The Project Gutenberg EBook of Wallensteins Lager, by Friedrich Schiller

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Title: Wallensteins Lager

Author: Friedrich Schiller

Release Date: September, 2004  [EBook #6518]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on December 25, 2002]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ASCII

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WALLENSTEINS LAGER ***





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Wallensteins Lager

Friedrich Schiller

Personen

Wachtmeister
Trompeter von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment
Konstabler
Scharfschuetzen
Zwei Holkische reitende Jaeger
Buttlerische Dragoner
Arkebusiere vom Regiment Tiefenbach
Kuerassier von einem wallonischen Regiment
Kuerassier von einem lombardischen Regiment
Kroaten
Ulanen
Rekrut
Buerger
Bauer
Bauerknabe
Kapuziner
Soldatenschulmeister
Marketenderin
Eine Aufwaerterin
Soldatenjungen
Hoboisten




Erster Aufzug

Vor der Stadt Pilsen in Boehmen



Erster Auftritt

Marketenderzelte, davor eine Kram- und Troedelbude.  Soldaten von
allen Farben und Feldzeichen draengen sich durcheinander, alle
Tische sind besetzt.  Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen,
Marketenderin schenkt Wein, Soldatenjungen wuerfeln auf einer
Trommel, im Zelt wird gesungen.

Ein Bauer und sein Sohn.


Bauerknabe.
     Vater, es wird nicht gut ablaufen,
     Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.
     Sind Euch gar trotzige Kameraden;
     Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.

Bauer.
     Ei was!  Sie werden uns ja nicht fressen,
     Treiben sie's auch ein wenig vermessen.
     Siehst du?  sind neue Voelker herein,
     Kommen frisch von der Saal' und dem Main,
     Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen!
     Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.
     Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
     Liess mir ein paar glueckliche Wuerfel nach.
     Die will ich heut einmal probieren,
     Ob sie die alte Kraft noch fuehren.
     Musst dich nur recht erbaermlich stellen,
     Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.
     Lassen sich gerne schoentun und loben,
     So wie gewonnen, so ists zerstoben.
     Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,
     Muessen wir's wiederbekommen in Loeffeln;
     Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,
     So sind wir pfiffig und treibens fein.
     (Im Zelt wird gesungen und gejubelt.)
     Wie sie juchzen--dass Gott erbarm!
     Alles das geht von des Bauern Felle.
     Schon acht Monate legt sich der Schwarm
     Uns in die Betten und in die Staelle,
     Weit herum ist in der ganzen Aue
     Keine Feder mehr, keine Klaue,
     Dass wir fuer Hunger und Elend schier
     Nagen muessen, die eignen Knochen.
     Wars doch nicht aerger und krauser hier,
     Als der Sachs noch im Lande taet pochen.
     Und die nennen sich Kaiserliche!

Bauerknabe.
     Vater, da kommen ein paar aus der Kueche,
     Sehen nicht aus, als waer viel zu nehmen.

Bauer.
     Sind Einheimische, geborne Boehmen,
     Von des Terschkas Karabinieren,
     Liegen schon lang in diesen Quartieren.
     Unter allen die Schlimmsten just,
     Spreizen sich, werfen sich in die Brust,
     Tun, als wenn sie zu fuernehm waeren,
     Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.
     Aber dort seh ich die drei scharfe Schuetzen
     Linker Hand um ein Feuer sitzen,
     Sehen mir aus wie Tiroler schier.
     Emmerich, komm!  An die wollen wir,
     Lustige Voegel, die gerne schwatzen,
     Tragen sich sauber und fuehren Batzen.
(Gehen nach den Zelten.)



Zweiter Auftritt

Vorige.  Wachtmeister.  Trompeter.  Ulan.


Trompeter.
     Was will der Bauer da?  Fort, Halunke!

Bauer.
     Gnaedige Herren, einen Bissen und Trunk!
     Haben heut noch nichts Warmes gegessen.

Trompeter.
     Ei, das muss immer saufen und fressen.

Ulan (mit einem Glase).
     Nichts gefruehstueckt?  Da trink, du Hund!
(Fuehrt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwaerts.)

Wachtmeister (zum Trompeter).
     Meinst du, man hab uns ohne Grund
     Heute die doppelte Loehnung gegeben,
     Nur dass wir flott und lustig leben?

Trompeter.
     Die Herzogin kommt ja heute herein
     Mit dem fuerstlichen Fraeulein--

Wachtmeister.
     Das ist nur der Schein.
     Die Truppen, die aus fremden Landen
     Sich hier vor Pilsen zusammenfanden,
     Die sollen wir gleich an uns locken
     Mit gutem Schluck und guten Brocken,
     Damit sie sich gleich zufrieden finden
     Und fester sich mit uns verbinden.

Trompeter.
     Ja, es ist wieder was im Werke!

Wachtmeister
     Die Herren Generaele und Kommendanten--

Trompeter.
     Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.

Wachtmeister.
     Die sich so dick hier zusammenfanden--

Trompeter.
     Sind nicht fuer die Langweil herbemueht.

Wachtmeister.
     Und das Gemunkel und das Geschicke--

Trompeter.
     Ja!  Ja!

Wachtmeister.
     Und von Wien die alte Peruecke,
     Die man seit gestern herumgehn sieht,
     Mit der guldenen Gnadenkette,
     Das hat was zu bedeuten, ich wette.

Trompeter.
     Wieder so ein Spuerhund, gebt nur acht,
     Der die Jagd auf den Herzog macht.

Wachtmeister.
     Merkst du wohl?  sie trauen uns nicht,
     Fuerchten des Friedlaenders heimlich Gesicht.
     Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
     Moechten ihn gern herunter kriegen.

Trompeter.
     Aber wir halten ihn aufrecht, wir.
     Daechten doch alle wie ich und Ihr!

Wachtmeister.
     Unser Regiment und die andern vier,
     Die der Terschka anfuehrt, der Herzogs Schwager,
     Das resoluteste Korps im Lager,
     Sind ihm ergeben und gewogen,
     Hat er uns selbst doch herangezogen.
     Alle Hauptleute setzt er ein,
     Sind alle mit Leib und Leben sein.



Dritter Auftritt

Kroat mit einem Halsschmuck.  Scharfschuetze folgt.  Vorige.


Scharfschuetz.
     Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?
     Handle dirs ab!  dir ists doch nichts nuetz.
     Geb dir dafuer das Paar Terzerolen.

Kroat.
     Nix, nix!  du willst mich betruegen, Schuetz.

Scharfschuetz.
     Nun!  geb dir auch noch die blaue Muetz,
     Hab sie soeben im Gluecksrad gewonnen.
     Siehst du?  Sie ist zum hoechsten Staat.

Kroat (laesst das Halsband in der Sonne spielen).
     s ist aber von Perlen und edelm Granat.
     Schau, wie das flinkert in der Sonnen!

Scharfschuetz. (nimmt das Halsband)
     Die Feldflasche noch geb ich drein,
(besieht es)
     Es ist mir nur um den schoenen Schein.

Trompeter.
     Seht nur, wie der den Kroaten prellt!
     Halbpart, Schuetze, so will ich schweigen.

Kroat (hat die Muetze aufgesetzt).
     Deine Muetze mir wohlgefaellt.

Scharfschuetz (winkt dem Trompeter).
     Wir tauschen hier!  Die Herrn sind Zeugen!



Vierter Auftritt

Vorige.  Konstabler.


Konstabler (tritt zum Wachtmeister).
     Wie ists, Bruder Karabinier?
     Werden wir uns lang noch die Haende waermen,
     Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwaermen?

Wachtmeister.
     Tuts Ihm so eilig, Herr Konstabel?
     Die Wege sind noch nicht praktikabel.

Konstabler.
     Mir nicht.  Ich sitze gemaechlich hier;
     Aber ein Eilbot ist angekommen,
     Meldet, Regenspurg sei genommen.

Trompeter.
     Ei, da werden wir bald aufsitzen.

Wachtmeister.
     Wohl gar!  Um dem Bayer sein Land zu schuetzen?
     Der dem Fuersten so unfreund ist?
     Werden uns eben nicht sehr erhitzen.

Konstabler.
     Meint Ihr?--Was Ihr nicht alles wisst!



Fuenfter Auftritt

Vorige.  Zwei Jaeger.  Dann Marketenderin, Soldatenjungen,
Schulmeister, Aufwaerterin.


Erster Jaeger.
     Sieh!  sieh!
     Da treffen wir lustige Kompanie.

Trompeter.
     Was fuer Gruenroeck moegen das sein?
     Treten ganz schmuck und stattlich ein.

Wachtmeister.
     Sind Holkische Jaeger; die silbernen Tressen
     Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen.

Marketenderin (kommt und bringt Wein).
     Glueck zu Ankunft, ihr Herrn!

Erster Jaeger.
     Was?  der Blitz!
     Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.

Marketenderin.
     I freilich!  Und er ist wohl gar, Mussjoe,
     Der lange Peter aus Itzehoe?
     Der seines Vaters goldene Fuechse
     Mit unserm Regiment hat durchgebracht
     Zu Gluecksstadt in einer lustigen Nacht--

Erster Jaeger.
     Und die Feder vertauscht mit der Kugelbuechse.

Marketenderin.
     Ei!  da sind wir alte Bekannte!

Erster Jaeger.
     Und treffen uns hier im boehmischen Lande.

Marketenderin.
     Heute da, Herr Vetter, und morgen dort--
     Wie einen der rauhe Kriegesbesen
     Fegt und schuettelt von Ort zu Ort;
     Bin indes weit herumgewesen.

Erster Jaeger.
     Wills Ihr glauben!  Das stellt sich dar.

Marketenderin.
     Bin hinauf bis nach Temeswar
     Gekommen mit den Bagagewagen,
     Als wir den Mansfelder taeten jagen.
     Lag mit dem Friedlaender vor Stralsund,
     Ging mir dorten die Wirtschaft zugrund.
     Zog mit dem Sukkurs von Mantua,
     Kam wieder heraus mit dem Feria,
     Und mit einem spanischen Regiment
     Hab ich einen Abstecher gemacht nach Gent.
     Jetzt will ichs im boehmischen Land probieren,
     Alte Schulden einkassieren--
     Ob mir der Fuerst hilft zu meinem Geld.
     Und das dort ist mein Marketenderzelt.

Erster Jaeger.
     Nun, da trifft Sie alles beisammen an!
     Doch wo hat sie den Schottlaender hingetan,
     Mit dem sie damals herumgezogen?

Marketenderin.
     Der Spitzbub!  der hat mich schoen betrogen.
     Fort ist er!  Mit allem davongefahren,
     Was ich mir taet am Leibe ersparen.
     Liess er mir nichts als den Schlingel da!

Soldatenjunge (kommt gesprungen).
     Mutter!  sprichtst du von meinem Papa?

Erster Jaeger.
     Nun, nun!  das muss der Kaiser ernaehren,
     Die Armee sich immer muss neu gabaeren.

Soldatenschulmeister (kommt).
     Fort in die Feldschule!  Marsch, ihr Buben!

Erster Jaeger.
     Das fuercht sich auch vor der engen Stuben!

Aufwaerterin (kommt).
     Base, sie wollen fort.

Marketenderin.
     Gleich!  gleich!

Erster Jaeger.
     Ei, wer ist denn das kleine Schelmengesichte?

Marketenderin.
     s ist meiner Schwester Kind--aus dem Reich.

Erster Jaeger.
     Ei, also eine liebe Nichte?
(Marketenderin geht.)

Zweiter Jaeger (Das kleine Maedchen haltend).
     Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.

Aufwaerterin.
     Gaeste dort zu bedienen sind.
(Macht sich los und geht.)

Erster Jaeger.
     Das Maedchen ist kein uebler Bissen!--
     Und die Muhme!  beim Element!
     Was haben die Herrn vom Regiment
     Sich um das niedliche Laervchen gerissen!--
     Was man nicht alles fuer Leute kennt,
     Und wie die Zeit von dannen rennnt.--
     Was werd ich noch alles erleben muessen!
(Zum Wachtmeister und Trompeter.)
     Euch zu Gesundheit, meine Herrn!--
     Lasst uns hier auch ein Plaetzen nehmen.



Sechster Auftritt

Jaeger.  Wachtmeister.  Trompeter


Wachtmeister.
     Wir danken schoen.  Von Herzen gern.
     Wir ruecken zu.  Willkommen in Boehmen!

Erster Jaeger.
     Ihr sitzt hier warm.  Wir, in Feindes Land,
     Mussten derweil uns schlecht bequemen.

Trompeter.
     Man sollts euch nicht ansehn, ihr seid galant.

Wachtmeister.
     Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meissen
     Hoert man euch Herrn nicht besonders preisen.

Zweiter Jaeger.
     Seid mir doch still!  Was will das heissen?
     Der Kroat es ganz anders trieb,
     Uns nur die Nachles uebrigblieb.

Trompeter.
     Ihr habt da einen saubern Spitzen
     Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!
     Die feine Waesche, der Federhut!
     Was das alles fuer Wirkung tut!
     Dass doch den Burschen das Glueck soll scheinen,
     Und so was kommt nie an unser einen!

Wachtmeister.
     Dafuer sind wir den Friedlaenders Regiment,
     Man muss uns ehren und respektieren.

Erster Jaeger.
     Das ist fuer uns andre kein Kompliment,
     Wir ebensogut seinen Namen fuehren.

Wachtmeister.
     Ja, ihr gehoert auch so zur ganzen Masse.

Erster Jaeger.
     Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?
     Der ganze Unterschied ist in den Roecken,
     Und ich ganz gern mag in meinem stecken.

Wachtmeister.
     Herr Jaeger, ich muss Euch nur bedauern,
     Ihr lebt so draussen bei den Bauern;
     Der feine Griff und der rechte Ton,
     Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.

Erster Jaeger.
     Sie bekam Euch uebel, die Lektion.
     Wie er raeuspert und wie er spukt,
     Das habt Ihr ihm gluecklich abgeguckt;
     Aber sein Genie, ich meine sein Geist,
     Sich nicht auf der Wachparade weist.

Zweiter Jaeger.
     Wetter auch!  wo Ihr nach uns fragt,
     Wir heissen des Friedlaenders wilde Jagd
     Und machen dem Namen keine Schande--
     Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,
     Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn--
     Sie kennen das Holkische Jaegerhorn!--
     In einem Augenblick fern und nah,
     Schnell wie die Suendflut, so sind wir da--
     Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht
     In die Haeuser faehret, wenn niemand wacht--
     Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,
     Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht.--
     Es straeubt sich--der Krieg hat kein Erbarmen--
     Das Maegdlein in unsern sennigten Armen--
     Fragt nach, ich sags nicht, um zu prahlen;
     In Bayreuth, im Voigtland, in Westfalen,
     Wo wir nur durchgekommen sind--
     Erzaehlen Kinder und Kindeskind
     Nach hundert und aber hundert Jahren
     Von dem Holk noch und seinen Scharen.

Wachtmeister.
     Nun da sieht mans!  Der Saus und Braus,
     Macht denn der den Soldaten aus?
     Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,
     Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.

Erster Jaeger.
     Die Freiheit macht ihn!  Mit Euren Fratzen!
     Dass ich mit Euch soll darueber schwatzen.--
     Lief ich darum aus der Schul und der Lehre,
     Dass ich die Fron und die Galeere,
     Die Schreibstub und ihre engen Waende
     In dem Feldlager wiederfaende?--
     Flott will ich leben und muessiggehn,
     Alle Tage was Neues sehn,
     Mich dem Augenblick frisch vertraun,
     Nicht zurueck, auch nicht vorwaerts schauen--
     Drum hab ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,
     Dass keine Sorg mich mehr anwandelt.
     Fuehrt mich ins Feuer frisch hinein,
     Ueber den reissenden, tiefen Rhein,
     Der dritte Mann soll verloren sein;
     Werde mich nicht lang sperren und zieren.--
     Sonst muss man mich aber, ich bitte sehr,
     Mit nichts weiter inkommodieren.

Wachtmeister.
     Nu, nu verlangt Ihr sonst nichts mehr?
     Das liess sich unter dem Wams da finden.

Erster Jaeger.
     Was war das nicht fuer ein Placken und Schinden
     Bei Gustav dem Schweden, dem Leuteplager!
     Der machte eine Kirch aus seinem Lager,
     Liess Betstunde halten, des Morgens, gleich
     Bei der Reveille, und beim Zapfenstreich.
     Und wurden wir manchmal ein wenig munter,
     Er kanzelt uns selbst wohl vom Gaul herunter.

Wachtmeister.
     Ja, es war ein gottesfuerchtiger Herr.

Erster Jaeger.
     Dirnen, die liess er gar nicht passieren,
     Mussten sie gleich zur Kirche fuehren.
     Da lief ich, konnts nicht ertragen mehr.

Wachtmeister.
     Jetzt gehts dort auch wohl anders her.

Erster Jaeger.
     So ritt ich hinueber zu den Ligisten,
     Sie taeten sich just gegen Magdeburg ruesten.
     Ja, das war schon ein ander Ding!
     Alles da lustiger, lose ging,
     Soff und Spiel und Maedels die Menge!
     Wahrhaftig, der Spass war nicht gering,
     Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.
     Dem eigenen Koerper war er strenge,
     Dem Soldaten liess er vieles passieren,
     Und gings nur nicht aus seiner Kassen,
     Sein Spruch war : leben und leben lassen.
     Aber das Glueck blieb ihm nicht stet--
     Seit der Leipziger Fatalitaet
     Wollt es eben nirgends mehr flecken,
     Alles bei uns geriet ins Stecken;
     Wo wir erschienen und pochten an,
     Ward nicht gegruesst noch aufgetan.
     Wir mussten uns druecken von Ort zu Ort,
     Der alte Respekt war eben fort.--
     Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,
     Meinte, da muesste mein Glueck recht wachsen.

Wachtmeister.
     Nun, da kamt Ihr ja eben recht
     Zur boehmischen Beute.

Erster Jaeger.
     Es ging mir schlecht.
     Sollten da strenge Mannszucht halten,
     Durften nicht recht als Feinde walten,
     Mussten des Kaisers Schloesser bewachen,
     Viel Umstaend und Komplimente machen,
     Fuehrten den Krieg, als waers nur Scherz,
     Hatten fuer die Sach nur ein halbes Herz,
     Wolltens mit niemand ganz verderben,
     Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,
     Und ich waer bald fuer Ungeduld
     Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,
     Wenn nicht eben auf allen Strassen
     Der Friedlaender haette werben lassen.

Wachtmeister.
     Und wie lang denkt Ihrs hier auszuhalten?

Erster Jaeger.
     Spasst nur!  solang der tut walten,
     Denk ich Euch, mein Seel!  an kein Entlaufen.
     Kanns der Soldat wo besser kaufen?--
     Da geht alles nach Kriegessitt,
     Hat alles nen grossen Schnitt.
     Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,
     Reisstet gewaltig, wie Windesweben,
     Auch den untersten Reiter mit.
     Da tret ich auf mit beherztem Schritt,
     Darf ueber den Buerger kuehn wegschreiten
     Wie der Feldherr ueber der Fuersten Haupt.
     Es ist hier wie in den alten Zeiten,
     Wo die Klinge noch alles taet bedeuten;
     Da gibts nur ein Vergehn und Verbrechen:
     Der Ordre fuerwitzig widersprechen!
     Was nicht verboten ist, ist erlaubt;
     Da fragt niemand, was einer glaubt.
     Es gibt nur zwei Ding ueberhaupt:
     War zur Armee gehoert und nicht;
     Und nur der Fahne bin ich verpflicht.

Wachtmeister.
     Jetzt gefallt Ihr mir, Jaeger!  Ihr sprecht
     Wie ein Friedlaendischer Reitersknecht.

Erster Jaeger.
     Der fuehrts Kommando nicht wie ein Amt,
     Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!
     Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst--
     Was bracht er dem Kaiser fuer Gewinst?
     Was hat er mit seiner grossen Macht
     Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
     Ein Reich von Soldaten wollt er gruenden,
     Die Welt anstecken und entzuenden,
     Sich alles vermessen und unterwinden--

Trompeter.
     Still!  Wer wird solche Worte wagen!

Erster Jaeger.
     Was ich denke, das darf ich sagen.
     Das Wort ist frei, sagt der General.

Wachtmeister.
     So sagt er, ich hoerts wohl einigemal,
     Ich stand dabei.  "Das Wort ist frei,
     Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind",
     Dies urkundlich seine Worte sind.

Erster Jaeger.
     Obs just seine Wort sind, weiss ich nicht;
     Aber die Sach ist so, wie er spricht.

Zweiter Jaeger.
     Ihm schlaegt das Kriegsglueck nimmer um,
     Wies wohl bei andern pflegt zu geschehen.
     Der Tilly ueberlebte seinen Ruhm.
     Doch unter des Friedlaenders Kriegspanieren
     Da bin ich gewiss zu viktorisieren.
     Er bannet das Glueck, es muss ihm stehen.
     Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
     Der steht unter besondern Maechten.
     Denn das weiss ja die ganze Welt,
     Dass der Friedlaender einen Teufel
     Aus der Hoelle im Solde haelt.

Wachtmeister.
     Ja, dass er fest ist, das ist kein Zweifel.
     Denn in der blutgen Affaer bei Luetzen
     Ritt er euch unter des Feuers Blitzen
     Auf und nieder mit kuehlem Blut.
     Durchloechert von Kugeln war sein Hut,
     Durch den Stiefel und Koller fuhren
     Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;
     Konnt ihm keine die Haut nur ritzen,
     Weil ihn die hoellische Salbe taet schuetzen.

Erster Jaeger.
     Was wollt Ihr da fuer Wunder bringen!
     Er traegt ein Koller von Elendshaut,
     Das keine Kugel kann durchdringen.

Wachtmeister.
     Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,
     Unter Zauberspruechen gekocht und gebraut.

Trompeter.
     Es geht nicht zu mit rechten Dingen!

Wachtmeister.
     Sie sagen, er les auch in den Sternen
     Die kuenftigen Dinge, die nahen und fernen;
     Ich weiss aber besser, wies damit ist.
     Ein graues Maennlein pflegt bei naechtlicher Frist
     Durch verschlossene Tueren zu ihm einzugehen;
     Die Schildwachen habens oft angeschrien,
     Und immer was Grosses ist drauf geschehen,
     Wenn je das graue Roecklein kam und erschien.

Zweiter Jaeger.
     Ja, er hat sich dem Teufel uebergeben,
     Drum fuehren wir auch das lustige Leben.



Siebenter Auftritt

Vorige.  Ein Rekrut.  Ein Buerger.  Dragoner.


Rekrut (tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine
Weinflasche in der Hand).
     Gruess den Vater und des Vaters Brueder!
     Bin Soldat, kommer nimmer wieder.

Erster Jaeger.
     Sieh, da bringen sie einen Neuen!

Buerger.
     Oh!  gib acht, Franz!  Es wird dich reuen.

Rekrut (singt).
     Trommeln und Pfeifen,
     Kriegrischer Klang!
     Wandern und streifen
     Die Welt entlang,
     Rosse gelenkt,
     Mutig geschwenkt,
     Schwert an der Seite,
     Frisch in die Weite,
     Fluechtig und flink,
     Frei, wie der Fink
     Auf Straeuchern und Baeumen,
     In Himmels Raeumen!
     Heisa!  ich folge des Friedlaenders Fahn!

Zweiter Jaeger.
     Seht mir!  das ist ein wackrer Kumpan!
(Sie begruessen ihn.)

Buerger.
     Oh!  lasst ihn!  Er ist guter Leute Kind.

Erster Jaeger.
     Wir auch nicht auf der Strasse gefunden sind.

Buerger.
     Ich sag euch, er hat Vermoegen und Mittel.
     Fuehlt her, das feine Tuechlein am Kittel!

Trompeter.
     Des Kaisers Rock ist der hoechste Titel.

Buerger.
     Er erbt eine kleine Muetzenfabrik.

Zweiter Jaeger.
     Des Menschen Wille, das ist sein Glueck.

Buerger.
     Von der Grossmutter einen Kram und Laden.

Erster Jaeger.
     Pfui!  wer handelt mit Schwefelfaden!

Buerger.
     Einen Weinschank dazu von seiner Paten,
     Ein Gewoelbe mit zwanzig Stueckfass Wein.

Trompeter.
     Den teilt er mit seinen Kameraden.

Zweiter Jaeger.
     Hoer du!  Wir muessen Zeltbrueder sein.

Buerger.
     Eine Braut laesst er sitzen in Traenen und Schmerz.

Erster Jaeger.
     Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.

Buerger.
     Die Grossmutter wird fuer Kummer sterben.

Zweiter Jaeger.
     Desto besser, so kann er sie gleich beerben.

Wachtmeister (tritt gravitaetisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die
Blechhaube legend).
     Sieht Er!  das hat Er wohl erwogen.
     Einen neuen Menschen hat Er angezogen,
     Mit dem Helm da und Wehrgehaeng'
     Schliesst Er sich an eine wuerdige Meng'.
     Muss ein fuernehmer Geist jetzt in Ihn fahren--

Erster Jaeger.
     Muss besonders das Geld nicht sparen.

Wachtmeister.
     Auf der Fortuna ihrem Schiff
     Ist Er zu segeln im Begriff;
     Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,
     Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
     Es treibt sich der Buergersmann, traeg und dumm,
     Wie des Faerbers Gaul, nur im Ring herum.
     Aus dem Soldaten kann alles werden,
     Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.
     Seh' Er mal mich an !  In diesem Rock
     Fuehr ich , sieht Er, des Kaisers Stock.
     Alles Weltregiment, muss er wissen,
     Von dem Stock hat ausgehen muessen;
     Und das Zepter in Koenigs Hand
     Ist ein Stock nur, das ist bekannt.
     Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
     Der steht auf der Leiter zur hoechsten Macht,
     Und so weit kann Er's auch noch treiben.

Erster Jaeger.
     Wenn Er nur lesen kann und schreiben.

Wachtmeister.
     Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben,
     Ich taet's vor kurzem selbst erleben.
     Da ist der Chef vom Dragonerkorps,
     Heisst Buttler, wir standen als Gemeine
     Noch vor dreissig Jahren bei Koeln am Rheine,
     Jetzt nennt man ihn Generalmajor.
     Das macht, er taet sich bass hervor,
     Taet die Welt mit seinem Kriegsruhm fuellen,
     Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.
     Ja, und der Friedlaender selbst, sieht Er,
     Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,
     Der jetzt alles vermag und kann,
     War erst nur ein schlichter Edelmann,
     Und weil er der Kriegsgoettin sich vertraut,
     Hat es sich diese Groess' erbaut,
     Ist nach dem Kaiser der naechste Mann,
     Und wer weiss, was er noch erreicht und ermisst,
(pfiffig)
     Denn noch nicht aller Tage Abend ist.

Erster Jaeger.
     Ja, er fing's klein an und ist jetzt so gross,
     Den zu Altdorf, im Studentenkragen,
     Trieb er's, mit Permiss zu sagen,
     Ein wenig locker und purschikos,
     Haette seinen Famulus bald erschlagen.
     Wollten ihn drauf die Nuernberger Herren
     Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;
     's war just ein neugebautes Nest,
     Der erste Bewohner sollt' es taufen.
     Aber wie faengt er's an ?  Er laesst
     Weislich den Pudel voran erst laufen.
     Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;
     Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.
     Unter des Herrn grossen Taten allen
     Hat mir das Stueckchen besonders gefallen.
(Das Maedchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jaeger schaekert
mir ihr.)

Dragoner (tritt dazwischen).
     Kamerad, lass' Er das unterwegen.

Zweiter Jaeger.
     Wer, Henker!  hat sich da dreinzulegen!

Dragoner.
     Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn' ist mein.

Erster Jaeger.
     Der will ein Schaetzchen fuer sich allein!
     Dragoner, ist Er bei Troste!  Sag' Er!

Zweiter Jaeger.
     Will was Apartes haben im Lager.
     Einer Dirne schoen Gesicht
     Muss allgemein sein, wie's Sonnenlicht!
(Kuesst sie.)

Dragoner (reisst sie weg).
     Ich sag's noch einmal, das leid ich nicht.

Erster Jaeger.
     Lustig!  lustig!  da kommen die Prager!

Zweiter Jaeger.
     Sucht Er Haendel?  Ich bin dabei.

Wachtmeister.
     Fried', ihr Herren!  Ein Kuss ist frei!



Achter Auftritt

Bergknappen treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam
und dann immer geschwinder.  Der erste Jaeger tanzt mit der
Aufwaerterin, die Marketenderin mit dem Rekruten; das Maedchen
entspringt, der Jaeger hinter ihr her und bekommt den Kapuziner
zu fassen, der eben hereintritt.


Kapuziner.
     Heisa, juchheia!  Dudeldumdei!
     Das geht ja hoch her.  Bin auch dabei!
     Ist das eine Armee von Christen?
     Sind wir Tuerken?  sind wir Antibaptisten?
     Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
     Als haette der allmaechtige Gott
     Das Chiragra, koennte nicht dreinschlagen?
     Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?
     Zu Banketten und Feiertagen?
     Quid hic statis otiosi?
     Was steht ihr und legt die Haende in Schoss?
     Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
     Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
     Regenspurg ist in des Feindes Krallen,
     Und die Armee liegt hier in Boehmen,
     Pflegt den Bauch, laesst sich's wenig graemen,
     Kuemmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
     Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
     Hetzt sich lieber herum mit der Dirn',
     Frisst den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
     Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
     Der Soldat fuellt sich nur die Tasche.
     Es ist eine Zeit der Traenen und Not,
     Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
     Und aus den Wolken, blutigrot,
     Haengt der Herrgott den Kriegsmantel runter.
     Den Kometen steckt er wie eine Rute
     Drohend am Himmelsfenster aus,
     Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
     Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
     Und das roemische Reich--dass Gott erbarm!
     Sollte jetzt heissen roemisch Arm,
     Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom,
     Die Kloester sind ausgenommene Nester,
     Die Bistuemer sind verwandelt in Wuesttuemer,
     Die Abteien und die Stifter
     Sind nun Raubteien und Diebeskluefter,
     Und alle die gesegneten deutschen Laender
     Sind verkehrt worden in Elender--
     Woher kommt das?  das will ich euch verkuenden:
     Das schreibt sich her von euern Lastern und Suenden,
     Von dem Greuel und Heidenleben,
     Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.
     Denn die Suend' ist der Magnetenstein,
     Der das Eisen ziehet ins Land herein.
     Auf das Unrecht, da folgt das Uebel,
     Wie die Traen' auf den herben Zwiebel,
     Hinter dem U koemmt gleich das Weh,
     Das ist die Ordnung im ABC.
     Ubi erit victoriae spes,
     Si offenditur Deus?  Wie soll man siegen,
     Wenn man die Predigt schwaenzt und die Mess',
     Nichts tut, als in den Weinhaeusern liegen?
     Die Frau in dem Evangelium
     Fand den verlornen Groschen wieder,
     Der Saul seines Vaters Esel wieder,
     Der Joseph seine saubern Brueder;
     Aber wer bei den Soldaten sucht
     Die Furcht Gottes und die gute Zucht
     Und die Scham, der wird nicht viel finden,
     Taet' er auch hundert Laternen anzuenden.
     Zu dem Prediger in der Wuesten,
     Wie wir lesen in Evangelisten,
     Kamen auch die Soldaten gelaufen,
     Taten Buss' und liessen sich taufen,
     Fragten ihn: Quid faciemus nos?
     Wie machen wir's, dass kommen in Abrahams Schoss?
     Et ait illis, und er sagt:
     Neminem concutiatis,
     Wenn ihr niemanden schindet und plackt;
     Neque calumniam faciatis,
     Niemand verlaestert, auf niemand luegt.
     Contenti estote, euch begnuegt,
     Stipendiis verstris, mit eurer Loehnung
     Und verflucht jede boese Angewoehnung.
     Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen
     Deines Herrgotts nicht eitel auskramen.
     Und wo hoert man mehr blasphemieren
     Als hier in den Freidlaendischen Kriegsquartieren?
     Wenn man fuer jeden Donner und Blitz,
     Den ihr losbrenntk mit eurer Zungenspitz',
     Die Glocken muesst' laeuten im Land umher,
     Es waer' bald kein Mesner zu finder mehr.
     Und wenn euch fuer jedes boese Gebet,
     Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,
     Ein Haerlein ausging' aus eurem Schopf,
     Ueber Nacht waer' er geschoren glatt,
     Und waer' er so dick wie Absalons Zopf.
     Der Josua war doch auch ein Soldat,
     Koenig David erschlug den Goliath,
     Und wo steht denn geschrieben zu lesen,
     Dass sie solche Fluchmaeuler sind gewesen?
     Muss man den Mund doch, ich sollte meinen,
     Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!
     Als zu einem Kreuz Sackerlot!
     Aber wessen das Gefaess ist gefuellt,
     Davon es sprudelt und ueberquillt.
     Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
     Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,
     Denn ihr tragt alles offen fort;
     Vor euren Klauen und Geiersgriffen,
     Vor euren Praktiken und boesen Kniffen
     Ist das Geld nicht geborgen in der Truh',
     Das Kalb nicht sicher in der Kuh,
     Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.
     Was sagt der Prediger?  Contenti estote,
     Begnuegt euch mit eurem Kommissbrote.
     Aber wie soll man die Knechte loben,
     Koemmt doch das Aergerniss von oben!
     Wie die Glieder, so auch das Haupt!
     Weiss doch niemand, an wen der glaubt!

Erster Jaeger.
     Herr Pfaff!  Uns Soldaten mag Er schimpfen,
     Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.

Kapuziner.
     Ne custodias gregem meam!
     Das ist so ein Ahab und Jerobeam,
     Der die Voelker von der wahren Lehren
     Zu falschen Goetzen tut verkehren.

Trompeter und Rekrut.
     Lass' Er uns das nicht zweimal hoeren!

Kapuziner.
     So ein Bramarbas und Eisenfresser,
     Will einnehmen alle festen Schloesser.
     Ruehmte sich mit seinem gottlosen Mund,
     Er muesse haben die Stadt Stralsund,
     Und waer' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.
     Hat aber sein Pulver umsonst verschossen.

Trompeter.
     Stopft ihm keiner sein Laestermaul?

Kapuziner.
     So ein Teufelsbeschwoerer und Koenig Saul,
     So ein Jehu und Holofern,
     Verleugnet wie Petrus seinen Meister und Herrn,
     Drum kann er den Hahn nicht hoeren kraehn--

Beide Jaeger.
     Pfaffe, jetzt ist's um dich geschehn!

Kapuziner.
     So ein listiger Fuchs Herodes--

Trompeter und beide Jaeger (auf ihn eindringend).
     Schweig stille!  Du bist des Todes.

Kroaten (legen sich drein).
     Bleib da, Pfaefflein, fuercht dich nit,
     Sag dein Spruechel und teil's uns mit.

Kapuziner (schreit lauter).
     So ein hochmuetiger Nebukadnezer,
     So ein Suendenvater und muffiger Ketzer,
     Laesst sich nennen den Wallenstein,
     Ja freilich ist er uns allen ein Stein
     Des Anstosses und Aergernisses,
     Und solang der Kaiser diesen Friedeland
     Laesst walten, so wird nicht Fried' im Land.
(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener
Stimme spricht, seinen Rueckzug genommen, indem die Kroaten die uebrigen
Soldaten von ihm abwehren.)



Neunter Auftritt

Vorige ohne Kapuziner.


Erster Jaeger (zum Wachtmeister).
     Sagt mir!  Was meint' er mit dem Goeckelhahn,
     Den der Feldherr nicht hoeren kann?
     Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?

Wachtmeister.
     Da will ich Euch dienen!  Es ist nicht ganz ohne!
     Der Feldherr ist wundersam geboren,
     Besonders hat er gar kitzligte Ohren.
     Kann die Katze nicht hoeren mauen,
     Und wenn der Hahn kraeht, so macht's ihm Grauen.

Erster Jaeger.
     Das hat er mit dem Loewen gemein.

Wachtmeister.
     Muss alles mausstill um ihn sein.
     Den Befehl haben alle Wachen,
     Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.

Stimmen (im Zelt.  Auflauf).
     Greift ihn, den Schelm!  Schlagt zu!  Schlagt zu.
     Des Bauern Stimme.
     Hilfe!  Barmherzigkeit!

Andre Stimmen.
     Friede!  Ruh!

Erster Jaeger.
     Hol' mich der Teufel!  Da setzt's Hiebe.

Zweiter Jaeger.
     Da muss ich dabei sein!
(Laufen ins Zelt.)

Marketenderin (kommt heraus).
     Schelmen und Diebe!

Trompeter.
     Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?

Marketenderin.
     Der Lump!  der Spitzbub!  der Strassenlaeufer!
     Das muss mir in meinem Zelt passieren!
     Es beschimpt mich bei allen Herrn Offizieren.

Wachtmeister.
     Baeschen, was gibt's denn?

Marketenderin.
     Was wird's geben?
     Da erwischten sie einen Bauern eben,
     Der falsche Wuerfel taet bei sich haben.

Trompeter.
     Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.



Zehnter Auftritt

Soldaten bringen den Bauer geschleppt.


Erster Jaeger.
     Der muss baumeln!
     Scharfschuetzen und Dragoner.
     Zum Profoss!  zum Profoss!

Wachtmeister.
     Das Mandat ist noch kuerzlich ausgegangen.

Marketenderin.
     In einer Stunde seh ich ihn hangen!

Wachtmeister.
     Boeses Gewerbe bringt boesen Lohn.

Erster Arkebusier (zum andern).
     Das kommt von der Desperation.
     Denn seht!  erst tut man sie ruinieren,
     Das heisst sie zum Stehlen selbst verfuehren.

Trompeter.
     Was?  was?  Ihr red't ihm das Wort noch gar?
     Dem Hunde!  tut Euch der Teufel plagen?

Erster Arkebusier.
     Der Bauer ist auch ein Mensch--sozusagen.

Erster Jaeger (zum Trompeter).
     Lass sie gehen!  sind Tiefenbacher,
     Gevatter Schneider und Handschuhmacher!
     Lagen in Garnison zu Brieg,
     Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.



Eilfter Auftritt

Vorige.  Kuerassiere.


Erster Kuerassier.
     Friede!  Was gibt's mit dem Bauer da?

Erster Scharfschuetz.
     's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!

Erster Kuerassier.
     Hat er dich betrogen etwa?

Erster Scharfschuetz.
     Ja, und hat mich rein ausgezogen.

Erster Kuerassier.
     Wie?  du bist ein Friedlaendischer Mann,
     Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
     Mit einem Bauer dein Glueck probieren?
     Der laufe, was er laufen kann.
(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)

Erster Arkebusier.
     Der macht kurze Arbeit, ist resolut,
     Das ist mit solchem Volke gut.
     Was ist's fuer einer?  Es ist kein Boehm'.

Marketenderin.
     's ist ein Wallon'!  Respekt vor dem!
     Von des Pappenheims Kuerassieren.

Erster Dragoner (tritt dazu).
     Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt fuehren.
     Den haben sie sich aus eigner Macht
     Zum Oberst gesetzt in der Luetzner Schlacht,
     Als der Pappenheim umgekommen.

Erster Arkebusier.
     Haben sie sich so was 'rausgenommen?

Erster Dragoner.
     Dies Regiment hat was voraus,
     Es war immer voran bei jedem Strauss.
     Darf auch seine eigene Justiz ausueben,
     Und der Friedlaender tut's besonders lieben.

Erster Kuerassier (zum andern).
     Ist's auch gewiss?  Wer bracht' es aus?

Zweiter Kuerassier.
     Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.

Erster Kuerassier.
     Was Teufel!  Wir sind nicht ihre Hunde.

Erster Jaeger.
     Was haben die da?  sind voller Gift.

Zweiter Jaeger.
     Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?

Erster Kuerassier.
     Es hat sich keiner drueber zu freuen.
(Soldaten treten herzu.)
     Sie wollen uns in die Niederland' leihen;
     Kuerassiere, Jaeger, reitende Schuetzen,
     Sollen achttausend Mann aufsitzen.

Marketenderin.
     Was?  was?  da sollen wir wieder wandern?
     Bin erst seit gestern zurueck aus Flandern.

Zweiter Kuerassier (zu den Dragonern).
     Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.

Erster Kuerassier.
     Und absonderlich wir Wallonen.

Marketenderin.
     Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!

Erster Kuerassier.
     Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.

Erster Jaeger.
     Den Infanten!  Das ist ja kurios!

Zweiter Jaeger.
     Den Pfaffen!  Da geht der Teufel los.

Erster Kuerassier.
     Wir sollen von dem Friedlaender lassen,
     Der den Soldaten so nobel haelt,
     Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
     Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
     Nein, das geht nicht!  Wir laufen fort.

Trompeter.
     Was, zum Henker!  sollen wir dort?
     Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
     Und nicht dem hispanischen roten Hut.

Zweiter Jaeger.
     Auf des Friedlaenders Wort und Kredit allein
     Haben wir Reitersdienst genommen;
     Waer's nicht aus Lieb' fuer den Wallenstein,
     Der Ferdinand haett' uns nimmer bekommen.

Erster Dragoner
     Taet uns der Friedlaender nicht formieren?
     Seine Fortuna soll uns fuehren.

Wachtmeister.
     Lasst euch bedeuten, hoert mich an.
     Mit dem Gered' da ist's nicht getan.
     Ich sehe weiter als ihr alle,
     Dahinter steckt eine boese Falle.

Erster Jaeger.
     Hoert das Befehlbuch!  Stille doch!

Wachtmeister.
     Baeschen Gustel, fuellt mir erst noch
     ein Glaeschen Melnecker fuer den Magen,
     Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.

Marketenderin (ihm einschenkend).
     Hier, Herr Wachtmeister!  Er macht mir Schrecken.
     Es wird doch nichts boeses dahinter stecken!

Wachtmeister.
     Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
     Dass jeder das Naechste bedenken tut;
     Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
     Man muss immer das Ganze ueberschlagen.
     Wir nennen uns alle des Friedlaenders Truppen.
     Der Buerger, er nimmt uns ins Quartier
     Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
     Der Bauer muss den Gaul und den Stier
     Vorspannen an unsre Bagagewagen,
     Vergebens wird er sich drueber beklagen.
     Laesst sich ein Gefreiter mit sieben Mann
     In einem Dorfe von weitem spueren,
     Er ist die Obrigkeit drin und kann
     Nach Lust drin walten und kommandieren.
     Zum Henker!  Sie moegen uns alle nicht
     Und saehen des Teufels sein Angesicht
     Weit lieber als unsre gelben Kolletter.
     Warum schmeissen sie uns nicht aus dem Land?  Potz
     Wetter!
     Sind uns an Anzahl doch ueberlegen,
     Fuehren den Knittel, wie wir den Degen.
     Warum duerfen wir ihrer lachen?
     Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!

Erster Jaeger.
     Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
     Der Friedlaender hat das wohl erfahren,
     Wie er dem Kaiser vor acht--neun Jahren
     Die grosse Armee zusammenbracht.
     Sie wollten er nur von zwoelftausend hoeren:
     Die, sagt' er, die kann ich nicht ernaehren;
     Aber ich will sechzigtausend werben,
     Die, weiss ich, werden nicht Hungers sterben.
     Und so wurden wir Wallensteiner.

Wachtmeister.
     Zum Exempel, da hack' mir einer
     Von den fuenf Fingern, die ich hab,
     Hier an der Rechten den kleinen ab.
     Habt ihr mir den Finger bloss genommen?
     Nein, beim Kuckuck!  ich bin um die Hand gekommen!
     's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
     Ja, und diese achtausend Pferd',
     Die man nach Flandern jetzt begehrt,
     Sind von der Armee nur der kleine Finger.
     Laesst man sie ziehn, ihr troestet euch,
     Wir seien um ein Fuenftel nur geringer?
     Prost Mahlzeit!  da faellt das Ganze gleich.
     Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,
     Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
     Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
     Den Quartier--und den Kuechenzettel,
     Und es ist wieder der alte Bettel.
     Ja, und wie lang wird's stehen an,
     So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann--
     Sie sind ihm am Hofe so nicht gruen,
     Nun, da faellt eben alles hin!
     Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
     Sorgt, dass man uns die Kontrakte haelt?
     Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
     Den schnellen Witz und die feste Hand,
     Diese gestueckelten Heeresmassen
     Zusammenzufuegen und zu passen?
     Zum Exempel--Dragoner--sprich:
     Aus welchem Vaterland schreibst du dich?

Erster Dragoner.
     Weit aus Hibernien her komm ich.

Wachtmeister (zu den beiden Kuerassieren).
     Ihr, das weiss ich, seid ein Wallon',
     Ihr ein Welscher.  Man hoert's am Ton.

Erster Kuerassier.
     Wer ich bin?  ich hab's nie koennen erfahren,
     Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.

Wachtmeister.
     Und du bist auch nicht aus der Naeh'?

Erster Arkebusier
     Ich bin von Buchau am Federsee.

Wachtmeister.
     Und ihr, Nachbar?

Zweiter Arkebusier.
     Aus der Schwitz.

Wachtmeister (zum zweiten Jaeger).
     Was fuer ein Landsmann bist du, Jaeger?

Zweiter Jaeger.
     Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.

Wachtmeister (auf den Trompeter zeigend).
     Und der da und ich, wir sind aus Eger.
     Nun!  und wer merkt uns das nun an,
     Dass wir aus Sueden und aus Norden
     Zusammengeschneit und--geblasen worden?
     Sehn wir nicht aus wie aus einem Span?
     Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
     Recht wie zusammengeleimt und--gegossen?
     Greifen wir nicht wie ein Muehlwerk flink
     Ineinander, auf Wort und Wink?
     Wer hat uns so zusammengschmiedet,
     Dass ihr uns nimmer unterschiedet?
     Kein andrer sonst als der Wallenstein!

Erster Jaeger.
     Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
     Dass wir so gut zusammen passen;
     Hab mich immer nur gehenlassen.

Erster Kuerassier.
     Dem Wachtmeister muss ich Beifall geben.
     Dem Kriegsstand kaemen sie gern ans Leben;
     Den Soldaten wollen sie nieder halten,
     Dass sie alleine koennen walten.
     's ist eine Verschwoerung, ein Komplott.

Marketenderin.
     Eine Verschwoerung?  du lieber Gott!
     Da koennen die Herren ja nicht mehr zahlen.

Wachtmeister.
     Freilich!  Es wird alles bankerott.
     Viele von den Hauptleuten und Generalen
     Stellten aus ihren eignen Kassen
     Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
     Taeten sich angreifen ueber Vermoegen,
     Dachten, es bring' ihnen grossen Segen.
     Und die alle sind um ihr Geld,
     Wenn das Haupt, wenn der Herzog faellt.

Marketenderin.
     Ach!  du mein Heiland!  das bringt mir Fluch!
     Die halbe Armee steht in meinem Buch.
     Der Graf Isolani, der boese Zahler,
     Restiert mir allein noch zweihundert Taler.

Erster Kuerassier.
     Was ist da zu machen, Kameraden?
     Es ist nur eins, was uns retten kann:
     Verbunden koennen sie uns nichts schaden,
     Wir stehen alle fuer einen Mann.
     Lasst sie schicken und ordenanzen,
     Wir wollen uns fest in Boehmen pflanzen,
     Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
     Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.

Zweiter Jaeger.
     Wir lassen uns nicht so im Land rumfuehren!
     Sie sollen kommen und sollen's probieren!

Erster Arkebusier.
     Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiss,
     's ist des Kaisers Will' und Geheiss.

Trompeter.
     Werden uns viel um den Kaiser scheren.

Erster Arkebusier.
     Lass' Er mich das nicht zweimal hoeren.

Trompeter.
     's ist aber doch so, wie ich gesagt.

Erster Jaeger.
     Ja, ja, ich hoert's immer so erzaehlen,
     Der Friedlaender hab' hier allein zu befehlen.

Wachtmeister.
     So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
     Absolute Gewalt hat er, muesst ihr wissen,
     Krieg zu fuehren und Frieden zu schliessen,
     Geld und Gut kann er konfiszieren,
     Kann henken lassen und pardonieren,
     Offiziere kann er und Obersten machen,
     Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
     Das hat er vom Kaiser eigenhaendig.

Erster Arkebusier.
     Der Herzog ist gewaltig und hochverstaendig;
     Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
     Wie wir alle, des Kaisers Knecht.

Wachtmeister.
     Nicht wie wir alle!  das wisst Ihr schlecht.
     Er ist ein unmittelbarer und freier
     Des Reiches Fuerst, so gut wie der Bayer.
     Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
     Als ich zu Brandeis die Wach' getan,
     Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
     Zu bedecken sein fuerstlich Haupt?

Erster Arkebusier.
     Das war fuer das Mecklenburger Land,
     Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.

Erster Jaeger (zum Wachtmeister).
     Wie?  In des Kaisers Gegenwart?
     Das ist doch seltsam und sehr apart!

Wachtmeister (faehrt in die Tasche).
     Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
     Sollt ihr's mit Haenden greifen und fassen.
(Eine Muenze zeigend.)
     Wes ist das Bild und Gepraeg'?

Marketenderin.
     Weist her!
     Ei, das ist ja ein Wallensteiner!

Wachtmeister.
     Na!  da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
     Ist er nicht Fuerst so gut als einer?
     Schlaegt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
     Hat er nicht eigenes Volk und Land?
     Eine Durchlauchtigkeit laesst er sich nennen!
     Drum muss er Soldaten halten koennen.

Erster Arkebusier.
     Das disputiert ihm niemand nicht.
     Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
     Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.

Trompeter.
     Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
     Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser!
     Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
     Die Loehnung immer umsonst versprochen?

Erster Arkebusier.
     Ei was!  das steht ja in guten Haenden.

Erster Kuerassier.
     Fried', ihr Herrn!  Wollt ihr mit Schlaegen enden?
     Ist denn darueber Zank und Zwist,
     Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
     Eben drum, weil wir gern in Ehren
     Seine tuechtigen Reiter waeren,
     Wollen wir nicht seine Herde sein,
     Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
     Herum lassen fuehren und verpflanzen.
     Sagt selbst!  Kommt's nicht dem Herrn zugut,
     Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
     Wer anders macht ihn als seine Soldaten
     Zu dem grossmaechtigen Potentaten?
     Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
     Das grosse Wort in der Christenheit?
     Moegen sich die sein Joch aufladen,
     Die mitessen von seinen Gnaden,
     Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
     Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
     Nichts als die Mueh' und als die Schmerzen
     Und wofuer wir uns halten in unserm Herzen.

Zweiter Jaeger.
     Alle grossen Tyrannen und Kaiser
     Hielten's so und waren viel weiser.
     Alles andre taeten sie hudeln und schaenden,
     Den Soldaten trugen sie auf den Haenden.

Erster Kuerassier.
     Der Soldat muss sich koennen fuehlen.
     Wer's nicht edel und nobel treibt,
     Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
     Soll ich frisch um mein Leben spielen,
     Muss mir noch etwas gelten mehr.
     Oder ich lasse mich eben schlachten.
     Wie der Kroat--und muss mich verachten.

Beide Jaeger.
     Ja, uebers Leben noch geht die Ehr'!

Erster Kuerassier.
     Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
     Wer damit ackern wollte, waere nicht klug.
     Es gruent uns kein Halm, er waechst keine Saat,
     Ohne Heimat muss der Soldat
     Auf dem Erdboden fluechtig schwaermen,
     Darf sich an eignem Herd nicht waermen ,
     Er muss vorbei an der Staedte Glanz,
     An des Doerfleins lustigen, gruenen Auen,
     Die Traubenlese, den Erntekranz
     Muss er wandernd von ferne schauen.
     Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
     Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
     Etwas muss er sein eigen nennen,
     Oder der Mensch wird morden und brennen.

Erster Arkebusier.
     Das weiss Gott, 's ist ein elend Leben!

Erster Kuerassier.
     Moecht's doch nicht fuer ein andres geben.
     Seht, ich bin weit in der Welt rumkommen,
     Hab alles in Erfahrung genommen.
     Hab der hispanischen Monarchie
     Gedient und der Republik Venedig
     Und dem Koenigreich Napoli,
     Aber das Glueck war mir nirgends gnaedig.
     Hab den Kaufmann gesehn und den Ritter
     Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
     Und kein Rock hat mir unter allen
     Wie mein eisernes Wams gefallen.

Erster Arkebusier.
     Ne!  das kann ich eben nicht sagen.

Erster Kuerassier.
     Will einer in der Welt was erjagen,
     Mag er sich ruehren und mag sich plagen;
     Will er zu hohen Ehren und Wuerden,
     Bueck' er sich unter die goldnen Buerden.
     Will er geniessen den Vatersegen,
     Kinder und Enkelein um sich pflegen,
     Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh'.
     Ich--ich hab kein Gemuet dazu.
     Frei will ich leben und also sterben,
     Niemand berauben und niemand beerben
     Und auf das Gehudel unter mir
     Leicht wegschauen von meinem Tier.

Erster Jaeger.
     Bravo!  Just so ergeht es mir.

Erster Arkebusier.
     Lustiger freilich mag sich's haben,
     Ueber anderer Koepf' wegtraben.

Erster Kuerassier.
     Kamerad, die Zeiten sind schwer,
     Das Schwert ist nicht bei der Waage mehr;
     Aber so mag mir's keiner verdenken,
     Dass ich mich lieber zum Schwert will lenken.
     Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
     Aber nicht auf mir trommeln lassen.

Erster Arkebusier.
     Wer ist dran schuld als wir Soldaten,
     Dass der Naehrstand in Schimpf geraten?
     Der leidige Krieg und die Not und Plag'
     In die sechzehn Jahr' schon waehren mag.

Erster Kuerassier.
     Bruder, den lieben Gott da droben,
     Es koennen ihn alle zugleich nicht loben.
     Einer will die Sonn', die den andern beschwert;
     Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
     Wo du nur die Not siehst und die Plag',
     Da scheint mir des Lebens heller Tag.
     Geht's auf Kosten des Buergers und Bauern,
     Nun wahrhaftig, sie werden mich dauern;
     Aber ich kann's nicht aendern--seht,
     's ist hier just, wie's beim Einhaun geht:
     Die Pferde schnauben und setzen an,
     Liege wer will mitten in der Bahn,
     Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
     Zerriss mir die Seele sein Jammerton,
     Ueber seinen Leib weg muss ich jagen,
     Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.

Erster Jaeger.
     Ei, wer wird nach dem andern fragen!

Erster Kuerassier.
     Und weil sich's nun einmal so gemacht,
     Dass das Glueck dem Soldaten lacht,
     Lasst's uns mit beiden Haenden fassen,
     Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
     Der Friede wird kommen ueber Nacht,
     Der dem Wesen ein Ende macht;
     Der Soldat zaeumt ab, der Bauer spannt ein,
     Eh' man's denkt, wird's wieder das alte sein.
     Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
     Wir haben's Heft noch in der Hand;
     Lassen wir uns auseinandersprengen,
     Werden sie uns den Brotkorb hoeher haengen.

Erster Jaeger.
     Nein, das darf nimmermehr geschehn!
     Kommt, lasst uns alle fuer einen stehn.

Zweiter Jaeger.
     Ja, lasst uns Abrede nehmen, hoert!

Erster Arkebusier (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).
     Gevatterin, was hab ich verzehrt?

Marketenderin.
     Ach!  es ist nicht der Rede wert!
(Sie rechnen.)

Trompeter.
     Ihr tut wohl, dass ihr weitergeht,
     Verderbt uns doch nur die Sozietaet.
(Arkebusier gehen ab.)

Erster Kuerassier.
     Schad um die Leut'!  Sind sonst wackre Brueder.

Erster Jaeger.
     Aber das denkt wie ein Seifensieder.

Zweiter Jaeger.
     Jetzt sind wir unter uns, lasst hoeren,
     Wie wir den neuen Anschlag stoeren.

Trompeter.
     Was?  wir gehen eben nicht hin.

Erster Kuerassier.
     Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
     Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
     Traegt's den Kameraden vernuenftig vor,
     Dass sie's begreifen und einsehn lernen .
     Wir duerfen uns nicht so weit entfernen .
     Fuer meine Wallonen sag ich gut.
     So, wie ich, jeder denken tut.

Wachtmeister.
     Terschkas Regimenter zu Ross und Fuss
     Stimmen alle in diesen Schluss.

Zweiter Kuerassier (stellt sich zum ersten).
     Der Lombard' sich nicht vom Wallonen trennt.

Erster Jaeger.
     Freiheit ist Jaegers Element.

Zweiter Jaeger.
     Freiheit ist bei der Macht allein:
     Ich leb und sterb bei dem Wallenstein.

Erster Scharfschuetz.
     Der Lothringer geht mit der grossen Flut,
     Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.

Dragoner.
     Der Irlaender folgt des Glueckes Stern.

Zweiter Scharfschuetz.
     Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.

Erster Kuerassier.
     Also lasst jedes Regiment
     Ein Pro memoria reinlich schreiben:
     Dass wir zusammen wollen bleiben,
     Dass uns keine Gewalt noch List
     Von dem Friedlaender weg soll treiben,
     Der ein Soldatenvater ist.
     Das reicht man in tiefer Devotion
     Dem Piccolomini--ich meine den Sohn--
     Der versteht sich auf solche Sachen,
     Kann bei dem Friedlaender alles machen,
     Hat auch einen grossen Stein im Brett
     Bei des Kaisers und Koenigs Majestaet.

Zweiter Jaeger.
     Kommt!  Dabei bleibt's!  Schlagt alle ein!
     Piccolomini soll unser Sprecher sein.
     Trompeter, Dragoner, Erster Jaeger, Zweiter Kuerassier, Scharfschuetzen
(zugleich)
     Piccolomini soll unser Sprecher sein.
(Wollen fort.)

Wachtmeister.
     Erst noch ein Glaeschen, Kameraden!
(Trinkt.)

Des Piccolomini hohe Gnaden!

Marketenderin (bringt eine Flasche).
     Das kommt nicht aufs Kerbholz.  Ich geb es gern.
     Gute Verrichtung, meine Herrn!

Kuerassiere.
     Der Wehrstand soll leben!

Beide Jaeger.
     Der Naehrstand soll geben!
     Dragoner und Scharfschuetzen.
     Die Armee soll florieren!
     Trompeter und Wachtmeister.
     Und der Friedlaender soll sie regieren.

Zweiter Kuerassier (singt).
     Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
     Ins Feld, in die Freiheit gezogen!
     Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
     Da wird das Herz noch gewogen.
     Da tritt kein anderer fuer ihn ein,
     Auf sich selber steht er da ganz allein.
(Die Soldaten aus dem Hintergrund haben sich waehrend des Gesangs
herbeigezogen und machen den Chor.)

Chor.
     Da tritt kein anderer fuer ihn ein,
     Auf sich selber steht er da ganz allein.

Dragoner.
     Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
     Man sieht nur Herren und Knechte,
     Die Falschheit herrschet, die Hinterlist
     Bei dem feigen Menschengeschlechte.
     Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
     Der Soldat allein ist der freie Mann.

Chor.
     Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
     Der Soldat allein ist der freie Mann.

Erster Jaeger.
     Des Lebens Aengsten, er wirft sie weg,
     Hat nicht mehr zu fuerchten, zu sorgen,
     Er reitet dem Schicksal entgegen keck,
     Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.
     Und trifft es morgen, so lasset uns heut
     Noch schluerfen die Neige der koestlichen Zeit.

Chor.
     Und trifft es morgen, so lasset uns heut
     Noch schluerfen die Neige der koestlichen Zeit.
(Die Glaeser sind aufs neue gefuellt worden, sie stossen an und trinken.)

Wachtmeister.
     Von dem Himmel faellt ihm sein lustig Los,
     Braucht's nicht mit Mueh' zu erstreben,
     Der Froener, der sucht in der Erde Schoss,
     Da meint er den Schatz zu erheben.
     Er graebt und schaufelt, solang er lebt,
     Und graebt, bis er endlich sein Grab sich graebt.

Chor.
     Er graebt und schaufelt, solang er lebt,
     Und graebt, bis er endlich sein Grab sich graebt.

Erster Jaeger.
     Der Reiter und sein geschwindes Ross,
     Sie sind gefuerchtete Gaeste,
     Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloss,
     Ungeladen kommt er zum Feste.
     Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
     Im Sturm erringt er den Minnesold.

Chor.
     Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
     Im Sturm erringt er den Minnesold.

Zweiter Kuerassier.
     Warum weint die Dirn' und zergraemet sich schier?
     Lass fahren dahin, lass fahren!
     Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
     Kann treue Lieb' nicht bewahren.
     Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
     Seine Ruhe laesst er an keinem Ort.

Chor.
     Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
     Seine Ruhe laesst er an keinem Ort.

Erster Jaeger (fasst die zwei Naechsten an der Hand, die uebrigen ahmen es
nach; alle, welche gesprochen, bilden einen grossen Halbkreis)
     Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezaeumt,
     Die Brust im Gefechte gelueftet!
     Die Jugend brauset, das Leben schaeumt,
     Frisch auf!  eh' der Geist noch verdueftet.
     Und setzet ihr nicht das Leben ein,
     Nie wird euch das Leben gewonnen sein.

Chor.
     Und setzet ihr nicht das Leben ein,
     Nie wird euch das Leben gewonnen sein.

(Der Vorhang faellt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)


     




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