Wight und bestand bald aus 76 Linienschiffen (46
Englnder, 30 Hollnder). Russell war seines Postens enthoben worden
(Differenzen wegen La Hogue), das Kommando fhrten 3 =Jointadmirals= --
Killigrew, Shovel, Delaval -- =auf einem Flaggschiff=, das hollndische
Kontingent kommandierte =Almonde=; aus den angedeuteten Grnden lag die
Flotte wochenlang unttig und auch wohl teilweise unfertig auf der Rhede
von St. Helens.

In =Frankreich= hatte man tatschlich stark gerstet, und zwar dem neuen
Plane gem, den Kampf nur gegen den Handel zu fhren, zu
einem besonderen Zwecke: dem Abfangen des jhrlichen groen
englisch-hollndischen Levanteconvois bei seiner Ausreise, der ja auch
1691 auf seiner Heimreise Tourville als Hauptangriffsobjekt bezeichnet
war. Wieder unter =Tourville= waren in Brest 71 Linienschiffe
zusammengezogen; in Toulon wurden etwa 20 Linienschiffe unter d'Estres
gegen Spanien in Dienst gestellt.

Wie stets bisher, war man in Frankreich durch Spione und Parteignger
Jakobs ber alle Vorgnge in England gut unterrichtet. So erhielt man
auch jetzt rechtzeitig Nachricht, als die Abfahrt des Convois bevorstand,
und Tourville wurde sofort in See gesandt, obgleich die Flotte noch
unvollkommen ausgerstet war, um ihn in der Strae von Gibraltar zu
erwarten. In England hatte man sich endlich entschlossen, den Convoi mit
dem fr das Mittelmeer bestimmten Geschwader segeln zu lassen, da man
aber die Strke der Franzosen in Brest kannte, wurde bestimmt, da die
Hauptflotte bis in den Atlantik mitgehen solle; zu einem rechtzeitigen
Festhalten Tourvilles in Brest war sie nicht fertig geworden.

Am 9. Juni verlie alles Wight; der Convoi war an 400 Segel stark. Am 14.
Juni, etwa 36 Seemeilen sdwestlich von Ouessant, wurden die fr
Westindien und andere transatlantische Gewsser bestimmten Schiffe mit
den blichen kleinen Bedeckungen entlassen, die Hauptflotte kehrte in den
Kanal zurck; =das Mittelmeergeschwader= unter =Admiral Rooke= (Hollnder
unter van der Goes) setzte mit den Kauffahrern fr Portugal, Spanien und
Mittelmeer die Reise fort.

Auf der Hauptflotte wute man nichts von dem vierzehn Tage vorher
erfolgten Auslaufen Tourvilles. Dieser kaum zu verstehende Fehler wird
mit einer Nachlssigkeit im englischen Ministerium erklrt: Nottingham
hatte vor Abgang der Flotte einen Brief erhalten, der Tourvilles
Auslaufen meldete; er sandte die der Nachricht angeschlossene Liste der
franzsischen Schiffe an die drei Admirale, der Brief selbst aber wurde
vergessen beizulegen. Der Fhrung der Flotte ist aber doch wohl
vorzuwerfen, da sie nicht erkunden lie, ob Tourville noch in Brest sei.
Htte man gewut, da die Franzosen in See waren, so wrde doch die
Hauptflotte bis zum Mittelmeer mitgegangen sein; so wurde der $Angriff
Tourvilles auf den Smyrnaconvoi vor Lagos$ am 27. Juni 1693 ein groer
Erfolg.

  =Rooke= entlie an der portugiesischen Kste die nach Lissabon
  bestimmten Kauffahrer mit einigen Kriegsschiffen, die spter wieder zu
  ihm stoen sollten; er war so nur 15 Linienschiffe ber 50 Kanonen,
  etwa 10 leichtere Schiffe, 4 Brander und 2 Mrserboote stark, der
  Convoi zhlte noch 130-140 Segel. Anstatt nun gleich in Portugal
  Nachrichten einzuziehen, steuerte er zunchst von der Kste ab und
  machte erst am 26. Juni Land bei St. Vincent. (Nur ein leichtes
  Fahrzeug hatte er nach Lagos vorausgesandt; es kam nicht zurck, da es
  unter der Kste bekalmt wurde.) Jetzt meldeten seine Vorposten einige
  franzsische Schiffe im Sden -- es waren die Vorposten Tourvilles --;
  da diese sich aber zurckzogen und der nrdliche Wind gnstig war,
  wurde die Fahrt fortgesetzt. Mit Tagesgrauen am 27. bekam man 10
  Linienschiffe und einige kleinere Segel in Sicht; auf einen Angriff
  gingen auch diese zurck; ein kleines Fahrzeug wurde genommen und sagte
  aus, Tourville sei allerdings unter der spanischen Kste, aber nur mit
  15 Linienschiffen, einen Transport nach Toulon geleitend. Um 10 Uhr
  vormittags aber sichtete man den Feind berall: voraus 18
  Kriegsschiffe, zu Luward 16 (Gabaret) und weiter ab in Lee 40
  (Tourville selbst), die ganze Flotte von Brest.

  =Tourville= war am 27. Mai mit 71 Linienschiffen, 4 kleineren
  Fahrzeugen und 35 Brandern in See und geradeswegs nach Lagos gegangen.
  (Hier soll er nach Bericht des hollndischen Gesandten in Lissabon
  unter englischen und hollndischen Flaggen gelegen haben.) Von hier
  hatte er sofort zwei starke Geschwader der besten Segler -- eben die
  genannten 18 und 16 Linienschiffe -- zum Kreuzen bei Kap St. Vincent
  entsandt. Er =hatte den Befehl=: den Convoi abzufangen, aber ein
  Gefecht zu vermeiden, wenn der Feind viel strker wre; an der
  spanisch-portugiesischen Kste bis Anfang September zu bleiben, aber
  auch Unternehmungen gegen die franzsische Kste entgegenzutreten (vgl.
  seinen Auftrag 1691; der jetzige war wohl noch schwieriger). Als nun
  Rooke am 27. in Sicht kam, hielt sich Tourville zunchst zurck, um
  ausweichen zu knnen, falls es die Hauptflotte der Verbndeten wre;
  sobald er aber erfahren hatte, da es der verhltnismig nur schwach
  bedeckte Convoi war, gab er den Befehl zum Angriff, vor allem dem am
  gnstigsten stehenden Geschwader Gabaret.

  =Rooke= war seit dem Sichten der feindlichen Vorposten am Morgen mit
  dem Geschwader, in dessen Linie einige der strksten Kauffahrer
  eingestellt waren, vor dem Convoi gesegelt. Als er sah, da bei der
  Strke des Feinden ein Widerstand unmglich war, formierte er die
  Gefechtslinie hoch am Winde mit einem Kurse nach See zu und gab an die
  Schiffe des Convois den Befehl, sich auf eigene Faust namentlich unter
  dem Schutze der Nacht zu bergen; den Schiffen unter Land wurde geraten,
  spanische Hfen aufzusuchen, den weiter in See befindlichen gewhrte
  das Geschwader vorlufig eine Deckung. Das vorderste franzsische
  Geschwader Gabaret, das aus den bestsegelnden Schiffen bestand, kam
  gegen Abend (6 Uhr nachmittags) an Rooke heran. Zwei hollndische
  Schiffe opferten sich, indem sie das Gefecht aufnahmen, nach Land zu
  wendeten und einen Teil der Feinde auf sich zogen; sie wurden nach
  hartnckigem Widerstande genommen; das brige Geschwader entzog sich
  whrend der Nacht dem Feinde. Am andern Morgen sah Rooke nur noch
  wenige Gegner, die bald von der Verfolgung abstanden; er erreichte mit
  dem Geschwader und etwa 50 Kauffahrern wohlbehalten Madeira.

  Es wird =Gabaret= der Vorwurf gemacht, da er das Geschwader
  angegriffen und dazu sogar seine vordersten Schiffe zurckgerufen habe,
  um erst die Gefechtslinie zu formieren, anstatt gleich an die
  Verfolgung und Vernichtung der verstreuten Kauffahrer zu gehen oder
  wenigstens durch die vordersten Schiffe das feindliche Geschwader
  rechtzeitig festhalten zu lassen.

  Einem zweiten Teile der franzsischen Flotte (wohl dem
  18-Schiffe-Geschwader) gelang es whrend der Nacht die unter Land
  segelnden Fahrzeuge des Convois zu umzingeln und am nchsten Tage zu
  nehmen oder zu zerstren; viele wurden durch die eigene Besatzung auf
  Strand gesetzt und versenkt oder verbrannt. An dieser Vernichtung
  beteiligten sich wahrscheinlich auch Schiffe des erst spter
  herangekommenen Gros. So gingen gegen 70 (90?) englisch-hollndische
  Kauffahrer -- mit einem Werte von einer Million Lstrl. -- verloren;
  einige wenige erreichten spanische Hfen. Der Verlust wrde
  voraussichtlich noch weit bedeutender gewesen sein, wenn Tourville
  nicht -- allerdings seiner Instruktion entsprechend -- das Gros seiner
  Flotte anfangs so vorsichtig zurckgehalten htte.

=Die Hauptflotte der Verbndeten= war nach der Trennung von dem Convoi
einige Tage vor dem Kanal geblieben, um Tourville in Brest zu beobachten,
bis man ber England von dessen Auslaufen Nachricht erhielt; nun ging sie
nach Torbay zurck (2. Juli dort), um Vorrte zu ergnzen und Befehle
einzuholen -- bezeichnend fr die Art der Ausrstung der (englischen)
Schiffe und fr die Leitung. Der hier zusammentretende Kriegsrat sah wohl
ein, da sofortiges Abgehen nach der spanischen Kste das richtigste sei,
um Tourville vor oder nach seinem Anschlage gegenberzutreten, aber erst
am 21. Juli war man seeklar und konnte wegen Gegenwindes gar erst am 27.
endgltig unter Segel gehen, nachdem nunmehr auch die Sprengung des
Convois bekannt geworden war. Die Flotte kreuzte wiederum vor Brest, die
Rckkehr Tourvilles erwartend, dann mute auch die Absicht aufgegeben
werden, weil die dorthin bestellten englischen Proviantschiffe
ausblieben. Die Flotte kehrte am 26. August nach Torbay, am 8. September
nach St. Helens zurck und wurde bald bis auf das Wintergeschwader -- in
diesem Jahre ziemlich stark, z. B. 18 hollndische Linienschiffe, aber
wie blich keine schweren -- aufgelegt.

  Die Unttigkeit der Flotte, insbesondere das Schicksal des Convois,
  legte die englische Nation (Haus der Gemeinen) den drei
  Oberbefehlshabern zur Last; in einer Untersuchung wurden sie aber
  freigesprochen, die Hauptschuld traf auch wohl die Leitung von London
  und die Verwaltung. Jointadmirale ernannte man aber nicht wieder, oder
  doch nur einmal unter ganz anderen Umstnden (einen Oberbefehlshaber
  fr die See- und einen fr die Landoperationen einer Expedition).

=Tourville= war nach der Vernichtung des Convois =ins Mittelmeer=
eingelaufen und hatte sich am 18. Juli vor Malaga mit dem
Toulon-Geschwader vereinigt. Er mute annehmen, im Atlantik jetzt der
weit strkeren Hauptflotte des Feindes zu begegnen; er bedurfte der
Ausrstung, da er ja Brest sehr eilig verlassen hatte, auch war so die
franzsische Seeherrschaft im Mittelmeer unbedingt gesichert. Die
spanische Kste entlang laufend, gelang es ihm noch, in Gibraltar (durch
Brander) und in Malaga (durch armierte Boote) einige englische und
hollndische Schiffe zu zerstren. Dann aber blieb die ganze, jetzt 94
Linienschiffe (190 Segel) starke Flotte unttig in Toulon liegen; Mitte
September kehrte der Admiral mit den Atlantik-Schiffen ungehindert nach
Brest zurck.

Von dem Jahre 1693 ist nur noch das $Bombardement von St. Malo$ zu
erwhnen. Von dieser Stadt aus wurde die Freibeuterei jetzt ebenso
erfolgreich betrieben wie von Dnkirchen. Ende November erschien hier ein
englisches Geschwader von Linienschiffen IV. Klasse, kleineren
Fahrzeugen, Brandern und Mrserbooten; ein besonders konstruierter
Brander war beigegeben.

  Dieser Brander -- =Machine oder Infernal= genannt; in England durch
  einen hollndischen Ingenieur Meesters konstruiert -- war ein altes
  Hafenfahrzeug von 350 tons mit ausgemauertem Boden, gefllt mit losem
  Pulver und solchem in Fssern, darber eine dicke Schicht von Pech,
  Harz, Werg und dgl. Alles war so gestaut, da eine Entzndung schnell
  um sich greifen mute; auf der deckenden Schicht lagen Brandgeschosse,
  Kugeln und Ketten.

  Stadt und Hafen von St. Malo waren gedeckt durch einige Forts auf
  kleinen Inseln. Das Geschwader ankerte am 26. November bei Cap Frhel,
  sandte schon nachmittags einige Mrserboote gegen das uerste Fort,
  vertrieb die Franzosen hier und errichtete eine Batterie. Am 27. wurden
  dann die brigen Befestigungen von hier aus und durch die Mrserboote
  beschossen; der Erfolg war jedoch gering infolge schlechter Munition
  (vgl. Seite 174), das Feuer wurde krftig erwidert, die Mrserboote und
  die sie deckenden Schiffe muten zurckgehen. In der Nacht vom 30.
  November bis 1. Dezember wurde der Infernal losgelassen. Bei glatter
  See und auflandigem Winde kam er bis auf 50 Schritt an die Stadtmauer
  heran, wurde nun aber durch eine Windvernderung auf einen Felsen
  geworfen und leck gestoen; entzndet, zerstrte er dennoch gegen 300
  Huser.

Es ist dies der erste Fall der Unternehmungen gegen franzsische Stdte.
Da sie keinen Einflu auf den Krieg hatten und nur die friedlichen
Einwohner schdigten, werden sie -- auch von englischen Autoren -- als
nutzlos und barbarisch bezeichnet. Man mu doch aber wohl die von den
englischen Quellen angefhrte Entschuldigung gelten lassen, da Ludwig
XIV. durch das Bombardement von Genua 1684 das Beispiel zu solchen
Unternehmungen gegeben habe, auch daran denken, da man in ihnen ein
wirksames Mittel gegen die sonst nicht niederzuhaltende Freibeuterei zu
finden hoffte.

Wenn wir im Jahre 1693 noch einmal eine groe franzsische Flotte sehen
und infolgedessen auch ein Zusammenhalten der Streitkrfte Englands und
Hollands, so treten jetzt von $1694$ an die Verhltnisse in der
Kriegfhrung, wie sie vorhin angedeutet sind, vllig ein. =Die Franzosen=
stellten im Atlantik etwa 50 Linienschiffe in Dienst, von denen einige
ins Mittelmeer gesandt, die anderen in kleinen Divisionen auf die Hfen
am Kanal und Atlantik verteilt wurden. Im Mittelmeer verfgte Tourville
so ber eine Flotte von etwa 20 Linienschiffen und die Galeren; er griff
von Anfang Mai an in den spanischen Landkrieg ein -- Eroberung von
Palamos; Belagerung von Barcelona --, in dem bekanntlich Ludwig in diesem
Jahre wieder krftig und, eben durch Untersttzung der Flotte, anfangs
auch erfolgreich vorging. Die Divisionen in den nrdlichen Gewssern
sollten nur zum Schutz der Kste und zum Kreuzerkriege dienen; jetzt
begann Frankreich, den feindlichen Handel ganz besonders heftig mit
kleinen Divisionen von Kriegsschiffen oder von Freibeutern anzugreifen.
Die =Verbndeten= hatten auch fr dieses Jahr stark gerstet und waren
jetzt in der Lage, ihre Streitkrfte fr die verschiedenen Aufgaben zu
teilen und den Spaniern die vertragsmige Hilfe zu bringen. Kurz seien
$die Operationen des Jahres 1694$[246] aufgefhrt.

  [246] Die (ungefhren) Angaben ber die Anzahl der Linienschiffe bei
        diesen sind aus de Jonge, Teil III, entnommen.

  Am 6. Januar ging ein gemeinsames =Geschwader= von 25 Linienschiffen
  unter Vizeadmiral =Wheeler= (die Hollnder unter Callenburgh) mit einem
  Convoi =nach dem Mittelmeer=. Es hatte den Befehl, die Levantefahrer
  des Convois bis Malta zu fhren, dann von Cadiz aus die Silberflotten
  zu sichern und spter zurckkehrende Levantefahrer heimzugeleiten. Am
  28. Februar verlor dieses Geschwader in einem schweren Sturm nahe bei
  Gibraltar 4 Linienschiffe, darunter das Flaggschiff mit dem Admiral;
  unter Callenburgh kehrte es nach Cadiz zurck, weil es ein
  Zusammentreffen mit der Toulonflotte frchtete, und war nicht einmal
  imstande, die von Brest abgegangenen franzsischen Schiffe (am 14. Mai
  bei Gibraltar) an ihrer Vereinigung mit Tourville zu hindern.

  Die =Hauptflotte der Verbndeten= unter =Russell= (Hollnder unter
  =Almonde=) begann sich im April zu sammeln. Im Mai wurde der Versuch
  gemacht, die von Brest nach Toulon bestimmten Schiffe festzuhalten; man
  kam zu spt, vernichtete aber einen feindlichen Convoi. Im Juni waren
  gegen 80 Linienschiffe bei St Helens vereinigt; es wurden jetzt (15.
  Juni) zwei Flotten formiert. =Russell selbst= ging mit 44
  Linienschiffen =zum Mittelmeer=, vereinigte sich am 11. Juli mit dem
  dort befindlichen Geschwader und war jetzt, da auch 10 Spanier
  hinzustieen, 75 Linienschiffe und 15 Brander stark. Er ging nach
  Barcelona, traf hier am 8. August ein und hob die Belagerung auf;
  Tourville hatte sich schon bei seiner Annherung auf Toulon
  zurckgezogen. Die Flotte blieb dann bis Mitte Oktober an der Ostkste
  Spaniens und zeigte sich auch an der franzsischen. Zwar wurde nichts
  gegen die Kstenstdte Kataloniens, die in franzsischen Hnden waren,
  unternommen, weil sich die spanische Landmacht unzureichend erwies,
  aber man hielt doch Tourville in Toulon fest, hinderte das Zurckgehen
  der Brest-Schiffe fr den Winter und sicherte den Handel im Mittelmeer.
  Die Flotte berwinterte in Cadiz, um im nchsten Jahre frh bereit zu
  sein.

  =Dies ist bemerkenswert.= Es geschah zum ersten Male; man kann von hier
  an die dauernde Stationierung einer englischen Flotte im Mittelmeer
  rechnen. Es war so neu, da es anfnglich den Widerpruch Russells (und
  auch wohl anderer Offiziere) hervorrief; anderseits sah England den
  Fehler ein, den es mit der Aufgabe von Tanger gemacht hatte, und sorgte
  nun bald fr Gewinnung eines Sttzpunktes im Mittelmeer (zunchst Port
  Mahon).

  =Der zweite Teil der Hauptflotte= -- 36 Linienschiffe (16 Hollnder)
  mit Fregatten, Brandern und einer greren Zahl von Mrserbooten --
  wurde unter Admiral =Lord Berkeley= of Stratton zu Unternehmungen
  =gegen die franzsische Kste=[247] bestimmt. Insbesondere
  beabsichtigte man =Brest= anzugreifen, zu welchem Zweck 6000-7000 Mann
  unter General Talmash eingeschifft wurden. Diese sollten die Forts
  nehmen, die die Einfahrt verteidigten, damit die Schiffe auf die
  Binnenrhede einlaufen knnten. Aber die Franzosen waren vorbereitet;
  die Unternehmung war durch hochgestellte Personen in England, die sich
  fr alle Flle bei Jakob gut stellen wollten, verraten. =Vauban= selbst
  hatte die Verstrkung der Befestigungen geleitet; insbesondere waren am
  Strande der Auenrheden (Bucht von Camaret und von Bertheaume)
  zahlreiche neue Batterien aufgeworfen, von denen die Verbndeten nichts
  wuten, und Truppen in Verschanzungen aufgestellt worden. Am 17. Juni
  ankerte Berkeley in der Camaret-Bucht -- sdlich vom Goulet de Brest,
  der Einfahrt zur Binnenrhede -- auerhalb Schuweite und nach einer
  Erkundung wurde auf Talmash' Drngen die Landung in dieser Bucht
  beschlossen. Am 18. wurde sie, gedeckt durch das Feuer von 3
  Linienschiffen und 6 Fregatten, mit Bravour ausgefhrt, aber
  zurckgeschlagen. Von den Gelandeten (1200? 600? Mann) kamen nur wenige
  (100?) zurck, weil die Boote trocken gefallen[248] waren, Talmash
  selbst wurde schwer verwundet. Auch die deckenden Schiffe litten, ein
  Hollnder geriet auf Strand und ging verloren. Da die Mrserboote wegen
  der Auenforts nicht nahe genug herangehen konnten, um die Stadt oder
  die Binnenrhede mit Erfolg zu beschieen, segelte die Flotte nach St.
  Helens zurck (25. Juni dort).

  [247] Die Bombardements der franzsischen Kstenstdte in diesen Jahren
        etwas genauer in Bonfils, Teil I, und in de Jonge, Teil III.

  [248] D. h. sie lagen nach Zurckweichen des Wasser bei Ebbe auf dem
        Strande.

  Es kam jetzt der Befehl, andere Stdte zu bombardieren oder mit
  Infernals anzugreifen. (Es sei erwhnt, da in den Jahren 1694/95 gegen
  30 solcher Fahrzeuge erbaut wurden, aber schon 1695 gab man diese Waffe
  wieder auf.) Die Truppen wurden ausgeschifft, von Landungen also
  abgesehen. Am 18. Juli erschien =Berkeley vor Dieppe=, warf am 23. aus
  den Mrserbooten gegen 1100 Bomben und Brandgeschosse in die Stadt,
  wodurch diese auf lange Jahre hinaus fast ganz zerstrt wurde; der
  Angriff mit einem Infernal milang, weil dieser wegen einer Sperre zu
  weit abblieb. Am 26. wurde =Havre= bombardiert. Der Erfolg war hier
  aber unbedeutend, da Seegang ein gutes Zielen unmglich machte; dagegen
  flog ein Mrserboot im feindlichen Feuer auf. Die Flotte ging dann nach
  England zurck und die groen Schiffe wurden aufgelegt.

  Im September wurde nochmals ein =Geschwader unter Shovel gegen
  Dnkirchen= gesandt. Die Seeoffiziere erachteten zwar die Jahreszeit
  fr nicht mehr dazu geeignet, gerade gegen diese Stadt zu operieren;
  sie erhielten aber Befehl zum Angriff, weil von hier aus in letzter
  Zeit die Freibeuter bedeutende Erfolge erzielt hatten und ber
  Dnkirchen groe Kornladungen (durch Jean Bart) aus der Ostsee nach
  Frankreich eingefhrt waren. Das Geschwader war sehr stark (18
  Linienschiffe), besonders an Infernals (17) und vereinigte sich noch
  mit der stndig gegen Dnkirchen aufgestellten Flottille; Es wurde
  nichts erreicht. Die Franzosen waren wieder von dem Plane unterrichtet
  und hatten die in den letzten Jahren verstrkten Befestigungen gut im
  Stande gehalten. Mehrere Forts deckten die Stadt und 2 Forts auf den
  langen Molen den Hafeneingang, der auerdem gesperrt war. Zwar wurde
  durch Ausloten des wenig bekannten Wassers trotz heftigen Feuers (am
  22. September) festgestellt, da ein Beschieen der Stadt von der
  Westseite mglich sei, aber die Mrserboote waren noch nicht
  eingetroffen. Man schickte vorlufig 2 Infernals gegen die Molenforts;
  der eine wurde vom Feinde in Brand geschossen, der andere durch Boote
  abgeschleppt. Ehe die Mrserboote zum Geschwader stieen, wurde dieses
  durch ungnstiges Wetter zum Verlassen der Rhede gezwungen. Am 26.
  September bescho man noch =Calais=, ebenfalls erfolglos, weil Wind und
  Seegang die Mrserboote zwang, unter Segel zu operieren. Am 29. traf
  das Geschwader in den Downs ein; die Unternehmungen fanden fr 1694 ihr
  Ende.

Aus vorstehendem ist zu ersehen, wie bedeutend die Rstungen der
Verbndeten[249] fr dieses Jahr gewesen waren, und da sie als
unmittelbaren Erfolg nur die Zerstrung von Dieppe, den Entsatz von
Barcelona und die Sicherung ihres Handels im Mittelmeer zu verzeichnen
hatten; ihre Seeherrschaft im Kanal und in der Nordsee war keineswegs
eine unbestrittene gewesen, wie wir bei Betrachtung des Kreuzerkrieges
sehen werden.

  [249] De Jonge, Teil III fhrt in Beilage XVII 49 Linienschiffe,
        darunter 9 ber 90 Kanonen, im Kanal, Mittelmeer und gegen
        Dnkirchen allein fr Holland auf.

$Die Operationen des Jahres 1695$ waren derselben Art. =Russell im
Mittelmeer= war von gleicher Strke wie im Vorjahre, weil man die
Schiffe, die zu Ausbesserungen heim muten, sofort durch andere ersetzte.
Die Flotte blieb in Cadiz, bis einige Mrserboote und 3000 Soldaten
(General Stewart) eintrafen; bis dahin hielt sie nur die Strae von
Gibraltar besetzt, um den Verkehr zwischen Brest und Toulon zu hindern.
Am 9. Mai ging sie die spanische Kste hinauf, hielt sich einige Zeit vor
Toulon und erschien dann =vor Palamos=; man beabsichtigte, im Verein mit
spanischen Truppen diese Stadt zu nehmen. Die Soldaten und auch eine
Anzahl Seeleute wurden gelandet (16. August) und die Stadt von den
Mrserbooten beschossen. Es gelang, ein kleines franzsisches Heer, das
in der Nhe stand, zu vertreiben; die Stadt wrde auch gefallen sein,
wenn die spanischen Truppen strker gewesen wren und die Verbndeten
ausgehalten htten. Aber bald (27. August) ging Russell wieder nach
Toulon, weil er von gefangenen franzsischen Fischern gehrt hatte, da
die franzsische Flotte auslaufen wolle. Sofort kehrten die Franzosen am
Lande zurck und der spanische General mute die Belagerung aufgeben. Die
Nachricht war (absichtlich) falsch gewesen, die franzsische Flotte war
keineswegs seeklar. Bis Ende September kreuzte Russell bei Sardinien und
den Balearen; das ganze Ergebnis war also wieder, da der Handel
geschtzt und die Franzosen in Toulon festgehalten wurden.

Am 27. September traf die Flotte in Cadiz ein und fand von England und
Holland den Befehl vor, heimzukehren. Etwa 20 Linienschiffe blieben unter
=Rooke=, der mit einigen neuen Schiffen herausgekommen war, als
=Winterflotte in Cadiz=.

Auch im =Kanal= war wiederum eine groe Flotte unter =Berkeley=
zusammengezogen worden -- daneben die bliche Flottille gegen Dnkirchen
und zum Schutz des Nordseehandels --, etwa ebenso stark, wie im Vorjahre
bei der Trennung dort. Es ist aber bemerkenswert, da jetzt die meisten
Schiffe ber 80 Kanonen fehlten, weil man erkannt hatte, da diese bei
den Unternehmungen gegen die Kste nutzlos waren; die Hollnder stellten
gar keine solcher schweren Schiffe in Dienst, dafr aber in diesem Jahre
auch Mrserboote (6). -- Wieder hatte man =Angriffe auf Kstenstdte= ins
Auge gefat, aber wie am Lande und im Mittelmeer kann man auch hier
sehen, da die Kriegfhrung lauer wurde. Erst Ende Juni war die Flotte
operationsfhig; es wurde aber nicht mehr geleistet als im Jahre 1694;
die franzsischen Hfen waren natrlich in immer besseren
Verteidigungszustand gesetzt.

  Am 14. und 15. Juli ward =St. Malo= von der ganzen Flotte angegriffen.
  Es gelang zwar, einen Brander an eines der beiden auf Felsen gelegenen
  Hauptforts so nahe heranzufhren, da dieses infolge des Rauches
  lngere Zeit nicht feuern konnte, aber niederzukmpfen waren die
  massiven Befestigungen nicht, obgleich die Mrserboote ziemlich nahe
  herangingen; nachdem etwa 900 Bomben geworfen und einige Huser der
  Stadt in Flammen aufgegangen waren, wurde abgebrochen. Am 18. Juli
  beschossen einige Schiffe die offene Stadt =Granville=, die teilweise
  verbrannte. Nach einem Aufenthalt in St. Helens und den Downs, um
  Munition zu ergnzen und Infernals -- eine grere Zahl unter dem
  Kommando des Erfinders Meesters -- heranzuziehen, erschien, verzgert
  durch Gegenwind, die Flotte am 11. August vor =Dnkirchen=. Da dieser
  Angriff gut vorbereitet war und energisch durchgefhrt wurde, sei etwas
  nher darauf eingegangen.

  Wieder hatten die Franzosen Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Bei
  Erwhnung des Unternehmens der Verbndeten 1694 wurde gesagt, da die
  Wasserverhltnisse westlich von der Einfahrt fr einen Angreifer zum
  Bombardement der Stadt und des Hafens die gnstigsten sind; deshalb war
  schon frher westlich von der Stadt ein starkes Fort erbaut worden.
  Dieses war jetzt verstrkt durch eine neue Batterie am Strande und
  durch Stationierung von 9 schweren Kanonenschaluppen lngs des Strandes
  zwischen dem Fort auf der Westmole (in ihm kommandierte Jean Bart) und
  dienen Befestigungen. Eine gleiche Zahl Schaluppen legte man in die
  Hafeneinfahrt, um sie zu sperren und um Branderangriffe auf die beiden
  hlzernen Molenforts abzuweisen; die ganze Stellung war endlich durch
  Verankerung von abgetakelten, schwer armierten Schiffen, deren Feuer
  sich mit dem der Forts kreuzte, verstrkt.

  Die Verbndeten konnten ihre schwereren Schiffe des Tiefgangs wegen
  nicht verwerten; das Gros der Flotte ankerte deshalb bei Gravelines und
  detachierte (11. August) 18 Mrserfahrzeuge, viele armierte Boote und
  einige Brander unter dem Schutz von 16 Fregatten sowie anderen
  kleineren Segeln. Die Mrserboote legten sich -- zuerst etwas zu weit,
  dann aber nher -- in Halbmondform um die Molenforts sowie das groe
  Westfort und bombardierten von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags; der
  Erfolg war gering, der Feind antwortete krftig und Seegang
  beeintrchtigte das Schieen. Inzwischen wurde ein Angriff von 4
  Infernals vorbereitet, von dem man sich gerade den Holzforts gegenber
  groen Erfolg versprach. Ein neuer Gedanke des Erfinders sollte hierbei
  verwertet werden, nmlich den Angriff durch Vorausschicken von
  =Rauchschiffen= (eine Art Brander, die angezndet hauptschlich Rauch
  erzeugten) zu maskieren; diese sollten einerseits das Feuer des Feindes
  auf sich ablenken, anderseits eben die Infernals verbergen. Auch diese
  Gruppe wurde durch einige Fregatten gedeckt, die voraussegelten und
  zuerst das Feuer auf sich zogen. Aber durch irgend welche Umstnde
  verzgert, blieben Rauchschiffe und Infernals zu weit achteraus; die
  Fregatten muten zurck und auch die armierten Boote, die gegen die
  feindlichen Schaluppen zwischen den Forts vorgegangen, wurden
  abgeschlagen. Als endlich der Angriff der Infernals erfolgte, hatte er
  das ganze Feuer auszuhalten; die Fahrzeuge wurden zu frh entzndet,
  verlassen und dann von franzsischen Booten aus gefahrdrohender Nhe
  geschleppt. Um 5 Uhr nachmittags gab Berkeley Befehl zum Rckzug. Da
  der Wind auflandig war und die Ebbe noch nicht eingesetzt hatte, wurde
  es den Mrserbooten und den deckenden Schiffen schwer, sich aus dem
  Feuer zu ziehen, sie litten sehr; mehrere kamen auf Strand und konnten
  erst bei der nchsten Flut wieder abgebracht werden, eine hollndische
  Fregatte wurde genommen. Man hatte nichts erreicht, obgleich 1200
  Bomben und 2000 Kugeln verschossen waren. (Dieser Vorfall gab Anla zu
  einer Abhandlung ber die Schwierigkeit einer Beschieung von See aus
  im Vergleich zu einer solchen vom Lande: Man msse sie ohne jede
  Deckung ausfhren; sei abhngig von Wind und Strom; knne seine
  Stellung nicht so genau whlen; der Geschtzstand sei zu bewegt.) Das
  Unternehmen wurde aufgegeben; man erachtete die Westseite fr zu stark,
  weil man mit den schweren Schiffen nicht nahe genug kommen konnte,
  gegen die weniger starke Ostseite wagten die Lotsen nicht einmal
  kleinere Fahrzeuge heranzufhren.

  Ein hierauf beschlossener =Angriff auf Calais= wurde durch ungnstige
  Wetterverhltnisse und dadurch verzgert, da die Infernals nicht zur
  Stelle waren; man sagt, Meesters habe sich absichtlich mit ihnen
  ferngehalten, weil man ihm allein die Schuld des Mierfolges gegen
  Dnkirchen zugeschoben hatte. Es wurde jetzt ein Versuch mit einem
  improvisierten Brander, gedeckt durch schwere Schiffsboote, gegen ein
  Fort gemacht, aber abgeschlagen; auch eine Beschieung durch
  Mrserboote hatte nur geringen Erfolg. Am 28. ging die Flotte nach
  England zurck und die Hollnder trennten sich von ihr, weil Berkeley
  das Kommando an einen jngeren Flaggoffizier abgab, unter dem Almonde
  nicht dienen wollte. Sie kreuzten noch einige Zeit im Kanal, dann
  wurden die Wintergeschwader gebildet.

=Im Jahre 1696= gaben die Verbndeten die Operationen =im Mittelmeer=
auf. Anstatt das dort belassene Wintergeschwader wieder zu einer
mchtigen Flotte zu verstrken, erhielt es den Befehl zur Heimkehr. Man
scheint es mde geworden zu sein, Spanien zu untersttzen, weil dieses
seinerseits den Krieg nur lau fhrte; es hatte nach dem ersten Jahre nie
wieder zur Verstrkung der Seestreitkrfte beigetragen und trat auch am
Lande stets ungengend auf. Man glaubte auch wohl bei der eigenen
fortschreitenden Erschpfung alles, was man aufstellen konnte, in den
nrdlichen Gewssern ntiger zu haben; das Geschwader unverstrkt im
Mittelmeer zu lassen, erschien nicht ratsam, weil Frankreich in Toulon
stark rstete. So verlie Rooke Anfang April Cadiz -- infolge strmischer
Witterung etwa 14 Tage verzgert -- und fhrte einen Convoi von 130
Levantefahrern heim. Es war unter diesen Umstnden auch hohe Zeit, denn
schon im Mrz war Chteau Renault mit 47 Kriegsschiffen von Toulon in See
gegangen und auch nur durch Sturm aufgehalten worden.

Als man im Winter den Beschlu fate, das Mittelmeer aufzugeben, war
allerdings im Kanal eine gewisse Gefahr aufgetaucht: Frankreich zog in
Calais Truppen und in Dnkirchen Transporter zusammen. In den
Niederlanden wurde zunchst ein Angriff auf Seeland von See her
gefrchtet und in Eile dagegen gerstet, so gut es der Winter erlaubte;
da alle schweren Schiffe auflagen und ausgebessert wurden, stellte man
hauptschlich Schiffe der Kompagnie, Freibeuter und Fahrzeuge sonst nur
zum Convoieren bestimmt, in Dienst und zog Truppen an der Kste zusammen.
Bald aber erfuhr man, da es dem =Versuch einer berraschenden Landung in
England= gelte. Noch einmal wollte Ludwig fr Jakob eintreten; die
Gelegenheit schien gnstig, da die Knigin Maria von England gestorben
war und die Jakobiten sich aufs neue rhrten. =Jean Bart= mit den in
Dnkirchen vorhandenen Kriegsschiffen und =de Nesmond= mit einer Division
von Brest sollten etwa 20000 Mann auf 300 Transportern hinberfhren;
Jakob selbst begab sich nach Calais. Nun brachten die Hollnder unter dem
Schutz der eben in Dienst gestellten Schiffe einige tausend Mann in die
Themse (im Mrz) und die Englnder schickten gleichzeitig die
Winterseestreitkrfte beider Lnder, nach Mglichkeit noch verstrkt, in
den Kanal. =Russell= erschien mit diesen an der franzsischen Kste bei
Gravelines; er ging zwar bald zurck, lie aber am 13. April durch ein
Geschwader unter Shovel =Calais= beschieen, wohin sich die Transporter
schon begeben hatten. Die Beschieung hatte zwar wenig Erfolg, aber
Ludwig gab doch seinen Plan auf, weil er ein berraschendes Auftreten
ausgeschlossen sah. Die Vorbereitungen waren nicht schnell und
rechtzeitig genug fertig geworden; franzsische Quellen sagen: Jakob,
leicht erkrankt, sei schuld an der Verzgerung gewesen. Jakobs Schicksal
war hiermit endgltig entschieden.

Infolge dieses Vorganges trat auch die =Sommerflotte der Verbndeten= in
diesem Jahre frher zusammen als in den Vorjahren, schon im April gingen
die ersten Hollnder nach England. Diese Flotte wird die bliche Strke
gehabt haben; das hollndische Kontingent betrug 37 Linienschiffe,
darunter 8 ber 90 Kanonen.

Anfang Mai ging =Rooke=, der den Oberbefehl bernommen hatte, mit den zur
Zeit fertigen Schiffen kanalabwrts, um der in Brest erwarteten
Toulonflotte entgegenzutreten; er kam zu spt, sie traf am 15. in Brest
ein. (Ebensowenig gelang es einer Flottille, die unter Bembow Dnkirchen
bewachte, zu hindern, da Jean Bart mit seiner Division am 17. Mai
auslief, wovon spter.)

Die Flotte lag dann vom 3. Juni an unttig vor Torbay -- die Hollnder
sagen, Befehle aus London erwartend; sie klagen, da auf diese Weise in
den letzten Jahren fters die Operationen aufgehalten seien --, erst nach
drei Wochen ging sie, nun unter =Berkeley= nach Brest, um den Feind
herauszulocken. Ihr Erscheinen zwang die Division de Nesmond, die zum
Kreuzerkrieg an die spanische Kste gehen wollte, zurckzulaufen. Man
erfuhr dann, da ein groer Teil der aus Toulon gekommenen Schiffe
abrste, da also der Gegner nichts Greres beabsichtige. =Die
verbndete Flotte= wandte sich deshalb =wieder gegen die Ksten=. Mit den
Operationen gegen die Stdte am Kanal hatte man nichts erreicht, so
sollte nun versucht werden, den Gegner an der Westkste mehr zu
schdigen; der Erfolg war noch geringer.

  Die Flotte segelte nach =Belleisle=, wo Tromp vor 22 Jahren gelandet
  war. Da jedoch hier die Befestigungen zu stark erschienen, begngte man
  sich damit, die =Inseln Houat und Haedik= zu verwsten, und eine
  Abteilung von 8 Linienschiffen mit smtlichen Mrserbooten sdlicher zu
  senden. Dieses Detachement scho am 15. Juli =St. Martin= auf der Insel
  R und am 17. die kleine Stadt =Les Sables d'Olonne= auf dem Festlande
  in Brand (2000 Bomben, die ganze Munition, verbraucht) und vereinigte
  sich wieder mit der Flotte.

Am 30. Juli wurde die Rckfahrt nach Torbay angetreten, um Vorrte zu
ergnzen, und die Operationen hatten ein Ende. Vom hollndischen
Kontingent wurden gleich verschiedene Divisionen abberufen -- zum
besseren Schutz des Handels in der Nordsee und zur Deckung der erwarteten
Ostindienfahrer -- und im September verminderte man die Streitkrfte
berhaupt auf eine gemeinsame Winterflotte. Diese bernahm in kleinen
Divisionen den Handelsschutz. Eine solche Division fhrte einen Convoi
nach dem Mittelmeer; die hollndischen Schiffe dieser geleiteten im Mrz
1697 wieder Kauffahrer heim; die englischen gingen unter Vizeadmiral
=Neville= nach Westindien, wo wir sie wieder treffen werden.

$Vom Jahre 1697$, in dem die Friedensverhandlungen begannen, sind keine
greren Ereignisse in europischen Gewssern mehr zu melden. Die
Sommerflotte unter Rooke wurde weit schwcher bemessen -- die Hollnder
z. B. nur 22 Linienschiffe --; vereint oder in mehrere Teile geteilt,
hielt sie im Kanal und in der Biscaya die kleinen franzsischen
Divisionen, deren Zahl und Strke immer geringer geworden war, im Schach.

$Spanien$ wurde weiter seinem Schicksal berlassen und, wie schon erwhnt
(Seite 415), dadurch zum Frieden gezwungen. Die franzsischen Truppen,
untersttzt durch ein Toulongeschwader unter d'Estres, machten rasche
Fortschritte; =Barcelona= fiel jetzt. Von Einflu war auch ein =Vorsto
der Franzosen in Westindien gegen Cartagena=, dem seit alten Zeiten als
Sammelplatz der Reichtmer von Peru stets beliebten Angriffsobjekt der
Feinde Spaniens.

  Im Januar 1697 verlie der Chef d'Escadre =de Pointis= mit 6
  Linienschiffen, 5 Fregatten, einigen Mrserbooten und kleinen
  Fahrzeugen sowie Transportern mit 6000 Mann Frankreich, um die
  spanischen Kolonien und die Silberflotten zu bedrohen; in Westindien
  durch 12 Flibustier verstrkt, erreichte er am 12. April Cartagena.
  Nach regelrechter Belagerung zu Wasser und zu Lande wurden bis zum 30.
  nacheinander die 3 schtzenden Forts erstrmt und am 4. Mai ergab sich
  die Stadt; sie mute eine Kontribution von 10 Millionen zahlen, reiche
  Beute fiel den Siegern in die Hnde; die Befestigungen wurden
  geschleift, da man den Platz nicht halten konnte und ihm berdies Hilfe
  nahte.

  Als man nmlich in England die Abfahrt de Pointis' erfahren hatte,
  wurde der Vizeadmiral =Neville= mit den englischen Schiffen an der
  spanischen Kste, in Madeira noch durch hollndische der Kanalflotte
  auf 27 Kriegsschiffe verstrkt, hinterher gesandt. Pointis erfuhr
  Nevilles Eintreffen in Barbados, verlie deshalb Anfang Juni Cartagena
  und whlte den Weg durch die Floridastrae anstatt durch die
  Windward-Passage, um dem Feinde zu entgehen; er war nicht nur zu
  schwach, sondern auch durch Prisen behindert, ferner waren seine
  Schiffe berladen und Krankheit herrschte auf ihnen. Durch die Wahl des
  Weges stie er aber gerade auf den Feind, der von Jamaica nach
  Cartagena unterwegs war. Fnf Tage lang verfolgte Neville die Franzosen
  zeitweise auf Schuweite, es gelang aber nur, ihnen eine Prise wieder
  abzunehmen. Pointis erreichte mit dem greren Teile seines Geschwaders
  ber Neufundland, wo er zum Wassernehmen anlief und fast einem dortigen
  englischen Geschwader in die Hnde gefallen wre, im August glcklich
  Brest; hier traf er den Rest seiner Schiffe schon an, bei Ouessant
  hatte er noch den Angriff einer englischen Division abzuschlagen
  gehabt. Auch auf Nevilles Geschwader war eine Epidemie ausgebrochen,
  die schwere Opfer (etwa 1/3 der Besatzungen) kostete: Die Englnder
  verloren daran 2 Flaggoffiziere, 7 Kommandanten, 1500 Mann; die
  Hollnder 1 Admiral, 3 Kommandanten, 400 Mann. Die Spanier in Havanna
  verweigerten aus Furcht vor Ansteckung das Auffllen von Wasser und
  Proviant, ja lehnten sogar die angebotene Begleitung der dort
  bereitliegenden Silberflotte ab. Der Rest der Besatzungen konnte wegen
  Entkrftung auf der Heimreise kaum die Schiffe bedienen.

Am 20. September 1697 wurde der =Frieden von Ryswijk= geschlossen, dessen
Bedingungen wir schon kennen (vergl. Seite 416.)

$Der kleine Krieg; der Kreuzerkrieg der Franzosen.$[250] Wie in den
frheren Kriegen so wurde auch in diesem die =Freibeuterei= von beiden
Parteien von Anfang an lebhaft betrieben. Auf seiten der Verbndeten
zeichneten sich hierin die Seelnder aus, die bekanntlich von alters her
diesem Gewerbe (der freien Nahrung) sehr zugetan waren; wie frher
bildeten sich hier, besonders in Vlissingen und Middelburg,
Gesellschaften zu diesem Zwecke. Von Frankreich aus machten die
Freibeuter der Stdte Dnkirchen, St. Malo, Dieppe, Havre, Bayonne die
Meere unsicher.

  [250] Hauptquellen: Chabaud-Arnault, Seite 99; Bonfils, Teil I, Seite
        352, 357; Mahan, Teil I, Seite 188; de Jonge, Teil III, an
        verschiedenen Stellen.

Die Franzosen waren dabei wohl stets im Vorteil. Einerseits war ihr
Handel weit geringer, anderseits stand ihnen dazu mehr Material zur
Verfgung; ihre Schiffahrt war schon vor dem Kriege (seit Colberts Tode)
zurckgegangen, es ist verstndlich, da die Rhederei die vorhandenen
Schiffe und Seeleute in dieser Weise zu verwenden suchte. Infolge ihrer
Lage schdigten besonders Dnkirchen und St. Malo den Feind; St. Malo
machte jetzt Dnkirchen fast den Rang streitig.

Da =Dnkirchen= den wichtigen Handel nach der Ostsee durch die Nordsee,
sowie den Fischfang in diesem Meere, in hohem Mae gefhrdete, sahen
sich die Hollnder von Anfang an gentigt, wie in frheren Kriegen eine
Flottille zur stndigen Beobachtung der gefhrlichen Stadt aufzustellen.
Von 1691 an wurde diese stehende Flottille zu einem gemeinsamen
englisch-hollndischen Geschwader, von Jahr zu Jahr verstrkt, weil die
Gefahr immer zunahm.

  Die Hollnder stellten als =Dnkirchen-Geschwader=:

       1690 = 2 kleine Linienschiffe (50 Kanonen), 6 Fregatten.
  1691-1693 = 5  "           "                    11     "
  1694-1696 = 9-11 Linienschiffe (bis zu 60 und 70 Kanonen) und gegen 12
  Fregatten. Von England trat seit 1691 stets etwa die gleiche Zahl,
  besonders an Linienschiffen, hinzu.

Dieses Geschwader war nur dazu bestimmt, den Hafen zu blockieren und den
stlichen Eingang in den Kanal reinzuhalten, Abgang und Ankunft grerer
Convois im Osten zu decken, wie wir es von Geschwadern der Hauptflotte
oder von dieser selbst im Westen fr Convois von und nach dem Atlantik
sowie Mittelmeer gesehen haben. Auf ihren weiteren Reisen wurden die
Convois in allen Meeren durch besondere Schiffe in kleinerer Zahl
begleitet; Holland hatte zu diesem Zweck jhrlich gegen 30-40 sogenannte
=Convoijers= -- Fahrzeuge von 16-50 Kanonen; meist 24-40 -- im Dienst.

Wir wissen schon, da in diesem Kriege der Handel nicht nur durch
Freibeuter, oder auch Kriegsschiffe, und durch vereinzelte Operationen
der Hauptstreitkrfte (Geschwader; selbst Flotten) gegen grere Convois
bei gnstiger Gelegenheit neben anderen Aufgaben angegriffen wurde,
sondern da =Frankreich= bald fast seine ganze Kriegfhrung zur See
darauf richtete. So wurde denn auch der eigentliche =Kreuzerkrieg= von
ihm zu Ende dieses Zeitabschnittes (auch im nchsten und letzten Kriege
-- dem Spanischen Erbfolgekriege -- bleiben die Franzosen dabei) in einem
Grade gefhrt, der weder vorher noch nachher erreicht ist; er ist deshalb
wohl geeignet zur Beurteilung des Wesens und des Wertes eines solchen
Krieges.

Was fhrte nun Frankreich auf diesen Weg? Es ist schon darauf hingewiesen
(Seite 424), da der Marineminister Pontchartrin nicht viel von einer
Marine hielt, und es ist mehrfach angedeutet, da Ludwig selbst die
Wichtigkeit der Erringung der Seeherrschaft nicht gengend erkannte. So
kam es, da nach der Niederlage von La Hogue die Ansicht des Ministers,
den Krieg nur gegen den Handel der Verbndeten zu fhren, bei der
entscheidenden Stelle immer mehr Anklang fand. (Im conseil d'Etat -- die
Vertrauensmnner des Knigs --, der ber alle wichtigen Sachen
entschied.)

Schon der Zug Tourvilles, die campagne au large, 1691 sollte in der
Hauptsache diesem Zweck dienen (der Versuch, den Smyrnaconvoi
abzufangen); 1692 nach La Hogue wurden die gesammelten Transporter zur
Freibeuterei benutzt, mit groem Erfolge, da die Verbndeten ihre Flotte
flschlich zusammenhielten; die letzte groe Flotte, die Frankreich 1693
aufstellte, war nur fr einen Schlag gegen den feindlichen Handel
bestimmt (Tourvilles Vernichtung des Smyrnaconvois). Von Ende 1693 an
verschwinden die groen Flotten; es war dies allerdings nicht nur eine
Folge der neuen Ansicht ber die geeignetste Art der Kriegfhrung,
sondern auch des Verfalls der Marine, hervorgerufen durch ihre mangelnde
Pflege sowie durch die Erschpfung des Landes. Nun wurde =der Krieg gegen
den Handel= zum reinen Kreuzerkriege und =erhielt einen eigentmlichen
Charakter=, hnlich dem englischen zur Zeit der Knigin Elisabeth gegen
Spanien: er wurde teils von der Regierung, teils von Privaten, Hand in
Hand, gefhrt.

  Wir wissen, da die Franzosen von 1694 an in den Hfen des Kanals und
  des Atlantik nur kleine Divisionen fr den Kstenschutz aufstellten;
  diese nahmen auch an dem Kreuzerkriege teil. Vor allem aber erreichte
  die Freibeuterei einen groen Umfang. Die franzsische Schiffahrt hatte
  nach und nach fast ganz aufgehrt, weil das Land vom Meere fast vllig
  abgeschnitten war und auch im Innern Handel und Wandel stockten. Die
  Freibeuterei wurde so immer mehr die einzige Mglichkeit, Schiffe und
  Seeleute zu verwerten. Jetzt traten noch die auf der Flotte
  entbehrlichen Mannschaften hinzu, und die Regierung begnstigte den
  Kreuzerkrieg in jeder Weise. Schiffe und Offiziere der Marine wurden
  Firmen und Gesellschaften, die Freibeuterei betreiben wollten, zur
  Verfgung gestellt, als Gegenleistung erhielt der Knig einen Anteil
  vom Gewinn; Minister und andere hochgestellte Personen nahmen
  Anteilscheine von solchen Unternehmungen, ja muten es tun, um dem
  Knige zu gefallen.

  Meist kreuzten die Freibeuterkapitne mit ihren Schiffen allein, da
  Mnner dieses Gewerbes ungern abhngig waren. Auf den Schiffen folgte
  man einer eigentmlichen Sitte: Vor dem Auslaufen wurde ber den
  Operationsplan vom Kapitn, den Offizieren und den Mannschaften in
  freimtiger Besprechung der Beschlu gefat; einmal unterwegs herrschte
  strengste Disziplin. Hufig aber auch operierten diese Fahrzeuge in
  kleinen Divisionen von 3-6 Schiffen unter besonders tchtigen Mnnern,
  wie Jean Bart, Forbin, Duguay-Trouin u. a., die in der Freibeuterei
  gro geworden waren, spter einen Rang in der kniglichen Marine
  erhalten hatten und auch zeitweise in dieser beschftigt wurden; von
  den eigentlichen Seeoffizieren, die knigliche oder
  Freibeuter-Divisionen fhrten, haben sich Cotlogon, de Nesmond, Renau
  (der Erfinder der Mrserboote), du Casse u. a. ausgezeichnet.

  Diese Verwendung der kniglichen Offiziere und Schiffe hatte zwar sehr
  verderbliche Folgen fr die Marine, wie schon erwhnt -- Rckgang der
  Gte des Offizierkorps; Verlust vieler guter Schiffe --, verlieh aber
  dem Freibeutertum einen Geist und eine Tatkraft, die ihm sonst kaum
  innewohnen; man mu auch zugestehen, da die Besatzungen unter den
  erwhnten hervorragenden Fhrern wohl lieber fochten als plnderten.

Der Handel der Englnder und Hollnder litt auerordentlichen Schaden.
Verschiedene Autoren geben die Zahl der 1691-1697 von den Franzosen
genommenen Kauffahrer auf mehr als 4000 an; die Unternehmer gewannen
Reichtmer und auch in die erschpfte franzsische Staatskasse flossen
bedeutende Summen. Zwar wollen auch die Gegner viele Schiffe aufgebracht
haben -- englische Quellen sprechen von ber 2000 --, doch war der eigene
Verlust der grere und trug schlielich viel mit zum Friedensschlu bei.

Der kleine Krieg fhrte zu ungezhlten Gefechten zwischen einzelnen
Schiffen und zwischen kleinen Divisionen, zu Angriffen und Verteidigungen
von Convois in allen Meeren, besonders von der Kste Spaniens bis in die
Nordsee. Die Geschichten der Marinen[251] erzhlen manche davon; mit
besonderer Liebe, da sich gerade in ihnen seemnnisches Geschick und Mut
zeigen; die franzsischen Freibeuter, vor allen Jean Bart, manvrierten
meist auf sofortiges Entern.

  [251] Z. B. in den soeben angefhrten Quellen; fr die englische Marine
        im Clowes, Teil II, Kap. minor operations.

  Als Beispiel sollen hier nur =die Haupttaten Jean Barts=, des
  berhmtesten Freibeuters dieses Krieges, gegeben werden: Als Sohn eines
  Fischers 1650 in Dnkirchen geboren und selbst Fischer, diente Jean
  Bart whrend des zweiten Krieges mit Auszeichnung in der hollndischen
  Marine, ging aber bei Ausbruch des dritten Krieges nach Frankreich,
  obgleich ihm in Holland ein Schiff angeboten war. Er zog bald als
  Freibeuter die Aufmerksamkeit Colberts auf sich, erhielt 1679 ein
  Leutnantspatent in der kniglichen Marine und wurde 1689 Kapitn. Als
  solcher fhrte er ein Schiff bei Beachyhead; meist jedoch fuhr er auch
  whrend dieser Jahre als Freibeuter, er wurde dabei 1689 nebst Trouin
  von den Englndern gefangen, entfloh aber bald mit diesem.

  Von 1692 an jedoch kommandierte er eine Division fr den Kreuzerkrieg,
  die =Escadre du Nord= oder =de Dunkerque= genannt. Bei seinem
  ersten Auftreten in dieser Stellung gelang es ihm trotz des
  englisch-hollndischen Blockadegeschwaders auszulaufen, 3 feindliche
  Kriegsschiffe und etwa 20 Kauffahrer zu nehmen, 80 Fischerfahrzeuge zu
  vernichten und den Hafen wohlbehalten wieder zu erreichen. 1693 fhrte
  er in dem Gefecht bei Lagos (Vernichtung des Smyrnaconvois) ein Schiff
  mit Auszeichnung. Er bernahm dann wieder seine Division und leistete
  1694 seinem Lande einen groen Dienst. Wegen Miernten war Frankreich
  in diesem Jahre auf Kornzufuhren aus der Ostsee angewiesen, 120
  Fahrzeuge mit Getreide wurden von dort erwartet. Schon im Februar lief
  Jean Bart aus und brachte einige 20 Segel glcklich ein, obgleich
  englische und hollndische Geschwader in der Nordsee waren. Im Juni
  ging er mit 5 Schiffen (40-52 Kanonen) dem Rest entgegen, der durch
  Eisverhltnisse aufgehalten war; er traf ihn in der Nordsee schon von 8
  hollndischen Kriegsschiffen (38-58 Kanonen) umringt, befreite ihn nach
  heftigem Kampfe (280 gegen 390 Kanonen), in dem 3 Hollnder genommen
  wurden; darunter das Flaggschiff, nach de Jonge das erste hollndische,
  das in Feindeshand blieb (frher genommene sind stets gesunken). Fr
  diese Tat wurde er geadelt. 1695 zeichnete er sich bei der Verteidigung
  seiner Vaterstadt als Kommandant des Westmolenforts aus. 1696 bricht er
  wieder die Blockade mit 7 Segeln (300 Kanonen), um einen Convoi
  rckkehrender hollndischer Ostseefahrer abzufangen. Er trifft ihn
  nrdlich von Texel, nimmt smtliche begleitende Kriegsschiffe (5 mit
  200 Kanonen) und etwa 30 Kauffahrer. Er verbrennt diese, weil das
  hollndische Dnkirchengeschwader (14 Segel) erscheint, das gerade
  einen ausgehenden Convoi Ostseefahrer geleitet, entzieht sich aber
  selbst dem Angriff.

[Illustration: Jean Bart]

  Im Jahre 1697 fhrte Jean Bart trotz feindlicher Geschwader den Prinzen
  von Conti, Prtendenten fr die Krone Polens, nach Danzig. Dies war
  seine letzte Tat. Er starb, 52 Jahre alt, im April 1702, als der
  Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges ihm neue Lorbeeren in Aussicht
  stellte, aber er hinterlie tchtige Schler.

  Seine Ttigkeit von Dnkirchen aus soll die blichen drei bis vier
  englisch-hollndischen Convois im Jahre nach der Ostsee oft auf einen
  beschrnkt haben; kein Wunder, da die Gegner ihr Geschwader vor dieser
  Stadt immer mehr verstrkten und verschiedene Versuche machten, sie zu
  zerstren.

Die ungeheueren Verluste, die die Verbndeten erlitten, beweisen, da
ihre Marinen die Aufgabe, den Seehandel zu schtzen, nicht gelst haben.
Es fhrt uns dieser Umstand zu einer theoretischen $Betrachtung ber das
Wesen des Kreuzerkrieges$.[252]

  [252] Vgl. Mahan, Teil I, Seite 188 und Seite 126-132. Von Mahans
        Auslassungen ist bereits frher (Seite 305) ein Auszug gegeben,
        an den gewissermaen hier angeschlossen wird.

Es gilt jetzt wohl allgemein als Grundsatz, da der Kreuzerkrieg nur von
groem Einflu sein kann, wenn er sich auf eine starke Flotte sttzt.
Mahan sagt hierzu: Um wirksam zu sein, mu der Kreuzerkrieg durch eine
Geschwaderkriegfhrung oder durch Abteilungen von Linienschiffen
untersttzt werden. Indem diese den Feind zwingen, seine Streitkrfte
zusammenzuhalten, geben sie den Kreuzern die Mglichkeit der
erfolgreichen Zerstrung des feindlichen Handels; ohne eine solche
Rckendeckung wird das Ergebnis die Wegnahme der Kreuzer sein. Unser
Krieg scheint nun dagegen zu sprechen; der Handel der Verbndeten litt
nmlich am meisten, als nach La Hogue 1692 die franzsische Flotte vom
Meere verschwunden war -- wie man gemeiniglich sagt.

  Angaben einiger Schriftsteller hierfr. Macaulay sagt: Whrend vieler
  Monate im Jahre 1693 war der englische Handel nach dem Mittelmeer
  beinahe gnzlich unterbrochen. Es war nicht mglich, nach der Strae
  von Gibraltar zu gelangen, ohne von einem franzsischen Kreuzer
  angegriffen zu werden; ein Schutz dagegen war aber nicht leicht zu
  erhalten. -- Martin (Geschichte Frankreichs) sagt von den spteren
  Jahren des Krieges bezglich Englands: Der Zustand der Finanzen war
  klglich, die Seeversicherung betrug 30%; die Navigationsakte war
  tatschlich auer Kraft gesetzt und die englischen Schiffe waren
  gentigt, unter schwedischer oder dnischer Flagge zu fahren. Campbell
  (Live of the Admirals) sagt von dieser Zeit: In dem Jahre, in dem die
  Franzosen Herren der See waren (also nach Beachyhead 1690), hatte unser
  Handel weit weniger gelitten.

  Bonfils endlich tut den obenerwhnten Ausspruch, da statt drei bis
  vier Convois jhrlich nur einer nach der Ostsee abging.

Die Verhltnisse liegen aber bei nherer Betrachtung doch anders. Zwar
gab die franzsische Flotte tatschlich die aktive Kriegfhrung auf, aber
die Verbndeten glaubten zu verschiedenen Zeiten doch noch mit ihr
rechnen zu mssen -- um so mehr, als der Eindruck des Sieges bei
Beachyhead und des tapfern Verhaltens der Franzosen bei La Hogue noch
einige Zeit bei ihnen nachwirkte --, oder wenn dies nicht der Fall war,
versumten sie eben, die richtigen Maregeln gegen den Kreuzerkrieg zu
ergreifen. Bis zu den allerletzten Jahren hielten sie ihre
Hauptstreitkrfte zusammen, anstatt sie zur Verfolgung der feindlichen
Kreuzer aufzulsen und die feindlichen Kreuzerhfen schrfer zu
blockieren; nur gelegentlich (wenn Convois erwartet) detachierten sie
Teile.

  Ein kurzer Rckblick mge dies veranschaulichen. 1692 nach La Hogue war
  die franzsische Flotte wirklich brach gelegt. Die Seestreitkrfte der
  Verbndeten wurden aber bis zum Winter bei Spithead zusammengehalten,
  um Truppen fr eine Landung in Frankreich aufzunehmen; die Franzosen
  hingegen armierten mit den Leuten der Flotte und den gesammelten
  Transportern eine auergewhnliche Zahl von Freibeutern, so da die
  Kaperei gerade in diesem Jahre besonders stark betrieben werden konnte
  und in den betroffenen englischen Kreisen die grte Entrstung
  hervorrief.

  1693 wurde die Flotte der Verbndeten zusammengehalten, weil Frankreich
  die seinige in Brest zusammenzog. Ungengendes Unterrichtetsein, sowie
  Mangel an Entschlu und Disposition an den leitenden Stellen,
  schlechter Zustand des Materials fhrte dann doch den Verlust des
  Smyrnaconvois durch die franzsische Flotte, die man im Schach halten
  wollte, herbei; auch nachher geschah nichts zum Schutz des Handels.

  1694 und 1695 war die eine Hlfte der Streitkrfte im Mittelmeer, die
  andere blieb in den nrdlichen Gewssern zu den fruchtlosen
  Unternehmungen gegen die feindlichen Ksten vereint; wie viel besser
  wre sie gegen das Freibeuterwesen verwendet worden!

  1696 vergingen das Frhjahr und der Sommer bis zum August mit dem
  Bereithalten gegen eine Landung der Franzosen, mit dem vergeblichen
  Versuch, die Vereinigung der Toulon- und Brestflotte zu hindern und
  dann wieder mit den Unternehmungen gegen die atlantische Kste des
  Gegners.

  Erst im August 1696 und im Jahre 1697 wurden die Seestreitkrfte mehr
  zur Bekmpfung des Kreuzerkrieges verwendet, und jetzt auch mit Erfolg.

Als dies endlich, vom Herbst 1696 an, mehr geschah, wurde die Ttigkeit
der franzsischen Freibeuter auch wesentlich eingeschrnkt; viele wurden
weggefangen, die Kreuzerdivisionen in den Hfen festgehalten. -- Die
Ereignisse dieses Krieges entkrften also obigen Satz nicht. Im nchsten
Kriege, als die franzsische Marine vllig ohnmchtig war, wird sich die
geringe Wirksamkeit eines Kreuzerkrieges, der nicht auf Flotten gesttzt
ist, noch deutlicher zeigen. Dabei mu man noch im Auge behalten, da die
Lage der franzsischen Hfen ungemein gnstig zur Bedrohung der
englisch-hollndischen Handelswege war.

$Die Zusammenste in den Kolonien$[253] whrend dieses Krieges knnen
wir auch zu dem kleinen Kriege rechnen, weil sie ohne groen Erfolg und
Einflu waren; es handelte sich neben dem Aufbringen von Kauffahrern fast
nur um Brandschatzungen feindlicher Niederlassungen, weil der
Angreifende, wenn er eine solche wirklich genommen hatte, doch nie lange
in ihrem Besitz blieb.

  [253] Etwas genauer geschildert in Colomb, Kapitel XI, XII; in Bonfils,
        Teil I; in Clowes, Teil II, minor operations. In Zimmermann
        Europische Kolonien, Band II und IV ist nher auf die Kriege
        Englands und Frankreichs um Kanada usw. eingegangen.

In den =westindischen Gewssern= befanden sich stets einige Kriegsschiffe
beider Gegner, Kauffahrer wurden dort armiert oder Flibustier in Sold
genommen. England sandte fast in jedem Jahre ein kleines Geschwader, oft
mit Truppen, hinaus, Frankreich seltener. So hatten die Englnder
hufiger die Seeherrschaft und traten im ganzen genommen offensiver auf;
da aber die franzsischen Kolonien schon strker bevlkert waren, konnten
sie meist Widerstand leisten und zeitweise, wenn ihre Streitkrfte
berwogen, bedrohten die Franzosen die feindlichen Niederlassungen. Die
franzsischen Kolonien waren auch reicher, fhrten den Krieg gegen den
Handel mit Flibustiern und hatten hierin wohl den greren Erfolg,
besonders natrlich, wenn die Englnder nicht ausgesprochen die See
beherrschten.

Die Franzosen nahmen gleich zu Beginn des Krieges (1688) den Hollndern
St. Eustache ab, verdrngten (1689) die Englnder aus dem
gemeinschaftlich besetzten St. Kitts und plnderten durch Flibustier
spanische Niederlassungen. Aber schon 1690 setzten sich die Englnder
wieder in den alleinigen Besitz von St. Kitts, eroberten Marie Galante,
landeten auf Guadeloupe und belagerten die Garnison in Basse-Terre. Beide
Inseln muten sie 1691 wieder aufgeben, als ein greres franzsisches
Geschwader auf der Station erschien. 1692 kam es zu einem Gefecht auf
offener See bei Dsirade, in dem die Englnder einen Convoi gegen den
Angriff einer berlegenen Kraft deckten. 1693 machten die Englnder einen
vergeblichen Angriff auf Martinique; 1694 fielen die Franzosen in Jamaica
und 1695 die Englnder und Spanier in den franzsischen Teil Haitis ein.
Aber alle diese Expeditionen hatten eben keinen dauernden Erfolg.

Das grte Unternehmen Frankreichs -- der Zug de Pointis' gegen
Cartagena, 1697 -- haben wir als militrisch-seemnnisch wie politisch
bemerkenswert nher berhrt (Seite 466).

=In Nordamerika= hatten schon vor dem Kriege Feindseligkeiten an den
Grenzen begonnen; hier waren zwar die englischen Kolonien den
franzsischen an Bevlkerung weit berlegen, aber Frankreich strebte sehr
nach Erweiterung seiner Macht und scheint vor und whrend des Krieges
stets die strkeren regulren Landstreitkrfte -- allerdings auch nur
sehr geringe -- gehabt zu haben.

Schon 1686 nahmen sie einige englische Besitzungen an der Hudsonbai weg
und bekriegten englisch gesinnte Indianerstmme; es lag in der Absicht,
New York zu nehmen, um einen eisfreien Hafen fr Kanada zu erhalten. 1689
sollte hierzu zu Wasser und zu Lande vorgegangen werden, aber die von
Frankreich erwarteten Schiffe kamen zu spt und muten dann gleich
zurck, da sie infolge langer berfahrt ihre Vorrte aufgebraucht hatten;
zu Lande unternahm man noch im Winter (Februar 1690) Einflle an den
Grenzen, durch Indianerhorden mit groer Grausamkeit ausgefhrt. Nun aber
rsteten die englischen Kolonien mit aller Kraft. Ein englisches
Geschwader -- Admiral Phips mit 8 Linienschiffen -- traf ein und nahm im
April 1690 die festen Pltze von Akadia (Neuschottland); dann wurde ein
Angriff auf Quebec ins Werk gesetzt. Phips fhrte Mitte August die
Kriegsschiffe und 32 Transporter -- mit Milizen von Massachusetts, etwa
2000 Mann -- den Lorenzstrom hinauf, landete unweit Quebec -- ungnstiger
Winde auf See und schwieriger Navigation im Flurevier wegen erst Mitte
Oktober -- und versuchte die Stadt zu nehmen; einige Schiffe beschossen
diese. Aber die Artillerie der Stadt war der der Schiffe gewachsen, die
Garnison dem durch Krankheit geschwchten Landungskorps berlegen; das
Unternehmen mute mit bedeutendem Verlust aufgegeben werden. Ein
gleichzeitiger Vormarsch zu Lande von Albany auf Mont Real -- 3000
Milizen der Kolonien -- war auch infolge Uneinigkeit zwischen den
Kontingenten nicht vorwrts gekommen. -- Whrend der folgenden Jahre
beschrnkte sich die Kriegfhrung auf Grenzstreifzge; beide Parteien
wurden von Europa nicht untersttzt. Die Franzosen bemchtigten sich nach
und nach Akadiens wieder und besetzten weitere Pltze an der Hudsonbai
sowie in Neufundland. Ein zweiter Plan gegen New York und Boston 1696 kam
wieder nicht zur Ausfhrung, da das dafr bestimmte Geschwader -- 15
Kriegsschiffe unter de Nesmond -- abermals zu spt (1697) und von allem
entblt eintraf. Im ganzen hatte aber doch Frankreich die meisten
Vorteile errungen; beim Frieden gab England die Hudsonbai und
Neuschottland auf und auch von Neufundland behielt Frankreich den festen
Platz Placentia sowie die Niederlassungen an der Westkste.

$Bemerkenswertes in diesem Kriege.$ -- $ber Strategie.$ In Hinsicht auf
das =Kriegsmaterial= ist bei diesem Kriege wenig zu sagen. Das
=Schlachtschiff= wchst weiter (vgl. Seite 353 u. 418); trotz der nur
kurzen Zeit seit dem letzten englisch-hollndischen Kriege hat dieser
Proze wieder einen Schritt vorwrts gemacht: das 40-50 Kanonenschiff ist
ganz aus der Linie verschwunden, die 50-60 Kanonenschiffe erscheinen so
selten wie im vorigen Kriege die 40-50er; die Zahl der Schiffe ber 80
Kanonen hat zwar auch zugenommen, aber die Hauptkraft der Flotten liegt
in den 60-70 Kanonenschiffen.

  Es ist also der angedeutete (Seite 178/179) Abschlu des Abschnittes
  fast erreicht. Dort wurde gesagt, da man im nchsten Zeitabschnitt,
  nach 1740, in England das 74 Kanonenschiff als das geeignetste
  Schlachtschiff ansah. (So sehr, da man, wenn das Auftreten der
  Seemacht berhaupt bezeichnet werden sollte, nur von unseren 74ern
  sprach, schon in diesem Kriege lag die Hauptkraft der Englnder in 70
  Kanonenschiffen.

Von den Spezialwaffen sind =die Brander=, die im letzten Kriege, was die
Zahl anbetrifft, auf ihrem Hhepunkte waren, nicht mehr so stark bei den
Flotten vertreten; ihre Leistungen sind noch geringer geworden. Infolge
der vielen Unternehmungen gegen Kstenstdte treten die =Mrserboote=,
bisher nur von den Franzosen im Mittelmeer verwendet, auch bei den
Englndern und Hollndern auf; ihre Wirkung lt aber zu wnschen brig.
Vllig versagten die von England gegen Kstenbefestigungen und
Hafenanlagen gebauten =Infernals=.

In bezug auf die =Taktik= bringen die wenigen groen Aktionen nichts
Neues. Sie zeigen eigentlich nur, inwieweit das Personal -- und zwar die
hheren Offiziere -- der verschiedenen Marinen seinen Aufgaben gewachsen
war. Bei der eingehenden Schilderung der Schlachten sind die vorzglichen
Leistungen und die Fehler hervorgehoben.

Es gengt hier, darauf hinzuweisen, da die Franzosen in diesem Kriege
auf der Hhe standen; sie wandten die Taktik, die sich nach und nach
entwickelt hatte, richtig an. Sie zeigen dies sowohl bei Strke wie bei
Schwche auf ihrer Seite: bei Beachy Head durch Ausnutzung der eigenen
berlegenheit und der Fehler des Gegners; bei Barfleur, indem sie durch
geeignete Manver und durch gegenseitige Untersttzung die berlegenheit
des Feindes nach Mglichkeit aufhoben. Grere taktische Fehler machten
eigentlich nur der sonst so hervorragende Fhrer Tourville als Verfolger
in der ersten, als Verfolgter in der zweiten Aktion und de Nesmond bei
Lagos. Auch Holland gebot ber tchtige Admirale, Schler Ruyters, doch
kamen sie nicht gengend zur Geltung; das einzige Mal, wo es der Fall
war, bewhrten sie sich -- Evertsen bei Beachy Head.

Taktische Fehler in den Schlachten sind nur englischen Fhrern
vorzuwerfen: das Verhalten der Nachhut bei Barfleur, als sie sich von der
Hauptschlacht abziehen lie, und Herberts schwache Beteiligung mit seiner
Mitte bei Beachy Head. Das Verhalten Herberts bei dieser Gelegenheit soll
jedoch weiter unten nochmals besprochen, werden, da es hchst
wahrscheinlich strategischen Erwgungen entsprang.

Wenden wir uns nun eingehender den =Betrachtungen ber Strategie= zu. Es
ist eingangs dieses Kapitels gesagt, da der Pflzische Erbschaftskrieg
zwar in der Hauptsache ein Landkrieg war, da aber doch die Kriegfhrung
zur See von groem Einflu gewesen ist; es ist ferner darauf hingewiesen,
da dieser Einflu bei richtigerer Verwendung der Seestreitkrfte und bei
grerer Leistungsfhigkeit dieser -- beides auf beiden Seiten -- wohl
noch weit bedeutender htte sein knnen. Nachstehender =Rckblick auf den
Verlauf des Krieges= soll diese Behauptungen bekrftigen.

Ludwig XIV. hatte es dahin gebracht, da smtliche Staaten des Festlandes
gegen ihn die Waffen zu erheben drohten; vertrauend auf seine Macht griff
er 1688 selbst Deutschland an. Er beging aber sofort einen groen Fehler
dadurch, da er Wilhelm von Oranien -- die Seele des gegen ihn
gerichteten Bundes -- den Thron von England besteigen lie. Infolgedessen
trat auch dieser Staat zu seinen Feinden, ja, England und Holland kamen
unter eine Leitung und diese beiden Seenationen waren seine
gefhrlichsten Gegner, da sie mit ihrem Reichtum dem Gesamtbunde die
Mittel zum Kriege liefern muten.

Ludwig htte es hindern knnen, wenn er, anstatt hauptschlich gegen
Deutschland vorzugehen, dessen schwache Krfte vorlufig nur im Schach
gehalten und mit groer Macht, zu Lande wie auch gerade zu Wasser mit
seiner mchtigen Marine, Holland angegriffen htte; Seignelay riet hierzu
auf das dringendste. Nach Oraniens Thronbesteigung ermglichte und
untersttzte Ludwig die Erhebung Jakobs in Irland und der erste Fehler
htte wieder gut gemacht werden knnen, wenn Ludwig noch jetzt seine
Hauptanstrengungen gegen die Seemchte richtete -- gegen Oraniens
Stellung in England und gegen die englisch-hollndische Verbindung; noch
war er, selbst beiden Mchten vereint, zu Wasser berlegen.

  Irland war der schwchste Punkt in Oraniens Stellung, hier war der
  vertriebene Knig mit Begeisterung aufgenommen. Aber auch in England
  hatte er viele Parteignger, und Oranien wurde sogar von denen, die ihn
  gerufen hatten, in seiner kniglichen Macht durch eiferschtige
  Einschrnkungen geschdigt. Ludwig htte nun mit aller Energie die
  Stuarts untersttzen und England selbst angreifen mssen -- Irland dem
  Knige Jakob erhalten, in England einfallen --; dies war nur mglich
  durch einen tatkrftig gefhrten Seekrieg. Mit der Wiederentthronung
  Oraniens wrde dem Bunde der Gegner die Spitze abgebrochen sein.

Wiederum vertrat Seignelay diese Ansicht, aber der Einflu Louvois' --
eiferschtig auf die Seestreitkrfte und scheinbar die Wirkung eines
Seekrieges sowie die Lage berhaupt verkennend -- berwog; Ludwig blieb
bei der Teilung seiner Krfte. Die Folge war, da Irland fiel, Oranien in
seiner Stellung gesichert und damit in den Stand gesetzt wurde, den Krieg
auf dem Festlande zu untersttzen, ja sogar persnlich zu leiten. Dieses
Beharren in dem groen politischen und strategischen Fehler bei Beginn
des Krieges ist wohl als entscheidend fr den Ausgang anzusehen; alle
Erfolge auf dem Festlande konnten nicht hindern, da sich der Kampf in
die Lnge zog und erst wegen allgemeiner Erschpfung endete. Die Gegner
hatten aber den Krieg nur mit den Mitteln der Seenationen durchfhren
knnen und die Erschpfung Frankreichs war nicht zum wenigsten durch den
stillen aber anhaltenden Druck der Seestreitkrfte Englands und Hollands
herbeigefhrt; ihre Marinen waren, weil auf gesunderer Grundlage ruhend,
bald der franzsischen berlegen geworden.

Gehen wir nun zu der =Kriegfhrung zur See= im besonderen ber. Wir
knnen sie in zwei Abschnitte teilen: in dem ersten ist die franzsische
Flotte die angreifende 1689-1692; in dem zweiten tritt die Flotte der
Verbndeten in die Offensive durch Angriffe auf die feindliche Kste und
durch Eingreifen in den spanischen Landkrieg, die franzsische beschrnkt
sich auf die Defensive und auf den Kampf gegen den Handel 1694-1697; das
Jahr 1693 bildet gewissermaen den bergang zwischen beiden.

=Das Jahr= 1689 zeigt den besprochenen Fehler Ludwigs: Er greift zwar
Holland zu Lande an, tut aber zur See nichts gegen England und Holland,
obgleich deren Flotten anfangs nicht bereit sind; auch sein Eingreifen in
Irland ist nur schwchlich. Im Mrz wird Jakob ungehindert mit Truppen
bergefhrt und im Mai gelingt es, trotz des feindlichen Angriffs
(Bantrybay) Verstrkungen nachzusenden. Aber die mchtige franzsische
Flotte zeigt sich nicht rechtzeitig, und die Geschwader, die die
berfhrungen bewerkstelligten, kehren stets sofort zurck; so gelingt es
einer ganz schwachen englischen Flottille (Rooke), im irischen Kanal die
Verbindung Jakobs mit seinen Anhngern in Schottland zu unterbrechen, die
Belagerung der Stadt Londonderry aufzuheben und den Marschall Schomberg
mit einer Angriffsarmee in Irland zu landen.

Im Juli verfgen die Verbndeten ber 60 Kriegsschiffe. Sie zeigen sich
an der franzsischen Kste, hindern aber nicht, da sich das franzsische
Mittelmeergeschwader mit den Krften des Atlantik vereinigt; hierdurch
wird die franzsische Flotte gegen 70 Schiffe stark. Im August
erscheinen die Verbndeten wiederum vor Brest und Tourville tritt ihnen
entgegen. Es kommt aber zu keinem Zusammensto, die Verbndeten schtzen
nur das Einlaufen eines Mittelmeerconvois. Die Kriegfhrung war also sehr
lau auf beiden Seiten.

  =Die wahrscheinlichen Grnde hierfr=: England war durch den Einfall in
  Irland berrascht, aber auch im weiteren Verlauf waren die Verbndeten
  nicht fertig. In England mgen dies die noch unsicheren politischen
  Verhltnisse hervorgerufen haben, in Holland die uns bekannten
  Umstnde, die stets das Auftreten lhmten, wenn dem Volke das Feuer
  nicht auf den Ngeln brannte. So fhlte sich die Fhrung der Flotte
  nicht sicher genug -- hollndische Quellen sprechen dies unumwunden aus
  -- und vermied ein ernstes Zusammentreffen.

  In Frankreich war die Lauheit doch wohl ein Zeichen des geringen
  Verstndnisses der einflureichsten Kreise fr die Wichtigkeit der
  Kriegfhrung zur See. Warum war die Flotte nicht rechtzeitig bereit?
  Franzsische Quellen schieben es auf die schon eingerissene Unordnung
  in der Organisation; aber dies ist doch nicht durchaus stichhaltig,
  auch als sie fertig war, tat sie nichts. Man wollte nicht zuviel aufs
  Spiel setzen (auch nach franzsischen Angaben).

=Im Jahre= 1690 plante Ludwig, energisch vorzugehen. Wenn es auch England
gelungen war, Truppen nach Irland zu werfen, so stand Jakobs Sache dort
noch nicht schlecht, falls ihn Frankreich ernstlich untersttzte,
besonders mit der Flotte. Diese konnte nun entweder in erster Linie ganz
in den Dienst des irischen Landkrieges gestellt oder dazu bestimmt
werden, zunchst die feindliche Flotte zu vernichten und dadurch einen
Einfall in England zu ermglichen. Ludwig entschied sich fr den zweiten
Weg. Dies war zweifellos richtig; noch konnte er sich zur See als
berlegen betrachten, aber er durfte dabei nicht die Unterbrechung der
Verbindung seines Gegners mit Irland ganz vernachlssigen, doch dies
geschah wie im Vorjahre. Im Mrz fhrte ein franzsisches Geschwader
Truppen und Kriegsmaterial nach Irland, ungehindert obgleich die
Englnder Schiffe im Kanal hatten.

  So z. B. das fr das Mittelmeer bereitliegende Geschwader unter
  Killigrew. Die kleine Flottille unter Shovel, die fr die irischen
  Gewsser in Dienst gestellt wurde, kam zu spt. Diese scheint nur zur
  Deckung des eigenen, bald folgenden berganges bestimmt gewesen zu
  sein, ging sie doch auch nach Erfllung dieser Aufgabe zur groen
  Flotte zurck.

Wie im Vorjahre kehrte dieses aber sofort nach Frankreich zurck, und
weitere Seestreitkrfte von Belang waren spter nicht in den irischen
Gewssern. So konnte Wilhelm III. im Juni mit groer Macht in eigener
Person nach Irland hinbergehen. Es ist wohl mglich, da dieser Fehler
franzsischerseits begangen ist, weil man annahm, der Expedition nach
Irland bald den geplanten groen Angriff mit der Hauptflotte folgen
lassen zu knnen. Auffallend bleibt es doch und lt auf mangelndes
Verstndnis in dieser Hinsicht schlieen, wie vllig beide Parteien die
Unterbrechung der Verbindung des Gegners mit der Insel whrend der ganzen
Dauer des Kampfes um diese vernachlssigen.

Die mchtige franzsische Flotte, fr den Angriff auf England bestimmt,
70 Linienschiffe unter Tourville war erst Ende Juni in Brest bereit; zu
spt, um, wie beabsichtigt, die Verbndeten vor ihrer Vereinigung zu
schlagen. Als sie auftrat, entschied sich gerade Jakobs Schicksal durch
die Schlacht am Boyne (11. Juli). Trotz dieser Verzgerung -- dieses Mal
wirklich wohl allein hervorgerufen durch die seit Colberts Tode
eingerissenen belstnde -- war Tourville den Verbndeten -- 57
Linienschiffe unter Herbert -- weit berlegen und er schlug sie fast
vernichtend bei Beachy Head (10. Juli). Da er so berlegen auftreten und
hiervon Gebrauch machen konnte, war die Folge einer Summe von Fehlern der
Gegner: Ungengende und versptete Rstung, Zersplitterung der Krfte,
falsche Fhrung.

  Das schon im Winter bereite Geschwader unter Killigrew, das im Frhjahr
  Kauffahrer ins Mittelmeer geleiten und die Toulonschiffe dort
  festhalten sollte, segelte infolge von Unschlssigkeit in London zu
  spt. Als es doch noch auf das Toulon-Geschwader traf, vermied dieses
  (Chteau-Renault) richtigerweise das Gefecht und vereinigte sich
  rechtzeitig mit seiner Hauptflotte. Killigrew dagegen folgte nicht
  sofort und traf erst nach der groen Schlacht in England ein.

  Die Ausrstung der Hauptflotte hatten die Verbndeten so lssig
  betrieben, da sie am 1. Juli nur 50, kaum voll gefechtsbereite
  Linienschiffe zhlte. In beiden Lndern war man schlecht ber die
  Rstungen des Gegners unterrichtet und unterschtzte ihn vielleicht
  infolge seines schwchlichen Auftretens im Vorjahre. Als man die Gefahr
  erkannte, gab man Herbert den Befehl, unter allen Umstnden zu
  schlagen, und nun war auch sein Verhalten beim Zusammensto nicht
  einwandfrei.

  Es sei hier nochmals etwas nher darauf eingegangen, was aus der
  Untersuchung in dieser Sache zu entnehmen ist und wie =Herberts
  Verhalten bei Beachy Head= von verschiedenen Seiten beurteilt wird. Auf
  seine Vorstellungen im Winter, die Rstungen zu verstrken und zu
  beschleunigen, erhielt Herbert die Antwort des Ministers Nottingham:
  Sie werden stark genug gegen die Franzosen sein; Herbert antwortete:
  Mein Lord, ich kenne mein Geschft und werde mein Bestes tun. Aber ich
  bitte sich spter zu erinnern, da es nicht meine Schuld gewesen ist,
  wenn die Flotte nicht strker ist. Ich bin jetzt in Sorge, wo die
  Gefahr noch abzuwenden ist; Sie werden es im Sommer sein, wenn es zu
  spt ist. Er erhielt auch den Befehl, sich einzuschiffen, erst Ende
  Mai, und vorher waren von hherer Stelle keine Anordnungen getroffen,
  um die Franzosen zu beobachten. Man schtzte sie nur auf 66
  Linienschiffe, schlecht bemannt und somit der eigenen Macht nicht
  berlegen.

  Aus dem bereits teilweise wiedergegebenen Briefwechsel (S. 435 ff.)
  zwischen Herbert und Nottingham geht hervor, da Herbert keine Schlacht
  schlagen wollte, nachdem er sich durch Augenschein von der
  berlegenheit des Gegners berzeugt hatte. Sein Plan war, nach Westen
  zu gehen, um die dort stehenden Teile der Seestreitkrfte an sich zu
  ziehen, oder falls dies nicht mglich wre, von einer sicheren Stellung
  im Osten aus mit seiner unversehrten Flotte den Gegner im Schach zu
  halten. Dies entsprach also dem Verhalten Ruyters im dritten
  englisch-hollndischen Kriege. Nottingham billigte den Plan nicht und
  erwirkte, immer noch mit falscher Einschtzung der Strke des Feindes,
  den Befehl der Knigin, der zur Schlacht fhren mute.

  Colomb hlt Herberts Standpunkt fr den einzig richtigen; Clowes stimmt
  nicht vllig bei: Es sei doch nicht sicher, da Herbert unbedingt
  imstande gewesen sein wrde, die sich gestellte Aufgabe zu lsen; Wind-
  und Wetterverhltnisse htten ihn hindern knnen. Dieser Einwand ist
  nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Lage ist z. B. nicht durchaus
  mit der Ruyters zu vergleichen: Ruyter hatte eine weit krzere
  Kstenstrecke zu schtzen und stand im Westen (westliche Winde
  vorherrschend) der bedrohten Punkte; Herbert wollte von der Themse aus
  den ganzen Kanal bewachen. Mit beiden Kritikern mu man aber den
  Umstand verurteilen, da Herbert von London aus so bindende Befehle
  erhielt; =soweit darf der Einflu auf den Chef einer Streitmacht nicht
  gehen=, wie es hier geschah.

  (Clowes fhrt hier den Ausspruch eines Admirals der Neuzeit, =Sir G.
  Th. Hornbys=, an. Als man in England gelegentlich von Differenzen mit
  einer fremden Macht erwog, ein Kabel zur Flotte zu legen, wenn diese an
  der feindlichen Kste sei, um stets von Whitehall mit ihr in Verbindung
  zu bleiben, uerte genannter Admiral: Wenn ich der Chef der Flotte
  wre, wrde man -- so frchte ich -- bald hren, da das Kabel
  gebrochen sei.)

  Kommen wir nun zu Herberts Verhalten bei dem Zusammensto. Er kannte
  die berlegenheit des Feindes, griff trotzdem an, fhrte aber den Kampf
  nicht mit uerster Energie durch. Clowes sagt hierzu: Drei Wege
  standen ihm nach Eingang des Befehls offen:

  1. Direkter Ungehorsam und Handeln nach seiner berzeugung; das tun nur
  sehr bedeutende Mnner: Napoleon, als General, und Nelson haben es
  getan.

  2. Nachdem er die Schlacht beschlossen hatte, fechten, solange er eine
  Planke unter den Fen hatte; Nelson wrde dies getan haben.

  3. Ein Kompromi: Gehorsam gegen den Buchstaben, aber nicht den Sinn
  des Befehles; diesen Weg whlte er.

  Herbert selbst sagte in der Untersuchung aus, er habe nicht annehmen
  knnen, da die Knigin die Order unterzeichnet haben wrde, wenn sie
  die berlegenheit des Gegners voll gekannt htte. So habe er nun die
  Flotte nicht ganz opfern und damit das Land vllig dem Feinde
  preisgeben wollen; die Folgen htten ihm Recht gegeben. (Ferner: Ich
  war stets der Ansicht -- und so kam es --, da der Feind nichts
  unternehmen wrde, whilst we had a =fleet in being=.)

  Auch dies erkennt Colomb als richtig an, aber es ist doch wohl auch
  nicht ganz zutreffend: Denn wenn Tourville seinen Sieg -- zunchst
  schon taktisch durch schrfere Verfolgung, vielleicht gar Nachdringen
  in die Themse -- mehr ausgenutzt htte, wre Herbert wahrscheinlich
  auch bei dem gewhlten Verfahren vollstndig vernichtet worden. Clowes
  dagegen sagt: Wenn Herbert anders gefochten, so htte er
  mglicherweise einen glorreichen Sieg erkmpft, jedenfalls aber den
  Gegner bedeutend mehr geschdigt, und dieser wrde um so weniger etwas
  unternommen haben; keinenfalls wrden die Franzosen so unbedingte
  Herren der See geworden sein, wie sie es fr einige Zeit wurden. Auch
  diese Ansicht kann man angreifen, aber man mu doch wohl sagen: Whlte
  Herbert die Schlacht, von der er wute, da sie entscheidend werden
  wrde, so mute er auch alles tun, was er vermochte; =Kompromisse= sind
  =in groen Sachen wohl stets das Ungeeignetste und Unsicherste=.

Die Franzosen nutzten ihren Sieg weder taktisch noch strategisch aus.
Eine schrfere Verfolgung wrde den Verlust der Verbndeten weit grer,
vielleicht entscheidend fr den Krieg mit England gemacht haben; die fr
fast drei Monate errungene Seeherrschaft wurde nur zu unbedeutenden
Unternehmungen gegen die feindliche Kste und zum Abholen der
franzsischen Truppen von Irland benutzt, als Ludwig die Sache Jakobs
vorlufig aufgab.

  Diese letzte Tatsache zeigt nochmals, wie wenig auf Unterbrechung der
  Verbindung des Gegners mit der Insel auch von England gegeben wurde.
  Tourville war Ende August nach Brest gegangen, Killigrew's und Shovel's
  Geschwader waren nicht im Gefecht gewesen und doch geschah nichts, um
  das Abholen zu hindern!

  Die von den Franzosen angegebenen Grnde fr ihre Lauheit nach Beachy
  Head sind: Nach der Schlacht Munitionsmangel, dann schlechter Zustand
  der Schiffe, endlich Herannahen der schlechten Jahreszeit. Seignelay
  verlangte mehr von der Flotte, vor allem den Versuch, in die Themse
  einzudringen, wie es Ruyter einst getan habe. Dies oder hnliches htte
  die Hauptflotte unternehmen mssen, whrend leichte Schiffe Irland
  abschlossen, wo sich Wilhelm III. in Person befand. Mglich, da die
  Reste der Flotte der Verbndeten immer noch als eine fleet in being
  ernstliche Unternehmungen gegen die Kste verhindert haben; zulssig
  auch erscheint mir, die nach der Schlacht am Boyne eingetretene
  Mistimmung Ludwigs gegen Jakob und seine Sache als Grund der Lauheit
  anzunehmen; geschah doch auch nichts von franzsischer Seite, als Ende
  September endlich ein Teil der Flotte der Verbndeten die letzte Stadt
  Irlands im Sden nahm.

Der strategische Plan Ludwigs im Jahre 1690 war gewi richtig, gengende
Kraft dafr bestimmt und die Gelegenheit zur Ausfhrung gnstig, weil die
franzsische Flotte noch berlegen auftreten konnte; er scheiterte an
ungengender Vorbereitung und am Nichtausnutzen der errungenen Erfolge.
Sollte eine Invasion gelingen, so mute die geschlagene feindliche Flotte
vernichtet werden.

=Das Jahr= 1691 bringt nur die strategisch und auch taktisch glnzende
Leistung Tourvilles, seine Hochseekreuztour. Die Franzosen hatten
wiederum 70 Linienschiffe aufgestellt, auch die Verbndeten spannten
endlich ihre Krfte an und brachten jetzt gegen 100 Linienschiffe unter
Russell zusammen. Aber die Franzosen waren zuerst seeklar und nur bei
ihnen kann man einen strategischen Plan wahrnehmen. Dieser war jedoch,
nach Seignelays Tode, ein ganz anderer als im Vorjahre: anstatt einer
Offensive gegen die feindlichen Streitkrfte oder gar Ksten nur Schutz
der eigenen Kste und Angriff des feindlichen Handels, insbesondere des
groen Levanteconvois. Ohne Antwort auf seinen Einwurf, da diese
Aufgaben sich kaum vereinigen lieen, tat Tourville sein Bestes, doch sah
er im Gegensatz zu seiner Regierung den Schutz der Kste als die
wichtigere an. Als der Convoi ihm, durch Wetterverhltnisse begnstigt,
entgangen war, verstand er es, den Feind wochenlang hinter sich
herzuziehen, ohne ihm Gelegenheit zum Schlagen zu geben. Damit hinderte
er die Gegner, von ihrer starken Rstung irgendwelchen Gebrauch zu
machen, und hielt den Kanal fr die franzsischen Freibeuter sowie fr
die wiederaufgenommene Verbindung mit Irland frei.

Das Verhalten der Verbndeten war so schwchlich wie in den Vorjahren.
Wieder waren sie durch verzgerte und mangelhafte Ausrstung gelhmt,
aber auch Tatkraft in der Fhrung fehlte. Man mu annehmen, da sie noch
unter dem Eindruck der Niederlage von Beachy Head standen (Herberts
abschreckendes Schicksal), da sie deshalb trotz der bermacht ihre
Krfte so ngstlich zusammenhielten, alles andere preisgaben und doch
nichts wagten.

Zu erwhnen ist noch, da in diesem Jahre die franzsischen Streitkrfte
im Mittelmeer zu den Erfolgen gegen Savoyen und Spanien am Lande
beitrugen; die schwache spanische Marine konnte ihnen nicht
entgegentreten.

Wie Ludwig XIV. =im Jahre= 1692 den Landkrieg aufs neue mit aller Kraft
begann, so nahm er auch seinen Plan von 1690 wieder auf: Frhzeitiges
Zusammenziehen der gesamten Seestreitkrfte, um die Flotten der
Verbndeten vor der Vereinigung zu vernichten und dann in England
einzufallen. Wieder rechnete er mit einem allgemeinen Aufstande der
Jakobiten, hatte aber dieses Mal richtigerweise -- im Sinne des
verstorbenen Seignelay -- trotzdem eine groe Invasionsarmee aufgestellt.
1689 und 1690 lagen die Aussichten fr einen solchen Plan gnstig; jetzt
war es zu spt. Bei der eigenen Marine waren die Schden in der
Organisation fortgeschritten, auch machte sich infolge des langen Krieges
schon Geldmangel bemerkbar; die Feinde dagegen waren imstande, ihre
natrlichen Hilfsmittel auszunutzen. Eine berlegenheit zur See war nicht
mehr vorhanden, selbst nicht wenn smtliche Schiffe Frankreichs
rechtzeitig fertig und vereint gewesen wren; doch auch dies war nicht
der Fall. Zu dem fr Beginn der Operationen festgesetzten Zeitpunkt (Ende
April) verfgte Tourville nur ber 39 Schiffe; die Verbndeten aber waren
in diesem Jahre frher als bisher mit ihrer ganzen Macht bereit (am 19.
Mai 88 Linienschiffe). Ludwig glaubte trotzdem an die berlegenheit
seiner Flotte und gab den Befehl zum Auslaufen, als diese 45 Schiffe
stark war.

  Er hielt die Gegner fr nicht bereit oder doch, wenn dies der Fall und
  selbst wenn vereinigt, seiner Flotte kaum gewachsen und er rechnete mit
  der Unzuverlssigkeit eines groen Teiles der englischen Flotte. So
  sagen die Quellen! Diese Unkenntnis ist aber auffallend, weil man in
  Frankreich bisher und auch spter wieder stets rechtzeitig und genau
  von den feindlichen Rstungen und Plnen unterrichtet war. Man mu fast
  annehmen, da Ludwig durch Hochmut und Ungeduld fortgerissen worden
  ist.

Zu spt kam Ludwig Nachricht und Einsicht, da alle seine Voraussetzungen
falsch seien, da er vorlufig von dem Unternehmen absehen msse;
Tourville war ausgelaufen, die Gegenbefehle und die Benachrichtigung, da
die Gegner vereint seien, erreichten ihn nicht. Er stie unvermutet bei
Cap Barfleur (29. Mai) auf den Feind und griff seinem Befehle gem an,
obgleich er dessen berlegenheit erkannte. Was Tourville zu diesem
Schritte bewogen hat, wissen wir; strategische berlegungen leiteten ihn
nicht. Er stand ganz unter dem Einflu persnlicher Gefhle, und die
Schuld an der Katastrophe trifft in erster Linie den Knig, der die
berechtigten Einwendungen seines Admirals unbeachtet gelassen und ihm so
bindende Befehle gegeben hatte. Es erfolgte die Niederlage in der
Schlacht und die Vernichtung so vieler Schiffe nach dieser bei La Hogue.
Wichtiger fr den Verlauf des Krieges als der Verlust an Material war
aber, da Frankreich die Offensive zur See von jetzt an aufgab.

Der Erfolg der Verbndeten ist nur dem Umstande zuzuschreiben, da sie
ihre Rstung beeilt hatten, groe Tatkraft und strategische Kunst haben
sie auch in diesem Jahre nicht entfaltet. Sie wren sogar noch berrascht
worden, wenn Tourville fr seinen Marsch gnstigen Wind gehabt htte. Bis
zum 18. Mai lagen sie getrennt bei Rye und in den Downs, zwei Geschwader
kreuzten im Kanal; es war wohl ein Fehler, da man diese anstatt leichter
Schiffe zum Erkunden entsendet hatte. Wie sich die Sache entwickelte,
schlug die Verzgerung der Ausrstung und Vereinigung ihrer Flotte zum
Vorteil der Verbndeten aus, denn hierdurch wurde Ludwig im Festhalten
an seinem Plane bestrkt.

  Es ist nicht sicher, ob die Verbndeten genau ber die Absichten der
  Franzosen unterrichtet waren. Hollndische Quellen behaupten es,
  englische zweifeln daran. So sagt Colomb, man habe bis zum letzten
  Augenblick selbst ein Unternehmen gegen St. Malo im Auge gehabt und
  hierzu seien die Truppen in Portsmouth zusammengezogen gewesen. Das
  Zusammentreffen bei Barfleur scheint jedenfalls auch ihnen unerwartet
  gekommen zu sein.

In der Schlacht waren die Verbndeten von erdrckender bermacht, und
doch brachte diese den Franzosen den greren Ruhm. Die Verfolgung
kostete ihnen infolge der Rcksichtnahme auf die beschdigten Schiffe
zwar schwere Opfer, aber die Verbndeten htten den Sieg mehr ausbeuten
mssen, die nach der Schlacht entkommenen Schiffe durften ihnen nicht
entgehen.

Haben sie endlich die errungene Seeherrschaft ausgenutzt? Die
franzsische Flotte legte auf und die Transporter wurden mit
Marinemannschaften in den Dienst der Freibeuterei gestellt, die gerade
noch in diesem Jahre den Handel der Verbndeten auf das empfindlichste
schdigte, weit mehr als im Jahre 1690, in dem die Franzosen die See
beherrschten. Die Flotte der Verbndeten wurde zwei Monate hindurch
behufs Vorbereitungen zu einem Unternehmen auf dem Festlande, zu dem es
schlielich nicht kam, unttig zusammengehalten.

=Das Jahr= 1693 zeigt den bergang in den zweiten Abschnitt der
Kriegfhrung: die Franzosen richten ihren Angriff nur gegen den Handel,
aber noch mit einer groen Hauptflotte; die Verbndeten halten weiter
ihre Krfte zusammen, knnen sich aber noch nicht zur Offensive
entschlieen. Ihre Leistung ist auch in diesem Jahre recht mig und
zeigt eine Reihe von Fehlern und Mistnden.

Die Verbndeten beabsichtigten, ein Geschwader zur Untersttzung Spaniens
ins Mittelmeer zu senden und mit der Hauptflotte in den nrdlichen
Gewssern zu operieren. Das Geschwader sollte ferner auf der Ausreise den
Frhjahrsconvoi Levantefahrer geleiten und gerade diesem galt der
franzsische Angriff. Infolge des schlechten Unterrichtetseins und der
Unentschlossenheit auf seiten der Verbndeten sowie der Fehler des
Kommandos der Hauptflotte und des Convoifhrers gelang es Tourville, den
Convoi groenteils zu vernichten.

  Die Abfahrt des Convois war zu lange verzgert. Frankreich, gut
  unterrichtet, sandte Tourville in See, als die Abfahrt bevorstand. Die
  Hauptflotte der Verbndeten war nicht rechtzeitig bereit, um die
  franzsische in Brest festzuhalten. Als sie dann das Geschwader nebst
  Convoi durch den Kanal geleitete, wute sie nichts vom Auslaufen
  Tourvilles, und die drei Admirale auf einem Schiff versumten es,
  sich hierber zu vergewissern. Sie entlieen ihre Schutzbefohlenen zu
  frh und diese fielen infolge der Unvorsichtigkeit des Geschwaderchefs
  dem Feinde in die Hnde. Die Flotte blieb vor Brest und erfuhr erst
  ber London die Abfahrt Tourvilles; sie ging dann nach England, um neu
  auszursten und Befehle einzuholen, anstatt dem Feinde zu folgen.

Dieselben Mistnde und dieselbe Unentschlossenheit zeigen sich weiter.
Wohl sah man ein, da es richtig sei, Tourville zu folgen, um ihn an
seinem Vorhaben zu hindern oder, als es hierzu zu spt war, ihn
wenigstens zur Schlacht zu zwingen. Es kam nicht dazu; die Flotte war
ungengend ausgerstet und wurde schlielich frhzeitig aufgelst.
Tourville kehrte im Herbst unbehelligt zurck, nachdem er den Sommer ber
zum Schaden des feindlichen Handels die See im Mittelmeer beherrscht
hatte.

Im Herbst 1693 setzte der Kreuzerkrieg der Franzosen mit dem ihm
eigentmlichen Charakter ein. Auch hier traten die Verbndeten nicht mit
der ntigen Kraft auf; im November machten sie den ersten Versuch gegen
einen der Hauptsttzpunkte der Freibeuterei (St. Malo). So beginnt Ende
1693 die Kriegfhrung, die wir in den letzten Jahren des Krieges durchweg
finden.

=In den Jahren= 1694-1697 beschrnkten sich die Franzosen in den
nrdlichen Gewssern auf Kstenschutz und Kreuzerkrieg; im Mittelmeer
untersttzten sie den Angriff auf Spanien. Die Verbndeten stellten ihren
Seestreitkrften drei Aufgaben: Untersttzung Spaniens, Angriff auf
franzsische Ksten, Handelsschutz.

Im spanischen Landkriege hatten die Franzosen 1694 Erfolge durch
Untersttzung der Flotte, bis Russell im August mit der Hlfte der
verbndeten Flotte erschien. Dann ging Tourville nach Toulon und wurde
hier, auch das Jahr 1695 ber, festgehalten. Russell beherrschte die See,
aber Erfolge fr den Landkrieg errang er nicht, da die Spanier am Lande
zu schwach waren. Als er 1695 imstande war, diese durch ein Landungskorps
zu untersttzen, brach er schon gnstig liegende Unternehmungen ab,
sobald er das Auftreten der franzsischen Flotte frchten mute. 1696
zogen sich die Verbndeten aus dem Mittelmeer zurck und die Franzosen
hatten 1697 Erfolge in Spanien, die wichtig fr den Verlauf des Krieges
waren. Wir sehen also auf beiden Seiten die Flotten nur dann grere
Aufgaben an der Kste durchfhren, wenn die Seeherrschaft gesichert ist.

Die Angriffe der Verbndeten auf die franzsischen Ksten begannen 1694
mit dem greren Unternehmen gegen Brest, das vllig scheiterte, weil man
den Gegner gut vorbereitet fand. Es folgt dann die Reihe von
Beschieungen der Kstenstdte, die den Gegner wenig schdigten und ihren
einen Hauptzweck, nennenswerte Truppen von seiner Feldarmee abzuziehen,
nicht erreichten. Ein englischer Schriftsteller sagt: Sie kosteten
England mehr, als sie nutzten. Den zweiten Hauptzweck, die Freibeuterei
lahmzulegen, wrde man durch eine andere Verwendung der Seestreitkrfte
besser erreicht haben.

In Hinsicht auf die dritte Aufgabe, den Schutz des Handels, versagten die
Flotten der Verbndeten berhaupt, wenigstens bis auf die allerletzte
Zeit, weil man die Krfte aus Vorsicht oder eben zu unfruchtbaren
Unternehmungen zusammenhielt. Anderseits zeigt der Kreuzerkrieg der
Franzosen, wenn er auch erfolgreich war, doch, da ein solcher nur
gesttzt auf eine Flotte lebensfhig ist.

Die koloniale und berseeische Kriegfhrung ist auch in diesem Kriege
noch unbedeutend; nur der Zug de Pointis' gegen Cartagena (1697) war von
Einflu auf den Verlauf. Im nchsten Kriege spielt sie eine etwas grere
Rolle, von wirklicher Bedeutung wird sie erst in den Kriegen des
folgenden Zeitabschnittes.

=Colomb= (Naval warfare) =zieht auch aus den Ereignissen dieses Krieges
bemerkenswerte Schlsse=. In den Kapiteln VI und VII: Versuche, zu einem
bestimmten Zwecke die Seeherrschaft zu erringen -- nmlich einer
Invasion -- wird gesagt: Die Ereignisse des Jahres 1690 zeigen, da eine
teilweise Beherrschung der See (Tourville nach Beachy Head) noch keine
Invasion erlaubt, da selbst noch mit einer teilweise geschlagenen Flotte
gerechnet werden mu. Das Jahr 1692 zeigt die Schwierigkeit, eine
zeitliche Seeherrschaft zu gewinnen, sowie die damit verbundene groe
Gefahr, wenn man eine solche unter allen Umstnden erzwingen will.

  Colomb sagt: 1690 wurde der franzsische Versuch vereitelt durch
  Herberts gesunde Politik, geleitet durch die berzeugung, da er die
  grte Gefahr heraufbeschwre, wenn seine Flotte infolge eines anderen
  Verhaltens vernichtet wrde. (Wir wissen, da Colomb die Ansicht
  Herberts billigt.) Man kann sagen, da die Franzosen 1692 gerade
  entgegengesetzt handelten, indem sie ihre Flotte auf einen Wurf
  einsetzten, um die Invasion zu ermglichen.

Weiter wird darauf hingewiesen, da der Plan einer Invasion 1696 sofort
aufgegeben wurde, als man sah, da die verbndete Flotte fertig und somit
eine berraschung ausgeschlossen sei.

Im Kapitel XII: Die Bedingungen, unter denen Angriffe von See her
gelingen oder scheitern, nimmt Colomb die Ereignisse an der spanischen
Kste als Beispiele dafr, da auch zu solchen Unternehmungen die
unbedingte Seeherrschaft notwendig ist. Beide Parteien geben Belagerungen
von See aus auf, sobald sich der Feind nhert, ja nur seeklar gemeldet
wird; in den nrdlichen Gewssern beginnen die Verbndeten mit den
Angriffen auf die Kste erst Ende 1693, als sie unbestritten die See
beherrschen. In Hinsicht auf die Durchfhrung solcher Angriffe bespricht
Colomb den greren auf Brest 1694. Er sagt: die Seeherrschaft war hier
vorhanden, aber die Expedition war nicht stark genug und wurde fehlerhaft
geleitet.

  There was no heart in it (dies sagt er mit Beziehung auf alle
  derartigen Unternehmungen dieser Jahre) und die Landtruppen waren nicht
  annhernd gengend stark. Man durfte auch nicht in einer der Buchten
  bei der Einfahrt landen, deren Strand ganz in eine befestigte Stellung
  verwandelt war. Man htte eine strkere Macht z. B. in der
  Douarnenez-Bucht auer Bereich der feindlichen Stellung ausschiffen
  mssen.

Colomb schliet das Kapitel XII: Wenn man die Strke der Befestigungen
genau kennt, gengend Truppen verwendet, diese auer Bereich der
Befestigungen landet, durch die Flotte schlagfertig hlt und untersttzt,
so ist kein Grund, daran zu zweifeln, da jeder Platz fllt,
vorausgesetzt, da kein Entsatz ber See kommt.

Unsere Betrachtungen ber Strategie drften zeigen, da der =Einflu der
Kriegfhrung zur See= weit grer htte sein knnen. Ludwig XIV.
versumte es, von der zu Anfang vorhandenen berlegenheit seiner Marine
Gebrauch zu machen. Die Seemacht der Verbndeten gewann Zeit, ihre Kraft
zur Entfaltung zu bringen, htte dann aber weit mehr leisten mssen.
Sogar Clowes schreibt: Wenn auch der Frieden gnstig war, so kann man
doch nicht sagen, da die Marine in dem achtjhrigen Kriege viel zur
Hebung des Rufes beigetragen hat, den sie unter Cromwell und auch noch
unter Karl II. errungen hatte. Die Grnde sind jedoch teilweise durch
die Verhltnisse zu entschuldigen.

  Grobe Fehler wurden allerdings von der hchsten Leitung (Whitehall)
  gemacht: Hier war man stets vom Feinde ungengend unterrichtet; es
  mangelte an Einsicht und Entschlossenheit, und dabei beanspruchte man
  die Leitung bis ins kleinste.

  Aber auch die Verwaltung war infolge der frheren Miregierung
  schlecht: Die Schiffe waren, wenn am meisten ntig, schlecht im Stande,
  schlecht bemannt und schlecht ausgerstet. Endlich fehlte die Tatkraft
  in der Fhrung, doch ist dies wieder grtenteils eine Folge der
  politischen Verhltnisse. Die Fhrer wagten zwar einesteils wegen des
  mangelhaften Zustandes der Flotte nichts, anderseits aber scheuten sie
  sich vor Verantwortung. Jakob glaubte an eine besondere Anhnglichkeit
  der Seeoffiziere an seine Person; auch die unter Wilhelm III. leitenden
  Kreise hatten diesen Verdacht, sie zweifelten daher an der Treue und
  Zuverlssigkeit vieler Offiziere. Mitrauen herrschten im Kabinett und
  in der Hauptstadt, Parteiwesen und Unentschlossenheit im Offizierkorps.
  Ein Mann, der sich im Gefecht unglcklich oder unfhig zeigte, mute
  gewrtig sein, abgesetzt und zur Verantwortung gezogen, gar des Verrats
  angeschuldigt zu werden. Da ferner gerade manche der erfahrenen Mnner
  in Verdacht standen, der Regierung feindlich zu sein, so wurden diese
  nicht ihren Fhigkeiten entsprechend verwendet. Die ffentliche Meinung
  klagte, da man ungeeignete Personen bei Besetzung der Stellen
  bevorzugte, in deren Hnden die Leitung der Seemacht lag. Eine weitere
  Folge dieser Verhltnisse war der bestndige Wechsel im Oberkommando
  der Flotte, zweimal sogar ernannte man Joint-Admirals. Ein solches
  Unding war nur ohne Schaden mglich gewesen zu Zeiten eines Blake oder
  Monck, neben denen die Kollegen keine Rolle spielten.

Die hollndische Marine war in diesem Kriege in jeder Hinsicht besser als
die englische. Sie kam aber nicht zur Geltung, weil sie in der
gemeinsamen Flotte wesentlich schwcher vertreten war und stets unter
englischem Oberbefehl stand.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Neuntes Kapitel.

                 Der Spanische Erbfolgekrieg 1702-1713.

$Die politischen Verhltnisse und Verhandlungen vor Ausbruch des
Krieges.$[254] Auch dieser Krieg erscheint in der Hauptsache nur als ein
groer europischer Festlandskrieg, ist aber doch von der grten
Bedeutung fr die Seekriegsgeschichte. Er wird schon ebensosehr durch die
Eifersucht der Staaten in maritimen Interessen wie durch Streit um
Lnderbesitz hervorgerufen; in Beziehung auf maritime Interessen sind
seine Folgen von groer Wirkung. In ihm entscheidet sich der Kampf der
drei groen Seemchte um die Herrschaft auf dem Meere. England erringt
den von jetzt an kaum noch bestrittenen ersten Platz. Groe Aktionen zur
See bringt dieser Krieg noch weniger als der Pflzische Erbschaftskrieg.
Der Einflu der Seestreitkrfte auf den Verlauf ist zwar besonders auf
seiten der Gegner Frankreichs gro, aber er besteht, hnlich wie in dem
vorigen Kriege von 1694 an und noch mehr, fast nur in dem geruschlosen
andauernden Drucke, mit dem die Seemacht arbeiten kann, indem sie dem
Feinde die Hilfsquellen abdmmt, whrend sie die eigenen offen hlt. Aus
diesen Grnden wird sich schon die Schilderung des Spanischen
Erbfolgekrieges ebensosehr mit genauer Auslassung ber die vorstehenden
Punkte -- Ursachen und Folgen des Krieges in maritimer Hinsicht; Einflu
der Seemacht -- wie mit der Beschreibung kriegerischer Ereignisse zu
beschftigen haben.

  [254] Diese Betrachtungen bedrfen der Nachsicht. Die Verhltnisse und
        diplomatischen Verhandlungen sind sehr verwickelt, und bei der
        gebotenen Krzung waren Unvollstndigkeiten, selbst
        Ungenauigkeiten, nicht zu vermeiden; es drfte dies jedoch ohne
        Einflu auf die Beurteilung der Sachlage sein.

Wie der Name sagt, gab =die Thronfolge in Spanien= -- beim Aussterben des
habsburgischen Zweiges -- den Anla zum Kriege; schon vor dem Tode des
letzten Knigs, Karls II., beschftigte diese Frage die Kabinette. Es
handelte sich darum, ob der Nachfolger aus dem Hause Bourbon oder aus dem
habsburgischen Zweige, der in sterreich regierte, hervorgehen sollte.
Diese Huser waren erbberechtigt: In erster Linie durch die beiden
Schwestern Karls II., von denen Maria Theresia mit Ludwig XIV. und
Margarete Theresia mit Kaiser Leopold I. verheiratet gewesen waren; in
zweiter Linie auch schon durch die beiden Schwestern Knig Philipps IV.,
von denen Anna die Gemahlin Ludwigs XIII. und Maria Anna die Kaiser
Ferdinands III. gewesen waren (die Mtter Ludwigs XIV. und Leopolds I.).

Ludwig XIV. und Leopold sahen wohl ein, da die brigen Staaten nicht
zulassen wrden, Spanien mit ihren Lndern zu vereinigen, sie traten
deshalb fr ihre Person und ihre Thronfolger zurck. Ludwig verlangte den
spanischen Thron fr seinen Enkel Philipp von Anjou (einen jngeren
Bruder), Leopold fr seinen zweiten Sohn (aus dritter Ehe).

  Maria Theresia hatte bei ihrer Verheiratung auf die Erbfolge
  verzichtet; das einzige Kind Margarete Theresias verzichtete zugunsten
  ihres Vaters auf die Thronfolge in Spanien, als sie sich mit Max
  Emanuel von Bayern verband, doch erkannten weder Ludwig XIV. noch der
  Kurfrst diese Verzichte an. Erbberechtigt erschienen so: Der Dauphin
  von Frankreich, der Kurprinz von Bayern und der lteste Sohn Leopolds;
  der Dauphin und Leopolds Sohn auch schon von den Schwestern Philipps
  IV. her.

Man mute sich also vereinbaren und legte Wert auf die letzte
Willensmeinung des Knigs von Spanien. Dieser war seinen deutschen
Verwandten zugeneigt, aber die Partei der Knigin arbeitete, von
Frankreich beeinflut, fr das Haus Bourbon. Fr die anderen Staaten
handelte es sich aber im Hinblick auf =das politische Gleichgewicht=
nicht nur darum, an welches der beiden Huser Spanien fallen, sondern
wohl noch mehr darum, ob es in seinem ganzen ungeheuren Umfange bestehen
bleiben sollte. Dies war besonders wichtig fr die Seenationen, weil bei
ihrer Auffassung des Gleichgewichts der Einflu der neuen politischen
Gestaltung auf Handel und Schiffahrt, auf die Beherrschung des Ozeans und
des Mittelmeeres schwer ins Gewicht fiel.

  Zu Spanien gehrten: Neben Mailand und anderen Provinzen in Norditalien
  der Sden dieser Halbinsel, Sicilien, Sardinien, die Balearen; die
  spanischen Niederlande; auf der westlichen Halbkugel Kuba, Portorico
  und die groen Staaten Sdamerikas, deren Bedeutung fr den Handel man
  gerade zu erkennen begann; endlich groe Besitzungen in Indien. Solange
  Spanien wie in den letzten Jahrzehnten ohnmchtig war, hatten die
  Seenationen gleichgltig auf diese groe Ausdehnung, gerade in
  maritimer Hinsicht, geblickt. Anders wurde die Sachlage fr sie, wenn
  eine strkere Regierung in Spanien das Ruder fhrte, die vielleicht gar
  einen Rckhalt an einer anderen Gromacht hatte; wir werden sehen, da
  whrend aller Verhandlungen, spter whrend des Krieges und endlich
  beim Friedensschlu diese maritimen Interessen von grtem Einflu
  waren.

  Wegen der Wichtigkeit in maritimer Hinsicht -- aber auch wegen des
  Charakters Ludwigs XIV. -- mute ein Erfolg Frankreichs bei der Lsung
  der Frage des Seenationen bedenklicher erscheinen als der der
  Gegenpartei; die Verhandlungen der Kabinette nherten sich
  infolgedessen immer mehr einer neuen Allianz gegen Frankreich, und
  wieder wurde Wilhelm III. von England die Seele dieser Bewegung.
  England und Holland frchteten ganz besonders, wenn ein Bourbon den
  Thron Spaniens bestieg, den Einflu Frankreichs in den spanischen
  Niederlanden, ein franzsisches Handelsmonopol im spanischen Amerika
  und die Beherrschung der Strae von Gibraltar zugunsten Frankreichs;
  dieses erschien ihnen sowohl im Hinblick auf den Handel wie vom
  militrischen Standpunkte aus gefhrlich; hatte ihnen doch im letzten
  Kriege Cadiz als Sttzpunkt gegen die Verbindung der franzsischen
  Streitkrfte von Toulon und Brest gedient.

Die Seenationen machten nun zunchst einen =Vermittlungsvorschlag= (im
Haag 1688): Joseph, der Kurprinz von Bayern, sollte Spanien, Indien und
die Niederlande erben; an Karl, des Kaisers Sohn, sollten Mailand und an
einen Sohn Ludwigs Neapel und Sicilien fallen. So waren alle
Erbberechtigten bedacht, und auch sie erreichten ihren Zweck; Frankreich
erhielt zwar eine strkere Stellung im Mittelmeer, aber dieser glaubten
die Regierungen der Seestaaten gewachsen zu sein. Ludwig ging auf diesen
Vorschlag ein, vielleicht nur um im Bunde mit England und Holland den
Kaiser zu schrecken oder um fr seine Umtriebe in Madrid Zeit zu
gewinnen. Der Kaiser jedoch widersetzte sich, da er seiner Familie gerade
die Mittelmeerstellung erhalten wollte, und alles flog in die Luft, als
der Kurprinz 1699 pltzlich (an Gift?) starb.

In Spanien war die ffentliche Meinung gegen jede Lsung der Frage, die
das Reich zersplitterte, und der Partei der Knigin gelang es, den Knig
zu bestimmen, in seinem Testament (Oktober 1700) =Philipp von Anjou= als
Thronfolger einzusetzen; der Knig starb am 1. November 1700. Ludwig XIV.
erkannte das Testament an, ohne auf seine Verhandlungen mit den
Seemchten Rcksicht zu nehmen; er lie seinen Enkel zum Knig ausrufen
und sandte ihn im Januar 1701 nach Spanien. Anjou fand dort keinen
Widerstand, er zog im April als Knig Philipp V. feierlich in Madrid ein;
auch in Mailand und Neapel wurde er anerkannt, ebenso vom Papst und von
Mantua. Er war aber ganz auf Frankreichs Untersttzung angewiesen, da in
Spanien Heer und Flotte gnzlich verfallen waren.

  Bei seiner Abreise sagte ihm Ludwig: Sei ein guter Spanier, das ist
  deine erste Pflicht, aber vergi auch nicht, da du ein geborener
  Franzose bist, um stets die Verbindung zwischen beiden Lndern und
  damit den Frieden Europas aufrecht zu erhalten. Ludwig frohlockte auch
  schon mit dem Ausspruch: Es gibt keine Pyrenen mehr! Sein Triumph
  war berechtigt: die Vereinigung der Lnder beim Hause Bourbon versprach
  groe Vorteile fr Frankreich, schon weil dieses dadurch einen alten
  Feind im Rcken verlor, der trotz seiner Schwche oft die
  Erweiterungsplne nach Osten behindert hatte. Tatschlich haben ja auch
  die beiden Knigreiche dann lange Zeit, mit nur kurzer Unterbrechung,
  in einem auf Familienbeziehungen beruhenden Bndnisse gelebt, das nur
  wegen Spaniens Ohnmacht nicht gefhrlich fr das brige Europa wurde.

=Nun drohte der Krieg=; die Bevlkerung der Seestaaten wollte aber nach
den Leiden des letzten Kampfes noch Ruhe haben. Man versuchte deshalb,
Ludwig zu einigem Nachgeben zu bewegen, und machte einen neuen
Vermittlungsvorschlag, nach dem Anjou Spanien behalten sollte, aber
Frankreich keine Handelsbevorzugung in den Kolonien gewhren drfe; die
italienischen Provinzen sollten smtlich an Karl fallen, wodurch dem
vorhin erwhnten Anspruch des Kaisers gengt wre. Den Seemchten
erschien es fr ihre maritimen Interessen weit unbedenklicher, Sditalien
in habsburgischen Hnden zu sehen als in bourbonischen; es ist
bemerkenswert, da diese Lsung der Frage annhernd schlielich das
Ergebnis des zehnjhrigen Krieges wurde.

=Ludwig= XIV. war aber inzwischen schon weiter gegangen, indem er im
Februar, im Einverstndnis mit dem spanischen Statthalter, aus den
Festungen der spanischen Niederlande die hollndischen Besatzungen
vertrieben hatte, die dort nach altem Vertrage zum Schutze dieser Provinz
und somit Hollands selbst lagen. Nun begann Holland zu rsten und auch
der Kaiser sammelte Truppen (Prinz Eugen), um sich die Lombardei zu
sichern. Ludwig sandte sofort ein Heer (Catinat) nach Oberitalien, um den
sterreichern den Weg zu verlegen; hier begann der Krieg schon im Mai
1701.

  Der Kaiser war zunchst noch in bedrngter Lage. Infolge der
  Trkenkriege war der Schatz erschpft und in Ungarn erforderten neue
  Unruhen ein Heer; Ludwig hatte Savoyen sowie die Kurfrsten von Bayern
  und Kln fr sich gewonnen, auch ganz Italien stand gegen den Kaiser;
  mit ihm gingen allerdings die meisten anderen deutschen Frsten,
  besonders Preuen und Hannover, die er sich durch Gewhrung der Knigs-
  und Kurfrstenwrde verpflichtet hatte.

Die neuen Versuche der Seemchte, auf friedlichem Wege ihren Zweck zu
erreichen, hatten auch keinen Erfolg. Ludwig gab nicht nach, und wie
Holland gentigt war, zu seinem eigenen Schutze zu rsten, so wurde auch
in England die Stimmung feindlicher. Schon der erste Teilungsvorschlag
war hier dem Volke nicht genehm gewesen, weil durch ihn Neapel und
Sicilien unter franzsischen Einflu gekommen wren; jetzt sprach sich
das Parlament offen gegen jede Lsung der Frage aus, die Frankreichs
Herrschaft im Mittelmeer strke, und gab dem Knige freie Hand, eine neue
groe Allianz gegen Ludwig XIV. herbeizufhren. Im September 1701
schlossen =die Seemchte= einen geheimen Vertrag mit dem =Kaiser=, in dem
folgende =Grundzge fr einen bevorstehenden Krieg= niedergelegt wurden:
Besetzung der spanischen Niederlande zum Schutze Hollands; Eroberung der
italienischen Provinzen fr den Kaiser; Berechtigung der Seemchte,
auereuropische spanische Besitzungen fr sich zu erobern. Keiner der
Verbndeten solle allein mit Frankreich in Unterhandlung treten und ohne
sicherzustellen, da niemals Frankreich Spanisch-Indien erhielte oder
dort Handelsbeziehungen anknpfe, endlich da England und Holland die
Handelsvorrechte behielten, die sie unter dem verstorbenen Knige
besessen hatten. Diese Bedingungen entsprachen also dem letzten
Teilungsvorschlage: Anjou wurde als Knig anerkannt, aber die Seenationen
sicherten sich groe maritime Vorteile und bercksichtigten doch die
Ansprche des Kaisers -- deutsche Truppen muten ja in erster Linie den
Landkrieg fhren.

Zum Ausbruch des allgemeinen Krieges kam es aber noch immer nicht.
Holland wollte nicht ohne England losschlagen, und hier konnten sich die
Handelskreise noch nicht entschlieen, noch nicht von dem Eindruck der
Verluste im letzten Kriege freimachen. In diesem kritischen Augenblicke
starb Jakob II. (16. Dezember 1701) und Ludwig lie sich bewegen, trotz
der Bedingung im Frieden von Ryswijk dessen Sohn als Knig Jakob III. von
England anzuerkennen. Dies fate das englische Volk als Drohung und
Beleidigung auf, und das Parlament bewilligte jetzt alle verlangten
Mittel zum Kriege sowie Subsidien fr Deutschland. Wilhelm III. starb
zwar am 8. Mrz 1702, doch die Knigin Anna blieb seiner Politik treu;
der Herzog von Marlborough wurde nicht nur in England, sondern fr die
Verbndeten berhaupt, die in diesem Kriege treibende Persnlichkeit, wie
es frher Wilhelm von Oranien gewesen war. In den Niederlanden, wo kein
neuer Statthalter gewhlt wurde, gelang es dem Ratspensionr der Staaten
von Holland, Heinsius, die Politik im Sinne Wilhelms fortzufhren. =Im
Mai 1702 wurde der Krieg erklrt.=

  =Die Kriegserklrung= erging: von Holland an die Knige von Frankreich
  und Spanien; von England an den Knig von Frankreich und an Spanien, da
  Anna nach der Proklamation Jakobs zum Knige von England Philipp nicht
  mehr als Herrscher anerkannte; vom Kaiser an den Knig von Frankreich
  und an Philipp von Anjou, da er Spanien als Eigentum seines Hauses
  ansah.

In dem Kriegsplane der Verbndeten trat bald eine, fr uns besonders
wichtige, Vernderung ein. Im Jahre 1703 wurde von allen Verbndeten
=Karl von sterreich= als Karl III. zum Knige von Spanien ausgerufen.
=Portugal= trat dem Bunde bei und Karl sollte mit Untersttzung dieses
Landes sowie der Seemchte sein Reich erobern. In Spanien hatte er
besonders in Katalonien und Aragonien Anhnger, whrend die sdlichen
Provinzen und besonders Kastilien auf seiten Philipps standen.

  Der Knig von Portugal, =Dom Pedro= II., hatte aus Furcht vor
  Frankreich Anjou anerkannt, obgleich er im Herzen sein Gegner war; auch
  er frchtete fr die Zukunft den wachsenden Einflu Frankreichs in
  Spanien. sterreich versprach ihm nun Abtretung spanischen Gebietes,
  England Geldhilfe. Er wollte sich aber nicht erklren, ehe nicht Karl
  in Lissabon gelandet und damit den Verbndeten die Verpflichtung
  erwachsen sei, auch auf der Pyrenischen Halbinsel in einen Landkrieg
  einzutreten.

  Gleichzeitig schlossen Portugal und England den =Methuen-Vertrag= --
  benannt nach dem die Verhandlungen fhrenden englischen Gesandten --,
  des Inhalts, da England sich verpflichtete, die Einfuhr der Weine
  Portugals, Portugal die der englischen Fabrikate zu begnstigen. Wenn
  der Vertrag auch scheinbar beiden Teilen gleich gnstig war, so brachte
  er doch tatschlich den Handel Portugals ganz in Englands Hnde und
  fhrte das Gold Brasiliens ber Lissabon nach England; ein Vorteil, der
  schon in diesem Kriege von Nutzen und von Wichtigkeit wurde.

  Von dieser Zeit an blieb Portugal notgedrungen, weil es von England
  mehr zu hoffen und mehr zu frchten hatte als von irgend einer anderen
  Macht, ein treuer Bundesgenosse Englands, mit dessen Hfen als
  Sttzpunkten die englische Seemacht rechnen konnte.

Damit wurden die Seemchte in einen groen Landkrieg auf der Pyrenischen
Halbinsel verwickelt und muten ihre Seestreitkrfte vornehmlich dafr
verwenden, whrend sich bei der einfachen Durchfhrung des Vertrages vom
September 1701 die Kriegfhrung zur See wohl neben dem Mittelmeer in
groem Mae auf die berseeischen Gewsser und die Kolonien erstreckt
haben wrde. Wenn bisher mehrfach gesagt ist, in diesem Falle wrden die
Seestreitkrfte im Mittelmeer nicht ntig gewesen sein, so ist dies nicht
richtig. Auch nach dem ersten Kriegsplane lagen wichtige Aufgaben fr die
Flotten im Mittelmeer, und es drfte jetzt kein Zweifel mehr sein,[255]
da Wilhelm III. und nach ihm Marlborough vom Beginn des Krieges an und
whrend seines ganzen Verlaufes eine Strkung der Macht Englands im
Mittelmeer im Auge hatten, insbesondere die Beherrschung der Strae von
Gibraltar; schon bei den Verhandlungen ber die Teilung Spaniens
verlangte Wilhelm, da England einen Hafen an der Strae (Ceuta oder
Oran) sowie einen oder zwei innerhalb dieser (z. B. Port Mahon) erhalten
msse, wenn ein franzsischer Prinz den Thron Spaniens bestiege.

  [255] Corbett Mediterranean.

Auch der =Herzog von Savoyen=, der anfangs auf franzsischer Seite stand,
trat 1703 der groen Allianz bei; aus dem hochmtigen Auftreten Philipps
V., seines Schwiegersohnes, ihm gegenber schlo er, da er sich auf
Versprechungen Ludwigs doch nicht verlassen knne.

$Der allgemeine Verlauf des Krieges.$ Der Landkrieg spielte sich in den
Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien ab. Nur auf den beiden
letztgenannten Kriegsschaupltzen griffen die Seestreitkrfte in den
Kampf ein, es ist aber doch ntig, einen berblick ber den Gesamtkrieg
zu geben -- in dem so viele berhmte Generale fochten --, um den Einflu
des Seekrieges zu verstehen und zu wrdigen.

$Im Jahre 1701$ besetzte Ludwig XIV. die spanischen Niederlande und
sandte ein Heer unter Marschall =Catinat= nach Italien, um den
sterreichern unter Prinz Eugen bei der Veroneser Klause den Weg nach der
Lombardei zu verlegen; =Prinz Eugen= aber gelang es, ber die Gebirge den
Feind zu umgehen und im Mai bei Verona in seinem Rcken zu erscheinen.
Obgleich weit schwcher, brachte er dann durch den berfall bei Carpi (9.
Juli) seinem Gegner eine Schlappe bei und schlug, als Catinat
infolgedessen abberufen war, den weit weniger fhigen Marschall Villeroi
bei Chiari (1. September), ja nahm ihn sogar durch berfall bei Cremona
(2. Februar 1702) gefangen.

Auch das ganze $Jahr 1702$ hindurch hielt sich Eugen gegen den Marschall
=Vendme=; 1703 wurde der Prinz als Prsident des Hofkriegsrates nach
Wien berufen und bald darauf zur Niederwerfung des Aufstandes nach Ungarn
gesandt.

Im Frhjahr 1702 begann der Krieg in den Niederlanden und in Deutschland.
Der Herzog von =Marlborough= sollte mit einem englisch-hollndischen
Heere die spanischen Niederlande erobern und =Ludwig von Baden=
gleichzeitig ein Reichsheer gegen Frankreich fhren. Marlborough, durch
Brandenburg von Cleve her untersttzt, fiel ins Klnische ein und nahm
Bonn; in den Niederlanden wurde er durch die vielen Festungen aufgehalten
und konnte nicht vordringen, um Baden zu untersttzen. Dieser eroberte
zwar Landau und schlug die Franzosen, die ihn umgehen wollten, zurck; er
konnte aber nicht hindern, da der Kurfrst =Max Emanuel= mit den Bayern
ihn im Rcken bedrohte und die feste Reichsstadt Ulm besetzte.

=Die Flotte der Verbndeten= unternahm 1702 einen fruchtlosen Angriff auf
Cadiz (August-September) und vernichtete die Silberflotte in Vigo (23.
Oktober). Dieser Erfolg trug nicht wenig dazu bei, Portugal auf seiten
der Gegner Frankreichs zu bringen; er zeigte ihm, da eine die See
beherrschende Macht (England) mehr Einflu auf sein Schicksal habe als
die Nachbarlandmacht (Spanien).

$1703$ vereinigte Marschall =Villars= die franzsische Rheinarmee mit der
bayerischen an der oberen Donau; Ludwig von Baden wrde den Gegnern
erlegen sein, wenn diese einig gewesen wren. Aber der Kurfrst trennte
sich von Villars und wandte sich nach Tirol, um sich mit Vendme in
Italien zu vereinigen. Er kam in dem von Truppen entblten Lande bis zum
Brenner, wurde dann durch das aufgestandene Volk unter schweren Verlusten
(z. B. die Steinberschttung an der Pontlatzer Brcke) wieder verjagt.
=Vendme=, der von Italien aus in Tirol eindringen wollte, war vom Grafen
Starhemberg, Eugens Nachfolger, weiter festgehalten. Auf diesem
Kriegsschauplatze fanden die sterreicher jetzt Untersttzung an Savoyen,
wenn auch dessen Herzog (sein Land von den Franzosen besetzt, Turin
belagert, das Heer entwaffnet) sich zunchst auf den kleinen Krieg im
Rcken der Franzosen beschrnkt sah.

$1704$ machte Ludwig XIV. die grten Anstrengungen, eine baldige
Entscheidung herbeizufhren, waren doch Portugal und Savoyen zu den
Gegnern getreten; die Seemchte bereiteten einen Angriff von Portugal aus
auf Spanien vor, mit Savoyen hatte er seine Rckendeckung in Italien
verloren. =Vendme= stand in Italien mit 60000 Mann, =Villeroi= in
gleicher Strke in den Niederlanden, der Hauptschlag sollte in
Deutschland gefhrt werden. Hierzu waren 100000 Mann aufgeboten; sie
standen zum Teil, mit den Bayern vereint, unter =Marzin= bei Augsburg,
zum Teil unter =Tallard=, der Marzin verstrken sollte, endlich unter
=Coigny= an der Mosel den Brandenburgern im Clevischen gegenber. =Baden=
stand mit nur 30000 Mann zwischen Marzin und Tallard in den
Stollhofer-Linien. Zwar rckte =Prinz Eugen= heran, um ihm Luft zu
machen, aber nur mit 20000 Mann. Aus dieser schwierigen Lage wurden die
Verbndeten durch das selbstndige Eingreifen ihrer beiden grten
Feldherren, =Eugen und Marlborough=, die sich behufs Vereinigung in
Einverstndnis gesetzt hatten, befreit; der englische General war bereit,
auf der gefhrdeten Stelle zu erscheinen. Es war schwierig, denn in
England durfte es nicht bekannt werden, weil Ludwig XIV. sonst sofort
Kenntnis davon erhalten htte, und die Generalstaaten wollten das Heer in
den Niederlanden nicht geschwcht haben. Aber mit dem Ratspensionr
Heinsius im Einverstndnis lie Marlborough nur die Hollnder Villeroi
gegenberstehen und marschierte (im Mai) mit den englischen und den von
Holland besoldeten deutschen Truppen nach dem Neckar. Wenn nun auch
Villeroi zu Tallard eilte und Tallard Verstrkungen fr Marzin absandte,
so wurde dieser doch abgehalten, weiter auf Wien zu marschieren; er
wandte sich nach Ulm, um Tallard zu erwarten.

Eugen, Marlborough und Baden vereinigten sich bei =Gro-Heppach= im
Remstal. Baden, der gegen eine entscheidende Schlacht war, beanspruchte
anfangs den Oberbefehl, doch einigte man sich darber, diesen abwechselnd
zu fhren. Man rckte gegen Donauwrth vor, und als Marlborough am 2.
Juli kommandierte, schlug er die Bayern am Schellenberge; Baden ward dann
veranlat, Ingolstadt zu belagern. =Eugen und Marlborough= schlugen =bei
Hchstdt= (Blindheim; englisch Blenheim) am 13. August mit 52000 Mann
das feindliche Heer, 58000 Mann, unter Max Emanuel, Marzin und Tallard,
ehe der schon in der Nhe befindliche Villeroi herankam. Tallard wurde
mit 12000 Mann gefangen genommen; der Kurfrst und Marzin flohen auf
Villeroi zurck; Ulm wurde den Bayern, Landau den Franzosen abgenommen.
Die Sieger waren aber nicht stark genug, ihren Erfolg auszunutzen, doch
wurde mit Hchstdt Deutschland von den Franzosen gesubert und blieb in
der Folge nur noch ein untergeordneter Kriegsschauplatz; Max Emanuel
wurde gechtet -- er fhrte spter franzsische Heere in den Niederlanden
-- und Bayern trat von der franzsischen Verbindung zurck.

=Die Ttigkeit der verbndeten Seestreitkrfte= bestand im Jahre 1703 der
Hauptsache nach nur darin, die franzsische Flotte in Toulon
festzuhalten, im Jahre 1704 aber war sie von groer Bedeutung. Eine
Flotte brachte Karl III. nach Lissabon, eroberte =Gibraltar= und trieb
die franzsische, die diese Stadt decken oder wiedernehmen sollte, durch
die =Schlacht bei Malaga= -- die einzige Seeschlacht dieses Krieges --
zurck; damit war die Erringung einer dauernden Seeherrschaft im
Mittelmeer eingeleitet. Der Landkrieg in Spanien wurde in diesem Jahre
nur erst schwach an der portugiesischen Grenze gefhrt.

$Im Jahre 1705$ sollte =Marlborough= die spanischen Niederlande, =Eugen=
Italien von den Franzosen subern, es gelang aber nicht; der Tod des
Kaisers Leopold (11. Januar) trat verzgernd dazwischen, die Hollnder
zeigten sich lau, Eugen war nicht stark genug. Besser stand es auf der
Pyrenischen Halbinsel. Hier wurde die Wiedereroberung Gibraltars, schon
seit dem Winter 1904 durch ein spanisches Heer unter dem franzsischen
Marschall Tess belagert, durch das Wintergeschwader der Verbndeten
vereitelt und Spanien von zwei Seiten angegriffen. Das Vordringen von
Portugal aus gegen Tess kam zwar nicht vorwrts, aber mit Hilfe einer
groen Flotte wurde Barcelona genommen (3. Oktober) und von hier aus
Katalonien, Aragonien und Valencia erobert. Zwar sandte Ludwig XIV. frh
$im Jahre 1706$ ein Heer unter =Noailles= nach Spanien, das von Norden
her gegen Katalonien vorging, whrend =Tess= von Westen herankam, und
Knig Karl wurde auf Barcelona zurckgeworfen und dort mit Untersttzung
einer franzsischen Flotte belagert. Aber auch diese Stadt entsetzte die
verbndete Flotte (10. Mai), die franzsische Armee ging nach Frankreich
zurck, die Verbndeten drangen von Portugal aus vor und zogen in Madrid
ein (26. Juni); Knig Philipp floh nach Frankreich. In diesem Jahre
wurden auch sonst Erfolge errungen. =Marlborough= schlug Villeroi bei
=Ramillies= (23. Mai); =Prinz Eugen=, durch Brandenburger unter =Leopold
von Dessau= verstrkt, drngte die Franzosen unter dem Herzog von Orleans
(Nachfolger Vendmes) zurck und warf sie durch die =Schlacht vor Turin=
(7. September) ganz aus Norditalien hinaus. Nur am Rhein konnte Ludwig
von Baden kaum seine Stellung Villars gegenber behaupten, da die
Reichsstnde ihre Kontingente nur unvollstndig stellten.

=Das Eingreifen der Flotte= war in diesen beiden Jahren von groer
Bedeutung: Entsatz von Gibraltar; berfhrung des Heeres nach Katalonien;
Eroberung Barcelonas und anderer Kstenstdte, sowie Mallorcas; Entsatz
Barcelonas. Es mu jedoch darauf hingewiesen werden, da die Erfolge
stets im Winter wieder auf dem Spiele standen, wenn sich die Flotte
zurckzog, weil man nicht wagte, sie im Mittelmeer berwintern zu lassen.

$1707$ stand Frankreich also sehr ungnstig da und wre vielleicht
niedergezwungen, wenn ein =Plan Marlboroughs= durchgefhrt wre. Dieser
geniale Feldherr und Staatsmann versuchte schon seit Beginn des Jahres
1706, die verbndeten Regierungen zu einem Hauptangriff auf die Provence
zu bewegen, um die lange franzsische Stellung von den Niederlanden bis
Spanien in der Mitte zu durchbrechen und Frankreich auch im Mittelmeer
von allen Zufuhren abzuschneiden, wie es an den anderen Ksten schon
nahezu geschehen war. Prinz Eugen sollte mit dem Herzog von Savoyen,
verstrkt durch englisch-hollndische Truppen und untersttzt von der
Flotte, den Sto ausfhren, gleichzeitig sollte ein krftiger Vorsto in
den Niederlanden erfolgen und der Krieg in Spanien mglichst gefrdert
werden; auch mit einer stark wieder auflodernden Erhebung der
Protestanten in den Cevennen, die 1703 entstanden und eben erst in der
Hauptsache unterdrckt war, wurde gerechnet. Der Plan kam nicht zur
vollen Durchfhrung: Der Vorsto in den Niederlanden unterblieb; Eugen
wurde nach seinen Erfolgen 1706 nicht nur nicht verstrkt, sondern sogar
durch Abgabe von Truppen zur Eroberung Neapels fr Karl III. (1707)
geschwcht. Eugen drang zwar in die Provence ein und belagerte Toulon,
beides untersttzt durch die Flotte, mute aber nach Italien zurckgehen
(Juli-August). Marlborough machte in den Niederlanden 1707 noch einige
Fortschritte, am Rhein dagegen drangen die Franzosen nach Ludwigs von
Baden Tode (Januar 1707) vor und wurden nur dadurch gehemmt, da sie
Truppen nach Toulon senden muten. Der Vorsto in die Provence hatte
sonst nur den einzigen unmittelbaren Erfolg, da die Franzosen eine groe
Zahl ihrer Linienschiffe in Toulon, die sie versenkt hatten, verloren.

Auch in Spanien hatte sich das Blatt schon im Herbst 1706 gewandt. Die
Verbndeten konnten sich in Kastilien nicht halten, da sich das Volk
erhob und ein neues franzsisches Heer erschien. Sie zogen nach
Katalonien ab und Philipp V. traf wieder in Madrid ein (Oktober 1706).
Bei dem Versuch 1707, unter dem Earl of Galway wieder gegen Madrid
vorzudringen, wurden sie bei Almansa (25. April) geschlagen und ganz
Spanien fiel bis auf Katalonien an Philipp zurck.

Schon 1707 war Ludwig XIV. zum Frieden geneigt; er unterhandelte, geheim
und getrennt, mit dem Kaiser und mit England. Jener sah sich ungengend
vom Reiche untersttzt und hatte Aussicht, wenigstens Italien zu
erhalten; in England war man gleichfalls wegen der Rckschlge in Spanien
und wegen des Fehlschlages auf Toulon teilweise geneigt, doch Marlborough
arbeitete dagegen und es wurden dann auch dem Kaiser neue Versprechungen
gemacht. Marlborough hatte fr England recht, das Ausharren sollte im
nchsten Jahre belohnt werden.

$Im Jahre 1708$ schlugen =Marlborough und Eugen= den Marschall Vendme
bei =Oudenaarde= (11. Juli), viele Festungen fielen in ihre Hand und die
Franzosen wurden aus Flandern sowie Brabant vertrieben. In Spanien
machten die Franzosen kaum noch Fortschritte, dagegen wurde Sardinien und
Minorca fr Knig Karl erobert.

=Die Ttigkeit der Seestreitkrfte= war 1707 und 1708 zuerst eng an den
Landkrieg geknpft. Sie fhrten Verstrkungen von England und Holland
nach Spanien, begleiteten lngs der Kste den Vor- und Rckmarsch Eugens
und wirkten bei der Belagerung Toulons mit; spter sicherten sie die
berfhrungen deutscher Truppen von Italien nach Katalonien. Dann aber
brachte die Flotte die Insel Sardinien unter Karls Oberhoheit (August
1708) und untersttzte die von Katalonien ausgehende (General Stanhope,
September) Einnahme Minorcas. England sicherte sich wie bei Gibraltar
durch alleinige Besetzung =Port Mahon= als Sttzpunkt.

Zu Ende des Jahres 1708 war Ludwig in grter Bedrngnis: Italien und die
Niederlande verloren; Spanien nur eben zu halten; das Heer geschwcht
und das Land erschpft. Er entschlo sich zu demtigenden
Friedensverhandlungen; er wollte fr Philipp nur Neapel behalten, das
Elsa, Straburg, Lille, Tournay zurckgeben. Als ihm aber zugemutet
wurde, selbst seinen Enkel mit franzsischen Truppen aus Spanien zu
vertreiben, setzte er den Krieg fort; es sollte jetzt auch ein Umschlag
eintreten.

$1709$ errangen zwar Eugen und Marlborough nochmals einen groen Sieg bei
=Malplaquet= ber Villars (11. September). Ludwig mute seine Truppen aus
Spanien zurckziehen, Karl III. drang wieder vor, siegte spter (20.
August 1710) bei Saragossa und zog jetzt endlich in Madrid ein. Philipp
mute aufs neue fliehen und auch Ludwig riet ihm nun, Spanien aufzugeben
und sich mit Sicilien und Sardinien zu begngen. Aber Philipp blieb im
Vertrauen auf die Kastilier standhaft und auch Vendme zog wieder zu
Felde. Die Lage war gnstiger geworden. $Im Jahre 1710$ begann der Bund
gegen Frankreich zu verfallen. In England kam die Gegenpartei
Marlboroughs ans Ruder, sie war gegen die Fortsetzung des Krieges. Auch
im Volke war man zum Frieden geneigt; man war berzeugt, schon jetzt fr
sich so gnstige Bedingungen zu erreichen, da ein Mehr den weiteren
Opfern nicht entsprechen wrde. So begannen Unterhandlungen zwischen
England und Frankreich, die eifriger betrieben wurden, als Kaiser Joseph
(17. April 1711) starb. Karl III. kam dadurch auf den sterreichischen
Thron und auch seine Wahl zum Kaiser war vorauszusehen; England konnte
aber nicht zulassen, da jetzt Spanien mit sterreich vereinigt wrde.

Dementsprechend gab England $1711$ die Sache Karls in Spanien auf; diese
war schon dadurch fast unhaltbar geworden, da Vendme im Dezember 1710
den sterreichischen General Starhemberg bei Villa Viciosa vllig
geschlagen und bald darauf den Englnder Stanhope mit seinen Truppen
gefangen genommen hatte. Karl III. verlie Ende September 1711 Spanien
und wurde am 12. Oktober als Karl VI. zum Kaiser gewhlt. Schon am 8.
Oktober ward zwischen England und Frankreich im geheimen ein
gegenhabsburgischer Vertrag geschlossen und bald darauf erffnete man die
Friedensverhandlungen. Vergebens ging $1712$ (Januar) =Prinz Eugen= nach
England, um fr seinen Freund Marlborough und fr die gemeinschaftliche
Sache einzutreten. Marlborough fiel vllig in Ungnade und wurde vom
Kommando abberufen; sein Nachfolger untersttzte Eugen und die Hollnder
nicht mehr, sie wurden von Villars geschlagen (27. Juli bei Denain) und
zurckgedrngt, Als dann Philipp V. auf die Thronfolge in Frankreich
verzichtete und Ludwig XIV. diesem Verzicht staatsrechtliche Gltigkeit
verlieh, wurde zwischen England (nebst Portugal) und Frankreich (nebst
Spanien) Waffenstillstand geschlossen; der Friedenskongre in Utrecht
wurde erffnet, dem Holland notgedrungen beitrat.

=Der Flotte der Verbndeten= fielen in den letzten Jahren des Krieges nur
wenig in die Augen springende Aufgaben zu: Deckung von Truppen- und
Zufuhr-Transporten von Italien nach Spanien; Hinderung der Verbindung
Frankreichs ber See mit Spanien, Afrika und der Levante; Druck auf die
bourbonisch gesinnten Staaten Italiens. Diese Aufgaben lieen sich jetzt
von Port Mahon, wo die Flotte ausrsten und berwintern konnte, weit
besser und vor allem stndig durchfhren.

Wir haben die erfolgreiche Mitwirkung der Seestreitkrfte der Verbndeten
whrend der ganzen Dauer des Krieges angedeutet. Da =die franzsische
Marine= ihnen nicht wirksamer entgegentrat, lag vornehmlich an ihrem
Verfall infolge Geldmangels (vgl. Seite 425). In der ersten Hlfte des
Krieges wurden ihr noch einige Male (1701, 1704, 1706) Aufgaben von
Wichtigkeit gestellt. Sie konnte diese in ihrer Schwche nicht lsen; das
Vertrauen zu ihr sank und mit zunehmender Vernachlssigung schritt der
Verfall fort. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges wurde nur
Tatkraft im kleinen Kriege, besonders in den nrdlichen Gewssern,
entfaltet und auch dem Handel der Seenationen schwerer Schaden zugefgt.
Hiergegen und gegen den franzsischen Handel operierten die Teile der
englischen und hollndischen Marinen, die im Mittelmeer nicht ntig
waren; es geschah dies mit immer mehr Erfolg, weil auch hierin die Kraft
der Franzosen nachlie und in den letzten Jahren die Flotte im Mittelmeer
vermindert werden konnte.

Am 13. April 1713 wurde der $Frieden von Utrecht$ geschlossen. =Die
Bedingungen= waren ganz besonders gnstig fr England. Ludwig XIV. mute
die von England in Aussicht genommene Thronfolge des Hauses Hannover
anerkennen, wodurch die protestantische Regierung in England gesichert
war, und den Prtendenten Jakob ausweisen. England erhielt Gibraltar und
Minorca -- Sttzpunkte fr seine Seemacht im Mittelmeer, zu denen bei der
engen Verbindung mit Portugal auch noch die Hfen dieses Landes traten --
sowie in Amerika Neufundland, Akadia (die Kap Bretoninsel, der Schlssel
zum Lorenz-Golf verblieb noch bei Frankreich) und die franzsischen
Besitzungen an der Hudsonbai -- der erste Schritt zum Gewinn Kanadas. Von
Frankreich und von Spanien erhielt England endlich sehr gnstige
Handelsvertrge bewilligt. Der wichtigste dieser war der
Assiento-Vertrag, durch den England allein von Spanien die Einfuhr von
Negersklaven in Spanisch-Amerika gestattet wurde; schon an sich lohnend,
wurde dieser Sklavenhandel noch wertvoller als Grundlage eines ungeheuren
Schmuggelhandels. Von Frankreich an Portugal gemachte Zugestndnisse in
Sdamerika kamen ebenfalls England zugute.

Philipp von Anjou behielt den spanischen Thron und Spanien seine
auereuropischen Besitzungen; von den spanischen Niederlanden fielen
Geldern an Preuen, dessen Knigtum gleichzeitig anerkannt wurde, die
brigen Provinzen (Belgien) an den Kaiser, der auch Mailand, Neapel und
Sardinien erhielt; an den Herzog von Savoyen, dem man gleichfalls den
Knigstitel zugestand, wurde Sicilien abgetreten.

Holland erhielt das Besatzungsrecht einiger Stdte Belgiens -- die
Barrierenstdte, teils allein, teils im Verein mit sterreich --; die
Sperrung der Schelde im Interesse der hollndischen Hfen blieb auch fr
den Handel der jetzt sterreichischen Niederlande bestehen; der
Handelsvertrag mit Frankreich gab Holland dieselben Vorrechte wie
England.

Das Deutsche Reich kam am schlechtesten weg. Die ungnstigen Bedingungen
des Friedens von Ryswijk wurden besttigt, nur seinen rechtsrheinischen
Gewinn gab Frankreich zurck; die Kurfrsten von Bayern und Kln wurden
aus der Reichsacht gelst und erhielten ihre Lnder wieder.

  Die Bedingungen, die sterreich und das Deutsche Reich betreffen,
  wurden im Frieden von Utrecht nur vorgeschlagen und erst in spteren
  Sonderfrieden besttigt. Der Kaiser setzte den Krieg fort; ohne die
  Subsidien der Seestaaten und von den Reichsfrsten nur mangelhaft
  untersttzt -- die stlichen und nrdlichen Staaten des Reiches waren
  in den nordischen Krieg (1700-1721; vgl. Kapitel X) verwickelt --
  konnte er aber dem Andringen Frankreichs (Villars gegen Eugen) nicht
  mehr widerstehen. Es schlo am 7. Mrz 1714 den Frieden von Rastatt fr
  sterreich und am 7. September den von Baden fr das Reich mit
  Frankreich. Mit Spanien wurde von sterreich der Frieden noch nicht
  geschlossen (erst 1720); Karl verzichtete also noch nicht auf den
  spanischen Thron.

Der Frieden von Utrecht ist ein Markstein in der Geschichte. Von ihm
datiert Englands Vormachtstellung zur See; die von England gestellten
Forderungen zeigten, da es in vollstem Mae eine Seemacht geworden und
sich dessen bewut war. Wir kommen hierauf in den Schlubemerkungen zu
diesem Kriege zurck.


        $ber die Streitmittel$ (anschlieend an Seite 417 ff.).

Da der Spanische Erbfolgekrieg der letzte groe Seekrieg unseres dritten
Abschnittes ist, soll die innere Geschichte der drei groen Marinen hier
gleich bis zum Jahre 1739 fortgefhrt werden. Wir haben sie kennen
gelernt bis 1697; Als genannter Krieg 1702 ausbrach, hatte sich kaum
etwas gendert; groe Wandlungen aber sollten whrend des Krieges und in
der Zeit bis zum Beginn des nchsten Zeitabschnittes in den Marinen vor
sich gehen: die alte, stolze Marine Hollands verschwand nahezu ganz; die
franzsische sank tiefer und tiefer; die englische schritt fort auf ihrem
Wege zur Beherrschung der Meere.

In $Holland$ beginnt mit dem Spanischen Erbfolgekriege der Verfall der
Marine.[256] Wir haben gesehen, da sie im vorigen Kriege noch mchtig
dastand; Wilhelm von Oranien war bestrebt, sie auch nach dem Frieden von
Ryswijk so zu erhalten, da er voraussah, da der Friede nicht lange
dauern wrde. Es handelte sich zunchst darum, die ntigen Mittel zu
beschaffen, da die Admiralitten stark verschuldet waren, besonders die
von Seeland, Amsterdam und der Maas, die fast allein die Schiffe gestellt
und whrend des Krieges kaum von den eigenen Provinzen, geschweige denn
von den Landprovinzen, die zustehenden Gelder empfangen hatten.

  [256] De Jonge, Teil III, Seite 542, 568, Teil IV, Seite 94, 231,
        bespricht -- blutenden Herzens -- genauer diesen Verfall mit
        seinen Grnden.

  Die Admiralitt Amsterdam z. B. hatte von der Provinz Holland 4840000
  Gulden und von den andern 1900000 Gulden zu fordern; man war hier sogar
  den meisten Kapitnen einen 8-17 monatliches Gehalt schuldig.

Es gelang Wilhelm, die Generalstaaten zur Aufnahme einer Anleihe von 12
Millionen zu bewegen; die Admiralitten wurden dadurch in den Stand
gesetzt, die Schiffe auszubessern, die Magazine zu fllen und ihren
Kredit wieder herzustellen. Man setzte den Bau der 18 Linienschiffe, die
schon vor dem Frieden bewilligt waren, fort und beschlo 1701 weitere 12
(II. und III. Klasse) auf Stapel zu legen. Wilhelm brachte ferner die
Formierung von drei Regimentern Seesoldaten durch, die sich, wie die der
englischen Marine; im kommenden Kriege nicht nur an Bord, sondern auch am
Lande in Spanien sehr gut bewhrten.

Der =Schiffsbestand= hatte im vorigen Kriege meist gegen 90 Linienschiffe
betragen. Um 1700 waren infolge der Verluste und Ausrangierungen nur noch
74 -- darunter 15 I. Klasse, 80-96 Kanonen; 16 II. Klasse, 70 bis 74
Kanonen; 24 III. Klasse, 60-68 Kanonen -- vorhanden, doch war durch die
Neubauten fr baldigen Ersatz gesorgt. Die Marine htte somit im
Spanischen Erbfolgekriege ebenso mchtig auftreten knnen wie im
Pflzischen Erbschaftskriege, aber der Tod Wilhelms trat hindernd
dazwischen. Da kein neuer Statthalter gewhlt wurde, zeigten sich die
belstnde der frheren statthalterlosen Zeit aufs neue; der
Ratspensionr von Holland war zwar bestrebt, die Marine weiter zu
pflegen, er besa aber nicht den Einflu, den Oranien und auch de Witt
besessen hatten. Mit der Statthalterwrde fiel auch die Stelle des
Admiralgenerals weg, dessen Befugnisse wieder geteilt an die
Generalstaaten, an die Regierungen der Provinzen und an die Admiralitten
bergingen; dem Seewesen fehlte der Mittelpunkt und die treibende Kraft.
Die Landprovinzen hatten wie frher kein Interesse oder kein Verstndnis
fr den Seekrieg, der fern im Mittelmeer gefhrt wurde, aber auch die
Seeprovinzen lieen sich fters mehr von Privatinteressen -- Schutz des
Handels -- leiten. Den Admiralitten wurden auergewhnliche Mittel, wie
sie zum Bau und zur Indiensthaltung grerer Schlachtschiffe ntig waren,
nicht mehr bewilligt; die gewhnlichen Mittel, die nur fr die Erhaltung
der Schiffe zum Handelsschutz bemessen waren, gingen bald wieder
unregelmig und unvollstndig, von den Landprovinzen hufig gar nicht
ein; durch die Indienststellungen fr den Krieg gerieten die
Admiralitten bald wieder in Schulden. So kam es, da von 1701-1713 nur
21 Linienschiffe, nicht einmal die Zahl der 1697 und 1701 bewilligten,
gebaut wurden, obgleich Heinsius 1703, 1706, 1710 Neubauten beantragt
hatte.

Der Verfall der Marine trat schon bei den Rstungen whrend des Krieges
zutage. Die Beratungen ber die jhrlichen Indienststellungen wurden spt
begonnen und trge gefhrt, das dann Beschlossene entsprach nicht der
Gre der Marine; die Ausfhrung wurde infolge Geldmangels verzgert, ja
blieb hufig hinter dem Beschlusse zurck. Die Englnder erhoben gegen
Ende des Krieges die Klage, Holland habe es anfangs an der Hlfte und von
1707 ab an 2/3 der nach der Abmachung zu stellenden Streitkrfte (England
5/8, Holland 3/8 der gemeinsamen Flotte) fehlen lassen.

  Wenn de Jonge, wie wir gehrt haben, nachdrcklich Wilhelm von Oranien
  gegen den Vorwurf in Schutz nimmt (vgl. Seite 419, 422), den Verfall
  der Marine verschuldet zu haben, so sagt er doch von diesem und von
  Heinsius spter, da sie beim Eingehen der Verbindlichkeiten fr einen
  groen Land- und Seekrieg gleichzeitig die Kraft der Niederlande
  berschtzt htten. Der Landkrieg nahm die Mittel sehr in Anspruch, fr
  ihn stellte Holland ein weit greres Kontingent als England. Der
  hollndische Seehandel litt nicht allein durch den eigenen Krieg,
  sondern auch durch ungnstige Handelsverhltnisse in der Ostsee
  (nordischer Krieg; Epidemien an einzelnen Ksten dort), so da auch die
  reichen Seeprovinzen die groen Opfer nicht mehr aufbringen konnten.

  Es sind whrend des Krieges in Dienst gestellt, Linienschiffe:

  1702: 20 }         15 }           1707  16 }         16 }
  1703: 12 } Mittel- 22 } nrdliche 1708  14 } Mittel- 17 } nrdliche
  1704: 18 } meer-   17 } Gewsser  1709  14 } meer-   16 } Gewsser
  1705: 20 } flotte  15 }           1710  14 } flotte   7 }
  1706: 18 }         12 }           1711  13 }         -- }

  Ferner: 8 Fregatten bei der Mittelmeerflotte und 30-40 Convoi-
  Begleitschiffe jhrlich.

  Der Frage, wie weit hiernach die englische Klage berechtigt erscheint,
  werden wir bei den Schlubetrachtungen ber den Krieg nher treten.

  Kennzeichnend fr die ungnstigen Verhltnisse aber ist, da von 1707
  an auf die Flotte im Mittelmeer aus Sparsamkeit nur ein Admiral
  kommandiert wurde; man erinnere sich an die bergroe Zahl der
  Flaggoffiziere auf den Flotten frherer Zeiten.

So hatte der Ruf der hollndischen Marine schon whrend des Spanischen
Erbfolgekrieges sehr gelitten, und es kann nicht wundernehmen, wenn die
Englnder sie nicht mehr fr voll ansahen, wenn bei gemeinschaftlichen
Unternehmungen die englischen Befehlshaber auf die hollndischen, wie
diese hufig klagen, immer weniger Rcksicht nahmen.

Immerhin hat die hollndische Marine in diesem Kriege noch eine Rolle
gespielt, dann aber wurde ihr Verfall in wenigen Jahren ein vollkommener.
De Jonge sagt: Der Frieden von Utrecht ist ein Wendepunkt in der
Geschichte der Niederlande im allgemeinen und in der der Marine im
besondern. Bis zu diesem Zeitpunkt sprach die Republik, gesttzt auf ihre
Seemacht, in allen groen politischen Angelegenheiten, in allen Kriegen
und bei allen Friedensschlssen ein gewichtiges Wort mit. Von jetzt an
aber hlt sie sich zurck, vermeidet den Krieg mit ngstlichkeit,
schliet Vertrge ber Vertrge selbst mit Gefhrdung der Ehre des
Staates, um den Frieden zu erhalten, und verwahrlost ihre Land- und
Seestreitkrfte. Wir werden der Marine der Niederlande von jetzt an nur
noch als einer sehr untergeordneten begegnen, sie war nicht mehr
imstande, den an sie herantretenden Anforderungen zu gengen.

  Nach Utrecht blieb die Lage der Admiralitten in dem traurigen
  Zustande, wie er nach dem Tode Oraniens eingetreten war.
  Auergewhnliche Mittel wurden nicht mehr bewilligt, die Landprovinzen
  zahlten Jahre hindurch nicht einmal die gewhnlichen Beitrge. Mhsam
  gelang es den Seeprovinzen, innerhalb der nchsten zehn Jahre die
  Schulden ihrer Admiralitten zu decken, darunter jahrelang rckstndige
  Gehlter der Offiziere sowie Pensionen fr Witwen und Waisen.

  Von 1715 an erforderte der nordische Krieg eine Machtentfaltung
  Hollands (und Englands) in der Ostsee zum Schutze des Handels. In
  diesem Jahre gelang es noch, 12 Linienschiffe zu entsenden; 1716 waren
  es nur 2 Linienschiffe und 4 Fregatten, 1717 kein Segel. Die Folge war,
  da in diesem Jahre nur 200 Kauffahrer zur Ostsee gingen gegen sonst
  500. 1718 beabsichtigten die Generalstaaten deshalb, 30 Kriegsschiffe
  auszursten, aber nur 12 waren aufzubringen. hnlich war es im
  Mittelmeer, wo seit 1716 die Belstigung des Handels durch die
  Raubstaaten wieder zunahm. Erst 1721 konnte man 4 kleine Linienschiffe
  und 4 Fregatten dagegen aufstellen, spter bis 1740 nur noch kleine
  Divisionen von Fregatten. 1727 und 1729 entsandte man allerdings 5 und
  9 Linienschiffe. Diese waren aber ursprnglich in Dienst gestellt, da
  man eine Strung des europischen Friedens befrchtete; welch
  unbedeutende Macht fr einen solchen Fall! Gegen die Seeruber mute
  man Kaperbriefe ausgeben und die alte Bestimmung, nach der die
  Levantefahrer zum Selbstschutz stark armiert und bemannt sein sollten,
  wieder streng durchfhren.

Man war nicht imstande, das Material in seiner Strke zu erhalten; die
Schiffe verrotteten auf den vernachlssigten Werften und der Ersatzbau
war ganz unbedeutend. Bis 1723 wurden nur in Amsterdam 9 Schiffe gebaut,
dann bis 1740 bei allen Admiralitten etwa 50, unter allen diesen nur 30
Linienschiffe. Um 1740, bei Beginn des nchsten Abschnitts, war der
=Schiffsbestand=: 1 zu 90 Kanonen, 1699 erbaut und in Seeland wohl nur
deshalb erhalten, weil diese Provinz das Flottenflaggschiff zu stellen
hatte; 5 zu 72 Kanonen, darunter 3 von 1715-1719 erbaut; 8 zu 64 Kanonen,
15 zu 52 bis 58 Kanonen. Insgesamt waren 29 Linienschiffe und 22 kleinere
Fahrzeuge vorhanden, von denen 14 und 17 zu Amsterdam gehrten.

In gleicher Weise ging das =Personal= zurck. Bei den geringen
Indienststellungen verlieen in den Jahren nach dem Kriege viele
Offiziere, Deck- und Unteroffiziere, den Dienst, um zu den groen
Kompagnien oder ins Ausland zu gehen; der Dienst wurde nicht mehr
gesucht. Die im Dienst bleibenden Offiziere wurden alt in ihrem Range und
hatten keine Aussicht auf Befrderung, denn freiwerdende hhere Stellen
blieben unbesetzt. Der Ersatz wurde infolgedessen ungengend und, da die
Stellen (auch in der Verwaltung) oft nach Gunst vergeben wurden,
minderwertig. Auch fr die Deck- und Unteroffiziere fand sich nur
sprlicher und schlechter Ersatz; ebensowenig waren gute seeerfahrene
Matrosen zum Eintritt zu bewegen. Selbst bei den wenigen
Indienststellungen machte die Bemannungsfrage die grten
Schwierigkeiten; Disziplin und Kriegsfertigkeit litten natrlich unter
solchen Umstnden. Zu Beginn des nchsten Abschnittes war Holland nicht
imstande, auch nur ein greres Geschwader schlagfertig in Dienst zu
stellen; erst ein neuer Statthalter, Wilhelm IV. 1747, versuchte, die
Marine wieder zu heben.

  Als die Republik in den sterreichischen Erbfolgekrieg hineingezogen
  war, verpflichtete sie sich (April 1744), zu einer gemeinsamen Flotte
  mit England 15 Linienschiffe und 5 schwere Fregatten zu stellen. Wer
  sollte dieses Kontingent kommandieren? In Seeland waren vorhanden: ein
  Leutnantadmiral, zu alt und zu gebrechlich, um an Bord zu gehen; ein
  Kontreadmiral, vllig taub; ein Vizeadmiral. Nach altem Brauch mute
  aber der Leutnantadmiral von Holland fhren und die Admiralitten von
  Amsterdam und der Maas verfgten nur noch ber einen Kontreadmiral von
  72 Jahren. Dieser (Grove) wurde deshalb sofort zum Leutnantadmiral der
  Maas ernannt, drei schon bejahrte Kapitne zum Leutnantadmiral von
  Amsterdam, zum Vize- und zum Kontreadmiral; auer Grove, der die
  Streitkrfte 1717/1718 in der Ostsee kommandiert, hatte keiner der
  neuen Flaggoffiziere je einen greren Verband von Schiffen gefhrt.
  Von den zu stellenden Schiffen stieen zunchst nur 8 Linienschiffe und
  erst im August zu den Englndern -- die Fregatten waren zur Aufnahme
  des ostindischen Convois entsandt -- und als die vereinigte Flotte kaum
  vier Wochen in See war, muten drei Schiffe wegen Krankheit an Bord
  einen Nothafen aufsuchen; weitere 8 Linienschiffe stieen erst im
  Winter zur Flotte. Um dieses Geschwader zu bemannen, hatte man
  Werbeoffiziere nach Hamburg, Bremen und Kopenhagen gesandt, aber dort
  nur wenig befahrene Matrosen erhalten; man mute noch mit Strflingen
  aus den Gefngnissen auffllen. Brauchbare Unteroffiziere fehlten,
  Feuerwerkerpersonal mute z. B. in Dnemark angeworben werden. Viele
  der Offiziere waren minderwertig, sie und auch die Kommandanten hatten
  keine bung im Geschwaderfahren. Der tchtigste der Admirale
  (Schrijver, mit 58 Jahren noch verhltnismig jung) erwhnte dies
  spter in einer Denkschrift fr den neuen Statthalter und fgte hinzu:
  und der Geschwaderchef konnte sie nicht belehren, da er es selber
  nicht verstand. Wenn die Flotte mit einem gleichstarken Feinde, der
  Ordnung gehalten htte, zusammengekommen wre, so wrde das
  hollndische Kontingent durch Unordnung wohl eine Niederlage
  herbeigefhrt haben.

$In Frankreich$[257] war, wie wir gehrt haben (Seite 422 ff.), die
Marine seit Colberts Tode zurckgegangen, besonders unter dem
Marineminister Louis de Pontchartrin; und es ging weiter mit ihr bergab.
1699 bernahm =Jerme de Pontchartrin=, der Sohn von Louis, der schon
mehrere Jahre unter seinem Vater gearbeitet hatte, das Ministerium. Er
gilt gemeiniglich als ein schlechter Marineminister, doch ist das Urteil
ber ihn wohl durch seine vielen Feinde getrbt. Er war 39 Jahre alt,
klug, unterrichtet und von festem Willen, aber auch tyrannisch, hart,
ehrgeizig und eiferschtig in Hinsicht auf seine Autoritt. Zweifellos
ehrlich bestrebt, den schnellen Verfall der Marine aufzuhalten,
beschleunigte er ihn durch seine Fehler, aber ihm allein darf man doch
die Schuld nicht aufbrden. Der Hauptgrund war der Mangel an Geld. Jerme
war nicht, wie sein Vater, gleichzeitig Finanzminister, konnte also die
Mittel nicht selbst bestimmen. Schon sein Vater hatte nach dem Frieden
1697 das Budget der Marine von 25 Millionen auf 18 herabgesetzt; Jerme
forderte spter ununterbrochen gengende Mittel und sagte die traurigen
Folgen falscher Sparsamkeit voraus.

  [257] Hauptquelle: Chab.-Arnault, dem hier besonders die Kennzeichnung
        der leitenden Mnner entnommen ist. Die Angaben ber
        Schiffsbestnde nach Bonfils, Teil II, Seite 177.

Und noch ein zweiter Umstand trat ihm hindernd entgegen. Wir wissen, da
seit Colbert die Verwaltungsbehrden in der Marine eine grere Macht
besaen als die militrischen, da die Seeoffiziere stets bestrebt waren,
diese Macht zu brechen und da infolgedessen fr den Dienst hchst
nachteilige Reibungen zwischen den officiers de plume und den
officiers d'pe auftraten. Als Jerme sein Amt bernahm, war der
Admiral von Frankreich, =Graf von Toulouse= (Sohn der Montespan), kein
Kind mehr, und durch ihn wurde der Widerstand der Seeoffiziere wesentlich
gestrkt. Dies mute die Ttigkeit des Ministers lhmen; anderseits wird
ihm aber vorgeworfen, er habe aus Eifersucht die Rstungen und die
Operationen der Flotte, die Toulouse kommandierte, gehemmt. Unter ihm
blieb allerdings, wie unter seinem Vater, whrend des grten Teiles des
Krieges die Ttigkeit der Seestreitkrfte auf den kleinen Krieg
beschrnkt, aber es ist doch die Frage, ob er es wie dieser aus Mangel an
Verstndnis fr die Kriegfhrung zur See, oder gar aus Eifersucht getan
hat, oder ob er nicht durch die Schwchen der Marine dazu gezwungen war.
Gleich bei Beginn des Krieges 1701 entsandte er eine grere Flotte, 1705
eine solche von 50 Linienschiffen und 1706 eine von 30, sie waren nie
stark genug oder zu spt bereit, um Erfolge zu erzielen; auch in den
Zwischenjahren wurde gerstet, man zog aber die Krfte nicht zusammen,
und von 1707 ab fanden keine bedeutenden Indienststellungen mehr statt.
Stets litt die Marine unter Geldmangel und unter dem schon eingerissenen
innern Verfall; sie konnte ihre Kraft nicht entfalten, verlor dadurch an
Bedeutung in den Augen des Knigs, seiner Rte und sogar des Volkes, was
wieder noch geringere Frsorge fr sie zur Folge hatte.

Der Geldmangel fhrte weitere schlimme Zustnde herbei; die Verwaltung
geriet in Schulden. Die Lieferanten konnten nicht bezahlt, das technische
Personal und die Arbeiter auf den Werften nicht gelhnt werden; die
besten verlieen den Dienst und, um den Rest zu behalten, muten hufig
die Vorrte in den Arsenalen usw. zu Schleuderpreisen verkauft werden.
Das Einreien von Unehrlichkeit im Personal der Verwaltung, fr das der
Finanzminister 1702 gegen 100 neue Stellen geschaffen und an
Meistbietende verkauft hatte, war eine Folge dieser Miwirtschaft.

Auch auf das =Personal= der Flotte wirkte sie demoralisierend, der
Kreuzerkrieg half dabei. Viele der unregelmig besoldeten Offiziere
nahmen Dienst auf den von Privaten ausgersteten Schiffen und auch auf
den vom Staate armierten waren sie auf ihren Vorteil bedacht; im
Offizierkorps gingen Disziplin und das Gefhl fr Ehre und Pflicht
verloren. Ebenso stand es mit der Mannschaft. Da sich bei der
Bestechlichkeit der Beamten die Inskribierten, die ber einige Mittel
verfgten, vom Dienste freimachen konnten, war selbst bei den geringen
Indienststellungen der Bedarf nur durch Pressen zu decken; mit Hrte
mute diese Maregel durchgefhrt werden, wie Verbrecher wurden die Leute
ihren Schiffen zugefhrt.

Was aus dem =Schiffsmaterial= unter solchen Verhltnissen wurde, ist
klar; die Schiffe verwahrlosten auf den Werften, an Ersatz verlorener
oder verbrauchter wurde nicht gedacht. 1696 besa die Marine 135 Schiffe
ber 40 Kanonen und 20 von 34-36 Kanonen; 1712 nur 85 Linienschiffe und
10 von 10-44 Kanonen, smtlich in schlechtem Zustande.

  Chabaud-Arnault sagt (Seite 112): Dahin war es mit der Marine unter
  Jermes de P. Amtsttigkeit gekommen, gewi teilweise durch seine
  Schuld, aber mehr noch infolge der Verhltnisse und durch die Schuld
  der anderen Minister und Ludwigs XIV. selber, der der Gre seiner
  Marine nicht mehr die Wichtigkeit beilegte wie ehemals.

=Whrend der Regentschaft= 1715-1723 sank die Marine noch tiefer;
Kardinal Dubois wagte nichts zu ihrer Hebung zu tun, um nicht Englands
Eifersucht zu erregen. An Stelle des Marineministers trat unter dem
Admiral von Frankreich (Toulouse) eine Kommission, bestehend aus einem
Prsidenten, Marschall Victor d'Estres, 3 Seeoffizieren und 3
Verwaltungs-Beamten. Toulouse und d'Estres hatten wohl den guten Willen,
Ordnung in der Verwaltung herbeizufhren, die Schiffe zu erhalten,
Disziplin und Geist der Offiziere zu heben; aber auch sie scheiterten am
Geldmangel: die guten Krfte der Werften verlieen weiter den Dienst; die
Bleibenden und so auch viele Offiziere lebten im Elend; die Seestdte
entvlkerten sich. Fr 1729 wird der =Schiffsbestand= nur noch auf 45
Linienschiffe, 10 Fregatten und 10 Transporter angegeben.

Mit der Mndigkeit =Ludwigs= XV. wurde wieder ein Marineminister ernannt:
der =Graf de Maurepas=, der Sohn Jermes de Pontchartrin; er blieb es 26
Jahre hindurch. Er war klug, ttig und von bestem Willen beseelt, aber
auch er kmpfte vergebens. Wieder frchtete der jetzige Leiter
Frankreichs, Kardinal Fleury (Premierminister 1723-1743), die Eifersucht
Englands, und das Marinebudget betrug nur 8 Millionen; unter Ludwig XIV.
war es selbst in Friedenszeiten nie unter 18 Millionen gesunken und das
Geld war jetzt weit weniger wert. Trotzdem verlor Maurepas den Mut nicht;
er strebte an, ein wenn auch geringes so doch gutes Schiffsmaterial zu
beschaffen. Doch der Geldmangel erschwerte dies ungemein, die
Ersatzbauten wurden in grnem Holz ausgefhrt und hatten keine lange
Lebensdauer, der Zustand der Werften blieb schlecht.

Ebensowenig Erfolg hatten seine Bestrebungen, das =Personal= zu heben.
Aber wie konnte er Lust und Liebe zum Dienst in einem Offizierkorps
erwecken, in dem seit 20 Jahren jede Befrderung stockte; der Etat war
auf die Hlfte herabgesetzt, es gab gardes de la marine von 40 Jahren.
Die Reibungen zwischen den Offizieren und den Beamten nahmen immer mehr
zu. Die Schiffskommandos weigerten sich hufig, den Anweisungen der
Verwaltung zu folgen, die gelieferten Vorrte und Ausrstungsgegenstnde
anzunehmen, Abrechnungen einzureichen, ja sogar das Personal in den
Stellungen zu verwenden, fr die es berwiesen war; man gab ihnen aber
auch erbrmliche Mannschaft, unbrauchbare Bordbeamte, die Ausrstung
wurde ohne Verstndnis und von schlechter Beschaffenheit geliefert.

Die Disziplin der Mannschaft -- gepret, widerrechtlich festgehalten,
unregelmig gelhnt, schlecht gekleidet und verpflegt -- sank soweit,
da man bei Auerdienststellungen Zivilarbeiter heranziehen mute, da die
Besatzung im Hafen nicht arbeiten wollte; selbst auf Rhede gingen die
Leute fast nach Belieben an Land, man mute zufrieden sein, wenn sie beim
Auslaufen zur Stelle waren.

Maurepas gelang es immerhin, einiges Gute zu schaffen. Nach und nach
fhrte er eine mildere Behandlung der Dienstpflichtigen ein und die
vielfach fortgezogene Kstenbevlkerung mehrte sich wieder, das Wachsen
der Kauffahrteimarine sowie das Aufblhen der Kolonien unter Fleury
wirkte mit; in das System der Einschreibung fr den Seedienst kam wieder
Ordnung. Er vervollkommnete den wissenschaftlichen Unterricht der
Offiziere, stellte Schul- und bungsschiffe in Dienst und entsandte in
alle Meere Fahrzeuge zu geographischen und hydrographischen Arbeiten; er
grndete Schulen fr Marinerzte. So wird von ihm wohl mit Recht gesagt,
da er dem spteren Aufschwung der Marine vorgearbeitet habe.

Am Schlu des Abschnittes stand die Marine aber noch traurig da. =Der
Schiffsbestand= 1742 war nur 48 Linienschiffe, 15 Fregatten, 14
Transporter[258]; die Fahrzeuge waren in mangelhaftem Zustande, die
Werften ohne fhige Arbeiter, Arsenale und Magazine leer. Das
Offizierkorps war von 1140 im Jahre 1696 (1040 um 1701) auf 660 Kpfe
gesunken. Frher hatte man in Kriegszeiten auch noch eine groe
Untersttzung durch tchtige Krfte der Handelsmarine gehabt (Jean Bart,
Trouin usw. stammten daher), die besonders auf kleineren Fahrzeugen,
Transportern, Kapern verwendet wurden; die guten Elemente dieses Ersatzes
zogen sich, von den aktiven Offizieren immer hochmtiger behandelt, nach
und nach ganz zurck. Bei Ausbruch des Krieges 1744 machte nur die
Bemannung mit Matrosen weniger Schwierigkeit als frher.

  [258] Mahan, Teil I, Seite 249, gibt nach Campbell 45 Linienschiffe und
        67 Fregatten, womit wohl berhaupt kleinere Schiffe gemeint sind,
        an.

  Chabaud-Arnault sagt (Seite 133): Die franzsische Marine hat von
  1713-1744 keine Geschichte, sie wurde durch die leitenden Staatsmnner
  zur Unttigkeit, ja zu beispielloser Demtigung verdammt, um nicht
  Eifersucht und Mitrauen bei den Englndern zu erregen. In zwei
  Kriegen, in denen die Flotte eine wichtige Rolle htte spielen knnen
  (1719 Quadrupelallianz gegen Spanien; 1733 Polnischer Erbfolgekrieg),
  blieb sie in den Hfen, nur mit einigen Schiffen wurden unbedeutende
  Demonstrationen gemacht; im ersten Kriege wurden sogar franzsische
  Truppen auf englischen Schiffen an die feindlichen Ksten geworfen.

In $England$[259] schritt die Entwicklung der Marine stetig fort. =Der
Schiffsbestand= betrug:

          Schiffe:  I. Klasse     II.        III.         IV.
                   (96-100 K.) (80-90 K.) (60-74 K.)  (40-54 K.)
          1688          9          11         39          40
          1702          8          12         45          44

                   { (100 K.)  (90 u. 98)  (80 u. 70) (60 u. 50)
          1727     {
                   {    7          13        16, 24       24, 40
                    --------------+------------
                                  |
                              Dreidecker.

          Schiffe:     V.        VI.      Gesamt
                   (28-32 K.) (16-20 K.)
          1688         12         6         117
          1702         28        16         153

                   {  (40)      (20)            (und 14
          1727     {                             Sloops
                   {   24        29         177  4-10K.)


  [259] Hauptquellen wie frher: Clowes, Teil II und III; Colomb.

Die Gesamtzahl von 1727 war schon um 1714 erreicht. Auch spter wuchs der
Bestand weiter, besonders in der III., V. und VI. Klasse. Nach einigen
Quellen (z. B. Campbell) soll er in den dreiiger Jahren auf 70
Linienschiffe und 19 Schiffe von 50 Kanonen gefallen sein. (dagegen sagt
Clowes, die Marine sei seit 1727 stndig gewachsen), doch waren nach
derselben Angabe um 1744 wieder 90 Linienschiffe ber 64 Kanonen und 84
Fregatten (wohl Klasse IV-VI) vorhanden.

  Die Tabelle zeigt, wie die Entwicklung stetig in der frher
  geschilderten Weise (Seite 174 ff.) fortschreitet. Schon 1702 sehen wir
  einen geringen Zuwachs in der III. und IV. Klasse, einen bedeutenden in
  der V. und VI. 1727 haben sich die Grenzen der Klassen sehr verschoben,
  in allen ist die Armierung weit strker geworden und auch der
  Tonnengehalt gewachsen.[260] Die Zahl der Schiffe von 60 Kanonen
  aufwrts ist sehr gewachsen, die der I. und II. Klasse jedoch nicht
  mit. Auch spter nimmt der Bestand der III., V., VI. Klasse weiter zu.
  Die Schiffe der III. Klasse, bald nun 64-84 Kanonen, werden als die
  geeignetsten Schlachtschiffe erkannt, die der V., nun 30-40 Kanonen,
  und der VI., nun 20-30 Kanonen, als die geeignetsten Fahrzeuge gegen
  Kreuzer und Handelsschiffe; die Schiffe der IV. Klasse, nun 50-60
  Kanonen, sind fr die Linie zu leicht, fr letzteren Zweck zu schwer;
  sie werden im Kolonialdienst verwendet.

  [260] ber Armierung nach Kalibern vgl. fr 1719 die Tabelle Seite 170;
        ber Tonnengehalt fr 1688 und 1727 vgl. Seite 177/178.

In Hinsicht auf die Machtentfaltung der englischen Marine in dem jetzt zu
besprechenden Kriege sind leider keine Angaben ber die jhrlichen
Gesamtindienststellungen vorhanden; die Schilderung der Ereignisse sowie
die spteren Schlubetrachtungen werden zeigen, da man sie auf 70-80
Linienschiffe und alle vorhandenen kleineren Fahrzeuge annehmen kann.

Dem =Personal= ward weiter Frsorge zuteil. Wir wissen, da nach dem
ersten englisch-hollndischen Kriege der Seeoffizierstand anfing, ein
Lebensberuf zu werden, da man anstrebte, Personen der besseren Stnde
heranzuziehen; schon 1676 waren Bestimmungen erlassen, die dies
begnstigen sollten. Um 1700 wurde der Halbsold eingefhrt, auf den alle
Kommandanten, erste Offiziere und Master, wenn sie ein Jahr als solche
gedient, ein Anrecht hatten. 1728 wurde in Portsmouth eine Marineschule
(naval academy) mit Schluprfung als Vorbildungsschule gegrndet. Jedoch
nicht alle Offiziere besuchten diese; lange Jahre noch bis 1794 soll es
(nach Clowes) vorteilhafter gewesen sein, als Page eines Admirals oder
Kapitns (Junker?) einzutreten. Seit 1688 gab es eine Rangliste, von 1700
an erschien sie von Zeit zu Zeit im Druck. Es entwickelte sich also immer
mehr ein festes Seeoffizierkorps und dieses blieb in bung, da die
englische Marine auch nach dem Frieden von Utrecht mehrfach gezwungen
war, groe Flotten aufzustellen (Nordischer Krieg 1714 bis 1721;
Quadrupelallianz gegen Spanien 1718-1720; 1733 eine aufs neue drohende
Verwicklung mit Spanien; stets gegen die Barbaresken) und stets eine
groe Anzahl von Schiffen zur Wahrung der maritimen Interessen im Dienst
halten mute; auch wurden berzhlige Offiziere zur Handelsmarine
beurlaubt.

  In diese Jahre fllt wohl die Ausbildung des dem englischen
  Seeoffizierkorps des 18. Jahrh. eigentmlichen Charakters im Gegensatz
  zu dem des franzsischen (vgl. Seite 319); bei der Verschmelzung des
  Soldaten und des Seemanns gewann der Seemann die berhand. Macaulay
  sagt: In der Marine Karls II. gab es Sailors und Gentlemen, aber die
  Seeleute waren keine Gentlemen und diese keine Sailors. Man mu dabei
  beachten, da die Gentlemen eben das militrische Element darstellten.
  Als nun die Offiziere im allgemeinen den seemnnischen Dienst
  bernahmen, verdrngte der Seemann allmhlich den Gentleman und mit ihm
  den militrischen Ton und Geist. Selbst Mnner aus guter Familie, wie
  die Admirale Wilhelms III., Herbert und Russell, die wirklich Seeleute
  waren, konnten nur als solche gelten, indem sie die derben Manieren der
  Teerjacken annahmen. Zwischen dem Spanischen Erbfolgekrieg und den
  groen Seekriegen des nchsten Abschnittes liegen nun 30 Jahre, in
  denen die englischen Offiziere viel zur See fuhren, aber nie
  beachtenswerten Gegnern entgegenzutreten hatten. Da wuchs wohl ihre
  Lust und ihr Interesse am rein seemnnischen Dienste immer mehr, und so
  ist es gekommen, da sie spter -- im Gegensatz zu den Franzosen und
  lngere Zeit zu ihrem Nachteile -- mehr ihren Ruhm in geschickten
  Segelmanvern als in der Entwicklung der militrischen
  Leistungsfhigkeit ihrer Schiffe suchten, da sogar der Taktik fr
  Verbnde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Auch fr die Mannschaft wurde von 1700 ab manches getan. Es wurden die
Zahlung eines Handgeldes beim Eintritt, Zulagen fr gute Fhrung sowie
Pensionen fr Witwen und Waisen der Gefallenen eingefhrt; das Hospital
in Greenwich fr Invalide wurde gegrndet. Eine wichtige nderung betraf
die Seetruppen. Man hatte bei diesen -- seit 1664 bestehend, jedoch
zeitweise und so auch 1699 aufgelst -- bisher nicht nur den
Zweck im Auge gehabt, auf den Schiffen gute Gewehrschtzen und
Landungsmannschaften zu haben, sondern sie dienten auch zur Auffllung
der Besatzungen. Am Lande wurden sie auf den Werften beschftigt; Leute,
die hier und an Bord einige seemnnische Erfahrung gewonnen hatten,
wurden dann gern als Matrosen eingestellt. 1702 wurden nun 6 neue
Regimenter gegrndet, aber nicht mehr als Schule und Ersatz fr Matrosen;
eine Versetzung zu diesen wurde verboten. Sie waren so eine rein
militrische Truppe, stets zur Verfgung der Admiralitt fr berseeische
Expeditionen; als eine stehende Truppe im Gegensatz zu den Matrosen
trugen sie jetzt noch mehr als schon bisher zur Hebung der Disziplin und
des militrischen Geistes an Bord bei. Es war dies wichtig, denn immer
noch mute bei Einstellung der Matrosen zum Pressen, wobei man in der
Wahl der Personen wenig whlerisch war, gegriffen werden; der ungemein
stark zunehmende Seehandel schuf zwar zahlreiche und vorzgliche
Seeleute, aber diese waren bei Ausbruch eines Krieges ber die ganze Erde
zerstreut.

  Corbett sagt: Einer der Hauptbeweggrnde Wilhelms III. zur Errichtung
  der Seeregimenter 1702 ist gewesen, eine stehende Truppe fr
  Expeditionen in dem bevorstehenden Kriege zu haben. Gegen ein stehendes
  Heer hatte sich das Parlament 1699 energisch gewehrt, da waren auch die
  bisherigen Seetruppen weggefallen; als ein Teil der geliebten Marine
  wurden sie wieder bewilligt. Da sie 1704 bereit waren, hat die
  Erwerbung von Gibraltar und Port Mahon fr England sehr begnstigt;
  1702 wurde die Entsendung der Flotte ins Mittelmeer durch Mangel an
  Soldaten sehr verzgert.

England bernahm im Spanischen Erbfolgekriege wie im vorigen Kriege die
Hauptleistung zur See, es verpflichtete sich, 5/8 der gemeinsamen
Seestreitkrfte zu stellen; mit dem Nachlassen Hollands mute es seine
Krfte noch mehr anspannen. Beim Frieden von Utrecht stand die englische
Marine allein noch gro da und wurde in der Zukunft so erhalten.


                    Der Verlauf des Seekrieges.[261]

Schon $im Jahre 1701$ begannen England und Holland zu rsten. Eine starke
gemeinsame Flotte wurde im April in Portsmouth unter =Admiral Sir George
Rooke= zusammengezogen, um beim Ausbruch des Krieges bereit zu sein.

  [261] Hauptquellen: de Jonge, Teil III und IV; Clowes, Teil II;
        Bonfils, Teil II; Chab.-Arnault; Mahan, Teil I; Troude, Teil I;
        Colomb; Corbett Mediterranean, Teil II. Besonders genau sind de
        Jonge und Corbett. Corbett ist sehr eingehend in strategischen
        Betrachtungen, doch erscheinen diese seinem Zwecke zuliebe (vgl.
        den genauen Titel des Werkes) etwas gefrbt. -- Wenn eine Quelle
        Angaben macht, die andere Quellen nicht oder sehr abweichend
        bringen, wird sie besonders gekennzeichnet werden (z. B. nach
        Corbett).

  Holland hatte 24 Linienschiffe in Dienst gestellt. Der grere Teil
  davon befand sich unter Leutnantadmiral Almonde bei der gemeinsamen
  Flotte; da sich aber Holland nach Besetzung der Grenzbefestigungen in
  den spanischen Niederlanden durch die Franzosen auch zu Lande bedroht
  sah, blieb der Rest der Linienschiffe bei Schooneveld, und zur
  Beschtzung der Seegatten war eine groe Zahl von Fregatten, Convoijers
  und flachgehenden Fahrzeugen in Dienst gestellt, Truppen waren mobil
  gemacht und Marlborough stand mit 10000 Englndern in Holland.

Die Flotte blieb lange unttig. Es lag wahrscheinlich (nach Corbett) in
der Absicht Wilhelms III., als er sich im Sommer 1701 im Haag befand,
um die Verhandlungen mit Frankreich auf Grund der letzten
Vermittlungsvorschlge zu leiten, sie nach der spanischen Kste zu
senden, um einen Druck auf den Gang der Unterhandlungen auszuben oder um
bei Ausbruch des Krieges sofort einen Angriff auf Cadiz zu unternehmen.
Hierdurch wre nicht nur der spanische Handel arg bedroht gewesen,
sondern man htte auch die Strae von Gibraltar beherrscht und die
Verbindung der franzsischen Seestreitkrfte des Mittelmeeres und des
Atlantik unterbrochen. Man mute sogar darauf gefat sein, da Frankreich
sich dieses Sttzpunktes bemchtigen wrde. Ludwig XIV. hatte gezeigt,
da er mit einem Kampfe um die Seeherrschaft im Mittelmeer rechnete;
unmittelbar nach Anerkennung des Testamentes Karls II. von Spanien hatte
er die Regentschaftsjunta gebeten, die Befestigungen der spanischen
Hfen, insbesondere die von Cadiz, Gibraltar und Port Mahon zu
verstrken, und ihr zu diesem Zwecke Offiziere zur Verfgung gestellt.
Rooke soll gegen diesen Plan gewesen sein, weil er sich wie die meisten
Admirale jener Zeit scheute, so spt im Jahre nach dem Sden zu gehen,
da er gezwungen sein wrde, im Herbst mit schweren Schiffen nach dem
Kanal zurckzukehren. Wir wissen, da auch im vorigen Kriege die
Seeoffiziere sich strubten, bis zum Herbst an der spanischen Kste zu
bleiben, und damals standen ihnen die spanischen und portugiesischen
Hfen zur Verfgung.

Als aber die Verhandlungen nicht fortschritten und man erfuhr, da ein
kleines franzsisches Geschwader unter Cotlogon Anfang August mit
Truppen und Kriegsmaterial von Brest nach Westindien auslaufen und ein
zweites greres (etwa 10 Linienschiffe) unter Vizeadmiral
Chteau-Renault in See gehen solle, wurden die Operationen zur See
begonnen; Rooke erhielt Befehl, Chteau-Renault zu beobachten, oder,
falls dieser schon ausgelaufen, zum Schutz des Handels vor dem Kanal zu
kreuzen. Von der Entsendung der groen Flotte nach dem Sden war also
abgesehen, sei es, da Rookes Einwendungen Erfolg gehabt haben, sei es,
da man es nicht fr ntig hielt, weil man erfahren hatte, da die
brigen franzsischen Schiffe in Brest erst zur Indienststellung im
nchsten Frhjahr bestimmt seien. Ein Teil der Hauptflotte sollte jedoch
nach dem Sden abgezweigt werden. Rooke ging am 25. August in See,
erreichte am 13. September Ouessant und entlie hier das erwhnte
Geschwader; er ging dann nach Brest, sah, da Renault ausgelaufen war und
kehrte nach Portsmouth zurck. Bald darauf wurde die Flotte aufgelst und
der Winterdienst eingerichtet.

Der abgezweigte Teil der Flotte -- 25 englische und 10 hollndische
(Kontreadmiral Wassenaer) Linienschiffe -- unter =Vizeadmiral Benbow= war
zunchst bestimmt, auf der Route der spanischen Silberflotte, die unter
franzsischer Bedeckung erwartet wurde, zu kreuzen. Sollte er sie auch
vor Ausbruch des Krieges aufbringen, wie man es frher mit hollndischen
Convois gemacht hatte? In seiner Order war (nach Corbett) gesagt: Die
Franzosen zu hindern, sich der Silberflotte zu bemchtigen und to take
care of it for those, who were intitled to it. Spter sollte Benbow dann
mit 10 englischen Linienschiffen nach Westindien zur Verstrkung dieser
Station gehen. Am 10. Oktober erreichte er die Azoren und hrte hier, da
die Silberflotte schon in Cadiz eingetroffen sei; tatschlich war sie gar
nicht gesegelt. Das franzsische Geschwader Cotlogon hatte lngere Zeit
auf sie gewartet und war dann allein zurckgekehrt (in Brest Februar
1702); die Galeonen waren nicht fertig gewesen oder zurckgehalten, weil
man die Bedeckung fr ungengend hielt. Der grere Teil des Geschwaders
Benbows ging nach England heim, er selber traf am 13. November in
Barbados ein; wir kommen spter auf ihn zurck.[262]

  [262] Die Ereignisse in den Kolonien sowie die des kleinen Krieges
        sollen wie bisher spter zusammengefat betrachtet werden; wir
        folgen zunchst nur den Operationen der greren Flotten.

=Chteau-Renault= war mit seinem Geschwader von Brest (26. August) nach
Lissabon gegangen; er sollte auf Portugal einen Druck dahin ausben, der
Verbindung mit Frankreich treu zu bleiben. Von dort ging er nach Cadiz
(Ende Oktober). Hier traf er eine franzsische Flotte unter Vizeadmiral
Comte d'Estres, der durch Aufklrungsschiffe von Benbows Expedition
unterrichtet war. Renault ging nun mit 14 Linienschiffen nach Westindien,
nahm die Silberflotte in Vera-Cruz unter seinen Schutz (Mrz 1702) und
fhrte sie ber Havanna nach Vigo; ber seine Vernichtung dort werden wir
bald Nheres erfahren.

=D'Estres= hatte seit Mai an der spanischen Kste einige 20
Linienschiffe, von Toulon aber auch aus Brest, zusammengezogen und nach
Cadiz gefhrt; ein weiterer Beweis, da auch Frankreich die Wichtigkeit
dieser Position erkannt hatte. Durch Renault wre er sehr verstrkt
gewesen, falls es ntig geworden wre, der Flotte der Verbndeten
entgegenzutreten. Nach Renaults Abfahrt verlie auch d'Estres Cadiz, wo
er nur einige Schiffe zurcklie. Er brachte spanische Truppen nach
Neapel und Sicilien, wo Aufstnde der Kaiserlich-Gesinnten begonnen
hatten, und ging dann fr den Winter nach Toulon zurck.

Zusammenste auf der See hatte also das Jahr 1701 noch nicht gebracht.

$Das Jahr 1702. Angriff auf Cadiz. Vernichtung der Silberflotte in Vigo.$
Im September 1701 war der Vertrag zwischen den Seemchten und dem Kaiser
geschlossen, nach dem die spanischen Niederlande besetzt, die
italienischen Provinzen fr den Kaiser erobert werden und die Seemchte
das Recht haben sollten, berseeische spanische Besitzungen fr sich zu
erwerben. England und Holland beschlossen daraufhin, frhzeitig im Jahre
1702 wieder eine groe gemeinsame Flotte aufzustellen.

Es ist nun bisher angenommen, da man mit dieser Flotte zunchst einen
Vorsto gegen Cadiz, als den reichen und wichtigen Sttzpunkt des
spanischen Handels nach Amerika, habe machen wollen und da dann die
Seestreitkrfte weiter vornehmlich gegen diesen Handel und gegen die
spanischen Kolonien verwendet sein wrden. Dies htte ja auch dem zum
Vorteil der Seemchte im Vertrage aufgenommenen Satze in erster Linie
entsprochen. Corbett sagt aber, nach den neuesten Forschungen sei es
zweifellos, da Wilhelm III. und mit ihm Marlborough die Einnahme von
Cadiz nicht hauptschlich als einen Schlag gegen den Handel und daneben
als eine Diversion, sondern von einem hheren strategischen Standpunkte
aus ins Auge gefat habe. Er habe von Anfang an beabsichtigt, die
Seeherrschaft im Mittelmeer zu erringen, um die franzsischen
Streitkrfte zu trennen, Frankreich von den Zufuhren im Mittelmeer
abzuschneiden, in den Landkrieg in Italien einzugreifen, ja, in
Frankreich selber vom Sden her einzudringen; hierzu war es ntig, den
Verbndeten Sttzpunkte zu verschaffen, die England dann wohl behalten
wollte.

  Da sich die Angaben der anderen Quellen ber die Operationen wohl mit
  dieser Ansicht in Einklang bringen lassen und da anderseits jene
  Quellen ber =die Vorgeschichte der Cadiz-Expedition= Nheres nicht
  enthalten, so sei eine solche nach Corbett gegeben:

  Rooke legte im Januar 1702 dem Knige einen Plan fr die Verwendung der
  Flotte vor. Er rechnete mit einer gemeinsamen Flotte von 80 englischen
  und 50 hollndischen Linienschiffen; was sonst noch an Seestreitkrften
  vorhanden war, bestimmte er fr den Schutz des Handels im Kanal. Von
  der groen Flotte sollten nur 30 Englnder und 20 Hollnder mit 8000
  Mann Landungstruppen nach dem Sden gehen, um irgend etwas in Spanien
  oder Portugal zu unternehmen. ber die Verwendung des greren Restes
  sagt der Plan nichts; er sollte wohl im Norden bleiben, um
  franzsischen Unternehmungen entgegenzutreten oder die feindlichen
  Ksten zu bedrohen. Es war dies also -- so sagt Corbett -- nicht viel
  mehr als die unbestimmte Defensivstrategie zur Zeit Elisabeths, gegen
  die schon Drake energisch gesprochen hatte.

  Whrend nun Holland und die deutschen Frsten mit diesem Plane wohl
  einverstanden waren, in der Hoffnung, da dadurch franzsische Truppen
  von ihren Grenzen abgezogen wrden, hatte Wilhelm III. (und
  Marlborough) eben mit den vorhin erwhnten Absichten die Inbesitznahme
  von Cadiz durch die Hauptflotte im Auge und hiermit stimmten der Kaiser
  und Prinz Eugen in Hinblick auf den Krieg in Norditalien und auf die
  Eroberung beider Sicilien berein. Mit Beziehung hierauf sagt Corbett:
  Wenn nun bisher angenommen wurde, die Seemchte htten anfangs den
  Krieg hauptschlich gegen Handel und Kolonien fhren wollen, das
  Unternehmen gegen Cadiz habe nur diesem Zwecke dienen sollen und nur
  durch Zufall -- durch den Ausbruch des Landkrieges in Spanien 1704 --
  sei die Hauptttigkeit der Seestreitkrfte ins Mittelmeer verlegt, so
  ist das nicht zutreffend; Wilhelm schaute weiter. Es wird dies schon
  durch die erste Instruktion bewiesen, die Rooke erhielt, als der Krieg
  (4. Mai) erklrt war. (Die Order war nicht mehr vom Knige
  unterzeichnet, aber in seinem Sinne gehalten.) Sie besagte, Rooke solle
  Cadiz oder -- falls sich herausstellte, da dieser Platz zu stark oder
  von einer zu groen Flotte gedeckt sei -- Gibraltar, Vigo, Ponta Vedra,
  Corua oder sonst einen geeigneten Hafen nehmen und den Landtruppen
  dort ein gengend starkes Geschwader lassen, um ihn zu halten; dann
  erst solle ein Teil der Flotte mit 2000 Mann nach Westindien abgezweigt
  werden. Angriffe auf spanische Kolonien standen also nach Zeit und
  Bedeutung erst in zweiter Linie, einen Sttzpunkt fr Operationen im
  Mittelmeer zu gewinnen, war die Hauptsache. Die Befehle fr die Flotte
  in spteren Jahren, auch ehe Karl III. in Portugal landete, besttigen
  dies und zeigen auch, da man schon damals daran dachte, Frankreich vom
  Mittelmeer aus anzugreifen. Marlborough sagte spter im Oberhause, er
  habe Befehl von der Knigin erhalten, mit Prinz Eugen ber einen
  Angriff auf Toulon zu unterhandeln, dessen Eroberung Ihre Majestt von
  Beginn des Krieges an als das beste Mittel zu seiner Beendigung erkannt
  habe.

Nach vorstehendem ist anzunehmen, da die Operationen fr das Jahr 1702
dem Plane Wilhelms entsprechend angesetzt sind, sie wurden aber nicht mit
der ntigen Tatkraft begonnen und durchgefhrt. Der Knig befand sich in
den Niederlanden, wurde bald schwer krank und starb vor der
Kriegserklrung. Die Knigin Anna fhrte zwar die Politik in seinem Sinne
fort, konnte aber den Widerstand, der sich dem geplanten Vorgehen zur See
von gewisser Seite entgegenstellte, nicht berwinden; Marlborough, der
dieses mit aller Kraft weiter vertrat, befand sich bei dem Heere auf dem
Festlande.

=Die Rstungen der Verbndeten= hatten rechtzeitig begonnen. Holland
beschlo 48 Linienschiffe in Dienst zu stellen, England htte demnach 80
zur gemeinsamen Flotte liefern mssen und diese wrde 128 Schlachtschiffe
stark gewesen sein; mit 130 rechnete ja auch Rooke in seinem Plane. Auf
der Flotte, die nach Spanien gehen sollte, wollte man 10000 englische und
5000 hollndische Soldaten einschiffen. Es whrte jedoch sehr lange, bis
eine gemeinsame Flotte operationsbereit war; die Grnde der Verzgerung
sind wohl in der Krankheit und dem Tode (8. Mrz) Wilhelms zu suchen.

  Wenn auch die hollndischen Schiffe sich schon im Mrz in den Seegatten
  sammelten, so verging doch nach dem Tode Wilhelms lange Zeit mit
  Verhandlungen, inwieweit der alte Vertrag ber die Aufstellung der
  gemeinsamen Flotte bestehen bleiben solle (endgltig abgeschlossen erst
  am 9. Juni 1703), und erst am 31. Mai kam das hollndische Kontingent
  in Spithead an. Hier fand es auch die englische Flotte noch nicht
  bereit; es fehlte besonders an Soldaten fr das Landungskorps, weil die
  neuerrichteten Seeregimenter noch nicht voll aufgestellt waren, aber
  auch sonst waren die Rstungen im Rckstande.

Erst Ende Juni lagen bei St. Helens seeklar: 30 englische und 20
hollndische Linienschiffe ber 50 Kanonen, 13 Fregatten, 9 Brander, 8
Mrserboote und zahlreiche Transporter fr Soldaten, Proviant und
Kriegsmaterial sowie 6 Hospitalschiffe, insgesamt 160-200 Segel; etwa
9000 englische und 4000 hollndische Soldaten, in beiden Lndern meist
den Seeregimentern entnommen, waren eingeschifft. Den Oberbefehl fhrte
=Admiral Rooke=, die Hollnder kommandierte Leutnantadmiral =von
Almonde=; das Landungskorps stand unter den Generalen =Herzog von Ormond=
(englisch) und =de Sparre= (hollndisch).

  Neben dieser Hauptflotte hatte Holland ein Geschwader von 15
  Linienschiffen unter Vizeadmiral Evertsen an der flmischen Kste gegen
  Unternehmungen der Franzosen auf diese im Dienst und England eine
  Flotte von 30 Schiffen (spter noch verstrkt) unter =Admiral Shovel=
  im Kanal, die bei Abwesenheit der Hauptflotte Brest blockieren und den
  Handel schtzen sollte. In beiden Staaten war also die geplante Strke
  der Gesamtindienststellung nicht erreicht.

Aber auch jetzt begannen die Operationen noch nicht, obgleich der Krieg
am 4. Mai erklrt war. Wenn nun auch dieser weitere Verzug wohl mit eine
Folge des Personalwechsels in den hheren Stellungen der englischen
Admiralitt nach dem Tode Wilhelms III. war -- Mitte Mai war der Gemahl
der Knigin Anna, Prinz Georg von Dnemark, zum Lordhighadmiral ernannt;
der vorhin angefhrte Befehl fr die Flotte wurde erst am 7. Juni
erlassen --, so wird doch allgemein die Hauptschuld dem Admiral Rooke
zugeschrieben. Wieder uerte dieser mit fortschreitender Jahreszeit
seine Bedenken, die groen Schiffe nach dem Sden zu fhren; die Order
entsprach eben nicht seiner Ansicht. Untersttzt wurde er durch Shovel,
der erklrte, mit seinen 30 Schiffen knne er seine Aufgabe nicht lsen;
Shovel uerte auch, wenn man dem Feinde nur gleich sei, knne man nie
auf einen entscheidenden Sieg rechnen.[263]

  [263] Nheres Corbett, Teil II, Seite 211. Corbett fgt hinzu: Zum
        Glck  haben englische Admirale diese Lehre fter durch die Tat
        widerlegt als befolgt.

Die neue Admiralitt bestand nun zwar noch energischer auf der
Durchfhrung des Planes Wilhelms -- der Bruder Marlboroughs, der in der
Admiralitt angestellt war, hatte groen Einflu auf den Prinzadmiral und
arbeitete im Sinne seines Bruders, whrend der vorhergehende
Lordhighadmiral Lord Pembroke die Ansicht Rookes teilte --, sie hatte
jedoch in ihrem Streben, Rooke anzutreiben, wenig Erfolg.

ber die =Rstungen der Franzosen= in diesem Jahre liegen nhere Angaben
nicht vor; aus den franzsischen Quellen kann man entnehmen, da sowohl
in Brest wie in Toulon zahlreiche Indienststellungen stattgefunden haben,
die zusammen wohl eine Flotte gebildet htten, mit der die Gegner rechnen
muten. Kleinere Geschwader oder Divisionen waren wie zu Ende des vorigen
Krieges zum Schutz der Hfen, zur Bedrohung des feindlichen Handels oder
zu bestimmten Zwecken in Dienst gestellt; einige von diesen (unter
berhmten Fhrern, wie: du Casse, Saint-Pol; Forbin, Trouin) werden uns
bei Betrachtung des kleinen Krieges beschftigen.

Eine solche Abteilung sei hier erwhnt, da sie von Bedeutung fr den
Landkrieg in Norditalien war. Dort war =Prinz Eugen= auf Zufuhren von
Triest ber Venedig angewiesen, und im Juni 1702 erschien =Forbin= mit
einigen Fregatten im Adriatischen Meere. Es gelang ihm, die Verbindung zu
unterbrechen, doch wurde er bald abberufen, weil er zu scharf gegen die
neutrale Republik Venedig vorging; immerhin war die Folge, da die
Befehle fr die Flotte der Verbndeten spter darauf hinwiesen, das
Adriatische Meer von franzsischen Streitkrften freizuhalten.

Eine zweite Abteilung gab den Anla zu den ersten Operationen der
Hauptflotte der Verbndeten. Eine auf Erkundung im April ausgesandte
englische Fregatte meldete, da sich in La Rochelle ein Geschwader
sammle, um Truppen von Ferrol oder Corua nach Westindien zu bringen
sowie Galeonen dorthin zu geleiten. (Es war du Casse mit 6 Linienschiffen
und 8 Transportern.) Infolgedessen wurden im Mai 9 Linienschiffe nebst 2
Fregatten ausgesandt, um du Casse abzufangen. Der Fhrer, =Sir John
Munden=, sichtete am 27. Mai 14 Franzosen bei ihrem Einlaufen in Ferrol.
Da er sie alle fr Kriegsschiffe hielt und auch nach anderen Nachrichten
17 feindliche Linienschiffe in Ferrol vermutete, ging er nach England
zurck (Ende Juni dort. In kriegsgerichtlicher Untersuchung
freigesprochen, wurde Munden doch der ffentlichen Meinung zuliebe
entlassen). Nun beschlo der Kriegsrat der Flotte, zu einem See- und
Landangriff gegen Corua vorzugehen und sich dann gegen Cadiz zu wenden;
die Admiralitt stimmte bei, hielt aber auch ihre frheren Befehle
aufrecht und betonte, falls der Sptherbst vor Lsung der Aufgaben
eintrte, solle Rooke die schweren Schiffe in dem von ihm genommenen
spanischen Hafen bergen; alles zur Neuausrstung Ntige werde man
hinaussenden.

Anfang Juli sandte =Rooke= etwa die Hlfte der Flotte -- 22 Linienschiffe
unter Admiral Fairborne -- voraus; sie sollte die Franzosen in Corua
festhalten oder, wenn diese schon ausgelaufen wren, ihn bei Finisterre
erwarten. Er selbst verlie mit dem Rest bald darauf St. Helens, blieb
dann aber wieder wegen Gegenwindes in Torbay liegen; seine Bedenken
wegen der schweren Schiffe hatte er immer wieder zur Sprache gebracht.
Endlich gelang es der Admiralitt, ihn dadurch in Bewegung zu setzen, da
sie verfgte, Shovel solle ihm seine schweren Schiffe gegen leichtere
umtauschen, wodurch auch dieser seinem Wunsche gem verstrkt wrde.
Dies pate Rooke nicht; er verlie, ehe Shovel ihn erreichte, am 1.
August den Kanal.

Der Admiralitt erschien ein baldiges Auslaufen geboten, weil von Benbow
in Westindien die Nachricht eingegangen war (14. Juli), da
Chteau-Renault im Mrz mit der Silberflotte die Heimreise antreten
werde. Diese war, wie wir wissen, im Vorjahre zurckgehalten und Spanien
fhlte schmerzlich den Ausfall; mit ihrem Abfangen konnte ihm ein
schwerer Schlag zugefgt werden. Es wurde deshalb der Befehl erlassen,
da Rooke die spanische Kste von Cadiz nrdlich und Shovel die
franzsische von Brest sdlich sperren solle. Im brigen blieb die alte
Order wieder bestehen, nur wurde Gibraltar von den etwa zu nehmenden
Pltzen gestrichen und auch dem Admiral freigestellt, mit den schweren
Schiffen heimzukehren, sobald ein Hafen genommen sei; er habe dann Shovel
durch 10-12 gute Schiffe zu verstrken, falls Renault noch nicht
eingetroffen sei. Man glaubte in England und in Frankreich, Renault wrde
die Silberflotte nach einem franzsischen Hafen fhren.

Am 10. August traf Rooke bei Finisterre ein und stellte fest, da die
Franzosen Corua verlassen hatten. Sie waren schon vor Fairbornes Ankunft
ausgelaufen; dieser war durch Sturm vom Rendezvousplatze vertrieben,
vereinigte sich aber am 18. August vor Lissabon mit der Hauptflotte.
Jetzt wandte sich $Rooke gegen Cadiz$. Dieses Unternehmen sollte jedoch
klglich verlaufen, da es ohne jede Tatkraft und Umsicht ins Werk gesetzt
wurde; dies ist um so auffallender, als es doch so lange vorbereitet war
und man die Erfahrungen des glorreichen Angriffes 1596 (Howard und Essex)
sowie des Mierfolges 1625 (Wimbledon) fr sich hatte. Der diesmalige
Mierfolg wird von den Quellen den verschiedenen Fhrern zugeschrieben:
die Hollnder (z. B. de Jonge) klagen den General Ormond des Mangels an
Tatkraft an, hervorgerufen durch Unfhigkeit oder gar bse Absicht, weil
er ein Gegner Marlboroughs gewesen sei; englische Quellen (und zwar fast
alle) schieben die Schuld mehr auf die Lauheit Rookes und seiner
Flaggoffiziere (Fairborne ausgenommen) sowie auf Mangel an Einigkeit
zwischen den Land- und Seeoffizieren. Die Schilderung wird zeigen, da
beide Auffassungen ihre Berechtigung haben; hinzu trat noch die
Einwirkung des =Prinzen Georg von Hessen-Darmstadt=,[264] der sich als
Reprsentant des Kaisers auf der Flotte befand. Dieser sprach gegen jedes
allzu schroffe Auftreten, in der Absicht; die Bevlkerung Sdspaniens
fr Habsburg zu gewinnen oder sie wenigstens nicht dagegen auf zubringen;
man mu annehmen, da seine Bedenken dann den englischen Fhrern ganz
erwnscht kamen. Von Rooke sagen Zeitgenossen, er habe von dem
Unternehmen so gleichgltig gesprochen, da man daraus htte folgern
knnen, er wrde dem Feinde nicht viel Schaden tun; er lag auch whrend
der Ausreise und whrend des Angriffs fast stets krank (?) im Bett. $Der
Angriff$ bietet wenig von Bedeutung.

  [264] Der Prinz von Hessen befand sich in Portugal, um den Knig fr
        das Bndnis gegen Frankreich zu gewinnen; als die Flotte
        erschien, schiffte er sich ein. Die englischen Quellen nennen ihn
        den fhigsten Mann auf der Flotte. Er war im vorigen Kriege als
        Gouverneur von Katalonien die Seele des Widerstandes gegen die
        Franzosen gewesen und bei den Spaniern sehr beliebt; er fiel 1705
        bei der Eroberung von Barcelona.

  Am 23. August ankerte die Flotte in der Bucht westlich von Cadiz. Hier
  lagen 3 Kriegsschiffe und einige (4-6) Galeren der Franzosen, die in
  den Hafen einliefen; Fairborne wollte sofort folgen, aber Rooke verbot
  es. Auf der Reise war fters Kriegsrat abgehalten, meist Land- und
  Seeoffiziere getrennt, es bestand jedoch noch kein Plan ber das, was
  man unternehmen und wie weit man gehen wollte. Eine Aufforderung zur
  bergabe, gestellt in der Hoffnung auf habsburgische Gesinnung in der
  Stadt, wurde abgelehnt; man erfuhr, da die Befestigungen gut im Stande
  seien, und da 4000-5000 Mann in der Stadt lgen, und hielt deshalb
  einen Handstreich fr ausgeschlossen. Nach seiner Instruktion htte
  Rooke sich jetzt gegen einen anderen Hafen wenden knnen; die Order
  scheint nur mit einem Handstreich gerechnet zu haben, sei es, um nicht
  zu viel aufs Spiel zu setzen oder um nicht zu lange Zeit auf eine
  Belagerung zu verwenden, sei es, um die Bevlkerung zu schonen, aus
  demselben Grunde, den der Prinz von Hessen vertrat. Ein gemeinsamer
  Kriegsrat beschlo aber den Angriff.[265] Der Generalstabschef Ormonds
  schlug nach einer Erkundung vor, auf der Insel Leon, also mglichst
  nahe stlich von der Stadt, zu landen; der Kriegsrat lehnte es ab,
  vielleicht aus seemnnischen Grnden (zu offene Kste). Die Truppen
  wurden zwischen S. Catalina und Rota ausgeschifft und Rota besetzt;
  beides geschah ohne nennenswerten Widerstand. Erst nach fnf Tagen
  marschierte Ormond nach S. Maria, das verlassen vorgefunden wurde; auch
  hier blieb man vier Tage unttig stehen, plnderte aber die Stadt, ja
  selbst die Kirchen, und diese Plnderung, an der sich sogar Offiziere,
  auch der hheren Dienstgrade, beteiligten, wirkte hchst nachteilig fr
  die habsburgische Sache. Groe Weinlager waren gefunden worden und die
  schlecht in Disziplin gehaltenen, meist betrunkenen Leute behaved in a
  most disgraceful and abominable manner (nach Clowes). Inzwischen war
  S. Catalina von den Mrserbooten beschossen und ergab sich sofort einem
  heranrckenden kleinen Truppenteil.

  [265] Vgl. die Skizze von Cadiz, Seite 136, der nur hinzuzufgen ist,
        da an der von Puerto S. Maria nach West laufenden Kste von
        genannter Stadt 5 km entfernt die kleine Festung S. Catalina, und
        15 km entfernt die offene Stadt Rota liegt.

  Bis dahin waren also Erfolge erzielt, wenn auch langsam; Almonde soll
  stets versucht haben, durch General Sparre bei Ormond auf lebhafteres
  Vorgehen hinzuwirken. Jetzt mute man den Hafen und Cadiz selbst
  angreifen; hierzu war die Mitwirkung der Flotte ntig. Man wollte das
  Fort Matagorda nehmen, das dem Fort Puntales gegenber gelegen die
  Einfahrt von Osten her deckte, sowohl um der Flotte das Einlaufen in
  den Hafen zu erleichtern, als auch um von dort die Truppen auf die
  Insel Leon berzufhren. General Sparre marschierte mit 3000 Mann ber
  Puerto Real vor das Fort, konnte aber wegen der schlechten Wege nicht
  gengend Artillerie hinschaffen. Die Flotte machte Schwierigkeiten,
  Truppen usw. von S. Maria oder Rota dorthin zu bringen: die Schiffe
  mten erst Wasser nehmen und knnten auch die Boote nicht entbehren.
  Geradezu ablehnend verhielt sich Rooke nicht, aber er tat auch nichts.
  Schon waren Schiffe zum Forcieren bestimmt gewesen, falls Matagorda
  gefallen sei, spter jedoch uerte sich der Kriegsrat der Seeoffiziere
  wieder, auch dann knnten die Schiffe nicht einlaufen; er schlug vor,
  zunchst die Stadt in einer gnstigen Nacht zu beschieen. Hiergegen
  sprach aber der Prinz von Hessen und auch Rooke fand nie gnstiges
  Wetter. Matagorda hielt sich, untersttzt durch das Feuer der Galeren,
  und die Spanier versenkten Schiffe in der Einfahrt. Der Kriegsrat der
  Landoffiziere erklrte, ohne Hilfe der Flotte knne das Landungskorps
  das Fort nicht nehmen und nicht vor die Stadt gelangen, da es der
  schlechten Wege und der vielen Wasserlufe halber von P. Reale nicht
  ganz ber Land bis zur Insel Leon marschieren knne; zu einer
  frmlichen Belagerung fehle ihm berhaupt das ntige Material. So wurde
  am 16. September allgemein beschlossen, das Unternehmen aufzugeben;
  nachdem alle Magazine mit Schiffs- und Kriegsvorrten in den besetzten
  Pltzen verbrannt waren, schiffte man am 25. September die Truppen ein.

Man hatte nichts erreicht als die Vernichtung einiger Magazine, und weit
mehr hatte die Plnderung der Ortschaften der allgemeinen Sache
geschadet.

Rooke und sein Kriegsrat beschlossen, nach England zurckzukehren, sie
hatten nur die Sicherheit der Schiffe im Auge. Es ist mglich, da auch
die Lauheit bei dem Unternehmen teilweise dem Gedanken zuzuschreiben ist,
die Flotte unversehrt zu erhalten, falls eine franzsische sich zeigen
sollte. Vergeblich versuchte der Prinz von Hessen, untersttzt durch die
Generale und durch Almonde, Rooke zu bewegen, einen anderen Hafen zu
nehmen. Der Prinz wies auf die in der Instruktion genannten Stdte hin,
Rooke fand bei allen seemnnische Bedenken; der Prinz schlug einen Hafen
an der Ostkste vor -- z. B. Valencia, Aragonien und Katalonien wrden
sich gegen Philipp V. erheben -- Rooke sagte, seine letzte Order verbte
ihm, weiter als Cadiz zu gehen. Eine Rckkehr nach England lag keineswegs
in der Absicht der englischen Regierung, wie aus spteren Befehlen zu
ersehen ist. Der Admiral hat diese wohl nicht rechtzeitig erhalten; aber
auch eine Aufforderung des englischen Gesandten (Methuen) in Portugal,
nach Lissabon zu kommen und dort zu berwintern, konnte seinen Entschlu
nicht ndern.

Am 1. Oktober verlie die Flotte die Bucht von Cadiz, nahm vor Lagos
Wasser, zweigte hier 6 Linienschiffe mit 2000 oder 3000 Mann auf
Transportern unter Kapitn Walker nach Westindien zur Verstrkung Benbows
ab und trat dann die Reise nach England an.

  Einige Andeutungen ber die ebenerwhnten spteren Befehle (genauer in
  Corbett, Teil II, Seite 266): Mitte August wurde Rooke die Einnahme von
  Cadiz dringender als bisher ans Herz gelegt; man wute, da Frankreich
  wieder im Adriatischen Meere sich zeige, und glaubte, da von Toulon
  eine grere Macht dorthin abgehen solle. Mit dem Zurckbringen seiner
  Schiffe im Winter brauche Rooke nicht zu rechnen; er knne in Cadiz
  bleiben, weil im Frhjahr eine groe Flotte im Mittelmeer auftreten
  solle. (Marlboroughs Plan gegen Sdfrankreich und Eroberung Neapels fr
  den Kaiser.)

  Ein zweiter Befehl, Mitte September, als die ungnstigen Nachrichten
  von Cadiz eingetroffen, weist wiederum auf Einnahme eines anderen
  Platzes hin. Man wollte Rooke an der spanischen Kste festhalten, weil
  man wute, da die Silberflotte bald ankommen msse und in einen
  spanischen Hafen einlaufen wolle.

  Die dritte Verfgung, vom 24. September, als man annahm, die
  Silberflotte msse schon unbemerkt eingelaufen sein, fordert wieder die
  Eroberung von Cadiz; jedenfalls msse Ormond krftig untersttzt
  werden, die groen Schiffe solle Rooke, wenn durchaus ntig, nach
  Lissabon schicken. Methuen teilte ihm mit, er knne dorthin kommen. Der
  Knig schwanke schon, seitdem die Flotte an der Kste sei; kme eine
  Streitmacht in den Tajo, so wrde er den Verbndeten beitreten. Diese
  Nachricht erhielt Rooke in Lagos.

Strmische Gegenwinde lieen die Reise lngs der Kste nur langsam
fortschreiten und hierdurch sollte Rooke die Gelegenheit finden, einen
groen Schlag zu tun:

$Die Vernichtung der Silberflotte in Vigo.$ =Chteau-Renault= hatte mit
dieser unbelstigt Westindien verlassen knnen; auf den Azoren hrte er,
da Rooke mit der Hauptflotte an der spanischen Sdkste sei. Seinem
Vorschlage, die Galeonen nach einem franzsischen Hafen zu bringen, trat
der spanische Admiral entgegen -- spanischer Stolz sagen die
franzsischen Quellen; Mitrauen gegen ihren Verbndeten meinen die
englischen --, so entschlo er sich, nach Vigo zu gehen. Am 27. (21.?)
September traf er dort ein, gerade noch rechtzeitig, denn auch =Shovel=
hatte Mitte September den Befehl erhalten, von der franzsischen Kste
nach Finisterre zu segeln. Methuen in Lissabon scheint Renaults Ankunft
sehr spt erfahren zu haben, denn erst zehn Tage darauf kam sein Bote mit
der Nachricht in Faro an. Die Flotte hatte soeben die Reise fortgesetzt,
so da der Konsul trotz aller Bemhungen Rooke nicht mehr erreichen
konnte. Der Bote traf aber noch einige Transporter beim Wassernehmen und
der Kommodore der begleitenden Kriegsschiffe sandte sofort eine Fregatte
(Kapitn Hardy) der Flotte nach.

  Nach einer anderen Erzhlung erfuhr der Kommodore die Ankunft der
  Silberflotte durch beurlaubte Offiziere -- besonders einen Prediger --,
  denen gegenber der franzsische Konsul damit grogetan hatte, da
  Renault den Verbndeten entwischt sei; es ist wohl eine Sage.

  Da der Angriff auf die Silberflotte berhaupt ganz dem Zufall zu
  verdanken sei, wie oft gesagt, ist nicht richtig. England hatte alle
  Schritte dazu getan: Methuen gab acht, Shovel hatte entsprechenden
  Befehl und auch Rooke versuchte sich zu unterrichten. Er fragte auf
  seiner Reise in Faro an und schickte auch ein Schiff nach Lissabon,
  doch konnte dieses wegen Sturmes nicht gleich wieder auslaufen. Von
  England waren acht Fahrzeuge an Shovel und Rooke mit dem Befehle
  abgesandt, Renault auf der Reise oder in Vigo anzugreifen; Shovels
  Station wute man und Rooke hatte seine Kreuzer so vor sich verteilt,
  da er voraussichtlich jede Nachricht von England erhalten mute.

Hardy traf die Flotte bei Finisterre (17. Oktober), Rooke rief seine
Kreuzer zurck und sandte sie gegen Vigo, um die Richtigkeit der
Nachricht zu prfen; er selber folgte mit der Flotte. Das schlechte
Wetter hatte zwlf Stunden die Kommunikation zwischen Hardy und dem
Admiral gehindert und erst am nchsten Tage konnte ein Kriegsrat
stattfinden, zu dem auch nur die zu Luward stehenden Flaggoffiziere
erschienen. Der Angriff auf Vigo wurde beschlossen. Auf dem Wege dorthin
erfuhr Rooke, da Shovel in der Nhe sei. Er rief ihn zur Mitwirkung
heran, wartete jedoch nicht auf seine Ankunft. Sobald die Verhltnisse in
Vigo erkundet waren, ging man zum Angriff ber.

  Im Kriegsrat soll ein groer Teil der englischen Offiziere dagegen
  gewesen sein, in so spter Jahreszeit an der gefhrlichen Kste etwas
  zu unternehmen; Almonde soll energisch dafr eingetreten sein, Rooke
  nur zgernd eingewilligt haben. Rooke fhlte sich auch whrend der
  Durchfhrung des Angriffes zu krank, um die Kajte zu verlassen!

  Chteau-Renaults Flotte bestand aus 15 (13?) franzsischen
  Linienschiffen, darunter 11 ber 70 Kanonen, 3 spanischen, einigen
  kleineren Kriegsschiffen und 3 Brandern; die Silberflotte zhlte 13
  Galeonen, 20-30 Kanonen, mit Edelmetallen und wertvollen Gtern
  beladen. Von dem Silber war allerdings der grere Teil schon
  ausgeschifft und vieles auch schon landeinwrts gebracht. Der
  franzsische Admiral hatte sich nach Mglichkeit eine gute Stellung
  geschaffen. Die meisten Schiffe und die Galeonen waren in die Bucht von
  Redondela gelegt; das Fort im Sden der nur 3/4 Seemeilen breiten
  Einfahrt hatte man durch eine Batterie verstrkt (zusammen 38 Kanonen)
  und eine zweite Batterie im Norden gebaut (20 Kanonen). In die Einfahrt
  war eine schwere Flosperre gelegt, flankiert durch 2 der schwersten
  Linienschiffe, hinter der Sperre waren 5 Linienschiffe im Halbmond
  vermoort; diese lagen aber etwas zu weit von der Sperre, um die
  heransegelnden Feinde gerade bei ihr mit vollem Feuer zu berschtten.

[Illustration: Vigo 23. Oktober 1702.]

  Die Flotte der Verbndeten segelte am 22. Oktober trotz rauhen und
  unsichtigen Wetters in die Bucht von Vigo ein; unbehindert, weil sich
  auerhalb der Enge nur bei der Stadt einige schwache Befestigungen
  befanden. Der Kriegsrat der Flaggoffiziere setzte den Angriff fr den
  nchsten Tag an: 15 englische und 10 hollndische Linienschiffe, meist
  ber 70 Kanonen und mit allen Flaggoffizieren, sollten in 7 Gruppen von
  3-5 Schiffen die Sperre forcieren, untersttzt von den Mrserbooten und
  Brandern; etwa 4000 Mann sollten landen und die Befestigungen des
  Sdstrandes nehmen. Am 23. mit Tagesanbruch wurde dem Plane gem
  verfahren. =Vizeadmiral Hopson= fhrte die erste Gruppe (5 Englnder),
  =Vizeadmiral van der Goes= die zweite (3 Hollnder) und nur diese
  beiden kamen zur Verwendung.

  Die Landung ging (2000-3000 Mann) unter dem Schutze einiger Schiffe
  ohne Widerstand vor sich; spanische Milizen (8000? Mann), die dem
  Feinde entgegentraten, wurden leicht in die Flucht geschlagen und
  darauf die Befestigungen trotz tapferer Gegenwehr (300 bis 500
  franzsische Seesoldaten nebst einigen Spaniern) genommen. Das
  Landungskorps besetzte Redondela und machte hier reiche Beute an schon
  gelandeten Gtern; wenn sich auch zahlreiche Mannschaften der Schiffe
  am Lande befanden, so war doch kein Widerstand organisiert, allgemeine
  Flucht ri ein. Der Angriff zu Wasser war weniger leicht, wurde aber
  mit Bravour durchgefhrt. Mit der Landung hatten die Schiffe Anker
  gelichtet, muten aber wegen Windstille gleich wieder ankern. Als bald
  darauf Wind aufsprang, kappte Hopson sofort sein Kabel und sprengte
  unter uerstem Segeldruck die Sperre; der Wind schlief wieder ein, so
  da seine Hinterleute nicht dicht aufgeschlossen bleiben und die Sperre
  nicht beiseite drngen konnten, zwei Hollnder z. B. blieben hngen und
  muten sich mit Beilen loshauen. Ein englisches Linienschiff legte sich
  zwar vor die Nordbatterie und kmpfte sie nieder, aber Hopson lag
  allein zu Anker hinter der Sperre in schwerem Kampf mit den
  flankierenden Franzosen, bis bei wieder aufkommendem Winde nach und
  nach die Schiffe der beiden Gruppen durchsegelten.

  Nun begann das Vernichtungswerk. Auf den feindlichen Schiffen herrschte
  Verwirrung und Schrecken, Renault gab selber bald den Befehl, die
  Schiffe anzuznden oder auf Strand zu setzen. Der Widerstand war sehr
  gering; nur Hopsons Flaggschiff wurde durch einen Brander in Flammen
  gesetzt, mit Mhe wurde das Feuer gelscht. Bis Sonnenuntergang waren 6
  franzsische Linienschiffe und 5 noch reich beladene Galeonen genommen,
  die brigen Schiffe verbrannt oder gesunken. Der Verlust der
  Verbndeten war sehr gering, nur Hopsons Schiff hatte gegen 100 Tote,
  am Lande waren etwa 40 Mann gefallen. Der Verlust der Gegner war
  bedeutender, vornehmlich an Gefangenen, doch wurden diese bis auf die
  Offiziere -- worunter Renault, mehrere franzsische Kapitne und auch
  der spanische Admiral -- freigelassen.

  Wohl mit Recht sagt Colomb, da es von Renault richtiger gewesen sein
  wrde, nur die Galeonen in die innere Bucht zu legen und mit den
  Kriegsschiffen den Gegner in der ueren Bucht zu erwarten, wo er die
  Breitseiten aller Schiffe htte zur Verwendung bringen knnen. Er mu
  seine Stellung fr unbedingt sicher gehalten haben; es ist doch auch
  auffallend, da man whrend der drei Wochen nicht alle Schtze der
  Galeonen geborgen hatte. Renault wurde zwar spter Marschall, doch
  nicht wieder zur See verwendet; man traute seinem Stern nicht mehr.

Der Erfolg war gro. Frankreich verlor bei Beginn des Krieges ein
stattliches Geschwader, Spanien einen groen Teil seiner Hilfsmittel. Die
Silberflotte mit der Bergwerksausbeute von zwei Jahren soll eine der
reichsten gewesen sein, die je gefahren ist. Portugal erkannte die Macht
der Seemchte. Colomb nimmt diesen Fall als Beispiel fr das Gelingen von
Unternehmungen gegen Land, wenn man die See beherrscht. Da die
Verbndeten die See beherrschten, war eine Folge der falschen
Kriegfhrung der Franzosen, hervorgerufen durch falsche Sparsamkeit oder
Unverstndnis. Man htte eine Flotte zur Aufnahme Chteau-Renaults
zusammenziehen knnen; in Brest, Toulon sowie den kleineren Hfen waren
Divisionen im Dienst und an Schiffen fehlte es berhaupt noch nicht.

Fr =Rooke= war der Vorfall von groem Nutzen. In England wie in ganz
Europa war der Eindruck groartig, er verdunkelte in diesem Jahre die
Erfolge Marlboroughs und Eugens; in Holland wurden Dankgottesdienste und
Freudensalute in allen Grenzfestungen angeordnet. Der Admiral wurde
wieder beliebt, besonders im Unterhause, und die Klagen Ormonds im
Oberhause ber mangelhafte Untersttzung seitens der Flotte hatten keinen
Erfolg. Rooke verteidigte sich dagegen mit der schlechten Vorbereitung
der Expedition; eine Sache, auf deren nhere Untersuchung die Minister
und die Admiralitt lieber nicht eingingen.

Seine Abneigung gegen die Plne der Regierung zeigte Rooke nochmals
gleich nach Vigo. Einige Tage nach dem Ereignis traf Shovel ein, ihm
berlie der Chef die weiteren Maregeln fr Verladen der Beute
und Kanonen, Segelfertigmachen der Prisen, Zerstrung des
Nichtmitzunehmenden, Einschiffen der Truppen; er selbst ging mit dem
grten Teil der Flotte, darunter die ihm so sehr am Herzen liegenden
Dreidecker, nach England. Shovel folgte einige Tage spter. Vergeblich
hatten wiederum der Prinz von Hessen und Ormond gebeten, auch die Stadt
Vigo zu nehmen, dem Landungskorps ein starkes Geschwader zu lassen und
so den gewnschten Sttzpunkt zu schaffen. Rooke ging nicht darauf ein,
er hatte auch sofort seine Transporter mit Proviant und Material nach der
Heimat vorausgesandt. Corbett sagt: So hat Rooke doch seinen Willen
behalten. Der Plan der Regierung war gescheitert, er aber hat etwas an
der Kste getan (wider Erwarten sogar einen groen Erfolg erzielt) und
seine Schiffe vor dem Winter heimgebracht.

Die Flotte wurde nach Rckkehr aufgelst, die groen Operationen waren zu
Ende.

$Die Jahre 1703 und 1704. Einnahme von Gibraltar, Schlacht bei Malaga.$
Das Jahr 1703 bringt uns wenig Tatsachen, eigentlich nur Plne, die erst
in spteren Jahren zur Ausfhrung kommen. Im Winter 1702/03 fanden in
London Beratungen ber die nchsten Operationen statt, denen auch
Marlborough und de Almonde beiwohnten; es war fr dieses Jahr dem Kaiser
versprochen worden, ihn bei der Eroberung beider Sicilien zu
untersttzen. Es wurde beschlossen, schon im Februar 30 englische und
12-15 hollndische Linienschiffe ins Mittelmeer zu senden; da man annahm,
da Rooke nicht damit einverstanden sein wrde, sollte er mit Rcksicht
auf seine Gesundheit die Admiralitt bernehmen. Diesen Plan lie man
jedoch fallen, entweder weil die Schiffe wegen der spten Rckkehr im
Vorjahre nicht fertig geworden waren, oder und wahrscheinlicher weil der
Kaiser infolge der ungarischen Unruhen keine Truppen stellen konnte. Man
setzte nun eine 96 Schiffe starke Flotte im Kanal fest, von der nur 35
Linienschiffe unter =Shovel= fr das Mittelmeer abgezweigt werden
sollten. Der Befehl fr diese[266] lautete: den Frhjahrs-Levanteconvoi
sicher bis Malta zu fhren; die Vertrge mit den Barbaresken zu erneuern
und sie womglich zur Kriegserklrung gegen Frankreich zu bewegen;
Toskana und Venedig, die zu Frankreich neigten, zu strenger Neutralitt
zu zwingen; das Adriatische Meer fr sterreich freizuhalten, dieses in
Norditalien sowie die habsburgische Partei in Neapel zu untersttzen; bei
gnstiger Gelegenheit Cadiz, Toulon oder andere spanische oder
franzsische Hfen anzugreifen; endlich im September/Oktober den
Levanteconvoi heimzufhren. (Nach Corbett war in einem Begleitschreiben
der Hauptwert auf Sicherung der Convois gelegt.) Shovel sollte frhzeitig
segeln, wurde aber sehr verzgert und dadurch gehindert, etwas von
Bedeutung auszufhren; der Rest der Seestreitkrfte war noch tatenloser,
fr die Flotte im Kanal stellte Holland kein Schiff.

  [266] Genauer Corbett, Teil II, Seite 228 ff.

  Holland stellte in Dienst: 12 Linienschiffe fr die Nordsee,
  hauptschlich zur Deckung der erwarteten Ostindienfahrer; 10
  Linienschiffe gegen Dnkirchen und gegen eine Division Galeren in
  Ostende. Es sollte 18 Linienschiffe fr das Mittelmeer stellen, brachte
  es aber nur auf 12, die erst am 25. Juni in Spithead eintrafen. Auer
  Amsterdam und Maas klagten die Admiralitten ber Geldmangel; Wilhelm
  von Oranien fehlte eben.

Die Hauptflotte der Englnder unter =Rooke= trat frhzeitig, aber nur
nach und nach zusammen; genaue Angaben fehlen, englische Quellen nennen
sie vast. Ihre Order war so altmodisch wie mglich, ganz nach Rookes
Geschmack (nach Corbett): Im Kanal und in der Biscaya die Ksten
bedrohen, um franzsische Truppen vom Landkriege abzuziehen, den Handel
zu stren und die feindlichen Divisionen in den Hfen festzuhalten.
Selbst hierin wurde nichts geleistet. Rooke blieb unttig in Spithead;
als Ende April bekannt wurde, da ein Geschwader von Brest nach Toulon
gehen wolle, erhielt er ausdrcklichen Befehl auszulaufen; er schtzte
Krankheit vor und gehorchte erst, als man mit seiner Ablsung drohte. Die
Flotte kreuzte dann den Sommer ber, ohne mit dem Feinde
zusammenzustoen, zu obengenannten Zwecken; dazu wrde auch die Hlfte
der Streitkrfte gengt haben.

Das langsame Sammeln der Hauptflotte und das spte Eintreffen der
Hollnder hielten =Shovel= auf, erst am 12. Juli ging er mit 35
Linienschiffen in See. Inzwischen waren zwei wichtige Punkte zu seinen
Aufgaben hinzugetreten. Als Portugal sich offen gegen Frankreich erklrt
hatte, rstete Ludwig XIV. ein Geschwader in Toulon gegen dieses Land aus
und auch das erwhnte Brestgeschwader war wohl dazu bestimmt -- in diesem
Jahre die einzigen Anzeichen fr ein geplantes greres Unternehmen von
seiten Frankreichs. Ferner hatten sich in Sdfrankreich die
protestantischen Bauern erhoben (die Camisarden, Cevennenkrieg) und auch
Savoyen zeigte sich den Verbndeten geneigt. Wenn man Savoyen gewann und
den Emprern die erbetene Untersttzung, von Cette her, gewhrte, muten
die Franzosen in Norditalien in sehr bedrngte Lage kommen. Hierfr
erhielt Shovel entsprechende Befehle, auf Portugal brauchte bei seiner
Abfahrt schon keine Rcksicht mehr genommen zu werden. Ludwig hatte die
Indienststellungen in Toulon aufgegeben, da er die Rstung der
Verbndeten fr das Mittelmeer berschtzte; Portugal wurde dadurch
berzeugt, da die Seemchte es schtzen knnten. Dies war aber auch der
einzige Erfolg der diesjhrigen Mittelmeerexpedition, zu allem andern war
sie zu spt in See gegangen.

Shovel erreichte erst am 5. August Lissabon. Der Vorschlag Almondes,
Cadiz anzugreifen, fand im Kriegsrat keinen Anklang; Shovel erklrte,
seine anderen Aufgaben, insbesondere die Untersttzung der Camisarden,
gingen vor. Am 9. September auf der Hhe von Cartagena angekommen,
beschlo der Kriegsrat, wegen der vorgerckten Jahreszeit nur 2
Kriegsschiffe mit Waffen und Kriegsmaterial an die gefhrliche Kste bei
Cette zu senden, mit der ganzen Flotte aber und mit den dorthin
bestimmten Kauffahrern nach Livorno zu gehen; wieder schlug Almonde vor,
gerade wegen der vorgerckten Jahreszeit die Kauffahrer nur unter einer
Bedeckung segeln zu lassen und zu versuchen, mit der Flotte doch noch
andere der gestellten Aufgaben zu lsen. Die nach Cette gesandten Schiffe
kehrten bald zurck, die verabredeten Signale waren von den
Aufstndischen nicht beantwortet worden. Infolge ungnstiger Winde traf
die Flotte erst am 30. Oktober in Livorno ein, die Zeit ihrer Heimfahrt
war also schon lngst gekommen. Die kurze Spanne, die allenfalls noch
geopfert werden konnte, benutzte Shovel zur Einwirkung auf Toskana.

  Groen Eindruck soll es in Livorno gemacht haben, als die Flotte auf
  die Nachricht, da Karl von sterreich zum Knig von Spanien ausgerufen
  sei, Salut feuerte.

  In Livorno hrte man, da zwar noch keine sterreichischen Truppen in
  Neapel seien, da es aber sehr gnstig gewesen wre, wenn die Flotte
  dort erschienen wre, wie Almonde vorgeschlagen hatte. Wir wissen, da
  dieser schon im vorigen Kriege oft das Richtige geraten und auch
  durchgesetzt hatte. Jetzt aber, nach Wilhelms III. Tode, war das
  Verhltnis zwischen den englischen und hollndischen Offizieren sehr
  viel schlechter geworden; diese beklagten sich mehrfach darber, da
  sie nicht mehr beachtet wrden und natrlich gegen die berwiegende
  Stimmenzahl im Kriegsrate nicht durchdringen knnten.

Die Flotte ging dann nach England zurck, von dem hollndischen
Kontingent berwinterten 6 Linienschiffe in Lissabon. Erreicht war also
nur, da Frankreich sich im Mittelmeer nicht rhrte, da Toskana
eingeschchtert wurde, und vielleicht hat das Erscheinen der Flotte auch
Savoyens Abfall von Frankreich beschleunigt. Eine zu den Barbaresken
gesandte Flottenabteilung hatte zwar die Vertrge erneuert, aber die
Kriegserklrung gegen Frankreich nicht erreicht.

  Ein nachgesandter Befehl, ein Geschwader fr das Adriatische Meer
  zurckzulassen, traf Shovel nicht mehr. Er htte ihn auch nicht
  befolgen knnen, da die Schiffe zu schlecht ausgerstet waren und die
  Besatzungen sehr unter Krankheit litten.

  Nach dem Eintreffen in der Heimat erlitten die so wenig
  widerstandsfhigen Schiffe ein groes Unglck. In einem schweren und
  anhaltenden Sturme, Ende November bis Anfang Dezember, gingen in den
  Downs 9 Linienschiffe und 4 andere Fahrzeuge mit 1500 Mann verloren,
  die brigen Schiffe wurden fast zu Wracks. Shovels Flaggschiff rettete
  sich durch Kappen der Masten; Vizeadmiral Fairborne wurde, vor dem
  Sturme lenzend, bis in die Ostsee vertrieben, und galt bis zu seiner
  Rckkehr im Frhjahr fr verloren; in diesem Sturme wurde auch der
  Leuchtturm von Eddystone vllig weggewaschen.

Wie $das Jahr 1704$ im Landkriege sehr bemerkenswert ist, so bringt es
auch zur See wichtige Unternehmungen sowie die einzige Seeschlacht dieses
Krieges. =Portugal= war den Gegnern Frankreichs nur unter der Bedingung
beigetreten, da der von diesen aufgestellte Knig Karl III. in Lissabon
lande und von hier aus sein Reich erobere; die Seemchte sollten dazu
10000 Mann Infanterie und 2000 Kavallerie stellen sowie stndig eine
Flotte in den portugiesischen Gewssern halten. Die Verhandlungen hatten
schon im Sommer 1703 begonnen, zogen sich aber so lange hin, da die
Rstungen erst im November fertig wurden, und nun hinderte die
ebenerwhnte Sturmperiode, die am 21. November einsetzte und fast den
ganzen Dezember andauerte, das Zusammentreten der Expedition in
Portsmouth.

  Der grere Teil des fr die Expedition bestimmten hollndischen
  Kontingents wurde auf der Fahrt von Texel nach der Maas in die Nordsee
  vertrieben und traf erst am 3. Januar in Portsmouth ein. In der Maas
  lag der Rest der Hollnder sowie eine Anzahl englischer Schiffe, mit
  dem Knig Karl, seiner Begleitung und Truppen an Bord; auch dieser Teil
  der Flotte konnte erst am 3.-4. Januar nach England hinbergehen.
  Sowohl in der Nordsee wie in der Maas waren die meisten Fahrzeuge --
  Kriegsschiffe, Transporter und Kauffahrer --, denn auch ein Convoi
  sollte angeschlossen werden -- schwer beschdigt, so da lngere
  Ausbesserungen ntig waren; die sechs Wochen in der Nordsee gewesenen
  Schiffe muten ihre Ausrstung ergnzen.

Erst am 16. Januar 1704 konnte die Flotte Spithead verlassen und
kanalabwrts segeln, wurde aber durch Sturm wieder nach Torbay
zurckgetrieben und dort drei Wochen festgehalten, bis sie endlich am 24.
Februar die Reise antrat. Den Oberbefehl fhrte =Sir George Rooke=; die
Flotte zhlte 17 (18?) englische und 12 hollndische (Leutnantadmiral
Callenburgh) Linienschiffe, einige Fregatten, 3 hollndische Mrserboote
und Transporter mit Truppen; ein groer Convoi schlo sich an, so da
gegen 300 Segel beisammen waren. Um Knig Karl mglichst bald
berzufhren, segelten 23 Linienschiffe voraus; der Rest der
Kriegsschiffe folgte mit dem Convoi spter, traf aber nur wenige Tage
nach dem Knige in Lissabon ein.

  Holland hatte sich verpflichtet, 24 Linienschiffe zu stellen. 6 waren
  im Vorjahre in Lissabon geblieben, 12 stieen zu Rooke, es fehlten also
  6. Zwar stellte die Republik 1704 wieder 35 in Dienst, behielt aber 17
  in den nrdlichen Gewssern, geteilt in 3 Geschwader: Schutz der
  Nordsee; gegen Dnkirchen und die Galeren in Ostende; zum Erwarten der
  Ostindienfahrer. Zum Handelsschutz traten noch 35 Konvoijers hinzu. Man
  erreichte, da in diesem Jahre Handel und Fischerei geringere Verluste
  erlitten, als je zuvor in diesem oder dem frheren Kriege; die
  Franzosen wagten nur wenige Vorste und diese schlugen fehl. Aber
  England erhob doch spter die Klage, Holland habe die gemeinsame
  Sache vernachlssigt.

  England stellte im Frhjahr unter =Shovel= noch eine zweite Flotte auf
  -- das West-France-Squadron, 25 Linienschiffe, das auch bald ins
  Mittelmeer ging.

Nach der Landung des Knigs und der Truppen, Mitte Mrz, ging Rooke mit
dem greren Teile der Flotte in See, um an der spanischen Kste gegen
den Handel zu kreuzen und um eine Vereinigung der franzsischen
Mittelmeerstreitkrfte mit denen des Atlantik zu hindern.

Ludwig XIV. hatte fr dieses Jahr noch einmal eine Gesamtverwendung
seiner Krfte ins Auge gefat. Im Vorjahre waren die Divisionen in den
nrdlichen Hfen blockiert, der Handel hatte sehr gelitten und auch die
Toulonflotte war am Auslaufen gehindert. Jetzt sollte alles
zusammengezogen werden, um, gesttzt auf Toulon und die spanischen Hfen,
schon von der Strae von Gibraltar an die Seeherrschaft im Mittelmeer zu
behaupten. In allen Hfen wurde eifrig gerstet. Es wurden auch insgesamt
etwa 55 Linienschiffe in Dienst gestellt und schlielich vereinigt -- im
Norden scheint nur in Dnkirchen eine Division von 3-5 Schiffen
zurckbehalten zu sein --, aber wegen Geldmangels blieben die Rstungen
sehr zurck, besonders in Toulon. Die Atlantikflotte, 25 Schiffe unter
dem Admiral von Frankreich, dem jetzt 26 Jahre alten =Graf von Toulouse=,
lief am 6. Mai von Brest aus und erreichte, wie wir sehen werden, Anfang
Juni wohlbehalten Toulon; die Toulonflotte, 30 Schiffe, war aber erst
Ende Juli seeklar. Als man in England erfuhr, da die Divisionen in den
atlantischen Hfen bereit seien, erhielt =Shovel= (Mitte April) den
Befehl, seine eben erwhnten Krfte zusammenzuziehen und auszulaufen; er
sollte ausgehende Convois sowie die Zufuhren nach Lissabon schtzen, die
Vereinigung der franzsischen Divisionen hindern oder, wenn diese schon
geschehen, den Gegner in Brest festhalten und, falls dieser schon nach
dem Sden ausgelaufen sei, zu Rookes Verstrkung ihm folgen.

  Corbett sagt: Man findet hierin den von Oranien (und Marlborough)
  zuerst gefaten und seitdem fast stets durchgefhrten Gedanken, da das
  Kanal- und das Mittelmeergeschwader als eine Flotte zu betrachten
  ist, die je nach der Verteilung der feindlichen Krfte innerhalb oder
  auerhalb der Strae von Gibraltar zusammen oder geteilt verwendet
  wird.

Shovel erhielt bei Lizard Mitte Mai die Nachricht, da Toulouse schon in
See sei, er suchte ihn vergeblich vor dem Eingang des Kanals und ging
dann nach dem Sden. Ende Juni vereinigte er sich mit =Rooke=, dessen
Operationen wir jetzt folgen mssen, da sie allein fr den Krieg von
Bedeutung sind; in wie enger Verbindung sie mit dem Landkriege standen,
zeigen die Befehle, die Rooke erhielt. Der erste Befehl hatte nur besagt,
Portugal und Knig Karl bei der Eroberung Spaniens zu untersttzen und
die Vereinigung der Franzosen zu hindern. Bald darauf wurde aber
hinzugefgt, der Admiral knne auch an der Kste der Provence zur
Untersttzung Savoyens auftreten, und dieser Zusatz erhielt Ende Mrz
eine genauere Fassung. Man hatte erfahren, da Frankreich beabsichtige,
Nizza und Villafranca zu erobern, um nach dem Abfall Savoyens eine
sichere Verbindung mit dem Heere in Italien, auch ber See, zu behalten.
Rooke bekam deshalb Befehl, ins Mittelmeer zu gehen und sich so zu
halten, da er den Stdten sofort Hilfe bringen knne, wenn er gerufen
wrde. Der Befehl war sonst hnlich, wie der Shovel im Jahre 1703
gegebene: Untersttzung des Landkrieges in Norditalien; Abschneiden der
Seeverbindung der franzsischen Heere, ihr Freihalten fr die
Kaiserlichen; auch der Befehl, die Vereinigung der Franzosen zu hindern,
blieb bestehen. Aber der Wirkungskreis der Flotte war doch jetzt
ausdrcklich =ins= Mittelmeer verlegt, mit dem Hinzufgen, da Knig Karl
auch an der Ostkste Spaniens erfolgreich untersttzt werden knne. Rooke
erhielt aber gleichzeitig (nach Corbett) geheime Instruktionen und
Marlborough stand jetzt in geheimer Beratung mit Prinz Eugen ber ihr
gemeinsames Vorgehen. Auch hatte der General den Herzog von Savoyen
benachrichtigt, da im Frhjahr 1704 eine mchtige Flotte erscheinen
werde, um ihn zu untersttzen; er selbst wolle durch einen krftigen
Vorsto Ludwig XIV. hindern, seine Truppen in Italien zu verstrken.
Rooke wurde nun dahin verstndigt, da der Krieg in Spanien fr die
Flotte, ja fr den ganzen Kriegsplan, nicht die Hauptsache sei. Mit dem
Vorsto Marlboroughs und Eugens an der Donau -- dem linken Flgel der
langen franzsischen Stellung solle durch Savoyen und die Flotte ein
Angriff auf Toulon -- die Mitte dieser Stellung und den Sttzpunkt der
franzsischen Macht am Mittelmeer -- erfolgen, die Eroberung Spaniens sei
nur als eine Diversion auf dem rechten Flgel anzusehen. Die Flotte habe
sich an den Unternehmungen in Spanien nur soweit zu beteiligen, als zur
Verbergung ihrer Hauptaufgabe ntig sei; wenn der Angriff auf Toulon
gelungen wre, solle Rooke versuchen, Neapel und Sicilien zu gewinnen.
Dieser Plan sei streng geheim zu halten, gelte aber als Hauptrichtschnur
der Flotte, solange Savoyen mitwirken wolle; nur die Untersttzung Nizzas
und Villafrancas sowie das Festhalten der Toulonflotte gehe vor.

  Corbett fgt hinzu: Dieses Programm war fr Rooke allerdings kaum
  durchfhrbar und hing zu sehr von Savoyen ab. Und doch darf es nicht
  ganz als eine Illusion verworfen werden, sondern kann als einen Hinweis
  auf die groe strategische Kraft betrachtet werden, die in einer
  Mittelmeerflotte (einer englischen?) liegt. Bei richtiger Auffassung
  der Lage und dementsprechender Verwendung seiner Streitkrfte konnte
  Rooke vier franzsische Armeen festhalten und sie hindern,
  Verstrkungen nach dem Hauptkriegsschauplatz abzugeben.

=Rooke= erhielt die letzte Order Ende April in Lissabon, als er von
seiner Kreuzfahrt zurckkam, und machte sie im Kriegsrate bekannt, soweit
sie nicht geheim war; es wurde beschlossen, sofort ins Mittelmeer zu
gehen, um in Katalonien fr Knig Karl zu operieren und doch fr die
bedrohten Stdte bei der Hand zu sein. Am 8. Mai verlie Rooke mit 33
Linienschiffen und den 3 Mrserbooten Lissabon; bei Kap Palos wurden 6
Franzosen, die von Toulon ausgelaufen oder in Spanien gewesen waren, ohne
Erfolg gejagt; gegen Ende des Monats traf die Flotte in =Barcelona= ein.
Der =Prinz von Hessen= war der berzeugung, da sich die Stadt fr Knig
Karl erklren werde, sobald eine militrische Demonstration gegen sie
gemacht wrde; es wre dies auch vielleicht eingetroffen, wenn nicht der
Gouverneur ein tatkrftiger Mann gewesen. Am 30. Mai wurden 1600
Seesoldaten ohne Widerstand gelandet und dem Prinzen zur Verfgung
gestellt, die Mrserboote legten sich in Schuweite bereit. Aber auf die
Aufforderung zur bergabe erffneten die Spanier das Feuer gegen die
Mrserboote und als diese am nchsten Tage einige Bomben geworfen hatten,
wurde bekannt, da der Gouverneur die vornehmsten Anhnger Karls
verhaftet habe, da andere geflohen seien und da die Besatzung gewillt
wre, auszuhalten. Zu einer frmlichen Belagerung war das Landungskorps
nicht stark genug, eine ernstliche Beschieung der Hauptstadt einer
vorwiegend habsburgisch gesinnten Provinz wollte man vermeiden und Rooke
mute ja auch nach seinem Geheimbefehl alle Unternehmungen hier nur als
Diversionen betrachten, war also geneigt, sich nicht zu weit einzulassen.
Die Einschiffung der Soldaten wurde beschlossen, zu ihrer Deckung und zur
Genugtuung der herbeigestrmten karlistischen Landbevlkerung warf man
noch einige Bomben, dann ging die Flotte nach den Hyren-Inseln in See.
Eine Division wurde zur Erkundung gegen Toulon abgezweigt, vereinigte
sich aber bald wieder mit der Hauptmacht. Bei den Hyren erhielt Rooke
vom englischen Gesandten in Lissabon die Nachricht, da =Graf Toulouse=
mit den Schiffen von Brest auf der Fahrt zum Mittelmeer an der
portugiesischen Kste gesehen sei. Da eine der Hauptaufgaben der
verbndeten Flotte war, eine Vereinigung der franzsischen Streitkrfte
zu hindern, und da die andern nur gelst werden konnten, wenn man die See
beherrschte, beschlo der Kriegsrat (5. Juni) ganz richtig, Toulouse
entgegenzugehen, ihn anzugreifen oder, falls er gesichert in Cadiz lge,
nach Lissabon zu gehen, um Shovel, dessen Order man kannte, aufzunehmen
und dann Toulouse zu folgen.

  Corbett sagt hierzu: Auch nach seiner Geheiminstruktion mute Rooke so
  handeln, da sich die Verhltnisse gendert hatten. Als der Gesandte
  Englands im April nach Turin kam, sah er, da der Herzog dem Plane
  eines Angriffs auf Toulon nicht mehr geneigt war; Holland soll, mehr
  auf den Schutz seines Handels bedacht und deshalb gegen grere
  Unternehmungen im Mittelmeer gestimmt, von einer so gewagten Operation
  abgeraten haben. Auch wurde in England bekannt, da Frankreich von dem
  Angriff auf Nizza und Villafranca abgesehen habe, um die dafr
  bestimmten Truppen zur Armee in Piemont (Belagerung Turins) stoen zu
  lassen, sowie, da die sterreichischen Truppen in Norditalien zu
  schwach seien, um einen Erfolg in der Provence zu erzielen.
  Infolgedessen erging ein neuer Geheimbefehl an Rooke, nach dem neben
  der Beobachtung der Brestflotte der Hauptwert wieder auf den Krieg in
  Spanien gelegt wurde; der Admiral habe sich zu diesem Zweck dem Knig
  von Portugal und Karl III. zur Verfgung zu stellen. -- Diesen Befehl,
  von Mitte Mai, kann Rooke allerdings bei den Hyren nicht mehr erhalten
  haben, wohl aber vom Gesandten in Turin die Nachrichten, durch die er
  hervorgerufen war.

Schon am 7. Juni bekamen die Aufklrungsschiffe und am nchsten Tage die
Flotte Toulouse in Sicht, 40-50 Segel, darunter etwa 25 Linienschiffe.
Die Franzosen standen zu Luward und bildeten die Gefechtslinie; flauer
Wind hinderte zwei Tage hindurch die Verbndeten, nher heranzukommen,
sowie auch den Versuch, den Gegner von Toulon abzuschneiden -- Clowes
sagt, mit dem Abhalten eines Kriegsrates sei Zeit verloren worden. Da
sich die Flotten immer mehr Toulon nherten und man damit rechnen mute,
da aus diesem Hafen Verstrkungen entgegenkommen wrden, brach man die
Verfolgung ab und nahm die Reise nach Lissabon auf. Den Franzosen war die
Vereinigung geglckt.

Rooke traf am 26. Juni in der Bucht von Lagos mit Shovel zusammen. Es war
also kein Grund mehr da, nach Lissabon zu gehen, und die Flotte, jetzt
56-58 Linienschiffe, war selbst der vereinigten franzsischen gewachsen.
Die Admirale, die jetzt nur noch diese im Auge hatten, wren gern ins
Mittelmeer zurckgegangen, am nchsten Tage aber erhielt Rooke den
offenen Befehl, sich ganz den beiden Knigen zur Verfgung zu stellen. Er
mute also in Lissabon anfragen, und da er wute, da den Knigen viel an
einem Unternehmen in Andalusien, besonders gegen Cadiz, liege, erklrte
er sich bereit, auf dem Weg ins Mittelmeer diese Stadt anzugreifen, falls
gengend Landtruppen zur Verfgung stnden. Die Antwort erwartend, ging
er zum Wassernehmen nach Malaga -- er mute sich mit Waffengewalt der
Wasserpltze bemchtigen -- und hielt dann die Strae von Gibraltar
besetzt. Erst gegen Ende Juli traf die Antwort ein; sie war zustimmend,
aber Truppen waren nicht verfgbar. Da fate der Kriegsrat am 27., 20
Seemeilen stlich von Tetuan, den Beschlu, von Cadiz abzusehen, aber
$Gibraltar zu erobern$.

Auf eine Eroberung der Stadt Cadiz zu verzichten, war wohl richtig. Zwei
Jahre vorher war sie trotz der Verwendung eines groen Landungsheeres
nicht gelungen, jetzt standen nur die Besatzungen der Schiffe zur
Verfgung; man durfte auch nicht wagen, die ganze Flotte fr eine nicht
absehbare Zeit festzulegen, da doch mit dem Erscheinen der franzsischen
Seestreitkrfte gerechnet werden mute. Bei Gibraltar lag die Sache
anders, die Befestigungen waren unbedeutend und die Besatzung schwach;
beides war bekannt und man konnte von einem pltzlichen Angriff Erfolg
erwarten, ohne viel aufs Spiel zu setzen. Ein Handstreich erforderte
weder lange Zeit noch die Verwendung der ganzen Flotte -- sogar weit
weniger Schiffe, als tatschlich dazu herangezogen wurden --, der
Hauptteil konnte bereitgehalten werden, den Franzosen entgegenzutreten.

[Illustration: Bay von Gibraltar]

Die von Natur sehr starke Lage der Festung war damals noch nicht
ausgenutzt, der Fels noch nicht befestigt Im Mittelalter war die an der
Westseite des Felsens terrassenfrmig liegende Stadt nur mit Stadtmauer
und Trmen umgeben, eine Mole (die alte) bildete den Galerenhafen. Spter
waren die Mauern durch modernere Umwallungen ersetzt, ein Fort im Sden
der Stadt am Strande erbaut, durch eine neue Mole ein Hafen fr
Segelschiffe geschaffen und dieser durch kleine Kastelle auf dem
Molenkopfe sowie am Strande geschtzt; immer blieb es nur eine
Befestigung zum Schutz gegen berflle der Barbaresken. Eine Citadelle
war nicht vorhanden, weil das alte maurische Schlo in der Stadt als
solche aufgegeben und ein Ersatz noch nicht geschaffen war; die bei
Beginn des Krieges von franzsischen Genieoffizieren geplanten
Verbesserungen hatte man noch gar nicht in Angriff genommen. Die
Besatzung betrug kaum 100 Mann regulrer Truppen, die sonst zur Verfgung
stehenden waren in den wichtigeren Hfen Andalusiens zusammengezogen; mit
der Miliz gebot der Gouverneur kaum ber 500 Mann und 100 Geschtze, eine
Macht, fr die selbst die vorhandenen Befestigungen noch zu ausgedehnt
waren.

Nachdem der Angriff beschlossen war, ankerte die Flotte in der
Tangerbucht. Hier wurden die Dispositionen ausgegeben und die
Vorbereitungen getroffen. Ein kleines Geschwader wurde nach Osten
gesandt, um auf der Hhe von Malaga als Vorposten gegen die Franzosen zu
dienen, die Flotte segelte am 31. Juli zur $Ausfhrung des Angriffes$
nach Gibraltar hinber.

  Voran liefen 17 Linienschiffe nebst den 3 Mrserbooten unter
  Kontreadmiral =Byng=; sie waren zum Angriff von See aus bestimmt und
  ankerten am 1. August dicht unter der Stadt. Rooke mit dem Rest der
  Flotte, auf dem auch die Seesoldaten der Schiffe Byngs eingeschifft
  waren, legte sich auf die Westseite der Bucht von Gibraltar. Sofort
  wurden 1800 Seesoldaten gelandet; sie marschierten unter Befehl des
  =Prinzen von Hessen= nach der Landenge und schlossen die Stadt vom
  Festlande ab; der Prinz lie diese im Namen Knig Karls zur bergabe
  auffordern. Byng war von den Batterien mit Feuer empfangen, da er aber
  vor der Beantwortung der Aufforderungen die Feindseligkeiten nicht
  erffnen sollte, warpte er seine Schiffe aus dem Feuerbereich. Whrend
  der Nacht traf keine Antwort ein. Byng gab am 2. August morgens den
  Befehl, die Beschieungsstellung einzunehmen. Whrend der Ausfhrung,
  die den ganzen Tag bis in die Nacht hinein in Anspruch nahm, kam die
  Antwort des Gouverneurs, da er die Stadt als treuer Soldat verteidigen
  werde; Rooke sandte nun noch 5 Schiffe. Die Schiffe wurden
  folgendermaen in eine Linie gelegt: 6 Hollnder, 60-70 Kanonenschiffe
  unter v. d. Dussen, gegenber der alten Mole; 10 Englnder, 70
  Kanonenschiffe unter Byng, gegenber der Stadt und dem Sdfort; 6
  Englnder, unter Kapitn Hickes, gegenber der neuen Mole.

  Der 2. August ging ohne ernstlichen Kampf hin. Die Spanier versuchten
  von Zeit zu Zeit durch ihr Feuer die Manver zu hindern; Byng lie
  whrend der Nacht, um den Feind zu beschftigen, von den auer der
  Linie liegenden Mrserbooten einige Bomben werfen und ein franzsisches
  Schiff, das an der alten Mole lag, durch Boote verbrennen. Am 3. August
  mit Hellwerden war die Stellung eingenommen und zwar so nahe am Lande,
  da z. B. Byng nur 1 bis 2 Fu Wasser unter dem Kiel hatte. Die Spanier
  erffneten wieder das Feuer, dieses wurde jetzt aber von allen Schiffen
  der Verbndeten breitseitweise beantwortet. Man sah noch die Einwohner,
  Frauen und Kinder, aus der Stadt nach der Kirche S. Maria von Europa,
  auf der Sdspitze des Felsens gelegen, flchten, dann nahm der
  Pulverrauch alle Aussicht, so da Rooke durch Boote zunchst den Befehl
  geben mute, das Feuer der oberen Batterien einzustellen, um berhaupt
  ein Zielen zu ermglichen, spter das Feuer ganz abzubrechen, um den
  Erfolg festzustellen. Es war gegen Mittag, der Feind hatte seit einer
  Stunde nicht mehr geantwortet. Das Feuer der Verbndeten scheint nicht
  viel Wirkung gehabt zu haben -- nach de Jonge; die anderen Quellen
  schweigen darber -- nur auf Hickes' Division wurde bemerkt, da das
  Fort auf der Sdmole auer Gefecht gesetzt war und da die Besatzung
  floh. Hickes sandte die Meldung an Byng, da eine Landung hier Erfolg
  verspreche. Byng lie seine smtlichen Boote armieren und bat Rooke um
  die der brigen Schiffe; schon ehe diese kamen, ging Hickes mit seinen
  Booten vor, die Byngs schlossen sich nach und nach an. Beim Nahen der
  ersten Boote begannen die Flchtlinge aus der Kirche nach der Stadt
  zurckzustrmen; als das Flaggschiff dieses durch einige Schsse
  hindern wollte, hielten die andern Schiffe es fr das Signal zur
  Wiederaufnahme des Feuers, was fr kurze Zeit geschah.

  Die Landung fand keinen Widerstand, brachte aber doch empfindliche
  Verluste, da ein Pulvermagazin im Molenkastell durch Unvorsichtigkeit
  der ohne Ordnung Vordringenden aufflog; mehr und mehr verstrkt setzten
  sich die Gelandeten vor dem Sdfort fest. Whrend des ganzen Tages
  hatte auch der Prinz von Hessen angegriffen; die Verteidiger waren
  berall hart bedrngt und die geflohenen Familien von der Stadt
  abgeschnitten, da schlo denn der Gouverneur auf eine erneute
  Aufforderung die bergabe ab. Die Besatzung verlie am 4. August mit
  allen militrischen Ehren die Stadt. Diese wurde im Namen Karls III. in
  Besitz genommen; die Eroberung hatte den Verbndeten etwa 280 Mann
  gekostet, fast das Dreifache der Besatzung an regulren Truppen.

  Rooke soll die nach der bergabe geheite Flagge Karls niedergeholt und
  die englische geheit haben. Corbett sagt, nach neuern Forschungen in
  spanischen Quellen sei dies nicht der Fall gewesen, und die alte
  Behauptung sei wahrscheinlich dadurch hervorgerufen, da die Englnder
  auf den eroberten Werken zunchst ihre Flagge gesetzt htten.

So war Gibraltar im Namen Knig Karls erobert. England besetzte es aber
vorlufig und behielt es nach dem Friedensschlu; Knig Philipp V. mute
damit seine Anerkennung seitens Englands bezahlen. Englische Quellen
sagen, die Stadt wrde spanisch geblieben sein, wenn Karl III. den Thron
behalten htte. Da England schon lange einen Sttzpunkt im Mittelmeer,
besonders zur Beherrschung der Strae, wnschte, drfte dies wohl nicht
so ganz ausgemacht sein. Schon in diesem Kriege wurde Gibraltar ein
beliebter Sammelpunkt fr die Seestreitkrfte der Verbndeten, wenn es
auch wegen Mangel an Einrichtungen noch nicht als Sttzpunkt dienen
konnte; dies blieb Lissabon bis zur Erwerbung Port Mahons.

=Die Besitzergreifung Gibraltars hat dem Namen Rookes eine bleibende
Erinnerung gesichert=, das richtige Urteil und der Mut der Verantwortung,
die er durch diese Tat bewiesen hat, sind ihm hoch angerechnet. Mit
Recht, sagt hierber z. B. noch Mahan, denn Rookes richtigem Urteil und
seinem Mut der Verantwortung verdankt England den Schlssel zum
Mittelmeer. Neuere englische Autoren, Corbett und Clowes, urteilen aber
einschrnkender. So fhrt Corbett aus, da die Einnahme der Stadt
keineswegs eine so hervorragende militrische Leistung gewesen wre, als
die sie so lange angesehen sei. Sie sei auch von andern Admiralen der
Flotte, z. B. Byng, fr keine schwere Aufgabe gehalten worden, aber
Rooke had always the grand manner and he approached it with all the pomp
of a great operation. Die gegebene Beschreibung drfte dies besttigen:
22 Linienschiffe und 2000 Mann gegen schwache Befestigungen und kaum 100
Soldaten.

Ebenso spricht Corbett dem Admiral das Verdienst der bernahme einer
groen Verantwortung ab: Rooke wute, da Gibraltar von Oraniens Zeit, ja
schon von Cromwells an ein Ziel der englischen Regierung war, der Platz
war ja auch in seiner Order als einer der zu nehmenden bezeichnet; er
wute, da die beiden Knige, denen er augenblicklich unterstellt war, es
sehr gern sahen. Rooke fhrte eine Proklamation Karls an seine Stadt
Gibraltar mit sich, und der Prinz von Hessen war gewi mit dem Plane
einverstanden, wenn er nicht gar dessen Urheber im Kriegsrate gewesen
ist. Rookes einziges Verdienst war, da er den Widerspruch einiger seiner
Unterfhrer, die mit Rcksicht auf die franzsische Flotte dagegen waren,
berwand.

Corbett belegt auch (Teil II, Seite 276) mit einer uerung Marlboroughs,
da dieser stets damit gerechnet hat, Gibraltar fr England zu behalten.

Am Tage der Einnahme Gibraltars traf von England und Lissabon die
Nachricht ein, da die franzsische Flotte nicht wagen wrde, Toulon zu
verlassen, da sie wesentlich schwcher als die der Verbndeten sei, und
Rooke wurde wieder auf Unternehmungen gegen Cadiz und Barcelona
hingewiesen. Sein Kriegsrat verwarf Barcelona unbedingt, da es zu spt in
der Jahreszeit und die Schiffe ausrstungsbedrftig seien; er erklrte
sich aber bereit, bis Mitte September bei einer Belagerung von Cadiz
mitzuwirken, falls eine gengende Armee mit Belagerungstrain erschiene
und eine Besatzung nach Gibraltar gelegt wrde. Beides war
ausgeschlossen und somit der in diesem Sinne nach Lissabon gesandte
Bericht eine Weigerung, irgend etwas zu unternehmen; man wollte nur
Gibraltar sichern. Wahrscheinlich waren die Admirale anderer Ansicht ber
die Franzosen und, obgleich sie keine Nachrichten hatten, mit Recht.

=Graf Toulouse= war am 22. Juli von Toulon nach Barcelona gegangen, wohin
man die Flotte der Verbndeten beordert glaubte; hier erhielt er die
Nachricht vom Fall Gibraltars und den Befehl Knig Philipps, zur
Rckeroberung der Stadt mitzuwirken -- es koste, was es wolle --, ein
Heer sei zu diesem Zwecke schon unterwegs. Toulouse war dem Gegner auch
nicht unterlegen. Er fhrte 51 Linienschiffe, zu denen noch franzsische
und spanische Galeren treten konnten, und ging sofort weiter. Rooke besa
auch nur 51 Linienschiffe; er hatte van der Dussen mit 5 Hollndern nach
Plymouth gesandt, um einen Convoi Kauffahrer sowie einen Transport mit
Kriegsmaterial fr Portugal zu holen, eine andere Division war nach den
Azoren abgezweigt, um den brasilianischen Convoi heimzufhren.

Die Antwort auf seinen Bericht nach Lissabon erwartend, ergriff =Rooke=
zunchst Maregeln, Gibraltar zu sichern. Dem Prinzen von Hessen wurden
1800 englische Seesoldaten als Besatzung berwiesen und die 3 Mrserboote
zur Verfgung gestellt; das technische Personal dieser sollte bei der
Instandsetzung der Festung helfen. Die Flotte ging (12. August) nach
Tetuan und nahm hier geschwaderweise Wasser, um stets bereit zu sein, dem
Gegner entgegenzutreten. Am 19. August verlie Rooke den Wasserplatz und
hielt stlich von der Strae nach Europa hinber, 12 Schiffe waren noch
beim Wassernehmen. An diesem Tage meldeten die bis Malaga vorgeschobenen
Vorposten, da der Feind gesichtet sei, er kme heran und stehe, bei
stlichem Winde, etwa 30 Seemeilen zu Luward. Der sofort zusammengerufene
Kriegsrat konnte nicht schlssig werden: man befrchtete das Abschneiden
der Schiffe in Tetuan; man fhlte sich nicht stark genug, ohne diese zu
fechten; einige Stimmen waren gar dafr, den Gegner in der Bucht von
Gibraltar zu erwarten, um die Festung zu decken. Noch whrend der
Beratung traf die Meldung ein, da die Franzosen nach Malaga abzuhalten
schienen. Toulouse beabsichtigte, nachdem er den Feind gefunden hatte,
die dort liegenden Galeren heranzuziehen und Wasser zu nehmen, dessen er
dringend bedurfte; htte er die augenblickliche Schwche Rookes gekannt,
wrde er sich wohl kaum die gnstige Gelegenheit zum Angriff haben
entgehen lassen. Die Verbndeten beschlossen jetzt, die Hlfte der
Seesoldaten von Gibraltar holen zu lassen, die Schiffe von Tetuan
heranzuziehen und whrend dieser Zeit, sowie spter, solange stliche
Winde wehten, gefechtsbereit in der Strae zu kreuzen, um Gibraltar zu
schtzen; wenn der Wind westlich ginge, wollte man dem Feinde folgen,
aber der vorgerckten Jahreszeit wegen nicht weiter als bis Malaga.
Dementsprechend wurde verfahren. Die Flotte lag in Gefechtslinie bis zum
Morgen des 20. August nach Norden, an diesem Tage brachten die
Mrserboote und Brander die Seesoldaten; dann steuerte Rooke nach Sden
und vereinigte sich mit den schon am 19. benachrichtigten Schiffen von
Tetuan. Whrend der verflossenen Nacht hatte man Signalschsse der
Franzosen gehrt, die jedoch immer schwcher wurden; da am Tage nichts zu
sehen war, nahm Rooke an, da der Gegner ihm ausweichen wolle. Er kreuzte
nun mit Segelpressen zwei Tage lang nach Osten auf. Am 23. morgens
frchtete man, da es Toulouse gelungen sei oder noch gelingen knne,
ungesehen nach Gibraltar zu kommen. Der Kriegsrat beschlo deshalb, nach
der Strae zurckzukehren, aber kaum war nach Rckkehr der Admirale auf
ihre Schiffe der neue Kurs aufgenommen, als die Franzosen, nordwestlich
in Lee und vor dem Winde westwrts steuernd, gesichtet wurden.

  =Graf Toulouse= hatte am 22. August vor Malaga geankert, erhielt hier
  die Nachricht vom Herankommen der Verbndeten. Er ging am 23. mit
  Tagesgrauen wieder unter Segel, begleitet von den Galeren; unter Land
  laufend, whrend die Gegner auf einem Schlage nach Sden lagen, hatte
  er diese passiert, ohne sie zu sichten, und so seine Luvstellung
  verloren. Auf beiden Seiten mangelte es an Aufklrungsschiffen. Wie
  leicht htte Toulouse Gibraltar und die dort liegenden Vorratsschiffe
  der englisch-hollndischen Flotte berraschen knnen, er konnte aber
  auch dabei, da Rooke ja rechtzeitig den Entschlu zum Umkehren gefat
  hatte, in sehr gefhrliche Lage kommen. Der Zufall hat hier beide Teile
  gleich gut bedacht.

Die Franzosen standen beim Sichten etwa 25 Seemeilen Sd von Malaga und
bildeten sofort die Schlachtlinie ber Steuerbord-Bug, auch Rooke
formierte sich zum Gefecht und hielt auf den Feind ab. Der leichte und
unbestndige stliche Wind hinderte an diesem Tage das Zusammentreffen,
aber der Morgen des 24. August fand die Flotten auf etwa 12 Seemeilen
Entfernung gefechtsbereit einander gegenber; Rooke, zu Luward, hielt zum
Angriff ab, Toulouse erwartete ihn unter kleinen Segeln (die Marssegel
auf die Kappe gefhrt).

$Die Schlacht bei Malaga$, die einzige dieses Krieges und die letzte von
Bedeutung in unserem Zeitabschnitt, entbrannte.

=Die Zusammensetzung der Flotten.=

          Schiffe:    ber 90 K.  80-90  70-80   60-70  50-60

          Verbndete
          Vorhut:          3       3       6       2      1
          Mitte:           2       6      11       3      2
          Nachhut:         1      --       3       6      2
          ----------------------------------------------------
          Summe:           6 1)    9 3)   20 5)   11 7)   5 9)
              51 Schlachtschiffe mit 3626 Kanonen.

          Franzosen
          Vorhut:          1       4       2       6      4
          Mitte:           3       3       2       3      6
          Nachhut:         3       2       2       3      7
          -----------------------------------------------------
          Summe:           7 2)    9 4)    6 6)   12 8)  17 10)
             51 Schlachtschiffe mit 3596 Kanonen

   1) 3 Schiffe zu 96 K.; 3 zu 90 K.;}
   2) 1 zu 104 K.; 1 zu 102 K.;      } Franzosen sehr berlegen.
             1 zu 96 K.; 4 zu 92 K.; }
   3) smtlich zu 80 K.;             } Franzosen berlegen.
   4) smtlich zu 84-88 K.;          }

Die Verbndeten hatten 7-9 Dreidecker, die Franzosen 16.

   5) Die englischen zu 70 K.; 1 zu 76 K.;} Verbndeten an Zahl
                   die Hollnder zu 72 K.;} sehr berlegen.
   6) zu 70 oder 74 K.;                   }
   7) Die englischen zu 60 K.; 1 zu 66 K.;}
                       Hollnder zu 64 K.;}
   8) 6 zu 60 K.; 6 zu 62-68 K.;          } Franzosen an Anzahl
   9) Die englischen zu 50 K.;            } und Strke berlegen.
                    Hollnder zu 52-54 K.;}
  10) 9 zu 58 K.; 5 zu 56 K.; 3 zu 54 K.  }

  Bemerkenswert zu unseren frheren Betrachtungen ber die Schiffsklassen
  ist die geringe Zahl der Schiffe unter 60 Kanonen bei den Verbndeten,
  die groe Zahl der 70 Kanonenschiffe und die Strke der Franzosen an
  Dreideckern; doch schtzte Admiral Leake die englischen Zweidecker zu
  80 den franzsischen Dreideckern zu 84-88 Kanonen an Gefechtskraft
  gleich.

  Die Tabelle ist zusammengestellt nach einer sehr ausfhrlichen Liste in
  Clowes, Teil II, Seite 399, nahezu bereinstimmend mit hollndischen
  und franzsischen Quellen. Die meisten Autoren geben fr die
  Verbndeten 53 Linienschiffe an. Der Unterschied kommt daher, da Rooke
  2 Schiffe zu 50 Kanonen nicht in die Schlachtlinie einstellte, sondern
  zur Beobachtung der Galeren bestimmte. Clowes, Bonfils, Troude geben
  die Namen der Schiffe und der Kommandanten.

Hierzu traten bei den Verbndeten 12 leichtere Schiffe (24-50 Kanonen), 7
Brander, 2 Mrserboote; bei den Franzosen 8 kleinere Fahrzeuge (6-30
Kanonen) und 9 Brander, auch verfgte Toulouse ber 22 (24?) franzsische
und spanische Galeren, die mit ihren 500-700 Mann und 4-6 schweren
Kanonen im Bug, dabei unabhngig vom Winde und geeignet zum Rammen, wohl
eine Rolle spielen konnten; sie waren auf die Geschwader verteilt und
standen in zweiter Linie.

=Die Flaggoffiziere= waren auf seiten der Verbndeten: Vorhut -- Admiral
Shovel, Vizeadmiral Leake; Mitte -- =Rooke=, Kontreadmirale Dilkes und
Byng; Nachhut (Hollnder) -- Leutnantadmiral Callenburgh, Vizeadmiral von
Wassenaer. Bei den Franzosen: Vorhut -- Generalleutnant de Villette,
Generalleutnant d'Amfreville, Chef d'Escadre de Belle-Isle; Mitte --
=Graf Toulouse= (als Vorder- und als Hintermann je ein Chef d'Escadre),
Generalleutnant de Cotlogon, Chef d'Escadre de Pointis; Nachhut --
Generalleutnant de Langeron, die Chefs d'Escadre de Septville und de la
Harteloire.

=Die Schlacht bei Malaga ist bemerkenswert fr die Geschichte der
Seetaktik.= Sie gilt als die erste eines Zeitabschnittes, in dem die
Englnder immer mehr ausgesprochen eine Taktik nur schematisch
durchfhren, nmlich: Gewinnen der Luvstellung; Heranfhren der Flotte
genau Spitze auf Spitze und dann Kampf genau Schiff gegen Schiff, beides
unter starrer Aufrechterhaltung der Formation; Absehen von jedem Versuch,
schon durch Ansetzen des Angriffes die feindliche Linie an einer Stelle
mit bermacht zu bedrohen. Auf die Nachteile dieser Art des Heranfhrens
der Flotte ist schon mehrfach hingewiesen und auch gesagt worden, da die
Franzosen im nchsten Zeitabschnitte gegen diese Angriffsart eine
Defensivtaktik in der Leestellung aufbauten, die die Nachteile mit Erfolg
ausnutzte. Diese unwissenschaftliche Angriffsmethode einerseits, die
reine Defensivtaktik anderseits schlossen entscheidende Schlachten aus,
und man kann mit Recht sagen, da die Seetaktik gegen die Zeiten der
geschickten Manver Moncks, Ruyters und Tourvilles einen Rckschritt
gemacht hatte und bis zu dem Auftreten Rodneys und Suffrens auf einer
niedrigeren Stufe stand. Es ist aber wohl gerecht, zu fragen, ob dies
wirklich allein, wie lange angenommen ist, dem Mangel an Verstndnis oder
Interesse fr Taktik seitens der Seeoffiziere, vornehmlich der
englischen, zuzuschreiben ist oder nicht teilweise eine natrliche Folge
der bisherigen Entwicklung der Seetaktik war.

=Corbett= sagt bei der Betrachtung der Schlacht von Malaga: Es mu daran
erinnert werden, da es erst 40 Jahre her war, seitdem man die alte
Gruppentaktik verlassen und die Linie aus Einzelschiffen, ausgesprochen
zuerst wohl bei Texel 1665, eingefhrt hatte. 1697 verffentlichte
Hoste[267] sein Werk ber Seetaktik; seitdem war keine Schlacht
geschlagen, seine Ansichten knnen also wohl als die zu jener Zeit
allgemein anerkannten betrachtet werden. Hiernach war es allerdings das
Hauptziel, einen Teil des Feindes abzuschneiden und zu dublieren. Man
hatte es in der ersten Zeit der neuen Taktik durch Durchbrechen der
feindlichen Linie mittels pltzlichen Wendens im Kontremarsch (d. i. ein
Schiff der Kiellinie nach dem andern, so da die Kiellinie erhalten
bleibt, im Gegensatz zum Wenden zugleich vgl. Seite 260, Funote)
versucht, dieses Verfahren war aber wegen der damit verbundenen Gefahren
in Miachtung gekommen. Hoste lehrte nmlich, beim Angriff drfe ein
Durchbrechen der Linie nur unter besonderen Umstnden angewendet werden,
z. B., um sich selber einer Gefahr zu entziehen, oder wenn der Feind
durch ungeschickte Manver eine Lcke darbte; wenn der Feind gute
Formation hielte, sei es nicht zu wagen. Ein sonstiges Dublieren solle
man nur versuchen, wenn die eigene Linie infolge grerer Schiffszahl die
feindliche berrage; dieses Dublieren solle hinten geschehen, also bleibt
der Angriff Spitze auf Spitze bestehen. Ein Durchbrechen whrend der
Schlacht solle nur ausgefhrt werden, wenn man sich durch Niederkmpfen
von 2 oder 3 Schiffen an derselben Stelle eine Lcke geschaffen habe. --
Auf eine Zeit wagemutiger Offensive, die mehr oder weniger besonders
hervorragenden Persnlichkeiten zuzuschreiben ist, folgte nun fast
naturgem als Rckschlag ein defensiveres Verfahren: Abwarten, ob der
Feind sich eine Ble gbe oder an einer Stelle niedergekmpft werden
wrde. Daraus mute die Ansicht entstehen, da diejenige Flotte die
grte Aussicht habe, an einer Stelle mit bermacht aufzutreten, die am
lngsten Formation hielte. Das Bestreben, dies zu tun, mute also fr
wichtiger gehalten werden als der Versuch, schon durch Ansetzen des
Angriffes einen taktischen Erfolg zu erringen. Diese Auslassungen
Corbetts sind gewi beachtungswert, aber doch wohl etwas zugunsten der
Beurteilung der englischen Seeoffiziere geschrieben; die grere
militrische Einsicht der franzsischen Offiziere wird jedenfalls durch
den Umstand gekennzeichnet, da sie zu ihrem Vorteil mit der Taktik der
Englnder rechnen lernten, whrend diese zu ihrem Nachteil bis 1782 daran
festhielten.

  [267] Der Jesuitenpater Hoste war der Kaplan des Admirals Tourville. Es
        ist anzunehmen, da er das, schon Seite 160 erwhnte, Werk L'art
        des armes navales ou trait des volutions navales nach den
        Anweisungen Tourvilles -- des neben Ruyter tchtigsten Taktikers
        des Zeitabschnittes -- geschrieben hat. Die Weiterentwicklung der
        Taktik nach 1740 baut sich gewissermaen auf Hostes Buch auf, es
        soll deshalb im nchsten Bande nher darauf eingegangen werden.
        ber den Inhalt des Werkes siehe Quellenverzeichnis.

=Die Schilderung der Schlacht bei Malaga=[268] (24. August 1704) wird
zeigen, da die Englnder dort in vollem Mae diese unvollkommene Taktik
verwenden, da aber auch die Franzosen nur einen schwachen Versuch
machen, durch Manver einen Vorteil zu erringen.

  [268] Hauptschlich nach Corbett, Teil II, mit dem sich die sonst
        bentzten Quellen -- Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III;
        Bonfils, Teil II; Troude, Teil II; Chab.-Arnault -- gut in
        Einklang bringen lassen, Abweichungen dort wenigstens ohne
        Einflu auf Beurteilung. Einige der andern Quellen, so z. B. de
        Jonge und die Franzosen, bringen Taten einzelner Schiffe, meist
        ziemlich gefrbt zugunsten ihrer Landsleute.

  Beide Flotten lagen ber Steuerbord-Bug, die Franzosen in Lee. Um jeder
  Bewegung des Feindes leichter folgen zu knnen, steuerte Toulouse mit
  halbem Winde; nach Hostes Ansicht die gefhrlichste aller Lagen, da sie
  selbst einem schwcheren Gegner die Gelegenheit gbe, die Nachhut
  ungestraft zu dublieren. Die franzsische Mitte war etwas nach Lee
  eingebogen. Vielleicht war dies ein Zufall, da es aber auch unter
  Tourville bei Beachy Head der Fall gewesen war, mu man fast eine
  Absicht annehmen; die englischen Offiziere sollen darin ein vorlufiges
  Zurckhalten dieses Geschwaders und damit die Vorbereitung eines
  verstrkten Angriffes auf ihre Vor- oder Nachhut, je nach Umstnden,
  gesehen haben. Rooke machte keinen Versuch zum Dublieren der Nachhut,
  er fhrte seine Flotte zum Angriff auf der ganzen Linie heran. Wie
  gewhnlich entstanden durch das lange Steuern in Dwarslinie und das
  schrge Herangehen Lcken zwischen den Geschwadern und Divisionen. Der
  Fhrer der Vorhut, Shovel, drehte deshalb auf halbe Kanonenschuweite
  querab vom Admiral der franzsischen Vorhut (Villette) bei, um Rooke
  herankommen zu lassen; die beiden gegnerischen Geschwader lagen sich
  schweigend und abwartend gegenber. Nun stand Shovels Flaggschiff um
  eine Nummer weiter von der Spitze ab als das Villettes, die englische
  Linie berragte also die franzsische um ein Schiff. Das franzsische
  Spitzenschiff meldete dies durch Zuruf von Schiff zu Schiff seinem
  Admiral und Villette gab Befehl, aufzusegeln. Shovel folgte diesem
  Beispiel, um der Gefahr, vorn dubliert zu werden, entgegenzutreten; die
  Gefahr lag um so nher, als die franzsische Vorhut zwei Schiffe mehr
  als die englische zhlte. Hierdurch wurde der Abstand zwischen Shovel
  und Rooke noch grer. Toulouse beabsichtigte jetzt, in diese Lcke
  einzubrechen, mit seiner Mitte Shovel von Luward aus zu dublieren und
  seine Nachhut Rooke entgegenzustellen; er hoffte so, die englische
  Vorhut zu vernichten, ehe noch die feindliche Nachhut ins Gefecht
  eintreten knnte, und lie Mitte und Nachhut Segel mehren.

  Rooke, der unter Segelpre herankam, erkannte zwar nicht die wahre
  Absicht Toulouses, glaubte aber, es handle sich um ein Aufsegeln der
  ganzen feindlichen Flotte, um die englische vorn zu dublieren. Obgleich
  er noch nicht so nahe am Feinde war, wie er beabsichtigt hatte, gab er
  doch seinem Geschwader den Befehl zum Beidrehen und Erffnen des
  Feuers, um die feindliche Mitte festzuhalten; es gelang, Toulouse sah
  von seinem Manver ab. Die beiden vordersten Schiffe Rookes, unter
  Dilkes, wandten sich gegen die letzten Schiffe Villettes und glichen so
  die Minderzahl der englischen Vorhut aus; Rooke befand sich querab von
  Toulouse, es lagen Vorhut und Mitte beider Flotten genau Schiff gegen
  Schiff (etwa 10 Uhr vormittags). Die Nachhut der Verbndeten scheint
  erst nach lngerer Zeit zum Gefecht gekommen zu sein. Ihr Fhrer,
  Callenburgh, griff Langeron an; da beide Admirale in der Mitte ihres
  Geschwaders lagen, etwa das 7. bezw. das 9. Schiff von vorn, und nur 12
  Hollnder 17 (16?) Franzosen gegenberstanden, mssen die Franzosen
  vorn um 2 oder 3 Schiffe berragt haben, doch griffen hier wohl die
  hinten berschieenden Nummern Rookes ein.

  Im =Gefecht der Vorhuten= errangen die Englnder Erfolg, sie waren ja
  auch etwas berlegen. Nach etwa drei Stunden geriet das Flaggschiff
  Villettes am Heck infolge einer Explosion in Brand und war gentigt,
  die Linie zu verlassen; ein Teil der andern Schiffe folgte, da sie das
  Abhalten fr ein taktisches Manver hielten. Admiral Leake war dafr,
  den Weichenden scharf zu folgen, so die feindliche Formation ganz ber
  den Haufen zu werfen und dadurch auch Toulouse zum Abhalten zu zwingen,
  um nicht von Lee aus dubliert zu werden. Es wre wohl richtig gewesen,
  denn im =Gefecht der Mitten= standen die Englnder nicht gut. Rooke und
  seine nchsten Nachbarn lagen gerade sehr starken Franzosen gegenber
  und im Zentrum der Verbndeten befanden sich auerdem mehrere Schiffe,
  die bei der Beschieung Gibraltars viel Munition verbraucht hatten;
  etwa 5 wurden durch Munitionsmangel gezwungen, die Linie zu verlassen.
  Die brigen Schiffe der Mitte waren hart bedrngt und litten schwer, so
  insbesondere Rookes Flaggschiff. Da nun Toulouse Anstalten machte, in
  die durch Ausfall der Schiffe entstandene Lcke einzudringen, sah
  Shovel vom Ausnutzen seines Sieges ab und fhrte die Linie seines
  Geschwaders ber den Hintersteven in diese Lcke. (Durch backing
  astern; das Manver wurde seinerzeit aufs hchste bewundert.) Er
  rettete zwar so die Lage der Mitte, aber seine vordersten Schiffe
  fanden jetzt keine Verwendung mehr; die Linie des Geschwaders blieb
  erhalten, die berschieenden Schiffe wurden weder zur Verfolgung der
  weichenden Franzosen noch zum Dublieren der feindlichen Linie vorn
  benutzt.

  Das =Gefecht der Nachhuten= scheint erst kurz vor diesem Ereignis
  begonnen zu haben. Auch hier wichen die Franzosen nach einigen Stunden
  nach Lee aus, und dann brach auch Toulouse gegen Sonnenuntergang den
  Kampf ab; die Verbndeten drngten nirgends nach.

  Vom Eingreifen der zahlreichen Galeren hrt man fast nichts. Nach de
  Jonge versuchten einige, das Schluschiff der Hollnder von achtern
  anzugreifen; sie wurden aber bald abgewiesen, der hollndische
  Kommandant hatte Geschtze achteraus bringen lassen. Auch
  Branderangriffe werden nicht erwhnt, dagegen sprechen de Jonge und
  franzsische Quellen von verschiedenen Enterversuchen, die jedoch
  smtlich schon vor dem Zusammensto durch Geschtzfeuer abgewiesen
  seien. Nach franzsischen Angaben sollen die schweren Verluste und
  Beschdigungen einiger ihrer Schiffe eine Folge von Bombenfeuer der
  Mrserboote und auch aus Geschtzen anderer Schiffe gewesen sein.
  Englische Quellen bestreiten die Verwendung von Bombengeschtzen auf
  ihren Schiffen, und de Jonge sagt in Hinsicht auf die hollndischen
  Mrserboote, da sie, auch wenn sie noch bei der Flotte gewesen wren,
  kein wirksames Feuer htten abgeben knnen: die See sei so bewegt
  gewesen, da die Franzosen damit das Nichteingreifen der Galeren
  entschuldigt htten. Englnder und Hollnder schreiben den groen
  Verlust der franzsischen Schiffe deren strkeren Besatzungen und der
  besseren Artillerie der Verbndeten zu; wir wissen, da die Englnder
  von jeher besonders ihr Feuer gegen die feindlichen Besatzungen,
  weniger gegen die Takelage richteten.

  Der Kampf war sehr hartnckig gewesen, namentlich der der Mitten. Rooke
  berichtete, alle Schiffe der Verbndeten htten ihre Pflicht getan, auf
  seiten der Franzosen habe die Mitte mit groer Tapferkeit gefochten,
  Vorhut und Nachhut weniger gut. Die Verbndeten verloren nach Clowes,
  der die Verluste fr jedes englische Schiff angibt, in der Vorhut: 215
  Tote und 497 Verwundete, in der Mitte: 492 und 1126, in der Nachhut: 95
  und 268. Der Verlust der Franzosen betrug nach demselben Autor 1500
  Tote und weit mehr Verwundete, franzsische Quellen fhren nur 1500
  Tote und Verwundete an. Nach den neuesten Angaben beider Nationen
  scheinen Schiffe im Gefecht nicht vernichtet zu sein. Clowes sagt, die
  Franzosen sollen im Gefecht eins und spter noch vier verloren
  haben. Das hollndische Flaggschiff flog zwei Tage spter auf; der
  Grund ist unbekannt; der Admiral hatte das schwer beschdigte Fahrzeug
  vorher verlassen. Im brigen waren die Schiffe auf beiden Seiten schwer
  beschdigt, besonders die der englischen Mitte.

  Man mu wohl die Schlacht als unentschieden bezeichnen; bei einer
  anderen Art des Angriffs wre der Ausgang vielleicht anders gewesen.
  Corbett sagt hierzu: Rooke machte keinen Versuch, den Angriff anders
  anzusetzen, da gerade seinem vorsichtigen Charakter die neue
  defensivere Taktik sehr entsprach; auch teilte er wohl Shovels Ansicht,
  da bei gleicher Strke nie ein entscheidender Sieg zu erringen sei
  (vgl. Seite 511). Er suchte aber auch einen solchen nicht, da er seine
  Hauptaufgabe im Schutze Gibraltars erblickte. Wurde er infolge eines
  mit Gefahr verknpften Manvers -- als solches sah man jede Abweichung
  von der gewhlten Angriffsart an -- geschlagen, so war Gibraltar sowie
  die Herrschaft im Mittelmeer verloren und auch die Flotte arg
  gefhrdet, denn von ihrem einzigen Zufluchtshafen, Lissabon, war sie
  durch den Feind getrennt. Fechten mute er, aber politisch wie
  seemnnisch war es wichtiger, eine Niederlage zu vermeiden, als einen
  groen Sieg zu gewinnen; so ist es zweifelhaft, ob er besser verfahren
  konnte, als er getan hat. Es ist bemerkenswert, da Corbett so
  urteilt, da er sonst kaum je zu Rookes Gunsten spricht.

Die Schlacht wurde in England, Holland und Frankreich als Sieg gefeiert.
Aber wenn sie auch vom taktischen Standpunkt aus eine unentschiedene
genannt werden kann -- keiner der Gegner hat zunchst das Feld gerumt,
die Flotten blieben in Sicht voneinander liegen --, so war sie doch
strategisch ein Erfolg der Verbndeten.

Rookes Lage nach der Schlacht war zwar nicht unbedenklich. Auf seiner
Flotte herrschte Munitionsmangel, gegen 25 Schiffe sollen in dem Kampfe
ihre ganze Munition verschossen haben; eine Folge der Verschwendung bei
der Beschieung von Gibraltar. Ferner stand der Feind noch immer zwischen
ihm und dem gefhrdeten Gibraltar sowie seinem einzigen Sttzpunkte
Lissabon. Die Franzosen nutzten dies aber nicht aus; Toulouse und einige
seiner Offiziere, die den Kampf erneuern wollten, wurden im Kriegsrate
berstimmt. Whrend der Nacht besserten beide Flotten aus, der Wind wurde
westlich, so da die Franzosen am 25. zu Luward standen. Die Verbndeten
bereiteten sich auf einen neuen Angriff vor, indem sie ihre beschdigten
Schiffe in Lee der Linie nahmen, als sie aber sahen, da der Gegner
weiter ausbesserte, taten sie desgleichen und gaben Munition an die deren
bedrftigen Schiffe ab. Abends trat der Kriegsrat zusammen und beschlo,
unter allen Umstnden nach Gibraltar zu gehen, falls der Feind sich dem
entgegenstelle, sich durchzuschlagen; beschdigte oder munitionslose
Schiffe sollten ihre Rettung auf eigene Faust versuchen oder sich im
uersten Falle verbrennen.

Am 26. August morgens war es anfangs still und nebelig, spter kam
leichter stlicher Wind auf. =Rooke= steuerte auf den Gegner zu, der in
Schlachtlinie mit nrdlichem Kurse auf dem Wege der Verbndeten etwa 12
Seemeilen entfernt lag. Da der Wind so flau blieb, da ein
Zusammentreffen vor der Nacht unmglich war, drehte Rooke gegen Abend
bei, um seine beschdigten Nachzgler zu erwarten und den Durchbruch am
nchsten Tage zu versuchen, aber am 27. morgens war der Feind aus Sicht.
Der Admiral nahm nun Kurs nach Gibraltar auf. Er glaubte, Toulouse sei
ebendorthin oder zur Ausbesserung nach Cadiz gegangen, er hrte aber
schon am 28. in der Strae, da der Feind diese nicht passiert habe; noch
zwei Tage wartete Rooke unter Segel und ankerte dann am 31. vor
Gibraltar.

=Toulouse= war mit dem grten Teile seiner Flotte ber Malaga und
Alicante nach Toulon gegangen, er hatte also die Wiedernahme Gibraltars,
ja sogar alle Unternehmungen mit den Gesamtstreitkrften aufgegeben. So
konnte man in England und Holland die Schlacht bei Malaga wohl als einen
Sieg ansehen. In Frankreich rhmte man sich allerdings, durch die
Schlacht dem Gegner den Eintritt ins Mittelmeer verlegt zu haben,
trotzdem aber war das Auftreten der Flotte bei dieser Gelegenheit der
letzte ernstliche Versuch in diesem Kriege, den Verbndeten die
Seeherrschaft streitig zu machen. hnlich wie im vorigen Kriege hatte man
nach dem Mierfolge Toulouses alles Zutrauen zu der Flotte verloren und
lie ihr immer weniger Pflege zuteil werden.

  Bonfils sagt: Im Volke machte sich eine bedauernswerte Abneigung gegen
  die Marine geltend. Ihre Verdienste waren vergessen, man glaubte nicht
  mehr an ihren Wert; die Armee, die mehr in unmittelbarer Berhrung mit
  der Nation stand, hatte deren ganze Gunst. Bonfils fhrt aber auch an,
  der Marineminister Pontchartrin habe aus Eifersucht die Ttigkeit
  Toulouses gelhmt.

Das Jahr $1704$ bringt zwar noch $weitere Operationen um den Besitz von
Gibraltar$, aber die Hauptflotten beteiligen sich nicht mehr daran. Rooke
war zu rechter Zeit vor der Stadt eingetroffen, die von Philipp V.
entsandten Belagerungstruppen waren schon in grter Nhe. Da der Zustand
der Flotte ein Bleiben nicht erlaubte, wurden auf Ersuchen des Prinzen
von Hessen smtliche englische Seesoldaten, 2000 Mann, eine Abteilung von
Zimmerleuten und Artilleristen zur Instandsetzung der Befestigungen,
Munition und endlich Proviant fr 6 Monate gelandet, sowie zwei
Mrserboote zurckgelassen. Es wurde ferner beschlossen, die noch
diensttauglichsten englischen Schiffe unter Vizeadmiral =Sir John Leake=
als Wintergeschwader in den sdlichen Gewssern sowie einige sehr schwer
beschdigte in Lissabon zur Ausbesserung zu belassen. Darauf ging die
Hauptflotte am 5. September heim, traf am 4. Oktober im Kanal ein und
wurde dann abgerstet. Leakes Geschwader, 10 Linienschiffe (11?) und 2
Fregatten, hatte sich bei Kap St. Vincent abgezweigt und war nach
Lissabon zum berholen gegangen; hier wurde es am 30. Oktober durch die
hollndische Division v. d. Dussen, die mit den von Plymouth abgeholten
Transportern eintraf, verstrkt; zu dieser trat bald noch ein Schiff der
ebenfalls vorhin erwhnten Azorendivision. Da die portugiesischen Werften
in sehr schlechtem Zustande waren, wurde Leakes Geschwader auch erst Ende
Oktober wieder seeklar, und es war die hchste Zeit, dem bedrngten
Gibraltar Hilfe zu bringen. Toulouse hatte vor Alicante den erneuten
Befehl Knig Philipps erhalten, die Belagerung der Stadt zu untersttzen;
er lie zu diesem Zweck 13 Linienschiffe (10?) und 9 Fregatten unter dem
Chef d'Escadre =de Pointis= zurck. Dieser traf im Oktober mit 3000 Mann
und groem Belagerungspark vor der schon zu Lande eingeschlossenen
Festung ein. Der frmliche Angriff wurde erffnet, und man rechnete auf
den Fall der Stadt zu Mitte November; hartnckig verteidigte sich
=Hessen=, aber eines seiner Mrserboote war in Brand geschossen und die
Belagerungsarbeiten schritten vorwrts.

In dieser hchsten Not kam, vom Zufall begnstigt, die Hilfe. De Pointis
war nicht vor Gibraltar geblieben, sondern nach Ausschiffen der Truppen
usw. nach Cadiz gegangen, um Proviant einzunehmen, nur fnf Fregatten (20
bis 40 Kanonen) zurcklassend. Anderseits hatte Leake, der von Hessen
bestndig um Hilfe angerufen war, infolge des Eintreffens der Transporter
seine Ausrstung beenden knnen; er ging am 5. November von Lissabon in
See und traf am 9. abends vor Gibraltar ein. Gerade fr den 10. hatten
die Belagerer einen Hauptschlag geplant. 500 Freiwillige waren in der
Nacht heimlich im Sden der Stadt gelandet, sie hatten mit Hilfe von
Tauen und Leitern den Felsen erklommen und sich dort verborgen; sie
sollten vorbrechen, wenn eine Landung bei der neuen Mole vom Festlande
aus, zu der Hunderte von Booten gesammelt waren, erfolgte. Aber gerade
als die zur Landung bestimmten Mannschaften eingeschifft wurden, lief
Leake in die Bucht ein. Eine der franzsischen Fregatten, die auf
Vorposten war, hatte man schon auf See genommen, die andern sowie ein
Brander und ein Mrserboot mit Belagerungsmunition setzten sich jetzt auf
Strand und in Brand. Die Landung mute natrlich aufgegeben werden, die
500 Freiwilligen wurden aufgerieben. Gibraltar war zum zweiten Male
gerettet.

Zu verstehen ist nicht, weshalb Pointis so lange in Cadiz geblieben war.
Colomb sagt: Gedrngt, wieder auszulaufen, habe er geantwortet, bei der
Anwesenheit von 30 (!) feindlichen Schiffen in Lissabon msse er in Cadiz
bleiben, bis er Verstrkung erhalte; von hier aus knne er wenigstens
Zufuhren nach Gibraltar hindern. Ein Fehler war es allerdings wohl
gewesen, sein Geschwader nicht so stark zu bemessen, da er ein
Wintergeschwader der Verbndeten unter allen Umstnden von der belagerten
Stadt abhalten konnte.

Leake untersttzte einige Zeit die Belagerten durch Beschieen der
Parallelen und durch Bootsangriffe auf das feindliche Lager bei
Algeciras. Seine Lage war nicht ungefhrlich, weil die Winterstrme
einsetzten, in denen seine Schiffe viel Ankergeschirr verloren; auch
trafen stndig Nachrichten ein, da sich Pointis zum Inseegehen
vorbereite, da einige seiner Schiffe schon auf der Rhede von Cadiz
lgen. Leake ging erst Anfang Dezember auf die Nachricht hin in See, da
ein neuer Transport fr Gibraltar in Lissabon angekommen sei und
beabsichtige, weiterzusegeln. Obgleich schwach bemannt, lie er einige
hundert Matrosen zurck, da der Prinz von Hessen infolge Krankheit und
Verlusten nur noch ber etwa 1000 Mann verfgte. Er beabsichtigte, vor
Cadiz zu gehen und Pointis dort festzuhalten, whrend der Transport
vorbeisegelte. Sturm und Gegenwinde hielten ihn in der Strae fest, und
in dieser Zeit griff Pointis tatschlich den Convoi an, aber ohne
Erfolg.

  Pointis lag unter englischen und hollndischen Flaggen bei Kap Spartel;
  der Convoi, 20 Transporter und 4 Kriegsschiffe, nherte sich
  ahnungslos. Als aber die Franzosen zu frh eine umfassende Formation
  einnahmen, schpfte der Convoifhrer Verdacht und benutzte die zufllig
  eintretende Windstille, seine Schiffe durch Boote aus der Gefahr
  schleppen zu lassen; nur zwei Fahrzeuge fielen dem Feinde in die Hnde,
  zwei andere retteten sich nach Lissabon.

Der grere Teil des Convois erreichte Gibraltar und warf 2000 Mann und
reichliche Vorrte hinein, so da die Festung vorlufig wieder gesichert
erschien. De Pointis kehrte nach Cadiz zurck, und auch Leake ging auf
die Nachricht, da die Franzosen hier in den inneren Hafen eingelaufen
seien, Anfang Januar 1705 zum Ausrsten und Bodenreinigen nach Lissabon.

$Die Jahre 1705 und 1706. Entsatz von Gibraltar und Einnahme von
Barcelona.$ 1705 begannen die Operationen zur See um den Besitz von
Gibraltar, ehe die groen Flotten in Dienst gestellt waren.
Franzsisch-spanischerseits hatte man wegen der Belagerung dieser Stadt
den Krieg an der portugiesischen Grenze vernachlssigt, und doch war kein
Erfolg errungen worden. Die Festung stand eher gnstiger da; denn auch im
Januar und Februar trafen, unbelstigt von Pointis, noch mehrere nur
schwach bedeckte Transporte mit Kriegsmaterial und Verstrkungen von
Lissabon dort ein. Ludwig XIV. rief jetzt den =Marschall Tess= von der
portugiesischen Grenze ab, um die Belagerung zu leiten. Dieser fate die
Aufgabe schrfer an und verlangte vor allem die Untersttzung durch die
Flotte, insbesondere durch =Pointis=. So schrieb er z. B. an Cond: Die
Englnder zeigen uns, da man zu jeder Zeit die See halten kann; sie
fahren darauf wie die Schwne auf Euerem Flusse bei Chantilly. Pointis
erhielt nun den schrfsten Befehl, einzugreifen, trotz seiner weiteren
Vorstellungen in Paris und Madrid, da er besser erst Verstrkungen
erwarte. Am 16. Mrz traf er dann mit 13 Linienschiffen vor Gibraltar ein
und wurde hier vom Marschall zu einem gemeinsamen Angriff festgehalten,
obgleich er bat, auf See gegen Zufuhren fr die Stadt kreuzen zu drfen.
Als Seemann frchtete er, vor Anker sowohl durch die Frhjahrsstrme als
auch durch einen pltzlichen Angriff zu sehr gefhrdet zu sein; beides
sollte ihn gleichzeitig treffen, ehe der gemeinsame Angriff reif war.

In Lissabon war man in groer Sorge. Ein frhzeitiges Erscheinen der
groen Flotte war fr dieses Jahr in Aussicht gestellt, sie wurde aber
nicht rechtzeitig fertig. =Leake= hatte Schwierigkeiten, seine Schiffe in
Lissabon instandzusetzen. Anfang Mrz war er noch nicht vllig seeklar.
Da traf von England ein Transport mit Kriegsmaterial, sowie eine Division
Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes ein, so da er um die Mitte des
Monats in See gehen konnte. Er war 19 englische (23?), 4 hollndische
Linienschiffe, sowie 9 portugiesische Kriegsschiffe stark und fhrte 3
Regimenter (3000? Mann) an Bord; am Abend des 20. Mrz erschien er vor
der Bucht von Gibraltar.

Am 18. waren 8 franzsische Schiffe durch einen schweren Sturm vom
Ankerplatz vertrieben und durch die Strae nach Osten gesegelt, Pointis
selber wurde mit dem Rest seines Geschwaders am Morgen des 21. durch das
Erscheinen des Feindes vllig berrascht; die Signalstationen, die sofort
nach seinem Eintreffen lngs der Kste bis nach Cadiz errichtet waren,
hatten nichts gemeldet; kaum blieb ihm Zeit, Anker zu kappen und unter
Segel zu gehen. Leake befahl sogleich allgemeine Jagd ohne
Aufrechterhaltung einer Formation. Drei Franzosen wurden nach tapferer
Gegenwehr genommen; dem Flaggschiff und dem fnften Schiff gelang es
zwar, Enterangriffe abzuschlagen, sie wurden aber auf den Strand
getrieben und setzten sich dort in Brand. Die durch den Sturm
vertriebenen 8 Schiffe waren bis Malaga gelaufen; als sie das
Geschtzfeuer hrten, segelten sie von dort ohne Unterbrechung nach
Toulon. Gibraltar war zum dritten Male und nunmehr in diesem Kriege
endgltig gerettet. Leake landete Mitte April die Truppen; er war bis
Malaga gegangen und auf der Rckfahrt durch strmische Westwinde
aufgehalten worden. Tess hob Ende des Monats die Belagerung auf und ging
zu der Armee an der portugiesischen Grenze zurck.

Die Befreiung Gibraltars ist gewissermaen noch ein Nachspiel des
Kriegsjahres 1704. Wenden wir uns jetzt zu dem eigentlichen =Kriegsjahre=
1705. Aus der allgemeinen Schilderung des Krieges wissen wir, da die
Seemchte und Portugal in diesem Jahre beabsichtigten, Spanien von
Portugal und von Katalonien aus fr Karl III. zu erobern; die
Hauptseestreitkrfte wurden zur Untersttzung des Angriffs von Katalonien
aus bestimmt.

  Corbett sagt hierzu: Es war dies gegen Marlboroughs Ansicht. Dieser
  hatte stets weiter im Auge, Frankreich vom Mittelmeer abzuschlieen,
  Toulon anzugreifen, die Seeherrschaft im Mittelmeer vllig
  sicherzustellen und dazu einen Sttzpunkt neben Gibraltar in diesem
  Meere zu gewinnen. Die Seeoffiziere waren ohne einen solchen Sttzpunkt
  gegen ein Vorgehen auf Toulon, und Marlborough ordnete wie stets seine
  Ansicht der der Fachleute unter; auerdem waren Savoyen und sterreich
  nicht in Bewegung zu bringen, letzteres legte mehr Wert auf die
  Eroberung Spaniens. Wir wissen, da Prinz Eugen 1705 zu schwach war,
  um viel ausrichten zu knnen.

Zu diesem Zwecke wurde whrend des Winters von England und Holland die
Aufstellung einer Flotte von 48 Linienschiffen -- 18 hollndische und 30
englische, einschlielich der schon in den sdlichen Gewssern
befindlichen -- sowie eines Landungsheeres von 7500 Mann -- 2500
Hollnder und 5000 Englnder -- vereinbart;[269] es traten spter noch 8
englische und 2 hollndische Schiffe hinzu, auch scheinen die Truppen
vermehrt zu sein, denn verschiedene Quellen sprechen bei dem Auftreten an
der Ostkste Spaniens von 12000 Mann.

  [269] de Jonge, Teil III, Seite 678, und Beilage XXIV.

England hatte ferner im Norden ein Blockadegeschwader von etwa 12
Schiffen gegen Brest in Dienst gestellt. Ein zweites unter Dilkes,
ursprnglich gegen Dnkirchen bestimmt, wurde spter der Mittelmeerflotte
zugeteilt. Es wurde sogar vorausgesandt, als Gibraltar so arg bedrngt
war; wir sahen Dilkes schon im Mrz bei Leake eintreffen. Holland hatte
im Norden, wie 1704 und mit den gleichen Aufgaben, drei Geschwader von
zusammen 15 Linienschiffen aufgestellt. Englische Kriegsschiffe und
hollndische Convoijers traten wie blich zur Begleitung der Kauffahrer
hinzu.

Frankreich rstete in diesem Jahre in Toulon 35 Linienschiffe unter
Toulouse aus. In Brest sollen 16 in Dienst gestellt sein, doch traten in
den nrdlichen Gewssern nur kleine Divisionen (unter Torbin und Trouin)
gegen den Handel der Verbndeten auf, besonders wieder von Dnkirchen
aus, sowie zahlreiche einzelne Freibeuter.

Die Hauptflotte der Verbndeten kam erst spt in Ttigkeit, da sich wie
gewhnlich und aus den bekannten Grnden in beiden Lndern die
Indienststellungen verzgert hatten. Am 10. Mai ging das hollndische
Kontingent unter =de Almonde= nach Wight hinber und, da die Englnder
noch nicht segelfertig waren, gleich weiter nach Lissabon, wo es am 13.
Juni eintraf; acht Tage spter kam der grte Teil der englischen Flotte
an. Den Oberbefehl fhrten der =Earl of Peterborough= und der nunmehrige
Admiral of the fleet =Sir Clowdesley Shovel=.

  Hier erscheinen zum letzten Male Joint-Admirals, doch war
  Peterborough nicht eigentlich Seeoffizier; er hatte zwar in der
  hollndischen Marine gedient, aber nie ein englisches Schiff befehligt.
  Whrend dieses Krieges in Spanien fhrte er auch mehr das Kommando ber
  die Landtruppen.

Im Kriegsrate wurde beschlossen, da die Flotte, soweit sie versammelt
war, nmlich 48 Linienschiffe, in der Strae von Gibraltar gegen ein
Vereinigen der franzsischen Seestreitkrfte kreuzen solle. Shovel lief
am 4. Juli aus, Peterborough blieb in Lissabon, um Truppen aus Irland zu
erwarten und um mit Portugal ber dessen Beteiligung am Kriege sowie ber
die Kriegfhrung berhaupt zu verhandeln. Am 31. Juli stie er mit den
Transportern und dem Rest der Flotte zu Shovel; mit ihm kamen Knig Karl
und der Prinz von Hessen, die sich von dem Angriff in Katalonien mit
Recht mehr Erfolg versprachen als von dem nur lau vorgehenden Portugal.
Nachdem der Knig in Gibraltar die Huldigung der Stadt entgegengenommen
hatte, trat die Flotte am 5. August -- jetzt 58 Linienschiffe, 11
Fregatten, 9 Mrserboote und einige Brander stark -- die Reise nach
Barcelona an und traf nach kurzem Aufenthalt in Altea (11.-16.) am 22.
August vor dieser Stadt ein. Schon am nchsten Tage wurden die Truppen
ausgeschifft, die Belagerung begann und am =3. Oktober kapitulierte
Barcelona=.

  Am 23. August begann die Ausschiffung von 12 englischen, 4
  hollndischen und 1 spanischen Bataillonen Infanterie, 2 Regimentern
  englischen Dragonern, zusammen 12000 Mann (nach Colomb), in einiger
  Entfernung von der Stadt; sie ging ohne jede Strung vor sich und war
  am 25. beendet. Da die Fhrer bald nach der Landung der Ansicht
  geworden waren, da ihre Krfte gegenber der Gre der Stadt und der
  Besatzung nicht gengten, wurde der Angriff zunchst nicht ernstlich
  betrieben. Zahlreiche Beratungen fanden statt, ohne zu Entschlssen zu
  fhren, scheinbar herrschte Uneinigkeit zwischen den Land- und
  Seeoffizieren; beinahe ging im Kriegsrat der Landoffiziere der Beschlu
  durch, das Unternehmen aufzugeben, da man weder bei den Einwohnern noch
  bei der Flotte die erwartete Untersttzung fnde. Die Schiffe hatten
  etwa 1000 Mann ihrer Besatzung fr die Erdarbeiten und zur Bedienung
  gleichfalls gestellter Geschtze gelandet. Auf Drngen Knig Karls
  beschlo der Kriegsrat endlich, ernstlich vorzugehen, wenn die Flotte
  weitere Geschtze und noch 1500 Mann lande; die Admirale bewilligten
  dies unter der Bedingung, da die Gelandeten stets zur
  Wiedereinschiffung bereit seien; es konnten ja bedrohliche Nachrichten
  ber die franzsische Flotte eintreffen. Als diese Abmachung eben
  erfolgt war, wurde schon ein wesentlicher Erfolg erzielt. Der Prinz von
  Hessen, der die Befestigung der Stadt als ihr frherer Gouverneur genau
  kannte, fhrte mit Erlaubnis Peterboroughs, aber ohne Kenntnis der
  brigen Befehlshaber in der Nacht vom 14.-15. September einige
  auserlesene Truppen gegen das Fort Montjuich und nahm dessen
  Auenwerke. Das Fort, der strkste Punkt der Befestigung, lag auf dem
  steilen Berge sdwestlich von der Stadt und beherrschte diese sowie den
  Hafen; bald darauf wurde ein zweites Fort genommen und damit die
  Verbindung Montjuichs mit der Stadt unterbrochen. Inzwischen landete
  die Flotte die Verstrkungen und begann (16. September) aus den
  Mrserbooten sowie 8 Linienschiffen die Beschieung der Stadt; diese
  wurde schonend durchgefhrt, da die Einwohner dem Knig Karl
  wohlgesinnt waren. Bald fiel Montjuich, der Angriff wandte sich gegen
  die Stadt selber, und es wurde Bresche gelegt; als der Sturm drohte,
  kapitulierte der Gouverneur auf Drngen der Einwohner.

  Da sich die Admirale mit Rcksicht auf die franzsische Flotte anfangs
  nicht zu sehr und auch spter nur bedingt engagieren wollten, ist
  wahrscheinlich und war berechtigt; selbst Peterborough, der am Lande
  befehligte, soll die Forderung des Landkriegsrates fr zu weitgehend
  und fr bedenklich erachtet haben. Es ist mglich, da Shovel spter
  die Nachricht erhalten hat, die Franzosen seien nicht seeklar oder
  frchteten einen Angriff auf Toulon; nach Sue hatte Graf Toulouse den
  Befehl, die Befestigungen dieses Hafens zu verstrken und die Flotte
  dort zurckzuhalten.

Nach dem Falle Barcelonas erklrten sich alle Stdte Kataloniens fr
Karl. Diese Bewegung setzte sich durch Aragonien und Valencia fort; bald
war der Knig Herr dieser drei Provinzen, zu deren Schutz die gelandeten
Truppen unter Peterborough zurckblieben. Die groe Flotte wurde
aufgelst, der grere Teil ging (23. Oktober) zur Heimat; ein
Wintergeschwader -- 15 Englnder und 10 Hollnder, zu denen spter noch
10 und 5 treten sollten -- unter den Admiralen =Leake= und =Wassenaer=
segelte nach Lissabon.

  Gleich nach bergabe der Stadt gingen die fnf hollndischen Schiffe
  der Division v. d. Dussen, die jetzt fast zwei Jahre im Dienst waren,
  heim und nahmen von Lissabon einen Convoi mit. Almonde hatte die
  Erlaubnis, mit den brigen Schiffen im Mittelmeer zu berwintern, um
  weiter die Seeherrschaft zu behaupten, falls die Hauptmacht der
  Englnder ein Gleiches tte. Diese jedoch erklrten, es sei wegen
  Mangels an Vorrten und an Material zum Instandsetzen nicht mglich. So
  wurde nur ein Wintergeschwader gebildet, aber auch dieses war gentigt,
  zur Wiederinstandsetzung nach Lissabon zu gehen. Leake machte infolge
  ungnstiger Winde eine unglaubliche Reise: Er war von Ende Oktober bis
  zum 4. Februar unterwegs, so da beinahe Hunger- und Wassernot an Bord
  entstand; das Flaggschiff Prince George begrub auf dieser Reise 50
  Mann. Es kennzeichnet die Verhltnisse jener Zeit, da dieses Schiff,
  das mit Shovel von England gekommen war und stets Krankheit an Bord
  gehabt hatte, vom 1. April 1705 bis zum 4. Februar 1706 gegen 300 Mann
  verlor.

Wie die Erfolge in Spanien 1705 nur infolge des Ausbleibens der
franzsischen Flotte mglich geworden waren, so wurden sie $im Jahre
1706$ dadurch wieder in Frage gestellt, da die Seestreitkrfte der
Verbndeten nicht rechtzeitig gengend stark auftreten konnten. Die
Franzosen gingen frh im Jahre gegen Karl III. vor. Marschall Tess griff
Katalonien von Spanien aus an, indem er die Psse an der portugiesischen
Grenze nur besetzt hielt; der Herzog von Noailles rckte von Roussillon
aus vor. Tess warf den Knig bis nach Barcelona zurck und belagerte mit
40000 Mann die Stadt, Toulouse untersttzte Tess dabei mit 30
Linienschiffen, die Belagerungsmaterial sowie sonstige Vorrte brachten
und auch an der Beschieung der Stadt teilnahmen. Peterborough stand in
Valencia, zu schwach, um einzugreifen; man hatte franzsischerseits alles
getan, Erfolge zu erringen, ehe die Verbndeten Verstrkungen senden
konnten und die See wieder beherrschten.

Als die franzsischen Vorbereitungen in England bekannt wurden, erhielt
=Leake= den Befehl, sein mglichstes zu tun, um die Plne des Gegners zu
vereiteln. Zu ihm war eine Verstrkung von 4 hollndischen
Linienschiffen, nebst einem Convoi mit Ausrstungsmaterial, gestoen,
aber ein groer Teil seiner alten Schiffe war noch nicht seeklar.
Trotzdem ging er am 9. Mrz mit 18 Schiffen in See.

  Es lag in seiner Absicht, schon am 8. zu segeln, weil er erfahren
  hatte, da das Auslaufen der westindischen Galeonen aus Cadiz
  bevorstehe. Als aber das Geschwader am genannten Tage den Tajo abwrts
  segelte, wurde es durch scharfes Feuer der Auenforts zum Wiederankern
  gezwungen. Auf die Beschwerden antwortete die portugiesische Behrde,
  es sei aus Versehen geschossen; die Forts htten Befehl gehabt, das
  Auslaufen smtlicher Kauffahrer zu hindern, damit die Abfahrt des
  Geschwaders geheim gehalten wrde. Nach Annahme der englischen
  Offiziere aber sind die Kriegsschiffe tatschlich absichtlich
  zurckgehalten, um sie zum Schutz des erwarteten Brasilienconvois zur
  Verfgung zu haben. Jedenfalls wurde das Unternehmen, das die besten
  Aussichten hatte, durch die Verzgerung von einem Tage vereitelt. Am
  11. abends erfuhr Leake von einem hollndischen Freibeuter, da die
  Galeonen am 10. Cadiz verlassen htten, auch fing er am 12. zwei
  Schiffe, die 24 Stunden spter gesegelt waren; er htte also ohne die
  Verzgerung wohl sicher seinen Zweck erreicht. Jetzt erschien ihm eine
  Verfolgung aussichtslos, weil der Wind den Galeonen gnstig war.

Infolge ungnstigen Windes traf Leake erst am 10. April in Gibraltar ein.
Hier stie am 14. der Rest seiner Flotte, 12 Linienschiffe nebst
Transportern mit zwei englischen Regimentern, zu ihm, so da er nun 30
Linienschiffe stark war. Auf die Nachricht vom Knig Karl, da Barcelona
von Tess und Toulouse belagert und schon sehr bedrngt sei, beschlo der
Kriegsrat, nach Altea zu segeln, um dort genaue Nachricht ber die
franzsische Flotte einzuziehen und diese, wenn sie nicht strker als 30
Schiffe sei, anzugreifen; die englischen Regimenter wurden zur
Verstrkung der nur schwachen Besatzungen auf die Schiffe verteilt. Am
29. in Altea angekommen hrte der Admiral von einem hollndischen
Kauffahrer, da ihm ein Transport mit Truppen aus Holland unter Bedeckung
von 6 Linienschiffen auf dem Fue folge; dieser traf am nchsten Tage ein
und gleichzeitig die Nachricht, da ein englisches Geschwader von 14
Schiffen unter =Sir George Byng= nahe. Leake wartete auch diesen ab und
ging dann, 50 Schiffe (36 englische, 14 hollndische), 6 Fregatten, 2
Brander, 2 Mrserboote stark, nach Barcelona weiter. Auf der Hhe von
Tortosa (6. Mai) kam eine neue Nachricht vom Knig Karl: Die Stadt knne
sich nur noch wenige Tage halten, Montjuich sei genommen, der Sturm
stnde bevor; nur sofortiges Erscheinen der Flotte knne retten, Toulouse
sei 28 Schiffe, 6 Fregatten, 10 Galeren und 5 Mrserboote stark. Leake
gab seinen Schiffen sofort den Befehl, ohne Aufrechterhaltung einer
Formation Segel zu pressen. Am Morgen des 7. Mai trafen die ersten
Schiffe vor Barcelona ein, sie fanden die Rhede leer; Toulouse war, wie
im vorigen Kriege Tourville, auf die Kunde vom Nahen des Gegners nach
Toulon aufgebrochen; nach franzsischen Angaben hatte er Befehl, seine
Flotte keiner ernsten Gefahr auszusetzen.

  Englische Quellen sagen, Byngs Schiffe (wohl die bodenreinsten) seien
  die ersten Schiffe auf der Rhede gewesen. Nach de Jonge waren es die
  besten Segler Wassenaers, der die Vorhut fhrte. Nach Corbett sahen die
  ersten Schiffe die Nachhut Toulouses gerade noch am Horizont
  verschwinden.

Noch an demselben Tage ankerte die ganze Flotte und die Soldaten wurden
in die Stadt geworfen. $Barcelona$, und damit Katalonien, $war gerettet$.
Ja, die Belagerer, insbesondere die spanischen Truppen, scheinen durch
das so pltzliche und gerade noch rechtzeitige Erscheinen Leakes vllig
entmutigt worden zu sein. =Marschall Tess= sah sich am 10. Mai gentigt,
die Belagerung abzubrechen; er lie ber 100 Geschtze und sogar die
Verwundeten zurck. Das franzsische Heer litt auf seinem Rckzuge nach
Roussillon sehr unter Angriffen der katalonischen Bergbewohner: eine
verlorene Schlacht htte nicht schlimmer sein knnen (nach Bonfils).

  Colomb sagt (gekrzt): Barcelona ist die Wiederholung der Geschichte
  Gibraltars. Beide Pltze werden durch gemeinsame Angriffe von Land und
  See genommen, bei denen die Admirale infolge der gnstigen Aussicht auf
  Erfolg die deckende Flotte vielleicht strker eingesetzt haben -- bei
  Gibraltar durch das Abzweigen so vieler Schiffe fr die Beschieung,
  bei Barcelona durch das Ausschiffen so zahlreicher Leute -- als richtig
  scheint, denn nur bei vollstndiger Beherrschung der See waren die
  Unternehmungen mglich. Der Feind versucht dann, die Festungen whrend
  der Abwesenheit der verbndeten Flotte durch Land- und Seestreitkrfte
  wiederzunehmen, doch wurden ihre Seestreitkrfte im letzten Augenblick
  vertrieben. Man kann hier wohl sagen ihre nicht gengend starken
  Seestreitkrfte und hinzusetzen teilweise infolge glcklicher Zuflle
  fr den Gegner.

Die Entsetzung Barcelonas war wie die Gibraltars 1705 gewissermaen
wieder ein Nachspiel des Vorjahres, ein Unternehmen, das den Verbndeten
durch das frhzeitige Vorgehen des Gegners im neuen Kriegsjahre
aufgezwungen und nur vom Wintergeschwader ausgefhrt wurde; dieses war
allerdings durch die Verstrkungen, insbesondere durch die beschleunigte
Entsendung Byngs mit 14 Schiffen der Hauptflotte, schon zur Gre der
bisherigen Sommerflotten im Mittelmeer angewachsen. Eine andere Operation
von Bedeutung, die fr dieses Jahr geplant war, eine $Landung bei
Rochefort$ unter dem Admiral of the fleet Shovel, kam wohl infolgedessen
nicht zur Ausfhrung. Erst im Juli konnte Shovel seine Flagge heien; er
wartete dann vergeblich auf ein hollndisches Kontingent und wurde
endlich durch Gegenwinde bis in den September bei Torbay festgehalten;
dann war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten. Dieses englische
Kanalgeschwader beteiligte sich nur im Juni an der Belagerung und
Einnahme der Stadt =Ostende= durch das Heer in Flandern.

  Zu diesem Landungsplane schreibt Corbett: Marlborough behielt stets
  als Hauptziel im Auge, Frankreich vom Mittelmeer aus anzugreifen; ihm
  war auch die beschleunigte Entsendung Byngs zu verdanken. Er wollte
  sogar in Person mit 20000 Mann in englischem und hollndischem Solde
  nach Italien gehen, um hier mit Prinz Eugen, mit dem er sich besser
  verstand als mit den hollndischen und deutschen Fhrern, vereint
  aufzutreten. Vom Ratspensionr Heinsius untersttzt, hatte er die
  Generalstaaten fast fr diesen Plan gewonnen, als die Franzosen am
  Rhein ber Ludwig von Baden Vorteile errangen. Jetzt sahen die
  Generalstaaten die linke Flanke der Stellung in den Niederlanden
  bedroht, wollten nur noch 10000 Mann bewilligen und verlangten, da
  Marlborough selber in den Niederlanden bliebe. Er fgte sich wiederum,
  betrieb aber dafr ein Unternehmen, dem er wenigstens den Wert einer
  fr den Krieg in Italien und Katalonien nutzbaren Diversion beilegte.
  (Er selbst ging zu gleichem Zweck energisch vor, schlug die Schlacht
  von Ramiliers und bedrohte die Franzosen weiter in Flandern.) Im
  Frhjahr 1706 hatte ein franzsischer Rfugi, Comte de Guiscard, eine
  Landung an der Mndung der Charente vorgeschlagen, um von dort aus den
  Aufstand in den Cevennen wieder zu beleben. Die Landungskrfte sollten
  vorzugsweise aus Rfugis gebildet werden, doch wollte auch Marlborough
  einige Regimenter stellen.

  ber die Strke der Flotte Shovels sind keine Angaben vorhanden, sie
  kann nicht bedeutend gewesen sein. Die auswrtigen Stationen und der
  Handelsschutz erforderten zahlreiche Schiffe; 36 Schiffe waren im
  Mittelmeer, und wie im Vorjahre hatte man ein Geschwader zur
  Beobachtung der franzsischen Ksten in Dienst gestellt; vielleicht war
  dieses fr die Expedition in Aussicht genommen. Von dem erwarteten
  hollndischen Kontingent erwhnt der sonst sehr genau berichtende de
  Jonge nichts. Nach de Jonge hatte Holland 1706 im Mittelmeer 18 Schiffe
  -- gem der Abmachung, eine Vermehrung hier war erst fr das Ende des
  Jahres vorgesehen -- und 12 Schiffe, in zwei Geschwader wie frher
  geteilt, in den nrdlichen Gewssern. Es hatte also seine
  Verpflichtungen erfllt; zwar waren 5 Linienschiffe weniger im Dienst
  als im Vorjahre, doch fehlten diese im Norden: das Geschwader gegen die
  Galeren in Ostende, das nach der Eroberung der Stadt nicht mehr ntig
  war.

Wenden wir uns nun wieder zum $Mittelmeer$. Nach dem Abzuge des
franzsischen Heeres von Barcelona wurden auf 4 Kriegsschiffen 600 Mann
nach =Gerona= gefhrt, um die Stadt gegen den nach Norden abziehenden
Feind zu verstrken. In lngeren Beratungen mit den Ministern und
Generalen Knig Karls beschlo man dann, da die Flotte alle in
Katalonien entbehrlichen Truppen zu Peterborough bringen und mit diesen
gemeinsam gegen Alicante, das bourbonisch gesinnt und stark besetzt war,
vorgehen solle. Die Soldaten wurden in Valencia gelandet und von dort in
Marsch gesetzt. In der Zwischenzeit segelte die Flotte nach =Cartagena=,
wo die Partei Karls das bergewicht hatte. Die Stadt war zwar nicht
gleich zur bergabe bereit, erkannte aber doch Karl III. an, als man
Vorbereitungen traf, mit einigen Schiffen in den Hafen einzulaufen und
gleichzeitig die Landungsabteilungen der Flotte an Land zu werfen (10.
Juni). Nachdem dann in Altea Wasser genommen war, traf die Flotte am 7.
Juli vor =Alicante= ein, und auch Landtruppen erschienen am 20. vor der
Stadt; da diese aber nur 1300 Mann regulre Soldaten, sonst bewaffnete
Landbewohner, zhlten, wurden von den Schiffen 800 Seesoldaten und 800
Matrosen nebst Geschtzen gelandet. Die Belagerung wurde erffnet, 12
Linienschiffe begannen mit Erfolg die Beschieung, indem sie nach und
nach die Befestigungen niederkmpften und dann immer nher ankerten. Am
8. August wurden aus nchster Nhe zwei Breschen gelegt, die Stadt durch
die Truppen am Lande sowie die Landungsabteilungen gestrmt und
geplndert; die Citadelle ergab sich erst am 6. September wegen
Wassermangels.

  Vor Alicante stieen 4 dem hollndischen Kontingent bisher noch
  fehlende Linienschiffe zur Flotte. An diese knpfen sich Umstnde, die
  das Verhltnis der englischen und hollndischen Seestreitkrfte
  zueinander in diesem Kriege kennzeichnen. Leutnantadmiral de Almonde
  hatte sie hinausgefhrt, er sollte dann den Oberbefehl ber die
  Hollnder bernehmen; er ging aber von Lissabon in die Heimat zurck,
  da er nicht unter Vizeadmiral Leake dienen wollte. Holland hatte vor
  und whrend seiner Ausreise England ersucht, Shovel hinauszuschicken.
  England aber antwortete, dieser sei zu einem anderen Unternehmen
  (Rochefort?) bestimmt, jetzt wurde Almonde zurckgerufen und Holland
  hielt von jetzt an nur einen Vize- oder Kontreadmiral im Mittelmeer;
  smtliche hhere Flaggoffiziere fanden in diesem Kriege keine
  Verwendung mehr. Die letzten tchtigen Schler Ruyters verbrachten ihre
  spteren Dienstjahre unttig am Lande: de Almonde, der seit 1691 die
  Hollnder in allen greren Unternehmungen und Schlachten gefhrt;
  Callenburgh, uns gleichfalls rhmlichst bekannt; zwei Evertsen, Shne
  und Neffen der Seehelden Cornelis und Jan Evertsen. Vielleicht haben
  Sparsamkeitsrcksichten mitgesprochen.

Von Alicante segelte die Flotte (13. September) nach =Ibiza= und dann
nach =Mallorca=; die erste Insel erkannte den Knig Karl sofort an und
auf der zweiten zwang die Bevlkerung den Gouverneur dazu, als eine
Beschieung der Stadt Palma drohte. Gern htten Karl und Peterborough
auch die Einnahme =Minorcas= mit seinem vorzglichen Hafen Port Mahon,
von den Englndern schon lange als Sttzpunkt ins Auge gefat, gesehen,
aber Leake hielt die franzsische Besatzung dort fr zu stark, um mit
seinen Landungsabteilungen allein anzugreifen. Peterborough war geneigt,
mit den ntigen Truppen unter eigener Fhrung mitzuwirken, er wurde
jedoch nach Italien gesandt, um Savoyen anzufeuern und mit Prinz Eugen
ber den Feldzug des nchsten Jahres zu verhandeln; als er zurckkam, war
es nach Leakes Ansicht fr die Flotte zu spt in der Jahreszeit. Seiner
Instruktion gem trat der Admiral am 4. Oktober die Reise nach der
Heimat an, mit ihm das ganze hollndische Kontingent (Mitte November
dort); nur ein Wintergeschwader von 17 englischen Linienschiffen zweigte
sich unter =Admiral Byng= in Gibraltar ab und ging nach Lissabon.

Infolge der Entsetzung Barcelonas nahm auch der Landkrieg in Spanien von
Portugal aus fr Karl III. eine gnstige Wendung; Madrid wurde genommen,
Philipp V. war mit dem franzsischen Heere nach Frankreich geflohen. Karl
war im Besitz der Herrschaft und wurde infolge der Siege des Prinzen
Eugen auch in Mailand anerkannt (vgl. Seite 493).

$Die Jahre 1707 und 1708. Belagerung von Toulon. Eroberung von Port
Mahon.$ Fr 1707 war von den Seemchten wiederum die Aufstellung einer
starken Flotte im Mittelmeer vereinbart. Die Generalstaaten hatten sich
bereits im Sommer 1706 verpflichtet, 24 Linienschiffe dazu zu stellen,
die schon vor Ende des Jahres abgehen sollten. Die pekunire Lage der
Admiralitten war jedoch so schwierig, da erst um die Wende des Jahres
10 Schiffe unter Vizeadmiral van der Goes auslaufen und nur 5 im Mai 1707
folgen konnten; diese letztgenannten stieen erst vor Toulon zur Flotte.
Daneben stellte Holland wieder 17 Schiffe in zwei Geschwadern fr die
nrdlichen Gewsser auf. England dagegen sandte wirklich noch im
Sptherbst 1706 den Admiral Shovel nach den spanischen Gewssern ab; die
Zahl seiner Schiffe mag etwa 16 betragen haben.

  Genaue Angaben waren nicht zu finden. Nach franzsischen Quellen
  erschienen im Juli vor Toulon 48 Linienschiffe, darunter 15 Hollnder.
  Byngs Wintergeschwader zhlte 17 Schiffe; es bleiben mithin 16
  neuhinzugekommene Englnder.

=Shovel= traf Anfang Januar in Lissabon ein und ging sofort weiter ins
Mittelmeer. Die Kriegslage in Spanien hatte sich seit der Heimfahrt der
Flotte im Herbst 1706 sehr zuungunsten der Verbndeten gendert. Knig
Karl machte die Erfahrung, da mit dem Schlagen der spanischen Truppen
nicht alles getan war. Er verstand es nicht, sich beliebt zu machen; in
Kastilien und in den Sdprovinzen erwachte der alte Ha gegen die
Portugiesen und die Ketzer, die beide ihn untersttzten. Das Volk stand
in Guerrillabanden auf und die Franzosen schickten ein neues Heer unter
dem Herzog von Berwigk. Die Verbndeten konnten sich in Madrid nicht
halten, sie zogen nach Osten ab, um sich Karl in Katalonien
anzuschlieen. Shovel warf nun zunchst eine aus England mitgebrachte
Verstrkung von etwa 7000 Mann nach Alicante, kehrte dann aber nach
Lissabon zurck, um seine Schiffe zu weiteren Unternehmungen
instandzusetzen und auszursten.

  Corbett bezeichnet diese weiteren Operationen ausdrcklich als die
  gegen Toulon geplanten. Marlborough habe schon die Abfahrt Shovels
  beschleunigt, da ihm nach den Erfolgen Eugens in Italien sein groer
  Plan jetzt reif erschienen sei. Dieser Plan, durch dessen Durchfhrung
  er den Krieg zu beenden hoffte, ist uns bekannt (Seite 494). Wenn er um
  diese Zeit schon feststand, wenigstens wie anzunehmen ist zwischen
  Eugen und Marlborough, so war er doch geheim gehalten. De Jonge sagt
  ausdrcklich, da das hollndische Geschwader erst vor Barcelona von
  dem beabsichtigten Angriff auf Toulon Kenntnis erhalten habe.

In Lissabon fand Shovel das Wintergeschwader (Byng) und das am 10. Mrz
eingetroffene hollndische Kontingent, das auch Ersatz fr die in Spanien
fechtenden hollndischen Regimenter mitgebracht hatte, vor. Da die
Nachrichten vom Landkriegsschauplatze weiter ungnstig lauteten, wurde
Byng mit den segelfertigen englischen und smtlichen hollndischen
Schiffen sofort (10. April) ins Mittelmeer gesandt, um die Verstrkungen
zu landen und bis zu Shovels Ankunft an der Ostkste zu kreuzen. Byng
erfuhr in Alicante, da die Armee der Verbndeten unter dem =Earl of
Galway=, der jetzt den Oberbefehl fhrte, bei dem Versuche, wieder nach
Madrid vorzudringen, bei Almansa (24. April) vernichtend geschlagen sei
und da ihre Trmmer sich grtenteils auf Tortosa zurckgezogen htten
(vgl. Seite 494). Der Admiral sammelte nun in den Kstenstdten die
Versprengten, Verwundeten und Kranken des Heeres, brachte diese sowie die
Ersatzmannschaften nach Tortosa und segelte dann nach Barcelona (20.
Mai). Hier traf Shovel bald darauf ein. Erkundungen ergaben, da weder in
Toulon noch in Marseille (der Galerenstation) Ausrstungen von
Seestreitkrften betrieben wurden; Frankreich stellte in diesem Jahre nur
zwei Divisionen unter Forbin und Trouin fr die nrdlichen Gewsser auf.
Am 4. Juni ging =Shovel= mit der ganzen Flotte in See, um mit =Prinz
Eugen= gegen Toulon zu operieren und um dessen Verbindung mit den
Magazinen in Livorno und Genua aufrecht zu erhalten.

  Wir wissen bereits (Seite 494), da es Marlborough nicht gelang, seinen
  groen Plan vollstndig durchzufhren. Er selber war behindert, in
  diesem Jahre im Norden krftig vorzustoen, und der Kaiser hatte,
  anstatt Eugen nach seinen Erfolgen zu verstrken oder doch wenigstens
  in seiner Strke zu belassen, einen Teil des italienischen Heeres unter
  Graf Daun abgezweigt, um Neapel zu erobern, obgleich ihm England
  vorstellte, dies fr ihn mit Leichtigkeit ausfhren zu knnen, sobald
  Toulon gefallen sei. Da Ludwig XIV. um diese Zeit zu
  Friedensunterhandlungen geneigt war, wollte der Kaiser wohl vor Beginn
  dieser die Lande in seinen Besitz bringen; auch wird vermutet (nach
  Corbett), da man in sterreich dem Plane Marlboroughs nicht gnstig
  war, man frchtete die bermacht Englands im Mittelmeer nach Toulons
  Fall.

  Ein schleuniger Angriff auf Toulon war erwnscht. Man mute annehmen,
  da Frankreich nach seinen Erfolgen in Spanien von dort Truppen zur
  Armee in der Provence heranziehen wrde, auch konnte bei der Schwche
  Eugens nur ein Handstreich gelingen. Dieser wre fast geglckt.
  Marschall Tess, der die Armee in der Provence fhrte, hatte mit
  unzureichenden Krften eine lange Grenze zu decken, und Prinz Eugen
  verstand es, ihn in Unsicherheit darber zu halten, wo er vorgehen
  wolle: ob ein Angriff auf die Provence oder ein Einfall in die Dauphin
  oder in die Franche-Comt, beide von Truppen entblt, erfolgen wrde.
  Eugen operierte dann so schnell, da Tess erst klar sah, als der
  Gegner fast schon die Grenze berschritten hatte. Toulon war auf der
  Landseite nur schwach befestigt und ungengend besetzt. Infolge von
  Verzgerungen auf dem Marsch und bei dem Angriff der Verbndeten jedoch
  gelang es, diesen belstnden abzuhelfen. Der Gouverneur der Provence
  bot die Milizen auf und Tess warf mit Eilmrschen Truppen in die
  Stadt; die Verbndeten waren nicht stark genug, dies durch vllige
  Einschlieung zu verhindern. Die Verzgerungen werden dem Herzog von
  Savoyen zur Last gelegt.

Die Flotte trat in Finale an der Riviera Mitte Juni mit dem Heere Eugens
und Savoyens in Verbindung. Kleinere Divisionen wurden bestimmt, Vorrte
aus den genannten Hfen zu holen, die Flotte ging nach der Bucht vom Cap
St. Hospice, um mit den die Kste entlang vorrckenden Truppen in steter
Verbindung zu bleiben, ihnen mit Geschtzen und Munition auszuhelfen. Zum
ttigen Eingreifen kam sie nur am 11. Juli, als das Heer den bergang
ber den Grenzflu Var erzwingen mute. Hier standen 3000 Mann Fuvolk
und 500 Reiter der Franzosen, gesttzt auf eine Schanze an der Mndung. 4
Fregatten beschossen diese Stellung und Anstalten zu einer Landung in
groem Mastabe wurden getroffen; es scheint aber nur zur Beschftigung
des Feindes damit gedroht zu sein, denn nur einige hundert Mann wurden
wirklich an Land geworfen. Whrend dieser Zeit berschritten die
Landtruppen ungehindert den Flu weiter nrdlich. Den Weitermarsch
begleitete dann Admiral Byng mit 15 Schiffen, lngs der Kste segelnd,
der Rest der Flotte ging geradeswegs nach den Hyren; am 29. Juli traf
die Armee vor Toulon ein. Bei schnellerem Vormarsch und berraschend
sowie tatkrftig durchgefhrtem gewaltsamen Angriff wre die Stadt
wahrscheinlich gefallen; so aber kam es nur zu einer $erfolglosen
Belagerung Toulons$.[270]

  [270] Schilderung vornehmlich nach de Jonge, Teil IV, und Bonfils,
        Teil II.

  Toulon war gedeckt durch eine Reihe von Forts nahe bei der
  Stadtumwallung (etwa die jetzige zweite Verteidigungslinie): Vom Fue
  des im Norden der Stadt liegenden Mt. Faron nach Osten bis zur Kste
  die Forts St. Artigues, St. Catherine und La Malgue, nach Westen St.
  Antoine und Malbousquet; zur Hinderung der Einfahrt an der Kste die
  Forts St. Louis am Eingang zur Innenrhede und St. Marguerite etwa 2 km
  stlich von La Malgue. Bei der so pltzlich auftretenden Gefahr hatte
  man die Kriegsschiffe zum groen Teil -- einige Angaben sagen die
  Hlfte (gegen 20 Linienschiffe), nach andern mu man annehmen, fast
  alle (gegen 50) -- versenkt, um sie dem feindlichen Feuer zu entziehen,
  aber auch um die Einfahrt in die Hafenanlagen zu sperren; die
  Besatzungen und auch Schiffsgeschtze wurden zur Verstrkung der
  Befestigungen herangezogen. Nur 2 oder 3 schwere Linienschiffe waren,
  mit altem Tauwerk gepanzert, als schwimmende Batterien so verankert,
  da sie die Umgebung der Forts Malbousquet, La Malgue und St. Catherine
  bestrichen.

  Prinz Eugen nahm schon am 29. Juli trotz krftigen Widerstandes die
  Forts Artigues und St. Catherine. Er versuchte dann, nrdlich um den
  Mt. Faron marschierend, auf die Westseite der Stadt zu gelangen, fand
  aber einen auf Hindernisse und Feldbefestigungen gesttzten zu starken
  Widerstand. Der Herzog von Savoyen, scheinbar zu vorsichtig, schuf sich
  zunchst ein befestigtes Lager und bereitete, auf St. Catherine
  gesttzt, den frmlichen Angriff auf La Malgue und die Kstenforts vor.
  Die Flotte, die gleichzeitig mit Eugens Angriff eine berrumpelung der
  Kstenforts vergeblich versucht hatte, schiffte Geschtze mit
  Bedienungsmannschaften aus und hielt die Hafeneinfahrt blockiert. Erst
  am 12. August begann man ernstlich mit der Beschieung der Kstenforts,
  auch um der Flotte ein Nherkommen zu erleichtern. In der Zwischenzeit
  aber hatten die Franzosen die Befestigungen verstrkt und die
  Verteidigung organisiert. Tess war mit 18 Bataillonen herangekommen,
  hatte die Westseite besetzt und Verstrkungen in die Stadt geworfen;
  die Milizen hielten die Verbindung nach Marseille offen. Schon am 15.
  machten die Belagerten in strmischer Nacht einen groen Ausfall und
  warfen den Feind aus dem grten Teil seiner Angriffslinie. Die
  Belagerer sahen ein, da sie nichts erreichen konnten, ja, da sie
  sogar eine krftige Offensive frchten muten, und beschlossen, die
  Belagerung abzubrechen. Um den Abzug zu decken und um doch etwas zu
  leisten, wurde ein Bombardement eingeleitet; es wurden in der Tat vom
  17.-20. die Forts St. Louis und St. Marguerite auer Gefecht gesetzt.
  Am 21. gingen nun 5 Fregatten und 5 Mrserboote bis zur Hhe von St.
  Louis und beschossen Hafen und Stadt, man sah einige Schiffe sowie ein
  groes Magazin brennen; die Fahrzeuge muten sich aber am 22. bei
  Tagesanbruch zurckziehen, weil eine neu errichtete Batterie sie unter
  wirksames Feuer nahm. Immerhin war die Armee whrend der Nacht
  ungehindert abgezogen und kam auch, ohne verfolgt zu werden, ber den
  Var zurck. Die Flotte begleitete wieder diesen Rckmarsch.

  Erwhnenswert ist, da die =Gardes-marines= (die Seekadetten) sich bei
  der Verteidigung so ausgezeichnet haben, da die Stadt Toulon ihnen von
  da an, bis 1786, freies Kasernement gab, oder ihnen, wenn sie auf
  Kosten des Knigs untergebracht waren, fr die Person und fr den Monat
  9 Francs zahlte.

So war nicht nur der groe Plan, den Krieg durch Eindringen in die
Provence zu beenden, fehlgeschlagen, sondern auch der Angriff auf Toulon
unter groen Verlusten miglckt. Dieser hatte nur den Erfolg, da
Villars' Vordringen in Deutschland gehemmt wurde, weil dieser einen Teil
seiner Truppen nach der bedrohten Provinz senden mute, und da die
franzsische Marine auch im Mittelmeer den Kampf ganz aufgab. Trotz aller
Vorsichtsmaregeln war ein Teil der versenkten Schiffe (etwa 15?)
unbrauchbar geworden. Frankreich stellte in den letzten Jahren des
Krieges in Toulon nicht einmal kleinere Divisionen auf, wie es im Norden
doch noch bis 1709 geschah.

Die Operationen der groen Flotte der Verbndeten waren fr dieses Jahr
zu Ende. Sie zweigte am Var 9 Schiffe ab, um Truppen von Genua nach
Spanien zu bringen, und ging dann ber Barcelona, Altea und Gibraltar in
die Heimat.

  Bei dieser Gelegenheit trat wieder das schlechte Verhltnis der
  Verbndeten zueinander zutage; ber die zunehmende Miachtung von
  seiten der Englnder klagen die Hollnder. Vizeadmiral v. d. Goes war
  am 9. Juli gestorben. Am 12. September traf als Ersatz Vizeadmiral van
  Wassenaer ber Land in Genua ein; ein zweiter Flaggoffizier war aus
  Sparsamkeitsgrnden (nach de Jonge) nicht beim Kontingent gewesen.
  Wassenaer segelte ber Barcelona nach Altea und fand hier sein
  Geschwader; Shovel war mit den englischen Schiffen, ohne Kriegsrat zu
  halten und ohne mit den Hollndern das Wintergeschwader zu
  vereinbaren, nach Gibraltar gesegelt, nur uernd, er msse dort
  Proviant nehmen. Wassenaer folgte und traf die englische Flotte am 10.
  Oktober vor Gibraltar schon unter Segel, um die Reise fortzusetzen;
  hier drang er auf Abhaltung eines Kriegsrates.

Vor Gibraltar wurde die Winterflotte entlassen, 6 hollndische und 12
englische Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes. Der hollndische
Chef, Vizeadmiral Wassenaer, blieb mit zwei weiteren Schiffen zum
berwintern in Lissabon, aber getrennt von seinem Geschwader, da er nicht
unter Dilkes stehen wollte.

Auf der Rckreise trat die Katastrophe ein, die die englischen Admirale,
so auch besonders Shovel, stets gefrchtet und vorausgesagt hatten, wenn
man die Schiffe in spter Jahreszeit aus dem Mittelmeer zurckzge. Die
Flotte verfehlte in schwerem und unsichtigem Wetter den Eingang des
Kanals und geriet auf die Scillys; vier Linienschiffe gingen verloren,
darunter das Flaggschiff; =Sir Clowdesley Shovel= wurde nach einigen
Angaben von einem Strandruber wegen seiner Ringe ermordet.

[Illustration: John Leake.]

Das Wintergeschwader ging von Gibraltar wieder nach Barcelona und von
dort nach Livorno, um Truppen abzuholen; es traf erst am 24. Mrz in
Lissabon zur Neuausrstung ein.

$Das Jahr 1708$ ist nun das letzte, in dem von den Seestreitkrften
Waffentaten von einiger Bedeutung ausgefhrt wurden. Am 7. April traf
=Sir John Leake=, jetzt Admiral of the Fleet, mit 5 englischen und 2
hollndischen Schiffen bei dem Wintergeschwader ein; 4 weitere Hollnder
folgten bald, so da die Seestreitkrfte im Mittelmeer 31 Linienschiffe
zhlten. Man sieht, da die Flotte schon wesentlich kleiner war; ein
Auftreten der Franzosen war nicht zu befrchten, so konnte auch England
jetzt mehr Schiffe zum Schutze des Handels im Norden zurckbehalten. Sie
wurde auch noch geteilt: 4 Schiffe wurden bestimmt, vor der Strae von
Gibraltar gegen einige franzsische Fregatten, die in Cadiz fr den
kleinen Krieg lagen, zu kreuzen; 4 andere sandte man nach den Azoren, um
portugiesische Brasilienfahrer zu holen und dann hollndische und
englische in die Heimat zu fhren. Die Hauptflotte, 23 Linienschiffe,
ging am 8. Mai in See, um Truppen von Italien nach Barcelona zu bringen.
Am 22. traf sie an der Kste von Katalonien auf einen franzsischen
Convoi von 100 Tartanen[271] mit Zufuhr, besonders Proviant, fr das
spanische Heer; sie nahm 69 Fahrzeuge und zerstreute die brigen. Bei der
unzureichenden Menge von Nahrungsmitteln, die die fechtenden Heere aus
Spanien selber ziehen konnten, war dies ein schwerer Schlag fr die
spanischen Truppen und ein groer Gewinn fr die des Knigs Karl. In
Barcelona wurden wieder 7 Schiffe zurckgelassen, um jede Verbindung
Frankreichs mit Spanien ber See zu unterbinden; der Rest ging nach Vado
(26. Mai). Hier wurde die Flotte bis Mitte Juli aufgehalten, da die
Kavallerie von Genua und Livorno geholt werden mute, dann kehrte sie mit
6000 Mann und 2300 Pferden nach Barcelona zurck; es hatte sich ferner
die Braut Knig Karls, Prinze Elisabeth Christine von Braunschweig,
eingeschifft.

  [271] Kleinere Kstenfahrzeuge.

Dem Admiral wurde nun aufgegeben, =Sardinien= zu unterwerfen, eine Insel,
die als reiche Kornkammer fr Karls Heer wichtig war; die Aufgabe wurde
schnell gelst. Am 12. August erschien =Leake= vor Cagliari und legte
seine Mrserboote sofort zur Beschieung aus. Als auf die Aufforderung
zur bergabe die Antwort erst fr den nchsten Tag in Aussicht gestellt
und damit der Verdacht hervorgerufen wurde, da der Gegner Zeit zu
Verteidigungsmanahmen gewinnen wolle, landete man in der Nacht ein
Regiment Spanier sowie 1200 englische Seesoldaten und erffnete die
Beschieung; das fr Karl gnstig gesinnte Volk erhob sich und zwang den
Gouverneur zur bergabe, die ganze Insel folgte diesem Beispiel. Nach der
bergabe der Stadt nahm =Leake= bei Pula, am Eingang der Bucht von
Cagliari, Wasser, und hier erreichte ihn, auf seine Meldung von dem
Erfolge, die Bitte Knig Karls, ein Unternehmen des General =Stanhope=,
des jetzigen Oberbefehlshabers der verbndeten Truppen in Katalonien,
$gegen Minorca$ zu untersttzen.

Stanhope hatte auf Anweisung der englischen Regierung, die schon lnger
Port Mahon als gnstigsten Sttzpunkt im Mittelmeere selbst ins Auge
gefat hatte, die Anregung zu diesem Unternehmen gegeben. Die Bevlkerung
der Insel war karlistisch gesinnt, aber die Gegenpartei hielt die festen
Punkte besetzt. Diese wurde von den Franzosen untersttzt, die im Januar
1707 eine Division Schiffe zur Unterdrckung eines Aufstandes gesandt und
dann eine Besatzung zurckgelassen hatten. Stanhope zog im August 2600
Mann, vorwiegend Englnder, in Barcelona zusammen, er fhlte sich aber
ohne eine grere Seestreitkraft zu schwach. Er hatte zwar die an der
katalonischen Kste stationierten Linienschiffe zur Begleitung gewonnen
-- sie standen weder unter ihm noch unter Knig Karl, aber eins davon
fhrte sein Bruder, und dieser bestimmte die anderen Kommandanten zur
Teilnahme --, er bat aber doch auch Leake mitzuwirken und schrieb dabei,
er sei segelfertig und auch in Mallorca stnden Truppen und Geschtze
bereit. Leake beschlo sofort, der Bitte zu willfahren.

  =Corbett= sagt hierzu: Die Inbesitznahme von Gibraltar war allerdings
  schon von groem Werte fr England, aber fast nur als eine Station zum
  Schutze des Handels; zur Behauptung der Seeherrschaft im Mittelmeer
  brauchte man einen Hafen in diesem Meere, der auch sicher genug war,
  ein Wintergeschwader dort zu halten und auszursten. Ohne einen solchen
  blieb Frankreich imstande, sobald die verbndete Flotte im Herbst
  heimging und das Wintergeschwader nach Lissabon zurck mute, seine
  Freibeuter auslaufen zu lassen sowie auch den Verkehr mit Spanien
  wieder aufzunehmen; es trat hinzu, da eine stndige Flotte im
  Mittelmeer wnschenswert erschien, um dauernd auf den Papst und andere
  bourbonisch gesinnte Frsten Italiens zu drcken. So war die Besetzung
  Gibraltars nur ein erster Schritt. Die englischen Seeoffiziere hatten
  schon immer auf den vorzglichen Hafen von Port Mahon hingewiesen und
  1705 erschien in England eine anonyme Schrift (An inquiry into the
  causes of our naval miscarriages), die die Besetzung dieses Platzes
  dringend empfahl. Auch Marlborough war, besonders nach dem Fehlschlage
  gegen Toulon, fr Gewinnung eines Sttzpunktes und wies, da Karl III.
  bestndig um eine Flotte auch whrend des Winters bat, den Knig und
  den Kaiser nachdrcklich auf die Notwendigkeit hin, Port Mahon zu
  nehmen. Diese schlugen Spezia vor, aber die englischen Admirale
  erklrten den Platz fr seemnnisch nicht geeignet und Port Mahon
  auerdem fr viel gnstiger gelegen, Toulon zu berwachen. Auf
  Marlboroughs Drngen ward Stanhope im Juni 1708 beauftragt, in diesem
  Sinne vorzugehen, und er bereitete im August, als der Feldzug zu Lande
  wie blich zu Ende ging, die Einschiffung smtlicher in Katalonien
  entbehrlichen Streitkrfte vor. Leake kannte zwar die Plne, hatte aber
  keine Befehle. Karl hatte ihn gebeten, nach der Unterwerfung Sardiniens
  die Truppen von Neapel, die dort nicht mehr ntig wren, nach Spanien
  zu bringen; von England hatte er den Befehl, eine Demonstration gegen
  den Papst, der die Partei Jakobs III. in Schottland mit Geld
  untersttzte, zu machen, falls seine Hauptaufgabe, fr Knig Karl
  einzutreten, dies erlaube.

  Als die Aufforderung Karls III. zu dem Unternehmen gegen Minorca
  eintraf, war der Admiral im Begriff, mit den englischen Schiffen nach
  Civitavecchia unter Segel zu gehen; die Truppen in Neapel waren noch
  nicht zur Einschiffung bereit und den Hollndern war verboten, sich an
  der Demonstration gegen den Papst zu beteiligen. Der gemeinsame
  Kriegsrat, dem die Wichtigkeit Port Mahons als Sttzpunkt fr die
  Flotten vllig klar war, fate jetzt den Beschlu, der Bitte Folge zu
  geben.

Die Flotte segelte am 24. August und traf am 5. September vor Port Mahon
ein. Stanhope war noch nicht dort, aber Leake bereitete alles vor: Er
sandte Schiffe nach Mallorca, um die Truppen zu holen; er stellte die
Strke des Feindes fest; sie betrug 1000 Mann, zur Hlfte auserlesene
franzsische Seesoldaten und zur Hlfte ein altes Minorca-Regiment; er
erkundete und markierte einen geeigneten Landungsplatz etwa 2 Seemeilen
von der Stadt entfernt. Am 10. September trafen die Schiffe von Mallorca
und am 12. Stanhope mit seiner Hauptmacht ein. Man landete und besetzte
die offene Stadt, die sich wie die ganze Insel fr Knig Karl erklrte;
die feindlichen Soldaten zogen sich in zwei Forts, die den Hafen
beherrschten, zurck. Da nun zu deren Belagerung wie zu der der anderen
Stdte die Gesamtflotte nicht mehr ntig war, verlie Leake (18.
September) seiner Instruktion gem mit dem greren Teile Port Mahon
und segelte nach der Heimat, nachdem er die entbehrlichen Vorrte des
Proviants und der Munition an Stanhope abgegeben hatte.

Ein Wintergeschwader -- 12 englische und 3 hollndische Linienschiffe, 5
Fregatten, 3 Mrserboote -- blieb unter Kontreadmiral =Sir Edward
Whitaker= zurck und untersttzte die weiteren Unternehmungen. Einige
Schiffe nahmen ein kleines Fort bei Fornells, um diesen Hafen an der
Nordkste vorlufig als Liegeplatz fr die Transporter zu haben; andere
zwangen mit einigen hundert Mann die Hauptstadt Ciudadela zur bergabe;
die brigen Schiffe landeten Geschtze mit Bedienung zur frmlichen
Belagerung der gut ausgestatteten Werke Port Mahons. Diese wurden nach
Breschelegung am 29. September strmender Hand genommen.

=Port Mahon war in englischem Besitz.= England behielt es 50 Jahre und
hatte damit eine ebenso sichere Machtstellung im Mittelmeere wie
Frankreich und Spanien gewonnen. Von Gibraltar aus beherrschte es Cadiz
und Cartagena, mit Port Mahon stand es Toulon gegenber; Lissabon blieb
weiter ein Sttzpunkt in zweiter Linie.

  General Stanhope ging mit den spanischen und portugiesischen Soldaten
  nach Barcelona zurck, sobald sie entbehrlich waren -- er zeigte so
  seinen Eifer fr die Sache Karls. Er lie auf der Insel nur eine
  englische Besatzung zurck. In seinem Bericht nach England uerte er
  auch seine unmagebliche Ansicht, da man Port Mahon nie wieder
  herausgeben drfe, ja seinen Besitz zur Bedingung weiterer
  Untersttzung in Spanien machen msse; auch bat er um Ernennung des
  augenblicklichen Befehlshabers dort zum Gouverneur. Natrlich fhlten
  sich der Kaiser, Knig Karl und Holland sehr verletzt, aber England
  lie sich nicht irre machen.

Dem Ersuchen Karls III., schon in diesem Jahre das Wintergeschwader in
Port Mahon zu berwintern, konnte nicht Folge gegeben werden, da weder
Einrichtungen noch Vorrte zur Instandsetzung vorhanden waren. Whitaker
holte nochmals Truppen von Italien nach Spanien und ging dann nach
Lissabon; schon seine Anwesenheit an der italienischen Kste nach dem
Fall von Port Mahon hatte gengt, den Papst zur Anerkennung Karls zu
bewegen.

Im Jahre $1708$ planten die Franzosen neben dem kleinen Kriege in den
nrdlichen Gewssern noch einmal einen $Einfall in Schottland$; der
Prtendent =Jakob= III. sollte mit etwa 6000 Mann dorthin bergefhrt
werden. Das Unternehmen, ganz gegrndet auf eine krftige Erhebung in
Schottland und auf vllige berraschung, scheiterte klglich, da diese
Bedingungen fehlten; der seemnnische Fhrer der Expedition, Chef
d'Escadre =Graf Forbin=, zeigte jedoch dabei seine Geschicklichkeit. Nach
diesem Fehlschlage wurde in den nchsten Jahren in Dnkirchen keine
regulre Division fr den Krieg mehr aufgestellt, nur noch in Brest oder
La Rochelle.

  Die Expedition sollte frh im Jahre 1708 in See gehen, wohl unmittelbar
  nach der Abfahrt von Leakes Flotte zum Mittelmeer. Der Zustand der
  franzsischen Marine erlaubte keine groe Rstung. Forbins Geschwader
  bestand aus den wenigen Kriegsschiffen der Dnkirchen-Division und
  einer greren Zahl Freibeuter und Transporter; hollndische Angaben
  sprechen von 5 Kriegsschiffen und 30 andern Fahrzeugen, englische von 8
  und 24; wenn franzsische Quellen nur 20 Segel nennen, so sind wohl nur
  die Kriegsschiffe und Freibeuter gezhlt. Eine Krankheit des
  Prtendenten soll die Abfahrt verzgert haben. In England und Holland
  hatte man Kenntnis von dem Plane; Admiral Byng erschien schon am 12.
  Mrz mit 35 Schiffen vor Dnkirchen. Forbin war jetzt fr Aufgeben des
  nach seiner berzeugung aussichtslosen Unternehmens, aber Jakob bestand
  auf der Ausfhrung; als Byng durch Sturm nach den Downs getrieben war,
  ging man am 19. nachts in See. Holland, dessen Sommergeschwader fr die
  nrdlichen Gewsser noch nicht segelfertig waren, sandte wenigstens 4
  starke Convoibegleitschiffe nach England; diese stieen am 20. zu Byng
  und gleichzeitig erhielt der Admiral die Nachricht vom Auslaufen
  Forbins. Er sandte sofort einige seiner Schiffe sowie die Hollnder
  nach Ostende, um von dort Truppen abzuholen und dann in Newcastle die
  Nachricht abzuwarten, wo diese ntig seien. Er selber folgte den
  Franzosen. Forbin war zum Firth of Forth gesegelt, stellte hier aber
  sogleich fest, da England alle Maregeln getroffen hatte, um sowohl
  die Landung zu hindern wie eine Erhebung zu unterdrcken; er schlug
  daher Jakob und seinen Offizieren den Wunsch, zu landen, unbedingt ab.
  Als er das Nahen der Englnder erfuhr (23. Mrz), ging er in See, Byng
  sichtete ihn gerade noch und befahl allgemeine Verfolgung. Forbin
  steuerte zunchst nordstlich, nderte nachts geschickt den Kurs und
  entkam wohlbehalten nach Dnkirchen; nur ein Schiff, das eingeholt
  wurde oder, wie die Franzosen sagen, tollkhn den Kampf aufnahm, wurde
  genommen.

$Die letzten Kriegsjahre 1709-1712.$ Wir wissen, da zu Ende des Jahres
1708 Ludwig XIV. ernste Versuche machte, Frieden zu schlieen (vgl. Seite
495). England soll dazu geneigt gewesen sein; wohl mglich, denn es besa
ja schon, was es haben wollte. Da die Verbndeten zu viel verlangten,
nahm der Krieg seinen Fortgang; die Seestreitkrfte fanden zwar keine
Gelegenheit mehr zu greren Waffentaten, aber ihr stilles Wirken blieb
von Wichtigkeit. Im Mittelmeer sicherten sie weiter die Verbindung Knig
Karls mit Sardinien, seiner Kornkammer, sowie mit seinen italienischen
Lndern und schnitten Frankreich vom Meere ab. Das Verschwinden der
franzsischen Marine vom Mittelmeer erlaubte eine Verminderung der
dortigen Flotte; dies kam dem Handelsschutz in den nrdlichen Gewssern
zugute, auch konnten strkere Unternehmungen als bisher gegen die
franzsischen Kolonien in Nordamerika ausgefhrt werden. Es wird gengen,
die Ttigkeit der verbndeten Flotte in groen Zgen zu geben, und nur
einzelne Vorflle nher zu schildern, ohne wie bisher auf alle
Operationen und Bewegungen nher einzugehen.[272]

  [272] Auch sonst genaue Quellen wie Clowes und de Jonge halten sich
        allgemeiner; de Jonge ist noch am genauesten, soweit es das
        hollndische Kontingent betrifft.

$1709$ traf Admiral =Byng= schon im Januar mit Verstrkungen bei der
Winterflotte ein, er brachte Material und Vorrte zur Schaffung eines
Sttzpunktes in Port Mahon mit. Die Zahl der englischen Linienschiffe
wird etwas ber 20 gewesen sein, Holland verstrkte sein Kontingent erst
im Mai auf 9. Byng kreuzte hauptschlich an der franzsischen Kste; ein
Versuch, das belagerte Alicante zu entsetzen, milang, man konnte bei
seinem Fall nur die Garnison mitnehmen. Im Herbst ging der Admiral mit
einem Teil seiner Schiffe heim; die 3 Hollnder des vorjhrigen
Wintergeschwaders wurden durch 6 neue ersetzt, so da dies Kontingent
jetzt 11 Schiffe stark war. Das Wintergeschwader unter Vizeadmiral
=Whitaker= verblieb, gesammelt oder in Divisionen geteilt, an der
spanischen und franzsischen Kste, nunmehr auf Port Mahon gesttzt.

Trotz dieser Blockade gelang es dem Kapitn =Cassard= 1709, ebenso 1710
und 1711, einen Getreide-Convoi von Tunis oder von der Levante nach
Marseille einzubringen, zweimal unter Abschlagen englischer Divisionen;
die Zufuhren waren von groer Wichtigkeit, weil in Frankreich Hungersnot
herrschte.

$Im Mrz 1710$ kam Admiral =Sir John Norris= in Port Mahon an. Die
Streitkrfte waren auf etwa 34 Linienschiffe verstrkt, doch wurde die
Hlfte zur Deckung von Getreideconvois aus Oran und der Levante fr Knig
Karl und zur Bewachung der Strae sowie Sardiniens und der italienischen
Kste abgezweigt. Mit der anderen Hlfte ging Norris nach Barcelona und
erfuhr hier Ende April, da eine $franzsische Expedition gegen
Sardinien$ bevorstehe. In Sardinien waren Unruhen gegen den unbeliebten
Gouverneur ausgebrochen; Frankreich beabsichtigte, diese durch eine
Sendung von Truppen (2000 oder 3500 Mann) unter Bedeckung von 6-8
Kriegsschiffen und 20 Galeren zu untersttzen. Norris gelang es, das
Unternehmen zu vereiteln.

  Der Admiral brachte Ende April einen neuen Vizeknig nach Cagliari,
  wodurch die Ruhe sofort wieder hergestellt wurde; von den Franzosen war
  nichts zu bemerken. Er ging dann nach Vado, um Truppen zu holen, und
  wurde hier bis Mitte Juni aufgehalten; ein Versuch, durch eine Division
  einen Convoi an der Kste der Provence abzufangen, milang. Auf die
  Nachricht, da die franzsische Expedition jetzt von Toulon und
  Marseille gesegelt sei, ging Norris nach Sardinien, nahm in der Bucht
  von Terra Nova 4 franzsische Transporter und zwang die von diesen
  gelandeten 400 Mann durch Landung seiner Soldaten zur bergabe. Er
  erfuhr, da 10 Galeren mit Transportern bei seinem Nahen von der
  Westkste der Insel, wo der Hauptangriff geplant war, nach Ajaccio
  geflchtet seien, und folgte dahin. Die Galeren waren schon nach
  Frankreich zurckgegangen, aber 8 Transporter (500 Mann und das gesamte
  Kriegsmaterial der Expedition) wurden genommen; die Neutralitt Genuas,
  dem Corsica gehrte, beachtete Norris nicht.

Als die Flotte in Barcelona wieder eingetroffen war, trat eine andere
Aufgabe an sie heran, $eine Landung in der Languedoc$, um einen neuen
Aufstand der Camisards zu untersttzen. Der mit viel zu geringen Krften
unternommene Versuch schlug vollstndig fehl.

  Man beabsichtigte, in Cette festen Fu zu fassen, um mit den
  Camisarden, die etwa 12 Meilen von der Kste unter Waffen standen, in
  Verbindung zu treten. Diese Stadt, die auf einer schmalen Landzunge
  zwischen dem Meere und einem Kstensee fast wie auf einer Insel liegt,
  htte bei gengend starker Besetzung wohl gehalten werden knnen, weil
  die Verbndeten die See beherrschten. Die Flotte erschien am 24. Juli,
  landete 700 Spanier sowie einige Seesoldaten und nahm noch am selben
  Tage ohne Widerstand Cette. Am nchsten Tage sicherte man sich durch
  Besetzung des kleinen sdwestlich liegenden Ortes Adge und einer Brcke
  dort gegen einen Angriff von dieser Richtung her. Der Versuch der
  Franzosen, mit 400 Dragonern und 2000 Mann Miliz ber den See auf die
  Landzunge zu gelangen, wurde durch die Boote der Flotte vereitelt, aber
  infolge eines falschen Alarms verlie die Besatzung Adges ihre
  Stellung. Da nun Marschall Noailles in Eilmrschen mit 2000 Reitern,
  deren jeder einen Grenadier hatte aufsitzen lassen, hier herankam,
  wurden die Gelandeten unter Verlust ihrer Nachhut wieder eingeschifft
  und das Unternehmen aufgegeben; aussichtslos war es berhaupt, weil man
  eine Verstrkung nicht vorgesehen hatte.

In diesem Jahre berwinterten die Englnder smtlich im Mittelmeer, die
Hollnder gingen heim. Auch fr diese war der Befehl unterwegs, dort zu
bleiben, da man nach den letzten Erfolgen Karls III. (Sieg bei Saragossa)
hoffte, bei krftiger Untersttzung durch die Flotte den Krieg in Spanien
zu beenden; die Order erreichte das Geschwader nicht. Zwar wurde in
Holland sogleich die Entsendung von 24 Linienschiffen beschlossen, aber
man konnte nur 13 ausrsten und auch diese trafen nur nach und nach --
meist mit englischen Schiffsverstrkungen oder Ablsungen und stets mit
englischen Truppentransporten -- an der spanischen Kste ein, die ersten
Ende Mrz, die letzten erst im Hochsommer 1711; sie blieben dann bis Ende
1712 im Mittelmeer. Die Englnder werden in den letzten Jahren des
Krieges, im Sommer wie im Winter, einige 20 Schiffe dort gehabt haben;
die Gesamtflotte zhlte etwa 35.

$Im Jahre 1711$ kreuzten einzelne Schiffe sowie kleine Divisionen im
Westbecken des Mittelmeeres und zeigten sich an der Kste Italiens, weil
in den habsburgischen Provinzen Unruhen ausbrachen; ein greres
Geschwader versuchte vergeblich, an der franzsischen Kste einen Convoi
(Cassard) abzufangen. Die Hauptflotte lag in Port Mahon oder Barcelona
zur Verfgung Knig Karls bereit, dessen Erwhlung zum Kaiser nach
Josephs Tode (17. April) bevorstand: sie sollte ihn nach Italien bringen,
sobald er es wnsche. Als im Hochsommer eine grere Verstrkung zur
Flotte stie, ging Norris mit einigen seiner Schiffe, wohl den
schwereren, nach England und gab den Oberbefehl an =Admiral Jennings= ab.
Dieser brachte mit 24 Schiffen, (6 lie er zum Schutz der Knigin in
Barcelona zurck), im Herbst (27. September) den Knig nach Genua (am
Tage seiner Erwhlung 12. Oktober dort), fhrte dann Truppen nach
Katalonien zurck und nahm endlich Winterlager in Port Mahon.

Um diese Zeit waren schon Friedensunterhandlungen zwischen England und
Frankreich im Gange. Wie die Englnder jetzt im niederlndischen Feldzuge
$des Jahres 1712$ ihre Verbndeten nicht mehr untersttzten, so hielten
sie sich auch im Mittelmeer zurck; nur noch einmal traten sie gemeinsam
mit den Hollndern auf. Im April hrte Jennings, da ein franzsisches
Geschwader aus Toulon auslaufen solle, Ziel unbekannt. Er ging von Port
Mahon in See, um zwischen den Balearen und Katalonien zu kreuzen, kam
jedoch infolge strmischer Winde zu spt. =Cassard= kam mit 6
Linienschiffen und 2 Fregatten wohlbehalten durch, gelangte ungehindert
nach Westindien und brandschatzte hier hollndische und englische
Kolonien. Die Flotte segelte dann noch vereint nach Vado, hier aber
trennten sich die Kontingente; Jennings kehrte nach Port Mahon zurck,
die Hollnder fhrten allein Truppen nach Spanien und bald darauf noch
einmal. Dann erhielten sie Befehl, in die Heimat zu kommen und gingen am
7. September 1712 dahin ab. Der Kriegsrat wagte nicht, ohne Befehl der
Bitte der Knigin Elisabeth Christine, zu bleiben, Folge zu geben.

=Der Seekrieg im Mittelmeere war zu Ende= -- England und Portugal
schlossen im November Waffenstillstand mit Philipp V. -- und die
habsburgische Sache in Spanien war verloren. Die Kaiserin sah sich
gentigt, mit ihren deutschen Truppen Katalonien zu rumen und die treue
Provinz ihrem Schicksal zu berlassen. Philipp eroberte sie mit
franzsischer Hilfe; 1714 wurde Barcelona erstrmt. Auch die Balearen
unterwarfen sich 1715.

Von den Ereignissen des kleinen Krieges in den letzten Jahren ist eine
$franzsische Expedition gegen Rio 1712$ hervorzuheben, weil sie mit
greren Mitteln unternommen wurde und auf den Friedensschlu zwischen
Portugal und Frankreich von einem hnlichen Einflu war, wie die
Expedition de Pointis' auf Spanien gegen Ende des Pflzischen
Erbschaftskrieges.

Schon im Jahre 1710 hatte eine franzsische Freibeuterflottille den
Versuch gemacht, Portugal in Brasilien, seiner Hauptgeldquelle, zu
schdigen. Kapitn =Duclerc= hatte versucht, mit 5 Schiffen in den Hafen
von Rio einzulaufen. Als dies durch die Forts verhindert war, landete er
1000 Mann und drang in die Stadt ein, dann erst gelang es dem
unentschlossenen Gouverneur, und auch nur durch Beistand der Einwohner,
ihn zu berwltigen. Die Franzosen wurden fast smtlich hingemetzelt,
Duclerc und viele andere nach der bergabe ermordet. Im Jahre 1711 gab
der schon berhmte Kapitn =Duguay-Trouin= die Anregung zu einem zweiten
Unternehmen. Da der Marineminister mit seinen Mitteln nicht gengend
Schiffe ausrsten konnte, bildete sich eine Gesellschaft, die die Kosten
teilweise bernahm. Der Knig stellte Schiffe und Besatzungen, hatte
Anspruch auf ein Fnftel des Reingewinns, mute aber den etwaigen Verlust
an Schiffen tragen; die Gesellschaft verpflichtete sich, fr jeden
gestorbenen, gefallenen oder fahnenflchtigen Soldaten eine Entschdigung
von 30 Franken zu zahlen. So erhielt Trouin 7 Linienschiffe, davon 2 zu
74 Kanonen, 8 Fahrzeuge von 20-26 Kanonen, 2 Mrserboote und 2000 Mann.
Obgleich der Plan in England wie in Portugal bekannt wurde, hatte die
Expedition vollen Erfolg: Rio wurde auf lngere Zeit besetzt, eine
Kontribution von etwa 1300000 Mark erhoben und reiche Beute gemacht. Die
Gesellschaft gewann 92%; der Verdienst des Knigs wird nur gering gewesen
sein, weil 2 Linienschiffe auf der Rckreise verschollen.

  Trouin[273] verlie am 9. Juni 1712 La Rochelle und traf am 11.
  September vor Rio ein. England hatte durch ein Postschiff Portugal von
  der bevorstehenden Abfahrt der Franzosen in Kenntnis gesetzt und diese
  Nachricht wurde, mit demselben Fahrzeug weitergesandt, Ende August in
  Rio bekannt. Trotzdem waren nur ungengende Gegenmaregeln getroffen
  worden; es gelang Trouin, whrend der Nacht in den Hafen einzulaufen,
  die Insel das Cobras unmittelbar vor der Stadt zu besetzen und hier
  Batterien zu bauen. Die Behrden verloren den Kopf; 4 Kriegsschiffe,
  die im Hafen lagen, setzten sich auf Strand und in Brand; die Truppen,
  12000-13000 Mann, hielten sich in den Befestigungen und lieen die
  Franzosen am 13. unbehindert landen. Diese, etwa 3000 Mann mit 24
  Kanonen, begannen nun die Belagerung der Forts und die Beschieung der
  Stadt so wirksam, da die Brger in Masse flohen und der Gouverneur
  nach Anzndung der Magazine abzog. Er verschanzte sich vor der Stadt,
  und bentzte nicht einmal die Gelegenheit zum Angriff, als sich die
  Franzosen am 21. zu einer grndlichen Plnderung in der Stadt
  zerstreut hatten. Trouin verlangte dann unter Androhung vlliger
  Zerstrung die Kontribution, und der Gouverneur bewilligte sie am 10.
  Oktober, obgleich er wute, da Hilfstruppen aus den Nachbarprovinzen
  heranzogen; diese trafen schon am 11. ein. Am 13. November zogen die
  Franzosen nach erfolgter Zahlung der Kontribution und Einschiffung der
  Beute ab. Etwa 350 Gefangene der ersten Expedition wurden befreit;
  einige Offiziere dieser waren nach Bahia gebracht. Den Versuch, auch
  sie zu befreien, mute Trouin widriger Winde an der Kste halber
  aufgeben; das Aufkreuzen hielt ihn 40 Tage auf, erst am 6. Februar
  1713 traf er in Brest ein.

  [273] Bonfils, V. II, Seite 117. Genauer Bericht Trouins.

  Es berhrt eigentmlich, da England weder das Auslaufen noch die
  Durchfhrung der Expedition gehindert hat; es war doch die Gelegenheit,
  sowohl einen gewissermaen in Schutz genommenen schwachen Verbndeten
  vor groem Schaden zu bewahren als auch dem gemeinsamen Feinde einen
  empfindlichen Schlag zu versetzen.

$Der Verlust an Schiffen Im Kriege 1702-1713$ war sehr bedeutend. Es
verlor

  =England= Schiffe:  80 K.  70 K.  60 K.  50 K.  ber 30 K.  kleinere
  In Gefechten         2      4      1     10        9          22
  Sonst verunglckt    2      8      4      7        2          10
                  ----------------------------------------------------
                          Summe: 38 Linienschiffe; 43 kleinere

  =Frankreich=
  In Gefechten         6      7     15     12       10          85
  Sonst               gegen 50 Segel.

Fr Holland sind genaue Angaben nicht vorhanden.

  Die Angaben schwanken in den Quellen sehr. Clowes, dem die vorstehenden
  entnommen sind, glaubt, da diese auf Grund der neuesten Untersuchungen
  ziemlich genau sind. Er gibt (am Schlu des Kapitels XXIV) von den
  englischen Schiffen eine namentliche Liste mit Tag und Ort des
  Verlustes.

  Troude fhrt fr beide Gegner weit geringere Zahlen an. Bei den
  Linienschiffen (ber 50 Kanonen) spricht er nur von 11 englischen und
  20 franzsischen; es ist mglich, da er auf englischer Seite die
  groen Verluste durch Schiffbruch (1703 in den Downs 9, 1707 bei den
  Scillys 4) und auf franzsischer Seite die durch Versenken in Toulon
  unbrauchbar gewordenen (nach Andeutungen auf etwa 15 zu schtzen) nicht
  eingerechnet hat. An Fregatten nennt er gar nur 2 englische und 11
  franzsische; es ist dies nur so zu erklren, da er den kleinen Krieg
  nicht bercksichtigt hat, namentlich nicht die kniglichen Schiffe, die
  als Freibeuter im Privatdienst standen. Fr Holland zhlt er 3
  Linienschiffe und 7 kleinere, auch wohl eine viel zu geringe Angabe
  besonders bei den kleineren.

  Chabaud-Arnault gibt den Gesamtverlust der Franzosen mit 35
  Linienschiffen, einigen 50 kleineren Kriegsschiffen und mehreren
  Hunderten von Freibeutern; diese Angabe stimmt mithin annhernd mit
  Clowes berein, unter den Freibeutern befanden sich ja viele
  Kriegsschiffe.

Da bekanntlich in den greren Aktionen nur Frankreich bei Vigo,
Gibraltar und Toulon bedeutendere Verluste erlitten hat, sind die meisten
verlorenen Schiffe Opfer des kleinen Krieges geworden; wir kommen hierauf
noch zurck.


                   Der kleine Krieg und die Kolonien.

$Der Krieg gegen den Seehandel$ spielte im Spanischen Erbfolgekriege eine
ebenso bedeutende Rolle wie im vorigen Kriege und wurde auch ebenso
eigenartig von seiten der Franzosen betrieben (vergl. Seite 467 ff.). Wir
knnen an die frheren Betrachtungen anknpfen und uns auf Angaben
beschrnken, die den Umfang und damit den Einflu des kleinen Krieges
1702-1713 beurteilen lassen.

Vom Beginn der Feindseligkeiten frderte, dem Beispiel seines Vaters
folgend, der franzsische Marineminister =Jerme de Pontchartrin= den
Krieg gegen den Handel mit allen Krften. Auch er stellte der
=Freibeuterei= Schiffe und Personal der Kriegsmarine zur Verfgung;
wiederum durchkreuzten zahlreiche Kaper, besonders von Dnkirchen und St.
Malo aus, einzeln oder in kleinen Verbnden den Kanal, den Eingang zu
diesem und die Nordsee. Jerme stellte wie sein Vater kleine Divisionen
in den nrdlichen Hfen fr den =Kreuzerkrieg= auf; die Escadre du Nord
wurde wiederum stndig in Dnkirchen gebildet, andere Divisionen traten
meist in Brest oder La Rochelle hinzu. Diese kleinen Verbnde der
kniglichen Marine, in ihrer Strke zwischen 3-14 Kriegsschiffen
schwankend, aus kleineren Linienschiffen (50-60 Kanonen) oder schweren
Fregatten (40-50 Kanonen) bestehend und bisweilen durch Freibeuter
verstrkt, griffen vornehmlich grere Convois von Handelsschiffen oder
von Transportern mit Kriegsmaterial fr Spanien an. Solange Ostende in
franzsischem Besitz war (bis 1705), wurde hier eine Division von Galeren
(6) gehalten, geeignet, die hollndische Kste zu beunruhigen oder in der
Schelde in den Landkrieg einzugreifen.

$Frankreich$ bedrohte so den englischen und hollndischen Handel sehr,
aber es ist wohl zu bemerken, da sich dieser Angriff der Hauptsache nach
auf die erwhnten Gewsser, also nahe bei den eigenen Ksten,
beschrnkte; im Mittelmeer konnte sich die franzsische Freibeuterei
berhaupt nur wenig regen, weil hier whrend des grten Teiles des
Jahres die Flotten der Verbndeten die See beherrschten. Gegen Ende des
Krieges lie die Kraft dieser Kriegfhrung nach, es fehlten die Mittel.
Nach 1709 wurde wegen Geldmangels das Nordgeschwader nicht mehr
ausgerstet; eine groe Zahl der Freibeuter, Kriegs- wie Kaperschiffe,
war weggefangen worden. Die kleinen Divisionen haben bei ihren Angriffen,
weil sie nicht durch Convois behindert waren, fast immer Erfolg gehabt
oder sich doch dank der Geschicklichkeit ihrer Fhrer und der
Segeleigenschaften ihrer Schiffe greren Verlusten entziehen knnen. Die
Galerenflottille hatte nur einen Erfolg zu verzeichnen: sie fing in
Windstille ein von seinem Geschwader versprengtes hollndisches
Linienschiff.

Auf seiten der Verbndeten ging naturgem das Hauptbestreben dahin,
ihren weit greren Handel zu decken. $Holland$ stellte zu diesem Zweck
in jedem Jahre 2-3 Geschwader auf: zum Beobachten der Galeren; zum Schutz
der Nordsee gegen Dnkirchen, wie in allen frheren Kriegen; zum Geleiten
der groen Ostindienconvois auf ihren Aus- und Heimreisen durch die
Nordsee. Zahlreiche Convoijers (30-40 zu 20-50 Kanonen) traten als
stndige Begleitung der Convois hinzu.

  Die Strke dieser Geschwader war betrchtlich; sie zhlten zusammen:

  1702 = 15 Linienschiffe, 4 Fregatten
  1703 = 22       "        3     "
  1704 = 17       "        8     "
  1705 = 15       "        6     "
  1706 = 12       "        6     "     und 4 Schiffe der ostindischen
  1707 = 17       "        6     "         Kompagnie
  1708 = 17       "        6     "
  1709 = 16       "        7     "     und 2 Schiffe der ostindischen
  1710 =  7       "        5     "         Kompagnie

  Von 1706 an war das Geschwader gegen die Galeren nicht mehr ntig; 1710
  war nur das Geschwader fr die Ostindienconvois in Dienst gestellt und
  1711-1712 wurden alle ausgersteten Schiffe zum unmittelbaren
  Convoidienst herangezogen.

Holland bernahm also in erster Linie den Handelsschutz stlich von
Dnkirchen; hier kamen nicht nur sein Ostseehandel und seine
Nordseefischerei in Betracht, sondern auch die transatlantische
Schiffahrt whlte whrend des Krieges den Weg um Schottland. Die Tabelle
zeigt, da, als der franzsische Kreuzerkrieg um 1709 aufhrte, Holland,
selbst erschpft, ebenfalls nachlie. Aber auch die Freibeuterei war von
Holland lebhaft betrieben und bald besonders gegen die feindlichen Kaper
gerichtet. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges setzte die
Regierung 1702 hohe Preise fr das Aufbringen solcher aus; die eigenen
Kaper hielten sich sonst wegen des hheren Gewinns lieber an das
Wegfangen von Kauffahrern, und es war doch wichtiger, den eigenen Handel
zu schtzen. Wie stets waren die Seelnder die Ttigsten als Freibeuter.

  Die Prmien wurden berechnet nach der Besatzungsstrke und Armierung
  (Kopfzahl und Geschogewicht einer Chargierung) des genommenen Schiffes
  und waren hher fr die in der Nordsee gemachten Prisen. Ein Schiff von
  220 Mann und 40 Kanonen brachte in der Nordsee 42900 Gulden, in andern
  Gewssern zwei Drittel dieser Summe.

  In Seeland bildeten sich wieder Gesellschaften, die Freibeuter
  ausrsteten. Schon 1703 liefen von Middelburg und Vlissingen 47
  Fahrzeuge (10-40 Kanonen) aus; 25 Kauffahrer, doppelt bemannt, durften
  neben dem Handel auch Kaperei treiben; viele Schiffe wurden eigens zu
  diesem Zwecke neu erbaut. Die Seelnder waren nach ihrer Gewohnheit
  nicht sehr whlerisch und nahmen auch Schiffe neutraler oder
  verbndeter Vlker; die Generalstaaten verweigerten deshalb die Ausgabe
  weiterer Kaperbriefe, aber die Provinz setzte es doch durch, indem sie
  behauptete, die fraglichen Schiffe htten unter dem Schutz ihrer Flagge
  mit Frankreich Handel getrieben. 1706 stellten Middelburg und
  Vlissingen 74 Segel (die grere Zahl mit ber 26 Kanonen und hinauf
  bis zu 52) mit insgesamt 1760 Kanonen und 11750 Mann, diese Schiffe
  schwrmten bis in die fernsten Meere, besonders aber in der Nordsee.
  Auch in den anderen Provinzen rsteten die Stdte, sogar einzelne
  Dorfgemeinden, Fahrzeuge aus; bei dem stockenden Handel wurde die
  Freibeuterei eine Erwerbsquelle fr die seemnnische Bevlkerung.

Nach 1708 nahm die Jagd auf feindliche Kaper ab, weil diese seltener
wurden und weil die fr die Prmien ausgesetzten Mittel erschpft waren;
auch stieg jetzt der eigene Handel wieder; seine Stockung in den ersten
Jahren hatte viele Schiffe und Seeleute in den Dienst der Freibeuterei
getrieben.

$England$ beteiligte sich an der Bewachung Dnkirchens und an der
Sicherung der Nordsee, hat aber wohl in erster Linie den Schutz des
Kanals und die Blockierung der franzsischen Kste durch eine grere
Flotte, teils vereinigt, teils in Geschwader geteilt, bernommen; auch
hier wurden natrlich die Convois durch Kriegsschiffe, hinauf bis zu
selbst schwereren Linienschiffen, begleitet sowie einzelne Kreuzer
entsandt. Englischen Geschwadern glckte es, grere franzsische Convois
abzufangen, da diese ja in ihren Bereich kommen muten.

  ber die Strke der englischen Seestreitkrfte in den nrdlichen
  Gewssern liegen genaue Angaben nicht vor. Nach den Abmachungen ber
  das Verhltnis der Rstungen zur See mssen sie weit bedeutender als
  die hollndischen gewesen sein. England beklagte sich spter, und
  selbst nach hollndischen Quellen nicht ganz ohne Berechtigung, da
  Holland seiner Pflicht nicht nachgekommen sei; da dieses aber bei der
  Hauptflotte im Mittelmeer annhernd geschehen ist, mu der Unterschied
  in den heimischen Gewssern gelegen haben.

Nach allen Angaben mu man annehmen, da England im Gegensatz zu Holland
den kleinen Krieg gerade in den letzten Jahren, als die Flotte im
Mittelmeer vermindert werden konnte, mit immer wachsender Tatkraft
durchgefhrt hat.

Einen Begriff von dem Umfang des kleinen Krieges geben =die ungeheuren
Verluste auf beiden Seiten=: England hat gegen 50, Frankreich gegen 100
Kriegsschiffe sowie zahlreiche Kaper in Gefechten[274] verloren. ber
Holland fehlen nhere Angaben.

  [274] In Hinsicht auf Beispiele fr die zahlreichen Gefechte zwischen
        Einzelschiffen und Verbnden im kleinen Kriege verweise ich auf
        die Spezialgeschichten der einzelnen Marinen, z. B. Clowes, Teil
        II, Kapitel minor operations; Troude, Teil I; Bonfils, Teil II;
        de Jonge, Teil III und IV. Hier sollen nur (Seite 561) die Taten
        der berhmtesten franzsischen Freibeuterfhrer erwhnt werden.

  Nach den frher gemachten Angaben (Seite 557) kann man mit einiger
  Sicherheit annehmen, da England 17 Linienschiffe im kleinen Kriege
  verloren hat. Der Verlust der dort angefhrten 7 schwereren (ber 60
  Kanonen) ist durch die Schilderungen grerer Gefechte im Kreuzerkriege
  festgestellt worden; die 10 50-Kanonenschiffe und die 31 Fregatten usw.
  werden auch zum grten Teile als Convoischiffe und als Kreuzer
  gefallen sein -- wir hrten ja von keinen bemerkenswerten Verlusten bei
  der Hauptflotte. Einige der als verunglckt angefhrten Schiffe sind
  gleichfalls wohl Opfer des seemnnisch gefhrlichen Blockadedienstes
  geworden.

  Die Franzosen haben einen Gesamtverlust von 40 Linienschiffen gehabt.
  Rechnen wir die Verluste von Vigo, Gibraltar und Toulon mit 35 ab, so
  bleiben 5 fr den Kreuzerkrieg; diese werden im Privatdienst gestanden
  haben, denn in den Gefechten ihrer Kreuzerdivisionen sind keine
  Verluste erwhnt, oder es sind die 5, von deren Verlust bei Malaga
  einige englische Quellen sprechen. Dazu kommen aber die angefhrten 95
  kleineren Kriegsschiffe und mehrere hundert Kaper.

  Vorstehende Berechnung eines Verlustes von 50 englischen und 100
  franzsischen Kriegsschiffen whrend des ganzen kleinen Krieges stimmt
  gut berein mit den Angaben eines Kommissionsberichtes im Hause der
  Lords vom Jahre 1707. Nach diesem hatte England 1702-1707 80
  franzsische Kriegsschiffe sowie 175 Kaper genommen und selber 30
  Kriegsschiffe verloren.

Wenden wir uns schlielich zu den =Erfolgen des kleinen Krieges=. Angaben
ber die Gesamtzahl der aufgebrachten Kauffahrer sind nicht vorhanden,
einen Anhalt gibt der ebenerwhnte Kommissionsbericht im Hause der
Lords. Nach diesem hatten die Englnder in den ersten fnf Kriegsjahren
1300-1400 franzsische Kauffahrer genommen und 1100-1200 verloren, von
denen aber 300 wiedergenommen sind. Dies war in den Jahren, in denen der
franzsische Kreuzerkrieg blhte, und trotzdem war der Verlust der
Franzosen grer; zieht man aber in Berechnung, da der englische Handel
ungemein berlegen war, so stellt sich der relative Verlust auf
franzsischer Seite noch ganz anders dar. hnlich wird das Verhltnis
Holland gegenber gewesen sein. Der mit aller Anstrengung gefhrte
Kreuzerkrieg der Franzosen -- unter besonders fhigen und ttigen
Geschwaderfhrern sowie Kaperkapitnen mit tchtigstem Personal -- konnte
nicht hindern, da der eigene Seehandel, nach franzsischen Angaben,
schlechter geschtzt war als im vorigen Kriege und lahmgelegt wurde und
da der der Gegner, wenigstens der englische, sogar zunahm. Ferner ward
Frankreichs Geldnot whrend des Krieges immer grer und sein Kredit
fiel. Es mu dies groenteils dem Abgeschnittensein von der See
zugeschrieben werden, denn das reiche Land selber ward nicht vom Feinde
betreten und seine Industrie hatte nicht unter unmittelbaren
Feindseligkeiten zu leiden; England und Holland waren dagegen imstande,
die eigenen Kriegskosten und die ihrer Verbndeten zu tragen. Das
Abgeschlossensein von der See brachte Frankreich auch schwere
unmittelbare Nachteile, so z. B. Mangel an Korn in den Jahren der
Miernte 1709-1712.

  Als 1709 der Kreuzerkrieg der Franzosen in der Nordsee nicht mehr
  krftig gefhrt wurde, erhielten die englischen und hollndischen
  Geschwader hier den Befehl, jegliche Kornzufuhr aus der Ostsee nach
  Frankreich und Spanien zu hindern. Sie durften zu diesem Zweck jedes
  Kornschiff anhalten; aufgebrachten Fahrzeugen mit andern
  Bestimmungshfen wurde eine Entschdigung fr den Zeitverlust
  zugestanden.

  Ganz ist Frankreich nie von der See abgeschnitten gewesen. Dies beweist
  das Auslaufen Trouins nach Brasilien, sowie der Umstand, da noch 1710
  gegen 40 Freibeuter Dnkirchen verlieen und eine Beute von 700 000
  Francs machten.

So liefert auch dieser Krieg einen Beweis fr die Behauptungen (vgl.
Seite 305 und 471), da ein Kreuzerkrieg, der sich nicht auf eine Flotte
sttzt, nicht dauernd durchgefhrt werden kann und da eine solche
Kriegfhrung allein nicht imstande ist, einen seemchtigen Gegner
niederzuwerfen.

  $Haupttaten berhmter franzsischer Freibeuter-Fhrer.$[275] Kapitn
  =Saint Pol=, Chef des Dnkirchen-Geschwaders nach seines Lehrmeisters
  Jean Barts Tode, nahm April 1703 im Kanal mit nur 3 schweren Fregatten
  mehrere Schiffe eines englischen Convois und von den 3 Schiffen der
  Bedeckung 2, darunter das fhrende Linienschiff. Im August vernichtete
  er mit einem Linienschiff, dem krzlich eroberten, und 3 Fregatten in
  der Nordsee von 4 hollndischen Kriegsschiffen 3, verlor selber nur 1
  und zerstrte mit Booten 200 Fischerfahrzeuge, die sich in eine Bucht
  der Orkaden geflchtet hatten; dann nahm er 3 hollndische Fregatten,
  die zum Schutz einer anderen Fischerflotte unterwegs waren. 1704
  brachte er einige hollndische Kauffahrer in der Nordsee auf und spter
  mit 4 Kriegsschiffen und 5 Freibeutern einen englischen Convoi von 11
  Segeln nebst den begleitenden 3 Kriegsschiffen. Bei dieser Unternehmung
  fiel er.

  [275] Quelle: Chabaud-Arnault, die nach Vergleich mit anderen Quellen
        nur wenig gefrbt erscheint. Gefechte teilweise genauer
        beschrieben in Bonfils, Teil II, sehr schwlstig.

  Kapitn =de Forbin=, gleichfalls ein Schler Jean Barts, folgte im
  Kommando. Nachdem er dem Handel der Gegner schon groen Schaden in der
  Nordsee zugefgt hatte, schlug er im Oktober 1706 mit 8 Schiffen, von
  20-54 Kanonen, 6 Hollnder von 46 bis 50 Kanonen und nahm 2 davon. Im
  Mai 1707 eroberte er ein englisches Schiff von 72 Kanonen und gegen 20
  Kauffahrer; im Juni brachte er noch 30 Kauffahrer auf. Als seine letzte
  Tat ist uns die berfhrung Jakobs III. schon bekannt (Seite 552).

  Fregattenkapitn =Duguay-Trouin= nahm von Brest aus in den Jahren
  1702-1706 mit nur 3 kleineren Fregatten in verschiedenen Gefechten 2
  Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 52 Kanonen, 4 Fregatten und eine groe Zahl
  von Kauffahrern; einmal schlug er den Angriff eines portugiesischen
  Geschwaders von 6 Schiffen ab. 1707 kommandierte er als
  Linienschiffskapitn die Brest-Division von 4 Linienschiffen (50 bis 74
  Kanonen) und 2 Fregatten (40-44 Kanonen). Im Oktober trat er unter
  Forbins Befehl; die beiden Divisionen waren zusammengezogen worden
  (zusammen etwa 700 Kanonen), um einen groen englischen Transport mit
  Truppen und Material fr Spanien anzugreifen. Am 21. trafen sie bei
  Lizard auf den Feind, 80 Transporter gedeckt von 5 Linienschiffen (340
  Kanonen). Forbin zgerte mit dem Angriff, weil er erst die Linie bilden
  wollte, und die Englnder mehrten Segel. Da griff Trouin, ohne die
  erbetene Erlaubnis abzuwarten, an und hielt den Feind durch Entern
  fest, bis auch Forbin herankam. Vier der englischen Schiffe wurden
  aufgesprengt oder genommen, 60 Transporter fielen den Siegern in die
  Hnde. Noch im selben Jahre nahm Trouin ein Schiff von 80 Kanonen und
  im nchsten einen Convoi von 22 Segeln. Sein Freibeuterzug nach Rio ist
  uns bekannt (Seite 556).

  Chef d'Escadre =du Casse= fhrte 1701, 1702, 1708, 1711 mit groem
  Geschick die spanische Silberflotte nach Europa und leistete damit
  Spanien und Frankreich ungemein wichtige Dienste. Ihm war fast
  fortlaufend der Schutz der Kolonien und des Handels in Westindien
  anvertraut.

  Kapitn =Cassard= fhrte, wie schon erwhnt, in den Jahren 1709-1711
  drei groe Getreidezufuhren nach Toulon; zweimal schlug er dabei
  berlegene Krfte ab. 1712 lief er, wie auch schon angedeutet, mit 6
  Linienschiffen und 2 Fregatten von Toulon aus; er brandschatzte eine
  der Kapverden (St. Jago) sowie verschiedene westindische Besitzungen
  Englands und Hollands.

$Die Zusammenste in den Kolonien$[276] beschrnkten sich auch im
Spanischen Erbfolgekriege auf Handelsstrung und Brandschatzung der
Ansiedlungen. Die Verbndeten wrden wohl mehr unternommen haben, wenn
sie nicht von 1703 ab mit ihrer Hauptkraft an den spanischen Landkrieg
gebunden gewesen wren (vergl. Seite 490). Wie im vorigen Kriege trat
vorzugsweise England jenseits des Ozeans offensiv auf, Holland entsandte
keine nennenswerten Streitkrfte; Frankreich bernahm auch fr das
schwache Spanien den Schutz des Handels und der Kolonien. Die
Hauptereignisse, fr die nur Westindien und Nordamerika in Betracht
kommen, seien kurz angefhrt.

  [276] Die Hauptereignisse genauer in Colomb, Kapitel XIII und XIV;
        Clowes, Teil II, minor operations; Bonfils, Teil II.

Bei Beginn des Krieges hatte es den Anschein, als ob =Westindien= ein
Schauplatz von grerer Bedeutung werden solle. Wir hrten (Seite 508),
da Frankreich schon 1701 eine schwache Division (Cotlogon) entsandte,
um Truppen hinberzubringen und die Galeonen abzuholen, England ein
strkeres Geschwader (Benbow; 10 Linienschiffe), um mit Ausbruch des
Krieges sofort die Silberflotte und Cartagena anzugreifen, und da nun
wieder Frankreich 10 Schiffe (Chteau-Renault) hinterher schickte; Benbow
erhielt im Mai 1702 noch eine Verstrkung unter Admiral Whetstone. Bei
Ausbruch des Krieges waren mithin ziemlich starke Streitkrfte beider
Parteien in Westindien.

=Benbow= hielt sich vor Beginn des Krieges schlagfertig bei Jamaica,
mglichst unterrichtet ber die Strke der Franzosen sowie ihrer und der
Silberflotte Bewegungen; er mute aber auch den Schutz der Kolonien im
Auge behalten, weil der Gegner berlegen war. Cotlogon verlie
bekanntlich schon im Winter und Chteau-Renault im Frhjahr 1702 mit den
Galeonen (in Vigo dann vernichtet) unbehindert Westindien. Benbows
Vorsicht war berechtigt gewesen. Renault hat die Absicht gehabt, die
Antillen anzugreifen, erhielt aber den Befehl, die Silberflotte zu
begleiten. Whetstone hat wahrscheinlich an Benbow den Auftrag berbracht,
die Feindseligkeiten zu erffnen, jedenfalls die Nachricht, da ein neues
franzsisches Geschwader nahe; es war =du Casse= mit 4 Linienschiffen und
8 Transportern, eine Truppensendung fr spanische Kolonien. Benbow sandte
nun einige leichtere Schiffe in die kubanischen Gewsser zum Kreuzen
gegen Kauffahrer, stationierte Whetstone mit 6 Linienschiffen an die
Sdkste Haitis, um du Casse abzufangen, und ging selber mit 7
Linienschiffen zu gleichem Zweck einige Tage spter (21. Juli von
Jamaica) an die Westkste dieser Insel. Hier hrte er, da du Casse nach
Cartagena bestimmt sei, folgte und traf ihn am 29. August bei St. Marta
(stlich von der Mndung des Magdalenenstromes). Du Casse bildete die
Gefechtslinie zwischen seinem Transport und dem berlegenen Gegner und
schlug den Angriff in einem mehrtgigen Gefechte glnzend ab. Das Gefecht
ist bemerkenswert: Die Franzosen sehen in ihm einen weiteren Beweis
(neben den vielen Erfolgen im Kreuzerkriege) dafr, da sie in allen
Aktionen zwischen Einzelschiffen oder Divisionen den Sieg davon getragen
htten; die Englnder bezeichnen dieses Ereignis als eins der
peinlichsten ihrer Marinegeschichte.

  $Das Gefecht zwischen Benbow und du Casse vor Cartagena.$ Schiffe mit
  Angabe der Kanonenanzahl und Gefechtsordnung:

              Defiance 64            Heureux 68 (du Casse)
              Pendennis 48           Agrable 50
              Windsor 60             Phnix 60
              Breda 70 (Benbow)      Apollon 50
              Greenwich 54           Prince de Frise 30
              Ruby 48                1 Brander
              Falmouth 48            3 kleine Fahrzeuge.

  Du Casse lag unter Marssegeln nach Westen, den Angriff erwartend,
  Benbow stand zu Luward. Schon das Bilden der Gefechtslinie machte
  diesem Schwierigkeit, da Defiance und Windsor dem Signale nicht
  folgten und der Befehl durch Boote wiederholt werden mute. Gegen Abend
  greift Benbow an, aber nach dem Wechseln einiger Breitseiten verlassen
  die genannten Schiffe mittels Anluvens die Linie und das Gefecht wird
  abgebrochen. Nachts nimmt Benbow die Spitze und diese Schiffe als
  unmittelbare Hinterleute, bei Tagesanbruch ist jedoch nur Ruby bei
  ihm, die brigen sind und bleiben den Tag ber (30. August) weit
  zurck; trotzdem hlt sich Benbow am Feinde, die Bug- und Heckgeschtze
  der Gegner feuern. Am 31. vormittags kommen Breda und Ruby zum
  Nahgefecht; Ruby wird in der Takelage so beschdigt, da der Admiral
  beidrehen und sie mit Booten aus dem Gefecht tauen mu. Defiance und
  Windsor waren zwar auch in Schuweite, feuerten aber nicht. Auch am
  Nachmittage fllt die ganze Last auf Breda, die brigen Schiffe
  schieen nur gelegentlich. Tag und Nacht weht das Signal
  Gefechtslinie, trotzdem ist am 1. September auer Ruby kein Schiff
  auf Position, Greenwich sogar 9 Seemeilen achteraus. Infolge einer
  Windnderung haben die Franzosen nachmittags die Luvstellung, aber
  Benbow greift doch ihr Schluschiff an; Prince de Frise mu schwer
  beschdigt whrend der Nacht aus dem Geschwaderverbande entlassen
  werden. Am 2. steht Benbow wieder zu Luward; er kommt wegen zu flauen
  Windes nicht an den Feind, nimmt aber eins der kleinen Fahrzeuge. Am 3.
  greifen Breda und Falmouth den Apollon an; dem Admiral wird ein
  Bein zerschmettert, doch bleibt er in einer Hngematte an Deck.
  Apollon wird kampfunfhig, und von beiden Seiten kommen smtliche
  Schiffe heran. Aber whrend die Englnder nur einmal in Lee passieren,
  und eine Breitseite abgeben, decken die Franzosen ihren Kameraden und
  tauen ihn in Sicherheit, nachdem sie Breda zum Abstehen gezwungen
  haben. Als nun Benbow seine Kommandanten an Bord gerufen hat, dringt
  der Kapitn der Defiance, von den andern untersttzt, auf Abbruch des
  Kampfes; der Admiral mute nach Jamaica zurckgehen, wo er seiner Wunde
  erlag. Du Casse schrieb ihm vor der Trennung: Gestern morgen glaubte
  ich, in Ihrer Kajte zu Abend essen zu mssen. Ihre Kommandanten, diese
  Feiglinge, hngen Sie auf. Sie haben es, bei Gott, verdient. Die
  Kapitne der Defiance und Greenwich wurden auch erschossen, zwei
  starben whrend der Untersuchung, die der Windsor und Falmouth
  wurden begnadigt; nur der der Ruby war nicht angeklagt worden.

Du Casse brachte seine Truppen nach Cartagena und fhrte dann einige
Galeonen nach Europa, obgleich er bei Ouessant nochmals (Mrz 1703) auf
eine englische Division stie.

In den Jahren 1702/03 fanden einzelne gegenseitige berflle statt. Die
Franzosen versuchten 1702, mit einigen Freibeutern, wahrscheinlich in
Sold genommenen Flibustiern, von Haiti aus in Jamaica einzufallen; die
Expedition wurde durch Whetstone, der beim Kreuzen gegen Kauffahrer
zufllig auf sie stie, vernichtet. Als eine englische Verstrkung auf
der Station eintraf, die von dem Mittelmeer abgezweigten 6 Linienschiffe
und 12 Transporter mit Truppen unter Walker (vgl. Seite 515), griff man
Guadeloupe an. Es gelang, die Besatzung in die Berge zu vertreiben, die
Stadt Basseterre mit ihren Befestigungen zu zerstren und die Insel zu
plndern. Die Truppen litten aber sehr in dem Kampfe und auch durch
Krankheit und wurden wieder eingeschifft, als eine Verstrkung von
Martinique anlangte. Zwischen den englischen Land- und Seeoffizieren soll
Uneinigkeit geherrscht haben; dies mag zutreffen, denn weshalb haben
sonst die Schiffe den Nachschub nicht gehindert, da sich nennenswerte
franzsische Seestreitkrfte nicht in den Gewssern befanden?

Bald darauf wurden auch die englischen Krfte in Westindien vermindert,
und bis 1705 unternahm keine Partei etwas gegen Ansiedlungen. In diesem
Jahre brandschatzten die Franzosen von Haiti aus St. Kitts und Nevis; ein
greres englisches Geschwader erschien und versuchte vergeblich, durch
eine Demonstration Cartagena fr die Sache Karls III. zu gewinnen. In den
Jahren 1706/07 scheint der englische Handel sehr gelitten zu haben, denn
der Chef der Station wurde auf Drngen des Unterhauses abberufen und
nicht wieder verwendet. Von 1708 an haben die Englnder die
westindischen Gewsser im allgemeinen beherrscht. Sie konnten aber doch
nicht hindern, da du Casse zweimal (1708 und 1710) die Galeonen abholte
(1708 fielen einige dem Admiral Walker in die Hnde), da 1711 von
Martinique aus Montserrat und 1712 durch Cassard, auf seinem
Freibeuterzuge, wiederum Montserrat, St. Kitts und das hollndische
Surinam geplndert wurden. Die berlieferungen ber die Verhltnisse in
Westindien whrend dieser Jahre, auch ber die Strke der Seestreitkrfte
dort, werden selbst in englischen Quellen als ungengend und
unzuverlssig bezeichnet.

=In Nordamerika= wurde der Krieg fast nur mit Milizen und Fahrzeugen der
Kolonien ausgefochten; regulre Truppen und Seestreitkrfte waren auf
beiden Seiten schwach vertreten, erstere auf englischer Seite bis 1710
gar nicht. Die englischen Niederlassungen waren zwar weit strker
bevlkert, aber die Franzosen verwandten mit Erfolg groe Indianerhorden,
die schreckliche Verwstungszge unternahmen. 1704 und 1707 versuchten
die Englnder von Boston aus ber See mit Schiffen der Kolonie, Port
Royal (jetzt Anapolis) in Akadia (Neu Schottland) zu nehmen, die
Franzosen schlugen alle Angriffe ab, ja sie bemchtigten sich nach und
nach fast des ganzen Neufundlands und vernichteten durch Flibustier
nahezu Handel und Fischerei des Gegners. Lange baten die erschpften
englischen Kolonien ihr Mutterland vergeblich, gengend Schiffe zu
senden, um sich durch einen krftigen Vorsto gegen Kanada und Akadia
Luft zu verschaffen. Endlich erschien im Juli 1710 ein Geschwader unter
Kapitn Martin und mit seiner Hilfe wurde im Herbst Port Royal genommen,
doch blieb Akadia sonst in franzsischem Besitz. Als dann 1711 =Admiral
Walker= mit 11 Linienschiffen, 4 kleineren Fahrzeugen, 30 Transportern
und 5300 Soldaten in Boston ankam, hoffte man auf einen endgltigen
groen Erfolg: Man wollte =Quebec= durch die englische Macht von See her
und durch 4500 Mann vom Lande aus angreifen. Das Unternehmen unterblieb
aber, weil das Vorgehen der Flotte klglich scheiterte.

  Walker verlie Anfang August Boston. Seine zwei 80-Kanonenschiffe legte
  er vor den Eingang zum St. Lorenz-Golf, weil er sie fr zu tiefgehend
  hielt und weil man von der bevorstehenden Ankunft zweier franzsischer
  Kriegsschiffe gehrt hatte. Die Flotte segelte in den Golf ein, war
  aber am Abend des 31. August auf der Hhe der Insel Anticosti
  gezwungen, wegen Nebels bei starkem Ostwinde beizudrehen; der Admiral
  ging zu Bett, obgleich die Lotsen schon Beweise ihrer mangelhaften
  Kenntnisse gegeben hatten. Um 10 Uhr abends glaubte man, ber
  Steuerbord-Bug liegend, Land voraus zu haben, und wendete. Ein
  Landoffizier sah jetzt Brandung voraus; er drang, als man seiner
  Wahrnehmung nicht traute, in die Kajte und holte den Admiral (even in
  his dressing gown and slippers) an Deck. Tatschlich hatte man Land
  dicht voraus und nur durch groes seemnnisches Geschick entzogen sich
  die Schiffe der gefhrlichen Lage, aber doch gingen 8 Transporter mit
  zwei Drittel ihrer Mannschaften (gegen 900 Mann) verloren. Der Unfall
  wirkte so niederdrckend, da nicht nur der Angriff auf Quebec, sondern
  auch ein nach diesem geplanter auf Placentia (Neufundland) aufgegeben
  wurde. Allerdings war die Flotte auch nur noch mit Proviant auf einige
  Wochen versehen; sie ging nach England zurck.

Trotzdem wurden im Frieden von Utrecht Neufundland und Akadia von
Frankreich an England abgetreten.

=In anderen Kolonien= waren nur der Zug Trouins gegen Rio und der
Cassards gegen die Capverden von Bedeutung.

$Schlubetrachtungen.$ In Hinsicht auf =die Streitmittel= sind nur zwei
Punkte noch einmal zu berhren. Colomb fhrt in seinen Betrachtungen The
conditions under which attacks on territory from the sea succeed or fail
die Ereignisse dieses Krieges als Beispiele der Notwendigkeit einer
unbedingten augenblicklichen Seeherrschaft fr derartige Angriffe an, er
weist gleichfalls auf die Wichtigkeit einer dauernden fr erfolgreichen
Schutz des Handels hin. Den Grund, da im Spanischen Erbfolgekriege die
zur See strkere Partei in beiden Hinsichten ihren Zweck nicht vllig
erreicht habe, sieht er darin, da strikte Blockaden nie durchgefhrt,
nicht einmal versucht sind; er sagt: The practice, perhaps even the
idea, of barring the enemy in his ports, and so preserving a free sea in
rear, is not yet developed. Dies ist wohl richtig; man dachte noch nicht
daran und war auch nicht imstande dazu. Wie zu Lande, so wurde auch zur
See der Krieg im Winter abgebrochen; es kam hinzu, da man den Schiffen
noch nicht gengend traute, und es handelte sich ja auch um strmische
Gewsser: Kanal, Biscaya, Golf von Lyon; aus dem Mittelmeer zog man sogar
die Schiffe so frh zurck, da sie vor Einsetzen der schlechten
Jahreszeit in den Kanal einlaufen konnten. So wurde also im Winter die
Behauptung der See aufgegeben. Aber auch im Sommer war man hufig dazu
gentigt, sehr oft wurden Operationen (auf seiten beider Gegner) infolge
schlechter oder ungengender Ausrstung der Schiffe, oder Krankheit an
Bord, abgebrochen. Bei den auswrtigen Gewssern, Mittelmeer, Westindien
und Nordamerika, machte sich in dieser Hinsicht der Mangel an
Sttzpunkten fhlbar; den Verbndeten standen zwar die portugiesischen
Hfen sowie spter Gibraltar zur Verfgung, aber diese Pltze lagen zu
entfernt vom Wirkungsfelde der Flotte und es fehlte ihnen an
leistungsfhigen Werften usw.; sie waren deshalb nicht einmal zum
berwintern grerer Flotten geeignet. Unter solchen Umstnden waren
scharfe Blockaden ausgeschlossen.

  Es ist jetzt schwer zu beurteilen, inwieweit die Besorgnis vor
  ungengender Seefhigkeit der Schiffe berechtigt war oder nur alter
  Anschauung entsprang, und inwieweit die sonstigen Mngel des Materials
  in den allgemeinen Verhltnissen jener Zeit lagen oder Schuld der
  Verwaltungen waren. Klagen in Quellen ber alle drei Marinen lassen
  mehr auf schlechte Verwaltung schlieen; in Frankreich und Holland
  gingen die Marinen abwrts, aber auch in England war nicht alles, wie
  es sein sollte.

Ein zweiter bemerkenswerter Punkt ist =das Verhltnis der englischen und
hollndischen Marine zueinander=. Schon im vorigen Kriege klagten die
hollndischen Seeoffiziere ber das hochmtige und rcksichtslose
Auftreten der englischen, selbst in dienstlichen Angelegenheiten. Diese
Klagen nahmen nach dem Tode Wilhelms III. noch zu: Im Kriegsrat wrde
nichts auf ihre Ansicht gegeben (Almonde 1703), von wichtigen Vorhaben
wrde ihnen keine Mitteilung gemacht u. dgl.; sehr zum Nachteil der
allgemeinen Sache. Dies ist wieder ein Faktor der Schwche von
Bndnissen, von der wir frher (Seite 356) gesprochen haben. Der Grund
lag darin, da England die hollndische Marine nicht mehr als
gleichwertig ansah. Damit kommen wir auf die von England erhobene Klage,
Holland habe seine Verpflichtungen nicht erfllt, es habe es in den
ersten sieben Jahren an der Hlfte, spter sogar an zwei Dritteln der
zugesicherten Schiffe fehlen lassen. Mit diesem Umstand begrndete
England bei den Friedensverhandlungen seinen Anspruch auf Einheimsung
fast aller maritimen Vorteile. Diese Klage scheint bislang berall, auer
wohl in Holland, als berechtigt angenommen zu sein, wenigstens wird nicht
nher auf eine Prfung eingegangen. Unparteiisch betrachtet, glaube ich,
stellt sich die Sache so, da Holland allerdings hinter den Abmachungen
zurckgeblieben ist, jedoch nicht in dem von England behaupteten Umfange.

  Im Februar 1712 klagte das Haus der Gemeinen in einer Adresse an den
  Thron: Whrend des ganzen Krieges muten jhrlich groe Flotten
  ausgerstet werden, um die Herrschaft im Mittelmeer aufrecht zu
  erhalten und um jeder Streitmacht, die der Gegner in den nrdlichen
  Gewssern aufzustellen beabsichtigte, entgegentreten zu knnen. Holland
  ist stets im Rckstande geblieben, so da Ew. Majestt gentigt waren,
  diesen Ausfall zu decken; unsere Schiffe muten zum groen Schaden des
  Materials zu ungnstigen Jahreszeiten in entfernten Gewssern
  verweilen. Dies fhrte ferner zur Beschrnkung des Convoischutzes; es
  war nicht mglich, dem Feinde den Verkehr mit Westindien zu
  unterbinden, von wo ihm die starke Zufuhr an Silber ermglicht wurde,
  ohne die er die Lasten des Krieges nicht htte tragen knnen. Der
  Eingabe war eine Tabelle ber die von Holland zu stellenden und
  gestellten Schiffe beigefgt. Die Generalstaaten erhoben hiergegen
  Widerspruch und fhrten ganz andere Zahlen auf. Stellen wir nun die
  Angaben gegenber; es handelt sich nur um Linienschiffe.

                  Englische Angaben    Hollnd. Angabe   Nach de Jonge
          --------------+-----------
          Es waren zu      Es sind    Es sind gestellt  waren im Dienst
            stellen       gestellt
    1702      44             33              55              35
    1703      47             22              50              34
    1704      44             18              56              35
    1705      47             20              56              35
    1706      46             15              54              30
    1707      43             27              49              32
    1708      43             25              53              31
    1709      42             11              50              30
    1710      37             13              43              21
    1711      35             12              40              13[277]

  [277] und viele Linienschiffe zur Begleitung von Convois.

  Die Generalstaaten behaupteten nun, die Zahlen in Reihe 1 seien zu
  hoch; sie seien berechnet nach dem Verhltnis einer gemeinsamen Rstung
  wie 3: 5, whrend 1703 vereinbart sei, da fr jedes Jahr die Anzahl
  festgestellt werden solle, und diese Zahlen habe man erfllt. Die
  Zahlen in Reihe 2 seien zu niedrig gegriffen, man habe die in den
  nrdlichen Gewssern befindlichen hollndischen Schiffe nicht
  mitgerechnet.

  Nun wrde aber noch der groe Unterschied zwischen der Angabe der
  hollndischen Admiralitten (Reihe 3) und de Jonges (Reihe 4) zu
  ergrnden sein. De Jonge erklrt ihn damit, da die Admiralitten die
  groen Convoijer (ber 40 Kanonen) eingerechnet und allerdings auch
  damit, da sie Schiffe mitgezhlt htten, deren Indienststellung
  beschlossen, aber wegen Geldmangels nicht ausgefhrt sei. Vielleicht
  liegt ein Unterschied auch darin, da de Jonge (und ebenso England) die
  Schiffe unter 50 Kanonen nicht als Linienschiffe berechnet hat, whrend
  die Admiralitten alle ber 40 Kanonen als solche zhlten. De Jonge
  erkennt die Berechtigung der englischen Klage nur insoweit an, als sie
  die Beteiligung Hollands an der Mittelmeerflotte anging; hier htten
  stets einige Schiffe gefehlt. Es ist zweifelhaft, ob man die groen
  Convoijers mitzhlen durfte, doch sollte man glauben, da England in
  Hinsicht auf seine Leistungen, und somit auf Berechnung des
  Verhltnisses, sich gleichfalls die Linienschiffe angerechnet hat, die
  im Convoidienst verwendet wurden.

  Die Zahlen der Reihe 1 sind von England als im Verhltnis 3: 5 der
  englischen Indienststellungen berechnet und als solche von Holland
  nicht angefochten worden. Man kann aus ihnen mithin schlieen, da
  England durchschnittlich 70-80 Linienschiffe jhrlich im Dienst hatte,
  wie wir es bei Besprechung der Streitmittel (Seite 505) angenommen
  haben.

In Hinsicht auf die =Entwicklung der Taktik= ist nur noch einmal
hervorzuheben, da die Schlacht bei Malaga, die einzige dieses Krieges,
als die erste einer Zeit gilt, in der mehr Wert auf Aufrechterhaltung der
Gesamtformation in Linie als auf taktische Manver gelegt wird. Zur Zeit
Tourvilles war eine Taktik ausgebildet und wurde angewandt, jetzt wird
sie besonders von den Englndern nur schematisch durchgefhrt.[278]

  [278] Vgl. die Auslassungen ber Taktik vor Schilderung der Schlacht
        von Malaga (Seite 531/532), ferner Seite 474 sowie in der
        Einfhrung in den Abschnitt (Seite 184).

$ber die Strategie$ in diesem Kriege; die Aufgaben der Seestreitkrfte,
und wie sie diese lsten. Wenn wir auch bei der Schilderung der
Ereignisse schon nher auf diese Punkte eingegangen sind als bei den
frheren Kriegen, so ist es doch wnschenswert, durch einen berblick
nochmals zu zeigen, welchen Einflu die Kriegfhrung zur See gehabt hat
oder htte haben knnen; gerade dieser Krieg ist lehrreich.

  Ein neuerer englischer Autor[279] sagt: Fr die hhere Seestrategie
  ist kein Krieg lehrreicher als der Spanische Erbfolgekrieg; in vielen
  Hinsichten gleichen die damaligen Verhltnisse den jetzigen. Der Krieg
  wurde gefhrt gegen das gefahrdrohende bergewicht eines ehrgeizigen
  und mchtigen Militrstaates, es war ferner ein Krieg fr die Freiheit
  des Handels und England verfgte durch seine Marine ber ein
  Kampfmittel, das kein Festlandsstaat in gleicher Strke besa. Ludwig
  XIV. war durch die Wiederherstellung seines Heeres nach dem letzten
  Kriege so in Anspruch genommen, da er seine Marine vernachlssigen
  mute, whrend sich anderseits in England die Abneigung gegen ein
  stehendes Heer, die die Landmacht Wilhelms III. schwchte, nicht auf
  die Marine erstreckte; diese blieb in ihrer bisherigen Kraft erhalten.

  [279] Corbett, Teil II, Seite 200; hier frei bersetzt wiedergegeben.

$Frankreichs Kriegfhrung.$ Wie im Jahre 1688, so standen auch 1702 die
beiden Seemchte verbndet Frankreich gegenber, weit berlegen, weil sie
etwa 200 Schiffe und Frankreich nur 135 ber 40 Kanonen besaen. Die
Aufgabe der franzsischen Marine war aber grer als im vorigen Kriege,
sie hatte neben dem Schutz der eigenen Ksten und Kolonien, sowie des
eigenen Handels auch die Interessen Spaniens hierin wahrzunehmen, dessen
Marine gar nicht in Betracht kam.

Im vorigen Kriege hatte Frankreich, vertrauend auf die Leistungsfhigkeit
der eigenen Flotte sowie auf eine fr sich gnstige Lage der Verhltnisse
in England, den Versuch gemacht, um die Seeherrschaft in groem Sinne zu
kmpfen; er war fehlgeschlagen. Jetzt war ein solcher Kampf in den
nrdlichen Gewssern, in unmittelbarer Nhe der feindlichen Lnder, mit
unterlegenen Streitkrften, die auerdem an innerem Wert verloren hatten
und in zwei weitgetrennte Kontingente geteilt waren, vllig aussichtslos.
Es war mithin richtig, da Frankreich sich im Norden auf den Kstenschutz
und den kleinen Krieg beschrnkte und sich die Aufgabe stellte, gesttzt
auf Spanien das Mittelmeer zu halten. Dieses Meer mute der
Hauptkriegsschauplatz zur See werden. Wir wissen, da in den
Verwicklungen, die zum Kriege fhrten, fr die Seemchte die Frage eine
Hauptrolle spielte, ob die Stellung des Hauses Habsburg oder Bourbon hier
an Kraft gewinne, und da sie die italienischen Provinzen des spanischen
Erbes fr Habsburg erobern wollten. Im Mittelmeer konnte also die Flotte
der Verbndeten mit mehr Aussicht auf Erfolg in den Landkrieg eingreifen
als im Norden, anderseits waren die franzsischen Seestreitkrfte hier
eher imstande, den feindlichen die Stirne zu bieten, weil diese keine
Sttzpunkte besaen, bei Ausbruch des Krieges nicht einmal die
portugiesischen Hfen. So strebte Frankreich danach, seine Hauptkraft im
Sden zusammenzuziehen und von den nrdlichen Hfen aus neben
Kstenschutz und kleinem Kriege nur die westindischen Kolonien und den
Handel von dort, insbesondere die wichtigen Silberflotten, zu schtzen.
Diese richtige Strategie wurde aber nicht stetig und nie tatkrftig genug
durchgefhrt.

  Vor Ausbruch des Krieges mit den Seemchten, 1701, wurden zwei grere
  Flotten ausgesandt. Die eine (Chteau-Renault; von Brest) ging nach
  Portugal, um dieses Land Frankreich treu zu erhalten, die andere
  (d'Estres; von Toulon und von Brest verstrkt) nach Cadiz, gegen das
  die Verbndeten schon rsteten. Beide vereint waren dem Gegner
  gewachsen, wenn er erschienen wre; es war also fr dieses Jahr
  zweckentsprechend verfgt worden. Renault ging spter nach Westindien
  und fhrte im nchsten Jahre die Galeonen trotz der Anwesenheit zweier
  feindlicher Flotten an den europischen Ksten nach Vigo; d'Estres
  brachte spanische Truppen nach Neapel.

  Im Jahre 1702 wurde keine grere Flotte zusammengezogen, obgleich in
  Brest und Toulon stark gerstet war. Nichts geschah, als die
  Verbndeten gegen Cadiz vorgingen und spter die Silberflotte in Vigo
  vernichteten. Die Folge dieser Unttigkeit war der Beitritt Portugals
  zu den Gegnern. Nur ein Geschwader von Brest (du Casse) segelte nach
  Westindien; und eine Flottille von Toulon (Forbin) bedrohte in der
  Adria die rckwrtigen Verbindungen der sterreicher in Italien. Auch
  1703 verlief tatenlos. Man hatte beabsichtigt, Portugal zu zchtigen,
  gab aber die Rstung hierzu auf, als man mit Erscheinen einer
  feindlichen Flotte rechnen mute. So war eine verhltnismig schwache
  Kraft der Verbndeten (Shovel) Herrin im Mittelmeer, und ihr Auftreten
  trug zu Savoyens Abfall von Frankreich bei.

  Als mit der Aufnahme des Krieges in Spanien seitens der Seemchte die
  Herrschaft im Mittelmeer 1704 noch weit wichtiger wurde, machte man
  endlich grere Anstrengungen. Es gelang, die Schiffe von Brest nach
  Toulon zu fhren und hier eine groe Flotte (Graf von Toulouse) zu
  vereinigen. Sie war aber zu spt bereit, um die Einnahme Gibraltars zu
  hindern, und ging nach der unentschiedenen Schlacht bei Malaga auf
  Toulon zurck; ein zurckgelassener Teil (de Pointis) wurde bei dem
  Versuche, Gibraltar wieder zu nehmen, vernichtet. 1705 fand trotz der
  Rstungen im Norden und Sden keine Vereinigung statt, und von Toulon
  aus wurde kein Versuch gemacht, die allerdings berlegene feindliche
  Flotte in ihren erfolgreichen Unternehmungen an der spanischen Kste zu
  hindern. 1706 erschien Graf Toulouse vor Barcelona, zog sich aber beim
  Nahen des Feindes zurck, und als 1707 Toulon angegriffen wurde,
  rechnete man gar nicht mit der Flotte, sondern versenkte die Schiffe zu
  ihrem eigenen Schutze.

In den letzten Jahren des Krieges wurden keine Krfte fr den groen
Krieg mehr aufgestellt, der Kampf um die Seeherrschaft war aufgegeben
worden.

Diese schwchliche Kriegfhrung ist nur mit dem Verfall der Marine, mit
dem dadurch stets weiter wachsenden Mangel an Zutrauen zu dieser Waffe
und mit dem Fehlen des Verstndnisses fr Art und Wichtigkeit der
Kriegfhrung zur See zu erklren. Man pflegte die Marine nicht mehr, man
verwandte sie auch falsch. Denn wenn auch die eingerissene Miwirtschaft
und der Geldmangel die Rstungen lhmten, so htte doch mehr geleistet
werden knnen.

  So sagt Bonfils z. B. von dem Jahre 1702: Der schwere Verlust, den
  Frankreich und Spanien durch die Vernichtung der Silberflotte mit ihrer
  Bedeckung erlitten, war eine Folge davon, da man die vorhandenen
  Krfte nicht zu einer Flotte zusammenzog. Unttig lagen die Geschwader
  in den verschiedenen Hfen und verursachten doch die gleichen Kosten.
  Dies bleibt fr die ganze erste Hlfte des Krieges zutreffend. Am
  unverstndlichsten ist das Verhalten der Flotte 1704. Bei Malaga waren
  die Franzosen dem Gegner gewachsen, die Verhltnisse lagen nach der
  unentschiedenen Schlacht fr sie gnstiger als fr die Verbndeten;
  schwchlich brachen sie den Feldzug des Jahres ab. Hatten sie mehr
  gelitten, als man wei? Glaubten sie mit dem Verjagen des Feindes aus
  dem Mittelmeer (?) (wie sie sich rhmten) ihre Pflicht getan zu haben?
  Waren dem Grafen Toulouse die Hnde gebunden, um nicht zu viel aufs
  Spiel zu setzen, oder gar aus Grnden der Eifersucht und aus bsem
  Willen Pontchartrins ihm gegenber?

$Die Kriegfhrung der Verbndeten.$ Wie schon angedeutet, waren die
Verbndeten auf eine Offensive $im Mittelmeer$ hingewiesen; im vorigen
Kriege hatten die Vorste gegen die franzsischen Ksten nicht einmal
ein Abziehen bemerkenswerter Streitkrfte von den Kriegsschaupltzen an
den Grenzen erzielt. Im Norden konnte man sich darauf beschrnken, den
eigenen Handel zu schtzen, Frankreich von der See abzuschlieen und
seine Streitkrfte in Hfen festzuhalten. Im Sden war es mglich, in den
Landkrieg in Norditalien einzugreifen, Sditalien fr den Kaiser zu
erobern, Frankreich auch hier abzuschlieen und somit ganz zu vereinzeln,
sowie endlich den spanischen Handel mit Westindien und Sdamerika zu
bedrohen.

Wilhelm III. und nach ihm Marlborough sowie Heinsius strebten deshalb von
Anfang an dahin, die Hauptttigkeit der Flotte nach dem Sden zu legen
und vor allem zur leichteren Lsung der Aufgaben Sttzpunkte an der
Strae und im Mittelmeer selber zu gewinnen; England hatte wohl sicher
die Absicht, diese dauernd zu behalten. Marlboroughs Partei und Heinsius
fanden aber in ihren Lndern wenig Verstndnis fr ihre Plne und starken
Widerstand bei deren Durchfhrung. In den Niederlanden war keine Neigung
zu einem Kriege in fernen Gewssern, man wollte lieber die Streitkrfte
zum Schutz des Handels und der Ksten in der Nhe behalten, man glaubte
auch, da dies von gnstigem Einflu auf den Landkrieg an den Grenzen
sein wrde; in England huldigte eine starke Partei, darunter hohe
Seeoffiziere wie Rooke und Shovel, der alten Defensivstrategie und
scheute sich, die schweren Schiffe lnger im Jahre im Sden zu belassen,
als gelegentliche Offensivste erforderten. Die Folge dieses, oft nur
passiven Widerstandes (z. B. von seiten Rookes) war, da in den ersten
Jahren die Operationen meistens verzgert -- mangelhafte Zustnde in den
Marinen traten hinzu -- und dann ohne die ntige Tatkraft durchgefhrt
wurden. Sie htten auch mit greren Krften unternommen werden mssen
und unternommen werden knnen, aber stets nur die Hlfte der
Seestreitkrfte wurde darangesetzt. Den Rest hielt man fr die Aufgaben
im Norden zurck, ohne diese ganz zu lsen; hierzu htten auch geringere
Krfte gengt, ein mchtigeres Auftreten im Mittelmeer wre aber fr den
Verlauf des Krieges sicher von grerem Einflu gewesen.

  1701 wurde schon im April eine starke Flotte (Rooke) aufgestellt; sie
  sollte nach Spanien gehen, um einen Druck auf die noch schwebenden
  Verhandlungen auszuben, oder bei Ausbruch des Krieges sofort Cadiz
  anzugreifen. Erst im August ging sie in See und nur zur Beobachtung von
  Brest; sie kam zu spt, um Chteau-Renaults Abgang nach Westindien zu
  hindern, und zweigte ein Geschwader (Benbow) zur Verstrkung dieser
  Station ab.

  1702 lief im Mai ein kleines Geschwader aus, um die nach Westindien
  bestimmte Division du Casse abzufangen; dies milang infolge der
  Unentschlossenheit des Fhrers (Munden). Die fr den Sden bestimmte
  groe Flotte war erst im Juni seeklar (Rooke; Landungstruppen unter
  Ormond, auch ein Gegner Marlboroughs). Sie sollte einen spanischen
  Hafen nehmen und als Sttzpunkt festhalten. Spter trat der Befehl
  hinzu, der erwarteten Silberflotte (Chteau-Renault) die spanischen
  Ksten zu sperren; der Flotte im Kanal (Shovel) war der gleiche Auftrag
  hinsichtlich der franzsischen Ksten gegeben. Ende August wurde Cadiz
  angegriffen, wegen Lauheit und Uneinigkeit der Fhrer ohne Erfolg. Zu
  weiteren Unternehmungen war Rooke nicht zu bewegen, und auch nur
  zgernd benutzte er auf der Rckreise die gnstige Gelegenheit, die
  Silberflotte in Vigo anzugreifen. Er hatte nun allerdings ungeheuern
  Erfolg und gewann durch diesen noch Portugal mit seinen Hfen fr die
  Seemchte, aber er ging weder auf den Vorschlag des Prinzen von Hessen
  ein, in Vigo einen Sttzpunkt zu schaffen und einen Teil der Flotte zu
  belassen, noch auf den des Gesandten Methuen, die schweren Schiffe in
  Lissabon zu berwintern, obgleich er in beiden Fllen den Absichten
  seiner Regierung entsprochen htte.

  1703 sollte Sditalien fr den Kaiser erobert werden. Der Plan wurde
  aufgegeben, weil die Schiffe im Vorjahre zu spt heimgekommen waren und
  weil sterreich keine Truppen stellen konnte. Die Hauptflotte blieb
  tatenlos im Kanal, nur eine kleinere (Shovel) ging erst spt im Sommer
  ins Mittelmeer mit recht allgemein gehaltenen Befehlen. Diese unternahm
  denn auch nichts von Bedeutung, ihr einziger Erfolg war, da Savoyen
  den Verbndeten beitrat.

So wurde in den ersten drei Jahren in Hinsicht auf den groen Kriegsplan
nichts erreicht; die Seestreitkrfte nutzten der allgemeinen Sache nur
durch den Erfolg bei Vigo und durch den Druck auf Portugal und Savoyen,
daneben schtzten sie den Handel und sorgten so dafr, da der Strom der
Hilfsgelder, von denen der Landkrieg abhing, keine ernste Unterbrechung
erlitt.

Im Jahre 1704 trat der Seekrieg in einen zweiten Abschnitt. Mit der
Aufnahme des Landkrieges in Spanien war man gezwungen, tatkrftiger
vorzugehen, auch schien Ludwig XIV. ernstlicher um das Mittelmeer und
schon am Eingang in dieses kmpfen zu wollen. Frankreichs Lage war
schwieriger geworden: Ein neuer Kriegsschauplatz, weit entfernt von den
anderen, war hinzugekommen; seine Stellung war durch den Abfall Savoyens
an der italienischen Grenze stark bedroht; die feindliche Seemacht hatte
hier und in Spanien noch gnstigere Gelegenheit zum Eingreifen erhalten.
Diese nderung der Lage bestrkte Marlborough in seinem stets gehegten
Plane, Frankreich zu Lande und zur See in der Provence anzugreifen und
Toulon zu nehmen, so die lange franzsische Linie zu durchbrechen und mit
einem Schlage die Frage der Herrschaft im Mittelmeer zu lsen. Wenn der
Plan durchgefhrt wre, so wrde damit wohl der Krieg entschieden sein.
Marlborough lie ihn nicht mehr aus dem Auge, und Prinz Eugen sowie
Heinsius -- der tchtigste Feldherr, sowie die beiden weitestblickenden
Staatsmnner auf seiten der Verbndeten neben Marlborough -- waren seiner
Ansicht, aber es gelang nicht, die allgemeine Zustimmung in Holland und
die tatkrftige Mitwirkung sterreichs und Savoyens zu gewinnen.
Sonderinteressen trbten deren Blick; wieder ein Beweis der Schwche von
Bndnissen. So wurde der Krieg zwar krftiger gefhrt, aber man ntzte
die Seestreitkrfte doch nicht voll aus und verwandte sie nicht immer
richtig.

  1704 sollte die Mittelmeerflotte zur Eroberung Spaniens von der
  Ostkste her mitwirken und sich bereithalten, sterreich und Savoyen zu
  untersttzen, wenn die Franzosen einen Vorsto gegen Nizza machen
  wrden. Ein geheimer Zusatz zum Befehl wies sogar schon auf ein
  gemeinsames Unternehmen gegen Toulon hin und stellte diese defensiven
  und offensiven Operationen an der italienischen Kste denen an der
  spanischen berhaupt voran. Rooke machte im Mai den wegen Mangels an
  Truppen vergeblichen Versuch, Barcelona zu nehmen; er durfte sich wegen
  der Aufgaben in Italien und wegen der Mglichkeit des Erscheinens
  franzsischer Seestreitkrfte von Toulon und Brest nicht zu sehr
  engagieren. Zu einem Eingreifen in Italien kam es nicht, da einerseits
  Frankreich den Angriff auf Nizza aufgegeben hatte und anderseits
  sterreich und Savoyen weder stark genug noch gewillt zur Offensive
  waren. Der Versuch, die franzsische Brestflotte (Graf Toulouse), die
  das englische Kanalgeschwader (Shovel) nicht hatte festhalten knnen,
  vor Toulon abzufangen, milang gleichfalls. Rooke vereinigte sich
  spter mit Shovel und nahm Gibraltar. Von weiteren Unternehmungen sah
  er der vorgerckten Jahreszeit halber ab, er hielt sich nur bereit,
  Gibraltar gegen die vereinigte franzsische Flotte zu decken; es kam
  zur Schlacht bei Malaga. Rooke ging dann heim, jedoch blieb zum ersten
  Male ein Wintergeschwader in Lissabon (Leake). Es war nur schwach, aber
  doch imstande, trotz einer franzsischen Division (de Pointis) in
  Cadiz, whrend des Winters das belagerte Gibraltar durch Zufuhren zu
  untersttzen und, selber verstrkt, im Frhjahr die genannte Division
  zu vernichten, sowie die Belagerung aufzuheben.

  1705 griffen die Verbndeten Spanien von Portugal und von der Ostkste
  (jetzt auch von hier mit einem Heere) aus an. Mit Hilfe einer starken
  Flotte (Shovel) wurden Barcelona genommen und die Provinzen Katalonien,
  Aragonien sowie Valencia erobert. Marlboroughs Plan gegen Toulon fand
  noch keinen Anklang; die Admirale forderten dazu einen Sttzpunkt im
  Mittelmeer, sterreich legte greren Wert auf den Krieg in Spanien. Da
  aber whrend des Winters wieder nur ein schwaches Geschwader (Leake) in
  Lissabon blieb, warfen die franzsisch-spanischen Heere den Knig Karl
  auf Barcelona zurck, und die franzsische Flotte (Graf Toulouse)
  untersttzte die Belagerung dieser Stadt. In der hchsten Not erschien
  Leake, nach und nach zu einer starken Flotte verstrkt, zum Entsatz.
  Die Flotte nahm spter Ibiza und Mallorca; weshalb Port Mahon, der
  gnstigste Platz als Sttzpunkt, nicht angegriffen wurde, ist nicht
  klar zu ersehen. Als sich darauf die Kriegslage aufs neue ungnstig fr
  Knig Karl gestaltete, wurde 1707 schon im Januar die groe Flotte
  (Shovel) zusammengezogen, sie konnte aber nur die Trmmer des bei
  Almanza geschlagenen Heeres retten.

  Trotz der blen Lage in Spanien wurde 1707 der Plan Marlboroughs
  endlich ins Werk gesetzt, aber nicht in seinem ganzen Umfange
  durchgefhrt: der so wichtige gleichzeitige Vorsto in den Niederlanden
  unterblieb, weil er Holland zu gewagt erschien; dem Prinzen Eugen in
  Norditalien wurden Truppen entzogen, um das Knigreich Neapel zu
  erobern; Savoyen war lau. So schlug der Angriff auf Toulon fehl, aber
  die franzsische Flotte konnte infolge des Versenkens der Schiffe
  nichts mehr leisten und Frankreich gab das Mittelmeer auf. Selbst das
  Wintergeschwader der Verbndeten beherrschte jetzt die See zugunsten
  des spanischen Krieges; die Sommerflotte 1708 (Leake) konnte schwcher
  sein als bisher, sie unterwarf trotzdem Sardinien und nahm jetzt
  endlich auch Port Mahon.

So wurden allerdings mit der Einnahme von Gibraltar und Barcelona, sowie
durch die Beherrschung des Mittelmeeres groe Erfolge erzielt. Aber die
Seeherrschaft wurde in den ersten Jahren im Winter stets aufgegeben, und
die errungenen Vorteile im Landkriege gingen dann grtenteils wieder
verloren, weil das Meer fr Frankreich wieder offen stand; man mute,
sozusagen, im nchsten Jahre von vorn anfangen. Es wre richtiger
gewesen, nach der Einnahme von Gibraltar zunchst selbst ohne Rcksicht
auf den Krieg in Spanien einen Sttzpunkt im Mittelmeer zu gewinnen.

Da der groe Plan Marlboroughs im allgemeinen, der Angriff auf Toulon im
besonderen scheiterte, war mehr die Folge anderer Umstnde als eines
Fehlers der Strategie zur See. Wie richtig dieser Plan war, zeigt selbst
der Mierfolg: Die franzsische Flotte hatte so gelitten, das Vertrauen
auf sie war so erschttert, da Frankreich das Mittelmeer aufgab. Nun
wurde es den Verbndeten leicht, die See auch im Winter zu beherrschen,
besonders nachdem Port Mahon genommen war. Es ist zu verwundern, da
Marlborough nicht nachdrcklicher auf die rechtzeitige Schaffung eines
Sttzpunktes vor der franzsischen Kste hingearbeitet hat, das
Unternehmen gegen Toulon wrde dadurch gleichfalls an Kraft gewonnen
haben; er hat stets darauf hingewiesen, aber die Verwendung der
Landstreitkrfte lag ihm wohl nher, wenn er auch whrend des ganzen
Krieges die Macht der Seestreitkrfte hoch einschtzte.

Im Jahre 1709 trat die Kriegfhrung zur See im Mittelmeer in einen
dritten Abschnitt. Die Flotte der Verbndeten hatte nur noch die Aufgabe,
Frankreich vom Meere abzuschlieen und fr Knig Karl die Verbindung mit
seinen Besitzungen in Sditalien und seinen Hilfsquellen in Norditalien
aufrecht zu erhalten. Groes wurde nicht mehr geplant, weil Marlboroughs
Einflu schwand. Frankreich ganz abzuschlieen gelang nicht, doch wurde
sein Versuch, eine Erhebung in Sardinien zu untersttzen, verhindert. Der
Seekrieg erlahmte immer mehr; Holland war erschpft, England zum Frieden
geneigt. Als 1711 Knig Karl deutscher Kaiser geworden war, wurde seine
Sache in Spanien von England nicht mehr untersttzt und 1712 auch von
Holland aufgegeben.

Die $Kriegfhrung der Verbndeten Im Norden$, wo in fast allen Jahren
etwa die Hlfte ihrer Seestreitkrfte ttig war, beschrnkte sich
erfolgreich nur auf den kleinen Krieg. Das einzige fr 1706 geplante
Unternehmen, eine Landung an Frankreichs Westkste, lie man fallen; die
Aufgabe, die franzsischen Geschwader, die nach dem Mittelmeer oder nach
Westindien bestimmt waren, festzuhalten, wurde nicht gelst. Aber selbst
im kleinen Kriege htte man bei der Strke der Verbndeten grere
Erfolge erzielen knnen. Der franzsische Handel wurde zwar schwer
geschdigt und nach und nach ganz lahm gelegt, doch auch der eigene
Verlust war gro. Es spricht dies fr die Tatkraft und Geschicklichkeit,
mit denen die Franzosen den Kreuzer- und Freibeuterkrieg fhrten; man mu
dabei allerdings die gnstige Lage der Ausgangshfen -- Dnkirchen, St.
Malo, Brest -- zu den Wegen des englisch-hollndischen Handels, die Gre
dieses, sowie die Schwierigkeit einer scharfen Durchfhrung der Blockade
seitens der Verbndeten mit derzeitigen Segelschiffen in Betracht ziehen.

  Die Manahmen Hollands zum Schutze des Handels sind genau bekannt: Ein
  Geschwader an der flmischen Kste; ein zweites in der Nordsee; ein
  drittes zum Geleiten der ostindischen Convois durch dieses Meer; eine
  groe Zahl Convoijers zur stndigen Begleitung der Handelsschiffe. Der
  Angriff auf den franzsischen Handel lag hauptschlich in den Hnden
  zahlreicher Freibeuter. ber die Manahmen Englands liegen keine
  genauen Angaben vor. Aus Andeutungen ist zu entnehmen, da man viele
  Kreuzer in See hatte, da man die Handelsconvois sowie die
  Militrtransporte nach Spanien durch Kriegsschiffe deckte und zur
  Blockade der feindlichen Hfen sowie zum Abfangen grerer Convois
  Geschwader aufstellte oder von der Hauptflotte abzweigte. Die Bedeckung
  der Convois scheint aber fters nicht stark genug gewesen zu sein,
  nicht einmal den hauptschlich aus Freibeutern bestehenden
  franzsischen Divisionen gewachsen; hnlich wie im vorigen Kriege
  scheint man ohne Grund die Streitkrfte zu sehr zusammengehalten zu
  haben. Man htte wohl mehr fr den Handelsschutz tun knnen und tun
  mssen; Englands Aufgabe in dieser Hinsicht war, der langen Kste
  Frankreichs gegenber, grer und schwieriger als die Hollands.

$Die Ereignisse in den Kolonien$ zeigen immer noch den Charakter des
kleinen Krieges, wenn sie auch in diesem Kriege bedeutender als im
vorigen sind (vergl. Seite 481, unten); nur Trouins Zug gegen Rio war von
Einflu auf den Krieg. Die berlegenheit der Verbndeten tritt auch hier
nicht so hervor, wie man htte erwarten knnen; oft schdigen die
Franzosen Handel und Niederlassungen schwer. Es wurden nicht dauernd
gengende Krfte drauen gehalten, um die Seeherrschaft zu wahren, oft
muten erst die geschdigten Kreise -- Kolonisten, Kaufleute, Rheder --
den Ansto zur Entfaltung grerer Tatkraft geben.

Wenn man die Kriegfhrung zur See auf franzsischer Seite falsch und
schwchlich nennen kann, so mu man doch auch sagen, da die Verbndeten
von ihrer ungeheuren Macht einen durchgreifenderen Gebrauch htten machen
knnen, insbesondere die Englnder, deren Marine whrend des Krieges eher
strker als schwcher wurde. So sagt auch Clowes mit Beziehung auf die
englische Marine: Der Krieg weist keine groen oder gar glnzenden
Erfolge auf; man kann den Operationen der Flotte keine groe Genialitt
zusprechen, der Organisation und dem Auftreten der Seestreitkrfte kein
Lob spenden. The country merely stuck to its work and hammered away,
often blunderingly and stupidly until the end. The day of its (der
Marine) most brillant performances were still before it.


             Die Ergebnisse des Krieges fr die Teilnehmer.

Die Bedingungen des Friedens von Utrecht sind im allgemeinen schon
angefhrt (Seite 496); es ist auch gesagt, da England am meisten
erreichte und im gesicherten Besitz der Vormachtstellung zur See aus dem
Kriege hervorging. Eine nhere Betrachtung der Ergebnisse fr die
verschiedenen Teilnehmer wird dies veranschaulichen.

=Frankreich= hatte zwar dadurch, da das Haus Bourbon auf Spaniens Thron
kam, an Stelle eines Feindes einen Freund im Rcken erhalten, es hatte
aber wichtige Stellungen an seiner Nordostgrenze verloren, mute das
gnstig gelegene Dnkirchen als Kriegshafen aufgeben, und mit den ersten
Abtretungen in Nordamerika war der gnzliche Verlust der Besitzungen dort
eingeleitet. Durch den Krieg waren seine Seestreitkrfte erschpft, seine
Bevlkerung verarmt, seine Finanzen zugrunde gerichtet.

=Spanien= verlor seine Niederlande, Mailand, Sardinien und Neapel an
sterreich, Sicilien an Savoyen, Gibraltar und Minorca an England, also
einen groen Landbesitz, der fast durchgngig wichtig in maritimer
Hinsicht war. Nur seine Kolonien blieben ihm erhalten, die nach dem
ersten Kriegsplane der Verbndeten auch in Gefahr gewesen waren, und es
war wohl ein Vorteil, da das Land mit einem lebenskrftigen Volke wie
Frankreich in engere Verbindung gebracht wurde.

=sterreich= hatte groen Landzuwachs erhalten, doch fehlte ihm Sicilien,
an dem ihm mehr als an Sardinien lag; bald folgten auch Verhandlungen
ber einen Austausch. Immerhin erlangte es die gewnschte Stellung am
Mittelmeer und htte sich hier zu einer Seemacht entwickeln knnen.

Fr =Holland= hatte es Bedeutung, da die spanischen Niederlande vor
Frankreich gerettet und an sterreich gefallen waren; sein alter Wunsch
war erfllt, hier sicherer vor Frankreichs Angriffen dazustehen. Aber war
dieser einzige Erfolg die Kosten wert? Der Krieg fhrte den Zusammenbruch
seiner Seemacht herbei! Die Marine wurde vernachlssigt, und damit ging
die wichtigste Kraftquelle des kleinen Landes, der Seehandel, zurck.
Holland wurde bald nicht mehr zu den Gromchten gezhlt, seine Marine
war fr die Diplomatie kein militrischer Faktor mehr. Die Schwche der
Republik trat schon in den Friedensverhandlungen zutage; man konnte fr
die maritimen Interessen nichts erreichen. England berief sich auf
Hollands ungengende Beteiligung am Seekriege und weigerte sich
hartnckig, Holland an den fr sich geforderten Vorteilen teilnehmen zu
lassen; nur im Handelsvertrage mit Frankreich wurden auch den
Niederlanden einige Zugestndnisse gemacht.

=England= aber gewann ungemein in maritimer Hinsicht. Durch den Besitz
von Gibraltar, Port Mahon und die in Nordamerika errungenen Kolonien
erhielt es neue Sttzpunkte zur Strkung und Erweiterung seiner
Seeherrschaft; Frankreich gab das gefhrliche Dnkirchen auf; Sardinien,
Neapel und Sicilien fielen nicht an eine Seemacht, sondern an Staaten,
die bislang zur See nicht aufgetreten waren. Ferner schlo England mit
Frankreich und Spanien gnstige Handelsvertrge.

  Insbesondere dem Wunsche Hollands, Gibraltar und Port Mahon
  gemeinschaftlich zu besetzen und an den Vertrgen mit Spanien,
  Westindien betreffend, teilzunehmen, trat England schroff entgegen.
  Diese Vertrge waren ein Hauptgewinn Englands. England versprach
  Spanien seinen Beistand, um dessen Besitzungen wieder in den Zustand zu
  bringen, wie er unter Karl II. gewesen war; Spanien verpflichtete sich
  dagegen, keinerlei Besitz in Amerika an Frankreich oder andere Vlker
  abzutreten; beide Staaten sagten sich volle Meistberechtigung in ihren
  Besitzungen zu. Noch wichtiger aber war der sogenannte
  =Assiento-Vertrag= (El Pacto del Assiento de Negros): das von Spanien
  an England erteilte alleinige Recht auf Einfhrung von Negersklaven in
  die spanischen Kolonien (4800 Neger im Jahre). Spanien selbst fhrte
  keine Sklaven ein; das Recht war frher schon an die Niederlande,
  spter an die Genuesen und 1703 von Philipp V. an die Franzosen
  vergeben. Aus dem Sklavenhandel entwickelte sich jetzt aber bald ein
  Schmuggelhandel in solchem Mae, da fast die ganze Gtereinfuhr in die
  spanischen Besitzungen in englische Hnde kam. Die Englnder erhielten
  ferner das Recht, jhrlich ein Schiff mit Waren nach Mittelamerika, zum
  Markte von Porto Bello, zu senden, und auch dies wurde unrechtmig
  ausgebeutet. Das Fahrzeug diente gewissermaen nur als Niederlage: die
  Vorrte wurden bestndig erneuert; auf der einen Schiffsseite gingen
  die Waren von Bord, auf der anderen kamen neue an Bord. Diese Verste
  der Englnder und die dadurch hervorgerufenen Vergeltungsmaregeln der
  Spanier gaben den Anla, wenigstens den uern, zum nchsten Kriege im
  Jahre 1739.

Auch mittelbar zog England aus dem Kriege weitgehenden Nutzen. Die
Marinen Frankreichs und Hollands waren in Verfall geraten; die zweite,
die alte Nebenbuhlerin, sollte sich nicht wieder daraus erheben. Die
englische Marine aber stand nach dem Kriege mchtiger da als zuvor;
gerade durch die Schwche der hollndischen war sie zu grerer
Kraftentfaltung gezwungen worden. Ferner war ein Teil des hollndischen
Handels schon whrend des Krieges in englische Hnde bergegangen, und
dieser Vorgang setzte sich fort, da sich bei dem Verfall der
hollndischen Marine die britischen Handelsfahrzeuge immer mehr den Ruf
erwarben, sicherer zu fahren. Die enge Verbindung mit Portugal, die der
Krieg gezeitigt hatte, kam auch dem englischen Handel zugute, und
auerdem war sie militrisch von Nutzen, weil die portugiesischen Hfen
den englischen Flotten fortan zur Verfgung standen.

Vor dem Spanischen Erbfolgekriege war, durch den Pflzischen
Erbschaftskrieg schon mchtig gefrdert, =England eine der Seemchte=,
nach dem Frieden von Utrecht war es =die Seemacht=. Diese Macht erhielt
England aufrecht; es war reich genug dazu und hatte in seiner
Seeherrschaft und in seiner ausgebreiteten Schiffahrt die Quelle des
Reichtums so in der Hand, da ihm zunchst kein Nebenbuhler erwachsen
konnte. Schon die beiden letzten greren Nebenkriege des bisher
geschilderten Abschnittes werden seine Macht zur See zeigen.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Zehntes Kapitel.

                         Nebenkriege 1689-1739.

$Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht,
1718-1720.$ In Spanien wirkte seit 1714 der =Kardinal Alberoni= als
Minister, der mit der ehrgeizigen zweiten Gemahlin Philipps V., Elisabeth
Farnese von Parma, dorthin gekommen war. Er beabsichtigte, Spaniens alte
Gre wiederherzustellen; sein nchstes Ziel war, die verlorenen
italienischen Staaten zurckzugewinnen. Mit Erfolg arbeitete er an der
wirtschaftlichen Hebung des Landes, am Ausbau der Flotte und an der
Strkung des Heeres. Auf eine Untersttzung Frankreichs konnte er aber
nicht mehr rechnen und auch der Versuch, eine Verbindung mit England
herzustellen, schlug fehl; in beiden Lndern waren Vernderungen
eingetreten, die eine Annherung zwischen ihnen herbeigefhrt hatten.

In England war =1714 Georg= I., Kurfrst von Hannover, zur Regierung
gelangt. Seine Stellung war noch nicht unbedingt fest; noch immer bestand
eine Partei der Stuarts, und seine eigene verhielt sich ihm als Auslnder
gegenber khl. In Frankreich fhrte seit 1715 fr den unmndigen und
schwchlichen Knig Ludwig XV. der nchste Agnat, =Philipp von Orleans=,
die Regentschaft. Dieser mute in noch hherem Grade Nebenbuhler um seine
Stellung und etwaige Thronfolge frchten, vor allen Philipp V. von
Spanien, gegen den er im letzten Kriege intrigiert hatte und dessen
Thronbesteigung in Frankreich gerade Alberonis letztes Ziel war. Beide
Herrscher scheuten einen neuen Krieg, der den unzufriedenen Elementen in
ihrem Lande nur gelegen gekommen wre. Die Lage Philipps war schwieriger,
und so bot dieser auf Rat seines Ministers, des =Kardinals Dubois=, Georg
I. ein Bndnis an; zwischen Frankreich und Spanien trat dagegen eine
Entfremdung ein, die den wahren Interessen beider Staaten vllig zuwider
lief. Im Januar 1717 schlossen England und Frankreich einen Vertrag zur
Aufrechterhaltung der Bedingungen des Friedens von Utrecht (vgl. Seite
497), soweit diese im beiderseitigen Interesse lagen, und zur
gegenseitigen Gewhrleistung der Thronfolge der Huser Hannover und
Orleans; auch Holland wurde zum Beitritt gewonnen. Frankreich mute
hierzu neue Zugestndnisse auf Kosten seines Handels und seiner Seemacht
machen: Weitere Handelsvorteile fr England und Holland, sowie Aufgeben
des Baues eines Kriegshafens bei Mardyk, der als Ersatz fr Dnkirchen
bereits in Angriff genommen war.

=Alberoni= hatte gleichfalls versucht, England durch Angebot neuer
Handelsbegnstigungen zu bewegen, ihn in seinen Plnen auf Unteritalien
zu untersttzen. Georg I. verhielt sich ablehnend, da er als deutscher
Frst fr den Kaiser Partei nahm, und auch die englischen Staatsmnner
sahen diese Lnder lieber im Besitz sterreichs als in den Hnden
Spaniens. Nun war der Kaiser mit den Bedingungen des letzten Friedens
nicht zufrieden, er wollte Sicilien haben und hatte seinen Anspruch auf
den spanischen Thron noch nicht aufgegeben; wir wissen, da es zwischen
ihm und Philipp V. berhaupt noch nicht zum Frieden gekommen war. Der
neue Bund beschlo deshalb, um alle diese, den allgemeinen Frieden stets
bedrohenden Fragen aus der Welt zu schaffen, den Kaiser dadurch zu
befriedigen, da er gegen Abgabe von Sardinien an Savoyen Sicilien
erhielte. Man mute aber mit Spanien rechnen, weil dessen militrische
Kraft schon sehr gestrkt war. Ehe aber die Verhltnisse sich friedlich
weiter entwickeln konnten, schlug Spanien los, obgleich es noch nicht
gengend gerstet war. Ein hoher spanischer Beamter, der auf der
Rckreise von Rom durch die italienischen Provinzen des Kaisers kam,
wurde dort als aufrhrerischer Untertan verhaftet; auf diese Beleidigung
sandte Spanien im August 1717 12 Kriegsschiffe mit 8600 Mann nach
Sardinien und unterwarf diese kaiserliche Insel in wenigen Monaten.

Jetzt schlo sich der Kaiser dem Bunde -- nunmehr eine
=Quadrupel-Allianz= -- an, und die vier Mchte kamen berein, den
Austausch Sardiniens gegen Sicilien durchzufhren, wenn ntig, mit
Waffengewalt. Wie sehr man aber in England und Holland einem Kriege
abgeneigt war, zeigen die gnstigen Vorschlge, die Spanien gemacht
wurden: Spanien sollte Parma und Toskana als Sekundogenitur erhalten;
Georg I. wollte Gibraltar zurckgeben; der Kaiser wrde endgltig auf den
spanischen Thron verzichten. Dennoch, und obgleich England schon eine
Flotte fr das Mittelmeer rstete, blieb Alberoni eigensinnig und traf
Vorbereitungen, auch Sicilien zu erobern. Zugleich strebte er danach,
sich auf politischem Wege Rckhalt zu verschaffen. Er versuchte Ruland
und Schweden, deren Krieg (vgl. Nordischer Krieg S. 589) 1718 durch
Verhandlungen unterbrochen war, zu einem gemeinsamen Einfall in England
zugunsten Jakobs III. zu vereinen; er hetzte die Trken gegen den Kaiser
auf; in Frankreich wurde eine Verschwrung gegen den Regenten angezettelt
und in England die Unzufriedenheit geschrt; er versuchte den Knig von
Savoyen, der mit dem beabsichtigten Tausch der Inseln nicht einverstanden
war, an sich zu ziehen. Aber alle seine Plne schlugen fehl. Die Trken
waren durch Prinz Eugen schwer geschlagen worden (1716 Peterwardein; 1717
Belgrad), auch sollen sie die englische Flotte gefrchtet haben; in
Schweden und Ruland wurden nach dem Tode Karls XII. die Verhandlungen
abgebrochen; die Verschwrung gegen Philipp war rechtzeitig entdeckt
worden. Vor allem aber scheiterte der Angriff auf Sicilien vllig und
Spanien selbst wurde mit Erfolg angegriffen. Hieran hatte die englische
Flotte den grten Anteil, wie sie auch wohl durch ihr Auftreten in der
Ostsee den Plan Alberonis dort strte. Es wirkte berall die
augenblickliche Alleinherrschaft Englands zur See.

$Der Verlauf des Krieges.$ Spanien besa, dank den Bemhungen Alberonis,
1718 etwa 40 Linienschiffe, von 44 Kanonen aufwrts gezhlt, und gegen 20
waren im Bau. Offiziere und Mannschaften waren allerdings nicht gengend
vorhanden, um smtliche Fahrzeuge in Dienst zu stellen, auch war die Gte
des Personals noch geringer als zu Ruyters Zeiten (Schlacht bei Agosta).
Wie eben gesagt, hatten die Spanier 1717 Sardinien besetzt und rsteten
dann zur Eroberung Siciliens. England stellte 1718 eine Flotte unter =Sir
George Byng= in Dienst und sprach, auf Spaniens Anfrage, rckhaltslos
aus, diese solle den Frieden in Italien aufrechterhalten. Die Order des
Admirals (vom 24. Mai) lautete dementsprechend: Er solle im Mittelmeer
alle geeigneten Maregeln ergreifen, um die Streitigkeiten zwischen
Spanien und sterreich beizulegen, sowie Feindseligkeiten verhindern;
wenn Spanien darauf bestnde, kaiserliche Provinzen anzugreifen oder
sonst in Italien Fu zu fassen, so solle er einschreiten, wenn ntig mit
Waffengewalt. Diese Weisungen habe er nach Eintreffen auf der Station dem
Knige von Spanien und den Gouverneuren von Mailand und Neapel
mitzuteilen.

Byng segelte am 15. Juni und sandte am 30. auf der Hhe von Cadiz seinen
Befehl an den englischen Gesandten in Madrid. Spaniens Antwort war, er
mge tun, wie ihm befohlen; der Gesandte fhrte zwar die Verhandlungen
weiter, der Krieg war noch nicht erklrt, warnte aber alle englischen
Kauffahrer in spanischen Hfen vor einem pltzlichen Bruche. Der Admiral
erfuhr am 8. Juli bei Cap Espartel, da eine spanische Flotte am 18. Juni
Barcelona verlassen habe, er nahm in Malaga Wasser, lief Port Mahon
behufs Ablsung eines Teils der Garnison an und sandte von dort seinen
Befehl nach Neapel und Mailand. Er hrte hier, da die spanische Flotte
am 30. Juni vor Neapel erschienen sei. Diese war dann Anfang Juli mit
30000 Mann von Neapel nach Palermo gegangen. Die schwachen savoyischen
Truppen gaben ohne Widerstand die Stadt sowie fast ganz Sicilien auf und
zogen sich in die Citadelle von Messina zurck. Byng verlie am 25. Juli
Port Mahon, traf am 1. August in Neapel ein und nahm hier 2000
sterreicher an Bord, um sie nach Messina zu bringen; der Knig von
Savoyen hatte sich inzwischen mit den Abmachungen der Verbndeten
einverstanden erklrt. Als der Admiral am 9. vor Messina ankam, war die
Stadt schon von den spanischen Truppen eingeschlossen, die feindliche
Flotte war jedoch nicht zu sehen. Er bot dem spanischen General einen
Waffenstillstand von zwei Monaten an, um Unterhandlungen zu fhren; als
dies abgeschlagen wurde, schiffte er die Truppen in Reggio wieder aus. Er
beabsichtigte, wieder nach Messina zur Entsetzung der Citadelle
hinberzugehen, und scheint angenommen zu haben, da die spanische Flotte
ihm ausweichen wrde. Am 10. August morgens traf aber die Nachricht ein,
da diese von den Bergen Kalabriens aus beiliegend gesehen sei, und als
Byng unter Segel gegangen war, stie er auf zwei feindliche Vorposten.
Als die Englnder diese jagten, wurden sie auf die spanische Flotte
gefhrt; sie kam gegen Mittag, die Gefechtslinie bildend und nach Sden
ausweichend, in Sicht. Durch tatkrftige Verfolgung wurde sie am nchsten
Tage erreicht und fast vollstndig vernichtet; eine Schlacht ist der
Zusammensto kaum zu nennen.

  $Die Vernichtung der spanischen Flotte durch Admiral Byng bei Cap
  Passaro, 11. August 1718.$ =Die englische Flotte= zhlte 22 Schiffe --
  1 zu 90 K.; 2 zu 80 K.; 9 zu 70 K.; 7 zu 60 K.; 2 zu 50 K.; 1 zu 44 K.
  -- 2 Mrserboote und 2 Brander.

  =Die spanische Flotte= bestand aus dem Gros unter Vizeadmiral
  =Casteata=: 1 Schiff zu 74 K.; 1 zu 70 K.; 5 zu 60 K.; 1 zu 54 K.; 1
  zu 44 K.; 1 zu 36 K. und 7 Galeren. Whrend der Affre traten noch 2
  Schiffe (zu 60 K.) hinzu, die nach Malta abgezweigt gewesen waren. Ein
  leichtes Geschwader unter Kontreadmiral =de Mari= zhlte 1 Schiff zu 60
  K.; 1 zu 54 K.; 2 zu 46 K.; 3 zu 44 K.; 1 zu 36 K.; 9 zu 18-30 K.; 3
  Mrserboote; 1 Brander; 5 Tender. Die Flotte lief in Gefechtslinie nach
  Sden.

  Byng sandte die vier besten Segler, 70-Kanonenschiffe, mit dem Befehle
  vor, whrend der Nacht die Admiralslichter (drei am Heck und eins im
  Gromast) zu fhren; er folgte mit der Flotte unter Segelpre. Der Wind
  war leicht, die spanischen Galeren tauten die langsamsten Schiffe ihrer
  Flotte. Am 11. August bei Tagesanbruch hatten die Englnder den Feind
  fast erreicht. Seine leichte Division lief unter Land; Byng schickte
  ihr 8 kleinere Linienschiffe unter =Kapitn Walker= nach
  (Wiedervereinigungsplatz Syracus), er selbst folgte ohne jede Ordnung
  der Hauptmacht. Seine vier vorgesandten Schiffe greifen die letzten
  Feinde mit Erfolg an, laufen aber weiter, ihre Opfer den Nachkommenden
  berlassend. Die Spanier sind bald versprengt, und in mehr oder weniger
  heftigen Einzelgefechten werden 7 Schiffe genommen, nur das Flaggschiff
  und 3 oder 4 andere entweichen nach Malta. Nachts erhielt Byng die
  jetzt noch in der englischen Marine durch ihre Krze berhmte Meldung
  von Walker: Sir! Wir haben alle Schiffe und Fahrzeuge an dieser Kste
  genommen. Anzahl am Rande vermerkt. Es waren 9 genommen, 5 auf den
  Strand gejagt und verbrannt (4 davon durch ihre Besatzung). Im ganzen
  verlor Spanien 11 Linienschiffe, 3 Fregatten und 8 Fahrzeuge.

[Illustration: George Byng.]

  Mit dieser Schilderung nach englischem Bericht stimmen spanische
  Angaben berein. Sie fgen hinzu, die spanische Flotte habe sich
  zurckgezogen, um nicht Anla zu Feindseligkeiten zu geben. Die Schiffe
  seien dann durch bermacht einzeln berwunden; eine rangierte Schlacht
  wrde gnstiger fr sie verlaufen sein, auch htten dann bei dem
  leichten Winde die Galeren mit Vorteil eingreifen knnen. Dies ist
  fraglich; die spanischen Schiffe waren wesentlich schwcher und ihre
  Besatzungen sicher den englischen nicht gleichwertig; deshalb konnte
  auch Byng ohne jede Rcksicht auf Formation angreifen.

Wenn auch der Krieg noch nicht erklrt war, so war Admiral Byng doch wohl
zu dieser Tat berechtigt. Nachdem man am Lande seinen Vorschlag zur
Einstellung der Feindseligkeiten zurckgewiesen hatte, befand er sich im
Kriegszustande; er folgte nur seinem Befehle, von dem er Spanien Wochen
vorher Kenntnis gegeben hatte. Immerhin bernahm er mutig eine groe
Verantwortung.

Mit der Vernichtung der spanischen Flotte war der Kampf um Sicilien
entschieden. Byng ging zwar fr den Winter nach Port Mahon und Messina
fiel den Spaniern in die Hnde, aber im Frhjahr 1719 erschien er wieder
in Neapel und untersttzte nun die sterreicher bei der Eroberung der
Insel; der Krieg war im Dezember 1718 erklrt. Er landete Truppen in
Melazzo, die von dort gegen Messina marschierten, er untersttzte die
Belagerung dieser Stadt und schnitt Sicilien von jeder Verbindung mit
Spanien ab. Messina fiel im Oktober, dann deckte die Flotte die Einnahme
verschiedener Pltze an der Sd- und Westkste, doch rumten die Spanier
die Insel erst vllig whrend des Waffenstillstandes, der dem Frieden
vorherging (1720).

Whrend der Belagerung Messinas lagen einige spanische Kriegsschiffe im
Hafen. Byng befrchtete, da der Festungskommandant ihre freie Rckkehr
nach Spanien zu einer der bergabebedingungen machen oder da sterreich
sie beanspruchen wrde. Er setzte deshalb durch, da sie durch eine
eigens zu diesem Zweck errichtete Batterie zerstrt wurden -- ihm lag im
englischen Interesse daran, jede fremde Seemacht zu schdigen. Im
gleichen Sinne handelte England auf den anderen Kriegsschaupltzen.

=Alberoni= gab trotz der Niederlage bei Passaro und der
Aussichtslosigkeit seiner Plne im Mittelmeer seit Erscheinen der
englischen Flotte den Kampf nicht auf. Er rstete fr 1719 in Cadiz und
Corua zwei Geschwader aus, um Truppen an der Kste der Bretagne und in
Schottland zu landen, indem er in beiden Lndern mit Aufstnden rechnete.
Auch diese Unternehmen schlugen fehl.

  Der Plan gegen Frankreich wurde nach Entdeckung der Verschwrung gegen
  den Regenten aufgegeben. Die andere Expedition segelte im Februar von
  Cadiz -- 40 Transporter mit 5000 Mann, und vielem Kriegsmaterial,
  gedeckt durch 5 Kriegsschiffe -- unter dem gechteten James Buttler,
  Herzog von Ormond, wurde aber am 28. Februar auf der Hhe von
  Finisterre durch Sturm arg beschdigt und vllig zerstreut. Nur 3
  Fregatten mit 5 Transportern erreichten Ross-shire; 400 Mann wurden
  gelandet und etwa 1500 schottische Jakobiten stieen zu ihnen. Die
  kleine Macht wurde bald vernichtet, sowie ein Depot der Aufstndischen
  in Donancastle durch Kriegsschiffe genommen. England war an den Ksten
  vorbereitet gewesen, wenn auch die Kanalflotte, die der Expedition
  hatte entgegentreten sollen, nicht rechtzeitig seeklar war -- englische
  Quellen sagen: Wie gewhnlich!

Dagegen gingen England und Frankreich jetzt angriffsweise vor. Eine
Division der englischen Kanalflotte, =Vizeadmiral Mighells=, landete im
Oktober 1719 24000 Mann bei Vigo, eroberte die Stadt, sprengte die
Befestigung, machte reiche Beute und zerstrte die Schiffe dort und in
Ponte-Vedra. Eine zweite Division untersttzte franzsische Truppen, die
unter dem Herzog von Berwick von Bayonne aus in Spanien eindrangen und
Fuenterrabia, St. Sebastian sowie Santona nahmen. Auch hier wurden auf
englisches Drngen berall Hafenanlagen, Werften, sowie alle
Kriegsschiffe zerstrt; England tat sein mglichstes, das Neuaufblhen
der spanischen Marine im Keime zu ersticken, und Frankreich half
kurzsichtig dabei. Berwick meldete gar dem Regenten: die englische
Regierung kann dem Parlamente zeigen, da wir alles getan haben, um die
spanische Marine zu vernichten.

Selber tat Frankreich so gut wie gar nichts zur See, es transportierte
und untersttzte nicht einmal die eigenen Truppen. Nur 11 Linienschiffe
wurden nach dem Golf von Mexiko gesandt, um die Niederlassung in
Louisiana zu schtzen; diese schlugen dort eine schwache spanische
Division zurck und eroberten den befestigten Hafen von Pensacola.
Holland regte sich gar nicht. Whrend des kurzen Krieges fanden natrlich
Handelsschdigungen statt; gleich nach Passaro hatte Spanien die
englischen Schiffe in seinen Hfen mit Beschlag belegt, England
antwortete mit Vergeltungsmaregeln.

Die ununterbrochene Reihe von Niederlagen und die Hoffnungslosigkeit,
ohne eine Marine seine Kolonien schtzen zu knnen, brach den Widerstand
Spaniens. Alberoni wurde entlassen (5. Dezember 1719) und Philipp V. gab
im =Haager Frieden= 1720 den Forderungen der Quadrupel-Allianz nach. Der
Knig von Savoyen nannte sich von nun an Knig von Sardinien.


                     Der Nordische Krieg 1700-1721.

Whrend des Spanischen Erbfolgekrieges und seiner eben besprochenen
Folgen spielte sich im Norden und Osten der groe Nordische Krieg ab. Er
ist fr uns bemerkenswert: Mit ihm endet das anderthalbhundertjhrige
Zeitalter der Seekriege Dnemarks und Schwedens um die Herrschaft in der
Ostsee; eine neue Seemacht, Ruland, tritt hier auf. Auch auf den Verlauf
dieses Krieges haben die Seestreitkrfte wesentlichen Einflu. Endlich
zeigt sich in ihm die Macht Englands zur See. Zunchst seien einige
Angaben ber die beteiligten Marinen gemacht,[280] die deren Entwicklung
bis zum Ende unseres Abschnittes veranschaulichen.

  [280] Anschlieend an Der schwedisch-dnische Krieg 1675-1679, Seite
        394 ff.; dort auch Quellennachweis, es tritt hinzu Bridge.

$Die dnische Marine$ hatte sich, wie wir wissen, unter Christian V.
krftig entwickelt und im letzten Kriege bewhrt; dieser Knig lie ihr
bis zu seinem Tode (1699) die gleiche Pflege zu teil werden. 1700 war der
Schiffsbestand: 33 Linienschiffe -- 1 zu 110 Kanonen, 7 zu 80-100, 11 zu
60-78, 14 zu 48-56 --, 9 Fregatten und 33 kleinere Fahrzeuge. Auch fr
die Ausbildung der Offiziere und Mannschaft wurde gesorgt. Der
Nachfolger, Friedrich IV., verstrkte die Flotte weiter, beim Ausbruch
des Krieges 1710 zhlte sie 41 Linienschiffe; die ntzliche Einrichtung
der Defensionsschiffe hatte der Knig 1701, auf Drngen Hollands, leider
aufgeben mssen.

$Die schwedische Marine$ hatte sich unter Karl XI. von den Folgen des
Krieges erholt, sie war eigentlich durch den Grafen Wachtmeister seit
1680 neu geschaffen. Die Hauptflottenstation war nach Karlskrona verlegt,
hier hatte man groe Werften eingerichtet. Von 1679-1709 wurden in
Stockholm, Kalmar, Riga und Karlskrona 37 Linienschiffe erbaut; das im
letzten Kriege sehr minderwertige Offizierkorps wurde reorganisiert. 1700
erschienen vor Kopenhagen 36 Linienschiffe -- 1 zu 108 Kanonen, 6 zu
80-90, 29 zu 50-80; 1710 zhlte die Marine 48 Linienschiffe und 7
Fregatten.

Der Nordische Krieg schdigte beide Marinen ungemein. 1720 war =die
dnische Flotte=, trotz Neubauten und Einstellung genommener schwedischer
Schiffe, auf 25 Linienschiffe (10 Fregatten, 31 Fahrzeuge)
zusammengeschmolzen und diese befanden sich in schlechtem Zustande.
Infolge der Erschpfung des Landes ging der Bestand an brauchbarem
Material in den nchsten Jahren noch mehr zurck. Als sich unter
Christian VI. der Handel wieder hob, erreichte die Marine wieder den
Stand einer mittleren Marine damaliger Zeit; 1746 waren 29 Linienschiffe,
10 Fregatten und 34 kleinere Fahrzeuge vorhanden. =Die schwedische
Flotte= zhlte 1720 berhaupt nur 33 Segel, die bei weitem nicht smtlich
Linienschiffe waren, und auch hier ging der Ersatz nur langsam vor sich.
1734 besa Schweden 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und Brigantinen, 11
Spezialschiffe und 18 Galeren. Die Erfolge der Russen mit Ruderfahrzeugen
der letzten Art hatten gezeigt, da eine Schrenkste nur mit
Schrenfahrzeugen verteidigt werden knne, aber erst 1756 wurden die
Mittel zum Bau einer greren Zahl bewilligt (1788 waren 170 Galeren und
hnliche Fahrzeuge vorhanden).

$Die russische Marine$ wurde erst von Peter dem Groen (1689-1725)
gegrndet. Von der Ostsee, nach der es stets gestrebt, seit 1617 wieder
vertrieben, stand Ruland nur durch Archangel mit Europa zur See in
Verbindung, doch lag der Seehandel hier in fremden Hnden. Frhere
Versuche, eine russische Schiffahrt zu grnden, waren fehlgeschlagen,
ebenso das Bestreben, auf friedlichem Wege von Kurland einen Hafen an der
Ostsee zu erhalten. Peter bettigte nun von frhester Jugend an sein
Interesse fr die Schiffahrt, zunchst richtete er sein Augenmerk neben
dem Weien Meer auf das Schwarze. 1695 grndete er in Woronesch am Don,
in der Nachbarschaft ungeheuerer Eichenwaldungen, eine Bauwerft fr
seetchtige Fahrzeuge; 1696 baute er in dem von den Trken eroberten Asow
Hafenanlagen und Magazine, um die Schiffe hier auszursten und zu
stationieren. Er plante eine Flotte von 60 Linienschiffen fr das
Schwarze Meer. Der Ausbruch des Krieges im Norden 1700 zwang ihn aber,
diese Unternehmung ruhen zu lassen, auch ging 1711 Asow wieder verloren.

Bald nach Beginn des Krieges fate er jedoch an der Newa Fu, grndete
1703 St. Petersburg und ging, um von hier aus weiter an der Kste
vorzudringen, an die Schaffung einer $Ostseeflotte$. Anfangs zwar wurde
nur wenig Tatkraft entwickelt; noch hielt Peter wohl seine Stellung hier
nicht fr sicher genug, um kostspielige Aufwendungen zu machen, aber nach
der Niederlage Karls XII. bei Pultawa (1709) nahm er den Ausbau der
Marine ernstlich in Angriff. In St. Petersburg wurde eine groe Bauwerft
geschaffen; Kronstadt auf der Insel Kotlin, mchtig befestigt und noch
gesichert durch die gewaltige Bastion von Kronslot quer vor der
Einfahrt, wurde der Ausrstungs- und Hauptkriegshafen; bald (1713) trat
Reval als zweiter Sttzpunkt hinzu. Die Zahl der Schiffe wuchs schnell.
Whrend 1710 nur 2 Schiffe zu 50 Kanonen und 5 zu 14-32 vorhanden waren,
erscheinen:

    Schiffe zu              90  80  70  60-64  50-54  48-36  14-32 K.
                                                      -----+------
                                                           |
    1714 bei Reval vereint  --  --   1    2     10        10
    1718 in Ttigkeit       --  --   4    7      9     --      7
    1721 seefhig            4   1   4    8      7      5   eine groe
    1722     "               6   1   5    8      6      6     Anzahl

  Anfangs wurden die Schiffe aus dem Auslande bezogen, bald aber auch in
  Ruland gebaut und zuletzt ausschlielich; von 1710-1724 kamen auf 30
  gekaufte 41 gebaute. Ein englischer Seeoffizier, zu dieser Zeit in
  russischen Diensten, lobt Bau und Ausrstung der Schiffe, fr die nur
  Erzeugnisse des eigenen Landes verwendet wurden. Ruland besa alles
  ntige Rohmaterial, nur der Transport aus dem Innern war schwierig und
  kostspielig. Die Kosten wurden noch ungemein erhht, weil geschulte
  Krfte aus dem Auslande zur Bearbeitung des Rohmaterials herangezogen
  werden muten, wie denn auch Auslnder, besonders Englnder und
  Hollnder, die Hafen-, Werft- und Schiffsbauten leiteten.

Noch vor dieser Hochseeflotte schuf Peter $eine Galerenflotte$ fr die
Eroberung Finnlands. Die flachgehenden Ruderschiffe konnten sich ber
alle Untiefen zwischen dem Gewirr von Klippen und Inseln der Schrenkste
durchwinden, wo ihnen kein Kriegsschiff zu folgen vermochte; ber schmale
Landzungen konnten diese leicht aus Fichtenholz gebauten Fahrzeuge
hinweggetragen werden; nach dem offenen Meere zu wurden sie durch die
mitsegelnde Hochseeflotte gedeckt. Der Galerenflotte mehr als der
Hochseeflotte sind die Erfolge im Kriege, nmlich die Eroberung Finnlands
usw. und die Angriffe in Schweden, zuzuschreiben.

Schwieriger als =die Beschaffung= des Materials war die =des Personals=,
das russische Volk stand der See vllig fremd und abgeneigt gegenber. Es
war ntig, viele Auslnder anzuwerben, doch gelang es bald, die Schiffe
wenigstens berwiegend mit Eingeborenen zu bemannen. Den =Ersatz= nahm
man zunchst aus den Gebieten an der Kste, an den groen Seen und
Flssen. Bevorzugt wurden sonst, weil bildungsfhiger, Minderjhrige,
Matrosen- und Soldatenkinder, sowie junge Tataren ihrer Behendigkeit
halber. Sogenannte Navigatorenschulen wurden gegrndet, deren Zglinge
man nach der Entlassung zur weiteren Ausbildung auf Kauffahrteischiffe
schickte. Ganze Regimenter Landsoldaten wurden zu Seesoldaten befohlen;
die Bemannung der Schiffe war um 1/5-1/4 strker als die englischer von
gleichem Range.

=Das Offizierkorps= war noch viel strker mit Fremden durchsetzt. 1715
waren fast smtliche Offiziere Auslnder und nur einige in fremdem Dienst
herangebildete Russen. Noch 1724 zeigt eine Liste der hheren Offiziere
unter 82 Namen nur 19 Russen gegen 23 Englnder, 17 Dnen, 13 Hollnder
und 5 Deutsche, doch schritt auch hier die Russifizierung fort. Zur
artilleristischen Ausbildung wurde eine groe Anzahl Russen nach Berlin
kommandiert, sie bildeten dann ein eigenes Korps der Bombardiere und
wurden nach Bedarf an Bord verwendet. Auch eine Seeakademie wurde
gegrndet, sie zhlte 1716 300 junge Edelleute als Schler. Das
Seeoffizierkorps war, wie die Marine berhaupt, besser besoldet als das
der Armee. =Die Galerenflotte= hatte ein eigenes Offizierkorps, es war
stark mit Sdlndern vermischt und wurde vom Seeoffizierkorps als
minderwertig angesehen. Fremdartigkeit in Sprache und Sitten seiner
Angehrigen, unter denen halbbarbarische Elemente vertreten waren, mag
dazu beigetragen haben, aber auch die Roheit und Grausamkeit, die sie im
schwedischen Feldzuge gezeigt haben.

Peter der Groe hatte sich die Aufgabe gestellt, eine Flotte von 40
jederzeit kampfbereiten Linienschiffen zu schaffen, mit der er der
dnischen und der schwedischen Flotte, die nur kurze Zeit im letzten
Kriege je ber 30 besaen, berlegen gewesen wre. Er hat dieses Ziel
zwar nicht erreicht -- bei seinem Tode zhlte die Marine 27
Linienschiffe, von denen 3 unbrauchbar und 9 gebrechlich waren, sowie 6
Neubauten --, aber er stand doch den geschwchten Nebenbuhlern gleich.
Nach Beendigung des Krieges wurde durch Friedensbungen, im einzelnen und
in Geschwadern, die Schlagfertigkeit der Flotte weiter gepflegt. Freilich
sagt der schon angezogene englische Seeoffizier von seinen russischen
Kameraden: Fremde tuen gut, ihnen aus dem Wege zu gehen. Bei gutem
Wetter kennt ihre berhebung keine Grenzen, wenn sie aber bei schlechtem
Wetter Dienst tun sollen, stellen sie sich krank. In der Stunde der
Gefahr versagt ihnen Mut und Tatkraft. Wie weit dies Urteil zutreffend
war oder auf Abneigung beruhte, mu dahingestellt bleiben.

$Der Verlauf des Krieges.$ In Schweden war 1697 Knig Karl XI. gestorben
und Karl XII. hatte mit nur 15 Jahren den Thron bestiegen. Die Nachbarn
hielten die Gelegenheit fr gnstig, sich auf Kosten Schwedens
auszubreiten: Peter der Groe wollte Esthland erobern, um an die Ostsee
zu gelangen; August II., Kurfrst von Sachsen und Knig von Polen, wollte
Livland fr Polen zurckgewinnen; Friedrich IV. von Dnemark wollte den
Teil Schleswig-Holsteins, der noch im Besitz der Linie Holstein-Gottorp
war, wieder mit Dnemark vereinigen; diese Linie war aber seit langem mit
Schweden verwandt, auch der augenblickliche Herzog war ein Schwager und
Freund Karls XII. Die drei Monarchen verbanden sich 1700 zu einem
Angriffskriege und fielen in die von ihnen begehrten Lnder ein, aber der
junge Schwedenknig zeigte eine unerwartete Tatkraft.

=Karl= XII. warf sich zunchst nur gegen Dnemark, um sich fr den Kampf
im Osten den Rcken freizumachen, da die dnische Flotte seine
Verbindungen mit den anderen Kriegsschaupltzen gefhrdete. Mit
Untersttzung einer englisch-hollndischen Flotte bedrohte er Kopenhagen
zu Wasser wie zu Lande und zwang Friedrich IV. in wenigen Wochen zum
Frieden (Travendal, 18. August 1700).

  $England und Holland$ nahmen in Hinblick auf das Gleichgewicht in der
  Ostsee wie stets bisher die Partei der gefhrdeteren Seemacht, sie
  waren auch die Brgen des letzten Vergleichs zwischen Dnemark und dem
  Hause Gottorp. Sie sandten Ende Mai eine gemeinsame Flotte, 11
  englische und 13 hollndische Linienschiffe, einige Fregatten, 3
  Mrserboote, unter den Admiralen =Rooke= und =de Almonde= zur Ostsee.
  Der Befehl lautete, den eigenen Handel zu schtzen und die Interessen
  des Herzogs von Holstein wahrzunehmen; es war erlaubt, zu diesem Zweck
  schwedische Truppen nach Holstein zu fhren, nicht aber angriffsweise
  vorzugehen, sondern nur Gewalt mit Gewalt zu erwidern. Die Flotte traf
  am 19. Juni vor Gothenburg ein, segelte zur Vereinigung mit den
  Schweden weiter, ging dann aber vor dem Sunde zu Anker, weil die 33
  Linienschiffe starke dnische Flotte zwischen Kronburg und Hven lag.
  Hier wollte man abwarten, ob die Schweden vom Sden herankmen und die
  Dnen zum Rckzug auf Kopenhagen ntigten, oder ob die Vereinigung im
  Groen Belt stattfinden solle.

  Am 7. Juli ging die dnische Flotte nach Kopenhagen und die Vereinigung
  der Englnder und Hollnder mit den Schweden fand bei Landskrona statt.
  Die schwedische Flotte unter Graf Wachtmeister zhlte 29 Linienschiffe,
  einige Fregatten sowie ein Mrserboot; 6 schwere Schiffe hatte man
  wegen ihres Tiefganges sdlich von Kopenhagen gelassen. 2000 Mann waren
  eingeschifft, weitere Truppen standen in Landskrona bereit.

  Man beabsichtigte, Kopenhagen von See aus einzuschlieen und die
  feindlichen Schiffe mit Fregatten und Brandern anzugreifen oder sie zu
  beschieen, falls sie sich in den Hafen zurckgezogen htten. Am 20.
  Juli ankerte die Flotte vor der Stadt. Die Dnen hatten die meisten
  Schiffe mglichst nahe unter Land gelegt, den Rest auf der inneren
  Rhede durch Balkensperren gegen Brander geschtzt. Diese Schiffe wurden
  von den Mrserbooten whrend der Nacht beschossen, aber nachdem etwa
  100 Bomben und Brandgeschosse ohne Erfolg geworfen waren, zog man sich
  aus dem heftigen feindlichen Feuer zurck. Man beschlo nun, die
  Landungstruppen zu holen, und die Schiffe im Hafen sowie die Stadt vom
  Norden der Insel Amager her zu beschieen. In der Nacht vom 26./27.
  wurden etwa 150 Geschosse verfeuert, jedoch mit ebensowenig Erfolg. Es
  ging damals das Gercht, da die Angreifer, insbesondere die Englnder
  und Hollnder, mehr im Auge gehabt htten einzuschchtern, als zu
  schdigen. Dagegen trafen am 2. August, gedeckt durch schwedische
  Kriegsschiffe, die Truppen von Landskrona ein und wurden nach
  Vertreiben einiger dnischer Fregatten mit Hilfe der Boote der ganzen
  Flotte noch am selben Tage nrdlich von der Stadt gelandet; Karl XII.
  fhrte die seinen, als erster mit dem Degen in der Faust aus dem Boote
  ins seichte Wasser springend. Durch ungnstiges Wetter verzgert,
  wurden die Geschtze und das Belagerungsmaterial erst einige Tage
  spter ausgeschifft. So von See und Land bedroht, schlo Friedrich IV.
  Frieden.

  Die Regierungen Englands und Hollands waren mit dem Vorgehen ihrer
  Admirale nicht einverstanden; diese hatten ja auch ihre Weisungen
  berschritten. Es kam sofort der Befehl, sich knftig streng an diese
  zu halten. Wie frher in hnlichen Lagen, wnschte man keine zu groen
  Erfolge Schwedens. Wilhelm III. schrieb an Heinsius: Dieser Erfolg,
  frchte ich, wird den Knig von Schweden so gro machen, da wir
  gengend zu tun haben werden, ihn wieder klein zu bekommen. Auch
  frchtete man, da durch Einschreiten Frankreichs zugunsten Dnemarks
  ein allgemeiner Krieg entstehen wrde.

  Die Admirale erhielten diesen Befehl bei Hven sowie die Weisung, nach
  Friedensschlu heimzukommen. Sie blieben aber lnger liegen, um den
  Rcktransport der schwedischen Truppen abzuwarten, weil auch die
  dnische Flotte wieder in den Sund gekommen und bei dem Ha zwischen
  den nordischen Vlkern ein Zusammensto mit den Schweden nicht
  ausgeschlossen war. Am 8. September ging Karl XII. mit Flotte und
  Truppen nach Schweden zurck.

Karl XII. wandte sich nun gegen seine Gegner im Osten, und es folgen
einige Jahre (bis 1709), in denen die Kriegfhrung zur See nicht
hervortritt; sie seien deshalb nur kurz geschildert. Karl landete mit
20000 Mann bei Pernau (Busen von Riga) und warf sich, da das
polnisch-schsische Heer vor ihm zurckwich, zunchst auf die Russen, die
er mit 8000 Mann gegen 40000 bei Narva (20. November 1700) vernichtend
schlug. Dann trug er bei Riga (12. Juli 1701) einen Sieg ber die Sachsen
und Polen davon und htte jetzt einen gnstigen Frieden erzwingen knnen.
Er drang jedoch weiter vor, eroberte durch verschiedene siegreiche
Schlachten ganz Polen, lie in Warschau (2. Juli 1704) Stanislaus
Leszczynski zum Knig whlen und verfolgte August II. bis nach Sachsen.
Hier endlich schlo er Frieden (Altranstdt, 24. September 1706); August
verzichtete auf den polnischen Thron und entsagte jeder Verbindung mit
den Gegnern Schwedens.

Die miachtende Vernachlssigung der Russen nach dem glnzenden Siege bei
Narva wurde Karls Verderben; Peter nutzte diese Jahre aus. Er
reorganisierte sein Heer mit Hilfe deutscher Generale, setzte sich in
Ingermanland fest und grndete St. Petersburg; die schwachen schwedischen
Truppen in Livland konnten dies nicht hindern. So fand Karl spter einen
krftigen Gegner vor und Schweden hatte nicht mehr allein mit der
dnischen Marine sondern auch mit der russischen zu rechnen.

Bis 1708 blieb Karl in Sachsen stehen, um sein Heer wieder schlagfertig
zu machen und zu verstrken; Peter drngte inzwischen die Schweden in
Esthland und Livland weiter zurck und verwstete Polen, um einen
Vormarsch Karls gegen Ruland zu erschweren. Endlich brach dieser mit
40000 Mann auf, schlug hinter der Beresina einen russischen Heeresteil
(14. August) und berschritt den Dnjepr, um gegen Moskau zu ziehen; eine
Verstrkung von 12000 Mann unter Lewenhaupt wartete er nicht ab. Bei
Smolensk wandte er sich aber nach der Ukrne, wo ihm der Hetman Mazeppa
die ganze Heeresmacht der Kasaken zuzufhren verheien hatte. Die
Aufwiegelung dieser schlug fehl und Lewenhaupt konnte dem Knig nur 6000
Mann bringen, weil er auf dem Anmarsch schwer geschlagen worden war und
seine ganze Bagage verloren hatte. Die Russen wichen bestndig aus, das
Heer litt ungemein unter Hunger und Klte; Karl drang zwar bis =Pultawa=
vor und belagerte die Stadt vom Mai 1709 an, wurde dann aber am 8. Juli
durch den mit bermacht heranrckenden Peter vernichtend geschlagen. Der
Rest der Schweden, nur 14000 Mann, mute sich ergeben, Karl floh in die
Trkei.

  Hier reizte Karl den Sultan gegen Ruland auf, er selber wollte das
  Heer fhren. Aber erst 1711 erklrte der Sultan den Krieg, und wenn
  auch Peter durch den Grovezier geschlagen wurde (9. August 1711), so
  gelang es ihm doch, durch Bestechung und Abtretung Asows den Frieden
  wieder herbeizufhren. Karl blieb bis 1714 in der Trkei; er entschlo
  sich erst zur Rckkehr, als er einsah, da er hier keine Hilfe zu
  erwarten habe und als die Nachrichten aus dem Norden immer schlechter
  wurden. Nach sechzehntgigem Ritt durch sterreich, Sd- und
  Westdeutschland traf er mit 2 Offizieren am 22. November 1714 in
  Stralsund ein.

=Peter der Groe= bemchtigte sich in den Jahren 1709 und 1710 ganz
Esthlands und Livlands und ging an den Ausbau einer Ostseeflotte. Auch
die andern Gegner Schwedens regten sich wieder. August II. vertrieb
Leszczynski, Friedrich IV. besetzte Schleswig und versuchte, in Schonen
Fu zu fassen (vergeblich). Inzwischen verabredeten die Seemchte mit dem
Kaiser einen Waffenstillstand fr die schwedisch-deutschen Lande
(Pommern, Bremen-Verden, Stade) und Dnemark, Sachsen sowie die
schwedischen Stnde traten auch bei (Haager Conzert, 31. Mrz 1710), da
aber Karl XII. Einspruch erhob und die erstgenannten Mchte nicht ttlich
eingriffen, nahm der Krieg seinen Fortgang.

Jetzt griff die Kriegfhrung zur See wieder ein. Die Dnen eroberten
Stade und Verden, die Sachsen und Russen nahmen Schwedisch-Pommern auer
Stralsund und Wismar (1712). Das schon erschpfte Schweden raffte sich
noch einmal auf. General =Stenbock= besiegte mit 12000 Mann die Dnen bei
Gadebusch (Mecklenburg-Schwerin; 20. Dezember 1712) und drang in
Schleswig-Holstein ein, wurde aber bei Tnning durch die bermacht der
Verbndeten zur Kapitulation gezwungen (Mai 1713). Schweden sah sich
gentigt, mit Preuen einen Vertrag abzuschlieen, wonach dessen Truppen
Pommern von der Peene bis zur Oder in Sequestration nahmen. Peter war
bereit, dieses Land gegen eine Kriegsentschdigung zu rumen. Ruland war
1714 bis Abo vorgedrungen; Kurland hatte Peter durch Anheiratung an sein
Haus gewonnen.

Jetzt kam =Karl= XII. zurck. Er erkannte den Vertrag mit Preuen nicht
an, forderte Pommern zurck und vertrieb die preuischen Truppen aus
Usedom und Wollin. Infolgedessen erklrte auch dieser Staat den Krieg und
verband sich mit Ruland und Sachsen; Hannover trat dem Bunde bei, um
sich die von Dnemark gekauften schwedischen Gebiete (Bremen-Verden;
Stade) zu sichern. Die vereinten Truppen belagerten unter =Leopold von
Dessau= Stralsund; Karl XII. verteidigte die Stadt mehrere Monate und
ging erst kurz vor dem Fall (23. Dezember 1715) nach Schweden; im April
1716 mute auch Wismar kapitulieren. =Schweden hatte seinen ganzen
berseeischen Besitz verloren.=

  $Die Beteiligung der Seestreitkrfte.$ Die Aufgabe der dnischen Marine
  war zunchst nicht leicht; 1710 standen ihren 41 Linienschiffen 48
  schwedische gegenber. Sie sollte die Verbindungen Schwedens mit seinen
  festlndischen Besitzungen unterbinden, die Operationen der Verbndeten
  untersttzen und den eigenen Handel gegen zahlreiche und khne
  schwedische Freibeuter schtzen. Dennoch hat sie einige wirksame
  Erfolge zu verzeichnen; es kamen ihr allerdings gnstige Umstnde zu
  statten. Als General Stenbock 1712 mit seinem Heere auf 130
  Transportschiffen nach Rgen bergefhrt wurde, geleitete ihn Graf
  Wachtmeister mit der ganzen Schlachtflotte; kurz nach der Landung
  vernichtete die dnische Flotte ber 90 der Transporter, Wachtmeister
  mute dagegen wegen einer schweren Seuche an Bord der Schiffe
  schleunigst nach Karlskrona zurckkehren und abrsten. Als dann
  Stenbock 1713 in die Enge getrieben war, konnte die dnische Flotte ihm
  den Seeweg versperren.

  Von 1715 an mute Schweden einen Teil seiner Seestreitkrfte gegen
  Ruland werfen und seine Marine war durch Geld- und Mannschaftsmangel
  geschwcht. Nun wuchs die Bedeutung der dnischen Flotte; in zwei
  Gefechten, an der holsteinischen Kste (28. Juli) und bei Rgen (8.
  August 1715), wies sie die schwedische zurck. Durch das zweite
  Seegefecht hinderte sie die Aufhebung der Blockade und den Entsatz
  Stralsunds. Sie ermglichte dann durch Vernichtung der kleinen Schiffe
  im Hafen den bergang nach Rgen, wodurch die bergabe der Festung
  erzwungen wurde. 1716 trug sie mittels strenger Blockade zur Einnahme
  Wismars bei.

  Ebenso unglcklich war die schwedische Flotte den Russen gegenber. Sie
  konnte die allmhliche Eroberung der Sdkste Finnlands nicht hindern.
  Die russische Schrenflotte zog von Distrikt zu Distrikt und die von
  ihr losgelassenen Truppen verwsteten das Land; =1713= fiel
  Helsingfors. Als die Eroberung so bis zum Ausgange des finnischen
  Meerbusens vorgedrungen war, stand gerade die russische Hochseeflotte
  stark genug da, um die Schrenflotte zu decken und zu untersttzen.
  =1715= schlug =Generaladmiral Apraxin=, unter dem Peter selber als
  Kontreadmiral diente, die Schweden unter Ehrenskjld bei =Hang-Udd=,
  wobei sich die Galeren in den engen Gewssern von grtem Nutzen
  zeigten. Er bahnte sich dadurch den Weg nach Abo, den Alands-Inseln und
  der Kste Finnlands am Bottnischen Busen, die Plnderungszge dehnten
  sich nun bis zu diesen aus. Von =1716= an lag die schwedische Flotte
  infolge Geldmangels unausgerstet in Karlskrona. Angstvoll war sie
  eines Angriffs der Dnen gewrtig, die die Ksten Schwedens blockierten
  und den Handel vllig unterbanden.

Von 1716-1718 versuchte =Karl= XII. in drei Feldzgen Norwegen zu
erobern; ihm kam dabei zu statten, da seine Gegner uneinig wurden. Peter
vermhlte eine Nichte mit dem Herzog von Mecklenburg und lie sein Heer
in diesem Lande stehen, dies machte die Verbndeten stutzig; auch
begannen Verhandlungen zwischen Peter und Karl behufs eines Bndnisses
auf Kosten der anderen Staaten (wir verweisen auf den Plan Alberonis S.
578), der Zar fhrte deshalb einen schon vorbereiteten Einfall in Schonen
nicht aus. Der hartnckige Widerstand der norwegischen Bevlkerung, die
schwierigen Verhltnisse des Landes und des Klimas und der schlechte
Zustand des schwedischen Heeres lieen jedoch Karl keine Fortschritte
machen. Er fiel am 11. Dezember 1718 vor Friedrichshall.

  Auch in diesen Jahren war die $dnische Marine$ von Wichtigkeit.
  =Tordenskiold= vernichtete mit nur wenig Schiffen im Hafen von Dynekil
  (8. Juli 1716) die Transportflotte, die alles, was Schweden mit Mhe an
  Truppen und Kriegsmaterial hatte aufbringen knnen, zur Belagerung
  Friedrichshalls bringen sollte. Die schwedische Flotte wurde im
  allgemeinen weiter in den Hfen festgehalten, die russische Marine
  beteiligte sich jetzt an der Blockade; sie war soweit gewachsen, da
  Peter 1716 zu der erwhnten Landung in Schonen mit 17 Linienschiffen,
  zahlreichen Galeren und Truppentransportschiffen in Kopenhagen
  erscheinen konnte. 1719 eroberte Tordenskiold die Insel Marstrand und
  vernichtete ein schwedisches Geschwader, das mit Erfolg gegen den
  dnischen Handel aufgetreten war.

=Ulrike Eleonore=, die Nachfolgerin Karls, schlo 1719 Frieden mit
Hannover, Polen und Preuen (Stockholm, 20. November) und 1720 mit
Dnemark (Friedrichsborg, 13. Juli), brach aber Verhandlungen mit Peter
ab. Jetzt griffen die Russen Schweden selber an, verwsteten 1719-1721
mit immer strkeren Heeren die Ksten und erzwangen so den Frieden von
Nystadt (10. September 1721).

  1719 fhrte =Apraxin= mit 130-150 Galeren sowie zahlreichen
  Transportern 30000-40000 Mann an die Kste nrdlich von Stockholm; 8
  Ortschaften, 141 Adelssitze, 1361 Hfe, 2 Kupferminen wurden zerstrt,
  Wlder verbrannt, um die darin liegenden Minen zu vernichten, 80000
  Eisenbarren ins Meer versenkt, gegen 100000 Stcke Vieh gettet. 1720
  hausten die Russen, auf Abo, Helsingfors und Wiborg gesttzt, hnlich
  an der Kste von Westerbotten; ein schwedisches Geschwader wurde
  zurckgeschlagen. 1721 ward Norrland verwstet. Da Stockholm von einem
  Angriff bewahrt blieb, ist nur dem Auftreten einer englischen Flotte zu
  verdanken; England schrnkte berhaupt in den Jahren 1719-1721 die
  Ttigkeit der russischen Hochseeflotte etwas ein und machte es so der
  schwedischen mglich, sich wieder zu zeigen.

$Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege.$ Wie vor Beginn
des Spanischen Erbfolgekrieges, um 1700 beim ersten Zusammensto
Schwedens und Dnemarks, so wandten diese Staaten auch nach seiner
Beendigung ihr Augenmerk auf ihre Interessen in der Ostsee; besonders
England zeigte hier seine Macht auf dem Meere und trug zum Friedenschlu
bei.

In den Jahren 1715-1718 traten sie gemeinsam zum Schutze ihres Handels
auf, weil Schweden, Dnen und Russen die Neutralitt nicht unbedingt
beachteten; das Verhltnis zu Schweden wurde bald zu einer Art
Kriegszustand. Da Ruland von England und Holland Schiffe, Mannschaften
und Kriegsbedarf jeder Art bezog, griff Schweden, besonders seit 1710,
den Handel dieser Lnder planmig mit Kriegsschiffen und Freibeutern an;
die Handelsschiffe wurden nicht nur auf Kriegskontrebande untersucht,
sondern berhaupt aufgebracht. Die Seemchte sandten deshalb in jedem
dieser Jahre eine gemeinsame Flotte in die Ostsee, die im Vereine mit den
dnischen und russischen Krften die Schweden in ihren Hfen festhielten,
Freibeuter aufbrachten und Convois geleiteten. Der Knig von England war
ja als Kurfrst von Hannover mit Schweden im Kriege, doch hatte das
englische Volk hierfr zunchst kein Interesse, als aber die Umtriebe
Karls XII. zugunsten Jakobs III. bekannt wurden, gab es seine
Einwilligung zu ernsterem Vorgehen.

Nach dem Tode Karls nderte sich die Lage gnzlich. Schweden belstigte
den Handel nicht weiter, Holland brauchte keine Schiffe mehr zu senden.
Eine englische Flotte aber trat in jedem der letzten Jahre zugunsten der
Schweden auf, indem sie die russische Hochseeflotte in Reval festhielt.
Jetzt lag es im Interesse Englands, Peters Erfolge einzuschrnken und die
russische Seemacht nicht zu sehr wachsen zu lassen.

  =Die Operationen zur See=: 1715 deckte =Admiral Norris= mit 20
  englischen und 12 hollndischen Linienschiffen die Hin- und Rckreise
  des Ostsee-Sommerconvois. 1716 kam er mit hnlicher Strke, Holland
  hatte wegen Geldmangels nur 6 Schiffe gestellt. Als er auf das
  Verlangen einer bndigen Erklrung, ob die Schifffahrt jetzt sicher
  sei, von Stockholm eine unbestimmte Antwort erhielt, gab er zu
  erkennen, da er ntigenfalls feindselig auftreten werde. Er verband
  sich mit den Dnen und Russen in Kopenhagen, die dort fr den Einfall
  in Schonen bereit lagen. (Anderseits, so wird gesagt, wirkte England
  aber auch dahin, da Peter dieses Unternehmen aufgab.) Der Zar selber
  fhrte die vereinigte Macht nach Bornholm. Von hier aus wurden einzelne
  Schiffe gegen schwedische Kreuzer entsandt, die Kauffahrer nach ihren
  Bestimmungshfen geleitet und im Herbst wieder heimgefhrt; die
  schwedische Flotte konnte natrlich Karlskrona nicht verlassen. Genau
  so, nur ohne die Russen, verliefen die Jahre 1717, =Admiral Byng=, und
  1718, wieder Norris. 1717 war Holland nicht imstande, Schiffe zu
  stellen. Es gingen dann auch nur 300 anstatt wie sonst 500 hollndische
  Kauffahrer in die Ostsee, und 1718 sandte man deshalb mit Aufbietung
  aller Krfte wieder 12 Kriegsschiffe.

  =1719= vereinigte sich =Norris= im September mit den Schweden und trieb
  die russische Hochseeflotte nach Reval; 1720 und 1721 hielten Norris
  und Wachtmeister die Russen den ganzen Sommer ber in diesem Hafen
  fest.

=England und Frankreich vermittelten den Frieden.= Beide wnschten nicht,
da Schweden niedergeschlagen und die Ostsee ein russisches Meer wrde;
es war dies besonders fr England wichtig, da seine Marine auf die von
dort bezogenen Schiffsbedrfnisse angewiesen war. Die Franzosen schreiben
ihrer Diplomatie den Haupteinflu zu; sie behaupten auch, da England
Schweden nur schwach untersttzt habe, weil es die Ostseeprovinzen zu
Nutzen seines Handels gern in Rulands Hnden sah. Dies mag zutreffen;
die englische Flotte hinderte die Verwstung Schwedens nicht, sie trat
nur demonstrativ auf und hat, abgesehen von dem Einschreiten gegen
Kreuzer in den ersten Jahren, bei allen Operationen kaum einen Schu
abgegeben. Aber der Druck der englischen Seemacht hat ohne Frage
wesentlich dazu beigetragen, Ruland zum Frieden geneigt zu machen. Peter
erkannte das zielbewute Vorgehen der Englnder, sah sie vor seiner
eigenen Tr und mute fr seine junge Flotte eine Wiederholung des
Schauspieles vom Cap Passaro frchten.


                         Venedig und die Trken.

Im Anfange des 18. Jahrh. fanden in einem letzten Kriege auch die langen
Kmpfe zwischen der Republik Venedig und dem osmanischen Reiche um die
Besitzungen im Ostmittelmeer ihr Ende. Im vorigen Abschnitte (Seite 109)
ist gesagt, da Venedig mit dem Verluste von =Cypern= (1573) schon nahezu
aus dem Ostmittelmeer verdrngt war und da es von da an langsam aber
stetig von seiner Gromachtstellung herabstieg. Es ist aber auch erwhnt
worden, da um diese Zeit die Seemacht des osmanischen Reiches
gleichfalls ihre hchste Blte erreicht hatte. Ihrem Vordringen im
Westmittelmeer war durch das Abschlagen der Angriffe auf Malta und Korfu
(1565) sowie durch die Schlacht bei Lepanto (1571) ein Ende gemacht
worden. Im Ostmittelmeer setzten die Trken jedoch von der Mitte des 17.
Jahrh. bis 1718 in drei Kriegen gegen Venedig ihre Eroberungen fort.[281]

  [281] Hinweis auf diese Kriege siehe Seite 247, 319, 409. Hauptquellen:
        du Sein: The Ship.

$1645$ warfen sie mit einer groen Flotte ein Heer nach $Kreta$, nahmen
=Canea= sowie =Retimo= und belagerten =Candia=. Das Bestreben Venedigs,
der Insel Untersttzung zu bringen, fhrte zu einem langen Kampfe um die
Seeherrschaft. Mit wechselndem Erfolge wurde gefochten, mehrfach
blockierten die Venetianer die Dardanellen, viele Seegefechte fanden
statt (z. B. 1656 eine groe Niederlage der Trken vor den Dardanellen),
aber keine Partei gewann dauernd die berhand. Zeitweise erhielt Venedig
Untersttzung durch Spanien, die Malteserritter, Genua oder den Papst,
und als Candia nach heldenmtiger Verteidigung zu fallen drohte, sandte
Frankreich eine Flotte mit Landungstruppen. Aber diese Expedition (ihre
Strke vgl. Seite 319) blieb erfolglos, die Stadt fiel im September
1669.

  Die Truppen wurden unbehindert in die Stadt geworfen (Mitte Juni). In
  einem bald darauf unternommenen Ausfall trieb man zuerst die Trken in
  ihre Befestigungen zurck, aber dann entstand durch Explosion eines
  Pulvermagazins Verwirrung unter den Franzosen, der Fhrer, Herzog von
  Beaufort, fiel und man mute sich zurckziehen. Nachdem um Ende Juli
  die franzsischen Schiffe, im Verein mit venetianischen, malteser und
  ppstlichen Fahrzeugen, die trkischen Batterien ohne Erfolg beschossen
  hatten, wurden die Truppen wieder eingeschifft und das Unternehmen
  abgebrochen. Mangel an Vorrten, Uneinigkeit mit den Venetianern und
  endlich die vorgerckte Jahreszeit werden als Grnde des Mierfolges
  angegeben.

Nach dem Falle der Hauptstadt eroberten die Trken bald die letzten
festen Pltze der Insel und behielten sie im Besitz.

$1684-1699$ wurde $ein zweiter Krieg um Morea$ gefhrt. Als die Trken
vor Wien abgeschlagen waren (Sobieski 1683) und in Ungarn hart bedrngt
wurden, glaubte Venedig die Zeit zur Wiedergewinnung seiner verlorenen
Besitzungen gekommen. Untersttzt durch deutsche Truppen und
Malteserritter gelang es Morea, gina sowie einen Teil Dalmatiens zu
erobern; Angriffe auf Euba und Kreta schlugen dagegen fehl. Im Frieden
von Karlowitz behielt Venedig die genommenen Lnder.

  Bei der Belagerung Athens durch die venetianische Flotte sprengte eine
  Bombe das Mittelteil des Parthenon, von den Trken als Pulvermagazin
  benutzt, in die Luft.

$1714$ griffen die Trken wieder an und bemchtigten sich leicht Moreas.
Zwar trat 1716 sterreich auf seiten Venedigs und errang groe Erfolge
(Prinz Eugen: Peterwardein, Belgrad), aber den Venetianern gegenber
waren die Trken im Vorteil, besonders auch zur See. Sie behielten im
Frieden von Passarowitz 1718 Morea endgltig. Der Republik Venedig
verblieben nur das tapfer verteidigte Korfu und Dalmatien; sie war somit
in ihren Besitzungen auf das Adriatische Meer beschrnkt. Nach diesem
letzten Kriege zog sich die Republik ganz zurck. Sie lie sich auch
durch den sterreichisch-trkischen Krieg 1738-1740 nicht mehr aus einer
Politik der bloen Erhaltung des Besitzes und der Beschrnkung auf den
Schutz ihrer Handelsinteressen herauslocken. =Venedig zhlte weder als
Gromacht noch als Seemacht weiter mit.=

Aber $das osmanische Reich$ trat als Seemacht nicht an seine Stelle,
selbst nicht im Ostmittelmeer. Die trkische Marine, im 16. Jahrh. im
ganzen Mittelmeer gefrchtet, verlor mit dem Rckgang des Reiches stetig
an Kraft und Bedeutung. Wir haben gesehen, da die Trken weder imstande
waren, ihren Einflu auf die Barbareskenstaaten aufrecht zu erhalten,
noch diese gegen die Angriffe der neuentstandenen Seemchte zu schtzen,
ja da deren Flotten schon mit Erfolg im Ostmittelmeer auftraten.


                    Die Barbareskenstaaten 1715-1740.

Nach Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges trat an die Marinen der
Westmchte wiederum die Aufgabe heran, ihren Handel gegen die
Barbareskenstaaten zu schtzen. So lange Jahr fr Jahr starke
englisch-hollndische Flotten im Mittelmeer waren, hatten diese die
Aufgabe mitbernommen und durch abgezweigte Geschwader gelegentlich
Vertrge erzwungen. Derartige Erfolge ntzten aber, wie wir wissen,
niemals auf lngere Zeit, und so belstigten die Raubstaaten von 1715 an
den hollndischen Handel wiederum auf das rgste. Sie hielten sich an
einen Friedensvertrag von 1712 nicht gebunden, da $Holland$ die in diesem
vereinbarte Auslsung von Sklaven nicht durchfhrte.[282] Bis 1720 wurden
etwa 40 hollndische Kauffahrer mit 900 Seeleuten und 6 Millionen Gulden
Ladungswert abgefangen; die Raubstaaten hatten gegen 50 Schiffe, einige
mit 40-50 Kanonen, im Dienst. Die Verhltnisse lagen in Holland so
traurig, da man sich zunchst darauf beschrnken mute, Freibeuter
ausrsten zu lassen und die alten, in den Kriegsjahren vernachlssigten
Bestimmungen ber die Armierung der Levantefahrer zum Selbstschutz wieder
schrfer durchzufhren. Von 1718 an sandte man jhrlich eine Division von
3-4 Kriegsschiffen und erst von 1722 an eine solche von 6-8, kleine
Linienschiffe und schwere Fregatten, in die bedrohten Gewsser; diese
fhrten denn auch 1725 einen Vertrag mit Algier und 1728 mit Tunis
herbei. Doch hatte infolge der halben Maregeln der Handel weitere groe
Verluste erlitten und Marokko war noch nicht zum Nachgeben gebracht. Dann
wurden die Geschwader wieder kleiner, ja von 1732 an bettigte sich die
Admiralitt Amsterdam allein an dem Schutze gegen Marokko; dieser Staat
ging erst 1746 auf einen Vertrag ein.

  [282] So sagt de Jonge, und zwar wegen Geldmangels nicht durchfhrte.
        Diese Quelle gibt (Teil IV) wie frher genauere Schilderungen
        ber die Kmpfe.

Auch $Frankreich$ entsandte whrend der Regentschaft und in den ersten
Regierungsjahren Ludwigs XV. kleinere Geschwader, 1728 wurde Tripolis
bombardiert; sie errangen gleichfalls nur zeitliche Erfolge.

$Englands$ Flagge scheint mehr geachtet gewesen zu sein; es waren wohl
stets gengend Kriegsschiffe auf der Station. Jedenfalls war es ein
Fehler, da die drei Mchte, die whrend dieser Jahre in gutem
Einvernehmen standen, sich nicht zur Unterdrckung des Seeraubes
verbanden. Es scheint aber eher das Gegenteil der Fall gewesen zu sein,
denn bei einer besonderen Gelegenheit klagen die Hollnder, da sich ein
von ihnen verfolgtes Raubschiff in den Schutz englischer Kriegsschiffe
geflchtet habe.

Ein $Angriff Spaniens auf Gibraltar$ (1727) und der $Polnische
Thronfolgekrieg$ (1733-1735) sollen im nchsten Kapitel (Seite 596/597)
besprochen werden.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                             Elftes Kapitel.

                         Die Zeit von 1721-1739.

                       bergang zum Abschnitt IV.

Die letzten Jahre unseres Abschnittes bringen keine Kriege, in denen die
Seestreitkrfte eine Rolle spielen; in den ersten zwlf Jahren nach
Beendigung des Nordischen Krieges herrschte berhaupt Friede. Dieser war
jedoch sehr unsicher, berall lag Zndstoff fr zuknftige Zusammenste
angehuft. Es gengt fr unsere Zwecke, als bergang zum nchsten
Abschnitt die Hauptpunkte hervorzuheben und die geschichtlichen
Ereignisse bis 1739, dem Ausbruch des nchsten groen Krieges, kurz zu
schildern.

Spanien mute unzufrieden mit den Bedingungen sein, die ihm die
Quadrupel-Allianz 1720 aufgezwungen hatte. Sein Hauptkummer war, Neapel
und Sicilien an sterreich, Gibraltar und Port Mahon an England verloren
zu haben, sowie infolge des Assientovertrages durch den englischen
Schmuggelhandel in Westindien schwer benachteiligt zu werden. In all
diesem war England der Hauptfaktor, Spanien mute in ihm seinen
Hauptfeind sehen.

Der Kaiser Karl VI. hatte, weil ohne mnnliche Nachkommen, unter dem
Titel =Pragmatische Sanktion= ein Erbfolgegesetz erlassen, nach dem bei
Mangel an mnnlichen Nachkommen die zur sterreichischen Monarchie
gehrigen Lnder nach dem Erstgeburtsrecht auf seine Tchter und ihre
Nachkommen, oder weiter auf die Tchter Josephs I. vererbt werden
sollten; er strebte nun dahin, fr dieses Gesetz die Anerkennung der
andern Staaten zu gewinnen. Bei England und Holland hatte er aber durch
die Grndung einer ostindischen Handelskompagnie in Ostende groen Ansto
erregt. Diese Staaten waren ja stets bemht gewesen, einen Wettbewerb der
bisher spanischen, jetzt sterreichischen Niederlande im Seehandel zu
hindern; war doch z. B. in allen Friedensbedingungen die Sperrung der
Schelde fr den Handel stets aufrecht erhalten.

Endlich lag eine Gefahr fr den allgemeinen Frieden in den polnischen
Verhltnissen.

Die Interessen der einzelnen Staaten fhrten zu verschiedenen, mehrfach
wechselnden Gruppierungen gegeneinander, die bestndig den Frieden
bedrohten. Wenn nun dieser dennoch so lange bestehen blieb, so war dies
den leitenden Staatsmnnern Frankreichs und Englands zu danken.

In =Frankreich= regierte tatschlich seit dem Tode des Regenten und des
Kardinals Dubois (1723) der =Kardinal Fleury=, der Lehrer und seit 1726
der Minister Ludwigs XV. Dieser wnschte den Frieden, vor allem im
westlichen Europa, zu erhalten, um seinem Lande die Gelegenheit zur
durchaus ntigen Erholung zu geben; vielleicht schreckte er auch infolge
seines hohen Alters vor einem Kriege zurck. Unter seiner
siebzehnjhrigen milden Verwaltung blhte auch Frankreich wieder auf,
insbesondere nahmen der Seehandel und die Kolonien groen Aufschwung.

  Frankreichs finanzielle Lage war nach dem Frieden von Utrecht noch
  bedenklicher geworden. Kurz sei auf das berchtigte $Wirken des
  Schotten Law$ hingewiesen, der sich anheischig gemacht hatte, die
  Staatsfinanzen zu heben: Er grndete 1716 eine Bank auf Aktien und
  knpfte daran 1717 eine Handelskompagnie fr Louisiana. Groe Summen
  strmten herbei, da man dem Publikum vorgespiegelt hatte, das Tal des
  Mississippi berge noch grere Reichtmer als Peru. Nun wurden
  bedeutende Betrge an Papiergeld ausgegeben; es war nur darauf
  berechnet, den Leuten das bare Geld abzulocken, wurde doch sogar
  verfgt, da niemand mehr als 500 Lire an Bargeld besitzen drfe. Mit
  dieser Bank, seit 1718 Staatsbank unter Laws Leitung, und der neuen
  Kompagnie vereinigte man 1719 die beiden alten Kompagnien fr
  Westafrika und Ostindien, nunmehr zusammen die Compagnie des Indes,
  auch wurde dem Institut die Pachtung der Staatssteuern berlassen. Der
  knstlich in die Hhe getriebene Wert der Aktien sank bald auf Null,
  das ganze Kartenhaus brach 1720 zusammen: Frankreich war verschuldeter
  als vorher.

  Immerhin nahmen infolge des wachgerufenen Spekulationsgeistes und der
  augenblicklichen Flle des Kapitals Handel und Industrie einen
  schnellen Aufschwung; die Spannkraft des Volkes, das nicht mehr durch
  den Krieg ausgesogen wurde und nicht mehr von der Welt abgeschnitten
  war, wirkte im gleichen Sinne. Seehandel und Kolonien hoben sich:
  Gegenber 300 Handelsschiffen beim Tode Ludwigs XIV. zhlte die
  franzsische Kauffahrteimarine 20 Jahre spter 1800; in Westindien
  erlangte Frankreich das bergewicht ber England, franzsische Quellen
  behaupten das gleiche vom Mittelmeerhandel; in Ostindien wuchsen die
  Niederlassungen, Isle de Bourbon wurde eine reiche Ackerbaukolonie und
  Isle de France ein wichtiger maritimer Sttzpunkt -- ein
  franzsisch-indisches Reich, wie jetzt das englische, schien im
  Entstehen (vgl. Kapitel XII).

  Gewi hat die milde, friedliche Regierung Fleurys alles dieses
  begnstigt; es ist aber doch fraglich, ob es ganz in seinem Sinne
  gelegen hat, er htte dann doch wohl die Marine nicht verfallen lassen.
  Seine Politik blieb wie die Ludwigs XIV. auf den Kontinent gebannt; mit
  Recht sagen franzsische Autoren: Die Regierung zog sich gerade in dem
  Augenblicke von der See zurck, wo das Volk Anstrengung machte, diese
  wieder zu gewinnen. Die verderblichen Folgen zeigten sich in den
  nchsten groen Seekriegen.

=In England= leitete seit 1721 =Sir Robert Walpole= die Politik; auch
sein Bestreben war, unter allen Umstnden den Frieden zu erhalten. Ihn
bestimmte, neben der Rcksicht auf friedliches Erstarken des Handels, der
Umstand, da die englische Thronfolge noch immer nicht endgltig geregelt
schien, und auch wohl die Besorgnis, in kriegerischen Zeiten seine
persnliche Macht zu verlieren.

  Den Frieden zu erhalten wurde ihm leicht unter Georg I., der sich in
  auswrtige Dinge nur einmischte, wenn sie seine Interessen in Hannover
  berhrten. Schwieriger war es unter dem kriegerischen Georg II., unter
  dem sich Walpole berhaupt zunchst nur durch den Einflu der Knigin
  halten konnte, bis er auch das Vertrauen des Knigs gewonnen hatte. Es
  gelang ihm, den eigentlich schon ausgebrochenen Krieg mit Spanien
  (1727) schnell zu beenden und 1733 England vom Polnischen
  Thronfolgekrieg fernzuhalten. Sein Ehrgeiz schuf ihm viele Gegner und
  er hatte mit dem englischen Volke zu rechnen, das nicht zgerte, jede
  bedrohliche Nebenbuhlerschaft auf der See und im Handel zurckzuweisen.
  Einen Handelsstreit mit Spanien bentzten endlich auch seine Gegner,
  ihn in einen Krieg hineinzuzwingen (1739), was dann bald (1742) seinen
  Rcktritt zur Folge hatte.

Durch sein finanzielles Geschick, seine friedliche und doch feste Politik
fhrte er England zu glnzendem materiellen Aufschwung; diese Politik
durchzufhren, ermglichte ihm Englands Seemacht.

$1725 trat eine erste Bedrohung des Friedens auf.$ sterreich und Spanien
schlossen ein Bndnis (Wiener Vertrag, 30. April 1725), wonach dieses die
pragmatische Sanktion anerkannte und jenes sich dagegen verpflichtete,
die Ansprche Spaniens auf Gibraltar und Port Mahon, wenn ntig mit
Waffengewalt, zu untersttzen; hiergegen verbanden sich (Herrenhausen, 3.
September) England, Frankreich und Preuen (Preuen, um seine bedrohten
Erbansprche auf Jlich und Berg sicherzustellen). Ruland zeigte
Neigung, mit Spanien-sterreich zu gehen, und auch Preuen wurde 1726 auf
diese Seite gezogen, beide Staaten erkannten die pragmatische Sanktion
an; dem Gegenbunde gelang es aber, Holland, gereizt durch die Grndung
der Ostende-Kompagnie, sowie Dnemark und Schweden, beide Ruland
frchtend, zu gewinnen. Zum erklrten Kriege kam es nicht. Spanien
versuchte, sich Gibraltars zu bemchtigen, jedoch die englische Flotte
verhinderte es und wirkte auch sonst schon durch ihr Auftreten.

  $England entsandte 1726 drei Geschwader:$

  1. 9 Linienschiffe an die spanische Kste, die dort vom Juli bis zum
  Herbst kreuzten

  2. 20 Linienschiffe unter Vizeadmiral Wager nach der Ostsee
  (April-November), um Dnemark und Schweden zu schtzen; Ruland hatte
  eine starke Flotte unter Generaladmiral Apraxin in Kronstadt
  zusammengezogen. Mit Wager vereinigte sich ein dnisches Geschwader und
  mit Rcksicht auf diese Macht lie sich Ruland bewegen, wieder
  abzursten. Es soll hier Neigung zum Waffengang vorhanden gewesen, aber
  dann dem Abraten des Vizeadmiral Gordon, eines Schotten, vom
  selbstmrderischen Kampfe gefolgt sein.

  3. Ein Geschwader unter Vizeadmiral Hosier nach Westindien, mit den
  Krften der dortigen Station 16 Kriegsschiffe stark. Dieses erschien
  Anfang Juni bei Porto Bello. Infolgedessen lschte die schon beladene
  Silberflotte wieder und die zur Begleitung bestimmten Kriegsschiffe
  legten auf. Dann wurde, sozusagen, Westindien fr mehrere Jahre vllig
  blockiert, doch hatte Hosier den gemessenen Befehl, nicht zu fechten
  (Walpoles strenge Friedenspolitik).

  Diese Expedition veranschaulicht nochmals die hygienischen Verhltnisse
  jener Zeit an Bord der Schiffe; es herrschte eine kaum glaubliche
  Sterblichkeit. In den ersten zwei Jahren starben die Admirale Hosier
  und sein Nachfolger Hopsons, dieser vier Monate nach seinem Eintreffen,
  7 oder 8 Kommandanten, 50 Leutnants sowie 4000 Unteroffiziere und
  Mannschaften.

  $Spanien greift 1727 Gibraltar an.$ Dieses Vorgehen in Westindien
  empfand Spanien schwer und reizte es, das noch nicht stark befestigte
  Gibraltar anzugreifen; frh im Jahre 1727 begannen 15000 Mann die
  Belagerung. Zum Entsatz erschien im Februar Admiral Wager mit 8
  Linienschiffen, darunter 5 zu 70-80 Kanonen. Er fhrte viel Munition
  und Kriegsbedarf sowie 17 Kompagnien Soldaten mit sich und traf schon 5
  Linienschiffe sowie 2 Mrserboote an. Truppen und Vorrte wurde
  gelandet, die Belagerungsarbeiten durch die Mrserboote und kleinere
  Fahrzeuge unter flankierendes Feuer genommen. Gleichzeitig kreuzte
  Wager in der Strae und vor Cadiz und brachte viele Schiffe auf. Der
  Kampf um die Stadt wurde Ende Juni mit dem Beginn von
  Friedensunterhandlungen eingestellt; da aber die Spanier nicht abzogen,
  setzte Wager seine Gewaltmaregeln auf dem Wasser fort. Februar 1728
  wurde Frieden geschlossen; beschleunigt, als England eine
  Verstrkungsflotte rstete.

  $In den nrdlichen Gewssern$ wurden in diesen Jahren gleichfalls
  Streitkrfte fr den Fall bereitgehalten, da der Krieg mit sterreich
  ausbrechen sollte, sowie berhaupt zu Demonstrationen. Hieran
  beteiligte sich Holland, das 1727 6 Linienschiffe (18 waren
  beabsichtigt) und 1728 8 solcher im Kanal kreuzen lie; 1729
  vereinigten sich 8 Linienschiffe und 4 schwere Fregatten mit 21 engl.
  Linienschiffen in Portsmouth. 1727 zeigte sich ferner eine englische
  Flotte unter Admiral Norris als Demonstration gegen Ruland in der
  Ostsee.

Diese mehrjhrige Spannung endete damit, da der spanisch-sterreichische
Bund gelst wurde. Der Kaiser widerrief den Freibrief der ostindischen
Kompagnie in Ostende; Spanien lie (Vertrag von Sevilla 1729) seine
Ansprche auf Gibraltar und Port Mahon endgltig fallen.

$1733 brach der Polnische Thronfolgekrieg aus.$ Nach dem Tode Augusts II.
wurde in Polen wiederum =Stanislaus Leszczynski= zum Knig erwhlt.
Ruland und sterreich erkannten ihn nicht an, sondern traten fr
=August= III. auf, wofr dieser der pragmatischen Sanktion zustimmte; die
Russen rckten in Polen ein. Frankreich stand auf seiten Leszczynskis des
Schwiegervaters Ludwigs XV., und Spanien verband sich mit ihm; der
gemeinsame Ha gegen sterreich fhrte diese natrlichen Verbndeten
jetzt wieder zusammen. Auch Sardinien schlo sich in der Hoffnung an,
Mailand zu gewinnen. Die Verbndeten sicherten sich Englands und Hollands
Neutralitt durch das Versprechen, die sterreichischen Niederlande nicht
erobern zu wollen; im Oktober erklrten sie den Krieg an sterreich und
griffen an. Die Spanier eroberten leicht Neapel und Sicilien, die
Franzosen Lothringen und im Verein mit Sardinien Mailand sowie die
Lombardei bis Mantua. Der Knig Stanislaus konnte sich jedoch in Polen
nicht halten; =eine beabsichtigte Untersttzung seitens der Franzosen
ber See= unterblieb, da Fleury doch das Eingreifen Englands frchtete.

  =Stanislaus= wurde bald durch den russischen General Mnnich in
  =Danzig= eingeschlossen. =Fleury= hatte den Befehl zur Ausrstung von
  34 Linienschiffen in Brest gegeben, der hochbetagte Admiral Trouin
  bernahm den Befehl ber die sich bildende Flotte. Dieser machte sich
  anheischig, Danzig zu entsetzen, wenn auch ein englisches Geschwader
  erschiene; ein solches war tatschlich im Sunde. Aber Fleury hatte mit
  seinem Befehle nur der ffentlichen Meinung ein Zugestndnis machen
  wollen; er htete sich, England, das trotz seiner Neutralitt eine
  groe Flotte zusammengezogen hatte, durch tatkrftiges Auftreten zur
  See zu reizen. So wurde nur eine kleine Division mit 1500 Soldaten und
  sehr vorsichtig gehaltenen Befehlen abgesandt. Diese lie sich dann
  durch die Anwesenheit des englischen Geschwaders in den dnischen
  Gewssern zurckhalten, nur die Truppen sowie eine Anzahl franzsischer
  Edelleute erreichten Danzig; die Stadt, auch von der russischen Flotte
  blockiert, mute nach tapferer Gegenwehr kapitulieren. Der Knig
  rettete sich durch Flucht.

Schon 1735 wurde ein =Prliminarfrieden zu Wien= (definitiv 1738)
geschlossen: August III. wurde als Knig von Polen anerkannt; Stanislaus
erhielt Lothringen, das aber nach seinem Tode an Frankreich fallen
sollte; Frankreich stimmte der pragmatischen Sanktion zu; der bisherige
Herzog von Lothringen erhielt Parma; sterreich mute seine
sditalienischen Provinzen als eine Sekundogenitur an den zweiten Sohn
des Knigs von Spanien abtreten.

$Der Bourbonische Familienvertrag.$ So hatte Walpoles Friedenspolitik
England dahin gefhrt, einen alten Verbndeten, sterreich, preiszugeben,
und sein Lohn war, da der mittlere Teil des Mittelmeeres nun doch, als
=Knigreich beider Sicilien=, in bourbonische Hnde und damit unter den
Einflu Spaniens und Frankreichs kam. Walpole wurde auch sonst von Fleury
verraten. In dem Vertrage zwischen den Husern Bourbon war nmlich $eine
geheime Klausel$ folgenden Inhalts aufgenommen: Wenn es Spanien und
Frankreich jemals in gleicher Weise gut scheinen wird, sollen die
Mibruche, die sich besonders durch die Englnder in den Handel
eingeschlichen haben, abgestellt werden, und wenn sich England dem
widersetzen sollte, so verpflichtet sich Frankreich, seinem feindlichen
Auftreten mit allen Mitteln zu Wasser und zu Lande zu begegnen. Bei dem
gespannten Verhltnis zwischen England und Spanien trug dieses Abkommen
den Keim zu den baldigen groen Kriegen zwischen England und dem Hause
Bourbon in sich.

=Die Spannung zwischen England und Spanien= blieb aber auch nach dem
Vertrage von Sevilla bestehen, ja sie nahm infolge von Reibungen in
Handelsinteressen bestndig zu. So sandte z. B. England 1735 eine Flotte
nach Portugal, als Spanien eine Differenz mit diesem Staate hatte, weil
der englische Handel hier sehr beteiligt war. Vor allem aber trug der
Schmuggelhandel in Westindien und Zentralamerika dazu bei. Die engherzige
Beschrnkung des Handels der spanischen Kolonien mit anderen Lndern,
whrend das Mutterland selber nicht fr ihre Bedrfnisse sorgte, mute
zum Schmuggelhandel fhren. Diesen betrieben besonders die Englnder,
indem sie ihren auf dem Assientovertrage beruhenden rechtmigen Handel
einem unerlaubten dienstbar machten (siehe Seite 576 und 601). Der
Zustand war den Kolonisten gnstig und wurde von ihnen, sogar von den
Gouverneuren, gefrdert, aber die Regierung erlitt Verluste und fhlte
sich verletzt; sie ergriff Maregeln zu strengerer berwachung. Hierbei
ging sie oft zu schroff, ungesetzmig und grausam vor, aber auch die
englischen Seefahrer fhrten ihre Sache nach dem Grundsatz ihrer frheren
groen Freibeuter: no peace beyond the line. Wir werden im nchsten
Abschnitt nher hierauf eingehen; hier genge es, zu sagen, da gerade
Reibungen dieser Art, von den Widersachern Walpoles noch geschickt
benutzt, das englische Volk $1739$ bis zur $Kriegserklrung gegen
Spanien$ brachten.

                    *       *       *       *       *

[Illustration]


                            Zwlftes Kapitel.

                    Die Kolonien von 1648-1740.[283]

Wir haben die Grndung der Kolonien im Abschnitt II (Seite 57-90) bis
etwa 1648 verfolgt und im Abschnitt III bei der Schilderung der Seekriege
die Kmpfe dort soweit erwhnt, als sie taktisch und strategisch wichtig
oder auf den Verlauf des Krieges von grerem Einflu gewesen sind;
beides war nur in geringem Mae der Fall. In den Kriegen der zweiten
Hlfte des 18. Jahrh. aber bleiben die Ereignisse in den fernen
Gewssern nicht mehr nur Auslufer des in Europa ausgefochtenen
Entscheidungskampfes, die Kolonien hatten an Bedeutung gewonnen. Es
handelt sich jetzt um die Seeherrschaft in weiterem Sinne: um den Einflu
auf fremde Lnder, den Besitz von Kolonien und die von ihnen abhngige
Vermehrung des Nationalwohlstandes der Staaten.

  [283] Hauptquelle Zimmermann, Europische Kolonien, Band I, Spanien,
        Portugal; Band II, Grobritannien, I. Teil; Band IV, Frankreich;
        Band V, Niederlande.

Um ihre berseeischen Verhltnisse -- nmlich Umfang, Wert und innere
Kraft ihrer Besitzungen dort -- zu Beginn des nchsten Abschnittes kennen
zu lernen, soweit dies fr unsere Zwecke ntig ist, mu ein berblick
ber die Geschichte der Kolonien von 1648-1740 gegeben werden.


                   Mittel- und Sdamerika. Westindien.

$Spanien.$ Es ist frher (Seite 69 ff.) die Kolonialpolitik Spaniens in
groen Zgen gekennzeichnet und auch auf ihren ungnstigen Einflu
hingewiesen worden; diese Verhltnisse blieben die gleichen, ja sie
gestalteten sich noch ungnstiger.

  Zimmermann (Band I, Seite 355) leitet den Abschnitt Die Entwicklung
  der spanischen Kolonien von 1600-1800 mit den Worten ein: Die
  spanische Kolonialpolitik nimmt nach Beendigung der groen Zeit der
  Eroberungen von Jahr zu Jahr einen einfrmigeren Charakter an, die
  Verwaltung der einzelnen Kolonien verknchert immer mehr, die
  Mibruche nehmen ohne Unterla zu und Spanien erweist sich als nicht
  fhig, die reichen Gebiete seines berseeischen Besitzes zu einer ihren
  natrlichen Anlagen entsprechenden Entwicklung zu bringen.

Die Verwaltung der Lnder bezweckte weiter nur,. mglichst viel Geld aus
ihnen zu ziehen, aber nie gengten die eingegangenen Betrge der
Regierung in Spanien. Dies fhrte zur Auspressung aller Rassen, zu
ungesetzlichem Arbeitszwang der Indianer, und hierbei arbeiteten die
Beamten auch noch in ihre eigenen Taschen; sie waren aber durch schlechte
Besoldung zu Bestechlichkeit und Veruntreuung verfhrt, ja gedrngt
worden. Die Erpressungen riefen Aufstnde hervor, besonders der Farbigen.
Verschiedene Reformversuche durch Entsendung tchtiger und
zuverlssigerer hherer Beamten hatten keinen, oder doch keinen dauernden
Erfolg, da die gefhrdeten Beamtenkreise usw. diesen entgegenarbeiteten,
sogar innere Unruhen herbeifhrten. Dies und die Beschrnkung des Handels
hinderte die volle Entwicklung und lhmte die Kraft der Kolonien gegen
uere Feinde, wenn auch die Bevlkerung zunahm. Da nun auch das
Mutterland keinen gengenden Schutz gewhren konnte, so waren Handel und
Ksten der Kolonien in der fast ununterbrochenen Kriegszeit von 1648 an
wie in dem Jahrhundert vorher den Angriffen der Feinde Spaniens
ausgesetzt; wir haben die Hauptereignisse kennen gelernt.

Oft war dann der Verkehr mit Europa vllig unterbrochen, aber auch in
Friedenszeiten war er nur unter starker Bedeckung mglich. Das
Seeruberunwesen wuchs whrend des 17. Jahrh. ungemein schnell; 1680
sollen gegen 10000 Flibustier im westlichen Teile Haitis, ihrem Haupt-
aber nicht alleinigen Sitz, gewohnt haben.

  Sie hausten nicht nur auf See, sondern plnderten auch die Ksten. Fast
  in jedem Jahre unternahmen sie grere Zge, so z. B.: 1662, 1665, 1668
  Einflle in Kuba; Plnderungen von Veracruz 1683, von Campeche, Nicoya,
  Leon, Realeja 1685, von Guayaquil 1686, Cartagena 1690, Panama 1691 u.
  a. m. Oft wurden sie von den Englndern oder Franzosen untersttzt, von
  den erstgenannten z. B. bei den Einfllen in Kuba; wir sahen sie auch
  an Kriegszgen der Franzosen teilnehmen. Verschiedene Versuche der
  Kolonien Mexiko und Kuba, die Piratennester gnzlich zu zerstren,
  hatten selten und niemals anhaltenden Erfolg; erst als die Piraten auch
  den Englndern lstig fielen, wurde dem Unwesen gesteuert (Anfang des
  18. Jahrh.).

Da die Regierung und der kleine beteiligte Kreis weiter allein Vorteil
aus dem Handel ziehen wollte, blieb das Verbot des Verkehrs mit Fremden
und der Kolonien unter sich bestehen. Beim Wachsen der Bevlkerung und
ihrer Bedrfnisse nahm der Schmuggelhandel immer mehr zu, besonders in
Kriegszeiten, wenn der Verkehr mit dem Mutterlande unterbrochen war und
die berwachung nicht streng durchgefhrt werden konnte. Als im
Spanischen Erbfolgekriege die Franzosen den Schutz der spanischen
Kolonien mitbernommen hatten, benutzten sie auch die Gelegenheit zum
Handel mit ihnen. Nach dem Frieden von Utrecht hrten die Angriffe auf
und, da gleichzeitig auch die Seeruber mehr im Zaum gehalten wurden,
konnten die Kolonien aufatmen. Die Regierung versuchte zwar sofort, der
Beteiligung der Fremden am Handel wieder ein Ende zu machen, aber jetzt
wurde der unerlaubte Verkehr seitens Englands durch den Assientovertrag
(siehe Seite 576) begnstigt.

  Die englischen Agenten, die infolge des Vertrages ber die Negereinfuhr
  nach Kuba, Veracruz, Panama usw. gesandt waren, studierten genau Lage
  und Bedrfnisse der Kolonien und setzten den englischen Kaufmann in den
  Stand, massenhaft verbotene Ware einzufhren; besonders das Recht
  Englands, ein Schiff zum Markte von Portobello zu senden, begnstigte
  den Schleichhandel. Alle Gegenmaregeln der spanischen Regierung
  fruchteten nicht, die Beamten lieen sich bestechen und die Kolonisten
  begnstigten den Schmuggel, auch die Gouverneure drckten gern ein Auge
  zu.

Wenn auch viele englische Schiffe und Waren beschlagnahmt wurden, so war
die Zahl der Durchschlpfenden doch grer, und in wenigen Jahren rissen
die Englnder den ganzen Handel an sich. Fr die Kolonien war dies
vorteilhaft, ihr Handel blhte auf, aber die Regierung und das Mutterland
wurden arg geschdigt. Als 1750 der Assientovertrag aufgelst und
gleichzeitig dem Verkehr mehr Freiheit gewhrt wurde, betrug der Umfang
des Handels zwischen Amerika und Europa 286 Millionen Pesos, davon
entfielen 224 auf den englischen Schleichhandel, auf Spanien kamen also
nur 22%. Das waren die Frchte der spanischen Prohibitiv-Handelspolitik.

Soviel ber die Verhltnisse der spanischen Kolonien im allgemeinen. Auf
den Inseln =Kuba=, =Haiti=, =Portorico= stand es noch ungnstiger, denn
diese waren bei weitem nicht so bevlkert als die Festlandskolonien, da
hier die Indianer ausgerottet und viele Eingewanderte nach dem Festlande
weitergezogen waren; auch waren sie ja den Angriffen am meisten
ausgesetzt. Sie wurden bald von den franzsischen und englischen Inseln
berholt. Um die Mitte des 18. Jahrh. hatte Kuba 140000 und
Spanisch-Haiti (4/5 der Insel) 40000 Einwohner aller Farben. Kuba
exportierte etwa 46000 Ztr. Tabak und 5000 Ztr. Zucker; man vergleiche
hiermit die Angaben fr die englischen und franzsischen Besitzungen. Das
doch nur schwach bevlkerte Spanisch-Haiti brachte nicht genug fr den
eigenen Bedarf hervor und mute von Mexiko untersttzt werden, whrend
Franzsisch-Haiti (nur 1/5 der Insel aber mit gegen 300000 Einwohnern,
worunter 40000 Weie) mehr als 6 Millionen Francs abwarf.

=Spanien besa= 1740 =in Amerika=: Die Vizeknigreiche Mexiko und Peru,
die Generalkapitanate Guatemala (Zentral-Amerika), Neu-Granada (mit
Venezuela), Quito, Charcas (Bolivia), Argentinien und die Inseln Kuba,
Portorico, Haiti (4/5). =Verloren hatte es= im letzten Jahrhundert:
Jamaica, 1655 von Cromwell erobert; den westlichen Teil von Haiti, 1659
von Frankreich besetzt und 1677 als franzsischer Besitz anerkannt;
verschiedene kleinere Inseln, die, nur schwach besiedelt oder gar nur
beansprucht, nach und nach in die Hand anderer Vlker bergegangen waren.
Jamaica war, als wichtiger Sttzpunkt fr die westindischen Gewsser und
auch gegen die Festlandskste, ein schwerer Verlust.

$England$ hatte in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrh. einige
Inseln der Kleinen Antillen besiedelt (vgl. Seite 85) sowie 1655 den
Spaniern Jamaica abgenommen. Im Laufe des Jahrhunderts erweiterte sich
der Besitz und man kann wohl sagen, da alle Inseln gediehen, besonders
als die frh begonnene Negereinfuhr im 18. Jahrh. groen Umfang annahm.
Einige Angaben mgen dieses veranschaulichen.

=Barbados=: Nach dem milungenen Angriff Ruyters 1665 blieb die Insel in
den sonst so kriegerischen Zeiten verschont, dagegen nahmen ihre Milizen
hervorragenden Anteil an Unternehmungen gegen franzsische Besitzungen.
Zuckerindustrie und Handel blhten schnell auf; 1656 zhlte man 25000
weie Einwohner und einen jhrlichen Verkehr von 100 Schiffen; 1753
bestand die Bevlkerung aus 20000 Weien sowie 69000 Negern und 200000
Ztr. Zucker wurden ausgefhrt.

=Jamaica=: Es war anfangs schwierig, festen Fu zu fassen, da die mit
ihren Negern in die Berge geflchteten spanischen Kolonisten die
Ansiedlungen bedrohten und auch verschiedene Wiedereroberungsversuche
abgeschlagen werden muten; erst im Jahre 1660 rumten die letzten
Spanier die Insel; mit den Negern in den Bergen (Maroons genannt), die
stets weiter durch entlaufene Sklaven verstrkt wurden, mute noch 150
Jahre gekmpft werden. Nach Cromwells Tode wanderten viele seiner
Anhnger ein; es wurde besonders Schmuggel mit Spanisch-Amerika, aber
auch Seeraub, betrieben. Ein berhmter Flibustier, Morgan, fhrte sogar
eine Zeitlang die Geschfte des Gouverneurs und Karl II. soll am Gewinn
teilgenommen haben. 1673 zhlte man 8500 Weie und 9500 Neger, der
Zuckerrohrbau erreichte hier die hchste Blte. 1694 wurde die Insel von
den Franzosen geplndert. Mit Inkrafttreten des Assientovertrages wuchs
die Negereinfuhr sehr; von 1709-1775 sind 472700 Sklaven eingefhrt
worden. 1744 betrug der Wert der Einfuhr von England 150000 Lstrl., der
der Ausfuhr 600000 Lstrl. (500000 Ztr. Zucker, daneben Kaffee); man
vergleiche dies mit den Angaben ber Kuba und Spanisch-Haiti. 1775 waren
12700 Weie, 4000 freie Neger und 19200 Sklaven auf der Insel.

=St. Christopher= (St. Kitts), 1625 von Englndern und Franzosen
gemeinsam besiedelt, hatte whrend der Kriege viel zu leiden, da die
beiden Vlker sich mehrfach gegenseitig vertrieben und brandschatzten;
erst 1713 ging die Insel in den alleinigen Besitz Englands ber und
blhte nun schnell auf. Um die Mitte des 18. Jahrh. waren 2000 Weie und
10000 Neger vorhanden. Von hier aus hatten die Englnder noch im 17.
Jahrh. verschiedene der Leewardinseln in Besitz genommen: =Nevis=,
=Antigua=, =Montserrat=. Von Antigua aus (der wichtigsten: 1741 gegen
3500 Weie, 27000 Neger) wurden wieder Barbuda, Anguilla sowie die
Virgin-Inseln besiedelt. Wie St. Christopher, so hatten auch die andern
Leewardinseln whrend der Kriege unter dem wechselnden Waffenglck zu
leiden.

Die =Bermudas=, 1612 besetzt, blieben von Angriffen verschont, sie
zhlten 1750 gegen 6400 Weie und 5000 Neger. Auf den =Bahamas= lieen
sich die Englnder 1646 zuerst nieder und, nach Vertreibung durch die
Spanier, 1680 aufs neue. 1703 von Spaniern und Franzosen verwstet,
blieben die Inseln lange ein Sitz von Seerubern und entwickelten sich
erst langsam nach einer Strafexpedition 1717.

=Auf dem Festlande= war der englische Besitz nur gering. Versuche, sich
an der Campechebay (Mexiko) festzusetzen, scheiterten. 1670 gelang es,
eine Ansiedelung in =Belize= zu grnden, die von Jamaica aus geschtzt
und 1713 von Spanien anerkannt wurde. 1739 trat der sogenannte
Knig der Mosquitoindianer sein Land an England ab (das jetzige
=Britisch-Honduras=). Die Niederlassungen in =Guayana= -- 1652 gegrndet,
1654 durch Eroberung von franzsischem und 1665 von hollndischem Besitz
dort erweitert -- waren 1664 und 1667 wieder gerumt worden.

$Frankreich$ hatte unter =Richelieu= begonnen, in Westindien
Niederlassungen zu grnden (Seite 90), zuerst auf St. Christopher. 1635
wurden der Compagnie des les de l'Amrique smtliche zu kolonisierenden
Inseln zwischen dem 10. und 30. Breitengrade als Eigentum zugesprochen;
der Knig setzte nur Gouverneure und Richter ein, die Gesellschaft
verpflichtete sich, binnen 20 Jahren 4000 katholische Franzosen
anzusiedeln. Man wollte die Inseln nicht ausbeuten, sondern lebensfhige
Kolonien grnden, allerdings sollten diese ihre Erzeugnisse nur nach
Frankreich senden und nur von dort ihre Bedrfnisse beziehen. Von
1635-1651 waren in Besitz genommen: =Guadeloupe=, =Martinique=, =Marie
Galante=, =St. Martin=, =Les Saintes=, =St. Croix=. Franzsische
Abenteurer setzten sich auf Tortuga fest, gingen von hier nach der
Westkste Haitis hinber und grndeten die Kolonie =St. Domingue=.

  Es wurde schwer, Einwanderer zu finden. Man war gentigt, aufgegriffene
  Bettler und Arbeitsscheue, ja Strflinge, hinzusenden, sogenannte
  Engags, die die ersten drei Jahre nur fr freie Station arbeiten
  muten. Protestanten wurde die Einwanderung nicht gestattet, obgleich
  solche wohl gerade Neigung gehabt htten, wie auch von England gern
  Dissidenten in die Kolonien gingen. Es lag dies im Zuge der Zeit, auch
  England litt keine Katholiken in seinen Niederlassungen, und Frankreich
  mute besonders die Hinneigung der Hugenotten zu den Hollndern und
  Englndern frchten. 1642 zhlte man 7000 Weie auf den franzsischen
  Antillen.

Diese Niederlassungen blieben, St. Christoph ausgenommen, im Besitze
Frankreichs und entwickelten sich trotz mancher Schwierigkeiten, wie
nachstehende Angaben zeigen werden. Sie berstanden den Niedergang des
franzsischen Seewesens whrend der Frondezeit; der Handel ging zwar in
englische und hollndische Hnde ber, die Kompagnie mute ihren Besitz
an Private verkaufen, aber Einwohnerzahl und Kultur wuchsen. =Colbert=
versuchte die kolonialen Bestrebungen zu heben, zunchst auf dem Wege
Richelieus. Eine neue Gesellschaft, die Compagnie des Indes occidentales,
erhielt die Niederlassungen in Westindien, Nord- und Sdamerika sowie in
Westafrika als Eigentum. Diese sperrte wieder den Handel mit Fremden,
zeigte sich aber auch nicht leistungsfhig: Es mangelte an Mitteln, weil
das franzsische Kapital noch kein Vertrauen zu berseeischen
Unternehmungen hatte; sie sandte nicht genug Waren hinaus und forderte zu
hohe Preise. Unruhen waren die Folge und Englnder wie Hollnder
versuchten in den Kriegen 1665-1667 und 1672-1678 sich der Kolonien zu
bemchtigen. Die Kompagnie ging 1674 ein, die Regierung bernahm selber
die Verwaltung, Gesellschaften wurden nur fr Handel zugelassen. Es war
dies also ein vollkommener Wechsel in der Kolonialpolitik, aber recht
eigentlich im Sinne Colberts, der so sein Bestreben, die Kolonien fr das
Mutterland nutzbar zu machen, schrfer durchfhren konnte. Er gab den
Handel fr alle Franzosen frei, schlo die Fremden aber noch strenger
aus; er bestimmte nach den Bedrfnissen Frankreichs, was gebaut werden
sollte (Zucker, Tabak, Farbhlzer, Kakao); er sorgte fr strkere
Negereinfuhr, aber nur durch Franzosen. 1683 hatte Franzsisch-Westindien
40000 weie Einwohner und erzeugte schon Zucker ber Frankreichs Bedarf.
Nach Colberts Tode ging die Einwohnerzahl zurck infolge der durch die
Jesuiten hervorgerufenen Ausweisung hollndischer Juden und der harten
Behandlung der Hugenotten, deren beider Einwanderung Colbert begnstigt
hatte. Dies war um so empfindlicher fr die Kolonien, weil gerade der
Krieg 1688-1697 ausbrach und neue Angriffe der Englnder brachte. Der
Wohlstand litt betrchtlich, weil die Verbindung mit dem Mutterlande
meist unterbrochen war und auch die Negereinfuhr stockte. Der Krieg
1702-1713 hatte hnliche Schwierigkeiten im Gefolge. Martinique,
Guadeloupe, Marie Galante und St. Domingue waren, wie wir wissen, in den
Kriegen vornehmlich den Angriffen ausgesetzt.

Nach dem Frieden von Utrecht begann dann aber der Hauptaufschwung,
besonders in Haiti. Die Pflanzungen waren trotz der schweren Zeiten
weiter gediehen, aber man litt unter der geringen Entwicklung des
franzsischen Seehandels und unter Zollschwierigkeiten. Der Regent,
=Philipp von Orleans=, griff durch die Grndung eines Conseil de Commerce
bessernd ein; die Grndungen des Schotten Law mit ihren Folgen (die
Compagnie des Indes), die friedliche Politik =Fleurys= uerten ihre
Wirkung. Wenn auch die Regierung ihre Kolonien zu sehr bevormundete,
wodurch sogar Unruhen hervorgerufen wurden, trotz verschiedener
Negeraufstnde und obgleich der Seeraub noch nicht ganz aufhrte, wuchsen
Bevlkerung und Wohlstand ganz ungemein. 1754 zhlte Martinique 24000
Weie (60000 Neger), Guadeloupe 10000 (50000), St. Domingue gar 40000
(230000). Die franzsische Bevlkerung Westindiens war also der
englischen weit berlegen, von der spanischen gar nicht zu reden; die
Ausfuhr hatte einen Wert von 150 Millionen Lire, der Seehandel
beschftigte 500 Schiffe.

=Auf dem Festland= besa Frankreich, seit 1664, nur =Cayenne=, kurze Zeit
1676 von Holland besetzt. Auch diese Niederlassung schritt fort; 1730 gab
es hier 20 Zuckerfabriken und groe Kaffeeplantagen.

$Holland$ besa in Westindien nur =Curaao= mit seinen kleinen
Nebeninseln und von den Antillen =St. Eustache=, =Saba=, sowie die Hlfte
von =St. Martin= und auf dem Festlande =Surinam=. Hollands Versuch, in
Brasilien ein greres Kolonialreich zu grnden, war gescheitert, wie wir
wissen (vgl. Seite 88, Seite 198).

$Dnemark$ hatte zu den von ihm besiedelten virginischen Inseln =St.
Thomas= und =St. John= 1733 noch =St. Croix= von Frankreich durch Kauf
erworben.

$Portugal$ besa =Brasilien=. Bei der Schilderung der Kriege haben wir
gesehen, da diese Kolonie vielfach den Angriffen der Feinde Portugals
und auch Spaniens, solange beide Staaten vereint waren, ausgesetzt
gewesen ist: insbesondere denen der Englnder 1586-1604 (Seite 134), der
Hollnder 1604-1640 (Seite 88), der Franzosen im Spanischen
Erbfolgekriege (Seite 556). ber die inneren Verhltnisse der Kolonie
gengt es, zu sagen, da sie hnlich wie in den spanischen lagen:
Ausbeutung und Unterdrckung jeder Selbstndigkeit im geistigen und
wirtschaftlichen Leben seitens der Regierung; Ausschlu der Fremden;
grausame Behandlung der Eingeborenen seitens der Kolonisten trotz aller
Gesetze und aller Bemhungen der Jesuiten. Die Folge dieser Schden waren
hufige Unruhen, aber doch wurde die Kolonie bald wichtig fr das
Mutterland durch seine reichen Erzeugnisse, besonders an Zucker und
Kaffee, und sie wurde es noch mehr, als man um 1700 Gold in grerer
Menge sowie um 1730 ergiebige Diamantlager fand.


                              Nordamerika.

$England$ hatte um 1648 die Kste von Virginia bis Maine besiedelt (Seite
85), das diese Strecke unterbrechende hollndische Neuniederland war 1664
erobert (Seite 252 und Seite 350). 1663 wurde Karolina in Besitz genommen
und im Frieden von Utrecht 1713 trat Frankreich an England Acadia (mit
Ausnahme der Cap Breton-Insel) ab; 1732 begann die Besiedelung Georgias.
Um die Mitte des 18. Jahrh. bestanden im Gebiet der heutigen Union =die
13 englischen Kolonien=, die sich spter lossagten, nmlich: =die vier
nrdlichen Kolonien=, die sogenannten =Neuenglandstaaten= New Hampshire,
Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die =fnf mittleren=
New York, New Jersey, Delaware (die frher hollndischen
Niederlassungen), Pennsylvanien, Maryland; die =vier sdlichen=
Virginien, Nord- und Sd-Karolina, Georgia.

Die meisten dieser Kolonien hatten im letzten Jahrhundert durch immer
wachsende Einwanderung an Umfang, Bevlkerung und Wohlstand ungemein
zugenommen trotz mancher Schwierigkeiten. Diese bestanden nicht nur in
fast ununterbrochenen Kmpfen mit den Indianern (den Leni-Lenape-Stmmen
der Kste), die sich bald der Ausdehnung hartnckig entgegensetzten und
zum Vernichtungskampfe zwangen, in den Kmpfen mit den franzsischen
Kolonien, und in den Streitigkeiten der Gemeinwesen unter sich, ehe die
Grenzfragen einen gewissen Abschlu gefunden hatten, sondern auch
wesentlich in Reibungen mit der englischen Regierung.[284]

  [284] Die hchst lehrreiche Geschichte der Entwicklung der einzelnen
        Kolonien, auch in ihrem Verhltnis zu England, genau in
        Zimmermann, Band II. Die obige Krze der Darstellung fhrt
        notgedrungen zu Ungenauigkeiten.

Den lteren Kolonien hatte man anfangs eine ziemlich selbstndige
Verwaltung zugestanden, besonders denjenigen, die von Gesellschaften oder
Vereinigungen gegrndet waren -- Massachusetts (Puritaner), Connecticut,
Rhode-Island -- aber auch denen, die an einzelne Personen vergeben waren
(Eigentmerkolonien) -- Maryland (Lord Baltimore), New York (Herzog von
York), Pennsylvanien (William Penn) --, sowie denen, die frhzeitig
Kronkolonien wurden, z. B. Virginia. Die Gemeinwesen whlten den Rat des
Gouverneurs und ein Parlament, gaben sich selbst die Gesetze und zahlten
nur geringe Abgaben an das Mutterland. Aber bald begann dieses die
Kolonien von sich abhngiger zu machen; besonders die Stuarts Karl II.
und Jakob II. entzogen ihnen viele Vorrechte und versuchten, sie fr
England oder die eigene Person auszunutzen. Nachteile im Handel und
Wandel, Unzufriedenheit, selbst Unruhen waren die Folge.

  Der Hauptkampf der Regierung ging naturgem gegen die Staaten mit der
  freiesten Verfassung: Massachusetts, Connecticut und die spter in
  erstem aufgegangenen New Plymouth und Newhaven. Diese vier Kolonien
  waren ohne jede Beihilfe der Regierung gegrndet und hatten sich schon
  zu einem Bunde, als Neuengland, zusammengeschlossen. 1686 ernannte
  Jakob II. einen Generalgouverneur ber sie sowie ber Newyork, das
  schon durch seine Thronbesteigung Kronkolonie geworden war, und
  Newyersey; gewaltsam wurden die alten Freibriefe berall eingezogen.

1688 war die Freiheit der Kolonien in groer Gefahr, sie begrten daher
den Sturz Jakobs II. als eine Erlsung; berall verjagte man die
Gouverneure und suchte den alten Freibriefen wieder Geltung zu
verschaffen. Aber die Hoffnungen, die man auf Wilhelm III. und das jetzt
allmchtige Parlament setzte, wurden nur in geringem Mae erfllt. Kein
englischer Staatsmann war geneigt, den Kolonien die alte Selbstndigkeit
wiederzugeben, man brauchte die Mittel, die man in den letzten Jahren aus
ihnen bezogen hatte. Das Gebiet von Massachusetts, dem Hauptsitz der
Opposition, wurde zwar durch Zuteilung von New Plymouth, Maine und Acadia
vergrert, aber nach einem neuen Gesetz wurden der Gouverneur und sein
Rat vom Knige ernannt; der Gouverneur bestellte Offiziere und Beamte,
ohne seine Genehmigung durften keine Gesetze gegeben, kein Geld verwendet
werden. Die wichtige Kolonie kam so in fast gleiche Lage wie die
bisherigen Kronkolonien; zu solchen machte man auch bald smtliche
Eigentmerkolonien, indem man Verlegenheiten der Besitzer benutzte. Den
noch nicht so wichtigen Gemeinwesen, z. B. Connecticut und Rhode-Island,
lie man mehr Freiheiten.

  =Handel und Schiffahrt blieben beschrnkt=: Nur in England oder in den
  Kolonien gebaute, in englischem Eigentum befindliche und mit Englndern
  bemannte Schiffe sollten zum Handel zugelassen werden; der Absatz der
  Erzeugnisse war nur in England oder durch dessen Vermittlung gestattet.
  Die Ausfuhr von Wolle war ganz verboten, die von Holz beschrnkt; zu
  Masten geeignete Bume durften nur mit kniglicher Erlaubnis gefllt
  werden. Die Eisenbearbeitung war begrenzt, die Errichtung von Hochfen
  untersagt und dgl. Man wachte eben darber, keine Industrie aufkommen
  zu lassen, um die des Mutterlandes zu schtzen und ihren Absatz in den
  Kolonien zu frdern. Das Parlament nahm auch weiter das
  Besteuerungsrecht in Anspruch. Die Kolonien bestritten es aber
  ernstlich, weil sie nicht im Parlament vertreten seien; diese
  Auffassung brachten sie auch dadurch zum Ausdruck, da sie alle aus
  England kommenden Vorschriften erst durch die eigenen Parlamente zum
  Gesetz erhoben. Zlle und Schiffahrtsabgaben lieen sie sich allenfalls
  gefallen, gegen direkte Steuern wrde sich jedenfalls allgemeiner
  Widerstand erhoben haben; die Regierung sah dies auch ein. Die Folge
  der Handelspolitik Englands war eine stete Verschlechterung der
  amerikanischen Geldverhltnisse. Die Kolonien waren dem Mutterlande
  tief verschuldet. Von dort erhielten sie reichlichen Kredit zu
  Unternehmungen aller Art, da sie aber bei dem Handelsverbot aus anderen
  Lndern kein Geld bekamen und die Schulden in England nicht immer mit
  ihren Erzeugnissen decken konnten, entstand bald Mangel an barem Gelde.
  Whrend der Kriege vor und nach 1700 mute Papiergeld ausgegeben
  werden; dieses verdrngte bald das Metallgeld, sank tief im Kurse, und
  der Handelsverkehr wurde durch den unsicheren Wert der Zahlungsmittel
  sehr beeintrchtigt.

Trotz aller Hindernisse schritt die Entwicklung stetig fort. Schon um
1688, zur Zeit des ersten greren Krieges um Kanada (vgl. Seite 473),
zhlte das englische Nordamerika gegen 200000 weie Einwohner, zur Zeit
des zweiten Krieges (1702, vgl. Seite 565) 260000. Hierzu kamen in den
sdlichen Staaten Negersklaven, doch war die Zahl noch gering, in
Virginia zhlte man um 1671 etwa 2000 und 1700 etwa 6000; in den
nrdlichen Staaten dienten nur sehr wenige auf den Farmen, da die
Regierung die Einfhrung hinderte. Auch der Landbesitz nahm stetig zu,
die Indianer wurden immer weiter zurckgedrngt. Im Westen erstreckten
sich um 1730 die Farmen bis ber die Berge westlich der
Neuenglandstaaten, 1724 war das erste Fort (Dummes) im spteren Staate
Vermont errichtet. Handel, Schiffbau und Schiffahrt wuchsen: 1738 wurden
in Boston allein 38 Schiffe erbaut; 400 Schiffe besorgten jhrlich die
Ausfuhr Philadelphias, 200-300 die Charlestowns (Karolina). 1744, bei
Beginn des ersten Krieges um Kanada im nchsten Abschnitt, kann man mit
einer Gesamteinwohnerzahl der englischen Kolonien von 1200000 Seelen,
darunter eine Million Weie, rechnen; auf die 4 Neuenglandstaaten kamen
allein 400000 Weie.

  Fr 1756, Ausbruch des letzten Krieges um Kanada, liegen genauere
  Angaben vor. Die Neuenglandstaaten zhlten 425000 Weie, 11000 Neger;
  die mittleren Staaten 457000 bezw. 71000; die Sdstaaten 283000 bezw.
  178000. Ganz Englisch-Nordamerika also 1200000 Weie und 260000 Neger.
  Man sieht die ungeheure Zunahme der Sklaven, Virginia besa allein
  120000; hier war eine Klasse reicher Plantagenbesitzer von hohem
  Selbstbewutsein entstanden.

In den englischen Niederlassungen war jene Form der Kolonisation zur
hchsten Entfaltung gekommen, die England eigentmlich ist: Eine
Gemeinschaft freier Mnner, im wesentlichen sich selbst regierend und auf
sich selbst angewiesen, dabei aber mit Begeisterung am alten Vaterlande
hngend. Der Beschftigung nach waren die Kolonisten Ackerbauer,
Kaufleute und Seeleute zugleich; in der Beschaffenheit ihres Landes und
seiner Erzeugnisse, in seiner langen Kste mit geschtzten Hfen hatten
sie alle Elemente der Seemacht vereinigt und auch schon viel fr deren
Entwicklung getan; uerst eiferschtig waren sie auf Franzosen und
Kanadier. In einem solchen Lande und in einer solchen Bevlkerung hatten
die englische Marine und Armee in den nchsten Kriegen eine sichere
Grundlage auf der westlichen Halbkugel.

  Allerdings wurden die Kolonisten immer unzufriedener mit den Manahmen
  der Regierung. Der Interessengegensatz der sich immer strker
  bevlkernden Neuenglandstaaten zum Mutterlande wuchs von Jahr zu Jahr.
  Er wurde dadurch verstrkt, da viele Einwanderer aus Irland,
  Deutschland usw. kamen, die durch keine Bande an England gefesselt
  waren; die erstarkende Presse schrte und wurde von der ffentlichen
  Meinung in Schutz genommen. Immer selbstbewuter wurden die Kolonien,
  immer energischer beanspruchten sie die alten Freiheiten; schon 1705
  sagten Stimmen in England voraus, da sie sich einst freimachen wrden.
  Noch waren sie aber nicht zum Abfall reif, noch waren sie zu stolz auf
  die Macht des Mutterlandes und auch noch zu sehr in Sorgen wegen der
  Indianer und der Franzosen in Kanada.

Fr $Frankreich$[285] lagen die Verhltnisse in Nordamerika ganz anders.
Wir hrten, da die Ansiedlung in $Acadia$ und $Kanada$ (Quebec) nur
geringe Fortschritte machte (Seite 89). Die unter Richelieu gegrndete
Gesellschaft hatte nur den Pelzhandel im Auge; sie vergab zwar weite
Landstrecken an Unternehmer, um sie zu besiedeln, aber infolge der
Einschrnkung der Kolonisten durch die Vorrechte der Kompagnie fanden
sich nur wenig Einwanderer. Jesuiten dagegen grndeten Stationen zur
Bekehrung der Huronen am St. Lorenz- und am Ontario-See. 1642 zhlte
Kanada nur erst einige Hunderte von Ansiedlern. Sie hatten viel zu leiden
von den Angriffen der Irokesen zwischen dem Hudson und dem Erie-See, die
besonders von den englischen Ansiedlungen aufgehetzt wurden, als auch
diese die Franzosen zu belstigen anfingen; stndige Reibungen zwischen
den Jesuiten, spter dem Bischof und der Verwaltung traten hemmend fr
die Entwicklung hinzu. 1663 gab die Kompagnie ihre Rechte und Pflichten
an die Krone zurck. Die Regierung lag nun in der Hand eines Conseils,
das aus dem Gouverneur, dem Bischof, dem hchsten Verwaltungs- und
Justizbeamten sowie einigen Ansiedlern bestand. Die ersten Gouverneure
waren tchtige Mnner, sie schrnkten die Macht der Geistlichkeit ein und
hielten die Irokesen in Schranken. Die Zahl der Einwanderer mehrte sich,
vor allem wurden Offiziere und Soldaten der allerdings nur nach Hunderten
zhlenden Garnisonen mit Land belehnt. 1671 zhlte man schon 6000 Weie;
die Erforschung des Landes war fortgesetzt, 1670 hatte man vom Ohio aus
den Mississippi erreicht. Von 1672 an stand der besonders tchtige
Gouverneur =de Frontenac= bis 1698 an der Spitze der Kolonie; unter ihm
machte sie groe Fortschritte.

  [285] Nheres ber die Verhltnisse Zimmermann, Band IV; dort sind auch
        die Kriege mit England genauer geschildert.

  Frontenac regelte den Pelzhandel. Wenn einst die Indianer ihre
  Jagdbeute zu den Niederlassungen gebracht hatten, so kauften jetzt nur
  Jger und Hndler (die courreurs des bois) die Felle in den
  Indianerdrfern auf, oft im Auftrage der Beamten; Frontenac stellte
  diesen belstand ab. Er gestattete den Branntweinhandel unter Aufsicht
  der Regierung; bisher hatten die Jesuiten ihn unterdrckt und die
  Indianer handelten deshalb lieber mit den Englndern. 1682 wurde
  Frontenac infolge von Umtrieben des Intendanten und der Jesuiten
  abberufen, und gerade jetzt hatten die Englnder die Irokesen gewonnen,
  die einen vollstndigen Vernichtungskrieg gegen die den Franzosen
  ergebenen Stmme begannen; gleichzeitig schdigten die Englnder selber
  von den Niederlassungen an der Hudsonbai aus den Seehandel und die
  Fischerei bei Acadia. Wir hrten bereits, da daraufhin bereits im
  Frieden die Franzosen die Englnder von genannter Bai vertrieben und
  die Irokesen zchtigten. Nach der Kriegserklrung kam Frontenac zurck.

Bei Ausbruch des ersten Krieges mit England 1688 (vgl. Seite 473) hatte
die Kolonie 15000 Einwohner, sie fhrte auch den langen Krieg glcklich
durch. Zwar kam, wie wir wissen, der Plan (1689 und 1696 ins Auge
gefat), Newyork als eisfreien Hafen zu nehmen, wegen mangelnder
Untersttzung vom Mutterlande nicht zur Ausfhrung. Man hatte in Paris
die Kraft der englischen Kolonien unterschtzt und die franzsische
Marine war der ihr zufallenden Aufgabe nicht gewachsen, aber die
englischen Angriffe wurden abgeschlagen. Beim Frieden 1697 gab England
die Hudsonbay auf und lie die Franzosen im Besitz der Westkste
Neufundlands.

Ebenso glcklich fhrte die Kolonie den zweiten Krieg (1702-1713, vgl.
Seite 565), der der Hauptsache nach auch auf beiden Seiten durch die
Kolonisten ausgefochten wurde, obgleich Kanada nur 16000 Einwohner gegen
260000 in den englischen Kolonien hatte. Man mu jedoch dabei beachten,
da englischerseits nur die Neuenglandstaaten in Betracht kamen, da
diese nicht immer einig waren, da in Kanada Garnisonen regulrer
Truppen, wenn auch nur schwache, lagen, die dem Gegner ganz fehlten, und
da die Franzosen ber Indianer verfgten, whrend die Irokesen, von den
Englndern verletzt, zur Zeit Frieden mit Kanada hielten; auch an
kniglichen Schiffen, auf beiden Seiten nur schwach vertreten, scheinen
die Franzosen berlegen gewesen zu sein. Als England endlich grere
Untersttzungen sandte (1710), wurde Port Royal genommen, der Angriff auf
Quebec (1711) scheiterte dagegen klglich. Infolge des sonstigen Verlaufs
des Krieges mute Frankreich dann die Niederlassungen an der Hudsonbay,
ganz Neufundland und Akadia -- bis auf die Insel Kap Breton, den
Schlssel zur St. Lorenzbay -- an England abtreten. Die Kanadier
empfanden diese Zugestndnisse, die Handel und Fischerei erheblich
schdigten, schmerzlich und versuchten bei der Ausfhrung des Vertrages
zu retten, was zu retten war. Die Ungenauigkeit der Abmachungen gab dazu
gengend Handhaben, weder die Grenzen Akadias noch die des Irokesenlandes
waren sicher festgesetzt.

Der Aufschwung, den die kolonialen Bestrebungen Frankreichs nach dem
Frieden von Utrecht nahmen, uerte sich in Kanada besonders darin, da
man sich auf die vorauszusehenden weiteren Kmpfe mit den englischen
Kolonien vorbereitete und mit Erforschung des Landes sowie der
Ausbreitung des franzsischen Einflusses im Innern weiter vorging. Die
Bedeutung Kanadas gewann mit der durch die Lawschen Unternehmungen
hervorgerufenen Besiedlung Louisianas; durch eine Verbindung beider
Kolonien wre den englischen das weitere Vordringen abgeschnitten
gewesen.

  Der Wohlstand Kanadas machte nur geringe Fortschritte. Das Land brachte
  zu wenig hervor; Minerale waren nicht gefunden worden, Ackerbau wurde
  wenig betrieben, die Fischerei war durch die Englnder teilweise
  lahmgelegt. Wichtig war nur der Pelzhandel, er hing aber von der
  Billigkeit der Tauschartikel ab. Diese waren von Frankreich bezogen zu
  teuer und England verbot die Einfuhr. Der Wert der jhrlichen Ausfuhr
  an Pelzwerk betrug zwei Millionen Frank, hinzu trat nur noch ein etwa
  gleicher Betrag fr Holz, Fische und Tran, whrend die Kolonie fr acht
  Millionen europische Erzeugnisse gebrauchte; sie litt stets an Mangel
  baren Geldes.

An dem besten Hafen der Insel Kap Breton wurde Louisbourg, die strkste
Befestigung Nordamerikas, als Schutz der Strae nach Quebec und der
franzsischen Fischerei gebaut. Um der Kolonie neue Hilfsquellen zu
erschlieen und um dem Vordringen der Englnder vorzubeugen, wurden auf
dem Wege zum Mississippi Stationen gegrndet und Forts angelegt, z. B.
Fort Frontenac 1721 am Niagara, worauf die Englnder sofort am Ontario
das Fort Oswega bauten; das Fort Detroit zwischen Erie- und Huron-See;
Vincennes am Wabash-Flusse; Pittsburg (1754); du Quesne am Lac Champlain.
So entstand eine Kette von Befestigungen; von der Mndung des Mississippi
nach Norden sollte der Anschlu erfolgen. Gleichzeitig drang man, weniger
wichtig fr uns, nrdlich der groen Seen auf 50 Breite bis zu den
Rocky-Mountains (1743) vor; man hoffte einen groen nach West laufenden
Strom und damit einen bequemen Weg zum Stillen Ozean zu finden. Diese
Ausbreitung fhrte auch whrend der Friedensjahre zu Grenzkriegen, die
zwar meist von den Indianern ausgefochten wurden, deren Fhrer aber in
Kanada und Neu-England saen.

Die Einwohnerzahl nahm zu, aber nicht in dem Mae wie bei den englischen
Kolonien; 1744 zhlte Kanada etwa 50000 Weie. Auch der Charakter der
Bevlkerung war ein ganz anderer. Die militrische und mnchische
Erziehung hemmte die Entwicklung persnlicher Unternehmungslust und
freier Verbindung zu gemeinsamen Zielen. Die Kolonisten betrieben Handel
und Landwirtschaft nur so weit, als es ihre Bedrfnisse erforderten,
sonst lebten sie der Jagd und dem Waffendienst. Jedermann war ein Soldat,
hierin lag eine Strke der Kolonie. Die Kanadier haten die englischen
Kolonisten als Eindringlinge in ihren Besitz; als solchen fate
Frankreich das ganze Ohio- und Mississippital auf Grund der frheren
Entdeckung auf. Da die Erschlieung und Besiedlung dieses groen
Gebietes nicht mit mehr Erfolg vor sich gegangen ist, drfte grtenteils
darauf zurckzufhren sein, da von seiten des an der groen Wasserstrae
gelegenen Louisiana zu wenig geschah.

$Louisiana$ war 1700 an der Mndung des Mississippi gegrndet; frhere
Versuche, im Sden Nordamerikas Fu zu fassen, hatte Spanien verhindert,
infolge der engen Verbindung mit Frankreich wurde es jetzt zugelassen.
Die Franzosen erforschten den Flu mit seinen Zuflssen und grndeten als
Hauptstadt La Mobile. Die Besiedlung schritt sehr langsam fort, 1712
waren erst 380 Weie, zur Hlfte Soldaten, in fnf kleinen befestigten
Posten dort; die Kolonie war Kanada unterstellt. 1717 wurde sie an die
Compagnie d'Occident (spter des Indes, die Schpfung Laws) vergeben, die
auch sofort umfassende Maregeln fr die Besiedlung ergriff. Noch im
selben Jahre sandte man 69 Ansiedler und 3 Kompagnien Soldaten hinaus,
1718 folgten 800 Mann; der Regent erteilte zahlreiche Landkonzessionen
mit Adelstiteln; New Orleans wurde als Sitz der Regierung gegrndet. 1719
wurde Pensacola den Spaniern abgenommen, aber beim Frieden 1720
zurckgegeben. 1719 erhielt Law das Recht, Vagabunden als Ansiedler
hinauszuschaffen. Bedeutende Fortschritte machte die Kolonie jedoch auch
jetzt nicht: die Einwanderer waren minderwertige Leute, die in dem Klima
nicht arbeiten wollten oder konnten (nur deutsche Bauern bei New Orleans
erwarben bald einen bescheidenen Wohlstand); die Beamten waren unehrlich
und liederlich; die Kompagnie hemmte die Kolonisten durch ihre Vorrechte,
die Regierung verbot jede Industrie, die mit dem Mutterlande in
Wettbewerb treten konnte; Kompagnie und Ansiedler legten sich mehr auf
Suchen von Minen als auf Landbau. 1731 gab die Kompagnie ihre Rechte an
die Krone zurck; sie behielt nur das Handelsmonopol gegen die
Verpflichtung, die erforderlichen Waren und 500 Neger jhrlich
einzufhren. Um diese Zeit zhlte man 5000 Weie und 2000-3000 Neger.

Die Regierung ordnete nun die Verwaltung durch einen Conseil wie in
Kanada an und hob die Einfuhrzlle fr Waren aus Frankreich auf; die
Kompagnie hatte mit 200% Aufschlag verkauft. Aber nur langsam hob sich
die Kolonie. Die Kolonisten litten unter den Feindseligkeiten der
Indianer, ihre Ttigkeit beschrnkte sich erfolgreich nur auf ein kleines
Gebiet am Meere und am Mississippi; die Hauptorte waren New Orleans und
Natchez. Um die Mitte des 18. Jahrh. sollen gegen 20000 Einwohner
vorhanden gewesen sein, doch erscheint diese Angabe unsicher.

Frankreich beanspruchte mit seinen Kolonien Kanada und Louisiana einen
ungeheuren Teil Nordamerikas, dabei standen 1744 nur 80000 franzsische
Kolonisten (hochgegriffen) einer Million englischer gegenber; kein
Wunder, da der nun beginnende Kampf um die Herrschaft zugunsten der
germanischen Rasse ausgefallen ist.

$Spanien$ besa in Nordamerika nur =Florida=, eine Bezeichnung, unter der
man ein weites, ungenau begrenztes Gebiet um die Halbinsel gleichen
Namens zusammenfate. Hier waren gegen die erwhnten frheren
Ansiedlungsversuche der Franzosen St. Augustine (1563 vergl. S. 89) und
Pensacola (1696) gegrndet.


                               Ostindien.

Die ungeheure Macht, die $Portugal$ um 1540 in den indischen Gewssern
gehabt hatte (Seite 63), war schon bis 1640 durch eigene Schuld sowie
durch das Auftreten Englands und Hollands dort sehr zurckgegangen (Seite
84, 86).

  Um 1640 war noch in portugiesischem Besitz: An der arabischen Kste
  Mascat, Ormuz war 1622 an die Perser, von England untersttzt,
  verloren; in Nord-Vorderindien Banda und Diu; an der Westkste
  Vorderindiens 20 Niederlassungen von Daman bis Quilon; an der Ostkste
  Negapatam und Masulipatam; in Hinterindien Malakka; von der Inselwelt
  nur Ceylon und Timor; in China Macao.

Und sie schritt weiter abwrts. Wenn sich auch Portugal 1640 von Spanien
lossagte, so nahm Holland doch noch Malakka 1641 weg, ehe der Frieden
drauen bekannt geworden war. Der Versuch, den Handel durch Freigabe an
alle Portugiesen neu zu beleben, blieb ohne Erfolg; er war schon zu sehr
in englische und hollndische Hnde bergegangen. Weitere Gebietsverluste
folgten: 1650 verlor Portugal Mascat an die Araber; in dem neuen Kriege
mit Holland (1656-1661, Seite 239) nahm dieses Ceylon, Negapatam,
Quilon, Cranganor, Cochin, Cananor; 1661 fiel Bombay (wie Tanger) als
Mitgift der Gemahlin Karls II. an England. Die zu Bombay gehrigen Drfer
lieferten die portugiesischen Behrden nicht mit aus und erschwerten den
englischen Handel mit dem Festlande; trotzdem blhte die Stadt in
englischen Hnden schnell auf, whrend die portugiesischen Pltze
verarmten. England schlug 1672 ein Schutz- und Trutzbndnis gegen die
Eingeborenen vor, wenn ihm die Anlage von Faktoreien in allen
portugiesischen Pltzen zugestanden wrde, Portugal sollte die gleichen
Vorrechte in englischen Orten erhalten; Portugal aber blieb hartnckig
und belstigte Bombay weiter. England rchte sich durch Gewaltmaregeln
aller Art, die Portugiesen sagten, smtliche englischen Schiffe htten
Seeraub betrieben; auch untersttzen die Englnder Portugals Gegner offen
mit Kriegsmaterial. Gleichzeitig und weiterhin hatte Portugal unter den
Angriffen der Mahratten zu leiden, die mit dem Verfall des Reiches des
Mogul immer mchtiger wurden. Diese vertrieben Ende der zwanziger Jahre
des 18. Jahrh. die Portugiesen aus den meisten ihrer Besitzungen; 1737
eroberten sie die Insel Salsette, den alten wichtigen militrischen
Sttzpunkt, und von dort Bassein. $1740$ war nur noch der jetzige Bestand
in portugiesischem Besitz: Diu, Daman und Goa. Portugals Macht in Indien
war gebrochen, sein Handel so gut wie vernichtet.

$Holland$ war in unserem Zeitabschnitt an seine Stelle getreten. Die
Macht der =hollndisch-ostindischen Kompagnie= um 1648 ist uns bekannt
(Seite 86) und soeben ist gesagt, inwieweit sich diese an der Westkste
Vorderindiens auf Kosten Portugals ausdehnte, aber auch sonst erweiterte
und befestigte sie sich. Die =Molukken= kamen vllig in die Gewalt der
Kompagnie. Um die Preise der Gewrze hochzuhalten und jeden Wettbewerb zu
hindern, rottete die Kompagnie smtliche Anpflanzungen aus, die sie nicht
selber ntig hatte; dadurch hervorgerufene Aufstnde der Insulaner wurden
unterdrckt, die bald verarmte Bevlkerung war dann ungefhrlich; die
Spanier gaben ihre letzte Befestigung in Tidore auf. In =Sumatra= faten
die Hollnder 1659 durch Eroberung von Palembang an der Ostkste Fu und
1662 stellten sich auch die Frsten der Westkste unter ihren Schutz
(Hauptkontor in Padang). In lngerem Kriege 1660-1669 wurde die Macht
=Makassars=, des Hauptsitzes des Mohammedanismus, von dem aus in jenen
Meeren der Widerstand auf den Molukken und in Japan stets untersttzt
war, gebrochen. Die Kompagnie wurde dann Herrin von =Celebes= und machte
dem Handel Englands und Portugals hier ein Ende.

  Eine Niederlassung auf Borneo konnte sich nur kurze Zeit gegen die
  wilden Bergstmme halten. 1693 wurde Pondichery den Franzosen
  abgenommen, aber im Frieden von Ryswijk zurckgegeben. Einen schweren
  Verlust erlitt die Kompagnie dadurch, da 1663 die Kolonie auf Formosa
  an China verloren ging, als hier die Tataren zur Herrschaft kamen.

Der bedeutendste Erfolg der Kompagnie war ihre zunehmende Macht auf
=Java=. Durch andauernde Kmpfe mit den Frsten von Bantam und Mataram
gewann sie groen Landbesitz; sie brachte auch den Handel der Insel ganz
in ihre Hand, England rumte 1683 seine Ansiedlung in Bantam. Besonders
wichtig wurde Java durch den Kaffeebau, der 1696 eingefhrt wurde und so
zunahm, da man ihn wie den Gewrzbau auf den Molukken einschrnkte; 1740
lieferte er 4000000 Pfund.

Ihrer Macht entsprechend gebot die Kompagnie ber eine =groe Flotte= und
ber =eigene Truppen=. In den Jahren 1650-1702 wurden jhrlich 15-30
Schiffe nach Indien abgefertigt; in 22 Jahren unter 20, dafr in 12
Jahren ber 25. Diese eigentlichen Ostindienfahrer waren wohl armiert;
man hatte drei Klassen: zu 38 Kanonen, zu 36, zu 26. Es war mithin stets
eine erhebliche Seemacht auf der Station, zu der noch viele kleine
Schiffe fr den dortigen Zwischenverkehr traten; die aus- und
heimsegelnden Convois bildeten kleine Flotten. Holland stand
infolgedessen in den Kriegen mit England und mit Frankreich in Indien
berlegen da und der Verkehr mit der Heimat wurde nicht unterbrochen,
kaum eingeschrnkt. Fr die Besatzungen der Forts unterhielt man eine
europische Truppe von 2000 bis 3000 Mann, verwendete in den Kriegen auf
Java aber auch Eingeborene der anderen Inseln.

Die Vorherrschaft Hollands in Indien stand jedoch auf schwachen Fen,
Verwaltung und Handelspolitik waren ungesund. Die ostindische Kompagnie
hatte um 1739 ihren Hhepunkt bereits berschritten, ihr Verfall
begann.[286]

  [286] Nachstehendes nach Zimmermann, Band V, woselbst sehr genaue
        Angaben ber die Geschftsverhltnisse der Kompagnie gegeben
        sind.

  Die Kompagnie wurde in Holland geleitet durch ein Direktorium von 17
  Teilhabern Kamer van Zeventienen): 8 von Amsterdam, 4 von Seeland, 2
  von der Maas, 2 vom Norderquartier und der 17. von den drei letzten
  Provinzen gemeinschaftlich gewhlt. Hinzu traten 60 kaufmnnische
  Leiter, deren Zahl in hnlichem Verhltnis in den Provinzen verteilt
  war. Drauen stand in Batavia ein Generalgouverneur an der Spitze, auf
  Vorschlag der Kompagnie von den Generalstaaten ernannt, ihm zur Seite
  der Rat von Indien, bestehend aus den hchsten Beamten zu Batavia und
  den Gouverneuren der andern Inseln usw. Die Macht und Verantwortung des
  Generalgouverneurs waren gro; er besetzte mit dem Rat alle mittleren
  und niederen Beamtenstellen. Die Laufbahn der Beamten stufte sich ab
  in: Assistent, Buchhalter, Unterkaufmann, Kaufmann, Oberkaufmann (die
  Direktoren der einzelnen Kontore). Alle Schiffe, auer den nach Ceylon
  bestimmten, liefen Batavia an, den Sitz des Generaldirektors des
  Handels. Der Gouverneur war zwar fr gewisse Flle angewiesen, die
  Entscheidung der Kammer der XVII einzuholen, oder an die Zustimmung
  des Rates von Indien gebunden, konnte aber fast immer seinem Willen
  Geltung verschaffen.

  Die Kompagnie strebte an, Handel und Wandel allein in der Hand zu
  behalten. Maregeln in diesem Sinne waren die schon erwhnte
  Beschrnkung des Gewrz- und Kaffeebaues, Unterdrckung jedes anderen
  Handels sowohl von seiten anderer Vlker wie auch hollndischer
  Kolonisten; wie frher bei den Portugiesen war es verboten, Karten und
  Aufzeichnungen mit in die Heimat zu nehmen, selbst die
  Privatkorrespondenz unterlag der Aufsicht. Man trieb aber auch eine
  bermige Sparsamkeit, z. B. in der Besoldung der Beamten.

  Trotzdem gingen die Geschfte nicht dauernd gut und wurden immer
  schlechter. Dabei wurden hohe Dividenden gezahlt: 1651-1702 meist
  zwischen 15 und 40%, nur in acht Jahren 0%; 1681-1706 wurde in Indien
  nur in sieben Jahren ein Gewinn erzielt; 1698 hatte die Kompagnie eine
  Schuldenlast von 11 Millionen Gulden, fast das Doppelte des
  Einlagekapitals. Der schnelle Rckgang vom Beginn des 18. Jahrh. an ist
  aus folgenden Angaben ber den Reingewinn zu ersehen: 1613-1696 = 40
  Millionen; 1613-1703 = 31-1/2; 1613-1713 = 16-1/2; 1613-1723 = 4,8;
  1613-1730 = -7,3; 1613-1779 = -85 Millionen Gulden. ber diese Lage
  verlautete nach auen nichts; sie ist erst im 19. Jahrh. lange nach dem
  Zusammenbruch der Kompagnie bekannt geworden. Die Welt sah immer nur
  die ansehnlichen Dividenden und nahm an, da alles in bester Ordnung
  sei. Die Kompagnie hatte stets den grten Kredit, sie hatte ja auch
  viele Kriegslasten auf sich genommen und noch 1696 den Generalstaaten 8
  Millionen fr die Verlngerung ihres Privilegs gezahlt.

  Die Grnde des Rckganges lassen sich zusammenfassen: 1. die immer mehr
  umsichgreifende Unzuverlssigkeit der Beamten, ein jeder arbeitete in
  seine Tasche; ursprnglich waren sie wohl durch zu geringe Besoldung
  gezwungen, fr sich Handel zu treiben und Verletzungen der Rechte der
  Kompagnie seitens Fremder, selbstndiger hollndischer Kolonisten und
  der Eingeborenen durchgehen zu lassen. Gnstlingswirtschaft bei
  Besetzung der Stellen ri ein, berflssige Posten wurden geschaffen;
  2. die strenge Durchfhrung des Monopols lhmte die Entwicklung der
  Kolonien, mit der Gebietserweiterung wuchsen die Verwaltungskosten
  unverhltnismig; 3. die Kriege auf Java und Celebes verschlangen
  groe Summen, die Regierung stellte infolge der europischen Kriege zu
  bedeutende Ansprche; 4. in Vorderindien wuchs der Wettbewerb der
  Englnder.

$Englands$ Macht in Indien war 1648 noch unbedeutend (Seite 84). Die
=ostindische Kompagnie= besa Faktoreien, teilweise kleine Forts, an der
Westkste Vorderindiens (Vorort Surat), an der Koromandelkste (Madras),
in Bengalen (Hugly am Gangesdelta), in der Inselwelt nur noch auf Java
und Celebes (spter gerumt); eigentliches Landeigentum hatte sie nicht,
eine grere Befestigung nur in Madras (St. George seit 1639).

Der erste hollndisch-englische Krieg brachte der Kompagnie groen
Schaden, doch wurde dieser beim Friedensschlu ersetzt (Seite 229) und
auch der Wettbewerb seitens der Courtenlinie (Seite 84) durch vllige
Verschmelzung mit dieser abgewendet. 1658 wurde das Kapital wesentlich
vermehrt und 1661 besttigte Karl II. der Kompagnie die weitestgehenden
Rechte: berlassung des alleinigen Handels mit Indien; Anerkennung als
politische Korporation mit dem Rechte, sich Gesetze und Verfassung zu
geben, mit nichtchristlichen Frsten Krieg zu fhren, Festungen zu bauen
und Soldaten zu halten; die Regierung behielt sich nur vor, den Vertrag
mit dreijhriger Frist kndigen zu drfen, falls es das Interesse der
Krone oder des Volkes erfordere. Als Bombay dem Knige zufiel, wurde auch
dieses der Kompagnie zugeteilt durch seine insulare Lage ein wichtiger
Sttzpunkt. Es begann nun das langsame aber stetige Wachsen der Macht der
Kompagnie. Mit ungeheuren Schwierigkeiten, die nicht nur drauen, sondern
auch daheim auftraten, hatte sie zu kmpfen.

  Ein kurz gefater berblick auf die =Geschichte der ostindischen
  Kompagnie=[287] whrend unseres Zeitabschnittes sei gegeben. Die
  Geschfte wurden in Indien von Prsidentschaften geleitet in: Surat,
  Madras mit Bengalen, Bantam; spter fiel Bantam fort, Surat wurde nach
  Bombay verlegt, Bengalen wurde unter Kalkutta selbstndig. Jede
  Prsidentschaft besa einige Hauptfaktoreien, von denen die Auenposten
  abhingen; in England wurden die Schiffe nach einer der
  Prsidentschaften abgefertigt und von dieser weiter expediert. An der
  Spitze der Hauptbehrden stand der Prsident mit seinem Rate, dessen
  Mitglieder wie der Prsident von der Kompagnie ernannt wurden; die
  brigen Beamten -- hnlich wie in Holland: Lehrling, Schreiber, Faktor,
  junger und alter Kaufmann -- ernannte der Prsident. Die Besoldung war
  sehr gering, die Beamten waren auch hier geradezu darauf angewiesen,
  Durchstechereien zu machen und heimlich Handel zu treiben; auch die
  Besatzungen der kleinen Garnisonen waren so schlecht bezahlt, da
  Meutereien vorkamen.

  [287] Vorwiegend nach Zimmermann, Band II.

  Zu Anfang war die Entwicklung wenig gedeihlich; der Wettbewerb der
  Hollnder in Bantam und Surat, Angriffe der Mahratten auf diesen Platz,
  Streitigkeiten mit den einheimischen Behrden in Hugly, Kmpfe der
  indischen Frsten untereinander in Madras lhmten den Handel. Von
  1663-1671 sind nur insgesamt 6 Schiffe von England hinausgesandt. Dann
  kam ein Aufschwung; 1668-1671 liefen 40, 1679-1682 46 Schiffe aus. 1677
  besa die Kompagnie 30-35 Fahrzeuge von 300-600 tons; etwa die Hlfte
  mit 40-50 Kanonen. Groen Gewinn machte die Kompagnie jedoch nicht: die
  Kriege, der Bau der Befestigungen, die Verhandlungen mit den Frsten
  sowie die Bestechung ihrer Machthaber erforderten groe Summen; 1676
  hatte die Kompagnie 600000 Lstrl. Schulden. In den 80er Jahren litt das
  Geschft wieder unter Kriegen mit den Mahratten an der Westkste und
  mit dem Mogul in Bengalen, Bantam wurde gerumt. Durch entlassene
  Beamte angeregt, versuchten andere englische Kaufleute mit den
  indischen Frsten anzuknpfen, doch gab der bei der Kompagnie
  beteiligte Knig Jakob II. dieser das Recht, fremde Schiffe
  aufzubringen.

  Um nun nicht weiter von der Gnade der indischen Frsten abzuhngen,
  sowie um jeglichem Wettbewerb krftiger begegnen zu knnen, beschlo
  die Kompagnie 1685 mit Gewalt aufzutreten und ein Reich zu grnden; der
  Plan war, zunchst ausreichende Gebiete bei Bombay und Madras, in
  Bengalen und Sumatra zu erwerben und unter das Protektorat des Knigs
  zu stellen. Das Beispiel Hollands hat wohl diesen Plan hervorgerufen,
  aber man verga, da es leichter war, einzelne Inseln zu unterwerfen,
  als mit mchtigen Reichen anzubinden; die Hoffnung auf Untersttzung
  durch die Mahratten erfllte sich nicht, und so schlug dieser erste
  Versuch vllig fehl, ja er brachte alles bisher Erreichte in Gefahr.

  Mit Einverstndnis des Knigs, der der Kompagnie auch gestattete, in
  den Hauptstationen den Union Jack zu heien, wurde 1685 eine
  Expedition von 10 Kriegsschiffen und 6 Kompagnien Soldaten unter
  Kapitn Nicholson ausgerstet; in Indien sollte der oberste Beamte in
  Bengalen diese mit 400 Mann sowie 9 Schiffen verstrken und den
  Oberbefehl bernehmen. Man beabsichtigte, die Stadt =Chittagong=, an
  einem vorzglichen Hafen im Nordosten des Busens von Bengalen gelegen,
  zu nehmen und zu befestigen, den Nabob von Bengalen zu Gebietsabtretung
  und Zugestndnis grerer Rechte zu zwingen; dann wollte man den
  Portugiesen bisher noch streitige Gebiete in Vorderindien abnehmen und
  auch hollndische Besitzungen angreifen. Das Unternehmen war weder
  richtig noch gengend stark vorbereitet. Die Prsidenten von Bombay
  (John Childs) und Madras waren nicht genau davon unterrichtet, was im
  Osten vor sich gehen sollte -- es war der berraschung wegen geheim
  gehalten --, sie konnten keine Vorbereitungen treffen. Als das
  Geschwader in Hugly erschien, zogen die Inder Truppen zusammen und
  jagten (Oktober 1686) die Englnder den Flu hinab, ehe deren Krfte
  vollstndig versammelt waren. Emprt ber den Versuch, lie dann der
  Mogul die Englnder auch aus Surat vertreiben und bedrohte Bombay wie
  Madras. Die Kompagnie mute sich glcklich schtzen, durch geschickte
  Unterhandlungen berall die alten Verhltnisse herzustellen. Trotzdem
  unternahm 1688 Childs mit noch schwcheren Krften einen zweiten
  Vorsto in Bengalen. Wieder wurde die Kompagnie aus der Provinz, aus
  Surat, sowie Masulipatam vertrieben, ja, die Insel Bombay bis auf das
  Fort besetzt. Doch auch dieses Mal war der Mogul schwach genug, die
  frheren Rechte zurckzugeben; er erteilte Februar 1690 den Englndern
  Verzeihung, da sie demtig darum gebeten htten, auch mute die
  Kompagnie 150000 Rupien zahlen und Childs absetzen (er starb noch vor
  Abschlu des Vertrages im belagerten Bombay).

  Im Anfang des 18. Jahrh. traten neue Verwicklungen mit den Beamten des
  Moguls in Surat und Bengalen auf, doch auch diese wurden dadurch
  berwunden, da ein Arzt der Kompagnie den Mogul von einer schweren
  Krankheit heilte, man erlangte sogar neue Rechte und Gebietserweiterung
  (=1715=). Schon vorher waren Fortschritte an der Koromandelkste
  gemacht und eine Niederlassung auf Sumatra gegrndet worden.

  Auch in England hatte die Kompagnie einen schweren Stand nach
  Vertreibung der Stuarts. In der Allgemeinheit der Handelswelt war sie
  wegen ihres Monopols und wegen des Wettbewerbs der indischen Stoffe mit
  den einheimischen verhat; ihr schroffes Vorgehen zur Wahrung ihrer
  Rechte bot Gelegenheiten genug zu Angriffen, so lag sie stndig im
  Kampfe mit dem Unterhause. Mehrfach drohte Gefahr durch Grndung neuer
  Kompagnien (1695, 1698, 1730), die der infolge der Kriege erschpften
  Regierung gnstigere Anerbieten machten; 1698 trat tatschlich eine
  solche in Indien wettbewerbend und feindlich auf, sehr zum Nachteil des
  englischen Ansehens. Aber auch diese Schwierigkeiten wurden durch
  geschickte Manahmen berwunden, stets erlangte man die Verlngerung
  des Vertrages, als 1744 die Regierung zu neuen Kriegen Geld brauchte
  bis zu 1780.

Aus vorstehendem ist zu ersehen, da die Kompagnie alle Schwierigkeiten
berwand; sie blhte auf. Die Ausfuhr nach Indien betrug 1710-1715
durchschnittlich im Jahr 496770 Lstrl. an Waren und 1600000 Lstrl. an
Mnze, von 1735-1740 jhrlich 938970 Lstrl. bezw. 2459000 Lstrl.; die
Einfuhr von dort hatte 1708-1728 einen Durchschnittswert von 758000
Lstrl. Die Dividenden waren weit bescheidener, als im allgemeinen
angenommen wird: 1708 = 5%; 1710-1722 = 10%; 1723-1731 = 8%; 1732-1744 =
7% (man vergleiche dies mit Holland). Die Verwaltung war kostspielig,
aber man frchtete auch, durch zu hohe Dividenden den Neid der brigen
Handelswelt noch zu steigern. Leider sind keine genauen Angaben ber die
Zahl der Schiffe der Kompagnie vorhanden, um Vergleiche mit Holland
anzustellen; brigens hatte die Gesellschaft von 1712, auer einigen
Schnellseglern fr Postdienst, keine eigenen Fahrzeuge mehr, sondern
heuerte solche. Die Garnisonen bestanden aus englischen und fremden
Sldnern sowie indischen Milizen (Sepoys).

Zu Ende unseres Zeitabschnittes war die Kompagnie bereits ein
gefhrlicher Wettbewerber der Hollnder geworden, ihre Glanzzeit trat
aber erst ein, nachdem noch ein anderer, neuerschienener Nebenbuhler aus
dem Felde geschlagen war, Frankreich.

  Als besonders fr Deutsche bemerkenswert, sei einer Gefahr gedacht, die
  allen indischen Kompagnien durch die schon mehrfach erwhnte $Ostender
  Kompagnie$ drohte. Nachdem die spanischen Niederlande an sterreich
  gefallen waren, glaubten die Kaufleute dieser Provinz, endlich die
  Mglichkeit zu haben, wie die Hollnder Handel nach Indien zu treiben;
  =1714= trat die genannte Gesellschaft zusammen. Das Geld kam allerdings
  vielfach von Personen in Holland und England, die in ihrem Lande die
  eigenen indischen Kompagnien vergeblich bekmpften und auf diese Weise
  am indischen Handel teilzunehmen hofften; auch in Deutschland regte
  sich das Interesse fr das Unternehmen, Kaiser Karl VI. nahm es unter
  seinen Schutz. Die Gesellschaft kaufte in England und Holland Schiffe
  auf, rstete sie in Ostende und Lissabon aus; =1716= erschienen die
  ersten Fahrzeuge unter Kaiserlicher Flagge an der Malabar- und der
  Koromandelkste. Die lteren Kompagnien sahen darin eine Verletzung
  ihrer Vertrge; die Regierungen untersttzten sie auf diplomatischem
  Wege, verboten ihren Untertanen jede, auch nur mittelbare,
  Untersttzung der neuen Gesellschaft und erlieen Befehle, deren
  Schiffe abzufangen. Die Ostender Kompagnie lie sich nicht entmutigen,
  obgleich tatschlich Schiffe aufgebracht wurden, auch Kaiser Karl blieb
  zunchst fest. =1720= z. B. segelten. 6 Schiffe, Faktoreien wurden in
  Bengalen, an der Koromandelkste sowie in Kanton gegrndet und gute
  Dividenden verteilt. Da hob der Kaiser =1727= auf das Drngen der
  Seemchte zugunsten seiner Verhandlungen ber die pragmatische Sanktion
  zunchst das Recht der Kompagnie fr sieben Jahre auf und versprach
  spter in einem Vertrage mit England und Holland, =1731=, fr immer
  Handel und Schiffahrt nach Indien von seinen Niederlanden aus zu
  verbieten. Wre Deutschland ein mchtiger einheitlicher Staat gewesen,
  so wrde es sich damals wohl einen Anteil an den Lndern des sdlichen
  Asiens haben sichern knnen.

$Frankreichs$[288] Kolonialbestrebungen unter Richelieu hatten noch nicht
zur Festsetzung in Indien gefhrt (Seite 90). 1664 wurde die Compagnie
des Indes Orientales gegrndet, der Knig scho 4 Millionen zinslos vor
und versprach, fr zehn Jahre den etwaigen Ausfall zu bernehmen. Die
Stdte, der Klerus, die Steuerpchter, die Noblesse de la Robe wurden zur
Beteiligung bewogen; 6 Millionen sollten aufgebracht werden, aber nur 3
kamen ein. Die Gesellschaft erhielt den alleinigen Handel mit Indien (und
Madagaskar sowie anderen Inseln im Indischen Ozean, vgl. spter unter
Afrika) auf 50 Jahre, Prmien fr Ausfuhr sowie die zu erobernden
Gebiete als Eigentum zugesichert. 1666 ging eine Flotte von 14 Schiffen
unter Admiral =de Mondevergue=, in erster Linie nach Madagaskar bestimmt,
in See, von ihr zweigte sich ein Teil unter einem Direktor der
Gesellschaft, =Caron=, fr Indien ab und grndete (1668) Faktoreien in
Surat, Masulipatam sowie in Chandernagor am Ganges. 1669 folgte ein
starkes Geschwader unter Oberst =de la Haye=, der als Generalleutnant des
Indes orientales den Indern die Macht Frankreichs zeigen, mit dem Mogul
in Verbindung treten und auf Ceylon sowie Banca neue Ansiedlungen grnden
sollte. Man hoffte, alles auf friedlichem Wege zu erreichen, da England
schwach sei und Holland offene Feindseligkeiten nicht wagen wrde. Man
fand aber den auf Ceylon in Aussicht genommenen Platz schon von den
Hollndern besetzt (1672) und wurde durch das Erscheinen berlegener
hollndischer Seestreitkrfte gehindert, sich auf einigen kleinen Inseln
in der Nhe niederzulassen. De la Haye eroberte nun St. Thom an der
Koromandelkste, wurde jedoch auch von hier (1674) durch den Herrscher
von Golkonda, untersttzt durch die Hollnder, wieder vertrieben, von
Masulipatam waren die Franzosen gleichfalls verjagt. Dagegen grndete
1674 ein Beamter der Kompagnie, =Franois Martin=, mit nur geringen
Mitteln eine Kolonie in =Pondichery=, diese hielt sich und sollte die
Grundlage der spteren Macht werden. Martin verstand es, sich stets mit
den wechselnden Machthabern gut zu stellen; er wurde dann Generaldirektor
in Indien, knpfte neue Verbindungen an, hob die Faktoreien in Surat
sowie Chandernagor, erhielt Masulipatam zurck und gewann eine neue in
Balassor (Bengalen). Die lange Kriegszeit, 1688-1713, wirkte jedoch so
nachteilig, da die Kompagnie ihre Geschfte einstellen und ihre Rechte
an einige Kaufleute in St. Malo abtreten mute, aber auch diese fanden
ihre Rechnung nicht; Pondichery kam leidlich durch die schweren Zeiten,
die anderen Faktoreien vegetierten nur. Erst mit den Lawschen Grndungen
trat ein Umschwung ein; bei deren Zusammenbruch blieb die =Compagnie des
Indes=, die die Rechte der alten Gesellschaft fr Indien erhalten hatte,
bestehen. 1721 gingen die ersten Schiffe hinaus; 1725 wurden der Hafen
von Mah, nahe Pondichery, besetzt, verschiedene neue Pltze besiedelt
und, wie schon Pondichery unter Martin, befestigt, der Verkehr mit China
sowie mit den Philippinen gepflegt. Der Handel hob sich; 1727 betrug die
Ausfuhr nach Frankreich 2-1/4 Millionen, 1731 schon 6. Neben Indien
blhten die Inseln Bourbon und Isle de France, wichtig als Stationen auf
dem Wege nach dort, auf. Die Kompagnie hatte das Glck, nacheinander
tchtige Gouverneure in Pondichery zu haben: Martin, Lenoir bis 1735,
dann Dumas, endlich Dupleix (von 1741 an). Die Verwaltung war einfach und
praktisch; an der Spitze jeder greren Kolonie stand ein Gouverneur mit
einem Rate von fnf Mitgliedern. Ein Hauptaugenmerk richtete man auf
Schaffung von Schulen fr die Eingeborenen und auf Franzsierung dieser;
die natrlichen Erzeugnisse des Landes wurden sorgsam erforscht, Gewchse
aller Art zur Prfung an den Pariser Jardin des plantes gesandt.

  [288] Nheres Zimmermann, Band IV.

Als =Dumas= sein Amt antrat, war die politische Lage in Indien den
Europern gnstig. Perser, Afghanen und Mahratten beunruhigten das
Mogulreich; seine Provinzen muten sich selber schtzen und kmmerten
sich nicht mehr um den Hof in Delhi. Dumas nutzte dies zur Erweiterung
des Gebietes sowie zur Hebung des Handels aus.

Unter =Dupleix=, untersttzt durch den Gouverneur La Bourdonnais auf
Bourbon, begann Frankreich in Indien eine den Englndern gefhrliche
Macht zu werden.

$Spanien$ verblieben nach Rumung der letzten Ansiedlungen auf den
Molukken im fernen Osten nur die =Philippinen= (Seite 75). Die Inseln
brachten whrend des 17. Jahrh. mehr Kosten und Sorgen als Vorteile. In
dem groen Kriege mit den Hollndern bedrohten diese die Verbindung mit
Mexiko. Als Portugal sich von Spanien losgesagt und Holland sich Malakkas
(sowie Formosas) bemchtigt hatte, waren die Inseln ganz isoliert und der
ohnehin unbedeutende Handel litt schwer. 1662 erfolgte ein furchtbarer
Aufstand der Eingeborenen. Weitere Kmpfe mit diesen, Streitigkeiten der
Behrden mit den Kolonisten, kirchliche Wirren -- Kmpfe der Jesuiten mit
anderen Orden -- fllten die Zeit bis zum Beginn des 18. Jahrh. aus. Im
Spanischen Erbfolgekriege strten englische Kreuzer den Handel. Whrend
der dann folgenden Friedenszeit wurden nun wohl Entdeckungsfahrten nach
anderen Inselgruppen des Stillen Ozeans unternommen und der spanische
Einflu auf diese ausgedehnt, z. B. auf die Palaos- und Karolineninseln,
auch der Handel nach Mexiko hob sich infolge erleichternder Bestimmungen
ber die Einfhrung asiatischer Waren in Spanisch-Amerika, aber noch 1757
bertrafen die Ausgaben der Kolonie (679000 Pesos) die Einnahmen um 79800
Pesos, obgleich Mexiko einen Zuschu (250000 Pesos) leisten mute.


                                 Afrika.

$Portugal$ war wenig von dem verblieben, was es einst in Afrika besessen
hatte (Seite 61, 63). =An der Westkste= hatte ihm Holland whrend seines
Unabhngigkeitskrieges die Besitzungen an der Goldkste abgenommen; auch
England (sowie Dnemark und Brandenburg) hatte sich dort angesiedelt.
1740 besa Portugal auer den nrdlichen Inseln, Madeira und den
Kapverden, nur noch ein kleines Gebiet am Senegal, die Inseln S. Thom
und Principe sowie die Provinz Angola: den Kstenstrich von Ambris bis
Mossamedes mit der Hauptstadt S. Paolo de Loanda. Es waren dies Kolonien
von sehr geringer Bedeutung; man hatte sie stets mehr als Sttzpunkte fr
die Indienfahrt und als Bezugsquelle fr die Negersklaven, die man in
Brasilien brauchte, betrachtet.

=An der Ostkste=, die einst ganz in ihren Hnden gewesen war, hatten die
Portugiesen fast alles verloren. Schon gegen Ende des 16. Jahrh. bedurfte
es groer Anstrengungen, den nrdlichen Teil (Mombas, Melinde, Sansibar)
gegen Angriffe der Trken sowie gegen Erhebungen der Eingeborenen,
angezettelt durch die Trken, zu halten, und auch der sdliche Teil
(Mosambique, Kilwa, Tete am Sambesi, Sofala) ward fters schwer durch die
Kaffern bedroht. Im 17. Jahrh. beunruhigten die Hollnder whrend des
Unabhngigkeitskrieges die Besitzungen und diese hatten dann in der
zweiten Hlfte bestndig unter den Angriffen der Araber (des Imam von
Maskan) zu leiden; Mombas, Sansibar, Kilwa gingen verloren und auch im
Sden fielen die Kaffern wieder ein; 1721 besetzte Holland die
Delagoabay. So besa Portugal 1740 nur noch die Ksten von Mosambique
nebst Sofala. Versuche, diese Kolonie durch Handelserleichterungen zu
heben, hatten wenig Erfolg, nur der Sklavenhandel war lohnend. Fr
Erschlieung des Innern geschah nichts, die Kaffernstmme bedrohten
selbst die Kstenstdte; schlechte Verwaltung und Mangel an Mitteln
hinderten jeden Aufschwung.

$Holland$ und zwar die =westindische Kompagnie= (Seite 87/88) hatte
Niederlassungen in =Senegambien=, Hauptort die Insel Gore, gegrndet und
an der =Goldkste= die Portugiesen vertrieben. Die Besitzungen wurden in
den Kriegen mit England (Seite 252) und mit Frankreich (Seite 371)
mehrfach Angriffspunkte der Feinde und gingen, wie die in Nordamerika und
Westindien, grtenteils verloren; 1674 waren an der Goldkste nur noch
einzelne im Besitz der Kompagnie, Hauptplatz Elmina.

  Die Niederlassungen bestanden in greren und kleineren Forts (bei
  England wird die Strke einiger solcher Forts als Beispiel gegeben
  werden), von denen aus der Handel betrieben wurde; irgend welchen
  Grundbesitz oder unmittelbare Herrschaft ber Eingeborene hatte man
  nicht. Die Regierung des Landes lag ganz in der Hand der letzteren,
  die sich unausgesetzt befehdeten und oft den Handel mit einem oder dem
  anderen fremden Fort sperrten. Bei den anderen Nationen waren die
  Verhltnisse die gleichen; die Forts der verschiedenen Vlker lagen,
  oft in nchster Nhe, durcheinander. Um 1674 mute die alte
  westindische Kompagnie ihre Geschfte einstellen; eine neugegrndete
  war nicht imstande, den Besitz wieder zu erweitern, und so blieb die
  Macht Hollands in Westafrika gering.

Einen Vorteil hatte Holland im letzten Jahrhundert dadurch errungen, da
=die ostindische Kompagnie= 1653 =das Kapland= besetzte. Schon frher war
die Tafelbay neben St. Helena als Erfrischungsstation auf den Reisen nach
Indien angelaufen worden, jetzt wurde sie der Hauptpunkt, besonders auch
da 1657 die englisch-ostindische Kompagnie =St. Helena= in Besitz nahm
und stark befestigte. Im Kaplande bildete sich neben der Station der
Kompagnie eine Niederlassung freier Brger, die Wein- und Gemsebau mit
Erfolg trieben; schon 1660 deckte die Kolonie ihre Kosten. Die Kompagnie
mute diesen ihren einzigen Sttzpunkt auf dem Wege nach Indien halten,
im brigen stockte die Entwicklung der Kolonien bald; noch 1750 sprachen
die Behrden am Orte dem Lande jede Zukunft ab. Die Kolonisten schrieben
die Schuld der Verwaltung zu: Schlecht bezahlt, suchten die Beamten,
Privatgeschfte zu machen, hinderten eine umfangreiche Besiedlung, waren
bestechlich und eigenmchtig. Mangel an Arbeitskrften sowie
Schwierigkeiten mit den Eingeborenen traten hinzu.

Versuche, sich =an der Ostkste= Afrikas festzusetzen, scheiterten; auch
die Delagoabay wurde wieder aufgegeben.

$England$ hatte 1631 zuerst einige Niederlassungen an der Goldkste
gegrndet, die aber bald teils verfielen, teils von anderen Mchten
(Holland, Dnemark, dem Herzog von Kurland) besetzt wurden. 1662 bildete
sich die =westafrikanische Kompagnie= (an ihrer Spitze der Herzog von
York), die die alten Posten wieder besetzen und eine regelmige
Negerausfuhr betreiben wollte. Sie bernahm einige Forts des Herzogs von
Kurland, baute neue am Gambia und an der Sierra-Leone-Kste und eroberte
andere von den Hollndern, wie eben erwhnt. 1672 trat eine neue
Kompagnie an ihre Stelle und erweiterte den Machtbereich. Diese besa um
1710 ein Fort an der Mndung des =Gambia= (28 Weie, 7 Kanonen), zwei an
der =Sierra-Leone-Kste= und elf an der =Goldkste= (das grte,
Capecoastcastle 93 Weie, 42 Kanonen; drei mit 20 Weien und 25 Kanonen
und so hinab bis zu 6 Weien und 6 Kanonen; zwei oder drei gar nur mit 2
Weien). Der Negerhandel blhte sehr auf; 1680-1688 sind ber 46 000
ausgefhrt, spter jhrlich ber 20000. Der sonstige Handel spielte nur
eine unbedeutende Rolle; 1740 betrug der Wert der Ausfuhr 110543 Lstrl.,
der der Einfuhr 62787 Lstrl.

  Die Kompagnie machte gute Geschfte, so lange sie das Monopol hatte,
  bis 1688. Neben dem Negerhandel fhrte sie Elfenbein, Wachs, Rotholz
  und besonders Gold aus; 1673 wurden von diesem zum ersten Male
  Goldmnzen geschlagen und Guineas genannt. Die declaration of
  right, 1688, die alle ohne Bewilligung des Parlaments erteilten
  Vorrechte aufhob, raubte der Kompagnie ihre Grundlage. Andere
  Englnder begannen den Handel und die Gesellschaft kmpfte denselben
  Kampf um ihre Vorrechte wie die ostindische, aber sie unterlag; der
  Handel wurde freigegeben, die Kompagnie erreichte nur eine
  Untersttzung von seiten der Regierung zur Erhaltung der Forts. 1750
  wurde die Gesellschaft aufgelst; um aber die Forts halten zu knnen,
  wurden smtliche Personen, die nach Afrika Handel trieben, gezwungen,
  zu einer Krperschaft zusammenzutreten -- einer sogenannten regulated
  company im Gegensatz zu einer joint stock company --, die Regierung
  mute aber weiter zuschieen. (Nheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite
  364 ff.)

Die Besetzung =St. Helenas= ist bereits erwhnt; die Insel blieb, mit
kurzer Unterbrechung 1673, in englischem Besitz.

$Frankreich$ betrieb um 1648 mit verschiedenen Gesellschaften
Sklavenhandel =an der Westkste=[289] vom Kap Branco bis zur
Sierra-Leone-Kste, eine bedeutendere Niederlassung bestand nur an der
Mndung des Senegal (St. Louis). 1664 erwarb die =Compagnie des Indes
Occidentales= das alleinige Recht zum Handel; man konnte aber gegen die
Hollnder und Englnder, die die besten Pltze im Besitz hatten, nicht
aufkommen. 1667 wurden den Hollndern wichtige Pltze sdlich des Kap
Verde abgenommen (Gore, Portudal, Joal) und, nachdem die Kolonie und ihr
Handel im Pflzischen Erbschaftskriege viel zu leiden gehabt hatten,
wurde 1697 der Anfang gemacht, das Senegalgebiet wirklich zu
kolonisieren, sich nicht mehr auf die Negerausfuhr zu beschrnken; es
wurden neben neuen Stationen an der Kste auch solche im Innern angelegt.
Diese Bestrebungen hatten Erfolg, besonders nach dem Frieden von Utrecht
und nachdem die Lawsche =Compagnie d'Occident= die Sache in die Hand
genommen. Wenn auch der Handel kein sehr eintrglicher war -- man
rechnete die Ausfuhr, einschlielich Sklaven, auf 800000 Frank mit einem
Gewinn von 200000 im Jahre --, so war doch der franzsische Einflu in
Senegambien und bis zum Kap Branco hinauf bedeutender als der der
Englnder, die nur am Gambia saen; er war gesttzt auf gut im Stande
gehaltene Forts: an der Arguinkste Arguin und Portendik (jetzt Ndjeil);
St. Louis am Senegal (Mndung); Podor, St. Joseph, St. Pierre (weiter
stromauf); Gore, Portudal, Joal, Albreda im Gambiagebiet und weiter
sdlich Bintam.

  [289] Nheres Zimmermann, Band IV, Seite 123, 217.

  Die Insel Arguin war ursprnglich hollndisch. Das Fort hier wurde 1677
  auf demselben Zuge zerstrt, der den Hollndern die Pltze in
  Senegambien kostete. 1683 hatte sich =Brandenburg= auf Arguin
  niedergelassen, trat es aber wieder an Holland ab und dieses wurde 1721
  von den Franzosen mit Gewalt vertrieben.

=An der Ostkste= Afrikas haben die Franzosen 1642-1643 eine
Niederlassung auf =Madagaskar= gegrndet (Fort Dauphin). Wie (bei Indien)
angedeutet, hatte die groe Expedition 1666 unter Admiral de Mondevergue
-- sie fhrte auf 14 Schiffen gegen 1000 Kolonisten, 200 Soldaten und fr
1194000 Frank Waren -- hauptschlich den Zweck, die ganze Insel zu
erobern; sie milang vllig und 1674 wurde diese Kolonie berhaupt
aufgegeben.

  Die Ausreise dauerte elf Monate. Entblt von allen Lebensmitteln traf
  die Expedition in Fort Dauphin ein, sie fand die Niederlassung in
  traurigster Verfassung; die Ansiedler lebten in stetem Kampf mit den
  Eingeborenen und hatten kaum gengend Nahrung. Die Neuangekommenen
  verlangten, vllig enttuscht, nach Frankreich zurckgeschafft zu
  werden; der Admiral und die Beamten der Kompagnie, die die Expedition
  entsandt hatte, erklrten, die Kolonie habe keine Zukunft; die
  Gesellschaft gab sie denn auch 1669 an die Krone zurck und lie ihre
  Indienfahrer nicht mehr Fort Dauphin, sondern die Insel Bourbon
  anlaufen. Trotzdem gab die Regierung die Sache noch nicht auf und
  selbst die sehr zusammengeschmolzenen Kolonisten erklrten, aushalten
  zu wollen, als ihnen Oberst de la Haye auf seiner Reise nach Indien
  1671 anbot, sie nach Bourbon zu schaffen. Als aber de la Haye auf
  seiner Rckreise 1674 die Insel anlief, fand er Fort Dauphin zerstrt
  und die Ansiedler von ihren Sklaven und den Eingeborenen ermordet, nur
  63 hatten sich im Fort gehalten und dann auf einem zufllig
  eingetroffenen franzsischen Schiffe die Insel verlassen.

Dagegen hatte sich die Insel =Bourbon=, seit 1654 besiedelt, gut
entwickelt. Hier wurde Zucker- und Kaffeebau mit Sklaven getrieben, 1723
zhlte man 600 Weie. Auch =Isle de France= (Mauritius), 1715 in Besitz
genommen, blhte schnell auf, besonders unter =La Bourdonnais=, von 1735
an Gouverneur beider Inseln. Die Compagnie des Indes wandte den Maskaren,
als Station auf dem Wege nach Indien, groe Sorgfalt zu, sie fhrte Vieh
sowie Neger und Kulis zur Bestellung der Plantagen ein.

[Illustration]

                    *       *       *       *       *

[Illustration]




                               Seekriege.


                              Im Altertum.

            Zeit                                                   Seite
  8. bis 5. Jahrh.        Phniziens Kriege                            17
         513 v. Chr.      Darius gegen die Skythen                     17
  493-449    "   "        Perserkriege                                 18
  431-404    "   "        Peloponnesischer Krieg                       19
  480-310    "   "        Karthagos Kriege                             19
  264-146    "   "        Punische Kriege                              20
   bis 31    "   "        Roms Kriege                                  20


                             Im Mittelalter.

  5. und 6. Jahrh.        Byzanz' Kriege                               42
  11. bis 13. Jahrh.      Kreuzzge                                    43
  12., 13. u. 14. Jahrh.  Genuas und Venedigs Kriege                   43
  10. u. 12. Jahrh.       Die Staaten der Pyrenischen Halbinsel       43
  9. bis 11. Jahrh.       Zge der Normannen                           43
  14. u. 15. Jahrh.       Kmpfe der Hansa                             43
  13., 14. u. 15. Jahrh.  Kriege zwischen England und Frankreich    44-47


                       In der Zeit von 1492-1648.

                          Kriege im Mittelmeer:
  16. Jahrh.                  Venedig und die Trken                  108
  16. u. 17. Jahrh.           Frankreich, Spanien, die
                                italienischen Stdte                  109

                        Kriege in der Ostsee:
  16. Jahrh.                  Hansa                                   109
  16. u. 17. Jahrh.           Schweden und Dnemark                   110
  16. u. 17. Jahrh.       Kriege zwischen England und Frankreich  111-112
  1566(1585)-1588         Krieg Hollands und Englands gegen
                            Spanien                               112-114
  1588                    Der Zug der Armada                      114-133
  1588-1604               Krieg Englands gegen Spanien            133-137
  1588-1648               Krieg Hollands gegen Spanien            139-142
                          (In diesem Kriege, Kampf Hollands gegen
                            Dnkirchen)                               140


                       In der Zeit von 1648-1739.

  1652-1654        Der erste englisch-hollndische Krieg          189-235
  1654-1659        England gegen Spanien                          236-238
  1656-1661        Holland gegen Portugal                             239
  1655-1660        Schwedisch-polnisch- (hollndisch-
                     brandenburgisch) dnischer Krieg             239-245
  1654-1665        Kmpfe gegen die Barbaresken                  239, 246
  1635-1659        Frankreich gegen Spanien (und Frondekriege)        246
  1645-1669        Venedig gegen die Trken                           247
  1665-1667        Der zweite englisch-hollndische Krieg         248-306
  1667-1672        Kmpfe gegen die Barbaresken                       319
  1672-1674        Der dritte englisch-hollndische Krieg         307-361
  1674-1678        Franzsisch-hollndisch (-spanischer) Krieg
                     (Fortsetzung des vorigen)                    363-393
  1675-1679        Schwedisch-dnischer (hollndisch-
                     brandenburgischer) Krieg, schonischer Krieg  394-402
  1674-1688        Kmpfe gegen die Barbaresken (franzsische
                     Bombardements)                               402-408
  1684             Die Franzosen vor Genua                        408-409
  1684-1699        Venedig gegen die Trken                           409
  1688-1697        Der franzsisch-englisch-hollndische Krieg
                     (PflzischerErbschaftskrieg)                 410-485
  1702-1713        Der Spanische Erbfolgekrieg                    486-576
  1718-1720        Krieg der Quadrupel-Allianz (England,
                     Frankreich usw.) gegen Spanien               577-582
  1700-1721        Der Nordische Krieg                            582-591
  1714-1718        Kriege Venedigs gegen die Trken (1645-1669,
                     1684 bis 1699)                               591-592
  1715-1740        Kmpfe gegen die Barbaresken                   592-593
  1727-1728        Zusammensto Englands mit Spanien                  596
  1733-1735        Polnischer Thronfolgekrieg                         597




                             Seeschlachten.

                  Gefechte, Angriffe auf Kstenstdte.


                              Im Altertum.

  494 v. Chr.      Lade                                                17
  480 "   "        Artemisium, Salamis                         18, 23, 24
  429 "   "        Rhium                                               23
  256 "   "        Eknomos                                         20, 23
   36 "   "        Mylae (Naulochus)                               21, 22
   31 "   "        Aktium                                      21, 22, 24


                             Im Mittelalter.

  1212             Damme                                               44
  1217             Southforeland                                   45, 49
  1340 24. Juni    Sluys                                           45, 49
  1372             La Rochelle                                         46
  1416 September   Harfleur                                            47
  1417 25. Juli    Im Kanal                                            47
  1351             Auf der Maas                                        48


                       In der Zeit von 1492-1648.

  1571 7. Oktober  Lepanto                                            144
  1580             Bei den Azoren                                     112
  1622             La Rochelle                                        112
  1638             Genua                                              145
  1587   19. April Zerstrung der Schiffe in Cadiz (Drake)            115
       { 21. Juli  Plymouth   }                                       126
       { 23.  "    Portland   } Whrend                               127
  1588 { 25.  "    Wight      } des Zuges                             128
       { 28.  "    Calais     } der                                   129
       { 29.  "    Gravelines } Armada                                130
  1596 20. Juni    Angriff auf Cadiz (Howard)                         135
  1625             Ebenso (Wimbledon)                                 138
  1607             Gibraltar                                          139
  1631             Auf der Schelde                                    141
  1639 21. Oktober In den Downs (eine zweite Armadakatastrophe)       141


                       In der Zeit von 1648-1739.

              (Der Name des Siegers ist zuerst angefhrt.)
  1652 29. Mai           Dover (Blake-Tromp, Martin)                  199
  1652 26. August        Plymouth (Ruyter-Ayscue)                     205
  1652  7. September     Blake vernichtet ein franz Geschwader
                           (Vendme)                                  208
  1652  6. September     Elba (van Galen-Badiley)                     208
  1652 30. September     Livorno (Bootsangriff auf Phnix)          209
  1652  8. Oktober       Kentish Knock (Blake-Witte de Witt)          209
  1652 10. Dezember      Dungeness (Tromp-Blake)                      211
  1653 14. Mrz          Livorno (van Galen-Appleton)                 214
  1653 28. Febr.-2. Mrz Portland (Blake-Tromp)                       214
  1653 12./13. Juni      Northforeland-Nieuport (Monck-Tromp)         222
  1653  8. August        Kattwijk (Monck-Tromp)                       224
  1653 10. August        Scheveningen (Monck-Tromp)                   226
  1654 13. April         Penn landet bei Domingo                      236
  1654 10.-17. Mai       Jamaica erobert (Penn)                       236
  1655  4. April         Tunis (Schiffe vernichtet; Blake)            237
  1657 27. April         Teneriffa (Schiffe vernichtet; Blake)        238
  1658  8. November      Im Sunde (Wassenaer-Wrangel)                 242
  1659 23. November      Nyborg beschossen (Ruyter)                   245
  1664 29. Dezember      Smyrnaconvoi (hollnd.) bei Gibraltar
                           angegriffen (Allin)                        254
  1665 13. Juni          Lowestoft (Herzog von York-Wassenaer)        263
  1665 12. August        Bergen, Angriff auf hollnd. Kauffahrer
                           (Tyddiman)                                 271
  1666 11.-14. Juni      Viertageschlacht (Ruyter-Monck)              273
  1666 4./5. August      Northforeland (zweite Schlacht;
                           Monck-Ruyter)                              282
  1666 19. August        Englnder im Vlie-Strome (Holmes)            286
  1667 17.-23. Juni      Ruyter in Themse und Medway                  292
  1672 23. Mrz          Smyrnaconvoi (hollnd.) bei Wight
                           angegriffen (Holmes)                       321
  1673  7. Juni          Schooneveld (erste Schlacht; Ruyter-
                           Prinz Rupert)                              334
  1673 14. Juni          Schooneveld (zweite Schlacht; Ruyter-
                           Prinz Rupert)                              339
  1673 21. August        Texel (Ruyter-Prinz Rupert)                  341
  1674 Juni, Juli        Franzsische Kstenstdte angegriffen
                           (Tromp, Cornelis)                          364
  1674 20. Juli          Martinique (Ruyters Landung)                 368
  1675 11. Februar       Stromboli (Vivonne-del Viso)                 373
  1676  8. Januar        Stromboli (Ruyter-du Quesne)                 377
  1676 22. April         Agosta (du Quesne-Ruyter)                    381
  1676  2. Juni          Palermo (Vivonne vernichtet hollnd.-
                           span. Flotte)                              385
  1676  4. Juni          Bornholm (Niels Juel-Creutz)                 396
  1676 11. Juni          Ertholm (Niels Juel und Tromp-Creutz)        397
  1677 21. Februar       Tabago (d'Estres' Landung)                  370
  1677 11. Juni          Warnemnde-Gjedser (Niels Juel)              398
  1677 11. Juli          Kjgebucht (Niels Juel-Horn)                 398
  1677  August           Kalmar (Tromps und Niels Juels Einfall)      399
  1677 11. Dezember      Tabago (d'Estres' zweite Landung)           371
  1678 11. Dezember      Kap Ouessant (Evertsen-Chteau-Renault)      388
  1682 u. 1683 Sommer    Algier bombardiert (du Quesne)               405
  1684 Mai               Genua bombardiert (du Quesne)                408
  1685 Juni              Tunis, Tripolis bombardiert (d'Estres)      408
  1688 Juli              Algier bombardiert (d'Estres)               408
  1689 11. Mai           Bantrybay (Chteau-Renault-Herbert)          430
  1690 10. Juli          Beachy Head (Tourville-Herbert)              436
  1691 Juni-August       Tourvilles Hochsee-Kreuztour                 441
  1692 29. Mai-3. Juni   Kap Barfleur-La Hogue (Russell-
                           Tourville)                                 444
  1692 27. Juni          Smyrnaconvoi (engl.-hollnd.) bei
                           Lagos vernichtet (Tourville)               457
  1693 November          St. Malo bombardiert (England)               459
  1694 Juni-September    Brest angegriffen; Dieppe, Dnkirchen,
                           Calais beschossen (England)                461
  1695 Juli, August      St. Malo, Dnkirchen, Calais beschossen
                           (England)                                  463
  1696 Juli              Westkste Frankreichs bedroht (England)      466
  1697 April             Cartagena (Mittelamerika) erobert
                           (de Pointis)                               467
  1700 Juli              Kopenhagen angegriffen (Schweden,
                           England, Holland)                          586
  1702 August            Cadiz angegriffen (Rooke)                    514
  1702 29. Aug.-3. Sept. Cartagena (du Casse-Benbow)                  563
  1702 23. Oktober       Vigo, Vernichtung der Silberflotte
                           (Rooke)                                    516
  1704 3. August         Gibraltar erobert (Rooke)                    526
  1704 24. August        Malaga (Rooke-Graf Toulouse)                 530
  1704/05 Winter         Gibraltar, Rckeroberungsversuche
                           (Frankreich)                          536, 538
  1705 18. Mrz          Gibraltar (Leake-de Pointis)                 538
  1705 3. September      Barcelona erobert (Shovel)                   540
  1707 Juli u. August    Toulon belagert (Prinz Eugen und
                           Shovel)                                    547
  1710 24. Juli          Cette, Landung der Englnder                 554
  1712 Herbst            Rio gebrandschatzt (Duguay-Trouin)           556
  1714 Sommer            Hang-Udd (Apraxin-Schweden)                 589
  1715 28. Juli          Holsteinische Kste (Dnen-Schweden)         588
  1715  8. August        Rgen (Dnen-Schweden)                       588
  1718 11. August        Kap Passaro (Byng vernichtet spanische
                           Flotte)                                    580
  1719 Oktober           Einflle in Spanien (Frankreich und
                           England)                                   581
  1727 Januar-Juni       Gibraltar durch Spanien belagert             596

                    *       *       *       *       *

[Illustration]




                       Sach- und Namenverzeichnis.


  =Acadia= d. i. Neuschottland und Neubraunschweig; Besiedlung 89; Kmpfe
    um siehe Nordamerika.

  =Admiral=, Ursprung des Wortes 52; Admirale im Mittelalter 52; Zeit
    (1492-1648) 149, 152; (1648-1740) 181; Generale zur See in England
    195; englische Admiralsgrade nach den Flaggen 221; groe Vermehrung
    der A. in Holland 257; Lordhighadmiral 260; Generalleutnant-Admiral
    in Holland 314; A. in Frankreich (vor und nach 1660) 318; Admiralitt
    und A. of the fleet in England 419; Joint-Admirals 440, 457, 459,
    540.

  =Advijsjachten=, hollnd. Schiffstyp 255.

  =Afrika=, siehe unter Ostafrika und Westafrika.

  =Agrippa=, 15, 21.

  =gypter=, Schiffahrt 4; in Indien (1508) 62.

  =Albemarle=, Herzog von, englischer Admiral siehe Monck.

  =Alberoni=, Kardinal, Leiter Spaniens (1714-1720), hebt
    Seestreitkrfte, Umtriebe gegen die Bedingungen des Friedens von
    Utrecht 578-581.

  =Allin=, engl. Admiral (1664) 254.

  =Almonde=, hollnd. Admiral (1676) 396; bei Cap Barfleur 447, 461; im
    Mittelmeer (1702) 511, 514, (1703) 520; in der Ostsee (1700) 586.

  =Amboina=, Streit zwischen England und Holland 83, 189, 251.

  =Amerika=, siehe unter Nordamerika und Sdamerika.

  =Amfreville=, de, franz. Admiral (1690) 434, 441.

  =Anapolis=, siehe Port Royal.

  =Antilia=, sagenhafte Insel im Atlantik 51, 66.

  =Appleton=, engl. Admiral (1652) 209, 214.

  =Apraxin=, russisch. Admiral (1700) 589.

  =Archangel=, gegrndet (1584) 77.

  =Armada=, Geschichte der 116 ff; Ereignisse der Armadawoche 126 (siehe
    auch unter Seeschlachten); Instruktion fr die A. 116; Streitkrfte
    der Spanier 119, der Englnder 123, der Hollnder 120; Abwgung der
    Gegner 122; Verluste 132; Kritik 132.

      Eine zweite Armadakatastrophe (1639) 141.

  =Armierung=, der Schiffe bei den verschiedenen Marinen siehe unter
    Geschtze.

  =Artillerie=, Entwicklung der usw. siehe unter Geschtze.

  =Assiento-Vertrag=, zwischen England und Spanien (1713) ber
    Negereinfuhr und Handel in Westindien 576, 598.

  =Augsburger Bund=, gegen Ludwig XIV. (1686) 411.

  =Australien= (Torresstrae, Tasmanien, Neuseeland entdeckt) 75.

  =Ayscue=, engl. Admiral (1652) 199, 204.


  =Back=, Vordeck, siehe Decke.

  =Badiley=, engl. Admiral (1652) 209, 214, 219.

  =Ballisten=, Wurfmaschinen 13.

  =Bankers=, hollnd. Admiral (1672), bei Solebay 325 ff; bei Schooneveld
    336 ff; bei Texel 345 ff.

  =Barbareskenstaaten=, 91; weitere Kmpfe mit ihnen siehe unter
    Seekriege.

  =Barcelona=, belagert (1691) 444, (1694) 460; erobert (1697) 466;
    angegriffen (1704) 524; erobert (1705) 540; belagert und entsetzt
    (1706) 540; erstrmt (1714) 556.

  =Bart, Jean=, berhmter franz. Freibeuter (1674) 389, 403, 463, 465;
    Personalien und Haupttaten 470.

  =Beaufort=, Herzog von, franz. Admiral (1665) 272, 287 ff, in Kreta
    [+] 320, 592.

  =Behaim=, Martin, Instrumente, Globus, Weltkarte 29, 31, 57.

  =Belle-Isle=, franz. Insel, angegriffen (1674) 364.

  =Bemannung= der Schiffe, siehe unter Personal.

  =Benbow=, engl. Admiral, in Westindien (1702) 508; Gefecht bei
    Cartagena 562.

  =Berkeley=, engl. Admiral, vor franz. Kstenstdten (1694/1695)
    461-463; an franz. Westkste (1696) 466.

  =Bielke=, dnisch. Admiral (1658) 243.

  =Binckes=, hollnd. Admiral (1676) bei Tabago 369 ff.

  =Blake=, Robert, berhmter engl. Admiral, 198; bei Dover (1654) 199;
    Personalien 200, 204; vernichtet franz. Geschwader 208; bei
    Kentish-Knock 209; bei Dungeness 212; bei Portland 215; vor Tunis und
    Teneriffa 237, 238.

  =Boote=, Bei-, Schiffs-, 166.

  =Bourbon=, Insel, von Frankreich besiedelt (1654) 621.

  =Bourbonischer Familienvertrag=, Keim zum groen Seekriege (1739 usw.)
    622.

  =Bourne=, engl. Admiral(1652) 199, 210.

  =Brandenburg=, siehe unter Friedrich Wilhelm und unter Marinen.

  =Brander=, 42, 106; groer Angriff mit B. (1588) 129; Wesen der,
    Bestnde an 172; Blte und Niedergang der Waffe 188, 313, 354;
    grter Erfolg bei Palermo 385; Abarten: Infernals 459, 462, 464;
    Rauchschiffe 464; Bedeutung der Waffe (1688-1697) 474.

  =Brasilien=, entdeckt (1500) 60; besiedelt 74; Hollnder dort 88,
    Franzosen 89; Kmpfe Portugals mit Holland 198; Duguay-Trouin
    brandschatzt Rio (1712) 556; Geschichte B.s (1648-1740) 605.

  =Brest=, Angriff auf (1694) 461.

  =Britische Gewsser=, (four seas), in denen England die Oberhoheit
    beanspruchte 188.

  =Bucanier= siehe Flibustier.

  =Bcher=, nautische, im Altertum 6; im Mittelalter 31; (1492-1648) 106;
    (1648-1739) 167.

  =Bullen=, ppstliche ber Teilung der Welt 29, 59.

  =Bndnisse=, Schwche der 356.

  =Burgh=, Hubert de, engl. Flottenfhrer (1217) 45.

  =Byng=, engl. Admiral, vor Gibraltar (1704) 526, 542; im Mittelmeer
    (1709) 553, (1718) 579; vernichtet spanische Flotte 580; in der
    Ostsee (1717) 590.

  =Byzanz= (ostrmisches Reich), Schifffahrt 26; Schiffe 32; Kriege 42.


  =Cabotto=, Giovanni, Entdecker Nordamerikas 76. -- Sebastian (Sohn G.s)
    Entdeckungen im Norden Europas 77.

  =Cabral=, Pedro, Alvarez, entdeckt Brasilien 60.

  =Calais=, Wechsel der Besitzer 46, 47, 112, 135; beschossen (1694) 462,
    (1695) 464, (1696) 465.

  =Callenburgh=, hollnd. Admiral (1675) 383; entzieht sich du Quesne
    387; 437.

  =Camisarden= siehe Cevennenkrieg.

  =Cartier=, franz. Entdecker in Nordamerika 76, 89.

  =Casse=, du, franz. Admiral 469; Haupttaten 562; Gefecht bei Cartagena
    (1702) 563.

  =Cassard=, franz. Admiral, in Westindien (1712) 555; Haupttaten 562.

  =Catinat=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 489, 491.

  =Cette=, (Cevennenkrieg, Camisarden) 494; Englnder dort (1703) 520;
    Landung (1710) 554.

  =Cevennenkrieg=, siehe vorstehend.

  =Chteau-Renault=, franz. Admiral (1678) 388; bei Bantrybay 429, 433;
    bei Beachy Head 437; in Westindien (1701) 508; mit der Silberflotte
    in Vigo vernichtet 516.

  =Childs=, John, Prsident der engl.-ostind. Kompagnie (1686) 615.

  =Cinque-Ports=, 50.

  =Clifford=, George, Earl of Cumberland, berhmter engl. Freibeuter
    (1589) 134.

  =Cotlogon=, franz. Admiral (1688) 469, 508.

  =Colbert=, 158, 250; grndet franz. Marine, seine Wohlfahrtspolitik
    315; grndet Kolonien 603.

  =Cond=, Prinz von, franz. Marschall 329 ff, 362.

  =Constant Warwick=, engl. Schiff (1646) 163.

  =Convoi-Wesen= 94.

  =Convoijers=, hollnd. Schiffe nur fr Handelsschutz 468.

  =Cromwell=, 157, 190, 228, 236, 257.

  =Crostaff=, nautisches Instrument 31.


  =Dnemark=, Kriege siehe unter Seekriege, Marine siehe unter
    Marinen.

      Alte Eroberungszge 43; erste Kolonien 90; geschichtliche
    Angaben 212, 229, 272, (1672) 362; Ende der Kriege mit Schweden um
    die Ostsee 532; D. im Nordischen Kriege 585 ff.

      Dnemarks Kolonien (bis 1740) 604.

  =Danzig=, durch hollndische Flotte geschtzt (1656) 240; durch
    russische Flotte blockiert (1734) 597.

  =Dean=, engl. Admiral (1652) 198; Personalien 215; 219; [+]
    224.

  =Decke, Schiffs=-, Vermehrung der 97, 99; Vordeck, Halbdeck usw. 99,
    166, 169.

  =Defensionsschiffe=, dnische 148, 582.

  =Delaval=, engl. Admiral, bei Cherbourg (1692) 454, 457.

  =Derfflinger=, brandenburg. Feldmarschall 400 ff.

  =Devolutionskrieg=, Ludwigs XIV. (1667) 250, 289, 307.

  =Diaz, Bartolomeu=, umsegelt das Kap. 29.

  =Downs=, die, Rhede von Deal 199.

  =Drake, Francis=, engl. Admiral, Entdecker und Freibeuter (1572) 80 ff;
    Zug gegen Cadiz 115; gegen Portugal 133; nach Westindien [+]
    135; sein berhmter Grundsatz 80, 95.

  =Dreidecker=, der erste (Royal Sovereign) 100; 169 ff.

  =Dromone=, ostrmischer Schiffstyp 32.

  =Dubois=, Kardinal, Leiter Frankreichs (1715-1723), schlechter Einflu
    auf Marine 503.

  =Duguay-Trouin=, franz. Admiral und Freibeuter 469; Zug gegen Rio
    (1712) 556; Haupttaten 562.

  =Dumas=, franz. Gouverneur in Indien (1741) 618.

  =Dnkirchen=, Ausgangshafen fr Freibeuter 140; seine Macht (1630 bis
    1646, Krieg gegen Holland) 140; Wechsel des Besitzers 238, 247;
    Kreuzerkrieg gegen Holland (1674 bis 1678) 389, 443; Angriffe auf
    (1694/95) 462, 463, 467; Krieg gegen Holland und England (1702 bis
    1713) 558.

  =Dupleix=, franz. Gouverneur in Indien (1735) 618.


  =Eddystone=, Leuchtturm erbaut (1698) 167; weggewaschen (1703) 521.

  =Einflu der Seeherrschaft.= Altertum: 2; Punischer Krieg 19;
    Mittelalter: Englisch-franzsische Kriege 44 ff, 47; (1492-1648):
    Wichtigkeit der Seeherrschaft 106; (1648-1739): Einflu im
    Pflzischen Erbschaftskriege (1688-1697) 417, 484; im Spanischen
    Erbfolgekriege (1702-1713) 486, 568; Einflu der englischen Seemacht
    im Nordischen Kriege 582, 591; gegen Spanien (1725) und im Polnischen
    Thronfolgekriege 596/97.

      Siehe auch unter Kriegfhrung zur See und unter Strategie.

  =Elisabeth von England=, als Frderin der Schiffahrt 84; zur Zeit der
    Armada 113 ff.

  =England=, Kriege siehe Seekriege, Marine siehe Marinen, Armierung
    der Schiffe siehe Geschtze. Erste Schiffahrt 28; E. geht in die
    Ozeane und Ostsee, verdrngt Spanien und Hansa 78 ff; Kolonien: in
    Indien 82, ostindische Kompagnie 82; in Nordamerika, in Westindien
    84; geschichtliche Angaben (1648) 157, (1652) 189; in der Ostsee
    (1659, schwed.-polnisch. Krieg) 244; geschichtlich (1665) 248;
    Unternehmen gegen hollnd. Kolonien (1663) 252; fhrt (1667)
    Kreuzerkrieg 290; Politik (1672) 309 ff; politische Haltung (vor
    1688) 412; Vertrag mit Spanien (1693) 456; erste feste Station im
    Mittelmeer 461; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 488
    ff; Kriegserklrung 490; Methuenvertrag mit Portugal (P. von nun an
    von E. abhngig) 490; E. gibt Spanien auf (1712) 555; Verlust an
    Schiffen im Kriege (1702-1713) 557; E.s Klage gegen Holland ber
    Lauheit im Kriege 499, 566; Verluste im Kreuzerkriege 560; Ergebnisse
    des Krieges fr E. (Assiento-Vertrag, E. die einzige Seemacht) 575;
    Bund mit Frankreich zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht
    (1717, Quadrupelallianz) 578; Beteiligung am Nordischen Kriege 586,
    590; Einflu seiner Seegewalt 596, 597; Spannung mit Spanien fhrt
    zum Kriege (1739) 594 ff.

      Englands Kolonien, Geschichte (1648-1740) 601, 605, 614, 620.

  =Essex=, Graf von, englischer Befehlshaber, gegen Cadiz (1596) 135 ff;
    dessen Sohn gegen Cadiz (1625) 138.

  =Estres=, Comte de, franz. Admiral (1672) bei Solebay 325 ff; bei
    Schooneveld 336 ff; bei Texel 345 ff; Personalien und Beurteilung
    347, 355; bei Tabago 370 ff; vor Tunis und Algier 408.

      Sohn des vorigen, franz. Admiral, im Mittelmeer (1691) 444, (1701)
    509.

  =Eugen, Prinz von Savoyen=, im Spanischen Erbfolgekriege 489, 491 ff,
    512; vor Toulon 547 ff.

  =Evertsen, Cornelis=, hollnd. Admiral, =der ltere= (1665) 273 ff;
    =der jngere= (1665) 264 ff; =der jngste= (1674) 388, 426;
    geschicktes Manver bei Beachy Head (1690) 437.

  =Evertsen, Jan=, hollnd. Admiral (1652) 212, 216, 226, 264 ff; bei
    Northforeland [+] 283 ff.


  =Fernrohr=, Einfhrung 106.

  =Flaggengru=, den England beanspruchte 191, 297, Versto dagegen fhrt
    zum Kriege (1672) 311; 352.

  =Fleury=, Kardinal, Leiter Frankreichs (1723-1743), schlechter Einflu
    auf Marine 503; seine Friedenspolitik (bis 1748) 595 ff.

  =Flibustier=, Entstehung 89, 92; 600/01.

  =Forbin=, franz. Admiral und Freibeuter (1688) 469; in der Adria (1702)
    512; Zug gegen Schottland mit Jakob III. 552; Haupttaten 562.

  =Frankreich=, Kriege siehe Seekriege; Marine siehe Marinen;
    Armierung der Schiffe siehe Geschtze.

      Erste berseeische Unternehmungen und Kolonien 89 ff; Geschichtliche
    Angaben 229, (1665) 250; Ludwigs XII. Politik (1672) 307 ff; Haltung
    im Kriege (1672-1674) 335; Politik (vor 1688 siehe auch unter Ludwig
    XIV) 410 ff; Grnde der Erschpfung (1697) 415; F.s Kreuzerkrieg 467
    ff; derselbe (1702 bis 1713) 557 ff; Stellung zur spanischen
    Thronfolgefrage (1700) 488 ff (siehe Ludwig XIV.); Kriegserklrung
    490; Verlust an Schiffen (1702-1713) 557, im Kreuzerkriege 560;
    Ergebnisse des Krieges fr F. 575; Bund mit England zur
    Aufrechterhaltung des Frieden von Utrecht (Quadrupelallianz 1717)
    578; Haltung im Nordischen Kriege 591; F. in Kreta (1669) 591;
    Politisches (bis 1740, Wirken des Finanzmannes Law) 595 ff; Haltung
    im Polnischen Thronfolgekriege 597; Bourbonischer Familienvertrag
    (Keim zum Kriege 1739) 598.

      Frankreichs Kolonien. Geschichte (1648-1740) 603, 608, 617, 621.

  =Fregatte=, Entwicklung dieses Schiffstyps 163, 213 Funote, 222, 255,
    353.

  =Freibeuterei=, =Freibeuter=, Wesen 91 ff; englische Freibeuter 80, 82,
    134; F. in den spteren Kriegen: 272, 322, 350, 389, 467; Wesen
    (1688) 469, 553, 559; Taten berhmter franz. F. 470, 561. Siehe auch
    unter Kreuzerkrieg und unter Dnkirchen.

  =Frieden, wichtige Friedensschlsse= mit ihren Bedingungen: Brmsebr
    (Schweden-Dnemark 1645) 111; Westminster (Holland-England 1654) 229;
    Roeskild (Schweden-Dnemark 1658) 240; Kopenhagen (ebenso 1660) 240;
    Haager Konzert (1659) 244; Pyrenischer F. (Frankreich-Spanien 1661)
    247; Breda (Holland-England 1667) 296; Aachen (Frankreich-Spanien
    1668) 308; Westminster (Holland-England 1674) 352; Nymwegen
    (Frankreich-Holland 1678) 363; Fontainebleau und St. Germain
    (Dnemark-Schweden-Brandenburg 1679) 401; Ryswijk
    (Frankreich-England, Holland usw. 1697) 415/16; Utrecht (Frankreich,
    Spanien-England, Holland usw. 1713) 496 (siehe auch Seite 575 Die
    Ergebnisse des Krieges fr die Teilnehmer); Im Haag
    (Spanien-Quadrupelallianz 1720) 582; Travendal (Schweden-Dnemark
    1700) 586; Friedrichsburg (Schweden-Dnemark 1720) 589; Nystadt
    (Schweden-Ruland 1721) 589; Vertrag von Sevilla (England-Spanien
    usw. 1729) 597.

  =Friedrich Wilhelm, der Groe Kurfrst=, seine Politik (1672) 311, 333;
    (1674) 362; im Kriege um Pommern (1674-1678) 400 ff; weitere
    Geschichte seiner Marine und Kolonien 401; Arguin aufgegeben 621.

  =Frobisher=, engl. Seemann, als Entdecker 77; z. Zt. der Armada (1588)
    121 ff.

  =Frontenac=, franz. Gouverneur in Kanada (1672) 608.


  =Galeassen=, Schiffsart 102.

  =Galen van=, hollnd. Admiral (1654) 209.

  =Galeon=, Schiffstyp 38.

  =Galere=, 32; franz. Galerenflotte 153.

  =Generale zur See=, in England 195.

  =Genua=, Schiffahrt 26; Schiffe 38; Kriege 42/43; von den Franzosen
    bombardiert (1684) 408.

  =Geschtze=, Einfhrung 37, 41; Arten (1500) 97/98; Aufstellung (1600)
    100; Weiterentwicklung (1492 bis 1648) 103 ff; G. Pforten 104; Arten
    (1580) 105; (1648-1739): Arten, Aufstellung, planmige Armierung der
    Schiffe, leichte, mittlere, schwere Artillerie 168 ff; Armierung in
    Holland und England (1665) 256, 258; ebenso (1672) 313; G. im Kriege
    (1672 bis 1674) 354; Armierung in Holland (1688) 420.

  =Geusen=, Wasser-G. 112; neue G. (1634) 94, 141.

  =Gewrz-Inseln=, G.-Handel 61 ff, 75.

  =Ghent, van=, hollnd. Admiral (1667) 291; in der Themse (1672) 323.

  =Gibraltar=, von England erobert (1704) 526; Versuche zur Rckeroberung
    536 ff.

  =Great Harry= engl. Schiff (1514) 39, 97.

  =Greenwich=, Observatorium gegrndet 167; Hospital 506.

  =Griechen=, Schiffahrt 4; Schiffe 7; Kriege 17.

  =Griechisches Feuer=, 41.

  =Gruppen=, Gefechts- siehe unter Taktik.

  =Gunfleet=, Ankerplatz 435 Funote.


  =Haager Konzert=, Vermittlungsvorschlge in der spanischen
    Thronfolgefrage (1688) 488 ff.

  =Haen, den=, hollnd. Admiral (1675) 382.

  =Hansa=, Schiffahrt 27; Schiffe 37; Kriege (Bltezeit) 43; Flotten 50,
    Niedergang 78; Kriege im 16. Jahrh. 109.

  =Harwich=, Angriff (1667) 295.

  =Hawkins=, engl. Entdecker 80, 81; Fhrer z. Zt. der Armada 121 ff; in
    Westindien 134.

  =Hay, de la=, franz. General in Indien (1669) 617, 622.

  =Hein, Piet=, hollnd. Admiral (1628) nimmt die Silberflotte 88.

  =Heinrich, der Seefahrer=, Prinz von Portugal 28.

  =Heinsius=, Ratspensionr von Holland 422.

  =Helena, St.=, Insel entdeckt (1500) 61; englisch 351, 620.

  =Herbert=, spter =Earl of Torrington=, engl. Admiral (1688) 426; bei
    Bantrybay 429 ff; bei Beachy Head, seine Order, Einwendungen,
    Verhalten 433 ff; nochmals genauer 478.

  =Hessen-Darmstadt, Georg Prinz von=, General im Spanischen
    Erbfolgekriege; vor Cadiz 513 ff; nach Vigo 518; vor Barcelona 524;
    vor Gibraltar 527; verteidigt Gibraltar 537; erobert Barcelona 541.

  =Holland.= Kriege siehe Seekriege, Marine siehe Marinen. Armierung
    der Schiffe siehe Geschtze.

      Erste Schiffahrt 28; geht in Ostsee und die Ozeane, verdrngt
    Hansa, Portugal und Spanien 78, 85 ff; Kolonien: in Indien
    (ostindische Kompagnie) 86, in Nordamerika 87, in Westafrika 87, in
    Sdamerika und Westindien (westindische Kompagnie) 88; Geschichtliche
    Angaben (1648) 157 ff, (1665) 249; Politik (1672, isoliert) 309 ff;
    Holland in Not 320; Deiche durchstoen 331; innere Verhltnisse
    332; politische Haltung (vor 1688) 412; Vertrag mit Spanien (1693)
    456; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 488 ff;
    Kriegserklrung 490; gibt Spanien auf (1712) 555; Klage Englands
    gegen H. wegen Lauheit im Kriege 499, Antwort darauf 567; Ergebnisse
    des Krieges fr H. 575; Beteiligung am Nordischen Kriege 586, 590.

      Hollands Kolonien, Geschichte (1648-1740) 604, 612, 619.

  =Holmes=, engl. Admiral (1662), in Afrika und Nordamerika 252; im
    Vlie-Strome 287; greift Smyrnaconvoi an 321.

  =Howard, of Effingham=, engl. Admiral gegen Armada (1588) 121 ff; gegen
    Cadiz (1596) 135.

  =Hudson=, engl. Entdecker in Nordamerika 87.


  =Indien=, Ost-, geographischer Begriff im Altertum und Mittelalter 29;
    Staaten usw. dort (1500), Besiedlung durch Portugal 60 ff; England in
    I. 82, Holland 86; Zusammensto beider 83; Franzosen, Dnen dort 90;
    Geschichte der europischen Kolonien in I. (1648-1740):
    portugiesische 611, hollndische 612, englische 614,
    Ostende-Kompagnie (deutsch) 616, franzsische 617, spanische
    (Philippinen) 618.

  =Infernal=, Abart der Brander siehe dort.

  =Instrumente=, nautische, Entwicklung 30, 106, 167.

  =Irland=, Kampf um (1688) 428 ff; Fehler beider Gegner dabei 431, 434;
    440/41.

  =Isle de France=, Insel von Franzosen besiedelt (1715) 622.


  =Jakob= II. von England (1685), als =Herzog von York= tchtiger Admiral
    263 ff, Personalien 264; bei Solebay 324 ff; Knig 411; vertrieben
    (1688, sein politischer Fehler) 413; Kampf in Irland 414, 428;
    verjagt dort 440; plant Einfall in England 445; Schicksal besiegelt
    465; [+] (1701) 489.

  =Jakob= III., Sohn, von Ludwig XIV. anerkannt 489; plant Einfall in
    Schottland (1708) 552.

  =Jakobstab=, nautisches Instrument 31.

  =Jamaica=, von England erobert 85; 237; 602.

  =Juel=, Niels, dnisch. Admiral (1675) 394 ff.


  =Kalikut=, Stadt in Indien, 59 ff.

  =Kalmar=, Angriff (1677) 399.

  =Kalmarische Union=, Vereinigung der skandinavischen Staaten unter
    Dnemarks Fhrung 43, 109.

  =Kampfweise=, zu den verschiedenen Zeiten siehe unter Taktik.

  =Kanada=, besiedelt 89; Kmpfe um siehe Nordamerika.

  =Kanonen=, ihre Entwicklung siehe unter Geschtze.

  =Kap Hoorn=, erste Umsegelung (1616) 75.

  =Kaperei=, Wesen der 93; siehe auch unter Freibeuter.

  =Kapland, Kap der Guten Hoffnung=, erste Umsegelung 29; besiedelt
    (1652) 87; von Holland besetzt 198, 620.

  =Karavelle=, Schiffstyp 39.

  =Karisches Meer=, Entdeckung 77.

  =Karl= II. von England 248; sein strategischer Fehler (1666) 274, 303;
    289; fhrt nur Kreuzerkrieg 290, 304; Politik (vor 1672) 307 ff;
    [+] (1685) 411.

  =Karl= III. von Spanien, Prinz von sterreich, Sohn Kaiser Leopolds,
    Knig von Spanien (1703) 490; sein Krieg in Spanien 493 ff; deutscher
    Kaiser 496; landet in Lissabon (1704) 522; verlt Spanien (1711)
    555; erlt die Pragmatische Sanktion (1713), seine Politik behufs
    deren Anerkennung 594 ff.

  =Karl= VI., Deutscher Kaiser, siehe vorstehend.

  =Karl= X., =Gustav, von Schweden=, schwedisch-polnisch. Krieg 239 ff.

  =Karl= XII. =von Schweden=, im Nordischen Kriege 585 ff; [+]
    (1718) 589.

  =Karrak=, Schiffstyp. Mittelalter 38.

  =Karten=, siehe Seekarten.

  =Karthago=, Schiffe 13; Kriege 19.

  =Kastelle= fr Schiffsgeschtze 35, 38, 95, 99.

  =Katapulte.= Wurfmaschinen 12.

  =Kiellinie.= siehe unter Taktik.

  =Killigrew=, engl. Admiral (1690) sein Fehler 433; 457.

  =Kogge=, Schiffstyp, Mittelalter 37.

  =Kolonien=, Grndung, Entwicklung und Kampf dort, siehe unter:
    Nordamerika, Sdamerika, Brasilien, Westindien, Indien, Ostafrika,
    Westafrika. (Auch unter England, Spanien usw.)

  =Kolumbus=, seine Schiffe 39; seine Taten 65 ff.

  =Kompa=, erfunden 30.

  =Konvoiwesen=, =Konvoijers=, siehe unter C.

  =Kopenhagen=, belagert (1658) 240, 245; beschossen (1700) 585.

  =Korsaren= 91.

  =Kreta=, von den Trken angegriffen (1645), von Frankreich untersttzt
    320, genauer 591.

  =Kreuzer=, 179.

  =Kreuzerkrieg=, Wesen und militrischer Wert 304, 471; Eigenart des
    franzsischen (1688-1697) 467 ff; ebenso (1702-1713), Erfolge und
    Verluste in diesem 557 ff.

  =Kreuzzge= 43.

  =Kriege=, in denen Seestreitkrfte mitwirken siehe Seekriege.

  =Kriegfhrung zur See=, eine wissenschaftliche 107, 143, 160, 235;
    Kreuzerkrieg siehe dort; siehe sonst auch Strategie und Einflu
    der Seeherrschaft.


  =La Bourdonnais=, franz. Gouverneur von Bourbon und Isle de France
    (1735) 622.

  =La Rochelle=, Kmpfe um 46, 112.

  =Lngenbestimmung= auf See 106, 167.

  =Law=, franz. Finanzmann (1716-1720), sein Wirken 595.

  =Lawson=, engl. Admiral (1652) 215, 222, 239, 263 ff.

  =Leake=, engl. Admiral, untersttzt Gibraltar (1704/1705), vernichtet
    de Pointis 536-538; berchtigte Reise 541; entsetzt Barcelona 542;
    erobert Sardinien und Port Mahon (1708) 549.

  =Lee=, leewrts, Erklrung 5. Funote.

  =Leestellung=, erste Benutzung der Vorteile (Ruyter, Stromboli) 378 bis
    380.

  =Leibnitz=, sein concilium aegyptiacum 311.

  =Le Soleil Royal= franz. Schiff 169.

  =Leyva, de=, spanischer, ltester Seeoffizier der Armada 125 ff.

  =Liburnen=, Schiffstyp, Altertum 15, 23.

  =Linienschiff=, (Schlachtschiff) Bedeutung und Entstehung 176, 178;
    Gre (1672) 313, 353, (1688) 474, (1740) 505.

  =Louisburg=, starke franz. Festung in Nordamerika 609.

  =Louisiana=, franz. Kolonie 610.

  =Louvois=, Kriegsminister Ludwigs XIV. 250; seine Einschtzung der
    Marine 424.

  =Lowerdeck= 97, 99.

  =Ludwig= XIV. =von Frankreich=, 158, 250, 289; seine Politik (vor 1672)
    307 ff, 351; sein zweiter Eroberungskrieg (1672-1678) 362, 372;
    Politik (vor 1688, Anspruch auf die Pfalz) 410; politischer Fehler
    (1688/1689) 413, 476; plant Einfall in England (1692, falsche
    Voraussetzungen und Befehle an Flotte) 445, 465; Stellung zur
    Thronfolgefrage in Spanien (1700) 486 ff; bricht in die spanischen
    Niederlande ein 489; Kriegserklrung 490; im Spanischen
    Erbfolgekriege 491 ff.

  =Ludwig von Baden=, Reichsfeldherr im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff.

  =Luv=, zu Luward, luvwrts, Erklrung 5. Funote.

  =Luvstellung=, Vorteile der, Manvrieren darum 49, 222.

  =Luxembourg=, Herzog von, franz. Marschall 329 ff, 414.


  =Madagaskar=, franz. Versuche zur Besiedlung (1642) 621.

  =Magalhaes=, Erdumseglung 71 ff.

  =Malo, St.=, beschossen (1693) 459, (1695) 463; Haupthafen fr
    Kreuzerkrieg 467.

  =Mannschaft= siehe unter Personal.

  =Marco Polo=, Entdeckungsreisen 27.

                               =Marinen.=

  =Brandenburgische=: Erste Aufstellung (1675) 395; im Kriege (1677 bis
    1678) 400; weitere Geschichte 401.

  =Dnische=: Stand (1492-1648) 148; (1675) 394; (1700-1740) 582.

  =Englische=: Im Mittelalter 50; Zeit 1492-1648: Schiffsbestand (1522)
    98, (1603) 99, fr den Schiffbau wichtige Schiffe 97 ff; Bestand
    (1649) 101; Innere Entwicklung, Bestnde (1603 und 1649) 151. --

      Weitere innere Geschichte 1648 bis 1739: Im allgemeinen 161;
    Schiffsbestnde 162, 175 ff; Einteilung der Schiffe nach Klassen 174
    ff; Strke und Einteilung der Flotte (1653) als Beispiel 220; Zustand
    im Kriege (1652-1654), Generale zur See, Vergleich mit Holland 195
    ff; (1665-1667) Bestnde, Vergleich mit H. 258 ff, ebenso 297;
    (1672-1674) Bestnde 313; Marine erklrt sich fr Wilhelm von Oranien
    417, 418, 428; Stand (1688-1697), Grndung der Admiralitt 417 ff;
    erste feste Station im Mittelmeer 461; Entwicklung (1697-1740) an
    Zahl und Gte der Schiffe, Bestnde, Frsorge fr Personal,
    Kennzeichnung der engl. Seeoffiziere des 18. Jahrh., Seesoldaten
    505-507; schlechtes Einvernehmen mit der hollnd. Marine 545, 549,
    566; Klage Englands ber geringe Beteiligung Hollands 567; Verlust an
    Schiffen (1702-1713) 557; Maregeln gegen den Kreuzerkrieg, Verluste
    in diesem 559 ff; Beteiligung am Nordischen Kriege (1700) 586, (nach
    1714) 590; Demonstrationen (1725) 596.

  =Franzsische=: Mittelalter 51; (1492-1648) 152; Zeit 1648-1740:
    Einteilung der Schiffe nach Klassen 177; Strke (1665) 263, 272;
    Entwicklung unter Colbert (1659), Kriegshfen, Schiffsbestnde,
    Personal 315 ff; Kennzeichnung der franz. Seeoffiziere 319; erste
    grere Expedition (Kreta) 319; Verhalten im Kriege (1672-1674) 355;
    Stand unter Colbert (bis 1683) 422, unter Seignelay (bis 1690)
    beginnender Rckgang 423, unter L. de Pontchartrin (bis 1699)
    vernachlssigt 424; Verfall an Material und Personal unter J. de
    Pontchartrin (bis 1715), der Regentschaft (bis 1723) und Maurepas
    (bis 1740), Schiffsbestnde zu verschiedenen Zeiten (1696-1742)
    501-504; Verluste an Schiffen (1702-1713) 557, im Kreuzerkriege 560;
    die Marine im Kreuzerkriege (1688 und 1703) 467 ff, 557 ff; Auftreten
    (1718) 582; im Polnischen Thronfolgekriege 597.

  =Hollndische=: (1492-1648) Grndung und schnelle Entwicklung,
    Admiralitten und Admirale 149; Schiffsbestand (1642) 150; Zeit 1648
    bis 1739: Einteilung nach Schiffsklassen 177; Fortfall des
    Generaladmirals, Schiffsbestnde (1652 bis 1654), Verbesserung der
    Schiffe 192 ff; Bestnde (1664-1666) 255, Stamm fester Kapitne 256,
    Vermehrung der Admirale 257; Einteilung der Flotte (1666) als
    Beispiel 273; Vergleich mit England (1666) 273; (1672-1674) Bestnde
    313; Strke beim schwedisch-dnischen Kriege (1675) 395; (1688-1697)
    Armierung, Verbesserung des Personals, Schiffbau im Rckstande 419
    ff; hat W. v. Oranien die Marine vernachlssigt? 419, 422; Strke der
    Geschwader gegen Dnkirchen (1688-1697) 468; (1697 bis 1739) letzter
    Aufschwung, Bestand (1700), Indienststellungen (1702-1713, Klage
    Englands), Rckgang im Material und Personal, Bestand (1740) 498-510;
    schlechtes Einvernehmen mit englisch. Marine 545, 549, 566; Englands
    Klage ber Lauheit und Antwort darauf 567; Manahmen gegen den
    Kreuzerkrieg (1702-1713, Strke gegen Dnkirchen) und Verluste in
    diesem (Prmien fr aufgebrachte Schiffe) 558, 561; Beteiligung am
    Nordischen Kriege 586, 590; Demonstration (1725) 597.

  =Russische=: Grndung durch Peter den Groen (1703), Bestnde (1710 und
    1725), Beschaffung des Personals und Materials, Kennzeichnung des
    Offizierkorps, die Galerenflotte 583 bis 585; die russische Flotte
    vor Danzig 597.

  =Schwedische=: Stand (1492-1648) 148, (1675) 394, (1700-1740) 582.

  =Spanische=: Mittelalter 51; Schiffe (1588) 99; Strke (1588) und
    Zusammenbruch durch die Armada-Affren (1588 und 1639) 147; Zustand
    (1672) 382, 393; Strke (1718) 579.

  =Marlborough=, englisch. General im   Spanischen Erbfolgekriege 491 ff;
    sein groer Kriegsplan 494, 547, 572.

  =Martel=, franz. Admiral (1673) bei Texel 345 ff.

  =Martin=, franz. Gouverneur in Indien (1674) grndet Pondichery 617.

  =Martinique=, von Ruyter angegriffen 367, andere Angriffe siehe unter
    Westindien.

  =Maurepas=, franz. Marineminister (1723-1743), sein Wirken, seine
    Beurteilung 503/4.

  =Max Emanuel=, Kurfrst von Bayern, im Spanischen Erbfolgekriege
    491 ff.

  =Medina-Sidonia=, Fhrer der Armada (1588) 116 ff.

  =Melac=, franz. Marschall, in der Pfalz 414.

  =Mele=, d. i. Kampf zweier Flotten, in dem jede Flottenformation und
    Leitung verloren gegangen ist und Schiffe oder Schiffsgruppen fr
    sich fechten 23, 48.

  =Merkator=, Erfinder der runden Karten 106.

  =Messina=, siehe unter Sicilien.

  =Methuen-Vertrag= zwischen England und Portugal (1703) 490.

  =Middledeck= 99.

  =Minorka=, siehe Port Mahon.

  =Molukken= 63, 74, 612.

  =Monck=, spter =Herzog von Albemarle=, berhmter engl. Admiral (1652)
    198; Personalien 215; 219; bei Northforeland 222; bei Scheveningen
    225; in der Viertageschlacht 273 ff; bei Northforeland 283 ff; 288.

  =Monson=, engl. Admiral (1600) 143; als Taktiker 185.

  =Montagu=, engl. Admiral (1654) 198, 239, 263 ff, 269/70; bei Solebay
    [+] 325 ff.

  =Mrser= 41. =Mrserboote= 173; verbesserte franz. (durch Renau) und
    ihre taktische Verwendung 404 ff; Vermehrung in England 418, in
    Holland 420; Leistung der Waffe 474.

  =Munden=, engl. Admiral, Fehler (1702) 512.


  =Nautik=, und ihre Hilfsmittel: Karten, Bcher, Instrumente, Altertum
    5; Mittelalter 30; (1492-1648) 106; (1648-1740) 167.

  =Navigationsakte= 190.

  =Nes, van=, zwei hollnd. Admirale (1666), 273 ff, 288, 296, 325 ff,
    335, 366.

  =Nesmond=, franz. Admiral (1696) 465, 466, 469.

  =Neu-Braunschweig=, besiedelt 89; Kmpfe um siehe Nordamerika.

  =Neuenglandstaaten=, 605.

  =Neu-Fundland=, entdeckt 76; besiedelt 84; Kmpfe um siehe
    Nordamerika.

  =Neu-Schottland=, entdeckt 76; besiedelt 89; Kmpfe um siehe
    Nordamerika.

  =Neu-York=, von England erobert 252; von Holland erobert aber
    zurckgegeben 350; bleibt englisch 352.

  =Niederlande=, im allgemeinen siehe unter Holland.

  -- -- =spanische=, Einfall der Franzosen (1667) 308, (1701) 489, werden
    sterreichisch 497.

  =Nord-Amerika=, Entdeckung und Besiedlung 76, 84, 87, 89; Kmpfe
    Englands mit Holland dort 350, 352, mit Frankreich (1683-1697) 473,
    (1702-1713) 565; Geschichte der europischen Kolonien (1648 bis
    1740): englische 605, franzsische 608, spanische 611.

  =Normannen=, Zge der 27, 43; Schiffe der 34.

  =Norris=, engl. Admiral (1710) schtzt Sardinien, Landung bei Cette
    554; in der Ostsee (1715-1721) 590.

  =Nottingham=, engl. Premierminister (1690), seine Beziehung zu der
    Niederlage bei Beachy Head 433/436, 478.

  =Nyborg=, durch Ruyter bombardiert (1659) 224.


  =Offiziere, See-=, siehe unter Personal.

  =Oktant, Spiegel-=, Einfhrung des 167.

  =Oquendo=, d', spanischer Admiral, geschlagen in den Downs (eine zweite
    Armada-Affre, 1639) 141.

  =Ormond=, Herzog von, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, vor
    Cadiz (1702) 511, 514.

  =Ormuz=, Stadt am persischen Golf, portugiesisch 62; verloren 84.

  =Ost-Afrika=, Koloniengrndung: portugiesische 61, 63, hollndische 87,
    franzsische 90; Geschichte der Kolonien (1648-1740): portugiesische
    619, hollndische 619, franzsische 621.

  =sterreich= (Habsburg), Stellung zur spanischen Thronfolgefrage
    (1700); im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff; gibt Spanien auf (1712)
    555; Karl von . siehe Karl III.

  =Ostindien=, siehe Indien.

  =Ostindische Kompagnien=: Englische: 82, 251; Geschichte (1648-1740)
    614; auf St. Helena 620.

      Franzsische: 617, 618, 621.

      Hollndische: 87; Geschichte (1648-1740) 612; am Kap 620.

      Ostender (Deutsche): (1714 bis 1731) 594, 596, 597; ihre Geschichte
    616.


  =Palamos=, Stadt, Ostkste Spaniens, beschossen (1695) 462.

  =Papst=, Bullen ber Teilung der Welt 29, 59.

  =Parma=, Herzog von, whrend der Armada 114 ff.

  =Penn=, engl. Admiral (1652) 198, 210; Personalien 215; 216; erobert
    Jamaica 236, 263 ff.

  =Pentekontoren=, Schiffstyp im Altertum 10.

  =Penteren=, Schiffstyp im Altertum 13, 14.

  =Personal=, Bemannung der Schiffe im Mittelalter 50; (1492-1648) im
    allgemeinen 154, festangestellte Offiziere 149, 153; (1648-1739)
    Herausbildung des Kriegsschiffs-Matrosen, des See-, Deck- und
    Unteroffizier-Korps der verschiedenen Dienstzweige, Seesoldaten 179
    ff; Vergleich des englischen und hollndischen Personals (1652) 198;
    englisches P. (1665) 259, hollndisches 262 und 297; ebenso (1672)
    314; franzsisches P. (1672) 317, Kennzeichnung des franzsischen
    Seeoffizierkorps 319; Niedergang des P. in Holland 500, in Frankreich
    503, 504, Hebung in England 505; Kennzeichnung der englischen
    Seeoffiziere des 18. Jahrh. 506.

  =Peter der Groe=, grndet Marine (1703) 583; Eroberungen usw. im
    Nordischen Kriege 585 ff.

  =Peterborough=, Earl of, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege,
    vor Barcelona (1705) 540; 544 ff.

  =Pfalz=, Ludwigs XIV. Anspruch 411; verwstet 414.

  =Pforten=, fr Geschtze, Einfhrung 104.

  =Philipp= II. von Spanien, zur Zeit der Armada 113 ff.

  =Philipp= V. von Spanien (Herzog von Anjou), geht (1701) nach Spanien
    488; sein Krieg dort 493 ff.

  =Philippinen=, Inseln, besiedelt 73, 75; Geschichte (1648-1740) 618.

  =Phnizier=, Schiffahrt 4; Schiffe 7; Kriege 17.

  =Phormio=, griechischer Admiral 24.

  =Pointis=, franz. Admiral (1697), gegen Cartagena 466; vor Gibraltar
    (1704 bis 1705), vernichtet 536, 538.

  =Pommern=. Kmpfe um 394 ff; (1677-1678) 400.

  =Pontchartrin, Louis de=, franz. Marineminister (1690-1699), sein
    Wirken, seine geringe Bewertung der Marine 424, 442, 468.

  -- -- =Jerme de=, Sohn und Nachfolger des Vorigen, Wirken und
    Beurteilung 501 ff; begnstigt Kreuzerkrieg 558.

  =Port Mahon=, Eroberung seitens Englands geplant 545; erobert (1708)
    549; Wichtigkeit fr England 550, 551; als Sttzpunkt eingerichtet 553.

  =Port Royal= an der Fundybay (Neu-Schottland), jetzt Anapolis,
   gegrndet 89.

  =Portugal=, erste Entdeckungsfahrten 28; Schiffe 38; die groen
    Entdeckungen und Koloniengrndungen 58 ff; Rckgang seiner Macht 64;
    Geschichtsangaben 157 ff, 229; Stellung zur spanischen
    Thronfolgefrage (1700) 490; Methuen-Vertrag (1703) mit England, von
    da von E. abhngig, 490; erklrt sich gegen Frankreich 520.

      Portugals Kolonien, Geschichte (1648-1740) 605, 611, 619.

  =Pragmatische Sanktion=, 549 ff.

  =Privateers=, d. i. englische Freibeuter, siehe Freibeuter.


  =Quadrant=, Davis-, nautisches Instrument, Erfindung 106.

  =Quadrupel-Allianz=, zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht,
    ihre Vermittlungsvorschlge 578, 579.

  =Quebec=, gegrndet 89; Kmpfe um siehe Nordamerika.

  =Quesne, Abraham du=, berhmter franz. Admiral, 325; im Mittelmeer
    (1674) 372 ff; bei Stromboli 377 ff; bei Agosta 381 ff; bei Chios
    403; bombardiert Algier (1682/83) 405 ff und Genua (1684) 408.

  =Quinqueremen=, Schiffstyp im Altertum 15.


  =Raleigh=, Sir Walter, als Entdecker 84; als Admiral (Cadiz 1596) 135;
    als Schriftsteller (ber spanische Schiffe) 147; sein
    politisch-strategischer Ausspruch 143.

  =Rauchschiffe=, Abart der Brander siehe dort.

  =Raul=, Benjamin, brandenburg. Marinedirektor 395.

  =Recalde=, zweitltester spanischer Seeoffizier der Armada (1588)
    118 ff.

  =Regensburg=, Vertrag (1684) 410.

  =Regent=, engl. Schiff (1489) 97.

  =Renau d'Eliagarey=, franz. Seeoffizier, Verbesserer der Mrserboote
    (1678) 404; als Freibeuter 469.

  =Runions-Kammern= 363, 410.

  =Richelieu=, grndet Kolonien 89; grndet Marine 152, 158.

  =Rom=, Schiffe 14 ff; Kriege 19 ff; Ostrmisches Reich, siehe unter
    Byzanz.

  =Rooke=, engl. Admiral, bei Irland (1688) 430, 437; bei La Hogue 454;
    bei Lagos (Smyrnaconvoi) 457; Oberbefehlshaber (1701) 507; seine
    Plne (1702) und vor Cadiz 509 ff, 514; vernichtet Silberflotte in
    Vigo 516 ff; im Kanal (1703) 519; fhrt Karl III. nach Lissabon
    (1704) und im Mittelmeer 522 ff; erobert Gibraltar 526; seine
    Beurteilung 528; bei Malaga 530 ff; in der Ostsee (1700)586.

  =Royal Charles=, engl. Schiff (1673) 169.

  =Royal Louis=, franz. Schiff (1692) 165.

  =Royal Prince=, engl. Schiff (1610) 100.

  =Royal Sovereign=, engl. Schiff (1637) 100.

  =Ruder=, =Steuer-=, Erfindung des festen, 38.

  =Ruderrad=, Einfhrung 166.

  =Rgen=, Kmpfe um siehe Pommern.

  =Ruprecht=, (Rupert), =Prinz von der Pfalz=, engl. Admiral, als Fhrer
    der Royalisten 139, 198; Personalien 264; in der Viertageschlacht
    (1666) 273 ff; bei Northforeland 283 ff, 288, 335; bei Schooneveld
    336 ff; bei Texel 345 ff.

  =Russell=, engl. Admiral (1691) 442 ff; bei Cap Barfleur-La Hogue
    446 ff; Urteil ber ihn 453; vor Barcelona (1694) 461; vor Toulon und
    Palamos 462, 465.

  =Ruland=, siehe Peter der Groe.

  =Ruyter, Michael de=, Hollands grter Seeheld, erstes Auftreten (1640)
    143; Personalien 205 ff; 210; 212; 216; gegen Barbaresken 239, 241;
    in der Ostsee (1659, Nyborg, Kopenhagen) 244 ff; in Westafrika und
    Westindien (1664) 253; als Taktiker 261, 262 Funote;
    Oberbefehlshaber 270, 271; in der Viertageschlacht (1666) 273 ff; bei
    Northforeland 282 ff, 287; in der Themse 290 ff; bei Solebay (1672)
    323 ff; versucht Themse zu sperren 335; bei Schooneveld 337 ff; bei
    Texel 343 ff; als Taktiker (Haupttaten) 354, 356; in Westindien
    (1674, Martinique) 367 ff; im Mittelmeer (1675) 374 ff; bei Stromboli
    377 ff; bei Agosta 381; [+] und Beurteilung 383.


  =Saint Pol=, franz. Admiral und Freibeuter (1703), Haupttaten 562.

  =Sandwich, Earl of=, engl. Admiral siehe Montagu.

  =Sardinien=, fr Karl III. erobert (1708) 550; bedroht 554; von Spanien
    besetzt (1717) 578; gegen Sizilien vertauscht (1720), Knigreich 582.

  =Savoyen= Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 491, 521;
    Knigreich 582; Herzog von S. vor Toulon (1707) 548.

  =Schiffe=, =Entwicklung=: Altertum 7 ff; Mittelalter 31 ff; (1492 bis
    1648) 95 ff; (1648-1739) 161 ff; Schiffsklassen 174; das Linienschiff
    176, 178; Sch. zu besonderen Zwecken 179; Vergleich englischer und
    hollndischer (1667) 255; die Schiffe im Kriege (1672-1674) 353;
    hollndischer Schiffbau im Rckstande (1688) 420. -- Siehe auch unter
    Marinen.

  =Schiffsbodenschutz= 167.

  =Schiffsklassen=, Entwicklung der, (1600) 102; (1648-1739) 174 ff;
    (1672) 353.

  =Schlachten=: Seeschlachten siehe dort. -- Landschlachten, die mit dem
    Seekriege in Verbindung stehen: Agincourt (1415) 47; am Boyne (1690)
    414, 440; Hchstdt (1704), Ramillies (1705), Turin (1706) 493/4;
    Malplaquet (1709), Saragossa (1709) 495; Almansa (1707) 546, Villa
    Viciosa (1711) 496.

  =Schomberg=, franz. Marschall (1672) 362; im Dienste Wilhelms von
    Oranien (1688) 426; in Irland 431.

  =Schonen=, Landung in (1676) 397.

  =Schweden=, Kriege siehe Seekriege, Marinen siehe Marinen, Kolonien
    90; erste Macht der Ostsee (1660) 240; Politik (1672) 309, 362; Ende
    der Kriege mit Dnemark um die Ostsee 582; Sch. im Nordischen Kriege
    585 ff; verliert den gesamten Festlandsbesitz 588.

  =Seeherrschaft, Seemacht=, siehe Einflu der Seeherrschaft.

  =Seekarten=, Altertum 6; Mittelalter 30; (1492-1648) 106; (1648-1739)
    167.

  =Seekriege= siehe Seite 639.

  =Seeraub=, 20, 43, 45, 91.

  =Seeschlachten=, Gefechte, Angriffe auf Stdte usw. siehe Seite 640.

  =Segel=, allmhliche Verbesserung siehe unter Takelage.

  =Seignelay=, franz. Marineminister (1683-1690) 408; sein Wirken, Urteil
    ber ihn 423, 424.

  =Seymour=, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) 121 ff.

  =Shovel=, engl. Admiral, bei Irland (1690) 434, 457; vor Dnkirchen
    462; vor Calais 465; sein bemerkenswerter Ausspruch (1702) 511; im
    Mittelmeer (1703) 519, 520, 525; bei Malaga 533, 534; vor Barcelona
    (1705) 540; Angriff auf Toulon (1707) 547 ff; Verlust vieler Schiffe
    und starb 549.

  =Sicilien=, Kampf um (1674) 372-388; an Savoyen 497; von Spanien
    besetzt (1718), Kampf um die Insel 581 ff; gegen Sardinien vertauscht
    582; von Spanien erobert, Sekundogenitur Knigreich beider S. (1735)
    597/98.

  =Signalsystem=, 186, 262.

  =Silberflotten=, Bedeutung des Wortes 71; Unternehmungen gegen S.
    (Drake) 80, (Piet Hein) 88, (Clifford) 134, Vernichtung in Vigo
    (1702) 516.

  =Skandinavier=, siehe Normannen.

  =Smith=, engl. Admiral bei Northforeland (1666) 283 ff.

  =Sokotora= (Sokotra), Insel, Eingang Rotes Meer, portugiesisch 61.

  =Solebay=, 265.

  =Spanien=, Kriege siehe Seekriege, Marinen siehe Marinen. Erste
    Schiffahrt 26; Entdeckungen und Kolonien 65 ff; letzte groe Flotte
    (zweite Armada 1639) 141; geschichtliche Angaben (1648) 157 ff,
    (1672) 363, (vor 1688) 410; Vertrag mit den Seemchten (1693) 456;
    Stellung zur Thronfolgefrage (1700) 487 ff; Umfang des Reiches (1700)
    487; Kriegserklrung 490; im Spanischen Erbfolgekriege siehe unter
    Philipp V. und Karl III.; Ergebnis des Krieges fr Sp. 575; Sp.
    (Alberoni) besetzt Sardinien und Sicilien (1718), Quadrupelallianz
    dagegen 578/79; Alberoni gestrzt 582; Sp. greift Gibraltar an (1727)
    596; erobert Neapel und Sicilien (1733) 597; Spannung mit England
    fhrt zum Kriege (1739) 598.

      Spaniens Kolonien, Geschichte (1648-1740) 599, 611, 618.

  =Speaker=, engl. Schiff (1649) 163.

  =Spitzbergen=, entdeckt, Fischerei 77, 78.

  =Spragge=, engl. Admiral (1672) 336 ff; bei Texel [+] 345 ff.

  =Stanhope=, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, nimmt Port
    Mahon 550.

  =Strategie, zur See=, Entwicklung der (1648-1739) 160; im Kriege
    (1652-1654) 229 ff; (1665-1667) 300 ff; Wert des Kreuzerkrieges 305;
    strategische Fehler Karls II. (1666, 1667) 274, 290, 303/04; Ludwigs
    XIV politische Strategie (vor 1672) 307 ff; St. Hollands (1672-1674)
    323; St. der Gegner im gleichen Kriege 357 ff; St. Hollands und
    Frankreichs (1674-1678, Leistungen der Marinen) 391/392;
    Vernachlssigung der Unterbindung des Verkehrs mit Irland (1688 usw.)
    431, 434; Fehler Tourvilles nach Beachy Head 439-441; Aufgaben der
    engl.-hollnd. Flotten (1693-1697) 456; St. der Gegner (1693-1697),
    Rckblick auf den Krieg 475-485; Eingreifen der Seestreitkrfte im
    Spanischen Erbfolgekriege (1702 bis 1713) 491-496; Strategie in
    diesem (Rckblick auf den Krieg): Frankreichs Kriegfhrung 568, die
    der Verbndeten im Mittelmeer 570, im Norden 573, Gesamturteil 574.
    Siehe auch unter Kriegfhrung zur See und unter Einflu der
    Seeherrschaft.

  =Sdamerika=, Entdeckung und Besiedelung 68, 69, 72, 74; Kmpfe dort
    siehe Brasilien und (Festlandskste Mittelamerikas) Westindien;
    Geschichte der Kolonien in S.-A. (1648-1740): spanische 599.
    portugiesische 605, Guayana siehe Westindien.


  =Tabago=, Insel, Kmpfe um 369 ff.

  =Takelage=, Entwicklung der, Ruderschiffe 8, 33; Segelschiffe,
    ursprngliche 34, 35; zwei und drei Masten, Stngen, Marssegel 37,
    38; weitere Verbesserungen 98, 99; Marssegel wird Hauptsegel,
    Vorsegel, Klverbaum, Besan. 165.

  =Taktik=, im Altertum, Ruderschiffe 21 ff; Mittelalter: Ruderschiffe
    47, Segelschiffe 48 ff; (1492-1648): Ruderschiffe 144, Segelschiffe
    (Kampf in Querabrichtung, Gruppentaktik) 145.

      (1648-1739.) Entwicklung der T. im allgemeinen 160; das
    Linienschiff 176; Schiffe zu besonderen Zwecken 179; Kampf querab,
    Luvstellung, Kiellinie aus Gruppen, Gruppentaktik, Einteilung der
    Flotten, Kiellinie beim Winde, und aus Einzelschiffen 183-188;
    Schlacht bei Northforeland, Markstein in der Geschichte der T. 222;
    Lowestoft erste Schlacht mit Kiellinie beim Winde 267; Angriff Moncks
    ein Meisterstck 277; Fortschritte in der T. (um 1665,
    Gefechtsinstruktionen) 260, 298; taktische Kriegfhrung Hollands
    (1672-1674) 323; T. im gleichen Kriege (Ruyter) 354; Stromboli, erste
    Ausnutzung der Leestellung 377 ff; du Quesnes Taktik fr Mrserboote
    404 ff; Taktik bei Beachy Head (1690) 438; Fehler Tourvilles nach der
    Schlacht 439; T. im Kriege (1688-1697) 474; Schlacht bei Malaga
    (1704) bemerkenswert 531, von ihr rechnet die Zeit der schematischen
    Taktik 568.

  =Tanger=, fllt an England 239; aufgegeben (strategischer Fehler) 403,
    461.

  =Teilung der Welt= zwischen Spanien und Portugal 59.

  =Temple=, Sir W., englischer Staatsmann (1672) 308.

  =Teneriffa=, Vernichtung der Silberflotte (1657) 238.

  =Tess=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 493 ff; vor
    Gibraltar 538; vor Barcelona 541; in Toulon 548.

  =Tharsisschiffe=, Altertum 7.

  =Themistokles=, 18, 24.

  =Themse=, Ruyters Angriff (1667) 290 bis 296.

  =Tordenskiold=, dnischer Admiral im Nordischen Kriege 589.

  =Tordesillas, Vertrag von= (1494), Teilung der Welt 59.

  =Torrington, Earl of=, engl. Admiral siehe unter Herbert.

  =Toscanelli=, italien. Gelehrter, gibt Anla zur Westfahrt nach Indien
    58.

  =Toulon=, Marlboroughs Plan gegen T. 494, 547, 572; Angriff (1707)
    547 ff.

  =Toulouse=, Graf von, Admiral von Frankreich, 424, 502; fhrt
    Brestflotte nach Toulon (1704) 522, 524; will Gibraltar nehmen,
    Schlacht bei Malaga 529 ff; Fehler nach der Schlacht 536; vor
    Barcelona (1706) 541.

  =Tourville=, berhmter franz. Admiral, erstes Auftreten (1676) 380; vor
    Algier (Intriguen gegen du Quesne) 406 ff; Vizeadmiral der Levante
    409; Oberbefehlshaber (1689) 431; bei Beachy Head (Personalien) 432
    ff; nach der Schlacht 439-441; seine Hochseekreuztour (1691), Order,
    Einwendungen, Ausfhrung 441-444; bei Cap Barfleur-La Hogue. Order
    und Verhalten 445-455; bei Lagos (Smyrnaconvoi) 457; vor Barcelona
    (1694) 460.

  =Transporter=, ntig im Altertum, Nachteile 24.

  =Trieren=, Schiffstyp im Altertum 10, 21, 23.

  =Tripelallianz= (1668) 308.

  =Tromp, der ltere, Martin=, berhmter hollnd. Admiral, gegen Spanien
    (Schlacht in den Downs 1639) 141; als Taktiker 147; bei Dover (1652,
    Personalien) 200 ff, 204, 205; bei Dungeness 212; Besen im Topp 213;
    bei Northforeland 223; bei Scheveningen [+] 225.

  -- -- =der Jngere, Cornelis=, Sohn des Vorigen, hollnd. Admiral 209;
    Personalien (1665) 264 ff; in der Viertageschlacht 273 ff; bei
    Northforeland 283 ff; Eigenmchtigkeiten 277, 285; entlassen 286;
    wiederangestellt bei Schooneveld 336 ff; bei Texel 347; an
    franzsischer Kste und im Mittelmeer (1674) 364 ff; in dnischem
    Dienste 394 ff; mit dem Groen Kurfrsten 400; (1688) 426;
    [+] 442.

  =Turenne=, franz. Marschall im Pflzischen Erbschaftskriege 307, 329,
    362.

  =Trken=, Kriege siehe unter Seekriege; in Indien 62; im Mittelmeer
    108.

  =Tyddiman=, engl. Kapitn, vor Bergen (1665) 270.


  =Upperdeck= 99.


  =Vasco de Gama=, Entdeckungsreisen 59 ff.

  =Vauban=, franz. Ingenieuroffizier 308; in Brest (1694) 461.

  =Vendme=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 492 ff.

  =Venedig=, Mittelalter: Schiffahrt 26; Schiffe 32, 38; Strke der
    Flotte 50; Kriege 42, 43; (1492-1648) Kriege 108; Rckgang 109;
    (1648-1740) verliert in drei Kriegen seine Besitzungen im
    Ostmittelmeer, nicht mehr Gro- und Seemacht 591/92.

  =Vienne, Jean de=, baut die erste franzsische Flotte 46, 51.

  =Vigo=, Vernichtung der Silberflotte (1702) 516 ff; von England
    zerstrt (1719) 581.

  =Villars=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 492 ff.

  =Vivonne=, Graf von, franz. General, Vizeknig von Sicilien (1674)
    372 ff; vor Palermo (1676) 385.


  =Wachtmeister=, Graf, schwedischer Admiral, reorganisiert Marine 582;
    im Nordischen Kriege 588.

  =Waffen=, Entwicklung, Altertum 12 (unter Schiffe), 21 ff (unter
    Kampfweise); Mittelalter 40 ff; (1492-1643) 103 ff; (1648-1739) 168
    ff; siehe auch unter Schiffe.

  =Walker=, engl. Admiral, vor Quebec (1711) 565.

  =Walpole=, englischer Premierminister, Friedenspolitik (1723-1740)
    595 ff.

  =Wassenaer=, hollnd. Admiral (1654) 239; Personalien 241; in der
    Ostsee 241 ff (Schlacht im Sunde); 263 ff; bei Lowestoft (1665,
    [+]) 266; Urteil 268.

  =Weies Meer=, entdeckt 77.

  =Werften=, Entwicklung 40, 103, 168, 260.

  =Westafrika=, Koloniengrndung: portugiesische 61, 63; hollndische 87;
    franzsische 90; Kmpfe Englands und Hollands 252, Frankreichs und
    Hollands 371; Geschichte der Kolonien (1648-1740): portugiesische
    619; hollndische 620; englische 620; franzsische 621.

  =Westafrikanische Kompagnie=, englische 620.

  =Westindien=, (auch Guayana), Koloniengrndung: spanische 65 ff;
    englische 85; hollndische 88; franzsische 90; Kmpfe: Englands und
    Hollands 252, 350; Hollands und Frankreichs 350, 367; de Pointis
    nimmt Cartagena 466; Kmpfe Englands und Frankreichs 472, 555, 562
    ff; Geschichte der Kolonien (1648 bis 1740): spanische 599; englische
    601; franzsische 604, dnische 604.

  =Westindische Kompagnien=, franzsische 90, 603; hollndische 88, 619.

  =Wielinge=, die, Sandbnke bei Ostende 223.

  =Wiener Allianz=, gegen Ludwig XIV. (1689) 413.

  =Wikinger=, siehe Normannen.

  =Wilhelm von Oranien=, =Wilhelm III. von England=, 320, 330;
    Statthalter 332 ff, 344, 351, 353; Seele des Bundes gegen Ludwig XIV.
    (1686) 411; Knig von England (1689) 413, 428; im Pflzischen
    Erbfolgekriege 414; hat W. die hollndische Marine vernachlssigt?
    419, 422; bergang nach England (1688) 425 ff; in Irland (1690) 434,
    443; in Holland (1691) 444; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage
    (1700) siehe England und Holland; Kriegsplan (1701) 507;
    [+] 489.

  =Winter=, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) 121 ff.

  =Witt, Jan de=, Ratspensionr von Holland (1665) 249, 254, 269, 289;
    seine Politik (vor 1672) 307 ff, 320, 332; Attentat 330; ermordet
    333.

  =Witte de Witt=, hollnd. Admiral (1652) 141, 205; bei Kentish-Knock
    209; Personalien 224, 225, 226, 242.

  =Wrangel=, schwedischer Admiral (1658), Schlacht im Sunde 242.

  =Wurfmaschinen= 12, 15, 40, 104.


  =York, Herzog von=, siehe Jakob II.


  =Zweidecker=, der erste (Royal Prince) 100; 169 ff.

  =Zwischendeck=, Einfhrung des 166.

                    *       *       *       *       *


                             Berichtigungen.

Seite 5, Zeile 5 und 3 von unten, mu es heien statt NW.- und SO.-Monsun
SW.- und NO.-Monsun.

Seite 238, Zeile 2 von oben, ebenso Seite 239, Seitenberschrift mu es
statt 1656 heien 1657.

Seite 589, Zeile 9 von oben, mu es statt 1715 heien 1714.

[Illustration]


            E. S. Mittler & Sohn, Berlin SW., Kochstr. 68-71.

                    *       *       *       *       *

Anmerkungen zur Transkription:

Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden bernommen,
und offensichtliche Druck- und Setzfehler wurden korrigiert.

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Text mit Dollarzeichen ($Text$) markiert.

Das Zeichen fr gestorben wurde als [+] dargestellt.

Die Tabellen auf den Seiten 119, 123, 170, 177, 220, 221, 273, 376, 395,
418, 448, 449 und 505 wurden wegen ihrer Gre geteilt.





End of the Project Gutenberg EBook of Seekriege und Seekriegswesen, Erster
Band, by Rudolph Rittmeyer

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